WEBVTT

00:00:02.650 --> 00:00:04.480
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:06.070 --> 00:00:07.660
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:10.160 --> 00:00:11.960
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde.

00:00:11.960 --> 00:00:13.220
<v Tobias>Mein Name ist Tobias.

00:00:13.220 --> 00:00:15.200
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein.

00:00:15.740 --> 00:00:24.170
<v Tobias>Das französische Bordeaux ist zweifelsfrei die bekannteste Weinregion überhaupt
und dient Winzern auf der ganzen Welt schon lange als prestigeträchtiges

00:00:24.170 --> 00:00:32.660
<v Tobias>Vorbild. Weine aus dem Bordeaux stehen aber nicht nur für Grand Cru Classé mit
vierstelligen Flaschenpreisen, denn der Großteil der Weine wird abseits der

00:00:32.660 --> 00:00:34.700
<v Tobias>renommierten Château-Lagen produziert.

00:00:35.240 --> 00:00:43.490
<v Tobias>Michael und ich nutzen in folgendem Gespräch die Möglichkeit, uns mit Cédric
Garraud zu unterhalten, einem gebürtigen Bordelais und Kenner der Weine von

00:00:43.490 --> 00:00:47.960
<v Tobias>dort. Also bleibt mal dran. Wir fangen direkt an!

00:00:48.830 --> 00:00:57.750
<v Michael>Überraschung! Heute sitze ich gemeinsam mit Tobias im Verkostungsraum von
Weinfreunde und wir können uns tatsächlich tief in die Augen schauen.

00:00:57.750 --> 00:00:58.800
<v Tobias>Ja, ja!

00:00:58.800 --> 00:01:08.330
<v Michael>Aber noch ein Novum heute, wir haben nämlich einen Gast bei uns: den lieben
Cédric Garraud, Chef von Weinfreunde und für die heutige Folge unser Mann

00:01:08.330 --> 00:01:09.740
<v Michael>aus Bordeaux.

00:01:09.950 --> 00:01:11.360
<v Cédric>Hallo ihr beiden, Ich freue mich.

00:01:11.600 --> 00:01:13.790
<v Tobias>Ja, hallo Cédric, auch von meiner Seite.

00:01:13.790 --> 00:01:21.410
<v Tobias>Klasse, dass wir dich für diese Folge jetzt gewinnen konnten, denn wir wollen
hier und heute ja die Weinregion Bordeaux vorstellen und da brauchen wir

00:01:21.410 --> 00:01:24.080
<v Tobias>unbedingt Expertenwissen an unserer Seite.

00:01:24.530 --> 00:01:32.840
<v Tobias>Und was jetzt unsere Zuhörerinnen und Zuhörer nicht wissen, besser ging es da
jetzt gar nicht bei der Wahl des Gastes, denn du bist in Bordeaux tatsächlich

00:01:32.840 --> 00:01:38.960
<v Tobias>geboren. Und um vielleicht den Einstieg zu finden, verrate uns doch bitte mal,
wo genau eigentlich?

00:01:38.960 --> 00:01:43.460
<v Tobias>Und lässt sich das auch konkret einer Bordeaux-Appellation zuordnen?

00:01:45.100 --> 00:01:53.440
<v Cédric>Ja, also ich bin in Bordeaux auf die Welt gekommen, in einem Krankenhaus in der
Stadtmitte, also mitten im Stadtzentrum von Bordeaux, in der, ganz in der Nähe

00:01:53.440 --> 00:01:54.670
<v Cédric>vom schönen Jardin Public.

00:01:54.670 --> 00:01:56.440
<v Cédric>Ich weiß nicht, ob ihr die Stadt kennt.

00:01:57.130 --> 00:02:06.670
<v Cédric>Sehr schön gelegen, aber wie viele Familien in Bordeaux, meine Eltern hatten
ein Haus in der Stadt, wo wir unter der Woche gewohnt haben,

00:02:06.670 --> 00:02:12.160
<v Cédric>mein Vater seinem Job nachgehen konnte und ich zur Schule gehen konnte.

00:02:12.160 --> 00:02:17.200
<v Cédric>Aber wie viele Familien in Bordeaux eben, wir hatten auch einen Wohnsitz auf
dem Land.

