WEBVTT

00:00:03.000 --> 00:00:05.640
Admiral, Tagpfauenauge, Zitronenfalter,

00:00:05.740 --> 00:00:07.920
wir alle freuen uns, wenn wir den Schmetterling sehen,

00:00:08.080 --> 00:00:09.340
aber gilt das auch,

00:00:09.460 --> 00:00:11.700
wenn die Insekten Anfang Februar rumflattern?

00:00:12.240 --> 00:00:13.940
So haben es nämlich viele Menschen in diesem Jahr

00:00:13.940 --> 00:00:17.700
beobachtet und da ist 2024 ja echt kein Einzelfall.

00:00:18.180 --> 00:00:21.140
Ist ein Aurorafalter mitten im Winter ein eindeutiges

00:00:21.140 --> 00:00:23.380
Zeichen für eine sich ändernende Welt?

00:00:24.200 --> 00:00:26.540
Was erzählen uns Schmetterlinge über den Klimawandel und

00:00:26.540 --> 00:00:27.700
gibt es vielleicht auch Arten,

00:00:28.000 --> 00:00:29.640
die von der Erderwärmung profitieren?

00:00:30.280 --> 00:00:32.460
Darüber wollen wir heute sprechen bei Erdfrequenz,

00:00:32.600 --> 00:00:34.420
dem Podcast der Senckenberg Gesellschaft für

00:00:34.420 --> 00:00:35.300
Naturforschung.

00:00:35.800 --> 00:00:38.580
Neben Schmetterlingen soll es auch um andere Insekten

00:00:38.580 --> 00:00:39.200
gehen, z .B.

00:00:39.260 --> 00:00:40.560
um den Stierkäfer und darum,

00:00:41.020 --> 00:00:44.600
wie Wurmkuren für Pferde und Antibotika für Schafe diesem

00:00:44.600 --> 00:00:46.520
Nützling gewaltig zu schaffen machen.

00:00:46.880 --> 00:00:49.020
Es hängt also mal wieder alles mit allem zusammen.

00:00:49.280 --> 00:00:52.840
Zu Gast in dieser Folge ist ein ausgewiesener Insekten und

00:00:52.840 --> 00:00:55.340
Schmetterlings -Experte von Senckenberg, Thomas Schmidt,

00:00:55.540 --> 00:00:56.120
herzlich willkommen.

00:00:56.620 --> 00:00:57.420
Hallo, ich freue mich.

00:00:57.740 --> 00:00:58.700
Ich freue mich auch.

00:00:58.700 --> 00:01:00.720
Fangen wir mal mit dem Stierkäfer an,

00:01:00.840 --> 00:01:04.040
denn der ist 2024 Insekt des Jahres.

00:01:04.540 --> 00:01:07.740
Diese Aktion gibt es schon ein ganz paar Jahre und die soll

00:01:07.740 --> 00:01:12.120
immerhin auf eine bestimmte Insektengruppe und auf eine

00:01:12.120 --> 00:01:13.920
Art, die irgendetwas ganz Tolles hat.

00:01:14.100 --> 00:01:15.460
Was hat der Stierkäfer,

00:01:15.560 --> 00:01:18.460
dass ihn zum Insekt des Jahres 2024 hat werden lassen?

00:01:19.000 --> 00:01:20.240
Ja, also der Stierkäfer,

00:01:20.320 --> 00:01:23.720
das ist einfach was ganz Faszinierend,

00:01:23.800 --> 00:01:24.880
Tolles und Faszinierendes.

00:01:25.400 --> 00:01:27.040
Und er hat verschiedene Eigenschaften,

00:01:27.280 --> 00:01:29.600
die ihn prädestinieren, Insekts des Jahres zu sein.

00:01:30.000 --> 00:01:32.700
Und da muss ich erst mal ganz kurz darauf eingehen,

00:01:33.720 --> 00:01:34.940
warum machen wir denn das eigentlich,

00:01:35.140 --> 00:01:35.920
das Insekts des Jahres?

00:01:36.840 --> 00:01:39.560
Das hat nämlich einen tieferen Hintergrund.

00:01:39.840 --> 00:01:43.640
Wir möchten gerne die Vielfalt der Insekten der

00:01:43.640 --> 00:01:45.220
Öffentlichkeit näher bringen.

