WEBVTT

00:00:02.340 --> 00:00:07.530
<v Michael>Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.420 --> 00:00:12.660
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.

00:00:12.690 --> 00:00:19.170
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein. Australien -
Das klingt nach Kängurus, Outback und Ozean,

00:00:19.590 --> 00:00:24.990
<v Tobias>aber auch nach Shiraz, Barossa Valley und einer Weintradition,
die erstaunlich weit zurückreicht.

00:00:25.470 --> 00:00:32.280
<v Tobias>In dieser Folge reisen Michael und ich gedanklich ans andere Ende der Welt und
sprechen über Down Under als Weinkontinent,

00:00:32.700 --> 00:00:38.610
<v Tobias>über klimatische Gegensätze, Herkunftsbezeichnungen,
Rebsorten und über große Namen wie Penfolds.

00:00:39.090 --> 00:00:45.840
<v Tobias>Dazu gibt es wie immer persönliche Anekdoten,
fundiertes Nerdwissen und den ein oder anderen Tipp fürs eigene Glas.

00:00:46.260 --> 00:00:53.370
<v Tobias>Und falls ihr nach dem Hören der Folge noch etwas Zeit übrig habt,
bewertet uns gern auf eurer Podcastplattform und stimmt bei unserer kleinen

00:00:53.370 --> 00:00:56.430
<v Tobias>Umfrage in den Shownotes ab. Thank you,
mates!

00:00:56.970 --> 00:01:00.250
<v Tobias>Also bleibt mal dran. Ich ruf den mal an!

00:01:04.870 --> 00:01:13.560
<v Michael>Guten Morgen, Mr. Weinlakei. Ich hoffe,
du hast gut geschlafen, bist frischen Mutes und gut vorbereitet für die Bei

00:01:13.560 --> 00:01:21.100
<v Michael>Anruf Wein-Folge 114. Also, heute nehmen wir unsere Zuhörerinnen und Zuhörer mit
in die neue Weinwelt.

00:01:21.100 --> 00:01:27.430
<v Michael>Und heute entführt der Podcast nach Down Under,
in das für uns so, so ferne Australien.

00:01:27.490 --> 00:01:34.600
<v Tobias>Ja okay, aber was? Also ich hätte jetzt eher so ein „Good Day,
Mate!" von dir erwartet,

00:01:34.600 --> 00:01:39.580
<v Tobias>so ganz australisch. Ja, aber erst einmal willkommen,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.

00:01:39.580 --> 00:01:42.910
<v Tobias>So viel Zeit muss jetzt erst mal sein. Aber Michael,
warum „Guten Morgen"?

00:01:42.910 --> 00:01:48.100
<v Tobias>Ja, wir haben jetzt, wenn ich auf die Uhr gucke,
späten Nachmittag und du begrüßt mich mit „Guten Morgen".

00:01:48.430 --> 00:01:54.460
<v Tobias>Du hast wahrscheinlich den Wecker heute nicht gehört,
ja? Also ich hoffe, du hörst mein Kopfschütteln durchs Telefon.

00:01:54.460 --> 00:01:55.630
<v Tobias>Aber egal.

00:01:56.320 --> 00:01:56.500
<v Michael>Du meins auch.

00:01:56.500 --> 00:02:00.940
<v Tobias>Ja, ja, denn wie - was? Aber egal, zumindest hast du das richtige Thema parat.

00:02:01.180 --> 00:02:06.490
<v Tobias>Und daher würde ich sagen, schlagen wir jetzt direkt den Kurs in Richtung
Australien ein.

00:02:07.450 --> 00:02:10.810
<v Tobias>Ja, und bitte jetzt, ohne hier alle in die Irre zu führen.

00:02:11.410 --> 00:02:16.630
<v Michael>Ach, Tobias, glaub mir doch bitte! Ich bin auch am Nachmittag hellwach -
versprochen.

00:02:17.170 --> 00:02:22.420
<v Michael>Aber worauf ich eben mit dem Guten Morgen hinaus wollte,
ja, das ist die Zeitverschiebung.

00:02:22.450 --> 00:02:29.320
<v Michael>Während wir jetzt schon in Echtzeit dem Abend entgegensehen,
also schauen wir mal aus dem Fenster,

00:02:29.710 --> 00:02:33.760
<v Michael>sagt man sich in Australien schon freundlich Guten Morgen.

00:02:33.760 --> 00:02:37.000
<v Michael>Und zwar das Guten Morgen von morgen, ja?

00:02:37.000 --> 00:02:41.560
<v Michael>Die sind uns ja im Datum immer voraus. Also noch mal,
was ich letztlich sagen wollte:

00:02:41.560 --> 00:02:45.910
<v Michael>Australien ist verdammt weit weg von Deutschland.

00:02:46.150 --> 00:02:50.560
<v Tobias>Ja, das stimmt. Und wenn wir mal dabei bleiben,
Australien ist auch verdammt groß.

00:02:50.620 --> 00:02:53.230
<v Tobias>Ja, das muss man unbedingt vorab abschicken.

00:02:53.590 --> 00:02:58.580
<v Tobias>Die Landmasse von Australien ist größer als die von ganz Europa.

00:02:58.850 --> 00:03:02.180
<v Tobias>Nur mal so zum Vergleich, um sich das besser vorstellen zu können.

00:03:02.660 --> 00:03:09.380
<v Tobias>Entsprechend sind natürlich dort auch die Begrifflichkeiten etwas anders,
wenn es um die geografische Herkunft von Wein geht.

00:03:09.560 --> 00:03:14.870
<v Tobias>Da gibt es nämlich ein mehrstufiges System mit geschützten
Herkunftsbezeichnungen.

00:03:15.020 --> 00:03:18.755
<v Tobias>Das hört sich jetzt erstmal nicht so ganz ungewöhnlich an.

00:03:18.755 --> 00:03:23.630
<v Tobias>Und diese Bezeichnungen nennen sich „Geographical Indications".

00:03:23.780 --> 00:03:29.480
<v Tobias>Und die werden auch kurz „GIs" genannt. Ja und ja,
gut, haben wir andere Assoziationen.

00:03:29.630 --> 00:03:34.310
<v Tobias>Aber egal. Ganz oben steht dort die sogenannte Superzone.

00:03:34.670 --> 00:03:40.550
<v Tobias>Und das ist in der Praxis eigentlich nur eine einzige,
nämlich South Eastern Australia.

00:03:40.820 --> 00:03:44.510
<v Tobias>Und die umfasst wiederum gleich mehrere Bundesstaaten.

00:03:44.510 --> 00:03:50.060
<v Tobias>Die zähle ich jetzt auch mal kurz auf. Das ist Victoria,
New South Wales, South Australia,

00:03:50.090 --> 00:03:52.940
<v Tobias>Teile von Queensland und sogar Tasmanien.

00:03:53.330 --> 00:04:02.570
<v Tobias>Und darunter folgen dann die Zones, also Zonen im engeren Sinne,
die dann meist einem einzelnen Bundesstaat zugeordnet sind.

00:04:02.600 --> 00:04:11.630
<v Tobias>Davon gibt es dann wiederum über 40. Ja,
und - Achtung - diese wiederum unterteilen sich in aktuell rund 70 Regions,

00:04:11.630 --> 00:04:17.240
<v Tobias>also Weinregionen. So, und jetzt kommen wir schon zu Namen,
die man dann durchaus kennt,

00:04:17.240 --> 00:04:21.560
<v Tobias>wenn man sich schon mal mit Australien beschäftigt hat. Barossa Valley,
Eden Valley,

00:04:21.740 --> 00:04:29.000
<v Tobias>Coonawarra oder Margaret River. Ja und könnte natürlich kaum komplizierter sein,

00:04:29.000 --> 00:04:35.780
<v Tobias>manche dieser Region haben dann noch einmal kleinere Einheiten,
die sogenannten Subregions,

00:04:35.780 --> 00:04:45.650
<v Tobias>also Unterregion. Und dieses ganze komplexe System existiert,
obwohl ja nur eigentlich in einem relativ kleinen Teil von Australien

00:04:45.650 --> 00:04:47.510
<v Tobias>überhaupt Wein angebaut wird.

00:04:47.870 --> 00:04:50.780
<v Michael>Oh je, okay. Also ich finde, das ist jetzt ganz schön viel Input.

00:04:50.780 --> 00:04:55.920
<v Michael>Lass uns das vielleicht einfach noch mal ein bisschen sortieren und an so einem
Beispiel klarmachen. Also worauf muss ich denn...

00:04:55.920 --> 00:04:56.400
<v Tobias>Ja, das ist eine gute Idee.

00:04:56.400 --> 00:05:00.570
<v Michael>...überhaupt achten? Was muss ich mir jetzt merken von dieser Pyramide?

00:05:00.570 --> 00:05:07.260
<v Michael>Und da kann man ja auf jeden Fall sagen,
diese Superzones, die kann man eigentlich direkt wieder vergessen.

00:05:07.530 --> 00:05:11.160
<v Michael>Ja, die tauchen auf den Etiketten praktisch nie auf.

00:05:11.670 --> 00:05:11.850
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:05:11.670 --> 00:05:15.750
<v Michael>In der Regel ist die Angabe eben dann doch präziser als diese große Zone.

