WEBVTT

00:00:02.310 --> 00:00:07.650
<v Michael>Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.780 --> 00:00:13.050
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.

00:00:13.050 --> 00:00:20.130
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein. Fritz Keller ist mit seinem VDP-Weingut Franz Keller
zu einer Winzerlegende avanciert.

00:00:20.160 --> 00:00:22.830
<v Tobias>Er ist eine Art Grand Seigneur des deutschen Pinot Noirs.

00:00:23.580 --> 00:00:29.340
<v Tobias>Fritz ist aber auch Sternegastronom und Hotelier und er war einst sogar
Präsident des Deutschen Fußballbunds.

00:00:29.760 --> 00:00:35.310
<v Tobias>Und als ob das alles nicht schon genug wäre,
hat er jetzt auch noch ein eigenes Musikfestival ins Leben gerufen -

00:00:35.760 --> 00:00:41.220
<v Tobias>„Pinot and Rock". Das steht für Wein und Musik auf allerhöchstem Niveau am
Kaiserstuhl.

00:00:41.850 --> 00:00:45.270
<v Tobias>Wie kam es dazu? Warum brennt er immer noch so sehr für den Wein?

00:00:45.270 --> 00:00:47.850
<v Tobias>Und wie schafft man es, all das unter einen Hut zu bringen?

00:00:48.300 --> 00:00:56.520
<v Tobias>Darüber spreche ich heute mit Fritz, allerdings in trauter Zweisamkeit,
denn Michael steckte zum Zeitpunkt der Aufnahme leider in den Pyrenäen in einem

00:00:56.520 --> 00:01:01.420
<v Tobias>Funkloch fest. Also bleibt mal dran, wir fangen direkt an!

00:01:02.560 --> 00:01:08.980
<v Tobias>Ja, Fritz. Schön, dass du da bist. Es ist zwar heute kein Gespräch im Weinberg
oder Weinkeller,

00:01:09.340 --> 00:01:15.520
<v Tobias>sondern einer dieser digitalen Talks. Erstmal für unsere Hörerinnen und Hörer
vorweg gefragt:

00:01:15.520 --> 00:01:16.870
<v Tobias>Wo erwischen wir dich denn jetzt gerade?

00:01:17.050 --> 00:01:22.510
<v Fritz>Ja, hier im Weingut oder im Gasthaus Schwarzer Adler,
mitten im Herzen des Kaiserstuhls,

00:01:23.410 --> 00:01:30.190
<v Fritz>bei schönstem Sonnenschein nach Regen, was einen Winzer immer freut und bei
bester Laune und großer Freude,

00:01:30.190 --> 00:01:32.380
<v Fritz>bei euch dabei sein zu dürfen.

00:01:32.410 --> 00:01:37.360
<v Tobias>Ja, sehr schön. Direkt mal gefragt, Fritz,
du hast so viele Rollen gleichzeitig.

00:01:37.390 --> 00:01:41.980
<v Tobias>Ja, das muss man ja auch mal sagen. Winzer,
Unternehmer und jetzt auch noch Festivalmacher.

00:01:42.850 --> 00:01:46.120
<v Tobias>Was macht dir an so einem normalen Tag eigentlich am meisten Spaß?

00:01:46.150 --> 00:01:51.730
<v Tobias>Es ist jetzt irgendwie der Weinberg, das Festival oder vielleicht sogar ein
richtig guter Fußballtalk?

00:01:51.970 --> 00:01:56.980
<v Fritz>Die Begegnung mit Menschen einfach. Das ist der gemeinsame Nenner.

00:01:56.980 --> 00:02:01.260
<v Fritz>Ne, es ist einfach, es dreht sich immer alles um Menschen.

00:02:01.260 --> 00:02:03.150
<v Fritz>Ob die bei uns jetzt im Restaurant sind.

00:02:03.150 --> 00:02:12.900
<v Fritz>Es geht los, wenn ich bei uns im Gasthof morgens die Menschen begrüße,
die zum Frühstück kommen und die am Abend vorher

00:02:13.440 --> 00:02:18.038
<v Fritz>im Restaurant entweder im Rebstock oder im Adler getroffen habe .

00:02:18.038 --> 00:02:25.590
<v Fritz>Und dann mache ich auch ab und zu mal für diese Menschen noch eine Führung im
Weingut und fahre dann raus in die Natur.

00:02:25.620 --> 00:02:32.400
<v Fritz>Also es ist, ich weiß nicht, was mehr Spaß macht,
aber es hat wirklich immer etwas mit Menschen zu tun.

00:02:32.550 --> 00:02:38.243
<v Fritz>Darum mache ich das. Und es ist einfach was Schönes,
wenn du einen Beruf hast oder mehrere Berufe hast,

00:02:38.243 --> 00:02:40.590
<v Fritz>wo du Menschen Freude bringen kannst.

00:02:40.590 --> 00:02:44.432
<v Tobias>Und wahrscheinlich kombinierst du damit ja schon auch deine persönliche
Leidenschaft,

00:02:44.432 --> 00:02:44.550
<v Tobias>ne?

00:02:44.910 --> 00:02:48.960
<v Fritz>Ja, ja, klar. Ja, Ja. Also, Fußball ist meine Leidenschaft.

00:02:48.960 --> 00:02:52.170
<v Fritz>Musik ist meine Leidenschaft. Wein ist meine Leidenschaft.

00:02:52.350 --> 00:02:59.080
<v Fritz>Gutes Essen ist meine Leidenschaft. Selber gut essen gehen und Natur einfach
wahrzunehmen,

00:02:59.080 --> 00:03:07.390
<v Fritz>das ist einfach große Lebensfreude, was man selber hat und die ich auch gerne
weitergeben möchte und tue.

00:03:07.630 --> 00:03:11.050
<v Tobias>Ja, sehr schön. Das mit dem Weitergeben ist jetzt schon ein gutes Stichwort.

00:03:11.050 --> 00:03:15.850
<v Tobias>Lass uns doch mal direkt über das von dir initiierte Festival sprechen mit dem
sehr,

00:03:15.850 --> 00:03:24.670
<v Tobias>sehr treffenden Namen „Pinot and Rock". Was war eigentlich so der Ursprung des
Festivals oder überhaupt die Idee dazu zu haben?

00:03:24.670 --> 00:03:27.970
<v Tobias>Warum jetzt diese Verbindung Musik und Wein?

00:03:28.390 --> 00:03:33.760
<v Fritz>Ja, ganz einfach. Also ich liebe Livemusik und es gibt so selten
Veranstaltungen,

00:03:35.110 --> 00:03:42.700
<v Fritz>wo man was Gescheites zu essen und zu trinken kriegt und wo man nicht eine
Stunde warten muss,

00:03:42.700 --> 00:03:45.820
<v Fritz>bis man pinkeln darf. Sorry, aber so ist es leider.

00:03:46.330 --> 00:03:56.200
<v Fritz>Und es gibt Weinfeste, die zum Teil langweilig sind und wo auch viele
Top-Weingüter nicht mehr hingehen und wo es auch

00:03:56.200 --> 00:03:58.610
<v Fritz>nichts Gescheites zu essen gibt. Und das war die Idee.

00:03:58.610 --> 00:04:08.060
<v Fritz>Und Pinot ist ja der Überbegriff für unter anderem Pinot Noir,
Spätburgunder - momentan die begehrteste Rotweinsorte weltweit -

00:04:09.170 --> 00:04:18.290
<v Fritz>Weißburgunder, Grauburgunder. Und es ist uns echt gelungen,
viele gute Kolleginnen und Kollegen hinzukriegen und auf dieses Festival zu

00:04:18.290 --> 00:04:21.140
<v Fritz>kommen. Also auch, was Weingüter angeht.

00:04:21.140 --> 00:04:28.670
<v Fritz>Also das VDP Baden ist praktisch komplett vertreten,
also Verband der Prädikatsweinversteigerer,

00:04:29.150 --> 00:04:36.830
<v Fritz>und viele großartige Kolleginnen und Kollegen,
und aber auch die Idee zu haben,

00:04:37.310 --> 00:04:39.770
<v Fritz>Wein muss es für jeden Geldbeutel geben.

00:04:39.950 --> 00:04:49.550
<v Fritz>Es sind auch im Public-Bereich da auch Genossenschaften,
Newcomer, neue Weingüter zu

00:04:49.550 --> 00:04:57.010
<v Fritz>entdecken usw. Aber auch gastronomisch haben wir hingekriegt,
dass regionale Gaststätten,

00:04:57.430 --> 00:05:01.870
<v Fritz>aber bis zur Sternegastronomie, eben dort vertreten sind.

00:05:01.870 --> 00:05:08.770
<v Fritz>Um das geht's - einfach wahrnehmen . Mit Auge,
Nase, Ohren, Gaumen, ganzkörperlich.

00:05:08.770 --> 00:05:15.790
<v Fritz>Bei den Bässen natürlich auch. Und wir haben ein grandioses Lineup hingekriegt,
muss ich echt sagen.

00:05:15.790 --> 00:05:18.430
<v Tobias>Ja, das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen.

