WEBVTT

00:00:02.330 --> 00:00:07.490
<v Michael>Bei Anruf Wein. Der Weinfreunde-Podcast.

00:00:09.200 --> 00:00:12.500
<v Tobias>Ich grüße euch, liebe Weinfreunde. Mein Name ist Tobias.

00:00:12.530 --> 00:00:17.900
<v Tobias>Willkommen Bei Anruf Wein. In der heutigen Folge geht es um einen Teil der
Weinwelt,

00:00:17.900 --> 00:00:21.110
<v Tobias>der häufig unterschätzt wird: Winzergenossenschaften.

00:00:21.560 --> 00:00:24.200
<v Tobias>Für viele stehen sie noch immer für Masse statt Klasse.

00:00:24.200 --> 00:00:31.280
<v Tobias>Dabei prägen sie ganze Regionen, stemmen einen erheblichen Teil der weltweiten
Weinproduktion und bringen regelmäßig Weine ins Glas,

00:00:31.280 --> 00:00:34.130
<v Tobias>die positiv überraschen und preislich überzeugen.

00:00:34.580 --> 00:00:42.020
<v Tobias>Michael und ich sprechen darüber, warum Winzergenossenschaften entstanden sind,
welche Rolle sie bis heute spielen und in welchen Ländern sie wichtig sind.

00:00:42.500 --> 00:00:47.180
<v Tobias>Es geht also um Geschichte, Struktur, Preis-Genuss-Verhältnisse und um die
Tatsache,

00:00:47.180 --> 00:00:51.170
<v Tobias>dass Genossenschaften Motor für Wandel und Nachhaltigkeit sein können.

00:00:51.800 --> 00:00:55.700
<v Tobias>Ihr seid mit euren Bewertungen für Bei Anruf Wein auf Spotify,
Apple und Co.

00:00:55.730 --> 00:01:03.370
<v Tobias>übrigens ein Motor für unseren Podcast. Wenn euch gefällt,
was ihr hört, freuen sich Michael und ich über ein Abo und ein paar Sterne.

00:01:03.640 --> 00:01:06.850
<v Tobias>Also bleibt mal dran. Ich ruf den mal an!

00:01:11.680 --> 00:01:14.530
<v Michael>Ach ja - verlässlich wie immer. Der liebe Weinlakai.

00:01:14.560 --> 00:01:16.000
<v Michael>Hallo Tobias!

00:01:16.330 --> 00:01:16.930
<v Tobias>Ja, logisch. Hi!

00:01:17.260 --> 00:01:20.050
<v Michael>Wir haben ja schon seit Tagen nicht mehr telefoniert.

00:01:20.080 --> 00:01:25.450
<v Michael>Nur Mails und Messages und im System zusammen im Chat und ich weiß nicht was.

00:01:26.140 --> 00:01:31.480
<v Michael>Wie gut, dass es den Podcast gibt. Also ich kann nur sagen,
es ist eine richtige Quality Time für uns beide.

00:01:31.810 --> 00:01:32.230
<v Tobias>Das stimmt.

00:01:31.810 --> 00:01:35.830
<v Michael>Und ich hoffe natürlich für euch, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
auch.

00:01:36.580 --> 00:01:40.360
<v Michael>Daher auch mein ganz besonderes Hallo an euch!

00:01:40.390 --> 00:01:43.690
<v Michael>Willkommen zur 127. Folge von Bei Anruf Wein.

00:01:43.960 --> 00:01:49.750
<v Tobias>Ja, ja, jetzt hatte ich schon befürchtet,
du sagst noch irgendwie sowas wie, wir hätten uns auseinandergelebt oder sowas.

00:01:50.380 --> 00:01:54.190
<v Tobias>Ja, na ja, wir sind halt dann doch irgendwie so ein bisschen wie so ein altes
Ehepaar.

00:01:54.220 --> 00:01:57.630
<v Tobias>Also zumindest ein Wein-Ehepaar. Ja, aber genau.

00:01:57.630 --> 00:02:02.570
<v Tobias>Ein herzlichen Gruß auch von mir. Ich bin übrigens ganz guter Dinge für diese
Folge,

00:02:02.570 --> 00:02:06.920
<v Tobias>lieber Michael. Nicht nur, weil das Thema so interessant ist,
sondern auch, ja,

00:02:07.280 --> 00:02:12.980
<v Tobias>weil wir ja vorab noch die Fortsetzung deiner Geschichte mit dem Homer-Zitat
erzählen müssen.

00:02:13.100 --> 00:02:19.010
<v Tobias>Also für alle, die die vergangene Folge über Schwefel im Wein noch nicht gehört
haben,

00:02:19.400 --> 00:02:22.220
<v Tobias>kannst du uns vielleicht noch mal kurz sagen,
worum es da ging?

00:02:22.550 --> 00:02:27.800
<v Michael>Klar. Also in der Vorbereitung auf die vergangene Folge,
auf diese „enthält Sulfite"-Folge,

00:02:28.130 --> 00:02:33.800
<v Michael>bin ich auf eine angebliche Erwähnung bei Homer gestoßen,
also dem Autor der Ilias und der Odyssee,

00:02:34.550 --> 00:02:39.590
<v Michael>die Wein und die konservierende Wirkung von Schwefel in Zusammenhang bringen
soll.

00:02:39.770 --> 00:02:43.460
<v Michael>Ich habe lange recherchiert, aber das Originalzitat konnte ich einfach nicht
finden.

00:02:43.490 --> 00:02:47.750
<v Michael>Und daher habe ich dann unsere Community gefragt,
ob sie weiterhelfen kann.

00:02:48.710 --> 00:02:54.770
<v Michael>Und für den entscheidenden Hinweis habe ich eine persönlich ausgesuchte Flasche
schwefelfreien Weins versprochen.

00:02:55.130 --> 00:03:00.300
<v Tobias>Ja, genau. Das ist nämlich der springende Punkt,
du gibst dann sozusagen einen aus.

00:03:00.840 --> 00:03:05.670
<v Tobias>Ich fand dieses ganze Thema, diesen ganzen Aufruf zwar so ein bisschen
oldschool-nerdy,

00:03:06.510 --> 00:03:09.570
<v Tobias>aber eines muss man deinem Aufruf wirklich lassen.

00:03:09.810 --> 00:03:13.260
<v Tobias>Darauf gab es nämlich so viele Reaktionen wie schon lange nicht mehr.

00:03:13.740 --> 00:03:18.120
<v Tobias>Wir haben viele Mails erhalten, die Social-Media-Kommentare,
muss ich jetzt ehrlich sagen,

00:03:18.120 --> 00:03:20.700
<v Tobias>habe ich jetzt gar nicht richtig im Blick. Du bestimmt.

00:03:20.700 --> 00:03:27.270
<v Tobias>Aber ich war wirklich überrascht. Und ich möchte ehrlich gesagt gar nicht
entscheiden,

00:03:27.480 --> 00:03:33.840
<v Tobias>wer jetzt wirklich die oder der Erste war,
der für die Auflösung deines Suchauftrags gesorgt hat.

00:03:35.070 --> 00:03:38.730
<v Tobias>Zumal ja, so richtig aufgelöst haben wir den Fall ja gar nicht,
ne?

00:03:39.960 --> 00:03:43.890
<v Michael>Nein, und doch dann irgendwie. Also erstmal überhaupt nicht aufgelöst.

00:03:44.400 --> 00:03:47.610
<v Michael>Aber wohl auch, weil es eben nicht aufzulösen ist.

00:03:47.760 --> 00:03:55.560
<v Michael>Zwar findet sich auf vielen Websites dieser ominöse Hinweis,
aber ein richtiges Zitat kann man einfach nicht finden.

00:03:55.740 --> 00:03:56.040
<v Tobias>Okay.

00:03:56.160 --> 00:04:02.200
<v Michael>Also muss man davon ausgehen, das ist als O-Ton als richtiges Zitat
wahrscheinlich erfunden.

00:04:02.230 --> 00:04:08.740
<v Michael>Also die Antwort ist, dass ist gar kein Zitat gibt und deshalb ist „Nein" dann
die richtige Antwort.

