WEBVTT

00:00:02.640 --> 00:00:04.500
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:06.060 --> 00:00:07.680
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:11.200 --> 00:00:12.970
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde.

00:00:12.970 --> 00:00:14.200
<v Tobias>Mein Name ist Tobias.

00:00:14.200 --> 00:00:16.210
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein.

00:00:16.870 --> 00:00:23.170
<v Tobias>Riesling gilt als Königin aller Rebsorten und in Deutschland entstehen daraus
die besten Exemplare.

00:00:23.440 --> 00:00:27.160
<v Tobias>Davon sind auch internationale Weinkritiker überzeugt.

00:00:27.550 --> 00:00:30.910
<v Tobias>Im eigenen Land gibt es trotzdem noch viele Riesling-Skeptiker.

00:00:30.940 --> 00:00:34.300
<v Tobias>Dem einen sind die Weine zu süß, dem anderen zu sauer.

00:00:34.450 --> 00:00:38.200
<v Tobias>Da heißt es für Michael und mich ganz klar: Wir müssen reden.

00:00:38.650 --> 00:00:47.500
<v Tobias>Und für zusätzliches Know-how zum Thema habe ich in Vorbereitung auf diese
Folge Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem an der Saar besucht.

00:00:47.620 --> 00:00:55.030
<v Tobias>Er ist echter Rieslingexperte und so habe ich für Michael und euch interessante
O-Töne mit im Gepäck.

00:00:55.060 --> 00:00:56.800
<v Tobias>Also bleibt mal dran.

00:00:57.550 --> 00:00:58.690
<v Tobias>Ich ruf den mal an!

00:01:05.610 --> 00:01:08.580
<v Michael>Hm, hallo Tobias, da erwischte mich jetzt.

00:01:08.580 --> 00:01:11.430
<v Michael>Mein liebster Reisender in Sachen Wein, du bist zurückgekehrt.

00:01:12.240 --> 00:01:20.010
<v Michael>Du warst ja an der Saar oder doch an der Mosel, wie man heute sagt, dann wird
ja diese Folge über Riesling für dich ein klares Heimspiel, oder?

00:01:20.130 --> 00:01:21.480
<v Tobias>Ja, das hoffe ich doch.

00:01:21.750 --> 00:01:30.420
<v Tobias>Also bei Van Volxem in diesem Verkostungsraum, in diesem neuen, zu sitzen und
aus diesen gigantischen Panoramafenstern auf die Weinberge zu schauen, das war

00:01:30.420 --> 00:01:31.770
<v Tobias>auf jeden Fall ein Erlebnis.

00:01:32.040 --> 00:01:36.930
<v Tobias>Also ein Besuch dort kann ich allen Zuhörerinnen und Zuhörern nur wärmstens
empfehlen.

00:01:37.590 --> 00:01:44.340
<v Tobias>Und du hast recht, Früher hieß das Anbaugebiet ja Mosel-Saar-Ruwer und heute
nur noch Mosel.

00:01:44.370 --> 00:01:47.280
<v Tobias>Eigentlich schade für die Winzer aus den 2 anderen Gebieten.

00:01:47.790 --> 00:01:53.220
<v Michael>Riesling, dir ist schon klar, dass wir uns da an ein deutsches Nationalheiligtum
wagen?

00:01:53.970 --> 00:01:57.420
<v Michael>Ja, der Riesling ist doch Weindeutschland schlechthin.

00:01:57.420 --> 00:02:03.660
<v Michael>Das ist, wie heißt es immer so schön, unsere Königin der Reben, das
Aushängeschild unserer Weinkultur.

00:02:03.660 --> 00:02:11.100
<v Michael>Und das dürfen wir jetzt an der Stelle nicht vergessen, mitunter ja ein
verschreckend nerdig behandeltes Thema.

00:02:11.130 --> 00:02:17.940
<v Tobias>Ja, also das ist absolut so, da bekommt man schon fast Angst, überhaupt über das
Thema Riesling zu sprechen.

00:02:18.510 --> 00:02:21.570
<v Tobias>Vor allem, weil einige es da auch wirklich ein bisschen übertreiben.

00:02:21.660 --> 00:02:24.300
<v Tobias>Aber ich glaube, wir machen das jetzt einfach mal ganz locker.

00:02:24.570 --> 00:02:26.460
<v Michael>Jupp, das machen wir jetzt wirklich.

00:02:26.460 --> 00:02:35.340
<v Michael>Also, wenn man jetzt über Riesling spricht, hört man immer wieder von den
einen, er sei zu süß, und andere sagen, sie mögen keinen Riesling, weil er

00:02:35.340 --> 00:02:37.050
<v Michael>angeblich zu viel Säure hat.

00:02:37.320 --> 00:02:40.770
<v Michael>Ist unser Riesling wirklich so ein Fiesling?

00:02:40.770 --> 00:02:42.240
<v Michael>Und was ist er denn nun?

00:02:42.240 --> 00:02:44.070
<v Michael>Zu süß oder zu sauer?

00:02:44.370 --> 00:02:46.590
<v Tobias>Ja, natürlich weder noch, ja?

00:02:46.950 --> 00:02:55.770
<v Tobias>Es zeichnet die Rebsorte Riesling geradezu aus, dass sie sowohl tolle
Fruchtaromen als auch eine lebendige Säure mitbringt, die dann mit der Restsüße

00:02:55.770 --> 00:02:57.660
<v Tobias>wunderbar korrespondieren kann.

00:02:57.690 --> 00:03:01.530
<v Tobias>Ja, also Stichwort Auslese oder gar Trockenbeerenauslese.

00:03:01.860 --> 00:03:04.050
<v Tobias>Aber ich denke auch an ein Großes Gewächs.