00:02:17.530 --> 00:02:26.620
<v Cédric>So, das war Wohnsitz der Familie, sage ich mal, und das war im schönen Dorf
Camblanes, relativ nah am Fluss Garonne,

00:02:26.800 --> 00:02:31.330
<v Cédric>also tendenziell zwischen der Garonne und der Dordogne.

00:02:31.330 --> 00:02:35.680
<v Cédric>Also das Gebiet, was man heute als Premières Côtes de Bordeaux bezeichnen
würde.

00:02:36.490 --> 00:02:45.940
<v Cédric>Und für die, die uns zuhören, gedanklich visuell aus der Vogelperspektive
folgen können, quasi auf der Mitte des Weges zwischen

00:02:45.940 --> 00:02:49.360
<v Cédric>Bordeaux und Libourne, Saint-Émilion.

00:02:49.360 --> 00:02:53.440
<v Tobias>Ah ja, okay. Aber das heißt, das war tatsächlich so eine Art Feriendomizil.

00:02:53.980 --> 00:02:55.450
<v Tobias>Ihr habt da jetzt kein Château?

00:02:55.570 --> 00:02:56.830
<v Cédric>Doch, das war ein Château.

00:02:56.830 --> 00:03:02.890
<v Cédric>Aber das viel Wichtigere jetzt für uns heute ist, dass das alles wirklich
mitten in den Weinbergen war.

00:03:02.890 --> 00:03:08.980
<v Tobias>Ja, das heißt, das hat auch für dich als Kind dann schon eine große Rolle
gespielt, das Thema Wein, kann ich mir anders gar nicht vorstellen.

00:03:09.550 --> 00:03:17.170
<v Cédric>Ja, es hat mich sehr stark geprägt, weil natürlich auch diese ganze französische
Lebenskultur sehr stark am Esstisch stattfindet.

00:03:17.290 --> 00:03:22.120
<v Cédric>Das war wirklich ein großer Mittelpunkt im sozialen Leben der Familie und unter
Freunden.

00:03:23.110 --> 00:03:24.790
<v Cédric>Und dann kamen die alle in die Küche.

00:03:24.790 --> 00:03:29.080
<v Cédric>Und die Männer, die haben halt im Wohnzimmer gesessen und haben Aperitif
getrunken.

00:03:30.010 --> 00:03:37.510
<v Cédric>Und im Übrigen, wir Jungs ab einem gewissen Alter, ich kann mich erinnern, ich
durfte auch manchmal in so einem Wasserglas, haben die mir auch so die ersten

00:03:37.510 --> 00:03:40.240
<v Cédric>Weintropfen da reingegeben.

00:03:40.240 --> 00:03:45.370
<v Cédric>Ja, und da durfte man riechen und und gucken, ob man da irgendwas schmecken
kann und wie.

00:03:45.400 --> 00:03:52.960
<v Cédric>Da wurde immer gefragt: „Wie gefällt dir das?" und: „Was sagst du dazu?", also
da, da gab es keine Berührungsängste, sage ich mal.

00:03:53.470 --> 00:03:57.280
<v Michael>Die beste Form, informelles Lernen über Wein zu praktizieren.

00:03:57.280 --> 00:04:00.880
<v Michael>Und vor dem Haus standen da jetzt Merlot- oder Cabernet-Sauvignon-Reben?

00:04:01.270 --> 00:04:03.220
<v Cédric>Nein, also hauptsächlich Merlot.

00:04:03.700 --> 00:04:09.430
<v Cédric>Aber da kommen wir vielleicht später zu, wenn wir da ins Detail steigen, was
das Typische für Bordeaux ist.

00:04:09.640 --> 00:04:19.270
<v Cédric>Aber Côtes de Bordeaux ist quasi nicht das linke Ufer eben, wo Médoc,
Haut-Médoc sich befinden, sondern auf dem

00:04:19.270 --> 00:04:21.340
<v Cédric>Weg nach Saint-Émilion, Pomerol.

00:04:21.340 --> 00:04:26.290
<v Cédric>Also so gesehen quasi ein erster Teil des Entre-Deux-Mers, könnte man sagen.

00:04:26.290 --> 00:04:29.890
<v Cédric>Ja, hin eben nach Saint-Émilion, Pomerol.

00:04:29.890 --> 00:04:34.300
<v Cédric>Und das sind alles Weinanbaugebiete, die sehr stark von Merlot dominiert sind.

00:04:34.330 --> 00:04:37.780
<v Michael>Geprägt sind. Ja, das müssen wir an der Stelle ja auch einfach mal unseren
Hörerinnen und Hörern erzählen.