00:05:15.870 --> 00:05:19.650
<v Michael>Und dann geht es um die Region oder um die „Region".

00:05:19.680 --> 00:05:26.580
<v Michael>Also zum Beispiel, du hast es ja eben schon gesagt,
Barossa Valley, das liegt jetzt im Bundesstaat South Australia.

00:05:26.880 --> 00:05:30.290
<v Michael>Und genau darum geht es. Es ist ein kleinerer Teil davon.

00:05:30.290 --> 00:05:34.380
<v Michael>Und die Region auf dem Etikett gibt den besten Hinweis auf die Herkunft.

00:05:34.410 --> 00:05:42.210
<v Michael>Daran kann man sich jetzt mal orientieren,
denn so eine Angabe wie Barossa Valley oder McLaren Vale oder Margaret River,

00:05:42.420 --> 00:05:49.680
<v Michael>ja, die steht nicht nur für ganz klar umrissene Gebiete,
sondern erzählt eben dann oft auch eine stilistische Geschichte.

00:05:49.830 --> 00:05:59.800
<v Michael>Also die Zonen hingegen, also so Begriffe wie Western Australia oder Far North,
die sind eher großflächige Verwaltungsrahmen

00:05:59.800 --> 00:06:04.900
<v Michael>und sagen für sich genommen erst mal wenig über den Weinstil und damit über den
Wein aus.

00:06:04.990 --> 00:06:11.920
<v Tobias>Ja, danke. Sehr, sehr gut erklärt. Und du hast jetzt eben auch mein sozusagen
Lieblings-False-Friend angesprochen.

00:06:12.250 --> 00:06:19.090
<v Tobias>Denn - ja, ja, ja - wenn in Bezug auf Wein,
also australischen Wein vom Bundesstaat South Australia gesprochen oder

00:06:19.090 --> 00:06:25.690
<v Tobias>geschrieben wird, heißt es dann ganz oft übersetzt „Südaustralien",
also Herkunft Südaustralien.

00:06:25.780 --> 00:06:32.650
<v Tobias>Das ist natürlich erstens falsch und zweitens auch,
wie soll ich sagen, geographisch irreführend.

00:06:32.800 --> 00:06:40.060
<v Tobias>Weil South Australia ist ein Eigenname und der bezeichnet einfach den
Bundesstaat und nicht einfach,

00:06:40.060 --> 00:06:42.989
<v Tobias>wie soll ich sagen, irgendeine Himmelsrichtung.

00:06:42.989 --> 00:06:48.070
<v Tobias>Und ja, und das, was du natürlich über die Herkunftsangabe gesagt hast,
zeigt eben auch,

00:06:48.070 --> 00:06:53.290
<v Tobias>wir reden nicht einfach über ein Weinland,
sondern über einen ganzen - Achtung,

00:06:53.290 --> 00:06:58.060
<v Tobias>unterstrichen und dreimal Ausrufezeichen -
Weinkontinent.

00:06:58.570 --> 00:07:03.940
<v Tobias>Und da gibt es natürlich auch ganz unterschiedliche Klimazonen und vor allem
auch viele Weinregionen,

00:07:03.940 --> 00:07:11.140
<v Tobias>die durch ihre Nähe zum Meer oder etwas höherer Lagen diesen Hitzeregionen auch
etwas entgegensetzen können.

00:07:11.380 --> 00:07:17.170
<v Tobias>Denn da, wo so wirklich Outback ist, ja,
da ist natürlich auch kein Wein.

00:07:17.560 --> 00:07:23.740
<v Tobias>Und außerdem, du musst auch noch mal immer daran denken oder es ist auch noch
mal ein guter Hinweis für die Zuhörerinnen und Zuhörer,

00:07:23.890 --> 00:07:27.340
<v Tobias>wir befinden uns in Australien auf der Südhalbkugel.

00:07:27.580 --> 00:07:34.150
<v Tobias>Und dort bedeutet unser heißer, trockener europäischer Süden eher ein Klima,
das mäßigend wirkt.

00:07:34.390 --> 00:07:38.080
<v Tobias>Also mit anderen Worten: In Australien ist alles andersherum.

00:07:38.230 --> 00:07:43.990
<v Tobias>Deswegen heißt es ja auch „Down Under". Das heißt,
der Süden, wie etwa in South Australia oder Tasmanien,

00:07:44.110 --> 00:07:49.400
<v Tobias>ist das kühlere Australien. Und man kann sich dann vielleicht auch noch merken,
wenn man möchte,

00:07:49.400 --> 00:07:54.500
<v Tobias>die Weinregionen liegen alle in einem relativ schmalen Streifen zwischen dem 30.

00:07:54.500 --> 00:08:02.480
<v Tobias>und 40. Breitengrad Süd, was auch ganz gut dann,
wenn man es vergleicht, zu anderen Qualitätsweinregionen der Welt passt.

00:08:02.510 --> 00:08:07.190
<v Tobias>Selbst, wenn man das sozusagen auf die nördliche Erdhalbkugel dann überträgt.

00:08:07.610 --> 00:08:11.720
<v Michael>Ja okay, Neue Weinwelt, aber selber Breitengrad.

00:08:12.410 --> 00:08:12.710
<v Tobias>Genau.

00:08:12.710 --> 00:08:21.080
<v Michael>Was man ja auch noch mal sagen muss jetzt bei dieser ganzen Geographie,
der überwiegende Großteil der australischen Rebflächen befindet sich dann eben

00:08:21.080 --> 00:08:24.290
<v Michael>doch im Süden und im Südosten des Landes.

00:08:24.410 --> 00:08:27.830
<v Michael>Und das sind, eigentlich sind das kleine Flecken auf der Landkarte.

00:08:27.830 --> 00:08:32.600
<v Michael>Das darf man jetzt auch nicht missverstehen. Auch,
wenn wir über große Superzones gesprochen haben,

00:08:32.600 --> 00:08:39.800
<v Michael>aber im Vergleich zur gesamten, wie auch das genannt,
Landmasse, ja, ist das dann immer noch verschwindend gering.

00:08:39.980 --> 00:08:48.840
<v Michael>Ja, und eben Süden und Südosten, das ist eben auch der Part von Australien,
wo die großen Städte wie Brisbane,

00:08:48.840 --> 00:08:58.140
<v Michael>Sydney, Melbourne oder Adelaide liegen. Also eine wichtige Ausnahme bildet der
Bundesstaat Western Australia mit seiner Zone im

00:08:58.140 --> 00:09:01.050
<v Michael>Südwesten. Ja, also das ist der Unterschied.

00:09:01.470 --> 00:09:05.040
<v Michael>Da geht es vor allen Dingen um diese Region Margaret River,
die ist da ziemlich bekannt.

00:09:05.400 --> 00:09:06.030
<v Tobias>Ja, die kennt man.

00:09:06.540 --> 00:09:10.740
<v Michael>Aber jetzt lassen wir jetzt mal Westen,
Osten, Süden, lassen wir jetzt einfach mal außen vor.

00:09:11.400 --> 00:09:16.980
<v Michael>Entscheidend eigentlich für die Besonderheit einer Region sind ja eher Faktoren
wie der Boden -

00:09:16.980 --> 00:09:26.910
<v Michael>natürlich, klar - aber auch so was wie die Nähe zu einem Fluss,
etwa zum Beispiel Murray River oder ein leichtes Plus an Höhenlage,

00:09:26.910 --> 00:09:32.550
<v Michael>sage ich jetzt mal vorsichtig. Denn ja,
in den Adelaide Hills, die heißen dann ja auch noch so,

00:09:32.940 --> 00:09:38.610
<v Michael>da sind es jetzt gerade mal 400 Meter, die wir da irgendwie vor Augen haben.

00:09:38.610 --> 00:09:43.800
<v Michael>Im Clare Valley, da geht es dann teils bis knapp 600 Meter hoch.

00:09:44.280 --> 00:09:52.050
<v Michael>Und da sage jetzt mal, das ist jetzt kein Vergleich zu den Höhenlagen
Südamerikas oder Südtirols,

00:09:52.050 --> 00:09:57.420
<v Michael>oder ja. Aber für Australien reicht das dann eben schon aus,
um den Unterschied zu machen.

00:09:57.510 --> 00:10:02.010
<v Tobias>Ja, das stimmt. Und du darfst auch nicht vergessen,
was wir dafür in Europa nicht kennen,

00:10:02.250 --> 00:10:06.720
<v Tobias>ist der Einfluss gleich mehrerer Ozeane auf den Weinbau in Australien.

00:10:07.560 --> 00:10:12.180
<v Tobias>Also im Westen, wenn du jetzt mal so den Globus vor Augen hast,
ist der Indische Ozean,

00:10:12.180 --> 00:10:20.370
<v Tobias>klar, im Süden und Südosten aber auch das Südpolarmeer,
also das Antarktische Eismeer sozusagen.

00:10:20.700 --> 00:10:29.610
<v Tobias>Und dieser maritime Einfluss sorgt gerade in Regionen wie Tasmanien,
das eben angesprochene Margaret River oder auch an der Südküste South Australias

00:10:29.730 --> 00:10:33.870
<v Tobias>für angenehm kühle Nächte. Kann man sich kaum vorstellen.

