WEBVTT

00:00:02.650 --> 00:00:06.170
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:06.170 --> 00:00:07.660
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.850 --> 00:00:11.710
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde.

00:00:11.710 --> 00:00:13.030
<v Tobias>Mein Name ist Tobias.

00:00:13.030 --> 00:00:15.100
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein.

00:00:15.760 --> 00:00:20.470
<v Tobias>Tee und Wein sind auf den ersten Blick 2 gänzlich unterschiedliche Getränke.

00:00:20.830 --> 00:00:27.910
<v Tobias>Doch bei genauerer Betrachtung offenbaren sich faszinierende Parallelen, die
kaum ein Tee- oder Weinfreund vermuten würde.

00:00:28.450 --> 00:00:37.090
<v Tobias>Mit Daniel Mack, einem Teeverkoster von Berufswegen, konnten Michael und ich
für diese Folge einen unterhaltsamen und sachkundigen Gesprächspartner gewinnen.

00:00:37.390 --> 00:00:39.160
<v Tobias>Also bleibt mal dran.

00:00:39.160 --> 00:00:42.080
<v Tobias>Wir fangen direkt an!

00:00:42.080 --> 00:00:50.300
<v Tobias>Ja. Hallo, Daniel. Ich muss dir erst mal sagen, wir freuen uns unfassbar, hier
zu sein, weil in unserer Vorrecherche sich das Thema Tee und Wein schon als

00:00:50.300 --> 00:00:52.340
<v Tobias>äußerst interessant herausgestellt hat.

00:00:53.330 --> 00:00:56.450
<v Tobias>Jetzt muss man zu dir vielleicht erst mal ein bisschen was erfahren.

00:00:56.480 --> 00:01:02.290
<v Tobias>Ich glaube, auf deiner Visitenkarte steht so ganz eigentlich zurückhaltend
„Leitung Teeabteilung".

00:01:02.290 --> 00:01:03.230
<v Daniel>Das stimmt.

00:01:03.230 --> 00:01:06.590
<v Tobias>Das könnte jetzt auch in so einer TeeGschwendner-Filiale hinterm Tresen sein.

00:01:06.980 --> 00:01:10.670
<v Tobias>Erzähl uns doch bitte mal zu Beginn, was deine Aufgabe hier eigentlich ist.

00:01:10.880 --> 00:01:14.570
<v Daniel>Also allein schon der Begriff Teeabteilung führt immer schon so ein bisschen zur
Verwirrung.

00:01:15.160 --> 00:01:17.120
<v Daniel>Was zum Teufel ist eigentlich eine Teeabteilung?

00:01:17.150 --> 00:01:19.940
<v Daniel>Also, wir haben klassisch, als Handelsunternehmen haben wir ja eine
Einkaufsabteilung.

00:01:21.500 --> 00:01:22.730
<v Daniel>Wir haben aber 2 von.

00:01:22.760 --> 00:01:24.860
<v Daniel>Wir haben einmal den klassischen Materialeinkauf.

00:01:24.950 --> 00:01:28.940
<v Daniel>Wir haben jetzt hier schöne weiße Porzellankannen und -tassen und -stövchen.

00:01:29.510 --> 00:01:31.250
<v Daniel>Das wäre bei uns der Materialeinkauf.

00:01:31.250 --> 00:01:41.030
<v Daniel>Und die Teeabteilung, die beschäftigt sich tatsächlich ausschließlich mit dem
Einkauf von Tee-Rohwaren, also schwarzem Tee, grünem Tee, aber auch so was wie

00:01:41.030 --> 00:01:43.160
<v Daniel>Fruchtstückchen, Blütenaromen.

00:01:43.160 --> 00:01:46.070
<v Daniel>Also all das, was mit dem fertigen Produkt zu tun hat.

00:01:46.070 --> 00:01:55.550
<v Daniel>Und tatsächlich aufgrund des Platzes auf der Visitenkarte, eigentlich müsste da
noch stehen Teataster, weil das wäre eigentlich meine

00:01:55.550 --> 00:01:59.480
<v Daniel>Berufsbezeichnung. Also ich werde fürs Teetrinken bezahlt, das ist mein Beruf.

00:01:59.600 --> 00:02:07.730
<v Tobias>Das hört sich irgendwie gut an und da sind wir eigentlich schon fast bei der
ersten Parallele, weil Winetaster gibt es ja dann doch auch jede Menge.

00:02:08.180 --> 00:02:11.390
<v Tobias>Jetzt muss ich trotzdem noch mal neugierig nachfragen: Wie wird man das denn
überhaupt?

00:02:12.020 --> 00:02:14.420
<v Daniel>Oh, das ist tatsächlich eine sehr häufige Frage.

00:02:14.420 --> 00:02:18.080
<v Daniel>Wenn mir die gestellt wird, geht meine Frau meistens schon mal irgendwo was
trinken, weil das dauert.

00:02:18.440 --> 00:02:20.660
<v Daniel>Die Geschichte kennt sie schon zur Genüge.

00:02:21.020 --> 00:02:24.980
<v Daniel>Ich bin auch einer der Leute, die noch Zivildienst leisten durften.

00:02:24.980 --> 00:02:31.370
<v Daniel>Und ja, man ist ja da mit 18, man hat ja eigentlich per Gesetz alle Freiheiten,
aber null Verantwortung.

00:02:31.400 --> 00:02:32.660
<v Daniel>Eine sehr schöne Zeit war das.

00:02:32.870 --> 00:02:35.960
<v Daniel>Und ich habe in der Zeit keinen Alkohol getrunken.

00:02:35.960 --> 00:02:38.750
<v Daniel>So gar nicht, so null, die ganze Zivi über.

00:02:38.900 --> 00:02:47.300
<v Daniel>Und dann habe ich angefangen, mir auf irgendwelchen Feten und was es da, sogar
Geburtstagspartys, so ein Glas Cola, ja, ist nett, aber irgendwie mehr als 2

00:02:47.300 --> 00:02:50.090
<v Daniel>Gläser schaffe ich dann auch nicht und das Gewicht will dann auch noch
mitspielen.

00:02:50.930 --> 00:02:53.780
<v Daniel>Und ich habe dann angefangen, mir Teebeutel mitzubringen auf Partys.

00:02:53.960 --> 00:03:03.320
<v Daniel>Und wenn dann alle irgendwie ihr Bier, Wodka, sonst irgendwas getrunken haben,
habe ich dann halt die Schätze der Inka ausgepackt und das war halt irgendwie

00:03:03.320 --> 00:03:12.350
<v Daniel>sehr spleenig. Und damals gab es noch das Deutsche Teebüro, also heute ist es
der Teeverband, aber das war damals das Teebüro und die haben ganz viele

00:03:12.350 --> 00:03:19.460
<v Daniel>Informationen. Also auch für Schulen, da gibt es ganz viel Infomaterial und
irgendwo bin ich da über den den Beruf des Teatasters gestolpert, also jemand,

00:03:19.460 --> 00:03:22.310
<v Daniel>der sensorisch Beurteilungen anfertigt.

00:03:22.310 --> 00:03:29.930
<v Daniel>Und das fand ich total interessant und habe geschaut, wo man das machen kann
und habe mich so tatsächlich damals auch hier bei TeeGschwendner beworben, wurde

00:03:29.930 --> 00:03:32.300
<v Daniel>aber abgelehnt, weil alle Plätze schon voll waren.

00:03:32.660 --> 00:03:37.220
<v Daniel>Und dann bin ich nach Bremen gezogen und habe dort meine Ausbildung gemacht im
Teehandel.

00:03:38.600 --> 00:03:41.750
<v Daniel>Wir waren wirklich, glaube ich, der kleinste Teehandel Deutschlands mit 15
Mitarbeitern.

00:03:42.320 --> 00:03:47.960
<v Daniel>Wir haben alles gemacht, von Tee mischen, Buchhaltung, Etiketten drucken, aber
eben auch den Einkauf.

00:03:47.960 --> 00:03:49.400
<v Daniel>Und das fand ich halt sehr, sehr spannend.

00:03:49.400 --> 00:03:58.100
<v Daniel>Einfach dieses, wie unterschiedlich das Produkt doch sein kann, also je nach
Region und dass man einfach sich auf seinen Geschmack da verlässt, dass man den

00:03:58.100 --> 00:04:02.780
<v Daniel>Geschmack schult. Und das hat mir total Spaß gemacht und da bin ich irgendwie
bei geblieben.

00:04:03.020 --> 00:04:04.130
<v Daniel>Ich habe noch nie was anderes gemacht.

00:04:04.130 --> 00:04:13.340
<v Daniel>Also ich bin tatsächlich nach meiner schulischen Ausbildung, ja, war dann die
Ausbildung zum Kaufmann, damals Groß- und Außenhandel in Bremen,

00:04:14.060 --> 00:04:15.470
<v Daniel>und seitdem bin ich dem Tee verfallen.

00:04:16.010 --> 00:04:18.050
<v Tobias>Schön, das ist wirklich eine schöne Geschichte.

00:04:18.050 --> 00:04:23.650
<v Tobias>Und wir freuen uns vor allem auf die Folge auch deswegen, weil wir ja von dem
Thema Tee 0 Ahnung haben.

00:04:23.650 --> 00:04:25.100
<v Daniel>Das ist gut. Das ist grundsätzlich gut.

00:04:25.100 --> 00:04:30.620
<v Michael>Das ist mal endlich anders, sonst spielt sich ja Tobias ja immer in den
Vordergrund mit seinen Weinkenntnissen.

00:04:31.490 --> 00:04:33.110
<v Michael>Aber fangen wir doch mal an.

00:04:33.380 --> 00:04:41.720
<v Michael>Mein Zugang zu dem heutigen Gespräch ist, ich habe wirklich wenig Ahnung von
Tee und ich versuche jetzt einfach immer mal so ein paar Parallelen aufzuziehen

00:04:41.720 --> 00:04:46.820
<v Michael>aus meiner Weinwelt und vielleicht können wir dann ja irgendwie sehen: Was gibt
es da an Gemeinsamkeiten?

00:04:46.820 --> 00:04:48.590
<v Michael>Wo liegen die wichtigen Unterschiede?

00:04:49.190 --> 00:04:51.620
<v Michael>Camellia sinensis, was heißt das?

00:04:51.620 --> 00:04:56.210
<v Michael>Chinesische Kameliengewächse oder irgendwie so was übersetzt in die Richtung?

00:04:56.510 --> 00:05:00.320
<v Daniel>Genau, im Kern, also früher, Tee hat ja auch eine sehr, sehr lange
Kulturhistorie.

00:05:01.670 --> 00:05:05.690
<v Daniel>Also Tee kennen wir ungefähr seit 5.000 Jahren, ursprünglich als Medizin.

00:05:06.200 --> 00:05:11.390
<v Daniel>Ich glaube, das kann man beim Wein auch je nach Stärke heute auch behaupten,
dass es eher Medizin als Genuss ist.

00:05:11.780 --> 00:05:15.500
<v Daniel>Und früher hat man häufig tea sinensis gesagt.

00:05:15.500 --> 00:05:22.160
<v Daniel>Und dann irgendwann kam die Botanik auf den Trichter, ne, das ist gar keine
eigenständige Pflanze, sondern es ist ein Kameliengewächs, also das, was man

00:05:22.160 --> 00:05:23.900
<v Daniel>auch tatsächlich im Gartencenter findet.

00:05:23.960 --> 00:05:26.210
<v Daniel>Camellia sinensis ist die Ursprungspflanze.

00:05:26.210 --> 00:05:34.340
<v Daniel>Es gibt 2 Varianten die Camellia sinensis sinensis und die Camellia sinensis
assamica, und da hört man aus dem Namen schon, wie du schon richtig sagtest,

00:05:34.370 --> 00:05:38.390
<v Daniel>sinensis China, dass ist eben die chinesische Ursprungspflanze.

00:05:38.780 --> 00:05:40.790
<v Daniel>Wobei, je nachdem, wen man fragt.

00:05:41.350 --> 00:05:47.920
<v Daniel>Ein Chinese wird sagen, die Teepflanze kommt aus China, ein Vietnamese würde
sagen, die kommt aus Vietnam und ein Burmese wird sagen, die kommt aus Myanmar.

00:05:47.950 --> 00:05:52.270
<v Daniel>Also das ist so dieses goldene Dreieck da oben, Nordthailand, Nordmyanmar,
Südchina.

00:05:52.840 --> 00:05:56.710
<v Daniel>Da gibt es noch so wildwachsende Teebäume, tatsächlich.

00:05:57.310 --> 00:06:00.040
<v Daniel>Das andere, die Assamica, ist eben die indische Variante.

00:06:00.040 --> 00:06:02.050
<v Daniel>Die unterscheidet sich auch im Blatt sehr stark.

00:06:02.230 --> 00:06:11.320
<v Daniel>Also wenn wir im Frühjahr in der Erntezeit sind, dann haben wir bei der
Sinensis ein Blatt, das ungefähr so 4, 5 Zentimeter groß maximal, und die

00:06:11.320 --> 00:06:14.620
<v Daniel>Sinensis, die wird schon deutlich über 10 bis 12 Zentimeter.

00:06:14.620 --> 00:06:16.570
<v Daniel>Also es sind riesige Unterschiede.

00:06:16.930 --> 00:06:26.140
<v Daniel>Und tatsächlich nehme ich sehr, sehr gerne den Wein als Vergleich, wenn wir
irgendwie Seminare haben, weil im Wein kann ich es ja mal sehr laienhaft

00:06:26.140 --> 00:06:28.300
<v Daniel>runterbrechen: Ich habe eine rote und ich habe eine weiße Traube.

00:06:28.630 --> 00:06:35.290
<v Daniel>So, und dann gehe ich dann natürlich in die Einzelnen, im Tee sagen wir
Kultivare, im Wein, wären es die Rebsorten.

00:06:35.380 --> 00:06:43.630
<v Daniel>Aber da ist schon mal die erste Parallele das, dass wir im Grunde genommen 2
Pflanzen haben und sich im Laufe der Generationen halt diese Vielfalt

00:06:44.110 --> 00:06:45.370
<v Daniel>herauskristallisiert hat.

00:06:45.370 --> 00:06:48.700
<v Daniel>Entweder gezüchtet oder einfach durch die Natur.

00:06:49.510 --> 00:06:53.410
<v Daniel>Und das ist das, was wir klassisch als Tee bezeichnen.

00:06:54.010 --> 00:06:58.390
<v Daniel>Unabhängig davon gibt es natürlich noch Kräuter und Früchte, da sind botanisch
ganz andere Dinge.

00:06:58.390 --> 00:07:01.570
<v Daniel>Aber wenn wir von klassischem Tee sprechen, ist es die Camellia sinensis.

00:07:01.810 --> 00:07:03.250
<v Michael>Einmal noch zurück zur Pflanze.

00:07:03.280 --> 00:07:07.570
<v Michael>Beim Wein wissen wir: Wein wächst nur in gewissen Regionen dieser Welt.

00:07:07.570 --> 00:07:09.700
<v Michael>Das kann man in Breitengraden angeben.

00:07:09.700 --> 00:07:11.500
<v Michael>Gilt das eigentlich für den Tee auch?

00:07:11.740 --> 00:07:14.170
<v Daniel>Ja, zum Großteil.

00:07:14.170 --> 00:07:17.650
<v Daniel>Also wir, es gibt so einen Grüntee-Gürtel.

00:07:18.070 --> 00:07:20.830
<v Daniel>Der zieht sich allerdings fast um den gesamten Globus.

00:07:21.400 --> 00:07:24.340
<v Daniel>Nördlicher als Japan gibt es kaum noch Anbau.

00:07:24.340 --> 00:07:27.400
<v Daniel>Also Japan ist so wirklich de facto das nördlichste Anbaugebiet.

00:07:27.910 --> 00:07:33.670
<v Daniel>In Deutschland gibt es einen einzigen Teegarten, der ist in Bergisch Gladbach,
der ist aber nicht kommerziell.