00:04:38.110 --> 00:04:43.000
<v Michael>Man spricht ja immer von dem linken und dem rechten Ufer oder der linken und
der rechten Seite.

00:04:43.000 --> 00:04:43.720
<v Tobias>Genau.

00:04:43.720 --> 00:04:52.270
<v Michael>Was ist da gemeint? Es ist die linke und die rechte Flussseite der Gironde
gemeint, die wiederum selbst aber ein Zusammenfluss aus 2 Flüssen ist, nämlich

00:04:52.270 --> 00:04:54.910
<v Michael>von der Garonne und von der Dordogne.

00:04:55.090 --> 00:04:59.150
<v Michael>Und wenn wir jetzt in Richtung Atlantik, in Richtung Mündung schauen, dann ist
linkerhand...

00:04:59.300 --> 00:05:01.300
<v Cédric>Also Richtung Norden, Richtung Norden, genau.

00:05:01.300 --> 00:05:07.690
<v Michael>...Richtung Norden, dann ist linkerhand sozusagen auch Médoc, wo die ganz großen
Châteaus auch sind, die namhaften.

00:05:07.690 --> 00:05:11.260
<v Michael>Ja, und die rechte Seite ist dann auf der anderen Seite gegenüber.

00:05:11.260 --> 00:05:17.560
<v Michael>Und tatsächlich kann man sagen, auf der linken Seite eher Cabernet Sauvignon
und auf der rechten Seite eher Merlot.

00:05:17.770 --> 00:05:23.380
<v Tobias>Wobei wir natürlich nicht vergessen dürfen, wir sprechen in Bordeaux eigentlich
immer über Cuvées.

00:05:23.650 --> 00:05:26.860
<v Tobias>Also das heißt, reinsortige Weine sind sowieso ja eher die Ausnahme.

00:05:26.860 --> 00:05:29.230
<v Cédric>Das ist das Prinzip in Bordeaux, ja.

00:05:29.710 --> 00:05:39.610
<v Cédric>Da, wo die Weinkultur in Deutschland, die ja auch eine sehr hochkultivierte
Winemaking-Kultur ist, viel, viel mehr auf rebsortenreine

00:05:39.610 --> 00:05:48.430
<v Cédric>Weine schon immer ausgerichtet war, also ein rebsortenreiner Riesling oder
Weißburgunder oder was auch immer, und das auch da bestimmt seine Gründe hat.

00:05:48.430 --> 00:05:54.130
<v Cédric>Bei uns in Bordeaux war eben immer die Suche nach der maximalen Ausgewogenheit
.

00:05:54.250 --> 00:05:57.820
<v Cédric>Und so ein Wein, ich sage es mal, um es bildlich darzustellen, ist wie ein
Körper.

00:05:58.330 --> 00:06:00.940
<v Cédric>Und jede Rebsorte hat ihre Funktion.

00:06:01.540 --> 00:06:11.410
<v Cédric>Und so gesehen, Cabernet ist eine Rebsorte, die sehr viel Struktur mitbringt,
also wie in einem Körper so ein bisschen das Knochengerüst, ja,

00:06:11.410 --> 00:06:14.080
<v Cédric>und der Merlot ist so ein bisschen das Fleischige.

00:06:14.080 --> 00:06:16.780
<v Cédric>Also nur Merlot wird sehr, sehr schwierig.

00:06:17.020 --> 00:06:19.810
<v Cédric>Auch ein Körper nur mit Fleisch würde in sich zusammenfallen.

00:06:19.810 --> 00:06:21.160
<v Cédric>Du brauchst ein Gerüst.

00:06:21.370 --> 00:06:27.490
<v Cédric>Ja, und diese Verbindung, die muss jedes Weingut für sich selber herausfinden.

00:06:27.880 --> 00:06:29.680
<v Cédric>Und da kommen wir wieder zu den Böden.

00:06:29.680 --> 00:06:36.880
<v Cédric>Und eigentlich ergeben ja die Böden genau das Mischverhältnis des Weinbergs auf
dem jeweiligen Weingut.

00:06:37.060 --> 00:06:43.960
<v Cédric>Und warum das so ist, linkes und rechtes Ufer, da gibt es eigentlich ganz
genaue geologische Hintergründe.

