WEBVTT

00:00:02.300 --> 00:00:07.280
<v Michael>Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.770 --> 00:00:13.040
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.

00:00:13.070 --> 00:00:20.840
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein. In dieser Folge geht es um einen Mann,
dessen Lebensgeschichte Stoff für direkt mehrere Filme bietet.

00:00:21.050 --> 00:00:27.230
<v Tobias>Der Winzer Heinrich Vollmer arbeitete bereits in den 60er-Jahren im Burgund,
pflanzte Cabernet Sauvignon in der Pfalz,

00:00:27.230 --> 00:00:32.600
<v Tobias>als es noch verboten war, und ging 1987 als einer der ersten Deutschen nach
Argentinien,

00:00:32.600 --> 00:00:37.580
<v Tobias>um Wein zu machen. In das Land, in dem er kurz zuvor fast sein Leben verlor.

00:00:38.150 --> 00:00:45.200
<v Tobias>Michael und ich sprechen mit Enrique über Mut,
Rebellion und die Kunst, im Wein wie im Leben neue Wege zu gehen.

00:00:45.800 --> 00:00:50.270
<v Tobias>Neue Wege geht auch ihr, wenn ihr Bei Anruf Wein bewertet und dem Podcast folgt.

00:00:50.300 --> 00:00:56.630
<v Tobias>Zudem macht bitte bei der Umfrage in den Shownotes mit und besucht gerne
weinlakai.de für meine Weinseminare.

00:00:56.660 --> 00:01:01.330
<v Tobias>Danke sehr! Also bleibt mal dran. Wir fangen direkt an!

00:01:02.800 --> 00:01:06.880
<v Tobias>Ja, lieber Heinrich, schön, dass wir dir heute einen Besuch abstatten dürfen.

00:01:06.880 --> 00:01:10.660
<v Tobias>Aber eigentlich müsste ich dich ja auch Enrique nennen dürfen,
oder?

00:01:11.230 --> 00:01:19.990
<v Heinrich>Heinrich: Ich bin ja 4 Jahrzehnte in Südamerika und dort nennt man den Enrique,
äh, den Heinrich eben Enrique.

00:01:20.380 --> 00:01:20.740
<v Tobias>Okay, alles klar.

00:01:21.220 --> 00:01:28.540
<v Heinrich>Heinrich: Mit E vorne geschrieben. Im Französischen -
Henry - wird ja mit H geschrieben und nicht gesprochen,

00:01:28.540 --> 00:01:37.090
<v Heinrich>aber im Spanischen ist es eben Enrique. Oder wenn du gute Freunde hast,
die sagen ganz kurz zu dir „Quique".

00:01:38.320 --> 00:01:39.430
<v Heinrich>So wie bei uns Heini.

00:01:41.320 --> 00:01:45.820
<v Heinrich>Quique, mit G. Mit G. Weich gesprochen,
„Gige".

00:01:41.320 --> 00:01:42.310
<v Michael>Okay, das ist Kike.

00:01:46.480 --> 00:01:47.020
<v Michael>Ah, weich, okay.

00:01:47.170 --> 00:01:47.680
<v Heinrich>Heinrich: Weich.

00:01:47.980 --> 00:01:53.410
<v Tobias>Das ist auf jeden Fall jetzt schon ein exzellenter Einstieg,
weil unser heutiges Thema ist ja deutsche Winzer,

00:01:53.410 --> 00:01:59.220
<v Tobias>die im Ausland Wein machen. Und du machst das ja vor allem schon sehr,
sehr lange.

00:01:59.250 --> 00:02:00.210
<v Tobias>Erzähl doch mal ein bisschen.

00:02:01.350 --> 00:02:11.250
<v Heinrich>Heinrich: Ich kam 1973 das erste Mal nach Peru. Das war meine erste Seligkeit,
und ich habe mich damals

00:02:11.250 --> 00:02:19.830
<v Heinrich>interessiert für die Entwicklung einfach der lateinamerikanischen Politik und
Unterwanderung durch den Sozialismus,

00:02:19.830 --> 00:02:25.410
<v Heinrich>Kommunismus und Ähnlichkeiten, die es bei uns auch gab.

00:02:25.440 --> 00:02:31.560
<v Heinrich>Wir hatten ja in der Zeit über 6.000 östliche Spione in Deutschland.

00:02:32.160 --> 00:02:38.670
<v Heinrich>Der eine saß sogar beim Bundeskanzler Willy Brandt auf dem Schoß.

00:02:38.670 --> 00:02:48.120
<v Heinrich>1983 hatte ich einen schweren Bergunfall und bin auf dem Huascarán auf 6.400
Meter

00:02:48.900 --> 00:02:56.480
<v Heinrich>einfach liegen geblieben, nachts ein Lungenödem bekommen und am nächsten Tag war
ich praktisch Außer Takt.

00:02:56.810 --> 00:03:04.580
<v Heinrich>So, mein Mitsteiger, am zweiten Tag habe ich ihn gebeten,
sich in Sicherheit zu bringen und ist abgestiegen.

00:03:04.610 --> 00:03:12.560
<v Heinrich>So, und ich hatte Glück, dass Indios, bei denen ich mich die Jahre zuvor immer
akklimatisiert habe,

00:03:12.560 --> 00:03:21.736
<v Heinrich>die lebten oder leben, auf 4.800 Meter und pflanzen dort Weizen,
Kartoffeln und Mais an.

00:03:21.736 --> 00:03:31.310
<v Heinrich>Ganz nette Leute. Und statt auf dem Berg hin und her zu springen,
habe ich immer die erste Woche mit Pickel und

00:03:31.310 --> 00:03:34.880
<v Heinrich>Hacke denen eine Woche geholfen, Kartoffeln zu ernten.

00:03:35.630 --> 00:03:43.460
<v Heinrich>Und das hat mir letzten Endes das Leben gerettet. Die haben von der,
die leben auf der Gegenseite dieses Berges und haben das miterlebt,

00:03:43.460 --> 00:03:49.010
<v Heinrich>wie wir dort aufgestiegen sind. Ich habe ein rotes Zelt,
und die haben dann gesehen,

00:03:49.040 --> 00:03:57.160
<v Heinrich>da bewegt sich nichts mehr und haben sich auf den Weg gemacht und waren am Tag 5
meines Liegens auf dem Berg,

00:03:58.000 --> 00:04:01.330
<v Heinrich>haben sie mich gefunden und runtergebracht.

00:04:01.540 --> 00:04:08.470
<v Heinrich>Ich war im Koma und habe also die letzten Tage,
habe ich nichts mehr mitbekommen.

00:04:08.500 --> 00:04:16.240
<v Heinrich>Da oben hast du nachts -30 Grad, tagsüber hast im Zelt plus 25,
wenn die Sonne drauf scheint,

00:04:16.690 --> 00:04:18.610
<v Heinrich>und gut.

00:04:19.870 --> 00:04:21.430
<v Michael>Und wenig Sauerstoff die ganze Zeit.

00:04:21.430 --> 00:04:25.630
<v Heinrich>Heinrich: Sauerstoff hast du ganz wenig. Mit Lungenödem habe ich sowieso noch weniger.

00:04:25.630 --> 00:04:31.480
<v Heinrich>Die Lunge ist voll mit Wasser. Der Körper entzieht oder die Lunge entzieht
langsam dem Blut das Wasser.

00:04:32.020 --> 00:04:36.550
<v Heinrich>Es läuft dann zum Mund raus. Du bist, letzten Endes gibt es einen
Erstickungstod,

00:04:36.550 --> 00:04:39.130
<v Heinrich>wenn die Lunge ganz voll ist mit Wasser,
bist du tot.

00:04:39.790 --> 00:04:41.890
<v Tobias>Da muss ich jetzt kurz noch mal zwischenhaken.

00:04:41.890 --> 00:04:45.647
<v Tobias>Wir sprechen ja jetzt von was für einer Jahreszahl?

00:04:45.647 --> 00:04:46.420
<v Tobias>Weil das ist, glaube ich dann schon...

00:04:46.630 --> 00:04:48.160
<v Heinrich>Heinrich: 1983.

00:04:48.190 --> 00:04:49.300
<v Tobias>1983.

00:04:49.330 --> 00:04:59.310
<v Heinrich>Heinrich: 1983. Und dann bin ich also, habe es überlebt,
lag da eine Zeit bei denen, habe es überlebt und kam zurück und

00:05:01.200 --> 00:05:04.530
<v Heinrich>habe dann das Augenlicht verloren, als ich hier nach Deutschland kam.

00:05:05.280 --> 00:05:09.150
<v Heinrich>Ich hatte noch 49 Kilo Körpergewicht, bin an der Makula erblindet.

00:05:10.110 --> 00:05:13.980
<v Heinrich>Mir sind auf beiden Augen die Adern geplatzt und Blut auf die Sehscheibe
gelaufen.

00:05:14.010 --> 00:05:19.620
<v Heinrich>Das ist also ganz mit deutscher Sprache,
ist diese Sache dann beschrieben.

00:05:19.800 --> 00:05:26.970
<v Heinrich>Dann lag ich in München in einer Spezialklinik und gut,
man wollte mich dort operieren.

00:05:27.000 --> 00:05:30.990
<v Heinrich>Die Stabsärztin hat aber es mir ausgeredet.

00:05:31.230 --> 00:05:38.760
<v Heinrich>„Lass dich nicht operieren. Es sind nicht 2 % Erfolgsquote,
sondern nur maximal 2 Promille Erfolgsquote.

00:05:39.270 --> 00:05:42.960
<v Heinrich>Und wenn die Makulascheibe beschädigt ist,
bleibst du blind, das ganze Leben lang.

00:05:43.170 --> 00:05:51.980
<v Heinrich>Also habe ich nicht gemacht und bin dann auf ihr Anraten hin praktisch habe ich
mich selbst entlassen und bin mit dem Zug,

00:05:52.190 --> 00:05:55.700
<v Heinrich>mich zum Eisen, zum Zug bringen lassen und heimgefahren und so weiter.

00:05:56.090 --> 00:06:00.920
<v Heinrich>So, da war ich zu Hause. Ich kam freitags hier an,
das war auch ein unvergessliches Erlebnis,

00:06:01.070 --> 00:06:08.420
<v Heinrich>komme freitags an und sagt mein Betriebsleiter Chef,
morgen Abend grillen wir und besprechen den Herbst.

00:06:08.450 --> 00:06:13.910
<v Heinrich>Das war am 5. September 1983. Am 7. September hat der Herbst angefangen.

00:06:13.940 --> 00:06:18.470
<v Heinrich>Das war auch damals der früheste Herbstbeginn der Aufzeichnungen.

00:06:20.420 --> 00:06:27.230
<v Heinrich>An dem Abend waren wir 12 Mann und haben viele,
viele Flaschen Wein getrunken.

00:06:28.220 --> 00:06:30.080
<v Heinrich>Und morgens um 5:30 Uhr...

00:06:30.770 --> 00:06:31.820
<v Michael>...war das Augenlicht wieder da.

00:06:32.060 --> 00:06:32.960
<v Heinrich>Heinrich: War das Augenlicht wieder da.

00:06:33.140 --> 00:06:33.830
<v Tobias>Nicht wirklich?!

00:06:34.160 --> 00:06:35.300
<v Heinrich>Heinrich: Ja, ja.

00:06:35.630 --> 00:06:36.200
<v Tobias>Ist ja verrückt!

00:06:36.230 --> 00:06:37.760
<v Michael>Vielleicht kriege ich auch so meine Brille weg,
weißt du?

00:06:38.510 --> 00:06:45.440
<v Heinrich>Heinrich: Ja, wenn ich dir sagen würde, wie viele Flaschen wir getrunken haben,
dann...

00:06:45.260 --> 00:06:45.710
<v Michael>Doch nicht?

00:06:45.740 --> 00:06:47.360
<v Heinrich>Heinrich: ...dann würdest du sagen, das mach ich doch nicht.

00:06:47.480 --> 00:06:50.390
<v Tobias>Man hört ja eigentlich immer das Gegenteilige über Alkohol.

00:06:50.420 --> 00:06:54.710
<v Tobias>Aber sag mal, warst du denn vorher schon so ein Bergsteiger und Gebirgefan?

00:06:54.740 --> 00:07:01.010
<v Heinrich>Heinrich: Ja, ich bin ausgebildeter Bergführer und das hat mich immer schon interessiert.

00:07:01.280 --> 00:07:05.210
<v Tobias>Okay, da kriegen wir jetzt ja vielleicht mal die Überleitung. Wir sitzen ja hier
in der Pfalz,

00:07:05.420 --> 00:07:08.330
<v Tobias>in Ellerstadt. Da kommst du aber ja ursprünglich gar nicht her,
ne?

00:07:08.960 --> 00:07:15.590
<v Heinrich>Heinrich: Ich bin heute, wenn ich es so sehe, wie meine Tochter,
die Pfälzer ist, die hier geboren ist,

00:07:15.620 --> 00:07:21.890
<v Heinrich>die Pfälzisch spricht, und ich habe in meinen 50 Jahren,
ich bin jetzt 53 Jahre hier in Ellerstadt,

00:07:22.190 --> 00:07:24.581
<v Heinrich>ich habe es nie gelernt, Pfälzisch zu sprechen.

00:07:24.581 --> 00:07:29.030
<v Heinrich>Hängt natürlich auch daran, weil ich keinen Pfälzer eine Flasche Wein verkaufen
konnte.

00:07:29.300 --> 00:07:35.720
<v Heinrich>Also meine Kunden sind eben nicht in der Pfalz,
sie sind in Hamburg, in München,

00:07:35.750 --> 00:07:40.984
<v Heinrich>in Frankfurt oder sonst wo in der Welt. Aber dem Pfälzer?

00:07:40.984 --> 00:07:50.430
<v Heinrich>Und ich glaube auch, wenn du als Baden-Württemberger in die Pfalz gekommen bist,

00:07:50.460 --> 00:07:54.180
<v Heinrich>damals warst zunächst auch mal Zugereister.

00:07:54.720 --> 00:07:59.580
<v Heinrich>Und das habe ich ja auch deutlich zu spüren bekommen.

00:08:00.330 --> 00:08:09.960
<v Heinrich>Allerdings leitete ich ja in Ellerstadt ein Weingut und da waren viele auch ein
bisschen von dem Weingut

00:08:09.960 --> 00:08:18.510
<v Heinrich>abhängig, mal ganz einfach sozusagen, sodass sie diesen Flüchtling zwangsweise
auch...

00:08:18.540 --> 00:08:19.500
<v Tobias>Akzeptieren mussten?

00:08:19.500 --> 00:08:20.010
<v Heinrich>Heinrich: ...akzeptieren mussten.

00:08:20.040 --> 00:08:20.940
<v Tobias>Ja, okay.

00:08:21.390 --> 00:08:29.430
<v Heinrich>Heinrich: Also dann war das alles eine ganz tolle Geschichte,
aber ich leide heute noch darunter.

00:08:29.460 --> 00:08:36.240
<v Heinrich>Aber was noch, was schlimmer ist: 1962 war ich 15 Jahre alt.

00:08:36.570 --> 00:08:44.061
<v Heinrich>Und damals hat Adenauer und de Gaulle in Reims das deutsch französische
Jugendaustauschprogramm unterschrieben.

00:08:44.061 --> 00:08:48.910
<v Heinrich>So, und ich war dann einer der ersten Deutschen mit 15 Jahren,
der nach Frankreich ging.

00:08:49.120 --> 00:08:56.470
<v Heinrich>So, wenn ich heute darüber nachdenke, ich war der „Cochon allemand",
das deutsche Schwein,

00:08:57.610 --> 00:09:07.360
<v Heinrich>mindestens 2 Jahre lang. Also der Austausch sollte nur 6 Monate sein,
aber für mich war die Mission nicht abgeschlossen und ich blieb 5 Jahre.

00:09:07.450 --> 00:09:17.410
<v Heinrich>Ich kam 1968, am Karfreitag 68 kam ich aus dem Burgund zurück und die letzten 3
Jahre waren

00:09:17.410 --> 00:09:20.110
<v Heinrich>für mich mit die schönsten Jahre meines Lebens.

00:09:20.290 --> 00:09:23.950
<v Tobias>Oh wow, also das Blatt hat sich dann völlig gewendet?

00:09:23.980 --> 00:09:28.210
<v Heinrich>Heinrich: Völlig gewendet. Ich durfte Wein selber machen.

00:09:28.930 --> 00:09:31.270
<v Heinrich>Das war ein sehr großes Weingut, sehr berühmtes.

00:09:31.300 --> 00:09:37.510
<v Heinrich>Und dann hat einer meiner Weine die große Goldmedaille in Paris geholt und von
dem Tag war ich saniert,

00:09:38.320 --> 00:09:42.880
<v Heinrich>anerkannt. Und dann war ich nicht mehr der Cochon,
dann war ich der Henry. Fertig.

00:09:43.180 --> 00:09:43.690
<v Michael>Mit H.

00:09:43.690 --> 00:09:53.150
<v Heinrich>Heinrich: Genau. Und dann hast du an vielen Standorten immer wieder Auskünfte gegeben,
mitgeholfen

00:09:53.150 --> 00:10:02.810
<v Heinrich>usw. Ja, also das war der Anfang. Ich finde es heute nicht in Ordnung,
dass die deutschen Politiker die Kinder praktisch dorthin

00:10:02.810 --> 00:10:06.620
<v Heinrich>geschickt haben. Für uns war es gut, aber es war eine schwere Zeit.

00:10:06.860 --> 00:10:10.890
<v Tobias>Ja, das glaube ich. Also mein Sohn, der ist gerade 15,
wenn ich mir jetzt vorstellen würde,

00:10:10.890 --> 00:10:13.430
<v Tobias>der wird jetzt 5 Jahre einfach mal ins Ausland geschickt...

00:10:13.460 --> 00:10:16.580
<v Heinrich>Heinrich: Und das kurz nach dem Krieg, kurz nach dem Krieg.

00:10:16.580 --> 00:10:21.980
<v Heinrich>Es gab in der Anfangszeit keinen Franzosen,
der ein freundliches Wort für dich hatte.

00:10:22.220 --> 00:10:27.110
<v Heinrich>Ja, und mein Vater hat mir geschworen, du kommst nach einer Woche schon wieder
heim.

00:10:27.110 --> 00:10:31.790
<v Heinrich>Fertig. Und das hat mich gewurmt. Ich habe mich durchgebissen.

00:10:31.820 --> 00:10:32.510
<v Heinrich>Fertig, aus.

00:10:32.690 --> 00:10:35.840
<v Tobias>Und wie war in der Zeit überhaupt dann der Kontakt zum Elternhaus?

00:10:35.870 --> 00:10:37.070
<v Tobias>Ich meine, es gab ja damals noch kein WhatsApp.