00:07:33.670 --> 00:07:39.370
<v Daniel>Also das ist ein privates Ehepaar, die machen das, ich glaube, die haben gar
keine Kinder, deswegen haben die Zeit dafür.

00:07:39.370 --> 00:07:41.380
<v Daniel>Ich weiß es nicht, aber unheimlich nett.

00:07:41.380 --> 00:07:47.110
<v Daniel>Und sie ist, glaube ich, Koreanerin und die holen aus ihren Reisen immer wieder
Teesamen und haben da ein paar Hektar mit bepflanzt.

00:07:47.110 --> 00:07:49.870
<v Daniel>Ansonsten ist es hier in Deutschland zu wechselhaft.

00:07:50.380 --> 00:07:55.570
<v Daniel>Wir haben jetzt ja gerade nach der, nach der langen Hitzewelle haben wir
endlich wieder ein bisschen Regen gekriegt, aber der deutsche Winter ist ja

00:07:55.570 --> 00:08:02.800
<v Daniel>tendenziell eher nass und im Februar ist es dann schon wieder plus 10 und im
März gefriert es wieder und das macht die Teepflanze kaputt.

00:08:03.040 --> 00:08:11.530
<v Daniel>Also ich brauche entweder keine Jahreszeiten in Äquatornähe, zum Beispiel
Südindien, Sri Lanka, Kenia, oder ich habe wirklich fest definierte Jahreszeiten

00:08:11.530 --> 00:08:15.880
<v Daniel>mit einem klar definierten Winter und einem klar definierten Sommer und dann
funktioniert das auch.

00:08:15.880 --> 00:08:19.900
<v Daniel>Aber dieses Hoch und Runter, dieses Up and Down, das funktioniert für die
Teepflanze nicht.

00:08:20.560 --> 00:08:22.600
<v Daniel>Und ansonsten gibt es da so ein paar Exoten.

00:08:22.600 --> 00:08:25.830
<v Daniel>Es gibt Tee auf Neuseeland, einen Teegarten.

00:08:25.830 --> 00:08:28.240
<v Daniel>Das ist natürlich auch vom Klima her sehr gemäßigt.

00:08:28.720 --> 00:08:30.250
<v Daniel>Das ist sehr einzigartig.

00:08:30.250 --> 00:08:31.930
<v Daniel>Es gibt auch nur den einen in Neuseeland.

00:08:32.170 --> 00:08:39.970
<v Daniel>Es gibt die Hawaiian Tea Growers Association, also es gibt 14 Teeproduzenten
auf den hawaiianischen Inseln.

00:08:40.450 --> 00:08:44.440
<v Daniel>Ich meine, die Vulkanasche und die vulkanische Erde, die ist natürlich super
als Dünger.

00:08:44.710 --> 00:08:46.150
<v Daniel>Da wächst der Tee richtig gut.

00:08:46.750 --> 00:08:48.610
<v Daniel>Mengenmäßig ist das völlig uninteressant.

00:08:48.610 --> 00:08:49.810
<v Daniel>Die kommen da auf keine Menge.

00:08:50.110 --> 00:08:54.280
<v Daniel>Und es gibt sogar seit ein paar Jahren den European Tee Growers Association.

00:08:54.280 --> 00:08:59.020
<v Daniel>Also es gibt im Tessin, in der Schweiz, gibt es ein Teegarten, auf den Azoren,
auf den Seychellen.

00:08:59.650 --> 00:09:01.450
<v Daniel>Und die Briten haben auch einen.

00:09:01.690 --> 00:09:10.000
<v Daniel>Also die Briten, Das ist ein so ein Botaniker, der betreut einen botanischen
Garten und der heißt Tregothnan, und die bauen auch Tee an.

00:09:10.000 --> 00:09:17.650
<v Daniel>Das ist aber so verschwindend gering, die nehmen da den klassischen Trick, die
machen ein paar Dutzend Kilo im Jahr und packen da irgendwie 5 % in die

00:09:17.650 --> 00:09:20.860
<v Daniel>Mischung. Der Rest kommt aus Indien und dann schreiben sie aber drauf, es ist
englischer Tee.

00:09:21.190 --> 00:09:22.570
<v Daniel>Das kann man machen.

00:09:22.600 --> 00:09:23.560
<v Michael>Zumindest britisch.

00:09:24.340 --> 00:09:24.910
<v Daniel>Zumindest britisch, ja.

00:09:25.600 --> 00:09:32.620
<v Michael>Ja, bei Wein, das hast du ja eben gesagt, es gibt so Rebsorten und es gibt
Anbaugebiete, die mir so bei der Orientierung helfen.

00:09:32.620 --> 00:09:37.330
<v Michael>Wenn ich jetzt an den Tee herangehe, Assam hattest du eben genannt, Ceylon.

00:09:37.840 --> 00:09:41.050
<v Michael>Aber so richtig weit komme ich damit nicht, mit dem reinen Anbaugebieten, ne?

00:09:41.410 --> 00:09:48.610
<v Daniel>Das ist eigentlich so kurios, weil das, was wir so gerade beim Kaffee erleben,
dass man auf bestimmte Ursprünge geht, auf bestimmte Röstungen, auf bestimmte,

00:09:48.610 --> 00:09:49.780
<v Daniel>sogar Kooperativen.

00:09:49.870 --> 00:09:58.360
<v Daniel>Es gibt ja so diese ganzen Mikroröstereien jetzt in Deutschland, die bestimmte
Kaffeesorten aus einer bestimmten Kooperative aus Peru oder so was holen.

00:09:58.360 --> 00:10:00.160
<v Daniel>Das haben wir im Tee eigentlich schon immer gehabt.

00:10:00.160 --> 00:10:02.020
<v Daniel>Man nimmt das so als gegeben hin.

00:10:02.020 --> 00:10:03.820
<v Daniel>Und beim Wein auch.

00:10:03.820 --> 00:10:08.200
<v Daniel>Wir haben auf der einen Seite, haben wir klassische Blends, wie bei euch der
Cuvée.

00:10:09.520 --> 00:10:11.830
<v Daniel>Das wäre jetzt zum Beispiel die Ostfriesenmischung.

00:10:12.220 --> 00:10:18.820
<v Daniel>Da haben wir verschiedene Ursprungsgebiete, die wir miteinander kombinieren, um
ein bestimmtes Geschmacksergebnis zu haben.

00:10:19.060 --> 00:10:26.980
<v Daniel>Um beim Beispiel Ostfriesen zu bleiben, das soll kräftig sein, da muss auf
jeden Fall Kluntje rein, da muss Sahne rein, also habe ich keinen Darjeeling,

00:10:26.980 --> 00:10:28.720
<v Daniel>sondern da ist Assam die Basis.

00:10:28.720 --> 00:10:30.340
<v Daniel>Das ist ein kräftiger, kerniger Tee.

00:10:30.550 --> 00:10:35.710
<v Daniel>Und dann haben wir auf der anderen Seite entweder ursprungsreine oder sogar
gartenreine Teesorten.

00:10:35.710 --> 00:10:38.140
<v Daniel>Das hängt ein bisschen davon ab, wo wir uns befinden.

00:10:38.140 --> 00:10:41.990
<v Daniel>Also in Assam oder in Darjeeling, da handeln wir mit den Teegärten direkt.

00:10:41.990 --> 00:10:45.380
<v Daniel>Die sind so groß, die machen auch quasi ein fertiges Produkt.

00:10:46.100 --> 00:10:51.050
<v Daniel>In Japan, wir haben hier zum Beispiel japanischen Grüntee hier vorne stehen,
und da ist es ganz anders.

00:10:51.050 --> 00:10:55.430
<v Daniel>Da sind die Teebauern so klein, dass sie kein fertiges Produkt herstellen
können.

00:10:55.880 --> 00:11:03.110
<v Daniel>Also in Japan haben wir so eine Größe von 5, 6 Hektar maximal pro Teebauer.

00:11:03.260 --> 00:11:08.060
<v Daniel>Und die ernten den Tee und danach wird er verarbeitet und getrocknet.

00:11:08.060 --> 00:11:10.880
<v Daniel>Aber dann ist er noch nicht fertig, sondern muss noch sortiert werden.

00:11:10.880 --> 00:11:14.120
<v Daniel>Dann muss er noch geröstet werden, dann muss er noch gemischt werden.

00:11:14.120 --> 00:11:16.910
<v Daniel>Und das macht in Japan traditionell dann so ein Großhändler.

00:11:16.910 --> 00:11:23.000
<v Daniel>Die sitzen alle in der Regel so in Shizuoka, also beim heiligen Berg Fuji, weil
die einfach zu klein sind.

00:11:23.000 --> 00:11:30.650
<v Daniel>In Indien, wenn wir so 150 Hektar in Darjeeling haben oder teilweise bis zu
2.000 Hektar in Assam, da ist natürlich genug Potenzial da.

00:11:30.650 --> 00:11:34.760
<v Daniel>Die haben die kompletten Maschinen dort und können also ein fertiges Produkt
herstellen.

00:11:35.420 --> 00:11:38.210
<v Daniel>Und letzten Endes ist es dann die Frage: Was möchte ich?

00:11:38.600 --> 00:11:41.360
<v Daniel>Da gehe ich auch so ein bisschen, glaube ich, wie so ein typischer Weinhändler
ran.

00:11:41.840 --> 00:11:46.820
<v Daniel>Ich frage, wenn jetzt jemand reinkommt und keine Ahnung von Tee hat, so wie
ihr zwei jetzt, genau.

00:11:46.910 --> 00:11:50.030
<v Daniel>Ja, ja, dann wären so, habe ich immer so meine Handvoll Fragen.

00:11:50.300 --> 00:11:52.640
<v Daniel>Okay, eher was Kräftiges oder was Mildes?

00:11:52.970 --> 00:11:58.160
<v Daniel>Dann eher so in die Richtung grün oder schwarz, weil die meisten haben schon
mal irgendwo einen GrünTee getrunken, die meisten haben schon mal irgendwo einen

00:11:58.160 --> 00:12:02.510
<v Daniel>Schwarztee getrunken. Dann weiß man schon, das hat mir geschmeckt oder das hat
mir gar nicht geschmeckt.

00:12:02.810 --> 00:12:05.210
<v Daniel>Und dann hangelt man sich so ein bisschen da ran.

00:12:05.210 --> 00:12:12.590
<v Daniel>Man hat natürlich so seine Bestseller, wo man weiß, die finden einfach überall
Freunde, und dann geht man so in diese Richtung.

00:12:13.400 --> 00:12:15.470
<v Daniel>Kräftig, mild, grün, schwarz.

00:12:15.860 --> 00:12:19.790
<v Daniel>Dann kann man bei Grüntee noch differenzieren in japanische oder chinesische
Methode.

00:12:20.240 --> 00:12:21.980
<v Daniel>Das hängt mit der Verarbeitung zusammen.

00:12:22.640 --> 00:12:28.730
<v Daniel>Im Grunde ist es so, ich kann von jeder Teepflanze aus jeden Tee herstellen.

00:12:29.300 --> 00:12:33.930
<v Daniel>Ich kann ja auch aus einer roten Traube einen weißen Wein keltern, Blanc de
Noirs.

00:12:34.810 --> 00:12:37.100
<v Daniel>Es schmeckt nur nicht überall gut, sagen wir es mal so.

00:12:37.400 --> 00:12:39.530
<v Daniel>Es gibt bestimmte Ursprungsgebiete, die sind typisch.

00:12:39.530 --> 00:12:41.720
<v Daniel>Genau, wie es auch bestimmte Regionen für Wein gibt.

00:12:42.110 --> 00:12:44.240
<v Daniel>Eher so eine Rotweinregion, eher eine Weißweinregion.

00:12:45.170 --> 00:12:48.680
<v Daniel>In Assam habe ich fast nur Schwarztee, weil das Klima es einfach hergibt.

00:12:48.860 --> 00:12:56.630
<v Daniel>Ich habe ein schwülwarmes Tropenklima, ich habe starke Monsunregen und man kann
technisch Grüntee aus Assam herstellen.

00:12:56.630 --> 00:12:57.920
<v Daniel>Das habe ich auch schon getrunken.

00:12:57.920 --> 00:12:59.210
<v Daniel>Das muss ich aber nicht noch mal haben.

00:13:00.590 --> 00:13:02.420
<v Michael>Da hätten wir auch so unser Beispiel aus der Weinwelt.

00:13:02.900 --> 00:13:08.390
<v Daniel>Ja, das glaube ich. Und so kommt es ein bisschen auf die Region an, Also Assam
ist Schwarztee, Japan ist Grüntee.

00:13:08.540 --> 00:13:10.910
<v Daniel>99 % aller Tees in Japan sind Grüntee.

00:13:11.630 --> 00:13:14.300
<v Daniel>China macht beides, wobei sie viel mehr grün machen.

00:13:15.260 --> 00:13:16.850
<v Daniel>Sri Lanka zum Beispiel macht nur schwarz.

00:13:16.850 --> 00:13:20.360
<v Daniel>Also das ist so die Frage: Möchte ich etwas sehr Typisches für die Region
haben?

00:13:20.690 --> 00:13:24.860
<v Daniel>Oder es gibt halt auch Ausnahmen, wo ich sage, wir haben auch einen
Darjeeling-Grüntee im Sortiment.

00:13:24.860 --> 00:13:26.240
<v Daniel>Das ist eher ungewöhnlich.

00:13:26.330 --> 00:13:30.770
<v Tobias>Aber hört sich ja auch ein Stück weit dann wieder nach den klimatischen
Verhältnissen vor Ort an.

00:13:31.010 --> 00:13:40.070
<v Tobias>Also das heißt, wenn ich jetzt höre, Japan eher Grüntee, dann erinnert mich das
auch irgendwie so an die Ahr, wo dann halt eher nur Spätburgunder wächst und

00:13:40.070 --> 00:13:41.510
<v Tobias>halt eben nicht Cabernet Sauvignon.

00:13:41.570 --> 00:13:44.150
<v Tobias>Also das finde ich, ist schon mal eine gute Überschneidung.

00:13:44.150 --> 00:13:54.140
<v Tobias>Und dann habe ich auch erfahren, in Georgien wird auch Tee angebaut, denn das
ist gerade wiederum beim Thema Wein ein Riesending, weil die da

00:13:54.140 --> 00:14:02.270
<v Tobias>unwahrscheinlich Gas geben und die Geschichte in Sachen Anbau von Wein da jetzt
auch tausende von Jahre zurückgeht.

00:14:02.270 --> 00:14:05.720
<v Tobias>Ich glaube, manche sprechen sogar von der Wiege des Weins in Georgien.

00:14:05.720 --> 00:14:07.400
<v Tobias>Wie sieht das da mit dem Tee aus?

00:14:07.400 --> 00:14:16.040
<v Daniel>Das ist total lustig, weil ich vor 4 Wochen in Georgien war und ich habe mich da
ja so rudimentär mit so ein paar YouTube Videos auf das Land vorbereitet.

00:14:16.700 --> 00:14:19.730
<v Daniel>Georgien war für mich so, ja, da hatte ich irgendwie keinerlei Bezug zu.

00:14:19.730 --> 00:14:21.950
<v Daniel>Es ist auch kein typisches Urlaubsland, würde ich sagen.

00:14:21.950 --> 00:14:23.210
<v Daniel>Also zumindest nicht für uns hier.

00:14:23.450 --> 00:14:26.690
<v Daniel>Und ja, ich war auch sehr erstaunt über den Wein.

00:14:26.690 --> 00:14:28.700
<v Daniel>Ich habe überall Wein getrunken.

00:14:28.940 --> 00:14:36.560
<v Daniel>Wir haben die Tante von einem Mitarbeiter aus dem Teegarten, die hat für uns
abends so ein Festmahl vorbereitet.