00:06:43.990 --> 00:06:53.520
<v Cédric>Ja, und die muss man sogar bis auf die Eiszeit zurückführen, weil als die große
Schmelze der Eiszeit begonnen hat, da sind ja im Süden aus den

00:06:53.520 --> 00:07:03.210
<v Cédric>Pyrenäen unglaublich große auch Erd- und Steinmassen, ja, dieses Tal der
Pyrenäen, quasi

00:07:03.720 --> 00:07:13.200
<v Cédric>die Garonne und andere Flüsse Richtung Mündung der Gironde eben geflossen und
haben diese Erdmassen links und rechts dieser Flüsse eben

00:07:13.200 --> 00:07:23.100
<v Cédric>verteilt. Und das Besondere an dem linken Ufer der Garonne, also da, Michael,
wo du sagst, da sind ja Médoc, Haut-Médoc angesiedelt, da ist

00:07:23.100 --> 00:07:25.620
<v Cédric>eine Besonderheit im Boden.

00:07:25.620 --> 00:07:28.800
<v Cédric>Das nennt man, glaube ich, in der Geologie Günz-Geröll.

00:07:29.070 --> 00:07:33.090
<v Cédric>Ja, Günz kommt von dem Namen des Wissenschaftlers, der das alles erforscht hat.

00:07:33.330 --> 00:07:38.730
<v Cédric>Und das sind eben Böden, die sich sehr, sehr gut für Cabernet Sauvignon eignen.

00:07:38.730 --> 00:07:45.120
<v Cédric>Warum? Weil Cabernet ist eine Rebsorte, die viel mehr Zeit braucht, um zu
reifen.

00:07:45.750 --> 00:07:51.780
<v Cédric>Die muss idealerweise auf Böden angepflanzt werden, die sich dafür eignen, also
wärmere Böden.

00:07:51.780 --> 00:07:58.800
<v Cédric>Das sind also eben Böden, diese Günz-Geröll, wie der Name schon sagt, Böden,
die viel, viel mehr Steine haben.

00:07:58.800 --> 00:08:08.160
<v Cédric>Und die Besonderheit der Steine ist, dass sie sich eben in der
Sonneneinstrahlung tagsüber auch mit Wärme und Hitze aufladen und diese Wärme

00:08:08.160 --> 00:08:12.930
<v Cédric>und Hitze auch dann nachts, wenn es frisch wird, und es wird sehr frisch in
Bordeaux.

00:08:13.770 --> 00:08:20.880
<v Cédric>Wir dürfen nicht vergessen, wir liegen Luftlinie, je nachdem, wo wir uns
befinden, 60, 70, 80 Kilometer vom Atlantik.

00:08:21.030 --> 00:08:24.900
<v Cédric>Also sehr, sehr frisches Klima, speziell auch im Vergleich zum Mittelmeer.

00:08:25.380 --> 00:08:30.540
<v Cédric>Und da sind Böden, wo man wirklich sehr, sehr gut Cabernet anpflanzen kann.

00:08:30.780 --> 00:08:36.870
<v Cédric>Und Cabernet ist halt viel schwieriger auf dem rechten Ufer, weil das sind viel
kältere Böden, lehmhaltige Böden.

00:08:37.320 --> 00:08:42.180
<v Cédric>Und diese lehmhaltigen Böden speichern sehr gut Nässe, Feuchtigkeit.

00:08:42.180 --> 00:08:50.250
<v Cédric>Und da ist eben eine Rebsorte wie Merlot, ich würde sagen, fast wie zu Hause,
ja, weil sie reift deutlich schneller.

00:08:50.490 --> 00:08:56.040
<v Cédric>Ja, aber eigentlich, die meisten Weingüter haben irgendwie eine Mischung aus
diesen Rebsorten.

00:08:56.250 --> 00:09:04.410
<v Cédric>Und genau wie bei Weißwein gibt es auch bei Rotwein auch natürlich eine größere
Anzahl an Rebsorten, nicht nur Cabernet Sauvignon oder Merlot.

00:09:04.410 --> 00:09:14.310
<v Cédric>Es gibt auch Cabernet Franc, es gibt Petit Verdot und im Übrigen auch Rebsorten
wie Malbec oder Carménère, die man, die dann

00:09:14.310 --> 00:09:21.900
<v Cédric>irgendwann mit den Leuten, die aus Europa, aus dieser Region übergesiedelt sind
nach Südamerika, findet man dementsprechend in Chile, in Argentinien.

