WEBVTT

00:00:02.330 --> 00:00:07.490
<v Michael>Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.620 --> 00:00:12.860
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.

00:00:12.890 --> 00:00:20.990
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein. Heute geht es in eine italienische Weinregion,
die ohne Frage zur europäischen Königsklasse gehört.

00:00:21.020 --> 00:00:25.430
<v Tobias>Michael und ich nehmen euch mit ins Piemont -
genauer gesagt an den Fuß der Alpen.

00:00:25.430 --> 00:00:34.160
<v Tobias>Dorthin, wo die Rebsorte Nebbiolo seine größte Ausdruckskraft findet,
wo Barolo und Barbaresco zu Referenzen für Langlebigkeit und Prestige geworden

00:00:34.160 --> 00:00:39.290
<v Tobias>sind. Wir sprechen über Geografie und Geschichte,
über die überraschende Rebsortenvielfalt,

00:00:39.290 --> 00:00:44.120
<v Tobias>über große Namen und über die Frage, warum das Piemont immer wieder mit dem
Burgund verglichen wird,

00:00:44.120 --> 00:00:51.410
<v Tobias>obwohl dort ganz andere Regeln gelten. Gar keine anderen Regeln gelten beim
Bewerten und Folgen des Bei Anruf Wein-Podcasts.

00:00:51.440 --> 00:00:55.430
<v Tobias>Einfach machen! Auf Spotify, Apple Podcasts und co.

00:00:55.460 --> 00:00:59.480
<v Tobias>Michael und ich sagen Danke! Also bleibt mal dran.

00:00:59.630 --> 00:01:00.830
<v Tobias>Ich ruf den mal an!

00:01:05.630 --> 00:01:10.820
<v Michael>Hallo, mein lieber Tobias. Nachträglich wünsche ich dir ein frohes neues Jahr.

00:01:10.850 --> 00:01:11.660
<v Tobias>Ja, danke.

00:01:11.900 --> 00:01:15.620
<v Michael>Und selbstverständlich nicht nur dir, auch wenn du mir natürlich absolut wichtig
bist,

00:01:15.650 --> 00:01:20.480
<v Michael>sondern auch all unseren lieben Zuhörerinnen und Zuhörern,
die mir ja genauso wichtig sind.

00:01:20.480 --> 00:01:27.890
<v Michael>Also euch allen ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr,
was immer dann auch „erfolgreich" für den Einzelnen,

00:01:27.890 --> 00:01:35.360
<v Michael>die Einzelne heißen mag. Also willkommen in 2026 und willkommen bei unserer 125.

00:01:35.360 --> 00:01:36.320
<v Michael>Podcastfolge.

00:01:36.350 --> 00:01:41.600
<v Tobias>Ja, danke für diesen Auftakt, Michael. Gesundheit dürfen wir natürlich auch
nicht vergessen.

00:01:41.600 --> 00:01:44.660
<v Tobias>Die wünschen wir natürlich auch allen in dem neuen Jahr.

00:01:45.230 --> 00:01:50.660
<v Tobias>Ja, also bleibt alle gesund und munter und bleibt natürlich auch bitte Bei Anruf
Wein treu.

00:01:51.020 --> 00:01:56.570
<v Tobias>Denn auch im Jahr 2026 wollen wir natürlich wieder viel über Wein und
Weinmacher,

00:01:56.570 --> 00:02:01.530
<v Tobias>über Rebsorten, Regionen und dem ganzen Drumherum sozusagen berichten.

00:02:01.560 --> 00:02:07.729
<v Tobias>Und wir fangen heute eigentlich auch mit einer ganz besonderen Region in Bella
Italia an.

00:02:07.729 --> 00:02:11.950
<v Tobias>Ne, Michael? Wir sprechen heute über das Piemont.

00:02:11.950 --> 00:02:16.560
<v Tobias>Oder über den Piemont? Weiß ich jetzt auch nicht genau.

00:02:16.650 --> 00:02:20.880
<v Michael>Ich denke, es heißt „das Piemont". Klingt für mich zumindest richtig.

00:02:20.910 --> 00:02:24.480
<v Michael>Aber schaue ich einfach noch mal nach, tragen wir nach. Doch -
das Piemont, das klingt gut.

00:02:24.690 --> 00:02:25.560
<v Tobias>Ja, ne? Sonst hört sich irgendwie komisch an.

00:02:25.590 --> 00:02:32.730
<v Michael>Also auf jeden Fall der Name Piemont. Der leitet sich ab vom Lateinischen „ad
pedem montium"...

00:02:31.620 --> 00:02:32.730
<v Tobias>War ja wieder klar, dass du das weißt.

00:02:34.140 --> 00:02:37.230
<v Michael>...was so viel bedeutet wie „am Fuße der Berge". Doch,
macht Sinn.

00:02:37.590 --> 00:02:43.980
<v Michael>Also gemeint mit diesen Bergen sind die Alpen,
die das Piemont im Norden und im Westen abschirmen,

00:02:43.980 --> 00:02:49.980
<v Michael>umringen geradezu. Und nimmt man auch noch die sogenannten Seealpen oder
Meeralpen dazu,

00:02:50.010 --> 00:02:55.950
<v Michael>die jetzt Richtung Mittelmeerküste dann laufen,
dann gibt es da sogar ein Stück im Süden des Piemont,

00:02:56.310 --> 00:03:04.380
<v Michael>wo Berge die Grenze darstellen. Und diese vielen Berge,
ja, die steigen quasi hinab in die flache Po-Ebene.

00:03:04.380 --> 00:03:10.230
<v Michael>Und irgendwann auf dem Weg sind wir dann halt eben am Fuße der Berge im Piemont
angekommen.

00:03:11.100 --> 00:03:19.320
<v Michael>Und gleichzeitig haben wir damit aber auch irgendwie schon was Grundlegendes
über die geografischen Bedingungen für den Weinbau im Piemont erklärt.

00:03:19.440 --> 00:03:22.260
<v Tobias>Wow, das war jetzt wirklich sehr gut hergeleitet.

00:03:23.340 --> 00:03:26.190
<v Tobias>Nur grundlegende geographische Bedingungen.

00:03:26.370 --> 00:03:35.100
<v Tobias>Ja, grob, sage ich mal, denn es geht natürlich um die Geologie der Region und
die ist nämlich ausgesprochen vielfältig.

00:03:35.130 --> 00:03:43.440
<v Tobias>Ja, die verschiedenen Bodentypen, die wir da finden,
die verteilen sich eigentlich ziemlich kleinteilig über diese Hügellandschaft

00:03:43.440 --> 00:03:46.740
<v Tobias>des Piemonts, die man vielleicht vor Augen hat,
wenn man schon mal da war.

00:03:47.040 --> 00:03:50.940
<v Tobias>Um diese Hügellandschaft geht es im Endeffekt nämlich dann auch.

00:03:51.660 --> 00:03:56.800
<v Tobias>Und zwar insbesondere dann, wenn wir über diese berühmten Weine der Region
sprechen.

00:03:57.370 --> 00:04:01.630
<v Tobias>Aber vielleicht noch mal so eine Zahl zur Einordnung,
was die Größe betrifft.

00:04:01.720 --> 00:04:04.930
<v Tobias>Wir sprechen über rund 44.000 Hektar Rebfläche.

00:04:05.110 --> 00:04:09.790
<v Tobias>Das ist jetzt nicht wirklich klein. Wir vergleichen das ja immer ganz gerne.

00:04:09.790 --> 00:04:14.470
<v Tobias>Das sind immerhin über 40 % aller deutschen Anbaugebiete zusammen.

00:04:15.430 --> 00:04:21.310
<v Tobias>Oder man könnte auch sagen, es ist so zweimal die Pfalz,
also zweimal Pfalz gleich Piemont.

00:04:21.310 --> 00:04:24.220
<v Tobias>Und die Pfalz ist ja das zweitgrößte Anbaugebiet in Deutschland.

00:04:24.820 --> 00:04:26.860
<v Tobias>Ja, so ungefähr haut das auf jeden Fall hin.

00:04:26.890 --> 00:04:28.840
<v Tobias>Nur, dass man mal eine Vorstellung bekommt.

00:04:28.990 --> 00:04:31.210
<v Michael>Ja, ja, verstehe. So, "Pi"emont mal Daumen.

00:04:33.160 --> 00:04:38.920
<v Michael>Ich darf ja keine Kalauer machen. Egal. Also diese große Unterschiedlichkeit der
Lagen,

00:04:39.070 --> 00:04:47.740
<v Michael>die du da angesprochen hast, ist übrigens auch ein Grund,
warum einige das Piemont mit dem französischen Burgund vergleichen,

00:04:48.190 --> 00:04:49.960
<v Michael>wo das ja auch eine riesige Rolle spielt.

00:04:49.990 --> 00:04:55.900
<v Michael>Denn diese Kombinatorik im Piemont aus den unterschiedlichen Höhen,
natürlich sind die nicht oben in den Bergen,

00:04:55.900 --> 00:04:59.800
<v Michael>aber es wird auch mal höher, da geht es bis zu 600 Metern.

