WEBVTT

00:00:02.650 --> 00:00:04.480
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:06.070 --> 00:00:07.660
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.630 --> 00:00:11.460
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde.

00:00:11.460 --> 00:00:12.720
<v Tobias>Mein Name ist Tobias.

00:00:12.720 --> 00:00:14.670
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein.

00:00:15.330 --> 00:00:20.280
<v Tobias>Glasflaschen sind seit Jahrhunderten das bevorzugte Behältnis für die
Aufbewahrung von Wein.

00:00:20.940 --> 00:00:23.100
<v Tobias>Doch Flasche ist nicht gleich Flasche.

00:00:23.430 --> 00:00:32.250
<v Tobias>Zum einen existieren unterschiedliche Flaschenformen und zum anderen weichen
viele hinsichtlich der Füllmenge vom 0,75-Liter-Standard ab.

00:00:32.790 --> 00:00:39.510
<v Tobias>Warum das so ist und welche Vorteile diese Vielfältigkeit mit sich bringt,
erörtere ich im heutigen Telefonat mit Michael.

00:00:40.170 --> 00:00:45.270
<v Tobias>Dazu passend gibt es in dieser Folge eine edle Magnumflasche in der Holzkiste
zu gewinnen.

00:00:45.780 --> 00:00:47.430
<v Tobias>Also bleibt mal dran.

00:00:47.640 --> 00:00:48.840
<v Tobias>Ich ruf den mal an!

00:00:54.120 --> 00:00:56.490
<v Michael>Hi, Tobias, du alte Flasche.

00:00:56.640 --> 00:00:58.200
<v Michael>Schön, dich in der Leitung zu haben.

00:00:58.680 --> 00:01:01.920
<v Michael>Hast du dich nach deinem Urlaub hier wieder eingewöhnt in unseren Gefilden?

00:01:01.920 --> 00:01:05.220
<v Michael>Fällt ja manchmal so ein bisschen schwer, sich im Alltag wieder
zurechtzufinden.

00:01:06.260 --> 00:01:07.000
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:01:07.000 --> 00:01:10.890
<v Michael>Aber du wirst bestimmt den passenden Wein dafür haben, denke ich.

00:01:11.010 --> 00:01:13.560
<v Tobias>Ja, aber was ist das denn jetzt erstmal für eine Begrüßung?

00:01:13.560 --> 00:01:22.470
<v Tobias>Alte Flasche? Also ich muss dich wohl nicht daran erinnern, zu wessen Gunsten
der enorme Altersunterschied zwischen uns beiden ausfällt, du

00:01:22.590 --> 00:01:24.060
<v Tobias>Methusalem, du!

00:01:24.420 --> 00:01:25.830
<v Michael>Oh, das schon wieder.

00:01:26.160 --> 00:01:29.760
<v Michael>Mensch, das war doch nur ganz lieb und herzlich gemeint.

00:01:29.760 --> 00:01:34.590
<v Michael>Also, oder trinkst du etwa nicht lieber die alten Flaschen aus deinem Keller?

00:01:34.620 --> 00:01:41.490
<v Michael>Hm? Also, hinter meiner Flapsigkeit, zugegeben, verbirgt sich also eine
grandiose Wertschätzung deiner Person.

00:01:41.700 --> 00:01:43.020
<v Michael>Ja, das wollen wir nicht verschweigen.

00:01:43.560 --> 00:01:48.180
<v Michael>Zudem wollte ich eigentlich nur eine kleine Überleitung zu unserem heutigen
Thema schaffen.

00:01:48.210 --> 00:01:49.230
<v Tobias>Ja, ja, alles gut.

00:01:49.230 --> 00:01:55.800
<v Tobias>Aber den Methusalem, den lasse ich jetzt erst mal stehen, denn der Begriff hat
ebenfalls was mit unserem Thema heute zu tun.

00:01:56.040 --> 00:02:04.250
<v Tobias>Denn es geht ja um Flaschen, genauer gesagt um die unterschiedlichen Formen von
Weinflaschen sowie um die verschiedenen Flaschengrößen.

00:02:04.250 --> 00:02:13.710
<v Michael>Genau. Und damit passt eigentlich diese Podcastfolge jetzt sehr gut zu unserem
Gespräch, das war, glaube ich, Folge 29 über Naturkorken und Schraubverschluss.

00:02:14.040 --> 00:02:19.530
<v Michael>Denn die Karriere von Flasche und Korken, sage ich jetzt mal, gehen quasi Hand
in Hand.

00:02:19.740 --> 00:02:22.290
<v Michael>Das eine macht ja ohne das andere nicht so richtig Sinn.

00:02:22.470 --> 00:02:31.980
<v Michael>Und die technische Möglichkeit, Flaschen im großen Maßstab quasi industriell
herzustellen, hat dann für den entscheidenden großen Schub

00:02:31.980 --> 00:02:35.820
<v Michael>gesorgt. Seitdem hängen wir an der Flasche, kann man so sagen.

00:02:37.110 --> 00:02:43.800
<v Tobias>Ja. Und man muss ja sagen: Zuvor wurden die Flaschen mundgeblasen, also viel,
viel aufwendiger, als das heute passiert.

00:02:44.130 --> 00:02:47.550
<v Tobias>Aber auch die Form der ersten Flasche hat das natürlich beeinflusst.

00:02:47.700 --> 00:02:57.120
<v Tobias>Also die Vorfahren unserer heutigen 0,75-Liter-Flaschen, die fielen allesamt
etwas bauchiger aus, eben weil sie mundgeblasen waren.

00:02:57.120 --> 00:03:03.750
<v Tobias>Und das wiederum war beim Transport und vor allem auch dem Lagern in der
Horizontalen sozusagen eher unpraktisch.

00:03:03.900 --> 00:03:05.610
<v Tobias>Da kippelten die die ganze Zeit.

00:03:05.820 --> 00:03:09.780
<v Tobias>Und so entwickelten sich die uns heute bekannten Flaschenformen.

00:03:09.780 --> 00:03:11.340
<v Tobias>So kann man das eigentlich zusammenfassen.

00:03:11.550 --> 00:03:18.750
<v Michael>Hm. Aber ich denke, dass neben der Technik, über die wir jetzt gesprochen haben,
auch so was wie Marketing eine Rolle spielt.