00:09:22.410 --> 00:09:24.150
<v Cédric>Aber das ist der wahre Hintergrund.

00:09:24.600 --> 00:09:27.300
<v Michael>Okay. Ja, vielen Dank für diese Information.

00:09:27.300 --> 00:09:33.060
<v Michael>Jetzt wissen wir mehr über Merlot und über Cabernet Sauvignon und was die
beiden da zusammenbringt.

00:09:33.060 --> 00:09:38.010
<v Michael>Aber noch mal zurück ins Médoc und noch mal zurück zu den ganz großen Namen der
Region.

00:09:38.880 --> 00:09:48.870
<v Michael>1855 hat es ja eine Klassifizierung gegeben, die bis heute gilt und einfach
immer noch festlegt was sind die großen Namen und was sind die weniger

00:09:48.870 --> 00:09:49.710
<v Michael>großen Namen.

00:09:50.250 --> 00:09:57.630
<v Tobias>Genau, also da kann man vielleicht noch mal hinzufügen, das wurde dann in 5
verschiedenen Klassifikationsstufen eingeteilt.

00:09:58.410 --> 00:10:01.620
<v Tobias>Die Spitze bilden die Premier Grand Cru Classés.

00:10:01.950 --> 00:10:03.420
<v Tobias>Davon gibt es, glaube ich, 5.

00:10:03.930 --> 00:10:06.840
<v Tobias>Dann stuft sich das halt eben immer weiter ab.

00:10:06.840 --> 00:10:09.420
<v Tobias>Und wie du gerade schon gesagt hast, ist ja eigentlich faszinierend.

00:10:09.420 --> 00:10:15.150
<v Tobias>So eine Klassifikation, die 1855 festgelegt wurde, hat heute immer noch
Bestand.

00:10:15.690 --> 00:10:18.120
<v Tobias>Es gibt keine Veränderung.

00:10:18.900 --> 00:10:21.780
<v Tobias>Wobei doch, eine gab es, glaube ich, oder?

00:10:21.780 --> 00:10:28.200
<v Cédric>Eines dieser Weingüter war ein Deuxième Cru Classé, also ein Zweites
klassifiziertes Gewächs.

00:10:28.200 --> 00:10:31.530
<v Cédric>Und das handelt sich um Château Mouton Rothschild.

00:10:31.530 --> 00:10:37.950
<v Cédric>Und ich glaube, die hatten dementsprechend als Credo, dass sie aber unter den
Zweiten immer der Erste sind.

00:10:37.950 --> 00:10:40.650
<v Cédric>Sie haben sich, immer schon, immer ganz, ganz vorne gesehen.

00:10:40.980 --> 00:10:48.330
<v Cédric>Ja, und eben dieses Château Mouton Rothschild ist in den 70er-Jahren, ich weiß
nicht, weißt du genau, wann das war, Tobias?

00:10:48.330 --> 00:10:50.310
<v Tobias>Ich meine, es war 1973.

00:10:50.310 --> 00:11:00.000
<v Cédric>Und da gab es einen jungen, ehrgeizigen, aufstrebsamen Landwirtschaftsminister
in Frankreich, und der hat sich dieser Sache angenommen und hat dann

00:11:00.000 --> 00:11:09.630
<v Cédric>tatsächlich die Klassifizierung geändert und hat dieses Weingut Château Mouton
Rothschild zum Premier Grand Cru Classé befördert,

00:11:09.630 --> 00:11:15.600
<v Cédric>sozusagen. Und seitdem, in dem Selbstverständnis von Mouton, sind die auch
Premier Cru Classé.

00:11:15.840 --> 00:11:23.220
<v Cédric>Und das ist eben das Schöne und das Witzige an der ganzen Geschichte, dass
dieser junge Landwirtschaftsminister, den kennen sehr, sehr viele von euch, das

00:11:23.220 --> 00:11:32.580
<v Cédric>war Jacques Chirac. Und man sagt in Frankreich natürlich ganz hämisch, dass
Jacques Chirac in seinem Privatkeller einer der größten und beeindruckendsten

00:11:32.580 --> 00:11:34.890
<v Cédric>Sammlungen an Château Mouton Rothschild hat.

00:11:35.010 --> 00:11:36.180
<v Michael>Ja, woher wohl auch?