00:05:00.220 --> 00:05:00.610
<v Tobias>Ja, immerhin.

00:05:00.640 --> 00:05:06.520
<v Michael>Die Ausrichtung der Sonne zählt dann auch mit und so Faktoren wie Flusstäler
oder nahe Gebirgszüge.

00:05:06.550 --> 00:05:14.650
<v Michael>Und aus dieser Kombinatorik ergeben sich nun mal,
ich sage, unzählig viele Variationen und Möglichkeiten an Boden,

00:05:14.650 --> 00:05:23.920
<v Michael>an Geologie. Aber sorry, jetzt, bevor wir da zu tief an der Stelle einsteigen,
wir müssen doch vorab noch mal etwas mehr über die geografische Lage des Piemont

00:05:24.010 --> 00:05:29.380
<v Michael>erzählen, damit sich jetzt jeder auch mal ohne Atlas bildlich sozusagen
zurechtfindet.

00:05:29.500 --> 00:05:37.210
<v Tobias>Ja, genau. Also ich mache das jetzt so ein bisschen im Kleinen. Du hast ja
schon, sage ich mal, so das große Bild vermittelt mit Bergen und Mittelmeer und

00:05:37.240 --> 00:05:42.940
<v Tobias>Ausrichtung und haste nicht gesehen. Aber wir müssen erst mal sagen,
wir sind im Nordosten Italiens.

00:05:43.120 --> 00:05:46.570
<v Tobias>Also wir sind nicht in der Toskana, sondern deutlich nördlicher.

00:05:46.780 --> 00:05:50.990
<v Tobias>Und ja, die Hauptstadt des Piemont ist eigentlich Turin.

00:05:51.200 --> 00:05:57.170
<v Tobias>Ja, und wir sind dann halt eben südlich von dieser großen Industriestadt.

00:05:57.290 --> 00:06:01.370
<v Tobias>Und da treffen wir dann auch auf die bekanntesten Adressen der Region.

00:06:01.520 --> 00:06:06.530
<v Tobias>Also das ist dann so, um bei deinem Burgund-Vergleich zu bleiben,
so die Côte d'Or des Piemont.

00:06:06.620 --> 00:06:10.580
<v Tobias>Und die beiden Namen haben bestimmt schon ganz viele gehört.

00:06:10.610 --> 00:06:13.340
<v Tobias>Wir sprechen nämlich über Barolo und Barbaresco.

00:06:13.670 --> 00:06:17.210
<v Tobias>Da sprechen wir natürlich gleich noch etwas ausführlicher drüber.

00:06:17.450 --> 00:06:24.470
<v Tobias>Aber um das Geografische noch mal zu Ende zu bringen:
Das Piemont grenzt im Westen und Norden an Frankreich und die Schweiz.

00:06:24.500 --> 00:06:29.090
<v Tobias>Und die italienischen Nachbarregionen sind dann wiederum Ligurien und die
Lombardei.

00:06:29.330 --> 00:06:34.370
<v Tobias>So, jetzt hoffe ich, ist allen klar, wo wir uns hier ungefähr befinden.

00:06:34.910 --> 00:06:41.270
<v Tobias>Du kannst aber natürlich auch noch mal so dein Autobahnding,
also die Anreise auch noch mal etwas ausführlicher erklären,

00:06:41.270 --> 00:06:42.470
<v Tobias>wenn dir das wichtig ist.

00:06:42.500 --> 00:06:47.330
<v Michael>Ne, ne, keine Sorge, lasse ich weg. Wobei,
wenn du das so sagst - Turin, Fiat, mit dem Auto,

00:06:47.360 --> 00:06:51.430
<v Michael>das würde schon passen. Nein, ich will auf etwas,
auf etwas anderes hinaus.

00:06:51.460 --> 00:07:01.300
<v Michael>Und zwar auf das AA und das BB, mit dem man sich einfach schon eine ganze Menge
über das Piemont als Weinregion natürlich

00:07:01.330 --> 00:07:10.180
<v Michael>merken kann. Also BB steht da nicht für Brigitte Bardot,
Gott habe sie selig, sondern BB steht natürlich für die von dir schon genannten

00:07:10.180 --> 00:07:16.450
<v Michael>Weinorte, also Barolo und Barbaresco. Das sind Weinanbaugebiete und Weinorte ja
in einem zugleich.

00:07:16.780 --> 00:07:22.360
<v Michael>Und ja, aus diesen Weindörfern, sage ich jetzt mal,
kommen bestimmt die bekanntesten,

00:07:22.360 --> 00:07:24.970
<v Michael>wahrscheinlich aber auch die besten Rotweine des Piemont.

00:07:25.000 --> 00:07:30.970
<v Michael>Würde ich jetzt mal so sagen. Ja, und mit meinem AA meine ich Alba und Asti.

00:07:31.000 --> 00:07:38.290
<v Michael>Also Alba wie Trüffel, ja. Und Asti wie Asti Spumante oder Moscato d'Asti.

00:07:38.920 --> 00:07:47.110
<v Michael>Rund um diese beiden Städte liegen nämlich die wichtigsten DOC und DOCG,
also dort befindet sich alles an Appellation,

00:07:47.110 --> 00:07:51.910
<v Michael>was Rang und Namen hat, darunter eben auch Barolo und Barbaresco.

00:07:52.270 --> 00:07:56.980
<v Michael>Und das ist noch mal ein Hinweis, hatte ich ja eben gesagt,
Weindörfer.

00:07:57.730 --> 00:08:06.640
<v Michael>Orts- und Gemeindenamen sind eine Möglichkeit,
im Piemont ein kontrolliertes, geschütztes Anbaugebiet zu benennen oder zu

00:08:06.670 --> 00:08:13.180
<v Michael>beschreiben. Also diese berühmte Denominazione di Origine Controllata e
Garantita,

00:08:14.110 --> 00:08:20.500
<v Michael>also so was wie DOCG Barolo und DOCG Barbaresco,
die höchsten Kategorien.

00:08:20.650 --> 00:08:28.720
<v Michael>Ja, und die andere Option, die andere Möglichkeit ist,
den Ortsnamen in Kombination mit einer Rebsorte zu nennen,

00:08:28.720 --> 00:08:37.030
<v Michael>um diese Appellation zu benennen. Also so was wie DOC Barbera d'Alba,
also Barbera aus Alba,

00:08:37.030 --> 00:08:40.150
<v Michael>oder DOC Nebbiolo d'Alba.

00:08:40.540 --> 00:08:45.076
<v Tobias>Ja, das ist schön beschrieben und es gibt ja glaube ich dann auch so was wie
Barbera D'Asti,

00:08:45.076 --> 00:08:50.780
<v Tobias>ne? Weil du Asti ja auch genannt hast. Das,
finde ich, kann man sich gut merken.

00:08:50.870 --> 00:08:56.930
<v Tobias>Und das mit den Orten und Gemeinden, ja,
das könnte man ja jetzt auch schon wieder so ein bisschen burgundisch verstehen,

00:08:57.050 --> 00:09:04.010
<v Tobias>so im Sinne von Cru-Appellation. Aber vor allem,
als du eben Alba und Trüffel gesagt hast,

00:09:04.190 --> 00:09:08.360
<v Tobias>da musste ich natürlich an die herausragende Küche im Piemont denken.

00:09:08.360 --> 00:09:13.520
<v Tobias>Das ist ja in Italien sowieso schon gut,
aber da noch mal wirklich ganz besonders.

00:09:13.850 --> 00:09:19.610
<v Tobias>Ich denke da an Wurst, ich denke an Käse,
aber auch, ja, Fleisch generell für den Grill sozusagen.

00:09:19.640 --> 00:09:23.240
<v Tobias>Und natürlich nicht zu vergessen die original Piemontkirsche.

00:09:24.440 --> 00:09:29.120
<v Tobias>Nee, Quatsch, die lassen wir jetzt mal weg. Aber zum Beispiel,
ich weiß nicht, ob du das wusstest,

00:09:29.150 --> 00:09:33.620
<v Tobias>Vitello Tonnato. Das ist eine Erfindung aus dem Piemont.

00:09:33.650 --> 00:09:43.400
<v Tobias>Und ja, keine schlechte. Ja, und ich sag mal,
insgesamt kann einem ja die enge Verbindung von Wein und Kulinarik auch wieder

00:09:43.400 --> 00:09:49.670
<v Tobias>burgundisch vorkommen. Ich will es aber jetzt mal nicht übertreiben. Es ist ja
letztlich nur wieder ein Beispiel dafür, da, wo guter Wein ist,

00:09:49.850 --> 00:09:56.420
<v Tobias>ja, da wird halt eben auch gut gegessen,
da steht Genuss im Mittelpunkt und das findet man ja wirklich an ganz,

00:09:56.420 --> 00:09:59.030
<v Tobias>ganz vielen Orten, wo Wein gemacht wird.

00:09:59.060 --> 00:10:03.740
<v Michael>Ja, aber, also erstens, Tobias, tu dir keinen Zwang an mit solchen Vergleichen.