00:03:04.080 --> 00:03:07.830
<v Tobias>Ja, also ein Riesling, der per Definition trocken sein muss.

00:03:07.830 --> 00:03:12.390
<v Tobias>Und der gehört ganz klar zur internationalen Crème de la Crème.

00:03:12.450 --> 00:03:14.280
<v Michael>Internationale Crème de la Crème.

00:03:14.280 --> 00:03:15.360
<v Michael>Das hast du echt schön gesagt.

00:03:15.360 --> 00:03:22.440
<v Michael>Ich habe aber tatsächlich auch das Gefühl, dass jetzt deutscher Riesling
eigentlich im Ausland besser ankommt als hier bei uns.

00:03:22.980 --> 00:03:31.170
<v Michael>Das Image scheint immer noch so ein bisschen überschattet von dieser „Masse
statt Klasse"-Politik, die es ja in den vorangegangenen Jahrzehnten gegeben hat,

00:03:31.350 --> 00:03:35.190
<v Michael>und vielleicht muss man sich da ein neues Vertrauen aufbauen.

00:03:35.310 --> 00:03:39.840
<v Tobias>Ja, ich glaube auch, ja. Und den Glykolskandal, den hast du ja jetzt noch nicht
mal erwähnt.

00:03:40.140 --> 00:03:42.810
<v Tobias>Aber das ist alles Geschichte aus meiner Sicht, ja.

00:03:43.020 --> 00:03:47.100
<v Tobias>Also denk nur mal an die britische Weininstanz Jancis Robinson.

00:03:47.100 --> 00:03:56.100
<v Tobias>Sie meint nämlich, Riesling sei schlichtweg die beste Weißweinsorte der Welt
und deutsche Rieslinge seien wiederum die besten ihrer Art.

00:03:56.100 --> 00:03:58.140
<v Tobias>Also was sagt sie eigentlich?

00:03:58.140 --> 00:04:01.140
<v Tobias>Dass in Deutschland der beste Weißwein überhaupt entsteht.

00:04:01.140 --> 00:04:02.910
<v Tobias>Und das ist schon ein Pfund.

00:04:02.910 --> 00:04:11.280
<v Tobias>Ich würde das jetzt vielleicht nicht ganz so bedingungslos unterschreiben, weil
für mich gehört da mit Sicherheit auch noch Chardonnay aus dem Burgund mit dazu.

00:04:11.400 --> 00:04:14.910
<v Tobias>Aber immerhin, das ist doch mal eine Aussage.

00:04:14.910 --> 00:04:16.320
<v Michael>Hui, hui, hui, schau an, schau an!

00:04:16.320 --> 00:04:20.850
<v Michael>Der Weinlakai auf Augenhöhe mit Jancis Robinson, Das ist doch toll.

00:04:20.850 --> 00:04:23.520
<v Michael>Aber du hast ja eben das Image schon angesprochen.

00:04:23.640 --> 00:04:30.840
<v Michael>Vor gut 100 Jahren galten deutsche Rieslinge als mit das Beste, Feinste,
Edelste in der ganzen Weinwelt.

00:04:31.170 --> 00:04:34.590
<v Michael>Und man muss ja jetzt auch mal endlich die Katze aus dem Sack lassen.

00:04:34.590 --> 00:04:38.000
<v Michael>Das war ja auch ein Grund, warum du zu Van Volxem an die Saar gefahren bist.

00:04:38.000 --> 00:04:38.610
<v Tobias>Richtig.

00:04:38.610 --> 00:04:43.200
<v Michael>Genau über diese Zeit wolltest du so ein bisschen mehr herausfinden und auch
tatsächlich anfassen.

00:04:43.230 --> 00:04:47.460
<v Tobias>Ja, absolut. Ja, und da habe ich mit dem Eigentümer Roman Niewodniczanski
gesprochen.

00:04:48.840 --> 00:04:53.340
<v Tobias>Ein ganz sympathischer, eloquenter und sehr schnell sprechender
Wein-Enthusiast.

00:04:55.650 --> 00:05:05.490
<v Tobias>Er hat mir nicht nur seine alten historischen Weinkarten präsentiert, sondern
mir auch etwas zum Thema Süße-Säure-Vorurteil erzählt.

00:05:05.490 --> 00:05:07.470
<v Tobias>Und das fand ich ziemlich hintersinnig.

00:05:08.190 --> 00:05:09.090
<v Tobias>Hör mal rein hier.

00:05:09.840 --> 00:05:13.290
<v Roman>Ich hatte eine sehr kluge polnische Großmutter, die sagte immer, dass Vorurteile
sehr wertvoll sind.

00:05:13.290 --> 00:05:19.230
<v Roman>Sie helfen, die Vielfalt und die Komplexität der Welt zu verstehen und
einzuordnen, aber man muss sie regelmäßig überprüfen.

00:05:19.530 --> 00:05:25.230
<v Michael>Also so eine polnische Großmutter habe ich nicht, aber ich finde das sehr
treffend, die Formulierung, muss ich ehrlich sagen.

00:05:25.620 --> 00:05:28.080
<v Michael>Aber dennoch, man kann es ja nicht abtun.

00:05:28.440 --> 00:05:36.570
<v Michael>Einige Menschen haben so Probleme mit dieser Säure und machen den guten
Riesling sogar für ihr Sodbrennen dann verantwortlich.

00:05:36.990 --> 00:05:42.990
<v Michael>Bei allen orientierungsstiftenden Vorurteilen, mal ganz ehrlich: Unser Riesling
ist doch kein Schwerenöter!

00:05:43.440 --> 00:05:45.360
<v Tobias>Nein, ganz im Gegenteil.