00:03:19.380 --> 00:03:28.770
<v Michael>Die besten Weinregionen setzen nämlich bald auf eine einheitliche Flaschenform,
um damit ganz unmissverständlich zu signalisieren: Herkunft,

00:03:28.770 --> 00:03:30.480
<v Michael>Güte, das sind wir.

00:03:30.900 --> 00:03:32.910
<v Michael>Das funktioniert letztlich bis heute ja so.

00:03:33.030 --> 00:03:38.610
<v Michael>Die Nase ganz vorn, in diesem Sinne, hat übrigens dein so heißgeliebtes Burgund
ja.

00:03:39.150 --> 00:03:42.810
<v Michael>Sie setzen als Erste konsequent auf die eigene Flaschenform.

00:03:43.200 --> 00:03:46.560
<v Michael>Also fangen wir doch mit der Burgunderflasche an.

00:03:46.560 --> 00:03:48.570
<v Michael>Tobias, das ist jetzt dein Einsatz.

00:03:48.900 --> 00:03:50.130
<v Tobias>Ja, sehr, sehr gerne.

00:03:50.130 --> 00:03:55.650
<v Tobias>Ja, also die heute als Burgunderflasche bezeichnete Flaschenform gibt es
bereits seit der 1.

00:03:55.650 --> 00:03:56.910
<v Tobias>Hälfte des 19.

00:03:56.910 --> 00:04:03.210
<v Tobias>Jahrhunderts. Und man kann sagen, so ab 1850 startet die Idee der einheitlichen
Flasche dann richtig durch.

00:04:03.690 --> 00:04:08.400
<v Tobias>Die Flasche selbst wird so zu einem echten Statement, du hast es ja schon
erwähnt.

00:04:09.210 --> 00:04:13.320
<v Tobias>Und andere Regionen und Winzer springen dann auch mit auf den Zug auf.

00:04:13.470 --> 00:04:23.280
<v Tobias>Und so lässt sich dann eigentlich auch erklären, dass in anderen Weinländern
ebenfalls Weine, die auf Pinot Noir oder Chardonnay setzen, eigentlich

00:04:23.280 --> 00:04:26.700
<v Tobias>grundsätzlich in der Burgunderflasche abgefüllt werden.

00:04:26.790 --> 00:04:36.300
<v Tobias>Also denk nur mal an deutsche Spätburgunder und andere Appellation wie Barolo
oder Barbaresco in Italien, verwenden die Flaschenform ebenfalls.

00:04:36.450 --> 00:04:41.880
<v Tobias>Dann natürlich ganz ohne Pinot Noir und dafür mit dem berühmten Nebbiolo.

00:04:41.880 --> 00:04:50.400
<v Tobias>Und ich meine, noch viel naheliegender: Denk an unsere geliebte Rhône mit den
leckeren, vorzüglichen Syrah- und Grenache-Cuvées.

00:04:50.760 --> 00:04:54.300
<v Tobias>Die sind auch alle in der Burgunderflasche abgefüllt.

00:04:54.390 --> 00:04:59.370
<v Tobias>Also da mag es vielleicht die ein oder andere Ausnahme geben, aber auch da
findet man diese Flaschenform.

00:04:59.490 --> 00:05:08.730
<v Michael>Okay, also klarer Vorteil beim Stapeln im Weinkeller, lernen wir, wenngleich
mehrere Topregionen dieselbe Flaschenform benutzen.

00:05:09.390 --> 00:05:10.530
<v Michael>Ja, ne, Scherz.

00:05:10.530 --> 00:05:12.540
<v Michael>Also zumindest ein halber, ja.

00:05:12.540 --> 00:05:15.840
<v Michael>Aber wie würdest du denn eine Burgunderflasche beschreiben?

00:05:15.840 --> 00:05:22.950
<v Michael>Also bei den Flaschen spricht man ja gerne von Hals und Schultern oder auch vom
Bauch, wenn es um die Form geht.

00:05:23.040 --> 00:05:24.270
<v Tobias>Ja, prinzipiell schon.

00:05:24.270 --> 00:05:33.600
<v Tobias>Aber gerade die Burgunderflasche hat nun keine richtigen Schultern, sondern
fällt vom eher kurzen Hals schwungvoll zum Flaschenboden ab.

00:05:33.690 --> 00:05:38.280
<v Tobias>Und ja, die Burgunderflasche wird daher oft als dickbauchig beschrieben.

00:05:38.280 --> 00:05:40.440
<v Tobias>Das kommt dir bestimmt bekannt vor.

00:05:41.580 --> 00:05:44.310
<v Tobias>Ich selbst sehe mich ja eher als Bordeauxflasche.

00:05:44.340 --> 00:05:49.110
<v Tobias>Ja, und dann merkt man irgendwie mal wieder, wie gut wir uns eigentlich
ergänzen, oder?

00:05:49.110 --> 00:05:50.790
<v Michael>Ja, danke, danke für die Blumen, Tobias.

00:05:50.790 --> 00:05:53.550
<v Michael>Ich nehme jetzt einfach nur mal das Stichwort Bordeaux auf.

00:05:53.550 --> 00:06:02.220
<v Michael>Also im Bordeaux hatte man ja auch mitbekommen, wie gut eigentlich diese Idee
einer markanten eigenen Flaschenform funktionierte.

00:06:02.550 --> 00:06:10.530
<v Michael>Und natürlich kam es für die bordelaiser Weingüter überhaupt nicht infrage,
ihren Wein jetzt in Burgunderflaschen zu füllen.

00:06:10.530 --> 00:06:20.220
<v Michael>Also musste eine neue Flasche her, oder anders gesagt, eine neue Flaschenform
und dann auch am besten gleich die ganze Weinregion als Namen mit auf den Weg

00:06:20.220 --> 00:06:23.220
<v Michael>geben. Also das ist die Geburt der Bordeauxflasche.

00:06:23.520 --> 00:06:31.530
<v Michael>Eigentlich dasselbe Muster wie bei der Burgunderflasche, also von der
Entstehung, und mit mindestens genauso viel internationaler Ausstrahlung.

00:06:31.680 --> 00:06:41.640
<v Michael>Also wo immer auf der großen, weiten Weinwelt Cabernet Sauvignon, Merlot oder
eben eine Bordeaux-Cuvée abgefüllt werden, ist die Bordeauxflasche erste Wahl.

