WEBVTT

00:00:02.650 --> 00:00:11.260
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:11.260 --> 00:00:13.860
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast. Hallo liebe Weinfreunde, nicht erschrecken.

00:00:13.860 --> 00:00:18.390
<v Michael>Nein, hier spricht jetzt nicht der liebe Tobias, sondern der noch viel liebere
Michael.

00:00:19.260 --> 00:00:22.710
<v Michael>Und zwar gibt es einen Grund für diesen kleinen Rollentausch.

00:00:22.830 --> 00:00:32.760
<v Michael>Ihr wisst ja, wir sind gerade mit einer Doppelfolge über Bio und Biodynamie im
Weinbau beschäftigt und ich hoffe, ihr habt alle die letzte Folge gehört, wo

00:00:32.760 --> 00:00:41.370
<v Michael>ich mit Christoph Hothum vom Weingut Hothum in Rheinhessen gesprochen habe und
er uns erklärt hat, was Bio tatsächlich bedeutet.

00:00:42.200 --> 00:00:46.940
<v Michael>Da durfte der Tobias gar nichts sagen, musste schweigen.

00:00:46.940 --> 00:00:49.010
<v Michael>Aber er durfte das Kabel tragen.

00:00:49.640 --> 00:00:55.040
<v Michael>Nun denn, heute übernehme ich diese tragende Rolle und Tobias gibt den
Interviewer.

00:00:56.270 --> 00:01:04.820
<v Michael>Er trifft sich mit Philipp Wittmann vom VDP und biodynamischen Vorzeigeweingut
Wittmann in Westhofen.

00:01:05.330 --> 00:01:15.080
<v Michael>Und er hat sich in eine der besten Lagen Deutschlands begeben, um für euch vor
Ort herauszufinden, was es denn mit dieser so oft

00:01:15.080 --> 00:01:19.400
<v Michael>als esoterisch geschmähten Biodynamie auf sich hat.

00:01:19.790 --> 00:01:21.830
<v Michael>Also bleibt jetzt mal dran.

00:01:22.070 --> 00:01:23.540
<v Michael>Es fängt jetzt gleich an!

00:01:35.100 --> 00:01:38.880
<v Tobias>So, jetzt sind wir schon angekommen beim Weingut Wittmann in Westhofen.

00:01:38.880 --> 00:01:42.120
<v Tobias>Und da ist Philipp Wittmann schon auf dem Weg zu uns.

00:01:42.150 --> 00:01:43.560
<v Tobias>Hey Philipp, hi!

00:01:43.560 --> 00:01:44.500
<v Philipp>Halli hallo.

00:01:44.500 --> 00:01:47.760
<v Tobias>Vielen Dank, dass du Zeit für uns gefunden hast.

00:01:47.760 --> 00:01:52.530
<v Tobias>Und ich übernehme ja jetzt den Interview-Part hier bei dir.

00:01:52.770 --> 00:01:59.160
<v Tobias>Ja, bei einem Weingut, was sich auch schon relativ lang dem biodynamischen
Weinbau gewidmet hat.

00:02:00.120 --> 00:02:07.140
<v Tobias>Erklär uns doch am besten mal, was sind so die Kernunterschiede zu einem
normalen Bio-Weingut?

00:02:07.440 --> 00:02:16.770
<v Philipp>Also zunächst mal ist es natürlich so, dass die Grundlage für den biodynamischen
Weinbau auch den Bioanbau mit berücksichtigt.

00:02:16.770 --> 00:02:25.080
<v Philipp>Das sind die Basics, das sind die Essentials, um eben so naturnah wie möglich
zu arbeiten, den Boden zu respektieren, eben entsprechend die Versorgung der

00:02:25.080 --> 00:02:28.650
<v Philipp>Nährstoffe auf natürliche Art und Weise zu gewährleisten usw.

00:02:28.740 --> 00:02:38.130
<v Philipp>Im Biodyn-Bereich kommt eine, ja, eine Facette dazu, nämlich der Einfluss von
kosmischen Kräften auf das

00:02:38.130 --> 00:02:47.550
<v Philipp>Pflanzenwachstum, auf all das, was auf der Erde so stattfindet und der Wunsch
des Winzers oder des Landwirts, diese Kräfte positiv zu

00:02:47.550 --> 00:02:53.700
<v Philipp>berücksichtigen und für sich zu nutzen, um eben den bestmöglichen Erfolg dann
im Anbau zu erreichen.

00:02:53.700 --> 00:02:56.910
<v Philipp>Für uns Winzer bedeutet das, bestmögliche Früchte zu erzeugen.

00:02:56.910 --> 00:03:05.490
<v Philipp>Und um das vielleicht direkt vorwegzunehmen, mein persönlicher Blick darauf ist
der, bestmögliche Früchte sind reife, gesunde Trauben.

00:03:05.490 --> 00:03:09.450
<v Philipp>Und die erreiche ich mit einer idealen und ausgeglichenen Wachstumsbalance im
Weinberg.

00:03:10.050 --> 00:03:16.740
<v Philipp>Und hier ist der Ansatz dann eben, dass biodynamischer Anbau uns noch weiter
bringt als ausschließlich der Bio-Anbau.

00:03:17.610 --> 00:03:20.760
<v Tobias>Du hast jetzt gerade das Stichwort kosmisch gebracht.

00:03:20.760 --> 00:03:25.860
<v Tobias>Das finde ich jetzt schon irgendwie, das hört sich schon so leicht esoterisch
angehaucht an.

00:03:26.280 --> 00:03:33.720
<v Tobias>Erklär das mal ein bisschen näher, weil es gab ja dann anscheinend auch einen
Grund dafür, dass du gesagt hast, also Bio schön und gut, das reicht uns jetzt

00:03:33.720 --> 00:03:43.260
<v Tobias>irgendwie nicht, und bist ja dann, ich glaube, ihr seid auch Ende der 80er
schon Bio geworden und 2004 dann den Schritt in Richtung biodynamisch.

00:03:44.170 --> 00:03:45.490
<v Tobias>Ja, kosmisch.

00:03:45.490 --> 00:03:47.260
<v Tobias>Hokuspokus, oder was ist das?

00:03:47.260 --> 00:03:49.600
<v Philipp>Ich finde, es hört sich mehr nach Raumschiff Enterprise an, oder?

00:03:49.990 --> 00:03:51.760
<v Philipp>So abgespaced.

00:03:52.030 --> 00:03:54.430
<v Philipp>Nein, es ist ja ganz einfach.

00:03:54.820 --> 00:04:04.810
<v Philipp>Nachweislich ist es ja so, dass es eben diese Kräfteeinflüsse eben gibt auf die
Erde und in Bezug auf Schwerkraft und die entsprechenden

00:04:04.810 --> 00:04:07.540
<v Philipp>Stellungen von Mond und Gestirnen.

00:04:07.540 --> 00:04:12.010
<v Philipp>Also Stichwort Ebbe und Flut, jedem hinlänglich bekannt, wie das funktioniert.

00:04:12.040 --> 00:04:19.210
<v Philipp>Also das heißt, diese Kräfteeinflüsse auf die Planeten, die gegenseitige
Wirkung, die existiert.

00:04:19.570 --> 00:04:26.650
<v Philipp>Man weiß auch, dass das Pflanzenwachstum ein Stück weit beeinflusst ist von
diesen Kräften.

00:04:26.650 --> 00:04:30.160
<v Philipp>Und die Frage ist jetzt nur: Wie kann ich diese Kräfte greifen?

00:04:30.160 --> 00:04:33.640
<v Philipp>Wie kann ich das wirklich als praktizierender Landwirt für mich nutzen?

00:04:33.760 --> 00:04:38.500
<v Philipp>Und da gibt es natürlich eine ganze Reihe von Ansätzen.

00:04:38.500 --> 00:04:47.440
<v Philipp>Und da bin ich tatsächlich eher nicht auf der zu abgespaceten Variante und
nicht esoterisch unterwegs, sondern ich gehe da ganz pragmatisch mit um.

00:04:47.590 --> 00:04:54.280
<v Philipp>Es ist ja leider Gottes so, dass im biodynamischen Anbau nicht alles
nachweislich fundiert wissenschaftlich hinterlegt ist.

00:04:54.310 --> 00:04:57.820
<v Philipp>Teile ja, aber eben auch einige entscheidende Teile nicht.

00:04:57.820 --> 00:05:07.690
<v Philipp>Und dann bleibt zu Beginn gar nichts anderes übrig, als das ein Stück weit zu
akzeptieren, dass etwas passiert, dass man eben hier auch Dinge vor allem über

00:05:07.690 --> 00:05:09.490
<v Philipp>lange Zeitraum nachvollziehen kann.