00:04:08.740 --> 00:04:09.460
<v Michael>Verstehst du?

00:04:10.330 --> 00:04:10.960
<v Tobias>Uiuiui.

00:04:10.330 --> 00:04:14.440
<v Michael>Aber ja, kompliziert, aber hört sich komplizierter an,
als es ist.

00:04:14.440 --> 00:04:18.280
<v Michael>Auf jeden Fall gibt es so mindestens zwei Mails,
kenne ich jetzt, die wir da bekommen haben,

00:04:18.280 --> 00:04:22.825
<v Michael>die schon sehr, sehr früh für diese Enttäuschung -
mal im positiven Sinne gesprochen -

00:04:22.825 --> 00:04:28.360
<v Michael>gesorgt haben. Positiv deshalb: Wir haben zusammen Fake News entlarvt!

00:04:28.510 --> 00:04:34.000
<v Tobias>Eieiei. Das hört sich jetzt allerdings ein bisschen so an,
als würdest du dich jetzt nur um die Flasche drücken wollen.

00:04:34.030 --> 00:04:40.480
<v Tobias>Die hast du ja immerhin ausgelobt. So nach dem Motto:
„Es gibt ja gar kein Homer-Zitat,

00:04:40.510 --> 00:04:45.790
<v Tobias>also kann auch niemand gewinnen". Also da kann ich schon mal sagen,
so läuft das nicht.

00:04:46.720 --> 00:04:52.840
<v Tobias>Du hast vielleicht vergessen, aber ich bin ja der Vorsitzende des schwefelarmen
Homer-Komitees.

00:04:52.930 --> 00:04:59.550
<v Tobias>Ja, also es wird auf jeden Fall eine Flasche für eine Zuhörerin oder einen
Zuhörer von Bei Anruf Wein geben.

00:05:00.090 --> 00:05:04.170
<v Tobias>Das verspreche ich schon mal. Und da kommst du jetzt nicht mehr raus aus der
Nummer!

00:05:04.290 --> 00:05:10.260
<v Michael>Nee, nee, nee. Langsam, langsam. Will ich auch gar nicht. Ich habe da einen ganz
anderen Vorschlag. Wir hatten ja gesagt der Erste, die Erste. Finde ich

00:05:10.260 --> 00:05:15.450
<v Michael>irgendwie ein bisschen blöd, gerade angesichts des Ergebnisses. Deshalb schlage
ich jetzt Folgendes vor:

00:05:15.480 --> 00:05:21.598
<v Michael>Ich persönlich suche jetzt 3 Antworten quer über alle Kanäle aus und schicke
allen 3 eine Flasche,

00:05:21.598 --> 00:05:24.330
<v Michael>so als Anerkennung bei der Wahrheitsfindung.

00:05:24.360 --> 00:05:30.330
<v Michael>Ja, und natürlich stimme ich die Vorschläge mit dir ab als Komitee-Vorsitzender,

00:05:30.450 --> 00:05:34.770
<v Michael>kein Problem. Aber eigentlich kennt mein Vorschlag jetzt doch nur Gewinner.

00:05:34.890 --> 00:05:39.120
<v Michael>Damit kann man doch nur einverstanden sein. Wir ändern zwar die Spielregeln,
aber ist doch okay.

00:05:39.480 --> 00:05:42.150
<v Tobias>Ja, ja, ja. Jetzt hast du echt gut die Kurve gekriegt.

00:05:42.180 --> 00:05:48.060
<v Tobias>Das machen wir jetzt mal einfach so. Aus einer Flasche mach 3 für die Bei Anruf
Wein-Community.

00:05:48.210 --> 00:05:52.500
<v Tobias>Hört sich nach einem guten Deal an und ich warte dann einfach mal auf deine
Vorschläge.

00:05:52.530 --> 00:05:59.260
<v Tobias>So, aber jetzt lass uns nicht noch mehr Zeit verlieren,
um unserem heutigen Thema nachzugehen.

00:05:59.380 --> 00:06:01.300
<v Tobias>Das haben wir nämlich noch nicht mal genannt.

00:06:01.390 --> 00:06:07.540
<v Tobias>Also, meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer,
wir reden heute über Winzergenossenschaften in Deutschland,

00:06:07.540 --> 00:06:13.960
<v Tobias>aber auch anderswo in der Weinwelt. Und damit richten wir mal das Licht auf
einen Teil der Weinbranche,

00:06:13.960 --> 00:06:18.880
<v Tobias>der ja, muss man eigentlich so sagen, sehr,
sehr gerne vernachlässigt wird.

00:06:19.030 --> 00:06:27.760
<v Michael>Ja, wir kümmern uns heute so ein bisschen um die Schattenkinder. Denn wenn du
mal in die Weinmagazine schaust oder dir die entsprechenden Social-Media-Foren

00:06:27.760 --> 00:06:36.160
<v Michael>anguckst zum Thema, da kann man einfach den Eindruck gewinnen,
dass die Branche fast ausschließlich aus familiengeführten Weingütern mit wer

00:06:36.160 --> 00:06:41.290
<v Michael>weiß wie langer Tradition besteht. Ja, ich überspitze das jetzt mal,
aber die Tendenz ist klar,

00:06:41.290 --> 00:06:48.274
<v Michael>was ich damit sagen will, ne? Dabei sind jetzt gerade die Winzergenossenschaften
in vielen Ländern nicht nur im Hinblick auf die Menge,

00:06:48.274 --> 00:06:53.050
<v Michael>also an Hektar Anbauflächen und erzeugten Wein,
einfach eine große Nummer.

00:06:53.080 --> 00:06:57.310
<v Michael>Also ich weiß nicht genau, wie aktuell die Zahlen sind,
die ich da im Kopf habe,

00:06:57.310 --> 00:07:04.380
<v Michael>aber es war, glaube ich, immer so, dass rund 1/3 der deutschen Anbaufläche,
also etwa 30.000 Hektar,

00:07:04.680 --> 00:07:07.770
<v Michael>von Winzergenossenschaften bewirtschaftet werden.

00:07:07.800 --> 00:07:09.720
<v Michael>Und das ist ja jetzt mal nicht wenig.

00:07:09.870 --> 00:07:16.230
<v Tobias>Ja, ja, genau. Und das hört sich für mich jetzt schon fast so ein bisschen
konservativ geschätzt an, denn ich weiß, in manchen deutschen Weinregionen ist

00:07:16.230 --> 00:07:19.620
<v Tobias>der Anteil ja noch viel, viel höher, also höher als 1/3.

00:07:19.770 --> 00:07:22.740
<v Tobias>Also denkt mal an unsere Württemberg-Folge.

00:07:22.890 --> 00:07:32.850
<v Tobias>Da sprachen wir ja vor ziemlich genau einem Jahr mit Felix Ellwanger darüber,
dass dort 70 Genossenschaften 75 % der Gesamtrebfläche bewirtschaften.

00:07:33.030 --> 00:07:36.000
<v Tobias>Also das ist dann noch mal ordentlich mehr.

00:07:36.030 --> 00:07:40.950
<v Tobias>Und deswegen bin ich auch davon überzeugt,
dass jede Einzelne und jeder Einzelne,

00:07:41.160 --> 00:07:48.630
<v Tobias>die oder der über einen längeren Zeitraum Weine genießen,
auf jeden Fall schon einmal einen Genossenschaftswein im Glas gehabt hat -

00:07:48.780 --> 00:07:54.120
<v Tobias>auch wenn vielleicht nicht bewusst. Denn auch im Ausland -
Frankreich, Italien,

00:07:54.150 --> 00:08:01.860
<v Tobias>aber natürlich auch Spanien oder Österreich,
selbst in Südafrika - sind Winzergenossenschaften einfach eine feste Größe.

00:08:01.890 --> 00:08:05.760
<v Tobias>Und das eben nicht nur auf die Menge der Weinerzeugung bezogen.

00:08:05.910 --> 00:08:08.190
<v Tobias>Das muss man jetzt noch mal unterstreichen.

00:08:08.190 --> 00:08:15.330
<v Tobias>Das wird nämlich ganz gerne immer so abgetan,
so als wenn eine Winzergenossenschaft automatisch für Punktabzüge in der

00:08:15.330 --> 00:08:18.960
<v Tobias>Qualität sorgt. Also ne, das ist nicht so.