00:11:36.510 --> 00:11:44.900
<v Tobias>Ja, und spannend finde ich ja auch, wie diese Klassifikation, wie diese
Einteilung eigentlich gemacht wurde, weil man stellt sich das jetzt vielleicht

00:11:45.020 --> 00:11:51.410
<v Tobias>ein bisschen romantisch vor, da wurden dann halt alle Weine durch verkostet und
es gab ein großes Gremium, was dann entschieden hat.

00:11:52.490 --> 00:12:00.080
<v Tobias>Nein, das war tatsächlich nicht so, sondern man ist ja wirklich einfach nur
nach dem durchschnittlichen Verkaufspreis dieser Flaschen Wein gegangen.

00:12:00.350 --> 00:12:02.900
<v Tobias>Und wie gesagt, Premier Grand Cru Classé 5 Stück.

00:12:02.900 --> 00:12:04.160
<v Tobias>Kriegen wir sie eigentlich zusammen?

00:12:04.160 --> 00:12:07.025
<v Tobias>Also Mouton Rothschild als Nachnominiertes hatten wir jetzt schon.

00:12:07.250 --> 00:12:08.100
<v Michael>Lafite.

00:12:08.100 --> 00:12:11.540
<v Tobias>Lafite Rothschild, Haut-Brion gehört mit.

00:12:11.810 --> 00:12:13.400
<v Cédric>Château Latour, auch in Pauillac...

00:12:13.400 --> 00:12:14.420
<v Tobias>Château Latour, selbstverständlich.

00:12:14.420 --> 00:12:16.250
<v Cédric>...wie Mouton und Lafite. Château Margaux.

00:12:16.250 --> 00:12:19.520
<v Tobias>Und Château Margaux. Und ich glaube, das waren sie dann schon, das waren schon
die 5.

00:12:19.520 --> 00:12:22.400
<v Tobias>Genau, also ein sehr erlauchter Kreis.

00:12:22.400 --> 00:12:31.460
<v Tobias>Und da muss man halt eben auch mal dazusagen, so eine Flasche Wein, die kostet
halt ja in der Regel mindestens 500 €, muss man eigentlich so sagen.

00:12:31.460 --> 00:12:33.110
<v Tobias>Also zumindest Premier Grand Cru Classé.

00:12:33.710 --> 00:12:43.190
<v Tobias>Und ich finde, in dem Zusammenhang ist es ganz, ganz wichtig zu sagen, diese
Grand Cru Classé-Häuser, diese Châteaus, die stehen nicht

00:12:43.190 --> 00:12:44.780
<v Tobias>nur für Bordeaux.

00:12:44.900 --> 00:12:53.390
<v Tobias>Denn ich glaube, du hattest es rausgesucht, Michael, das Bordeaux ist jetzt
kein kleines, verträumtes Anbaugebiet, sondern das ist richtig groß.

00:12:53.600 --> 00:12:57.980
<v Michael>Tatsächlich waren wir jetzt fast immer nur im Médoc, wenn wir über die großen
Häuser gesprochen haben.

00:12:57.980 --> 00:13:01.970
<v Michael>Und man muss ja einfach wissen Bordeaux, 110.000 Hektar.

00:13:02.810 --> 00:13:04.250
<v Tobias>Rebfläche, Rebfläche.

00:13:04.250 --> 00:13:11.360
<v Michael>Rebfläche. Das ist genauso viel, wie ganz Deutschland an Rebfläche aufzuweisen
hat, damit einfach mal die Perspektive klar ist.

00:13:11.360 --> 00:13:16.250
<v Michael>Die sind jetzt nicht einfach nur berühmt und groß, die sind sehr berühmt und
sehr groß.

00:13:16.550 --> 00:13:26.210
<v Tobias>Ja, exakt. Und wir sprechen hier über, ich schaue mal auf meinen schlauen
Zettel, 5.500 Winzer, die hier arbeiten, immerhin auch 22 Genossenschaften,

00:13:26.210 --> 00:13:28.910
<v Tobias>würde man vielleicht auch gar nicht so ins Bordeaux stecken.

00:13:29.240 --> 00:13:34.280
<v Tobias>Und dann hattest du auch noch irgendwie nachgezählt, wie viele Appellation es
gibt.

00:13:34.520 --> 00:13:36.050
<v Michael>Da muss man immer auf dem Laufenden bleiben.

00:13:36.050 --> 00:13:37.490
<v Michael>Das ändert sich ja mitunter auch.