00:05:09.490 --> 00:05:10.840
<v Philipp>Und man muss sich darauf einlassen.

00:05:10.840 --> 00:05:13.810
<v Philipp>Und genau das haben wir 2004 getan.

00:05:14.260 --> 00:05:22.570
<v Philipp>Ich muss dazusagen, mein Vater, der das Weingut auf Bio-Anbau umgestellt hat
Ende der 80er-Jahre, hat sich schon auch in den 90er-Jahren mit einigen Facetten

00:05:22.570 --> 00:05:24.400
<v Philipp>des biodynamischen Anbaus beschäftigt.

00:05:24.400 --> 00:05:32.350
<v Philipp>Also vor allem ein ganz zentrales Thema der eigene Kompost, der letztendlich
die Vitalität des Bodens und die Gesundheit des Bodens enorm beeinflusst, war

00:05:32.350 --> 00:05:34.690
<v Philipp>ein Thema, was für uns schon immer sehr wichtig war.

00:05:34.690 --> 00:05:37.810
<v Philipp>Und insofern gab es so einen gewissen Erfahrungsschatz.

00:05:37.810 --> 00:05:44.680
<v Philipp>Aber als wir damals dann auf Biodyn umgestellt haben oder diesen nächsten
Schritt gegangen sind, war es schon viel Neuland.

00:05:44.890 --> 00:05:46.090
<v Philipp>Auch viel Ausprobieren.

00:05:46.090 --> 00:05:55.600
<v Philipp>Auch dieses, sich darauf einlassen, auf etwas Neues und nicht immer alles
sofort zu verstehen, warum diese Dinge sich so

00:05:55.600 --> 00:05:58.720
<v Philipp>entwickeln, das war schon erst mal spannend.

00:05:58.750 --> 00:06:08.440
<v Philipp>Heute muss ich gestehen, dass jetzt von dem Verständnis der Prozessabläufe ich
nicht wirklich viel weiter bin, aber von der praktischen Seite

00:06:08.440 --> 00:06:13.300
<v Philipp>her das Wissen habe, dass Dinge funktionieren und am Ende zum Ergebnis führen.

00:06:13.300 --> 00:06:15.100
<v Philipp>Und damit lebt sich eigentlich ganz gut.

00:06:15.640 --> 00:06:21.460
<v Tobias>Okay, aber was war denn jetzt wirklich der Beweggrund zu sagen, wir machen noch
diesen Schritt?

00:06:21.490 --> 00:06:25.540
<v Tobias>Ihr wart bio, Ihr seid seit 1999 Mitglied im VDP.

00:06:25.540 --> 00:06:30.130
<v Tobias>Ihr habt einige der besten Weinlagen in ganz Deutschland, in Rheinhessen
sowieso.

00:06:31.120 --> 00:06:34.240
<v Tobias>Was ist dann der Impuls zu sagen, das reicht uns jetzt nicht?

00:06:34.240 --> 00:06:37.210
<v Tobias>Wird da jetzt nur an die Weinqualität gedacht?

00:06:37.210 --> 00:06:41.080
<v Tobias>Wird da an den Boden gedacht oder auch ein bisschen an das Preisschild auf der
Weinflasche?

00:06:42.310 --> 00:06:48.730
<v Philipp>Nein, ich glaube, das kommt ganz zum Schluss als Ergebnis von einem gewissen
Streben nach Qualität, nach Herkunft, nach Charakter.

00:06:49.090 --> 00:06:55.630
<v Philipp>Wir haben ganz einfach mit dem Thema Klimawandel schon seit 2 Dekaden zu tun.

00:06:55.630 --> 00:07:03.220
<v Philipp>Der Jahrgang 2003 ist vielen in Erinnerung als das erste knallheiße Jahr,
extrem trockener Sommer.

00:07:03.760 --> 00:07:12.250
<v Philipp>Und plötzlich hatten wir Bedingungen hier im Rheintal, wo wir es gewohnt sind,
Ende September unter kühlen Bedingungen Trauben zu lesen.

00:07:12.250 --> 00:07:19.000
<v Philipp>Stattdessen war es dann 2003 so, es war Anfang September und es war noch
knallheiß und man hat sich schon die Frage gestellt, okay, was kann ich tun?

00:07:19.000 --> 00:07:22.690
<v Philipp>Wie kann ich diesen extremen Witterungsverhältnissen entgegenwirken?

00:07:22.930 --> 00:07:29.320
<v Philipp>Wie schaffe ich es, dass die Rebe noch vitaler, widerstandsfähiger und
ausgeglichener reagiert auf diese Phänomene?

00:07:29.320 --> 00:07:39.160
<v Philipp>Und ich weiß heute, dass diese Facette des biodynamischen Anbaus auf der Suche
nach der besseren Vitalität und der ausgeglicheneren

00:07:39.160 --> 00:07:43.510
<v Philipp>Wachstum der Rebe, dass das uns hilft, hier Fortschritte zu machen.

00:07:43.510 --> 00:07:53.200
<v Philipp>Das heißt, am Ende ist mein Ziel, ganz praktisch gesagt, ich möchte länger
gesunde Trauben am Stock hängen lassen können, um sie zum

00:07:53.200 --> 00:07:55.000
<v Philipp>idealen Zeitpunkt zu ernten.

00:07:55.000 --> 00:07:57.160
<v Philipp>Und hier hilft mir der biodynamische Anbau.

00:07:57.160 --> 00:08:05.170
<v Philipp>Das heißt, es ist eine echte Qualitätsfrage und eine Antwort, eine der
Antworten auf das, was man Klimawandel im Allgemeinen in der Landwirtschaft

00:08:05.320 --> 00:08:05.650
<v Philipp>nennt.

00:08:05.680 --> 00:08:14.500
<v Tobias>2 Aspekte fand ich jetzt besonders interessant, nämlich biodynamischer Weinbau
und das Thema Klimawandel, dass das tatsächlich darauf auch einen gewissen

00:08:14.500 --> 00:08:18.670
<v Tobias>Einfluss hat, wie du dann im Weinberg arbeitest.

00:08:18.670 --> 00:08:24.850
<v Tobias>Und dann würde mich jetzt natürlich auch interessieren, was heißt das denn
jetzt konkret im Weinberg?

00:08:24.850 --> 00:08:31.900
<v Tobias>Was sind das für Mittelchen und irgendwelche Dinge, die ihr da machen müsst im
Vergleich zu einem normalen Bio-Winzer?

00:08:31.900 --> 00:08:38.440
<v Tobias>Und da würde ich jetzt eigentlich vorschlagen, gehen wir mal direkt vor Ort und
stellen uns vielleicht mal in einen Weinberg, oder?

00:08:38.440 --> 00:08:40.600
<v Philipp>Das ist eine super Idee, da sieht man am meisten, auf jeden Fall.

00:08:40.780 --> 00:08:41.950
<v Tobias>Alles klar, dann machen wir das doch jetzt mal.

00:08:47.200 --> 00:08:48.880
<v Tobias>Ja, Philipp, jetzt sind wir hier schon angekommen.

00:08:48.880 --> 00:08:55.780
<v Tobias>Jetzt müssen wir erstmal was zu dem Weinberg sagen, zu dem du uns jetzt
gefahren hast, weil das ist nicht irgendeiner.

00:08:55.780 --> 00:08:56.740
<v Tobias>Wo stehen wir denn hier?

00:08:56.920 --> 00:09:00.160
<v Philipp>Ja, wir sind jetzt hier mitten im Morstein, im Westhofener Morstein.

00:09:00.490 --> 00:09:03.160
<v Philipp>Vielleicht die beste Lage in unserem Weingut.

00:09:03.580 --> 00:09:07.000
<v Philipp>Der Morstein liegt auf 200 Höhenmeter etwa, bzw.

00:09:07.000 --> 00:09:08.950
<v Philipp>zieht sogar hoch bis auf 280 Höhenmeter.

00:09:08.950 --> 00:09:11.320
<v Philipp>Also es gibt auch noch kühlere Bereiche des Morsteins.

00:09:11.560 --> 00:09:19.450
<v Philipp>Wir sind hier wunderschön im Weitblick Richtung Odenwald auf der anderen
Rheinseite, den Pfälzerwald im Westen, der Donnersberg, der für uns nicht

00:09:19.450 --> 00:09:21.910
<v Philipp>unwesentlich, weil er doch so ein bisschen das Wetter mit beeinflusst.

00:09:21.940 --> 00:09:24.970
<v Philipp>Wir liegen oft so ein bisschen im Regenschatten des Donnersbergs.

00:09:25.300 --> 00:09:27.970
<v Philipp>Ja, man merkt, hier ist so ein bisschen frischer, kühler Westwind.