00:08:18.990 --> 00:08:28.770
<v Tobias>Und obwohl ich ja wirklich kein Primitivo-Fan bin,
aber ganz viele der Vorzeigeweine aus Apulien beispielsweise stammen von

00:08:28.770 --> 00:08:29.940
<v Tobias>Winzergenossenschaften.

00:08:30.000 --> 00:08:32.520
<v Michael>Ja, man merkt es ja auch nicht immer direkt am Namen.

00:08:32.820 --> 00:08:39.360
<v Michael>Da hat sich ja was geändert, ne? Und ich bin da ganz bei dir,
automatische Punkteabzüge gibt es da nicht.

00:08:32.820 --> 00:08:33.030
<v Tobias>Nee, richtig, ja.

00:08:39.960 --> 00:08:45.510
<v Michael>Genauso wenig übrigens wie beim Familien-Weingut per se die Qualität nach oben
geht.

00:08:45.780 --> 00:08:48.840
<v Michael>Das kann man so pauschal einfach nicht sagen.

00:08:48.990 --> 00:08:51.330
<v Michael>Ich glaube, die Wahrheit ist relativ banal.

00:08:51.360 --> 00:08:58.990
<v Michael>Also meiner Meinung nach gibt es einfach klassische Weingüter,
meinetwegen auch familiengeführte klassische Weingüter,

00:08:59.560 --> 00:09:01.960
<v Michael>die gut sind und andere, die sind weniger gut.

00:09:01.990 --> 00:09:06.790
<v Michael>Und es gibt Winzergenossenschaften, die sind richtig gut und andere,
die sind weniger gut.

00:09:06.820 --> 00:09:08.410
<v Michael>Also ich glaube, so ist.

00:09:08.410 --> 00:09:08.590
<v Tobias>Irgendwie einfach, ja.

00:09:09.010 --> 00:09:14.860
<v Michael>Ja, und deshalb erst mal prinzipiell keine falsche Scheu beim Thema
Winzergenossenschaften.

00:09:14.860 --> 00:09:23.890
<v Michael>Das ist mein Appell. Und gerade für diejenigen,
die so ein bisschen sich so als Preis-Genuss-Schnäppchenjäger irgendwie belohnen

00:09:23.890 --> 00:09:24.430
<v Michael>wollen.

00:09:25.150 --> 00:09:25.420
<v Tobias>Ja, bin ich auch einer.

00:09:27.310 --> 00:09:30.940
<v Michael>Die sollten alle mal bei Genossenschaften vorbeischauen. Also da fallen mir
ganz,

00:09:30.940 --> 00:09:35.320
<v Michael>ganz viele Beispiele von der Rhône ein,
aber auch aus dem Languedoc und natürlich aus Spanien,

00:09:35.320 --> 00:09:38.020
<v Michael>wo echt töfte, töfte Qualität ins Glas kommt.

00:09:38.320 --> 00:09:43.090
<v Tobias>Ja, und du sprichst jetzt natürlich wieder von deinem geliebten Spanien,
aber denk mal an Südtirol.

00:09:43.300 --> 00:09:47.500
<v Tobias>Ja, Michael, da ist die Genossenschaft ja quasi der Normalfall.

00:09:47.620 --> 00:09:53.980
<v Tobias>Und demnach ist es hier auch völlig normal,
dass die besten Weine der Region von Genossenschaften stammen.

00:09:54.190 --> 00:09:58.400
<v Tobias>Da stellt sich da auch keiner die Frage,
ob das jetzt irgendwie sein kann.

00:09:58.700 --> 00:10:07.880
<v Tobias>Und wenn ich jetzt hier die richtige Zahl im Kopf habe,
sind das ja auch so um die 70 % vom Ganzen,

00:10:08.180 --> 00:10:16.370
<v Tobias>also in Südtirol im Grunde genommen gespiegelt zu diesen 30 %,
diesem Drittel-Verhältnis in Deutschland.

00:10:16.580 --> 00:10:22.700
<v Tobias>Ja, und dadurch natürlich auch ganz logisch,
dass dort unter den großen Namen ganz viele Genossenschaften sind.

00:10:22.910 --> 00:10:31.340
<v Tobias>Ja also, ach so, zu Südtirol gibt es ja auch schon eine tolle Bei Anruf
Wein-Folge mit dem Krimiautor Lenz Koppelstätter,

00:10:31.490 --> 00:10:33.740
<v Tobias>der da ja eine ganz besondere Beziehung zu hat.

00:10:33.890 --> 00:10:41.300
<v Tobias>Aber bevor wir jetzt wieder mit Südtirol hier und Deutschland da ganz in diese
Qualitätsdebatte abrutschen,

00:10:41.510 --> 00:10:45.620
<v Tobias>würde ich jetzt mal gerne den Historiker Michael befragen.

00:10:45.650 --> 00:10:50.960
<v Tobias>Ja, also seit wann gibt es denn überhaupt Winzergenossenschaften und wie ist
man,

00:10:51.110 --> 00:10:53.480
<v Tobias>ja, wie ist man auf die Idee gekommen, das zu machen?

00:10:53.960 --> 00:10:58.780
<v Tobias>Aber nicht zu viele Jahreszahlen und Personennamen,
wenn es geht.

00:10:58.900 --> 00:11:00.670
<v Tobias>Mach es irgendwie kurz und präzise.

00:11:01.030 --> 00:11:03.760
<v Michael>Also Tobias, wie immer, dein Wunsch ist mir Befehl.

00:11:04.270 --> 00:11:08.020
<v Michael>Und reden wir jetzt erstmal nur über Deutschland,
um es einfach zu machen.

00:11:08.350 --> 00:11:12.670
<v Michael>Da geht es so im Prinzip ab 1850 los, so ungefähr 2.

00:11:12.670 --> 00:11:18.940
<v Michael>Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zum Hintergrund:
In der Zeit läuft es gerade wirklich nicht gut für die Winzer in Deutschland.

00:11:19.390 --> 00:11:23.740
<v Michael>Die ersten Großkellereien kommen auf. Da gibt es jetzt wirklich
Wettbewerbsdruck.

00:11:23.860 --> 00:11:28.360
<v Michael>Die Gewerbefreiheit wird eingeführt, viele Berufe sind einfach so nicht mehr
geschützt.

00:11:28.660 --> 00:11:33.550
<v Michael>Dann gibt es auch noch schlechte Jahrgänge,
Probleme mit dem echten und dem falschen Mehltau.

00:11:33.580 --> 00:11:37.330
<v Michael>Und wäre das jetzt nichts, kommt dann am Ende ja auch irgendwann noch die
Reblaus dazu,

00:11:37.540 --> 00:11:40.720
<v Michael>die fast überall Einzug hält in den deutschen Weinregionen.

00:11:40.720 --> 00:11:46.570
<v Michael>Kurzum, da besteht einfach ein massiver existenzieller Druck bei den kleinen
Weinbauern,

00:11:46.570 --> 00:11:50.980
<v Michael>die sonst vom Verkauf der Trauben oder manchmal auch der Grundweine leben.

00:11:51.640 --> 00:11:55.360
<v Michael>Und gleichzeitig ist das die Zeit - was heißt „gleichzeitig",
ist nicht zufällig,

00:11:55.380 --> 00:12:03.270
<v Michael>das hat seinen Grund, glaube ich. Es ist eben die Zeit,
in der diese ersten Kassenvereine als Vorgänger von Genossenschaften und diese

00:12:03.270 --> 00:12:07.260
<v Michael>Volksbanken entstehen. Also Volksbanken -
da muss ich jetzt einen Namen nennen,

00:12:07.260 --> 00:12:10.800
<v Michael>den kennen wir nämlich noch heute. Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

00:12:10.920 --> 00:12:16.380
<v Michael>Also der schreibt mir jeden Monat, da kriege ich immer Post von dem. Aber den
kennen wir jetzt noch heute.