00:14:36.560 --> 00:14:41.540
<v Daniel>Ich glaube, die hat irgendwie anderthalb Tage für uns gekocht, und die hat
natürlich Weinreben zu Hause.

00:14:41.540 --> 00:14:45.230
<v Daniel>Und die hat da dann ihren Hauswein dargebracht, einen weißen und einen roten.

00:14:45.230 --> 00:14:46.460
<v Daniel>Ich habe keine Ahnung, was das war.

00:14:46.460 --> 00:14:47.870
<v Daniel>Sie sprach auch kein Englisch.

00:14:47.870 --> 00:14:50.690
<v Tobias>Das sind alles autochthone Rebsorten, die hat man noch nie gehört.

00:14:50.930 --> 00:14:51.980
<v Daniel>Das war total irre.

00:14:52.280 --> 00:14:53.810
<v Daniel>Der war gut, also wirklich klasse.

00:14:55.070 --> 00:14:58.070
<v Daniel>Das fand ich sehr spannend. Georgien ist gerade neu für uns.

00:14:58.400 --> 00:15:02.840
<v Daniel>Wir kriegen wahrscheinlich so ab November die Tees ins Sortiment, ist gerade
erst die 2.

00:15:02.840 --> 00:15:10.490
<v Daniel>Lieferung hier auf dem Weg, und war tatsächlich bis in die 90er-Jahre hinein
eine der größten Teehersteller der Welt.

00:15:10.490 --> 00:15:14.960
<v Daniel>Also Georgien hat klimatisch, also da, wo Wein wächst, wächst eigentlich auch
Tee.

00:15:15.260 --> 00:15:18.320
<v Daniel>Also das ist, da haben wir schon wieder eine Parallele.

00:15:18.710 --> 00:15:24.800
<v Daniel>Man hat früher, zu Sowjetzeiten, tatsächlich fast den gesamten Bedarf an Tee
über Georgien gedeckt.

00:15:25.040 --> 00:15:27.980
<v Daniel>Das war eine Planwirtschaft. Man hatte eben fixe Preise und Mengen.

00:15:28.250 --> 00:15:31.100
<v Michael>Auch beim Wein waren die wichtig in der Planwirtschaft.

00:15:31.100 --> 00:15:31.520
<v Michael>Doch, doch.

00:15:31.790 --> 00:15:37.910
<v Daniel>Das stimmt. Und bisweilen war das sogar in den 80ern so, dass die georgischen
Teepflücker die höchste Pflückmenge weltweit hatten.

00:15:37.910 --> 00:15:40.610
<v Daniel>Also die haben teilweise 60 Kilo frische Blätter am Tag.

00:15:41.040 --> 00:15:42.210
<v Daniel>Das ist unfassbar viel.

00:15:42.630 --> 00:15:47.970
<v Daniel>In Indien reden wir jetzt von eher so 20 bis 30 Kilo Darjeeling, das ist ja
Höhenlage.

00:15:48.930 --> 00:15:57.720
<v Daniel>Und da gab es da eben nach 1995 einen starken Zusammenbruch, nicht nur der
Sowjetunion, sondern auch der Teewirtschaft.

00:15:57.900 --> 00:16:02.010
<v Daniel>Und binnen 5 Jahren waren eigentlich 95 % aller Teefelder brach.

00:16:02.040 --> 00:16:10.080
<v Daniel>Ja, und da gibt es jetzt ein paar junge Leute, die sich daran erinnert haben,
dass es in Kindheitstagen halt georgischen Tee gab.

00:16:10.080 --> 00:16:11.700
<v Daniel>Und was ist damit eigentlich passiert?

00:16:12.060 --> 00:16:15.960
<v Daniel>Und die gehen jetzt wieder zurück und renaturieren diese alten, verlassenen
Teefelder.

00:16:16.830 --> 00:16:19.890
<v Tobias>Ja. Übrigens auch eine Geschichte, die man bei Wein immer wieder hört.

00:16:20.070 --> 00:16:27.750
<v Tobias>Also gerade auch Anbauregionen, die so aus der Mode gekommen sind, die nur noch
Massenware hergestellt hatten, die sich dann irgendwann auch durch neue

00:16:27.750 --> 00:16:33.990
<v Tobias>Generationen, die dann nachkommen, entscheiden, zu sagen, ne, wir machen jetzt
mal hier wirklich wieder Qualität.

00:16:33.990 --> 00:16:42.510
<v Tobias>Lass uns noch mal weiter über Parallelen sprechen, denn wir sind so auf den
Begriff der der verschiedenen Erntedurchgänge gekommen.

00:16:42.510 --> 00:16:50.430
<v Tobias>Das hat uns natürlich auch in Sachen Weinlese gleich mit so was wie Selektion
auch in Verbindung gebracht.

00:16:50.640 --> 00:16:57.510
<v Tobias>Und da gibt es ja dann so was wie First Flush, in Between, Second Flush, aber
auch Autumnal.

00:16:58.920 --> 00:17:00.510
<v Tobias>Da erzählt uns doch bitte auch mal was zu.

00:17:00.750 --> 00:17:09.660
<v Daniel>Also es kommt auch hier so ein bisschen auf die Region an, also wenn wir uns in
Äquatornähe befinden, Sri Lanka oder Südindien sind so Paradebeispiele, da haben

00:17:09.660 --> 00:17:14.880
<v Daniel>wir zwar so einen Peak so gegen Ende des Sommers, aber eigentlich wird das
ganze Jahr über geerntet.

00:17:15.000 --> 00:17:24.240
<v Daniel>Also aus Südindien zum Beispiel bekommen wir relativ viel Basistee, den wir
dann zum Aromatisieren brauchen, für so Klassiker wie Orange, Karamell usw.

00:17:24.690 --> 00:17:27.690
<v Daniel>Und da wird das ganze Jahr über produziert.

00:17:27.810 --> 00:17:34.140
<v Daniel>Überall dort, wo wir halt eine definierte Jahreszeit haben, also zum Beispiel
Darjeeling, beginnt es eigentlich im Frühjahr.

00:17:34.140 --> 00:17:39.180
<v Daniel>Also wenn draußen bei uns die ganzen Blumen blühen, dann sprießt auch der Tee.

00:17:39.660 --> 00:17:44.580
<v Daniel>Dann sieht man wirklich diese richtig schönen, großen Teefelder, wie sie
hellgrün austreiben.

00:17:45.210 --> 00:17:49.020
<v Daniel>Das ist dann so in der Regel, ja, ab Ende März, Anfang April wird geerntet.

00:17:49.020 --> 00:17:52.020
<v Tobias>Also südliche Erdhalbkugel, müssen wir vielleicht dann auch noch mal dazusagen,
ne?

00:17:52.240 --> 00:17:52.430
<v Tobias>Denn das ist andersrum.

00:17:52.760 --> 00:17:54.100
<v Daniel>Genau, das ist natürlich andersrum, ja.

00:17:54.100 --> 00:17:57.330
<v Daniel>Wobei wir gar nicht so viele Anbauer in der Südhalbkugel haben.

00:17:57.330 --> 00:18:00.200
<v Daniel>Also wir haben Neuseeland, klar, es gibt noch Tee in Südamerika.

00:18:00.200 --> 00:18:01.920
<v Michael>In Südafrika, ne?

00:18:01.920 --> 00:18:03.000
<v Daniel>Ja, aber das war eher Rooibos.

00:18:03.000 --> 00:18:05.390
<v Daniel>Also Südafrika ist Rooibos.

00:18:05.390 --> 00:18:10.590
<v Daniel>Und ansonsten, die afrikanischen Produzenten Kenia, Burundi, das ist alles sehr
nah am Äquator.

00:18:11.490 --> 00:18:16.560
<v Daniel>Die haben kaum jahreszeitenbedingte Ernten, sondern da wird auch ganzjährig
gepflückt.

00:18:17.640 --> 00:18:22.800
<v Daniel>Und ja, also im Frühjahr beginnt eben so die Ernte, Nordindien, das wäre so das
Erste.

00:18:23.730 --> 00:18:26.440
<v Daniel>Japan ist immer so zuletzt dran, so im Mai.

00:18:26.440 --> 00:18:29.370
<v Daniel>Und die eigentlichen Erntezeiten, das war früher ganz anders.

00:18:29.370 --> 00:18:34.530
<v Daniel>Also als ich angefangen habe, da war First Flush und Second Flush war noch sehr
nah beieinander.

00:18:34.530 --> 00:18:36.300
<v Daniel>Also es hat eigentlich alles fast gleich geschmeckt.

00:18:36.450 --> 00:18:43.290
<v Daniel>Und heute versucht man den First Flush, den haben übrigens hier vorne in der
Kanne, den versucht man besonders leicht zu produzieren.

00:18:43.290 --> 00:18:52.980
<v Daniel>Das heißt, um mal so ein ganz einfaches Verständnis zu haben, nachdem ich die
Blätter gepflückt habe, dann müssen sie weiterverarbeitet werden innerhalb von

00:18:52.980 --> 00:19:00.000
<v Daniel>einer bestimmten Zeit. Also in der Regel so 2 bis 3 Stunden nach dem Pflücken
sind sie in der Fabrik und dann entscheidet sich: Mache ich da aus Grün- oder

00:19:00.000 --> 00:19:03.180
<v Daniel>Schwarztee? Bei Schwarztee werden die Blätter gerollt.

00:19:03.180 --> 00:19:10.290
<v Daniel>Das ist wirklich so ein, also wie wenn ich jetzt 2 Hände gegeneinander reibe,
so ein Rollprozess, das hat man ja früher auch per Hand gemacht.

00:19:10.290 --> 00:19:14.160
<v Daniel>Es gibt auch immer noch Teespezialitäten, die per Hand gerollt werden.

00:19:14.490 --> 00:19:19.290
<v Daniel>Aber heute sind das natürlich große Maschinen, so Roller, wobei die auch schon
seit 70 Jahren im Einsatz sind.

00:19:19.290 --> 00:19:22.200
<v Daniel>Das sind so gusseiserne britische Dinger, die sind unkaputtbar.

00:19:22.740 --> 00:19:28.890
<v Daniel>Und beim Rollen brechen die Zellwände auf, Zellsaft tritt aus, oxidiert und
dann wird irgendwann Schwarztee draus.

00:19:29.130 --> 00:19:33.960
<v Daniel>Und wenn ich das nicht mache, sondern nach dem Pflücken die Blätter erhitze,
dann bleiben sie grün.

00:19:33.960 --> 00:19:39.090
<v Daniel>Und dann habe ich Grüntee, Das sind so die, das ist so der grundsätzliche
Ansatz Schwarz und Grün.

00:19:39.090 --> 00:19:42.330
<v Daniel>Und alles andere, was wir kennen, ist irgendwie eine Spielart davon.

00:19:42.330 --> 00:19:46.710
<v Tobias>Okay, also es hat gar nichts mit reifer oder weniger reif zu tun in dem Fall?

00:19:46.710 --> 00:19:46.860
<v Tobias>Okay.

00:19:46.860 --> 00:19:52.500
<v Daniel>Überhaupt nicht, sondern es ist reinweg die Produktion, die nachher den
Ausschlag gibt, was für eine Art von Tee herstelle.

00:19:53.310 --> 00:19:58.950
<v Daniel>Und beim First Flush ist es so, dass die Oxidationsdauer, wir sagen auch gerne
noch Fermentation, das ist eigentlich Schwachsinn.

00:19:59.190 --> 00:20:04.980
<v Daniel>Fermentation ist immer mikrobiologisch, das wisst ihr, aber so aus der
Tradition heraus.

00:20:05.130 --> 00:20:06.990
<v Daniel>Wir sagen ja auch Ceylon anstatt Sri Lanka.

00:20:07.950 --> 00:20:11.160
<v Daniel>Und je kürzer die Oxidationsdauer, desto leichter der Tee.

00:20:11.160 --> 00:20:17.400
<v Daniel>Also der First Flush ist tatsächlich sehr nah am Grüntee, also geschmacklich
und auch von der Tassenfarbe.

00:20:17.640 --> 00:20:25.320
<v Daniel>Und der Second Flush, der hat einfach schon ein paar Wochen mehr Sonne gesehen
und der wird auch länger oxidiert, um das im Grunde genommen mehr voneinander zu

00:20:25.320 --> 00:20:34.290
<v Daniel>differenzieren. Also früher hat man versucht, das möglichst homogen über das
ganze Jahr herzustellen und heute sagt man ne, jede Jahreszeit hat so ihre

00:20:34.290 --> 00:20:36.750
<v Daniel>eigene Charakteristik und die will man hervorstellen.

00:20:36.930 --> 00:20:39.720
<v Daniel>In Deutschland wird aber tatsächlich viel mehr First Flush getrunken.

00:20:40.630 --> 00:20:42.760
<v Michael>Das ist also Flush, ist das Pflücken?

00:20:43.030 --> 00:20:44.410
<v Daniel>Genau, Flush ist einfach die Ernte, genau.

00:20:44.800 --> 00:20:54.100
<v Michael>Der Blätter. Jetzt haben wir ja, bei Wein haben wir eigentlich 2 Farben bei den
Trauben und daraus machen wir dann Rosé, Rot, Weiß, manche auch Orange ist ja

00:20:54.100 --> 00:20:56.920
<v Michael>jetzt auch neu. Wie funktioniert das jetzt beim Tee?

00:20:56.920 --> 00:20:59.950
<v Michael>Ich kenne schwarzen Tee, grünen Tee, darüber haben wir schon gesprochen.

00:20:59.950 --> 00:21:04.210
<v Michael>Aber es gibt ja auch noch so was wie gelben Tee oder sogar weißen Tee.

00:21:04.900 --> 00:21:11.800
<v Daniel>Weißer Tee ist für mich immer so, das gehört mit zu den teuersten Tees, weil er
halt 100 % Handpflückung bedingt.

00:21:11.800 --> 00:21:18.430
<v Daniel>Man kann weißen Tee nicht maschinell verarbeiten, sondern bei weißem Tee habe
ich im Grunde genommen die Blätter und die Knospe, die werden gepflückt.

00:21:18.430 --> 00:21:21.940
<v Daniel>Da habe ich einen Pflückstandard, also die obersten 2 Blätter und die Knospe.

00:21:22.270 --> 00:21:25.660
<v Daniel>Und im Grunde genommen werden die nur getrocknet, also da passiert nichts
weiter mit.

00:21:26.170 --> 00:21:35.170
<v Daniel>Aber ich habe eben ein relativ junges Blattmaterial, also wenn die Blätter
älter werden, werden sie größer, werden ledriger und der Geschmack leidet.

00:21:35.830 --> 00:21:43.630
<v Daniel>Und deswegen habe ich einfach einen höheren Aufwand, um ein Kilo Blätter zu
pflücken, wenn ich halt wirklich nur die allerfeinsten, jungen Triebe verwende.

00:21:43.840 --> 00:21:47.860
<v Daniel>Und ansonsten passiert da nicht viel mit es wird nur getrocknet.

00:21:47.860 --> 00:21:50.560
<v Michael>Das heißt nicht oxidiert, lange Zeit?

00:21:50.560 --> 00:21:55.300
<v Daniel>Also natürlich zwischen dem Pflücken und dem Trocknen habe ich natürlich so eine
gewisse Transportzeit.

00:21:55.300 --> 00:22:00.310
<v Daniel>Also so ein gewisses Maß an Oxidation kann ich gar nicht verhindern, aber so
wenig wie möglich, ja.

00:22:00.310 --> 00:22:08.620
<v Michael>Aber das Weiß, kommt das jetzt durch das Angucken in der Tasse oder kommt das
durch diese berühmten, kleinen, feinen Härchen, die dran sind?

00:22:08.740 --> 00:22:15.730
<v Daniel>Genau, diese Härchen, das sind Kapillarhaare, die auf der Blattunterseite sind,
die also immer ein Zeichen für ein sehr junges Blatt sind.