00:09:28.000 --> 00:09:32.860
<v Philipp>Das ist ganz normal im Morstein, das lässt auch die Vegetation etwas länger
laufen.

00:09:33.370 --> 00:09:35.920
<v Philipp>Die Trauben eben halt auch länger ausreifen am Stock.

00:09:35.920 --> 00:09:39.040
<v Philipp>Und der Boden hier ist insofern besonders, weil er sehr felsig ist.

00:09:39.040 --> 00:09:48.610
<v Philipp>Das sind also große Kalksteinfelsen im Untergrund und es ist ein schwerer
Oberboden, ein Tonmergel, ein ganz schwerer Tonboden, der auch eher ein kalter

00:09:48.610 --> 00:09:52.480
<v Philipp>Boden ist, das Wasser sehr gut hält und aber auch so ein bisschen die Kühle.

00:09:52.480 --> 00:09:58.810
<v Philipp>Und das bedeutet am Ende, dass auch die Säure in den Trauben tatsächlich ein
bisschen länger gehalten wird, was durchaus von Vorteil ist.

00:09:59.200 --> 00:10:02.860
<v Tobias>Ja, Wahnsinn. Also sagt es jetzt wahrscheinlich eure beste Lage.

00:10:02.860 --> 00:10:11.950
<v Tobias>Man kann ja irgendwie sagen, als VDP Große Lage klassifiziert, sicherlich auch
eine der besten Weinberglagen in ganz Deutschland.

00:10:11.950 --> 00:10:14.620
<v Tobias>Hat ja wirklich einen Namen wie ein Donnerhall.

00:10:15.070 --> 00:10:22.600
<v Tobias>Vielleicht gehen wir jetzt mal runter, weil ich kann mir jetzt irgendwie kaum
vorstellen, wie man irgendwie so eine gute Lage wie Morstein jetzt durch

00:10:22.630 --> 00:10:25.870
<v Tobias>biodynamischen Weinbau noch besser machen kann.

00:10:26.140 --> 00:10:31.510
<v Philipp>Ach, am Ende ist es, glaube ich, so, dass die Bewirtschaftung eines Weinbergs
essenziell ist.

00:10:31.510 --> 00:10:40.660
<v Philipp>Und ob das jetzt biodyn ist, ob das Bio ist oder ob da jemand gar nicht
zertifiziert ist, aber sehr naturorientiert arbeitet, ist am Ende die eine

00:10:40.660 --> 00:10:44.380
<v Philipp>Frage. Die andere Frage ist halt einfach: Wie bewirtschafte ich?

00:10:44.380 --> 00:10:46.930
<v Philipp>Wie gehe ich mit dem Boden um?

00:10:46.930 --> 00:10:48.880
<v Philipp>Wie wie ernst nehme ich das Thema?

00:10:48.880 --> 00:10:50.320
<v Philipp>Und wie intensiv mache ich das?

00:10:50.350 --> 00:10:57.520
<v Philipp>Also es ist, die Rebe ist eine Kulturpflanze und nur mit sehr, sehr viel
handwerklicher Arbeit lässt sich eine hohe Qualität eben auch am Schluss

00:10:57.520 --> 00:11:05.110
<v Philipp>erreichen. Und da gibt es natürlich ein bisschen den Wettbewerb der Systeme von
mir aus, wenn man es ganz pauschal bespricht, sprich konventionell, naturnah,

00:11:05.110 --> 00:11:11.890
<v Philipp>Bio, biodyn. Am Ende geht es aber tatsächlich um den Winzer selbst, wie und wo
legt er Hand an und was macht er draus?

00:11:12.070 --> 00:11:13.120
<v Tobias>Ja, alles klar.

00:11:13.660 --> 00:11:16.510
<v Tobias>So, jetzt schauen wir hier schon in so eine Rebzeile rein.

00:11:17.350 --> 00:11:21.130
<v Tobias>Haben wir eben beim Kollegen Hothum auch schon gesehen.

00:11:21.610 --> 00:11:25.210
<v Tobias>Das sieht jetzt alles andere als kahl aus, da wächst ordentlich was, ne?

00:11:26.020 --> 00:11:34.270
<v Philipp>Ja, natürlich ist es zum einen so, wir haben einen durchaus bisher relativ
regenreiches Spätfrühjahr und Frühsommer erlebt.

00:11:34.270 --> 00:11:35.410
<v Philipp>Wir sind aber dankbar drum.

00:11:35.410 --> 00:11:42.070
<v Philipp>Die letzten Jahre waren tendenziell eher trocken und das Auffüllen der
Wasservorräte im Untergrund ist auf jeden Fall gut.

00:11:42.070 --> 00:11:44.860
<v Philipp>Dementsprechend wachsen die Begrünungen dieses Jahr sehr schön.

00:11:44.860 --> 00:11:46.930
<v Philipp>Wir freuen uns, wenn wir hier eine hohe Diversität haben.

00:11:46.930 --> 00:11:52.960
<v Philipp>Verschiedene Pflanzen, Gräser, vor allem auch blühende Pflanzen, die eben auch
die Insekten anziehen.

00:11:52.990 --> 00:11:57.130
<v Philipp>Also wir möchten sowohl Flora und Fauna möglichst divers hier haben.

00:11:57.130 --> 00:12:04.630
<v Philipp>Wie gesagt, es ist am Ende trotzdem eine Monokultur im Weinbau und
dementsprechend versuchen wir das so ein bisschen zu durchbrechen.

00:12:04.840 --> 00:12:12.460
<v Philipp>Aber jetzt auch nicht völlig bekloppt, sondern wir bewirtschaften vornehmlich
einen Weinberg und wollen Trauben erzeugen.

00:12:12.580 --> 00:12:19.360
<v Philipp>Und es gibt immer dann so der Bereich, man kann das natürlich dann noch
extremer betreiben, aber für mich ist so ein Punkt, wo ich irgendwann sage,

00:12:19.360 --> 00:12:21.910
<v Philipp>okay, Ziel nicht aus den Augen verlieren.

00:12:21.910 --> 00:12:28.000
<v Philipp>Es geht am Ende um die Traubenproduktion und nicht darum, dass ich jetzt die
schönste Begrünung Deutschlands in meinem Weinberg stehen habe.

00:12:28.570 --> 00:12:30.250
<v Tobias>Und jetzt mal ganz konkret besprochen.

00:12:30.250 --> 00:12:35.080
<v Tobias>Bio okay, aber was sind jetzt hier Maßnahmen, die du als biodynamischer Winzer
durchführst?

00:12:36.310 --> 00:12:45.280
<v Philipp>Also wir haben eine eigene Kompostherstellung, die wesentlich ist, die einfach
unheimlich viel Vitalität und auch Dauerhumusaufbau im Boden verursacht.

00:12:45.280 --> 00:12:50.350
<v Philipp>Und das hilft eben sehr, um das Wachstum der Rebe zu balancieren.

00:12:50.350 --> 00:12:52.510
<v Philipp>Das ist ein essentieller Teil.

00:12:52.840 --> 00:12:56.290
<v Philipp>Dann gibt es natürlich im biodynamischen Bereich auch die Präparate.

00:12:56.590 --> 00:12:59.200
<v Philipp>Und da gibt es die 2 wichtigsten und wesentlichsten Präparate.

00:12:59.200 --> 00:13:06.070
<v Philipp>Das ist einmal der Hornmist und zum Zweiten das Hornkiesel, der Hornmist, das
ist, ja, stofflich relativ einfach erklärt.

00:13:06.070 --> 00:13:15.820
<v Philipp>Das ist Kuhmist, der eben in Hörner gestopft wird und eben entsprechend dann
über eine geraume Zeit dann auch in der Erde aus reift, vergraben

00:13:16.030 --> 00:13:25.210
<v Philipp>und dann eben im Frühjahr ausgebracht wird in den Weinbergen, um eben das
Pflanzenwachstum, das Wurzelwachstum anzuregen.

00:13:25.330 --> 00:13:34.870
<v Philipp>Und den Hornmist bringt man eben dann auch kurz vor dem Vollmond aus, zu einer
Zeit, in dem die Kräfte sehr stark Richtung Kosmos strahlen, also der Wunsch

00:13:35.260 --> 00:13:36.850
<v Philipp>alles Wachstums nach oben geht.

00:13:36.850 --> 00:13:45.790
<v Philipp>Also das ist immer in der Zeit vorm Vollmond so, dass man einfach merkt, dass
einfach die Power, die aus der Erde rausgeht, Richtung Kosmos deutlich stärker

00:13:45.790 --> 00:13:54.620
<v Philipp>ist. Und in dieser Zeit macht es einfach Sinn, den Impuls auch zu geben, hier
Hornmist als Information, als Wachstumsanreger für die Rebe, für die Wurzeln,

00:13:54.620 --> 00:14:03.530
<v Philipp>einfach um letztendlich diese, diese kleine Stellschraube zu drehen und die
Rebe zu unterstützen, dabei das zu tun, was sie sowieso tun will.