00:10:33.870 --> 00:10:40.530
<v Tobias>Und das resultiert dann eben auch in stabilen Temperaturen tagsüber und eine
gute Reife.

00:10:40.740 --> 00:10:46.480
<v Tobias>Das ist dann das, was man im internationalen Sprachgebrauch gerne dann mal als
Cool Climate bezeichnet,

00:10:46.480 --> 00:10:54.580
<v Tobias>also kühles Klima. Und das ist im sehr warmen Australien trotzdem natürlich ein
relativer Begriff.

00:10:54.820 --> 00:11:01.090
<v Tobias>Aber dieser kühlende Effekt des Meeres reicht oft weit ins Landesinnere hinein.

00:11:01.090 --> 00:11:08.680
<v Tobias>Und das ist gerade für frische Weißweine oder elegante Rotweine ein echter
Standortvorteil in so einem heißen Land.

00:11:08.950 --> 00:11:13.000
<v Michael>Ja, ja. Also ich sage jetzt mal, ich war ja gerade in Spanien unterwegs.

00:11:13.000 --> 00:11:16.120
<v Michael>Unter anderem war ich in dem Anbaugebiet Utiel-Requena.

00:11:16.780 --> 00:11:23.170
<v Michael>Das liegt so im Hinterland von Valencia,
sage ich mal, und da ist das Mittelmeer,

00:11:23.170 --> 00:11:30.700
<v Michael>ja, das ist ja jetzt auch nicht gerade richtig kühl ist,
rund 70 Kilometer Luftlinie von den Weinbergen entfernt.

00:11:30.700 --> 00:11:36.940
<v Michael>Und trotzdem sorgt das dort für so ein merkliches Abkühlen der Temperaturen
während der Nacht.

00:11:37.420 --> 00:11:40.060
<v Michael>Ich habe das in meinem Wohnmobil direkt gemerkt.

00:11:40.060 --> 00:11:45.460
<v Michael>Das ist angenehm, das war auch toll. Okay,
das ist jetzt auch nicht Australien,

00:11:45.460 --> 00:11:51.070
<v Michael>aber es ging mir ja nur mal um die allgemeine Vorstellung,
also darum, um mal zu erklären,

00:11:51.070 --> 00:11:56.500
<v Michael>was bringt so ein Meereseffekt eigentlich und wie weit reicht der eigentlich ins
Land hinein?

00:11:56.530 --> 00:11:58.660
<v Michael>Also du weißt schon, was ich meine.

00:11:58.720 --> 00:12:07.150
<v Tobias>Ja, ja, ja und ich finde das, ich finde das klasse,
denn du warst ja mit deiner Vino Caravana in Spanien unterwegs.

00:12:07.300 --> 00:12:15.130
<v Tobias>Ja, das muss man den Zuhörerinnen und Zuhörern vielleicht auch mal sagen:
Michael hat sich vor kurzem ein Wohnmobil gekauft und rückt damit jetzt den

00:12:15.130 --> 00:12:18.820
<v Tobias>Winzern in aller Welt auf die Pelle, sozusagen.

00:12:19.420 --> 00:12:27.190
<v Tobias>Ja, und ne, aber ganz ernsthaft, ich finde das toll,
dann selber mal am eigenen Leib sozusagen diesen Effekt auch zu spüren und zu

00:12:27.190 --> 00:12:32.350
<v Tobias>merken, dass selbst ein 70 Kilometer entferntes Meer diesen kühlenden Effekt
bringen kann.

00:12:32.770 --> 00:12:36.970
<v Tobias>Finde ich klasse, denn darüber liest man immer viel,
und ja, wenn man das dann,

00:12:37.330 --> 00:12:42.800
<v Tobias>ähnlich wie unser Mistral-Wind im Süden Frankreichs,
dann erst mal selber zu spüren bekommt,

00:12:42.980 --> 00:12:45.710
<v Tobias>ist das noch mal eine ganz andere Erfahrung.

00:12:46.280 --> 00:12:46.910
<v Tobias>So.

00:12:46.940 --> 00:12:48.350
<v Michael>Ja, man muss es erfahren.

00:12:48.650 --> 00:12:51.890
<v Tobias>Ja, ja, genau. Mit deinem Wohnmobil. Ist ja klar.

00:12:52.070 --> 00:12:52.430
<v Michael>Ja, ja.

00:12:53.150 --> 00:12:58.040
<v Tobias>Genau. Aber wie ist das eigentlich? Nach Australien hast du es jetzt irgendwie
noch nicht geschafft,

00:12:58.040 --> 00:13:06.440
<v Tobias>oder was? Na ja, es ist ja auch egal. Wir im Podcast kehren jetzt auf jeden Fall
schnell mal wieder in unser Weinland Australien zurück.

00:13:07.370 --> 00:13:10.160
<v Tobias>Alright, Mate, muss ich da direkt wieder fragen.

00:13:10.580 --> 00:13:18.950
<v Tobias>Wir haben ja jetzt ganz viel von Geografie und Klima schon gesprochen,
die unterschiedlichen Bezeichnungen für die geographische Herkunft erklärt oder

00:13:19.220 --> 00:13:21.830
<v Tobias>zumindest versucht, einfach aufzuzählen.

00:13:22.190 --> 00:13:27.590
<v Tobias>Aber was jetzt noch viel mehr hilft, ist auch endlich mal über die Rebsorten zu
sprechen.

00:13:28.550 --> 00:13:31.970
<v Tobias>Denn nur so nähern wir uns den konkreten Weinen.

00:13:32.660 --> 00:13:40.620
<v Tobias>Denn diese Rebsorten, die haben vor allem,
ich sag mal, ab den 1990-ern den Aufstieg des Weinkontinents Australien erst

00:13:40.620 --> 00:13:45.090
<v Tobias>richtig getragen und fangen damit doch gern mal an,
Michael.

00:13:45.240 --> 00:13:47.880
<v Michael>Ja, ja, mache ich doch gerne. Aber Stop!

00:13:47.910 --> 00:13:52.080
<v Michael>Eins: Also klar, ich bin mit der Vino Caravana noch nicht in Australien gewesen.

00:13:52.080 --> 00:13:55.500
<v Michael>Aber noch mal nachgefragt: Warst du denn schon da?

00:13:55.770 --> 00:13:57.840
<v Tobias>Nee, das war ich tatsächlich auch noch nicht.

00:13:58.020 --> 00:14:06.360
<v Tobias>Das steht aber ganz klar noch auf meiner Wein-Bucket-List,
weil man das natürlich dann auch schön mit Neuseeland verbinden kann oder

00:14:06.360 --> 00:14:08.550
<v Tobias>eigentlich dann auch muss, wenn man schon mal da ist.

00:14:09.870 --> 00:14:10.560
<v Michael>Ja, liegt für uns in der Nähe.

00:14:10.650 --> 00:14:18.780
<v Tobias>Ja, absolut, absolut. Trotzdem muss ich sagen,
richtig kennengelernt habe ich das Weinland Australien vor allem durch ein

00:14:18.780 --> 00:14:23.520
<v Tobias>Weingut, nämlich das Weingut Mollydooker aus dem McLaren Vale.

00:14:23.850 --> 00:14:25.860
<v Tobias>Und das ist jetzt schon fast 20 Jahre her.

00:14:26.610 --> 00:14:31.500
<v Tobias>Nun muss man vielleicht auch noch kurz erklären,
Mollydooker ist australisch für einen Linkshänder.

00:14:31.710 --> 00:14:36.630
<v Tobias>Ja, und davon gibt es auf diesem Weingut wohl erstaunlich viele,
deswegen haben sie es so genannt.

00:14:36.960 --> 00:14:42.870
<v Tobias>Na ja, und die hatten auf jeden Fall schon zu dieser Zeit total ausgeflippte
Etiketten,

00:14:42.870 --> 00:14:49.740
<v Tobias>sehr strange Weinnamen. Und zudem fuhr Robert Parker zu der Zeit total auf die
Weine ab.

00:14:49.770 --> 00:14:57.360
<v Tobias>So bin ich dann ehrlich gesagt auch darauf gestoßen,
denn da war ich natürlich so als Weinlakai-Blogger mit meinen Empfehlungen total

00:14:57.360 --> 00:15:04.110
<v Tobias>in meiner Paradedisziplin. Und dann war ich auch irgendwann mal auf einer
Mollydooker-Weinprobe in den USA,

00:15:04.110 --> 00:15:10.140
<v Tobias>zufälligerweise. Und da stellte der Eigentümer,
ein ganz witziger Typ und natürlich Linkshänder,

00:15:10.140 --> 00:15:17.670
<v Tobias>seine Weine vor. So, und nicht nur das,
er führte dort auch den von ihm entwickelten Mollydooker Shake vor.

00:15:17.790 --> 00:15:20.580
<v Tobias>Ja, also jetzt kein Milchshake oder sowas.

00:15:20.700 --> 00:15:29.670
<v Tobias>Nein, dafür schüttete er etwas von der mitgebrachten
Shiraz-Merlot-Cabernet-Cuvée namens Two Left Feet in ein Glas,

00:15:29.670 --> 00:15:34.110
<v Tobias>schraubte den Schraubverschluss des Weins dann wieder zu und fing ihn dann zum,
ich sage mal,

00:15:34.660 --> 00:15:43.480
<v Tobias>Entsetzen aller Teilnehmer heftig an zu schütteln und erklärte,
ja, und erklärte,

00:15:43.480 --> 00:15:48.850
<v Tobias>es sei ein von ihm entwickeltes Verfahren,
um den Wein auf den Punkt trinkbar zu machen.