00:05:45.420 --> 00:05:54.240
<v Tobias>Ja, in dem Gespräch hat Roman mehrfach darauf hingewiesen, dass Riesling eher
für Bekömmlichkeit steht, eben weil er so schlank daherkommt, so wunderbar

00:05:54.240 --> 00:06:00.600
<v Tobias>belebend mit seiner Säure wirkt und, nicht zu vergessen, auch noch mit
vergleichsweise geringem Alkohol punktet.

00:06:00.780 --> 00:06:05.450
<v Tobias>Also überschaubare 11 % sind bei einem Riesling ja keine Seltenheit.

00:06:05.510 --> 00:06:14.990
<v Tobias>Ja, und dann hat der Wein selbst trocken ausgebaut zwar noch etwas Restsüße,
doch die merkst du dem Wein eben wegen der guten Säure überhaupt nicht an.

00:06:15.140 --> 00:06:19.190
<v Tobias>Und das Thema kennst du ja schon, das hatten wir ja auch schon in unserer
Trocken-Feinherb-etc.-Folge.

00:06:21.770 --> 00:06:30.320
<v Michael>Das stimmt und ich habe ganz doll aufgepasst, aber dennoch assoziiere ich jetzt
persönlich mit Riesling tatsächlich eher Säure als Süße.

00:06:30.320 --> 00:06:33.080
<v Michael>Und es scheint auch historisch betrachtet so zu sein.

00:06:33.080 --> 00:06:40.430
<v Michael>Ich weiß ja nicht, ob du wusstest, dass zum Beispiel der nordspanische
Albariño, in Portugal Alvarinho genannt...

00:06:40.430 --> 00:06:40.940
<v Tobias>Der nun wieder, mhm.

00:06:40.940 --> 00:06:47.360
<v Michael>...so heißt, weil man annahm, er sei ein - Achtung, wörtlich übersetzt - kleiner
Weißer vom Rhein.

00:06:47.870 --> 00:06:54.110
<v Michael>Denn die hohe Säure machte es damals geradezu selbstverständlich, dass man das
mit Riesling in Verbindung brachte.

00:06:54.590 --> 00:07:01.610
<v Tobias>Ja, ja, ja, Aber das war jetzt nur der Versuch, mal wieder deinen heißgeliebten
Albariño hier in den Podcast einzuschmuggeln.

00:07:01.850 --> 00:07:06.170
<v Tobias>Das ist ja irgendwie so ein kleiner Tick, Trick von dir.

00:07:06.440 --> 00:07:09.290
<v Tobias>Aber ja, mal zurück zu Roman Niewodniczanski.

00:07:09.740 --> 00:07:17.690
<v Tobias>Der sagte mir nämlich auch noch etwas zum Thema Alkoholgehalt und da hat er
eine klare Haltung, Klimawandel jetzt mal hin oder her.

00:07:17.930 --> 00:07:20.030
<v Roman>Für mich ist 12,0 die absolute Grenze.

00:07:20.030 --> 00:07:23.600
<v Roman>Ich möchte keinen Riesling erzeugen, bei dem Alkohol schmeckbar ist.

00:07:24.050 --> 00:07:26.420
<v Michael>Ja, das finde ich gut. Das ist eine tolle Aussage.

00:07:26.420 --> 00:07:35.060
<v Michael>Aber man muss ehrlicherweise auch dazu sagen, an der Saar ist das mithilfe
dieses dort, sagen wir mal, vergleichsweise milden Klimas auch zu schaffen.

00:07:35.420 --> 00:07:43.220
<v Michael>Wenn ich jetzt mal an die Winzer in, so hieß das doch früher, von der Sonne
verwöhnten Baden denke, ja, die können sich das ja nicht aussuchen, aber die

00:07:43.220 --> 00:07:44.990
<v Michael>haben dann eben andere Herausforderungen.

00:07:44.990 --> 00:07:52.640
<v Michael>Und Roman hat natürlich auch jetzt Weinberge in Steillagen mit diesen wunderbar
typischen Schieferböden.

00:07:52.880 --> 00:08:00.770
<v Michael>Und das bringt uns doch eigentlich zu dem Begriff, der so gerne zitiert wird,
wenn es um den Riesling geht, nämlich die Mineralität.

00:08:00.980 --> 00:08:10.220
<v Michael>Aber ich bin tatsächlich überzeugt, dass viele Weinfreunde gar nicht wissen,
was damit gemeint ist und wieso Mineralität eigentlich riecht oder schmeckt.

00:08:10.490 --> 00:08:19.100
<v Tobias>Ja, das ist eine super Gelegenheit, in dieser Folge darüber mal ein bisschen zu
sprechen, Denn man kann wirklich Riesling nicht nur auf diese Süße-Säure-Nummer

00:08:19.100 --> 00:08:20.240
<v Tobias>irgendwie beschränken.

00:08:20.270 --> 00:08:29.570
<v Tobias>Ja, Mineralität ist ja auch ein sensorischer Einfluss und den hat man
hauptsächlich eben, wenn die Böden, auf dem die Reben wachsen, sehr

00:08:29.570 --> 00:08:30.740
<v Tobias>gesteinsreich sind.

00:08:30.740 --> 00:08:36.590
<v Tobias>Bei Riesling ist es dann halt sehr, sehr häufig Schieferboden, zumindest wenn
wir eben an die Mosel denken.

00:08:36.710 --> 00:08:40.400
<v Tobias>Und das kann man wirklich relativ gut riechen und auch schmecken.

00:08:40.430 --> 00:08:48.830
<v Tobias>Ja, das ist dann immer so ein leicht rauchig-würziger Ausdruck, wo sich viele
Weinfreunde dann erst mal fragen: Hä, wo kommt das denn jetzt eigentlich her?

