WEBVTT

00:00:02.300 --> 00:00:04.280
<v Michael>Bei Anruf Wein.

00:00:04.280 --> 00:00:07.340
<v Michael>Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.790 --> 00:00:11.770
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde.

00:00:11.770 --> 00:00:13.060
<v Tobias>Mein Name ist Tobias.

00:00:13.060 --> 00:00:15.100
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein.

00:00:15.730 --> 00:00:23.530
<v Tobias>Seien wir doch mal ehrlich, mit Weinwissen zu glänzen, wenn man sich auf das
ein oder andere Schlückchen zusammenfindet, macht einfach nur Spaß.

00:00:24.010 --> 00:00:30.190
<v Tobias>Insbesondere dann, wenn es sich um kurioses, historisches oder einfach
interessantes Angeberwissen handelt.

00:00:30.700 --> 00:00:37.660
<v Tobias>Dass Michael und ich besondere Freude daran haben, dürfte unseren Zuhörerinnen
und Zuhörern nicht schwer fallen zu glauben.

00:00:37.870 --> 00:00:42.490
<v Tobias>Deshalb bewertet ihr und abonniert ihr ja auch unseren Podcast so fleißig.

00:00:42.850 --> 00:00:45.130
<v Tobias>Ach so, hast du noch gar nicht?

00:00:45.130 --> 00:00:47.710
<v Tobias>Na dann, bitte schnell nachholen.

00:00:47.710 --> 00:00:55.690
<v Tobias>Okay? Jetzt aber geht es los mit einer großen Sammlung Weinangeberwissen, wie
immer in Form eines Telefonats mit Michael.

00:00:56.080 --> 00:00:58.160
<v Tobias>Also bleibt mal dran.

00:00:58.160 --> 00:00:59.350
<v Tobias>Ich ruf den mal an!

00:01:04.060 --> 00:01:05.440
<v Michael>Hallo Tobias.

00:01:05.440 --> 00:01:06.900
<v Michael>Es ist mal wieder so weit.

00:01:06.900 --> 00:01:07.430
<v Tobias>Jawoll, grüß dich.

00:01:07.430 --> 00:01:09.430
<v Michael>It's Podcasttime.

00:01:10.480 --> 00:01:19.690
<v Michael>Dieses Mal habe ich mir so gedacht, sorgen wir mal dafür, dass sich unsere
Zuhörerinnen und Zuhörer bei der nächsten Zusammenkunft mit Weinfreunden

00:01:19.690 --> 00:01:25.450
<v Michael>richtig in Szene setzen können und mit außergewöhnlichen Weinfakten
auftrumpfen.

00:01:26.740 --> 00:01:36.640
<v Tobias>Oh ja, die Idee gefällt mir als Weinbesserwisser sozusagen natürlich ganz
hervorragend, lieber Michael, schließlich können Sie uns dann ja nicht

00:01:36.640 --> 00:01:43.330
<v Tobias>nur mit Like und Sternchen, bitte nicht vergessen, sondern ganz persönlich als
Wissensquelle weiterempfehlen.

00:01:43.510 --> 00:01:44.950
<v Tobias>Das hat ja auch was.

00:01:45.370 --> 00:01:50.170
<v Tobias>Aber wie steigen wir denn jetzt in unser vinophiles Angeberwissen ein?

00:01:50.410 --> 00:01:57.610
<v Tobias>Also warte mal, vielleicht erzählst du als Erstes etwas Kurioses, genau, zum
Thema Anbaugebiete.

00:01:57.610 --> 00:01:59.680
<v Tobias>Da haben wir nämlich kürzlich erst drüber gesprochen.

00:01:59.920 --> 00:02:02.620
<v Michael>Genau. Ich weiß was du meinst.

00:02:02.620 --> 00:02:05.630
<v Michael>Du spielst an auf, wie heißt es, auf Château-Grillet.

00:02:05.630 --> 00:02:12.040
<v Michael>Ja, ja, in der Tat wissenswert, denn so heißt die kleinste Appellation an der
nördlichen Rhône.

00:02:12.700 --> 00:02:19.060
<v Michael>Die ist lediglich 3,5 Hektar groß und nur für Weißweine aus Viognier
zugelassen.

00:02:20.080 --> 00:02:23.680
<v Michael>Also, das nenne ich mal exklusiv.

00:02:23.890 --> 00:02:25.160
<v Tobias>Ja, aber Moment mal.

00:02:25.160 --> 00:02:29.180
<v Tobias>Also das ist ja das Kuriose, Seltsame eigentlich daran.

00:02:29.180 --> 00:02:37.540
<v Tobias>Eine Appellation, die Château-Grillet heißt, macht doch eigentlich überhaupt
keinen Sinn, weil Château ist doch in Frankreich eigentlich die Bezeichnung

00:02:37.540 --> 00:02:38.890
<v Tobias>eines Weinguts einfach.

00:02:38.980 --> 00:02:41.470
<v Michael>Ja, ja, ja, das ist wirklich das Kuriose daran.

00:02:41.470 --> 00:02:45.310
<v Michael>Die komplette AOC ist im Besitz nur eines Weinguts.

00:02:45.310 --> 00:02:48.910
<v Michael>Und das genau heißt, ja, du darfst dreimal raten, Château Grillet.

00:02:49.510 --> 00:02:53.470
<v Michael>So, und nur ein Bindestrich unterscheidet die beiden.

00:02:53.680 --> 00:03:01.330
<v Michael>Also die Appellation schreibt sich mit Bindestrich, das Weingut, wie man es so
kennt, ohne Bindestrich, Château Grillet, ja.

00:03:01.570 --> 00:03:09.270
<v Tobias>Es ist ja verrückt, also dass es dann auch noch diese Unterscheidung mit dem
Bindestrich gibt, da hat sich jemand dann wirklich noch mal Gedanken gemacht.

00:03:09.270 --> 00:03:19.180
<v Tobias>Und mich erinnert das ehrlich gesagt an unsere Reise ins Spanische
Utiel-Requena, du erinnerst dich, denn da gab es doch dieses Anbaugebiet Finca

00:03:19.180 --> 00:03:24.820
<v Tobias>Terrerazo. Ja, also bei Finca denkt man ja auch sofort an ein Weingut.