00:05:18.430 --> 00:05:27.100
<v Tobias>Also was macht das Festival dann vielleicht auch in Bezug auf das Lineup
besonders oder auch anders zu anderen Festivals?

00:05:27.100 --> 00:05:30.670
<v Tobias>Das wird ja jetzt nicht einfach nur deinem persönlichen Musikgeschmack folgen.

00:05:30.790 --> 00:05:37.480
<v Fritz>Nee, also ich ich mag eigentlich alle großartig handwerklich gemachte Musik,
also auch Jazz,

00:05:37.480 --> 00:05:42.760
<v Fritz>auch Klassik. Aber ich mag auch, in Deutschland unterscheidet man ja mit U-
und E-Musik,

00:05:42.760 --> 00:05:49.360
<v Fritz>was einfach Quatsch ist. Ja, es gibt einfach gut gemachte Musik und da gibt es
etwas für alle Generationen.

00:05:50.050 --> 00:05:58.760
<v Fritz>Wir haben zwar verschiedene Mottos für die unterschiedlichen Tage,
aber wir haben Sonntag Konzert mit Lynyrd Skynyrd und Melissa Etheridge,

00:05:59.090 --> 00:06:08.960
<v Fritz>also das ist „Sweet Home Alabama". Und dann Donnerstag,
das ist so für die etwas jüngeren Studis oder

00:06:08.960 --> 00:06:13.490
<v Fritz>Junggebliebenen mit Montez, 1986zig usw.

00:06:13.640 --> 00:06:23.420
<v Fritz>Dann am Freitag Snow Patrol, Travis, Sportfreunde Stiller,
und wir haben den, wo wir auch ganz stolz drauf sind,

00:06:23.420 --> 00:06:33.350
<v Fritz>den Talent Contest. Das heißt, das sind über 130 Bands,
die sich gemeldet haben und die 40 Minuten eigene

00:06:33.350 --> 00:06:39.350
<v Fritz>Musik spielen müssen. Und daraus wurden 3 ausgesucht.

00:06:39.380 --> 00:06:44.810
<v Fritz>Es ist unglaublich, wie viele Bands sich auch letztes Jahr schon aus der
Schweiz,

00:06:45.530 --> 00:06:53.576
<v Fritz>aus Frankreich, aus dem benachbarten Elsass -
das ist ja direkt, das Festival ist ja direkt am Breisach am Rhein -

00:06:53.576 --> 00:07:00.670
<v Fritz>sich gemeldet haben und die einfach keine Gelegenheiten haben,
irgendwo aufzutreten.

00:07:01.210 --> 00:07:06.100
<v Fritz>Und dann kommt eben der Samstag mit Jan Delay,
Disko No.

00:07:06.100 --> 00:07:16.060
<v Fritz>1, Max Herre, Joy Denalane usw. Am Sonntag,
und das finde ich ganz wichtig,

00:07:16.060 --> 00:07:22.480
<v Fritz>ist der Family Day, wo auch ganze Familien den ganzen Tag eben kommen können.

00:07:22.480 --> 00:07:25.180
<v Fritz>Das ist mit den No Angels.

00:07:25.450 --> 00:07:26.590
<v Tobias>Oh ja, schon lange her.

00:07:27.040 --> 00:07:30.490
<v Fritz>Ja genau, aber immer noch aktiv, aber einfach schön.

00:07:30.790 --> 00:07:36.280
<v Fritz>Und dann DIKKA, das ist Hafer, das ist so was für die Kids.

00:07:36.280 --> 00:07:41.740
<v Fritz>DIKKA, das ist so ein Nilpferd, das auftritt,
wo die Kids mitsingen können.

00:07:41.740 --> 00:07:48.760
<v Fritz>Und auch das finde ich eine ganz wichtige Geschichte,
dass die Kids frühzeitig Livemusik sehen und sehen,

00:07:48.760 --> 00:07:57.170
<v Fritz>dass es sich rentiert, in einen Chor zu gehen oder ein Instrument zu lernen,
um sich selber Freude zu machen,

00:07:57.170 --> 00:08:00.620
<v Fritz>aber auch anderen Menschen Freude darbringen zu können.

00:08:01.160 --> 00:08:06.170
<v Tobias>Aber das hört sich jetzt alles schon nach viel mehr als einfach nur einem
Musikfestival an,

00:08:06.380 --> 00:08:13.460
<v Tobias>das ist ja geradezu, als wäre so der gesellschaftliche Anspruch auch durchaus
schon von Anfang an wichtig gewesen.

00:08:13.550 --> 00:08:19.855
<v Tobias>Du sprichst davon, Franzosen kommen da auch rüber,
jetzt das ganze Thema mit auch Familienbezug.

00:08:19.855 --> 00:08:21.170
<v Tobias>Das ist ja schon speziell.

00:08:21.380 --> 00:08:24.080
<v Fritz>Ja, gesellschaftlichen Anspruch haben wir auf jeden Fall.

00:08:24.560 --> 00:08:30.170
<v Fritz>Also erstens geht es darum, um Menschen glücklich zu machen,
müssen sie ja erst lernen wahrzunehmen,

00:08:30.920 --> 00:08:38.900
<v Fritz>aber auch Talenten eine Bühne zu geben und einfach wieder,
es ist zwar jetzt schon ein bisschen her nach der Zeit,

00:08:38.900 --> 00:08:47.480
<v Fritz>aber ich glaube, wir brauchen viel mehr Veranstaltungen,
wo die Leute zusammen feiern und kulturelle Begegnungen haben und mit Riesenspaß

00:08:47.480 --> 00:08:51.260
<v Fritz>daran gehen. Ja, und das bietet auch der Ort.

00:08:51.440 --> 00:08:54.150
<v Fritz>Also Breisach ist ein sehr historischer Ort.

00:08:54.600 --> 00:08:57.450
<v Fritz>Das ist am Rhein, aber auch am Kaiserstuhl gelegen.

00:08:57.450 --> 00:09:06.240
<v Fritz>Der nahegelegene Kaiserstuhl, ein hochinteressantes Pinot-Weinbaugebiet,
würde ich mal sagen,

00:09:06.240 --> 00:09:11.220
<v Fritz>mit großartigen Weißburgundern, Grauburgundern,
aber vor allen Dingen Spätburgundern.

00:09:11.550 --> 00:09:16.920
<v Tobias>Wir haben schon, muss man dazu sagen, eine Podcastfolge über den Kaiserstuhl
gemacht, das noch mal hier an der Stelle erwähnt.

00:09:16.950 --> 00:09:23.670
<v Fritz>Ja, aber das nahegelegene Markgräflerland,
Breisgau und alle anderen badischen Weinbauregionen sind selbstverständlich auch

00:09:23.670 --> 00:09:29.370
<v Fritz>mit dabei. Also das soll ja auch ein bisschen auf Internationalität raus.

00:09:31.140 --> 00:09:33.240
<v Fritz>Das heißt, es ist offen für alle guten Weine.

00:09:33.780 --> 00:09:39.360
<v Fritz>Aber der Anspruch ist hoch und das sieht man auch am Lineup,
aber auch am Lineup von den Weinen.

00:09:39.600 --> 00:09:44.370
<v Fritz>Und es gibt wirklich Wein und Essen für jeden Geldbeutel.

00:09:44.730 --> 00:09:50.550
<v Tobias>Ich wollte gerade sagen, das ist ja ein wichtiger Punkt,
weil ich kenne das so, wenn man bei irgendwelchen Veranstaltungen ist, oh, da

00:09:50.550 --> 00:09:55.310
<v Tobias>hat man schon das Gefühl, dass insbesondere dann noch mal mit der Gastronomie
richtig abkassiert wird.

00:09:55.850 --> 00:09:57.860
<v Tobias>Aber da hattet ihr einen anderen Anspruch.

00:09:57.920 --> 00:10:03.200
<v Fritz>Da haben wir einen anderen Anspruch. Also erstens,
wie gesagt, für jeden Geldbeutel, und wir haben jetzt keinen Großcaterer

00:10:03.200 --> 00:10:11.450
<v Fritz>genommen, sondern wir haben regionale Metzger,
regionale Bäckereien, also eine Pilzfarm aus Breisach,

00:10:11.450 --> 00:10:21.350
<v Fritz>deren Produkte es gibt. Und wir haben auch im Public-Bereich einen Sternekoch,
der Pasta macht

00:10:21.350 --> 00:10:29.210
<v Fritz>auf seine eigene Art. Also es geht darum,
einfach Esskultur, Trinkkultur und Hörkultur,

00:10:29.210 --> 00:10:33.560
<v Fritz>Musikkultur zusammenzubringen. Und ich glaube,
das ist einzigartig.

00:10:33.590 --> 00:10:37.880
<v Tobias>Ja, das hört sich wirklich klasse an, jetzt vielleicht mal so ganz praktisch
nachgefragt,

00:10:38.030 --> 00:10:42.320
<v Tobias>wenn ich da jetzt noch Pläne schmieden will,
ist ja nicht mehr lange hin.