00:01:45.220 --> 00:01:48.600
Denn Insekten sind einfach wunderbar,

00:01:48.660 --> 00:01:50.560
muss ich als Insektenkundler natürlich sagen,

00:01:50.940 --> 00:01:53.280
sie sind unglaublich vielfältig, sie sind total schön,

00:01:53.720 --> 00:01:55.980
sie sind manchmal unglaublich nützlich,

00:01:56.340 --> 00:01:57.400
sie sind manchmal noch lästig,

00:01:57.420 --> 00:01:59.100
wenn man eben Stechmücken sich anschaut.

00:01:59.840 --> 00:02:02.200
Und wir möchten gerne mit dem Insekts des Jahres

00:02:02.200 --> 00:02:06.640
faszinierende Insekten vorstellen und eben auch zeigen,

00:02:07.000 --> 00:02:09.380
was sie für eine Funktion im Ökosystem haben.

00:02:09.680 --> 00:02:12.800
Den Insekten haben ganz vielfältige Funktionen im

00:02:12.800 --> 00:02:13.420
Ökosystem.

00:02:13.420 --> 00:02:15.880
Und da sind wir jetzt beim Stierkäfer,

00:02:16.220 --> 00:02:17.780
über den ich mich total freue,

00:02:17.960 --> 00:02:19.500
dass er Insekts des Jahres geworden ist.

00:02:19.680 --> 00:02:23.360
Denn der Stierkäfer sieht einmal super toll aus.

00:02:23.840 --> 00:02:26.120
Das ist so ein Mistkäfer, aber kein normaler,

00:02:26.140 --> 00:02:29.420
denn die Männchen haben wie ein Stier vorne zwei lange

00:02:29.420 --> 00:02:29.980
Hörner drauf.

00:02:30.480 --> 00:02:32.420
Und das sieht schon mal richtig klasse aus.

00:02:33.000 --> 00:02:33.820
Wie lang sind die?

00:02:33.960 --> 00:02:35.500
Wenn Sie jetzt sagen, lange Hörner,

00:02:35.660 --> 00:02:37.580
sind die genauso lang wie der Stierkäferkrper?

00:02:39.720 --> 00:02:40.880
Nein, das nicht ganz,

00:02:41.120 --> 00:02:42.620
aber also ein Stierkäffer ist nicht groß,

00:02:42.780 --> 00:02:45.020
das ist vielleicht knapp zwei Zentimeter oder also

00:02:45.020 --> 00:02:46.080
anderthalb Zentimeter,

00:02:46.420 --> 00:02:48.220
aber die Hörner sind dann schon vier, fünf,

00:02:48.420 --> 00:02:49.720
manchmal sechs Millimeter groß.

00:02:50.560 --> 00:02:52.020
Je kräftiger so ein Männchen ist,

00:02:52.440 --> 00:02:54.700
desto vergleichsweise größer sind auch dann noch diese

00:02:54.700 --> 00:02:55.100
Hörner.

00:02:55.920 --> 00:02:59.420
Und also sieht schon mal superklasse aus und das ist immer

00:02:59.420 --> 00:03:02.200
wichtig für ein Insekt des Jahres.

00:03:02.500 --> 00:03:04.480
Es muss so den Boar -Effekt haben.

00:03:04.740 --> 00:03:06.780
Man muss sagen, boar, das ist ja was Tolles.

00:03:06.780 --> 00:03:08.900
Und dann ist es aber auch so,

00:03:09.360 --> 00:03:12.940
dass der Stierkäfer für eine bestimmte Gruppe von Insekten

00:03:12.940 --> 00:03:13.220
steht,

00:03:13.620 --> 00:03:18.040
nämlich die dungfressenden und dungverwertenden Käfer.

00:03:18.540 --> 00:03:19.920
Und die sind nämlich total wichtig,

00:03:20.360 --> 00:03:24.560
denn wenn nicht eine Heerschaar von Mistkäfern und

00:03:24.560 --> 00:03:26.100
Dungkäfern und was es alles gibt,

00:03:26.560 --> 00:03:29.120
dahinter her werden den Dung für uns zu beseitigen,

00:03:29.360 --> 00:03:32.440
oder mal so ganzer Lob ausgedrückt,

00:03:32.540 --> 00:03:34.920
die Scheiße wegzumachen, dann würde die liegen bleiben.

00:03:35.300 --> 00:03:37.420
Und das wäre für uns alle nicht so klasse.

00:03:38.180 --> 00:03:40.920
Und was machen diese Mistkäfer?

00:03:41.700 --> 00:03:45.500
Die bringen nämlich den Dung in die Erde ein und legen dann

00:03:45.500 --> 00:03:47.800
an diesen Dung ihre Eier ab.