00:15:48.970 --> 00:15:57.100
<v Tobias>Also so eine Art Karaffieren mit Hilfe des kleinen Anteils Sauerstoff,
der ja jetzt an Stelle des ausgeschütteten Weins in der Flasche war.

00:15:57.130 --> 00:16:04.720
<v Tobias>Das Sensationelle war nur, dass nach 4-
bis 5-mal Schütteln einfach die Flasche mit lautem Knall in seinen Händen

00:16:04.720 --> 00:16:10.360
<v Tobias>explodierte und sich alle gefragt haben:
Sollte das jetzt so sein?

00:16:10.360 --> 00:16:17.320
<v Tobias>Gehört das dazu? Also das war zumindest nicht nur ein Schock für uns alle,
und ihn auch eingeschlossen,

00:16:17.320 --> 00:16:20.350
<v Tobias>ehrlich gesagt, es war aber vor allem auch eine Riesensauerei.

00:16:20.650 --> 00:16:28.810
<v Tobias>Das war in so einem Restaurant, und na ja,
er beteuerte dann noch später, dass es ihm das erste Mal passiert ist und dass

00:16:28.810 --> 00:16:31.330
<v Tobias>er sich gar nicht vorstellen kann, woran das jetzt lag.

00:16:31.900 --> 00:16:38.270
<v Tobias>Nun ja, uns Besucher konnte er an diesem Abend zumindest nicht von seinem
Mollydooker-Shake überzeugen.

00:16:38.270 --> 00:16:46.430
<v Tobias>Ich habe es aber dann in der Folge tatsächlich auch mal ausprobiert. Und ja,
der fängt dann tatsächlich auch ein bisschen an zu schäumen und na ja,

00:16:46.430 --> 00:16:55.340
<v Tobias>also für Freunde, die ein langsames Dekantieren irgendwie eher gerne sehen,
ist dieser Shake sicherlich nichts.

00:16:55.580 --> 00:17:00.590
<v Michael>Okay, also ich meine, manchmal hat man ja Respekt vor Wein und manchmal einfach
nur Angst.

00:17:02.330 --> 00:17:07.370
<v Michael>Und ich glaube, das war jetzt so eine Situation,
aber ist ja eine tolle, eine explosive Geschichte.

00:17:07.370 --> 00:17:11.360
<v Michael>Das schreiben wir so in die Shownotes. Ja,
Tobias hat eine explosive Geschichte.

00:17:12.260 --> 00:17:18.301
<v Michael>Höre ich jetzt auch zum ersten Mal, aber ich sage mal gut,
dass ihr alle heile geblieben seid.

00:17:18.301 --> 00:17:25.310
<v Michael>Und noch mal, also ich fahre jetzt nicht extra in die USA,
um jetzt australische Weine zu probieren,

00:17:25.310 --> 00:17:31.670
<v Michael>oder na ja, eben auch nicht. Ich sage jetzt mal,
ich suche mir doch jetzt lieber erst mal eine Fährverbindung,

00:17:32.300 --> 00:17:35.450
<v Michael>die ich dann rüber nach Australien komme mit meinem Wohnmobil.

00:17:35.660 --> 00:17:38.660
<v Michael>Nein, im Ernst jetzt, wir wollten mit den Rebsorten einsteigen.

00:17:39.110 --> 00:17:39.950
<v Tobias>Ja, ja, das stimmt.

00:17:40.310 --> 00:17:42.950
<v Michael>Da haben wir uns ein bisschen verloren,
sorry. Ja, Rebsorten.

00:17:43.310 --> 00:17:51.020
<v Michael>Das Erste, was man jetzt sagen muss, ist natürlich Shiraz,
ja, den wir dann übrigens in Europa ja nur als Syrah kennen.

00:17:51.020 --> 00:17:56.780
<v Michael>Vor allem von der Rhône aus dem Languedoc,
aber auch - sorry Tobias - dann doch noch mal Spanien.

00:17:57.080 --> 00:18:04.610
<v Michael>Darauf lege ich jetzt Wert. Ja, und über diese eineiigen Zwillinge Shiraz/Syrah
haben wir sogar schon eine eigene Folge gemacht,

00:18:04.610 --> 00:18:07.700
<v Michael>liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Könnt ihr mal gerne nachhören.

00:18:08.120 --> 00:18:09.350
<v Tobias>Stimmt.

00:18:08.120 --> 00:18:13.700
<v Michael>Und ja, da haben wir auch, glaube ich, schon was über Australien erzählt,
gerade wegen dieser Besonderheit.

00:18:13.700 --> 00:18:17.270
<v Michael>Aber jetzt noch mal ganz in Kürze die Story.

00:18:17.480 --> 00:18:25.820
<v Michael>Also den Shiraz, also known as Syrah, ja,
brachte vermutlich der Schotte, da wird es jetzt echt bunt,

00:18:26.120 --> 00:18:35.730
<v Michael>James Busby 1825 nach Australien und baute die Rebsorte auch als Erster in der
heutigen Weinregion Hunter

00:18:35.730 --> 00:18:40.980
<v Michael>Valley an. Ja, das ist so ein bisschen nördlich von Sydney,
sage ich jetzt mal,

00:18:40.980 --> 00:18:45.510
<v Michael>damit man eine Vorstellung gewinnt. Und bis heute,
das gehört jetzt zu dieser Geschichte dazu,

00:18:45.540 --> 00:18:55.170
<v Michael>also genau 200 Jahre später, 1825, 2025,
wir können alle rechnen, also bis heute ist der

00:18:55.170 --> 00:18:58.800
<v Michael>Shiraz einfach auch die Nummer 1 unter den australischen Rebsorten.

00:18:58.980 --> 00:19:08.880
<v Michael>Rund 27 %, 28 %, ich muss noch mal nachgucken,
der 150.000 Hektar in Australien besetzt der Shiraz oder Syrah.

00:19:09.510 --> 00:19:14.430
<v Michael>Und das in einem insgesamt eh rotweinlastigen Land.

00:19:14.430 --> 00:19:19.440
<v Michael>Also 60 % erzeugen die Rotwein gegenüber 40 % Weißwein.

00:19:19.560 --> 00:19:22.800
<v Tobias>Tja, dann machen wir mal mit genau dem weiter,
dem Weißwein.

00:19:23.160 --> 00:19:27.510
<v Tobias>Denn die am zweitmeisten angebaute Rebe ist Chardonnay.

00:19:27.960 --> 00:19:36.360
<v Tobias>Und die heißt in Australien dann auch einfach so,
also nicht irgendwie „Chardonnass" oder „Schirdonay" oder so.

00:19:37.170 --> 00:19:41.340
<v Tobias>Also Chardonnay ist der Weißweinheld in Down Under.

00:19:41.340 --> 00:19:47.880
<v Tobias>Und ja, du findest viele Chardonnay, die natürlich eher auf Frucht setzen,
einfach aufgrund des Klimas,

00:19:48.300 --> 00:19:51.930
<v Tobias>manchmal auch ein bisschen Holzeindruck mitbringen.

00:19:52.200 --> 00:19:57.450
<v Tobias>Aber es gibt eben auch ganz finessenreiche Exemplare mit ausreichend Säure.

00:19:57.570 --> 00:20:02.940
<v Tobias>Da denke ich jetzt mal so an Chardonnay aus den Adelaide Hills oder dem Yarra
Valley,

00:20:02.940 --> 00:20:05.760
<v Tobias>das ist dann wiederum östlich von Melbourne.

00:20:06.030 --> 00:20:10.320
<v Tobias>Aber eine ähnliche Unterscheidung gibt es ja auch beim Shiraz.

00:20:10.620 --> 00:20:17.040
<v Tobias>Da sind die eher einfachen, unkomplizierten Weine,
klar, Massenweine vielleicht teilweise auch.

00:20:17.250 --> 00:20:23.820
<v Tobias>Aber es gibt Shiraz auch absolut vom Allerfeinsten,
vor allem eben aus den kühleren Regionen,

00:20:23.820 --> 00:20:31.330
<v Tobias>wie gerade schon die ganze Zeit angesprochen. Und die hören dann bei
hochwertigem Shiraz auf so Namen wie Geelong und Heathcote.

00:20:31.480 --> 00:20:33.790
<v Michael>Okay, ich höre schon, es ist nicht das erste Mal.

00:20:33.790 --> 00:20:39.970
<v Michael>Die ganze Zeit schon höre ich jetzt irgendwie diesen WSET-certified Wine
Educator hier raus.

00:20:40.180 --> 00:20:46.330
<v Michael>Also ich merke schon, du bist jetzt bei den Regionen in Australien voll in
deinem Element.

00:20:47.080 --> 00:20:47.320
<v Tobias>Ich sag's dir.

00:20:47.320 --> 00:20:52.360
<v Michael>Ich sage jetzt mal ganz sachlich Danke,
im Namen von uns allen jetzt für deine sachliche Einordnung.