00:10:37.100 --> 00:10:41.870
<v Heinrich>Heinrich: Wenig Kontakt. Ja, und kein Telefon. Meine Eltern hatten damals noch kein
Telefon.

00:10:42.700 --> 00:10:46.330
<v Heinrich>Ich habe so im Monat einmal geschrieben,
wenn ich Zeit hatte.

00:10:46.540 --> 00:10:54.580
<v Heinrich>Und der Kontakt, mein Vater wollte nicht,
dass ich nach Frankreich gehe, weil er hatte in der Normandie 5

00:10:54.580 --> 00:10:57.370
<v Heinrich>Lungendurchschüsse von hinten eingefangen von der Résistance.

00:10:57.730 --> 00:11:03.400
<v Heinrich>Und das hat er nie verkraftet, dass sich einer anschleicht und schießt von
hinten mit der Maschinenpistole,

00:11:03.430 --> 00:11:07.090
<v Heinrich>fünfmal auf seinen Rücken drauf. Hat es aber überlebt,
sonst wäre ich ja nicht da.

00:11:07.510 --> 00:11:11.020
<v Michael>Aber vielleicht fassen wir diese Reise jetzt noch mal zusammen.

00:11:11.050 --> 00:11:14.170
<v Michael>Du kommst ja aus dem Nordschwarzwald aus Baden.

00:11:14.200 --> 00:11:15.460
<v Heinrich>Heinrich: Ja, ist Mittelschwarzwald.

00:11:15.490 --> 00:11:16.390
<v Michael>Mittelschwarzwald.

00:11:16.480 --> 00:11:21.400
<v Heinrich>Heinrich: Ja. Der Nordschwarzwald, die Hornisgrinde,
das ist nicht so.

00:11:22.000 --> 00:11:24.040
<v Heinrich>Ja, es gibt auch Wein dort am Fuße.

00:11:24.670 --> 00:11:25.720
<v Michael>Aber nicht weit von Herrn Schäuble.

00:11:26.410 --> 00:11:30.820
<v Heinrich>Heinrich: Der Schäuble ist auch in Gengenbach und ich komme von der Rückseite dieses
Berges.

00:11:30.850 --> 00:11:37.480
<v Heinrich>Also ich würde sagen, 500 Meter oder 1 Kilometer,
mehr ist das nicht.

00:11:37.480 --> 00:11:38.620
<v Heinrich>Dort komme ich her.

00:11:38.710 --> 00:11:41.910
<v Michael>Aber wie kommt man dann auf die Idee, ins Burgund zu gehen?

00:11:41.940 --> 00:11:45.810
<v Michael>Oder stand das Burgund gar nicht fest, sondern es hieß nur:
„Geh nach Frankreich"?

00:11:45.900 --> 00:11:49.380
<v Heinrich>Heinrich: Ich gehe nach Frankreich. Und ich war zuerst auch nicht im Burgund.

00:11:49.410 --> 00:11:54.347
<v Heinrich>Ich war in der Maconnais beim damaligen Weinbaupräsident.

00:11:54.347 --> 00:12:01.080
<v Heinrich>Das ist über die Präsidenten gelaufen. Erst war ich ganz kurz im Elsass beim
Weinbaupräsident Melzers.

00:12:01.110 --> 00:12:06.840
<v Heinrich>Dann habe ich den gebeten, weil ich dort nie Französisch gelernt habe,
weil damals wurde noch elsässisch Deutsch gesprochen,

00:12:07.620 --> 00:12:11.850
<v Heinrich>und der hat mich dann zu seinem Kollegen ins Maconnais gebracht,
nach Mâcon.

00:12:12.270 --> 00:12:17.700
<v Heinrich>Und von dort aus ging ich dann rauf ins Hochburgund,
also nach Beaune.

00:12:18.540 --> 00:12:22.020
<v Heinrich>Und dort blieb ich dann auch. Aber das war eine tolle Entwicklung.

00:12:22.050 --> 00:12:26.220
<v Heinrich>Der eine war biodynamischer Betrieb und Biodynamik hat mich hochinteressiert.

00:12:26.250 --> 00:12:26.730
<v Michael>In der Zeit schon?

00:12:27.120 --> 00:12:34.560
<v Heinrich>Heinrich: In der Maconnais, ja. Da hat er mich, monatelang stand ich an einer Kompostmiete
und habe sie umgeschaufelt.

00:12:34.590 --> 00:12:38.520
<v Heinrich>Die war so 100 Meter lang und 2 Meter breit und 1,5 Meter hoch.

00:12:38.520 --> 00:12:44.376
<v Heinrich>Einen Monat lang habe ich geschaufelt. Ich wollte in einer Woche fertig sein,
aber das war so eine große Masse,

00:12:44.376 --> 00:12:46.200
<v Heinrich>muss ich schon sagen, ja.

00:12:46.530 --> 00:12:52.770
<v Tobias>Und gibt es denn aus der Zeit, also wenn man heute über das Burgund nachdenkt,
die besten Pinot Noirs der Welt usw.

00:12:52.800 --> 00:13:00.630
<v Tobias>Gibt es aus dieser Zeit zwischen 15 und 20 noch Dinge,
die du jetzt nutzt als Wissen oder Erfahrung?

00:13:00.660 --> 00:13:06.603
<v Heinrich>Heinrich: Ja, absolut, absolut. Der alte, der alte Franzose,
der hat immer zu mir gesagt,

00:13:06.603 --> 00:13:11.820
<v Heinrich>ein Sprichwort, französisches Sprichwort:
„plutôt verts que trop mûr", kurz vorm Herbst.

00:13:12.180 --> 00:13:15.900
<v Heinrich>Wenn ich zu ihm gesagt habe, wir müssen anfangen,
wir müssen anfangen.

00:13:16.980 --> 00:13:21.690
<v Heinrich>Er hat immer gesagt: Lieber nicht zu reif -
auf Deutsch übersetzt - wie zu reif.

00:13:23.220 --> 00:13:27.807
<v Heinrich>Also wenn ich gesagt habe, lass noch eine Woche hänge,
hat er gesagt: „Wir fangen an!".

00:13:27.807 --> 00:13:36.000
<v Heinrich>Lieber nicht so reif wie zu reif. Und das ist auch heute jetzt,
weil wir ja durch den Klimawandel ähnliche Bedingungen hier haben -

00:13:36.000 --> 00:13:43.270
<v Heinrich>nicht ähnliche, fast die gleichen. Und deshalb haben wir auch in diesem Jahr
schon im August begonnen mit der Weinlese,

00:13:43.270 --> 00:13:47.470
<v Heinrich>um einfach diesem Sprichwort gerecht zu werden.

00:13:47.500 --> 00:13:52.780
<v Heinrich>Weil Fäulnis in den Trauben ist schädlicher wie ein bisschen weniger Sonne.

00:13:53.980 --> 00:14:01.660
<v Tobias>Absolut. Und diese Zeit in Frankreich, hat die auch dazu geführt,
dass du eine besondere Leidenschaft für Kulinarik,

00:14:01.660 --> 00:14:03.310
<v Tobias>für Kochen, für Essen entwickelt hast?

00:14:03.340 --> 00:14:12.010
<v Heinrich>Heinrich: Ja, die alte Chefin, die hat mich mittags immer um 11:30 nach Hause beordert und
da habe ich mit ihr Mittag gekocht.

00:14:12.040 --> 00:14:17.770
<v Heinrich>Und wir haben gekocht für die Belegschaft. Damals war dann so ein Speiseraum,
wo 12,

00:14:17.800 --> 00:14:21.948
<v Heinrich>15 Leute saßen, und da habe ich gekocht dann.

00:14:21.948 --> 00:14:28.210
<v Heinrich>Und mit der Alten. Und die konnte. Das war,
es gab manchmal 4, 5 Tage Coq au Vin hintereinander,

00:14:28.240 --> 00:14:32.080
<v Heinrich>aber es war völlig verschieden, völlig verschieden.

00:14:32.380 --> 00:14:36.390
<v Heinrich>Ja, einmal hat sie es mit Sauermilch gemacht,
dann hat sie es mit Rotwein gemacht,

00:14:36.420 --> 00:14:38.970
<v Heinrich>dann mit Champagner. Das war immer der Beste.

00:14:39.990 --> 00:14:43.620
<v Heinrich>Das Beste Coq au Vin war im Champagner angelegt.

00:14:43.650 --> 00:14:48.240
<v Michael>So, 5 Jahre Burgund. Dann geht es zurück nach Deutschland.

00:14:48.540 --> 00:14:50.490
<v Michael>Aber dann gehst du in die Pfalz?

00:14:50.730 --> 00:14:53.070
<v Heinrich>Heinrich: Ja, 5 Jahre zurück, ich kam dann zurück.

00:14:53.070 --> 00:14:58.980
<v Heinrich>Und ich habe so viel in meinem Leben erlebt und mich durchgebissen.

00:14:58.980 --> 00:15:06.300
<v Heinrich>Ich wollte dann, dass mein Vater mit einem Teil der Weinberge aus der
Winzergenossenschaft Durbach austritt und ich die Möglichkeit habe,

00:15:06.330 --> 00:15:11.015
<v Heinrich>Wein zu machen. Das hat er absolut abgelehnt.

00:15:11.015 --> 00:15:14.580
<v Heinrich>Und dann war für mich, bin ich gegangen.

00:15:14.790 --> 00:15:18.480
<v Michael>Okay, also du wolltest von Anfang an Wein für dich machen?

00:15:18.510 --> 00:15:27.767
<v Heinrich>Heinrich: Ja, ja. Ich wollte nicht jetzt 10, 15 Jahre aus dem Ganzen wieder rausgehen,
sondern es war auch gut so,

00:15:27.767 --> 00:15:30.570
<v Heinrich>dass ich das so entschieden habe.

00:15:30.930 --> 00:15:35.940
<v Michael>Aber dann hast du hier erst in einem anderen Weingut gearbeitet und da reifte
dann die Entscheidung,

00:15:35.970 --> 00:15:37.500
<v Michael>ich bleibe hier?

00:15:37.680 --> 00:15:46.560
<v Heinrich>Heinrich: Also es war so, ich kam am Karfreitag zurück und habe an dem Tag,
ich war früher,

00:15:46.620 --> 00:15:51.060
<v Heinrich>als ich noch in Durbach war, war ich Oberministrant,
das heißt, der zweite Chef in der Kirche.

00:15:51.660 --> 00:15:56.400
<v Heinrich>Und das war auch so, also mit 10 Jahren wurde ich Oberministrant,
oder 11 Jahren,

00:15:56.580 --> 00:16:02.040
<v Heinrich>und dann hat der Pfarrer gesagt, der Pfarrer Müller:
„Heinrich, hast du den Wein schon probiert?". Dann habe ich morgens um 6:00 Uhr

00:16:02.580 --> 00:16:06.540
<v Heinrich>den Wein probiert. Wenn ich gesagt habe:
„Herr Pfarrer, der ist abgestanden", hat er gesagt:

00:16:06.540 --> 00:16:08.310
<v Heinrich>„Mach eine neue Flasche auf, fertig". Dann war das so.

00:16:08.760 --> 00:16:09.570
<v Tobias>Sozialisierung, ja.

00:16:09.690 --> 00:16:15.360
<v Heinrich>Heinrich: Das war, ich fand das toll. Im Religionsunterricht hatte ich immer eine 1
gehabt,

00:16:15.360 --> 00:16:17.220
<v Heinrich>aber ich war nie im Religionsunterricht.

00:16:17.580 --> 00:16:22.620
<v Heinrich>Immer wenn Religion war, hat er mich in die Kirche geschickt,
jeden Mittwoch, um die Uhren aufzuziehen.

00:16:22.650 --> 00:16:26.760
<v Heinrich>Und da habe ich eine Stunde gebraucht, bis ich alle Gewichte droben hatte. Und
bei jedem,

00:16:26.790 --> 00:16:32.258
<v Heinrich>wenn jede Uhr fertig hat immer, dann habe ich den große Bembel mal losgelassen,
dann wussten die ganze Durbacher,

00:16:32.258 --> 00:16:38.240
<v Heinrich>der Heinrich Vollmer hockt wieder auf dem Kirchturm und zieht wieder die Uhr
auf. Es war eine tolle Zeit in der Schule,

00:16:38.840 --> 00:16:45.830
<v Heinrich>muss ich sagen. Und ich kam zurück 68 und saß dann auf der Kirchentreppe.

00:16:45.830 --> 00:16:48.470
<v Heinrich>Ich wollte, es war am Karfreitag, da wollte ich nicht reingehen.

00:16:48.500 --> 00:16:48.980
<v Michael>Ist ja ein Feiertag.

00:16:49.010 --> 00:16:53.930
<v Heinrich>Heinrich: Ja, da hätte ich Applaus bekommen wahrscheinlich,
wenn ich da reingelaufen wäre als Ministrant.

00:16:54.050 --> 00:17:01.220
<v Heinrich>Und ich saß auf der Treppe draußen und dann kam ein Mädchen raus,
die war ein Jahr jünger wie ich,

00:17:01.670 --> 00:17:05.750
<v Heinrich>und dann sage ich zu ihr: „Sag mal, die Kirche ist doch noch gar nicht aus".

00:17:05.900 --> 00:17:10.070
<v Heinrich>Und dann sagt sie; „Ja, für mich reicht es." Das wurde meine erste Frau.

00:17:12.230 --> 00:17:12.440
<v Tobias>Ah, okay.

00:17:12.230 --> 00:17:17.090
<v Heinrich>Heinrich: Das wurde meine erste Frau. Aber meine Eltern waren nicht sehr glücklich.

00:17:17.120 --> 00:17:25.280
<v Heinrich>Und dann hat es nicht harmoniert. Und dann habe ich entschieden,
Durbach zu verlassen,

00:17:25.640 --> 00:17:31.878
<v Heinrich>habe inseriert und habe dann durch das Inserat in Sausenheim,
Grünstadt, ein Weingut gefunden -

00:17:31.878 --> 00:17:36.790
<v Heinrich>ich war 20 Jahre alt -, die mich als Verwalter dort eingestellt haben.

00:17:37.180 --> 00:17:42.910
<v Heinrich>Also der Verwalter damals war aber, dass du sämtliche Weinberge selbst
bewirtschaftet hast,

00:17:43.090 --> 00:17:48.040
<v Heinrich>den Wein gemacht und verkauft hast. Genau diese 3 Komponenten waren ja meine
Stärke.

00:17:48.250 --> 00:17:50.260
<v Tobias>Ja, und das schon mit...

00:17:50.500 --> 00:17:51.190
<v Michael>20.

00:17:51.220 --> 00:17:51.760
<v Tobias>...20, in so jungen Jahren noch.

00:17:52.540 --> 00:17:59.800
<v Heinrich>Heinrich: Und dann kam der Jahrgang 71- und 71er-Jahrgang war ja ein Prachtjahrgang.

00:18:00.040 --> 00:18:03.850
<v Heinrich>72 im August hatten wir keine Flasche Wein mehr.

00:18:04.570 --> 00:18:07.090
<v Heinrich>Das Weingut war auf 0 ausverkauft. Alles war weg.

00:18:07.240 --> 00:18:12.070
<v Heinrich>Dann habe ich zu dem Inhaber gesagt: „Ich bleibe bei Ihnen,
wenn Sie mich beteiligen.

00:18:12.070 --> 00:18:14.470
<v Heinrich>Und wir siedeln aus". Es war ein altes im Dorf drin.

00:18:14.500 --> 00:18:17.620
<v Heinrich>Wir siedeln aus. Hat er aber nicht gemacht.

00:18:18.640 --> 00:18:28.610
<v Heinrich>Und dann habe ich mich umgesehen. Und das Umsehen ging aber so,
dass, 1970 hat in

00:18:28.610 --> 00:18:35.930
<v Heinrich>dem Weingut die Firma Oerlikon aus Genf 50-jähriges Jubiläum gefeiert.

00:18:35.960 --> 00:18:40.970
<v Heinrich>Und das bei mir auf dem Weingut. Das Weingut wurde damals für 24.000 DM
dekoriert.

00:18:41.000 --> 00:18:48.110
<v Heinrich>Da muss man sich nur mal vorstellen. Das ist so viel,
wie wenn du heute 200.000 € ausgibst für eine Dekoration eines Weingutes im

00:18:48.110 --> 00:18:51.530
<v Heinrich>Keller als Burg und so. Es war interessant.

00:18:52.670 --> 00:19:01.850
<v Heinrich>Bei dieser Veranstaltung waren 70 Geschäftsführer von Oerlikon Welt dabei und
auch die Hausbank der Oerlikon Eisenberg hier,

00:19:01.880 --> 00:19:07.398
<v Heinrich>die Vertretung machte für Geschirrspülkörbe und so Sachen und Schweißelektroden.

00:19:07.398 --> 00:19:15.080
<v Heinrich>Also, und so, auf jeden Fall, dieser Banker,
am nächsten Morgen war er einer der Allerletzten,

00:19:15.110 --> 00:19:20.964
<v Heinrich>der rausging. Er sagte: „Junger Mann, machen Sie sich selbstständig.

00:19:20.964 --> 00:19:22.610
<v Heinrich>Das Geld kriegen Sie von mir".

00:19:23.420 --> 00:19:23.750
<v Tobias>Uh, okay?

00:19:23.780 --> 00:19:24.620
<v Heinrich>Heinrich: So, und dann...

00:19:24.890 --> 00:19:26.300
<v Michael>So kennen wir Banker eigentlich gar nicht.

00:19:26.990 --> 00:19:32.180
<v Heinrich>Heinrich: Ja, dann gab es ein Gespräch kurz danach und ich hatte noch keine Idee,
wo ich hingehe,

00:19:32.180 --> 00:19:38.780
<v Heinrich>was ich tue. Und dann habe ich mich unterhalten und sagte:
„Was denken Sie denn,

00:19:38.810 --> 00:19:46.700
<v Heinrich>was so etwas kostet?". Dann sage ich: „Ja,
wenn ich Ihr Weingut kaufe, also 1 Million ist das Wenigste.

00:19:46.730 --> 00:19:51.290
<v Heinrich>Das ist das Mindeste". Gut, dann sagt er:
„Machen wir".

00:19:51.950 --> 00:19:54.200
<v Heinrich>Fertig. Dann hat er mir ein Konto eingerichtet.

00:19:54.230 --> 00:19:59.420
<v Heinrich>Die Kundennummer lief damals oder hieß 144.667.

00:19:59.450 --> 00:20:03.800
<v Heinrich>Werde ich nie vergessen. Auf dem Konto stand ein Jahr lang 1 Million Deutsche
Mark.