00:10:42.620 --> 00:10:44.690
<v Tobias>Was empfiehlst du denn in Sachen Anreise ?

00:10:44.690 --> 00:10:48.110
<v Tobias>Am besten mit dem Zug? Und wo übernachte ich am besten?

00:10:48.440 --> 00:10:52.080
<v Fritz>Es gibt Sonderzüge, S-Bahn von Freiburg raus.

00:10:52.710 --> 00:10:56.940
<v Fritz>Und wenn man mobil ist, ist auch noch im Elsass was zu kriegen.

00:10:58.230 --> 00:11:02.040
<v Fritz>Das eine oder andere in Bad Krozingen, was in der Nähe ist.

00:11:02.610 --> 00:11:06.060
<v Fritz>Aber am besten ist es wirklich in Freiburg.

00:11:06.450 --> 00:11:13.380
<v Fritz>Dort in die S-Bahn reinsetzen. Und wer etwas sportlich begabt ist,
kann auch mit dem Fahrrad kommen.

00:11:13.380 --> 00:11:21.510
<v Fritz>Es gibt genügend Fahrradparkplätze. Und wir hatten letztes Jahr ein wahnsinnig
hohen Anteil an ÖPNV und hatten viel zu viele Parkplätze.

00:11:21.540 --> 00:11:26.340
<v Tobias>Zu viel. Gut, das klingt wirklich alles sehr,
sehr gut.

00:11:26.340 --> 00:11:32.790
<v Tobias>Jetzt müssen wir uns mal kurz vom Festival in eine andere Richtung begeben,
zumindest thematisch.

00:11:33.090 --> 00:11:40.620
<v Tobias>Denn ich muss auf jeden Fall auch noch mal in Bezug auf Fußball natürlich ein
bisschen nachfragen. Du bist ja als Winzer in die Welt des Profifußballs

00:11:40.620 --> 00:11:48.570
<v Tobias>sozusagen gegangen und da muss man natürlich die Frage stellen:
Was hat dich damals gereizt?

00:11:48.900 --> 00:11:55.660
<v Fritz>Die Freude am Spiel und ich habe einen kleinen Geburtsfehler,
in Anführungszeichen.

00:11:56.050 --> 00:12:01.240
<v Fritz>Das heißt, mein Patenonkel war Fritz Walter und mein Vater war ein echter
Fußballjunkie,

00:12:01.960 --> 00:12:10.450
<v Fritz>also, der fußballverrückt war. Und schon vor meiner Geburt hat die
Nationalmannschaft,

00:12:10.450 --> 00:12:17.740
<v Fritz>die von 1954, die die Weltmeisterschaft gewonnen hat,
in Oberbergen ihre private Party gefeiert.

00:12:17.980 --> 00:12:26.500
<v Fritz>Ohne Funktionäre und ohne Trainer. Ja, und dann war ich,
ab und zu mal durfte ich mit meinem Vater zum Fußball anschauen gehen.

00:12:26.710 --> 00:12:30.850
<v Fritz>Also selber kicken durfte ich nicht, weil er gesagt hat,
Fußball ist eine Droge.

00:12:31.600 --> 00:12:40.420
<v Fritz>Stimmt, Vater. Stimmt! Und je verbotener was ist,
umso lieber macht man das.

00:12:40.450 --> 00:12:43.510
<v Fritz>Und dann habe ich irgendwann mal angefangen zu spielen.

00:12:43.510 --> 00:12:48.430
<v Fritz>Ich war im Internat, da durfte ich spielen und vorher konnte ich erst anfangen
zu spielen,

00:12:48.430 --> 00:12:57.450
<v Fritz>nachdem ich die Unterschrift von meinem Vater nachmachen konnte. Jo,
jo, also da braucht man ja die ärztliche Genehmigung und die Genehmigung der

00:12:57.450 --> 00:13:06.720
<v Fritz>Eltern. Ja, und ich habe mich gerächt. Also,
mein Vater war beim FFC, das war der große Verein in Freiburg und es war der

00:13:06.720 --> 00:13:10.800
<v Fritz>Pfeffersack-Verein, und ich habe mich einfach beim Sportclub viel wohler
gefühlt,

00:13:11.190 --> 00:13:16.020
<v Fritz>weil vor allen Dingen auch die 3. Halbzeit wesentlich geselliger war wie dort.

00:13:16.650 --> 00:13:25.050
<v Fritz>Aber mit großer Freude bin ich dann in den Vorstand irgendwann mal gewählt
worden und habe dann verschiedene Aufgaben übernommen.

00:13:25.650 --> 00:13:34.230
<v Fritz>Bis zum Schluss nachher. 10 Jahre erster Vorsitzender und Präsident.

00:13:34.380 --> 00:13:38.880
<v Tobias>Jetzt müssen wir natürlich in dem Zusammenhang auch über deine Rolle beim DFB
sprechen.

00:13:39.630 --> 00:13:41.490
<v Tobias>Beziehungsweise würde ich das gerne tun.

00:13:41.490 --> 00:13:48.780
<v Tobias>Aber da vielleicht einfach nur kurz nachgefragt:
Hat dich die Zeit beim DFB etwas fürs Leben gelehrt?

00:13:49.300 --> 00:13:54.220
<v Fritz>Ja, dass man vielleicht ein bisschen, manchmal ein bisschen weniger Vertrauen
haben sollte.

00:13:54.220 --> 00:14:02.800
<v Fritz>Aber genau das habe ich mir dann nachher abgelehnt,
weil ich gesagt habe, ich bin geholt worden für eine bestimmte Aufgabe und bin

00:14:02.800 --> 00:14:12.220
<v Fritz>eigentlich ein Teamworker und habe dann abgelehnt,
das letzte Wort zu machen, sondern ich wollte das alles im Team und habe die

00:14:12.220 --> 00:14:21.730
<v Fritz>Rules geändert, dass einfach nicht der Präsident das letzte Wort hat,
sondern dass wir alle im Team arbeiten.

00:14:21.940 --> 00:14:29.530
<v Fritz>Aber letztendlich muss ich sagen, habe ich sehr viel hingekriegt,
sodass der DFB seit der Zeit,

00:14:29.530 --> 00:14:36.700
<v Fritz>wo diejenigen, die den ganzen Laden, sagen wir mal,
ins Desaster geführt hätten,

00:14:36.700 --> 00:14:41.200
<v Fritz>nicht mehr dort sind. Und habe dann ausgemacht,
dass wir eine Veränderung hinkriegen,

00:14:41.200 --> 00:14:46.990
<v Fritz>eine Professionalisierung, dass einfach Entscheidungen von denjenigen gemacht
werden,

00:14:46.990 --> 00:14:52.160
<v Fritz>die jeden Tag im Tagesgeschäft drin sind und nicht von denjenigen,
die Funktionäre,

00:14:52.310 --> 00:14:58.100
<v Fritz>die in irgendeinem Verband gewählt worden sind und dann nachher einfach so weit
weg vom Fußball sind,

00:14:58.100 --> 00:15:06.530
<v Fritz>noch nie einen Verein geführt haben und dann plötzlich entscheiden sollen,
wer Bundestrainer werden soll oder wer Nachwuchstrainer wird.

00:15:06.560 --> 00:15:15.800
<v Fritz>Das funktioniert so nicht. Aber letztendlich habe ich meine Aufgabe erfüllt und
bin jetzt wieder froh,

00:15:16.250 --> 00:15:24.380
<v Fritz>dass ich Fußball nur noch als Fan sehen darf und so viel ich will und für den
jubeln,

00:15:24.380 --> 00:15:29.210
<v Fritz>den ich will. Und es ist wunderbar. Viel Erfahrung,
viel mitgenommen fürs Leben.

00:15:29.540 --> 00:15:32.780
<v Tobias>Ja, hört sich nach einem sehr, sehr schönem Resümee an!

00:15:33.380 --> 00:15:35.780
<v Tobias>Jetzt heißt ja unser Podcast Bei Anruf Wein.

00:15:35.810 --> 00:15:41.240
<v Tobias>Das heißt, wir müssen jetzt auch mal langsam abbiegen und etwas
Wein-fokussierter sprechen.

00:15:41.990 --> 00:15:46.280
<v Tobias>Vor allem müssen wir durchaus auch voraussetzen,
dass es Zuhörerinnen und Zuhörer gibt,

00:15:46.280 --> 00:15:48.790
<v Tobias>die dein Weingut noch überhaupt nicht kennen.

00:15:48.820 --> 00:15:53.590
<v Tobias>Deswegen würde ich dich jetzt erst mal kurz bitten,
das Weingut mal kurz vorzustellen.

00:15:53.590 --> 00:15:56.230
<v Tobias>Und dann steigen wir vielleicht noch ein bisschen tiefer ein.

