WEBVTT

00:00:02.310 --> 00:00:07.500
<v Michael>Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.420 --> 00:00:12.780
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.

00:00:12.810 --> 00:00:18.240
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein. Blanc de Noirs – das klingt erst mal nach
Widerspruch.

00:00:18.390 --> 00:00:23.310
<v Tobias>Ein weißer Wein aus dunklen Trauben? Und doch ist genau das möglich.

00:00:23.310 --> 00:00:28.080
<v Tobias>Was in der Champagne längst Tradition hat,
findet sich mittlerweile auch immer häufiger bei Stillwein.

00:00:28.380 --> 00:00:33.180
<v Tobias>Vor allem in Deutschland, wo Spätburgunder als Blanc de Noirs eine ganz neue
Facette zeigt.

00:00:33.660 --> 00:00:37.770
<v Tobias>Michael und ich sprechen in dieser Folge über Herkunft und Technik,
über Sensorik,

00:00:37.770 --> 00:00:43.890
<v Tobias>Gesetzgebung und nicht zuletzt darüber,
warum Blanc de Noirs mehr ist als nur ein Zwischending von Rotwein und Rosé.

00:00:44.490 --> 00:00:50.550
<v Tobias>Und „mehr" ist ein gutes Stichwort. Mehr Bewertungen auf den Podcast-Plattformen
und mehr Stimmen bei unserer Umfrage,

00:00:50.550 --> 00:00:53.790
<v Tobias>die ihr in den Shownotes findet, würden uns riesig freuen.

00:00:54.030 --> 00:00:58.470
<v Tobias>Danke! Also bleibt mal dran. Ich ruf den mal an!

00:01:03.140 --> 00:01:05.630
<v Michael>Einen wunderschönen guten Tag, Tobias.

00:01:06.260 --> 00:01:06.560
<v Tobias>Ja, grüße dich.

00:01:06.260 --> 00:01:12.770
<v Michael>Weiter geht es mit unserem Podcast. Doch bevor wir jetzt in die heutige
Farbenlehre direkt einsteigen,

00:01:13.160 --> 00:01:16.880
<v Michael>muss ich dir doch an dieser Stelle auch noch einmal gratulieren.

00:01:17.090 --> 00:01:17.420
<v Tobias>Oh, vielen Dank!

00:01:17.870 --> 00:01:21.110
<v Michael>Also eigentlich wollte ich jetzt sogar ein kleines Ständchen improvisieren...

00:01:21.110 --> 00:01:21.440
<v Tobias>Uiuiui!

00:01:21.110 --> 00:01:24.770
<v Michael>...aber na ja, du stehst ja nicht so auf meine Gesangseinlagen.

00:01:24.770 --> 00:01:34.190
<v Michael>Aber deshalb jetzt ganz locker und von Herzen:
Herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreich bestandenen Prüfung zum WSET Certified

00:01:34.220 --> 00:01:35.180
<v Michael>Educator!

00:01:35.210 --> 00:01:35.630
<v Tobias>Ja, danke schön.

00:01:35.870 --> 00:01:38.630
<v Michael>Der Titel alleine ist ja schon ein Statement.

00:01:38.660 --> 00:01:42.770
<v Michael>Erkläre doch mal den Zuhörerinnen und Zuhörern,
was sich dahinter verbirgt.

00:01:42.920 --> 00:01:46.820
<v Tobias>Ja, also ich muss jetzt direkt mal zweimal Danke sagen.

00:01:47.300 --> 00:01:49.550
<v Tobias>Zum einen natürlich für deinen Glückwunsch.

00:01:49.550 --> 00:01:54.890
<v Tobias>Vielen Dank. Zum anderen aber auch Danke dafür,
dass du dir das Ständchen verkniffen hast.

00:01:54.890 --> 00:01:59.940
<v Tobias>Sehr rücksichtsvoll und zum von dir so hochgehaltenen Titel.

00:02:00.090 --> 00:02:04.470
<v Tobias>Also WSET steht für „Wine and Spirit Education Trust.

00:02:04.500 --> 00:02:10.020
<v Tobias>Das ist der sicherlich renommierteste, aber auch international größte Anbieter
von Aus-

00:02:10.020 --> 00:02:14.670
<v Tobias>und Fortbildungen in Sachen Weinwissen. Ich glaube,
die sind in 70 Ländern unterwegs.

00:02:14.790 --> 00:02:19.560
<v Tobias>Und einige kennen bestimmt diese vier WSET-Level,
die es gibt.

00:02:20.220 --> 00:02:22.950
<v Tobias>In die gliedert sich sozusagen die Ausbildung.

00:02:22.950 --> 00:02:31.350
<v Tobias>Da bin ich bei Level 3 angelangt und nun habe ich mich also zum Lehrer,
zum Educator ausbilden lassen und habe damit die Berechtigung,

00:02:31.350 --> 00:02:36.600
<v Tobias>Weinfreunden das Wissen von Level 1 und Level 2 beibringen zu dürfen.

00:02:36.900 --> 00:02:42.630
<v Tobias>Das war schon ein ziemlicher Ritt, diese Ausbildung,
aber eine wirklich tolle Erfahrung.

00:02:42.630 --> 00:02:48.690
<v Tobias>Und ja, die Bezeichnung, die ich jetzt eben tragen darf,
ist WSET Certified Educator.

00:02:48.810 --> 00:02:53.520
<v Tobias>Ja, und was ich damit in Zukunft so vorhabe,
das müssen wir jetzt nicht erklären.

00:02:53.520 --> 00:02:59.690
<v Tobias>Wenn der ein oder andere Interesse daran hat,
dann kann aber auf weinlakai.de/akademie schauen.

00:02:59.990 --> 00:03:02.180
<v Tobias>Da bekommt man ein paar mehr Infos.

00:03:02.420 --> 00:03:09.920
<v Michael>Na ja, also ich glaube, wir hoffen alle,
dass etwas von deinem weinpädagogischen Eifer auch auf Bei Anruf Wein abstrahlt.