00:20:05.630 --> 00:20:09.800
<v Heinrich>Ja, und ich habe ein Jahr gebraucht, um mich zu entscheiden,
wo gehe ich hin?

00:20:10.010 --> 00:20:19.850
<v Heinrich>Und jetzt, warum? Ich hatte Möglichkeiten in Kallstadt,
Möglichkeiten in Neustadt und es gab sehr viele berühmte,

00:20:20.120 --> 00:20:22.850
<v Heinrich>bessere, sagen wir damals bekanntere Orte.

00:20:23.480 --> 00:20:29.760
<v Heinrich>Aber ich bin in Ellerstadt hängengeblieben,
weil Ellerstadt war zu 90 % mit Rotwein bepflanzt.

00:20:29.970 --> 00:20:30.870
<v Michael>Ah, okay.

00:20:31.470 --> 00:20:35.610
<v Heinrich>Heinrich: Ja, und genau das war's. Das war, da hat es mich hingezogen.

00:20:35.610 --> 00:20:37.260
<v Heinrich>Da war ich, das war meine Stärke.

00:20:37.710 --> 00:20:41.580
<v Michael>Wie viel Hektar hatte das eigene Weingut dann zum Start?

00:20:41.610 --> 00:20:45.600
<v Heinrich>Heinrich: Also das eigene Weingut damals zum Start 3 Hektar.

00:20:46.440 --> 00:20:52.560
<v Heinrich>Aber die Winzer, das halbe Dorf hing ja dran,
waren ungefähr 100 Hektar.

00:20:53.130 --> 00:20:57.930
<v Heinrich>So, jetzt hatte ich also, da habe ich mich entschieden,
ich gehe nach Ellerstadt.

00:20:58.860 --> 00:21:08.130
<v Tobias>Wenn du jetzt sagst, besondere Expertise in Sachen Rotwein,
das war ja dann am Anfang natürlich insbesondere aus dem Burgund dann der Pinot

00:21:08.130 --> 00:21:10.230
<v Tobias>Noir bzw. Spätburgunder, nehme ich an.

00:21:10.530 --> 00:21:16.290
<v Tobias>Aber du hast ja dann auch sozusagen Schlagzeilen damit gemacht,
dich irgendwann um eine Rebsorte zu kümmern,

00:21:10.530 --> 00:21:10.830
<v Heinrich>Heinrich: Ja.

00:21:16.290 --> 00:21:18.600
<v Tobias>die hier gar nicht hingehört. Erzähl davon doch mal ein bisschen.

00:21:19.620 --> 00:21:22.620
<v Heinrich>Heinrich: Ja, gut. Aber das ist natürlich noch ein weiter Sprung.

00:21:23.930 --> 00:21:30.590
<v Heinrich>Dass das Ganze funktioniert hatte, du hast 1 Million Schulden,
du hast das Ding gekauft und dann,

00:21:30.620 --> 00:21:34.430
<v Heinrich>die nächste Nacht schläfst du nicht mehr,
weil das. Du kanntest das vorher nicht,

00:21:34.460 --> 00:21:36.830
<v Heinrich>dass das Geld jetzt plötzlich alles weg ist.

00:21:37.730 --> 00:21:42.710
<v Heinrich>Das ist alles weg. Es hat nicht einmal gereicht,
aber man hat dann, weil ich jung war,

00:21:43.130 --> 00:21:46.550
<v Heinrich>die Augen sind zugedrückt worden, machen wir Genehmigungen,
fertig.

00:21:46.910 --> 00:21:48.440
<v Heinrich>Aber jetzt war das Geld weg.

00:21:48.800 --> 00:21:50.450
<v Tobias>Ja, und es muss ja wieder reinkommen.

00:21:50.480 --> 00:21:55.100
<v Heinrich>Heinrich: Das war kurz vorm Herbst 72 und dann machte ich den Herbst.

00:21:56.810 --> 00:22:01.730
<v Heinrich>Der Keller war voller Wein. Das war im Dorf drin,
im alten, das Gebäude steht heute noch.

00:22:03.920 --> 00:22:13.370
<v Heinrich>Im Januar, 5., 6. Januar, lese ich in der Rheinpfalz:
„Weingut sowieso aus der Landauer Gegend hat Konkurs

00:22:13.370 --> 00:22:17.420
<v Heinrich>angemeldet" und darunter, letzter Satz:
„War Lieferant der Lufthansa".

00:22:18.110 --> 00:22:23.710
<v Heinrich>So, das war mein Schlüssel. Ich hatte einen Anzug -
und das war mein Hochzeitsanzug.

00:22:23.740 --> 00:22:29.890
<v Heinrich>Sonst hatte ich keinen. Hochzeitsanzug angezogen,
fahre nach Frankfurt, gehe in den Flughafen und suche und suche.

00:22:29.980 --> 00:22:32.080
<v Heinrich>Das war vielleicht 9:00 Uhr morgens war ich dort.

00:22:32.710 --> 00:22:42.100
<v Heinrich>Ich habe das nicht gefunden. Abends um 17:30 Uhr,
18:00 Uhr gehe ich wieder in ein anderes Gebäude rein und da brannte eine rote

00:22:42.100 --> 00:22:45.100
<v Heinrich>Lampe über einer Tür. Ich laufe dahin und lese „Vorstand".

00:22:46.000 --> 00:22:48.700
<v Heinrich>Da denke ich, na gut, im Kirchenchor hatten wir auch einen Vorstand.

00:22:49.660 --> 00:22:50.710
<v Michael>Kenne ich mich mit aus.

00:22:51.220 --> 00:22:56.050
<v Heinrich>Heinrich: Der macht mir den Kopf schon nicht ab. Und ich klopfe und gehe da rein.

00:22:56.080 --> 00:23:02.770
<v Heinrich>Macht der mich fertig? Was mir einfällt,
ihn mit so was usw.

00:23:03.130 --> 00:23:08.500
<v Heinrich>Und am Schluss sagt er: „Haben sie überhaupt gedient?" -
Und das war sein großer Fehler.

00:23:08.620 --> 00:23:09.250
<v Michael>Uiuiui.

00:23:09.280 --> 00:23:14.530
<v Heinrich>Heinrich: Ich war damals Hauptmann bei der Bundeswehr und er war nur Leutnant im 2.

00:23:14.530 --> 00:23:14.950
<v Heinrich>Weltkrieg.

00:23:15.190 --> 00:23:16.030
<v Michael>Erstmal stramm stehen lassen.

00:23:18.130 --> 00:23:25.510
<v Heinrich>Heinrich: Das brauchte ich dem nicht sagen. Er ist aufgestanden und dann hat er gesagt:
„Bitte setzen Sie sich". Da musste die Sekretärin 2 Zigarren bringen.

00:23:25.870 --> 00:23:28.330
<v Heinrich>Da wurde es mir sterbensschlecht. Und Kaffee.

00:23:28.600 --> 00:23:30.880
<v Heinrich>Und dann hat er mir sein ganzes Leben erzählt.

00:23:31.420 --> 00:23:39.490
<v Heinrich>War das ist der Vorstand der Lufthansa. So,
und am Schluss war: „Herr Vollmer, ich habe vor 3 Tagen unseren ersten

00:23:39.490 --> 00:23:47.440
<v Heinrich>Weineinkäufer eingestellt. Würden Sie mir den ausbilden?" Da sage ich,
selbstverständlich bilde ich den aus.

00:23:47.440 --> 00:23:52.210
<v Heinrich>„Also, morgen Früh, 9:00 Uhr, sind Sie wieder da. Und dann komme ich kurz ins
Büro.

00:23:52.240 --> 00:23:59.980
<v Heinrich>Zimmer 274". Gut, ich war pünktlich. Dann kam er an:
„Sie haben heute frei.

00:23:59.980 --> 00:24:02.230
<v Heinrich>Fahren Sie mit dem Herrn Vollmer in die Pfalz.

00:24:02.380 --> 00:24:05.290
<v Heinrich>Gucken Sie mal den Betrieb an, berichten Sie mir.

00:24:05.320 --> 00:24:08.590
<v Heinrich>Und wenn er Wein hat, bringen Sie mir Proben mit.

00:24:09.040 --> 00:24:11.410
<v Heinrich>Vielleicht können wir den Wein an Bord gebrauchen".

00:24:11.980 --> 00:24:15.910
<v Heinrich>So, 14 Tage später war ich Lieferant der Lufthansa.

00:24:16.270 --> 00:24:16.540
<v Tobias>Wow.

00:24:16.840 --> 00:24:20.330
<v Heinrich>Heinrich: Und das war der Schlüssel zum heutigen großen Betrieb.

00:24:20.630 --> 00:24:30.440
<v Heinrich>Wahrscheinlich auch, um zu überleben, würde ich mal,
weil die Lufthansa hatte dann 73 die ersten Jumbojets bekommen und für

00:24:30.440 --> 00:24:35.210
<v Heinrich>jeden Jumbojet im Fernflug brauchtest du ungefähr 6 Hektar Weinberge.

00:24:36.230 --> 00:24:38.720
<v Heinrich>Damals wurde noch mehr Wein getrunken wie heute.

00:24:39.080 --> 00:24:48.350
<v Heinrich>Ja so, und der Betrieb ist gewachsen. Und so waren wir dann schon 4,
5 Jahre später hatte ich die Million

00:24:48.350 --> 00:24:52.040
<v Heinrich>zurückbezahlt und dann habe ich für 7 Millionen hier oben neu gebaut.

00:24:52.070 --> 00:24:53.990
<v Heinrich>Das war meine erste richtige Verschuldung.

00:24:54.620 --> 00:24:56.690
<v Heinrich>Für 7 Millionen hier einen Neubau hingestellt.

00:24:56.720 --> 00:24:58.790
<v Michael>Also das Haus, wo wir gerade waren, mit dem Keller?

00:24:58.790 --> 00:25:05.330
<v Heinrich>Heinrich: Mit dem Keller, der ganze alte Keller, das wurde alles damals gebaut und neu mit
Edelstahl eingerichtet.

00:25:05.360 --> 00:25:11.600
<v Heinrich>Und damals war Edelstahl noch teurer. Das war,
kurz davor gab es noch keinen Edelstahl in der großen Menge.

00:25:12.380 --> 00:25:18.950
<v Heinrich>Ja, und so hat das angefangen und da wurden wir durch Lufthansa,
natürlich wurdest du auch bekannt.

00:25:18.980 --> 00:25:25.430
<v Heinrich>Lufthansa war ein Werbeträger, wie es heute keinen mehr gibt auf dem deutschen
Markt.

00:25:26.420 --> 00:25:30.140
<v Heinrich>Das war damals so. Jeder wollte fliegen und jeder hat einen Wein getrunken.

00:25:30.140 --> 00:25:36.020
<v Heinrich>Es gab Weißwein und Rotwein, es gab nur (??) Wein,
praktisch. Und dann habe ich 80 angefangen,

00:25:36.020 --> 00:25:42.230
<v Heinrich>Sekt herzustellen. Dann haben wir für die Lufthansa Sekt gemacht,
und es war eine Bilderbuchentwicklung.

00:25:42.890 --> 00:25:47.750
<v Heinrich>Und gebrochen wurde die Entwicklung, als ich für 83 dann,
als es bekannt wurde,

00:25:47.750 --> 00:25:57.380
<v Heinrich>dass ich nicht mehr nach Hause komme, hat die Lufthansa dann einen neuen
Lieferanten zusätzlich mit

00:25:57.410 --> 00:26:06.920
<v Heinrich>aufgenommen. Das ging aber nicht lange,
weil der - es war die Firma Pieroth - der dann 85 im Glykol-Skandal negativ

00:26:06.920 --> 00:26:10.730
<v Heinrich>aufgefallen ist. Und dann mussten die Weine an Bord zurückgeholt werden.

00:26:10.760 --> 00:26:18.940
<v Heinrich>Da war ich wieder alleine. Ja, und dann irgendwann kam der Tag,
wo du das nicht mehr schaffen konntest.

00:26:20.980 --> 00:26:24.893
<v Heinrich>Die Flugzeuge wurden immer mehr und heute sind es ja 800.

00:26:24.893 --> 00:26:30.190
<v Heinrich>Wir beliefern jetzt seit 52 Jahren kontinuierlich.

00:26:30.220 --> 00:26:33.520
<v Heinrich>Jedes Jahr sind wir irgendwo dabei, aber eben nur noch irgendwo.

00:26:34.480 --> 00:26:39.910
<v Heinrich>Weil mehr wie 200.000 Flaschen oder so will ich auch nicht liefern unbedingt.

00:26:40.480 --> 00:26:42.160
<v Tobias>Aber eine wichtige Starthilfe.

00:26:42.730 --> 00:26:46.510
<v Heinrich>Heinrich: Das war die Starthilfe. Ja, das, wirklich,
das war gut.

00:26:46.750 --> 00:26:49.330
<v Michael>Ready for take off, heißt es. Ja.

00:26:50.050 --> 00:26:50.380
<v Heinrich>Heinrich: Genau. Gut.

00:26:50.890 --> 00:26:53.560
<v Michael>Aber in die Höhe zieht es dich ja, so und so,
ne?

00:26:54.730 --> 00:26:59.950
<v Heinrich>Heinrich: Ja, gut. Die Bergsteigerei, das war mein Steckenpferd.

00:27:00.070 --> 00:27:06.550
<v Heinrich>Aber warum habe ich das angefangen? Ich habe die Ausbildung gemacht,
als ich mich selbstständig gemacht habe.

00:27:08.200 --> 00:27:14.820
<v Heinrich>Beim Selbstständig-Machen war der Einsatz der physische Einsatz von mir so groß,

00:27:14.820 --> 00:27:17.520
<v Heinrich>dass du manchmal 3 Tage nicht mehr im Bett warst.

00:27:18.570 --> 00:27:21.780
<v Heinrich>Und das hat es in der Wirbelsäule dann Spuren hinterlassen.

00:27:21.960 --> 00:27:26.580
<v Heinrich>Und dann ging ich zu einem, wurde zu einem Arzt geschickt,
in Heidelberg, in der Uniklinik.

00:27:26.580 --> 00:27:31.290
<v Heinrich>Und der hat mich untersucht und hat gesagt:
„Ihre Rückenmuskulatur ist zu schwach.

00:27:32.400 --> 00:27:38.310
<v Heinrich>Suchen Sie sich einen Sport neben Ihrer Arbeit,
wo Sie Ihre Rückenmuskulatur stärken können".

00:27:38.340 --> 00:27:41.670
<v Heinrich>Und so kam ich dann zum Rucksacktragen und so weiter.

00:27:41.880 --> 00:27:45.450
<v Heinrich>Und irgendwann habe ich dann mal das Matterhorn bestiegen.

00:27:45.480 --> 00:27:48.060
<v Heinrich>Und da habe ich Freunde kennengelernt und,
und, und.

00:27:48.060 --> 00:27:54.480
<v Heinrich>So habe ich dann die Bergsteigerei angefangen. Und ich habe ausgebildet,
weil ich mache immer noch gerne Dinge,

00:27:54.480 --> 00:27:59.580
<v Heinrich>wo ich auch mich sicher fühle. Das ist meine Art.

00:28:00.090 --> 00:28:03.690
<v Michael>Gerade beim Bergsteigen muss man sich sicher fühlen.

00:28:03.300 --> 00:28:03.690
<v Tobias>Ja, allerdings.

00:28:04.350 --> 00:28:06.840
<v Heinrich>Heinrich: Und immer aufhören, bevor du tot bist.

00:28:08.250 --> 00:28:12.290
<v Tobias>Ja, aber auch das hast du ja fast nicht befolgt.

00:28:12.680 --> 00:28:16.070
<v Tobias>Hat dich denn die Bergsteigerei letztlich auch nach Südamerika gebracht?

00:28:18.350 --> 00:28:27.980
<v Heinrich>Heinrich: An und für sich, ja. Ohne die Bergsteigerei wäre ich dort nicht hingegangen,
weil landschaftlich ist Südamerika ja

00:28:28.010 --> 00:28:31.160
<v Heinrich>wunderbar, aber landschaftlich allein ist ja langweilig.

00:28:31.580 --> 00:28:41.510
<v Heinrich>Jedes Tal sieht gleich aus. Ich bin jetzt 40 Jahre intensiv in Südamerika und
bin jedes Jahr mehrere Monate

00:28:41.540 --> 00:28:50.630
<v Heinrich>dort, wenn ich das alles zusammenzähle,
und 1985 war ich in Peru, hab mich bedankt bei denen,

00:28:50.630 --> 00:28:55.400
<v Heinrich>die mir das Leben gerettet haben und habe mit denen die ersten Gespräche
geführt,

00:28:55.430 --> 00:29:01.370
<v Heinrich>dass ich, ich habe Pässe besorgt. Also bin ich in Lima gewesen,
habe einen Pass beantragt,

00:29:01.400 --> 00:29:03.470
<v Heinrich>weil die haben noch gar nicht existiert.

00:29:04.310 --> 00:29:08.690
<v Heinrich>So, das alles durchgezogen, mit Unterstützung der deutschen Botschaften,
alles toll.

00:29:09.170 --> 00:29:16.240
<v Heinrich>So, und 85 wollte ich dann, im Süden von Peru gibt es ein kleines Weinbaugebiet.

00:29:16.570 --> 00:29:21.550
<v Heinrich>Da habe ich das bereist und wollte dort so 10,
15 Hektar Land kaufen, um die anzusiedeln.

00:29:21.580 --> 00:29:27.130
<v Heinrich>Aber raus aus dem Gebiet da oben, weil die Kinder werden dort ja nicht mehr
bleiben.

00:29:27.130 --> 00:29:34.270
<v Heinrich>Die landen alle in den Slums in Lima. Ja gut,
dann hat mir das Weinbaugebiet in Peru.

00:29:34.300 --> 00:29:39.910
<v Heinrich>Das war nichts für mich. Da musste ich im Winter mit schwarzer Folie die
Rebstöcke abhängen,

00:29:39.940 --> 00:29:45.550
<v Heinrich>damit eine Ruhe reinkommt. Weil der Rebstock braucht eine Winterruhe,
sonst trägt er keine Frucht.

00:29:45.580 --> 00:29:53.770
<v Heinrich>Na ja, dann ging ich nach Chile und wollte in Chile,
habe dort über die deutsche Botschaft mir 2 Grundstücke anbieten lassen.

00:29:53.770 --> 00:29:56.260
<v Heinrich>Und das war aber nichts, das war nichts.

00:29:56.890 --> 00:30:04.480
<v Heinrich>Da war ich ein bisschen verärgert über die Chilenen,
hatte aber meinen Rucksack dabei und bin dann mit dem Bus von Santiago de Chile

00:30:04.480 --> 00:30:09.310
<v Heinrich>nach Mendoza rübergefahren und oben auf dem Pass,
wenn du durch den Tunnel rauskommst,

00:30:09.490 --> 00:30:13.978
<v Heinrich>in Punta del Inca, sieht man die Südwand vom Aconcagua.