00:03:24.970 --> 00:03:28.540
<v Tobias>Aber die Appellation, die hieß einfach so.

00:03:28.540 --> 00:03:37.900
<v Tobias>Glücklicherweise oder zumindest nicht noch verwirrender, war dann allerdings die
Tatsache, dass das Weingut, was diese Appellation auch tatsächlich

00:03:37.900 --> 00:03:41.020
<v Tobias>alleine besitzt, anders hieß.

00:03:41.260 --> 00:03:45.680
<v Tobias>Das war jetzt dann doch ein bisschen anders als bei deinem Château-Grillet.

00:03:45.680 --> 00:03:51.700
<v Tobias>Aber wir machen jetzt mal einen ganz, ganz krassen Schnitt und gehen von der
Rhône bzw.

00:03:51.700 --> 00:03:53.680
<v Tobias>Spanien nach Rheinhessen.

00:03:53.770 --> 00:04:01.300
<v Tobias>Weil das muss ich eigentlich direkt am Anfang jetzt hier bringen, da gibt es
nämlich so mein echtes Lieblingsangeberwissen.

00:04:01.510 --> 00:04:11.290
<v Tobias>Also pass mal auf: Weißt du, wie viele der 136 Weinorte dieses Anbaugebiets auf
die Silbe „-heim"

00:04:11.290 --> 00:04:16.340
<v Tobias>enden? Also so wie Dittelsheim oder Aspisheim in Rheinhessen.

00:04:16.340 --> 00:04:16.780
<v Tobias>Schätz mal.

00:04:17.020 --> 00:04:21.910
<v Michael>Okay, also wenn du schon so fragst, sind das viele.

00:04:22.210 --> 00:04:25.690
<v Michael>Und ich sage einfach mal Siebzig „-heims".

00:04:25.990 --> 00:04:27.790
<v Michael>Ja, ich gebe 70 -heims.

00:04:27.790 --> 00:04:30.520
<v Michael>Ne, ehrlich, keine Ahnung, weiß ich nicht.

00:04:30.520 --> 00:04:34.000
<v Michael>Ich weiß aber, dass zum Beispiel Hothum in Aspisheim sitzt.

00:04:34.000 --> 00:04:35.860
<v Michael>Also zumindest etwas, oder?

00:04:36.610 --> 00:04:41.680
<v Tobias>Ja, aber mit deinen 70, ob du es glaubst oder nicht, weit gefehlt.

00:04:41.680 --> 00:04:51.400
<v Tobias>Ja, es sind nämlich tatsächlich 120, ja, 120 von 136 Orten in Rheinhessen, die
auf das -heim

00:04:51.400 --> 00:04:53.260
<v Tobias>enden. Das ist doch Wahnsinn, oder?

00:04:53.290 --> 00:04:59.860
<v Tobias>Also, dass es da viele Orte mit -heim gibt, das haben wir, glaube ich, auch
schon festgestellt, als wir da durchgefahren sind.

00:05:00.400 --> 00:05:07.450
<v Tobias>Aber man kann auch sagen, Wein ist für das größte deutsche Anbaugebiet
Rheinhessen quasi ein Heimspiel.

00:05:07.540 --> 00:05:08.710
<v Tobias>Oh!

00:05:10.000 --> 00:05:15.490
<v Michael>Uiuiui, Kalauer eigentlich sind die doch eher mein Metier.

00:05:15.490 --> 00:05:17.000
<v Michael>Aber egal, pass auf.

00:05:17.000 --> 00:05:18.340
<v Tobias>Das stimmt.

00:05:18.340 --> 00:05:20.980
<v Michael>Dann stürze ich mich jetzt mal auf die Historie.

00:05:21.220 --> 00:05:30.820
<v Michael>Pass auf: Wusstest du, dass Cosimo III von Medici bereits 1716 4 Weingebiete in
der

00:05:30.940 --> 00:05:37.300
<v Michael>Toskana per so einem Dekret festgelegt hat oder per Erlass festgelegt hat?

00:05:37.330 --> 00:05:44.080
<v Michael>Ja, und diese 4 Gebiete, die sind bis heute noch als DOC oder sogar DOCG
klassifiziert.

00:05:45.670 --> 00:05:55.270
<v Michael>Ja, nur für dich so am Rande, das sind Chianti, nicht unwesentlich, ja, Pomino,
Valdarno und Carmignano.

00:05:55.480 --> 00:06:01.540
<v Tobias>Ich glaube, da haben wir mal so eine historische Karte sogar gesehen, als wir in
der Toskana gemeinsam waren.

00:06:01.780 --> 00:06:11.570
<v Tobias>Und das ist schon wirklich erstaunlich, denn das ist noch mal eine ganze Ecke
früher als die Festlegung des Weinbaugebiets Douro durch den

00:06:11.570 --> 00:06:13.250
<v Tobias>Marquês de Pombal.

00:06:13.550 --> 00:06:23.300
<v Tobias>Das war nämlich sozusagen erst 1756, gilt aber mit seinem strengen Blick auf
den Anbau von Wein im Alto

00:06:23.300 --> 00:06:29.320
<v Tobias>Duoro vielen bis heute noch als Vorbild für dieses ganze Thema Appellation.

00:06:29.320 --> 00:06:32.540
<v Tobias>Ja, sozusagen Appellation modernen Zuschnitts.

00:06:32.690 --> 00:06:41.780
<v Tobias>Ja, und das hat ja wirklich Aussagekraft, denn du musst dir überlegen, die
bekanntesten AOCs in Frankreich, die stammen, ja, also die meisten so eher aus

00:06:41.780 --> 00:06:43.820
<v Tobias>den 1930er-Jahren.

00:06:44.270 --> 00:06:47.660
<v Michael>Hey Tobias, ich sehe schon, du bist bestens vorbereitet.

00:06:47.690 --> 00:06:57.500
<v Michael>Muss man jetzt auch ganz offen sagen, weil bei so einem Thema, da muss man sich
etwas vorher noch anfressen an Wissen, denn das Angeberwissen in der

00:06:57.500 --> 00:06:58.800
<v Michael>Form schüttelt man.

00:06:58.800 --> 00:07:02.270
<v Michael>und natürlich auch Frau, nicht so einfach aus dem Ärmel.

