WEBVTT

00:00:02.300 --> 00:00:05.340
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:05.340 --> 00:00:07.340
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.540 --> 00:00:11.580
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde.

00:00:11.580 --> 00:00:12.930
<v Tobias>Mein Name ist Tobias.

00:00:12.930 --> 00:00:15.860
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein.

00:00:15.860 --> 00:00:24.000
<v Tobias>Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec ist Autor einer bislang 12 Bände umfassenden
Krimireihe, die in der wunderschönen Bretagne spielt.

00:00:24.450 --> 00:00:25.890
<v Tobias>Eine echte Erfolgsstory.

00:00:25.920 --> 00:00:32.550
<v Tobias>Die Bücher wurden bislang in 17 Sprachen übersetzt und die TV-Adaption in 40
Ländern ausgestrahlt.

00:00:33.150 --> 00:00:41.040
<v Tobias>Ermittler in den Büchern ist Kommissar Dupin, der nicht nur spannende Fälle
löst, sondern auch wegen seiner Leidenschaft für Wein und gutes Essen geschätzt

00:00:41.040 --> 00:00:49.980
<v Tobias>wird. Der neueste Band „Bretonischer Ruhm" entführt die Leserinnen und Leser
nun erstmals in eine Weinregion, nämlich an die schöne Loire.

00:00:50.700 --> 00:00:56.160
<v Tobias>Ein triftiger Grund für mich, mit Jörg Bong über das neue Buch und seinen
großen Weinbezug zu sprechen.

00:00:56.610 --> 00:01:02.130
<v Tobias>Und natürlich auch für euch ein triftiger Grund, dem Bei Anruf Wein-Podcast zu
folgen und ihn auch zu bewerten.

00:01:02.130 --> 00:01:06.900
<v Tobias>Los geht's. Und übrigens, Michael konnte bei dem Gespräch nicht dabei sein.

00:01:06.900 --> 00:01:08.910
<v Tobias>Er war zu dem Zeitpunkt leider krank.

00:01:09.540 --> 00:01:11.550
<v Tobias>Also bleibt mal dran.

00:01:11.820 --> 00:01:13.170
<v Tobias>Wir fangen direkt an!

00:01:14.070 --> 00:01:15.420
<v Tobias>Ja, vielen Dank, Jörg.

00:01:15.450 --> 00:01:17.010
<v Tobias>Schön, dass wir hier sein können.

00:01:17.430 --> 00:01:18.210
<v Jörg>Ich freue mich sehr.

00:01:18.330 --> 00:01:25.830
<v Tobias>Ich muss jetzt anfangs mal sagen, wir haben ja eben an einer Klingel geklingelt,
da stand gar nicht Bannalec dran, sondern Bong.

00:01:26.400 --> 00:01:28.350
<v Tobias>Ich habe dich gerade auch schon mit Jörg angesprochen.

00:01:28.590 --> 00:01:31.770
<v Tobias>Jean-Luc Bannalec gibt es in Wirklichkeit gar nicht, oder?

00:01:32.370 --> 00:01:35.070
<v Jörg>Ja, doch, das bin ich auch, muss ich sagen.

00:01:35.670 --> 00:01:38.670
<v Jörg>Hat eine Weile gedauert, das so aktiv anzunehmen.

00:01:38.670 --> 00:01:44.430
<v Jörg>Aber in der Bretagne zum Beispiel nennen mich sehr viele Jean-Luc und gar nicht
Jörg.

00:01:45.570 --> 00:01:49.500
<v Jörg>Das ist schon ein bisschen familiär geworden da bei meinen Freunden.

00:01:49.770 --> 00:01:55.710
<v Tobias>Okay, ich hatte, glaube ich mal, in einer Talkshow mit dir ein bisschen die
Erklärung des Namens auch erfahren.

00:01:55.710 --> 00:01:59.190
<v Tobias>Bzw. ich bin in der Bretagne selber schon an dem Ort vorbeigefahren.

00:01:59.400 --> 00:02:04.890
<v Tobias>Bannalec ist ja einfach ein Ort in der Bretagne und ich glaube, dein Sohn hat
dich damals darauf gebracht.

00:02:04.890 --> 00:02:06.780
<v Tobias>Hier, Papa, das wäre doch irgendwie ein guter Name.

00:02:06.930 --> 00:02:13.380
<v Jörg>Genau. Ich habe nach einem Nom de Plume, heißt es auf Französisch, gesucht.

00:02:13.380 --> 00:02:22.890
<v Jörg>Meine Idee damals war ja, das alles ganz im Geheimen zu machen und ganz für mich
zu bleiben, also gar nicht präsent zu sein als Autor.

00:02:23.010 --> 00:02:27.060
<v Jörg>Und da habe ich gesucht und lange nichts gefunden.

00:02:27.060 --> 00:02:32.280
<v Jörg>Und dann war es wirklich dieser Zufall, dass mein Sohn darauf kam, auf einer
Autofahrt.

00:02:33.030 --> 00:02:42.990
<v Jörg>Ich habe ein Haus in der Nähe und ich mochte das sehr mit den vielen As und
sehr bretonisch natürlich, Und das war eine Fügung im Moment.

00:02:43.230 --> 00:02:46.740
<v Tobias>Okay, und zu dem Vornamen habe ich ja so meine Theorie.

00:02:46.740 --> 00:02:53.010
<v Tobias>Ich war damals großer Star Trek Next Generation Fan und der Kapitän heißt
Jean-Luc Picard.

00:02:53.340 --> 00:02:54.900
<v Tobias>Aber da liege ich wahrscheinlich falsch, oder?

00:02:55.350 --> 00:02:56.640
<v Jörg>Nein, eigentlich gar nicht.

00:02:56.640 --> 00:03:06.480
<v Jörg>Also ich mochte den Namen immer sehr und er ist für mich assoziiert mit
Jean-Luc Godard oder einem meiner Lieblingsregisseuren

00:03:06.480 --> 00:03:09.180
<v Jörg>und den verehre ich wirklich sehr.

00:03:09.180 --> 00:03:19.050
<v Jörg>Und dann aber auch die zweite Assoziation, und den liebe ich auch sehr, da war
ich damals wirklich hin und weg von der Figur Jean-Luc

00:03:19.050 --> 00:03:19.950
<v Jörg>Picard, genau.

00:03:19.950 --> 00:03:26.910
<v Tobias>Und außerdem jetzt mit dem Jean und dem Bannalec ist ja dann auch wiederum in
Sachen Initialen alles richtig.

00:03:27.210 --> 00:03:28.410
<v Jörg>Alles richtig, ja.

00:03:28.620 --> 00:03:30.390
<v Jörg>Perfekt ermittelt.

00:03:30.390 --> 00:03:31.650
<v Tobias>Ja, ja, sehr gut.

00:03:31.650 --> 00:03:33.640
<v Tobias>Ja, sehr schön. Da bin ich ja schon mal beruhigt.

00:03:33.640 --> 00:03:42.360
<v Tobias>Genau, wir müssen ja vielleicht sagen, es gibt ja vielleicht den ein oder
anderen Hörer, ein oder andere Hörerin, die Jean-Luc Bannalec und Kommissar

00:03:42.360 --> 00:03:44.500
<v Tobias>Dupin noch nicht kennen.

00:03:44.500 --> 00:03:46.070
<v Jörg>Ganz sicher.

00:03:46.070 --> 00:03:50.970
<v Tobias>Es ist eine Reihe, ja, ich glaube, man kann es einen Bretagne-Krimi nennen, eine
Bretagne-Krimireihe.

00:03:53.280 --> 00:03:58.020
<v Tobias>Und ich fahre dieses Jahr das dritte Mal in Folge in die Bretagne.

00:03:58.410 --> 00:04:02.790
<v Tobias>Und das habe ich ganz klar dir und deinen Büchern zu verdanken.

00:04:02.790 --> 00:04:06.240
<v Tobias>Meiner Frau in dem Fall dann auch, weil die großer Fan ist.

00:04:07.080 --> 00:04:12.030
<v Tobias>Versuch doch mal, ich weiß, du könntest darüber jetzt wahrscheinlich auch
Stunden sprechen, aber so.

00:04:12.030 --> 00:04:13.300
<v Jörg>Das ist immer die Gefahr.

00:04:13.300 --> 00:04:18.600
<v Tobias>So das wirklich Reizvollste an der Bretagne aus deiner Sicht zu schildern.

00:04:18.960 --> 00:04:27.900
<v Jörg>Es ist eine gemeine Frage, natürlich jetzt, weil die Wahrheit ist, die Antwort
verlangt Stunden und endlose

00:04:27.900 --> 00:04:29.850
<v Jörg>Einlassungen.

00:04:29.850 --> 00:04:31.320
<v Tobias>Es gibt ja auch einen Reiseführer von dir.

00:04:31.320 --> 00:04:32.160
<v Tobias>Kann man vielleicht an der Stelle auch schon mal sagen..

00:04:32.160 --> 00:04:36.720
<v Jörg>Ja, da habe ich es, da war ich auch verzweifelt, weil ich nur 300 Seiten hatte.

00:04:36.840 --> 00:04:43.030
<v Jörg>Nein, die Bretagne, das ist so ein Charakteristikum.

00:04:43.030 --> 00:04:47.010
<v Jörg>Es sind ja Liebeserklärungen an die Bretagne, diese Bücher.

00:04:47.010 --> 00:04:56.250
<v Jörg>Und wer liebt, der schwärmt und wer schwärmt, der findet kein Ende, denn es ist
ein solcher

00:04:56.250 --> 00:04:59.730
<v Jörg>Reichtum, und das macht die Bretagne ganz sicher aus.

00:04:59.730 --> 00:05:03.600
<v Jörg>Also die Vielfalt, der Reichtum, das hört gar nicht auf.

00:05:03.600 --> 00:05:12.900
<v Jörg>Und jetzt, also für mich als Mensch, der die Worte liebt, die Sprache, das
Erzählen, das ist zum Beispiel eine

00:05:12.900 --> 00:05:22.860
<v Jörg>Kultur, das sind Menschen, denen das Erzählen, die Fantasie, die Imagination,
die Sagen, die Legenden,

00:05:23.100 --> 00:05:24.840
<v Jörg>all das so nahe sind.

00:05:24.840 --> 00:05:28.650
<v Jörg>Und es ist so verwoben mit der Landschaft.

00:05:28.860 --> 00:05:30.990
<v Jörg>Das kenne ich nur von der Bretagne.

00:05:30.990 --> 00:05:40.800
<v Jörg>Also jeder besondere Fels, jede Klippe, jeder große Baum, jeder ungewöhnliche
Stein, die haben alle sofort eine Geschichte,

00:05:40.800 --> 00:05:45.990
<v Jörg>wenn du da durchs Feld läufst und dann triffst du eine alte Bretonin, einen
alten Bretonen.

00:05:45.990 --> 00:05:51.680
<v Jörg>Und dann ist da eine alte Mauer, die ungewöhnlich lang ist oder hoch.

00:05:51.680 --> 00:05:59.580
<v Jörg>Und sofort hörst du die spezifische Geschichte dieser Mauer, warum die in
welchem Jahrhundert so gebaut wurde.

00:05:59.580 --> 00:06:03.330
<v Jörg>Und das Natürliche vermischt sich mit dem Übernatürlichen, völlig
selbstverständlich.

00:06:04.720 --> 00:06:08.430
<v Jörg>Also das Gewöhnliche und das Außergewöhnliche, Ungewöhnliche.

00:06:08.430 --> 00:06:10.690
<v Jörg>Und das sind große Erzähler.

00:06:10.690 --> 00:06:18.500
<v Jörg>Und das ist ja auch ein Beruf in der Bretagne, Conteuse, also die Erzählerin,
oder Conteur sind ausgebildete Berufe.

00:06:18.500 --> 00:06:20.300
<v Jörg>Die gibt es in jeder Region.

00:06:20.540 --> 00:06:29.180
<v Jörg>Und natürlich kannst du dir vorstellen, dass das für mich jetzt als Autor ein
großes Vergnügen ist, in eine Gegend zu kommen, wo Natur,

00:06:29.750 --> 00:06:35.600
<v Jörg>Kultur, Geschichte und alles verwoben ist, ständig in großen und kleinen
Erzählungen.

00:06:36.680 --> 00:06:38.960
<v Jörg>Und das macht natürlich einen riesen Reiz aus.

00:06:39.530 --> 00:06:48.200
<v Jörg>Und aber natürlich, es war am Anfang auch einfach die überwältigende
Landschaft, also die Natur, dieses

00:06:48.890 --> 00:06:58.010
<v Jörg>Atemberaubende, Betörende, völlig Berückende gibt da, ich komme gerade von der
Insel wieder Richtung Irland, weit vor der Küste

00:06:58.010 --> 00:07:05.510
<v Jörg>noch, das sind Eindrücke, die man, also Blicke, Panoramen, die man für sein
Leben dann im Kopf hat.