00:08:48.830 --> 00:08:51.170
<v Tobias>Der war doch jetzt nicht im Holz oder sowas.

00:08:51.170 --> 00:08:53.300
<v Tobias>Aber das ist eben diese Schieferprägung.

00:08:53.630 --> 00:09:00.980
<v Tobias>Ja und dann, und das hört sich schon fast so ein bisschen komisch an, haben
viele Rieslingweine auch so eine gewisse Salzigkeit.

00:09:01.070 --> 00:09:10.130
<v Tobias>Ja, und das bringt Roman auch noch mal ganz gut auf den Punkt, wofür das
wichtig ist, Denn da geht es jetzt auch so ein bisschen um, ja,

00:09:10.130 --> 00:09:13.000
<v Tobias>Essensbegleitung. Also hör mal.

00:09:13.000 --> 00:09:13.670
<v Michael>Gern.

00:09:13.880 --> 00:09:15.980
<v Roman>Der Schiefer gibt dem Wein, Mineralität und Salzigkeit.

00:09:15.980 --> 00:09:18.170
<v Roman>Das ist gerade für das Essen sehr wichtig.

00:09:18.170 --> 00:09:24.800
<v Roman>Wenn ich den Wein jetzt gerade zum Kalbsgericht oder zu einem Geflügel oder zum
Krustentier oder zum Fisch einsetze, das ist super, weil dann habe ich diese

00:09:24.800 --> 00:09:28.370
<v Roman>Verbindung der Salzigkeit aus dem Lebensmittel in Verbindung mit der des
Weines.

00:09:28.910 --> 00:09:33.530
<v Roman>Das ist super. Und dann kommt eine tolle Frucht und dann kommt eine Länge und
dann ist das schmeichelnd und cremig.

00:09:33.530 --> 00:09:36.980
<v Roman>Das ist einfach ein Erlebnis, das eigentlich jeder mal haben sollte.

00:09:36.980 --> 00:09:41.060
<v Roman>Und das hat mit dem sauren Bild, das viele Konsumenten im Kopf haben, nichts zu
tun.

00:09:42.260 --> 00:09:45.110
<v Michael>Okay, also Säure abgehakt.

00:09:45.110 --> 00:09:48.740
<v Michael>Der Punkt geht ganz klar an das Team Roman und Tobias.

00:09:50.090 --> 00:09:52.790
<v Michael>Aber da war jetzt ja noch was mit der Restsüße.

00:09:52.940 --> 00:09:59.300
<v Michael>Wir gehen noch mal auf die jetzt ein, die sagen, nein, ein Riesling, der ist
einfach zu süß und das gefällt mir nicht.

00:09:59.300 --> 00:10:08.240
<v Michael>Und ich glaube, da sprechen wir wieder unsere schönen deutschen Prädikatsweine
an in ihrer tollen Klassifikation nach Mostgewicht von Kabinett bis

00:10:08.240 --> 00:10:10.640
<v Michael>Trockenbeerenauslese und Eiswein.

00:10:11.660 --> 00:10:18.260
<v Michael>Übrigens, daran siehst du doch jetzt mal, wie gut ich die Folge über Restsüße
und feinherbe Weine erinnere.

00:10:18.740 --> 00:10:19.340
<v Michael>Überzeugt?

00:10:19.340 --> 00:10:21.950
<v Tobias>Ja, also da bin ich wirklich stolz auf dich, Michael.

00:10:21.950 --> 00:10:24.650
<v Tobias>Wunderbar, an was du dich noch so alles erinnerst.

00:10:25.340 --> 00:10:30.740
<v Tobias>Aber jetzt mal ganz ernsthaft: Was erwarte ich denn, wenn ich eine Auslese ins
Glas bekomme?

00:10:30.920 --> 00:10:34.460
<v Tobias>In den allerseltensten Fällen ist das ein trockener Wein.

00:10:34.640 --> 00:10:39.560
<v Tobias>Ja, und man muss auch sagen, im Kern geht es ja gar nicht um Süße allein.

00:10:39.560 --> 00:10:48.800
<v Tobias>Ja, viel wichtiger ist, dass süße Säure, Frucht, Mineralität, meinetwegen auch
Alkohol im Gleichgewicht sind.

00:10:48.800 --> 00:10:51.650
<v Tobias>Ja, nichts anderes ist ja auch mit dem Begriff Balance gemeint.

00:10:52.190 --> 00:10:56.300
<v Tobias>Na ja, gut, das ist jetzt dann schon große Weinphilosophie, zumindest meine.

00:10:56.510 --> 00:11:05.610
<v Tobias>Aber Roman hat auch noch mal erklärt, was das mit dem Anbaugebiet oder genauer
gesagt auch mit Boden und Klima zu tun hat.

00:11:06.060 --> 00:11:12.780
<v Roman>Wenn ich in der Pfalz Winzer bin und ich erzeuge einen Riesling mit 6, 7, 8
Gramm, so wie wir es tun, Restzucker, dann schmeckt der süß.

00:11:12.810 --> 00:11:21.090
<v Roman>Warum? Die Weine haben einen anderen pH-Wert und die Weine haben mehr Alkohol
und die Weine haben eine, sind also deutlich breiter und der Wein wird dann

00:11:21.090 --> 00:11:25.320
<v Roman>sofort schon mit 6, 7 Gramm war es eine Toplage, vielleicht aus Deidesheim,
schmeckt er süßlich.

00:11:25.320 --> 00:11:26.760
<v Roman>Das wird an der Saar nicht passieren.