00:15:57.310 --> 00:16:03.010
<v Fritz>Ja, es ist ja nicht nur alleine ein Weingut,
sondern das ist ja Gastronomie dabei mit einem Sterneschuppen,

00:16:03.010 --> 00:16:09.070
<v Fritz>mit dem Schwarzen Adler, wo meine Mutter 1969 die erste Frau war in Deutschland,

00:16:09.070 --> 00:16:18.970
<v Fritz>die einen Stern gekocht hat, mit einer Weinkarte mit 4.000 Weinen drauf,
zum Teil mit Jahrgangstiefe 25 Jahrgänge von einem

00:16:18.970 --> 00:16:24.482
<v Fritz>Wein. Und die Hauptphilosophie ist, in Generationen zu denken .

00:16:24.482 --> 00:16:31.960
<v Fritz>Und dieses in Generationen denken, das zeigt,
dass jede Generation für die nächste das Beste machen muss.

00:16:32.230 --> 00:16:40.000
<v Fritz>Und wir haben einen Weinhandel seit 1893,
von meinem Großvater gegründet, wo wir damals schon Burgunder,

00:16:40.000 --> 00:16:46.660
<v Fritz>Bordeaux in Frankreich gekauft haben, deutsche Weine verkauft haben usw .

00:16:46.660 --> 00:16:54.680
<v Fritz>Und das Weingut selber hat mein Vater übrigens 1947,
zwei Jahre nach dem Krieg,

00:16:54.680 --> 00:17:02.090
<v Fritz>die ersten Burgunder gekauft, die heute in aller Munde sind und die jahrelang
auch ein,

00:17:03.380 --> 00:17:08.510
<v Fritz>ja, ein Schattendasein gefristet haben auf dem Weltmarkt,
muss man sagen.

00:17:09.260 --> 00:17:13.880
<v Fritz>Und wir haben immer durchgegorene Weine gemacht.

00:17:13.880 --> 00:17:21.980
<v Fritz>Das heißt, mein Vater hat abgelehnt oder war einer der ersten Gegner gegen
Flurbereinigung,

00:17:21.980 --> 00:17:27.560
<v Fritz>gegen die totale Landschaftsverschandelung,
der Arroganz der 70er-, 60er-, 70er-

00:17:27.560 --> 00:17:34.220
<v Fritz>und 80er-Jahre war der Erste, der eben gegen Herbizide vorgegangen ist usw.

00:17:34.520 --> 00:17:42.230
<v Fritz>und der nie süße Weine gemacht hat. Momentan ist es ja auch wieder modern,
trockene Weine so ein bisschen zu süßen,

00:17:42.650 --> 00:17:50.890
<v Fritz>aber was momentan wirklich durchstartet,
das sind genau die Betriebe, die einfach frische,

00:17:50.890 --> 00:17:58.960
<v Fritz>knackige, naturnahe, also wir waren nie zertifiziert,
sind jetzt zertifiziert, Bio-zertifiziert,

00:17:58.960 --> 00:18:08.320
<v Fritz>arbeiten nach biodynamischen Prinzipien,
also keine Hefen werden genommen und die Trauben alle handgelesen.

00:18:08.320 --> 00:18:14.830
<v Fritz>Es gibt bei uns keinen einzigen Wein, wo nicht irgendjemand die Traube vorher in
der Hand gehabt hat.

00:18:15.430 --> 00:18:22.270
<v Fritz>Also sehr hoher Anspruch. Und mein Sohn Friedrich,
der das Weingut leitet in der Zwischenzeit,

00:18:22.600 --> 00:18:27.040
<v Fritz>ist noch akribischer und noch verrückter,
wie ich es bin.

00:18:27.550 --> 00:18:32.806
<v Fritz>Und das ist eigentlich sehr schön anzusehen,
wenn jetzt das seit praktisch in der 4.,

00:18:32.806 --> 00:18:42.250
<v Fritz>ne 5. Generation weitergeht. Mein jüngster Sohn ist Koch im Rebstock,
das ist die Zweitgaststätte neben Schwarzen Adler.

00:18:42.880 --> 00:18:50.480
<v Fritz>Das heißt, wir haben da schon eben diese Fülle an Eindrücken mit Essen und Wein
zusammen.

00:18:50.480 --> 00:18:53.300
<v Fritz>Und beim Festival kommt halt jetzt noch die Musik dazu.

00:18:54.200 --> 00:19:03.050
<v Fritz>Also ja, mittlerweile vielleicht noch zur Ergänzung,
exportieren wir bis zu 50 % ins Ausland.

00:19:03.050 --> 00:19:05.060
<v Fritz>Und zwar in Länder, wo man gern gut isst.

00:19:05.930 --> 00:19:12.740
<v Fritz>Und vor allen Dingen die Spätburgunder sind vorher ausverkauft,
bevor wir sie auf den Markt gebracht haben.

00:19:13.070 --> 00:19:17.870
<v Tobias>Wow, super. Ich muss bei einem Thema mal kurz einhaken,
weil das so ein Steckenpferd von mir ist.

00:19:17.870 --> 00:19:22.340
<v Tobias>Mein Co-Moderator Michael, der heute nicht dabei ist,
würde jetzt schon wieder grinsen.

00:19:22.550 --> 00:19:26.360
<v Tobias>Aber du sagst es gerade, ihr lasst eure Weine alle wirklich durchgären.

00:19:26.360 --> 00:19:29.030
<v Tobias>Das heißt, du bist Verfechter von wirklich trockenen Weinen.

00:19:29.450 --> 00:19:35.060
<v Tobias>Was hältst du von dem Reglement, dass ein Wein noch als trocken bezeichnet
werden darf,

00:19:35.060 --> 00:19:39.710
<v Tobias>sogar auf dem Etikett, wenn er, ja, ich sage mal,
9 Gramm Restzucker hat.

00:19:39.710 --> 00:19:43.460
<v Tobias>Säure hin oder her, aber ich sage mal, das Spektrum ist ja relativ weit.

00:19:43.490 --> 00:19:50.730
<v Tobias>Ich bin da ja sehr kritisch und würde mir fast so was wünschen wie irgendwie
„extra trocken" noch mal als Bezeichnung auf einem Etikett,

00:19:50.730 --> 00:19:57.300
<v Tobias>damit man wirklich unterscheiden kann. Weil mir geht es wirklich so,
ich kaufe eine Flasche Wein, da steht „trocken" drauf und ich werde regelmäßig

00:19:57.300 --> 00:20:00.870
<v Tobias>wirklich extrem enttäuscht, weil er mir zu viel Restüße hat.

00:20:00.990 --> 00:20:06.150
<v Fritz>Ja, das geht mir genauso, weil ich weiß auch nicht,
was das für ein Bullshit ist.

00:20:06.150 --> 00:20:13.230
<v Fritz>Also ursprünglich hat man ja die Weine zunächst mal ein Jahr im Fass und ein
Jahr auf der Flasche und dann verkauft.

00:20:13.740 --> 00:20:20.370
<v Fritz>Und nur, weil man schneller Geld machen wollte,
ist man hingegangen und hat halt einfach aus extrem großen Jahrgängen,

00:20:20.370 --> 00:20:27.810
<v Fritz>wo dann natürliche Restsüße drin war, dann irgendwann mal Traubensaft
reingemacht oder sie sogar während der Gärung gestoppt,

00:20:27.840 --> 00:20:31.320
<v Fritz>ja, mit unterschiedlichen Methoden. Ich finde das eine Katastrophe.

00:20:31.530 --> 00:20:41.460
<v Fritz>Und genau das ist die Katastrophe, was momentan,
oder ein Punkt, warum wir ein richtiges Problem haben,

00:20:41.460 --> 00:20:47.270
<v Fritz>international oder auch national. Wenn man sich nicht drauf verlassen kann und
trocken draufsteht und man erwartet es,

00:20:47.630 --> 00:20:50.900
<v Fritz>im Burgund gibt es das nicht. Es gibt es nicht.

00:20:50.900 --> 00:20:52.940
<v Fritz>Das Elsass hat es früher auch so gehabt.

00:20:52.940 --> 00:20:57.080
<v Fritz>Jetzt sind sie auch am Süßen, jetzt haben sie auch klar die gleichen Probleme.

00:20:57.110 --> 00:20:59.720
<v Fritz>Du weißt nicht, was richtig trocken ist.

00:20:59.960 --> 00:21:06.350
<v Fritz>Ich finde schon, und die meisten Weine die vergären,
die haben 1, 2 Gramm pro Liter.

00:21:06.650 --> 00:21:09.680
<v Fritz>Das gibt es mal ganz, ganz, ganz selten auf 3.

00:21:10.130 --> 00:21:18.860
<v Fritz>Ja, also, und das ist unser Problem. Normalerweise hingehen,
also spontane Gärung sowieso,

00:21:18.860 --> 00:21:24.170
<v Fritz>wenn man anständig im Weinberg arbeitet,
und da hat man noch mehr Terroircharakter.

00:21:24.650 --> 00:21:31.430
<v Fritz>Ja, ich glaube, man könnte das Wort durchgegoren oder extra trocken oder
klassisch trocken,

00:21:31.430 --> 00:21:37.190
<v Fritz>einfach hingehen und es einfach lassen. Ja,
das ist, Entschuldigung, es ist eine Verarschung,

00:21:37.670 --> 00:21:42.140
<v Fritz>weil es ist ein Teil davon, wo Traubensaft dazu gemacht wird.