00:07:02.300 --> 00:07:09.770
<v Michael>Ja, aber eines weißt du bestimmt: Was passierte 1855 in der Weinregion
Bordeaux?

00:07:10.580 --> 00:07:13.880
<v Tobias>Ach, also, Michael, das ist doch wirklich jetzt ein bisschen sehr simpel.

00:07:14.120 --> 00:07:19.550
<v Tobias>Also Vorbereitung usw., nicht aus dem Ärmel schütteln und dann so was.

00:07:19.790 --> 00:07:27.410
<v Tobias>Also selbst unsere Zuhörerinnen und Zuhörer wissen das bestimmt, weil sie ja
eine unserer Bordeaux-Folgen sicher gehört haben.

00:07:27.530 --> 00:07:31.610
<v Tobias>Aber na gut, Wiederholungen erhöhen ja schließlich den Lerneffekt.

00:07:31.850 --> 00:07:40.670
<v Tobias>Du sprichst natürlich von der Bordeauxklassifikation der Weingüter von Premier
Grand Cru Classé bis Cinquième Grand Cru Classé.

00:07:41.390 --> 00:07:44.030
<v Tobias>Also Einser bis Fünfer sozusagen.

00:07:44.810 --> 00:07:53.810
<v Tobias>Diese Einordnung wurde im Rahmen der Weltausstellung 1855 in Paris durchgeführt
und gilt bis heute.

00:07:54.110 --> 00:07:56.110
<v Michael>Okay, ja.

00:07:56.110 --> 00:08:03.320
<v Michael>Tobias, ich habe natürlich nichts anderes von dir erwartet als erstens mal
Kritik an mir, aber zweitens auch natürlich einer richtigen Antwort.

00:08:04.100 --> 00:08:06.470
<v Michael>Aber ganz ehrlich, das war jetzt nur zum Warmmachen.

00:08:06.770 --> 00:08:09.350
<v Michael>Ich habe dich nämlich ertappt mit deiner Antwort.

00:08:09.470 --> 00:08:10.460
<v Michael>Das war ein Trick.

00:08:10.730 --> 00:08:11.000
<v Tobias>Wie, was?

00:08:11.000 --> 00:08:12.660
<v Michael>Die gilt bis heute.

00:08:12.660 --> 00:08:17.300
<v Michael>Also ja, das ist, sagen wir mal freundlich, zumindest ungenau ausgedrückt.

00:08:17.600 --> 00:08:23.360
<v Michael>Was passierte denn 1973 in Bezug auf die Klassifikation?

00:08:23.600 --> 00:08:24.680
<v Michael>Hast du wohl vergessen.

00:08:24.740 --> 00:08:28.400
<v Tobias>Ach ja, jetzt gehen wir nicht direkt auf Konfrontationskurs.

00:08:28.550 --> 00:08:31.100
<v Tobias>Das war jetzt in der Tat irgendwie so eine Falle.

00:08:31.100 --> 00:08:33.890
<v Tobias>So eine Einladung, dass ich da reintappe.

00:08:33.890 --> 00:08:37.580
<v Tobias>Aber ganz ehrlich gesagt, da wollte ich jetzt sowieso noch drauf eingehen.

00:08:38.060 --> 00:08:47.900
<v Tobias>Also 1973 wurde überhaupt das einzige Mal an dieser so heiligen Klassifikation
geschraubt, ja, Château

00:08:47.900 --> 00:08:56.840
<v Tobias>Mouton Rothschild rückte von der Zweierplatzierung, also einem Deuxième Grand
Cru Classé, zu einem Premier Grand Cru Classé auf.

00:08:56.870 --> 00:09:02.510
<v Tobias>Ja, danach gab es dann nicht mehr nur 4, sondern 5 Château in Médoc auf diesem
Spitzenplatz.

00:09:04.010 --> 00:09:11.600
<v Tobias>Und das Kuriose dabei ist halt wirklich: Der Agrarminister, der die Aufwertung
vornahm, war ein gewisser Jacques Chirac.

00:09:11.720 --> 00:09:16.520
<v Tobias>Ja, also später bekanntlich Präsident der Französischen Republik.

00:09:16.520 --> 00:09:25.460
<v Tobias>Und vielleicht sind es nur böse Zungen, aber einige Insider behaupten, Jacques
Chirac hätte nach diesem Akt über eine außerordentlich gut bestückte

00:09:25.460 --> 00:09:28.070
<v Tobias>Mouton-Rothschild-Sammlung verfügt.

00:09:28.940 --> 00:09:31.580
<v Michael>Ja, anderes Thema: Mouton.

00:09:31.940 --> 00:09:39.470
<v Michael>Ja, da möchte ich jetzt mal für uns alle, stellvertretend für alle unsere
Zuhörerinnen und Zuhörer, den Sprachwissenschaftler raushängen lassen.

00:09:39.500 --> 00:09:40.070
<v Tobias>Ja, mal wieder.

00:09:40.070 --> 00:09:46.010
<v Michael>Lieber Tobias, woher kommt denn dieser Mouton vor dem Rothschild?

00:09:46.310 --> 00:09:48.560
<v Tobias>Na ja, da muss man ja eigentlich nur auf das Etikett gucken.

00:09:48.740 --> 00:09:50.090
<v Tobias>Also weil, da ist es ja drauf.

00:09:50.090 --> 00:09:54.380
<v Tobias>Mouton heißt Französisch Schaf, genauer gesagt Hammel.

00:09:54.680 --> 00:09:58.730
<v Tobias>Da ist ja so illustriert so ein springender, bockender Hammel irgendwie drauf.

00:09:59.000 --> 00:10:06.860
<v Tobias>Und ja, da hättest du mal ein bisschen genauer hingucken sollen, dann hättest
du die Frage selber beantworten können.

00:10:06.860 --> 00:10:08.700
<v Michael>Ja, ja. Ich liebe das mit den Fallen.

00:10:08.700 --> 00:10:12.230
<v Michael>Und wer jetzt hier das Schaf ist, das beantworten wir dann später.

00:10:12.230 --> 00:10:18.580
<v Michael>Aber pass auf, tatsächlich ist das Mouton eher abzuleiten von „Kleiner Berg".

00:10:18.580 --> 00:10:20.450
<v Michael>Mont, das kennt man ja aus dem Französischen.