00:07:05.840 --> 00:07:07.610
<v Tobias>Ja, wow, das klingt spannend.

00:07:07.610 --> 00:07:14.090
<v Tobias>Und wie gesagt, ich durfte es ja auch schon vor Ort erleben und kann die
Faszination wirklich nachvollziehen.

00:07:14.930 --> 00:07:22.310
<v Tobias>Du hattest ja jetzt gerade ein bisschen über die Bretagne als Landschaft, als
Region gesprochen, hast aber jetzt auch schon ein bisschen die Menschen in der

00:07:22.310 --> 00:07:23.540
<v Tobias>Region anklingen lassen.

00:07:23.960 --> 00:07:27.590
<v Tobias>Und ich glaube, das ist ja auch noch mal was Besonderes, die Bretonen selber.

00:07:27.590 --> 00:07:31.520
<v Tobias>Also ich muss immer irgendwie so an das kleine gallische Dorf bei Asterix
denken.

00:07:32.050 --> 00:07:33.230
<v Jörg>Zu Recht, ja, völlig korrekt.

00:07:33.230 --> 00:07:35.990
<v Tobias>Ja, weil so von der Mentalität her.

00:07:35.990 --> 00:07:36.750
<v Jörg>Absolut.

00:07:36.750 --> 00:07:39.230
<v Tobias>Beschreib doch mal so: Wie ist denn so ein Bretone?

00:07:39.770 --> 00:07:42.380
<v Jörg>Ja die haben, ich mag es sehr.

00:07:42.380 --> 00:07:47.000
<v Jörg>Für mich ist das so ein bisschen auch ein Beispiel, wie es sein muss.

00:07:47.000 --> 00:07:52.190
<v Jörg>Also eine starke regionale, lokale Identität der Menschen.

00:07:52.190 --> 00:07:58.220
<v Jörg>Da sind die zu Hause, da ist alles und die lieben es, die pflegen es.

00:07:58.220 --> 00:08:05.690
<v Jörg>Das nennt man Patrimoine, diese Pflege der Heimat, in Anführungsstrichen.

00:08:05.690 --> 00:08:09.000
<v Jörg>Ein sehr kompliziertes Wort, aber ich benutze es jetzt mal.

00:08:09.000 --> 00:08:16.070
<v Jörg>Und gleichzeitig, und das zeichnet den Bretonen dann aus, eine wirklich radikale
Weltoffenheit.

00:08:17.330 --> 00:08:23.240
<v Jörg>Die lieben das, die Ferne, das Fremde, das Exotische, das Andere, die anderen.

00:08:24.200 --> 00:08:30.140
<v Jörg>Bin von unglaublicher Toleranz und Generosität, und das ist eine starke
Mischung.

00:08:30.880 --> 00:08:40.370
<v Jörg>Also, und das ist, glaube ich, für unsere Zeit und für das, was man
Globalisierung nennt, ein gutes Rezept, also diese beides zu können, also die

00:08:40.370 --> 00:08:48.980
<v Jörg>Hinwendung zum Regionalen, Lokalen, da sich zu Hause zu fühlen, zu verankern,
aber gleichzeitig diese richtige

00:08:48.980 --> 00:08:58.370
<v Jörg>Offenheit. Und das gefällt mir zum Beispiel sehr an den Bretonen und diese
starke Identität, das geht manchmal dann bis zu

00:08:58.370 --> 00:09:03.740
<v Jörg>Sturheit, die beharren dann, aber im nächsten Moment öffnen sie sich.

00:09:03.740 --> 00:09:13.730
<v Jörg>Und was immer ein Zeichen großer Souveränität von Menschen und Menschenschlägen
sozusagen ist, ist die Fähigkeit, sich über sich

00:09:13.730 --> 00:09:15.050
<v Jörg>selbst lustig zu machen.

00:09:15.050 --> 00:09:20.300
<v Jörg>Und das, weil du Asterix gesagt hast da, ist da ja ein großes Thema.

00:09:20.300 --> 00:09:22.170
<v Jörg>Und das ist eine Regel.

00:09:22.170 --> 00:09:31.100
<v Jörg>Wer in der Lage ist, sich herzhaft über sich selbst lustig zu machen und in
schwärzestem Humor die eigenen

00:09:31.100 --> 00:09:33.980
<v Jörg>Eigenschaften aufs Korn zu nehmen.

00:09:34.550 --> 00:09:40.510
<v Jörg>Das ist eine große kulturelle, psychische, mentale, sprachliche usw.

00:09:40.510 --> 00:09:42.430
<v Jörg>Leistung. Das mag ich sehr, ja.

00:09:42.430 --> 00:09:48.390
<v Jörg>Der Humor überhaupt, Riesenthema Also die haben ja einen ganz schwarzen Humor,
wie die Engländer.

00:09:48.390 --> 00:09:50.330
<v Jörg>Und je schwärzer, desto besser.

00:09:50.330 --> 00:09:59.900
<v Jörg>Und dann eine Zugewandtheit dem Leben, natürlich sehr, sehr sinnliche Menschen,
aber jetzt nicht auf eine

00:09:59.900 --> 00:10:06.740
<v Jörg>illusionistische Weise, wo man denkt, die klammern das Schwierige im Leben aus,
ganz im Gegenteil.

00:10:06.740 --> 00:10:13.730
<v Jörg>Also das ist da viel mehr Bestandteil als bei uns Tod, Krankheit, auch alle
komplizierten Sachen.

00:10:13.730 --> 00:10:15.470
<v Jörg>Da verschließt niemand die Augen.

00:10:15.980 --> 00:10:23.900
<v Jörg>Es ist Teil viel mehr des Lebens, zum Beispiel auch dadurch, in jeder Familie,
auch heute noch, hast du einen Fall.

00:10:23.900 --> 00:10:27.050
<v Jörg>Jeder erzählt dir, wo das Meer einen genommen hat.

00:10:28.040 --> 00:10:30.910
<v Jörg>Ja, das ist so gegenwärtig.

00:10:30.910 --> 00:10:34.940
<v Jörg>Und allein das Meer und seine Ambivalenz, also die lieben es.

00:10:35.660 --> 00:10:43.100
<v Jörg>Es ist großartig, es ist Freiheit, aber gleichzeitig ist es auch, wissen alle,
das kann wunderbar aussehen.

00:10:43.100 --> 00:10:48.100
<v Jörg>Aber im nächsten Moment heißt es Tod und Verderben und so.

00:10:48.100 --> 00:10:52.150
<v Jörg>Das ist alles ganz nah, also Leben, Tod.

00:10:52.150 --> 00:11:01.490
<v Jörg>Aber kommt auf so eine aufrichtige Weise zusammen und mit dem Appell sozusagen,
es in seiner

00:11:01.490 --> 00:11:05.060
<v Jörg>Intensität, das Leben, wahrzunehmen.

00:11:05.060 --> 00:11:07.220
<v Jörg>Und das ist sehr bretonisch, ja.

00:11:08.120 --> 00:11:15.950
<v Tobias>Und jetzt sind ja deine Bücher nicht nur sozusagen eine Ode an die Bretagne,
sondern es sind ja Krimis.

00:11:16.040 --> 00:11:22.060
<v Tobias>Es ist ein ein Ermittler, Dupin, ich habe es vorhin schon angesprochen.

00:11:22.060 --> 00:11:29.350
<v Tobias>Wie kamst du auf die Idee, jetzt genau in dieses Setting, was du gerade ja
wieder sehr, sehr schön beschrieben hast, jetzt Ermittler quasi reinzusetzen?

00:11:29.350 --> 00:11:30.470
<v Tobias>Was war da das Reizvolle?

00:11:31.010 --> 00:11:40.130
<v Jörg>Also ich habe eine einen Tic für so klassische Kriminalliteratur immer gehabt,
seit ich 15, 16 bin.

00:11:40.130 --> 00:11:47.540
<v Jörg>Bin eher ein nervöser Mensch und, klingt paradox, aber so ist es: Mich
beruhigen klassische Krimis ungemein.

00:11:47.540 --> 00:11:56.030
<v Jörg>Also sind so ja Kammerspiele eher und jetzt, ich meine, jetzt Ermittler wie
Maigret natürlich, mein großer Held, oder Hercule Poirot.

00:11:56.150 --> 00:12:03.350
<v Jörg>Oder ist eine ganz andere Variante, Ripley von Highsmith oder solche Sachen.

00:12:03.350 --> 00:12:11.270
<v Jörg>Ja, auch im Fernsehen, also natürlich Columbo, große Liebe, oder Monk, um was
Neueres zu nennen.

00:12:11.270 --> 00:12:16.250
<v Jörg>Und ja, und ich habe da so einen Hang zu.

00:12:16.640 --> 00:12:26.270
<v Jörg>Und dann war irgendwann die Idee, ich versuche das mal selbst mit dem Schreiben
und habe festgestellt, dass es

00:12:26.270 --> 00:12:29.810
<v Jörg>lustigerweise den gleichen kalmierenden Effekt auf mich hat.

00:12:29.810 --> 00:12:38.670
<v Jörg>Also es ist so ein bisschen Therapie oder wie sagt man heute immer, es ist mein
Yoga, sozusagen das Krimischreiben.

00:12:38.670 --> 00:12:48.200
<v Jörg>Und ich mag es sehr und es zwingt mich auf eine tolle Weise zur Konzentration,
zur Kontemplation kann man fast

00:12:48.200 --> 00:12:56.480
<v Jörg>sagen. Und ich war ja über 22 Jahre der Fischer-Verleger, und das war ein
verrückter, wunderbarer Beruf.

00:12:56.480 --> 00:13:05.750
<v Jörg>Aber man war permanent drin und stets so gezwungen, also man hüpfte die ganze
Zeit von dem Gegenstand zu diesem und

00:13:05.990 --> 00:13:09.000
<v Jörg>innerhalb von einer Minute 20 Gegenstände.

00:13:09.000 --> 00:13:18.860
<v Jörg>Und da hat mir das Krimischreiben irre geholfen, so wieder mich zu konzentrieren
und auf den Punkt zu kommen, Fäden, lange

00:13:18.860 --> 00:13:21.390
<v Jörg>Fäden zu behalten und so.

00:13:21.390 --> 00:13:26.230
<v Jörg>Und ja, ich liebe diese klassischen Krimis, muss ich sagen, das stimmt.

00:13:26.230 --> 00:13:36.050
<v Jörg>Ja, und unbedingt, jeder Fall ist auch eine, das ist immer versteckt, das muss
auch niemand bemerken, das ist immer, jeder Fall ist immer eine Hommage

00:13:36.050 --> 00:13:44.300
<v Jörg>an einen klassischen Krimi, ist da eingebaut und immer so als Folie im
Hintergrund.

00:13:44.770 --> 00:13:54.020
<v Jörg>Und manchmal auch ausdrücklich im Fall, da in Concarneau, das Vermächtnis, das
ist der gelbe Hund von Simenon, der

00:13:54.710 --> 00:13:57.710
<v Jörg>die Folie bildet für den ganzen Fall.

00:13:57.980 --> 00:14:00.500
<v Tobias>Ja, okay, das ist ja jetzt noch mal ein spannendes Insight.

00:14:00.860 --> 00:14:03.590
<v Tobias>Das wissen wahrscheinlich auch die Fans noch nicht.

00:14:03.740 --> 00:14:04.400
<v Tobias>Das ist immer so eine Vorlage gibt?

00:14:04.400 --> 00:14:09.800
<v Jörg>Also da, ich habe es schon mal, glaube ich, erwähnt, aber nicht so ausführlich.

00:14:09.800 --> 00:14:15.290
<v Tobias>Ja, okay. Ja, jetzt sind diese Bretagne Krimis ja auch unwahrscheinlich
erfolgreich.

00:14:15.890 --> 00:14:23.240
<v Tobias>Also wir sprechen ja jetzt auch später noch über den neuen, den zwölften Band
und 12 Bücher, das ist schon gut.

00:14:23.240 --> 00:14:26.360
<v Tobias>Und das heißt eben auch, die werden gelesen, die werden gemocht.

00:14:27.290 --> 00:14:30.320
<v Tobias>Ein weiteres Beispiel dafür sind ja auch die Fernsehadaptionen.

00:14:30.560 --> 00:14:38.900
<v Tobias>Und was ich da wirklich ja fast überraschend finde, ist, dass du damit ja auch
in Frankreich wirklich erfolgreich bist.