00:03:48.260 --> 00:03:49.860
Und die Larven,

00:03:49.860 --> 00:03:53.660
die ernähren sich dann von dem Dung und es ist nicht nur

00:03:53.660 --> 00:03:55.180
so, dass sie Larven davon was haben,

00:03:55.280 --> 00:03:56.960
weil sie wieder sich zu Käfern entwickeln können,

00:03:57.240 --> 00:04:01.120
sondern sie führen dann die Nährstoffe,

00:04:01.120 --> 00:04:04.920
die eben in dem Dung drin sind, wieder in den Boden ein,

00:04:05.080 --> 00:04:06.100
arbeiten sie hier ein,

00:04:06.760 --> 00:04:08.560
dann können die Pflanzen sie wieder aufnehmen.

00:04:08.840 --> 00:04:10.800
Das heißt, wir haben hier den richtigen Shortcut,

00:04:11.120 --> 00:04:14.720
dass die Nährstoffe wunderbar im Ökosystem zirkulieren

00:04:14.720 --> 00:04:14.980
können.

00:04:15.360 --> 00:04:20.019
Und deshalb sind diese Dungkäfer eine unglaublich wichtige

00:04:20.019 --> 00:04:22.720
Gruppe, von der wir auch unwahrscheinlich viel haben.

00:04:23.000 --> 00:04:26.420
Also die bringen für uns eine richtig wertvolle

00:04:26.420 --> 00:04:27.060
Dienstleistung.

00:04:27.000 --> 00:04:29.840
Auf die weisen sie in diesem Jahr ganz besonders hin und

00:04:29.840 --> 00:04:33.260
das ja nicht nur in dem er Insektesjahres geworden ist,

00:04:33.400 --> 00:04:35.400
sondern in diesem Jahr der Stierkäfer hat noch was,

00:04:35.500 --> 00:04:37.580
was die anderen Insekten des Jahres bisher nicht hatten,

00:04:38.140 --> 00:04:40.780
nämlich es gibt ihnen demnächst auch jetzt auf einer

00:04:40.780 --> 00:04:41.380
Sandale,

00:04:41.640 --> 00:04:44.460
weil die Menschen können sich das anziehen und den Stierkäfer

00:04:44.460 --> 00:04:48.280
sozusagen in die Stadt und aufs Land hinaus tragen.

00:04:48.500 --> 00:04:49.980
Das ist doch was ganz besonderes,

00:04:49.980 --> 00:04:52.520
unsere Kooperation mit dem Hersteller Bergermann.

00:04:52.660 --> 00:04:53.660
Wie ist das zustande gekommen?

00:04:54.000 --> 00:04:55.680
Also ich finde das auch ganz toll.

00:04:56.080 --> 00:04:58.280
Bergemann ist auf Senckenberg zugekommen und hat gesagt,

00:04:58.540 --> 00:05:01.460
also wir finden diesen Stierkäfer das Insekt des Jahres so

00:05:01.460 --> 00:05:03.200
toll, wir würden ja gerne in das Sandale machen.

00:05:03.580 --> 00:05:06.600
Und dann habe ich das als Vorsitzender des Kuratoriums in

00:05:06.600 --> 00:05:08.360
unser Kuratorium eingebracht und habe gefragt,

00:05:08.700 --> 00:05:09.860
da hat auch keiner wohl was dagegen,

00:05:10.320 --> 00:05:13.560
dass wir jetzt auch noch auf Schuhen hier Werbung für

00:05:13.560 --> 00:05:16.840
unseren Projekt Insekt des Jahres machen können.

00:05:17.280 --> 00:05:18.880
Und dann haben die gesagt, nee, das ist doch toll.

00:05:19.700 --> 00:05:21.640
Und also ich finde das ganz klasse,

00:05:21.640 --> 00:05:24.740
dass jetzt die Menschen,

00:05:24.860 --> 00:05:28.460
die den Käfer fast mit Füßen treten, nein,

00:05:28.700 --> 00:05:32.140
mit Füßen tragen oder auf Füßen tragen,

00:05:32.320 --> 00:05:33.640
wie auch immer man das sehen möchte.

00:05:35.480 --> 00:05:38.140
Und also das ist einfach was Tolles.

00:05:38.280 --> 00:05:42.600
Und das zeigt auch, wie wichtig so eine Aktion ist.