00:21:42.360 --> 00:21:47.490
<v Fritz>Burgund hat es nie gemacht, in Burgund ist es verboten,
und deshalb steht Burgund heute da,

00:21:47.490 --> 00:21:50.640
<v Fritz>wo sie heute sind mit den teuersten Weine der Welt.

00:21:51.060 --> 00:22:00.990
<v Fritz>Und übrigens auch ein Grund, warum wir dieses Festival auch machen,
ist, um

00:22:00.990 --> 00:22:05.370
<v Fritz>Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen,
denen es nicht so gut geht.

00:22:05.700 --> 00:22:12.390
<v Fritz>Und sie können die ganzen größeren Betriebe,
die so arbeiten, die durchgegoren arbeiten,

00:22:12.390 --> 00:22:14.400
<v Fritz>denen geht es eigentlich sehr gut.

00:22:14.850 --> 00:22:22.470
<v Tobias>Ja, jetzt ist das eine gute Überleitung zum Kaiserstuhl als Region,
als deine Heimat.

00:22:22.980 --> 00:22:32.370
<v Tobias>Ein weiteres Steckenpferd von mir ist nämlich das Thema Klimawandel. Kaiserstuhl
ist ja schon seit jeher die wärmste oder sonnenreichste Gegend Deutschlands oder

00:22:32.370 --> 00:22:34.860
<v Tobias>sogar beides. Stellt das...

00:22:35.250 --> 00:22:36.300
<v Fritz>Und regenärmste Region.

00:22:36.420 --> 00:22:39.450
<v Tobias>Ja, passt natürlich hervorragend ins Bild.

00:22:39.690 --> 00:22:45.190
<v Tobias>Aber ich sage mal, bei dem Anspruch, einen wirklich,
sage ich mal, richtig trockenen Wein zu machen,

00:22:45.190 --> 00:22:53.230
<v Tobias>der trotzdem noch ausreichend Aromatik mitbringt und so weiter und so fort,
wird es dann nicht langsam im Kaiserstuhl schon ein bisschen schwierig?

00:22:53.440 --> 00:22:56.290
<v Tobias>Ist das eine Herausforderung? Muss man sich da ein bisschen umstellen?

00:22:56.560 --> 00:23:04.930
<v Fritz>Natürlich ist es eine Herausforderung. Deshalb mussten wir ein neues Weingut
bauen, weil wir aufgrund vom Klimawandel 6 Wochen früher ernten,

00:23:04.930 --> 00:23:06.850
<v Fritz>wie meine Großmutter früher geerntet hat.

00:23:07.780 --> 00:23:15.460
<v Fritz>Wenn du im August oder Anfang September erntest,
ist es ein Unterschied, ob du im Oktober oder Ende Oktober erntest,

00:23:15.550 --> 00:23:22.600
<v Fritz>wo du kalte Nächte hast und dann vom Reifezeitpunkt her relativ schnell sein
muss.

00:23:22.660 --> 00:23:25.090
<v Fritz>Wenn du alles mit der Hand liest, sowieso.

00:23:25.480 --> 00:23:32.230
<v Fritz>Das ist für mich sowieso mittlerweile also die einzige Möglichkeit,
um wirklich Top-Top-Top-Weine zu kriegen,

00:23:32.650 --> 00:23:36.520
<v Fritz>weil es kommt immer nur das raus, was du reinmachst.

00:23:37.270 --> 00:23:46.710
<v Fritz>Aber die Idee, wir hatten schon vor Jahrzehnten nicht so hochgezüchtete Klone,
in Anführungszeichen,

00:23:46.710 --> 00:23:52.470
<v Fritz>also Selektionen gesetzt, die nicht auf die Menge gegangen sind.

00:23:53.040 --> 00:23:58.200
<v Fritz>Also in Deutschland hatten wir ja das Problem,
dass die Qualität immer nur nach Öchsle gemessen worden ist.

00:23:58.440 --> 00:23:58.920
<v Tobias>Ja, genau.

00:23:58.920 --> 00:24:03.330
<v Fritz>Sprich Zuckergehalt des Traubensaftes und spezifisches Gewicht.

00:24:03.570 --> 00:24:09.510
<v Fritz>Also hat man die Reben oder die Trauben so gezüchtet,
dass sie viel Zucker gebracht haben,

00:24:09.510 --> 00:24:16.118
<v Fritz>viel Menge, weil Kilo mal Öchsle war der Lohn des Auszahlens .

00:24:16.118 --> 00:24:19.350
<v Fritz>Und wir hatten ein sogenanntes Selection massale gesetzt.

00:24:19.530 --> 00:24:26.850
<v Fritz>Das heißt, es sind nicht hochgezüchtete Rebsorten,
die wesentlich geringer, einen geringeren Ertrag haben,

00:24:27.930 --> 00:24:33.690
<v Fritz>aber auch wesentlich aromatischer sind,
aber nicht so hohe Zuckerproduktion haben.

00:24:33.690 --> 00:24:42.940
<v Fritz>Deshalb können wir einfach Weine bringen,
die im moderaten durchgegorenen Zustand so um die 12,5 oder 12

00:24:42.940 --> 00:24:47.860
<v Fritz>Volumenprozent bringen. Und dazu gehört der anständige Lesetermin.

00:24:48.460 --> 00:24:58.180
<v Fritz>Und ich bin davon überzeugt, dass man jetzt nicht hier plötzlich überall Syrah
oder Grenache oder sonst was anpflanzen muss,

00:24:58.180 --> 00:25:03.580
<v Fritz>sondern wir haben jetzt das Klima wie Burgund vor 60,
70 Jahren.

00:25:04.210 --> 00:25:10.030
<v Fritz>Und wenn ich nicht aus dem Spätburgunder einen südfranzösischen oder
süditalienischen Rotwein machen möchte,

00:25:10.510 --> 00:25:17.950
<v Fritz>was eh Blödsinn ist, sondern Pinot, Spätburgunder lebt von der Eleganz,
von der Frische und er braucht auch keine tiefe Farbe.

00:25:18.340 --> 00:25:25.120
<v Fritz>Deshalb ist der Spätburgunder, der Pinot die schwierigste Rotweinsorte der Welt
und ist nichts für Anfänger.

00:25:25.120 --> 00:25:27.790
<v Fritz>Keine Frage. Aber und dann...

00:25:29.470 --> 00:25:32.650
<v Tobias>Also auch für weintrinkende Anfänger, meinst du?

00:25:32.770 --> 00:25:36.490
<v Fritz>Ja, genau das meine ich, Weintrinker-Anfänger.

00:25:36.490 --> 00:25:43.160
<v Fritz>Und dann noch etwas, wir haben in den letzten Jahren alle Lagen gekauft,
die keiner mehr bearbeiten wollte,

00:25:43.550 --> 00:25:49.220
<v Fritz>weil sie schwierig zu bearbeiten waren. Das sind zum Teil die Terrassenlagen.

00:25:49.220 --> 00:25:53.690
<v Fritz>Die ältesten Terrassenlagen, die wir am Kaiserstuhl haben,
stammen aus der Römerzeit,

00:25:54.080 --> 00:25:58.730
<v Fritz>und die hatten jetzt im inneren Kaiserstuhl immer schon kleine Terrassen
gemacht.

00:25:58.730 --> 00:26:01.130
<v Fritz>Warum haben die diese Kleinterrassen gemacht?

00:26:01.670 --> 00:26:06.860
<v Fritz>Weil, wenn es regnet, dann geht der Regen in die Wurzeln,
in den Boden rein.

00:26:07.280 --> 00:26:14.360
<v Fritz>Und in so trockenen Jahren kann man das dann sehen,
dass die ganzen Hänge, die übrigens Biotope sind,

00:26:15.050 --> 00:26:24.830
<v Fritz>also die, wo das insektenreichste Gebiet überhaupt in Deutschland ist,
ist durch den Weinbau entstanden und durch die Kulturlandschaft.

00:26:25.340 --> 00:26:33.890
<v Fritz>Und das ist dann grau. Das sind dann sogenannte Trockenrasen-Geschichten,
wo über 280 verschiedene Wespen-

00:26:33.890 --> 00:26:36.170
<v Fritz>und Bienenarten leben und Raupen und so weiter.

00:26:36.920 --> 00:26:41.680
<v Fritz>Und die Reben Sind grün. Und das hat eine Bewandtnis.

00:26:42.040 --> 00:26:48.760
<v Fritz>Unsere Vorfahren waren nicht blöd, die haben viel mehr Natur beobachtet,
weil wir leben im Regenschatten.

00:26:48.970 --> 00:26:54.850
<v Fritz>Colmar ist die regenärmste Stadt in Frankreich,
weil es über den Vogesen alles abregnet.

00:26:54.880 --> 00:27:01.930
<v Fritz>Wir haben 40 % weniger Regen am Kaiserstuhl wie das 15 Kilometer entfernte
Freiburg.