00:14:39.290 --> 00:14:48.980
<v Tobias>Weil ich sage mal, man kennt das ja auch manchmal so, deutsche
Fernsehproduktion in einem anderen Land, die dann irgendwie deutsch sind, aber

00:14:48.980 --> 00:14:52.190
<v Tobias>irgendwie auch versuchen, französisch zu sein, das kann auch schnell irgendwie
schiefgehen.

00:14:53.300 --> 00:14:57.770
<v Tobias>Aber wie erklärst du dir den Erfolg auch in Frankreich selbst?

00:14:58.220 --> 00:15:00.500
<v Jörg>Ja, das kann fürchterlich schiefgehen.

00:15:00.500 --> 00:15:05.210
<v Jörg>Und da war ich auch sehr ängstlich, muss ich sagen.

00:15:05.210 --> 00:15:14.930
<v Jörg>Also mit den Büchern zunächst also, und dann hatte ich das große Glück, das
empfinde ich als großes Privileg oder Glück, dass

00:15:14.930 --> 00:15:21.590
<v Jörg>es für die Bücher eine wunderbare Resonanz gab in Frankreich und in der
Bretagne.

00:15:22.340 --> 00:15:25.820
<v Jörg>Die sind in 16 Ländern erschienen.

00:15:26.300 --> 00:15:31.160
<v Jörg>Aber Frankreich und die Bretagne war für mich psychisch am schwierigsten.

00:15:31.160 --> 00:15:40.580
<v Jörg>Das sind Liebeserklärungen, aber eines Fremden natürlich, und findet man sich
in der Beschreibung dieser Liebe wieder als

00:15:40.580 --> 00:15:42.640
<v Jörg>derjenige, der da beschrieben wird?

00:15:42.640 --> 00:15:44.210
<v Jörg>Alles komplizierte Fragen.

00:15:44.900 --> 00:15:48.350
<v Jörg>Und für die Filme, da hast du recht, genau das Gleiche.

00:15:48.890 --> 00:15:53.480
<v Jörg>Und da darf ich mich aber nicht mit den fremden Federn schmücken.

00:15:53.480 --> 00:16:03.470
<v Jörg>Das ist wirklich Mathias Lösel, ein großartiger Produzent, der die Bretagne in-
und auswendig kennt auch, so wie ich, also der da immer ist und seit

00:16:03.470 --> 00:16:04.640
<v Jörg>seiner Jugend.

00:16:04.640 --> 00:16:14.250
<v Jörg>Und der hat das Ganze in die Hand genommen, von Anfang an und etwas entworfen,
was ganz eigenständig funktioniert.

00:16:14.250 --> 00:16:17.790
<v Jörg>Und das sind ja viel mehr Zuschauer.

00:16:18.060 --> 00:16:20.010
<v Jörg>Der hat 5, 6 Millionen Zuschauer.

00:16:20.100 --> 00:16:23.760
<v Jörg>Also da, das habe ich natürlich längst nicht mit den Büchern.

00:16:23.970 --> 00:16:28.500
<v Jörg>Und ich glaube, in 60 Ländern laufen diese Filme, also völlig verrückt.

00:16:28.500 --> 00:16:32.520
<v Jörg>Und also noch viel mehr Länder, als die Bücher erscheinen.

00:16:32.880 --> 00:16:36.000
<v Jörg>Und dem ist das gelungen, was wirklich rar ist.

00:16:36.480 --> 00:16:46.410
<v Jörg>Also die funktionieren in ganz vielen Ländern, auch in Italien, und laufen
immer frei, also auf den größten Sendern zur Primetime und haben tolle

00:16:46.410 --> 00:16:49.620
<v Jörg>Quoten. Also in Frankreich eben genau, wie du sagst auch.

00:16:49.620 --> 00:16:53.580
<v Jörg>Aber es liegt natürlich daran auch, dass der klug das Team gemischt hat.

00:16:53.580 --> 00:17:03.090
<v Jörg>Da ist ja, sind verschiedene Nationalitäten drinnen und es wirkt eben nicht
deutsch, ist mein Gefühl, so von der

00:17:03.090 --> 00:17:03.780
<v Jörg>Machart.

00:17:03.780 --> 00:17:04.860
<v Tobias>Ja, glaube ich auch.

00:17:05.520 --> 00:17:08.730
<v Tobias>So, jetzt müssen wir ja mal so den Übergang finden.

00:17:08.730 --> 00:17:11.020
<v Tobias>Unser Podcast heißt ja Bei Anruf Wein.

00:17:11.020 --> 00:17:15.120
<v Tobias>Wir haben keinen Literaturpodcast, auch keinen Krimipodcast.

00:17:15.840 --> 00:17:22.920
<v Tobias>Deswegen, vielleicht steigen wir jetzt mal ein, um über den neuen Band zu
sprechen: Bretonischer Ruhm.

00:17:23.010 --> 00:17:26.010
<v Tobias>Wir haben es gerade schon gesagt, Dupin zwölfter Fall.

00:17:26.550 --> 00:17:35.940
<v Tobias>Und ja, um jetzt vielleicht nicht zu viel zu spoilern, weil die Hörerinnen und
Hörer sollen natürlich eher gespannt auf das Buch aus dem Podcast

00:17:36.450 --> 00:17:44.190
<v Tobias>gehen, würde ich dich aber dennoch mal um eine Zusammenfassung oder so ein
bisschen Teaser zu diesem Buch bitten.

00:17:45.360 --> 00:17:53.610
<v Jörg>Ja, also es ist doch was für einige Unerwartetes geschehen.

00:17:55.050 --> 00:18:04.980
<v Jörg>Dupin und Claire, das kann ich, glaube, ich verraten, weil das sofort auch in
dem Buch vorkommt, haben sich das Jawort

00:18:04.980 --> 00:18:14.220
<v Jörg>gegeben, also haben geheiratet in, natürlich, in Concarneau, natürlich im
Amiral, und ja, und begeben sich auf

00:18:14.430 --> 00:18:24.330
<v Jörg>Hochzeitsreise. Und ihre alte Nachbarin, die ist ja schon bekannt, die immer
mit dem Baguette durch die Bücher läuft, das tun

00:18:24.330 --> 00:18:32.430
<v Jörg>die ja wirklich ,also das ist ja kein Klischee, dass du, wenn du in Frankreich
über die Straßen läufst, gehst, dann siehst du Menschen, die unter dem Arm ein

00:18:32.730 --> 00:18:38.250
<v Jörg>Baguette haben, und ja, die nennt das immer Honigreise.

00:18:38.940 --> 00:18:48.840
<v Jörg>Aber es ist die Hochzeitsreise, und die führt sie in den äußersten Süden der
Bretagne, wo die Bretagne beginnt, also oberhalb

00:18:48.840 --> 00:18:54.600
<v Jörg>der Insel Noirmoutier, Pornic heißt der kleine Ort, so eine Sommerfrische aus
dem 19.

00:18:54.600 --> 00:18:56.700
<v Jörg>Jahrhundert, ein Seebad, wunderschön.

00:18:57.330 --> 00:19:05.460
<v Jörg>Und da wollen sie hin, denn und jetzt sind wir sofort bei eurem Sujet, dem
Wein, ist ja auch Dupins Sujet,

00:19:06.810 --> 00:19:10.790
<v Jörg>weil das die Gegend des Muscadet ist.

00:19:10.790 --> 00:19:18.990
<v Jörg>Da mündet, die Loire in der Region, und die letzten 100 Kilometer fließt die
Loire durch altes bretonisches Land.

00:19:19.200 --> 00:19:21.570
<v Jörg>Das war mir auch nicht klar eine ganze Zeit.

00:19:21.930 --> 00:19:30.330
<v Jörg>Deswegen hat die Bretagne sehr wohl einen eigenen weltberühmten Wein, nämlich
diese eine Traube da, die dann den Muscadet macht.

00:19:30.840 --> 00:19:40.380
<v Jörg>Und die Idee für die Hochzeitsreise ist eine Etappe von Verkostungen entlang
der Loire,

00:19:40.410 --> 00:19:43.500
<v Jörg>also dieses letzten Teils.

00:19:43.980 --> 00:19:46.920
<v Jörg>Und das haben sie sich ausgedacht, die beiden.

00:19:47.100 --> 00:19:53.890
<v Jörg>Und kommen unter in Pornic, ein wunderschönes Weingut, wirklich.

00:19:53.890 --> 00:20:02.250
<v Jörg>Die Reben stehen 5 Meter vom Meer, also auf 10 Meter Höhe, auf so felsigem
Grund, ganz schwieriger Untergrund.

00:20:02.250 --> 00:20:12.060
<v Jörg>Und bei Wein, das muss ich nicht sagen, ist ja bekannt, weiß man, je
schwieriger die Aufgabe ist für

00:20:12.060 --> 00:20:14.790
<v Jörg>Reben, desto mehr Charakter entwickeln sie.

00:20:14.790 --> 00:20:19.860
<v Jörg>Also ganz komplizierte Lebens- und Überlebensbedingungen für den Wein.

00:20:19.860 --> 00:20:23.400
<v Jörg>Und das, das macht natürlich eine großartige Qualität dann.

00:20:23.430 --> 00:20:33.330
<v Jörg>Und ja, das ist so ein Bio-Weingut und ist eine kleine, eigene Welt, muss man
sagen, diese Fontaine, die es genauso

00:20:33.330 --> 00:20:42.900
<v Jörg>gibt. Das ist ja so im Prinzip der Reihe, immer nur reale Orte zu nehmen, und
ja, da fangen sie an und

00:20:43.740 --> 00:20:46.930
<v Jörg>es ist dann ja wie mit den Motten und dem Licht.

00:20:46.930 --> 00:20:54.500
<v Jörg>Wenn Dupin irgendwo ist, passiert immer auch Übles und so fängt das da auch an.

00:20:54.500 --> 00:21:04.080
<v Jörg>Ja, und jetzt ist er halt auf Hochzeitsreise und Dupin hasst ja eigentlich
Ferien und Urlaub und Nichtstun ist ihm ja wirklich ein

00:21:04.080 --> 00:21:13.960
<v Jörg>Schrecken. Und na ja, und jetzt wird es kompliziert, weil Claire ja dabei ist
und die haben sich natürlich geschworen, dass sie beide, sie haben ja

00:21:13.960 --> 00:21:21.040
<v Jörg>schon mal zusammen Ferien gemacht und haben dann jeweils den anderen
ausgetrickst, weil sie doch gearbeitet haben, und dass sie das diesmal nicht

00:21:21.040 --> 00:21:28.060
<v Jörg>tun. Ja, und dann, wie gesagt, passiert Übles und dann beginnt's.

00:21:28.060 --> 00:21:32.140
<v Jörg>Und sehr für Dupin ungewöhnlich, weil er wirklich nicht will.

00:21:32.140 --> 00:21:40.090
<v Jörg>Er will nicht ermitteln, aber dann motiviert ihn Claire selbst und übernimmt
die Initiative.

00:21:40.300 --> 00:21:47.950
<v Tobias>Genau. Es ist ja so ein bisschen Frauenpower diesmal auch drin, weil es ist ja
nicht nur Claire, sondern sie will ja jetzt eigentlich sogar, dass Dupin

00:21:48.550 --> 00:21:56.410
<v Tobias>ermittelt und das eben, weil eine Freundin von ihr involviert ist in diese
ganze Geschichte und, glaube ich, auch mal zwischendurch sogar unter Tatverdacht

00:21:56.410 --> 00:21:56.890
<v Tobias>steht.

00:21:56.890 --> 00:21:58.600
<v Jörg>Die ganze Zeit, ja.

00:21:58.600 --> 00:22:07.690
<v Tobias>Und er ist jetzt diesmal eigentlich derjenige, der sagt, nee, ich will nicht,
lass mich in Ruhe, wir haben jetzt hier Hochzeitsreise oder Honigreise.

00:22:07.690 --> 00:22:11.470
<v Tobias>Und dann ziehen die beiden Frauen ja auch alleine los, ne?

00:22:12.190 --> 00:22:19.450
<v Jörg>Ja, genau. Also er nimmt diesen Vorsatz ernst, was sie da formuliert haben, und
findet es skurril.

00:22:19.450 --> 00:22:28.840
<v Jörg>Also Claire drängt, weil der Exmann ihrer besten Freundin, wo sie da
untergekommen sind, in dieser Fontaine in diesem

00:22:28.840 --> 00:22:31.300
<v Jörg>Weingut, ermordet wird.

00:22:31.300 --> 00:22:37.240
<v Jörg>Und sie und die Freundin drängen ihn jetzt, da zu ermitteln.

00:22:37.240 --> 00:22:38.620
<v Jörg>Es ist nicht sein Terrain.

00:22:39.130 --> 00:22:48.820
<v Jörg>Es gibt einen regulären Commissaire, der zuständig ist, nämlich aus Nantes, das
ist ja nur eine halbe Stunde entfernt, und der übernimmt das alles.