00:05:42.720 --> 00:05:44.380
Ich meine, da steckt viel mehr Arbeit dahinter,

00:05:44.440 --> 00:05:45.560
als man das glaubt,

00:05:45.700 --> 00:05:47.360
so ein Insekt des Jahres immer zu machen.

00:05:47.500 --> 00:05:48.920
Wir müssen dann uns abstimmen,

00:05:49.140 --> 00:05:52.920
was wir aussuchen und müssen immer was Sinnvolles haben,

00:05:53.020 --> 00:05:54.040
soll immer was Neues sein,

00:05:54.160 --> 00:05:58.680
soll immer was Neues Attraktives haben und jede Menge

00:05:58.680 --> 00:06:01.200
Kriterien, die wir dann berücksichtigen müssen.

00:06:02.060 --> 00:06:05.380
Und dann brauchst du ein Flyer und ist aufwändig.

00:06:06.020 --> 00:06:08.900
Aber es ist dann auch immer so, man hört immer wieder, oh,

00:06:08.980 --> 00:06:10.360
das Insekt des Jahres so und so,

00:06:10.440 --> 00:06:13.100
oder ich habe das Insekt des Jahres so und so jetzt auch

00:06:13.100 --> 00:06:13.460
gefunden.

00:06:14.040 --> 00:06:16.120
Und das ist einfach eine Aktion,

00:06:16.360 --> 00:06:20.240
mit der wir die Vielfalt der Insekten ganz weit unter die

00:06:20.240 --> 00:06:21.280
Bevölkerung bringen können.

00:06:21.860 --> 00:06:24.920
Und das das dann auch noch so interessant ist,

00:06:24.980 --> 00:06:26.400
dass jemand der Schuhe herstellt, sagt,

00:06:26.480 --> 00:06:27.700
den will ich auf meinem Schuh drauf haben,

00:06:28.080 --> 00:06:28.880
ist doch superklasse.

00:06:30.000 --> 00:06:33.280
Da ist tatsächlich dieser Stierkäfer mehrfach darauf

00:06:33.280 --> 00:06:34.720
abgebildet, ziemlich häufig.

00:06:35.460 --> 00:06:37.160
Und das Ganze ist jetzt irgendwie nicht nur ein

00:06:37.160 --> 00:06:37.660
Selbstläufer,

00:06:37.720 --> 00:06:42.360
sondern 5 Euro pro jedes verkauftes Paar Schuhe geht dann

00:06:42.360 --> 00:06:45.840
als Spende zurück an Senckenberg und wird eingesetzt für

00:06:45.840 --> 00:06:47.820
Projekte zum Erhalt der Biodiversität.

00:06:49.080 --> 00:06:51.920
Und erzählen Sie noch ein bisschen mehr über diesen Käfer,

00:06:52.020 --> 00:06:55.140
den man dann demnächst an dem Fuß tragen kann.

00:06:55.140 --> 00:06:55.780
Übrigens,

00:06:56.000 --> 00:06:59.360
es gibt ein Shop in Frankfurt und sonst gibt es das einfach

00:06:59.360 --> 00:07:01.120
auch in einem Online -Shop.

00:07:01.240 --> 00:07:04.140
Können Sie sich das Foto von dieser Sandale mal angucken,

00:07:04.200 --> 00:07:05.060
wenn es Sie interessiert.

00:07:05.460 --> 00:07:07.380
Aber jetzt wollen wir noch mal ein bisschen genauer über

00:07:07.380 --> 00:07:08.960
diesen Stierkäfer selber reden.

00:07:09.120 --> 00:07:11.680
Es gibt mehrere Arten von diesen Mistkäfern,

00:07:11.820 --> 00:07:12.760
das haben Sie schon gesagt.

00:07:13.020 --> 00:07:15.860
Die sorgen alle dafür, dass dunkle Kot von Tieren,

00:07:16.000 --> 00:07:17.540
der irgendwie oben auf dem Boden liegt,

00:07:17.660 --> 00:07:19.940
in relativ kurzer Zeit meistens verschwindet.

00:07:19.940 --> 00:07:23.880
Im Fall vom Stierkäfer bringen die das in diese Röhren im

00:07:23.880 --> 00:07:24.820
Boden und ziemlich tief.

00:07:25.000 --> 00:07:28.620
Genau, also die Stierkäfer, die machen wirklich Röhren,

00:07:28.700 --> 00:07:30.700
die bis zu anderthalb Meter in den Boden reingehen.