00:03:09.920 --> 00:03:13.850
<v Michael>Also ich meine, in Erklären von Wein üben wir uns schon länger.

00:03:14.000 --> 00:03:18.290
<v Michael>Das ist hier heute übrigens die 113. Folge des Podcasts.

00:03:18.620 --> 00:03:23.390
<v Michael>Aber wenn jetzt auch noch höhere Weihen dazukommen,
umso besser.

00:03:23.780 --> 00:03:32.900
<v Michael>Vielleicht kannst du ja sogar deinen zukünftigen Auszubildenden unseren Podcast
zum kurzweiligen Vertiefen und Wiederholen des Lernstoff empfehlen.

00:03:33.680 --> 00:03:35.750
<v Tobias>Na ja, ein bisschen muss ich dich jetzt bremsen.

00:03:35.930 --> 00:03:40.430
<v Tobias>Wir fangen jetzt nicht nach jeder Folge mit Hausaufgaben oder gar einer Prüfung
an.

00:03:40.430 --> 00:03:43.940
<v Tobias>Ja, das bleibt hier weiterhin genauso locker wie gewohnt.

00:03:44.510 --> 00:03:51.860
<v Tobias>Ja, aber du kannst es dir denken. Unsere Podcast-Plaudereien haben mir
tatsächlich bei der eigenen Ausbildung geholfen.

00:03:52.040 --> 00:03:57.370
<v Tobias>Geht dir sicherlich auch so. Wie gesagt,
ein wenig sind wir im Wein-Erklären ja jetzt schon geübt,

00:03:57.370 --> 00:04:01.180
<v Tobias>nach so vielen Folgen, nach den Jahren,
die wir das jetzt schon machen.

00:04:01.450 --> 00:04:06.910
<v Tobias>Aber jetzt mal genug davon, denn wir haben heute noch ein richtiges Thema,
sozusagen.

00:04:06.910 --> 00:04:11.230
<v Tobias>Blanc de Noirs steht auf dem Stundenplan,
um jetzt noch mal dabei zu bleiben.

00:04:11.740 --> 00:04:14.050
<v Tobias>Aber Michael, mach du jetzt mal den Einstieg,
ja?

00:04:14.350 --> 00:04:17.260
<v Michael>Muss ich mich jetzt eigentlich bei dir immer mit Fingerschnipsen melden,
Herr Educator?

00:04:17.860 --> 00:04:20.830
<v Tobias>Finde ich gar nicht so schlecht. Aber mach jetzt einfach mal!

00:04:21.670 --> 00:04:28.240
<v Michael>Ja, ja, also egal. Also Blanc de Noirs,
wie unschwer zu hören, ja, ist es ein französischsprachiger Begriff,

00:04:28.240 --> 00:04:33.100
<v Michael>der übersetzt so viel heißt wie „Weißer aus Dunklen" oder „aus Schwarzen".

00:04:33.100 --> 00:04:37.540
<v Michael>Und gemeint ist damit weißer Wein aus dunklen Trauben.

00:04:37.540 --> 00:04:42.160
<v Michael>Und ja, da darf man sich jetzt erst mal ganz erstaunt fragen:
hä?

00:04:42.490 --> 00:04:45.940
<v Michael>Ja, denn das klingt ja zunächst mal vollkommen unlogisch.

00:04:45.940 --> 00:04:54.140
<v Michael>Aber wenn man weiß, dass fast alle roten Rebsorten helles Fruchtfleisch haben
und die Farbe nur in den Schalen sitzt,

00:04:54.140 --> 00:05:01.700
<v Michael>dann macht das wieder Sinn. Also man muss den Blanc de Noirs trotz der roten
Trauben dann einfach wie einen Weißwein herstellen.

00:05:01.700 --> 00:05:04.640
<v Michael>Also einfach direkt die Trauben pressen.

00:05:05.060 --> 00:05:08.720
<v Michael>Im Prinzip geht das mit allen dunkelschaligen Rebsorten.

00:05:08.720 --> 00:05:14.240
<v Michael>Ausgenommen sind nur die sogenannten Färbertrauben oder noch mal auf Französisch
Teinturier.

00:05:14.510 --> 00:05:20.060
<v Michael>Die haben nämlich nicht nur eine dunkle Haut,
sondern besitzen auch dunkles Fruchtfleisch,

00:05:20.060 --> 00:05:24.890
<v Michael>sodass schon beim sanftesten Pressen Farbstoffe in den Most gelangen.

00:05:24.890 --> 00:05:30.590
<v Michael>Und da kann dann gar kein Weißwein, oder sprich Blanc de Noirs mehr bei
rauskommen.

00:05:30.770 --> 00:05:34.460
<v Michael>Aber das sind nur ganz wenige Sorten, die namentlich kaum jemand kennt.

00:05:34.460 --> 00:05:38.630
<v Michael>Ich sage nur Alicante Bouschet oder Cinsault.

00:05:39.020 --> 00:05:45.170
<v Tobias>Ja, ja, und ich kenne die natürlich. Aber ich bin jetzt natürlich auch Certified
Educator.

00:05:45.680 --> 00:05:46.460
<v Michael>Ja, ja, ja.

00:05:46.850 --> 00:05:51.260
<v Tobias>Aber genau, das mit den Farbstoffen in der Schale der Beeren,
das ist eben der entscheidende Punkt.

00:05:51.280 --> 00:05:58.900
<v Tobias>Das muss man sich merken. Und deswegen ist es dann auch noch mal einfacher,
einen Weißwein aus roten Rebsorten herzustellen,

00:05:58.900 --> 00:06:02.860
<v Tobias>wenn man welche nimmt, die eine eher dünne Haut aufweisen.

00:06:03.040 --> 00:06:05.680
<v Tobias>Also ich nehme jetzt mal den Spätburgunder bzw.