00:27:02.320 --> 00:27:09.280
<v Fritz>Und deshalb finde ich zurück zum Normalmaß,
wenn man die Mengen, die wir ernten,

00:27:09.280 --> 00:27:14.560
<v Fritz>wie meine Großmutter sie geerntet hat, dann sind es wunderbar aromatische,
feine,

00:27:14.560 --> 00:27:20.650
<v Fritz>elegante Weine, die eben in einem moderaten Alkoholgehalt enden.

00:27:21.310 --> 00:27:24.880
<v Tobias>Ja, du hast eben auch schon wieder Pinot Noir bzw.

00:27:24.880 --> 00:27:29.860
<v Tobias>Spätburgunder angesprochen. Du hast es aber auch ganz am Anfang unseres
Gesprächs schon mal gesagt,

00:27:29.860 --> 00:27:35.194
<v Tobias>dass Pinot Noir momentan das Angesagte auf der ganzen Welt eigentlich ist.

00:27:35.194 --> 00:27:40.760
<v Tobias>Erklär mal, woran du das festmachst oder warum du meinst,
dass das auch seine Berechtigung hat?

00:27:40.850 --> 00:27:47.420
<v Fritz>Ja, weil das ist, es gibt nur ein kleines Band auf der Erde,
wo Pinot Noirs richtig gut werden.

00:27:47.990 --> 00:27:55.790
<v Fritz>Meistens, also wenn sie zu warm haben oder in bestimmten Regionen,
wenn hohe Niederschläge sind,

00:27:55.790 --> 00:28:04.040
<v Fritz>dann werden sie zu fett und zu breit. Der Pinot Noir lebt von der Eleganz und
von der Finesse und er muss auf der Zunge tanzen.

00:28:04.580 --> 00:28:11.900
<v Fritz>Aber dazu muss man natürlich Spätburgunder pflanzen,
die nicht überzüchtet worden sind,

00:28:11.900 --> 00:28:14.540
<v Fritz>die für Farbe gezüchtet worden sind und eben für Ochsle.

00:28:14.990 --> 00:28:24.800
<v Fritz>Und ja, wenn Romanée-Conti usw., da gibt es Weine,
da kriegen wir jedes Jahr

00:28:24.980 --> 00:28:34.610
<v Fritz>vielleicht, wenn wir nett sind, von einem Romanée-Conti 12 Flaschen oder
insgesamt 24 oder 36 Flaschen.

00:28:35.000 --> 00:28:37.900
<v Fritz>Das war's. Und ansonsten werden die auf der Welt verteilt.

00:28:38.320 --> 00:28:47.410
<v Fritz>Aber es geht natürlich, gilt natürlich nicht für Spätburgunder,
die kurz hoch erhitzt worden sind und die mit der Maschine geerntet worden sind.

00:28:48.910 --> 00:28:55.240
<v Fritz>Eigentlich sollten wir eine neue Benchmark-Qualität für Spätburgunder
reinsetzen.

00:28:55.780 --> 00:29:01.120
<v Fritz>Und Spätburgunder ist eine Diva. Und ich meinte jetzt gendermäßig.

00:29:01.720 --> 00:29:07.570
<v Fritz>Es gibt Herren und Frauen als Diven. Nicht,
dass hier irgendeiner auf eine doofe Idee kommt.

00:29:07.570 --> 00:29:13.540
<v Fritz>Aber Spätburgunder ist eine Diva, der zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Tag
geerntet werden muss,

00:29:13.540 --> 00:29:22.000
<v Fritz>richtig selektiert werden muss und von Hand gestoßen werden muss und nicht
irgendwelche thermische Behandlungen oder sonst was gemacht werden.

00:29:22.480 --> 00:29:30.760
<v Fritz>Und dann ist eine große Nachfrage. Wenn mir einer vor 20 Jahren gesagt hätte,
dass wir irgendwann mal Rotweine,

00:29:30.760 --> 00:29:40.250
<v Fritz>Spätburgunder nach Italien oder nach Griechenland exportieren oder ich eine
Probeflasche in Burgund im Sternerestaurant abliefere und er

00:29:40.250 --> 00:29:45.770
<v Fritz>sagt, und er bestellt nächste Woche oder versucht zu bestellen die nächste
Woche,

00:29:45.950 --> 00:29:48.110
<v Fritz>dann hätte ich gefragt, ob sie noch ganz dicht sind.

00:29:48.110 --> 00:29:57.410
<v Fritz>Ich habe neulich eine Weinprobe gemacht in Verona mit Weißburgunder,
Grauburgunder und Spätburgunder und mit Chardonnay.

00:29:57.740 --> 00:30:03.200
<v Fritz>Und die sich beschwert haben, dass sie zu wenig Menge kriegen von ihrem
Importeur in Italien.

00:30:03.680 --> 00:30:13.010
<v Fritz>Und das zeigt eigentlich ja, dass Wein ein Kulturgetränk ist,
das einfach

00:30:13.640 --> 00:30:18.620
<v Fritz>sehr individuell ist und dass nicht aller Wein auf der ganzen Welt gleich
schmecken muss.

00:30:19.040 --> 00:30:26.330
<v Fritz>Und die Leute lieben gerade in warmen Klima,
in wärmeren Klimazonen frischen Pinot Noir,

00:30:26.330 --> 00:30:32.720
<v Fritz>Spätburgunder, den man auch im Sommer mit 16 Grad serviert oder 14 Grad auf den
Tisch bringt.

00:30:33.050 --> 00:30:42.090
<v Fritz>Und dann mit diesem leichten, feinen Duft und mit dieser Eleganz und dieser
zurückhaltenden Tannindichte,

00:30:42.090 --> 00:30:48.780
<v Fritz>wenn er richtig gemacht worden ist, einfach köstlich ist und selbst zu Fisch
mittlerweile schmeckt,

00:30:48.810 --> 00:30:49.080
<v Fritz>ja.

00:30:49.590 --> 00:30:55.413
<v Tobias>Ja, ja, da bin ich völlig bei dir, als überzeugter Pinot Noir-Fan .

00:30:55.413 --> 00:31:03.000
<v Tobias>Kommen wir jetzt vielleicht noch mal zu dem Thema Weingut und eigentlich diesem
ganzen Thema Generationenübergabe,

00:31:03.000 --> 00:31:08.280
<v Tobias>denn du hattest es schon gesagt, das Weingut wird mittlerweile von deinem Sohn
Friedrich geführt.

00:31:08.850 --> 00:31:15.840
<v Tobias>Wie siehst du deine Rolle aktuell? Bist du eher Trainer,
Torwart oder so eine Art Ehrenpräsident des Weinguts?

00:31:16.920 --> 00:31:22.530
<v Fritz>Also Ehrenpräsident ist okay und Genießer.

00:31:22.830 --> 00:31:30.390
<v Fritz>Stiller Genießer. Aber ich mache, ich bin selbstverständlich auch noch ein
bisschen mit dabei im Gesamtunternehmen,

00:31:30.720 --> 00:31:33.300
<v Fritz>aber eigentlich brauchen die mich gar nicht mehr.

00:31:33.600 --> 00:31:40.370
<v Fritz>Aber es ist einfach schön, jetzt zu genießen,
und ich mache die eine oder andere Reise,

00:31:40.370 --> 00:31:46.850
<v Fritz>mache die eine oder andere Verkostung und gehe mit den Menschen in die Rebberge.

00:31:47.210 --> 00:31:51.222
<v Fritz>Also mit unseren Importeuren, wenn sie kommen,
bin am Abend im Restaurant .

00:31:51.222 --> 00:31:54.170
<v Fritz>Und das ist einfach das Geilste an dem Job.

00:31:55.220 --> 00:32:03.590
<v Fritz>Momentan bin ich am Abend im Restaurant und dann gibt es Leute,
die sagen: „Hey,

00:32:03.590 --> 00:32:08.930
<v Fritz>bringt doch mal alte Weine!". Und wenn wir jetzt so die 90er-Jahre,
so Weißburgunder,

00:32:08.930 --> 00:32:18.500
<v Fritz>Grauburgunder aufmachen, und gerade zu dem momentan etwas moderneren Hot

00:32:18.500 --> 00:32:23.390
<v Fritz>Food, also was ein bisschen würziger ist,
dann passt das genial.

00:32:23.480 --> 00:32:28.520
<v Fritz>Ich habe gerade vor 2 Tagen chinesische Gäste da gehabt,
habe ein bisschen spicier gekocht,

00:32:28.700 --> 00:32:32.660
<v Fritz>alte Weine aufgemacht und die haben gesagt:
„Hey, das ist ja unglaublich!".

00:32:32.690 --> 00:32:41.940
<v Fritz>Ja, und die wir haben da eine tiefere Farbe,
aber durch diese Viskosität passt es an dieser Schärfe unglaublich klasse an.

00:32:41.940 --> 00:32:49.500
<v Fritz>Und das ist, das macht einfach Spaß. Du hast was vor Jahrzehnten,
vor 30 Jahren in die Flasche gemacht,

00:32:49.500 --> 00:32:52.770
<v Fritz>heute machst du es auf und schmeckt immer noch.

00:32:52.770 --> 00:32:55.410
<v Fritz>Und es schmeckt sogar noch besser wie vorher.