00:10:20.450 --> 00:10:21.770
<v Michael>Also ist der kleine Berg.

00:10:21.770 --> 00:10:26.330
<v Michael>Ich sag mal so was wie in etwa so eine Anhöhe, könnte man vielleicht sagen.

00:10:26.660 --> 00:10:29.060
<v Michael>Und wir beide waren ja schon vor Ort.

00:10:29.060 --> 00:10:33.980
<v Michael>Das ist alles recht platt und flach da an der Stelle in Bordeaux am linken
Ufer.

00:10:35.000 --> 00:10:44.060
<v Michael>Und genau dieser Mouton, um exakt die Zahl noch mitzugeben, liegt
beeindruckende 23 Meter über

00:10:44.060 --> 00:10:49.700
<v Michael>Meereshöhe. Ja, und dieser kleine Hügel wird dann zu dem großen Mouton
Rothschild.

00:10:50.500 --> 00:10:51.800
<v Michael>Also naja, egal.

00:10:51.800 --> 00:10:54.520
<v Michael>Auf jeden Fall, das ist der Ursprung des Namens.

00:10:54.520 --> 00:10:54.770
<v Michael>Määäh!

00:10:57.200 --> 00:11:00.470
<v Tobias>So, jetzt aber ernsthaft, Michael, jetzt sind wir mal langsam durch mit dem
Bordeaux.

00:11:01.040 --> 00:11:06.360
<v Tobias>Das reicht doch locker für den Partybesserwisser sozusagen in Sachen Wein.

00:11:06.540 --> 00:11:10.230
<v Tobias>Und wir wollen ja schließlich nicht die vierte Bordeaux-Folge aufnehmen.

00:11:11.010 --> 00:11:18.320
<v Tobias>Obwohl, warte mal, verdammt, jetzt hätte ich doch noch was für den sozusagen
krönenden Bordeaux-Abschluss: eine Anekdote zu Rothschild.

00:11:18.320 --> 00:11:23.400
<v Tobias>Allerdings, warte mal, ich weiß jetzt gar nicht genau, welcher Rothschild da
gemeint war.

00:11:23.970 --> 00:11:26.130
<v Tobias>Es gibt ja irgendwie 2.

00:11:26.160 --> 00:11:27.840
<v Michael>Ach egal, Tobias, egal.

00:11:27.840 --> 00:11:33.360
<v Michael>Anekdoten finde ich immer gut und Mouton oder Lafite ist jetzt zweitrangig.

00:11:33.360 --> 00:11:35.880
<v Michael>Aber erzähle sie dann bitte gut, ja?

00:11:35.880 --> 00:11:45.810
<v Tobias>Ja, okay. Also der Rothschild, ja, sagen wir jetzt einfach mal, wurde einst
gefragt, ja, wie man es anstelle, mit Wein so

00:11:45.810 --> 00:11:46.860
<v Tobias>viel Geld zu verdienen.

00:11:47.040 --> 00:11:53.460
<v Tobias>Ja, er antwortete ganz einfach, man müsse nur 100 Jahre lang alles richtig
machen.

00:11:53.850 --> 00:11:54.900
<v Tobias>Das fand ich irgendwie gut.

00:11:55.050 --> 00:11:56.520
<v Michael>Oh, okay.

00:11:56.640 --> 00:12:00.000
<v Michael>Ja, habe ich jetzt ein bisschen mehr erwartet, eigentlich.

00:12:00.000 --> 00:12:00.810
<v Tobias>Was?

00:12:00.810 --> 00:12:04.010
<v Michael>Und ich nehme jetzt mal so eine italienische Position ein, ja?

00:12:04.010 --> 00:12:05.700
<v Michael>100 Jahre?

00:12:05.700 --> 00:12:09.440
<v Michael>Ja, 100 Jahre. Was sind denn, was sind denn schon 100 Jahre, ja?

00:12:09.440 --> 00:12:18.000
<v Michael>Also könnte ich jetzt zumindest, jetzt mit dem italienischen Weinhochadel wie
Frescobaldi oder Antinori anmerken.

00:12:18.270 --> 00:12:22.150
<v Michael>Dort geht die Weintradition - Achtung - bis ins 12.

00:12:22.150 --> 00:12:24.360
<v Michael>und 13. Jahrhundert zurück.

00:12:24.690 --> 00:12:25.260
<v Tobias>Ja, okay.

00:12:25.260 --> 00:12:28.950
<v Michael>Ich glaube nicht, dass es da irgendeinen gibt, der da mithalten kann.

00:12:28.950 --> 00:12:30.090
<v Michael>Oder kennst du jemand?

00:12:30.690 --> 00:12:33.240
<v Tobias>Nein. Ja okay, also damit hast du bestimmt recht.

00:12:33.330 --> 00:12:39.990
<v Tobias>Ja, aber zu Frescobaldi, ja, da habe ich noch was, das zu dem Angeberwissen
wirklich gut passt.

00:12:40.710 --> 00:12:44.550
<v Tobias>Bin mal gespannt, pass auf: Sagt die Gorgone etwas?

00:12:44.700 --> 00:12:51.000
<v Michael>Gorgone? Ja, Hört sich erst mal an wie ein Filmtitel, ist aber eine Rebsorte.

00:12:51.030 --> 00:12:54.420
<v Michael>Also das passt zumindest zu deiner Frescobaldi-Ansage.

00:12:54.420 --> 00:12:57.000
<v Michael>Also Supertoskaner Tobias, hier.

00:12:57.270 --> 00:12:58.650
<v Michael>Was ist Gorgone?

00:12:59.010 --> 00:13:00.510
<v Tobias>Ja, wir sind ja beim Angeberwissen.

00:13:00.660 --> 00:13:02.370
<v Tobias>Da reden wir nicht irgendwie über Rebsorte.

00:13:02.370 --> 00:13:10.800
<v Tobias>Das wäre viel zu simpel, ja, denn Gorgone, das ist wirklich spannend, denn das
ist eine Gefängnisinsel vor der toskanischen Küste.

00:13:11.040 --> 00:13:16.290
<v Tobias>Ja, und Frescobaldi betreibt mit dem Gefängnis seit über 10 Jahren ein
Weinprojekt.