00:06:05.680 --> 00:06:11.680
<v Tobias>Pinot Noir als Beispiel, denn der ist quasi so eine Art Natural Born Blanc de
Noirs,

00:06:12.910 --> 00:06:19.930
<v Tobias>denn der ist eben so dünnschalig, dass da,
ja selbst, wenn man jetzt sich ein bisschen zu lange Zeit beim pressen lässt,

00:06:20.500 --> 00:06:26.620
<v Tobias>sehr wenig Risiko besteht. Bei so Reben wie Mourvèdre,
also Monastrell heißt der ja in Spanien,

00:06:26.620 --> 00:06:32.590
<v Tobias>oder einem spanischen Tempranillo mit ihren dicken Schalen,
oder ich glaube, Cabernet Sauvignon hat ja auch recht dicke Schalen,

00:06:32.590 --> 00:06:35.440
<v Tobias>da muss man dann schon ordentlich flott sein.

00:06:35.860 --> 00:06:38.740
<v Tobias>Aber das habe ich jetzt auch so noch nicht gefunden.

00:06:38.860 --> 00:06:45.040
<v Tobias>Also einen Tempranillo Blanc de Noirs. Cabernet Sauvignon,
glaube ich, habe ich tatsächlich schon mal einen gefunden.

00:06:45.490 --> 00:06:50.480
<v Tobias>Aber wenn man sich jetzt noch mal auf Deutschland bezieht,
dann ist das eigentlich fast immer Spätburgunder.

00:06:50.780 --> 00:06:57.410
<v Tobias>Und der wird dann eben weiß gekeltert. Ja,
so wird diese Vinifizierung bei uns dann auch manchmal genannt,

00:06:57.410 --> 00:07:01.850
<v Tobias>also ganz schlicht und ergreifend beschrieben,
was dieser Prozess ist.

00:07:01.970 --> 00:07:08.870
<v Michael>Okay. Ja, bei Pinot Noir fällt mir jetzt direkt natürlich noch der Pinot Meunier
aus der Champagne ein,

00:07:09.050 --> 00:07:13.910
<v Michael>also ebenfalls eine rote Rebsorte, übrigens mit dem Pinot Noir verwandt.

00:07:13.910 --> 00:07:17.180
<v Michael>Also genauer, ich glaube, es ist eine natürliche Mutation des Pinot Noir.

00:07:17.300 --> 00:07:17.750
<v Tobias>Ja, wie so viele.

00:07:17.990 --> 00:07:25.250
<v Michael>Denn soweit ich das auf dem Schirm habe,
verdanken wir die Idee mit dem Blanc de Noirs dem Champagner.

00:07:25.790 --> 00:07:30.020
<v Michael>Daher vielleicht ein schneller Grundkurs in Sachen Champagnerherstellung an
dieser Stelle.

00:07:30.320 --> 00:07:38.060
<v Michael>Die meisten Champagner sind Cuvées aus weißem Chardonnay und rotem Pinot Noir
und Pinot Meunier,

00:07:38.240 --> 00:07:41.720
<v Michael>beide jedoch weiß geklettert, also Blanc de Noirs.

00:07:41.900 --> 00:07:47.420
<v Michael>Um nun eine Abweichung von dieser Norm direkt zu kennzeichnen,
heißt Champagner,

00:07:47.420 --> 00:07:52.810
<v Michael>der ausschließlich aus roten Rebsorten gewonnen wird,
aber weiß geklettert ist,

00:07:52.840 --> 00:07:59.710
<v Michael>eben Blanc de Noirs. Also ich weiß gar nicht genau,
wie sehr das früher auch schon bei Stillweinen praktiziert wurde.

00:07:59.710 --> 00:08:06.520
<v Michael>Also in meiner Wahrnehmung hat das aber gerade erst in Deutschland in den
vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

00:08:06.520 --> 00:08:13.510
<v Michael>Und ein paar dieser deutschen Blanc de Noirs,
gerade aus Spätburgunder, findet ihr auch in unserem Shop.

00:08:13.720 --> 00:08:14.890
<v Michael>Nur mal so am Rande.

00:08:15.010 --> 00:08:23.020
<v Tobias>Ja, das hoffe ich doch, denn diesen Weinstil muss man unbedingt mal probieren,
zumal er sich auch ganz toll als Essensbegleiter macht.

00:08:23.050 --> 00:08:29.200
<v Tobias>Dazu vielleicht gleich noch mal was. Und auch gut,
dass du eben mit deinem Beispiel von Pinot Noir und Meunier gesagt hast,

00:08:29.200 --> 00:08:34.420
<v Tobias>dass ein Blanc de Noirs auch aus mehreren roten Rebsorten bestehen kann.

00:08:35.170 --> 00:08:38.080
<v Tobias>Warum auch nicht? Aber das kann man ja einfach noch mal dazu sagen.

00:08:38.080 --> 00:08:42.550
<v Tobias>Das heißt also nicht, dass Blanc de Noirs immer nur aus einer roten Rebsorte
gemacht wird.

00:08:43.300 --> 00:08:49.050
<v Tobias>Beim Stichwort Champagner und der von dir erwähnten Differenzierung von der Norm
sozusagen,

00:08:49.920 --> 00:08:52.890
<v Tobias>erlaube mir dann jetzt bitte auch noch einen Satz zum Blanc de Blancs.

00:08:53.190 --> 00:08:57.090
<v Tobias>Da reicht es nicht, eine ganze Folge darüber zu machen,
was die Infos angeht.

00:08:57.600 --> 00:09:04.920
<v Tobias>Also Blanc de Blancs, dem weißen Wein aus weißen,
hellen Trauben, klingt ja erstmal ein bisschen merkwürdig,

00:09:04.920 --> 00:09:07.950
<v Tobias>aber diesen Begriff findet man auch auf Champagnerflaschen.

00:09:08.010 --> 00:09:15.300
<v Tobias>Ja, und hättest du jetzt gerade nicht erklärt,
dass in den meisten Champagnern eben auch rote Rebsorten zum Einsatz kommen,

00:09:15.300 --> 00:09:20.760
<v Tobias>dann würde man ja denken, das ist ja eine Selbstverständlichkeit,
dass der Champagner nur aus weißen Rebsorten gemacht wird.