00:11:26.970 --> 00:11:33.990
<v Roman>Wer Egon Müllers gereifte Weine kennt, dem kann es passieren, dass er mal einen
30 Jahre alten Kabinett mit 40 Gramm Restzucker trinkt und der Wein ist

00:11:33.990 --> 00:11:35.670
<v Roman>knochentrocken. Woran liegt das?

00:11:35.880 --> 00:11:38.700
<v Roman>Es ist die Harmonie der Inhaltsstoffe, und es gibt ein sehr trockenes
Geschmacksbild.

00:11:39.570 --> 00:11:45.150
<v Roman>Und deswegen machen wir keinen Wein nach Zahlen, sondern wir wollen einen Wein
erzeugen, der unsere Kunden begeistert.

00:11:45.690 --> 00:11:47.940
<v Michael>Habe ich verstanden, trockenes Geschmacksbild.

00:11:47.940 --> 00:11:57.510
<v Michael>Aber halten wir doch jetzt mal fest: Saar-Mosel, das heißt Steillage,
verschiedene Schieferböden, heißt natürlich auch mühsame Arbeit im

00:11:57.510 --> 00:11:59.580
<v Michael>Weinberg, wenn es um Steillage geht.

00:12:00.270 --> 00:12:01.530
<v Michael>Was heißt das jetzt noch?

00:12:01.620 --> 00:12:03.270
<v Tobias>Ja, ja, das ist erst mal richtig.

00:12:03.360 --> 00:12:08.370
<v Tobias>Und von Roman habe ich da eine alte Redensart gelernt, müsste dir eigentlich
gefallen.

00:12:09.120 --> 00:12:18.570
<v Tobias>Klingt zunächst etwas merkwürdig, aber tatsächlich war es auch an der Mosel so,
dass Wein dort wächst, wo sonst nichts anderes mehr zu kultivieren war.

00:12:18.600 --> 00:12:26.940
<v Tobias>Ja, gerade dieses Karge, Steinige, auch Trockene ist es, was bis heute einfach
gute Lagen auszeichnet.

00:12:27.210 --> 00:12:31.140
<v Roman>Ein alter Winzerspruch sagt: Wo ein Pflug kann gehen, kein Stock darf stehen.

00:12:31.140 --> 00:12:38.400
<v Roman>Und da ja im härtesten Stein den besten Wein wächst, so wie die Bauern und
Winzer sagen, sind wir hier sehr glücklich über schiefer Steillagen, die auch

00:12:38.400 --> 00:12:39.540
<v Roman>entsprechend die Weine prägen.

00:12:40.170 --> 00:12:44.130
<v Michael>Ja, das mit dem Stein und dem besten Wein, das ist ja jetzt wieder deine
Mineralität.

00:12:44.910 --> 00:12:48.120
<v Michael>Ich finde ja so was toll, so Redensarten, so Sprichwörter.

00:12:48.120 --> 00:12:54.030
<v Michael>Und die sind ja auch immer so eine Art Wissensspeicher und halten irgendwas
fest, was die Leute gelernt haben.

00:12:54.270 --> 00:12:57.960
<v Michael>Und gereimt merkt sich so was ja allemal besser, das kennen wir alles.

00:12:57.990 --> 00:13:07.830
<v Michael>Also, wenn ich jetzt mal in die Rolle des Volkskundlers schlüpfen darf, würde
ich sagen, das ist sozusagen Stammeswissen von der Saar aus

00:13:07.830 --> 00:13:10.050
<v Michael>der Kultgemeinschaft der Winzer.

00:13:10.230 --> 00:13:11.790
<v Tobias>Ja, ja, genau.

00:13:12.210 --> 00:13:15.270
<v Tobias>Aber gut so und etwas Wahres ist halt dran.

00:13:15.270 --> 00:13:21.480
<v Tobias>Ja, und was allemal wahr ist, ist, dass sich der Riesling im deutschen
Mischwetter pudelwohl fühlt.

00:13:21.840 --> 00:13:31.290
<v Tobias>Zu früh, zu viel, zu lange Sonne ist gar nichts für diese Rebsorte, deswegen
passt sie wirklich gut nach Deutschland, denn es geht auch um langsame,

00:13:31.290 --> 00:13:32.820
<v Tobias>allmähliche Reife.

00:13:33.000 --> 00:13:36.570
<v Tobias>Das gefällt dem Riesling viel besser, als irgendwie so einen Hitzeschock zu
bekommen.

00:13:37.320 --> 00:13:45.180
<v Tobias>Und da muss man auch mal schauen, wie sehr das durch den Klimawandel in
Schieferlage, ach, in Schieflage gerät.

00:13:45.300 --> 00:13:47.790
<v Tobias>Roman weiß auch dazu mehr.

00:13:48.330 --> 00:13:57.330
<v Roman>Fakt ist, dass Riesling eine Cool-Climate-Rebsorte ist, also eine Rebsorte ist,
die von einem wechselhaften Wetter profitiert und die eine lange Reife benötigt.

00:13:57.330 --> 00:14:05.760
<v Roman>Und Riesling liebt es im Herbst dann bei bei 10, 12, 14 Grad eben lange mit
Ostwind, Schäfchenwolken, hin und wieder mal ein Regenschauer, und dann

00:14:05.760 --> 00:14:07.110
<v Roman>langsames Ausreifen.

00:14:07.350 --> 00:14:09.270
<v Michael>Schieferlage, Schieflage.

00:14:09.270 --> 00:14:11.100
<v Michael>Hast du heute einen Clown gefrühstückt?

00:14:11.100 --> 00:14:14.700
<v Michael>Also die ich nehme jetzt mal die Schäfchenwolken und ziehe die da vor.