00:30:13.978 --> 00:30:19.510
<v Heinrich>Und das wurde dann mein Schicksalsberg wohl für den Rest meines Lebens.

00:30:20.800 --> 00:30:26.260
<v Heinrich>Ich bin dann vorgegangen, der Bus hat angehalten und durften die Touristen alle
fotografieren.

00:30:26.530 --> 00:30:35.440
<v Heinrich>Aussteigen durfte man nicht, weil das Zollgrenzgebiet ist und die
Einwanderungszollstelle ist 80 Kilometer unten im Tal.

00:30:35.680 --> 00:30:39.790
<v Heinrich>Und da dachte ich mir, na gut, ich fahre jetzt nicht runter und laufe da wieder
rauf.

00:30:40.120 --> 00:30:46.420
<v Heinrich>Dann habe ich den Busfahrer gefragt, wie oft kommen Sie denn da durch? Und er
sagt: „Ich fahre dreimal die Woche". Und dann bin ich hinten raus.

00:30:46.450 --> 00:30:51.100
<v Heinrich>Und als er wieder seine nächste Zigarette angesteckt hat,
habe ich die Situation genutzt,

00:30:51.130 --> 00:30:54.190
<v Heinrich>bin nach hinten zur Hintertür raus und stand hinter dem Bus.

00:30:54.760 --> 00:30:57.400
<v Heinrich>Fertig. Und dann ist er irgendwann weggefahren.

00:30:58.060 --> 00:31:02.650
<v Heinrich>Ja, da ging ich zum Aconcagua. War toll,
da war ich ganz alleine.

00:31:02.860 --> 00:31:06.375
<v Heinrich>Der Berg war noch zu war. Da war niemand da.

00:31:06.375 --> 00:31:13.680
<v Heinrich>Wie heute 2.000 Bergsteiger in der Saison,
2.500, 25 Tote manchmal, hat es schon gegeben in einer Saison.

00:31:14.700 --> 00:31:15.780
<v Heinrich>Damals ganz alleine.

00:31:16.470 --> 00:31:17.670
<v Michael>Der ist wie hoch vielleicht sagt das was?

00:31:17.670 --> 00:31:21.510
<v Heinrich>Heinrich: Knappe 7.000 Meter. Also 3 Meter weniger wie 7.000 Meter.

00:31:22.530 --> 00:31:25.110
<v Heinrich>Ich steige dann auf und habe mir Zeit gelassen.

00:31:25.890 --> 00:31:32.940
<v Heinrich>Damals musstest du dich teilweise mit gefährlichster Methode über reißende
Flüsse drüber bewegen,

00:31:33.840 --> 00:31:41.250
<v Heinrich>und also rüber, Seil anspannen, zurück und Rucksack,
den schweren, über Seile überziehen und so Zeugs.

00:31:41.880 --> 00:31:44.730
<v Heinrich>Wenn du alleine bist, darfst du keinen Fehltritt machen.

00:31:45.030 --> 00:31:52.710
<v Heinrich>So, dann finde ich bei dieser Tour auf 6.400 Meter,
auf Independencia finde ich 2 Argentinier.

00:31:52.800 --> 00:31:57.600
<v Heinrich>Einer war tot und der andere wäre mit Sicherheit die nächste Nacht auch
gestorben.

00:31:57.870 --> 00:32:02.460
<v Heinrich>Der hat Lungenödem gehabt, so wie ich. Als ich da hinkomme,
sehe dem seinen Schaum vor dem Mund.

00:32:03.330 --> 00:32:08.560
<v Heinrich>Da war mir klar, noch einmal eine kalte Nacht und dann ist er weg vom Fenster.

00:32:09.310 --> 00:32:15.430
<v Heinrich>So, da habe ich dem geholfen und habe den praktisch mit einem Seil mir auf den
Buckel gebunden.

00:32:15.910 --> 00:32:20.800
<v Heinrich>Das lernst du, wenn du Bergführerausbildung machst,
wie man so was macht.

00:32:20.830 --> 00:32:23.590
<v Heinrich>Und dann hängt da wie ein Rucksack, hängt er dir auf dem Buckel.

00:32:25.150 --> 00:32:29.380
<v Heinrich>Habe ich den runtergetragen, das waren so acht Stunden ungefähr,
habe ich gebraucht.

00:32:29.380 --> 00:32:36.790
<v Heinrich>Und dann war das große Glück, dass an dem Tag 4 Kanadier,
die auch von Chile kamen,

00:32:36.820 --> 00:32:41.050
<v Heinrich>auch illegal im Land waren, 4 Kanadier und ein Arzt dabei.

00:32:41.080 --> 00:32:43.600
<v Heinrich>Ohne den Arzt hätte er es wahrscheinlich nicht überlebt.

00:32:44.320 --> 00:32:48.580
<v Heinrich>Der war dann Koma gelegen und der Arzt hat ihm eine Spritze gegeben.

00:32:48.610 --> 00:32:56.050
<v Heinrich>Und ich bin in derselben Nacht 52 Kilometer ins Tal abgestiegen und habe dort in
dem,

00:32:56.500 --> 00:33:01.690
<v Heinrich>oben ist Militär stationiert, in Punta del Inca,
und habe dort Meldung gemacht und habe gesagt,

00:33:01.690 --> 00:33:06.030
<v Heinrich>da oben liegt ein Soldat von euch. Und einer liegt da ganz oben und der ist tot.

00:33:06.450 --> 00:33:10.560
<v Heinrich>Und so weiter. Also gut, dann kam ein französischer Hubschrauber,
ein Lama damals,

00:33:11.610 --> 00:33:13.950
<v Heinrich>hat in Punta del Inca gelandet, der Chef mitgeflogen.

00:33:13.950 --> 00:33:17.640
<v Heinrich>Und dann durfte ich da auch mitfliegen,
was in Europa nie möglich wäre.

00:33:17.640 --> 00:33:21.600
<v Heinrich>Dass ein Tourist mit dem Militär - nie. Nie wäre das möglich.

00:33:23.010 --> 00:33:25.680
<v Heinrich>Das hat mir schon sehr gut gefallen, muss ich sagen.

00:33:25.830 --> 00:33:31.140
<v Heinrich>Und dann haben sie mich oben ausgesetzt,
ich habe geholfen, den einzuladen, Hubschrauber abgeflogen,

00:33:31.170 --> 00:33:36.360
<v Heinrich>fertig. So, jetzt lag aber mein Rucksack auf 6.400 Meter.

00:33:36.390 --> 00:33:39.420
<v Heinrich>Ich hatte 3 Tage nichts zu essen, nur Schnee gefressen.

00:33:40.740 --> 00:33:45.870
<v Heinrich>Und dann bin ich aufgestiegen und das dauerte,
bis ich wieder zurückkam, 18 Tage.

00:33:45.900 --> 00:33:48.510
<v Heinrich>Als ich zurückkam, war das Tal abgeriegelt.

00:33:49.770 --> 00:33:52.950
<v Heinrich>Da ging ich auf einen Soldat los und habe gesagt,
was ist, was macht ihr?

00:33:52.950 --> 00:33:56.370
<v Heinrich>Macht ihr Manöver und so? Und dann sagt er:
„Ne, wir suchen einen Ausländer".

00:33:57.060 --> 00:34:03.740
<v Heinrich>Oh je, habe ich gedacht, oh je, oh je. Und das argentinische Militär war ja
nicht sehr berühmt.

00:34:04.130 --> 00:34:07.730
<v Michael>Zu der Zeit nicht. Das ist schon Zeit der Militärdiktatur.

00:34:07.760 --> 00:34:12.350
<v Heinrich>Heinrich: Das war kurz nach der Militärdiktatur. Alle gut.

00:34:12.380 --> 00:34:16.400
<v Heinrich>Auf jeden Fall habe ich mich mit ihm eine halbe Stunde unterhalten.

00:34:16.400 --> 00:34:21.890
<v Heinrich>Die Zeit habe ich mir genommen, um einfach diplomatisch mehr zu erfahren,
ohne dass ich ihn frage.

00:34:23.240 --> 00:34:29.870
<v Heinrich>Und irgendwann hat er erzählt, dass der Vater von dem,
der jetzt von dem Ausländer getragen wurde,

00:34:29.870 --> 00:34:36.485
<v Heinrich>dass der General ist und usw. der Infanterie,
der Gebirgsjäger und so.

00:34:36.485 --> 00:34:39.650
<v Heinrich>Und irgendwann habe ich dann gefragt, wie geht es denn dem Soldaten?

00:34:39.680 --> 00:34:43.820
<v Heinrich>Und dann haben sie mir gesagt, der ist über den Berg.

00:34:44.510 --> 00:34:49.160
<v Heinrich>Dann war der Abend, da musste ich die Nacht in der in dem Regiment bleiben.

00:34:49.190 --> 00:34:51.650
<v Heinrich>Im Kompaniestärke ist das, kein Regiment,
Kompanie.

00:34:53.000 --> 00:35:00.970
<v Heinrich>Und da gab es ein Essen. Ein Asado. Das war mein erstes Asado in Argentinien,
mit einer Ansage vom Regimentskommandeur:

00:35:01.930 --> 00:35:11.170
<v Heinrich>Keiner verlässt diesen Tisch. Und bis ich mir das übersetzt hatte und mir das
alles klar war im Hirn,

00:35:11.170 --> 00:35:18.520
<v Heinrich>was das hieß, und die alle aufgestanden,
so gemacht, und ich saß oben neben dem Regimentskommandeur,

00:35:20.020 --> 00:35:23.860
<v Heinrich>da dachte ich, da bin ich mal gespannt. So,
und dann ging die Trinkerei los - und essen.

00:35:25.000 --> 00:35:34.540
<v Heinrich>Und kann ich mich noch gut erinnern, dass wir noch 6 oder 7 Mann am Tisch saßen
und die anderen entweder mit dem Kopf auf dem Tisch oder lagen auf dem Boden.

00:35:35.680 --> 00:35:39.460
<v Heinrich>Keiner verlässt diesen Tisch. Da wurde getrunken.

00:35:39.490 --> 00:35:45.760
<v Heinrich>Das war anscheinend dort so eine, nach einem Sieg,
und für die war es ein Sieg,

00:35:45.760 --> 00:35:49.240
<v Heinrich>dass ihr Soldat und der Sohn des Generals...

00:35:49.810 --> 00:35:50.230
<v Michael>Überlebt hat?

00:35:50.260 --> 00:35:55.990
<v Heinrich>Heinrich: ...überlebt hat, ja. So, und das war praktisch für mich der Einstieg.

00:35:56.560 --> 00:36:05.070
<v Heinrich>Ich wurde dann nach Mendoza gefahren, von Mendoza mit dem Flieger nach Cordoba
geflogen und dort war der Vater stationiert.

00:36:05.370 --> 00:36:07.590
<v Heinrich>Und da habe ich ihm meine Lebensgeschichte erzählt.

00:36:08.130 --> 00:36:12.510
<v Heinrich>Und da hat er gesagt: „Sie kaufen kein Weingut in Chile -
wir sorgen dafür".

00:36:12.900 --> 00:36:16.140
<v Heinrich>Und so kam ich dann zu diesem Weingut, was wir heute dort haben.

00:36:16.500 --> 00:36:26.070
<v Heinrich>Und das habe ich dann 1986 mit dem Notar verabschiedet oder halt gekauft und so
lange,

00:36:26.100 --> 00:36:29.520
<v Heinrich>seither bewirtschaften wir das dann, angefangen neu aufzupflanzen.

00:36:30.900 --> 00:36:35.070
<v Michael>War das wichtig, eine gute Beziehung zu dem Militär zu haben in der Zeit?

00:36:35.100 --> 00:36:37.770
<v Heinrich>Heinrich: In der Zeit, ja. In der Zeit, ja, in Argentinien.

00:36:37.650 --> 00:36:39.300
<v Michael>War eine Lebensversicherung irgendwie auch,
ne?

00:36:39.600 --> 00:36:44.580
<v Heinrich>Heinrich: Ich habe bis zum heutigen Tag nie einen Cent Korruption bezahlt.

00:36:45.120 --> 00:36:52.920
<v Heinrich>Und wenn ich den Kontakt und den Schutz nicht gehabt hätte,
wärst du, wäre ich schon längst dort auch wieder weggegangen.

00:36:53.940 --> 00:36:58.460
<v Tobias>Und hatte denn jetzt dieser Gang nach Südamerika auch ein bisschen was damit zu
tun,

00:36:58.460 --> 00:37:03.080
<v Tobias>dass du hier in der Pfalz ja letztlich auch nicht so wirklich zu Hause warst?

00:37:05.300 --> 00:37:07.820
<v Heinrich>Heinrich: Vielleicht. Also ich kenne kein Heimweh.

00:37:08.930 --> 00:37:15.920
<v Heinrich>Das ist schon mal, wenn ich Heimweh gehabt hätte,
wäre ich auch als 15-Jähriger nicht ewig in Frankreich geblieben,

00:37:15.950 --> 00:37:21.500
<v Heinrich>weil ich erlebe ja viele junge Leute, die ich mitnehme,
nach Argentinien mitgenommen habe.

00:37:21.530 --> 00:37:24.050
<v Heinrich>So nach 4, 6 Wochen wollen sie wieder nach Hause.

00:37:25.460 --> 00:37:30.470
<v Heinrich>Oder sie verlieren dann die Konzentration und du spürst,
dass die mit ihrem Geist gar nicht mehr da sind,

00:37:30.500 --> 00:37:38.000
<v Heinrich>sind völlig woanders, eben zuhause. So,
und das muss man, das Phänomen muss man wohl wegstecken können,

00:37:38.000 --> 00:37:43.760
<v Heinrich>dass man einfach - mein Zuhause ist überall,
wenn du es so willst, ja.

00:37:44.030 --> 00:37:49.700
<v Heinrich>Ja, Und das finde ich gut. War schön. Mein Zuhause war auch mal eine Zeit lang
in China.

00:37:50.780 --> 00:37:56.740
<v Heinrich>Vor China, in Japan, also in Japan, das kann meine Tochter jetzt bestätigen.

00:37:56.740 --> 00:37:59.080
<v Heinrich>Ich war jetzt im April, war ich in Tokio.

00:37:59.560 --> 00:38:07.690
<v Heinrich>Zum wahrscheinlich letzten Mal. Da kamen Kunden an,
die vor 40 Jahren das erste Mal Vollmer-Wein gekauft haben.

00:38:09.190 --> 00:38:13.630
<v Heinrich>Mit Tränen in den Augen. 80 Jahre alt und älter,
mit Tränen in den Augen.

00:38:13.660 --> 00:38:16.600
<v Heinrich>Es war ein Wiedersehen. Das kann man sich nicht vorstellen.

00:38:16.630 --> 00:38:17.080
<v Michael>Sehr schön.

00:38:17.530 --> 00:38:18.580
<v Heinrich>Heinrich: Und das ist sehr schön.

00:38:18.880 --> 00:38:23.560
<v Tobias>Wir müssen jetzt aber trotzdem noch mal kurz auch zu deinem Unglück in den
Anden,

00:38:23.590 --> 00:38:26.950
<v Tobias>in den Bergen zurück. Wir hatten es ja bisher nur angerissen.

00:38:26.980 --> 00:38:29.590
<v Tobias>Erzähl uns doch bitte mal, wie es dazu überhaupt kam.

00:38:30.310 --> 00:38:35.680
<v Heinrich>Heinrich: Also wir sind aufgestiegen, über eine schwere Route.

00:38:37.840 --> 00:38:47.020
<v Heinrich>Und ich vermute, ich vermute, ich hatte ein halbes Jahr zuvor hier eine
Schwefelsäurevergiftung gehabt.

00:38:47.050 --> 00:38:53.040
<v Heinrich>Also im Keller ist eine Flasche geplatzt und da war schweflige Säure drin.

00:38:53.070 --> 00:38:56.310
<v Heinrich>Und da hab ich halt ein paar Lungenzüge abbekommen.

00:38:56.340 --> 00:39:02.730
<v Heinrich>Und ich vermute, dass das die Ursache war,
dass ich plötzlich, von abends noch alles okay,

00:39:02.760 --> 00:39:07.560
<v Heinrich>am nächsten Morgen war ich fertig, konnte mich nicht mehr bewegen,
wie querschnittsgelähmt.

00:39:08.070 --> 00:39:14.850
<v Heinrich>Ich habe es aber überlebt, weil natürlich der Körper hoch gut trainiert war.

00:39:14.880 --> 00:39:19.920
<v Heinrich>Du warst leistungsfähig und es war alles nicht das Problem.

00:39:20.610 --> 00:39:30.450
<v Heinrich>Und wie gesagt, ich habe die Sache überlebt und bin dann auch,
als ich hierher

00:39:30.480 --> 00:39:37.170
<v Heinrich>zurückkam, hatte ich noch 49 Kilo Körpergewicht,
als ich im Krankenhaus erstmal auf die Waage gestellt wurde.

00:39:38.190 --> 00:39:41.010
<v Heinrich>49 Kilo Körpergewicht bei 1,84 Meter Größe.

00:39:41.790 --> 00:39:51.650
<v Heinrich>Ich war nur Haut und Knochen. Und Blutdruck,
also ich hatte damals eine Herzfrequenz von unter 40 und dann sagt der

00:39:51.650 --> 00:39:54.620
<v Heinrich>Chefarzt: „Machen Sie dem Mann sofort einen Bohnenkaffee".

00:39:55.070 --> 00:39:59.780
<v Heinrich>Und den habe ich natürlich überhaupt nicht vertragen,
den Bohnenkaffee, mit meinem kaputten Magen.

00:40:01.700 --> 00:40:11.210
<v Heinrich>Ja, also so war das nun gewesen. Ich habe dann davor und danach -
danach nie mehr,

00:40:11.510 --> 00:40:15.350
<v Heinrich>ich habe jedes Jahr noch einen Berg bestiegen,
bis 2000 und länger.

00:40:16.040 --> 00:40:20.690
<v Heinrich>In der Regel alleine, weil ich wollte nie mehr für andere Menschen die
Verantwortung übernehmen.

00:40:21.080 --> 00:40:21.890
<v Michael>Nach dem Erlebnis.

00:40:22.040 --> 00:40:31.633
<v Heinrich>Heinrich: Nach dem einen Erlebnis. Und dann kam der Heiner Geissler 1994,
1995:

00:40:31.633 --> 00:40:38.030
<v Heinrich>„Die Berliner Hütte am Aconcagua ist niedergegangen,
und sei doch so gut".