00:09:20.910 --> 00:09:26.040
<v Tobias>Aber es ist halt eben tatsächlich bei Champagner sogar auch eine Besonderheit.

00:09:26.040 --> 00:09:30.150
<v Tobias>Blanc de Noirs wie auch Blanc de Blancs ist eher die Ausnahme.

00:09:30.510 --> 00:09:35.040
<v Tobias>Und wann das genau jetzt vom Schaumwein auf den Stillwein übergeschwappt ist,
sozusagen,

00:09:35.040 --> 00:09:41.010
<v Tobias>das weiß ich jetzt auch nicht. Das müsste man mal recherchieren,
wenn man es überhaupt so genau rausbekommt.

00:09:41.010 --> 00:09:45.459
<v Tobias>Aber vielleicht weiß das ja auch einer der Zuhörerinnen und Zuhörer unseres
Podcasts.

00:09:45.459 --> 00:09:48.520
<v Tobias>Dann würde ich das auf jeden Fall sehr gerne mal erfahren.

00:09:48.520 --> 00:09:52.030
<v Tobias>Gerne per E-Mail an podcast@weinfreunde.de zum Beispiel.

00:09:52.270 --> 00:09:53.020
<v Tobias>Nur mal so am Rande.

00:09:53.110 --> 00:09:58.300
<v Michael>Ja, und wenn du es dann weißt, bitte unbedingt auch im Podcast erzählen.

00:09:58.300 --> 00:09:58.780
<v Michael>Versprochen?

00:09:58.870 --> 00:09:59.590
<v Tobias>Ja, ja klar.

00:09:59.680 --> 00:10:05.200
<v Michael>Also ich glaube, erklärt haben wir jetzt ausgiebig,
was ein Blanc de Noirs ist.

00:10:05.200 --> 00:10:09.220
<v Michael>Jetzt lass uns doch mal darüber reden, warum man das überhaupt macht.

00:10:09.220 --> 00:10:15.760
<v Michael>Also ganz konkret: Was unterscheidet einen Blanc de Noirs sensorisch,
also sprich geschmacklich,

00:10:15.760 --> 00:10:22.120
<v Michael>von einem normalen Weißwein? Oder noch einfacher:
Was hat ein Blanc de Noirs zu bieten,

00:10:22.120 --> 00:10:26.020
<v Michael>was ein Weißwein herkömmlicher Machart eben nicht liefern kann?

00:10:26.200 --> 00:10:31.510
<v Tobias>Also zum einen reden wir auf jeden Fall über ein anderes Aromenspektrum,
denn selbst,

00:10:31.510 --> 00:10:36.220
<v Tobias>wenn die Farbstoffe der Trauben außen vorgelassen werden,
die typischen Aromen der Rebsorte,

00:10:36.220 --> 00:10:41.650
<v Tobias>also zum Beispiel das Kirschige beim Spätburgunder,
die sind durchaus noch im Rennen,

00:10:41.890 --> 00:10:50.670
<v Tobias>allerdings natürlich sehr, sehr subtil. Denn klar,
es ist ein Weißwein und auch in seiner Aromatik findet man dann eben weniger

00:10:50.670 --> 00:10:53.370
<v Tobias>Kirsche oder generell auch Beerenaromen.

00:10:54.090 --> 00:10:57.390
<v Tobias>Dafür dann natürlich Aromen, die man in einem Rotwein nie finden würde.

00:10:57.480 --> 00:11:05.160
<v Tobias>Also was wie grüner Apfel, aber auch Zitrusnoten und teilweise,
wenn ein bisschen Reife auch eine Rolle gespielt hat bei den Trauben,

00:11:05.670 --> 00:11:13.950
<v Tobias>gelbes Steinobst. Und das alles eben häufig mit etwas mehr Intensität als bei
einem normalen Weißwein.

00:11:14.130 --> 00:11:20.130
<v Tobias>Das ist so Punkt 1. Punkt 2, der Most aus den dunklen Trauben bringt auch etwas
mehr Struktur,

00:11:20.130 --> 00:11:27.780
<v Tobias>also Körper in den Wein. Und das ist halt eben das,
was ich eben schon mit der Empfehlung eines Blanc de Noirs als Essensbegleiter

00:11:27.780 --> 00:11:35.490
<v Tobias>meinte. Da ähnelt er dann irgendwie so ein bisschen dem Rosé,
da hat er ein bisschen mehr Struktur und ist dadurch ein recht vielseitiger

00:11:35.490 --> 00:11:41.190
<v Tobias>Essensbegleiter. Ja, zusammenfassend kann man eigentlich sagen,
es sind eigenständige Weine,

00:11:41.430 --> 00:11:45.770
<v Tobias>fast so eine eigenständige Kategorie mit dann eben auch ganz eigenen Talenten.

00:11:46.010 --> 00:11:52.820
<v Michael>Okay, jetzt gibt es aber neben dem sensorischen ja auch noch zum Beispiel
wirtschaftliche Überlegung,

00:11:52.820 --> 00:11:55.340
<v Michael>die mit dem Blanc de Noirs zu tun haben könnten.

00:11:55.370 --> 00:11:58.370
<v Michael>Muss man ja auch mal sagen. Oder ich fange das jetzt mal andersrum an.

00:11:58.880 --> 00:12:06.920
<v Michael>Was für eine Möglichkeit hat eine Winzerin oder ein Winzer,
wenn sie oder er einfach nicht mehr so viel Rotwein wie früher verkauft,

00:12:06.920 --> 00:12:12.290
<v Michael>in den Weinbergen nun aber mal Portugieser oder Spätburgunder oder was auch
immer steht?

00:12:12.560 --> 00:12:15.590
<v Michael>Das bekommt man ja nicht von heute auf morgen verändert.