00:32:55.710 --> 00:33:05.550
<v Fritz>Und ja, das macht riesige Freude. Aber es ist so schön,
nicht mehr den Druck vom Tagesgeschäft zu haben und einfach das Leben

00:33:05.550 --> 00:33:13.560
<v Fritz>zu genießen, Kunden zu besuchen, die was Gescheites kochen und dort vielleicht
mal eine Weinprobe zu machen.

00:33:13.860 --> 00:33:14.400
<v Fritz>Wunderbar.

00:33:14.910 --> 00:33:18.720
<v Tobias>Hört sich irgendwie ganz danach an, als hättest du nicht wirklich Probleme damit
gehabt,

00:33:18.720 --> 00:33:21.330
<v Tobias>loszulassen. Ist das richtig interpretiert?

00:33:22.440 --> 00:33:27.780
<v Fritz>Nee, aber man muss schon sagen, ab und zu mal tut es ein bisschen weh,
aber da muss man schlucken und das gehört dazu.

00:33:28.020 --> 00:33:34.750
<v Fritz>Und ich finde, Kreativität braucht Freiraum und es kann sich niemand entwickeln,

00:33:35.650 --> 00:33:43.030
<v Fritz>also ich habe mein ganzes Leben versucht,
über Purpose-Führung, also über die Sinnhaftigkeit zu führen,

00:33:43.480 --> 00:33:50.950
<v Fritz>egal wo das war. Und es ist mir immer gut gekommen,
weil du bist nicht alleine gescheit und es gibt viele Leute auf der Welt,

00:33:50.950 --> 00:33:58.240
<v Fritz>die wesentlich gescheitert sind wie du. Und das Ganze,
nur bei dem Ganzen kommt was Gescheites dabei raus.

00:33:58.480 --> 00:34:05.620
<v Fritz>Und ab und zu mal aber morgens eine Stunde länger schlafen zu können,
abends eine Stunde länger trinken zu dürfen,

00:34:06.040 --> 00:34:08.260
<v Fritz>das macht auch Spaß, muss ich ehrlich sagen.

00:34:08.860 --> 00:34:14.050
<v Tobias>Ja, das hört sich beneidenswert an . Und gibt es denn Sachen,
wo du jetzt auch sagst,

00:34:14.200 --> 00:34:17.170
<v Tobias>das macht mein Sohn jetzt eigentlich auch besser als ich?

00:34:17.710 --> 00:34:27.100
<v Fritz>Vieles. Also das ist, wenn man so einen Traditionsladen hat,
und dann möchte ich auch meinen jüngeren Sohn noch,

00:34:27.940 --> 00:34:33.750
<v Fritz>der Koch gelernt hat, der leidenschaftlich gerne kocht,
der kann sowieso wesentlich besser kochen wie ich,

00:34:33.750 --> 00:34:37.980
<v Fritz>weil ich noch nie kochen konnte. Ich habe immer eine große Klappe zum Essen
gehabt.

00:34:38.520 --> 00:34:44.250
<v Fritz>Und Friedrich genauso. Der sagt: "Vater,
ich will meine Ruhe habe.

00:34:44.250 --> 00:34:46.500
<v Fritz>Ich will in der Rebe schaffen und im Keller schaffen.

00:34:46.770 --> 00:34:50.580
<v Fritz>Und ich möchte eigentlich nicht so viel Öffentlichkeitsarbeit machen.

00:34:50.730 --> 00:34:53.700
<v Fritz>Und das machst du noch ein bisschen. Und das machst du".

00:34:54.000 --> 00:35:00.000
<v Fritz>Also ich fühle mich so wohl dabei. Und er hat jetzt durch das,
dass meine 3 Jobs,

00:35:00.000 --> 00:35:06.800
<v Fritz>also Fußball macht einen Sohn, ein Sohn eben Gastro und der 3.

00:35:06.800 --> 00:35:15.810
<v Fritz>eben sehr erfolgreich auch das Weingut,
so hat er mehr Zeit, sich in den Reben zu

00:35:16.140 --> 00:35:22.320
<v Fritz>beschäftigen und auch im Weinkeller. Und natürlich ist er besser wie ich.

00:35:24.060 --> 00:35:26.130
<v Tobias>Sehr, sehr schön. Das wird ihn freuen zu hören.

00:35:27.000 --> 00:35:30.720
<v Tobias>Wir kommen jetzt mal zu so einer Art Schnellfragerunde.

00:35:30.900 --> 00:35:36.340
<v Tobias>Man müsste auch sagen Schnellantwortrunde,
weil das ist so ein bisschen der Wunsch. Ich würde dir gerne ein paar Begriffe

00:35:36.340 --> 00:35:43.150
<v Tobias>nennen und hoffe auf deine spontane und vielleicht auch nicht allzu lange
Antwort.

00:35:43.570 --> 00:35:44.380
<v Tobias>Bereit dafür?

00:35:44.410 --> 00:35:46.270
<v Fritz>Okay. Ich bemühe mich.

00:35:46.750 --> 00:35:49.780
<v Tobias>Okay, es wird direkt ganz schwer: S C Freiburg.

00:35:49.780 --> 00:35:53.950
<v Fritz>Bester Verein überhaupt. Großartig in Generationen denkend.

00:35:54.160 --> 00:35:55.120
<v Fritz>Best of.

00:35:55.510 --> 00:35:58.690
<v Tobias>Sehr gut. Pinot hatten wir vorhin, deswegen:
Chardonnay.

00:35:59.410 --> 00:36:04.990
<v Fritz>Gibt es sehr viele unterschiedliche. Großartige Chardonnay-Typen sind die aus
dem Burgund,

00:36:05.260 --> 00:36:09.490
<v Fritz>die einfach klar und elegant sind und nicht stinken wie ein Sauvignon Blanc.

00:36:10.030 --> 00:36:10.900
<v Tobias>Vulkan.

00:36:11.620 --> 00:36:18.760
<v Fritz>Ein unglaublich unerschöpflicher Boden,
der dem Wein Feuer und Eleganz zugleich gibt.

00:36:19.000 --> 00:36:19.510
<v Tobias>DFB.

00:36:19.660 --> 00:36:22.030
<v Fritz>DFB, Deutscher Fußballbund.

00:36:22.660 --> 00:36:24.850
<v Tobias>Sehr gut. Lieblingsband.

00:36:26.110 --> 00:36:30.530
<v Fritz>Wow. Das ist genauso wie Lieblingswein. Das geht nicht.

00:36:31.280 --> 00:36:32.690
<v Fritz>Das geht nicht!

00:36:32.990 --> 00:36:35.900
<v Tobias>Dann denken wir mal an das Pinot and Rock-Festival.

00:36:36.230 --> 00:36:38.780
<v Tobias>Auf welchen Künstler, auf welche Band freust du dich am meisten?

00:36:39.470 --> 00:36:45.500
<v Fritz>Oh ja. Also Lynyrd Skynyrd wird natürlich großartig sein,
Snow Patrol, Jan Delay,

00:36:45.500 --> 00:36:48.710
<v Fritz>Travis, Sportfreunde Stiller nicht zu vergessen.

00:36:49.340 --> 00:36:53.840
<v Tobias>Okay, das war schon eine Compilation. Machen wir mal weiter:
VDP.

00:36:54.860 --> 00:36:59.240
<v Fritz>Aber Deep Purple kannst du natürlich auch noch machen. Oder Pink Floyd.

00:36:59.240 --> 00:37:00.290
<v Fritz>Oder Stones.

00:37:00.920 --> 00:37:04.130
<v Tobias>Ja, klar. Okay, wir machen weiter mit: VDP.

00:37:05.930 --> 00:37:14.600
<v Fritz>VDP ist frühzeitiger Zusammenschluss von Winzern,
die etwas Besseres wollten, und die,

00:37:14.600 --> 00:37:23.090
<v Fritz>glaube ich, jetzt an einem Weg sind, wo sie noch besser werden und noch mal
schärfer selektieren müssen.

00:37:23.090 --> 00:37:26.750
<v Fritz>Und es gibt auch Weingüter, die nicht im VDP sind,
die hervorragend sind.

00:37:27.200 --> 00:37:34.090
<v Tobias>Das ist immer schön zu hören. Welche Flasche ist aktuell die typischste
Franz-Keller-Flasche.

00:37:35.560 --> 00:37:42.940
<v Fritz>Boah, die typischste? Also bei Spätburgunder liebe ich den Schlossberg,
beim Chardonnay den Kirchberg,

00:37:43.390 --> 00:37:52.180
<v Fritz>beim Grauburgunder den Schlossberg. Aber ich finde einfach,
ja, auch die Gutsweine

00:37:53.770 --> 00:37:57.730
<v Fritz>sehr gut, weil das gute best price quality relationship.

00:37:57.970 --> 00:38:04.300
<v Fritz>Wir haben letztes Jahr von den Mastersommeliers in den USA,
ohne dass wir was dazu getan haben,

00:38:04.480 --> 00:38:09.550
<v Fritz>mit dem einfachen Gutswein Spätburgunder den Wine of the Year gewonnen.