00:10:04.100 --> 00:10:12.350
<v Michael>Also das finde ich eigentlich eher gut. Und zweitens,
darauf hinweisen, noch mal in die Burgund-Folge reinhören wäre auch nicht

00:10:12.350 --> 00:10:15.860
<v Michael>schlecht. Lasse ich jetzt auch mal weg. Nee,
im Ernst.

00:10:15.890 --> 00:10:22.400
<v Michael>Also ich glaube die Zuhörerinnen und Zuhörer können das schon einordnen,
wenn wir solche Vergleiche jetzt immer wieder ziehen.

00:10:22.760 --> 00:10:31.910
<v Michael>Und ich weiß zum Beispiel schon, wie deine Analogie zum Pinot Noir heißt,
also die meisten wahrscheinlich dann auch,

00:10:31.910 --> 00:10:38.120
<v Michael>aber egal. Noch einmal, also ich finde im Prinzip so einen Dauervergleich
eigentlich eher geschickt,

00:10:38.150 --> 00:10:45.920
<v Michael>also zumindest lehrreich. Also da kann man sich nämlich gleich für 2 der
bekanntesten Weinregionen in Europa was merken.

00:10:45.950 --> 00:10:46.970
<v Michael>Das ist doch ein Vorteil.

00:10:47.000 --> 00:10:47.840
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:10:47.870 --> 00:10:52.550
<v Michael>Und noch was in diese Richtung. Also zu dieser Analogie zwischen den beiden.

00:10:53.510 --> 00:10:57.860
<v Michael>Also auf Prestige, ja, ich weiß gar nicht,
wie das auf Italienisch heißt.

00:10:57.860 --> 00:11:00.410
<v Michael>Aber egal. Alle verstehen es auf Prestige.

00:11:00.440 --> 00:11:05.180
<v Michael>Ja, da achtet man sowohl in Burgund als auch im Piemont sehr.

00:11:05.270 --> 00:11:14.720
<v Michael>Also wusstest du zum Beispiel, dass es im Piemont zwar über 60 dieser DOC-
und DOCG-Appellation gibt,

00:11:14.750 --> 00:11:23.540
<v Michael>aber der einfachere IGT- oder nach neuerer Art IGP-Wein schlichtweg nicht
existiert?

00:11:23.720 --> 00:11:29.330
<v Michael>Also die simple, geschützte geografische Herkunftsbezeichnung gibt es dort nicht
für Wein,

00:11:29.360 --> 00:11:31.250
<v Michael>oder die wird nicht gelebt.

00:11:32.090 --> 00:11:38.330
<v Tobias>Ja, ja, das wusste ich schon. Das ist ja letztlich auch -
ja, sorry, das ist ja letztlich dann auch wieder ein Ausdruck davon,

00:11:38.360 --> 00:11:41.460
<v Tobias>dass die da halt ja eben keine halben Sachen machen wollen.

00:11:41.670 --> 00:11:45.420
<v Tobias>Und ja, die sind da so ein bisschen speziell unterwegs.

00:11:46.200 --> 00:11:54.810
<v Tobias>Aber ich glaube, dir wird jetzt gar nicht so gefallen,
was ich zu deiner schon heraufbeschworenen Pinot Noir-Analogie zu sagen habe.

00:11:56.040 --> 00:11:56.580
<v Tobias>Du wolltest ja...

00:11:57.000 --> 00:11:57.180
<v Michael>Ach, du musst mich wieder ärgern.

00:11:57.000 --> 00:12:02.790
<v Tobias>Ja, du wolltest ja sicherlich darauf hinaus,
dass wir jetzt über Nebbiolo sprechen,

00:12:02.940 --> 00:12:09.270
<v Tobias>der ja zu 100 % in den DOCG-Weinen aus Barolo und Barbaresco steckt.

00:12:09.510 --> 00:12:12.300
<v Tobias>Und der Vergleich scheint auf den ersten Blick auch zu stimmen.

00:12:12.630 --> 00:12:17.070
<v Tobias>Allerdings ist das Piemont eben nicht nur Nebbiolo.

00:12:17.070 --> 00:12:23.070
<v Tobias>Das denken ja viele. Aber es gibt noch viel mehr rote Rebsorten,
die man sich auch unbedingt merken sollte.

00:12:23.100 --> 00:12:29.700
<v Tobias>Also wir haben ja gerade schon bei Alba und Asti über den Barbera gesprochen,
der gehört da natürlich unbedingt dazu.

00:12:29.730 --> 00:12:32.430
<v Tobias>Aber denk auch mal an so eine Rebsorte wie Dolcetto.

00:12:32.610 --> 00:12:35.610
<v Tobias>Ja, also ich finde, daraus entstehen ganz,
ganz tolle Rotweine.

00:12:35.640 --> 00:12:43.080
<v Tobias>Klar, natürlich nicht so diese monumentalen Rotweine mit dem wahnsinnigen
Alterungspotential.

00:12:43.470 --> 00:12:44.970
<v Michael>Ne, aber wir reden über Vielfalt.

00:12:45.000 --> 00:12:49.380
<v Tobias>Ja, genau. Und so monumentale Rotweine will man ja auch nicht jeden Tag trinken.

00:12:49.530 --> 00:12:56.910
<v Tobias>Und jetzt halte ich echt fest, ich habe das mal recherchiert:
Im Piemont sind über 100 Rebsorten zugelassen,

00:12:57.150 --> 00:13:00.570
<v Tobias>also sowohl natürlich Weißweine als auch Rotweine.

00:13:00.930 --> 00:13:06.630
<v Tobias>Aber ich finde, das würde niemand irgendwie vermuten,
weil alle halt eben an Nebbiolo denken.

00:13:06.780 --> 00:13:12.120
<v Tobias>Und spätestens an der Stelle hinkt dann der Vergleich mit dem Burgund
ordentlich.

00:13:12.180 --> 00:13:17.760
<v Tobias>Ja, so viele sind da nicht zugelassen. Nebbiolo ist zwar klar die Nummer 1,
logisch,

00:13:18.450 --> 00:13:24.270
<v Tobias>unter den roten Rebsorten, aber eben nicht annähernd so alleinherrschend wie der
Pinot Noir im Burgund.

00:13:24.630 --> 00:13:32.010
<v Michael>Ja, aber diese Vielfalt an Rebsorten, die hat auch tatsächlich was mit der
Vielfältigkeit der Lagen zu tun.

00:13:32.400 --> 00:13:38.790
<v Michael>Ja, also das ist zum Beispiel ein Unterschied zum Burgund,
wo eine Rebsorte auf viele,

00:13:38.790 --> 00:13:44.370
<v Michael>viele gute Lagen eine Antwort ist. Das ist im Piemont eben so ein bisschen
anders.

00:13:44.400 --> 00:13:50.850
<v Michael>Also so eine Rebsorte wie jetzt der genannte Nebbiolo,
der braucht viel, viel Zeit zum Reifen,

00:13:50.970 --> 00:13:55.710
<v Michael>der braucht eben die sonnigen Lagen. Die dürfen dann eben auch nicht zu hoch
gelegen sein,

00:13:56.340 --> 00:13:59.160
<v Michael>wegen der Kühle und wegen der Lichtverhältnisse.

00:13:59.370 --> 00:14:07.230
<v Michael>Dagegen reift ein Dolcetto viel schneller aus,
weshalb er mit den weniger sonnenreichen Lagen auskommt und auch in den höheren

00:14:07.230 --> 00:14:10.860
<v Michael>Lagen genügend Zeit hat, um komplett durchzureifen.

00:14:10.890 --> 00:14:16.020
<v Michael>Bis in die Kerne hinein. Ja, der Barbera dagegen,
über den haben wir noch zu wenig gesprochen,

00:14:16.020 --> 00:14:20.280
<v Michael>der braucht zwar auch die sonnenreichen Lagen,
ist aber nicht so ein Sensibelchen,

00:14:20.580 --> 00:14:23.310
<v Michael>wenn es um die Böden und solche Nebenbedingungen geht.

00:14:23.940 --> 00:14:32.760
<v Michael>Das ist ein Unterschied zum Nebbiolo. Also im Prinzip gilt immer,
die beste Rebsorte für diese eine Lage zu finden,

00:14:32.760 --> 00:14:36.990
<v Michael>um richtig guten Wein zu machen. Das ist die Herausforderung im Piemont.

00:14:37.320 --> 00:14:44.370
<v Michael>Und ja, diese Umstände, die begründen halt,
warum es auch eine größere Anzahl an Rebsorten gibt,

00:14:44.370 --> 00:14:45.900
<v Michael>die in der 1. Reihe stehen.

00:14:46.500 --> 00:14:53.700
<v Tobias>Ja, das ist gut zusammengefasst. Klar, ich könnte jetzt wieder mein
Klimawandel-Thema auspacken und erzählen,

00:14:53.700 --> 00:15:01.800
<v Tobias>dass ja selbst jetzt auch Nebbiolo-Winzer schon nach höhergelegenen Lagen
schauen,

00:15:01.830 --> 00:15:07.890
<v Tobias>weil es da jetzt teils gar nicht mehr so kühl ist und eher in den niedrigeren
Lagen schon wieder zu warm wird.