00:12:16.380 --> 00:12:20.910
<v Michael>Aber was ich sagen will, in dieser Gemengelage,
in diesem Sozial- und Wirtschaftsklima,

00:12:20.910 --> 00:12:25.140
<v Michael>sage ich jetzt mal, da entstehen eben die ersten Winzergenossenschaften in
Deutschland.

00:12:25.140 --> 00:12:29.880
<v Michael>Und der Grundgedanke ist eben ganz einfach:
Viele Kleine, denen es nicht gut geht,

00:12:29.880 --> 00:12:36.120
<v Michael>die tun sich zusammen, um gemeinsam größer und wichtiger zu sein,
damit es ihnen besser geht.

00:12:36.360 --> 00:12:42.960
<v Tobias>Ja, ja, ja, genau. Und das ist ja wirklich auch ein logischer und durch und
durch positiver Gedanke.

00:12:43.530 --> 00:12:50.820
<v Tobias>Und ich glaube, gelesen zu haben, dass es an der Mosel erste Zusammenschlüsse
gab,

00:12:51.360 --> 00:12:58.560
<v Tobias>die es dann aber nicht geschafft haben. Aber wenn du im Gegenteil mal an die
Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr denkst,

00:12:58.800 --> 00:13:03.660
<v Tobias>die feiern sich nämlich selbst als älteste Winzergenossenschaft der Welt.

00:13:03.810 --> 00:13:07.200
<v Tobias>Und das ist genau die Zeit, von der du auch gerade gesprochen hast.

00:13:07.230 --> 00:13:15.630
<v Tobias>1868 tun sich dort an der Ahr die ersten Winzer zusammen und das wächst sich
dann deswegen bis heute so aus,

00:13:15.750 --> 00:13:21.120
<v Tobias>weil man eben auch in dieser ganzen Zeit bis heute andere Genossenschaften
übernommen hat.

00:13:21.660 --> 00:13:24.420
<v Tobias>Und da habe ich jetzt auch noch mal die Zahlen.

00:13:24.420 --> 00:13:30.630
<v Tobias>Aktuell sind das 140 Hektar, die man da an der Ahr bewirtschaftet.

00:13:30.780 --> 00:13:34.920
<v Tobias>Und nur mal so, die Ahr hat überhaupt nur 530 Hektar.

00:13:34.980 --> 00:13:38.430
<v Tobias>Das ist ja eines der kleinsten Anbaugebiete in Deutschland.

00:13:38.460 --> 00:13:46.980
<v Tobias>Und diese 140 Hektar Rebfläche verteilen sich dann in der Genossenschaft auf 460
Mitglieder.

00:13:47.610 --> 00:13:49.740
<v Tobias>Und wir sind da übrigens auch vorbeigefahren.

00:13:49.860 --> 00:13:55.330
<v Tobias>Du erinnerst dich vielleicht, als wir auf dem Weg zu Meyer-Näkel waren,
das ist noch gar nicht so lange her.

00:13:55.360 --> 00:13:58.450
<v Tobias>Und ja, da ist die Genossenschaft natürlich nicht zu übersehen.

00:13:58.630 --> 00:14:00.490
<v Michael>Ne, eine große Nummer, wie gesagt schon.

00:14:00.520 --> 00:14:06.010
<v Michael>Und ich erinnere mich noch, ich kenne den Ort und ich kenne ihn ja auch quasi
vor und nach der Flutkatastrophe.

00:14:06.010 --> 00:14:10.120
<v Michael>Und sorry, dass ich noch mal auf das Thema zu sprechen komme,
aber ich sage jetzt mal,

00:14:10.150 --> 00:14:15.400
<v Michael>es lässt sich auch so ein bisschen sagen,
so in Notsituationen - wir hatten ja eben so wirtschaftliche Nöte -,

00:14:15.580 --> 00:14:22.420
<v Michael>da hilft eben eine Genossenschaft, ja. Also sie zeigt ihre Stärken dann eben
auch in Krisensituationen.

00:14:22.870 --> 00:14:26.860
<v Michael>So ist sie geboren und so kann sie sich heute auch immer noch bewähren,
sage ich mal.

00:14:26.890 --> 00:14:31.690
<v Michael>Egal, wie die Krise aussieht. Aber ich will ja jetzt nicht sentimental werden.

00:14:31.690 --> 00:14:37.990
<v Michael>Ich habe extra mal Ahr, Gemeinde Mayschoß,
und das „Altenahr" kommt ja später hinzu.

00:14:38.020 --> 00:14:44.950
<v Michael>Das ist so eine Übernahme von einer Genossenschaft. Ich habe mal was ganz Altes
rausgesucht aus dem Jahr 1871,

00:14:44.980 --> 00:14:49.780
<v Michael>und da steht in der Chronik der Gemeinde -
Achtung, ich zitiere, hier habe ich es,

00:14:50.650 --> 00:14:59.640
<v Michael>da - „Trotzdem, dass es nun 3 schlechte Weinjahre nacheinander gegeben,
ist die Geldnot nicht mehr so groß wie vor 5 Jahren.

00:14:59.640 --> 00:15:04.020
<v Michael>Zur Hebung des Wohlstandes trägt der Kreditverein vieles bei.

00:15:04.050 --> 00:15:08.010
<v Michael>Mehr tut zur Hebung des Wohlstandes der Winzerverein".

00:15:08.160 --> 00:15:15.874
<v Michael>Also nur noch mal zur Einordnung. Ja, 1871 geschrieben,
1868 gegründet, diese Genossenschaft.

00:15:15.874 --> 00:15:21.780
<v Michael>Also es nur 3 Jahre Unterschied und da spürt man schon,
die hatten positiven Effekt.

00:15:22.320 --> 00:15:30.090
<v Tobias>Ja, absolut. Und du musst ja auch sehen,
Winzergenossenschaften sind so eine Art moderne Antwort auf ein althergebrachtes

00:15:30.090 --> 00:15:35.490
<v Tobias>Problem. Also Stichwort Erbteilung, jetzt mal von der Richtung betrachtet.

00:15:35.610 --> 00:15:44.520
<v Tobias>Die hat nämlich dazu geführt, dass in einigen Weinregionen Europas die einzelnen
Flächen im Privatbesitz immer kleiner wurden.

00:15:44.760 --> 00:15:52.650
<v Tobias>Und das sind dann am Ende nur noch ein,
zwei Hektar, die ein Weinbauer besitzt und damit kommt man da nicht weit.

00:15:52.800 --> 00:15:58.080
<v Tobias>Also wenn man sagt, das ist jetzt die Grundlage für mein eigenes Weingut,
ja, das wird ein bisschen knapp,

00:15:58.080 --> 00:16:07.450
<v Tobias>ne? Und ja, auch in diesen Anbaugebieten ist dann eben das Zusammentun vieler
kleiner Weinbauern mit ihren kleinen Parzellen ein wirklicher

00:16:07.450 --> 00:16:14.320
<v Tobias>wirtschaftlicher Vorteil. Ja, nur gemeinsam bringt man dann eben genügend
Rebmaterial zusammen,

00:16:14.320 --> 00:16:17.140
<v Tobias>um als Traubenlieferant eine Rolle zu spielen.

00:16:17.140 --> 00:16:22.330
<v Tobias>Oder man macht eben dann gemeinsam eigene Weine und hat eine eigene Abfüllung.

00:16:22.720 --> 00:16:30.070
<v Tobias>Man kauft dann also auch als Kollektiv Kellereitechnologie und Know-how,
um dann eben Flaschenweine zu erzeugen,

00:16:30.310 --> 00:16:38.680
<v Tobias>mit denen man dann wiederum mehr Geld erwirtschaftet als nur mit Trauben oder
Grundwein für große Händler oder Abfüller.

00:16:38.800 --> 00:16:43.450
<v Tobias>Das ist hier so richtig Nachhilfestunde in Sachen Betriebswirtschaft.

00:16:43.900 --> 00:16:47.890
<v Michael>Ja, und genau so kann man das in Südtirol erleben in der einen Form.

00:16:48.070 --> 00:16:51.490
<v Michael>Aber auch in ganz vielen Teilen Spaniens,
aber auch im Languedoc.

00:16:51.550 --> 00:16:56.330
<v Michael>Da kommen wir vielleicht gleich noch mal drauf zu sprechen. Oder an meiner oder
unserer geliebten Rhône.