00:12:15.830 --> 00:12:20.240
<v Michael>Möglichkeit Nummer 1 ist natürlich, aus den roten Rebsorten Rosé zu machen.

00:12:20.510 --> 00:12:23.840
<v Michael>Dessen Beliebtheit nimmt seit Jahren ebenfalls deutlich zu.

00:12:23.840 --> 00:12:33.110
<v Michael>Und neben hausgemachten Rosé-Regionen wie der Provence oder Tavel an der Rhône
findest du jetzt auch Rosé in fast allen klassischen Rotweinregionen.

00:12:33.530 --> 00:12:38.180
<v Michael>Möglichkeit 2 ist halt der Blanc de Noirs,
wenn auch in deutlich geringerem Maße.

00:12:38.480 --> 00:12:43.698
<v Tobias>Ja, genau. Und ich komme jetzt noch mal auf den Mourvèdre und Tempranillo von
eben zurück,

00:12:43.698 --> 00:12:48.360
<v Tobias>und Vergleichbares kann man halt eben auch von Merlot und Cabernet Sauvignon,
hatte ich ja auch schon erwähnt,

00:12:48.360 --> 00:12:51.420
<v Tobias>sagen. Rosé, ja, das bekommt man gut hin.

00:12:51.420 --> 00:12:56.640
<v Tobias>Aber ein Blanc de Noirs, das ist nicht nur schwieriger,
sondern ist eben auch ein ganzes Stück weiter von der,

00:12:56.910 --> 00:12:59.670
<v Tobias>ja, von der Tradition dieser Rebsorten entfernt.

00:12:59.880 --> 00:13:06.390
<v Tobias>Ein Blanc de Noirs aus der Rioja oder der Bordeaux da,
ja, da braucht man jetzt schon ein bisschen Phantasie.

00:13:06.390 --> 00:13:10.920
<v Tobias>Vor allem, da gibt es ja auch Weißwein. Und da gibt es,
gerade wenn du an Bordeaux denkst,

00:13:10.920 --> 00:13:16.680
<v Tobias>auch sehr populäre Weißweine. Da kommt erst gar nicht jemand großartig auf die
Idee.

00:13:17.100 --> 00:13:22.140
<v Tobias>Wobei, wenn wir jetzt hören Bordeaux, da wird eigentlich viel zu viel angebaut,
ja,

00:13:22.140 --> 00:13:26.880
<v Tobias>dann wäre das doch vielleicht auch mal eine Idee,
da mehr Weißwein auch zu machen aus den roten Trauben.

00:13:26.910 --> 00:13:32.370
<v Michael>Ja, ja. So viel zur Fantasie. Da bist du schon auf der richtigen Spur,
denn die findet sich allüberall.

00:13:32.370 --> 00:13:38.010
<v Michael>Also ich weiß zum Beispiel, dass in spanischen Weinverbänden bereits darüber
nachgedacht wird,

00:13:38.010 --> 00:13:46.970
<v Michael>diesen Blanc de Noirs-Kniff im größeren Maßstab zu betreiben,
eben weil man dort viel mehr Rotwein landesweit betrachtet erzeugt,

00:13:46.970 --> 00:13:54.680
<v Michael>als man aktuell verkaufen kann. Ich meine,
so Edel-Appellation wie Rioja oder Priorat oder Ribera del Duero,

00:13:55.040 --> 00:13:57.740
<v Michael>da mag man dann vielleicht müde lächeln über diese Idee.

00:13:57.740 --> 00:14:03.710
<v Michael>Aber es gibt auch Regionen, die viel Rotwein mit deutlich geringerem Renommee
anbieten.

00:14:03.710 --> 00:14:08.480
<v Michael>Ich drücke das jetzt mal so vorsichtig aus. Ja,
und die kämen sicherlich als Erste ins Grübeln.

00:14:08.510 --> 00:14:13.190
<v Michael>Doch das ist jetzt alles Zukunftsmusik,
aber ich will es mal an dieser Stelle genannt haben.

00:14:13.190 --> 00:14:15.860
<v Michael>Wirtschaftliche Überlegungen gibt es eben auch.

00:14:16.280 --> 00:14:20.840
<v Tobias>Ach Michael, mein Edelspanier und Mann mit Weitblick!

00:14:21.560 --> 00:14:24.890
<v Tobias>Obgleich ich mir gar nicht sicher bin, ob ich das überhaupt will.

00:14:25.220 --> 00:14:29.510
<v Tobias>Ein Blanc de Noirs aus der La Mancha. Und dann ist da natürlich auch noch die
Frage,

00:14:29.510 --> 00:14:32.180
<v Tobias>ob bei sowas überhaupt das Weinrecht mitspielt.

00:14:32.360 --> 00:14:34.520
<v Tobias>Das darf man ja auch nie außer Acht lassen.

00:14:34.700 --> 00:14:38.350
<v Tobias>Weißt du eigentlich, wie das in der EU oder in Deutschland jetzt geregelt ist?

00:14:38.500 --> 00:14:44.620
<v Tobias>Kann man das Label Blanc de Noirs einfach so verwenden oder gibt es da wieder
irgendwelche strengen Richtlinien?

00:14:45.100 --> 00:14:50.140
<v Michael>Na ja, also auf der EU-Ebene, die sonst vieles aussagt hier über unsere
Appellation,

00:14:50.140 --> 00:14:53.680
<v Michael>ist hinsichtlich des Blanc de Noirs eigentlich gar nichts geregelt.

00:14:53.800 --> 00:14:58.630
<v Michael>Das hat man dann freundlich den nationalen -
Achtung - Weinregulierungsbehörden,

00:14:58.630 --> 00:15:04.960
<v Michael>was für ein tolles Wort, überlassen. Und in Deutschland ist das jetzt seit 2021
der Fall.

00:15:05.140 --> 00:15:10.150
<v Michael>In jenem Jahr tritt nämlich das 10. Gesetz zur Änderung des Weingesetzes in
Kraft,

00:15:10.150 --> 00:15:15.550
<v Michael>so heißt das, das sich erstmals mit dem Blanc de Noirs -
mit S am Ende des Noirs,

00:15:15.580 --> 00:15:20.350
<v Michael>wird man meistens so geschrieben, oder auch ohne es am Ende -
auseinandersetzen.