00:14:14.700 --> 00:14:19.290
<v Michael>Aber das war ja nicht der eigentliche Grund, warum du zu Von Volxem gefahren
bist.

00:14:19.500 --> 00:14:27.660
<v Michael>Du warst ja wegen Romans Sammlung von historischen Weinkarten vor Ort, also
Weinkarten im Sinne von Speisekarten.

00:14:27.990 --> 00:14:31.230
<v Michael>Was für Schätzchen hat er denn da in seiner Sammlung, Schätzchen?

00:14:31.860 --> 00:14:33.450
<v Tobias>Ja, das war wirklich klasse.

00:14:33.690 --> 00:14:37.020
<v Tobias>Ich habe keine Ahnung, wie und wo er die alle aufgetrieben hat.

00:14:37.230 --> 00:14:39.300
<v Tobias>Aber beeindruckend, sage ich dir.

00:14:39.300 --> 00:14:49.290
<v Tobias>Und da haben wir beispielsweise in eine Karte aus dem Ritz in Paris aus den
1920er-Jahren geschaut und er

00:14:49.290 --> 00:14:51.270
<v Tobias>hat ein bisschen darüber referiert.

00:14:51.840 --> 00:15:01.560
<v Roman>Zu sehen, dass im Ritz in Paris, ein Lafite, ein Latour und ein Haut-Brion lagen
bei 60, der Château Palmer aus Bordeaux lag bei 35, der Le Montrachet bei 35,

00:15:01.560 --> 00:15:10.920
<v Roman>45 Franc, und der Gottesfuß aus Wiltingen lag bei 70, und der Marcobrunn aus
dem Rheingau lag bei 140 Franc die Flasche.

00:15:11.100 --> 00:15:19.800
<v Roman>Selbst in Paris weniger nach dem Ersten Weltkrieg, waren die Weine zum Teil,
nicht immer, aber zum Teil in der Phase so zwischen 1890 und 1940 Jahren teurer

00:15:19.800 --> 00:15:20.970
<v Roman>als die teuersten Bordeauxs.

00:15:21.120 --> 00:15:27.780
<v Roman>Und das ist etwas, was gerade die Sommeliers aus Frankreich, aber eben auch in
der Welt, gerade in New York oder in der Neuen Welt immer wieder sehr

00:15:27.780 --> 00:15:28.470
<v Roman>fasziniert.

00:15:28.710 --> 00:15:31.800
<v Michael>Mann, oh Mann, da scheint ja einer wirklich in seinem Element zu sein.

00:15:31.800 --> 00:15:36.240
<v Michael>Und du hast diese Originalkarte in Händen gehalten oder durfte er das nur
machen?

00:15:36.870 --> 00:15:39.360
<v Tobias>Ne, ne, also ehrlich gesagt, wir haben gemeinsam reingeschaut.

00:15:39.360 --> 00:15:42.300
<v Tobias>Ich weiß gar nicht, vielleicht hätte sie mir tatsächlich nicht überlassen.

00:15:42.300 --> 00:15:43.620
<v Tobias>Das kann schon sein.

00:15:44.340 --> 00:15:46.140
<v Tobias>Aber ich muss noch mal weitermachen.

00:15:46.140 --> 00:15:54.270
<v Tobias>Weil er hatte auch noch eine Weinkarte aus dem Ritz-Carlton diesmal, und zwar
aus New York aus dem Jahre 1941.

00:15:54.480 --> 00:15:56.790
<v Tobias>Ja, das war schon mitten im Zweiten Weltkrieg.

00:15:57.210 --> 00:16:01.260
<v Roman>Die Großen Gewächse aus Bordeaux, alle für 3, 4, 5, 6 $ die Flasche.

00:16:01.260 --> 00:16:07.890
<v Roman>Dann kommt Burgund, dann sieht man 6 Weißweine aus Burgund und etwa 20 Rotweine
aus Burgund.

00:16:07.890 --> 00:16:12.910
<v Roman>An der Spitze ist Romanée-Conti, damals mit 7 und 8, was haben wir hier, ich
glaube, 8 $ die Flasche.

00:16:12.910 --> 00:16:20.440
<v Roman>Und auf der nächsten Seite sieht man dann einen Bernkasteler Doctor für 10 oder
auch einen Schloss Vollrads Cabinet, geschrieben noch für 8,50.

00:16:20.440 --> 00:16:29.050
<v Roman>Und das heißt, 6 Weißweinen aus Burgund stehen 53 Weine von der Mosel gegenüber
und aus dem Rheingau und Hessen und aus der Rhein-Ahr.

00:16:29.200 --> 00:16:31.810
<v Roman>Aber die dominierende Region war eben die Mosel.

00:16:32.110 --> 00:16:33.430
<v Michael>Na, jetzt bin ich aber beruhigt.

00:16:33.430 --> 00:16:36.790
<v Michael>Riesling ist also doch unser Nationalheld und ich glaube, nachdem...

00:16:36.790 --> 00:16:38.620
<v Tobias>Sorry, da muss ich jetzt gerade noch mal was sagen, ja?

00:16:38.830 --> 00:16:43.660
<v Tobias>Hast du das gerade gehört, dass der gesagt hat Romanée-Conti 8 $?

00:16:44.320 --> 00:16:53.740
<v Tobias>Ja, also, das ist schon, da habe ich irgendwie kurz Gänsehaut gekriegt, weil
das sind ja Weine, die fangen heutzutage bei einem 4-stelligen Eurobetrag grad

00:16:53.740 --> 00:16:56.770
<v Tobias>mal an, wenn man sie denn überhaupt zu kaufen bekommt.

00:16:56.830 --> 00:16:58.570
<v Tobias>Schon irre, aber sorry, ich wollte dich nicht stören.