00:13:17.370 --> 00:13:26.850
<v Tobias>Also ganz konkret: Die Gefangenen arbeiten im Weinberg und im Keller und
Frescobaldi hat, na ja, sagen wir mal, ein wachsames Auge

00:13:26.850 --> 00:13:27.570
<v Tobias>darauf, ja.

00:13:28.260 --> 00:13:29.820
<v Michael>Ein wachsames Auge, gut, ja.

00:13:30.180 --> 00:13:34.620
<v Michael>Knast und Weinberg übrigens, Tobias, da müssen wir uns in Deutschland nicht
verstecken.

00:13:35.610 --> 00:13:44.100
<v Michael>In der Heilbronner JVA gibt es eine sogenannte landwirtschaftliche Außenstelle,
Weingut Hohrain.

00:13:45.000 --> 00:13:53.160
<v Michael>Und Heilbronn ist nun mal keine Insel, daher ist es in diesem Falle so, dass es
die Freigänger sind, die im Weingut arbeiten.

00:13:53.160 --> 00:13:56.370
<v Michael>Aber es ist auch ein Weingut, das zum Gefängnis gehört.

00:13:57.480 --> 00:14:06.150
<v Tobias>Aber jetzt mal ehrlich, eine Knast-Freigänger-Gefängnisinsel, das hört sich eher
nach so einem deprimierenden Thema für so einen

00:14:06.450 --> 00:14:11.460
<v Tobias>Wein-Smalltalk an, da ist die Stimmung dann sofort auf dem Nullpunkt.

00:14:12.030 --> 00:14:15.030
<v Tobias>Wir müssen unseren Zuhörerinnen und Zuhörern noch mal was anderes bieten.

00:14:15.210 --> 00:14:19.200
<v Tobias>Wir brauchen mehr erstaunte Gesichter, wenn es auf das Thema kommt.

00:14:19.200 --> 00:14:22.170
<v Tobias>Mehr Interesse, mehr Zustimmung.

00:14:22.170 --> 00:14:23.070
<v Tobias>Hast du da noch was?

00:14:23.190 --> 00:14:25.140
<v Michael>Ja, ja. Leuchten in den Augen, ich verstehe schon.

00:14:25.140 --> 00:14:26.700
<v Michael>Ich sage: Promis.

00:14:27.030 --> 00:14:28.110
<v Michael>Promis geht immer.

00:14:28.290 --> 00:14:38.220
<v Michael>Ja, also wenn man nur genug Namen fallen lässt, also so was wie: Was haben
Sting, Francis Ford Coppola, Brad Pitt und Cliff

00:14:38.220 --> 00:14:43.680
<v Michael>Richard, Andres Iniesta und Antonio Banderas gemeinsam?

00:14:43.920 --> 00:14:45.210
<v Tobias>Na ja, verstehe, was du meinst.

00:14:45.360 --> 00:14:49.470
<v Tobias>Sie alle haben oder zumindest hatten ein eigenes Weingut.

00:14:50.010 --> 00:14:56.040
<v Tobias>Aber ich finde, da muss man wirklich genauer hingucken, wenn es um Thema
Promiweine geht.

00:14:56.340 --> 00:15:00.330
<v Tobias>Denn häufig sind es ja dann doch nur so Projekte von bekannten
Persönlichkeiten.

00:15:01.830 --> 00:15:04.440
<v Tobias>Francis Ford Coppola ist sicherlich eine Ausnahme.

00:15:04.440 --> 00:15:12.000
<v Tobias>Das ist ja wirklich schon so eine richtige Weinbrand geworden und da hat er
auch, glaube ich, persönlich sehr viel mit zu tun gehabt und das ja auch schon

00:15:12.000 --> 00:15:13.470
<v Tobias>vor ganz, ganz vielen Jahren.

00:15:14.010 --> 00:15:22.920
<v Tobias>Aber in den meisten Fällen ist das ja nicht, dass man sagt, mit aller
Verantwortung und Konsequenz Wein zu machen, also auch mit dem finanziellen

00:15:22.920 --> 00:15:25.890
<v Tobias>Risiko und der ganzen Leidenschaft für Wein.

00:15:26.250 --> 00:15:29.970
<v Tobias>Und ja, das ist für mich dann noch mal so eine andere Klasse.

00:15:30.090 --> 00:15:32.220
<v Tobias>Oh, das war jetzt so ein richtiges Glaubensbekenntnis.

00:15:32.340 --> 00:15:34.710
<v Tobias>Ich höre es schon wieder raus, Herr Weinlakai.

00:15:34.710 --> 00:15:40.340
<v Tobias>Also du würdest wohl auch am liebsten gerne deinen eigenen Wein machen, na?

00:15:40.340 --> 00:15:48.810
<v Tobias>Aber solange wir hier im Podcast sind, weiß ich ganz genau, du hast zu wenig
Schotter und zu wenig Prominenz dafür.

00:15:48.810 --> 00:15:52.880
<v Tobias>Sorry, also na ja, aber nochmal zurück zum Thema.

00:15:52.880 --> 00:16:00.510
<v Tobias>Es gibt ja jetzt auch Promis, die einfach nur prominent genießen und gar nicht
prominent besitzen und selber Wein machen.

00:16:00.780 --> 00:16:03.930
<v Tobias>Ja, ja. Moment mal, aber jetzt, damit kommst du jetzt nicht davon.

00:16:04.080 --> 00:16:13.320
<v Tobias>Von wegen, ich würde gerne meinen eigenen Wein machen und bin nicht prominent
genug und Schotter usw., denn du weißt ganz genau, ich war sowohl an einem

00:16:13.320 --> 00:16:21.120
<v Tobias>Appassimento von Sartori beteiligt als auch habe ich meinen eigenen Weinlakai
Châteauneuf-du-Pape kreiert.

00:16:21.360 --> 00:16:29.110
<v Tobias>Und wenn ich mich nicht täusche, saßt du da sogar mit am Tisch, als dieser
Châteauneuf-du-Pape entstand.

00:16:29.110 --> 00:16:31.680
<v Tobias>Und du durftest sogar ein wenig mitreden.

00:16:32.100 --> 00:16:34.110
<v Tobias>Aber okay, meinetwegen.

00:16:34.110 --> 00:16:40.800
<v Tobias>Bis zum eigenen Weingut ist es tatsächlich noch nicht so weit, aber die
Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

00:16:41.070 --> 00:16:42.500
<v Michael>Ah schön.