00:15:20.530 --> 00:15:21.430
<v Tobias>Das ist falsch.

00:15:21.640 --> 00:15:23.410
<v Michael>Ja, das finde ich auch. Sind ja mehrere.

00:15:23.860 --> 00:15:29.320
<v Michael>Aber egal, ob es jetzt um Wein oder Perlwein,
Schaumwein oder auch Likörwein geht,

00:15:29.320 --> 00:15:36.110
<v Michael>vorgeschrieben ist jetzt in Deutschland,
dass es sich jeweils um einen Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung handelt,

00:15:36.110 --> 00:15:42.140
<v Michael>sprich um einen Wein aus der Pfalz, aus Rheinhessen oder Baden und so,
der aus frischen -

00:15:42.140 --> 00:15:51.560
<v Michael>also da wurde ich auch hellhörig, als ich das so las -
Rotweintrauben wie ein Weißwein gekentert wird und eben auch dessen helle Farbe

00:15:51.560 --> 00:15:55.220
<v Michael>aufweist. So, das ist jetzt alles zum Weingesetz dazu.

00:15:55.730 --> 00:16:01.310
<v Tobias>Ja, sehr gut. Ich weiß jetzt Bescheid und ich hoffe,
die Zuhörerinnen und Zuhörer auch.

00:16:01.700 --> 00:16:05.780
<v Tobias>Auch, wenn ich mir nicht ganz sicher bin,
ob das jetzt so ein Wissen ist, was man sich unbedingt merken muss. Aber gut,

00:16:06.440 --> 00:16:09.530
<v Tobias>vielen Dank für diese kleine rechtliche Belehrung.

00:16:09.800 --> 00:16:16.790
<v Tobias>Ist zwar wirklich nicht mein Lieblingsthema in der Weinwelt,
aber die Rolle der Weinregulierungsbehörden ist natürlich nicht zu

00:16:16.790 --> 00:16:22.940
<v Tobias>unterschätzen. Die sprechen bei jedem Wein quasi ein Wörtchen mit,
also wirklich bei jeder einzelnen Flasche.

00:16:23.210 --> 00:16:27.470
<v Tobias>Und was haben wir da schon für komische Geschichten von den Weingütern gehört,
ja?

00:16:27.650 --> 00:16:36.460
<v Tobias>Also sagen wir mal so, die Winzer und die prüfenden und genehmigenden Behörden
sind nicht immer ein Herz und eine Seele.

00:16:36.490 --> 00:16:38.230
<v Tobias>Mehr sagen wir dazu jetzt mal lieber nicht.

00:16:38.890 --> 00:16:44.590
<v Michael>Ne, und ich glaube, das ist schon fast ein Thema für eine eigene Folge. Also das
mit den Vorschriften und deren Durchsetzung,

00:16:44.890 --> 00:16:49.960
<v Michael>da geht es ja zum Beispiel ganz oft um Namen und Bezeichnungen,
die auf dem Etikett zu finden sind.

00:16:50.170 --> 00:16:55.060
<v Michael>Aber es gibt auch grenzüberschreitende Diskussionspunkte,
wie wir in der Pfalz gelernt haben.

00:16:55.060 --> 00:16:57.250
<v Michael>Aber nun denn, das führt hier vielleicht zu weit.

00:16:57.370 --> 00:16:59.950
<v Michael>Ich notiere mir das mal auf unserem Ideenzettel.

00:17:00.340 --> 00:17:03.370
<v Michael>Oder ist das eine zu trockene Materie? Was meint ihr?

00:17:03.400 --> 00:17:09.430
<v Michael>Schreibt uns doch einfach mal, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
nicht, dass wir jetzt eine Folge machen, die ihr am Ende gar nicht hören wollt.

00:17:09.490 --> 00:17:13.450
<v Tobias>Nein, das wollen wir nämlich auf keinen Fall. Aber noch mal zurück jetzt zum
Blanc de Noirs.

00:17:13.630 --> 00:17:16.240
<v Tobias>Da gibt es nämlich noch einen Rest zu erzählen.

00:17:16.240 --> 00:17:23.140
<v Tobias>Ja, also dazu müssen wir noch mal in den Keller,
wo die Rotweintrauben sanft und vorsichtig gepresst werden.

00:17:23.140 --> 00:17:29.230
<v Tobias>Das haben wir ja jetzt schon gelernt, damit kein Farbstoff aus den Schalen in
den Most übergeht.

00:17:29.260 --> 00:17:34.620
<v Tobias>Doch was geschieht eigentlich mit den roten Traubenschalen,
die dann am Ende zurückbleiben?

00:17:34.740 --> 00:17:43.470
<v Tobias>Ja, also in diesem Trester, da ist ja sogar noch ein bisschen Saft drin,
das ist ja jetzt eigentlich was relativ Kostbares.

00:17:43.470 --> 00:17:45.240
<v Tobias>Das kann man jetzt ja nicht einfach wegschmeißen,
oder?

00:17:45.750 --> 00:17:48.120
<v Michael>Ne, ne, ne. Also ich wäre ja für einen Tresterbrand,
also...

00:17:48.120 --> 00:17:48.750
<v Tobias>Das war ja wieder klar.

00:17:48.750 --> 00:17:51.510
<v Michael>...einfach vergären und anschließend destillieren.

00:17:51.510 --> 00:18:00.930
<v Michael>Ja, womit wir endlich mal wieder bei meinen heißgeliebten Spirituosen wären,
bei denen aber ansonsten nach meiner Kenntnis der Begriff oder die Idee eines

00:18:00.930 --> 00:18:05.280
<v Michael>Blanc de Noirs gar keine Rolle spielt. Dafür der Trester natürlich umso mehr.