00:20:52.360 --> 00:20:58.330
<v Michael>Ich mache jetzt mal rot weiter bei den Rebsorten und sage einfach mal Cabernet
Sauvignon.

00:20:58.660 --> 00:21:04.960
<v Michael>Ja, und da habe ich jetzt als Erstes so eine Vorstellung vor Augen,
so ein dunkler,

00:21:04.960 --> 00:21:12.910
<v Michael>aber durchaus lebendiger Wein, ja. Etwas reifere,
eingekochte Fruchtaromen bringt der vielleicht mit.

00:21:12.910 --> 00:21:17.950
<v Michael>Und ja nicht so, nicht so fein dann, wie wir das aus dem Bordeaux kennen.

00:21:18.700 --> 00:21:24.500
<v Michael>Aber apropos Bordeaux: Auch in Australien,
da muss ich jetzt auch noch mal zum Cabernet Sauvignon sagen,

00:21:24.500 --> 00:21:27.830
<v Michael>der wird dann auch gerne in Australien mit Merlot verschnitten.

00:21:28.280 --> 00:21:37.850
<v Michael>Also, denn Merlot, der liegt direkt nach dem Cabernet Sauvignon meines Wissens
direkt auf Platz 4 im Rebsortenspiegel von Terra

00:21:37.850 --> 00:21:45.980
<v Michael>Australis. Ja, und ich weiß nämlich nicht genau,
ob der Cabernet Sauvignon nicht sogar inzwischen den Chardonnay überholt hat,

00:21:45.980 --> 00:21:51.140
<v Michael>was jetzt diesen Rebsortenspiegel betrifft,
und schon die Nummer 2 ist.

00:21:51.140 --> 00:21:56.300
<v Michael>Aber es ist eigentlich auch egal. Also sagen wir mal so:
Über weiße und dunkle Reben betrachtet,

00:21:56.300 --> 00:22:02.161
<v Michael>interessiert uns das nicht, denn die meistangebaute weiße Rebsorte ist der
Chardonnay allemal,

00:22:02.161 --> 00:22:02.300
<v Michael>ne?

00:22:03.050 --> 00:22:09.020
<v Tobias>Ja, genau. Ja, da müssen wir einfach noch mal unsere Zahlen abgleichen. Macht
nicht so den Riesenunterschied.

00:22:09.620 --> 00:22:16.160
<v Tobias>Relativ sicher bin ich mir aber, dass Sauvignon Blanc wiederum die
zweitbeliebteste weiße Rebsorte Australiens ist.

00:22:16.730 --> 00:22:20.750
<v Tobias>Das sind Weine, die mit schöner tropischer Frucht daherkommen.

00:22:20.750 --> 00:22:23.150
<v Tobias>Kennt man ja auch tolle Exemplare aus Neuseeland.

00:22:23.330 --> 00:22:32.720
<v Tobias>Die haben eine angenehme Frische und sind dadurch einfach sehr trinkanimierend
und dadurch dann häufig auch so ein bisschen eine

00:22:32.720 --> 00:22:36.230
<v Tobias>unbeschwerte, leichtere Alternative zum australischen Chardonnay.

00:22:37.190 --> 00:22:40.940
<v Tobias>Ja, diese Weine waren eine ganze Zeit lang mal außerordentlich angesagt.

00:22:40.940 --> 00:22:48.620
<v Tobias>Das hat ein bisschen nachgelassen, vielleicht bei uns auch in Deutschland,
weil wir halt eben diese beiden weißen Rebsorten mittlerweile selbst sehr,

00:22:48.620 --> 00:22:52.880
<v Tobias>sehr gut herstellen. Aber ja, das heißt nichts.

00:22:53.030 --> 00:23:01.850
<v Tobias>Wer jetzt so den Weinkontinent Australien mit dem Glas erkunden will,
der sollte eben auch unbedingt bei den weißen Rebsorten mal einen Stopp

00:23:01.850 --> 00:23:05.390
<v Tobias>einlegen, und das dann eben gerne bei Sauvignon Blanc und Chardonnay.

00:23:05.420 --> 00:23:09.710
<v Michael>Ja, ich kann ja jetzt an dieser Stelle nur gestehen,
ich habe ihn mal ganz heiß und innig geliebt,

00:23:09.830 --> 00:23:12.187
<v Michael>also den Sauvignon Blanc aus Australien.

00:23:12.187 --> 00:23:15.380
<v Michael>Ist jetzt schon lange her, aber wie sagt man immer so schön,
ne?

00:23:15.440 --> 00:23:22.200
<v Michael>Alte Liebe rostet nicht. Und ja, und gerade diese australischen Sauvignon Blanc,

00:23:22.230 --> 00:23:31.110
<v Michael>die sich, ich sag mal, so ein bisschen mehr im Griff haben und mit exotischer
Frucht und Frische dann irgendwie im richtigen Maß daherkommen.

00:23:31.110 --> 00:23:40.650
<v Michael>Ja, also die würde ich jetzt keinesfalls von der Tischkante stoßen und ist für
mich nach wie vor ein Topwein für warme bis

00:23:40.650 --> 00:23:42.240
<v Michael>heiße Sommertage.

00:23:42.480 --> 00:23:43.170
<v Tobias>Ja, stimmt.

00:23:44.340 --> 00:23:49.110
<v Michael>Dich frage ich gar nicht mehr, Tobias, bei dir weiß ich ja dann eh. Du landest
jetzt wieder beim Pinot Noir.

00:23:49.440 --> 00:23:53.340
<v Michael>Den gibt es ja auch in Australien. So viel zum Cool Climate.

00:23:53.340 --> 00:24:00.210
<v Michael>Und obwohl, ich muss das jetzt noch mal an der Stelle kurz einwerfen,
weil du immer darauf abhebst.

00:24:00.210 --> 00:24:04.290
<v Michael>Du sprichst ja immer von Australien als Weinkontinent.

00:24:04.290 --> 00:24:07.290
<v Michael>Also für mich ist es ja nur halb ein Weinkontinent.

00:24:07.290 --> 00:24:12.060
<v Michael>Klar, es ist ein eigener Kontinent, aber schaut man jetzt mal auf die Rebfläche,

00:24:12.060 --> 00:24:20.910
<v Michael>ja, machen diese ganzen Zonen und Superzones und Regionen dann eben doch nicht
mehr als 150.000 Hektar aus.

00:24:21.300 --> 00:24:31.260
<v Michael>Das ist in etwa anderthalb Mal so viel wie das Weinland Deutschland oder auch
nur 1,5 mal so groß wie die französische Region Bordeaux.

00:24:31.320 --> 00:24:35.040
<v Michael>Jetzt nur mal in französischen Maßstäben gedacht,
ja.

00:24:35.340 --> 00:24:38.310
<v Michael>Aber ich will dir da nicht in die Parade fahren.

00:24:38.310 --> 00:24:43.740
<v Michael>Und Tobias, wir kehren doch jetzt noch mal zurück zum Pinot Noir aus Down Under.

00:24:44.070 --> 00:24:51.120
<v Tobias>Ja, ja, den gibt es natürlich. Und natürlich auch wieder nur in den kühleren
Regionen.

00:24:51.360 --> 00:25:00.990
<v Tobias>Also das von dir schon genannte Tasmanien und das Eismeer der Antarktis werden
zum Beispiel in Sachen Pinot Noir so Hinweise auf Cool Climate.

00:25:01.140 --> 00:25:04.860
<v Tobias>Und das braucht der Pinot Noir, der Spätburgunder eben.

00:25:06.510 --> 00:25:11.280
<v Tobias>Wir hatten es eben schon gesagt: Cool Climate ist in Australien ein ziemlicher
Stretch.

00:25:11.430 --> 00:25:15.030
<v Tobias>Ja, denn Australien bleibt halt eben Australien.

00:25:15.420 --> 00:25:20.800
<v Tobias>Aber für diese Maßstäbe ist es halt tatsächlich Cool Climate.

00:25:21.100 --> 00:25:27.550
<v Tobias>Ja, und die Pinots, die aus Australien kommen,
die sind dann für mich auch ja ungeheuer Pinot Noir.

00:25:27.640 --> 00:25:35.410
<v Tobias>Ja, also so richtig typisch. Die bringen halt eben vor allem das mit,
was man der Rebsorte aromatisch zuschreibt.

00:25:35.560 --> 00:25:42.580
<v Tobias>Diese ganzen Kirschtöne, aber eben auch so ein bisschen diese Walderdbeere,
auch was fein Kräuteriges.

00:25:43.030 --> 00:25:51.430
<v Tobias>Ja, und diese Fruchtbetonung weist dann eben doch auf ein wärmeres Klima hin,
als wir das beispielsweise in Deutschland oder im Burgund haben.

00:25:52.090 --> 00:25:53.950
<v Michael>Ja, ja, der Weinlakai und der Pinot Noir.

00:25:53.980 --> 00:25:57.400
<v Michael>Also da müssen wir noch mal eine extra Folge machen,
so zu Weihnachten oder so,

00:25:57.400 --> 00:25:58.360
<v Michael>so eine Erzählstunde, könnte ich mir gut vorstellen.

00:25:58.660 --> 00:25:59.230
<v Tobias>Ja, gerne.