00:16:57.530 --> 00:17:02.510
<v Michael>Doch das Problem jetzt mit diesen zu kleinen Rebflächen,
um alleine wirtschaftlich arbeiten zu können,

00:17:02.510 --> 00:17:05.900
<v Michael>ist jetzt nur ein Auslöser für so eine Gründung von Genossenschaften.

00:17:06.050 --> 00:17:14.120
<v Michael>Also allgemein kann man sagen, ich habe es eben schon mal formuliertes ist immer
eine Reaktion auf wirtschaftliche Krisenerfahrungen.

00:17:14.480 --> 00:17:21.920
<v Michael>Also zum Beispiel auch die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre hat der
Genossenschaftsbewegung einen richtigen Schub noch mal gegeben.

00:17:22.010 --> 00:17:27.980
<v Michael>Aber vielleicht verlieren wir - ich, Entschuldigung -
uns jetzt zu sehr in der Geschichte.

00:17:28.430 --> 00:17:31.160
<v Michael>Eines noch als Ergänzung. So was Spanisches...

00:17:31.850 --> 00:17:32.090
<v Tobias>Na ja, gut.

00:17:31.850 --> 00:17:34.190
<v Michael>Doch, so was Kritisches und dann Spanisches.

00:17:34.790 --> 00:17:40.850
<v Michael>Die Gründung von Kooperativen. Ja, wir haben ja das verstanden,
dass das ein Wirtschaftsinstrument letztendlich ist.

00:17:40.880 --> 00:17:43.640
<v Michael>Die kann eben auch staatlich gewollt sein.

00:17:43.730 --> 00:17:53.350
<v Michael>Ja, also Beispiel ist, in den 1950er-Jahren fördert das Franco-Regime in Spanien
massiv die Genossenschaftsbewegung und hat einen ganz klaren

00:17:53.350 --> 00:17:56.890
<v Michael>Hintergrund das Ganze, denn Landflucht nimmt zu.

00:17:56.920 --> 00:18:01.810
<v Michael>Warum? Die Leute können eben mit Landwirtschaft nicht mehr eigentlich ihren
Unterhalt verdienen.

00:18:01.810 --> 00:18:07.090
<v Michael>Es wird immer schwieriger. In der Folge droht dann,
dass Fläche aufgegeben wird,

00:18:07.480 --> 00:18:10.060
<v Michael>also landwirtschaftlich genutzte Fläche aufgegeben wird.

00:18:10.270 --> 00:18:14.530
<v Michael>Das will sich Spanien nicht leisten, die ja in allem autark sein wollen.

00:18:14.770 --> 00:18:19.840
<v Michael>Okay. Und ja, die haben das dann massiv gefördert und es hat auch tatsächlich
gut funktioniert.

00:18:19.840 --> 00:18:22.660
<v Michael>Es war ein Anreiz, dort zu bleiben und sein Geld zu verdienen.

00:18:22.810 --> 00:18:31.630
<v Michael>Und das trägt sich bis heute fort. Nur mal jetzt die aktuellen Zahlen:
Es gibt in Spanien rund 540 Winzergenossenschaften mit -

00:18:31.630 --> 00:18:40.330
<v Michael>Achtung - 108.000 Mitgliedern, ja? Und insgesamt stehen die für 70 % der
erzeugten Weine.

00:18:40.600 --> 00:18:43.780
<v Michael>Kurzum, das sind Südtiroler Verhältnisse.

00:18:44.350 --> 00:18:49.390
<v Tobias>Südtiroler Verhältnisse in Spanien. Schon klar,
mein Genosse Michael.

00:18:49.690 --> 00:18:50.380
<v Michael>Ja, das muss ich meinen Freunden auch jetzt erklären.

00:18:51.820 --> 00:18:56.800
<v Tobias>Uiuiui. Ja, ne, also wenn man da jetzt in Betracht zieht,
dass Spanien der, ich glaube,

00:18:57.400 --> 00:19:02.950
<v Tobias>mengenmäßig größte Weinproduzent der Welt ist,
dann sind diese 70 % ja noch mal,

00:19:02.980 --> 00:19:06.010
<v Tobias>wirklich irre. Kann man ja anders nicht sagen.

00:19:06.400 --> 00:19:13.750
<v Tobias>Aber jetzt mal weg von deinem spanischen Exkurs,
weg von Geschichte und hin zu einer anderen wichtigen Bedeutung der

00:19:13.750 --> 00:19:18.670
<v Tobias>Genossenschaften. Sie sind nämlich auch so eine Art Pool für Neugründungen.

00:19:18.850 --> 00:19:24.160
<v Tobias>Also überleg dir nur, wie oft wir bei unseren Besuchen vor Ort schon gehört
haben,

00:19:24.160 --> 00:19:29.410
<v Tobias>dass noch der Vater oder auch der Großvater an die Winzergenossenschaft
geliefert hat.

00:19:29.950 --> 00:19:38.920
<v Tobias>Man kann also, das ist jetzt vielleicht so ein bisschen der negative Touch,
man kann eben auch aus einer Winzergenossenschaft wieder austreten und beginnen,

00:19:38.920 --> 00:19:42.220
<v Tobias>seinen eigenen Wein zu machen und zu vermarkten.

00:19:42.250 --> 00:19:46.390
<v Tobias>Also das ist dann so eine Art Starthilfe,
oder, ich sage mal, so eine Art Schule,

00:19:46.390 --> 00:19:51.160
<v Tobias>in die man dann auch geht, wenn man vorher Mitglied in der Genossenschaft war.

00:19:51.510 --> 00:19:58.590
<v Tobias>Erinnere dich nur: bei Emil Bauer, die wir besucht haben,
war das so, bei Löffler im Markgräflerland auch.

00:19:58.770 --> 00:20:03.690
<v Tobias>Da hat dann die neue Generation gesagt:
Nee, wir können das auch alleine.

00:20:04.110 --> 00:20:08.820
<v Tobias>Da könnt ihr gerne auch noch mal reinhören,
by the way. Aber auch Frankreich, Italien,

00:20:08.820 --> 00:20:12.570
<v Tobias>Spanien. Da haben wir genau solche Weingüter schon kennengelernt.

00:20:12.750 --> 00:20:18.570
<v Tobias>Und in diesen Fällen funktioniert die Genossenschaft dann ja wie so eine Art
Inkubator.

00:20:19.710 --> 00:20:27.720
<v Tobias>Mir liegen da jetzt keine Zahlen vor, aber ich schätze schon,
der Anteil an Ex-Winzergenossen unter den Neugründungen,

00:20:27.720 --> 00:20:29.190
<v Tobias>der ist bestimmt ziemlich hoch.

00:20:29.220 --> 00:20:33.480
<v Michael>Das kann ich mir auch vorstellen. Aber das ist jetzt nur so meine Erfahrung.
Aber ja, sehe ich auch so.

00:20:33.720 --> 00:20:37.140
<v Michael>Was sind ja auch die Alternativen? Du kommst mit viel Geld von außen.

00:20:37.170 --> 00:20:39.150
<v Michael>Also, keine Ahnung, lassen wir es mal weg.

00:20:39.150 --> 00:20:40.950
<v Michael>Aber ja, kann ich mir auch so vorstellen.

00:20:41.160 --> 00:20:48.186
<v Michael>Und wenn man es dann böse dreht, bringen dann auch viele Leute an dieser Stelle
direkt wieder dieses Totschlag-Qualitäts-Argument -

00:20:48.186 --> 00:20:55.270
<v Michael>oder Vorurteil muss man ja besser sagen -
ja, so ein großer Erzeuger, der kann gar nicht so gute Weine liefern,

00:20:55.270 --> 00:20:58.060
<v Michael>deshalb ist es gut, dass er sich unabhängig macht.

00:20:58.090 --> 00:21:05.440
<v Michael>Nur so ein kleines Weingut kann sich ganz auf seine Lagen einstellen und die
Besonderheiten des Bodens,

00:21:05.470 --> 00:21:08.740
<v Michael>und so weiter und so fort. Ich lasse das jetzt mal unkommentiert.