00:22:48.820 --> 00:22:51.130
<v Jörg>Und er will wirklich nicht.

00:22:51.130 --> 00:22:56.020
<v Jörg>Zum allerersten Mal in seiner Karriere will er nicht ermitteln.

00:22:56.380 --> 00:23:06.070
<v Jörg>Und ja, wird auf subtile Weise, dann aber auch auf grobe Weise zu weilen
gezwungen von diesen beiden Frauen,

00:23:06.070 --> 00:23:08.020
<v Jörg>die einfach voranschreiten.

00:23:08.020 --> 00:23:13.330
<v Jörg>Und das kann er natürlich, das funktioniert natürlich auch nicht, weil es ist
ja eine ernste Sache da.

00:23:13.330 --> 00:23:17.020
<v Jörg>Er beginnt dann selbst mit dem Ermitteln wider Willen.

00:23:17.020 --> 00:23:21.760
<v Jörg>Also das ist eine Ermittlung wider Willen, und ja, führt tief in den Wein.

00:23:21.760 --> 00:23:30.700
<v Jörg>Also der ganze Fall spielt im Wein sozusagen, bei Winzern und es geht um Wein
und es geht auch am Ende um Wein.

00:23:30.700 --> 00:23:35.290
<v Jörg>Und das hat mir großen Spaß gemacht für mich selbst auch.

00:23:35.290 --> 00:23:45.280
<v Jörg>Ich bin durch meine Herkunft auch mit der Familie, einen Teil aus Belgien, sehr
mit dem Wein

00:23:45.280 --> 00:23:55.030
<v Jörg>aufgewachsen. Und meine Eltern leben in Südfrankreich in einem Weingebiet und
insofern ist das immer ein großes Thema auch für mich gewesen.

00:23:55.120 --> 00:24:01.060
<v Tobias>Okay, das beantwortet jetzt schon ein bisschen die Frage, warum es dich gereizt
hat, jetzt den Wein noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

00:24:01.060 --> 00:24:07.090
<v Tobias>Weil spielte ja immer eine Rolle, Dupin ist ja durchaus Genussmensch.

00:24:07.900 --> 00:24:11.650
<v Jörg>Aber Wein ist ja viel mehr und das hat mich ja so gereizt.

00:24:11.650 --> 00:24:20.010
<v Jörg>Das ist ja schon eine Kulturform, eigentlich eine Kunstform, muss man sagen,
zumindest in Frankreich, für die Franzosen.

00:24:20.010 --> 00:24:29.740
<v Jörg>Und mich hat es immer fasziniert, weil auch also was ich überhaupt nicht leiden
kann, muss ich ehrlich sein, das mag Dupin ja auch nicht, ist dieses

00:24:29.740 --> 00:24:33.500
<v Jörg>ganze Chichi und dieses.

00:24:33.500 --> 00:24:35.470
<v Jörg>Das gibt es ja auch beim Wein.

00:24:35.470 --> 00:24:38.650
<v Jörg>Ja, und das ist nicht meine Sache.

00:24:38.650 --> 00:24:48.460
<v Jörg>Aber was ich unglaublich beeindruckend finde, ist, wie der Mensch, alleine
diese Idee, den Geschmack eines Weins zu

00:24:48.460 --> 00:24:51.340
<v Jörg>bestimmen, finde ich eine verrückte Idee.

00:24:51.610 --> 00:25:01.120
<v Jörg>Es gibt, ich kenne kein Gebiet zwischen dem Mensch und der Wirklichkeit, wo das
so elaboriert wurde, also wo man sich so viel Mühe gibt, mit der

00:25:01.120 --> 00:25:07.120
<v Jörg>Sprache einen Sinneseindruck, einen einzelnen Sinneseindruck zu bezeichnen.

00:25:07.120 --> 00:25:11.440
<v Jörg>Also das ist ja eine, da hat man ja einen Aufwand unternommen, unglaublich.

00:25:11.440 --> 00:25:19.930
<v Jörg>Also, und das ist was sehr Schönes, also zu versuchen, die Welt, eine
Sinneserfahrung, da ein Genuss,

00:25:20.590 --> 00:25:30.190
<v Jörg>so umfassend wie möglich mit Worten zu beschreiben und überhaupt die
Subtilität, also diese

00:25:30.190 --> 00:25:32.860
<v Jörg>Aromen zu entwickeln.

00:25:32.860 --> 00:25:41.230
<v Jörg>Also das ist, glaube ich, auch auf keinem anderen Gebiet kann man so viele
Aromen, so viele, und das sind ja alles Sinneseindrücke,

00:25:42.460 --> 00:25:44.750
<v Jörg>definieren wie beim Wein.

00:25:44.750 --> 00:25:50.020
<v Jörg>Also mich interessiert der Wein, ja, ich liebe ihn zu trinken, also ganz
praktisch.

00:25:51.010 --> 00:25:54.580
<v Jörg>Aber ich, mag ihn auch theoretisch sehr, muss ich sagen.

00:25:54.580 --> 00:25:56.890
<v Jörg>Also ich bin überhaupt kein Experte.

00:25:57.220 --> 00:26:06.970
<v Jörg>Das gar nicht. Ich habe so meine Privattheorien, aber hat mich immer fasziniert
und ist ja auch Jahrtausende alt als

00:26:06.970 --> 00:26:14.570
<v Jörg>Kulturtechnik, -praxis und ist immer ein Merkmal von hoher Kultur.

00:26:14.570 --> 00:26:19.400
<v Jörg>Aber noch lange nicht hinreichend natürlich, um hohe Kultur zu bestimmen.

00:26:19.790 --> 00:26:29.180
<v Jörg>Auch Barbaren trinken fantastische Weine und auch Diktatoren trinken
fantastische Weine und die größten Bestien tun das.

00:26:29.180 --> 00:26:34.910
<v Jörg>Aber an sich ist es eine große Kultur- und Kunstleistung, finde ich.

00:26:35.120 --> 00:26:41.930
<v Tobias>Damit bist du jetzt, denke ich mal, schon ein bisschen mehr, sage ich mal,
Weinliebhaber als Dupin.

00:26:41.960 --> 00:26:48.560
<v Tobias>Weil er ist ja schon so, dass er sagt, er liebt Wein, er ist Weingenießer, aber
er ist auf keinen Fall Weinkenner.

00:26:48.590 --> 00:26:51.140
<v Tobias>Er möchte daraus keine  Wissenschaft machen.

00:26:51.770 --> 00:26:56.480
<v Tobias>Ich erinnere mich auch an eine Szene in dem Buch, wo das sehr, sehr deutlich
wird.

00:26:56.900 --> 00:27:06.260
<v Tobias>Er will jetzt eigentlich endlich mal einen Schluck guten Wein trinken, muss
sich aber erst mal irgendwie sehr, sehr ausführliche Geschichten zu dem Wein

00:27:06.260 --> 00:27:07.550
<v Tobias>anhören von der Winzerin.

00:27:07.700 --> 00:27:14.420
<v Tobias>Und dann soll er auch noch irgendwie aufschreiben, was er schmeckt und riecht
und soll ihn dann auch noch ausspucken.

00:27:14.540 --> 00:27:16.250
<v Tobias>Ist ja absolute Qual.

00:27:16.370 --> 00:27:20.030
<v Jörg>Ja, du sprichst vom Anfang, vom Einstieg.

00:27:20.270 --> 00:27:25.160
<v Jörg>Da ist eine Weinverkostung beschrieben und ja, das ist überhaupt nicht seine
Sache.

00:27:25.550 --> 00:27:33.470
<v Jörg>Also ist ja ohnehin sehr ungeduldig, und jetzt dazusitzen und Stunden sich was
anzuhören.

00:27:34.640 --> 00:27:43.130
<v Jörg>Und er hatte sich das auch ganz anders vorgestellt, so eine Weinverkostung,
hatte er nur vage Ideen und bis hin zu dieser fürchterlichen Vorstellung, dass

00:27:43.130 --> 00:27:46.270
<v Jörg>man dann nur kostet, aber dann wieder ausspuckt.

00:27:46.270 --> 00:27:51.380
<v Jörg>Da stehen überall diese, sind ja auch abscheulich anzusehen, diese Spucknäpfe.

00:27:51.860 --> 00:27:58.970
<v Jörg>Und er unterläuft das natürlich, also ihm fiel nicht im Traum ein, das dann so
zu machen.

00:27:59.840 --> 00:28:06.440
<v Jörg>Und er trinkt natürlich, also er hat ein praktisches Interesse am Wein und kein
theoretisches, ja.

00:28:07.100 --> 00:28:16.520
<v Tobias>Sehr gut. Ja, und ich finde auch schön, auch im Einstieg des Buches, dass du
irgendwie relativ schnell aus dem Weg räumst, dass es in der Bretagne gar keinen

00:28:16.520 --> 00:28:24.830
<v Tobias>Wein gibt, in dem du halt einfach sagst, na ja, die die Loire und insbesondere
da, wo wir da sind, das ist eigentlich altes bretonisches Gebiet.

00:28:24.830 --> 00:28:26.000
<v Jörg>Ja, das ist es ja.

00:28:26.000 --> 00:28:33.550
<v Jörg>Das ist zwar jetzt Loire-Atlantique, heißt das Département, aber historisch ist
das Kernland.

00:28:33.550 --> 00:28:37.460
<v Jörg>Sogar Nantes und war ja lange die Capitale der Bretagne.

00:28:37.460 --> 00:28:47.270
<v Jörg>Und auch für jeden Franzosen, also die, zum Beispiel, die Salzgärten, die
Guérande gehört zu Bretagne für jeden Franzosen, ist

00:28:47.270 --> 00:28:52.640
<v Jörg>aber formal jetzt administrativ, verwaltungstechnisch ist es Loire-Atlantique.

00:28:53.270 --> 00:29:02.270
<v Jörg>Ja, und so ist das mit dem Muscadet und aber Pornic ist ein altes bretonisches
Seebad und für jeden ist das

00:29:02.270 --> 00:29:05.060
<v Jörg>Bretagne, Pornic, und ja.

00:29:05.060 --> 00:29:07.520
<v Tobias>Also sind wir so bei kultureller Aneignung jetzt schon fast?

00:29:07.520 --> 00:29:12.500
<v Jörg>Ja, also das ist wirklich dann, ich glaube, in den 60ern des 20.

00:29:12.500 --> 00:29:19.220
<v Jörg>Jahrhunderts ist das erst verändert worden, dass das nicht mehr zu dieser
offiziellen Region gehört.

00:29:19.220 --> 00:29:27.620
<v Jörg>Aber das ist es kulturell, geschichtlich, sprachlich, und auch im Bewusstsein
der Menschen dort ist das alles

00:29:28.550 --> 00:29:38.000
<v Jörg>ur-bretonisch. Und so ist, so stimmt es einfach, dass die Bretonen doch nämlich
dort einen eigenen und auch berühmten, weltberühmten Wein

00:29:38.570 --> 00:29:40.850
<v Jörg>produzieren mit dem Muscadet.

00:29:40.850 --> 00:29:50.790
<v Jörg>Und es ist nicht nur der Muscadet eine Eigenschaft der Bretonen, der
bretonischen Küche, der bretonischen Lebensart, ist ja, habe

00:29:50.790 --> 00:30:00.690
<v Jörg>ich gesagt, dieses sehr Lokale, Regionale und die haben etliche Rebsorten,
Trauben, autochthone auch

00:30:00.690 --> 00:30:10.320
<v Jörg>teils in dieser Gegend, die sie wieder, wie alles andere, nehmen wir mal den
Buchweizen, der hat ja so eine Riesenrenaissance in den letzten 20 Jahren, der

00:30:10.320 --> 00:30:15.690
<v Jörg>bretonische. Und so haben die das jetzt auch mit Trauben gemacht, zum Beispiel
in dieser Fontaine Grolleau Gris.

00:30:15.840 --> 00:30:20.700
<v Jörg>Das ist so eine ganz verrückte Traube, sehr alt, ganz besonders.

00:30:20.700 --> 00:30:23.590
<v Jörg>Und das war eigentlich zum Verschnitt nur da.

00:30:23.590 --> 00:30:32.670
<v Jörg>Und da gibt es ja so viele und da ist ja das Gleiche, diese fürchterliche
Industrialisierung, das ist echt ein Verbrechen der

00:30:32.670 --> 00:30:35.940
<v Jörg>Nahrungsmittel und auch des Weins.

00:30:35.940 --> 00:30:45.360
<v Jörg>Hat ja dazu geführt, dass immer weniger Trauben benutzt werden, von den, ich
glaube, 10.400, die man

00:30:45.360 --> 00:30:47.700
<v Jörg>kennt, die man benutzen könnte.