00:18:05.310 --> 00:18:10.890
<v Michael>Also wenn ich an dieser Stelle nur ganz kurz etwas zu Grappa oder Mark sagen
darf,

00:18:10.890 --> 00:18:11.550
<v Michael>oder auch...

00:18:11.940 --> 00:18:13.740
<v Tobias>Nee, nee, nee, das darfst du eben nicht!

00:18:13.920 --> 00:18:22.110
<v Tobias>Weil gerade in dieser Folge bleiben wir unbedingt beim Wein und eben dem Trester
aus der Blanc de Noirs-Erzeugung.

00:18:22.170 --> 00:18:25.020
<v Tobias>Ja, und genau, da ist noch sogar ein bisschen Saft drin.

00:18:25.110 --> 00:18:28.260
<v Tobias>Vor allem verfügt er aber eben noch über die ganzen Farbstoffe.

00:18:28.440 --> 00:18:31.600
<v Tobias>Logisch, denn die wollen wir ja nun mal nicht beim Blanc de Noirs.

00:18:31.990 --> 00:18:36.850
<v Tobias>Und was man auch nicht vergessen darf: In den Schalen stecken auch Aromastoffe.

00:18:37.990 --> 00:18:40.420
<v Tobias>Außerdem natürlich Gerbstoffe, also Tannine.

00:18:40.750 --> 00:18:44.470
<v Tobias>Und das sind alles Eigenschaften, die man in einem Rotwein gut gebrauchen kann.

00:18:45.670 --> 00:18:54.760
<v Tobias>Ja, um es kurz zu machen: Man kann über diesen Trester den für Rotwein
gepressten Most laufen lassen und ihn gemeinsam mit dem frischen Most

00:18:54.760 --> 00:19:00.970
<v Tobias>einmaischen und dann vergären, um dem Rotwein,
so ist es jetzt vielleicht ein bisschen einfacher ausgedrückt,

00:19:00.970 --> 00:19:07.540
<v Tobias>um dem Rotwein, der dann entsteht, noch mehr Farbe,
noch mehr Körper und Intensität mitzugeben.

00:19:07.630 --> 00:19:11.140
<v Tobias>Also man pimpt den dann eigentlich durch diese Schalenreste auf.

00:19:11.320 --> 00:19:18.340
<v Tobias>Das ist so ein bisschen das, was man aus Italien mit den Ripasso-Weinen kennt,
Valpolicella und Amarone Trester usw.

00:19:18.340 --> 00:19:28.060
<v Tobias>Separate Folge. Aber genau, man kann den Wein so eben ein bisschen aufpimpen und
die roten Trauben landen dann schließlich doch irgendwie noch in einem roten

00:19:28.060 --> 00:19:32.160
<v Tobias>Wein. Nur, wie soll ich sagen, anders als geplant,
sozusagen.

00:19:32.280 --> 00:19:40.320
<v Michael>Ja, okay. Apropos anders als geplant. Ich habe jetzt noch mal eine Frage
speziell an den WSET Certified Educator.

00:19:41.070 --> 00:19:44.340
<v Michael>Wir haben ja von weiß gekälterten Trauben gesprochen.

00:19:44.340 --> 00:19:50.070
<v Michael>Beim Blanc de Noirs in Österreich wird er auch „Weißgepresster" genannt oder
auch schön „Gleichgepresster".

00:19:50.160 --> 00:19:53.100
<v Michael>Finde ich auch super. Aber ich will mal beim „Weiß" bleiben.

00:19:53.100 --> 00:20:01.770
<v Michael>Was hat dieses „Weiß" denn im „Weißherbst" zu suchen,
der ganz klar unter die Rosé-Weine fällt und eben kein Blanc de Noirs ist?

00:20:02.070 --> 00:20:09.060
<v Tobias>Ja, das ist in der Tat eine gute Frage. Da habe ich mich auch sehr,
sehr lange immer wieder vertan und war verunsichert,

00:20:09.060 --> 00:20:14.580
<v Tobias>musste es immer wieder nachgucken. Aber es ist so auch eigentlich relativ
einfach zu merken.

00:20:14.580 --> 00:20:21.060
<v Tobias>Auch der Weißherbst wird aus roten Trauben letztlich weiß geklettert.

00:20:21.390 --> 00:20:29.470
<v Tobias>Allerdings gibt es dann doch meist noch eine kurze Maischestandzeit,
also Kontakt zwischen Most und Schalen.

00:20:29.470 --> 00:20:36.130
<v Tobias>Die dauert nur wenige Stunden und dadurch bekommt er dann eben doch noch so
einen Hauch rosa Farbe.

00:20:36.340 --> 00:20:39.550
<v Tobias>Das mag jetzt ein bisschen verwirrend sein mit dem Weiß im Namen.

00:20:39.730 --> 00:20:44.590
<v Tobias>Deswegen hat mich das auch immer wieder so durcheinander gebracht. Denn
tatsächlich -

00:20:44.590 --> 00:20:47.470
<v Tobias>Achtung - ist der Weißherbst dann eben am Ende ein Rosé.

00:20:48.310 --> 00:20:52.690
<v Tobias>Ja, also ich finde, das hört sich jetzt so ein bisschen nach Angeberwissen für
die nächste Party an,

00:20:53.230 --> 00:20:58.810
<v Tobias>aber es ist eine klare Unterscheidung eben zwischen diesen beiden Macharten.

00:20:59.350 --> 00:21:03.340
<v Tobias>Ja, und überhaupt gibt es zum Rosé natürlich auch eine eigene Podcastfolge.

00:21:03.490 --> 00:21:07.750
<v Tobias>Hätten wir vorhin schon sagen können. Das war sowieso,
glaube ich, eine der ersten Folgen,

00:21:07.750 --> 00:21:09.160
<v Tobias>die wir überhaupt aufgenommen haben.

00:21:09.610 --> 00:21:15.250
<v Michael>Allerdings, allerdings. Unbedingt mal reinhören,
wenn man unsere ersten Schritte irgendwie mal erleben will.