00:21:08.740 --> 00:21:16.120
<v Michael>Ich habe vorhin schon gesagt, was ich darüber denke. Ich glaube aber auch,
bei diesen Neugründungen geht es auch nicht immer darum,

00:21:16.150 --> 00:21:25.360
<v Michael>jetzt den eigenen Wein im ökonomischen Sinne zu machen,
sondern es geht eben auch ganz oft um Stil und so eine ganz eigene Vorstellung

00:21:25.360 --> 00:21:29.680
<v Michael>vom idealen Wein meiner Region, dieses Bodens.

00:21:30.310 --> 00:21:32.950
<v Michael>So zumindest hat man uns das ja dann auch immer erzählt.

00:21:32.980 --> 00:21:38.530
<v Michael>Also es ist nicht immer nur eine rein ökonomische Grundlage,
auf der man die Entscheidung trifft,

00:21:38.530 --> 00:21:43.180
<v Michael>ich mache mich jetzt da unabhängig. Und ganz ehrlich jetzt,
wenn man das mal insgesamt betrachtet,

00:21:43.210 --> 00:21:49.330
<v Michael>wer will sich denn da beschweren? Ja, noch einmal:
Es gibt ja nicht nur die Alltagsweine von den Winzergenossenschaften,

00:21:49.330 --> 00:21:52.370
<v Michael>sondern auch Lagenweine und echte Spezialitäten.

00:21:52.640 --> 00:21:57.590
<v Michael>Also das kleinteiligere Arbeiten, was man jetzt den Familienweingütern immer
unterstellt,

00:21:57.620 --> 00:22:00.800
<v Michael>das ist auch in einem größeren Verbund möglich.

00:22:00.980 --> 00:22:02.090
<v Michael>Da habe ich keine Zweifel.

00:22:02.210 --> 00:22:08.330
<v Tobias>Ja, absolut. Und was man vielleicht auch mal erwähnen sollte,
ist, ich glaube generell das Qualitätsniveau,

00:22:08.360 --> 00:22:13.550
<v Tobias>auch bei Winzergenossenschaften, hat sich halt eben auch in den letzten
Jahrzehnten immer weiter verbessert.

00:22:13.790 --> 00:22:21.530
<v Tobias>Ne? Also früher gab es dann vielleicht noch etwas handfestere Gründe,
dann auch eine Winzergenossenschaft wieder zu verlassen.

00:22:13.790 --> 00:22:14.180
<v Michael>Ja, wichtig zu sagen.

00:22:21.530 --> 00:22:25.580
<v Tobias>Aber das hat sich natürlich jetzt auch absolut verändert.

00:22:25.670 --> 00:22:33.800
<v Tobias>Und erinnere dich, es gibt immer mal wieder auch Genossenschaften,
die einen besonders guten Wein eines einzelnen Mitgliedes vermarkten,

00:22:34.100 --> 00:22:37.400
<v Tobias>also auch wirklich so, dass der namentlich genannt ist usw.

00:22:37.430 --> 00:22:40.370
<v Tobias>Der ist dann praktisch gar nicht mehr als Genoss... Ja,
genau.

00:22:37.430 --> 00:22:37.520
<v Michael>In Baden zum Beispiel, ja.

00:22:41.690 --> 00:22:45.350
<v Tobias>Aber der ist dann gar nicht mehr als Genossenschaftswein zu erkennen.

00:22:45.380 --> 00:22:50.520
<v Tobias>Und da fragt man sich natürlich erstmal,
warum hat er das jetzt nicht einfach als eigene Abfüllung gemacht?

00:22:50.640 --> 00:22:55.440
<v Tobias>Und die Antwort, finde ich, ist dann auch ein wichtiger Punkt,
hatten wir auch noch nicht.

00:22:55.560 --> 00:23:04.380
<v Tobias>Also selbst, wenn Winzerinnen oder Winzer damit mehr Geld verdient hätten,
ja, wenn sie den jetzt selber rausgebracht hätten,

00:23:04.560 --> 00:23:09.390
<v Tobias>viele haben eben auch auf das ganze Thema Vertrieb und Marketing,
also alles das,

00:23:09.390 --> 00:23:11.760
<v Tobias>was da noch so dranhängt, überhaupt keine Lust.

00:23:11.790 --> 00:23:15.720
<v Tobias>Die sind Landwirte. Das haben wir ja auch schon so häufig gehört.

00:23:15.840 --> 00:23:18.870
<v Tobias>Und die lieben einfach die Arbeit im Weinberg.

00:23:18.870 --> 00:23:23.220
<v Tobias>Und ich glaube, für solche Menschen ist dann eine Genossenschaft auch ein Segen,

00:23:23.370 --> 00:23:27.330
<v Tobias>weil sie sich halt eben um diese ganzen Geschichten nicht mehr kümmern müssen.

00:23:27.540 --> 00:23:32.340
<v Tobias>So, und davon jetzt mal abgesehen. Es gibt ja auch richtig große Weingüter.

00:23:32.580 --> 00:23:37.680
<v Tobias>Ja, also die haben teilweise ja tatsächlich Genossenschaftsniveau oder sind
sogar noch größer.

00:23:37.800 --> 00:23:42.090
<v Tobias>Und da sagt man ja auch nicht automatisch,
der Wein, der kann irgendwie nichts sein,

00:23:42.090 --> 00:23:47.370
<v Tobias>weil die so groß sind. Denkt nur mal beispielsweise an das Juliusspital in
Franken.

00:23:47.400 --> 00:23:48.570
<v Tobias>Das haben wir ja besucht.

00:23:49.350 --> 00:23:53.360
<v Tobias>Ja, eine Stiftung. Das ist das zweitgrößte Weingut Deutschlands.

00:23:49.350 --> 00:23:49.620
<v Michael>Eine Stiftung, ne?

00:23:53.690 --> 00:23:57.380
<v Tobias>Und vor allem auch Ursprung von hervorragenden Weinen.

00:23:58.010 --> 00:24:00.680
<v Tobias>Die Nummer 1 in Deutschland ist das Kloster Eberbach.

00:24:01.580 --> 00:24:06.140
<v Tobias>Ich glaube kaum, dass da irgendjemand an der Qualität der Weine zweifelt...

00:24:06.230 --> 00:24:07.610
<v Michael>...nur, weil die so groß sind. Klar.

00:24:08.120 --> 00:24:15.140
<v Tobias>Absolut. Also hört da gerne auch noch mal in die Bei Anruf Wein-Folge mit Tanja
Strätz über das Juliusspital rein.

00:24:15.170 --> 00:24:18.430
<v Tobias>Mittlerweile leitet sie das Juliusspital ja sogar.

00:24:18.430 --> 00:24:21.290
<v Tobias>Das war zu dem Zeitpunkt unseres Interviews noch nicht so.

00:24:21.560 --> 00:24:30.590
<v Tobias>Sie erklärt nämlich wunderbar, warum das Kleinteilige,
Lagenspezifische trotz der 180 Hektar Rebfläche ein entscheidendes Puzzlestück

00:24:30.590 --> 00:24:33.890
<v Tobias>für die Qualität der Weine ist. Oder gerade wegen,
ne?

00:24:34.310 --> 00:24:38.090
<v Michael>Ja, ja. Also ich fasse das jetzt noch mal ganz simpel und banal für mich
zusammen.

00:24:38.720 --> 00:24:43.190
<v Michael>Groß oder klein macht nicht den entscheidenden Unterschied per se,
ne?

00:24:43.700 --> 00:24:47.360
<v Michael>Familienweingut oder Genossenschaft eben auch nicht.

00:24:47.510 --> 00:24:53.820
<v Michael>Ja, und trotzdem haben ja bis heute Genossenschaften irgendwie nicht den besten
Ruf bei uns.

00:24:54.390 --> 00:25:00.630
<v Michael>Man muss sich ja fragen: Woran liegt das? Also warum stehen die immer so ein
bisschen im Schatten der Aufmerksamkeit,

00:25:00.630 --> 00:25:03.060
<v Michael>trotz Preise und Weine mit tollen Punkten?