00:15:08.190 --> 00:15:12.030
<v Tobias>Aber nein, du hast das jetzt erst mal richtig verortet.

00:15:12.060 --> 00:15:18.000
<v Tobias>Und dass da natürlich auch so ein gewisser Wandel vonstatten geht,
ist ja sowieso klar.

00:15:18.030 --> 00:15:20.970
<v Tobias>Und ich muss noch mal auf dein „Sensibelchen" zurückkommen.

00:15:21.090 --> 00:15:23.310
<v Tobias>Das gefällt mir gut, weil das...

00:15:24.420 --> 00:15:30.900
<v Tobias>Ne, ich habe mich gar nicht angesprochen gefühlt,
aber das passt ja gleich doppelt sozusagen. Also zum einen erinnert es ja nun

00:15:24.420 --> 00:15:24.540
<v Michael>War ja nicht persönlich gemeint.

00:15:30.900 --> 00:15:36.530
<v Tobias>wirklich auch an Pinot Noir, der ja auch als so ein bisschen eine Diva im
Weinberg gilt.

00:15:36.890 --> 00:15:43.730
<v Tobias>Aber zum anderen ist der Nebbiolo ja auch so sensibel,
dass er eigentlich nirgendwo anders in der weiten Weinwelt richtig gut

00:15:43.730 --> 00:15:49.490
<v Tobias>zurechtkommt. Also du hast es ja gesagt,
man muss dann genau schauen, wo der überhaupt hinpasst.

00:15:49.640 --> 00:15:56.150
<v Tobias>Im Piemont passt er halt eben sehr gut. Aber wenn du in die Rebsortenspiegel
anderer Weinländer schaust,

00:15:56.390 --> 00:15:59.420
<v Tobias>dann wirst du Nebbiolo praktisch nirgendwo finden.

00:15:59.570 --> 00:16:05.960
<v Tobias>Der eignet sich sozusagen nicht wirklich für eine Karriere im Ausland und bleibt
seiner Heimat treu.

00:16:05.990 --> 00:16:07.490
<v Tobias>Und das finde ich eigentlich auch schön,
oder?

00:16:07.520 --> 00:16:10.850
<v Michael>Ja, stimmt schon so, was die Statistik betrifft.

00:16:11.000 --> 00:16:14.510
<v Michael>Ich habe das nicht so genau im Kopf, aber klingt sehr plausibel.

00:16:14.540 --> 00:16:20.510
<v Michael>Ich möchte dich allerdings an unseren Besuch bei Emil Bauer in der Pfalz im
vergangenen Herbst erinnern.

00:16:20.720 --> 00:16:21.590
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:16:21.620 --> 00:16:29.240
<v Michael>Das Weingut hat nämlich sowohl einen reinsortigen Nebbiolo als auch einen
Barbera im Sortiment.

00:16:29.390 --> 00:16:30.770
<v Michael>Ja, also aus der Pfalz.

00:16:30.800 --> 00:16:31.480
<v Tobias>Ja, wen wundert's, ne?

00:16:31.840 --> 00:16:39.940
<v Michael>Da kann man dann direkt mal ausprobieren,
was den Unterschied macht zwischen dem deutschen Nebbiolo oder dem deutschen

00:16:39.940 --> 00:16:43.420
<v Michael>Barbera und dem Original aus dem Piemont.

00:16:43.450 --> 00:16:48.160
<v Michael>Also das wäre auch noch eine schöne Weinaufgabe für einen gemütlichen Abend.

00:16:48.250 --> 00:16:53.110
<v Michael>Na ja, und überhaupt, in diese Folge mit den beiden Bauer-Brüdern,
da müsst ihr unbedingt mal reinhören.

00:16:53.110 --> 00:17:00.340
<v Michael>Die erzählen nämlich auch, warum es durchaus triftige Gründe gibt,
auf solche Rebsorten in der Pfalz zu setzen.

00:17:00.370 --> 00:17:08.410
<v Tobias>Ja, absolut. Und die sind da ja wirklich in Sachen Rebsortenvielfalt extrem
kreativ unterwegs.

00:17:08.890 --> 00:17:12.400
<v Michael>Das ist ja schon wie Piemont, Rebsortenvielfalt. Also die interpretieren das
anders. Aber irgendwie Piemont, ja, ja.

00:17:12.460 --> 00:17:16.000
<v Tobias>Ja, das ist richtig. Ich weiß nicht, 100 sind es vielleicht noch nicht,
aber fast,

00:17:16.000 --> 00:17:20.800
<v Tobias>glaube ich. Und na ja, eines muss man ja unbedingt jetzt noch mal zum Nebbiolo
erwähnen:

00:17:20.950 --> 00:17:25.930
<v Tobias>Die Weine gelten als ausgesprochen langlebig und lagerfähig.

00:17:26.080 --> 00:17:30.130
<v Tobias>Das ist absolut so, wenn man über das Piemont nachdenkt.

00:17:30.370 --> 00:17:36.040
<v Tobias>Und andersrum kann man eigentlich auch formulieren:
Junge Nebbiolos, aus Barolo vor allem,

00:17:36.730 --> 00:17:39.160
<v Tobias>die sind noch nicht wirklich ein Vergnügen.

00:17:39.310 --> 00:17:44.290
<v Tobias>Die kommen meistens noch relativ ruppig und tanninbetont daher.

00:17:44.830 --> 00:17:52.810
<v Tobias>Man sagt ja dann auch, die sind noch einfach viel zu jung und sperrig oder was
man da alles dazu noch sagen kann.

00:17:52.840 --> 00:17:55.270
<v Tobias>Da hilft dann selbst langes Belüften wenig.

00:17:55.450 --> 00:17:59.320
<v Tobias>Also viele denken ja, ja gut, dann karaffiere ich den jetzt noch richtig lang.

00:18:00.430 --> 00:18:06.220
<v Tobias>Ja, und das ist vielleicht dann für den einen oder anderen noch mal extra
überraschend,

00:18:06.250 --> 00:18:14.440
<v Tobias>weil so ein Barolo, der muss sowieso laut der DOCG-Regel schon mindestens 36
Monate Reife vorweisen,

00:18:14.650 --> 00:18:20.440
<v Tobias>bevor er überhaupt in den Handel kommt. Und 18 davon muss sogar im Holzfass
verbracht werden.

00:18:20.920 --> 00:18:23.980
<v Tobias>Aber diese 3 Jahre, die reichen halt einfach nicht.

00:18:24.130 --> 00:18:26.440
<v Tobias>Da sollte man dann eher irgendwie so auf den 10.

00:18:26.440 --> 00:18:29.930
<v Tobias>Geburtstag warten, bis man die Flasche öffnet.

00:18:29.930 --> 00:18:35.930
<v Tobias>Und das geht auch noch viel länger. Also zumindest,
wenn ich einen wirklich hochwertigen Barolo denke.

00:18:36.110 --> 00:18:40.280
<v Tobias>Teilweise verirrt sich ja auch mal so eine Flasche in Discounter. Das würde ich
jetzt eher,

00:18:40.730 --> 00:18:43.370
<v Tobias>ja, nicht wirklich in Anspruch nehmen. Also mit anderen Worten,
wenn du jetzt...

00:18:43.820 --> 00:18:44.390
<v Michael>Oder eher trinken.

00:18:46.580 --> 00:18:53.390
<v Tobias>Ja, genau. Also wenn du dir jetzt so einen 2023er-Jahrgang zulegst,
das müsste jetzt so der aktuelle sein,

00:18:53.420 --> 00:18:59.630
<v Tobias>dann musst du einfach eine Menge Geduld aufbringen,
um den Wein dann sozusagen auf seinem Höhepunkt zu erleben.

00:19:00.620 --> 00:19:04.310
<v Tobias>Ja, man kann sagen: so gut Barolo will Weile haben.

00:19:04.850 --> 00:19:09.200
<v Tobias>Aber na ja, das mit den Sprüchen, das überlasse ich lieber dir.

00:19:09.290 --> 00:19:16.040
<v Michael>Ja, schön gesagt. Schön gesagt. Aber jetzt mal ganz persönlich gesprochen,
auch an alle,

00:19:16.040 --> 00:19:20.750
<v Michael>die vielleicht so ein bisschen weniger Geduld haben,
dazu zähle ich mich dann tatsächlich auch,

00:19:20.780 --> 00:19:28.190
<v Michael>leider auch beim Wein. Also wer jetzt Nebbiolo in Topform sucht und nicht bis
zum 10.

00:19:28.190 --> 00:19:33.080
<v Michael>Geburtstag warten will, für den gibt es ja Gott sei Dank noch den Barbaresco.

00:19:33.800 --> 00:19:38.630
<v Michael>Ja? Also die beiden Dörfer liegen zwar,
Luftlinie sind das gerade mal, glaube ich,

00:19:38.660 --> 00:19:43.130
<v Michael>20 Kilometer, lass mich nicht lügen, auseinander,
also überschaubar.