00:30:47.700 --> 00:30:57.330
<v Jörg>Und in Frankreich sind es, glaube ich, 40 oder so, die man benutzt, Aber die
haben auch paar 100 und die werden zum Verschnitt eingesetzt oder gar nicht

00:30:57.330 --> 00:31:03.300
<v Jörg>mehr. Und es ist so wie mit alten Sorten, auch gerade beim Obst und Gemüse.

00:31:03.300 --> 00:31:09.270
<v Jörg>Apfel ist ja bekannt, dass man alte Apfelsorten reaktiviert, alte Tomatensorten
usw.

00:31:10.090 --> 00:31:19.560
<v Jörg>Und so die Bretonen, die da immer so ein Bewusstsein hatten in der Tradition,
haben damit ganz früh wieder angefangen und das ist da sehr ausgeprägt und

00:31:19.560 --> 00:31:28.920
<v Jörg>großartig. Also du findest dann wirklich so Weine, die wirklich einmal anders
schmecken, weil sie aus ganz anderen Trauben gemacht werden, und zwar dann zu

00:31:28.950 --> 00:31:32.020
<v Jörg>100 %, wie dieser Grolleau Gris.

00:31:32.020 --> 00:31:40.950
<v Jörg>Das ist, die machen dann einen hundertprozentigen Grolleau Gris und dann
entfalten sich und dann sind so subtil gehandhabt, dass wirklich, und das ist so

00:31:40.950 --> 00:31:49.530
<v Jörg>eine bretonische Art, auch mit Lebensmitteln umzugehen, dass der ganz eigene
spezifische Geschmack sich entfalten kann.

00:31:49.530 --> 00:31:59.430
<v Jörg>Ja, und da überlebt, also als Weinliebhaber ist das eine tolle Region, um
Überraschungen, wirklich neue Erfahrungen zu machen,

00:31:59.820 --> 00:32:05.640
<v Jörg>muss man sich darauf einlassen und dann muss man auch fragen, welche Gerichte
usw.

00:32:07.650 --> 00:32:17.310
<v Tobias>Ja, Muscadet, das Stichwort ist ja jetzt auch schon ein paarmal gefallen, da
muss man ja wirklich sagen, das Trinken von Muscadet zieht sich wie ein

00:32:17.310 --> 00:32:20.370
<v Tobias>roter Faden eigentlich durch die Krimis, durch die Bände.

00:32:20.880 --> 00:32:26.580
<v Tobias>Ganz klassisch kennt man es ja auch, sage ich mal, als Begleiter von Austern,
was in der Bretagne auch ein Riesenthema ist.

00:32:27.060 --> 00:32:34.650
<v Tobias>Erzähl uns doch ein bisschen was zu Muscadet und warum das für dich auch so
ein, sage ich mal, zentraler Wein ist.

00:32:34.680 --> 00:32:44.250
<v Jörg>Ja, ich muss vielleicht vorausschicken, das macht es ein wenig absurd, aber so
ist es, dass ich leider gar keinen Weißwein vertrage.

00:32:44.250 --> 00:32:49.180
<v Jörg>Fürchterlich. Ich habe eine einzige Allergie, nämlich diese.

00:32:49.180 --> 00:32:53.820
<v Jörg>Seit ich 14, 15 bin, ich kann keinen weißen Wein trinken.

00:32:54.450 --> 00:32:57.180
<v Jörg>Irgendwas ist da mit den Säuren, keine Ahnung.

00:32:58.110 --> 00:33:00.120
<v Jörg>Ich trinke roten Wein nur.

00:33:00.120 --> 00:33:09.930
<v Jörg>Und das sind also Geschmacksfantasien, die ich bei weißen Wein habe, aber jetzt
der Muscadet, der ist einfach in der Bretagne.

00:33:10.500 --> 00:33:16.860
<v Jörg>Also es gibt ja diesen großartigen Satz: l'eau c'est que pour les vaches.

00:33:16.920 --> 00:33:19.100
<v Jörg>Also das Wasser ist nur für die Kühe.

00:33:19.100 --> 00:33:21.990
<v Jörg>Und man trinkt gerne Alkohol.

00:33:21.990 --> 00:33:25.380
<v Jörg>Also es ist keine Gegend des Alkoholismus.

00:33:25.380 --> 00:33:27.260
<v Jörg>Das meine ich jetzt überhaupt nicht.

00:33:27.260 --> 00:33:29.360
<v Jörg>Aber man genießt gerne.

00:33:29.360 --> 00:33:39.150
<v Jörg>Und der Muscadet ist was ganz Selbstverständliches jeden Tag im Leben, weil er
eben sich so wunderbar

00:33:39.150 --> 00:33:42.270
<v Jörg>trinkt zu allem, was frisch aus dem Meer kommt.

00:33:42.450 --> 00:33:52.100
<v Jörg>Und das meint jetzt Muscheln, das meint langusten das mein Crevetten, das meint
Fische, Austern.

00:33:52.100 --> 00:33:57.030
<v Jörg>Und man muss sich das, man muss ein bisschen das sich anders vorstellen.

00:33:57.030 --> 00:34:01.010
<v Jörg>Für uns sind das ja so Luxuslebensmittel alles.

00:34:01.010 --> 00:34:02.430
<v Jörg>Das ist es da gar nicht.

00:34:02.430 --> 00:34:12.330
<v Jörg>Im Gegenteil. Also ich kenne viele ältere Damen, die meine Krimis lieben, da in
Concarneau und die, wenn große Ebbe ist,

00:34:12.330 --> 00:34:16.500
<v Jörg>dann gehen die den ganzen Tag lang die Muscheln suchen, die kosten da nichts.

00:34:16.500 --> 00:34:26.040
<v Jörg>Und die größte Köstlichkeit, die man sich vorstellen kann, dann kommt man mit
solchen Eimern, also großen Eimern, randvoll gefüllt mit 5, 6 verschiedenen

00:34:26.040 --> 00:34:29.940
<v Jörg>Muschelarten wieder und hat dann für Tage die köstlichsten Dinge.

00:34:29.940 --> 00:34:39.780
<v Jörg>So, und das meine ich, also das hat überhaupt nichts mit Teuer und Geld und
Snobismus zu tun, sondern ist alltäglich und eher eine Lebensweise,

00:34:40.110 --> 00:34:45.700
<v Jörg>auch wenn man nicht viel Geld hat, weil man eben in die Natur geht und sich
das holt.

00:34:45.700 --> 00:34:52.630
<v Jörg>Und jeder Bretone hat so seine geheimen Orte, wo man welche Muscheln findet.

00:34:52.930 --> 00:35:02.710
<v Jörg>Ja, und der Muscadet ist immer dabei oder fast immer dabei, so dass es, ja,
also wie Baguette oder irgendwie, ist ein

00:35:02.710 --> 00:35:06.190
<v Jörg>selbstverständlicher Teil des Lebens, ja.

00:35:06.550 --> 00:35:10.390
<v Tobias>Weil es aus deren Sicht ja auch im Grunde genommen ein bretonischer Wein ist.

00:35:10.540 --> 00:35:12.310
<v Tobias>Das spielt ja wahrscheinlich da auch mit rein, oder?

00:35:13.090 --> 00:35:15.910
<v Jörg>Ja, das spielt auch mit rein, genau.

00:35:16.120 --> 00:35:25.210
<v Jörg>Aber es ist auch einfach, wie, also wie soll ich sagen, eine völlige
Selbstverständlichkeit, wie man

00:35:26.140 --> 00:35:31.810
<v Jörg>zum Kaffee Milch nimmt oder irgendwie zum Baguette Butter nimmt in der
Bretagne.

00:35:32.380 --> 00:35:36.670
<v Jörg>So, dann trinkt man zu Meeresfrüchten Muscadet.

00:35:36.910 --> 00:35:39.250
<v Tobias>Ja, und dann gibt es ja Muscadet.

00:35:39.280 --> 00:35:44.320
<v Tobias>Aber es wird ja dann häufig von Muscadet Sur Lie gesprochen.

00:35:44.320 --> 00:35:47.600
<v Tobias>Das hat was mit Hefe zu tun, habe ich mal gehört.

00:35:47.600 --> 00:35:48.700
<v Jörg>Ja.

00:35:48.700 --> 00:35:51.220
<v Tobias>Erzähl uns mal was zum Muscadet Sur Lie.

00:35:51.250 --> 00:35:53.620
<v Tobias>Was macht da den besonderen Reiz aus?

00:35:53.620 --> 00:36:00.010
<v Tobias>Auch, wenn das jetzt natürlich mit deiner Geschichte zu der Weißweinallergie
irgendwie nicht so passt, aber versuch es trotzdem mal.

00:36:00.190 --> 00:36:05.380
<v Jörg>Ja, also das kann ich nur theoretisch, wie gesagt, und das ist irgendwie
traurig.

00:36:06.280 --> 00:36:09.040
<v Jörg>Ich habe die alle noch nicht gekostet, aber.

00:36:09.040 --> 00:36:10.540
<v Tobias>Aber Austern magst du, ne?

00:36:10.540 --> 00:36:11.650
<v Jörg>Ja, Austern liebe ich.

00:36:11.650 --> 00:36:20.470
<v Jörg>Habe ich erst sehr spät lieben gelernt durch einen Freund, dem ehemaligen
Kiepenheuer-Verleger Helge Malchow.

00:36:20.500 --> 00:36:25.600
<v Jörg>Der hat mir das beigebracht in der Bretagne selbst irgendwann.

00:36:26.110 --> 00:36:35.470
<v Jörg>Aber ich habe, ein guter Freund, der ist verrückt nach diesem Hefemoment da im
Geschmack.

00:36:37.990 --> 00:36:42.190
<v Jörg>Aber wie gesagt, ich kann es nur mir vorstellen, ja.

00:36:43.240 --> 00:36:47.230
<v Tobias>Okay. Aber ich habe in dem Buch einen sehr, sehr schönen Satz gelesen.

00:36:47.230 --> 00:36:49.900
<v Tobias>Den möchte ich jetzt mal gerade vortragen.

00:36:49.900 --> 00:36:53.200
<v Tobias>Ist jetzt auch nicht irgendwie Spoiler, ich verrate nichts.

00:36:53.230 --> 00:37:01.360
<v Tobias>Du hast geschrieben: „Die Wahrheit ist, jeder muss den Wein finden, der zu
seinem Wesen, zu seinem Körper, zu seinem Geist passt".

00:37:01.840 --> 00:37:03.880
<v Tobias>Das finde ich irgendwie super formuliert.

00:37:04.150 --> 00:37:08.830
<v Tobias>Versuch doch mal zu erläutern: Was meinst du damit genau?

00:37:08.860 --> 00:37:11.680
<v Jörg>Ja, aber das ist meine tiefste Überzeugung.

00:37:11.680 --> 00:37:16.150
<v Jörg>Also wie gesagt, ich bin überhaupt kein Weinexperte in diesem Sinne.

00:37:16.960 --> 00:37:26.710
<v Jörg>Aber zu diesem Satz stehe ich und das ist so die Quintessenz meiner eigenen,
kleinen Weinbiografie sozusagen, dass man,

00:37:28.000 --> 00:37:36.880
<v Jörg>das weiß man mittlerweile ja aus der modernen Medizin, dieser
Individualmedizin, das ist ja die große

00:37:36.880 --> 00:37:46.240
<v Jörg>Entwicklung. Beruht darauf, auf der Erkenntnis, dass Körper und Stoffwechsel
der einzelnen Menschen so unterschiedlich sind, viel

00:37:46.240 --> 00:37:47.860
<v Jörg>unterschiedlicher als man glaubte.

00:37:47.860 --> 00:37:57.160
<v Jörg>Und so werden ja jetzt Medikamente, das wird immer mehr kommen und irgendwann
die Regel sein, dass jeder Mensch ein ganz spezifisches Medikament für jedes

00:37:57.160 --> 00:37:58.330
<v Jörg>Leiden bekommt.

00:37:58.330 --> 00:38:05.620
<v Jörg>Und die unterscheiden sich dann auch erheblich, weil sich die einzelnen Körper
doch erheblich unterscheiden.

00:38:05.620 --> 00:38:13.360
<v Jörg>Ist manchmal schwer sich vorzustellen, aber es sind ja
Milli-Milli-Milli-Milligramm von irgendeinem Botenstoff, den hat der eine mehr,

00:38:13.360 --> 00:38:16.030
<v Jörg>der andere weniger und die Auswirkungen sind immens.

00:38:16.180 --> 00:38:18.370
<v Jörg>So, warum sage ich das alles?

00:38:18.370 --> 00:38:21.130
<v Jörg>Das ist auch mit Wein natürlich so.