00:16:42.500 --> 00:16:46.050
<v Michael>Ne, wir haben auch ein wenig den Faden wieder verloren, mein Liebster.

00:16:46.050 --> 00:16:48.360
<v Michael>Also noch mal zurück zu unserem Angeberwissen.

00:16:48.360 --> 00:16:50.820
<v Michael>Und du warst ja jetzt gerade bei Châteauneuf-du-Pape.

00:16:51.240 --> 00:16:57.060
<v Michael>Wie viele Rebsorten sind eigentlich in der AOC Châteauneuf-du-Pape zugelassen?

00:16:57.060 --> 00:16:58.590
<v Michael>Was bedeutet das für die Cuvées?

00:16:58.590 --> 00:17:01.650
<v Michael>Also erzähl mal darüber was, hm?

00:17:02.100 --> 00:17:04.170
<v Tobias>Ja, das kann man sich eigentlich ganz gut merken.

00:17:04.170 --> 00:17:08.640
<v Tobias>Das sind nämlich genau 13 Rebsorten, die offiziell zugelassen sind.

00:17:08.820 --> 00:17:13.120
<v Tobias>Also da kann man nur sagen, von wegen Unglückszahl, ja.

00:17:13.120 --> 00:17:21.480
<v Tobias>Aber trotzdem, jetzt irgendwie diese 13 Rebsorten runterzubeten oder die
auswendig zu kennen, ist nicht wirklich relevant.

00:17:21.480 --> 00:17:31.020
<v Tobias>Wirklich relevant ist im Châteauneuf-du-Pape auch der als GSM genannte
Rebsorten-Mix aus Grenache, Syrah und

00:17:31.020 --> 00:17:34.260
<v Tobias>Mourvèdre. Das sollte man sich auf jeden Fall mal merken.

00:17:34.560 --> 00:17:39.360
<v Tobias>Aber zurück zum Thema Anlässe, Anlässe über Wein zu sprechen.

00:17:39.390 --> 00:17:42.960
<v Tobias>Den Promihinweis, den fand ich jetzt schon ganz gut.

00:17:42.960 --> 00:17:45.390
<v Tobias>Aber was geht da jetzt noch?

00:17:45.600 --> 00:17:48.240
<v Michael>Ich sehe schon, du willst die Leute aufs Glatteis führen.

00:17:50.040 --> 00:17:52.890
<v Michael>Frag doch einfach mal nach der Lieblingsfarbe der Leute.

00:17:53.310 --> 00:17:54.750
<v Michael>Auf so einer Party meine ich jetzt.

00:17:54.750 --> 00:17:55.700
<v Tobias>Hä?

00:17:55.700 --> 00:17:56.070
<v Michael>Ja!

00:17:56.550 --> 00:18:00.180
<v Tobias>Na, das ist ja ganz toll. Das hört sich irgendwie so nach Grundschüler an oder
so was.

00:18:00.390 --> 00:18:02.560
<v Tobias>Wie meinst du das? Weinfarben?

00:18:02.560 --> 00:18:03.900
<v Tobias>Weiß, Rot und Rose.

00:18:03.930 --> 00:18:04.740
<v Tobias>Ja, wie spannend.

00:18:04.770 --> 00:18:06.780
<v Michael>Ja, geht auch. Ne, überhaupt Farben.

00:18:07.200 --> 00:18:15.220
<v Michael>Also denk mal daran, das beginnt mit den Farbtönen, die oft in
Weinbeschreibungen auftauchen, ja?

00:18:15.220 --> 00:18:19.980
<v Michael>Oder es endet aber auch bei den Farbangaben in irgendwelchen Rebsortennamen.

00:18:20.280 --> 00:18:27.240
<v Michael>Denke mal an Blauer Portugieser, Grüner Veltliner, Grauburgunder usw.

00:18:27.390 --> 00:18:35.220
<v Tobias>Ja okay. Ja ja, da geht es im Grunde genommen ja immer um die Schalen der Beeren
und die typische Farbe, die sie aufweisen.

00:18:36.060 --> 00:18:42.360
<v Tobias>Da ist natürlich der Grauburgunder dann noch mal so ein bisschen überraschend,
weil der ist natürlich nicht wirklich grau, sondern ist sogar eher dafür

00:18:42.360 --> 00:18:47.820
<v Tobias>bekannt, einen leicht rötlichen Touch zu haben, was ja bei Weißwein auch eher
ungewöhnlich ist.

00:18:48.210 --> 00:18:54.810
<v Tobias>Doch er legt sich außerdem während der Reife so einen leichten, hellen Schleier
über die Trauben.

00:18:54.810 --> 00:18:56.280
<v Tobias>Ja, ich weiß gar nicht, was das ist.

00:18:56.280 --> 00:19:01.590
<v Tobias>Vielleicht ist das einfach irgendwie so die natürliche Hefe, die sich teilweise
da ja auch ablagert.

00:19:01.590 --> 00:19:05.160
<v Tobias>Und dadurch wirken die Trauben tatsächlich so ein bisschen grau.

00:19:05.160 --> 00:19:08.280
<v Tobias>Aber ist das jetzt schon ein richtiges Angeberwissen?

00:19:08.280 --> 00:19:09.720
<v Tobias>Weiß ich jetzt auch nicht so genau.

00:19:09.840 --> 00:19:10.470
<v Michael>Ja.

00:19:11.370 --> 00:19:11.850
<v Tobias>Eieiei.

00:19:12.900 --> 00:19:14.280
<v Michael>Okay, grau.

00:19:14.730 --> 00:19:16.740
<v Michael>Dann lass mich jetzt mal auf weiß zu sprechen kommen.

00:19:16.740 --> 00:19:25.260
<v Michael>Pass auf, es geht um meinen geliebten Albariño, denn da spielt dieses Weiß,
also Alba, eine ganz wichtige Rolle.

00:19:25.470 --> 00:19:34.680
<v Michael>Also bekanntlich findest du die Rebe ja im Norden Spaniens und Portugals, wohin
sie wohl über Mönche gelangt ist,

00:19:35.250 --> 00:19:44.460
<v Michael>da die frische Säure der Weine, genau das, was ich hier auch mag, du schätzt
das ja auch sehr, an einen Riesling erinnert, nannte man diese Rebsorte

00:19:44.460 --> 00:19:48.740
<v Michael>einfach: der kleine Weiße vom Rhein.