00:06:41.790 --> 00:06:46.620
<v Tobias>Ja, und diese Flaschenform weicht ja deutlich auch von der Burgunderflasche ab.

00:06:46.620 --> 00:06:51.000
<v Tobias>Ich denke mal, das war ja dann auch wichtig, um sich ja auch zu differenzieren.

00:06:51.300 --> 00:06:59.640
<v Tobias>Und die Bordelais, wie sie auch genannt wird, die hat recht ausgeprägte
Schultern, ist dafür aber ganz gerade.

00:06:59.820 --> 00:07:07.530
<v Tobias>Es gibt auch manche, die sind sogar leicht konisch, aber sie wirkt auf jeden
Fall viel schlanker als die Verwandte aus dem Burgund, hat aber trotzdem

00:07:07.530 --> 00:07:08.850
<v Tobias>natürlich die gleiche Füllmenge.

00:07:09.270 --> 00:07:13.290
<v Tobias>Erwähnenswert ist dabei vielleicht noch die Wölbung nach innen im
Flaschenboden.

00:07:14.160 --> 00:07:19.350
<v Tobias>Sie dient angeblich dafür, um mögliche Ablagerungen im Wein am Boden zu halten.

00:07:19.500 --> 00:07:25.020
<v Tobias>Aber ich kann mir auch vorstellen, dass das eher so ein zufälliger
Begleiteffekt des Designs ist.

00:07:26.520 --> 00:07:33.120
<v Tobias>Das wäre doch auch was für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, die an unserem
Gewinnspiel zum heutigen Podcast teilnehmen möchten, oder?

00:07:33.150 --> 00:07:34.350
<v Tobias>Fällt mir jetzt nur gerade ein.

00:07:35.100 --> 00:07:40.710
<v Tobias>Also sagen wir mal, wer von euch weiß etwas über die Geburtsstunde von
Burgunder- und Bordeauxflasche?

00:07:40.710 --> 00:07:45.330
<v Tobias>Oder ja, was habt ihr sonst Besonderes zu Flaschenformen und -größen zu
berichten?

00:07:46.260 --> 00:07:56.070
<v Tobias>Denn heute, wieder echte Überraschung, finde ich, dazu passend gibt es immerhin
eine Magnum des Sessantanni Primitivo di Manduria von San

00:07:56.070 --> 00:07:58.020
<v Tobias>Marzano in Apulien zu gewinnen.

00:07:58.440 --> 00:08:08.280
<v Tobias>Und was ich besonders schmuck finde, ist: Der Wein kommt mit Original-Holzkiste
und 99 Luca-Maroni-Punkten, mehr

00:08:08.280 --> 00:08:14.310
<v Tobias>als die vergibt der gute Mann gar nicht, zur Gewinnerin oder zum Gewinner frei
Haus sozusagen.

00:08:15.150 --> 00:08:24.870
<v Tobias>Ihr könnt uns wie immer per Mail an podcast@weinfreunde.de schreiben oder den
entsprechenden Post zu der Podcastfolge auf Facebook und Instagram kommentieren.

00:08:24.870 --> 00:08:27.120
<v Tobias>Geht also nach wie vor total einfach.

00:08:27.120 --> 00:08:30.870
<v Tobias>Und ja, eure Zuschriften und Kommentare interessieren uns auch wirklich.

00:08:30.870 --> 00:08:39.810
<v Michael>Allerdings so ist es. Und auch, wenn es um Vorschläge geht zu Themen, zu Kritik
oder zu Korrekturen, immer her damit.

00:08:39.840 --> 00:08:49.350
<v Michael>Ja, und damit sind wir eigentlich schon beim Gewinner der vergangenen Runde,
als es eigentlich thematisch um die Ahr und das VDP-Weingut Burggarten

00:08:49.350 --> 00:08:50.220
<v Michael>ging.

00:08:50.220 --> 00:08:50.580
<v Tobias>Genau.

00:08:50.580 --> 00:08:57.480
<v Michael>Dabei hat jetzt der Stefan, also Stefan, der Siegreiche, aus Homburg, nicht
einmal was über die Ahr geschrieben.

00:08:57.660 --> 00:09:03.150
<v Michael>Vielmehr hat er uns auf einen Fehler in der Loire-Folge aufmerksam gemacht.

00:09:03.480 --> 00:09:07.920
<v Michael>Stichwort wäre hier, „Das ist das östlichste Anbaugebiet Frankreichs".

00:09:07.920 --> 00:09:08.850
<v Tobias>Ja, ja, ja.

00:09:08.850 --> 00:09:13.020
<v Michael>Und er hat uns auch noch einmal geholfen bei der Datierung der Bag-in-Box.

00:09:13.020 --> 00:09:16.890
<v Michael>Also solche Aufmerksamkeit loben wir uns.

00:09:16.890 --> 00:09:23.550
<v Michael>Vielen Dank dafür, Stefan, und ordentlich Spaß mit dem Blanc de Noir und dem
Frühburgunder von Burggarten.

00:09:23.790 --> 00:09:28.110
<v Tobias>Ja, man könnte auch anders formulieren: viel Spaß mit der Burgunder- und der
Schlegelflasche.

00:09:29.430 --> 00:09:33.090
<v Tobias>Ja, denn gerade Letztere müssen wir in Deutschland natürlich kennen.

00:09:33.210 --> 00:09:42.930
<v Tobias>Ja, also so kurz nach 1900, hier sind wir wieder so zeitlich unterwegs wurde
die Schlegelflasche an Rhein und Mosel, später dann aber auch im Elsass

00:09:42.930 --> 00:09:49.440
<v Tobias>eingeführt. Und inzwischen kann man sagen, ist sie die weitest verbreitete
Weißweinflasche im deutschsprachigen Raum.

00:09:49.830 --> 00:09:54.570
<v Tobias>Also jeder Riesling wird eben aus dieser Flasche kredenzt.

00:09:55.350 --> 00:10:04.140
<v Tobias>Sie ist deutlich höher als ihre Konkurrentin, ungefähr so schlank wie eine
Bordeauxflasche, hat aber ebenso wenig Schulter wie eine Burgunderflasche.

00:10:04.350 --> 00:10:06.750
<v Tobias>Also wirklich so eine ganz schlanke Form.

00:10:06.960 --> 00:10:12.450
<v Tobias>Und eben schon erwähnt, ihr Statement heißt absolut eindeutig: Riesling.