00:38:21.130 --> 00:38:25.030
<v Jörg>Das ist ja chemisch eine irre Komplexion, über die wir da reden.

00:38:25.030 --> 00:38:34.900
<v Jörg>Also wir führen uns etwas zu mit 1.000 verschiedenen chemischen,
physiologischen Aspekten, wenn wir

00:38:34.900 --> 00:38:39.410
<v Jörg>Wein trinken, und dann ist es so ein Match sozusagen.

00:38:39.410 --> 00:38:49.060
<v Jörg>Also es gibt ein paar objektive Kriterien, natürlich, wenn der Wein sauer ist,
wenn der Wein usw,, dann ist das

00:38:49.060 --> 00:38:55.900
<v Jörg>schrecklich. Aber, wenn man das mal schon beiseite lässt, dann ist jeder
sozusagen unterwegs.

00:38:55.900 --> 00:38:59.470
<v Jörg>Also, wenn man das mag, das ist ja ein großes Privileg, das zu können.

00:38:59.470 --> 00:39:08.150
<v Jörg>Aber unterwegs seinen Wein zu finden, der genau zu seinem Körper passt, zu
seinen Stimmungen, das ist ja auch unterschiedlich.

00:39:08.150 --> 00:39:12.640
<v Jörg>Ich habe das ganz stark, also irgendwann, und das habe ich dann irgendwann mir
erarbeite.

00:39:13.380 --> 00:39:20.830
<v Jörg>Ich weiß, heute würde ich diesen Wein auf keinen Fall trinken, der zieht mich
runter oder der macht mir Kopfschmerzen.

00:39:20.830 --> 00:39:30.040
<v Jörg>So, und dann habe ich richtig Lust auf einen ganz spezifischen Wein an einem
bestimmten Tag und merke, dass

00:39:30.400 --> 00:39:32.230
<v Jörg>andere nicht funktionieren würden.

00:39:32.440 --> 00:39:42.310
<v Jörg>So, und das meine ich, man findet so im Leben so seine Region, seine Weine und
das hängt dann auch noch von der Form ab,

00:39:42.310 --> 00:39:45.580
<v Jörg>von den Tagen ab, vom Wetter, von der Jahreszeit.

00:39:45.790 --> 00:39:48.730
<v Jörg>Aber es ist sehr, sehr individuell.

00:39:48.970 --> 00:39:54.640
<v Jörg>Und das entscheidet am Ende also und das macht ja auch großen Spaß, das zu
erkunden.

00:39:56.080 --> 00:40:05.920
<v Jörg>Also als junger Mann habe ich mal mit Freunden in einer Gruppe, wir haben so
richtig Erkundungen gemacht, dann uns

00:40:05.920 --> 00:40:15.040
<v Jörg>Gebiete vorgenommen und gesagt, jetzt probieren wir mal uns durchs Bordelais
oder durch Châteauneuf-du-Pape, durch die Region und dann mal geguckt, welche

00:40:15.280 --> 00:40:17.380
<v Jörg>Vertreter, welcher usw.

00:40:17.380 --> 00:40:19.690
<v Jörg>Und man findet das ja dann so raus.

00:40:19.690 --> 00:40:26.400
<v Jörg>Und ich, ich habe dann irgendwann auch mein Lieblingsprofil sozusagen gefunden,
was mir am besten schmeckt.

00:40:26.400 --> 00:40:30.550
<v Jörg>Und dann kann man ja von dort aus wieder experimentieren.

00:40:31.060 --> 00:40:34.600
<v Tobias>Ja, das ist jetzt ein gutes Stichwort, experimentieren.

00:40:34.600 --> 00:40:40.000
<v Tobias>Denn Claire und Dupin sagen in dem Buch auch, sie möchten sich am liebsten jeden
Tag einer anderen Rebsorte widmen.

00:40:40.690 --> 00:40:44.890
<v Tobias>Und jetzt bleiben wir vielleicht mal aus bekannten Gründen bei den Rotweinen.

00:40:44.890 --> 00:40:48.040
<v Tobias>Aber wir sind ja, wir sind ja an der Loire unterwegs.

00:40:48.820 --> 00:40:55.600
<v Tobias>Deswegen vielleicht mal an dich die Frage: Pinot Noir, Cabernet Franc oder
Abouriou?

00:40:56.650 --> 00:41:00.100
<v Tobias>Was wäre deine spontane Präferenz?

00:41:01.900 --> 00:41:10.510
<v Jörg>Also, diesen Abouriou habe ich da so kennengelernt, erst richtig und

00:41:10.510 --> 00:41:14.610
<v Jörg>sehr schätzen gelernt.

00:41:14.610 --> 00:41:22.700
<v Jörg>Bei mir ist es so, und das gilt für alle 3 Trauben, es hängt wirklich dann von
der, davon ab, was der Winzer damit macht.

00:41:22.910 --> 00:41:29.870
<v Jörg>Denn die können alle auch, ich sage es mal ein bisschen flapsig, sauer werden.

00:41:30.350 --> 00:41:31.610
<v Jörg>Zu sauer für mich.

00:41:31.610 --> 00:41:32.990
<v Jörg>Das mag ich überhaupt nicht.

00:41:33.650 --> 00:41:38.240
<v Jörg>Aber sie können auch alle 3 etwas Samtiges haben.

00:41:38.240 --> 00:41:41.120
<v Jörg>Und dann mag ich Rote von allen 3.

00:41:41.120 --> 00:41:46.330
<v Jörg>Aber meine Entdeckung jetzt, die anderen kannte ich schon, ist diese Abouriou,
ja.

00:41:46.680 --> 00:41:52.430
<v Jörg>Und das ist ein verrückter Wein, finde ich eigentlich.

00:41:52.820 --> 00:41:57.550
<v Jörg>Ich fand unerwartet, weil er für mich sehr voll ist.

00:41:57.550 --> 00:42:07.250
<v Jörg>Also voller, das sind alles Laienausdrücke, ich weiß, als die beiden anderen und
ähm ja, ich hatte, man denkt ja nicht so an

00:42:07.850 --> 00:42:12.020
<v Jörg>rote Trauben und Weine bei der Loire.

00:42:12.500 --> 00:42:14.990
<v Jörg>Zu Unrecht, wie ich dann festgestellt habe.

00:42:16.340 --> 00:42:25.670
<v Tobias>Ja, und wenn man noch mal an Dupin denkt, er isst ja unwahrscheinlich gerne sein
Entrecôte mit Fritten und da darf es dann auch ein Rotwein aus dem Languedoc

00:42:25.670 --> 00:42:26.030
<v Tobias>sein.

00:42:27.110 --> 00:42:34.250
<v Jörg>Ja, also das ist natürlich so ein Klassiker in Frankreich allgemein, dass man da
dazu

00:42:36.350 --> 00:42:45.890
<v Jörg>gerne so einen schweren oder schwereren, samtigen, weichen südfranzösischen aus
dem

00:42:46.730 --> 00:42:56.510
<v Jörg>Roussillon-Languedoc da unten, oder so, oder Fitou oder Roussillon Villages
oder so trinkt und er besonders gerne, weil das, und das gebe ich

00:42:56.510 --> 00:43:06.140
<v Jörg>sofort zu, dass das meine ganz eigene Präferenz ist, ich bin immer wahnsinnig
beeindruckt, wenn Winzer das

00:43:06.140 --> 00:43:15.380
<v Jörg>schaffen, Weine zu produzieren, die extrem komplex sind und ganz viel

00:43:15.650 --> 00:43:25.130
<v Jörg>Körper haben und all das, also sehr stark sind, auch im Geschmack, im Ausdruck
und irren

00:43:25.130 --> 00:43:27.030
<v Jörg>Charakter haben.

00:43:27.030 --> 00:43:36.980
<v Jörg>All das, aber gleichzeitig also auch mit viel Alkohol, 14 % oder 14,5 auch nicht
zu viel, ehrlich gesagt,

00:43:36.980 --> 00:43:45.590
<v Jörg>aber so was, und dann ganz samtig weich das schaffen also weil das ja erst mal
wie so ein Widerspruch scheint.

00:43:46.220 --> 00:43:48.890
<v Jörg>Aber das ist so eine hohe Kunst, finde ich.

00:43:48.890 --> 00:43:56.630
<v Jörg>Also für mich jetzt. Aber das ist wirklich, da gilt mein Satz von eben, das
habe ich für mich rausgefunden, dass das mit mir am besten funktioniert.

00:43:56.630 --> 00:44:04.700
<v Jörg>Also für mich funktionieren diese Rotweine am besten und ich kann dann auch
genau sagen, wenn es zu viele Prozent wird, dann bin ich wieder weg.

00:44:04.910 --> 00:44:14.810
<v Jörg>Ja, also das so zwischen, meistens zwischen 14 und 15 irgendwie, und wenn das
dann eins drüber, dann funktioniert es,

00:44:14.810 --> 00:44:17.630
<v Jörg>tut meinem Körper auch zum Beispiel überhaupt nicht gut, meinem Geist auch
nicht.

00:44:17.840 --> 00:44:23.600
<v Jörg>Und ich trinke manchmal auch Wein beim Schreiben oder fürs Schreiben, bin ich
ehrlich.

00:44:24.080 --> 00:44:28.040
<v Jörg>Aber dann, da suche ich etwas ganz Bestimmtes, was in meinem Kopf passiert.

00:44:28.040 --> 00:44:31.970
<v Jörg>Und das können bestimmte Weine, zum Beispiel diese, sehr gut.

00:44:32.150 --> 00:44:41.870
<v Jörg>Ja, und nämlich, dass es so ein bisschen gelockert wird, die neuronalen, die
gewöhnlichen neuronalen Bindungen

00:44:41.870 --> 00:44:51.710
<v Jörg>sozusagen und man so ein bisschen, was man dann flapsig kreativ, dass es
schneller springt und sprüht, und ja, und das

00:44:51.710 --> 00:45:01.610
<v Jörg>ist seine persönliche Präferenz von Dupin und eben, da bin ich ehrlich, das ist
einfach meine, dass ich diese Rotweine

00:45:01.610 --> 00:45:02.750
<v Jörg>so bewundere.

00:45:02.750 --> 00:45:12.710
<v Jörg>Also früher waren das ja da unten Massenweine, vor allem, ganz fürchterlich,
aber schon seit 20 Jahren oder so haben die

00:45:12.710 --> 00:45:22.610
<v Jörg>da angefangen, junge Winzer in, also ich denke, dieses fantastische Tal der
Katharer, also eine der tollsten Landschaften in Europa oder in

00:45:22.610 --> 00:45:31.730
<v Jörg>Frankreich ganz sicher da, von Perpignan an den Pyrenäen entlang, wo die
Katharer sich zurückgezogen haben auf diese 7, 8 Burgen da.

00:45:31.730 --> 00:45:36.100
<v Jörg>Und das ist die wärmste Gegend Frankreichs, verrückt.

00:45:36.100 --> 00:45:38.930
<v Jörg>Also südlicher als Korsika noch.

00:45:38.930 --> 00:45:48.200
<v Jörg>Das denkt man gar nicht, aber da ist nichts mit Wasser und sowas und da stehen,
das ist ein ganzes Weintal und dann haben die die Erträge

00:45:48.200 --> 00:45:51.620
<v Jörg>reduziert, extrem, mit angefangen.

00:45:52.070 --> 00:45:53.600
<v Tobias>Sehr alte Rebstöcke.

00:45:53.600 --> 00:46:03.170
<v Jörg>Sehr alte Rebstöcke, ja, und dann haben die Beton genommen und Aluminium und
diese ganze Unart mit diesen nur Holz und dann

00:46:03.170 --> 00:46:08.470
<v Jörg>mit unendlichen Parfums alles weggelassen und sich konzentriert.

00:46:08.470 --> 00:46:15.410
<v Jörg>Und da sind dann Weine entstanden in den letzten 10, 15 Jahren, die, finde
ich, und das sind solche, die können das.

00:46:15.410 --> 00:46:24.580
<v Jörg>Das kann man auch in anderen Gegenden Frankreichs, aber da kommt halt zusammen,
dass man irre viel Alkohol bekommen kann durch den irren

00:46:24.580 --> 00:46:29.350
<v Jörg>Zuckergehalt und dann zaubern die da so was.

00:46:30.190 --> 00:46:34.360
<v Tobias>Ja, absolut. Und vielleicht noch mal als Bezug jetzt zum neuen Band.

00:46:34.390 --> 00:46:37.690
<v Tobias>Da dürfen wir jetzt tatsächlich nicht zu viel verraten.

00:46:38.080 --> 00:46:47.410
<v Tobias>Aber ich sage jetzt mal Cheval Blanc, 1953, Margaux 1927 und 1959, Pomerol aus
1949,

00:46:48.640 --> 00:46:55.330
<v Tobias>ein Yquem 1912 und ganz legendär, 1945er Romanée-Conti.