00:25:03.180 --> 00:25:11.580
<v Michael>Oder fehlt bei uns jetzt als Konsumenten so ein bisschen die Romantik,
wenn ich an Winzergenossenschaft denke und große Kapazitäten,

00:25:11.970 --> 00:25:12.180
<v Michael>ja?

00:25:12.540 --> 00:25:14.790
<v Tobias>Ja, ja. Das ist auch wieder so ein schrecklich deutsches Wort,
oder?

00:25:14.820 --> 00:25:18.630
<v Michael>Oder blenden wir das einfach aus mit Blick auf den Geldbeutel?

00:25:18.630 --> 00:25:20.760
<v Michael>Kaufen wir gerne, aber reden wir nicht drüber.

00:25:20.880 --> 00:25:25.500
<v Michael>Also ich sage mal so. Ich glaube, wir müssen jetzt alle ehrlicher zu uns sein.

00:25:25.530 --> 00:25:32.306
<v Michael>Ja klar, so ein Premier Grand Cru Classé aus dem Bordeaux gibt es eben nicht von
der Genossenschaft -

00:25:32.306 --> 00:25:39.930
<v Michael>einverstanden. Aber es gibt eben grandiose Weine von der nördlichen Rhône oder
exquisite Spätburgunder aus Baden,

00:25:39.960 --> 00:25:47.130
<v Michael>sage ich jetzt einfach mal so, und da kann ich nur empfehlen:
Trinkt euch doch mal durch die Winzergenossenschafts-Gegenden.

00:25:47.580 --> 00:25:52.430
<v Tobias>Ja, absolut. Wenn du sagst „nördliche Rhône",
da gibt es ja immerhin eine Genossenschaft,

00:25:52.430 --> 00:25:55.340
<v Tobias>die sogar den Namen „Hermitage" im Namen trägt.

00:25:55.340 --> 00:26:02.210
<v Tobias>Das kann ja gar nicht schlecht sein. Also das klingt auch im Übrigen total nach
dir.

00:26:02.240 --> 00:26:06.110
<v Tobias>„Trinkt euch durch die Gegend" - das ist echt 100 % Michael.

00:26:06.650 --> 00:26:06.890
<v Michael>Ich bin ein Pragmatiker.

00:26:06.650 --> 00:26:10.280
<v Tobias>Aber ja, da ist was, da ist auf jeden Fall was dran.

00:26:10.280 --> 00:26:18.890
<v Tobias>Und ja, ich kenne jede Menge Weinerzeuger,
die ich da empfehlen würde, die auf den Namen Winzergenossenschaft hören.

00:26:19.940 --> 00:26:26.840
<v Tobias>Also ja, in anderen Sprachen hört sich das auch tatsächlich irgendwie ein
bisschen charmanter an, muss ich sagen. Aber vielleicht ist das ja jetzt auch

00:26:26.840 --> 00:26:33.350
<v Tobias>die Stelle, an der wir unsere Hörerinnen und Hörer mal fragen sollten,
was sind denn eigentlich eure Erfahrungen?

00:26:33.530 --> 00:26:35.600
<v Tobias>Ist das für euch was ganz Selbstverständliches?

00:26:35.600 --> 00:26:41.150
<v Tobias>Oder ist es jetzt für euch auch eher neu,
dass von Genossenschaften auch gute Weine stammen können?

00:26:41.180 --> 00:26:44.708
<v Tobias>Schreibt uns doch vielleicht einfach, am besten per E-Mail.

00:26:44.708 --> 00:26:48.890
<v Tobias>Die Adresse kennt ihr vielleicht: podcast@weinfreunde.de.

00:26:49.190 --> 00:26:54.020
<v Michael>Ja, gute Idee. Vor allen Dingen, ich bringe jetzt noch mal einen eigenen Aspekt
ein,

00:26:54.440 --> 00:26:56.990
<v Michael>mit Blick auf den Wein des Jahres von Weinfreunde.

00:26:57.230 --> 00:27:04.340
<v Michael>Ja, weil unter denen, die wir bislang vorgestellt haben,
waren einige von Winzergenossenschaften und wir wissen,

00:27:04.340 --> 00:27:12.740
<v Michael>die sind super gut angekommen. Ja, also von daher lohnt der Blick auch jenseits
von unserem Wein des Jahres auf die

00:27:12.740 --> 00:27:18.770
<v Michael>Winzergenossenschaften. Auch, muss man ja sagen,
noch mal, um auf diese Qualität so ein bisschen einzuzahlen,

00:27:18.800 --> 00:27:26.150
<v Michael>es gibt ja auch so ganz spezielle Wettbewerbe,
wo nur Winzergenossenschaften untereinander sozusagen gebattlet werden,

00:27:26.180 --> 00:27:30.050
<v Michael>ja, und die Weine werden da professionell verkostet und bewertet.

00:27:30.050 --> 00:27:35.150
<v Michael>Und da kommen dann Ergebnisse raus, wo ich dann sage,
ja, guckt euch das mal an,

00:27:35.180 --> 00:27:38.990
<v Michael>gerade wenn ihr an dieses Preis-Genuss-Verhältnis denkt.

00:27:40.010 --> 00:27:40.940
<v Tobias>Ja, wichtiger Punkt.

00:27:40.970 --> 00:27:47.420
<v Michael>Eine Geschichte noch, haben wir ja in der letzten Zeit schon öfters drüber
gesprochen und hat auch was damit zu tun -

00:27:47.450 --> 00:27:56.180
<v Michael>guckt es euch mal an - auch in puncto Weintourismus haben Winzergenossenschaften
jetzt ordentlich zugelegt und investiert.

00:27:56.300 --> 00:28:04.220
<v Michael>Also ich sag jetzt mal Weinbistro, Verkostungsraum,
Kellereiführung, manchmal auch sogar Gästezimmer oder Hotel.

00:28:04.250 --> 00:28:10.730
<v Michael>Besondere Events - alles da. Ja, noch mal mit anderen Worten:
Ich fordere euch jetzt auf,

00:28:10.940 --> 00:28:17.300
<v Michael>wer es genau wissen will, der begebe sich doch einfach mal vor Ort,
besuche eine Winzergenossenschaft.

00:28:17.330 --> 00:28:21.800
<v Michael>Der soll sich das alles anschauen, ganz viel probieren und danach uns schreiben.

00:28:21.920 --> 00:28:25.250
<v Tobias>Ja, das ist eine gute Idee. Da kann ich mich nur anschließen.

00:28:25.250 --> 00:28:29.360
<v Tobias>Und das gilt ja nicht nur für Deutschland,
noch mal explizit dazu gesagt.

00:28:29.780 --> 00:28:35.750
<v Tobias>Auch wenn ihr nach Österreich fahrt oder in Italien,
Frankreich oder Spanien Urlaub macht,

00:28:35.930 --> 00:28:41.990
<v Tobias>so ein Genossenschaftscheck, der lässt sich auf jeden Fall bestens mit so einem
Ausflug verbinden.

00:28:42.410 --> 00:28:46.460
<v Tobias>Ja, macht euch vielleicht einfach vorab mal schlau,
was es da so in der Gegend gibt,

00:28:46.460 --> 00:28:49.460
<v Tobias>was lohnenswert für einen Besuch sein könnte.

00:28:49.490 --> 00:28:51.590
<v Tobias>Ich bin mir sicher, da geht was.

00:28:51.710 --> 00:28:55.280
<v Michael>Ach Tobias, das hört sich jetzt schon fast nach Schlusswort an.

00:28:55.280 --> 00:29:00.440
<v Michael>Aber eines möchte ich an der Stelle noch ergänzen -
Entschuldigung, ich bremse jetzt so ein bisschen.

00:29:00.470 --> 00:29:04.160
<v Michael>Du hast ja eben über die Genossenschaften als Inkubator gesprochen.

00:29:04.190 --> 00:29:08.215
<v Michael>Da wollte ich eines noch, eine Idee nur noch.

00:29:08.215 --> 00:29:13.310
<v Michael>Gerade weil Genossenschaften ja so groß sind an Fläche,
das haben wir jetzt ja auch mehrfach gesagt,

00:29:14.060 --> 00:29:17.780
<v Michael>kann man auch sagen, die sind wichtig für Veränderungen.