00:21:15.250 --> 00:21:18.850
<v Michael>Aber Tobias, ich glaube, jetzt haben wir auch genug mit dem Blanc de Noirs.

00:21:18.850 --> 00:21:24.010
<v Michael>So richtig fällt mir nichts mehr ein. So richtig viel gibt es dazu auch nicht zu
erzählen,

00:21:24.010 --> 00:21:27.390
<v Michael>außer: Ihr müsst das einfach mal probieren.

00:21:27.480 --> 00:21:27.840
<v Tobias>Das stimmt.

00:21:27.840 --> 00:21:35.160
<v Michael>Und am besten. Das wäre jetzt mein Tipp,
einen Spätburgunder und einen Blanc de Noirs aus Spätburgunder vom selben

00:21:35.160 --> 00:21:41.430
<v Michael>Weingut. Das ist dann gerade in Sachen Aromatik ein ganz spannendes Ding,
diese Verschiebung der Aromen,

00:21:41.430 --> 00:21:42.870
<v Michael>von denen du gerade gesprochen hast.

00:21:43.290 --> 00:21:49.500
<v Tobias>Ja, das stimmt. Und darf ich an dieser Stelle ein paar Namen nennen und noch mal
auf unseren Shop verweisen?

00:21:49.920 --> 00:21:56.670
<v Tobias>Ja, Shop ja. Namen nennen? Nein. Ja, also ich glaube,
in den Shownotes ist sowieso immer was verlinkt.

00:21:56.850 --> 00:22:03.000
<v Tobias>Also insofern alles kein Problem. Und ja,
ich mache das jetzt nämlich dann auch nicht noch ausführlicher.

00:22:04.230 --> 00:22:10.110
<v Tobias>Ich sage nur, ich kann den Zuhörerinnen und Zuhörern unbedingt auch mal ein
Blanc de Noirs Champagner ans Herz legen.

00:22:10.110 --> 00:22:16.410
<v Tobias>Vielleicht kann man den dann auch vergleichen mit einem regulären,
mit roten und weißen Rebsorten,

00:22:16.410 --> 00:22:23.340
<v Tobias>alles aber sozusagen weiß vinifiziert. Ja,
und dann gibt es natürlich auch noch Blanc de Blancs Champagner.

00:22:23.760 --> 00:22:28.520
<v Tobias>Und damit das vielleicht nicht zu teuer wird,
dann kann man auch gerne mal an die Loire schauen.

00:22:28.550 --> 00:22:33.230
<v Tobias>Beim Crémant gibt es auch Blanc de Noirs,
das ist dann ja wahrscheinlich Cabernet Franc,

00:22:33.950 --> 00:22:37.850
<v Tobias>vielleicht auch ein bisschen Pinot, und Blanc de Blancs heißt da dann,
glaube ich,

00:22:37.850 --> 00:22:45.050
<v Tobias>Chenin Blanc. Aber wie gesagt, in der Champagne liegt ja sozusagen der Ursprung
dieses Produktionsverfahren.

00:22:45.200 --> 00:22:47.360
<v Tobias>Da lohnt es sich also auf jeden Fall, mal hinzuschauen.

00:22:47.390 --> 00:22:50.720
<v Michael>Ja, und das wollen wir auf keinen Fall vergessen und die Champagne hochhalten.

00:22:50.720 --> 00:22:56.510
<v Michael>Ich weiß, wie wichtig dir das ist. Aber damit ihr,
liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

00:22:56.510 --> 00:23:04.610
<v Michael>das Wichtigste aus der heutigen Folge nicht vergesst,
kommt jetzt hier unsere kurze Liste mit den Merkpunkten für den Hausgebrauch.

00:23:04.640 --> 00:23:06.110
<v Michael>Tobias, leg los!

00:23:06.590 --> 00:23:10.730
<v Tobias>Blanc de Noirs ist ein weißer Wein oder Schaumwein aus roten Trauben.

00:23:10.760 --> 00:23:13.160
<v Tobias>Der Begriff selbst kommt aus dem Französischen.

00:23:13.490 --> 00:23:19.370
<v Michael>Im Deutschen spricht man von weiß gekelterten roten Trauben oder einfach vom
Weißgekelterten,

00:23:19.370 --> 00:23:22.070
<v Michael>in Österreich auch vom Weißgepressten.

00:23:22.100 --> 00:23:29.130
<v Tobias>Der Trick daran: Nur der helle, weiße Saft wird abgepresst,
die Farbstoffe aus den Schalen bleiben außen vor.

00:23:29.460 --> 00:23:37.290
<v Michael>Ursprünglich kennt man den Blanc de Noirs vom berühmten Champagner,
wo die Methode zur Erzeugung weißer Schaumweine über eine lange Tradition

00:23:37.290 --> 00:23:37.920
<v Michael>verfügt.

00:23:38.190 --> 00:23:47.182
<v Tobias>Funfact am Rande: Der Trester aus der Blanc de Noirs-Erzeugung kommt oft den
Rotweinen des Weinguts zugute und gibt ihnen eine Extraportion Körper,

00:23:47.182 --> 00:23:48.480
<v Tobias>Farbe und Dichte.

00:23:48.810 --> 00:23:56.490
<v Michael>Man könnte aber auch einen Tresterbrand daraus machen,
aber das nur mal so am Rande und natürlich ganz außerhalb unserer offiziellen

00:23:56.490 --> 00:23:57.450
<v Michael>Kurzfassung.

00:23:57.660 --> 00:24:06.810
<v Tobias>Ja, ja, ja. Du schon wieder, ne? Ja, aber selbst deine wiederaufkommenden
Spirituosengelüste können mir die Vorfreude natürlich nicht darauf nehmen,

00:24:06.810 --> 00:24:09.060
<v Tobias>dass es schon in zwei Wochen wieder heißt.

00:24:09.630 --> 00:24:10.680
<v Michael>Bei Anruf.

00:24:12.030 --> 00:24:12.540
<v Tobias>Wein.