00:14:03.530 --> 00:14:05.600
<v Tobias>Okay, aber jetzt muss ich doch noch mal nachhaken.

00:14:05.780 --> 00:14:08.270
<v Tobias>Wir sprechen jetzt da von Kuhmist.

00:14:08.990 --> 00:14:13.100
<v Tobias>Der kommt dann in irgendwelche hohlen Hörner.

00:14:13.490 --> 00:14:22.490
<v Tobias>Und die Hörner, die werden dann wiederum vergraben und irgendwann werden die
wieder ausgebuddelt und dann wird der Inhalt der Hörner auf die Weinberge

00:14:22.490 --> 00:14:25.070
<v Tobias>gepackt. Ja, das ist aber jetzt schon, hui.

00:14:25.880 --> 00:14:33.680
<v Philipp>Es wird noch schöner, weil natürlich dieser Hornmist nicht einfach ausgebracht
wird, sondern der wird in Wasser dynamisiert.

00:14:33.830 --> 00:14:41.870
<v Philipp>Das heißt also, man bringt nur ein paar ganz wenige Hornmist-Kugeln auf
mehreren 100 Liter Wasser eben ein.

00:14:41.870 --> 00:14:50.810
<v Philipp>Die werden eben dann auch eingerührt, und zwar mit einem sehr rhythmischen
Rühren, um eben letztendlich einen richtigen Kegel ins Wasser reinzubekommen,

00:14:50.810 --> 00:14:54.710
<v Philipp>dass also das Wasser durchdrungen ist, und dann wird es ausgebracht.

00:14:54.710 --> 00:15:01.640
<v Philipp>Also es ist tatsächlich vom stofflichen Aspekt, dass ein Mist das Wachstum
anregt, relativ weit entfernt.

00:15:01.730 --> 00:15:03.770
<v Philipp>Ja, aber das Schöne ist, es funktioniert.

00:15:04.310 --> 00:15:13.940
<v Tobias>Okay, wenn du sagst es funktioniert und du, ich habe jetzt so eine Vorstellung,
du stehst dann da, rührend und vielleicht auch singend, irgendwie mit so einem

00:15:13.940 --> 00:15:19.490
<v Tobias>Mantra und bereitest das irgendwie zu.

00:15:19.490 --> 00:15:22.130
<v Philipp>Aber da gibt es natürlich ganz unterschiedliche Ansichten.

00:15:22.130 --> 00:15:28.940
<v Philipp>Es gibt die Kollegen, die sagen, man muss unbedingt von Hand rühren, um die
Energie des Menschen auch wieder noch zu übertragen.

00:15:29.330 --> 00:15:32.120
<v Philipp>Ich gebe offen zu, wir haben eine Maschine, die das für uns erledigt.

00:15:32.210 --> 00:15:34.280
<v Tobias>Okay, also so weit gehst du dann doch nicht.

00:15:34.280 --> 00:15:38.360
<v Tobias>Okay, dann lösche ich das Bild, was ich jetzt gerade hatte, wieder aus dem
Gedächtnis.

00:15:39.680 --> 00:15:43.400
<v Tobias>Aber wenn du sagst, es funktioniert: Gib mir mal ein konkretes Beispiel.

00:15:44.060 --> 00:15:47.510
<v Philipp>Na ja, es ist schon so, gerade dieses Jahr war es extrem.

00:15:47.510 --> 00:15:57.350
<v Philipp>Es war relativ kühl, es war ein ungemütliches Frühjahr und ich habe noch nie
erlebt, dass die Reben so spät ausgetrieben sind, wie das dieses Jahr der Fall

00:15:57.350 --> 00:16:03.170
<v Philipp>war. Ja, in so den alten Zeiten, 80er-Jahre und vorher war das des Öfteren der
Fall.

00:16:04.070 --> 00:16:06.440
<v Philipp>Jetzt waren wir tatsächlich mal wieder wirklich spät.

00:16:06.830 --> 00:16:13.730
<v Philipp>Wenn ich die Möglichkeit habe, auch wenn es so eine kleine Stellschraube ist,
die Reben dazu zu bringen, dass er mal ein bisschen in die Pötte kommt, dass das

00:16:13.730 --> 00:16:15.800
<v Philipp>jetzt endlich mal wächst, ja, dann muss ich die für mich nutzen.

00:16:15.800 --> 00:16:18.860
<v Philipp>Und deshalb ist das einfach ein Tool, was in dem Fall wertvoll ist.

00:16:18.860 --> 00:16:20.990
<v Philipp>Und das ist das, was mich daran interessiert.

00:16:21.200 --> 00:16:30.380
<v Tobias>Okay, also das heißt, das hat dann tatsächlich auch diesen Effekt, das ist jetzt
nicht irgendwie, dass du dir das irgendwie einbildest, weil du daran glaubst,

00:16:30.380 --> 00:16:32.300
<v Tobias>sondern das ist wirklich nachweislich so?

00:16:32.300 --> 00:16:35.030
<v Philipp>Es gibt Forschungsarbeiten über all diese Themen.

00:16:35.030 --> 00:16:44.720
<v Philipp>Und es ist tatsächlich so, dass wir uns hier in einem Rahmen bewegen, der nicht
immer nachweislich ist, der aber, glaube ich,

00:16:44.840 --> 00:16:48.980
<v Philipp>über sehr langfristige Beobachtungen sich dann doch auch immer bestätigt.

00:16:48.980 --> 00:16:52.880
<v Philipp>Und wir machen jetzt biodynamischen Anbau seit über 15 Jahren.

00:16:53.360 --> 00:16:56.150
<v Philipp>Und ich sage mal, wir kennen den Unterschied.

00:16:56.150 --> 00:17:03.290
<v Philipp>Und ich glaube auch, dass in dem Gesamtkontext unserer Arbeit wir letztendlich
auch gerade durch die Biodynamie Entwicklung genommen haben.

00:17:03.650 --> 00:17:12.710
<v Tobias>Okay, und jetzt mal Hand aufs Herz, so in den ersten Jahren, kamst du dir da
teilweise auch bei so gewissen Praktiken ein bisschen seltsam vor?

00:17:12.860 --> 00:17:19.520
<v Philipp>Ja, heute noch. Also ich bin keiner, der da den Esoteriker gibt und ich möchte
auch gar nicht so hoch hängen.

00:17:19.520 --> 00:17:22.550
<v Philipp>Für mich ist es gar nicht so wichtig, über biodyn permanent zu reden.

00:17:22.550 --> 00:17:26.960
<v Philipp>Ich rede gerne über die Frage: Wie bauen wir im Weinberg an und wie bauen wir
aus?

00:17:27.380 --> 00:17:31.820
<v Philipp>Ich mag dieses ganze Marketinggerede um den biodynamischen Anbau eigentlich gar
nicht so sehr.

00:17:31.970 --> 00:17:36.440
<v Philipp>Ich würde mir den Schuh aber gerne anziehen, dass wir, glaube ich, ein ganz
guter Handwerker sind.

00:17:36.440 --> 00:17:42.590
<v Philipp>Also so mit „wir" meine ich meine Familie und mein Team im Weingut, die
gemeinsam an dem Thema arbeiten.

00:17:42.590 --> 00:17:48.260
<v Philipp>Und in der praktischen Erfahrung haben wir damit sehr, sehr gute Erfahrungen
gemacht, diesen Weg zu gehen.

00:17:48.710 --> 00:17:53.270
<v Tobias>Okay, und jetzt musst du mir noch eine Frage beantworten: Wo kommt der Kuhdünger
her?

00:17:54.530 --> 00:17:56.870
<v Philipp>Ja, da gibt es natürlich vielfältige Möglichkeiten.

00:17:56.870 --> 00:18:05.630
<v Philipp>Die Idealform nach der reinen Lehre wäre natürlich, dass wir eigene Kühe
hätten, um eben wirklich so eine Kreislaufwirtschaft zu haben, so wie das früher

00:18:05.630 --> 00:18:08.450
<v Philipp>üblich war. Das war so das Idealbild.

00:18:08.570 --> 00:18:15.590
<v Philipp>Ich muss gestehen, das hat auch einen Charme, wenn man die Zeit, die
Möglichkeiten und die Flächen dazu hat, tatsächlich so zu denken.

00:18:15.590 --> 00:18:20.450
<v Philipp>Ich bewundere auch die seltenen Höfe, die das wirklich auch echt haben.

00:18:20.600 --> 00:18:25.220
<v Philipp>In unserem Fall ist es so, dass wir den Kuhmist eben über Kollegen bekommen
bzw.