00:16:58.570 --> 00:17:07.000
<v Michael>Ich war jetzt einfach überrascht von dem Verhältnis der deutschen Mosel oder der
deutschen Rieslingweine, sagen wir es mal so, zu den ganzen internationalen

00:17:07.000 --> 00:17:13.780
<v Michael>Größen. Und ich glaube jetzt, ich weiß, wovon der VDP-Präsident nachts träumt.

00:17:14.050 --> 00:17:19.060
<v Michael>Aber egal. Gut, Riesling ist dann eben doch unser Nationalheld.

00:17:19.060 --> 00:17:27.220
<v Michael>Also ich kenne das ja von anderen Weinkarten, von diesen tollen Luxuslinern,
die über den Atlantik geschippert sind, oder diesen berühmten, exklusiven

00:17:27.220 --> 00:17:30.160
<v Michael>Luxusreisezügen, die es gegeben hat.

00:17:30.490 --> 00:17:39.250
<v Michael>Ich weiß zum Beispiel auch, dass der Bernkasteler-Doctor-berg, also Mosel und
Riesling, um 1900 die teuerste Immobilie in Deutschland war.

00:17:39.250 --> 00:17:40.250
<v Tobias>Wahnsinn.

00:17:40.250 --> 00:17:49.480
<v Michael>Also noch mal nachgefragt: Galt der Prophet Riesling im eigenen Land damals
einfach mehr als heute?

00:17:49.480 --> 00:17:51.820
<v Michael>Denn am Ausland kann es nicht liegen.

00:17:51.850 --> 00:17:59.320
<v Michael>Also da ist, entschuldige bitte die saloppe Formulierung, da ist deutscher
Riesling ja nach wie vor Top of the Pop.

00:17:59.380 --> 00:18:02.830
<v Michael>Ja, und ich glaube, das ist auch noch mal ein wichtiges Stichwort.

00:18:02.830 --> 00:18:12.670
<v Michael>Denn vielleicht sollten wir jetzt mal diese ganze Riesling-Ehrfurcht auch
beiseitelassen, denn wir müssen ja daran denken, wir wollen ja Leute zum

00:18:12.670 --> 00:18:14.680
<v Michael>Rieslingwein trinken bringen.

00:18:14.710 --> 00:18:20.140
<v Michael>Also noch mal: Welches sind denn deine favorisierten Rieslingweine für
Einsteiger?

00:18:21.250 --> 00:18:30.460
<v Tobias>Ja, das ist eine super Frage, denn es sollte ja tatsächlich nicht gleich
irgendwie ein Großes Gewächs sein, ja, sondern ich glaube, es macht wirklich

00:18:30.460 --> 00:18:37.420
<v Tobias>Sinn, sich einem Wein zu nähern, der eben das Thema Säure mit dezenter Süße in
Gleichgewicht bringt.

00:18:37.600 --> 00:18:43.000
<v Tobias>Ja, also auch so ein bisschen als Beweisführung von dem, was wir jetzt hier die
ganze Zeit proklamieren.

00:18:43.000 --> 00:18:48.610
<v Tobias>Und da gibt es von Van Volxem auch ein tolles Beispiel, der heißt einfach VV.

00:18:49.030 --> 00:18:52.960
<v Tobias>Und das ist, sage ich mal, offiziell ein feinherber Riesling.

00:18:52.990 --> 00:18:58.270
<v Tobias>Ja, und den hat Roman Niewodniczanksi speziell für so eine jüngere Zielgruppe
gemacht.

00:18:59.320 --> 00:19:06.160
<v Tobias>Und ich sage mal, abseits der Mosel findet sich jetzt beispielsweise in
Rheinhessen ein echter Favorit von mir.

00:19:06.880 --> 00:19:16.780
<v Tobias>Da gibt es nämlich das biodynamische Weingut Schätzel und die haben einen super
gemachten VDP-Gutswein Riesling und mein Herz schlägt ja eh für

00:19:16.780 --> 00:19:26.710
<v Tobias>Gutsweine, weil ich finde, das sind so die Visitenkarte der VDP-Weingüter und
da bekommt man ein ganz, ganz tolles Preis-Genuss-Verhältnis.

00:19:27.310 --> 00:19:30.340
<v Tobias>Ja, und das wären wirklich meine klaren Empfehlungen für alle
Riesling-Einsteiger.

00:19:31.780 --> 00:19:37.810
<v Michael>Na, das Stichwort Preis-Genuss-Verhältnis finde ich jetzt genau richtig, denn
das darf man eben nicht aus dem Auge verlieren jetzt.

00:19:37.990 --> 00:19:41.770
<v Michael>Preis spielt immer eine Rolle, gerade in Deutschland, gerade auch beim Wein.

00:19:42.100 --> 00:19:48.070
<v Michael>Und wenn man jetzt irgendwie neue Anhänger für die Rebsorte werben will, dann
darf man das nicht außer Acht lassen.

00:19:48.070 --> 00:19:53.740
<v Michael>Denn ich glaube ganz ehrlich, denen ist das ganze historische Renommee
letztendlich dann egal.

00:19:54.070 --> 00:19:56.980
<v Michael>Für die muss es auch auf keinen Fall direkt ein Großes Gewächs sein.

00:19:56.980 --> 00:20:04.510
<v Michael>Also überhaupt jetzt noch mal nachgefragt: Welche Riesling-Genießergeneration
wächst denn jetzt eigentlich nach?

00:20:04.510 --> 00:20:07.960
<v Michael>Hat der Roman Niewodniczanski dazu auch eine Einschätzung?

00:20:08.080 --> 00:20:14.800
<v Tobias>Also als hättest du es jetzt gewusst, hat er mir dazu auch noch seine
Einschätzung geliefert.