00:22:16.120 --> 00:22:20.530
<v Daniel>Wir kennen sie von der Brennnessel, da sind sie halt mit Ameisensäure gefüllt
und ist doch nicht so schön, wenn man sie anfasst.

00:22:21.490 --> 00:22:24.400
<v Daniel>Es gibt auch Kräuter, wie zum Beispiel die Apfelminze, da fallen die gar nicht
ab.

00:22:24.610 --> 00:22:27.700
<v Daniel>Also wenn die Apfelminze getrocknet ist, sieht die immer aus, als wäre sie
verschimmelt.

00:22:28.540 --> 00:22:31.390
<v Daniel>Aber es ist einfach typisch für diese Pflanze.

00:22:31.810 --> 00:22:38.230
<v Daniel>Und beim Tee fallen diese Härchen, dieses Pekoe, so nennt man das, das fällt im
Laufe der Zeit ab, wenn das Blatt wächst.

00:22:38.230 --> 00:22:41.440
<v Daniel>Also, wenn ich ein möglichst junges Blatt habe, habe ich viele von diesen
Härchen.

00:22:41.830 --> 00:22:44.380
<v Daniel>Und wenn die trocknen, werden die silbrig.

00:22:44.380 --> 00:22:54.040
<v Daniel>Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Assam habe, der lange oxidiert ist und ich
auch wirklich oxidierten Zellsaft habe, dann klebt er oder trocknet an diesen

00:22:54.040 --> 00:22:57.580
<v Daniel>jungen Härchen, deswegen sind die Tips im Assam goldfarben.

00:22:57.580 --> 00:22:58.750
<v Daniel>Das liegt am Zellsaft.

00:22:58.750 --> 00:23:00.610
<v Daniel>Die wären eigentlich auch silbrig.

00:23:00.610 --> 00:23:04.510
<v Daniel>Aber beim Assam, durch die lange Oxidationszeit werden sie eben dieses
goldbraun.

00:23:05.410 --> 00:23:07.630
<v Tobias>Jetzt hast du gerade von Tips gesprochen.

00:23:07.630 --> 00:23:08.980
<v Tobias>Sagt da noch mal was zu.

00:23:08.980 --> 00:23:14.080
<v Daniel>Tips, das sind diese diese jungen Blattanteile, wo noch eben diese silbrigen
Härchen, wo dieser Flaum noch drauf ist.

00:23:14.470 --> 00:23:15.520
<v Daniel>Die nennt man im Tee Tips.

00:23:15.640 --> 00:23:20.290
<v Tobias>Okay. Ist das auch Bestandteil dieser wahnsinnig langen Abkürzungen, die man
manchmal sieht?

00:23:20.290 --> 00:23:28.270
<v Daniel>Ja. Oh Gott, ja, da habt ihr im Wein natürlich oder generell auch bei
Spirituosen natürlich so ein paar Dinge, die wahrscheinlich seit Äonen

00:23:28.270 --> 00:23:29.440
<v Daniel>mitgezogen werden.

00:23:29.440 --> 00:23:32.680
<v Daniel>Irgendwelche Begriffe, die heute eigentlich kein Mensch mehr braucht.

00:23:33.160 --> 00:23:36.970
<v Daniel>Wenn du jetzt 3 Teehändler fragst, kriegst du wahrscheinlich 4 Meinungen.

00:23:37.720 --> 00:23:41.200
<v Daniel>Du meinst dieses SFTGFOP1, so was?

00:23:41.350 --> 00:23:42.670
<v Tobias>Genau, Genau. Ich wollte es auch gerade sagen.

00:23:42.670 --> 00:23:43.900
<v Tobias>Mir lag es auf der Zunge, ja.

00:23:44.440 --> 00:23:53.260
<v Daniel>Es gibt so eine schöne Übersetzung, die hat mein Kollege mal irgendwo
rausgekramt, da stand dann FTGFOP steht für „far to good for ordinary people".

00:23:53.260 --> 00:24:01.870
<v Daniel>Das fand ich sehr schön. Es kommt aber tatsächlich so aus dem Teehandel in
einer Zeit, das können wir uns ja heute kaum noch vorstellen, wo es kein Handy

00:24:01.870 --> 00:24:09.220
<v Daniel>gab, wo es kein DHL Express gab, wo ich Muster innerhalb von 48 Stunden um die
Welt schicke, sondern wir stellen uns mal vor, wir sind britischer Teehändler im

00:24:09.220 --> 00:24:14.560
<v Daniel>18. Jahrhundert. So eine Teereise auf so einem Teeklipper dauert ungefähr 3, 4
Monate, also one way.

00:24:15.550 --> 00:24:16.960
<v Daniel>Dann steht man im Teegarten.

00:24:17.110 --> 00:24:23.500
<v Daniel>Man weiß auch gar nicht, ob man lebend zurückkommt, also schickt man den Azubi,
und der steht dann im Teegarten und dann hat er vor sich einfach eine

00:24:23.500 --> 00:24:26.680
<v Daniel>Riesenbandbreite an Tees, die hergestellt werden.

00:24:26.950 --> 00:24:34.660
<v Daniel>Denn was immer anfällt, das vergessen halt viele, wenn ich ein Blatt Tee
produziere, also wo ich die ganzen Blätter erhalte, durch die mechanische

00:24:34.660 --> 00:24:37.060
<v Daniel>Bearbeitung habe ich immer irgendwie Bruch.

00:24:37.060 --> 00:24:41.290
<v Daniel>Ich habe immer Pflanzenteile, die als feiner Abrieb anfallen.

00:24:41.290 --> 00:24:43.540
<v Daniel>Also broken, so gebrochener Tee.

00:24:43.810 --> 00:24:46.210
<v Daniel>Dann gibt es noch Fannings und das, das sind einfach noch kleinere
Sortierungen.

00:24:46.810 --> 00:24:48.850
<v Daniel>Das ist das, was typischerweise im Beutel steckt.

00:24:48.970 --> 00:24:51.040
<v Daniel>Ja, aber es fällt immer an.

00:24:51.040 --> 00:24:53.080
<v Daniel>So und dann steht der Azubi im 18.

00:24:53.080 --> 00:24:55.870
<v Daniel>Jahrhundert im Teegarten und sagt: Was soll ich denn jetzt kaufen?

00:24:56.590 --> 00:25:00.610
<v Daniel>Und man muss sich ja irgendwie auf einen Code einigen, um den Tee zu
beschreiben, ohne ihn zu sehen.

00:25:00.610 --> 00:25:02.530
<v Daniel>Und daher kommen diese Begrifflichkeiten.

00:25:02.890 --> 00:25:05.920
<v Daniel>Es hat heute für den Einkauf aber keinerlei Relevanz mehr.

00:25:05.920 --> 00:25:09.550
<v Daniel>Also wir würden jetzt keinen Tee einfach aufgrund der Gradierung einkaufen.

00:25:09.550 --> 00:25:16.270
<v Daniel>Und jetzt kommt noch das, was die wenigsten wissen: Die Gradierung wird vom
Teehersteller, also vom Teegarten selber festgelegt.

00:25:16.270 --> 00:25:23.680
<v Daniel>Also es gibt keine staatliche Gradierungsstelle, wo irgendein indischer Beamter
sitzt und den ganzen Tag Tee gradiert, sondern jeder Teegarten macht das selber.

00:25:23.680 --> 00:25:26.100
<v Daniel>Und genauso willkürlich ist das heutzutage ja natürlich.

00:25:26.200 --> 00:25:32.350
<v Tobias>Okay. Erinnert mich an den Begriff alte Reben beim Wein, kann auch jeder
irgendwie nutzen, ob die alt sind oder nicht.

00:25:32.350 --> 00:25:33.550
<v Daniel>Ist das so?

00:25:33.550 --> 00:25:34.000
<v Daniel>Das habe ich gar nicht gewusst.

00:25:34.000 --> 00:25:37.810
<v Tobias>Ja, ja, es gibt kein vorgeschriebenes Mindestalter der Reben.

00:25:37.930 --> 00:25:44.690
<v Tobias>Klar, es gehört natürlich zum guten Ton, dass man das jetzt nicht bei Weinen
von 10 Jahre alten Reben macht.

00:25:45.020 --> 00:25:47.630
<v Tobias>Aber es ist nicht, es ist nicht festgelegt.

00:25:48.470 --> 00:25:50.150
<v Daniel>Was wäre denn so eine alte Rebe?

00:25:50.150 --> 00:25:53.750
<v Daniel>Jetzt mal so aus dem Verständnis, wie alt werden denn kommerziell genutzte
Reben?

00:25:54.100 --> 00:26:03.920
<v Tobias>Genau, also ich sage mal, ich glaube, bei der Bezeichnung „alte Reben", da ist
es so okay, wenn die so 30 Jahre alt sind, dann sagt man, könnte sein, dass

00:26:03.920 --> 00:26:06.620
<v Tobias>das jetzt wirklich schon als alt zu bezeichnen ist.

00:26:07.130 --> 00:26:16.520
<v Tobias>Faktisch ist es aber so, dass es durchaus Reben gibt, die 100, 120 Jahre alt
sind, die dann natürlich nur noch extrem geringe Erträge produzieren, die dann

00:26:16.520 --> 00:26:20.030
<v Tobias>aber natürlich auch von der Qualität her außergewöhnlich gut sind.

00:26:20.990 --> 00:26:25.850
<v Tobias>Und ja, irgendwann ist dann auch Feierabend mit der Rebe bzw.

00:26:26.000 --> 00:26:28.400
<v Tobias>bilden sich dann praktisch überhaupt keine Trauben mehr aus.

00:26:28.400 --> 00:26:31.190
<v Tobias>Und dann, ja, dann gibt es auch keinen Wein mehr.

00:26:31.310 --> 00:26:33.410
<v Daniel>Gibt es denn Weine aus wilden Rebsorten?

00:26:33.500 --> 00:26:35.090
<v Daniel>Ich kenne es vom Tee tatsächlich.

00:26:35.270 --> 00:26:42.380
<v Daniel>In Nordvietnam, so an der Grenze zu China, war ich vor ein paar Jahren, und da
haben wir so 700 Jahre alte Teebäume gesehen, die werden auch geerntet.

00:26:43.070 --> 00:26:48.260
<v Daniel>Das geht fast ausnahmslos nach China alles, weil Tee von so alten Teebäumen.

00:26:48.950 --> 00:26:52.760
<v Daniel>Vermutlich macht das langes Leben oder viel Kraft oder ich habe keine Ahnung.

00:26:53.030 --> 00:26:54.800
<v Daniel>Aber das gibt es tatsächlich.

00:26:54.800 --> 00:27:01.730
<v Daniel>Also in Darjeeling sprechen wir von knapp 180 Jahren, die einige Sträucher
schon bearbeitet werden.

00:27:01.760 --> 00:27:04.580
<v Daniel>Ja, es gibt noch Sektionen, die sind original.

00:27:04.580 --> 00:27:08.930
<v Daniel>In Japan haben wir so eine durchschnittliche Dauer von 60 Jahren für die
Teesträucher.

00:27:10.070 --> 00:27:13.400
<v Daniel>Danach werden die ersetzt. Aber ansonsten Tee wird sehr, sehr alt.

00:27:14.210 --> 00:27:18.200
<v Tobias>Ja, das erinnert mich dann jetzt schon fast eher so an Olivenbäume oder so was.

00:27:18.590 --> 00:27:22.760
<v Michael>Ich möchte jetzt endlich mal auf eine Parallele kommen, die uns doch allen was
sagen sollte.

00:27:22.940 --> 00:27:26.450
<v Michael>Wir schmecken doch sowohl Tee als auch Wein.

00:27:27.260 --> 00:27:29.420
<v Michael>Jetzt hast du gesagt, du bist Teatester.

00:27:29.870 --> 00:27:35.450
<v Michael>Was schmecke ich denn am Tee, wenn du jetzt einen Tee probierst, worauf achtest
du?

00:27:35.840 --> 00:27:37.580
<v Michael>Was sind deine Kriterien dafür?

00:27:38.270 --> 00:27:41.360
<v Daniel>Das ist immer, immer ganz unterschiedlich, wen man fragt.

00:27:41.360 --> 00:27:47.240
<v Daniel>Also wir haben ja gerade, August war ja gerade und wir haben ja neue
Auszubildende gekriegt und wir hatten eine junge Dame jetzt bei uns, die hat

00:27:47.240 --> 00:27:49.880
<v Daniel>direkt in der Teeabteilung angefangen, also direkt im Teatasting.

00:27:50.180 --> 00:27:53.180
<v Daniel>Die mochte keinen Schwarztee und wir waren da in der Assamzeit.

00:27:53.180 --> 00:27:54.740
<v Daniel>Das war so ein bisschen heftig für sie.

00:27:56.270 --> 00:28:03.800
<v Daniel>Das heißt dann also, wenn wir in der Einkaufszeit sind, das heißt dann durchaus
schon mal 100 Proben, die wir halt probieren.

00:28:07.910 --> 00:28:11.420
<v Daniel>Anders als bei euch darf ich das runterschlucken.

00:28:11.420 --> 00:28:12.170
<v Tobias>Ich darf das auch.

00:28:12.170 --> 00:28:14.390
<v Daniel>Ja, bis zu einer gewissen Grenze, oder?

00:28:15.290 --> 00:28:17.240
<v Daniel>Ansonsten kaufst du direkt 3 Kisten.

00:28:17.390 --> 00:28:21.560
<v Daniel>Ja, genau. Also wir spucken den Tee tatsächlich aufgrund der Menge dann wieder
aus.

00:28:21.800 --> 00:28:28.400
<v Daniel>Also, wenn wir so. Wir haben oben in der Verkostung eine Maximalbandbreite von
110 Proben, die wir hintereinander probieren können.

00:28:28.610 --> 00:28:30.500
<v Daniel>Und dann würden wir halt die ganze Zeit zum Klo rennen.

00:28:30.500 --> 00:28:33.200
<v Daniel>Aber was wir natürlich lernen, also wir sagen, so ca.

00:28:33.200 --> 00:28:39.470
<v Daniel>6, 7 Jahre braucht man, bis man sich sensorisch so weit geschult hat, dass man
eigenständige Entscheidungen trifft.

00:28:40.010 --> 00:28:49.910
<v Daniel>Auf der einen Seite gibt es natürlich immer Referenzmuster, das heißt, was wir
versuchen, ist, dass wir die Tees, die wir so im Sortiment haben, natürlich vom

00:28:49.910 --> 00:28:53.630
<v Daniel>gleichen Hersteller, vom gleichen Ursprung einkaufen, nur eben in frisch.

00:28:53.900 --> 00:29:02.330
<v Daniel>Also es gibt bis auf eine Teesorte kaum Tees, die bewusst gelagert werden, also
dass man Tee wirklich jahrelang lagert und er besser wird.

00:29:02.330 --> 00:29:03.590
<v Daniel>Das kennen wir nur vom Pu-Erh Tee.

00:29:04.250 --> 00:29:06.050
<v Daniel>Das ist überhaupt nicht meine Sorte.

00:29:06.050 --> 00:29:10.600
<v Daniel>Wir haben einen Kollegen, der schwört darauf, der ist aber gerade krank.

00:29:10.850 --> 00:29:11.810
<v Tobias>Kein Kommentar jetzt.

00:29:11.810 --> 00:29:15.200
<v Daniel>Kein Kommentar. Und ansonsten versuchen wir, Tee möglichst frisch zu handeln.

00:29:15.200 --> 00:29:17.540
<v Daniel>Also gerade bei Grüntee. Der verliert natürlich an Frische.

00:29:17.660 --> 00:29:21.620
<v Daniel>Das heißt, unsere Bestände reichen immer so auf 1 Jahr und dann schauen wir.

00:29:21.620 --> 00:29:29.120
<v Daniel>In der Einkaufszeit haben wir das Referenzmuster aus dem letzten Jahr und das
gleiche Geschmacksprofil wollen wir ihn frisch, sozusagen.