00:19:48.740 --> 00:19:51.510
<v Michael>Also übersetzt: Albariño.

00:19:52.520 --> 00:19:53.060
<v Michael>War das gut?

00:19:53.210 --> 00:19:56.600
<v Tobias>Das ist jetzt besser. Das finde ich, das finde ich wirklich gut.

00:19:56.600 --> 00:19:59.600
<v Tobias>Beim Thema Farbe sehe ich jetzt mal rot.

00:19:59.750 --> 00:20:05.750
<v Tobias>Ja, denn auch dir sagt doch bestimmt der Begriff „Rotliegendes" etwas.

00:20:05.900 --> 00:20:08.390
<v Tobias>Oder auch der sogenannte Rote Hang.

00:20:08.690 --> 00:20:14.930
<v Tobias>Ja, hier war man dann mit der Bezeichnung auch wieder mal ganz wörtlich,
wortwörtlich unterwegs.

00:20:15.230 --> 00:20:19.760
<v Tobias>Also denk mal an unsere Nacktarsch-Folge und den Bezeichnungen der Weinlagen.

00:20:20.360 --> 00:20:25.370
<v Tobias>Ja, denn der Boden dieser Lagen ist einfach deutlich rot gefärbt.

00:20:25.550 --> 00:20:31.910
<v Tobias>In anderen Teilen der Welt nennt man diesen Bodentyp dann Terra Rossa, also
auch wieder ganz wortwörtlich.

00:20:32.240 --> 00:20:40.670
<v Tobias>Und die Erklärung ist recht simpel: In dem Untergrund spielt nämlich immer
Eisenoxid eine Rolle, also quasi verrostetes Eisen.

00:20:40.850 --> 00:20:43.820
<v Tobias>Und das hat nun mal einen deutlichen Rotstich.

00:20:44.090 --> 00:20:52.850
<v Tobias>Und ja, ich weiß nicht, ob du es schon mal gesehen hast, aber dieser erwähnte
Rote Hang in Rheinhessen, das sieht schon beeindruckend aus, denn der leuchtet

00:20:52.850 --> 00:20:54.950
<v Tobias>dir schon aus der Ferne entgegen.

00:20:54.950 --> 00:21:02.630
<v Tobias>Insbesondere natürlich irgendwie zu der Jahreszeit, wo die Reben jetzt nicht so
voll mit Blättern und Trauben sind.

00:21:02.630 --> 00:21:05.090
<v Tobias>Und ja, das ist schon wirklich eindrucksvoll.

00:21:05.240 --> 00:21:07.730
<v Michael>Ja Tobias, so geht das, so stelle ich mir das vor.

00:21:07.760 --> 00:21:13.820
<v Michael>Du hast es verstanden. Also wir hatten jetzt schon grau, wir hatten jetzt schon
weiß, wir hatten jetzt dein Rot.

00:21:14.090 --> 00:21:19.910
<v Michael>Dann mache ich jetzt mal mit grün weiter, mit grün wie grüne Lese.

00:21:20.300 --> 00:21:25.310
<v Michael>Damit gemeint ist ja das Abnehmen von Trauben am Rebstock, noch bevor sie
ausreifen.

00:21:26.300 --> 00:21:29.150
<v Michael>Also, wenn sie noch grün sind, sozusagen.

00:21:29.660 --> 00:21:35.300
<v Michael>Und die grüne Lese ist also so was wie eine freiwillige Ertragsreduzierung.

00:21:35.300 --> 00:21:43.760
<v Michael>Man nimmt einfach Trauben weg, damit sich die Rebe bei der ganzen Reife auf
wenige Trauben konzentrieren kann.

00:21:44.240 --> 00:21:47.690
<v Michael>Oder einfacher gesagt hier: mehr Qualität als Quantität, ja.

00:21:49.550 --> 00:21:54.950
<v Tobias>Ja, absolut. Also ich bin ja jetzt wirklich erstaunt, wie gut dieses Farbthema
irgendwie funktioniert.

00:21:55.070 --> 00:22:00.290
<v Tobias>Als du vorhin sagtest „Frag doch mal nach der Lieblingsfarbe der Leute!", habe
ich gedacht, was ist denn jetzt passiert?

00:22:00.440 --> 00:22:04.250
<v Tobias>Aber je länger wir jetzt darüber sprechen, desto mehr Ideen kommen.

00:22:04.250 --> 00:22:08.090
<v Tobias>Denn pass mal auf, da gibt es nämlich noch was, und zwar: schwarz und weiß.

00:22:08.090 --> 00:22:11.400
<v Tobias>Auch, wenn das ja irgendwie, glaube ich, gar keine Farben sind, aber, ne?

00:22:11.400 --> 00:22:13.100
<v Michael>Whisky Black and White kenne ich.

00:22:13.250 --> 00:22:14.630
<v Tobias>Nee, nee, nee, nee.

00:22:14.630 --> 00:22:17.660
<v Tobias>Und versuch es erst gar nicht, jetzt wieder mit Spirituosen um die Ecke zu
kommen.

00:22:18.650 --> 00:22:21.320
<v Tobias>Ich bin beim Thema Schwarzriesling.

00:22:21.560 --> 00:22:27.530
<v Tobias>Ja, denn Schwarz steht hier für ein dunkles Blau, das die Trauben aufweisen.

00:22:27.710 --> 00:22:31.430
<v Tobias>Er ist nämlich eine Mutation des Pinot Noir.

00:22:31.430 --> 00:22:33.470
<v Tobias>Noir, schwarz halt eben, da hast du es wieder.

00:22:34.490 --> 00:22:42.330
<v Tobias>Unser Spätburgunder wäre eigentlich fast logischer gewesen, den Pinot Noir dann
Schwarzriesling zu nennen, aber das lassen wir jetzt mal.

00:22:42.330 --> 00:22:45.230
<v Tobias>Gleichzeitig bei dem Thema zum Weiß.

00:22:45.500 --> 00:22:50.570
<v Tobias>Im Burgund heißt die Rebsorte Schwarzriesling nämlich Pinot Meunier.