00:18:25.760 --> 00:18:29.360
<v Philipp>auch teilweise auch schon Hornmist fertig hergestellt gekauft haben.

00:18:29.360 --> 00:18:31.250
<v Philipp>Das ist im Systemvergleich ganz interessant.

00:18:31.250 --> 00:18:39.380
<v Philipp>Es wird im Biobereich insgesamt sehr viel kooperiert, auch unter den Betrieben,
sodass also die Präparateherstellung oft gemeinsam gemacht wird, dass man eben

00:18:39.380 --> 00:18:43.220
<v Philipp>sich gemeinsam die Materialien besorgt und eben zusammenarbeitet.

00:18:43.490 --> 00:18:44.930
<v Philipp>Da herrscht ein sehr großer Austausch.

00:18:44.930 --> 00:18:51.840
<v Philipp>Bei uns ist es zum Beispiel so, wir arbeiten sehr eng zusammen mit dem Weingut
Christmann in der Pfalz und mit dem Weingut Rebholz in der Südpfalz und stimmen

00:18:51.840 --> 00:18:56.880
<v Philipp>uns auch die Prozesse sehr intensiv miteinander ab und haben da auch einen sehr
schönen Erfahrungsaustausch.

00:18:57.360 --> 00:18:58.440
<v Tobias>Okay, super.

00:18:58.440 --> 00:19:00.690
<v Tobias>Also das war jetzt wirklich noch mal ein guter Überblick.

00:19:01.290 --> 00:19:08.370
<v Tobias>Das reicht mir jetzt an der Stelle natürlich noch nicht, weil wir sind jetzt
schon irgendwie so ein bisschen näher an den eigentlichen Wein schon

00:19:08.370 --> 00:19:18.060
<v Tobias>rangegangen. Vielleicht schauen wir uns jetzt noch mal bei dir im Keller um und
dann können wir vielleicht wirklich noch etwas konkreter zu dem Einfluss auf

00:19:18.060 --> 00:19:19.260
<v Tobias>den Wein sprechen.

00:19:19.530 --> 00:19:21.330
<v Philipp>Na klar, sehr gerne. Machen wir.

00:19:21.330 --> 00:19:30.180
<v Tobias>Super. So, jetzt stehen wir hier schon im Keller, Philipp.

00:19:30.180 --> 00:19:34.320
<v Tobias>Aber ich muss jetzt trotzdem noch mal zurückkommen auf den Morstein.

00:19:34.320 --> 00:19:44.220
<v Tobias>Ich war jetzt durch diese große Lage und diese Superlative jetzt echt irgendwie
ein bisschen erinnerungsschwach, Denn eigentlich wollten wir noch über das

00:19:44.220 --> 00:19:45.750
<v Tobias>Thema Klimawandel sprechen.

00:19:46.080 --> 00:19:48.090
<v Tobias>Wie ist da so deine Zukunftsprognose?

00:19:48.600 --> 00:19:51.750
<v Philipp>Wir können, glaube ich, handwerklich noch sehr viel tun im Weinberg.

00:19:51.750 --> 00:20:00.390
<v Philipp>Also wir können über die Frage Höhe der Laubwand, Beschattung der Trauben und
auch der Standortwahl, also wir haben vorhin darüber gesprochen, dass der

00:20:00.390 --> 00:20:02.730
<v Philipp>Morstein bis auf 280 Höhenmeter geht.

00:20:02.760 --> 00:20:06.420
<v Philipp>Früher ist da oben auf der Höhe kein Riesling reif geworden.

00:20:06.450 --> 00:20:10.080
<v Philipp>Heute geht es so langsam los, dass man auch dort seriöse Weine herstellen kann.

00:20:10.200 --> 00:20:14.400
<v Philipp>Noch keine Grand Crus, aber durchaus gute Gutsweine.

00:20:14.400 --> 00:20:21.300
<v Philipp>In heißen Jahren kann das ein wunderbarer Kick im Cuvée sein, dass man eben
auch ein bisschen was hat, was ein bisschen kühler und frischer in der Säure

00:20:21.300 --> 00:20:29.610
<v Philipp>ist. Das heißt, wir haben hier noch durchaus Ausweichmöglichkeiten und
Entwicklungsmöglichkeiten im handwerklichen Sinne, aber eben auch in der

00:20:29.610 --> 00:20:35.370
<v Philipp>Standortwahl. Und ich glaube, das wird uns die nächsten 20, 30 Jahre durchaus
auch helfen.

00:20:35.370 --> 00:20:42.690
<v Philipp>Aber ohne Frage, Klimawandel ist eine Katastrophe und je schneller und je
weiter das voranschreitet, umso eher bekommen natürlich auch wir unsere

00:20:42.690 --> 00:20:46.290
<v Philipp>Probleme. Im Moment sehe ich noch viele Tools, an denen wir arbeiten können.

00:20:46.290 --> 00:20:56.070
<v Philipp>Und am Ende hofft man natürlich auch, dass die Wissenschaft und Technik Dinge
entwickelt, die uns ganz langfristig die Idee eines natürlichen

00:20:56.070 --> 00:20:57.600
<v Philipp>Weinbaus erhalten lässt.

00:20:58.470 --> 00:21:07.890
<v Tobias>Und meinst du, dass sich die Reben ein Stück weit auch an diese neue Situation
anpassen, also dass die selber, in Anführungszeichen, lernfähig sind und mit

00:21:07.890 --> 00:21:11.160
<v Tobias>dieser, mit diesem neuen Klima in unseren Breitengraden sich irgendwie
arrangieren?

00:21:12.330 --> 00:21:15.270
<v Philipp>Na ja, es gibt ja das, was man Evolution nennt.

00:21:15.270 --> 00:21:21.570
<v Philipp>Und die Frage ist nur, wie schnell sich eine Pflanze auf eine neue Situation
einstellen kann.

00:21:21.600 --> 00:21:24.810
<v Philipp>Je schneller die Geschwindigkeit, umso problematischer vermutlich.

00:21:24.840 --> 00:21:25.530
<v Philipp>Wir werden sehen.

00:21:25.620 --> 00:21:27.150
<v Tobias>Ob die hinterherkommt, okay.

00:21:27.480 --> 00:21:30.750
<v Tobias>Ja, jetzt richte ich meinen Blick hier in den Keller.

00:21:31.140 --> 00:21:32.910
<v Tobias>Sieht richtig altehrwürdig aus.

00:21:32.910 --> 00:21:36.330
<v Tobias>Und ich sehe vor allem sehr, sehr große Holzfässer.

00:21:36.570 --> 00:21:42.630
<v Tobias>Also ich habe schon sehr viele 225 Liter fassende Eichenholzbarriques in meinem
Leben gesehen.

00:21:42.840 --> 00:21:46.260
<v Tobias>Aber das sind ja hier sehr große und ich glaube teils auch sehr alte Fässer,
oder?

00:21:46.800 --> 00:21:56.430
<v Philipp>Das ist korrekt und das ist eben hier im Rheintal die traditionelle Art, Wein
auszubauen, eben im Stückfass, im Halbstückfass und im Doppelstückfass.

00:21:56.430 --> 00:22:02.610
<v Philipp>Das sind die gängigen Größen, also 600, 1.200, 2.400 Liter oder aber auch
3.000er-Fässer.

00:22:02.610 --> 00:22:10.380
<v Philipp>Und in einem guten Keller sind solche Fässer durchaus auch in der Lage, mal
älter als 100 Jahre alt zu werden.

00:22:11.130 --> 00:22:16.290
<v Philipp>Es ist natürlich wichtig, dass man eine sehr, sehr intensive und gute Pflege
der Fässer betreibt.

00:22:16.410 --> 00:22:22.530
<v Philipp>Holz ist ein natürlicher Werkstoff und in dem Moment, wo sich Mikroorganismen
einschleichen, ist es rum.

00:22:22.530 --> 00:22:25.050
<v Philipp>Das schmeckt man sofort im Wein und es ist vorbei.

00:22:25.050 --> 00:22:30.240
<v Philipp>Also insofern, auch hier gilt Reinheit und intensive Pflege als oberstes Gebot.

00:22:31.140 --> 00:22:38.040
<v Tobias>Okay, aber jetzt so ein 100 Jahre altes Holzfass, also wirklich aromatischen
Einfluss kann das ja auf den Wein nicht nehmen, oder?

00:22:39.090 --> 00:22:44.460
<v Philipp>Wir wollen ja auch keinen Einfluss vom Holz unmittelbar in den Weinen haben.