00:29:29.510 --> 00:29:35.960
<v Daniel>So, und dann gibt es natürlich typische Noten, also die typisch sind für eine
bestimmte Sorte von Tee oder für eine bestimmte Region.

00:29:36.290 --> 00:29:40.250
<v Daniel>Wenn sie mal zum Beispiel auf Darjeeling gehen, dann will ich immer eine
Blumigkeit haben im First Flush.

00:29:40.250 --> 00:29:41.690
<v Daniel>Also First Flush ist Maiglöckchen.

00:29:41.840 --> 00:29:44.390
<v Daniel>Das ist das, was ich in der Tasse haben möchte.

00:29:45.260 --> 00:29:48.320
<v Daniel>Dann gibt es natürlich auch Dinge, die ich nicht drin haben möchte.

00:29:48.320 --> 00:29:52.730
<v Daniel>Das sind muffige Noten, wenn der Tee zum Beispiel unzureichend getrocknet ist.

00:29:53.270 --> 00:29:57.830
<v Daniel>Wir hatten das vor ein paar Jahren mal, da kam eine Lieferung hier an, die
haben wir sogar extra einfliegen lassen.

00:29:58.400 --> 00:30:06.380
<v Daniel>Es war ein weißer Tee aus Darjeeling, das waren irgendwie 8 Kisten, also
unfassbar wenig, und den hat man irgendwie in Kalkutta am Flughafen leider

00:30:06.380 --> 00:30:09.140
<v Daniel>draußen stehen lassen, da hat es geregnet und haben die den eingestretcht.

00:30:09.140 --> 00:30:11.450
<v Daniel>Und als der hier ankamen, roch der total verschimmelt.

00:30:12.050 --> 00:30:14.540
<v Daniel>Wir haben keinen Schimmel feststellen können, aber er schmeckte so.

00:30:14.540 --> 00:30:16.610
<v Daniel>Und den haben wir natürlich nicht verkaufen können.

00:30:16.940 --> 00:30:18.080
<v Daniel>Also das sind so Fehlnoten.

00:30:18.080 --> 00:30:22.850
<v Daniel>Oder verbrannt im Sinne von, ich habe zu heiß oder zu lange getrocknet, das
geht auch.

00:30:22.850 --> 00:30:24.020
<v Daniel>Tee verbrennt auch sehr schnell.

00:30:24.080 --> 00:30:25.460
<v Daniel>Wir haben eine Restfeuchte von ca.

00:30:25.460 --> 00:30:28.310
<v Daniel>3 %, das macht ihn halt wirklich haltbar.

00:30:28.310 --> 00:30:34.820
<v Daniel>Aber das ist auch so ein Grad, wo ich sage, wenn ich da zu viel Hitze reingebe,
dann schmecke ich das sofort raus.

00:30:35.270 --> 00:30:37.820
<v Daniel>So, das sind so die Dinge, auf die ich achte.

00:30:37.820 --> 00:30:41.410
<v Daniel>Also habe ich typische Geschmäcker für bestimmte Regionen, für bestimmte
Ursprungsgebiete.

00:30:42.250 --> 00:30:46.660
<v Daniel>Jetzt haben wir hier 2 grüne Tees stehen, einmal einen Japan Sencha und einmal
einen Südkorea Sencha.

00:30:47.110 --> 00:30:50.320
<v Daniel>Das sind beides Tees, die werden im Laufe der Produktion gedämpft.

00:30:50.320 --> 00:30:59.710
<v Daniel>Das heißt, ich möchte hier sehr vegetabile Noten drin haben, also teilweise
Umami, dieses Vollmundige, Reichhaltige im Geruch, bisweilen an gedämpften

00:30:59.710 --> 00:31:01.570
<v Daniel>Spinat oder junge Erbsen erinnernd.

00:31:01.570 --> 00:31:03.010
<v Daniel>Das sind so typische Noten.

00:31:03.010 --> 00:31:07.750
<v Daniel>Beim Assam möchte ich Malz haben, ich möchte Würze, ich möchte Ausdruck, ich
möchte Körperfülle.

00:31:08.350 --> 00:31:09.940
<v Daniel>Kommt halt eben sehr auf den Tee drauf an.

00:31:10.150 --> 00:31:16.390
<v Tobias>Das heißt, wenn man jetzt so das Aromarad kennt, auch aus dem Weinbereich, dann
gibt es das beim Tee genauso.

00:31:16.390 --> 00:31:18.250
<v Daniel>Das haben wir tatsächlich das letzte Mal entwickelt.

00:31:18.250 --> 00:31:19.600
<v Daniel>Wir haben das endlich mal drucken lassen.

00:31:19.600 --> 00:31:21.040
<v Tobias>Okay, ja, super.

00:31:21.040 --> 00:31:21.880
<v Daniel>Das gibt's jetzt bei uns.

00:31:21.880 --> 00:31:26.140
<v Tobias>Es hört sich zumindest auch so an, als würde man da auch alles hintrimmen, wie
beim Wein auch.

00:31:26.170 --> 00:31:29.830
<v Tobias>Florale Geschichten, eher Gewürznoten, dann gibt es vielleicht auch mal was
Schokoladiges.

00:31:30.940 --> 00:31:37.450
<v Tobias>Und dann gibt es ja bei euch noch den Vorteil, es gibt ja auch so was, haben
wir noch gar nicht drüber gesprochen, wie Kräutertees.

00:31:37.480 --> 00:31:41.560
<v Tobias>Da ist das dann relativ klar, dass Pfefferminz nach Pfefferminz riechen sollte.

00:31:41.620 --> 00:31:44.530
<v Tobias>Ja, oder Jasmintee, mag ich beispielsweise auch.

00:31:44.530 --> 00:31:48.220
<v Tobias>Grüntee mit Jasmin finde ich irgendwie auch eine schöne Kombination.

00:31:48.580 --> 00:31:58.450
<v Tobias>Aber lass uns doch jetzt vielleicht auch noch mal auf die Inhaltsstoffe kommen,
weil für mich ist so eine Parallele zwischen Wein und Tee,

00:31:58.990 --> 00:32:03.670
<v Tobias>Alkohol und Koffein, oder ich glaube bei Tee heißt es eigentlich Teein, oder?

00:32:04.210 --> 00:32:05.620
<v Daniel>Das ist wie Tea sinensis.

00:32:05.620 --> 00:32:07.750
<v Daniel>Also heute wissen wir, es ist Koffein.

00:32:07.750 --> 00:32:09.490
<v Tobias>Okay, es ist einfach Koffein.

00:32:10.390 --> 00:32:12.520
<v Tobias>Da gibt es doch bestimmt auch Riesenunterschiede.

00:32:12.520 --> 00:32:21.010
<v Tobias>Also ich reagiere relativ sensibel auf Koffein und habe auch schon den einen
oder anderen Tee getrunken, wo ich gedacht habe, uiuiui, und dann vor allem auch

00:32:21.010 --> 00:32:26.020
<v Tobias>erfahren, je länger ich ihn ziehen lasse, desto stärker ist dann das Koffein.

00:32:26.020 --> 00:32:27.670
<v Tobias>Aber das kann eigentlich gar nicht sein, oder?

00:32:28.150 --> 00:32:36.070
<v Daniel>Also es gibt im Tee sehr, sehr viel, was sich so überliefert hat, was man heute
mit wissenschaftlichen Methoden teilweise entkräftet oder so ein bisschen

00:32:36.070 --> 00:32:41.020
<v Daniel>teilentkräftet. Ich muss ein bisschen ausholen, so ein bisschen diesen
Chemiebaukasten.

00:32:41.710 --> 00:32:50.050
<v Daniel>Also Koffein im Tee und Kaffee ist das gleiche Alkaloid, das ist, die Pflanze
bildet es aus, um sich vor Fressfeinden zu schützen, obwohl die Teepflanze nicht

00:32:50.050 --> 00:32:51.070
<v Daniel>viele Fressfeinde hat.

00:32:52.180 --> 00:32:56.050
<v Daniel>Wir haben vor einigen Jahren mal einen Versuch unternommen.

00:32:56.050 --> 00:33:02.500
<v Daniel>Da haben wir aus einem spezifischen Teegarten in Darjeeling, haben wir 30
aufeinanderfolgende Tagesmengen untersucht.

00:33:02.620 --> 00:33:09.150
<v Daniel>Also einen Monat lang in der First-Flush-Zeit haben wir die Inhaltsstoffe
untersucht, um zu schauen, welche Bandbreite haben wir?

00:33:09.150 --> 00:33:13.600
<v Daniel>Ist das relativ konstant oder haben wir quasi innerhalb einer Ernteperiode schon
Schwankungen?

00:33:14.410 --> 00:33:18.880
<v Daniel>Und na ja, was soll ich sagen, plus-minus 30 % in Koffein.

00:33:19.270 --> 00:33:25.360
<v Daniel>Das heißt, bei uns wirst du niemals irgendwelche Koffeinwerte finden, weil wir
wissenschaftlich keinen Halt dafür haben.

00:33:25.360 --> 00:33:27.160
<v Daniel>Wir müssten jede Charge untersuchen.

00:33:27.550 --> 00:33:36.250
<v Daniel>Und die Pflanze bildet es eben je nach Stresslevel und je nach Jahreszeit
entsprechend mehr oder weniger aus.

00:33:36.460 --> 00:33:39.070
<v Daniel>So, das ist das eine. Also quasi was ist in der Pflanze drin?

00:33:39.400 --> 00:33:45.400
<v Daniel>Also wie viel bildet die Pflanze im Laufe ihrer Wachstumsperiode aus?

00:33:45.400 --> 00:33:53.590
<v Daniel>Und das andere ist, anders als beim Wein, wir können tatsächlich hier über die
Zubereitung maßgeblich bestimmen, wie viele Inhaltsstoffe habe ich.

00:33:53.860 --> 00:33:56.170
<v Daniel>Im Wein ist es relativ einfach, ich mache die Flasche auf und trinke.

00:33:56.380 --> 00:33:58.300
<v Daniel>Beim Tee habe ich ja noch mal das Zubereiten.

00:33:58.300 --> 00:34:00.730
<v Daniel>Also ich über gieße mit heißem oder kochendem Wasser.

00:34:00.730 --> 00:34:04.180
<v Daniel>Und das ist maßgeblich entscheidend für die Inhaltsstoffe.

00:34:04.540 --> 00:34:12.490
<v Daniel>Wenn ich zum Beispiel jetzt einen Grüntee nehmen, wir haben ja, 2/3 Kannen sind
grün, weil Deutschland immer grüner wird, zumindest vom Tee her, also okay.

00:34:13.990 --> 00:34:16.690
<v Daniel>Grüntee wird in der Regel nicht mit kochendem Wasser aufgegossen.

00:34:16.690 --> 00:34:20.140
<v Daniel>Das hat den einzigen Hintergrund, dass sich Bitterstoffe so ca.

00:34:20.140 --> 00:34:21.820
<v Daniel>ab 80 Grad Celsius lösen.

00:34:22.000 --> 00:34:28.060
<v Daniel>Die Bitterstoffe sind auch im Schwarztee drin, aber da sind andere Aromen drin,
die die Bitterstoffe quasi maskieren.

00:34:28.210 --> 00:34:36.610
<v Daniel>So ein Assam zum Beispiel hat genau die gleiche Menge an Theanin und an
Tanninen wie auch ein Grüntee, aber er hat andere ätherische Öle durch die

00:34:36.610 --> 00:34:39.010
<v Daniel>Oxidation und deswegen schmecken wir das nicht so raus.

00:34:39.400 --> 00:34:43.780
<v Tobias>Ist auch wieder beim Wein so, also Säure, Tannine, Aroma.

00:34:43.780 --> 00:34:51.220
<v Tobias>In welchem Verhältnis sich diese Komponenten zueinander befinden, bestimmt ja
auch darüber, ist ein Wein elegant, balanciert.

00:34:51.670 --> 00:34:52.690
<v Tobias>Ja, hört sich wieder sehr ähnlich.

00:34:53.170 --> 00:35:00.370
<v Daniel>Beim Grüntee ist es so, ich nehme in der Regel so plus-minus 70, 80 Grad, kommt
ein bisschen auf die Sorte an, aber so mit 80 Grad liege ich eigentlich immer

00:35:00.370 --> 00:35:04.180
<v Daniel>gut. Ich versuche ja, dass Thema möglichst simpel ist und immer Spaß macht.

00:35:04.180 --> 00:35:08.680
<v Daniel>Also ich habe zum Beispiel kein Thermometer zu Hause, also nicht für Tee.

00:35:08.680 --> 00:35:10.570
<v Daniel>Das mache ich so nach technischem Augenmaß.

00:35:11.170 --> 00:35:13.870
<v Daniel>Und ich finde auch, einen guten Tee kann man auch nicht schlecht zubereiten.

00:35:14.980 --> 00:35:21.160
<v Daniel>Und durch diese verminderte Temperatur und auch die kürzere Ziehzeit, habe ich
auch einfach weniger Extraktion in die Tasse.

00:35:21.340 --> 00:35:29.920
<v Daniel>Das heißt, ein Grüntee wird, wenn ich ihn mit 70 Grad und 2 Minuten zubereite
immer weniger Koffein haben als ein Schwarztee mit kochendem Wasser in 5

00:35:29.920 --> 00:35:32.050
<v Daniel>Minuten. Jetzt kommt aber das Aber.

00:35:32.440 --> 00:35:36.790
<v Daniel>Es gibt diese Halbwahrheit: kurze Ziehzeit anregend, lange Ziehzeit beruhigend.

00:35:37.150 --> 00:35:39.760
<v Daniel>So, das ist halb richtig.

00:35:39.760 --> 00:35:41.840
<v Daniel>Das Koffein löst sich sehr schnell.

00:35:42.020 --> 00:35:45.380
<v Daniel>Koffein habe ich in der Regel, nach 90 Sekunden habe ich fast alles Koffein
rausgeholt.

00:35:46.430 --> 00:35:48.530
<v Daniel>Danach passiert nicht mehr viel im Koffein.

00:35:48.830 --> 00:35:57.470
<v Daniel>Aber mit zunehmender Ziehzeit lösen sich sekundäre Pflanzenstoffe, vor allen
Dingen Gerbstoffe, die die Aufnahme des Koffeins verzögern.

00:35:57.470 --> 00:36:02.660
<v Daniel>Wenn ich jetzt aber eine Koffeinempfindlichkeit habe, es gibt ja hypersensible
Menschen, dann nützt mir das auch nichts.

00:36:02.660 --> 00:36:04.070
<v Daniel>Dann sollte ich lieber Kräutertee trinken.

00:36:05.660 --> 00:36:07.100
<v Michael>Was ist denn da noch drin?

00:36:07.130 --> 00:36:10.820
<v Michael>Also ich weiß, es gibt noch Mineralien, sind da in einem nennenswerten Maß
drinnen.

00:36:11.060 --> 00:36:15.020
<v Michael>Sogar Vitamine, Aminosäuren, das Chlorophyll vom Blatt.

00:36:15.380 --> 00:36:18.050
<v Michael>Das alles schmecke ich dann bei so einem Grüntee?

00:36:18.080 --> 00:36:20.030
<v Michael>Chlorophyll habe ich da immer, so die Assoziation.

00:36:20.030 --> 00:36:22.850
<v Daniel>Die ist vor allem die Farbe. Also Chlorophyll ist für die Farbe verantwortlich.

00:36:22.850 --> 00:36:28.400
<v Daniel>Wenn wir jetzt gerade mal im Bereich Japan gehen, das ist super spannend, denn
in Japan werden die Teesträucher überschattet.

00:36:28.400 --> 00:36:31.850
<v Daniel>Also nicht alle, sondern hochwertige Sorten, die werden überschattet.