00:25:59.860 --> 00:26:03.880
<v Michael>Aber jetzt mal deine Pinot-Liebe in allen Ehren,
Tobias.

00:26:03.880 --> 00:26:09.910
<v Michael>Wenn wir über Rotwein sprechen, jetzt aus Australien,
dann sind es eben nicht die Pinot Noir,

00:26:09.910 --> 00:26:15.610
<v Michael>die einem ja da als erstes einfallen, sondern ist es tatsächlich dieser
reinsortige Shiraz.

00:26:15.770 --> 00:26:16.040
<v Michael>Ja...

00:26:16.160 --> 00:26:16.580
<v Tobias>Absolut.

00:26:16.580 --> 00:26:21.650
<v Michael>...das ist Australien. Und nicht zu vergessen all die Cuvées,
die man dort macht.

00:26:21.770 --> 00:26:25.580
<v Michael>Also die sind mal gerne so ein bisschen Bordeaux-mäßig.

00:26:25.730 --> 00:26:31.250
<v Michael>Hatten wir, glaube ich, schon angesprochen. Also so etwas wie Cabernet Sauvignon
trifft auf Merlot.

00:26:31.940 --> 00:26:40.370
<v Michael>Aber es gibt auch regelrechte Rhône-Cuvées,
also so etwas wie Shiraz, Grenache und Mataro.

00:26:40.580 --> 00:26:47.150
<v Michael>Das ist ins Französische übertragen übrigens nichts anderes als die berühmte
GSM-Mischung,

00:26:47.150 --> 00:26:57.020
<v Michael>die wir von der Rhône kennen, also Grenache,
Syrah, Mourvèdre, nur dass der Mourvèdre eben in Australien Mataro genannt wird.

00:26:57.050 --> 00:27:00.800
<v Michael>Ja, also noch mal was anderes zum Syrah,
sprich Shiraz.

00:27:00.800 --> 00:27:08.810
<v Michael>Und ja, da fällt mir gerade ein, haben wir eigentlich schon mal eine eigene
Mourvèdre-Folge oder Monastrell-Folge gemacht?

00:27:08.810 --> 00:27:13.190
<v Michael>Oder ist das zu sehr 2. Reihe? Nee, ne? Also ich stehe ja total auf die Re...

00:27:12.830 --> 00:27:13.190
<v Tobias>Ja, na ja.

00:27:12.830 --> 00:27:13.190
<v Michael>Ne? Okay.

00:27:15.380 --> 00:27:17.570
<v Tobias>Ich bin eher bei der 2. Reihe, aber wer weiß.

00:27:17.870 --> 00:27:19.940
<v Michael>Ja, ich mache mich jetzt gerade mal für die 2.

00:27:19.940 --> 00:27:28.160
<v Michael>Reihe stark, aber egal. Ja, und was man bei den Cuvées noch sagen muss,
dann gibt es so richtige Bordeaux-Rhône-Crossover.

00:27:28.340 --> 00:27:33.980
<v Michael>Ja, da ist dann Cabernet Sauvignon und der trifft dann auf Shiraz,
also Syrah.

00:27:34.160 --> 00:27:42.260
<v Michael>Lange Rede, kurzer Sinn. Also der reinsortige Shiraz oder aber solche Cuvées,
das ist für mich eigentlich australischer Rotwein.

00:27:42.470 --> 00:27:49.850
<v Tobias>Ja, absolut. Und genau so, wie du es jetzt aufgezählt hast,
hört es sich für mich auch nach Penfolds an.

00:27:50.180 --> 00:27:56.480
<v Tobias>Ja, jetzt müssen wir doch mal diesen Namen dieses wirklich renommierten
australischen Produzenten unbedingt mal nennen.

00:27:57.200 --> 00:28:01.760
<v Tobias>Da geht eigentlich kein Weg dran vorbei,
wenn man über Australien spricht, finde ich.

00:28:02.150 --> 00:28:08.450
<v Tobias>Also von meiner persönlichen Story mal abgesehen,
ist es wirklich ein deutlich wichtigerer Name als Mollydooker,

00:28:08.450 --> 00:28:14.580
<v Tobias>so schön er auch ist. Da muss ich jetzt direkt noch mal nachfragen:
Wann war das jetzt noch mal mit deinem Schotten und dem Syrah,

00:28:14.580 --> 00:28:18.900
<v Tobias>der zum Shiraz wurde? Das hatte ich jetzt schon wieder vergessen. Wann hat er
die Reben mitgebracht?

00:28:19.170 --> 00:28:24.240
<v Michael>Ja, das war 1825. Und der Schotte heißt übrigens James Busby.

00:28:24.270 --> 00:28:26.340
<v Michael>Das wollen wir an der Stelle nicht verschweigen.

00:28:26.340 --> 00:28:27.660
<v Michael>Habe ich aber, glaube ich, schon mal gesagt.

00:28:27.810 --> 00:28:28.650
<v Tobias>Ja, ja, hast du gesagt.

00:28:28.650 --> 00:28:32.640
<v Michael>Und was man auch sagen muss: Der hat eben nicht nur Syrah-Reben mitgebracht,
sondern noch viel mehr.

00:28:32.670 --> 00:28:35.760
<v Tobias>Ja, ja, aber darum - sorry - ging es mir jetzt gar nicht.

00:28:35.910 --> 00:28:45.660
<v Tobias>Mir ging es jetzt um das Stichwort 1825,
denn, wissen viele nicht, bereits 1844 gründet der Mediziner Christopher

00:28:45.660 --> 00:28:49.920
<v Tobias>Rawson Penfold das Weingut Penfolds in der Nähe von Adelaide.

00:28:50.190 --> 00:28:58.629
<v Tobias>Ja, und natürlich völlig selbstverständlich,
dass Mister Penfold seinen Patienten Wein als Medizin empfohlen hat,

00:28:58.629 --> 00:28:58.770
<v Tobias>ja.

00:28:58.860 --> 00:29:00.390
<v Michael>Gibt es den auf Krankenkasse, so gesetzlich?

00:29:00.570 --> 00:29:09.630
<v Tobias>Total naheliegend. Ja, am besten. Ja, und zunächst erzeugt dann das Weingut eher
so was wie Portwein.

00:29:09.840 --> 00:29:10.110
<v Michael>Ah, interessant.

00:29:11.020 --> 00:29:16.330
<v Tobias>Also verstärkten, gespriteten Wein. Gibt es heute auch noch von Penfolds,
so eine Art Portwein.

00:29:16.870 --> 00:29:23.882
<v Tobias>Ja, und dann dauert es noch mal, ich glaube,
so um die 100 Jahre, bis der aus Österreich stammende Önologe und -

00:29:23.882 --> 00:29:28.810
<v Tobias>Achtung - den Namen haben wir jetzt auch schon mal gehört,
Max Schubert nach einer Reise ins,

00:29:29.050 --> 00:29:34.660
<v Tobias>tja, wer hätte es gedacht, Bordeaux, sich dann daran macht,
neue Cuvées zu entwickeln,

00:29:34.660 --> 00:29:40.540
<v Tobias>wie den mittlerweile wirklich völlig legendären Grange Bin 95.

00:29:40.870 --> 00:29:49.060
<v Tobias>Aber dann gibt es auch noch ganz viele andere Weine aus dem Hause Penfolds,
die man sich unbedingt anschauen und vor allem auch antrinken sollte.

00:29:49.270 --> 00:29:55.300
<v Michael>Ja, schöne Geschichte, Tobias. Und du weißt,
ich mag schöne Geschichten und möchte deshalb jetzt die Gelegenheit nutzen,

00:29:55.300 --> 00:29:59.800
<v Michael>mich hier, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
als echter Klugscheißer zu outen.

00:30:00.340 --> 00:30:03.490
<v Michael>Der Mann, ich möchte das jetzt weitererzählen an der Stelle.

00:30:03.490 --> 00:30:10.120
<v Michael>Der Mann, der Max Schubert im Bordelais auf diesen Trichter gebracht hat von den
Cuvées,

00:30:10.690 --> 00:30:20.440
<v Michael>der war Christian Cruse. Und der Name Cruse,
ja mit „C" geschrieben, also als Bordeaux-Weinadel deutscher

00:30:20.440 --> 00:30:27.010
<v Michael>Herkunft, so muss man das jetzt echt sagen,
der taucht bereits in irgendeiner unserer Folgen mit Cédric auf.

00:30:27.040 --> 00:30:29.950
<v Michael>Der hat nämlich auch mal darüber gesprochen. Ich weiß nicht,
ob du dich erinnerst.

00:30:30.190 --> 00:30:31.480
<v Tobias>Ja, ja, in einer unserer Bordeaux-Folgen.

00:30:32.500 --> 00:30:39.820
<v Michael>Also Cruse, die kommen irgendwie aus Schleswig-Holstein und dann steigen sie
erst in den Weinhandel ein und über die Gewinne im Weinhandel werden sie dann

00:30:39.820 --> 00:30:43.120
<v Michael>auch zu Weingutsbesitzern. Und das geht dann immer so weiter.

00:30:43.120 --> 00:30:49.240
<v Michael>Und irgendwann endet, glaube ich, alles total trashy in so einem Weinbetrug.

00:30:49.390 --> 00:30:51.460
<v Michael>Ja, und das Ganze bricht dann ziemlich zusammen.