00:10:12.450 --> 00:10:16.470
<v Tobias>Das ist zumindest der Ursprung und bis heute international verstandenes
Merkmal.

00:10:17.970 --> 00:10:25.530
<v Tobias>Wusstest du übrigens, dass die Schlegelflaschen für Riesling vom Rhein braun
sind, hingegen die Moselrieslinge in Grün daherkommen?

00:10:26.940 --> 00:10:28.290
<v Michael>Ehrlich gesagt, ja.

00:10:28.830 --> 00:10:34.350
<v Michael>Aber weißt du eigentlich, wie man die Schlegelflasche oft auch im Englischen
bezeichnet?

00:10:35.430 --> 00:10:40.380
<v Tobias>Hui, oh, die sagen wahrscheinlich einfach Schlegel-Bottle oder so was.

00:10:40.380 --> 00:10:44.550
<v Tobias>Oder sagen einfach irgendwie so traditionell high bottle, oder so was.

00:10:44.580 --> 00:10:53.160
<v Michael>Ja, ja, das ist jetzt schon gar nicht so verkehrt, aber denke mal an unseren
Podcast über kuriose und historische Namen von Weinbergen und Weinlagen.

00:10:53.520 --> 00:10:58.620
<v Michael>Da tauchte doch der „Hock" auf, also der englische Kosename für Riesling aus
Hochheim.

00:10:59.910 --> 00:11:07.080
<v Michael>Da der natürlich in der Schlegelflasche abgefüllt wird, trägt diese
Flaschenform auch den Namen Hock Bottle.

00:11:07.230 --> 00:11:11.190
<v Tobias>Och, das merke ich mir aber jetzt mal, das ist eine tolle Geschichte, die kannte
ich noch nicht.

00:11:12.330 --> 00:11:20.040
<v Tobias>Allerdings, die wird noch von einer anderen, ganz typischen deutschen, genauer
gesagt, fränkischen Flaschenform getoppt.

00:11:20.070 --> 00:11:23.880
<v Tobias>Ja, du ahnst es, wir kommen jetzt endlich zum Bocksbeutel.

00:11:23.910 --> 00:11:28.560
<v Tobias>Ja, den gibt es nämlich schon ganz, ganz sicher seit 1728.

00:11:28.560 --> 00:11:33.450
<v Tobias>Da wurde diese Flasche urkundlich erwähnt und ich glaube sogar abgebildet.

00:11:33.450 --> 00:11:38.790
<v Tobias>Und auch hier hatte die besondere Flaschenform den Zweck, vor Fälschern und
Weinpanschern zu schützen.

00:11:38.850 --> 00:11:45.270
<v Tobias>Ja, und zuerst war es übrigens das Würzburger Bürgerspital, das mit den neuen
Flaschen arbeitete.

00:11:45.540 --> 00:11:46.860
<v Tobias>Gibt es ja heute auch noch.

00:11:47.010 --> 00:11:54.450
<v Tobias>Und mittlerweile ist der Bocksbeutel gemeinsam mit dem Silvaner eigentlich das
Markenzeichen der Weinregion Franken schlechthin.

00:11:54.840 --> 00:11:58.890
<v Tobias>So, wie diese Flasche, sieht einfach keine andere in Deutschland aus.

00:11:58.890 --> 00:12:01.410
<v Tobias>Das finde ich, ist schon ziemlich interessant.

00:12:01.620 --> 00:12:08.580
<v Michael>In Deutschland nicht, aber in Portugal gibt es einige Roséweine, die gleichfalls
in diese Flaschenform kommen.

00:12:08.970 --> 00:12:10.500
<v Michael>Ich möchte jetzt keine Namen nennen.

00:12:11.250 --> 00:12:20.460
<v Michael>Nun liegen portugiesischer Rosé und fränkischer Weißwein tatsächlich ja weit
auseinander, aber dadurch war letztlich dieses Alleinstellungsmerkmal

00:12:20.490 --> 00:12:22.140
<v Michael>ärgerlicherweise dahin.

00:12:22.560 --> 00:12:24.270
<v Michael>Das hat sich jetzt gerade geändert.

00:12:24.270 --> 00:12:31.650
<v Michael>Man hat vor wenigen Jahren ein Redesign des Bocksbeutels durchgeführt und den
dann ein klein wenig kantiger gemacht.

00:12:31.890 --> 00:12:41.700
<v Michael>Und nun ist die Flaschenform wirklich einzigartig fränkisch und lässt sich, nur
am Rande erwähnt, dank flacher Vorder- und Rückseite

00:12:41.880 --> 00:12:43.380
<v Michael>auch besser stapeln, ja?

00:12:44.250 --> 00:12:44.900
<v Tobias>Du mit deinem Stapeln.

00:12:44.900 --> 00:12:49.800
<v Michael>Aber, mein werter Weinfreund, du bist uns nur noch die Geschichte zum Namen des
Bocksbeutels schuldig.

00:12:49.920 --> 00:12:51.270
<v Tobias>Ja, vielleicht noch mal vorab.

00:12:51.300 --> 00:12:56.040
<v Tobias>Also Bocksbeutel hat ja für viele noch so was sehr, ja, fast Folkloristisches,
ja.

00:12:56.910 --> 00:13:00.540
<v Tobias>Ich finde aber gerade jetzt diese etwas modernere Bocksbeutelform echt
gelungen.

00:13:01.410 --> 00:13:06.750
<v Tobias>Und mir macht vor allem auch das Ausschenken aus dem Bocksbeutel
unwahrscheinlich viel Spaß.

00:13:06.750 --> 00:13:09.960
<v Tobias>Also man kann die irgendwie ganz anders halten, auch so mit einer Hand.

00:13:09.960 --> 00:13:11.880
<v Tobias>Das ist irgendwie extrem griffig.

00:13:12.360 --> 00:13:15.300
<v Tobias>Ja, finde ich wirklich einen Versuch wert.

00:13:15.300 --> 00:13:24.300
<v Tobias>Also ich habe es ja schon sehr häufig in diesem Podcast gesagt, Silvaner
trinken lohnt ohnehin, und dann auch gerne im Bocksbeutel.

00:13:24.300 --> 00:13:28.650
<v Tobias>Und genau, die Geschichte zum Namen ist sowieso lohnenswert.

00:13:29.280 --> 00:13:32.910
<v Tobias>Beginnen wir mal mit der harmlosen, nüchternen Erklärung.