00:29:17.810 --> 00:29:22.490
<v Michael>Also sie stellen wichtigen Hebel für Veränderungen dar aufgrund ihrer Größe.

00:29:22.820 --> 00:29:30.410
<v Michael>Und ich denke da zum Beispiel ganz konkret an das Languedoc und den hohen Anteil
an biologischem Weinbau im Languedoc.

00:29:30.440 --> 00:29:34.580
<v Michael>Ja, also daran tragen die Genossenschaften einen entscheidenden Anteil.

00:29:34.610 --> 00:29:42.800
<v Michael>Ja, und was noch? Ja, ich erinnere nur an unsere Rhône-Reisen,
an unsere vielen Rhône-Reisen,

00:29:42.830 --> 00:29:50.460
<v Michael>wo wir dann eben auch mit Kooperativen zu tun hatten,
die jetzt in Sachen Ressourcen und Umweltschonung richtig engagiert waren,

00:29:50.460 --> 00:29:56.820
<v Michael>im französischen Wortsinne. Da gibt es ja diese Vignerons Engagés,
so heißt das dort,

00:29:57.600 --> 00:30:04.560
<v Michael>und klar, die machen jetzt nicht immer die richtig großen Schritte,
aber es sind viele,

00:30:04.560 --> 00:30:07.560
<v Michael>die kleine Schritte in die richtige Richtung tun.

00:30:08.070 --> 00:30:11.580
<v Tobias>Ja, finde ich noch mal einen ganz, ganz wichtigen Punkt. Denn gerade wenn wir
sagen,

00:30:11.580 --> 00:30:16.350
<v Tobias>von Genossenschaften stammen dann häufig auch günstige Weine mit gutem
Preis-Genuss-Verhältnis,

00:30:16.350 --> 00:30:24.090
<v Tobias>dann denkt man vielleicht gar nicht so daran,
dass ja so Themen wie Bio und teilweise auch Biodynamik da überhaupt eine Rolle

00:30:24.090 --> 00:30:28.860
<v Tobias>spielen. Aber genau so ist es. Und das ist eben auch ein wichtiger Punkt.

00:30:28.890 --> 00:30:36.480
<v Tobias>So eine Winzergenossenschaft kann aufgrund ihrer Größe,
die sie nun mal hat, dann eben auch direkt Großes bewegen.

00:30:36.600 --> 00:30:40.740
<v Tobias>Das macht einen größeren Unterschied, wenn das jetzt nur ein kleines Weingut
macht.

00:30:41.700 --> 00:30:45.240
<v Tobias>Denn ja, das lohnt sich, denke ich mal,
auch noch mal zu erwähnen.

00:30:45.240 --> 00:30:50.710
<v Tobias>Die Winzergenossenschaften legen ja fest,
nach welchen Standards ihre Mitglieder arbeiten sollen.

00:30:50.920 --> 00:30:56.380
<v Tobias>Das ist zwar dann nicht immer so einfach,
wenn es um Zertifizierungen und irgendwelche Siegel geht.

00:30:56.530 --> 00:31:05.200
<v Tobias>Da steht man vor der Herausforderung, wirklich die Mehrheit der Genossen dann
auch immer mitnehmen zu können und die zu überzeugen.

00:31:05.230 --> 00:31:10.870
<v Tobias>Aber wenn es denn klappt dann mit so einer Initiative,
ist der Hebel eben umso größer.

00:31:11.080 --> 00:31:18.820
<v Tobias>Und ja, wie du schon sagtest, wir waren schon viel an der Rhône unterwegs und
insbesondere auch für eine Folge,

00:31:18.820 --> 00:31:27.280
<v Tobias>da ging es um das Thema Klimawandel. Und ja,
das könnt ihr gerne auch noch mal in der Bei Anruf Wein-Mediathek nachhören,

00:31:27.280 --> 00:31:31.990
<v Tobias>sozusagen. Ich glaube, das war eine unserer ganz frühen Folgen mit vielen
O-Tönen.

00:31:33.190 --> 00:31:39.340
<v Tobias>Ich glaube, das war 2021 schon und da standen wir natürlich noch am Anfang
unseres Podcasts.

00:31:39.340 --> 00:31:43.090
<v Tobias>Aber ja, das Thema war da schon so aktuell wie heute auch noch.

00:31:43.360 --> 00:31:47.670
<v Michael>Jetzt werde ich doch noch mal sentimental. Tobias Wir müssten da eigentlich noch
mal hin zusammen, ne?

00:31:48.660 --> 00:31:49.320
<v Tobias>Ja, sowieso.

00:31:49.350 --> 00:31:52.920
<v Michael>Das musst du dann deiner Frau erklären. Ich nehme mich da jetzt professionell
mal raus.

00:31:53.550 --> 00:31:55.950
<v Tobias>Ich sage nur: Wein-Ehepaar. Das passt schon.

00:31:56.280 --> 00:32:03.870
<v Michael>Ja, wenn sie das akzeptiert, alles gut. Aber pass auf,
ich steuere jetzt mal knallhart auf unsere abschließende Zusammenfassung zu.

00:32:03.990 --> 00:32:06.750
<v Michael>Einverstanden? Wir haben jetzt wirklich viel erzählt über Winzergenossenschaft.

00:32:06.780 --> 00:32:07.290
<v Tobias>Yes, Yes.

00:32:07.320 --> 00:32:10.110
<v Michael>Oder kommt jetzt noch irgendein Nachtrag von dir? Ich kenn dich doch.

00:32:10.500 --> 00:32:13.740
<v Tobias>Nee, wirklich nicht. Also ich bin jetzt auch völlig fein damit.

00:32:13.770 --> 00:32:19.560
<v Tobias>Und als Beweis lege ich jetzt sozusagen mal direkt den ersten Merkpunkt vor.

00:32:19.590 --> 00:32:19.980
<v Michael>Ja, gerne.

00:32:19.590 --> 00:32:26.190
<v Tobias>Also: Winzergenossenschaften stehen ein wenig abseits der öffentlichen
Aufmerksamkeit.

00:32:26.190 --> 00:32:31.260
<v Tobias>Dabei stellen sie in vielen Ländern 30 % und mehr des Weinsektors dar.

00:32:31.470 --> 00:32:37.380
<v Michael>Früher standen Winzergenossenschaften für nicht die beste Qualität,
doch das hat sich längst geändert.

00:32:37.410 --> 00:32:40.050
<v Michael>Also bitte: unvoreingenommen sein!

00:32:40.320 --> 00:32:48.820
<v Tobias>Winzergenossenschaften sind in ihrer Entstehung oft eine Reaktion auf
Krisenerfahrungen wie Reblauskatastrophe oder Weltwirtschaftskrise.

00:32:48.850 --> 00:32:53.740
<v Michael>Genossenschaften sind aufgrund ihrer Größe auch ein wichtiger Hebel für
Veränderungen.

00:32:53.740 --> 00:32:55.900
<v Michael>Stichwort biologischer Weinbau.

00:32:56.110 --> 00:32:58.510
<v Tobias>So, genau. Gut zusammengetragen, finde ich.

00:32:58.540 --> 00:33:04.810
<v Tobias>Also keine Scheu vor Winzergenossenschaften und ihren Weinen,
einfach mal probieren oder sogar vor Ort besuchen,

00:33:04.810 --> 00:33:12.040
<v Tobias>um sich selbst ein Bild zu machen. Schließlich gibt es genügend gute Adressen,
um diesen Praxistest durchzuführen.

00:33:12.070 --> 00:33:18.220
<v Michael>Ja. Oder anders ausgedrückt: Ohne Winzergenossenschaften,
liebe Zuhörerinnen und liebe Zuhörer,

00:33:18.370 --> 00:33:25.720
<v Michael>gäbe es viel weniger Wein in der Welt und viel weniger Menschen,
die mit Wein ihren Lebensunterhalt verdienen.

00:33:25.750 --> 00:33:32.500
<v Michael>Und allein das ist ein Grund, glaube ich,
sich darauf zu freuen, wenn es das nächste Mal wieder heißt.

00:33:33.190 --> 00:33:34.210
<v Tobias>Bei Anruf.

00:33:35.260 --> 00:33:35.650
<v Michael>Wein.