00:36:32.150 --> 00:36:39.800
<v Daniel>Da werden dann, ja, so ganz dunkle Netze, das sieht halt überhaupt nicht sexy
aus, also es ist wirklich, die Teesträucher werden eingepackt vor der Ernte, je

00:36:39.800 --> 00:36:41.060
<v Daniel>nach Kultivar.

00:36:41.270 --> 00:36:45.230
<v Daniel>Manche Kultivare überstehen das länger, bis zu 3 Wochen.

00:36:45.230 --> 00:36:49.430
<v Daniel>So, und ich halte dann also knapp 90 bis 95 % des Sonnenlichts fern.

00:36:49.550 --> 00:36:56.420
<v Daniel>Die Pflanze reagiert mit eben entsprechender Produktion von Chlorophyll, um die
verminderte Sonnenenergie zu nutzen.

00:36:56.420 --> 00:37:02.780
<v Daniel>Das ist so, wie wenn wir quasi auf 2.000 Meter Skilaufen gehen, dann
produzieren wir auch mehr Blutkörperchen, um den Sauerstoff besser zu

00:37:02.780 --> 00:37:05.810
<v Daniel>transportieren. Und das verändert die Farbe des Teeblattes.

00:37:05.810 --> 00:37:13.670
<v Daniel>Also so ein Japan Gyokuro, der wird so 3 Wochen überschattet, der ist schon
fast schwarz, wenn ich ihn mir anschaue im trockenem Blatt.

00:37:13.670 --> 00:37:20.420
<v Daniel>Und dann habe ich deutlich mehr Aminosäuren, ich habe weniger Bitterstoff, ich
habe weniger Catechine und der Tee schmeckt lieblicher.

00:37:20.660 --> 00:37:24.410
<v Daniel>So, ansonsten Vitamine, wird auch gerne im Früchtetee behauptet.

00:37:24.410 --> 00:37:26.210
<v Daniel>Früchtetee ist so Vitamin-C-reich.

00:37:26.330 --> 00:37:28.880
<v Daniel>Wenn ich kochendes Wasser drüber gieße, hilft das nicht viel.

00:37:29.120 --> 00:37:31.040
<v Daniel>Dann würde ich tatsächlich eher so einen Apfel empfehlen.

00:37:31.640 --> 00:37:35.960
<v Daniel>Wir haben vor allen Dingen Catechine, also das sind Antioxidantien im Tee.

00:37:35.960 --> 00:37:41.930
<v Daniel>Davon kennt man eine ganze Stoffgruppe, die haben wir auch, Polyphenole im Wein
haben wir ja auch.

00:37:42.710 --> 00:37:49.940
<v Daniel>Gut, beim Tee haben wir da eigentlich nicht, dass wir sagen maximal so viel,
sondern eigentlich so viel, wie man verträgt oder wie es eigentlich angenehm

00:37:49.940 --> 00:37:52.700
<v Daniel>ist. Ihr habt mich eingangs gefragt, wie viel Tee ich trinke.

00:37:52.700 --> 00:37:54.920
<v Daniel>Ich bin so bei 2, 2,5 Liter Tee am Tag.

00:37:55.220 --> 00:37:57.140
<v Daniel>Ich habe mich zum Beispiel an Koffein gewöhnt.

00:37:57.140 --> 00:38:00.860
<v Daniel>Also man gewöhnt sich sehr schnell an Koffein, man entwöhnt sich auch schnell.

00:38:01.070 --> 00:38:06.500
<v Daniel>Ich merke das immer auf Reisen, wenn ich also nicht meine 2 Liter Tee am Tag
habe, dann werde ich halt relativ schnell müde.

00:38:06.830 --> 00:38:09.140
<v Daniel>Das ist so der Effekt, den ich da habe.

00:38:09.260 --> 00:38:11.810
<v Daniel>Ansonsten, Tee wird ja noch mal verdünnt.

00:38:11.810 --> 00:38:17.510
<v Daniel>Also wir haben hier in der Regel so 12 Gramm auf einen Liter Wasser, das ist
relativ wenig.

00:38:18.290 --> 00:38:27.710
<v Daniel>Das heißt, nachher in der Tasse habe ich so 98 % Wasser, 2 % habe ich Extrakt
aus dem Tee, das sind ätherische Öle, Polyphenole,

00:38:27.710 --> 00:38:29.900
<v Daniel>Gerbstoffe, Tannine usw.

00:38:30.200 --> 00:38:33.500
<v Daniel>Das ist grundsätzlich, solange ich da keinen Zucker reintue, eine gute Sache.

00:38:33.500 --> 00:38:35.210
<v Daniel>Auch bei Früchtetee zum Beispiel.

00:38:35.210 --> 00:38:41.180
<v Daniel>Da sind zwar mitunter gezuckerte Fruchtstückchen drin, das ist aber auf die
Menge von einem Liter relativ wenig.

00:38:41.180 --> 00:38:42.920
<v Daniel>Also wir haben hier keinen nennenswerten Brennwert.

00:38:43.430 --> 00:38:46.760
<v Daniel>Also kalorisch gesehen sind wir auf jeden Fall im Vorteil gegenüber euch.

00:38:48.110 --> 00:38:53.570
<v Daniel>Aber ansonsten, es ist noch immer so ein bisschen in der in der Untersuchung.

00:38:53.570 --> 00:39:01.400
<v Daniel>Also es gibt noch und nöcher Studien zum Thema Tee, vor allen Dingen gerade bei
Grüntee und Catechinen hinsichtlich Krebsforschung.

00:39:01.400 --> 00:39:04.790
<v Daniel>Da wird sehr, sehr viel gemacht mit, auch mit Grünteeextrakten.

00:39:04.910 --> 00:39:10.730
<v Daniel>Wir haben auch viele, viele Leute, die tatsächlich dann an Krebs erkrankt sind
und eine spezielle Teesorte dafür trinken wollen.

00:39:10.730 --> 00:39:12.380
<v Daniel>Das können wir natürlich nicht beantworten.

00:39:12.500 --> 00:39:15.470
<v Daniel>Wir sind Lebensmittelhändler und keine Mediziner.

00:39:15.470 --> 00:39:21.830
<v Daniel>Das ist immer so ein bisschen schwierig, aber in Japan zum Beispiel haben wir
eine relativ hohe Lebenserwartung, die trinken fast nur Grüntee.

00:39:22.460 --> 00:39:24.320
<v Daniel>Das ist immer ein gutes, gutes Verkaufsargument.

00:39:24.320 --> 00:39:24.640
<v Daniel>Aber de facto.

00:39:24.640 --> 00:39:26.690
<v Michael>Aber die essen auch Fisch und, ne?

00:39:26.690 --> 00:39:26.930
<v Michael>Das ist.

00:39:27.080 --> 00:39:28.640
<v Daniel>Genau. Die ganze Ernährung spielt da eine Rolle.

00:39:28.640 --> 00:39:31.100
<v Daniel>Aber Tee ist natürlich ein wichtiger Bestandteil.

00:39:31.190 --> 00:39:34.940
<v Daniel>Also die Japaner decken einen Großteil des Flüssigkeitsbedarfs eben über Tee.

00:39:36.050 --> 00:39:42.980
<v Tobias>Jetzt kommen wir mal zu meinem Lieblingsthema, nämlich es fiel jetzt auch schon
der Begriff häufiger, Gerbstoffe bzw.

00:39:42.980 --> 00:39:52.280
<v Tobias>Tannine. Ich komme nämlich jetzt gerade von einer Weinreise aus Spanien zurück
und da war unter anderem ein Master of Wine auch dabei, Thomas Curtius, darf man

00:39:52.280 --> 00:39:53.550
<v Tobias>ja hier mal nennen.

00:39:53.550 --> 00:40:02.600
<v Tobias>Und er hat erzählt, was ihm enorm geholfen hat bei seiner Vorbereitung auf die
Abschlussprüfung, wo man ja dann auch viele Weine blind verkostet,

00:40:03.200 --> 00:40:09.650
<v Tobias>dass er einen chinesischen Kommilitonen hatte, der aus einer
Teehandelstradition stammte.

00:40:10.250 --> 00:40:19.040
<v Tobias>Und dadurch hat er die Möglichkeit bekommen, mit diesem Mitstudenten zu
trainieren, und zwar mit der Mutter von dem chinesischen Kommilitonen.

00:40:19.910 --> 00:40:27.170
<v Tobias>Und er erzählte mir, beim Thema Tee ist das ein bisschen so wie mit den Eskimos
und den Wörtern für Schnee.

00:40:27.590 --> 00:40:33.320
<v Tobias>Da haben die nämlich ganz, ganz viele für unterschiedliche Tannine, für
unterschiedliche Gerbstoffe.

00:40:33.980 --> 00:40:43.380
<v Tobias>Und da spricht man ja auch beim Wein von körnigen Tanninen oder spricht vor
allem auch, wo im Mund, das Tannin dann besonders spürbar ist.

00:40:43.740 --> 00:40:53.400
<v Tobias>Und das fand ich jetzt noch mal eine ganz, ganz spannende Parallele, dass man
sogar sich durch Verkosten von Tee ein bisschen schulen kann, was

00:40:53.400 --> 00:40:55.350
<v Tobias>Tannine im Wein auch bedeuten.

00:40:55.650 --> 00:41:03.030
<v Daniel>Also es gibt tatsächlich, wenn wir nach China reisen, oder generell in
asiatischen Ländern haben wir auch eine andere Klassifizierung von Sensorik.

00:41:03.300 --> 00:41:04.800
<v Daniel>Wir haben andere Grundgeschmäcker.

00:41:05.070 --> 00:41:09.930
<v Daniel>Es gibt Länder, die zum Beispiel auch warm als Begriff, also als
Geschmacksqualität definieren.

00:41:09.930 --> 00:41:15.240
<v Daniel>Das haben wir nicht. Also wir haben 5 Geschmacksgrundarten, die wir hier quasi
benennen.

00:41:15.690 --> 00:41:18.060
<v Daniel>Und dann haben wir natürlich noch die Aromen dazu.

00:41:18.360 --> 00:41:23.940
<v Daniel>Wir würden jetzt im Tee zum Beispiel von der Adstringenz sprechen, also über
das Mundgefühl vor allen Dingen.

00:41:24.330 --> 00:41:30.570
<v Daniel>Wir selber hier in Deutschland haben jetzt keine, also kein eigenständiges
Wording für diese Tannine.

00:41:31.200 --> 00:41:32.700
<v Daniel>Ich kenne es aus China, ja.

00:41:33.180 --> 00:41:38.700
<v Daniel>Ich spreche kein Chinesisch, deswegen ist es so ein bisschen schwer, das zu
greifen für uns.

00:41:38.940 --> 00:41:42.390
<v Daniel>Zumal wir auch so ein bisschen auf den deutschen Markt fokussiert sind.

00:41:42.390 --> 00:41:44.730
<v Daniel>Und wenn ich da anfange mit unterschiedlichen Tanninen.

00:41:44.730 --> 00:41:48.360
<v Daniel>Also ich bin ja froh, wenn ich Kunden habe, die Unterschiede zwischen Schwarz-
und Grüntee kennen.

00:41:48.480 --> 00:41:55.470
<v Daniel>Ja, das meine ich ja gar nicht negativ, sondern es ist natürlich immer noch ein
kurioserweise exotisches Feld für die meisten.

00:41:56.190 --> 00:41:57.360
<v Daniel>Das machen wir jetzt so nicht.

00:41:57.360 --> 00:42:00.810
<v Tobias>Ich bin da auch so ein bisschen bezüglich dieses Themas besessen.

00:42:01.080 --> 00:42:08.910
<v Tobias>Der Michael, der weiß das, weil da gibt es jetzt auch ein ganz interessantes
Buch „Beyond Flavour", auch von einem Master of Wine geschrieben, der gesagt

00:42:08.910 --> 00:42:18.900
<v Tobias>hat, Wenn du dich auf Aromatik verlässt beim Blindverkosten, bist du häufig
verlassen, weil es gibt so viele Faktoren, die dann doch in die falsche Richtung

00:42:19.050 --> 00:42:23.610
<v Tobias>deuten, was die Identifikation von Rebsorte oder Region angeht.

00:42:23.850 --> 00:42:33.090
<v Tobias>Und der hat im Grunde genommen ein System entwickelt, wonach er
unterschiedliche Tanninstrukturen einfach einer Rebsorte zuweisen kann und

00:42:33.090 --> 00:42:38.490
<v Tobias>spricht da von Formen von Tannin, von den unterschiedlichen Bereichen.

00:42:38.550 --> 00:42:42.900
<v Tobias>Also ja, sehr, sehr nerdig das Thema.

00:42:42.900 --> 00:42:49.650
<v Daniel>Aber das wäre jetzt auch sehr interessant zu sehen: Ist das quasi eine
universelle Eigenschaft der Rebsorte oder ist das auch jahreszeitlich bedingt?

00:42:49.650 --> 00:42:53.760
<v Daniel>Also wäre das jetzt im Jahrgang 2019 anders als bei 2020?

00:42:53.850 --> 00:43:03.120
<v Tobias>Nein, also er kombiniert das allerdings, muss man dazu sagen, auch noch mit
Säurestruktur, also Säure- und Tanninstruktur gibt ihm so ein

00:43:03.120 --> 00:43:12.720
<v Tobias>Patentrezept zu sagen, egal, wo der Wein jetzt irgendwie herkommt oder ob er im
Fass war oder sonst was, aufgrund wie sich

00:43:13.200 --> 00:43:19.050
<v Tobias>Säure und Tannin im Mund präsentiert, bin ich da relativ sicher, was es für
eine Rebsorte ist.

00:43:19.050 --> 00:43:20.670
<v Daniel>Das ist ja, das finde ich, sehr, sehr spannend.

00:43:20.790 --> 00:43:23.490
<v Daniel>Also wir haben auch so ein bisschen dieses persönliche Empfinden.

00:43:23.640 --> 00:43:30.450
<v Daniel>Also Sensorik ist ja letzten Endes persönliche Sache und wir reden natürlich
auch mit den Teetrinker und sagen, das, was für den einen bitter ist, ist für

00:43:30.450 --> 00:43:32.790
<v Daniel>den anderen angenehm herb, also gerade im Bereich Grüntee.

00:43:33.750 --> 00:43:35.100
<v Daniel>Es ist ja schon sehr unterschiedlich.

00:43:35.100 --> 00:43:40.650
<v Daniel>Und wir erleben auch so diese individuelle Wahrnehmung von zum Beispiel Säure
gerade im Bereich Früchtetee.

00:43:41.370 --> 00:43:44.160
<v Daniel>Du hast da natürlich sehr, sehr stark mit der Farbe auch Assoziation.

00:43:44.250 --> 00:43:48.270
<v Daniel>Wir haben Früchtetee, empfinden die meisten als, ne, das ist dunkel, das ist
sauer, das will ich nicht.

00:43:48.900 --> 00:43:58.650
<v Daniel>Und zwischen der real messbaren Säure, also einem pH-Wert und der Farbe des
Tees, haben wir teilweise so eine starke Diskrepanz, dass Leute sagen, ne, den

00:43:58.650 --> 00:44:00.540
<v Daniel>probiere ich gar nicht, weil der mir zu dunkel aussieht.

00:44:00.720 --> 00:44:01.860
<v Daniel>Das ist ja beim Rotwein auch so, ne?

00:44:01.980 --> 00:44:06.360
<v Daniel>Wenn der Rotwein eine gewisse Farbe hat, sagen die, ne, der ist bestimmt zu
kräftig, obwohl das vielleicht gar nicht so ist.

00:44:06.660 --> 00:44:10.140
<v Tobias>Oder auch andersrum, wenn er sehr, sehr hell ist, och, der ist bestimmt wässrig.

00:44:10.140 --> 00:44:19.440
<v Daniel>Ja, spaßeshalber, wir haben gerade ja einen Praktikanten aus Ruanda hier, die
jetzt auch für uns einen großen, großen Teil an Schwarztee liefern für

00:44:19.560 --> 00:44:20.640
<v Daniel>aromatisierte Tees.