00:19:43.160 --> 00:19:47.270
<v Michael>Aber die Weine sind trotzdem sehr unterschiedlich -
oder sagen wir unterschiedlich.

00:19:47.270 --> 00:19:56.600
<v Michael>„Sehr" streichen wir bitte hier jetzt. Und Barbaresco wird manchmal ja als der
„kleine Bruder" des Barolo bezeichnet.

00:19:57.590 --> 00:20:06.680
<v Michael>Das ist zwar eine gute Eselsbrücke, also mein BB,
wird aber den Weinen in ihrer Eigenständigkeit einfach nicht gerecht,

00:20:06.710 --> 00:20:13.880
<v Michael>finde ich. So, und ja, die haben halt oft weniger Alkohol,
nur mal so generell gesprochen,

00:20:15.200 --> 00:20:19.970
<v Michael>auf jeden Fall das dezentere Tanningerüst,
ja, auch einen Ticken mehr Frucht.

00:20:20.000 --> 00:20:24.110
<v Michael>Ja, und deshalb können die auch eigentlich schon früher ins Glas kommen.

00:20:24.140 --> 00:20:29.660
<v Michael>Also spiegelt sich sogar in den offiziellen Regularien der DOCG wider.

00:20:30.140 --> 00:20:39.620
<v Michael>Die schreiben nämlich vor: 26 Monate Reife,
also „nur" 26 Monate Reife, davon mindestens 9 im Holzfass.

00:20:39.620 --> 00:20:43.490
<v Michael>Das übrigens nicht unbedingt immer ein Barrique sein muss,
muss man auch mal dazu sagen.

00:20:44.000 --> 00:20:51.170
<v Michael>Na ja, und da merkt man halt, das ist schon deutlich weniger Zeit als bei den
Weinen aus der DOCG Barolo.

00:20:52.550 --> 00:20:56.990
<v Michael>Aber es gilt eigentlich auch so ein bisschen wieder dasselbe.

00:20:57.170 --> 00:21:03.980
<v Michael>So ein ganz junger Barbaresco, hm. Bitte besser noch warten,
ja?

00:21:04.160 --> 00:21:06.800
<v Michael>Meine Empfehlung, bevor der jetzt ins Glas kommt.

00:21:07.160 --> 00:21:11.390
<v Michael>Aber wiederum ein Vorteil dann: nicht so lange wie beim Barolo,
Mann.

00:21:12.470 --> 00:21:19.340
<v Tobias>Ja, genau. Genau. Und wir sprechen jetzt immer von wirklich guten Exemplaren,
wenn wir das so verallgemeinern.

00:21:19.700 --> 00:21:26.840
<v Tobias>Das ist logisch. Und ja, für mich ist vor allem auch der stilistische
Unterschied so das Ausschlaggebende,

00:21:26.840 --> 00:21:32.900
<v Tobias>was so die Präferenzbildung angeht. Für mich,
so habe ich das so abgespeichert,

00:21:32.900 --> 00:21:37.520
<v Tobias>ist Barolo eben sehr maskulin und Barbaresco eher feminin.

00:21:37.790 --> 00:21:41.150
<v Tobias>Wenn man das heute noch so sagen darf. Aber du weißt,
was ich meine, Michael.

00:21:41.810 --> 00:21:43.820
<v Michael>Ja, ich fühle mich gerade sehr feminin,
also nur mal so.

00:21:43.970 --> 00:21:49.730
<v Tobias>Ja, ich bin irgendwie bei Piemont auch eher der feminine Typ,
muss ich ganz ehrlich zugeben.

00:21:49.730 --> 00:21:53.750
<v Tobias>Ich mag Barbaresco sehr, sehr gerne. Aber eines vielleicht noch.

00:21:54.200 --> 00:21:58.940
<v Tobias>Da kann ich jetzt mal mit so ein bisschen Wortherkunft usw.

00:21:58.940 --> 00:22:03.350
<v Tobias>auftrumpfen. Weißt du, woher der Name Nebbiolo eigentlich kommt?

00:22:04.520 --> 00:22:10.400
<v Tobias>Denn der Ursprung ist das italienische Wort für Nebel,
das heißt nämlich „Nebbia".

00:22:10.850 --> 00:22:19.070
<v Tobias>Also ganz einfach eigentlich. Es geht aber nicht etwa um den Nebel,
der im Herbst so aus den Tälern des Tanaro aufsteigt,

00:22:19.220 --> 00:22:26.710
<v Tobias>sondern gemeint ist so ein feiner, weißlicher Film auf den Beeren,
der dann so ein bisschen schimmert.

00:22:26.890 --> 00:22:34.240
<v Tobias>Und da gilt die einfache Regel: Je länger die Trauben reifen,
desto mehr Nebel zeigt sich auf den Trauben.

00:22:34.630 --> 00:22:39.360
<v Tobias>Na, da staunt sie jetzt schon ein bisschen,
dass ich hier mit so Fakten um die Ecke komme,

00:22:39.360 --> 00:22:39.520
<v Tobias>ne?

00:22:39.610 --> 00:22:43.588
<v Michael>Ich muss dich heute auch mal enttäuschen. Also das mit der Wortherkunft wusste
ich.

00:22:43.588 --> 00:22:43.840
<v Michael>Aber dieses...

00:22:43.840 --> 00:22:44.230
<v Tobias>Na toll.

00:22:43.840 --> 00:22:48.250
<v Michael>...je reifer, desto mehr Nebel. Das kannte ich noch nicht.

00:22:48.550 --> 00:22:55.210
<v Michael>Danke, lieber Tobias, lieber Weinlakai und lieber WSET Educator.

00:22:55.660 --> 00:22:56.290
<v Tobias>Gerne, gerne.

00:22:56.650 --> 00:23:03.100
<v Michael>Und in diesem Zusammenhang: Wir haben noch gar nichts darüber gesagt,
wie ein Nebbiolo eigentlich schmeckt,

00:23:03.130 --> 00:23:07.420
<v Michael>also was die Rebsorte jetzt so sensorisch auszeichnet.

00:23:08.050 --> 00:23:15.910
<v Michael>Ich fange mal an, also ich denke bei Nebbiolo weniger an Fruchtaromen,
sondern an so ganz viel Kräuteriges und Erdiges.

00:23:16.480 --> 00:23:18.850
<v Michael>Und wenn da Frucht ist, dann eher Kirsche.

00:23:18.850 --> 00:23:20.760
<v Michael>Wahrscheinlich nicht die Piemontkirsche.

00:23:21.150 --> 00:23:26.460
<v Michael>Nein, na ihr wisst schon, was ich meine. Also Kirscharomen,
aber durchaus auch dunkler.

00:23:26.550 --> 00:23:31.170
<v Michael>Und ja, vielleicht noch so was wie reife Himbeere.

00:23:31.200 --> 00:23:32.700
<v Michael>Ja. Und du?

00:23:33.120 --> 00:23:40.470
<v Tobias>Ja, finde ich gut zusammengefasst. Und du hattest ja vorhin auch schon erwähnt,
Barbaresco steht halt ein bisschen mehr für Frucht als Barolo.

00:23:40.500 --> 00:23:44.490
<v Tobias>Also da passt das dann mit Kirsche und Himbeere wirklich gut.

00:23:45.000 --> 00:23:50.160
<v Tobias>Und wir haben ja jetzt auch schon viel über Reife gesprochen und darüber,
dass Barolo,

00:23:50.520 --> 00:23:55.290
<v Tobias>insbesondere Barolo, idealerweise erst nach ein paar Jahren geöffnet wird.

00:23:55.410 --> 00:24:01.560
<v Tobias>Und da komme ich dann gerne so mit einem Fachbegriff aus meinen Seminaren um die
Ecke.

00:24:01.560 --> 00:24:05.250
<v Tobias>Da sprechen wir nämlich dann irgendwann über sogenannte Tertiäraromen.

00:24:05.910 --> 00:24:11.940
<v Tobias>Und das sind halt eben Aromen, die erst entstehen,
wenn Reife im Spiel ist.

00:24:11.970 --> 00:24:18.720
<v Tobias>Und ja, das ist einfach total klassisch für einen Nebbiolo,
für einen Barolo, aber natürlich auch für den Barbaresco,

00:24:18.720 --> 00:24:25.560
<v Tobias>dass der dann irgendwann auch spezielle aromatische Eigenschaften hat,
wenn er schon ein bisschen Reife zeigt.

00:24:25.740 --> 00:24:33.270
<v Tobias>Da entdeckt man dann so Noten von Tabak und Leder und Zedernholz,
vielleicht auch so was wie Muskatnuss.

00:24:33.720 --> 00:24:38.362
<v Tobias>Aber auch, jetzt halte dich fest, so was wie feuchter Waldboden mit Pilzen.

00:24:38.362 --> 00:24:40.500
<v Tobias>Hört sich jetzt...