00:22:44.610 --> 00:22:54.600
<v Philipp>Wir glauben, dass die Mikrooxidation, die der Wein eben über die feinen Poren
des Holzes hat über den Lagerzeitraum, der wesentliche Einfluss ist für die

00:22:54.600 --> 00:23:04.260
<v Philipp>Weine. Der Wein gewöhnt sich in einem sehr frühen Stadium schon an das Medium
Sauerstoff in sehr dosierter Art und Weise und das hilft sicherlich auch für

00:23:04.260 --> 00:23:06.330
<v Philipp>die Langlebigkeit der Weine.

00:23:06.480 --> 00:23:15.300
<v Philipp>Gleichzeitig ist es so, dass ein Wein, der spontan mit natürlichen Hefen im
Holzfass vergärt, sicherlich weniger von diesen

00:23:15.780 --> 00:23:21.740
<v Philipp>aufregenden primären Fruchtaromen hat, die wir heute im modernen industriellen
Wein finden.

00:23:21.740 --> 00:23:28.890
<v Philipp>Dieses Obstsalat-Aromen-Thema wird es aus dem Holzfass mit natürlicher Gärung so
nicht geben.

00:23:28.890 --> 00:23:31.710
<v Philipp>Und das ist uns aber auch ganz sympathisch, weil darum geht es uns ja auch
nicht.

00:23:33.090 --> 00:23:37.440
<v Tobias>Das war jetzt ein gutes Stichwort, spontane Gärung.

00:23:38.460 --> 00:23:47.670
<v Tobias>Ja, viele Winzer machen das ja einfach durch die Zugabe von Hefe, um das Ganze
auch möglichst kontrolliert zu haben, um auch sicherzustellen, dass der

00:23:47.670 --> 00:23:50.040
<v Tobias>Gärprozess überhaupt anläuft.

00:23:50.400 --> 00:23:54.360
<v Tobias>Ihr entscheidet euch jetzt grundsätzlich für eine, für den spontanen Start des
Gärprozesses?

00:23:55.740 --> 00:23:59.610
<v Philipp>Ja, das ist letztendlich die Tradition im Weinbau.

00:23:59.610 --> 00:24:03.120
<v Philipp>Und am Ende ist es halt so, getreu dem Motto, man kann auch Wein aus Trauben
machen.

00:24:04.440 --> 00:24:06.360
<v Philipp>Es gibt eben traubeneigene Hefen.

00:24:06.360 --> 00:24:13.590
<v Philipp>Wenn ich dann im Weinberg schonend arbeite, dann erhalte ich diese Hefen auch
und bringen sie mit dem Most in den Keller.

00:24:13.590 --> 00:24:19.290
<v Philipp>Und diese Hefen tun das, was sie seit Jahrtausenden können: Sie verwandeln
Zucker in Alkohol.

00:24:19.290 --> 00:24:24.750
<v Philipp>Das ist ein natürlicher Prozess, hochgradig spannend, hochsensibel,
risikoreich, ohne Frage.

00:24:25.350 --> 00:24:33.630
<v Philipp>Aber bei gutem Handling und bei sehr exaktem Arbeiten und vor allem bei
perfekten Lesematerial, Traubenmaterial durchaus eine interessante Variante, um

00:24:33.630 --> 00:24:36.660
<v Philipp>einen sehr herkunftsbetonten Wein zu erzeugen.

00:24:37.290 --> 00:24:41.130
<v Tobias>Okay, also das heißt, herkunftsbetont heißt dann nicht Fruchtsalat.

00:24:41.130 --> 00:24:42.480
<v Tobias>Aber was heißt das dann?

00:24:42.720 --> 00:24:47.130
<v Tobias>Also wie würdest du, ich sage jetzt mal, aromatische Unterschiede beschreiben?

00:24:47.490 --> 00:24:54.990
<v Philipp>Also um auf den Fruchtsalat noch mal einzugehen, ich habe da überhaupt nichts
gegen junge, konsumfreudige Weine, die einfach nach viel schmecken.

00:24:54.990 --> 00:24:57.450
<v Philipp>Alles wunderbar. Darf es alles gerne geben.

00:24:57.450 --> 00:25:00.060
<v Philipp>Wir suchen eben aber nach was etwas anderem.

00:25:00.360 --> 00:25:01.620
<v Philipp>Uns geht es um die Herkunft.

00:25:01.620 --> 00:25:07.560
<v Philipp>Das heißt, ich möchte gerne haben, dass man wirklich nachvollziehen kann, wo
sind diese Trauben gewachsen?

00:25:07.560 --> 00:25:13.290
<v Philipp>Und bei uns hier im südlichen Rheinhessen, im Wonnegau ist es eben so, dass der
Kalksteinboden das wesentliche Element ist.

00:25:13.290 --> 00:25:20.580
<v Philipp>Und ich glaube schon, dass man in unseren Weinen so eine zart-kühle, salzige
Art am Gaumen einfach immer wieder findet.

00:25:20.580 --> 00:25:21.840
<v Philipp>Und das kommt eben vom Boden.

00:25:21.840 --> 00:25:22.890
<v Philipp>Das ist die Bodenprägung.

00:25:22.890 --> 00:25:24.660
<v Philipp>Das Klima ist zu schmecken, ganz klar.

00:25:24.660 --> 00:25:26.130
<v Philipp>Wie reif, wie intensiv ist ein Wein?

00:25:26.130 --> 00:25:27.150
<v Philipp>Welche Säure hat er?

00:25:27.510 --> 00:25:30.300
<v Philipp>Und natürlich ist die Handschrift des Winzers zu finden.

00:25:30.300 --> 00:25:37.290
<v Philipp>Ob er eben im Edelstahl ausbaut, ob er im großen Holzfass ausbaut und was er
mit den Trauben anstellt, bevor er sie gekeltert, bevor es ins Fass kommt.

00:25:37.290 --> 00:25:47.190
<v Philipp>Da gibt es ewig viele Tools und wir versuchen, uns so weit wie möglich
zurückzunehmen, um eben den Weinberg sprechen zu lassen, arbeiten

00:25:47.190 --> 00:25:55.050
<v Philipp>aber halt megaexakt und genau und detailliert, um das große Ziel der
Eigenständigkeit der Weine zu erreichen.

00:25:56.010 --> 00:26:05.370
<v Tobias>Okay, und hier im Weinkeller, jetzt noch mal in Bezug auf wirklich biodynamische
Praktiken, musst du hier auch irgendwelche Ursuppen anmischen,

00:26:05.370 --> 00:26:09.510
<v Tobias>oder was sind jetzt hier so biodynamische Tätigkeiten, die ausgeführt werden?

00:26:09.570 --> 00:26:12.900
<v Philipp>Also hier passiert es eher mal, dass die Stereoanlage laut aufgedreht ist.

00:26:13.290 --> 00:26:22.890
<v Philipp>Nein, es ist am Ende so, was wir hier machen, ist ganz traditioneller Weinbau,
der sich orientiert an der

00:26:22.890 --> 00:26:24.990
<v Philipp>Idee: Wo kommen die Trauben her?

00:26:25.020 --> 00:26:26.760
<v Philipp>Jeder Weinberg wird separat ausgebaut.

00:26:26.760 --> 00:26:33.360
<v Philipp>Es entsteht erst mal ein Riesenpuzzle im Keller im Herbst, weil einfach jede
Parzelle, jede Einzelselektion, es wird bei uns logischerweise auch alles von

00:26:33.360 --> 00:26:36.840
<v Philipp>Hand geerntet, wird alles erst mal getrennt.

00:26:36.840 --> 00:26:43.770
<v Philipp>Und dieses Riesenpuzzle ist megaspannend, weil ich später am Fass wieder
Rückschlüsse auf den Weinberg ziehen kann.

00:26:43.890 --> 00:26:46.110
<v Philipp>Das ist also letztendlich, das gehört zusammen.

00:26:46.110 --> 00:26:49.800
<v Philipp>Also es ist nicht Weinberg und Keller, 2 getrennte Themen.

00:26:49.800 --> 00:26:56.550
<v Philipp>Das ist ein Thema und wir versuchen es eben auch dadurch zusammenzubringen,
dass wir eben diesen Rückschluss bis kurz vor der Abfüllung, wenn dann eben eine

00:26:56.550 --> 00:26:59.310
<v Philipp>Cuvée gemacht wird, einfach pro Fläche auch haben.

00:26:59.610 --> 00:27:07.230
<v Philipp>Ja, ich sage mal, es ist natürlich so, dass im Biobereich gewisse
Grundvoraussetzungen geschaffen werden müssen, dass man auf Schönungsmittel und

00:27:07.230 --> 00:27:10.800
<v Philipp>technische Details im Einsatz in der Kellerwirtschaft verzichtet.

00:27:10.800 --> 00:27:15.720
<v Philipp>Hier wird nicht gezaubert, hier wird einfach was entstehen lassen und sehr,
sehr intensiv begleitet.