00:46:55.930 --> 00:46:58.840
<v Tobias>Ja, all diese Weine spielen in dem Buch eine Rolle.

00:46:59.380 --> 00:47:04.000
<v Tobias>Was sind denn deine Erfahrungen mit dieser Kategorie von Weinen?

00:47:05.230 --> 00:47:11.740
<v Jörg>Also leider sind es rare Erfahrungen, rare Momente.

00:47:11.740 --> 00:47:21.370
<v Jörg>Aber ich habe, ab und an, nicht mit allen diesen Weinen eine Erfahrung gehabt,
vor allem auch über einen

00:47:21.370 --> 00:47:31.180
<v Jörg>großartigen, leider verstorbenen Freund Heinz Ludwig Arnold in Göttingen, der
den Weinkeller teils von Dürrenmatt geerbt hatte,

00:47:31.480 --> 00:47:34.570
<v Jörg>der ja fantastischer Weinkenner war.

00:47:34.570 --> 00:47:36.820
<v Jörg>Und das war der Heinz Ludwig Arnold auch.

00:47:36.820 --> 00:47:41.530
<v Jörg>Und da habe ich ein paar dieser Weine kennenlernen dürfen.

00:47:42.130 --> 00:47:51.580
<v Jörg>Und ja, jetzt ohne Übertreibung, aber das sind Offenbarungen dann, wenn das
gutgeht, also das kann ja auch

00:47:51.580 --> 00:47:58.930
<v Jörg>fehlgehen, eben auch, weil das individuelle Präferenzen sind, aber das ist
schon völlig verrückt.

00:47:58.930 --> 00:48:08.440
<v Jörg>Also, wenn man da so einen Wein hat, eine Flasche und das funktioniert dann,
dann erlebt man wirklich

00:48:08.440 --> 00:48:13.090
<v Jörg>Dinge, die man so noch nicht erlebt hat von den Eindrücken.

00:48:13.090 --> 00:48:19.030
<v Jörg>Wenn man sich darauf einlässt, ist das dann natürlich viel mehr als trinken
oder irgendwie, das ist schon dann.

00:48:19.870 --> 00:48:24.160
<v Jörg>Ja, ich glaube, diese Metapher Offenbarung trifft es ganz gut.

00:48:24.160 --> 00:48:29.200
<v Jörg>Was man dann erlebt, wenn man so ganz große Weine trinkt.

00:48:29.410 --> 00:48:38.950
<v Jörg>Aber auch da, das Tolle ist, finde ich, dass es in der Weinwelt eben keine
Regel gibt, außer,

00:48:39.220 --> 00:48:47.020
<v Jörg>finde ich, dieser einen, dass jeder seinen eigenen Wein finden muss und
glücklich werden soll mit dem was er findet und trinkt.

00:48:47.380 --> 00:48:53.860
<v Jörg>Und das muss man nicht trinken, aber das ist dann halt mal eine exzeptionelle
Erfahrung.

00:48:54.760 --> 00:48:55.930
<v Jörg>Aber großartig.

00:48:56.140 --> 00:49:00.580
<v Tobias>Ja. Ja, vor allem bei Altweinen finde ich ja auch den geschichtlichen Kontext so
spannend.

00:49:01.210 --> 00:49:11.110
<v Tobias>Also man hat eine Flasche eben aus 1945 oder sogar 1927 und ich glaube, das
gehört zwingend dazu, dass man auch reflektiert,

00:49:11.110 --> 00:49:17.870
<v Tobias>was war eigentlich zu dem Zeitpunkt in der Welt los oder auch in dem Land, aus
dem der Wein stammt.

00:49:17.870 --> 00:49:20.560
<v Tobias>Deswegen, das ist viel mehr, als nur Wein zu trinken.

00:49:20.560 --> 00:49:23.020
<v Tobias>Insbesondere dann, wenn der Wein eben noch intakt ist.

00:49:23.110 --> 00:49:25.000
<v Jörg>Das meinte ich, wenn es funktioniert.

00:49:25.000 --> 00:49:26.080
<v Tobias>Genau. Und eigentlich ja.

00:49:26.080 --> 00:49:27.550
<v Jörg>Das merkt man ja auch schnell.

00:49:27.550 --> 00:49:28.600
<v Tobias>Ja, das merkt man schnell.

00:49:28.600 --> 00:49:32.500
<v Tobias>Oxidation merkt man schnell, Essig, Essigtöne sowieso.

00:49:32.500 --> 00:49:38.380
<v Tobias>Und toll ist es aber dann, wenn der Wein trotz des hohen Alters, ja, so
unaufgeregt eigentlich daherkommt.

00:49:38.380 --> 00:49:45.820
<v Tobias>Man selber ist irgendwie völlig nervös, aber der Wein, ja, der transportiert
halt einfach nur seine Seele.

00:49:45.940 --> 00:49:48.880
<v Jörg>Ja, das spielt ja eine irre Rolle.

00:49:48.880 --> 00:49:53.110
<v Jörg>Wir können uns das gar nicht anders vorstellen als mit diesem Wissen schon.

00:49:53.350 --> 00:49:57.550
<v Jörg>Und es gibt ja diesen schönen Satz: Man weiß nur, was man sieht.

00:49:57.550 --> 00:50:00.220
<v Jörg>Da könnte man sagen: Man schmeckt nur, was man weiß.

00:50:01.660 --> 00:50:03.970
<v Jörg>Nein: Man sieht nur, was man weiß.

00:50:03.970 --> 00:50:06.850
<v Jörg>Und hier kann man sagen: Man schmeckt nur, was man weiß.

00:50:06.850 --> 00:50:10.300
<v Jörg>Nämlich, das gehört natürlich zu so einem Schluck dazu.

00:50:10.300 --> 00:50:20.290
<v Jörg>Also das Bewusstsein, man trinkt hier, und das ist ja keine Metapher dann, das
ist von 1947, und man trinkt dieses Jahr, diese Luft dieses

00:50:20.290 --> 00:50:22.410
<v Jörg>Jahres mit, alles.

00:50:22.410 --> 00:50:24.910
<v Jörg>Und auch das Jahr und die Geschichte.

00:50:25.720 --> 00:50:27.670
<v Tobias>„Flüssige Geschichte" hat es mal jemand genannt.

00:50:28.150 --> 00:50:30.070
<v Jörg>Ja, ja, ja, genau.

00:50:30.070 --> 00:50:39.910
<v Jörg>Und dann muss man mit der notwendigen Imagination, macht das dann diese
verrückte Erfahrung aus, ja.

00:50:41.410 --> 00:50:49.330
<v Tobias>Das ist jetzt eigentlich ein ganz gutes Thema, nämlich fragen wir ganz gerne in
dem Podcast: Was ist denn so dein Einsamer-Insel-Wein?

00:50:49.720 --> 00:50:58.360
<v Tobias>Ja, also vielleicht direkt die Spielregeln: Die Insel hat einen Weinkeller,
unterirdisch, ja, alles bestens temperiert.

00:50:58.990 --> 00:51:03.160
<v Tobias>Es darf aber tatsächlich nur ein einziger Wein sein und davon ganz viele
Flaschen.

00:51:03.840 --> 00:51:09.330
<v Jörg>Okay, also es wäre bei mir, es ist natürlich wie immer diese Art Fragen.

00:51:09.330 --> 00:51:17.100
<v Jörg>Ein Buch mit auf eine Insel, einen Film, einen Song oder, ein Komponist

00:51:17.100 --> 00:51:18.120
<v Tobias>Ich will nur den Wein wissen.

00:51:18.210 --> 00:51:25.770
<v Jörg>Genau. Nein, ich meine, es sind strukturelle, es ist eine völlig inakzeptable,
so gemeine Frage.

00:51:26.520 --> 00:51:32.520
<v Jörg>Ich bin dann immer für so eine 10er-Liste eigentlich, damit man so ein bisschen
Platz hat.

00:51:32.520 --> 00:51:41.520
<v Jörg>Aber, wenn ich sie dann beantworten würde, ich habe nämlich schon mal darüber
nachgedacht, dann bin ich nach langem Nachdenken auf ein

00:51:42.240 --> 00:51:46.680
<v Jörg>Vieux Télégraphe Châteauneuf-du-Pape gekommen.

00:51:46.680 --> 00:51:55.890
<v Jörg>Das, ich weiß nicht warum, ist auch egal, meine These, jeder findet seinen Wein
am Ende, wenn ich mich zu entscheiden

00:51:55.890 --> 00:52:03.900
<v Jörg>hätte, diese verrückte Konstellation mit der einsamen Insel, die einen
perfekten Weinkeller will, dann würde ich ihn damit füllen.

00:52:03.900 --> 00:52:07.740
<v Jörg>Und weil ich wüsste, dass ich dem nie über würde.

00:52:08.100 --> 00:52:17.760
<v Jörg>Also der würde, das kann ich garantieren, und der in Perfektion mit meinem
Stoffwechsel und meinem Körper und meinem Geist,

00:52:17.940 --> 00:52:20.140
<v Jörg>meiner Seele funktioniert irgendwie.

00:52:20.140 --> 00:52:20.970
<v Jörg>Der ist nie falsch.

00:52:21.600 --> 00:52:23.280
<v Tobias>Das höre ich gerne Châteauneuf-du-Pape.

00:52:23.280 --> 00:52:24.060
<v Tobias>Das ist gut.

00:52:24.060 --> 00:52:26.400
<v Jörg>Ja, ich bin großer, überhaupt. Das ist mein liebstes Gebiet.

00:52:26.430 --> 00:52:27.240
<v Tobias>Oh, wow, Super.

00:52:27.240 --> 00:52:28.560
<v Jörg>Noch vor dem Bordelais.

00:52:28.590 --> 00:52:34.530
<v Jörg>Also, es gibt diese irren, sprachen wir eben, diese irren Bordeauxweine, wo man
dann die anhimmelt.

00:52:34.530 --> 00:52:44.310
<v Jörg>Aber jetzt abgesehen von so einzelne Exzeptionellen, aber trotzdem, ich würde
sofort, also wenn du mich fragen würdest, leider muss

00:52:44.310 --> 00:52:53.730
<v Jörg>eins dieser beiden Gebiete verschwinden vom Antlitz der Erde, ich würde das
Bordelais verschwinden lassen, um mir Châteauneuf-du-Pape zu bewahren.

00:52:53.760 --> 00:52:57.870
<v Tobias>Ja, ja, ja. Und Châteauneuf ist auch irgendwie, ist auch alles ein bisschen
bodenständiger.

00:52:59.430 --> 00:53:07.440
<v Tobias>Also jetzt gar nicht mal nur von den Weinen jetzt gesprochen, sondern es ist
halt eben nicht das Bordeaux, es sst auch nicht das Burgund, sondern es ist

00:53:07.440 --> 00:53:11.640
<v Tobias>alles, finde ich, noch ein bisschen, ja, ursprünglicher, ein bisschen
rustikaler.

00:53:13.080 --> 00:53:14.520
<v Tobias>Und das ist mir auch sehr, sehr sympathisch.

00:53:14.520 --> 00:53:17.250
<v Tobias>Ich habe es in dem Podcast auch schon, glaube ich, ein paarmal erzählt.

00:53:17.250 --> 00:53:18.030
<v Jörg>Ah ja, super.

00:53:18.360 --> 00:53:21.930
<v Tobias>Ich hatte sogar mal die Ehre, im Châteauneuf meine eigene Châteauneuf Cuvée
herzustellen.

00:53:23.730 --> 00:53:26.220
<v Jörg>Boah, Chapeau!

00:53:26.220 --> 00:53:28.680
<v Tobias>Ja, das war ein ganz, ganz toller Prozess.

00:53:28.830 --> 00:53:35.460
<v Tobias>Man probiert ja dann aus kleinen Reagenzgläschen und davon jetzt so viel
Prozent und davon so viel.

00:53:35.940 --> 00:53:39.990
<v Tobias>Und ich muss sagen, der Winzer, der das mit mir gemacht hat, er war zufrieden.

00:53:39.990 --> 00:53:42.300
<v Tobias>Er hat gesagt, ich hätte das gut gemacht.

00:53:42.300 --> 00:53:44.010
<v Jörg>Aber das ist ein Ritterschlag.

00:53:44.010 --> 00:53:46.170
<v Jörg>Ich gratuliere auch noch meinerseits.

00:53:46.260 --> 00:53:51.060
<v Tobias>Vielen Dank. Leider habe ich nur noch 2 Flaschen davon im heimischen Keller.

00:53:51.060 --> 00:53:54.200
<v Tobias>Genau, aber ja, da bin ich völlig bei dir.