00:13:33.150 --> 00:13:36.330
<v Tobias>Demnach ist der Bocksbeutel einer Feldflasche nachempfunden.

00:13:36.480 --> 00:13:40.160
<v Tobias>Das kann man ja aufgrund der Form durchaus nachvollziehen.

00:13:40.160 --> 00:13:45.960
<v Tobias>Oder der Name leitet sich vom niederdeutschen Bücherbeutel, dem Bocksbüdel ab.

00:13:46.140 --> 00:13:55.620
<v Tobias>Ja, aber ich muss ja sagen, am anschaulichsten finde ich die Erklärung, die auf
die Form des Hodensacks eines Ziegenbocks anspielt.

00:13:55.650 --> 00:13:58.680
<v Tobias>Ja, also Bocksbeutel halt.

00:13:58.710 --> 00:14:00.720
<v Tobias>Ja, klingt doch irgendwie passend, oder?

00:14:01.770 --> 00:14:02.820
<v Michael>Och, keine Ahnung.

00:14:02.820 --> 00:14:06.030
<v Michael>Ich bin mit dem Intimbereich von Ziegen nicht so richtig vertraut.

00:14:07.140 --> 00:14:09.480
<v Michael>Das finde ich nicht so prickelnd.

00:14:10.470 --> 00:14:15.240
<v Michael>Ne, ich möchte jetzt mal ganz elegant auf die Champagnerflasche ablenken.

00:14:15.240 --> 00:14:15.690
<v Tobias>Oh ja, sehr gut.

00:14:15.690 --> 00:14:17.490
<v Michael>Die fehlt uns nämlich noch unbedingt in dieser Liste.

00:14:17.490 --> 00:14:24.570
<v Michael>Also von der Form her erinnert sie auch so an die Burgunderflasche, fällt aber
deutlich schwerer und auch größer aus.

00:14:24.960 --> 00:14:26.730
<v Michael>Auch der Hals ist etwas länger.

00:14:26.910 --> 00:14:36.900
<v Michael>Ganz typisch, da gibt es auch eine ganz starke Wölbung unten im Flaschenboden
und die dient eben nicht nur dazu, besonders galant einschenken zu können, indem

00:14:36.900 --> 00:14:40.260
<v Michael>man mit den Daumen hineingreift und in einer Hand die Flasche halten kann.

00:14:40.260 --> 00:14:49.950
<v Michael>Nein, alle diese Merkmale sind letztendlich den Besonderheiten des Schaumweins
und, sagen wir mal, seinem größeren Druck auf der Flasche, aber

00:14:49.950 --> 00:14:54.180
<v Michael>auch bestimmten Schritten während des Produktionsprozesses geschuldet.

00:14:54.420 --> 00:15:01.750
<v Michael>Ich sage jetzt mal, Flaschengärung ist ein Stichwort, ein zweites ist der
Verweis auf unsere Schaumweinfolge, ja?

00:15:01.750 --> 00:15:09.420
<v Tobias>Ja genau. Und man sagt auch, die tiefe Einwölbung im Flaschenboden hat auch
etwas mit dem Hefedepot zu tun.

00:15:09.600 --> 00:15:18.030
<v Tobias>Das ist ja bei der traditionellen Flaschengärung wichtig und dadurch bekommt
das wohl eine größere Oberfläche und somit kann es sich eben auch besser

00:15:18.030 --> 00:15:22.980
<v Tobias>entfalten, mehr eben auch die Wirkung in Richtung des Weines abgeben.

00:15:23.250 --> 00:15:32.940
<v Tobias>Zudem heißt ja Flaschengärung auch immer rütteln, ja Rüttelpult, Französisch
auch Remuage, und in diesem Prozess konnte man durch das

00:15:32.940 --> 00:15:41.640
<v Tobias>Ineinanderstecken des Halses der einen Flasche in den Boden der anderen dieses
aufwendige, händische Rütteln etwas effizienter machen.

00:15:41.850 --> 00:15:46.650
<v Tobias>Also man hat quasi direkt mehrere Flaschen auf einmal drehen können.

00:15:46.740 --> 00:15:52.140
<v Tobias>Und ja, diese Flaschenform nennt man übrigens auch einfach Champenoise.

00:15:52.400 --> 00:16:00.650
<v Tobias>Und allein das hohe Gewicht sollte jeder und jedem schon mal aufgefallen sein,
denn die Glaswand, du hast es ja gerade auch schon angedeutet, ist wegen der

00:16:00.650 --> 00:16:04.580
<v Tobias>Druckverhältnisse deutlich dicker und damit die ganze Flasche merklich
schwerer.

00:16:06.170 --> 00:16:14.540
<v Tobias>Der Großteil der Champagnerflaschen ist übrigens grün, aber es gibt auch weiße
Exemplare, insbesondere bei den Roséschaumweinen, damit man das besser

00:16:14.540 --> 00:16:24.350
<v Tobias>unterscheiden kann. Die kommen aber dann nicht selten in einer speziell
gefärbten Schutzfolie daher, damit der edle Inhalt nicht durch Lichteinstrahlung

00:16:24.350 --> 00:16:25.460
<v Tobias>Schaden nimmt.

00:16:25.460 --> 00:16:27.470
<v Tobias>Aber na ja, das führt jetzt zu weit.

00:16:27.950 --> 00:16:31.000
<v Michael>Ich glaube, jetzt reicht es auch mit den Flaschenformen, oder?

00:16:31.000 --> 00:16:31.910
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:16:31.910 --> 00:16:41.330
<v Michael>Also klar, wir könnten noch was über die traditionelle italienische Korbflasche
Fiasco, daher kommt tatsächlich das Wort sagen, oder ja, die

00:16:41.330 --> 00:16:48.290
<v Michael>Sachsenkeule ansprechen und all die unterschiedlichen interessanten
Sonderformen, die es ja mittlerweile gibt.

00:16:48.590 --> 00:16:53.510
<v Michael>Aber ich glaube, es wird Zeit, dass wir uns endlich mal den Flaschengrößen
zuwenden.

00:16:54.230 --> 00:16:57.350
<v Tobias>Ja, also das mit den Flaschengrößen finde ich jetzt auch interessanter.

00:16:57.710 --> 00:17:01.760
<v Tobias>Am besten, wir beginnen einfach mal mit dem Standard, der uns so vertrauten
0,75-Liter-Flasche.