00:27:16.470 --> 00:27:22.260
<v Tobias>Und Stichwort, das hatten wir ja eben auch schon bei dem Winzerkollegen,
Stichwort Schwefel.

00:27:22.290 --> 00:27:24.990
<v Tobias>Ist ja auch so ein Buzzword.

00:27:25.200 --> 00:27:33.180
<v Tobias>Die Leute vermuten dahinter irgendwas fürchterlich Schreckliches und
Kopfschmerzen können ja nur daher rühren und nicht davon, dass man irgendwie zu

00:27:33.180 --> 00:27:34.200
<v Tobias>viel Wein getrunken hat.

00:27:34.680 --> 00:27:40.920
<v Tobias>Gibt es da denn auch strengere Regelungen, wenn man biodynamisch ist als nur
Bio, in Anführungszeichen?

00:27:41.550 --> 00:27:45.960
<v Philipp>Also es gibt natürlich die niedrigeren Grenzwerte der Schwefelwerte.

00:27:46.710 --> 00:27:50.790
<v Philipp>Ansonsten ist mir jetzt nicht bekannt, dass zwischen biodyn und Bio da noch ein
Unterschied existiert.

00:27:50.790 --> 00:27:56.970
<v Philipp>Ich sage mal so, Schwefel ist ein Naturstoff, der letztendlich zur
Konservierung eingesetzt wird.

00:27:56.970 --> 00:28:04.050
<v Philipp>Und die Mengen, die wir verwenden, die sind niedriger als in einem normalen
Kohl von Natur aus eben enthalten sind.

00:28:04.050 --> 00:28:13.890
<v Philipp>Und insofern ist das ein Thema, was für uns keine Relevanz hat in dem Sinne,
dass es ein Negativum ist, sondern es ist für uns einfach ein

00:28:13.890 --> 00:28:19.680
<v Philipp>klassisches Arbeiten, um Weine zu erzeugen, die auch haltbar sind, die lang
haltbar sind.

00:28:20.010 --> 00:28:22.830
<v Philipp>Ich verwende überhaupt keinen Schwefel vor der Gärung.

00:28:22.830 --> 00:28:30.090
<v Philipp>Da ist es heute so, das ist auch so ein bisschen ein modernes Tool, dass man
schon im Most schwefelt, um mehr Frucht und aber auch eventuell ein bisschen

00:28:30.090 --> 00:28:32.520
<v Philipp>schöne Hefige Reduktionsnoten zu erhalten.

00:28:32.520 --> 00:28:33.690
<v Philipp>Das ist nicht mein Thema.

00:28:33.690 --> 00:28:41.790
<v Philipp>Ich möchte das eigentlich nicht. Wir versuchen exakt und penibel zu arbeiten
mit perfekten Trauben, dann brauche ich auch zu diesem Zeitpunkt nicht die Hilfe

00:28:41.790 --> 00:28:49.010
<v Philipp>einer Konservierung oder eines Antioxidantiums oder eine Reduktion und
dementsprechend keinen Einsatz von Schwefel vor der Gärung.

00:28:49.010 --> 00:28:57.840
<v Philipp>Und nach der Gärung ganz zart, minimal, um einfach zu stabilisieren und dann bei
der Abfüllung noch mal das exakte Einstellen auf einen Wert, der so niedrig wie

00:28:57.840 --> 00:29:01.050
<v Philipp>möglich ist, aber eben bedingt, dass die Weine auch lang haltbar sind.

00:29:01.320 --> 00:29:07.680
<v Tobias>Okay, nur kurz noch deine Meinung zum ganzen Thema Naturwein, Orange Wine.

00:29:07.680 --> 00:29:09.750
<v Tobias>Also jetzt tatsächlich so diesem Trend.

00:29:09.750 --> 00:29:15.660
<v Tobias>Auf solche Dinge wie Schwefel wirklich bewusst komplett zu verzichten, findest
du sowas auch spannend?

00:29:15.840 --> 00:29:17.190
<v Philipp>Ich finde es hochgradig spannend.

00:29:17.190 --> 00:29:18.480
<v Philipp>Das ist wie immer.

00:29:18.480 --> 00:29:20.490
<v Philipp>Es muss irgendwann auch was Neues geben.

00:29:20.490 --> 00:29:23.340
<v Philipp>Es braucht immer wieder auch Pode, Antipode.

00:29:23.340 --> 00:29:27.670
<v Philipp>Und letztendlich ist es schön, dass es den Naturwein in seiner Ausformung im
Moment gibt.

00:29:27.670 --> 00:29:35.410
<v Philipp>Ich halte es für eine wichtige Entwicklung, denn am Ende hilft das, die Sinne
zu schärfen für das, was man tut.

00:29:35.410 --> 00:29:41.530
<v Philipp>Und es gibt im Naturweinbereich natürlich auch diese Grunddiskussion: Was ist
denn jetzt überhaupt Naturwein?

00:29:41.680 --> 00:29:44.320
<v Philipp>Ist Naturwein ein Wein, der keinen Schwefel hat?

00:29:44.320 --> 00:29:47.680
<v Philipp>Ist Naturwein ein Wein, der auf der Maische vergärt, aus den Schalen vergärt?

00:29:47.680 --> 00:29:55.660
<v Philipp>Oder ist Naturwein eher einer, der eben ganz andere Prozesse im Weinberg
durchlaufen hat und da eben seine Natürlichkeit her hat und eher traditionell in

00:29:55.660 --> 00:29:57.940
<v Philipp>seiner Machart ist? Kann man lange darüber diskutieren.

00:29:57.940 --> 00:30:03.160
<v Philipp>Ich selbst mache auch so ein Natural-Wein, einfach um zu lernen, um immer neu
zu verstehen.

00:30:03.280 --> 00:30:05.410
<v Philipp>Ich finde die Ansätze teilweise genial.

00:30:05.770 --> 00:30:08.920
<v Philipp>Es gibt auch Weine, die ich sehr, sehr schätze, die komplett ohne Schwefel
auskommen.

00:30:09.520 --> 00:30:13.660
<v Philipp>Es gibt aber auch jede Menge Beispiele, die ich eher schrecklich finde.

00:30:13.960 --> 00:30:23.560
<v Philipp>Und was ich halt nicht mag in der Diskussion, wenn, was man so teilweise
erlebt, dass konventionelle Winzer Trauben mit der Maschine

00:30:23.560 --> 00:30:27.370
<v Philipp>ernten, dann auf den Schalen vergären und nicht Schwefel und sagen, jetzt habe
ich einen Orange Wine.

00:30:27.370 --> 00:30:30.280
<v Philipp>Dann sage ich: Herzlichen Glückwunsch, also das ist dann halt dann doch am
Thema vorbei.

00:30:30.340 --> 00:30:32.470
<v Philipp>Und dann kommt noch ein buntes Etikett drauf und das war's dann.

00:30:32.470 --> 00:30:37.600
<v Philipp>Also die Weinwelt ist bunt, soll bunt bleiben, aber ich finde, seriös sollte es
halt auch sein.

00:30:38.230 --> 00:30:41.920
<v Tobias>Super, Das hört sich nach einem sehr guten Schlusswort hier im Keller an!

00:30:42.220 --> 00:30:48.010
<v Tobias>Ich weiß jetzt nicht, ob es dein Zeitplan noch zulässt, aber man sagt ja so
schön, die Wahrheit liegt im Glas.

00:30:48.220 --> 00:30:51.340
<v Tobias>Also noch ein Schluck gemeinsam zu probieren, wäre klasse.

00:30:51.840 --> 00:30:53.000
<v Philipp>Das bekommen wir hin.

00:30:53.000 --> 00:30:59.190
<v Tobias>Super. So geht das.

00:30:59.190 --> 00:31:01.590
<v Tobias>Wunder der Technik in einem Podcast.

00:31:01.590 --> 00:31:05.580
<v Tobias>Schon sitze ich vor einem mit Wein gefülltem Glas.

00:31:05.670 --> 00:31:07.830
<v Tobias>Philipp, sag mal, was hast du uns hier eingeschenkt?

00:31:08.310 --> 00:31:15.360
<v Philipp>Das ist unser Kalkstein Riesling, blutjung, Jahrgang 2020, aber eigentlich auch
schon in dem 1.

00:31:15.360 --> 00:31:19.560
<v Philipp>Jahr, weil dann doch auch hier die Rieslingfrucht durchaus strahlt.

00:31:20.010 --> 00:31:27.630
<v Philipp>Und ja, so ein richtig fast kreidiges, salziges Finish in dem Wein zu finden,
ist, was eben von den Westhofener Weinbergsböden geprägt ist.