00:40:38.060 --> 00:40:46.790
<v Heinrich>Da habe ich ihm gesagt, Heiner, ich habe mir selber geschworen,
nie wieder übernehme ich Verantwortung für andere.

00:40:48.290 --> 00:40:52.780
<v Heinrich>„Ach komm, ich gehe auch mit". Na gut, Heiner,
wenn du mitgehst, dann mach ich das.

00:40:53.140 --> 00:40:56.320
<v Heinrich>So, dann war die Organisation abgeschlossen.

00:40:56.350 --> 00:41:02.230
<v Heinrich>Die Hütte haben wir hier, in der Pfalz wurde sie gebaut,
bei Herrn Laux in der Schreinerei.

00:41:02.260 --> 00:41:08.290
<v Heinrich>Und das ging also alles los. Der Transport lief über das Bundeskanzleramt.

00:41:09.280 --> 00:41:15.640
<v Heinrich>In Chile ist der Container angelandet. Dann ging der hoch nach,
in die Anden.

00:41:16.090 --> 00:41:19.360
<v Heinrich>Oben am Pass wurde ausgeladen. Es hat alles bestens funktioniert.

00:41:22.930 --> 00:41:31.000
<v Heinrich>Ja, und Tage, bevor der Flug losging, wurde bekannt,
dass es einen Misstrauensantrag gegen Kohl gibt.

00:41:31.390 --> 00:41:37.300
<v Heinrich>Und der Heiner Geissler blieb zu Hause. Jetzt hatte ich den ganzen Salat wieder
alleine am Hals.

00:41:38.440 --> 00:41:48.370
<v Heinrich>So, wir waren 36 Pfälzer Bergsteiger. Als wir in Frankfurt eingecheckt haben,
hatten

00:41:48.370 --> 00:41:53.440
<v Heinrich>wir 64.000 DM Übergepäck.

00:41:54.250 --> 00:41:54.670
<v Tobias>Oh Gott!

00:41:55.030 --> 00:41:57.790
<v Heinrich>Heinrich: So, normal war die Expedition schon beendet.

00:41:58.660 --> 00:42:08.620
<v Heinrich>Das war Samstagabend. Ich versuche, den Vorstand anzurufen,
der Herr Weber, der war aber auf

00:42:08.620 --> 00:42:13.750
<v Heinrich>einer Hochzeit in Laach. Ich habe ihn erreicht.

00:42:16.840 --> 00:42:23.710
<v Heinrich>Er sagt, wir übernehmen als Sponsoring die 64.000,
sorgt dafür, wir waren ja ein eingetragener Verein,

00:42:24.040 --> 00:42:31.780
<v Heinrich>mit Sponsorengeldern ist ja die Hütte neu gebaut worden und da war die Lufthansa
der größte Sponsor.

00:42:33.700 --> 00:42:39.310
<v Heinrich>Dann sind wir eingestiegen. In Buenos Aires,
aus dem Flieger raus, in den Flieger,

00:42:39.310 --> 00:42:44.410
<v Heinrich>nach Mendoza rein. 32.000 $ Übergepäck.

00:42:45.960 --> 00:42:47.370
<v Tobias>Immerhin schon günstiger geworden.

00:42:47.910 --> 00:42:57.621
<v Heinrich>Heinrich: Wieder war's nichts. So, dann rede ich dort,
sage ich, kann ich mit dem Chef sprechen?

00:42:57.621 --> 00:42:59.355
<v Heinrich>„Chef gibt es nicht, es ist eine Chefin".

00:42:59.355 --> 00:43:04.530
<v Heinrich>Sage ich, Chefin ist mir auch recht. Man hat mich dorthin geführt.

00:43:04.530 --> 00:43:07.950
<v Heinrich>Und auf einmal fängt die mit mir Deutsch an zu sprechen.

00:43:07.980 --> 00:43:12.780
<v Heinrich>Und dann sagt sie: „Ich bin 1958 aus Berlin ausgewandert".

00:43:13.440 --> 00:43:16.440
<v Heinrich>Da war für mich klar, jetzt sind wir auch in Mendoza.

00:43:17.130 --> 00:43:22.890
<v Heinrich>So, dann habe ich erzählt, dass ich den Auftrag habe von der Bundesregierung,
die Berliner Hütte neu aufzubauen.

00:43:23.070 --> 00:43:26.430
<v Heinrich>Und jetzt sind wir da und haben ein bisschen zu viel Gepäck.

00:43:26.940 --> 00:43:33.180
<v Michael>Du musst noch mal den Zuhörerinnen und Zuhörern vielleicht auch sagen:
Das ist eine Schutzhütte auf dem Weg zum Gipfel,

00:43:33.180 --> 00:43:39.240
<v Michael>die dazu dient, eben Schutz zu finden, falls es mal ungünstige Wetterumstände
gibt.

00:43:39.270 --> 00:43:41.970
<v Michael>Oder falls man einfach da mal ein bisschen sicherer übernachten will.

00:43:42.000 --> 00:43:49.850
<v Heinrich>Heinrich: Zu damaliger Zeit, wo die Ausrüstung und schlechter waren,
gab es jedes Jahr zwischen 20 und 30 Tote am Berg.

00:43:49.850 --> 00:43:59.150
<v Heinrich>Und die Schutzhütte war wesentlich. Wenn du vom Gipfel runterkamst und hattest
keine Kraft mehr und warst kurz vorm Lungenödem,

00:44:00.050 --> 00:44:06.140
<v Heinrich>dann hast du die Nacht in der Schutzhütte,
bei Plusgraden oder bei, wenn da 10,

00:44:06.170 --> 00:44:09.560
<v Heinrich>20 Leute drin sind, haben wir 30 Leute Platz,
wird es etwas warm.

00:44:09.770 --> 00:44:13.190
<v Heinrich>Zumindest geht es nicht in den totalen Minusbereich auf 30 runter.

00:44:13.820 --> 00:44:19.340
<v Heinrich>So, und so haben also dort 42 Leute, solange die Hütte ein Hüttenbuch mitgeführt
war,

00:44:19.370 --> 00:44:24.950
<v Heinrich>haben dort überlebt. Insofern hat es sich gelohnt,
dass man die aufgebaut hat.

00:44:25.310 --> 00:44:35.060
<v Heinrich>Aber der Aufbau war für mich die allergrößte Katastrophe,
weil ich hatte von den 36 Pfälzern 6

00:44:35.060 --> 00:44:39.440
<v Heinrich>davon mit Verdacht auf Lungenödem abtransportieren lassen.

00:44:39.470 --> 00:44:41.920
<v Heinrich>Wir hatten 2 Ärzte dabei, Expeditionsärzte.

00:44:42.190 --> 00:44:47.830
<v Heinrich>Und es war schon gewaltig. Es war gewaltig.

00:44:47.860 --> 00:44:56.410
<v Heinrich>Und 380 Pferde und Maultiere waren im Einsatz,
um das Baumaterial auf 6.000 Meter zu transportieren.

00:44:57.010 --> 00:45:04.907
<v Heinrich>Und jeden Tag hast du 6 Pferde gebraucht,
die unsere Lebensmittel vom Tal hochtransportierten.

00:45:04.907 --> 00:45:09.160
<v Heinrich>Und das ganze 4 Wochen lang. Es war gewaltig.

00:45:09.190 --> 00:45:17.350
<v Heinrich>Und mitten in der Expedition kommt dann der Hauptmann zu mir,
also ich hatte auch Militär dabei.

00:45:17.650 --> 00:45:23.110
<v Heinrich>Da waren die Gebirgsjäger von Punta del Inca mit dabei,
so 30 Mann.

00:45:24.340 --> 00:45:30.820
<v Heinrich>Ohne die hätten wir das nie geschafft. Wir wären nicht in der Lage gewesen,
das Baumaterial auf den Pferden so zu befestigen,

00:45:30.820 --> 00:45:33.700
<v Heinrich>dass es anhält oder hält, bis rauf auf den Berg.

00:45:33.700 --> 00:45:40.300
<v Heinrich>Unterwegs hätten sie die Hälfte verloren. Und plötzlich war kein Pferdefutter
mehr da.

00:45:42.010 --> 00:45:48.190
<v Heinrich>Fertig. Und was glauben Sie, was Pferdefutter kostet auf 5.000 Meter Höhe,
wie teuer das ist?

00:45:49.540 --> 00:45:50.830
<v Michael>Angebot und Nachfrage.

00:45:51.280 --> 00:45:57.190
<v Heinrich>Heinrich: So ist es. Und da hatte ich damals 28.000 $.

00:45:58.360 --> 00:46:03.595
<v Heinrich>Ich hatte 30.000 $ Bargeld dabei. Ich wollte das an und für sich im Weingut
investieren,

00:46:03.595 --> 00:46:07.810
<v Heinrich>nach der Expedition. Und da kam ich noch an mit 2.000.

00:46:07.840 --> 00:46:10.570
<v Heinrich>28.000 habe ich ausgegeben für Pferdefutter.

00:46:12.250 --> 00:46:16.600
<v Heinrich>Jeden Tag bar bezahlt, ja.

00:46:17.770 --> 00:46:20.620
<v Michael>Jetzt hast du da ja aber nicht nur eine Schutzhütte gebaut.

00:46:21.010 --> 00:46:27.370
<v Michael>Du hast dich ja auch um eine Schule gekümmert,
um auch diejenigen, die dir geholfen haben,

00:46:27.370 --> 00:46:28.450
<v Michael>als es dir ganz schlecht ging.

00:46:28.480 --> 00:46:33.070
<v Heinrich>Heinrich: Vielleicht. Vielleicht mal ein ganz kleiner Rückdreh.

00:46:33.280 --> 00:46:41.660
<v Heinrich>Dieser Banker, der mir die Million gegeben hat,
Helmut Walter, mit ihm habe ich auch einen Lions Club gegründet.

00:46:41.930 --> 00:46:51.680
<v Heinrich>Wir haben irgendwann mal so 1980 beschlossen,
dass wir wohl Freunde werden und bei einer Flasche Wein mit noch

00:46:51.710 --> 00:46:57.110
<v Heinrich>3, 4 anderen, einen Chemiker aus der BASF,
einen Arzt von Heidelberg von der Klinik und so,

00:46:58.190 --> 00:47:03.500
<v Heinrich>haben wir beschlossen, einen Stammtisch zu gründen. Aber in kurzer Zeit war mit
dem Stammtisch,

00:47:03.500 --> 00:47:08.720
<v Heinrich>war das keine Aufgabe. Und dann haben wir die Aufgabe gesucht und haben gesagt,
wir gründen einen Lions Club.

00:47:08.750 --> 00:47:11.720
<v Heinrich>Und so haben wir den Mannheimer Lions Club Quadrate gegründet.

00:47:12.140 --> 00:47:21.500
<v Heinrich>Ja, das war so die Geschichte. Dann in Argentinien,
der Lions Club, unser Club suchte nach Activities

00:47:21.980 --> 00:47:31.280
<v Heinrich>und ich war damals Jugendbeauftragter und habe jedes Jahr 14 Tage,
3 Wochen aus dem Lions Club von Paris,

00:47:31.310 --> 00:47:36.530
<v Heinrich>wir waren schön meliert mit Paris, hatte ich Jugendliche,
also Franzosen, dabei.

00:47:36.590 --> 00:47:43.300
<v Heinrich>Dann sind wir Skifahren gegangen und ich hatte von der Bundeswehr eine Hütte,
wo man drin kochen konnte,

00:47:43.330 --> 00:47:48.550
<v Heinrich>und die war oben im Schnee, so dass man morgens die Skier angeschnallt hat und
den Berg runtergefahren,

00:47:48.940 --> 00:47:52.090
<v Heinrich>mit dem Lift wieder hochgefahren. War eine tolle Zeit.

00:47:52.300 --> 00:48:01.930
<v Heinrich>So, und in der Zeit kam mir die Idee, weil ich hörte,
dass die Stadt, die Kreisstadt Tunuyán,

00:48:01.960 --> 00:48:04.990
<v Heinrich>wo das Weingut liegt, ein Krankenhaus bauen will.

00:48:05.350 --> 00:48:08.380
<v Heinrich>Und der Bürgermeister war ein toller Kerl,
das muss ich sagen.

00:48:08.410 --> 00:48:15.130
<v Heinrich>Ein toller Kerl. Ich wurde immer von ihm,
von seinem Fahrer, vom Flughafen abgeholt.

00:48:15.160 --> 00:48:21.760
<v Heinrich>Und dann musste ich mit ihm eine Tasse Kaffee trinken und ihm erzählen,
was es nun wirtschaftlich Neues und Politisches in Europa gibt.

00:48:21.940 --> 00:48:25.960
<v Heinrich>Das wollte er immer wissen. Ja, Dr. Silvano hieß er.

00:48:26.500 --> 00:48:30.760
<v Heinrich>So, und dann hat er mir erzählt: „Enrique,
ich baue ein Krankenhaus".

00:48:30.880 --> 00:48:35.560
<v Heinrich>Dann habe ich gesagt, soll ich dir helfen? „Wie kannst du mir helfen?". Ich
versuche mal über den Lions Club,

00:48:35.560 --> 00:48:40.270
<v Heinrich>ob wir mit den Lions Deutschland vielleicht die Einrichtung machen können.

00:48:40.810 --> 00:48:48.880
<v Heinrich>So, und dann haben wir das hingekriegt und haben das gesamte Krankenhaus
eingerichtet mit 2 Operationssälen und Gynäkologie,

00:48:48.910 --> 00:48:55.570
<v Heinrich>alles, ein komplettes Krankenhaus. So, und als die Geschichte dann umgesetzt
wurde,

00:48:57.040 --> 00:49:06.610
<v Heinrich>da sind in zwei 40-Fuß-Containern, ist die Einrichtung rübergegangen,
und in Buenos Aires wollte man jetzt nun vom Zoll 32.000 $ Bestechung haben.

00:49:07.990 --> 00:49:11.590
<v Heinrich>Das heißt dort „Voluntario", und das übersetzt heißt Trinkgeld.

00:49:11.800 --> 00:49:18.490
<v Heinrich>Trinkgeld, ja. Ja gut, ich gehe in den Club und trage das vor.

00:49:19.330 --> 00:49:24.670
<v Heinrich>Sammeln wir Geld oder was machen wir? Dann war die Übereinstimmung,
wir versenken sie im Atlantik.

00:49:26.050 --> 00:49:30.550
<v Heinrich>So, dann rufe ich den General an, den Vater von dem Soldaten.

00:49:31.960 --> 00:49:37.410
<v Heinrich>Da hat der sich so aufgeregt, dass du ihn ohne Telefon hier fast hören das
können.

00:49:38.400 --> 00:49:45.210
<v Heinrich>Und er sagte: „Du kommst sofort rüber, wir holen gemeinsam alles aus dem Zoll
raus".

00:49:45.600 --> 00:49:50.760
<v Heinrich>So, also ich wieder in den Club vorgetragen und dann haben wir beschlossen,
ganz kurzfristig,

00:49:50.760 --> 00:49:58.860
<v Heinrich>wir fahren zu viert, 4 Lions-Freunde, wir nehmen unsere Rennräder mit und fahren
von Buenos Aires mit den Containern nach Mendoza.

00:49:58.860 --> 00:50:01.380
<v Heinrich>1.200 Kilometer, ja.

00:50:02.250 --> 00:50:03.780
<v Michael>1/3 Tour de France ist das schon.

00:50:03.870 --> 00:50:07.380
<v Heinrich>Heinrich: Toll. Es war, die Reise war unvergesslich.

00:50:07.770 --> 00:50:13.830
<v Heinrich>Dann sind wir in Buenos Aires gelandet. Und das hatte jetzt Menem spitz
bekommen,

00:50:14.100 --> 00:50:19.860
<v Heinrich>der Präsident hat das spitz bekommen, dass Deutsche,
das Krankenhaus einrichten.

00:50:20.610 --> 00:50:25.260
<v Heinrich>Dann wurden wir direkt auf dem Flughafen aus dem Lufthansa-Flieger rausgeholt.

00:50:25.290 --> 00:50:35.110
<v Heinrich>Wir durften gar nicht aussteigen, sondern sind über die Treppe außen runter und
aufgemacht und es standen dort acht BMW Motorräder von

00:50:35.470 --> 00:50:44.020
<v Heinrich>der Polizei und unsere Fahrräder raus, und dann mussten wir den Fahrrädern
hinterherfahren zum Obelisken.

00:50:44.350 --> 00:50:51.460
<v Heinrich>80 Kilometer, Da waren wir am Obelisk und dort war Kanal 1 vom argentinischen
Fernsehen aufgebaut.

00:50:51.490 --> 00:50:54.790
<v Heinrich>Und da war das Erste, der erste Schnitt.

00:50:55.660 --> 00:50:59.260
<v Heinrich>So, habe ich erzählt, was wir da vorhaben usw.

00:50:59.290 --> 00:51:04.450
<v Heinrich>Und dann hat uns das argentinische Fernsehen verfolgt bis nach Mendoza.

00:51:05.230 --> 00:51:08.920
<v Michael>Hast du denn in der Zwischenzeit Spanisch gelernt oder wie hast du mit denen
gesprochen?

00:51:09.040 --> 00:51:13.643
<v Heinrich>Heinrich: Ich habe Spanisch gelernt, ja. Autodidaktisch.

00:51:13.643 --> 00:51:22.480
<v Heinrich>So, und dann in Mendoza, als dann Einweihung war,
und da war der Gouverneur von Mendoza,

00:51:22.510 --> 00:51:27.280
<v Heinrich>Ministerpräsident, Polizeichef, es waren 300,
400 Leute da.

00:51:28.990 --> 00:51:32.250
<v Heinrich>Und da kommt mir ganz heiß: Mensch, wir haben ja keinen Stempel im Pass.

00:51:33.600 --> 00:51:40.560
<v Heinrich>Und wir wollten am nächsten Tag über über Punta del Inca nach Chile und mit
Lufthansa von Santiago de Chile.

00:51:40.590 --> 00:51:44.400
<v Heinrich>Da hätten wir einmal Südamerika durchquert gehabt,
wollten wir rüberfahren.

00:51:46.200 --> 00:51:54.480
<v Heinrich>Da gehe ich zum Polizeipräsidenten und sagte,
gib mir die Pässe in 3 Tagen, sagte ich,

00:51:54.780 --> 00:51:57.780
<v Heinrich>wir wollen morgen mit dem Fahrrad. Vergessen Sie es.

00:51:58.140 --> 00:52:00.570
<v Heinrich>Ich habe gedacht, mit den Chilenen komme ich zurecht.