00:30:51.490 --> 00:30:53.350
<v Michael>Ich weiß gar nicht, wann das passiert ist.

00:30:53.350 --> 00:31:02.590
<v Michael>Muss ich noch mal gucken. Und na ja, also alles weg,
außer, ich glaube, Château D'Issan in Margaux,

00:31:03.070 --> 00:31:08.300
<v Michael>auch keine schlechte Adresse, die hören jetzt bis heute noch auf den Namen
Cruse.

00:31:08.990 --> 00:31:11.540
<v Michael>Mein Gott, da müssen wir jetzt eigentlich Cédrik fragen.

00:31:11.540 --> 00:31:13.490
<v Michael>Der ist jetzt leider hier nicht zugeschaltet.

00:31:14.090 --> 00:31:15.560
<v Michael>Schade eigentlich an der Stelle.

00:31:15.740 --> 00:31:18.950
<v Tobias>Ich glaube, er kann es verkraften, nicht schon wieder mit dabei zu sein.

00:31:19.280 --> 00:31:28.310
<v Tobias>Aber immerhin ist er ja, muss man wirklich sagen,
unsere Nummer 1 bei den Studiogästen von Bei Anruf Wein und zu Bordeaux,

00:31:28.310 --> 00:31:35.510
<v Tobias>Bordeaux-Cuvée, Geschichte der Weinregion,
aber auch zu ihrer Geologie haben wir den guten Cédric allemal schon

00:31:35.510 --> 00:31:39.920
<v Tobias>ausgequetscht, weil er einfach aus der Region stammt.

00:31:39.920 --> 00:31:45.350
<v Tobias>Aber Michael, ich glaube, wir sind durch die Folge Australien jetzt ziemlich gut
durchmarschiert.

00:31:45.350 --> 00:31:48.980
<v Tobias>Deswegen sprechen wir jetzt auch schon seit gefühlt 5 Minuten über Bordeaux.

00:31:50.870 --> 00:31:58.760
<v Tobias>Ja, ich würde sagen, jeder kann jetzt noch mal irgendwie was Eigenes ergänzen,
außer natürlich Spirituosen und auch Fortified Wines haben wir jetzt ja schon

00:31:58.760 --> 00:32:01.010
<v Tobias>aussortiert, ne? Versteht sich, Michael,
ne?

00:32:01.700 --> 00:32:05.390
<v Michael>Ja, aber über das Portweinähnliche wollte ich eigentlich noch mal sprechen.

00:32:05.420 --> 00:32:05.540
<v Tobias>Ne, ne!

00:32:05.420 --> 00:32:08.930
<v Michael>Du bist echt ein Spielverderber. Ne, ich halte mich jetzt mal an die Regeln.

00:32:08.930 --> 00:32:14.360
<v Michael>Also dann heißt meine Ergänzung Klimawandel und Extrem...

00:32:14.360 --> 00:32:15.170
<v Tobias>Hey, das ist doch mein Thema!

00:32:15.740 --> 00:32:18.590
<v Michael>Ja, nehme ich dir jetzt weg, so als Revanche.

00:32:18.920 --> 00:32:28.640
<v Michael>Also Klimawandel, der sich äußert in der Form von extremen Wetterereignissen,
und das meint so was wie anhaltende Dürren oder

00:32:28.640 --> 00:32:36.110
<v Michael>Rekordtemperaturen, oder aber genauso irgendwie sintflutartige Regenfälle mit
Überschwemmungen,

00:32:36.110 --> 00:32:42.680
<v Michael>aber auch Buschbrände und Waldfeuer, die öfter einfach auftreten,
und all das.

00:32:42.710 --> 00:32:49.070
<v Michael>Ich weiß nicht, wer die Nachrichten verfolgt hat. Also davon hat Australien in
den vergangenen Jahren wahrlich genug gehabt.

00:32:49.310 --> 00:32:52.762
<v Michael>Und jetzt kommt an der Stelle meine Nerd-Ergänzung.

00:32:52.762 --> 00:33:01.340
<v Michael>Aufgepasst, Achtung - gibt es ein Feuer und damit auch viel Rauch,
ja, in direkter Nähe zu den Weinbergen,

00:33:01.340 --> 00:33:07.560
<v Michael>wenn der Wind das dann auch noch so reinbläst,
kann dieser rauchige Ton, sage ich jetzt mal,

00:33:07.560 --> 00:33:10.050
<v Michael>seine Duftnote in den Beeren hinterlassen.

00:33:10.080 --> 00:33:16.230
<v Michael>Also dann gibt es so was wie ein Fumé, wie wir ihn von der Loire kennen,
wider Willen.

00:33:16.440 --> 00:33:21.540
<v Michael>Und für die Winzer ist das tatsächlich ein ganz,
ganz großes Unglück.

00:33:22.530 --> 00:33:26.100
<v Michael>Ich hoffe, du hast jetzt noch was Positives beizutragen,
Tobias.

00:33:26.520 --> 00:33:30.660
<v Tobias>Ja, auf jeden Fall. Aber erst mal noch dazu,
ist ja wirklich, wirklich abgefahren.

00:33:30.660 --> 00:33:33.180
<v Tobias>Das ist ja dann so eine Art Smoked Wine.

00:33:33.540 --> 00:33:36.720
<v Tobias>Das kennt man ja eigentlich nur irgendwie von Grillgerichten.

00:33:36.720 --> 00:33:44.460
<v Tobias>Und so ein Fumé Blanc von der Loire, der hat ja dann durch diese
Feuersteinprägung hoffentlich nicht ganz so eine ausgeprägte Rauchnote.

00:33:44.730 --> 00:33:48.960
<v Tobias>Ne, also da kann ich die Verzweiflung der Winzer durchaus verstehen.

00:33:48.960 --> 00:33:51.960
<v Tobias>Aber ja, auch von mir vielleicht jetzt noch mal was Nerdiges.

00:33:52.140 --> 00:33:59.670
<v Tobias>Ich war mal in so einer Masterclass zum Thema Australien und da wurde dann an
einem australischen Rotwein sehr anschaulich erklärt,

00:33:59.670 --> 00:34:04.270
<v Tobias>wie stark der Weinbau dort eben auf künstliche Bewässerung angewiesen ist.

00:34:04.420 --> 00:34:08.650
<v Tobias>Und du hast ja Klimawandel erwähnt. Das wird eher schlimmer als besser.

00:34:08.950 --> 00:34:14.260
<v Tobias>Und was dann letztlich diese künstliche Bewässerung auch für einen Einfluss auf
den Geschmack haben kann.

00:34:14.260 --> 00:34:20.020
<v Tobias>Denn viele Regionen werden ja ohne diese Drip Irrigation,
also diese Tröpfchenbewässerung,

00:34:20.020 --> 00:34:22.600
<v Tobias>gar nicht in der Lage, dauerhaft Wein überhaupt anzubauen.

00:34:22.930 --> 00:34:28.060
<v Tobias>Denn vor allem junge Reben, die würden ohne Wasserzufuhr schlicht vertrocknen.

00:34:28.270 --> 00:34:34.480
<v Tobias>Die haben noch keine tiefen Wurzeln. Na ja,
und in diesem konkreten Beispiel, in dieser Masterclass,

00:34:34.480 --> 00:34:39.010
<v Tobias>ging es um einen Rotwein, der hatte eine spürbare Salznote am Gaumen.

00:34:39.460 --> 00:34:43.690
<v Tobias>Jetzt nicht wirklich unangenehm, das war eher eher spannend und ungewöhnlich.

00:34:44.410 --> 00:34:47.620
<v Tobias>Man kennt das ja teilweise auch von Rieslingen aus Deutschland.

00:34:47.950 --> 00:34:49.870
<v Michael>Ja, da spricht man dann immer von Mineralität dann,
ne?

00:34:50.530 --> 00:34:54.430
<v Tobias>Ja, genau. Also bei Weißweinen durchaus eine bekannte Geschichte.

00:34:54.550 --> 00:35:01.390
<v Tobias>Und na ja, damals meinte die Referentin,
das könnte eben durchaus mit den Böden und der Bewässerungssituation zu tun

00:35:01.390 --> 00:35:08.890
<v Tobias>haben. Also du musst dir vorstellen, in Australien gibt es nämlich auch in
manchen Regionen tatsächlich Probleme mit salzhaltigen Böden.

00:35:08.890 --> 00:35:11.170
<v Tobias>Du hast vorhin den Murray River genannt.

00:35:11.170 --> 00:35:17.530
<v Tobias>Auch dort ist das genau das. Und deswegen gibt es auch dieses sehr
hochqualitative Salz,

00:35:17.530 --> 00:35:20.080
<v Tobias>was da beim Murray River geschöpft wird.

00:35:20.320 --> 00:35:28.300
<v Tobias>Na ja, aber dort, wo salzhaltige Boden ist und wo dann eben auch viel Wasser
durch die Hitze verdunstet,

00:35:28.570 --> 00:35:31.780
<v Tobias>da bleiben Mineralien im Oberboden einfach zurück.