00:31:27.630 --> 00:31:32.250
<v Philipp>Und ein, glaube ich, sehr hochwertiger Riesling, der auch in der Jugend schon
Spaß macht.

00:31:33.450 --> 00:31:41.520
<v Tobias>Würdest du den Wein jetzt als so eine Art Visitenkarte des Weinguts beschreiben
oder was gefällt dir besonders an dem?

00:31:41.790 --> 00:31:49.320
<v Philipp>Ja klar, also ich habe jetzt den Kalkstein Riesling zur Verkostung ausgewählt,
weil er eben tatsächlich das Herkunftsthema schon so intensiv spielt.

00:31:49.620 --> 00:31:54.840
<v Philipp>Und auch typisch Wittmann-Handschrift eher kühl, eher finessenreich.

00:31:55.560 --> 00:32:03.600
<v Philipp>Keine Weine, die jetzt wahnsinnig laut und aufregend sind, sondern eher
zunächst mal ruhig und sehr klar daherkommen.

00:32:03.600 --> 00:32:05.970
<v Philipp>Und das passt irgendwie oder gehört auch so ein bisschen zu uns.

00:32:05.970 --> 00:32:12.390
<v Philipp>Und ja, am Ende spricht dann auch hier der Weinberg, nämlich das Salzige, das
Kreidige am Gaumen.

00:32:12.750 --> 00:32:14.370
<v Philipp>Das ist das, was die Herkunft ausmacht.

00:32:14.370 --> 00:32:16.920
<v Philipp>Und das erfreut mich am meisten, auch wenn ich Wein trinke.

00:32:17.160 --> 00:32:24.570
<v Philipp>Danach suche ich und deshalb ist mir das auch immer wichtig, dass die Weine
möglichst trocken sind, weil hier mehr Restsüße im Wein ist, umso weniger sind

00:32:24.570 --> 00:32:27.120
<v Philipp>diese Nuancen dann auch wahrzunehmen.

00:32:27.900 --> 00:32:37.290
<v Tobias>Also kreidig und, ich sage mal, wirklich vollständig trocken hört sich jetzt
erst mal, finde ich, ja, eigentlich etwas weniger

00:32:37.290 --> 00:32:39.840
<v Tobias>zugänglich an, als der Wein sich dann präsentiert.

00:32:39.840 --> 00:32:43.470
<v Tobias>Also ich finde, der trinkt sich ja wunderbar, hat auch eine schöne Frucht.

00:32:43.920 --> 00:32:44.850
<v Tobias>Klasse.

00:32:44.850 --> 00:32:53.340
<v Philipp>Ja, und das ist genau das Schöne am Kalkstein Riesling, an einem Wein, der
letztendlich auch tatsächlich mit einer reifen Traubenfrucht daherkommt.

00:32:53.340 --> 00:32:54.840
<v Philipp>Und diese Kombination macht es dann aus.

00:32:54.900 --> 00:32:58.380
<v Philipp>Der Wein ist nicht karg und tut weh am Gaumen, sondern der Wein ist auch
charmant.

00:32:58.920 --> 00:33:05.460
<v Philipp>Der Wein hat tatsächlich auch eine unheimlich angenehme, mundfüllende Mitte und
hat was Saftiges und was Animierendes.

00:33:05.460 --> 00:33:07.830
<v Philipp>Und das kann halt der Riesling.

00:33:07.830 --> 00:33:09.400
<v Philipp>Riesling ist einfach eine coole Rebsorte.

00:33:09.400 --> 00:33:11.400
<v Philipp>Das muss ja auch mal gesagt werden.

00:33:11.400 --> 00:33:15.270
<v Tobias>Ich wollte es gerade sagen, das muss ja auch mal gesagt werden, wenn wir schon
mal hier sind.

00:33:15.960 --> 00:33:17.100
<v Tobias>Ja, super, klasse.

00:33:17.100 --> 00:33:21.210
<v Tobias>Und das ist jetzt, ja, ist ja einfach, in Anführungszeichen, nur ein guter
Wein.

00:33:22.380 --> 00:33:26.910
<v Tobias>Das heißt, wenn wir über Preis-Genuss-Verhältnis sprechen, sind wir ja richtig
gut dabei.

00:33:27.090 --> 00:33:27.960
<v Philipp>So würde ich das auch sehen.

00:33:28.200 --> 00:33:36.840
<v Tobias>Ja, ich kann nur sagen: Danke, Philipp, danke für deine Zeit, für deine wirklich
anschaulichen Erläuterungen sowohl im Weinberg als auch im Keller zum Thema

00:33:37.140 --> 00:33:38.910
<v Tobias>biodynamischer Weinbau.

00:33:39.480 --> 00:33:43.080
<v Tobias>Herzlichen Dank. Und ja bis bald.

00:33:43.080 --> 00:33:43.980
<v Philipp>Danke. Mir hat's Spaß gemacht. Ciao!

00:33:44.220 --> 00:33:45.120
<v Tobias>Super. Ciao.

00:33:49.420 --> 00:33:50.590
<v Michael>Hallo Tobias.

00:33:50.590 --> 00:33:51.820
<v Michael>Und, gut zu Hause angekommen?

00:33:51.820 --> 00:33:52.600
<v Tobias>Jo, bestens.

00:33:52.750 --> 00:33:54.370
<v Michael>Mensch, das war ja echt eine Nummer.

00:33:54.760 --> 00:33:56.250
<v Michael>Ich fand das ja total interessant.

00:33:56.250 --> 00:33:57.040
<v Tobias>Tja, allerdings.

00:33:57.040 --> 00:33:59.740
<v Michael>Ich habe zwar immer nur das blöde Mikrophon hinterherschleppen dürfen.

00:34:00.730 --> 00:34:04.690
<v Michael>Aber Philipp Wittmann hat mich echt beeindruckt.

00:34:04.690 --> 00:34:10.000
<v Michael>Also total überlegt, souverän, lässig dabei, weitsichtig.

00:34:10.000 --> 00:34:14.860
<v Michael>Die Weine, darüber kann man wirklich nicht streiten, meiner Meinung nach.

00:34:15.370 --> 00:34:18.130
<v Michael>Tolle Erfahrung, wirklich toll, dass das geklappt hat.

00:34:18.610 --> 00:34:21.010
<v Tobias>Ja, absolut. Da bin ich total bei dir.

00:34:21.010 --> 00:34:25.060
<v Tobias>Und ja, du hast dich so als Tonmann jetzt wirklich profilieren können.

00:34:25.060 --> 00:34:28.000
<v Tobias>Also Mikrofonkabel irgendwie tragen.

00:34:28.000 --> 00:34:29.800
<v Tobias>Das ist ja voll dein Ding.

00:34:30.880 --> 00:34:33.400
<v Tobias>Da hast du, glaube ich, noch eine echt große Zukunft.

00:34:33.430 --> 00:34:39.130
<v Tobias>Nein, aber im Ernst, das hat wirklich ungeheuer Spaß gemacht, direkt mit
Winzern zu sprechen.

00:34:39.130 --> 00:34:48.850
<v Tobias>Und man muss ja auch zugeben, bei Hothum war ich ja dein Kabelträger und da
durch die Weinberge zu laufen, jetzt schon mal so erste Fassproben auch ins

00:34:48.850 --> 00:34:49.900
<v Tobias>Glas zu bekommen.

00:34:50.410 --> 00:34:53.440
<v Tobias>Da merkt man erstmal, was man so die ganze Zeit vermisst hat.

00:34:53.680 --> 00:34:58.930
<v Tobias>Und man merkt halt eben auch, nur mit dir telefonieren macht irgendwie auch
nicht glücklich.

00:34:58.960 --> 00:35:01.750
<v Michael>Okay, angekommen mit dem Kabel und dem Glücklich.

00:35:01.750 --> 00:35:11.110
<v Michael>Aber apropos glücklich: Falls einer unserer Zuhörerinnen oder Zuhörer noch
nicht ganz glücklich ist mit dem, was wir hier im Podcast besprechen, gar kein

00:35:11.110 --> 00:35:20.590
<v Michael>Problem. Bitte meldet euch, schickt uns eine Mail an podcast@weinfreunde.de und
ihr kommt mit auf die Liste.

00:35:20.830 --> 00:35:30.670
<v Michael>Denn ihr wisst ja, kleiner Tipp am Rande, wenn ihr euer Thema ganz hoch
einranken wollt, beginnt das Mail bitte mit „Lieber Michael", das

00:35:30.670 --> 00:35:32.020
<v Michael>behandle ich bevorzugt.

00:35:32.350 --> 00:35:39.390
<v Michael>Also in diesem Sinne freue ich mich, wenn es beim nächsten Mal wieder heißt:
Bei Anruf.

00:35:39.390 --> 00:35:40.390
<v Tobias>Wein.