00:52:01.620 --> 00:52:09.660
<v Heinrich>Wir fahren mit dem Fahrrad hoch auf einen Berg,
ein Pass auf 4.000 Meter, und ich hatte von meinem Haus eine Flasche

00:52:09.750 --> 00:52:13.830
<v Heinrich>Ellerstadter Bubeneck blauer Portugieser,
Rotwein. Das war ja mein Lufthansa-Erfolg,

00:52:14.550 --> 00:52:19.140
<v Heinrich>den hatte ich unter die Lenkstange gebunden und da habe ich zu dem Zöllner
gesagt:

00:52:19.170 --> 00:52:23.280
<v Heinrich>Würden Sie mir Ihren Chef holen? Aber in militärischer Befehlsform.

00:52:23.610 --> 00:52:27.390
<v Heinrich>Ahora, jetzt, sofort! Und da haut der, geht er vor.

00:52:27.420 --> 00:52:33.410
<v Heinrich>Ich habe ihm gesagt, wir sind jetzt 12.000 Kilometer gereist,
haben noch eine Flasche deutschen Rotwein dabei, mit eurem Chef möchte ich sie

00:52:33.410 --> 00:52:38.000
<v Heinrich>trinken. Der Chef kommt, welche Ehre. Fertig.

00:52:38.030 --> 00:52:41.840
<v Heinrich>Und dann wurde der Zoll geschlossen, alle Zöllner hochgerufen.

00:52:41.840 --> 00:52:44.630
<v Heinrich>Da war oberhalb vom Zoll so eine Steintreppe,
ging es da hoch.

00:52:45.230 --> 00:52:51.590
<v Heinrich>Und dann haben wir dort dermaßen Wein getrunken -
wir waren 4 Deutsche - dermaßen Wein getrunken,

00:52:51.890 --> 00:52:57.350
<v Heinrich>dass wir vergessen haben, den chilenischen Zöllner unsere Pässe vorzulegen.

00:52:57.500 --> 00:53:01.160
<v Heinrich>Dann sind wir runter gefahren. Da geht es runter zum Pazifik.

00:53:01.190 --> 00:53:04.310
<v Heinrich>26, 27 Kurven bist du unten auf 0 Meter.

00:53:06.080 --> 00:53:12.890
<v Heinrich>Als wir unten ankadnm, da sagte ich zu Manfred Ollinger:
Mann, wir haben wieder keinen Stempel im Pass.

00:53:14.270 --> 00:53:16.580
<v Michael>Gar keinen. Weder den einen noch den anderen.

00:53:16.700 --> 00:53:20.750
<v Heinrich>Heinrich: Wir sind quer durch Lateinamerika mit dem Fahrrad gefahren ohne Stempel im Pass.

00:53:20.780 --> 00:53:25.880
<v Heinrich>Alles gut. Dann sind wir zur Lufthansa marschiert und natürlich auch zur
Deutschen Botschaft.

00:53:25.910 --> 00:53:30.020
<v Heinrich>Muss ich erst wieder, auf dem Rückflug haben wir verloren,
mussten ein Ticket kaufen.

00:53:31.850 --> 00:53:36.050
<v Heinrich>Ja, das war ein Krankenhausbau in Argentinien.

00:53:36.440 --> 00:53:40.640
<v Michael>Aber man merkt irgendwo, dein Herz hängt da schon so ein bisschen an der Gegend,

00:53:41.060 --> 00:53:44.690
<v Michael>an den Begegnungen, vielleicht auch ein bisschen an den Weinen von dort?

00:53:44.810 --> 00:53:48.500
<v Heinrich>Heinrich: Ja, auch. In erster Linie an den Menschen.

00:53:48.950 --> 00:53:55.670
<v Heinrich>Ich habe ja das aufgebaut. Dann hast du die Belegschaft übernommen,
die der Vorbesitzer hatte,

00:53:55.820 --> 00:54:00.110
<v Heinrich>und die waren ja alle dort geboren. Alle sind dort in die Schule gegangen.

00:54:00.110 --> 00:54:05.210
<v Heinrich>Und dann in der Nachkriegszeit, nach Militärzeit,
ist das alles sehr vernachlässigt worden.

00:54:05.570 --> 00:54:13.280
<v Heinrich>Und dann habe ich mich in der Schule engagiert,
immer jeden Tag 2 Frauen dort zum Kochen abgestellt usw.

00:54:13.310 --> 00:54:17.870
<v Heinrich>und habe die Schule unterstützt. Praktisch bis Kirchner an die Regierung kam.

00:54:18.650 --> 00:54:26.530
<v Heinrich>2006, 2007, und die wollte es nicht mehr haben,
dass ein Ausländer eine argentinische Schule begleitet?

00:54:27.340 --> 00:54:36.490
<v Heinrich>Ja. Also habe ich mich zurückgezogen. Und jetzt,
seit der Kettensäge-Mann am Werk ist,

00:54:36.520 --> 00:54:42.640
<v Heinrich>der Milei am Werk ist, bin ich wieder willkommen in der Schule und darf die
Schule wieder unterstützen.

00:54:43.120 --> 00:54:46.210
<v Michael>Ja, und die Ex-Präsidentin hat gerade juristische Probleme.

00:54:46.660 --> 00:54:49.450
<v Heinrich>Heinrich: Ja. Dort, wo sie jetzt ist, gehört sie hin.

00:54:50.500 --> 00:54:50.770
<v Heinrich>Ja.

00:54:51.460 --> 00:54:59.800
<v Tobias>Und sag mal, als du jetzt 1986, 1987 das Weingut übernommen hast,
da hattest du ja auch plötzlich wahrscheinlich mit ganz anderen Rebsorten zu tun

00:54:59.830 --> 00:55:01.570
<v Tobias>als die, die du kanntest. Wahrscheinlich Malbec?

00:55:02.290 --> 00:55:05.920
<v Heinrich>Heinrich: Ja. Der Cabernet war mir ja bekannt. Ich war ja in Deutschland der erste Winzer,

00:55:05.950 --> 00:55:07.450
<v Heinrich>der Cabernet gepflanzt hat.

00:55:07.540 --> 00:55:12.760
<v Tobias>Ja, genau. Das hatte ich ja vorhin angesprochen. Da hatten wir dann etwas zu
weiten Bogen sozusagen gezogen.

00:55:12.760 --> 00:55:16.180
<v Tobias>Aber jetzt, jetzt ist dein Einsatz vielleicht darauf noch mal zurück.

00:55:16.210 --> 00:55:26.120
<v Heinrich>Heinrich: Ja, ja, ich war von 1971, war ich Mitglied der Kommission beim Weinbauamt in
Neustadt,

00:55:26.150 --> 00:55:29.870
<v Heinrich>wo die Weinprämierung durchgeführt wird,
wo die QBA-Briefe usw.

00:55:29.900 --> 00:55:39.350
<v Heinrich>Das ist also ehrenamtlicher Job und habe ich 27 Jahre mitgewirkt und wir hatten
1983

00:55:39.980 --> 00:55:42.710
<v Heinrich>den ersten Dornfelder mit Goldmedaille prämiert.

00:55:43.220 --> 00:55:48.980
<v Heinrich>Das müssen Sie sich jetzt mal vorstellen,
auf der Zunge zergehen lassen. Und dann stehen wir auf dem Hof draußen und

00:55:50.030 --> 00:55:55.160
<v Heinrich>besprechen uns und gucken uns an. Dann sage ich zu dem Weinkontrolleur,
Helmut Schreck,

00:55:55.250 --> 00:55:59.690
<v Heinrich>sage ich, Helmut Schreck, sie haben ja schwarze Zähne und schwarze Lippen.

00:55:59.990 --> 00:56:03.500
<v Heinrich>Sehen wir alle so aus? Wir sahen alle so aus.

00:56:04.640 --> 00:56:12.830
<v Heinrich>So, und das war an für sich, für mich der Auslöser,
mich zusätzlich um eine andere Rotweinsorte zu kümmern.

00:56:13.100 --> 00:56:18.560
<v Heinrich>Und ich konnte damit nicht leben, dass man auf einem Bankett,
wo Tausende Menschen sitzen,

00:56:18.590 --> 00:56:21.140
<v Heinrich>alle schwarze Zähne haben, konnte ich nicht.

00:56:21.160 --> 00:56:27.460
<v Heinrich>Damit konnte ich nicht leben. So, und dann hab ich mir also einen Antrag
gestellt bei der Landesregierung.

00:56:27.580 --> 00:56:30.700
<v Heinrich>Und dann kam der Glykolskandal dazwischen.

00:56:32.290 --> 00:56:36.130
<v Heinrich>Die Reben hatte ich aber schon da, weil ich ja einen Freund hatte in Frankreich.

00:56:37.240 --> 00:56:44.860
<v Heinrich>Der war ganz schnell dabei und hat mir die Reben hier über die grüne Grenze
gebracht und ich habe sie dort abgeholt und fertig.

00:56:45.250 --> 00:56:47.230
<v Heinrich>Jetzt hatte ich also die Reben da.

00:56:46.780 --> 00:56:47.230
<v Michael>1.000 Stück, ne?

00:56:46.780 --> 00:56:56.410
<v Heinrich>Heinrich: 1050 Reben waren das. Ja, und 1987 hat dann die Landeslehr-
und Forschungsanstalt

00:56:56.440 --> 00:57:03.310
<v Heinrich>hier die paar Trauben, die ersten Trauben,
die es gab, geerntet und waren da mit mehreren Fahrzeugen,

00:57:03.310 --> 00:57:08.740
<v Heinrich>alles, staatliche Schule und so. Und das muss dem Winzer,
der mich denunziert hat,

00:57:08.770 --> 00:57:17.020
<v Heinrich>wohl nicht gefallen haben. Und der hat mich angezeigt und am nächsten Morgen
ruft die Weinkontrolle an,

00:57:17.020 --> 00:57:26.460
<v Heinrich>ich muss heute den Cabernet einziehen. Da habe ich gesagt,
aber Sie wissen doch,

00:57:26.460 --> 00:57:28.110
<v Heinrich>dass die Trauben gar nicht bei mir sind.

00:57:28.140 --> 00:57:31.500
<v Heinrich>„Ja, ich weiß das. Ich komme mit der Polizei".

00:57:31.710 --> 00:57:33.720
<v Heinrich>Fertig. Also, er kam dann mit der Polizei.

00:57:33.930 --> 00:57:37.290
<v Heinrich>Die umstellen dann das Haus, so läuft so was ab.

00:57:37.950 --> 00:57:44.400
<v Heinrich>Und dann sagt er zu mir vorher: „Leg ein paar Liter in den Tank und wenn du die
Polizei siehst,

00:57:44.430 --> 00:57:47.370
<v Heinrich>machst den Schieber auf und lässt ihn laufen". Fertig.

00:57:47.400 --> 00:57:54.210
<v Heinrich>Und somit war ja das, Muster konnte er keins nehmen,
weil die Muster lagen in der Lehranstalt und die hätten ja die Rente verloren,

00:57:54.210 --> 00:57:58.230
<v Heinrich>wenn das rausgekommen wäre, dass sie illegale Trauben in ihrem Keller liegen
haben.

00:57:59.610 --> 00:58:09.270
<v Heinrich>Na gut, ich kam vor Gericht. Erster Prozess,
72 Tage Gefängnis wegen Verstoß gegen das Weinrecht.

00:58:09.840 --> 00:58:13.890
<v Heinrich>Gehe ich in Gegenrevision, und das Ganze habe ich ohne Anwalt gemacht.

00:58:13.920 --> 00:58:17.250
<v Heinrich>Beim Amtsgericht ist ein Anwalt keine Pflicht.

00:58:17.810 --> 00:58:20.810
<v Heinrich>So, und ich hatte ja nichts verbrochen. Ich hatte nichts verbrochen.

00:58:20.810 --> 00:58:23.540
<v Heinrich>Ich habe keine Tropfen verkauft, ich hatte nichts verbrochen.

00:58:23.540 --> 00:58:27.950
<v Heinrich>Ich hatte nur Kosten, sonst nichts. So,
die 2.

00:58:27.950 --> 00:58:35.630
<v Heinrich>Instanz, hat sich wohl herumgesprochen bis zur Landeshauptstadt,
und auf jeden Fall,

00:58:36.500 --> 00:58:42.530
<v Heinrich>beim 2. Prozess kommt der Richter rein und haut mit dem Hammer auf den Tisch und
sagt:

00:58:42.530 --> 00:58:48.560
<v Heinrich>„Angeklagter Vollmer, kommen Sie mal raus!". Und dann schlägt er mir vor,
§ 153a zu machen.

00:58:48.560 --> 00:58:53.420
<v Heinrich>Da habe ich zu ihm gesagt, ist das gut für mich oder schlecht? „Ja,
das ist gut für Sie". Gut, wenn Sie das sagen,

00:58:53.420 --> 00:58:56.900
<v Heinrich>ich vertraue Ihnen, dann können wir neu machen. Ich hatte keine Ahnung,
was es ist,

00:58:58.160 --> 00:59:03.560
<v Heinrich>aber gut. Gehen wir rein und dann sagt er:
„Die Anklage wird zurückgewiesen.

00:59:04.070 --> 00:59:10.970
<v Heinrich>Der Kläger zahlt für jeden Rebstock an eine gemeinnützige Stiftung eine Mark,
und die Sache ist erledigt.

00:59:11.000 --> 00:59:15.650
<v Heinrich>Und die Rebstöcke müssen rausgerissen werden". Dem habe ich dann zugestimmt.

00:59:15.680 --> 00:59:24.030
<v Heinrich>Die Sache war für mich erledigt, bin ich nach Hause. Ja,
und dann kamen Tage später die Polizei und haben auch die Rebstöcke ausgegraben.

00:59:24.600 --> 00:59:28.560
<v Heinrich>Bis auf einen. Wir haben ja die überall gepflanzt.

00:59:28.560 --> 00:59:30.600
<v Heinrich>Wo Stöcke gefehlt haben, haben wir gepflanzt.

00:59:30.630 --> 00:59:37.020
<v Heinrich>Aber mit dem Weinkontrolleur zusammen. Und der Weinkontrolleur hat auf einer
Karte alles eingezeichnet gehabt.

00:59:37.440 --> 00:59:40.110
<v Heinrich>Also wir hatten nicht vor, etwas Illegales zu machen.

00:59:41.640 --> 00:59:50.100
<v Heinrich>Aber gut, 48 Stunden später war das Weinrecht geändert und die Einfuhr der Reben
legalisiert.

00:59:50.310 --> 00:59:59.040
<v Heinrich>Und seit der Zeit darf in Deutschland Chardonnay,
Syrah, Cabernet Sauvignon und Merlot und viele andere mehr gepflanzt werden.

00:59:59.220 --> 01:00:03.300
<v Michael>Und mittlerweile auch mit sehr guten Ergebnissen,
muss man ja dazu sagen.

01:00:03.840 --> 01:00:08.700
<v Heinrich>Heinrich: Ja. Also unser derzeitig teuerster Wein,
den wir im Verkauf haben, ist ein Cabernet Sauvignon.

01:00:09.330 --> 01:00:13.830
<v Heinrich>Also wir haben jetzt hier 6, 7 Hektar im Eigenbau stehen.

01:00:15.130 --> 01:00:18.310
<v Tobias>Wie sieht der Rebsortenspiegel bei dir in Argentinien aus?

01:00:18.910 --> 01:00:24.555
<v Heinrich>Heinrich: In Argentinien haben wir Cabernet, die Hauptsorte ist dort Malbec.

01:00:24.555 --> 01:00:27.160
<v Heinrich>Malbec ist eine burgunderähnliche Sorte.

01:00:28.960 --> 01:00:33.610
<v Heinrich>Dann Merlot, Syrah. Und als Weißweine haben wir Sauvignon Blanc und Chardonnay.

01:00:34.480 --> 01:00:40.300
<v Heinrich>Und die sind dort sehr gut, die Weißen,
weil wir auf 1.100 Meter Höhe liegen, also relativ hoch.

01:00:40.600 --> 01:00:50.110
<v Heinrich>Und ich habe jetzt schon seit 2 Jahren,
3 Jahren keine weiße Trauben mehr, weil wir haben Reblaus bekommen und praktisch

01:00:50.110 --> 01:00:53.020
<v Heinrich>einen Totalschaden durch die Reblaus einstecken müssen.

01:00:55.900 --> 01:00:58.270
<v Tobias>Reblaus kommt dann doch irgendwann überall hin.

01:00:58.300 --> 01:01:04.930
<v Heinrich>Heinrich: Die Rebaus ist ja dort zuhause auf dem amerikanischen Kontinent und ich habe
durch die Bewässerung,

01:01:04.930 --> 01:01:11.770
<v Heinrich>früher hat man ja Großflächen bewässert und immer die Erde abgeschwemmt,
also eine massive Erosion.

01:01:12.280 --> 01:01:19.920
<v Heinrich>Dann habe ich Beregnungsrohre eingeführt in den 90er-Jahren und durch die
Beregnungsrohre hast du keine Abschwemmung mehr gehabt.

01:01:19.950 --> 01:01:25.830
<v Heinrich>Du hast alle 2 Wochen nachts 50 Liter pro Quadratmeter Wasser regnen lassen und
da war das gut.

01:01:25.860 --> 01:01:32.736
<v Heinrich>Und dadurch nur nachts, habe ich tagsüber ja wieder 30,
35 Grad Wärme gehabt, da hast du auch keine Peronospora oder irgendwelche

01:01:32.736 --> 01:01:42.060
<v Heinrich>Probleme gehabt. Hat also funktioniert. Dann kam die Kirchnerzeit und in der
Kirchnerzeit wurde plötzlich der Nachtstrom,

01:01:42.810 --> 01:01:51.690
<v Heinrich>der dort durch Wasserkraft gewonnen wird,
kostete früher 0,02 $, 0,03 $, also relativ preiswert.

01:01:52.380 --> 01:01:57.330
<v Heinrich>Das wurde eingestellt und jetzt musste ich plötzlich 32 $ Cent bezahlen.

01:01:57.900 --> 01:02:03.750
<v Heinrich>Und ich habe dort von KKB Frankenthal 3 große Pumpen gehabt,
jede mit 200 kW.

01:02:03.990 --> 01:02:07.560
<v Heinrich>Und du konntest diese Stromrechnung nicht mehr bezahlen.

01:02:07.860 --> 01:02:13.050
<v Heinrich>Ja, dann habe ich das aufgehört und habe mit Tropfberegnung angefangen.

01:02:14.160 --> 01:02:22.470
<v Heinrich>Und bums, war die Reblaus da. Und die Reblaus war vorher,
konnte sich nicht ausbreiten,

01:02:22.470 --> 01:02:31.440
<v Heinrich>weil du hast dort einen Salzgehalt von,
sagen wir mal, 350 bis 450 mg pro Kilo Erde.