00:22:50.570 --> 00:22:53.180
<v Tobias>Und Meunier ist der Müller.

00:22:53.180 --> 00:22:56.690
<v Tobias>Und dessen Mehl ist bekanntlich was, hm?

00:22:56.690 --> 00:23:03.890
<v Tobias>Weiß, genau. Und genau diese Rebsorte hat an den Blattunterseiten ja feine,
helle Härchen.

00:23:04.790 --> 00:23:08.660
<v Tobias>Es sieht fast so ein bisschen aus, als wäre es mit Mehl bestäubt worden.

00:23:08.810 --> 00:23:16.720
<v Tobias>Also daher dann der Müller und das Synonym für Schwarzriesling - Achtung -
Müllerrebe, ja?

00:23:16.720 --> 00:23:18.710
<v Tobias>Also da kann ich nur sagen: fertig.

00:23:18.950 --> 00:23:25.460
<v Michael>Huiuiui, ich sehe schon, wunderbar vorbereitet, also Respekt, Tobias.

00:23:25.460 --> 00:23:30.320
<v Michael>Also, wenn die Geschichte nicht als Angeberwissen durchgeht, weiß ich auch
nicht.

00:23:30.590 --> 00:23:40.370
<v Michael>Aber ich versuche jetzt noch mal einen drauf zu setzen, denn ich dachte zuerst,
du möchtest mit dem Weiß beim Pinot Meunier auf etwas ganz anderes

00:23:40.370 --> 00:23:42.870
<v Michael>raus, nämlich auf Champagner.

00:23:42.870 --> 00:23:48.260
<v Michael>Denn die Rebsorte ist ja klassischer Bestandteil in einem - Achtung - weißen
Champagner.

00:23:50.000 --> 00:23:50.270
<v Tobias>Stimmt.

00:23:50.270 --> 00:23:55.960
<v Michael>Und der Pinot Noir, der Schwarze oder der Dunkle, ebenfalls.

00:23:55.960 --> 00:23:58.700
<v Michael>Als rote Rebsorte weiß gekeltert.

00:23:58.760 --> 00:24:02.960
<v Michael>Ja, also die Beeren so schnell gepresst, dass kein Farbstoff in den Most
gelangt.

00:24:03.650 --> 00:24:09.110
<v Michael>Ja, denn das Fruchtfleisch der Beeren ist immer weiß.

00:24:09.230 --> 00:24:12.000
<v Tobias>Ha! Stopp! Nicht immer, ne?

00:24:12.000 --> 00:24:19.340
<v Tobias>Nicht immer. Die sogenannten Färbertrauben haben rotes Fruchtfleisch, ja.

00:24:20.210 --> 00:24:29.870
<v Tobias>Diese Gruppe von Rebsorten nennt man Französisch Teinturier, ja, und so wundert
es nicht, dass es auch eine Spielart meines

00:24:29.870 --> 00:24:35.810
<v Tobias>geliebten Gamay aus dem Beaujolais gibt, die Gamay Teinturier heißt.

00:24:36.020 --> 00:24:39.650
<v Tobias>Oder Erinnere dich an unsere Portugalreise wieder, ja.

00:24:39.680 --> 00:24:44.420
<v Tobias>Alicante Henri Bouschet ist ebenfalls eine Färbertraube.

00:24:44.420 --> 00:24:54.040
<v Tobias>Und noch viel einfacher: Cinsault aus unserem geliebten Süden Frankreichs, von
der südlichen Rhône, gehört ebenfalls zu der Gruppe,

00:24:54.280 --> 00:25:03.730
<v Tobias>aus denen man eben kein sogenannten Blanc de Noir machen könnte, weil selbst
beim Pressen eben dann roter Farbstoff in den Most gelangen würde.

00:25:03.760 --> 00:25:05.800
<v Tobias>Mein Gott, bin ich ein Angeber.

00:25:06.010 --> 00:25:10.330
<v Michael>Meine Güte, Tobias, jetzt reicht es aber auch mal für heute, oder?

00:25:11.200 --> 00:25:16.060
<v Michael>Wir können ja irgendwann noch mal so eine Angeberwissen-Folge machen.

00:25:16.060 --> 00:25:18.940
<v Tobias>Ja, ja. Also, absolut unbedingt.

00:25:19.060 --> 00:25:23.620
<v Tobias>Aber ja, es ist wirklich besser so, wir müssen jetzt mal einen Cut machen.

00:25:23.620 --> 00:25:26.650
<v Tobias>Obwohl ich natürlich noch einiges auf dem Zettel gehabt hätte.

00:25:27.520 --> 00:25:34.030
<v Tobias>Aber man muss ja vielleicht jetzt auch noch mal sagen, es wäre sehr, sehr
schön, wenn die Zuhörerinnen und Zuhörer auch mal was dazu sagen.

00:25:34.180 --> 00:25:36.760
<v Tobias>Also wie hat euch die Folge gefallen?

00:25:36.760 --> 00:25:44.260
<v Tobias>Aber vor allem auch: Habt ihr vielleicht auch noch Angeberwissen, was ihr uns
irgendwie mitteilen könntet oder wolltet?

00:25:44.500 --> 00:25:47.440
<v Tobias>Ja, dann könnte man daraus vielleicht dann tatsächlich eine weitere Folge
machen.

00:25:48.220 --> 00:25:52.970
<v Tobias>Also bitte schreibt uns oder kommentiert auf dem Weinfreunde Insta- und
Facebook-Channel.

00:25:54.130 --> 00:26:00.970
<v Michael>Genau eure Mails erreichen uns unter podcast@weinfreunde.de.

00:26:01.510 --> 00:26:05.110
<v Michael>Komm, gebt euch einen Ruck und uns ein Like.

00:26:06.010 --> 00:26:08.140
<v Tobias>Ja, sehr schön gesagt, Michael.

00:26:08.140 --> 00:26:11.260
<v Tobias>Ich glaube, die Formulierung, die wählen wir jetzt bei jeder Folge.

00:26:11.710 --> 00:26:17.270
<v Tobias>Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn es demnächst wieder heißt.

00:26:17.270 --> 00:26:20.000
<v Michael>Bei Anruf.

00:26:20.000 --> 00:26:20.520
<v Tobias>Wein.