00:13:37.490 --> 00:13:42.680
<v Michael>Und es gibt 65 Appellation allein in Bordeaux in diesem Großraum.

00:13:42.890 --> 00:13:50.240
<v Michael>Und ich würde jetzt mal gerne den Cédric fragen: Wie viele von denen kannst du
denn auswendig hersagen?

00:13:51.320 --> 00:13:54.080
<v Cédric>Ja, vielen Dank, Michael, für die Vorlage.

00:13:54.560 --> 00:14:04.190
<v Cédric>Natürlich. Selbst als Junge aus Bordeaux und Bordeauxliebhaber kenne ich bei
Weitem nicht alle Namen dieser Appellationen.

00:14:04.310 --> 00:14:12.380
<v Cédric>Ich war auch sehr, sehr überrascht, als ich gerade gehört habe 65 Anbaugebiete,
also Appellation, die zu dem großen Anbaugebiet Bordeaux gehören.

00:14:12.980 --> 00:14:22.700
<v Cédric>Aber da sieht man auch, das bestätigt ja auch die Vielschichtigkeit, die
Komplexität auch im Zugang für die Leute da draußen, um zu verstehen, was ist

00:14:22.700 --> 00:14:30.890
<v Cédric>überhaupt Bordeaux? Und genau wie du es richtig gesagt hast, Tobias, diese
Grand Cru Classé-Welt, diese Imagelokomotiven, sag ich mal, die ja seit

00:14:30.890 --> 00:14:32.930
<v Cédric>Generationen da sind.

00:14:32.930 --> 00:14:40.340
<v Cédric>Und das ist natürlich nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage der Grund, warum
die so teuer sind.

00:14:40.490 --> 00:14:49.910
<v Cédric>Die Châteaus selber verkaufen die zwar für sehr viel Geld an den Handel von
Bordeaux, aber das sind dann die Preise, die der Handel von Bordeaux, der ja

00:14:49.910 --> 00:14:51.560
<v Cédric>seit Jahrhunderten so existiert.

00:14:51.560 --> 00:14:59.630
<v Cédric>Also das wäre noch mal ein extra Podcast wert, um zu erklären, wie das
funktioniert mit den Weingütern, den Courtiers, die dann die Allokationen an die

00:15:00.170 --> 00:15:02.090
<v Cédric>Handelshäuser organisieren.

00:15:02.090 --> 00:15:03.890
<v Cédric>Ja, das ist wirklich sehr, sehr komplex.

00:15:04.070 --> 00:15:13.790
<v Cédric>Und man muss sagen, diese Welt der Cru Classé, zu der auch Saint-Émilion,
Pomerol vom geschichtlichen Hintergrund ja auch gehören, nur die waren

00:15:13.790 --> 00:15:21.170
<v Cédric>nicht eben Teil dieser Klassifizierung von 1855, die stellen aber keine 10 %
der Bordeaux Weinproduktion dar.

00:15:21.320 --> 00:15:30.450
<v Cédric>Ja, das sind nur wirklich die High-End-Produzenten, ja, die auch diesen großen
geschichtlichen Hintergrund haben, aber die

00:15:30.450 --> 00:15:36.080
<v Cédric>Realität im Sinne der mengenmäßigen Repräsentativität spielt sich woanders.

00:15:36.080 --> 00:15:44.480
<v Cédric>Und da gibt es viele tolle Winzerfamilien, die auch über Generationen Weingüter
haben, die fantastische Weine machen.

00:15:44.480 --> 00:15:46.850
<v Cédric>Und ich sage immer Wein ist keine Mathematik.

00:15:47.150 --> 00:15:56.120
<v Cédric>Also eine 500-€-Flasche ist nicht unbedingt 10-mal besser als eine 50-€- oder
100-mal besser als eine

00:15:56.120 --> 00:15:57.830
<v Cédric>5-€-Flasche.

00:15:57.830 --> 00:15:58.460
<v Tobias>Unbedingt.

00:15:58.460 --> 00:16:05.600
<v Cédric>Das macht auch den Reiz einer solchen Region, die Vielseitigkeit dieser
Weinwelt, die alleine nur in Bordeaux vorhanden ist.

00:16:05.600 --> 00:16:08.780
<v Michael>Ich möchte jetzt noch mal auf die Basisbewegung Bordeaux zurückkommen.

00:16:09.020 --> 00:16:14.810
<v Michael>Ich will nicht 500 € ausgeben und ich will nicht 15 Jahre den Wein in meinem
Keller aufbewahren.