01:02:31.710 --> 01:02:41.190
<v Heinrich>Hier im Rheingraben, das war ja auch mal Atlantik bis an die Schweizer Grenze,
im Rheingraben haben wir die höchsten Werte so bei 150 bis 200

01:02:41.190 --> 01:02:48.090
<v Heinrich>mg Salz. So, und 400, da fühlt sich die Reblaus nicht wohl.

01:02:48.390 --> 01:02:53.220
<v Heinrich>So, jetzt haben wir das Wasser zurückgefahren durch die Tropfberegnung -
und schon war sie da.

01:02:53.670 --> 01:02:54.210
<v Tobias>Alles klar.

01:02:54.750 --> 01:03:01.680
<v Heinrich>Heinrich: Und schon war sie da. So, und dann ich habe sie eben rausgerissen und ich habe
den Betrieb ja nie geführt,

01:03:01.710 --> 01:03:07.573
<v Heinrich>um dort für mich Geld zu verdienen, sondern einfach,
um den Menschen Beispiel zu sein,

01:03:07.573 --> 01:03:11.530
<v Heinrich>zu zeigen, wie man das machen kann und die Arbeit.

01:03:11.530 --> 01:03:18.670
<v Heinrich>Ich hatte zur Hochzeit 51 festangestellte Mitarbeiter und dazu die ganzen
Familien und Frauen,

01:03:18.700 --> 01:03:24.130
<v Heinrich>also die Kinder, in unserer Schule mit 180 Kindern waren praktisch alle von
unseren eigenen Mitarbeitern.

01:03:24.160 --> 01:03:34.060
<v Heinrich>Na ja, und dann kam die Kirchnerzeit und in der Kirchnerzeit musstest du
Personal abbauen oder du wärst pleite gegangen,

01:03:34.510 --> 01:03:39.160
<v Heinrich>weil die hat ja im Jahr zweimal um 30 % die Löhne erhöht.

01:03:39.250 --> 01:03:42.700
<v Heinrich>Aber der Außenwechselkurs ist gleichgeblieben.

01:03:43.120 --> 01:03:44.890
<v Heinrich>Das war ja die tödliche Situation.

01:03:45.280 --> 01:03:45.490
<v Tobias>Das kann nicht funktionieren, ja.

01:03:45.880 --> 01:03:55.630
<v Heinrich>Heinrich: Das war die tödliche Situation. Zu normalen Zeiten habe ich mal 5.000 $ für
Löhne gebraucht und dann auf einmal hast du 50.000 $ pro Monat für die Löhne

01:03:55.630 --> 01:04:00.370
<v Heinrich>gebraucht. Und das konntest du von hier nicht mehr finanzieren. Das ist ja über
eine gewisse Zeit,

01:04:00.400 --> 01:04:06.700
<v Heinrich>das war nicht machbar. Also habe ich dann das Personal abgebaut und das konnte
ich nur über das Gericht,

01:04:07.030 --> 01:04:13.500
<v Heinrich>weil in Argentinien ist ein Landarbeiter Angestellter,
der ist Beamter, der ist unkündbar.

01:04:13.890 --> 01:04:23.700
<v Heinrich>Ein Landarbeiter ist unkündbar. Ja, und der Personalabbau musste dann über das
Gericht laufen und hat mich 870.000 $

01:04:23.700 --> 01:04:24.300
<v Heinrich>gekostet.

01:04:24.510 --> 01:04:24.930
<v Tobias>Oh Gott.

01:04:25.350 --> 01:04:32.940
<v Heinrich>Heinrich: Ja. Habe ich aufgebracht, hat mir wehgetan,
aber ich wollte das nicht aufgeben.

01:04:33.060 --> 01:04:33.300
<v Tobias>Ja, ja.

01:04:33.810 --> 01:04:38.910
<v Heinrich>Heinrich: Also, es gab hier genügend Stimmen, die gemeint haben,
„Vollmer, gibt das auf".

01:04:39.300 --> 01:04:43.380
<v Heinrich>Aber aufgeben passt wohl nicht zu meinem Leben.

01:04:44.580 --> 01:04:47.940
<v Tobias>Das Gefühl haben wir jetzt auch schon, glaube ich,
bekommen.

01:04:47.970 --> 01:04:53.550
<v Tobias>Und wie ist das denn heute, wenn man sich jetzt das Weingut in Argentinien
anschaut?

01:04:53.550 --> 01:05:02.070
<v Tobias>Ist denn sozusagen dadurch, dass du als Deutscher das Weingut besitzt,
Deutschland auch der wichtigste Exportmarkt für das Weingut?

01:05:02.100 --> 01:05:08.760
<v Heinrich>Heinrich: Ja, klar. Wie viel mal hat die Lufthansa argentinischen Wein geflogen?

01:05:09.180 --> 01:05:15.720
<v Heinrich>Viele Male. Also der erste Cabernet, den ich in Argentinien angebaut habe,
ist die Lufthansa First Class geflogen bin.

01:05:15.720 --> 01:05:21.870
<v Heinrich>Die deutschen Reben, die ich hier ausgegraben habe,
die Geschichte habe ich irgendwann mal der Lufthansa erzählt und dann kam dieser

01:05:21.870 --> 01:05:29.580
<v Heinrich>Wein in die First Class. Und alles, eins hilft zum anderen und so macht es dir
Freude.

01:05:29.880 --> 01:05:32.130
<v Heinrich>Ja, und dann gibt es wieder einen Rückschlag.

01:05:32.130 --> 01:05:34.770
<v Heinrich>Aber das gehört im Leben halt auch dazu.

01:05:34.890 --> 01:05:42.240
<v Michael>Aber ist es denn nicht ungeheuer anstrengend,
sage ich jetzt mal, auf beiden Kontinenten Wein zu machen?

01:05:42.270 --> 01:05:48.480
<v Michael>Weil im Prinzip, wenn hier Lese ist, dann treiben da gerade die Rebstöcke aus
und umgedreht.

01:05:48.510 --> 01:05:54.750
<v Michael>Also eigentlich ist man ja immer mit einerseits Arbeit im Weinberg und oder auch
mit der Lese beschäftigt.

01:05:55.740 --> 01:05:58.680
<v Michael>Ist das schwierig, wenn man da seine Handschrift hinterlassen will?

01:05:58.680 --> 01:06:03.660
<v Michael>Oder gibt es da einfach Leute, denen du zu 100 % vertraust und die das dann
machen?

01:06:03.750 --> 01:06:10.300
<v Heinrich>Heinrich: Ich glaube, es ist nur schwierig, wenn Sie kein Vertrauen in Ihre Mitarbeiter
haben.

01:06:11.200 --> 01:06:17.830
<v Heinrich>Das ist entscheidend. Und wenn Sie mal hier mit Ihrer anstatt mit meinen
Mitarbeitern reden,

01:06:17.950 --> 01:06:22.810
<v Heinrich>ich habe jedem immer große Freiheiten gelassen.

01:06:24.400 --> 01:06:30.370
<v Heinrich>Auch jeder hat irgendwann von mir mal eine Messe gelesen bekommen,
wenn es einfach sein musste.

01:06:30.400 --> 01:06:37.810
<v Heinrich>Aber im Grunde bin ich ein Mensch, der bereit ist,
Fehler auch mal zu bezahlen bei den Mitarbeitern,

01:06:38.830 --> 01:06:44.350
<v Heinrich>weil sie können letzten Endes nur genauso gut wie du werden,
wenn sie auch mal Fehler machen dürfen.

01:06:44.380 --> 01:06:48.220
<v Heinrich>Wie viele Fehler habe ich selber gemacht und habe dafür bezahlt? Es ist nun mal
so.

01:06:48.250 --> 01:06:55.600
<v Heinrich>Das ist das menschliche Leben. Ja, und in Argentinien habe ich Mitarbeiter
aufgebaut bis zum heutigen Tage,

01:06:56.110 --> 01:07:04.950
<v Heinrich>die das Weingut als ihr Eigentum sehen. Die sind dort auch geboren und da kann
ich auch mal ein Jahr nicht dort sein,

01:07:05.160 --> 01:07:12.150
<v Heinrich>bricht das Ding nicht zusammen. Wichtig ist nur,
dass du einen Kontakt hast zum Finanzamt,

01:07:12.330 --> 01:07:16.320
<v Heinrich>zur Behörde, auf den du dich ein bisschen verlassen kannst.

01:07:17.160 --> 01:07:20.100
<v Heinrich>Sonst kann es dir passieren, wenn du wiederkommst,
dass es schon verkauft ist.

01:07:22.080 --> 01:07:22.980
<v Michael>Immer noch so schlimm?

01:07:24.480 --> 01:07:33.120
<v Heinrich>Heinrich: Unter Milei habe ich nichts erlebt, aber unter Kirchner,
unter der Frau Kirchner stand ich zweimal vor der Zwangsversteigerung.

01:07:34.260 --> 01:07:43.680
<v Heinrich>Die hat, also einmal hat die mir eine Rechnung geschickt,
das Finanzamt, über 2,2 Millionen,

01:07:43.890 --> 01:07:46.920
<v Heinrich>zahlbar innerhalb 14 Tagen oder Zwangsversteigerung.

01:07:47.850 --> 01:07:50.970
<v Michael>Das kann man ja dran fühlen. Das ist ein Manöver.

01:07:51.450 --> 01:07:55.440
<v Heinrich>Heinrich: Ja, klar. Also auch das überlebt, habe ich aber bezahlt.

01:07:55.440 --> 01:08:03.850
<v Heinrich>Habe ich bezahlt. Allerdings waren die 2,2 Millionen Peso,
aber es waren auch 380.000 $

01:08:03.850 --> 01:08:13.110
<v Heinrich>damals. Ja, und das war reine Willkür. Reine Willkür,
um Ausländer eben einfach

01:08:13.740 --> 01:08:20.670
<v Heinrich>loszuwerden. Dabei braucht das Land dringend den Mercosur.

01:08:22.500 --> 01:08:28.380
<v Heinrich>Sie können sich nicht vorstellen, aber die Technik,
die dort vorherrscht und das technische Verständnis,

01:08:28.410 --> 01:08:30.660
<v Heinrich>ist einfach 30, 40 Jahre zurück.

01:08:31.650 --> 01:08:35.640
<v Michael>Außerhalb der großen Städte natürlich. Buenos Aires ist schon...

01:08:35.670 --> 01:08:36.090
<v Heinrich>Heinrich: Ja.

01:08:36.390 --> 01:08:37.590
<v Michael>...was anderes dann noch mal.

01:08:38.130 --> 01:08:43.470
<v Heinrich>Heinrich: Klar. Aber die Mentalität des auch des Porteños.

01:08:43.830 --> 01:08:46.170
<v Heinrich>Den Menschen in Buenos Aires nennt man Porteño.

01:08:46.440 --> 01:08:51.930
<v Heinrich>Auch der geht am liebsten mit Draht, Beißzange und Hammer um.

01:08:53.310 --> 01:08:58.110
<v Heinrich>Das ist argentinische Mentalität. Das einzige Werkzeug,
was sie beherrschen, ist eine Beißzange,

01:08:58.140 --> 01:09:00.340
<v Heinrich>Draht und ein Hammer. Das beherrschen sie.

01:09:02.380 --> 01:09:06.220
<v Heinrich>Aber feintechnologie ist sehr, sehr schwer.

01:09:07.390 --> 01:09:15.310
<v Heinrich>Die wollen das lernen, aber jetzt im Augenblick ist ja so,
dass der Trend von top ausgebildeten jungen Argentiniern,

01:09:15.340 --> 01:09:19.930
<v Heinrich>ist der Trend, sie gehen nach Europa. Nicht nach USA,
sondern nach Europa.

01:09:21.730 --> 01:09:26.740
<v Michael>Es ist auch schwieriger natürlich jetzt in die USA zu kommen,
und ob man das dann so will.

01:09:26.740 --> 01:09:30.520
<v Michael>Aber jetzt mal eine rein hypothetische Frage.

01:09:30.520 --> 01:09:40.090
<v Michael>Aber du hast gesagt, Peru hast du dir angeguckt wegen des Weinbaus,
in Chile hast du rübergeguckt und bist dann in Argentinien gelandet.

01:09:40.090 --> 01:09:44.050
<v Michael>Würde diese Entscheidung wieder so ausfallen für Argentinien?

01:09:44.350 --> 01:09:52.120
<v Heinrich>Heinrich: Ja, ja. Also vom Klima her ist Mendoza wohl eines der besten Klimata,
die es auf der Welt gibt.

01:09:53.050 --> 01:10:00.060
<v Heinrich>Du hast dort Luftfeuchtigkeit in der Regel während der Vegetation von 25 bis
35 %.

01:10:00.300 --> 01:10:03.180
<v Heinrich>Das heißt, Peronospora heir hat keine Chance.

01:10:03.870 --> 01:10:08.070
<v Heinrich>Also Bioanbau ist völlig normal. Das ist völlig normal.

01:10:08.100 --> 01:10:13.440
<v Heinrich>Wir haben zwar immer dort auch eine Spritzvorrichtung gehabt,
weil es kann mal sein,

01:10:13.440 --> 01:10:19.200
<v Heinrich>dass Gewitterstimmung kommt und 2 Wochen lang die Bewölkung zu ist und hohe
Luftfeuchtigkeit.

01:10:19.230 --> 01:10:21.240
<v Heinrich>Und darunter stehen 90 % Luftfeuchtigkeit.

01:10:21.270 --> 01:10:23.700
<v Heinrich>Der Pilz ist dort zu Hause, der kommt dort her.

01:10:24.180 --> 01:10:28.080
<v Heinrich>Oidium, Peronospora gab's in Europa nicht,
aber auf dem amerikanischen Kontinent,

01:10:28.080 --> 01:10:34.050
<v Heinrich>ja. Insofern, das Klima ist phänomenal,
muss man sagen.

01:10:34.080 --> 01:10:41.730
<v Heinrich>Und dann die Böden dort sind, mein Weingut Vielleicht seit 80 Jahren in
Bewirtschaftung,

01:10:41.730 --> 01:10:49.290
<v Heinrich>aber nie intensiv. Und unsere Böden sind ja hier seit 2.000 Jahren in intensiver
Bewirtschaftung.

01:10:49.650 --> 01:10:57.290
<v Heinrich>Also das muss man alles gegeneinander mal sehen und dann kannst du ja Eins und
eins zusammenzählen.

01:10:57.440 --> 01:11:03.380
<v Heinrich>Du hast dort eine mineralische Düngung mit Kunstdünger,
ist absolut überflüssig.

01:11:03.470 --> 01:11:05.630
<v Heinrich>Es ist so viel Energie noch im Boden drin.

01:11:07.010 --> 01:11:09.650
<v Heinrich>Das Unkraut wächst 40 Zentimeter in 2 Tagen.

01:11:10.640 --> 01:11:12.110
<v Heinrich>Ja, das natürlich auch.

01:11:12.680 --> 01:11:17.840
<v Tobias>Und jetzt dieser naturnahe Ansatz. Sind das tatsächlich auch noch Überzeugungen,

01:11:17.840 --> 01:11:21.080
<v Tobias>die du schon mit aus dem Burgund genommen hast,
weil du sagtest...

01:11:21.320 --> 01:11:23.540
<v Heinrich>Heinrich: Ja, die Biodynamik hat mich hochinteressiert.

01:11:23.570 --> 01:11:29.300
<v Heinrich>Ja, das ging dann auch so mit Kuhhorn und Pferdemist und was weiß ich alles.

01:11:31.100 --> 01:11:34.640
<v Heinrich>Ich wusste nicht genau, ist es jetzt reiner Wahnsinn oder ist es wirklich?

01:11:34.670 --> 01:11:40.520
<v Heinrich>Ich hätte müssen 5 Jahre allein dort bleiben,
um die Resultate zu überprüfen, weil nur das zählt ja,

01:11:40.610 --> 01:11:44.120
<v Heinrich>nur das Resultat. Das konnte ich nicht überprüfen.

01:11:44.510 --> 01:11:54.040
<v Heinrich>Ja, aber schön war, dass in Maconnais dieser Junge,
der Sohn

01:11:54.040 --> 01:12:03.070
<v Heinrich>damals war 9 Jahre alt, war 9 Jahre alt und es war jetzt vor 58 Jahren,
wenn ich zurückrechne oder 59 Jahre.

01:12:04.000 --> 01:12:10.060
<v Heinrich>Und vor 4 Wochen kam der Sohn, der damals 9 Jahre alt war,
mich besuchen.

01:12:10.570 --> 01:12:12.700
<v Heinrich>Er hatte den Heinrich Vollmer nicht vergessen.

01:12:13.690 --> 01:12:15.820
<v Heinrich>Das hat mich schon berührt, muss ich sagen.

01:12:15.850 --> 01:12:20.320
<v Heinrich>Hat mich berührt. Und hat noch ein paar Worte Deutsch gesprochen,
die ich ihm beigebracht hatte.

01:12:20.890 --> 01:12:22.120
<v Michael>Hoffentlich keine Schimpfworte.

01:12:22.240 --> 01:12:24.100
<v Heinrich>Heinrich: Nein, nein, nein, nein, nein.

01:12:25.300 --> 01:12:27.730
<v Tobias>Aber das ist jetzt gerade ein ganz, ganz gutes Thema.

01:12:28.840 --> 01:12:33.430
<v Tobias>Nämlich das Thema Generation, nächste Generation,
Fortführung.

01:12:34.030 --> 01:12:38.260
<v Tobias>Ein Thema, mit dem viele Winzer, aber auch andere Betriebe Riesenprobleme haben.

01:12:38.620 --> 01:12:42.160
<v Tobias>Wir haben jetzt gerade schon deine Tochter,
Eva, vorhin kennengelernt.

01:12:42.430 --> 01:12:46.270
<v Tobias>Also auch da alles positiv mit dem Blick in die Zukunft?

01:12:46.360 --> 01:12:52.234
<v Heinrich>Heinrich: Ja, Gott sei Dank. Gott sei Dank. Aber die Eva ist die Tochter.

01:12:52.234 --> 01:12:58.570
<v Heinrich>Und sagen wir, ich habe schon Jahre jetzt gebraucht.

01:12:58.600 --> 01:13:02.380
<v Heinrich>Sie wird ja das, was ich jetzt hier erzähle,
sicherlich auch hören.

01:13:03.040 --> 01:13:10.510
<v Heinrich>Es hat Jahre gebraucht, bis ich die innere Zustimmung gebe,
dass sie die Fähigkeit hat,

01:13:10.540 --> 01:13:20.410
<v Heinrich>dieses große Weingut und auch mit dieser guten Kundschaft,
die wir haben, wir haben namhafte Kunden,

01:13:22.900 --> 01:13:32.740
<v Heinrich>das zu übernehmen und das fortzuführen. Die Diplomatie so zu beherrschen,
dass man nicht durch Selbstverschulden sich

01:13:32.770 --> 01:13:35.350
<v Heinrich>etwas kaputt macht. Weil das kann passieren.