00:24:39.090 --> 00:24:40.500
<v Michael>Ja, mag ich gerne, die Beschreibung, übrigens.

00:24:40.500 --> 00:24:45.750
<v Tobias>Ja, genau. Das hört sich so abgehoben immer an,
aber das kann eigentlich fast jeder assoziieren,

00:24:45.750 --> 00:24:49.800
<v Tobias>der mal irgendwie so nach einem Regenguss durch den Wald gelaufen ist.

00:24:50.430 --> 00:24:59.190
<v Tobias>Und ja, das steuert einfach extrem zu dieser Vielschichtigkeit bei,
die die Weine dann eben irgendwann haben können.

00:24:59.340 --> 00:25:06.480
<v Tobias>Wenn man da rein riecht und rein schmeckt und eben dieses ganze Potpourri von
unterschiedlichen Aromen hat,

00:25:06.480 --> 00:25:09.150
<v Tobias>das macht es einfach zu etwas ganz Besonderem.

00:25:09.270 --> 00:25:18.220
<v Tobias>Und ich bin auch relativ sicher, dass das auch mit dazu beigetragen hat,
dass Weine aus dem Piemont so im internationalen Ranking ganz,

00:25:18.220 --> 00:25:19.270
<v Tobias>ganz weit oben stehen.

00:25:19.390 --> 00:25:21.700
<v Michael>Oh ja, gut, das nenne ich mal ein Statement.

00:25:23.080 --> 00:25:27.550
<v Michael>Würde ich jetzt auch unterschreiben. Was mir jetzt nur so ein bisschen leid tut,

00:25:27.730 --> 00:25:34.030
<v Michael>jetzt haben wir wieder die ganze Zeit über Nebbiolo gesprochen und Rebsorten wie
Dolcetto oder Barbera,

00:25:34.180 --> 00:25:37.600
<v Michael>könnte man daraus BBB zu einem BBD machen.

00:25:39.580 --> 00:25:44.042
<v Michael>Die haben wir jetzt irgendwie wieder so ein bisschen an den Rand geschoben.

00:25:44.042 --> 00:25:49.750
<v Michael>Davon, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, solltet ihr euch allerdings nicht
abschrecken lassen.

00:25:49.780 --> 00:25:57.274
<v Michael>Also noch einmal in aller Deutlichkeit:
Das Piemont hält noch mehr Kostbarkeiten als nur Nebbiolo bereit.

00:25:57.274 --> 00:26:00.340
<v Michael>Und da müsst ihr unbedingt die Nase und den Gaumen reinstecken.

00:26:00.610 --> 00:26:08.530
<v Michael>Aber ich kann das jetzt auch mal ganz pragmatisch runterbrechen und hier mein
Recht auf ein Werbefenster einfordern.

00:26:08.530 --> 00:26:16.700
<v Michael>Da musst du jetzt durch, Tobias. Schaut doch bitte einfach mal in den
Weinfreunde-Shop und gebt einfach ins Suchfenster „Dezzani" ein,

00:26:16.700 --> 00:26:26.480
<v Michael>Also mit zwei Z, Dezzani. Ja, dieses Weingut aus dem Piemont hat nämlich viele
dieser typischen Weine der Region einfach im

00:26:26.480 --> 00:26:29.270
<v Michael>Sortiment. Ja, da bist du bei einem schon glücklich.

00:26:29.300 --> 00:26:34.610
<v Michael>So kommt ihr eben auch in das Vergnügen von Barbera oder Dolcetto.

00:26:34.610 --> 00:26:42.020
<v Michael>Oder am besten beides. Und noch besser,
also noch umfassender oder einfacher, gebt doch einfach in unsere Suchmaske

00:26:42.020 --> 00:26:51.260
<v Michael>„Herkunftsregion: Piemont" ein und dann habt ihr eigentlich das ganze Back-up zu
dieser Podcastfolge in Flaschenform

00:26:51.290 --> 00:26:52.070
<v Michael>verfügbar.

00:26:52.160 --> 00:26:56.120
<v Tobias>Ja, das sind gute Hinweise in deinem Werbefenster,
muss ich jetzt mal zugeben.

00:26:56.540 --> 00:27:03.470
<v Tobias>Und ich hatte es ja schon erwähnt: Ich liebe einfach guten Dolcetto,
und das hat man eigentlich viel zu selten im Glas.

00:27:03.980 --> 00:27:08.930
<v Tobias>Aber lass uns doch noch mal kurz über das Thema Weißwein und Schaumwein aus dem
Piemont sprechen.

00:27:09.080 --> 00:27:12.650
<v Tobias>Das Stichwort Asti Spumante ist ja schon gefallen.

00:27:12.680 --> 00:27:16.940
<v Tobias>Nicht unbedingt ein Schaumwein mit dem besten Ruf in Deutschland,
sage ich jetzt mal.

00:27:17.750 --> 00:27:26.000
<v Tobias>Aber wer sich so was Prickelndes aus dieser Subregion gönnen will,
der kann trotzdem auf diesen Namen vertrauen.

00:27:26.150 --> 00:27:33.620
<v Tobias>Aber vielleicht ein bisschen beim Einkauf darauf achten,
dass es dann ein Asti Spumante Metodo Classico ist,

00:27:33.920 --> 00:27:38.960
<v Tobias>weil das ist dann einer, wie der Name schon sagt,
der in klassischer Flaschengärung hergestellt wird,

00:27:39.080 --> 00:27:45.950
<v Tobias>also wie Champagner. Und ja, das ist natürlich dann deutlich mehr auch nach
meinem Geschmack als die,

00:27:45.950 --> 00:27:49.250
<v Tobias>die man vielleicht im Kopf hat mit Restsüße.

00:27:49.820 --> 00:27:54.680
<v Tobias>Aber da merkt man dann, glaube ich, auch schon am Preis,
dass das ein Unterschied ist.

00:27:55.100 --> 00:27:59.930
<v Tobias>Und da ist im Übrigen die dazu passende Rebsorte sozusagen,
ist der Moscato.

00:28:00.050 --> 00:28:03.740
<v Michael>Okay, du sagst jetzt Moscato, ich sag Cortese.

00:28:03.830 --> 00:28:04.220
<v Tobias>Na ja.

00:28:04.700 --> 00:28:07.760
<v Michael>Reden wir jetzt mal über die weißen Stillweine.

00:28:08.060 --> 00:28:12.280
<v Michael>Ganz kurz auch nur, da geht es eben meistens um Cortese.

00:28:12.700 --> 00:28:20.890
<v Michael>Also ja, ich erinnere mich zum Beispiel daran,
dass vor langer, langer Zeit mal Weißweine aus dem Anbaugebiet Gavi total

00:28:20.890 --> 00:28:21.730
<v Michael>angesagt waren.

00:28:22.060 --> 00:28:23.350
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:28:23.380 --> 00:28:30.070
<v Michael>Und Gavi, das ist eben Cortese aus dem Piemont mit schöner Säure,
richtig frisch,

00:28:30.490 --> 00:28:38.050
<v Michael>eher schlank als üppig, schöne Frucht. Also der hat ganz,
ganz, ganz viel, was ihn liebreizend macht.

00:28:38.440 --> 00:28:44.680
<v Michael>Und wenn dann damals noch „Gavi di Gavi" auf der Flasche stand,
also es ging dann um Wein,

00:28:44.710 --> 00:28:50.650
<v Michael>der direkt aus der Gemeinde kam, Rebsorte plus,
ja, im Prinzip Ort.

00:28:51.250 --> 00:28:55.180
<v Michael>Ja dann war Jubel angesagt. Das kann ich nicht anders sagen.

00:28:55.210 --> 00:28:57.850
<v Michael>Das ist ein Wein, den kannst du wunderbar schön trinken.

00:28:58.090 --> 00:29:04.660
<v Michael>Und ja, irgendwie glaube ich, sind diese Gavi-Weine in Vergessenheit geraten.

00:29:04.660 --> 00:29:08.080
<v Michael>Oder vielleicht habe ich sie auch nicht mehr so auf dem Schirm,
kann auch sein.

00:29:08.690 --> 00:29:15.950
<v Michael>Egal, was man noch dazu sagen muss: Es gibt übrigens auch ganz exzellenten
Chardonnay aus dem Piemont -

00:29:16.460 --> 00:29:20.000
<v Michael>um jetzt endlich mal eine internationale Rebsorte zu nennen.

00:29:20.090 --> 00:29:22.340
<v Tobias>Ja, genau, da sind wir wieder bei den 100 Stück.

00:29:23.330 --> 00:29:28.700
<v Tobias>Genau, mit dem Gavi Di Gavi, ich kann mich da auch noch gut dran erinnern. Aber
es sind jetzt natürlich auch Zeiten gekommen,

00:29:28.700 --> 00:29:34.850
<v Tobias>wo wir in Deutschland, insbesondere bei den Weißweinen,
viel aufgeschlossener sind,

00:29:34.880 --> 00:29:42.260
<v Tobias>auch ins eigene Land zu schauen. Und da werden,
glaube ich, dann Weißweine aus dem Ausland sozusagen so ein bisschen abgedrängt.