00:16:14.810 --> 00:16:17.180
<v Michael>Wie komme ich denn schneller zu meinem Bordeaux-Glück?

00:16:17.180 --> 00:16:20.510
<v Michael>Da muss es doch einen Weg geben bei 110.000 Hektar.

00:16:21.960 --> 00:16:31.500
<v Cédric>Ja, also da gibt es viel, viele Möglichkeiten, und auch bei Weinfreunde, wenn
man bei uns im Sortiment guckt, wir haben Weine aus Bordeaux, Rotweine,

00:16:32.070 --> 00:16:37.050
<v Cédric>die fangen bei ungefähr 5 € an und gehen natürlich noch mal deutlich nach oben.

00:16:37.050 --> 00:16:41.610
<v Cédric>Aber auch schon für 20 € kriegst du bei uns einen super Bordeaux.

00:16:41.970 --> 00:16:51.590
<v Cédric>Auch von in Bordeaux sehr bekannten Winzerfamilien, die auch seit teilweise 8
Generationen diese Weingüter bewirtschaften, wie zum Beispiel Château Bel Air

00:16:51.590 --> 00:16:58.530
<v Cédric>Perponcher. Ja, das liegt eben auch da in diesem Gebiet um Premier Côtes de
Bordeaux Entre-Deux-Mers, ja.

00:16:58.830 --> 00:17:04.530
<v Cédric>Das sind Weine, die mit sehr, sehr viel Know-how, genau so, wie ein Grand Cru
eigentlich gemacht werden.

00:17:04.530 --> 00:17:08.280
<v Tobias>Also ihr 2, ich glaube, wir haben jetzt schon relativ viel behandeln können.

00:17:08.310 --> 00:17:13.440
<v Tobias>Cédric, du hattest vorhin gesagt, zu dem einen oder anderen Thema kann man noch
mal eine extra Podcastfolge machen.

00:17:13.710 --> 00:17:22.230
<v Tobias>Vielleicht ist das auch unsere Perspektive eines Wiedersehens, denn ich glaube,
wir haben jetzt wirklich schon sehr, sehr viel behandelt und können jetzt hier

00:17:22.230 --> 00:17:23.450
<v Tobias>langsam Schluss machen, oder?

00:17:23.450 --> 00:17:28.890
<v Cédric>Aber, und vielleicht, um das mal irgendwann zu toppen, zu steigern und da unsere

00:17:29.220 --> 00:17:37.110
<v Cédric>Zuhörer auch noch mit auf die Reise zu nehmen, im wahrsten Sinne des Wortes, und
auch frei nach dem Credo Probieren geht über Studieren.

00:17:37.110 --> 00:17:46.740
<v Cédric>Vielleicht nehme ich euch mal mit in meine Heimat Bordeaux und zeige euch mal
wirklich interessante Ecken und Dinge, die vielleicht nicht jeder so zu sehen

00:17:46.740 --> 00:17:47.610
<v Cédric>bekommt.

00:17:47.610 --> 00:17:47.880
<v Tobias>Wow!

00:17:47.880 --> 00:17:56.260
<v Cédric>Vielleicht wäre das mal so eine interessante Perspektive, wenn man das Ganze
weiterführen will und dann diese anderen Themen noch wirklich mal vor Ort sich

00:17:56.260 --> 00:18:03.000
<v Cédric>anschauen will, um den Leuten dann noch ein besseres Bild davon zu geben, dass
wir da mal, zusammen da mal eine Reise hin machen.

00:18:03.000 --> 00:18:05.580
<v Tobias>Klasse. Und Michael, jetzt, das...

00:18:05.580 --> 00:18:06.000
<v Michael>Wir haben es jetzt!

00:18:06.000 --> 00:18:09.870
<v Tobias>...genau, das haben wir jetzt auf Band und das werden wir auch nicht vergessen.

00:18:09.870 --> 00:18:12.960
<v Tobias>Und da kommen wir natürlich super gerne wieder drauf zurück.

00:18:12.960 --> 00:18:21.480
<v Tobias>Vielen Dank! Und ja, Michael, ich würde sagen, wir freuen uns schon wieder
darauf, dass es beim nächsten Mal wieder heißt: Bei

00:18:21.480 --> 00:18:23.010
<v Tobias>Anruf.

00:18:23.010 --> 00:18:23.020
<v Michael>Wein.