01:13:35.380 --> 01:13:42.580
<v Heinrich>Und natürlich, wichtig ist auch, wenn du so einen Betrieb führst mit Kunden wie
Rewe und Lufthansa,

01:13:42.760 --> 01:13:46.930
<v Heinrich>die erwarten jedes Jahr, dass die Qualität besser wird.

01:13:47.860 --> 01:13:53.120
<v Heinrich>Jedes Jahr. Das heißt, wenn du als Winzer,
als Kellermeister nicht in der Lage bist,

01:13:54.200 --> 01:14:00.920
<v Heinrich>permanent an der Schraube der Qualität zu drehen und dort permanente
Verbesserungen,

01:14:01.310 --> 01:14:04.130
<v Heinrich>einfach durch Erkenntnisse kommt es ja automatisch.

01:14:04.160 --> 01:14:09.530
<v Heinrich>Nur musst du den Geist haben und die Kapazitäten im Hirn haben,
daraus etwas abzuleiten,

01:14:09.530 --> 01:14:12.890
<v Heinrich>was ich im nächsten Jahr verfeinere. Dann geht es ja um Tannine.

01:14:12.920 --> 01:14:19.220
<v Heinrich>Da geht es um alles Mögliche. So, und diese Fähigkeit,
so langsam begreife ich,

01:14:19.220 --> 01:14:28.850
<v Heinrich>dass sie die aufsaugt und den Betrieb auch dann nach meinem Ableben,
das wird ja demnächst irgendwann mal

01:14:28.880 --> 01:14:32.630
<v Heinrich>passieren, so viel Glück kannst du im Leben nicht ewig haben.

01:14:33.650 --> 01:14:36.770
<v Heinrich>Irgendwann ist es vorbei und dann steht er da und nimmt dich mit.

01:14:37.670 --> 01:14:46.130
<v Heinrich>Ja, aber ich bin guter Dinge, dass der Generationswechsel hier super

01:14:47.540 --> 01:14:52.120
<v Heinrich>abläuft und erfolgreich das Unternehmen weitergeführt wird.

01:14:53.440 --> 01:14:56.740
<v Tobias>Sehr schön. Dazu kann man ja tatsächlich nur gratulieren.

01:14:56.740 --> 01:15:03.370
<v Tobias>Und ja, man kann auch dir zu deinem bisherigen Leben,
glaube ich, von Herzen gratulieren,

01:15:03.580 --> 01:15:08.813
<v Tobias>was du alles schon erlebt hast. Und wir haben ja jetzt über viele Ereignisse
gesprochen,

01:15:08.813 --> 01:15:11.800
<v Tobias>die ja sozusagen nebenher stattgefunden haben.

01:15:12.520 --> 01:15:20.680
<v Tobias>Du hast ja eigentlich, sage ich mal, als Winzer eines der größten
privatgeführten Weingüter auch in der Zeit aufgebaut plus dieser ganzen

01:15:20.680 --> 01:15:23.350
<v Tobias>Erlebnisse, dieses sozialen Engagements.

01:15:24.070 --> 01:15:25.630
<v Tobias>Also wirklich sehr, sehr beeindruckend.

01:15:26.530 --> 01:15:35.950
<v Heinrich>Heinrich: Ja, es war eine tolle Zeit. Und wie gesagt,
maßgeblich war, dass ich das

01:15:35.950 --> 01:15:45.460
<v Heinrich>Selbstbewusstsein und die Erkenntnis bekam durch Erfolge,
durch Erfolge bei Lufthansa

01:15:45.490 --> 01:15:51.370
<v Heinrich>damals. Und dann kamen natürlich, wenn du Wein machst,
Wein und Kochen gehört zusammen.

01:15:51.670 --> 01:15:59.886
<v Heinrich>Ja, ich habe da 1987 den Fleischeinkauf,
da war ich Einkäufer für Fleisch für die Lufthansa,

01:15:59.886 --> 01:16:02.380
<v Heinrich>habe ich also Fleisch eingekauft in Argentinien.

01:16:02.410 --> 01:16:03.250
<v Heinrich>In Argentinien!

01:16:03.580 --> 01:16:04.240
<v Tobias>Ah, okay, klar.

01:16:04.810 --> 01:16:10.660
<v Heinrich>Heinrich: Das war ein Riesenerlebnis. Ich bin in einem Monat fünfmal nach Buenos Aires
geflogen,

01:16:11.140 --> 01:16:20.500
<v Heinrich>und jedes Mal hatte ich eine andere Visitenkarte,
weil mir war klar, du musst den Markt etwas durcheinanderbringen.

01:16:21.820 --> 01:16:26.350
<v Heinrich>Und einmal war ich für Lufthansa, dann war ich für British Airways,
dann war ich für KLM.

01:16:26.650 --> 01:16:36.130
<v Heinrich>Und so ging das also rund. Und auf meiner fünften Reise,
und der damalige Preis war 12 $ Rump of Loin sammelt die

01:16:36.130 --> 01:16:42.220
<v Heinrich>natürlichen Anteile. Filet, das sind 4 Zuschnitte,
4 Fleischstücke.

01:16:42.430 --> 01:16:46.474
<v Heinrich>Das ist die Masse des Rindes. Das war bei 12 $.

01:16:46.474 --> 01:16:52.350
<v Heinrich>Und drüben, der Auslöser war ja, dass ich dem Einkaufschef von Lufthansa erzählt
habe,

01:16:52.350 --> 01:16:55.710
<v Heinrich>ich habe gestern noch Fleisch gekauft, das hat 98 Pfennige gekostet.

01:16:56.040 --> 01:17:01.560
<v Heinrich>Der sagt: „Bist du wahnsinnig?". Da sag ich,
doch, es ist wahr. Und so kam die Idee.

01:17:01.560 --> 01:17:07.170
<v Heinrich>Und ich hatte dann auf der 5. Reise in einem Monat,
hatte ich den Preis auf 4,20 $.

01:17:07.200 --> 01:17:10.590
<v Heinrich>Und da habe ich angerufen und gesagt, ich steige sofort in den Flieger.

01:17:10.620 --> 01:17:15.720
<v Heinrich>Heute Abend fliege ich raus, morgen früh bin ich da. Und dann haben wir den
Vertrag gemacht. Der erste Vertrag. Ja,

01:17:15.840 --> 01:17:21.570
<v Heinrich>und wichtig war damals in der Zeit, wichtig war,
dass das Geld da war.

01:17:21.630 --> 01:17:29.430
<v Heinrich>Und die Commerzbank hatte damals noch Filialen in Buenos Aires,
ein komplettes Filialnetz in Buenos Aires.

01:17:30.480 --> 01:17:38.196
<v Heinrich>Und mit der Commerzbank, das war ja meine Mitbank hier,
haben wir also die die letzten Verträge,

01:17:38.196 --> 01:17:43.380
<v Heinrich>beim Vertragsabschluss war immer der Commerzbanker mit dabei und der hat gesagt:

01:17:43.430 --> 01:17:46.370
<v Heinrich>„Ihr kommt zu mir und von mir könnt das Geld abholen".

01:17:46.490 --> 01:17:54.710
<v Heinrich>Das war für die. Das war wichtig. Ja, und dann haben wir 2 Schlachthöfe letzten
Endes gehabt,

01:17:54.710 --> 01:18:00.140
<v Heinrich>die praktisch jede Woche mehrere Container für die Lufthansa gemacht haben.

01:18:00.620 --> 01:18:05.270
<v Heinrich>Ja, das habe ich 7 Jahre gemacht und dann einen Nachfolger ausgebildet.

01:18:05.300 --> 01:18:09.770
<v Heinrich>Aber die auf Sicht hat es nicht funktioniert.

01:18:09.800 --> 01:18:15.260
<v Heinrich>Du musst mit den Leuten umgehen können. Ja,
muss man umgehen können.

01:18:16.490 --> 01:18:26.300
<v Heinrich>Das ist nun mal so. Fleisch war eine Mafia und mit der Mafia kann man,
muss man auch hart in die Bandagen gehen und auch mal

01:18:26.300 --> 01:18:33.260
<v Heinrich>sagen, wenn es euch nicht passt, dann gehe ich wieder. Es hat so zu laufen,
wie ich es will.

01:18:33.440 --> 01:18:36.500
<v Heinrich>Ich kaufe, ich bezahle. Und ihr verkauft.

01:18:36.890 --> 01:18:43.000
<v Heinrich>Und in der Metzgerei kriegt ihr 0,70 $ für das Kilo und von mir 4,20 $.

01:18:43.030 --> 01:18:47.200
<v Heinrich>Und jetzt sollte man, jetzt überlegt mal,
jetzt muss man.

01:18:47.230 --> 01:18:53.890
<v Heinrich>Und natürlich hatten andere, die vorher das Geschäft gemacht haben,
die haben viel Geld verdient.

01:18:54.700 --> 01:18:55.630
<v Heinrich>Viel zu viel.

01:18:57.130 --> 01:19:01.450
<v Michael>Ja, ich meine, war ja eine ganze Zeit lang,
ich weiß nicht, ob das immer noch so ist,

01:19:01.480 --> 01:19:09.854
<v Michael>Hauptexportartikel, Rindfleisch. Und es hat ja hier zu ganzen argentinischen
Restaurantketten und sonstiges geführt,

01:19:09.854 --> 01:19:10.690
<v Michael>dieser Ruf.

01:19:11.800 --> 01:19:18.040
<v Heinrich>Heinrich: Ja, klar. Damals Maredo Restaurant war ja auch,
da gab es nur argentinischen Wein von Vollmer damals.

01:19:18.370 --> 01:19:22.450
<v Heinrich>Wirklich, das ist eins zum andern. Manfred Holl,
der lebt heute noch.

01:19:22.750 --> 01:19:32.050
<v Heinrich>Er lebt heute noch, hat aber verkauft 1994 an Whitbread damals,
weil er einen Tumor bekam.

01:19:32.680 --> 01:19:37.210
<v Heinrich>Und ein halbes Jahr später war der Tumor geheilt,
dann wollte er es am liebsten wieder zurückkaufen.

01:19:38.740 --> 01:19:40.180
<v Michael>Aber so einfach ist das dann nicht.

01:19:40.540 --> 01:19:46.210
<v Heinrich>Heinrich: Ne. Aber ja, 2 Jahre später, dann kam ja diese Fleischseuche und dann war das
alles nichts mehr wert.

01:19:46.870 --> 01:19:47.230
<v Heinrich>Da war das nichts mehr wert.

01:19:47.410 --> 01:19:48.070
<v Michael>Also eher Glück gehabt.

01:19:48.160 --> 01:19:51.130
<v Heinrich>Heinrich: Er hat Glück gehabt. Ich würde sagen, mein Freund Manfred.

01:19:51.160 --> 01:19:52.870
<v Heinrich>Manfred, solltest du die Geschichte hören.

01:19:54.790 --> 01:19:59.530
<v Tobias>Sehr gut. Wir kommen jetzt zum Abschluss noch mal sehr,
sehr fokussiert auf das Thema Wein zurück.

01:19:59.560 --> 01:20:04.900
<v Tobias>Wir fragen nämlich jeden Gast Bei Anruf Wein nach seinem Einsame-Insel-Wein.

01:20:05.140 --> 01:20:09.430
<v Tobias>Also du musst dir folgendes Szenario vorstellen:
Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet.

01:20:09.610 --> 01:20:13.210
<v Tobias>Du hast aber einen Top Weinkeller. Unterirdisch.

01:20:13.210 --> 01:20:20.650
<v Tobias>Perfekt klimatisiert. Es gibt nur tatsächlich nur einen Wein,
ein Jahrgang, Tausende Flaschen,

01:20:20.650 --> 01:20:23.710
<v Tobias>alles gut, aber du müsstest dich für einen Wein entscheiden.

01:20:24.340 --> 01:20:25.420
<v Tobias>Welcher würde es sein?

01:20:27.490 --> 01:20:27.760
<v Michael>Hm.

01:20:29.950 --> 01:20:32.410
<v Heinrich>Heinrich: Tja. Weiß oder rot?

01:20:32.680 --> 01:20:32.980
<v Tobias>Egal.

01:20:33.520 --> 01:20:34.030
<v Michael>Das ist egal.

01:20:34.510 --> 01:20:39.900
<v Heinrich>Heinrich: Für welchen Wein würde ich mich entscheiden? Wenn ich auf einer einsamen Insel
für viele Jahre, da muss er ja haltbar sein.

01:20:40.080 --> 01:20:41.700
<v Heinrich>Da entscheide ich mich für einen Cabernet Sauvignon.

01:20:43.470 --> 01:20:44.400
<v Tobias>Und gibt es da einen spezifischen?

01:20:44.430 --> 01:20:45.750
<v Heinrich>Heinrich: Der ist 25 Jahre haltbar?

01:20:46.020 --> 01:20:51.330
<v Tobias>Ja, und gibt es da einen spezifischen, wo du sagst,
ja, der würde auch noch an Tag 3,

01:20:51.330 --> 01:20:53.940
<v Tobias>4 und 100 nicht langweilig werden?

01:20:54.840 --> 01:21:03.540
<v Heinrich>Heinrich: Ja. Tag 100, der Tag 100, irgendwo ist für Wein,
also mein lebhaftester Weißwein,

01:21:03.570 --> 01:21:06.360
<v Heinrich>den ich hier im Haus habe, ist ein 92er.

01:21:07.260 --> 01:21:13.230
<v Heinrich>Der Wein ist heute noch so lebhaft, wie er 1995,
1996 sich präsentiert hat.

01:21:13.260 --> 01:21:16.530
<v Heinrich>Ist heute noch dasselbe. Allerdings Doppelmagnum-Flasche,
aber super.

01:21:16.740 --> 01:21:24.720
<v Heinrich>So 1992. Es gab danach kein Jahrgang mehr,
bis zum heutigen Tag, der diese natürliche

01:21:26.100 --> 01:21:31.590
<v Heinrich>Komponente mitgebracht hat, dass das alles so harmonisch gepasst hat und alt
wurde.

01:21:31.620 --> 01:21:36.210
<v Heinrich>Und ich denke, jetzt, der Jahrgang 25, der ist ähnlich.

01:21:36.300 --> 01:21:45.400
<v Heinrich>Wir haben jetzt gestern Riesling gelesen,
gestern war noch ein schöner Tag, Riesling gelesen mit 100 Oechsle und 9,2

01:21:45.400 --> 01:21:47.830
<v Heinrich>Promille Säure. Das ist ja das Entscheidende.

01:21:48.460 --> 01:21:51.760
<v Heinrich>Was nützt dir 100 Oechsle und 6 Promille Säure?

01:21:52.180 --> 01:21:56.980
<v Heinrich>Der Wein wird nicht alt. Aber der mit 9 Promille Säure,
nach der Gärung wird er noch acht haben,

01:21:56.980 --> 01:22:01.030
<v Heinrich>dann kannst du den Wein, und acht ist ja fast nur Weinsäure.

01:22:01.060 --> 01:22:07.864
<v Heinrich>Das ist also nicht sauer. Im normalen Jahr hast du ja 50 % Weinsäure,
50 % Apfelsäure.

01:22:07.864 --> 01:22:10.630
<v Heinrich>Und dieses Jahr haben wir bis zu 90 % Weinsäure.

01:22:10.960 --> 01:22:11.770
<v Tobias>Ja, sehr gut.

01:22:12.130 --> 01:22:19.090
<v Heinrich>Heinrich: Das ist super. Es gibt einen Jahrgang, von dem wir noch die nächsten 25 Jahre,
dann bin ich ja 100.

01:22:19.360 --> 01:22:20.260
<v Heinrich>Ja, dann...

01:22:20.920 --> 01:22:23.740
<v Michael>Dann kann man auch die erste Flasche da mal aufmachen,
um zu gucken, auf die 25 Jahre.

01:22:24.370 --> 01:22:26.140
<v Heinrich>Heinrich: Ich lege mir für den Tag, lege ich mal jetzt was weg.

01:22:26.470 --> 01:22:28.930
<v Tobias>Okay, das ist ja schon mal eine gute Antwort dazu.

01:22:30.640 --> 01:22:30.940
<v Michael>Kommen wir direkt auch dazu vorbei. Ja.

01:22:31.120 --> 01:22:31.630
<v Tobias>Ja. Wein aus.

01:22:31.630 --> 01:22:32.020
<v Heinrich>Heinrich: Benehmt euch aber gut.

01:22:32.020 --> 01:22:34.030
<v Michael>Ja, ich bemühe mich.

01:22:34.600 --> 01:22:41.370
<v Tobias>Okay. Aber der Einsame-Insel-Wein, das hat man ja so auch noch nicht. Das ist im
Grunde genommen ein Wein, der noch gar nicht auf der Flasche ist. Aber wir

01:22:41.370 --> 01:22:43.890
<v Tobias>einigen uns jetzt dann auf einen 2025er Cabernet Sauvignon.

01:22:44.460 --> 01:22:48.690
<v Heinrich>Heinrich: Cabernet Sauvignon. Ich rechne, er hat 104 bis 108 Oechsle.

01:22:49.050 --> 01:22:51.960
<v Tobias>Ja, also auch dann aus Deutschland, nicht aus Argentinien.

01:22:52.530 --> 01:22:52.770
<v Heinrich>Heinrich: Ja.

01:22:52.800 --> 01:22:53.400
<v Tobias>Sehr gut, okay.

01:22:53.580 --> 01:22:55.740
<v Heinrich>Heinrich: Ja, also egal. Und auf der einsamen Insel?

01:22:55.950 --> 01:22:57.360
<v Heinrich>Glaubt mir, ich komme zurecht.

01:22:58.380 --> 01:23:01.320
<v Tobias>Ich hatte den Eindruck, den haben wir jetzt,
glaube ich, alle bekommen.

01:23:01.350 --> 01:23:05.310
<v Michael>Glaube ich auch. Bevor wir uns jetzt hier verabschieden,
möchte ich erst noch mal sagen:

01:23:05.310 --> 01:23:08.610
<v Michael>herzlichen Dank für die viele Zeit, für die tollen Geschichten.

01:23:08.790 --> 01:23:18.390
<v Michael>Also ich freue mich jetzt nicht nur auf diesen Cabernet Sauvignon in 25 Jahren,
sondern ich freue mich tatsächlich auch schon darauf,

01:23:18.390 --> 01:23:20.520
<v Michael>wenn es das nächste Mal wieder heißt.

01:23:21.780 --> 01:23:22.650
<v Heinrich>Heinrich: Bei Anruf.

01:23:23.430 --> 01:23:23.790
<v Tobias>Wein.