00:17:04.130 --> 00:17:09.980
<v Tobias>Dazu muss man wissen, dass diese Menge erst seit 1975 in der EU verpflichtend
vorgegeben ist.

00:17:10.130 --> 00:17:19.910
<v Tobias>Also anders ausgedrückt, ja, früher changierte das so ein bisschen zwischen 700
ml und 750 ml, und bei ganz alten Bordeaux-Jahrgängen kann man

00:17:19.910 --> 00:17:24.500
<v Tobias>auch durchaus noch 0,73-Liter-Flaschen finden.

00:17:24.650 --> 00:17:26.600
<v Tobias>Also da sollte man sich nicht wundern.

00:17:26.840 --> 00:17:34.340
<v Michael>Ja, ja, aber interessant sind ja auch die Herleitungen, warum es denn nun gerade
0,75 Liter geworden sind.

00:17:34.340 --> 00:17:35.270
<v Tobias>Ja, das stimmt.

00:17:35.270 --> 00:17:37.390
<v Michael>Und ein voller Liter oder ein halber Liter, ne?

00:17:37.390 --> 00:17:47.090
<v Michael>Da gibt es jetzt zum Beispiel eine Idee, die sagt, römische Legionäre, die
hatten täglich 3 sogenannte Acetabulum zum

00:17:47.090 --> 00:17:54.230
<v Michael>Trinken. Das ist ein kleines Gefäß, allerdings nicht aus Glas, von etwa 250 ml.

00:17:54.380 --> 00:17:59.000
<v Michael>Ja, und diese mal 3 genommen macht 0,75 Liter.

00:17:59.030 --> 00:18:01.310
<v Michael>Also das ist Version 1.

00:18:01.790 --> 00:18:11.570
<v Michael>Alternativ habe ich noch - Achtung, aufgepasst - die Lungenkraft der Glasbläser
reichte in vorindustrieller Zeit einfach

00:18:11.570 --> 00:18:14.630
<v Michael>nicht aus, um größere Flaschen zu machen.

00:18:14.960 --> 00:18:20.030
<v Michael>Also denen ging bei 0,75 Litern quasi die Puste aus.

00:18:20.030 --> 00:18:21.200
<v Tobias>Das kann ich mir nicht vorstellen.

00:18:21.200 --> 00:18:27.890
<v Michael>Und zum Schluss noch, finde ich jetzt auch interessant, so eine eher, sagen wir
mal, logistische Herleitung.

00:18:28.070 --> 00:18:35.600
<v Michael>Ja, und demnach sind die 0,75 Liter eine metrische Anpassung auf die britische
Gallone.

00:18:36.710 --> 00:18:45.050
<v Michael>Aus Gewichtsgründen war nämlich damals eine Transportkiste auf 2 britische
Gallonen begrenzt.

00:18:45.050 --> 00:18:46.220
<v Michael>Mehr durfte da nicht rein.

00:18:46.400 --> 00:18:48.470
<v Michael>So, und jetzt müssen wir noch mal rechnen.

00:18:48.800 --> 00:18:57.080
<v Michael>12 Flaschen pro Kiste ergeben tatsächlich 2 britische Gallonen, sprich 9 Liter.

00:18:57.320 --> 00:19:02.750
<v Michael>Also wiederum geteilt bist du beim Ergebnis: Flasche 0,75 Liter.

00:19:03.170 --> 00:19:07.820
<v Tobias>Wow. Also das ist jetzt für mich eigentlich die überzeugendste Erklärung, aber
wer weiß.

00:19:08.060 --> 00:19:09.440
<v Tobias>Wir rechnen einfach mal weiter.

00:19:09.590 --> 00:19:19.040
<v Tobias>Also wer die 0,75-Liter-Flasche als den Standard kennt, versteht die 0,375
Liter Füllmenge bei den sogenannten halben Flaschen

00:19:19.040 --> 00:19:26.960
<v Tobias>sofort. Und genauso einfach ist es mit der Magnum, weil das ist einfach das
Doppelte des Standards, also 1,5 Liter.

00:19:26.960 --> 00:19:30.260
<v Tobias>Und Doppelmagnum logischerweise dann 3 Liter.

00:19:31.040 --> 00:19:40.760
<v Tobias>Ja, aber danach, wie es dann ja leider häufig in der Weinwelt ist, wird es
etwas unübersichtlich, weil es für dieselben Großformate im Bordeaux, Burgund

00:19:40.760 --> 00:19:43.640
<v Tobias>und in der Champagne unterschiedliche Namen gibt.

00:19:43.790 --> 00:19:52.100
<v Tobias>Daran zeigt sich auch wieder, gerade Bordeaux und Burgund, die sind sich halt
nicht so wirklich grün und da geht es halt eben dann schon mit der

00:19:52.100 --> 00:19:55.400
<v Tobias>Einheitlichkeit in Sachen Flaschenform nicht so wirklich.

00:19:55.550 --> 00:19:59.450
<v Tobias>Und ja, bei den Größen anscheinend auch nicht.

00:19:59.750 --> 00:20:05.630
<v Tobias>Denn, ja, es existieren unter dem selben Namen sogar unterschiedlich große
Flaschen.

00:20:06.140 --> 00:20:14.870
<v Tobias>Also pass mal auf: Da heißt beispielsweise die 3-Liter-Flasche im Bordeaux
Doppelmagnum, logisch, hatten wir gerade, im Burgund sowie in der Champagne

00:20:14.870 --> 00:20:16.460
<v Tobias>allerdings Jeroboam.

00:20:17.000 --> 00:20:25.670
<v Tobias>Ja, und Jeroboam ist hingegen im Bordelais die Bezeichnung für eine 5-
Liter-Flasche, also für ein Format, das es im Burgund gar nicht gibt.

00:20:26.510 --> 00:20:27.860
<v Tobias>Überhaupt nicht verwirrend. Nein, nein.

00:20:28.280 --> 00:20:30.260
<v Michael>Ne, überhaupt nicht.

00:20:30.260 --> 00:20:35.240
<v Michael>Aber du hast mich ja zu Beginn als Methusalem lächerlich machen wollen.

00:20:35.840 --> 00:20:42.480
<v Michael>Aber im Burgund und in der Champagne verbindet man damit eben eine Flasche von
6 Litern, weißt du?