00:20:14.800 --> 00:20:17.650
<v Tobias>Das war jetzt wirklich geradezu hellseherisch.

00:20:18.340 --> 00:20:21.010
<v Tobias>Da spiele ich dir jetzt auch noch mal was ein.

00:20:21.790 --> 00:20:29.950
<v Roman>Junge Leute, also alle zwischen 25 und 35, die einfach gerne gut kochen, die
eben nicht mehr die dicke Karre fahren mit einem V8-Motor, die sich nicht mehr

00:20:29.950 --> 00:20:38.230
<v Roman>profilieren über, die fahren keinen dicken, fetten Wagen mehr, sondern die
haben einen Leihwagen oder kommen mit der Bahn und die haben eine tolle Küche

00:20:38.230 --> 00:20:39.430
<v Roman>und die profilieren sich.

00:20:39.430 --> 00:20:47.710
<v Roman>Die tauschen hier oben Rezepte aus und begeistern sich an Bioprodukten,
begeistern sich an natürlichen Weinen, begeistern sich an Kochorgien.

00:20:47.710 --> 00:20:50.050
<v Roman>Und das ist das, was natürlich für unsere Weine toll ist.

00:20:50.080 --> 00:20:55.440
<v Roman>Natürlich kann ich nicht erwarten, dass jemand, der gerade seine Uni
abschließt, sich einen Wein, ein Großes Gewächs aus dem Scharzhofberg oder eben

00:20:55.440 --> 00:20:57.100
<v Roman>Altenberg für 60 € zu kaufen.

00:20:57.310 --> 00:21:04.810
<v Roman>Aber der fängt mit einem VV-Riesling oder mit einem Saar-Riesling an, der
kostet 10 € oder 12 € und 13 Euro und das sind Weine, die schon einen

00:21:04.810 --> 00:21:05.870
<v Roman>Riesentrinkspaß haben.

00:21:05.870 --> 00:21:09.020
<v Roman>Wir bemühen uns extrem um das Einstiegspreissegment.

00:21:09.200 --> 00:21:16.730
<v Roman>Ich bin davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Marke, ein erfolgreiches
Weingut muss Weine anbieten, die im Einstiegsbereich, die richtig viel Spaß

00:21:16.730 --> 00:21:18.500
<v Roman>machen. Also das ist eigentlich mit das Wichtigste.

00:21:18.800 --> 00:21:22.460
<v Tobias>Ja, also damit fasst er das jetzt eigentlich noch mal super zusammen.

00:21:22.880 --> 00:21:27.350
<v Tobias>Er hat auch eben den von mir schon zitierten VV erwähnt.

00:21:27.350 --> 00:21:34.700
<v Tobias>Und ja, deswegen glaube ich, können wir jetzt auch mal so das Hohelied auf die
ganzen Spitzenrieslinge außen vor lassen.

00:21:34.970 --> 00:21:44.930
<v Tobias>Denn wir wollen ja genau, dass diese Ehrfurcht eigentlich genommen wird, und
dass die Leute deswegen ein bisschen mutiger sich an Rieslingweine herantrauen.

00:21:45.170 --> 00:21:48.710
<v Tobias>Und ja, das geht eben auch ganz, ganz unverkrampft.

00:21:48.710 --> 00:21:52.760
<v Tobias>Oder, mein Kleiner, wie war das noch mal, mein kleiner Weißer vom Rhein?

00:21:53.330 --> 00:21:59.690
<v Michael>Huiuiuiuiui erstmal, ich bin ja ganz deiner Meinung, du Großes Gewächs der
Weinkritik.

00:22:00.470 --> 00:22:09.140
<v Michael>Aber das eigentliche Schlusswort, wenn es genau um dieses Thema geht und die
ganze Nerdigkeit mal beiseitegeschoben wird, steht trotzdem Roman

00:22:09.140 --> 00:22:10.550
<v Michael>Niewodniczanski zu, oder?

00:22:10.550 --> 00:22:16.700
<v Michael>Der bringt das mit dem Spaß am Riesling, so kann man es ja auch nennen, einfach
ungeheuer gut auf den Punkt.

00:22:16.700 --> 00:22:23.240
<v Tobias>Ja, absolut. Und jetzt haben wir doch irgendwie verraten, dass ich dich schon
vorher in meine O-Töne eingeweiht hatte.

00:22:23.270 --> 00:22:29.090
<v Tobias>Ist aber jetzt auch nicht weiter schlimm, das werden uns die Zuhörerinnen und
Zuhörer durchaus vergeben.

00:22:29.540 --> 00:22:39.500
<v Tobias>Wenn nicht, dann schreibt uns doch bitte einfach an podcast@weinfreunde.de für
alle Angelegenheiten, bei denen es darum geht, ob

00:22:39.500 --> 00:22:49.430
<v Tobias>euch etwas gefällt, auffällt oder auch missfällt im Bei Anruf Wein-Podcast aber
jetzt, wie vom Michael schon angekündigt

00:22:49.430 --> 00:22:54.920
<v Tobias>noch das wirkliche Riesling-Schlussgebet von Roman Niewodniczanski.

00:22:55.250 --> 00:23:00.590
<v Roman>Es gibt auf dieser Welt keinen Drink, der so viel Trinkspaß bereitet bei so
wenig Alkohol.

00:23:01.130 --> 00:23:08.000
<v Michael>Mein Gott, also wenn das so ist, freue ich mich ja umso mehr, wenn es das
nächste Mal wieder heißt.

00:23:08.000 --> 00:23:09.510
<v Tobias>Bei Anruf.

00:23:09.510 --> 00:23:10.510
<v Michael>Wein.