00:53:54.200 --> 00:53:58.360
<v Jörg>Aber das heißt, du bist auch ein Fan, also auch Châteauneuf-du-Pape.

00:53:58.360 --> 00:53:59.310
<v Tobias>Absolut, absolut.

00:53:59.310 --> 00:54:02.150
<v Jörg>Sehr gut. Ich bin dabei, so eine Art Club zu gründen, nämlich.

00:54:02.150 --> 00:54:03.780
<v Tobias>Ja, ich immer bin Mitglied.

00:54:03.780 --> 00:54:03.820
<v Tobias>Ich mache mit.

00:54:03.820 --> 00:54:10.440
<v Jörg>Sehr gut, sehr gut. Da haben wir, sind wir schon zu zweit, denn das, der war ja
mal irre berühmt.

00:54:10.650 --> 00:54:19.980
<v Jörg>Ich erinnere mich an einen frühen Bond-Film, wo das auch die Frage war,
sozusagen so, Bordeaux oder

00:54:19.980 --> 00:54:21.060
<v Jörg>Châteauneuf-du-Pape.

00:54:21.060 --> 00:54:25.760
<v Jörg>So, und da war noch sozusagen der Mythos, und da hat der Châteauneuf gewählt.

00:54:25.760 --> 00:54:29.850
<v Jörg>Und ich würde das eben auch tun im Zweifelsfall.

00:54:29.850 --> 00:54:39.630
<v Jörg>Und dann gibt es so viele auch da, so viele tolle Appellation, Winzer und auch
die haben eine Entwicklung wieder durchgemacht, die ich

00:54:39.630 --> 00:54:47.010
<v Jörg>toll finde. Also da gab es ja mal eine Zeit die Gefahr eben auch, das zu
übertreiben mit dem Barrique.

00:54:47.580 --> 00:54:48.330
<v Tobias>Ja, ja, ja.

00:54:48.330 --> 00:54:51.030
<v Jörg>Diese ganze Unart. Also Entschuldigung, so habe ich das empfunden.

00:54:51.360 --> 00:54:53.400
<v Jörg>Und auch mit dem Alkohol dann.

00:54:53.400 --> 00:54:55.560
<v Tobias>Genau, da kamen ja dann sehr, sehr heiße Jahrgänge.

00:54:55.560 --> 00:55:00.360
<v Tobias>Also so was wie 2003, wurde dann auch von so einem Kritiker wie Parker extrem
gelobt.

00:55:01.140 --> 00:55:10.350
<v Tobias>Ja, aber das sind halt eben Weine, ich glaube, die haben auch nicht meine keine
Langstreckenfähigkeit, weil da ist einfach zu viel Alkohol, zu viel

00:55:10.350 --> 00:55:20.340
<v Tobias>Extrakt. Deswegen, und auch heute aufgrund des Klimawandels, man muss schon
genauer hingucken, um wirklich die eleganten Weine zu finden, und

00:55:20.340 --> 00:55:22.430
<v Tobias>das ist dann sehr jahrgangsabhängig.

00:55:22.430 --> 00:55:32.070
<v Tobias>Und schade natürlich noch mal mit dem Thema Weißwein bei dir, weil ich bin ja
auch absoluter Fan von Châteauneuf-du-Pape Blanc, den man ja selten

00:55:32.070 --> 00:55:36.930
<v Tobias>überhaupt, sage ich mal, in Deutschland auch antrifft, weil die
Produktionsmengen eher gering sind.

00:55:36.930 --> 00:55:39.090
<v Tobias>Aber auch ganz, ganz tolle Weine.

00:55:39.090 --> 00:55:46.630
<v Tobias>Ich finde, die Gegend südliche Rhône, wir haben auch schon in mehreren
Podcastfolgen über die südliche Rhône geschwärmt, und dazu gehört nun mal

00:55:46.630 --> 00:55:46.800
<v Tobias>Châteauneuf.

00:55:46.900 --> 00:55:48.150
<v Jörg>Die musst du mir mal schicken.

00:55:48.750 --> 00:55:51.580
<v Tobias>Die muss ich gar nicht schicken, weil unseren Podcast gibt es ja immer und
überall.

00:55:51.580 --> 00:56:00.350
<v Jörg>Nein, ich meine die, die sagen, welche das sind, speziell, wo du über die, über
Châteauneuf sprichst.

00:56:00.350 --> 00:56:09.430
<v Tobias>Ja, sage ich dir gerne Bescheid, weil ja, das ist wirklich auch so, mein
Co-Moderator Michael ist ja heute nicht dabei, aber wir beide waren schon viel

00:56:09.430 --> 00:56:10.990
<v Tobias>an der südlichen Rhône unterwegs.

00:56:11.170 --> 00:56:15.730
<v Tobias>Und ja, das ist auch so ein bisschen unsere Herzensgegend.

00:56:15.760 --> 00:56:21.880
<v Tobias>Ja, ja, jetzt hoffe ich ja, dass wir, jetzt sind wir von der Bretagne über die
Loire, jetzt sind wir sogar in Südfrankreich gelandet.

00:56:21.880 --> 00:56:28.630
<v Tobias>Aber ich hoffe vor allem, dass wir jetzt unseren Hörerinnen und Hörern, ja,
schon mal einen kleinen Vorgeschmack auch liefern konnten auf das neue Buch.

00:56:28.630 --> 00:56:30.520
<v Tobias>Es ist ja gerade erst erschienen.

00:56:31.420 --> 00:56:39.940
<v Tobias>Jetzt muss ich aber trotzdem mal fragen: Die Planungshorizonte bei Verlagen,
bei Autoren sind ja immer sehr, sehr groß.

00:56:39.970 --> 00:56:43.870
<v Tobias>Kann man jetzt schon irgendwie über den nächsten Band sprechen?

00:56:43.870 --> 00:56:53.860
<v Jörg>Unbedingt. Also der, es ist immer so lustigerweise, dass, wenn der eine
erscheint, und Dupin ist ja ein Mensch strikter

00:56:53.860 --> 00:56:55.810
<v Jörg>Rituale und Ritualisierung.

00:56:55.810 --> 00:56:57.790
<v Jörg>Das bin ich auch leider.

00:56:57.790 --> 00:57:03.130
<v Jörg>Und seit dem ersten Band hat alles seinen festen Rhythmus.

00:57:03.130 --> 00:57:12.790
<v Jörg>Also, dass ich immer im April anfangen zu schreiben und so im Juni, Juli fertig
bin mit dem ersten Entwurf

00:57:12.790 --> 00:57:15.350
<v Jörg>eines Bandes irgendwie.

00:57:15.350 --> 00:57:25.240
<v Jörg>Und es ist auch dieses Jahr so, deswegen immer, wenn, jetzt gerade erscheint der
neue und dann ist der nächste gerade so fertig

00:57:25.240 --> 00:57:26.350
<v Jörg>oder fast fertig.

00:57:26.350 --> 00:57:35.290
<v Jörg>So, und da verschlägt es Dupin, es ist ein Spezialauftrag des Präfekten, den er
ja hasst, und

00:57:36.670 --> 00:57:45.860
<v Jörg>beruht ja auf Gegenseitigkeit, die verbindet ja eine tiefe Feindschaft, die
beiden Männer.

00:57:45.860 --> 00:57:49.870
<v Jörg>Na ja, und der kriegt einen Spezialauftrag und muss auf die Île Ouessant.

00:57:50.290 --> 00:57:54.100
<v Jörg>Und das ist völlig wahnsinnig.

00:57:54.100 --> 00:57:55.330
<v Tobias>Ach, das ist die Insel, hast du vorhin erzählt, wo du erst warst?

00:57:55.330 --> 00:57:57.550
<v Jörg>Das ist die Insel, wo ich gerade war, genau.

00:57:57.550 --> 00:57:59.290
<v Jörg>Da war ich jetzt das dritte Mal innerhalb von.

00:57:59.290 --> 00:58:01.060
<v Tobias>Hast du, glaube ich, noch vor der Aufnahme erzählt.

00:58:01.060 --> 00:58:02.410
<v Tobias>Aber wir sagen es gerade noch mal dazu.

00:58:02.410 --> 00:58:03.820
<v Tobias>Da warst du jetzt sozusagen auf Reise.

00:58:03.820 --> 00:58:13.750
<v Jörg>Eine Insel vor dem äußersten Nordwesten, Richtung Cornwall und Irland gelegen
schon

00:58:14.830 --> 00:58:21.700
<v Jörg>und so 8 Kilometer lang, 2, 3 breit, also wirklich.

00:58:21.700 --> 00:58:31.390
<v Jörg>Und im Eingang zum Kanal, da sind die wildesten Strömungen des
Nordwestatlantiks, wird bis zu 25 Kilometer

00:58:31.390 --> 00:58:32.710
<v Jörg>schnell diese Strömung.

00:58:32.710 --> 00:58:42.670
<v Jörg>Da stehst du dann auf so einer Klippe und siehst wirklich das Meer an dir
vorbeirasen und nicht fließen oder so was, sondern strömen, sondern

00:58:42.670 --> 00:58:47.680
<v Jörg>rasen. Also wie ein Fahrradfahrer fließt das ganze Meer an dir vorbei.

00:58:47.980 --> 00:58:56.680
<v Jörg>Völlig verrückt. Letztes Jahr im November gab es einen Sturm, da war eine Welle
26,8 Meter hoch.

00:58:57.130 --> 00:59:06.250
<v Jörg>Und das ist, also das ist Bretagne extrem die raueste, wildeste, wüsteste
Bretagne, die ich kenne und gleichzeitig die

00:59:06.250 --> 00:59:16.150
<v Jörg>mystischste. Also der Quotient von Legende, Legendendichte, von Anzahl Legenden
pro Quadratmeter ist

00:59:16.150 --> 00:59:17.860
<v Jörg>da sicher am höchsten in der Bretagne.

00:59:17.860 --> 00:59:27.700
<v Jörg>Großartiges Stück Land und in der Antike und dann im Mittelalter ein

00:59:27.700 --> 00:59:36.850
<v Jörg>irrer, sehr, sehr berühmt, und viele halten das für Avalon, diese Insel, die
liegt nämlich häufig im Nebel,

00:59:37.660 --> 00:59:44.410
<v Jörg>sehr häufig, und mit den dramatischsten Geschichten, wirklich.

00:59:44.410 --> 00:59:49.000
<v Jörg>Also das ist, und da spielt der nächste Band.

00:59:49.660 --> 00:59:55.860
<v Tobias>Und Inspektor Kadeg spielt da noch mal als Hassfigur eine Rolle, oder?

00:59:56.610 --> 01:00:01.740
<v Jörg>Kadeg spielt in diesem Fall keine ganz so große Rolle.

01:00:01.740 --> 01:00:05.370
<v Jörg>Er ist da mit Riwal unterwegs auf dieser Insel.

01:00:05.970 --> 01:00:15.000
<v Jörg>Und das ist natürlich praktisch, weil der ja der universelle Kenner der
Bretagne ist.

01:00:15.000 --> 01:00:16.180
<v Tobias>Der Ur-Bretone.

01:00:16.180 --> 01:00:16.800
<v Jörg>Ja, genau.

01:00:17.820 --> 01:00:19.980
<v Tobias>Ja, Sehr schön. Ja, das ist super.

01:00:20.220 --> 01:00:25.320
<v Tobias>Auf den Band müssen wir uns natürlich dann noch ein bisschen gedulden, bis der
rauskommt.

01:00:25.950 --> 01:00:30.450
<v Tobias>Aber wie gesagt, jetzt der zwölfte Fall, Bretonischer Ruhm, der ist jetzt zu
haben.

01:00:31.380 --> 01:00:33.120
<v Tobias>Ja, Jörg, vielen, vielen Dank.

01:00:33.390 --> 01:00:38.430
<v Tobias>Ich sage jetzt mal nicht Jean-Luc, jetzt haben wir es ja gelernt, und ich
bedanke mich sehr für das Gespräch.

01:00:38.460 --> 01:00:40.800
<v Jörg>Ja, das tue ich auch. Hat großen Spaß gemacht.

01:00:40.800 --> 01:00:45.690
<v Jörg>Vielen Dank für das tolle Gespräch mit dir und bei euch sein zu dürfen.

01:00:45.690 --> 01:00:47.550
<v Jörg>Das ist eine große Freude und Ehre.

01:00:47.550 --> 01:00:48.450
<v Jörg>Danke. Ciao.

01:00:48.480 --> 01:00:49.530
<v Tobias>Ja, danke, danke.

01:00:49.530 --> 01:00:52.980
<v Tobias>Und wir sehen uns ja dann in unserem Châteauneuf-Club das nächste Mal, ne?

01:00:53.880 --> 01:00:56.160
<v Jörg>Herr Präsident. Mit großem Vergnügen.