00:29:42.590 --> 00:29:46.730
<v Tobias>Aber genau, kaufen kann man Gavi, glaube ich,
immer noch.

00:29:46.730 --> 00:29:51.410
<v Tobias>Und das finde ich, ist jetzt auch für mich ein guter Reminder,
das mal wieder zu tun.

00:29:51.530 --> 00:29:54.140
<v Tobias>Aber du hattest ja zuletzt von Chardonnay gesprochen.

00:29:54.860 --> 00:30:01.520
<v Tobias>Thema international. Da müssen wir auf jeden Fall auch noch einen ganz konkreten
Namen nennen,

00:30:01.520 --> 00:30:04.910
<v Tobias>der international, glaube ich, auch bekannt ist.

00:30:04.940 --> 00:30:09.530
<v Tobias>Insbesondere wenn man an Barbaresco denken,
nämlich Angelo Gaja.

00:30:10.670 --> 00:30:16.070
<v Tobias>Der hat eigentlich, muss man sagen, den Höhenflug dieser Appellation ganz
entscheidend geprägt.

00:30:16.280 --> 00:30:20.690
<v Tobias>Er ist der Enkel des Gründers des Weinguts Gaja.

00:30:20.720 --> 00:30:28.520
<v Tobias>Und der studierte zunächst mal in Frankreich Weinbau,
hat sich dann mit dem Bordeaux und,

00:30:29.120 --> 00:30:37.460
<v Tobias>schon wieder, mit dem Burgund dann auch beschäftigt,
bevor er dann immerhin aber schon 1961 mit nur 21 Jahren die Leitung des

00:30:37.460 --> 00:30:43.430
<v Tobias>Weinguts übernimmt und die bisherige Arbeit im Weinberg und Keller erstmal
komplett infrage stellt.

00:30:43.580 --> 00:30:46.640
<v Tobias>So wie das mit der jungen Generation oft der Fall ist.

00:30:47.150 --> 00:30:54.110
<v Tobias>Also nur mal so ein paar Stichpunkte dazu. Anderer Rebschnitt,
grüne Lese, geringere Stockdichte bei Neupflanzungen,

00:30:54.110 --> 00:30:59.120
<v Tobias>temperaturregulierte Gärung im Edelstahltank,
das war ja damals auch noch nicht so gang und gäbe,

00:30:59.120 --> 00:31:02.960
<v Tobias>und eben auch die Reife in Barriques, also in den kleinen Fässern.

00:31:03.500 --> 00:31:07.770
<v Tobias>Das war vorher im Piemont eigentlich gar nicht genutzt worden.

00:31:07.770 --> 00:31:10.890
<v Tobias>Und das hat er natürlich aus Frankreich mitgebracht.

00:31:11.010 --> 00:31:15.480
<v Tobias>Also mit anderen Worten kann man eigentlich sagen,
Angelo Gaja hat fast alles umgekrempelt,

00:31:15.480 --> 00:31:23.760
<v Tobias>was es da zum Umkrempeln gab und hat damit dann wirklich den Barbaresco erst so
auf die internationalen Weinkarten gebracht.

00:31:24.030 --> 00:31:33.360
<v Tobias>Er ist also Pionier, aber gleichzeitig dann auch so ein bisschen Revoluzzer,
denn er holt auch französische Reben wie Cabernet Sauvignon,

00:31:33.720 --> 00:31:37.260
<v Tobias>den eben genannten Chardonnay, aber auch Sauvignon Blanc ins Piemont.

00:31:37.440 --> 00:31:40.230
<v Tobias>Also so ein bisschen wie die Supertoskaner.

00:31:41.010 --> 00:31:47.790
<v Tobias>Und genauso wie in der Toskana hat auch er in seiner Heimat Piemont ordentlich
Schelte dafür bekommen.

00:31:48.030 --> 00:31:55.230
<v Tobias>Aber wenn man den langen Atem hat und einfach qualitätsorientiert arbeitet,
dann zahlt sich das irgendwann aus.

00:31:55.230 --> 00:32:01.260
<v Tobias>Und deswegen ist einfach Angelo Gaja ein Name,
den man an der Stelle unbedingt nennen muss.

00:32:01.380 --> 00:32:06.220
<v Michael>Ja, und man muss sagen, die Töchter sind inzwischen am Ruder. Also ja,
du hast schon recht,

00:32:06.220 --> 00:32:11.710
<v Michael>mit Angelo Gaja bin ich ganz bei dir. Aber ich will jetzt an der Stelle noch mal
den Klugscheißer geben.

00:32:11.740 --> 00:32:17.695
<v Michael>Ja, habe ich lange nicht mehr gemacht. Weil du jetzt noch mal über diesen
französischen Einfluss gesprochen hast,

00:32:17.695 --> 00:32:22.030
<v Michael>der jetzt über Angelo Gaja ins Piemont kommt.

00:32:23.680 --> 00:32:28.240
<v Michael>Aber es gibt da auch noch so einen französischen Önologen,
und der heißt Louis Oudart,

00:32:28.270 --> 00:32:32.260
<v Michael>wenn man sich halbwegs einig ist. Also das ist auch so eine
Verwechslungsgeschichte,

00:32:32.260 --> 00:32:41.590
<v Michael>da könntest du einen Roman darüber schreiben. Ich lasse das jetzt mal weg. Ich
nenne ihn auch einfach Louis Oudart. Und der hat im Prinzip einen genauso großen

00:32:41.590 --> 00:32:48.160
<v Michael>Anteil wie eben Gaja an diesen hochwertigen Nebbiolo aus Barolo.

00:32:48.190 --> 00:32:55.810
<v Michael>Mehr noch als aus dem Barbaresco auch. Aber,
und jetzt kommt der entscheidende Fakt,

00:32:56.290 --> 00:33:04.020
<v Michael>das passiert sogar 100 Jahre davor. Also 100 Jahre vor dem Kollegen Angelo Gaja.

00:33:04.470 --> 00:33:07.920
<v Michael>Denn das ist eine schöne Geschichte, ich mache es ganz kurz.

00:33:07.950 --> 00:33:16.650
<v Michael>Also 1850, da gibt es eine Marchesa von Barolo,
Adelstitel, die hieß Giulietta Faletti.

00:33:16.740 --> 00:33:25.140
<v Michael>Und die ruft halt diesen Louis Oudart zu sich,
um im Weingut so ein bisschen an der Qualitätsschraube zu drehen.

00:33:25.170 --> 00:33:28.920
<v Michael>So würde man das vielleicht heute irgendwie formulieren.

00:33:28.920 --> 00:33:37.290
<v Michael>Und ihm ist es sozusagen vorbehalten, mit richtig trockenen Barolos zu arbeiten.

00:33:37.320 --> 00:33:42.390
<v Michael>Das heißt sozusagen, auf lange Reife und auf Trockenheit zu gehen.

00:33:42.420 --> 00:33:47.130
<v Michael>Vorher war Barolo eher süß und musste dann relativ schnell getrunken werden.

00:33:47.940 --> 00:33:53.520
<v Michael>Also man kann sagen, dieses Kriterium, was heute so als typisch Barolo geht,
diese Langlebigkeit,

00:33:53.550 --> 00:33:59.910
<v Michael>die haben wir eigentlich diesem französischen Kollegen zu verdanken.

00:34:00.150 --> 00:34:04.980
<v Tobias>Ja, das finde ich sehr interessant. Damit weckst du noch mal so den WSET
Educator in mir.

00:34:05.250 --> 00:34:11.010
<v Tobias>Denn in dieser Zeit war es wirklich eine Herausforderung,
Wein immer komplett durchzugären.

00:34:11.130 --> 00:34:15.150
<v Tobias>Und wir wissen ja, aus dem Zucker in den Trauben entsteht Alkohol.

00:34:15.150 --> 00:34:20.700
<v Tobias>Und wenn die Gärung halt irgendwann stoppt,
weil irgendwie die ganze Hefe schon aufgebraucht ist,

00:34:21.240 --> 00:34:23.850
<v Tobias>dann bleibt halt einfach noch Zucker im Wein zurück.

00:34:24.030 --> 00:34:32.640
<v Tobias>Und der Kollege aus Frankreich, der wusste dann anscheinend,
wie es geht, dass die Gärung nicht stoppt und dann wirklich auch ein trockener

00:34:32.640 --> 00:34:40.020
<v Tobias>Wein entsteht. Ich glaube, die Einflüsse aus Frankreich und Burgund und Bordeaux
usw.,

00:34:40.860 --> 00:34:44.400
<v Tobias>das reicht jetzt mal. Wir sprechen ja immerhin über eine italienische
Weinregion, und ich glaube, wir haben...

00:34:44.430 --> 00:34:47.520
<v Michael>Aber die sind ja lebendig. Also, das finde ich ja auch eher gut.