00:20:42.480 --> 00:20:45.440
<v Michael>Und das gefällt mir, deshalb konnte ich dir auch nicht so richtig böse sein.

00:20:45.500 --> 00:20:46.400
<v Tobias>Das kann ich mir vorstellen.

00:20:46.400 --> 00:20:51.110
<v Michael>Aber noch einmal zu den ganz großen Begriffen für die ganz großen Flaschen.

00:20:51.110 --> 00:20:54.520
<v Michael>Wir können ja mal versuchen, ein wenig Ordnung da reinzubringen.

00:20:54.520 --> 00:21:04.360
<v Michael>Also zuerst einmal, was die Namen dieser großen Formate betrifft, kommt man
eigentlich ohne Altes Testament und die Namen von Königen aus

00:21:04.360 --> 00:21:06.040
<v Michael>dem Morgenland nicht weit.

00:21:06.070 --> 00:21:14.590
<v Michael>Hör mal zu, Jeroboam, Rehoboam, Methusalem, Salmanassar, Balthasar,
Nebukadnezar,

00:21:16.290 --> 00:21:18.820
<v Michael>Melchior, Salomon.

00:21:19.180 --> 00:21:21.160
<v Michael>Also, da muss man schon echt bibelfest sein, ne?

00:21:22.330 --> 00:21:28.360
<v Tobias>Allerdings. Etwas übersichtlicher vielleicht, wenn wir noch mal die reinen
Literzahl nennen, um die es hier geht.

00:21:28.600 --> 00:21:38.500
<v Tobias>Also nach der Doppelmagnum oder Jeroboam mit 3 Litern folgen 4,5 Liter
Rehoboam mit Namen, das erwähntest du gerade schon, und

00:21:38.500 --> 00:21:48.460
<v Tobias>das Bordeaux-Sonderformat von 5 Litern - Achtung - Jeroboam genannt, und als
Nächstes das 6-Liter-Format, das im Bordeaux übrigens Imperial

00:21:48.460 --> 00:21:52.120
<v Tobias>heißt und nicht wie im Burgund und in der Champagne Methusalem.

00:21:52.480 --> 00:21:54.370
<v Michael>Ah ja, okay, das sage ich doch.

00:21:54.370 --> 00:21:57.040
<v Michael>Aber im 6-Liter-Format lässt sich leben.

00:21:57.280 --> 00:21:58.630
<v Michael>Da bin ich gerne Methusalem.

00:21:58.630 --> 00:22:05.920
<v Michael>Und ab jetzt wird es auch wieder einfacher mit den Flaschen und geht in
regelmäßigen 3-Liter-Schritten voran.

00:22:06.160 --> 00:22:16.090
<v Michael>Salmanassar gleich 9 Liter, Balthasar gleich 12 Liter in der Flasche,
Nebukadnezar gleich 15 Liter

00:22:16.090 --> 00:22:24.040
<v Michael>und zum Schluss Melchior, respektive Goliath, da gibt es wieder 2 Namen mit 18
Litern.

00:22:25.300 --> 00:22:26.140
<v Michael>Uff.

00:22:26.530 --> 00:22:34.030
<v Tobias>Und an der Stelle muss man vielleicht noch einmal erklären, warum eine große
Flasche bei Weinen, die lagern sollten, noch einen entscheidenden Vorteil

00:22:34.030 --> 00:22:39.670
<v Tobias>bringt. Ja, simpel gesprochen, kann man sagen, ist das Verhältnis von
Sauerstoff zu Wein besser.

00:22:39.670 --> 00:22:45.430
<v Tobias>Also mehr Wein auf die fast gleich große Menge Luft im Flaschenhals bzw.

00:22:45.430 --> 00:22:54.580
<v Tobias>in Richtung Korken, die man ja auch bei einer gebräuchlichen 0,75-Liter-Flasche
findet, und dadurch läuft der Prozess der Oxidation langsamer ab.

00:22:54.790 --> 00:23:04.060
<v Tobias>Und im Endeffekt lässt sich dann sagen, je größer die Flasche, desto länger
bleibt der Wein trinkbar, desto langsamer verläuft der Reifeprozess.

00:23:04.360 --> 00:23:07.930
<v Michael>Okay, da gehören dann also wirklich nur die ganz besonderen Dinge rein.

00:23:08.320 --> 00:23:16.690
<v Michael>Aber mir gefällt hier an diesen großen Flaschen, es müssen ja nicht direkt 18
Liter sein und auch nicht meine Methusalem 6 Liter, aber dass man in so einer

00:23:16.690 --> 00:23:24.850
<v Michael>größeren Runde und oder bei längeren Essen auch alle aus derselben Flasche
bedienen kann, das ist, finde ich, immer ganz charmant und wichtig.

00:23:25.930 --> 00:23:33.190
<v Michael>Und da kann man sagen, zumindest eine Magnum oder Doppelmagnum ist in diesem
Sinne auch einfach nur praktisch und nicht irgendwie Luxus.

00:23:33.220 --> 00:23:41.470
<v Michael>Ja gut, die noch größeren Formate sind dann halt eben eher Sammelstücke, auch
wegen dieses Reifungsprozesses, den du beschrieben hast.

00:23:42.040 --> 00:23:47.410
<v Michael>Die kann ja auch kein Mensch mehr hochheben, geschweige denn daraus gezielt
ausschenken.

00:23:48.400 --> 00:23:50.170
<v Michael>Das ist schon eine richtige Kunst für sich.

00:23:50.470 --> 00:23:59.290
<v Michael>Aber da du jetzt schon das Lagern und Reifen in der Flasche angesprochen hast,
muss ich dir jetzt noch einmal bildlich zumindest auf die Schulter klopfen.

00:23:59.920 --> 00:24:09.340
<v Michael>Erkläre doch bitte mal, was es mit den Begriffen High Shoulder, Mid Shoulder,
Upper Shoulder, Low Shoulder

00:24:09.340 --> 00:24:12.970
<v Michael>und Below Shoulder auf sich hat?

00:24:13.180 --> 00:24:14.410
<v Tobias>Ja, guter Hinweis.

00:24:14.440 --> 00:24:22.630
<v Tobias>Ja, das stimmt. Also dabei handelt es sich eigentlich um Begriffe, mit denen
man den Füllstand alter Weine beschreibt, indem man die Schultern der Flasche

00:24:22.630 --> 00:24:25.030
<v Tobias>quasi als eine Art Skala verwendet.