00:38:09.850 --> 00:38:15.280
<v Fritz>Best Redwine of the Year und the best price quality relationship.

00:38:15.490 --> 00:38:19.450
<v Fritz>Und das ist natürlich eine wirklich hohe Auszeichnung,
finde ich.

00:38:20.050 --> 00:38:25.420
<v Tobias>Ja, das stimmt. Wäre das dann auch so ein Wein,
der sich vielleicht besonders gut eignet, euer Weingut kennenzulernen,

00:38:25.420 --> 00:38:26.980
<v Tobias>wenn man das jetzt noch nicht kennt?

00:38:26.980 --> 00:38:30.890
<v Fritz>Wenn man ihn irgendwo kriegt. Das der, der immer am schnellsten ausverkauft ist.

00:38:31.250 --> 00:38:35.690
<v Fritz>Aber es gibt bestimmt noch ein paar Händler,
weil die kommen jetzt erst im September raus.

00:38:35.720 --> 00:38:42.770
<v Fritz>Einfach mal im Internet gucken und es gibt einige Händler,
die was haben und die müssen noch was haben,

00:38:43.040 --> 00:38:45.680
<v Fritz>weil die dürfen erst ab September verkaufen.

00:38:45.770 --> 00:38:50.960
<v Tobias>Okay. Und wir haben schon so ein bisschen die Schnellfragerunde verlassen.

00:38:50.960 --> 00:38:57.020
<v Tobias>Trotzdem noch die letzte Frage dazu: Welcher Wein hat dich zuletzt wirklich
tief,

00:38:57.020 --> 00:38:57.980
<v Tobias>tief beeindruckt?

00:38:59.900 --> 00:39:07.100
<v Fritz>Rousseau 1974, Clos de Bèze aus Burgund.

00:39:07.670 --> 00:39:11.240
<v Tobias>Oh, okay, das ist schon ziemlich weit oben im Regal.

00:39:11.270 --> 00:39:14.270
<v Tobias>Sehr gut. Sehr gut zu hören, dass der sich noch gut trinken lässt.

00:39:15.260 --> 00:39:22.610
<v Tobias>Werde ich direkt mal nachverkosten. Ja,
wir kommen jetzt schon im Grunde genommen so ein bisschen in die Schlussphase

00:39:22.610 --> 00:39:26.270
<v Tobias>unseres Interviews. Deswegen möchte ich noch mal zurück zu dem Festival.

00:39:27.320 --> 00:39:31.870
<v Tobias>Was wünscht du dir persönlich, wenn Leute jetzt vom Festival nach Hause fahren?

00:39:31.870 --> 00:39:36.400
<v Tobias>Was sollen sie mitnehmen? Was soll in deren Herzen noch nachklingen?

00:39:36.850 --> 00:39:45.370
<v Fritz>Ja, dass sie neue Leute kennengelernt haben,
Musik einfach direkt unmittelbar erlebt haben,

00:39:45.370 --> 00:39:52.090
<v Fritz>was Gescheites zu essen und zu trinken haben und dass sie weiterhin meine
Kolleginnen und Kollegen,

00:39:52.090 --> 00:39:55.660
<v Fritz>ihre Weine trinken und es in ihren Alltag mit einfließen lassen.

00:39:55.990 --> 00:40:01.510
<v Fritz>Das heißt, zu jedem guten Essen einen Schluck Wein zu trinken und bewusster zu
essen.

00:40:01.990 --> 00:40:08.290
<v Fritz>Das wäre das Schöne. Und auch mal eine gescheite Platte auflegen,
aber auch auf Konzerte zu gehen.

00:40:09.430 --> 00:40:15.070
<v Tobias>Genau. Und jetzt bist du ja, hast du ja auch schon gerade gesagt,
das unterscheidet dich auch ein bisschen von deinem Sohn,

00:40:15.100 --> 00:40:21.700
<v Tobias>du bist, wenn man das so sagen darf, die Rampensau,
die sehr, sehr viel in der Öffentlichkeit steht,

00:40:22.330 --> 00:40:24.760
<v Tobias>aber halt eben auch sehr gerne Leute unterhält.

00:40:24.940 --> 00:40:30.140
<v Tobias>Ist dir denn Applaus wichtiger als Nachhall sozusagen?

00:40:30.140 --> 00:40:32.060
<v Tobias>Oder ist es die Kombination?

00:40:33.110 --> 00:40:37.880
<v Fritz>Ich finde, der kurzfristige Applaus ist immer gefährlich.

00:40:38.150 --> 00:40:45.500
<v Fritz>Das Wichtigste ist, einfach in Generationen zu denken und daran zu denken,
was kommt morgen,

00:40:45.740 --> 00:40:47.810
<v Fritz>ist wichtig, und was ist übermorgen wichtig?

00:40:47.900 --> 00:40:51.050
<v Fritz>Und das ist der Grundsatz übrigens für jedes gute Weingut.

00:40:51.080 --> 00:41:00.320
<v Fritz>Und deshalb bin ich so davon überzeugt,
dass Familienweingüter immer noch die beste Qualität auch in 100 und 200 Jahren

00:41:00.320 --> 00:41:03.920
<v Fritz>bieten können, weil sie einfach ganzheitlich denken.

00:41:03.920 --> 00:41:09.890
<v Fritz>Und wenn ich heute eine Rebe pflanze, sind sie erst richtig gut,
wenn meine Enkel sie ernten.

00:41:10.190 --> 00:41:18.140
<v Fritz>Und darum geht es in der ganzen Welt. Und ich glaube,
so sollten wir eigentlich in vielen Geschäftsbereichen

00:41:19.640 --> 00:41:25.250
<v Fritz>denken, dass das heute schön ist, aber übermorgen das Wichtigste ist.

00:41:26.130 --> 00:41:32.040
<v Tobias>Sehr schön gesagt und vor allem auch eine gute Überleitung zu meiner letzten
Frage:

00:41:32.400 --> 00:41:35.760
<v Tobias>Wo siehst du denn das Weingut in 10 Jahren?

00:41:37.980 --> 00:41:46.410
<v Fritz>Also der Friedrich, der sagt: „Vater, ich will lieber kleiner werden und noch
mehr Zeit im Einzelnen".

00:41:47.010 --> 00:41:50.790
<v Fritz>Wir sind schon kleiner geworden, also mehr Zeit für den einzelnen Wein zu haben.

00:41:51.630 --> 00:42:01.290
<v Fritz>Und ja, also ich hoffe, dass die Weine getrunken werden und dass wir weiterhin
eben

00:42:01.290 --> 00:42:07.950
<v Fritz>Menschen haben, die nicht durch irgendwelche Einflüsse diese ganze Kultur
vergessen.

00:42:08.250 --> 00:42:15.630
<v Fritz>Weil das ist das, wo ganz Europa die ganze westliche Welt geprägt hat,
das ist das Genießen des Weingenusses.

00:42:15.630 --> 00:42:21.210
<v Fritz>Und Weingenuss kriegt man nicht geschenkt,
sondern das ist wie Essensgenuss, ist Kultur,

00:42:21.210 --> 00:42:23.340
<v Fritz>und dass diese Kultur bewahrt bleibt.

00:42:24.180 --> 00:42:24.840
<v Tobias>Wow, das ist...

00:42:25.080 --> 00:42:34.940
<v Fritz>Und es gibt nichts Schöneres, wie wenn Menschen zusammen an einem Tisch sitzen,
großartiges Essen machen und zum jeweiligen Gang

00:42:35.180 --> 00:42:42.620
<v Fritz>den besten Wein dazu trinken und alle das gleiche essen und trinken und nicht
der eine Coca Cola und der andere Schweppes und der andere Gin Tonic,

00:42:42.950 --> 00:42:45.800
<v Fritz>sondern das ist das, was die Menschen verbindet.

00:42:45.950 --> 00:42:49.790
<v Fritz>Gemeinsam an einem Tisch dieses gemeinsame Erlebnis.

00:42:50.270 --> 00:42:50.510
<v Tobias>Toll.

00:42:50.510 --> 00:42:52.040
<v Fritz>Und das möchte ich gerne bewahren.

00:42:52.460 --> 00:42:55.850
<v Tobias>Das sind ganz, ganz tolle Ausführungen zum Schluss unserer Folge.

00:42:56.300 --> 00:42:58.700
<v Tobias>Fritz, herzlichen Dank für das Gespräch.

00:42:59.000 --> 00:43:03.320
<v Fritz>Sehr gerne, Tobias. Mach's gut. Vielen Dank,
dass du dich so gut vorbereitet hast.

00:43:03.530 --> 00:43:06.290
<v Tobias>Oh, danke, danke. Das nehme ich jetzt auch mal als Kompliment.

00:43:06.290 --> 00:43:10.550
<v Tobias>Und ja, ich freue mich natürlich, bis es das nächste Mal wieder heißt.

00:43:11.930 --> 00:43:12.920
<v Fritz>Bei Anruf.

00:43:14.270 --> 00:43:14.750
<v Tobias>Wein.