00:34:47.910 --> 00:34:52.530
<v Michael>Also ich finde, man stellt die Region jetzt nicht schlechter dar,
wenn man sagt,

00:34:52.530 --> 00:34:56.250
<v Michael>als italienisches Piemont habe ich Einflüsse aus dem Bordeaux,
ganz ehrlich.

00:34:56.250 --> 00:34:56.700
<v Michael>Oder aus dem Burgund noch mehr.

00:34:56.940 --> 00:35:01.000
<v Tobias>Ne, das stimmt. Ja, das ist natürlich richtig.

00:35:01.000 --> 00:35:05.620
<v Tobias>Aber ich glaube, wir haben jetzt sowieso einfach schon das Wichtigste zum
Piemont,

00:35:05.650 --> 00:35:07.900
<v Tobias>zu dieser tollen Gegend zusammengetragen.

00:35:07.990 --> 00:35:13.390
<v Tobias>Da kann man natürlich auch unbedingt als Reisetipp noch mal empfehlen.

00:35:13.420 --> 00:35:15.670
<v Tobias>Da haben wir ja auch eine Folge drüber gemacht.

00:35:15.880 --> 00:35:22.240
<v Tobias>Ja, und vielleicht machen wir ja irgendwann noch mal eine eigene Folge,
um noch etwas mehr in die Nebbiolo-,

00:35:22.270 --> 00:35:25.060
<v Tobias>Barbera- und Dolcetto-Tiefen vorzudringen.

00:35:25.450 --> 00:35:28.060
<v Tobias>Ja, vielleicht wird das aber auch zu nerdig.

00:35:28.840 --> 00:35:36.790
<v Tobias>Sagt ihr uns das doch einfach mal, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Schreibt es
in die Kommentare auf Facebook und Instagram oder direkt auf eurer bevorzugten

00:35:36.790 --> 00:35:42.700
<v Tobias>Podcastplattform. Schreibt uns eine E-Mail an podcast@weinfreunde.de.

00:35:43.810 --> 00:35:48.550
<v Tobias>Ja, und bei den Podcastplattformen natürlich immer eine Bewertung hinterlassen.

00:35:48.580 --> 00:35:54.550
<v Tobias>Bitte nicht vergessen. Ja, Michael, ich glaube,
jetzt ist schon wieder Zeit für unseren Schnelldurchlauf am Ende der Folge,

00:35:54.580 --> 00:35:54.820
<v Tobias>oder?

00:35:55.300 --> 00:36:01.670
<v Michael>Ja, wenn du erlaubst, lieber Tobias, dann sage ich noch mal ganz kurz was zur
Geschichte des Weinbaus im Piemont.

00:36:02.360 --> 00:36:02.750
<v Tobias>Oh, „kurz über die Geschichte des Weinbaus",
ja, ja, okay.

00:36:02.780 --> 00:36:10.400
<v Michael>Ja, doch, doch, muss man ergänzen. Ja, es ist langweilig,
irgendwie wie in fast allen italienischen Anbaugebieten.

00:36:10.790 --> 00:36:17.300
<v Michael>Schon mehr als 2000 Jahre alt. Heißt also zur Einordnung deutlich vor den
Römern,

00:36:17.870 --> 00:36:24.080
<v Michael>weil es gab so keltische Stämme, die Tauriner -
von denen kommt übrigens das Wort „Turin" für die Hauptstadt -

00:36:24.080 --> 00:36:29.480
<v Michael>und die Ligurer, ja, die machten hier schon deutlich vor den Römern Wein.

00:36:29.480 --> 00:36:34.550
<v Michael>Und für dich als, ich kürze das jetzt ganz schnell ab,
da gibt es ganz viele Geschichten,

00:36:34.550 --> 00:36:38.180
<v Michael>noch Verbindung mit Savoyen und französisches Königshaus.

00:36:38.360 --> 00:36:46.790
<v Michael>Aber für dich jetzt Burgunder-Freak sozusagen,
auch interessant ist: Im Mittelalter sind es vor allem die Klöster,

00:36:46.790 --> 00:36:56.110
<v Michael>die sich um den Weinbau kümmern. Ich fasse das jetzt mal so zusammen:
Ein tadelloser Lebenslauf als Weinregionen hier im Quartett

00:36:57.460 --> 00:37:04.000
<v Michael>und vor allen Dingen mit einem Profil einfach versehen,
was man heute mag, in dieser ganzen Vielfalt.

00:37:04.420 --> 00:37:08.920
<v Michael>Darf ich das überhaupt so sagen? Mir kommt schon wieder dieses Wein-Tinder in
den Kopf.

00:37:09.190 --> 00:37:12.130
<v Michael>Mag ich, mag ich nicht, will ich treffen,
wann und wo?

00:37:13.120 --> 00:37:22.840
<v Michael>Egal. Also ja, okay. Also wer auf unverwechselbare Rotweine steht,
so richtig mit Pracht,

00:37:22.870 --> 00:37:28.960
<v Michael>mit Charakter und eben ganz viel Zwischentönen,
das ist wichtig noch zu ergänzen,

00:37:29.140 --> 00:37:31.750
<v Michael>ja, der wird einfach im Piemont glücklich.

00:37:31.750 --> 00:37:37.510
<v Michael>Und wenn er dazu dann noch etwas ist, was aus dem Piemont kommt,
wird er sogar noch glücklicher.

00:37:37.540 --> 00:37:42.040
<v Tobias>Ja, das hört sich jetzt schon fast wie unsere Schnellzusammenfassung in einem
Satz irgendwie an.

00:37:42.760 --> 00:37:48.070
<v Tobias>Aber komm, jetzt noch mal ganz offiziell unsere Merkpunkte zur Folge über das
Piemont.

00:37:48.610 --> 00:37:54.110
<v Michael>Das Piemont liegt im Nordosten Italiens und grenzt an Frankreich und die
Schweiz,

00:37:54.350 --> 00:37:57.170
<v Michael>an Ligurien und an die Lombardei.

00:37:57.290 --> 00:37:59.300
<v Tobias>Bekannt ist das Piemont für seine Rotweine.

00:37:59.300 --> 00:38:05.240
<v Tobias>Die bekanntesten Weine der Region stammen aus den Weinbergen rund um die
Gemeinden Barolo und Barbaresco.

00:38:05.360 --> 00:38:12.140
<v Michael>Rebsorte Nummer 1 ist der Nebbiolo. Aber auch Barbera und Dolcetto stehen für
das Piemont.

00:38:12.440 --> 00:38:19.430
<v Michael>Überhaupt gibt es über 100 Rebsorten, die in den DOC und DOCG zugelassen sind.

00:38:19.580 --> 00:38:23.780
<v Tobias>Nicht zu vergessen: Das Piemont kann auch mit Schaumweinen und Weißweinen
aufwarten.

00:38:23.780 --> 00:38:27.440
<v Tobias>Unbedingt probieren: Gavi aus der Rebsorte Cortese.

00:38:27.650 --> 00:38:33.680
<v Michael>Auch interessant: Es gibt verblüffend viele Ähnlichkeiten zwischen dem Piemont
und dem Burgund,

00:38:33.710 --> 00:38:39.500
<v Michael>obgleich es um völlig andere Rebsorten geht und eine ganz unterschiedliche
Topografie.

00:38:39.620 --> 00:38:44.840
<v Tobias>Fun Fact: Im Piemont gibt es nur als DOC und DOCG klassifizierte Weine.

00:38:45.050 --> 00:38:48.500
<v Tobias>IGT- bzw. IGP-Weine existieren nicht.

00:38:49.070 --> 00:38:53.390
<v Michael>Fertig, ne? Aber irgendwie komisch, ich merke bei diesen Zusammenfassungen
immer,

00:38:54.140 --> 00:38:58.040
<v Michael>dass wir längst nicht alles über diese Region erklärt haben.

00:38:58.040 --> 00:39:03.530
<v Michael>Aber ich tröste mich auch immer damit, dass wir zumindest das Wichtigste
bringen,

00:39:03.830 --> 00:39:07.490
<v Michael>und das auf den Punkt, um so ein bisschen was davon zu verstehen.

00:39:07.520 --> 00:39:10.520
<v Michael>Und allein das macht ja Spaß, sage ich jetzt mal.

00:39:10.520 --> 00:39:18.530
<v Michael>Und hoffentlich nicht nur mir und dir, Tobias,
sondern auch den vielen Zuhörerinnen und Zuhörern da draußen.

00:39:19.850 --> 00:39:22.730
<v Michael>Ich sage einfach mal Danke dafür.

00:39:23.030 --> 00:39:29.810
<v Tobias>Ach Mensch, Michael, das neue Jahr hat gerade erst angefangen und du schlägst
schon so einen melancholischen Ton an,

00:39:29.840 --> 00:39:35.150
<v Tobias>ja. Dabei ist doch gerade das die Stelle,
wo wir uns immer ungeheuer darauf freuen,

00:39:35.150 --> 00:39:37.010
<v Tobias>dass es schon bald wieder heißt.

00:39:37.220 --> 00:39:38.390
<v Michael>Bei Anruf.

00:39:39.980 --> 00:39:40.430
<v Tobias>Wein.