00:35:32.230 --> 00:35:37.270
<v Tobias>Und jetzt muss man sich das so vorstellen:
Je mehr Wasser durch die Pflanze quasi gepumpt wird,

00:35:37.270 --> 00:35:46.330
<v Tobias>ja, also je stärker die Rebe Wasser aufnimmt und wiederum verdunstet,
desto mehr von diesen Stoffen gelangen letztlich auch in die Beeren,

00:35:46.630 --> 00:35:53.710
<v Tobias>weil die brauchen einfach so viel Wasser,
dass die Wassermenge und dadurch halt eben auch die Mineralstoffmenge deutlich

00:35:53.710 --> 00:35:59.900
<v Tobias>höher ist. Und ja, das hinterlässt dann am Gaumen wirklich einen spürbaren
Effekt.

00:36:00.320 --> 00:36:05.030
<v Tobias>Und klar muss natürlich auch sein, in einem Land,
das unter zunehmender Wasserknappheit leidet,

00:36:05.030 --> 00:36:10.640
<v Tobias>stellt sich dann langfristig schon die Frage,
wie tragfähig dieses System überhaupt ist.

00:36:10.670 --> 00:36:13.430
<v Tobias>Ähnliche Probleme kennt man ja auch aus Chile.

00:36:13.970 --> 00:36:18.890
<v Tobias>Ja, und gerade natürlich in den heißen Regionen,
wo ohne Bewässerung gar nichts geht,

00:36:18.890 --> 00:36:22.490
<v Tobias>wird das dann in den nächsten Jahren ein zentrales Thema.

00:36:22.490 --> 00:36:27.410
<v Tobias>Auch für den Weinbau gelten eben so Regeln wie Nachhaltigkeit.

00:36:27.770 --> 00:36:34.040
<v Michael>Ja, und vor allen Dingen gilt leider die Regel irgendwie:
globaler Klimawandel läuft.

00:36:34.280 --> 00:36:39.920
<v Michael>Denn der macht dann natürlich auch vor dem für uns so weit entfernten Down Under
keinen Halt.

00:36:40.880 --> 00:36:48.320
<v Michael>Und in den vergangenen Jahren, ich habe es ja eben schon mal angesprochen,
haben eben diese Extremwetterereignisse,

00:36:48.320 --> 00:36:52.970
<v Michael>und das gilt immer so als Indikator für Klimawandel,
deutlich zugenommen.

00:36:53.300 --> 00:36:59.010
<v Michael>Also man denke zum Beispiel nur an diese riesigen Waldbrände,
von denen wir auch in den Nachrichten immer gehört haben.

00:36:59.010 --> 00:37:08.760
<v Michael>Und da geht ja jetzt nicht nur Wildfläche und Farmland,
sondern da gehen auch einfach Weinregionen einfach in ihr aschiges Ende

00:37:08.760 --> 00:37:18.750
<v Michael>über. Da ist dann Ende Gelände. Und ja,
es gibt dann eben im Gegensatz zu Europa in Australien noch keine

00:37:18.750 --> 00:37:23.580
<v Michael>Weinregion, die eben von diesem Klimawandel profitiert.

00:37:23.730 --> 00:37:27.000
<v Michael>Ja, noch gibt es das nicht, bei uns eben teils schon.

00:37:27.030 --> 00:37:28.800
<v Michael>Ist noch mal ein wichtiger Unterschied,
glaube ich.

00:37:29.040 --> 00:37:31.140
<v Tobias>Ja, absolut. Leider, muss man ja sagen.

00:37:31.140 --> 00:37:31.830
<v Michael>Ja, ja.

00:37:31.830 --> 00:37:36.690
<v Tobias>Aber wir wollen ja jetzt hier die Stimmung auch nicht zu sehr nach unten ziehen.

00:37:37.770 --> 00:37:40.740
<v Tobias>Ich greife jetzt lieber mal das Stichwort „profitieren" auf.

00:37:40.770 --> 00:37:45.630
<v Tobias>Michael, wie wäre es mit unseren Merkpunkten zur heutigen Folge jetzt am
Schluss,

00:37:45.630 --> 00:37:50.760
<v Tobias>damit unsere Zuhörerinnen und Zuhörer auf jeden Fall was mit aus dem Podcast
nehmen?

00:37:51.000 --> 00:37:57.134
<v Tobias>Mach mal den Anfang, aber lass uns das ganze Thema Regionen vielleicht ein
bisschen,

00:37:57.134 --> 00:37:58.860
<v Tobias>bisschen kürzer ausfallen lassen.

00:37:59.100 --> 00:38:03.090
<v Michael>Okay, dann mache ich das mal grob. Südliche Hemisphäre,
Neue Weinwelt.

00:38:03.570 --> 00:38:13.290
<v Michael>Australien ist ein eigener Weinkontinent,
wie Tobias sagt, und zählt aber nur realistisch betrachtet überschaubare 145.000

00:38:13.290 --> 00:38:14.430
<v Michael>Hektar Anbaufläche.

00:38:14.670 --> 00:38:21.810
<v Tobias>Australien ist weinrechtlich in eine Superzone,
über 40 Zonen, rund 70 Weinregion und,

00:38:21.810 --> 00:38:24.510
<v Tobias>wo vorhanden, kleinere Subregionen unterteilt.

00:38:24.540 --> 00:38:32.310
<v Michael>Australien ist Rotweinland. 60 % Rotweine stehen 40 % Weißweine gegenüber.

00:38:32.340 --> 00:38:38.940
<v Michael>Oft reinsortig ausgebaut, aber gerade bei Rotwein gibt es viele unterschiedliche
Cuvées.

00:38:39.060 --> 00:38:41.580
<v Tobias>Internationale Rebsorten geben den Ton an.

00:38:41.580 --> 00:38:47.820
<v Tobias>Shiraz, Cabernet Sauvignon und Merlot bei den Rotwein,
und vor allem Chardonnay und Sauvignon Blanc bei den Weißwein.

00:38:48.030 --> 00:38:56.680
<v Michael>Bekannte Weinregion sind Barossa Valley,
McLaren Vale und Coonawarra oder Adelaide Hills und Eden Valley.

00:38:56.950 --> 00:39:03.130
<v Tobias>Und Funfact: Syrah heißt in Australien Shiraz und Mourvèdre hört dort auf den
Namen Mataro.

00:39:03.640 --> 00:39:07.780
<v Tobias>Zusammen mit Grenache macht Australien also seine ganz eigene GSM Cuvée.

00:39:08.140 --> 00:39:13.570
<v Michael>Ja, GSM Cuvée, super. Okay, also ich hoffe,
ihr nehmt jetzt nicht nur unsere Basics mit,

00:39:13.570 --> 00:39:17.050
<v Michael>sondern habt auch selber Lust auf Australien bekommen.

00:39:17.260 --> 00:39:24.730
<v Michael>Mein persönlicher Tipp dazu: Ihr könnt ja mal so eine Verkostung oder so einen
Abend mit Freunden organisieren,

00:39:24.730 --> 00:39:30.040
<v Michael>wo so australischer und europäischer Wein aufeinandertreffen.

00:39:30.040 --> 00:39:33.730
<v Michael>So eine GSM Cuvée wäre ja so ein typisches Ding.

00:39:33.730 --> 00:39:41.140
<v Michael>Oder auch ein Chardonnay-Vergleich, oder jetzt im Sommer vielleicht doch dann
lieber Sauvignon Blanc.

00:39:41.770 --> 00:39:46.450
<v Michael>Egal, Hauptsache ihr bekommt guten Wein ins Glas und habt Spaß damit.

00:39:46.480 --> 00:39:51.970
<v Tobias>Ja, gutes Stichwort. Hast du mir eigentlich von deinem Vino Caravana-Trip was
mitgebracht?

00:39:52.000 --> 00:39:58.120
<v Tobias>Hast du noch gar nicht erzählt. Weil wir beide,
ja, du darfst nicht vergessen, wir dürfen ja auch nicht aus der Übung kommen.

00:39:58.690 --> 00:40:04.570
<v Tobias>Gerade jetzt als Certified WSET Educator muss ich auf mein Training achten!

00:40:04.900 --> 00:40:09.430
<v Michael>Ja, ja, ja, da findet sich schon die ein oder andere Flasche,
die wir aufmachen können.

00:40:09.670 --> 00:40:14.290
<v Michael>Sag mir einfach Bescheid, wann du wieder in der Gegend bist,
und ich sag mal so,

00:40:14.290 --> 00:40:18.340
<v Michael>ich bringe eine gute Flasche auf eine richtig gute Temperatur.

00:40:18.340 --> 00:40:21.370
<v Michael>Und auch versprochen, es wird was Spanisches.

00:40:21.460 --> 00:40:24.730
<v Tobias>Na gut, das passt doch. Dann bringe ich auf jeden Fall einen Australier mit.

00:40:24.760 --> 00:40:32.230
<v Tobias>Ich habe, glaube ich, sogar wirklich noch ein paar Mollydooker-Flaschen. Ja,
und dann freue ich mich heute auf unseren nächsten Weinabend und nicht nur auf

00:40:32.230 --> 00:40:34.750
<v Tobias>den Moment, in dem es wieder heißt...

00:40:34.750 --> 00:40:39.730
<v Michael>Oder, oder die Flasche explodiert. Aber auf jeden Fall:
Bei Anruf.

00:40:40.930 --> 00:40:41.440
<v Tobias>Wein.