00:24:25.540 --> 00:24:34.060
<v Tobias>Zwar sind die Weinflaschen, hatten wir ja auch schon, meist farbig, um die
Weine gegen die UV-Strahlung zu schützen, aber hineinsehen kann man ja trotzdem.

00:24:34.060 --> 00:24:40.180
<v Tobias>Und da reden wir jetzt über wirklich alte Weine, also 30 und noch viele Jahre
älter.

00:24:40.690 --> 00:24:50.260
<v Tobias>Ja, und High Shoulder ist dann ein sehr guter Füllstand, also quasi neuwertig,
weil der Wein komplett oben über der Schulter steht.

00:24:50.440 --> 00:24:53.530
<v Tobias>Bei Low Shoulder wird es dann schon kritisch.

00:24:53.830 --> 00:25:02.830
<v Tobias>Also ich sag mal, bei einem, ja, gerne auch mal 100-jährigem Wein, kann das
dann aber wiederum auch normal sein, weil ein bisschen Flüssigkeit geht ja dann

00:25:02.830 --> 00:25:04.990
<v Tobias>schon immer verloren bzw.

00:25:04.990 --> 00:25:07.960
<v Tobias>verdunstet und das muss dann nicht per se ein schlechtes Zeichen sein.

00:25:07.990 --> 00:25:17.500
<v Michael>Okay, das geht jetzt weit zurück in die Vergangenheit, aber jetzt mal ganz
aktuell noch: Es wird ja diskutiert, ob man nicht mehr Weinflaschen

00:25:17.500 --> 00:25:27.340
<v Michael>zukünftig aus Leichtglas herstellen sollte, also zum Beispiel der Verband der
Deutschen Prädikatsweingüter, VDP, der hat jüngst beschlossen,

00:25:27.340 --> 00:25:36.850
<v Michael>dass zumindest die Gutsweine, also die Einstiegsweine in dieser
VDP-Qualitätspyramide, dass zumindest diese Flaschen aus Leichtglas

00:25:37.030 --> 00:25:38.320
<v Michael>hergestellt werden sollen.

00:25:38.320 --> 00:25:45.760
<v Michael>Also normale Glasflaschen bringen schon mal leer, das muss man erst mal wissen,
750 Gramm auf die Waage, ohne Füllung.

00:25:46.090 --> 00:25:51.370
<v Michael>Und Champagnerflaschen, das haben wir ja vorhin gehört, die sind noch
ordentlich schwerer, da müssen wir gar nicht drüber nachdenken.

00:25:51.770 --> 00:26:00.110
<v Michael>Wenn man jetzt zum Beispiel Leichtglas verwendet, dann kommt man nur auf 430
bis 450 Gramm, so ungefähr.

00:26:00.110 --> 00:26:02.840
<v Michael>Und das ist ja dann schon ein Riesenunterschied.

00:26:02.840 --> 00:26:11.690
<v Michael>Und denkt man dann mal, wie sich das pro Kiste und pro Palette dann aufaddiert,
ist das schon eine massive Gewichtseinsparung.

00:26:11.690 --> 00:26:20.330
<v Michael>Und wir wissen heute, Gewichtseinsparung an der Stelle heißt dann auch immer
wegen Logistik, transportieren, Auswirkung auf die CO2-Bilanz.

00:26:20.330 --> 00:26:23.180
<v Michael>Und das ist dringender denn je, dass wir daran denken.

00:26:23.450 --> 00:26:26.150
<v Tobias>Absolut. Und es ist ja dann auf jeden Fall auch material- und
ressourcenschonend.

00:26:27.500 --> 00:26:29.930
<v Tobias>Ja, das kann man eigentlich nur gut finden.

00:26:29.930 --> 00:26:37.160
<v Tobias>Ich kannte bisher jetzt so leicht Glasflaschen immer nur aus Kriegszeiten, wo
man quasi dazu gezwungen war, darauf umzustellen.

00:26:37.490 --> 00:26:43.580
<v Tobias>Aber das jetzt zu nutzen, um der Umwelt einen Gefallen zu tun, das finde ich
wirklich mehr als sinnvoll.

00:26:44.120 --> 00:26:50.840
<v Tobias>Zudem ist es ja auch ein Ansatz, der endlich mal dieser Wahrnehmung
entgegentritt, eine schwere Flasche stehe für mehr Wertigkeit.

00:26:50.960 --> 00:26:58.940
<v Tobias>Also ich habe da schon Flaschen auf dem Tisch gehabt, die waren schon leer und
ich habe immer noch versucht, irgendwie meinen Gästen einzuschenken, weil die

00:26:58.940 --> 00:27:05.090
<v Tobias>so, so schwer waren, dass ich mir sicher war, dass da noch mindestens 1/3 des
Weines drin ist.

00:27:05.240 --> 00:27:08.420
<v Tobias>Und ja, darauf können wir, glaube ich, allemal verzichten.

00:27:08.600 --> 00:27:11.270
<v Michael>Ja, nichts dagegen, nichts dagegen, Tobias.

00:27:11.270 --> 00:27:15.710
<v Michael>Und mir ist auch lieber, wenn der Wein das eigentliche Schwergewicht ist.

00:27:15.710 --> 00:27:25.610
<v Michael>Und egal, um welche Form oder welche Größe es sich handelt, philosophisch
betrachtet sind schließlich alle Flaschen zum Genießen und Austrinken

00:27:25.610 --> 00:27:25.910
<v Michael>da.

00:27:26.930 --> 00:27:30.050
<v Tobias>Also das nenne ich doch jetzt mal ein passendes Schlusswort.

00:27:30.170 --> 00:27:39.230
<v Tobias>Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, danke, dass ihr wieder dabei wart, vergesst das
Gewinnspiel nicht und hinterlasst möglichst viele positive Bewertungen auf den

00:27:39.230 --> 00:27:40.940
<v Tobias>Podcastplattformen für uns.

00:27:40.940 --> 00:27:42.650
<v Michael>Ja, das wäre toll, allerdings.

00:27:42.650 --> 00:27:46.880
<v Michael>Ich setze darauf, dass ihr alle dabei seid, wenn es das nächste Mal wieder
heißt.

00:27:47.750 --> 00:27:49.420
<v Tobias>Bei Anruf.

00:27:49.420 --> 00:27:50.420
<v Michael>Wein.