00:44:20.970 --> 00:44:29.010
<v Daniel>In der Tasse ist der Tee aus Ruanda deutlich leichter als das Pendant aus
Kenia, aber im Geschmack ist er viel kräftiger.

00:44:29.160 --> 00:44:31.740
<v Daniel>Und das ist etwas, erleben wir relativ selten.

00:44:31.740 --> 00:44:38.310
<v Daniel>Normalerweise kann man bei Tee, also klassisch Schwarztee, geht man schon
ziemlich gut nach der Farbe, aber das hat mich die Woche ziemlich umgehauen,

00:44:38.310 --> 00:44:41.640
<v Daniel>weil der wirklich ganz, ganz hell und klar ist, also ohne Trübung, ohne
irgendwas.

00:44:42.540 --> 00:44:44.400
<v Daniel>Aber der hat Power, der hat Kraft.

00:44:44.400 --> 00:44:45.330
<v Daniel>Das ist unglaublich.

00:44:45.810 --> 00:44:54.360
<v Michael>Gut. Jetzt hast du ja vorhin schon so ein bisschen über das Zubereiten
gesprochen und hast das so ein bisschen einfacher formuliert.

00:44:54.360 --> 00:44:58.830
<v Michael>Aber, wenn ich es jetzt ganz ernst nehme, wie bereite ich optimal denn meinen
Tee?

00:44:59.340 --> 00:45:05.670
<v Daniel>Das finde ich sehr spannend, weil die Parallelen zum Wein da so eklatant sind.

00:45:05.970 --> 00:45:09.180
<v Daniel>Jetzt meine Frage an euch: Wie viele verschiedene Weingläser habt ihr zu Hause?

00:45:09.960 --> 00:45:12.780
<v Daniel>Also quasi ein Rotweinglas, Weißwein, Burgunder, Sektflöte bla.

00:45:12.780 --> 00:45:14.190
<v Michael>Ja, da haben wir uns schon mal drüber unterhalten.

00:45:14.190 --> 00:45:16.470
<v Michael>Ich deutlich weniger als der Tobias.

00:45:16.560 --> 00:45:19.470
<v Tobias>Ja, ich muss zugeben, das hat sich bei mir extrem gewandelt.

00:45:19.470 --> 00:45:27.450
<v Tobias>Ich hatte auch mal irgendwie so eine Phase, wo ich dachte, ich brauche jetzt
tatsächlich irgendwie sogar mehr als nur für Rot und Weiß, sondern dann kam noch

00:45:27.450 --> 00:45:31.980
<v Tobias>das Süßweinglas dazu und dann habe ich gedacht, oh, ein Rieslingglas hört sich
gut an!

00:45:31.980 --> 00:45:35.100
<v Tobias>Also man kann ja sogar bis auf die Rebsorte runter steigen.

00:45:35.100 --> 00:45:38.880
<v Tobias>Jetzt muss ich zugeben, ich habe ein wunderbares Universalglas.

00:45:39.090 --> 00:45:45.740
<v Tobias>Ich trinke eigentlich, wenn es jetzt nicht ein ganz besonderer Tropfen ist,
egal, Weiß, Rosé, Rot alles aus einem Glas.

00:45:45.770 --> 00:45:47.510
<v Daniel>Ja, das mache ich nämlich auch zu Hause.

00:45:48.500 --> 00:45:51.440
<v Daniel>Und bei der Teezubereitung ist es eigentlich ganz genauso.

00:45:51.440 --> 00:45:57.590
<v Daniel>Entweder ich habe wirklich den Teesorten angepasste Zubereitung.

00:45:57.590 --> 00:46:06.020
<v Daniel>Es gibt da in China zum Beispiel aus einem speziellen Ton, das sind die
Yixing-Tonkannen, die sind unfassbar teuer, also kriegt man auch kaum hier.

00:46:06.920 --> 00:46:09.440
<v Daniel>Nehmen wir dann gerne auch von Reisen mit, so als Souvenir.

00:46:10.670 --> 00:46:13.910
<v Daniel>Sind leider auch sehr zerbrechlich und der Ton ist natürlich porös.

00:46:13.910 --> 00:46:22.160
<v Daniel>Das heißt, ich habe hier eine Möglichkeit, dass sich Aromastoffe im Laufe der
Jahre ablagern und zum Geschmack beitragen, sollte aber natürlich niemals die

00:46:22.160 --> 00:46:25.190
<v Daniel>Sorte wechseln. Das ist also eine Kanne für eine Sorte.

00:46:25.670 --> 00:46:27.860
<v Daniel>Dann haben wir in Japan die Kyusu.

00:46:27.890 --> 00:46:30.350
<v Daniel>Das ist so eine Seitengriffkanne, ist auch aus Ton.

00:46:31.010 --> 00:46:35.330
<v Daniel>Da aber in Japan eigentlich nur Grüntee getrunken wird, spielt das eh keine
Rolle, weil da kommt nur Grüntee rein.

00:46:36.110 --> 00:46:39.110
<v Daniel>In Deutschland hier haben wir hauptsächlich Glas.

00:46:39.110 --> 00:46:40.700
<v Daniel>Glas oder Porzellan.

00:46:40.820 --> 00:46:46.490
<v Daniel>Wir haben jetzt hier zum Beispiel die Porzellan kann für euch vorbereitet, weil
die einfach hübscher aussehen als unsere Glaskannen.

00:46:46.490 --> 00:46:48.110
<v Daniel>Wobei auch das Geschmackssache ist.

00:46:48.110 --> 00:46:52.490
<v Daniel>Ich mag die Glaskanne lieber, die gehen in die Spülmaschine, die sind neutral.

00:46:52.490 --> 00:46:55.460
<v Daniel>Das ist eine versiegelte Oberfläche und sie sind universal.

00:46:55.970 --> 00:46:59.030
<v Daniel>Ja, hier vorne, ihr trinkt aus den weißen Porzellanbechern.

00:46:59.030 --> 00:47:06.350
<v Daniel>Wir 2 trinken hier aus den großen Wassergläsern mit 0,25, weil ich einfach mehr
Tee trinke beim Reden.

00:47:06.920 --> 00:47:12.410
<v Daniel>Die Zubereitung kann sehr, sehr komplex sein, also mit mehreren Aufgüssen.

00:47:12.410 --> 00:47:13.670
<v Daniel>Das ist so der Klassiker.

00:47:13.970 --> 00:47:15.800
<v Daniel>Ich habe einen Grüntee oder einen Oolong.

00:47:15.800 --> 00:47:18.260
<v Daniel>Also Oolong ist zwischen Schwarz- und Grüntee.

00:47:18.260 --> 00:47:22.040
<v Daniel>Der ist also kein Grüntee mehr, aber noch kein vollständiger Schwarztee.

00:47:22.040 --> 00:47:25.670
<v Daniel>Also teiloxidiert, so dazwischen, also der Rosé quasi.

00:47:26.420 --> 00:47:33.470
<v Daniel>Die kann und sollte ich auch je nach Qualitäts- und Preisklasse mehrmals
aufgießen, weil ich fange zum Beispiel jetzt mit 60 Grad an.

00:47:33.980 --> 00:47:37.280
<v Daniel>So, dann habe ich ja noch 40 Grad Puffer bis nach oben.

00:47:37.280 --> 00:47:40.610
<v Daniel>Und dann kann ich also jedes Mal bei einem 2., 3., 4.

00:47:40.610 --> 00:47:47.990
<v Daniel>Aufguss kann ich einfach 10 Grad dazugeben und dann habe ich eine andere
Extraktion, weil sich manche Inhaltsstoffe eben erst ab bestimmten Temperaturen

00:47:47.990 --> 00:47:55.670
<v Daniel>lösen. Und der Tee ist auch so ergiebig, dass, wenn ich ihn 1,5 oder 2 Minuten
ziehen lasse, ich aber einen sehr, sehr reichhaltigen Tee habe.

00:47:55.670 --> 00:47:57.980
<v Daniel>Dann ist da noch Potenzial für einen 2., 3.

00:47:57.980 --> 00:47:59.300
<v Daniel>Aufguss, kein Problem.

00:47:59.660 --> 00:48:01.250
<v Daniel>Das kann man machen.

00:48:01.550 --> 00:48:10.130
<v Daniel>Aber viele Teetrinker machen das gar nicht, sondern in Deutschland haben wir
bei der Zubereitung entweder, der Klassiker, das ist wie in Italien, also ich

00:48:10.130 --> 00:48:17.870
<v Daniel>komme aus dem Italienurlaub und bestelle dann hier in Castrop-Rauxel auf
Italienisch, sind aber eigentlich spanische Kellner, also der Klassiker in

00:48:17.870 --> 00:48:26.900
<v Daniel>Deutschland. Das heißt, wir haben auch Teetrinker, die importieren sich
irgendwo aus Japan bestimmte Kannen und machen, zelebrieren das an einem Sonntag

00:48:26.900 --> 00:48:27.140
<v Daniel>.

00:48:27.140 --> 00:48:28.220
<v Michael>Und nehmen dann den Teebeutel.

00:48:28.430 --> 00:48:29.870
<v Daniel>Ne, das nicht, das nicht.

00:48:30.560 --> 00:48:33.980
<v Daniel>Das finde ich halt sehr cool. Das macht sehr viel Spaß, jemanden zu begleiten.

00:48:34.100 --> 00:48:37.730
<v Daniel>Aber ansonsten gilt natürlich: Tee muss einfach sein.

00:48:38.810 --> 00:48:41.810
<v Daniel>Ich kriege ganz häufig so dieses, ja, Tee ist ja so kompliziert.

00:48:41.810 --> 00:48:44.180
<v Daniel>Und dann frage ich immer: Was habt ihr denn für eine Kaffeemaschine?

00:48:44.270 --> 00:48:52.250
<v Daniel>Und dann sagen die: Ja, ich habe hier so einen Vollautomaten mit 16 bar Druck
und 93,4 Grad und der Mahleinstellung und dann, ja, ja, aber Tee ist

00:48:52.250 --> 00:48:57.860
<v Daniel>kompliziert, genau. Also ich brauche im Grunde genommen eigentlich nur eine
Kanne, ein Sieb und einen Wasserkocher.

00:48:58.220 --> 00:49:00.320
<v Tobias>Und das Dekantieren bzw.

00:49:00.320 --> 00:49:02.690
<v Tobias>Karaffieren ist ja der richtige Begriff.

00:49:02.690 --> 00:49:04.880
<v Tobias>Das passiert dann beim Schlürfen, oder?

00:49:05.060 --> 00:49:06.350
<v Daniel>Genau, ein Tee ist immer gleich.

00:49:06.350 --> 00:49:14.420
<v Daniel>Ich habe die trockenen Pflanzenteile, gieße einen vorher festgelegt
temperiertes Wasser, überall eigentlich kochend, bis auf Grüntee, da würde ich

00:49:14.420 --> 00:49:16.640
<v Daniel>so erst mal 80 Grad sagen.

00:49:16.640 --> 00:49:17.990
<v Daniel>Ist ein guter Einstieg.

00:49:18.470 --> 00:49:20.270
<v Daniel>Und dann so zwischen 2 und 5 Minuten.

00:49:20.510 --> 00:49:23.210
<v Daniel>Das ist, je länger ich ziehen lasse, desto intensiver wird der Tee, das ist
klar.

00:49:24.020 --> 00:49:28.160
<v Daniel>Bei Grüntee würde ich jetzt in der Regel nicht über 2 Minuten gehen, dann wird
halt wirklich streng.

00:49:28.880 --> 00:49:31.850
<v Daniel>Aber so ein Ostfriesen oder English Breakfast 5 Minuten kein Problem.

00:49:32.660 --> 00:49:40.100
<v Daniel>Ob ich nachher noch was reingebe, ob ich nachher noch irgendwie Milch hinzugebe
oder Zucker oder Zitronensaft, gibt es ja auch viele, die das machen.

00:49:40.100 --> 00:49:42.020
<v Daniel>Das ist letzten Endes Geschmackssache.

00:49:42.140 --> 00:49:43.940
<v Daniel>Das ist wie die Frage nach der Weißweinschorle.

00:49:43.970 --> 00:49:45.320
<v Daniel>Ist das Frevel oder nicht?

00:49:45.800 --> 00:49:49.700
<v Daniel>Wenn mir das schmeckt, dann ist das nur billig und recht, dass ich das tue.

00:49:50.900 --> 00:49:54.560
<v Daniel>Wichtig ist nur, dass ich Freude an der Zubereitung habe.

00:49:54.560 --> 00:50:01.700
<v Daniel>Wenn ich schon da reingehe, das ist wie, ich gehe in einen Weinhandel, und dann
werde ich schief angeguckt, weil ich keinen Dekantierer habe.

00:50:01.700 --> 00:50:03.770
<v Daniel>Dann denke ich mir, nö, habe ich schon keine Lust mehr drauf.

00:50:03.800 --> 00:50:07.460
<v Daniel>So, ich möchte den Wein so trinken, wie mir das Spaß macht.

00:50:07.790 --> 00:50:14.390
<v Daniel>Ob das jetzt mein Universalglas ist oder ich Freude habe, 16 verschiedene
Weingläser zu haben, das ist ja meine Sache.

00:50:14.390 --> 00:50:21.770
<v Tobias>Also Ungezwungenheit, eine gewisse Lockerheit, die wir uns ja im Weinbereich,
gerade in Deutschland, auch immer wieder wünschen, ist auch schon besser

00:50:21.770 --> 00:50:31.190
<v Tobias>geworden, aber ich finde das, das ist sehr, sehr schön, weil es dann halt
wirklich um den Spaß mit dem Produkt geht und nicht um irgendwelche Rituale.

00:50:31.190 --> 00:50:32.960
<v Tobias>Wobei das ein ganz gutes Stichwort ist.

00:50:33.410 --> 00:50:35.030
<v Tobias>Thema Servieren von Tee.

00:50:35.030 --> 00:50:43.950
<v Tobias>Wir kennen alle aus hochwertigen Restaurants, da gibt es dann ein Sommelier,
der das dann auch sehr professionell macht und überprüft und das ja keine

00:50:43.950 --> 00:50:45.120
<v Tobias>Korkschmecker da sind.

00:50:46.560 --> 00:50:53.010
<v Tobias>Wenn ich jetzt gerade in Richtung Japan gucke, da ist das ja dann noch ein
bisschen größeres Zeremoniell.

00:50:53.910 --> 00:50:58.620
<v Tobias>Was spielt das vielleicht auch in anderen Teeländern für eine Rolle, das
Servieren von Tee?

00:50:58.920 --> 00:51:05.130
<v Daniel>Also Tee hat ja in den Ursprungsländern schon auch eine gewisse, also einen
gewissen Kulturgut-Status.

00:51:05.250 --> 00:51:09.420
<v Daniel>Also in Japan wird Tee eigentlich immer zelebriert.

00:51:09.420 --> 00:51:15.240
<v Daniel>Das kann aber sehr einfach sein, indem ich einen Tee nebenher am Computer
stehen habe, weil ich arbeiten muss.

00:51:15.660 --> 00:51:19.740
<v Daniel>Aber es gibt in Japan und in China und in Taiwan gibt es Teezeremonien.

00:51:20.280 --> 00:51:26.490
<v Daniel>In Japan kann man das tatsächlich noch besuchen, in Kyoto, da gibt es mehr als
einen Tempel.

00:51:26.670 --> 00:51:32.910
<v Daniel>Ja, aber es gibt, man kann noch den Originaltempel besuchen, wo der Mönch Sen
no Rikyū die Teezeremonie begründet hat.

00:51:33.030 --> 00:51:42.960
<v Daniel>Und ursprünglich kam sie eigentlich gar nicht aus dem Genuss, sondern die
Teezeremonie war ein Raum, in der Größendimension 6 Tatamimatten, so ein

00:51:42.960 --> 00:51:44.250
<v Daniel>Standardmaß in Japan.

00:51:44.700 --> 00:51:54.000
<v Daniel>Und der Eingang zu diesem Teezimmer war sehr niedrig gehalten, dass also die
Shōgune, die Kriegsherren oder wer auch immer sich da gerade gezofft hat, denn

00:51:54.000 --> 00:52:01.470
<v Daniel>das Teezimmer war ein Verhandlungsraum, die mussten also auf die Knie gehen und
ihre Rüstung ablegen, um in den Teeraum zu gelangen.

00:52:02.040 --> 00:52:05.570
<v Daniel>So, und dann hat der Teemeister, war im Grunde genommen ein Moderator.

00:52:05.570 --> 00:52:06.570
<v Michael>Friedensrichter.

00:52:06.600 --> 00:52:07.890
<v Daniel>Ein Friedensrichter, tatsächlich.

00:52:07.890 --> 00:52:14.370
<v Daniel>Weil dadurch, dass ich eben mich meiner Rüstung entledigen muss und auf die
Knie gehen muss, ist vor dem Tee jeder gleich.

00:52:14.370 --> 00:52:21.120
<v Daniel>Das war die ursprüngliche Bedeutung der Zeremonie und es hat auch einfach dann
was mit Wertschätzung zu tun.

00:52:21.120 --> 00:52:26.400
<v Daniel>Ich habe die Diskussion lustigerweise zu Hause immer auch mal gehabt, zum
Beispiel Kaffee.

00:52:26.610 --> 00:52:28.590
<v Daniel>Also ich hasse Kaffeevollautomaten.

00:52:28.590 --> 00:52:33.810
<v Daniel>Ich will nicht von einer Maschine mir sagen lassen, wie das Getränk
zuzubereiten ist.

00:52:33.810 --> 00:52:37.380
<v Daniel>Finde ich doof, ne? Also auch ich habe Kaffee zu Hause.

00:52:37.650 --> 00:52:41.880
<v Daniel>Ich habe ja nicht nur Freunde, die Tee trinken, sondern ich habe auch Kaffee
trinkende Freunde.

00:52:42.570 --> 00:52:46.200
<v Daniel>Und für die nehme ich mir dann gerne die Zeit und bereite ihn per Hand zu.

00:52:46.440 --> 00:52:48.270
<v Daniel>Und das ist bei Tee natürlich ähnlich.

00:52:48.630 --> 00:52:50.250
<v Daniel>Immer eine Art der Wertschätzung.

00:52:50.460 --> 00:52:53.490
<v Daniel>Und für Tee zum Beispiel haben sich noch nie Maschinen durchgesetzt.

00:52:53.490 --> 00:52:57.000
<v Daniel>Es gibt immer wieder Versuche, auch eine Teemaschine auf den Markt zu bringen.

00:52:57.000 --> 00:53:05.340
<v Daniel>Alle sind gescheitert bisher, weil die Zubereitung, die manuelle Zubereitung
von Tee, immer ein Zeichen von Wertschätzung ist.

00:53:05.340 --> 00:53:06.720
<v Daniel>Weil ich muss mir Zeit nehmen.

00:53:06.810 --> 00:53:13.530
<v Daniel>Einen Kaffee kann ich extrahieren, wenn ich da genügend Wasserdruck durchhaue,
dann geht so ein Espresso halt in 45 Sekunden.

00:53:14.100 --> 00:53:15.630
<v Daniel>Das geht bei Tee nicht. Ich brauche die Zeit.

00:53:15.630 --> 00:53:19.800
<v Daniel>Und diese 5 Minuten, die ich für einen Schwarztee brauche, die kann ich nicht
verkürzen, das geht nicht.

00:53:19.800 --> 00:53:26.370
<v Tobias>Das erinnert mich jetzt schon wieder irgendwie an unsere Folge über
Schraubverschlüsse und Naturkork, denn da hatte mir jetzt auch witzigerweise

00:53:26.370 --> 00:53:33.780
<v Tobias>erst ein Winzer noch mal eine ganz interessante Erklärung gegeben, weil ich
mich beschwert habe, in Spanien überall noch Naturkorken drin,

00:53:33.780 --> 00:53:35.820
<v Tobias>Schraubverschluss, nein danke.

00:53:36.210 --> 00:53:44.670
<v Tobias>Und ein Korkfehler ist halt einfach ein Problem, was ich ausschließen kann,
gerade bei Weinen, die ich halt jeden Tag sozusagen trinke.

00:53:44.970 --> 00:53:48.360
<v Tobias>Der sagt aber halt eben auch, da geht es um Wertschätzung.

00:53:48.360 --> 00:53:55.170
<v Tobias>Also in Ribera del Duero, die Region, die ich besucht habe, ist es tatsächlich
verboten, Schraubverschlüsse zu nutzen.

00:53:55.440 --> 00:54:04.500
<v Tobias>Und das hat einfach was damit zu tun, dass die gesagt haben, nein, dieses
Ritual ist eine Form von Wertschätzung eines hochwertigen Produkts und darauf

00:54:04.500 --> 00:54:06.810
<v Tobias>möchten wir auf gar keinen Fall verzichten.

00:54:06.960 --> 00:54:12.780
<v Tobias>Wenn da einer einfach nur Ratsch macht mit dem Schraubverschluss, ist das im
Grunde genommen eine Beleidigung an den Winzer.

00:54:12.810 --> 00:54:21.060
<v Tobias>Also von daher, ich glaube, dieses Thema spielt einfach bei so geschätzten und
kulturell verankerten Produkten immer auch eine Rolle.

00:54:21.240 --> 00:54:29.550
<v Daniel>Ja, definitiv. Also die also heutzutage geht es ja eigentlich gar nicht mehr so
stark darum, was kostet es, sondern wie viel Zeit bin ich bereit aufzuwenden.

00:54:29.700 --> 00:54:32.820
<v Daniel>Weil Zeit eigentlich die Währung der Moderne geworden ist.

00:54:33.900 --> 00:54:38.430
<v Michael>Ja, dann noch mal einfach jetzt zum Tee als Getränk zurück, ganz ohne
Wertigkeit.

00:54:40.500 --> 00:54:48.800
<v Michael>Tee immer solo trinken, immer alleine trinken oder ist Tee auch ein, und wenn
ja, welche Tees sind es, Essensbegleiter?

00:54:48.800 --> 00:54:53.340
<v Daniel>Es gibt in den USA den bekannten Koch Thomas Keller.

00:54:53.340 --> 00:54:57.300
<v Daniel>Der hat 2 Dreisternerestaurants, die French Laundry in Kalifornien und das Per
Se.

00:54:57.300 --> 00:54:58.130
<v Tobias>Da war ich schon.

00:54:58.130 --> 00:54:58.290
<v Tobias>da war ich schon.

00:54:58.740 --> 00:54:59.490
<v Daniel>In welchem warst du?

00:54:59.640 --> 00:55:00.180
<v Tobias>French Landing.

00:55:00.200 --> 00:55:04.470
<v Daniel>Ach, ich war im Per se. Okay, und der hat tatsächlich einen Tee-Sommelier
engagiert.

00:55:05.580 --> 00:55:15.540
<v Daniel>Also einer seiner Mitarbeiter ist geschult im Bereich Tee, weil er eben sagt,
für Leute, die keinen Alkohol trinken können oder möchten, macht er

00:55:15.540 --> 00:55:17.580
<v Daniel>eine Teebegleitung zu seinem Menü.

00:55:17.670 --> 00:55:18.870
<v Daniel>Und das fand ich sehr spannend.

00:55:19.890 --> 00:55:23.850
<v Daniel>Es ist aber tatsächlich bislang noch nicht wirklich Mainstream geworden.

00:55:23.850 --> 00:55:25.740
<v Daniel>Also eine Teebegleitung so noch nicht.

00:55:25.740 --> 00:55:33.720
<v Daniel>Was sich natürlich in der Gastro schon durchgesetzt hat, sind Teecocktails,
Tea-Infused Getränke, das gibt es.

00:55:33.720 --> 00:55:41.080
<v Daniel>Aber so eine klassische Menübegleitung habe ich bisher noch nicht gefunden,
weil ja Tee hauptsächlich heiß serviert wird.

00:55:41.470 --> 00:55:46.270
<v Daniel>Und das macht es, glaube ich, ein bisschen schwierig, das irgendwie zum Menü zu
packen, auch wenn es gut passen würde.

00:55:46.510 --> 00:55:50.320
<v Daniel>Ich habe gleich für euch noch was vorbereitet, um auch mal kalten Tee zu
zeigen.

00:55:50.680 --> 00:55:55.600
<v Daniel>Also ich persönlich mag gerne kalten Tee, um zu zeigen, es geht auch anders.

00:55:55.600 --> 00:56:04.960
<v Daniel>Aber so dieser, ja, dieses Mindset der Gastronomen zu sagen okay, Tee geht auch
anders als einfach nur heißes Wasser über den Beutel,

00:56:05.500 --> 00:56:12.250
<v Daniel>das braucht natürlich Zeit, weil Tee durch die Zubereitung in der Gastro auch
komplexer ist.

00:56:12.430 --> 00:56:19.120
<v Daniel>Ein Wein, den habe ich wahrscheinlich irgendwo in meinem Weinkühlschrank im
besten Fall, und da mache ich die Flasche auf und serviere.

00:56:19.210 --> 00:56:20.530
<v Daniel>Bei Tee habe ich die Zubereitung.

00:56:20.860 --> 00:56:29.140
<v Daniel>Und die Zeit ist natürlich auch in der Gastronomie ein großer Faktor, der den
Preis diktiert, und deswegen hat sich das bislang noch nicht durchgesetzt,

00:56:29.140 --> 00:56:29.740
<v Daniel>glaube ich.

00:56:30.430 --> 00:56:37.810
<v Tobias>Ja, also unsere Idee ist ja sowieso, mal hinzugehen und Wein und Tee zusammen in
eine Probe zu stecken.

00:56:38.020 --> 00:56:41.080
<v Tobias>Denn da hatten wir jetzt im Vorfeld auch ein bisschen überlegt.

00:56:41.170 --> 00:56:50.320
<v Tobias>Wir haben ja die Begriffe schon gehört, Assam als sehr, sehr kräftiger
Schwarztee, den könnte man eigentlich ja auch sehr gut in einen Pairing geben

00:56:50.320 --> 00:56:51.820
<v Tobias>mit einem kräftigen Rotwein.

00:56:52.000 --> 00:57:00.400
<v Tobias>Andere sind dann wiederum sehr floral oder blumig, Gewürztraminer und
vielleicht ein First Flush Darjeeling.

00:57:00.910 --> 00:57:03.190
<v Tobias>Also das fanden wir jetzt auch spannend.

00:57:03.580 --> 00:57:05.500
<v Tobias>Vielleicht wäre das mal ein gemeinsames Projekt.

00:57:05.500 --> 00:57:11.920
<v Daniel>Ich finde das, ich finde das ganz schön, wenn man zum Beispiel Tee und Wein
quasi als einmal alkoholische, einmal nicht alkoholisch servieren will.

00:57:11.920 --> 00:57:15.670
<v Daniel>Also welchen Tee würde ich anstelle von Wein servieren?

00:57:16.570 --> 00:57:20.110
<v Daniel>Und das habe ich in manchen Bereichen im kalten Zustand noch gar nicht
ausprobiert.

00:57:21.790 --> 00:57:31.780
<v Daniel>Was ich mal gemacht habe, war ein Assam, sehr, sehr stark konzentriert
aufgießen mit Crushed Eis und Vanilleeis mischen, so als Frappé, als Dessert.

00:57:32.230 --> 00:57:34.150
<v Daniel>Das war eine sehr, sehr spannende Geschichte.

00:57:35.080 --> 00:57:40.990
<v Daniel>Ich glaube, für viele ist es noch ungewohnt, Tee kalt zu trinken, obwohl wir
ja auch wirklich viel Eistee haben.

00:57:41.110 --> 00:57:42.460
<v Daniel>Aber das ist ja dann auch wieder gesüßt.

00:57:42.460 --> 00:57:46.000
<v Daniel>Also dieses man muss es halt so ein bisschen aus dieser Schublade rausholen.

00:57:46.000 --> 00:57:48.910
<v Daniel>Aber ein spannendes Projekt haben wir bisher noch nicht gehabt.

00:57:49.420 --> 00:57:51.460
<v Michael>Ja, dann können wir uns noch mal dran setzen, ne?

00:57:51.460 --> 00:57:57.790
<v Tobias>Ich wollte gerade sagen, das finde ich super. Ist doch jetzt irgendwie zum
Schluss dieses Podcasts auch ein gutes Thema und eröffnet uns eine gemeinsame

00:57:57.790 --> 00:58:04.030
<v Tobias>Perspektive. Und ich bin jetzt natürlich auch total gespannt, weil ich glaube,
wir verkosten jetzt noch mal ein paar Tees, oder?

00:58:04.030 --> 00:58:06.350
<v Daniel>Das auf jeden Fall. Ich habe da mal was vorbereitet.

00:58:06.350 --> 00:58:07.240
<v Tobias>Super.

00:58:07.240 --> 00:58:08.200
<v Daniel>Ich gehe das mal gerade holen.

00:58:08.530 --> 00:58:10.250
<v Michael>Ich muss aber einen Kalauer jetzt noch loswerden.

00:58:10.250 --> 00:58:11.350
<v Daniel>Oh, ein Kalauer.

00:58:11.350 --> 00:58:13.600
<v Michael>Woher kommt denn dieser Ausdruck „einen im Tee haben"?

00:58:13.900 --> 00:58:15.610
<v Daniel>Das kommt tatsächlich daher.

00:58:15.940 --> 00:58:19.960
<v Daniel>Ja, es kommt tatsächlich daher, dass das man Rum in den Tee gekippt hat.

00:58:19.960 --> 00:58:27.070
<v Daniel>Und wenn man ihn natürlich mit mit Sahne und und Kluntje dann gemischt hat,
dann schmeckt man den Rum nicht so sehr.

00:58:27.070 --> 00:58:35.710
<v Daniel>Und auf die Frage: „Was trinkst du da?" - „Ja, ich trinke Tee" und da kommt das
dann einen im Tee haben, damit der Sonntagnachmittag mit den Schwiegereltern

00:58:35.710 --> 00:58:37.030
<v Daniel>vielleicht ein bisschen gemütlicher wird.

00:58:37.930 --> 00:58:39.730
<v Tobias>Daniel, vielen, herzlichen Dank.

00:58:39.730 --> 00:58:45.010
<v Tobias>Es war superspannend und ich bin mir sehr sicher, dass die Zuhörerinnen und
Zuhörer das auch so sehen.

00:58:45.040 --> 00:58:47.230
<v Daniel>Ja, herzlichen Dank, dass ihr da wart.

00:58:47.230 --> 00:58:48.640
<v Daniel>Das macht mir immer wieder Freude.

00:58:48.640 --> 00:58:54.550
<v Daniel>Und dann ist es ja nicht ganz so haltlos, was ich in den Seminaren immer
erkläre, wenn ich Wein und Tee vergleiche.

00:58:54.970 --> 00:58:56.680
<v Tobias>Das haben wir heute, glaube ich, wirklich bewiesen.

00:58:56.830 --> 00:58:57.820
<v Michael>Ja, danke nochmal.

00:58:57.880 --> 00:59:04.840
<v Tobias>Ja und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich kann nur sagen wir freuen uns schon
wieder darauf, wenn es beim nächsten Mal heißt.

00:59:05.920 --> 00:59:07.230
<v Michael>Bei Anruf.

00:59:07.230 --> 00:59:08.230
<v Daniel>Tee.

00:59:10.680 --> 00:59:12.600
<v Tobias>Nein, wir meinen natürlich: Wein.