00:07:30.780 --> 00:07:33.820
Viele andere machen weniger lange Röhren,

00:07:33.920 --> 00:07:36.080
also die normalen Mistkäfer, die man so findet,

00:07:36.220 --> 00:07:38.900
sind oft mal so 30 cm tief oder so.

00:07:39.340 --> 00:07:41.340
Es gibt dann auch welche, die man gar keine röhren.

00:07:41.720 --> 00:07:42.880
Dann gibt es noch Spezialisten,

00:07:43.120 --> 00:07:45.500
die schnappen sich ein Stück und rollen es weg, nicht?

00:07:45.760 --> 00:07:46.820
Das sind also die Pillenträer,

00:07:46.860 --> 00:07:48.040
die gibt es für uns in Deutschland kaum,

00:07:48.140 --> 00:07:49.920
aber so bald wir nach Südeuropa gehen,

00:07:49.920 --> 00:07:52.780
da findet man dann auch solche Pillenträer.

00:07:53.320 --> 00:07:55.940
Es ist ja ganz berühmt aus dem alten Ägypten,

00:07:55.940 --> 00:07:58.840
wo es dann eben den heiligen Pillenträer gab.

00:07:58.980 --> 00:08:00.960
Der hat auch heute noch den wissenschaftlichen Namen

00:08:00.960 --> 00:08:04.440
Skarabäus Sacra, also der heilige Pillenträer.

00:08:04.800 --> 00:08:08.200
Und also ganz skurrile Kollegen, die man da antreffen kann.

00:08:08.880 --> 00:08:11.860
In Österreich gibt es auch schon einen relativ häufig,

00:08:12.260 --> 00:08:14.560
das ist der Sisyphus Shafery.

00:08:15.040 --> 00:08:16.440
Ich weiß jetzt den deutschen Namen nicht mehr,

00:08:16.520 --> 00:08:17.820
das ist ein kleiner Pillenträer.

00:08:17.820 --> 00:08:21.640
Und die rollen dann also auch dann ihre Mistkugeln schon im

00:08:21.640 --> 00:08:24.840
östlichen Österreich recht zahlreich dann durch die Gegend.

00:08:25.040 --> 00:08:25.780
Und der heißt Sisyphus?

00:08:26.580 --> 00:08:27.620
Der heißt Sisyphus, ja.

00:08:28.200 --> 00:08:28.900
Das ist ein toller Name, nicht?

00:08:29.160 --> 00:08:33.419
Also der rollt sehr lange seine Mistkugeln notfalls.

00:08:33.780 --> 00:08:37.220
Und es ist also wirklich amüsant, ihm zuzuschauen,

00:08:37.640 --> 00:08:40.039
wenn es dann über Hindernisse oder sonst so was hinweggeht.

00:08:40.299 --> 00:08:41.520
Es ist ein ganz doller Käfer.

00:08:42.760 --> 00:08:46.920
Also ich habe den auch schon öfters beobachtet und es macht

00:08:46.920 --> 00:08:48.200
einfach Spaß zu gucken,

00:08:48.340 --> 00:08:51.800
wie diese posierlichen Tierchen dann ihre Mistkugeln dann

00:08:51.800 --> 00:08:52.880
von A nach B rollen.

00:08:53.000 --> 00:08:54.440
Jetzt gucken wir mal rein in die Erde,

00:08:54.600 --> 00:08:56.480
der Mistkäfer bringt den Dungen,

00:08:56.560 --> 00:08:58.600
der eben noch oben drauf lag, da unten rein,

00:08:58.740 --> 00:09:01.260
legt sein Ei daneben ab und dann schlüpft irgendwann aus

00:09:01.260 --> 00:09:02.520
dem Ei die Larve.

00:09:02.820 --> 00:09:03.680
Die fängt dann an,

00:09:03.720 --> 00:09:06.040
an diesem Mist zu fressen und ernährt sich davon.

00:09:06.520 --> 00:09:06.700
Genau.

00:09:07.180 --> 00:09:08.120
Wie lange dauert das?

00:09:08.140 --> 00:09:09.620
Das ist ja auch sehr unterschiedlich,

00:09:09.640 --> 00:09:10.580
wie lange diese Zyklen sind,

00:09:10.640 --> 00:09:12.180
bis dann wieder ein Käfer aus dieser Larve wird.

00:09:12.000 --> 00:09:12.400
Ja, ja.

00:09:12.680 --> 00:09:16.460
Also im Fall von dem Stierkäfer sind das Monate,

00:09:16.580 --> 00:09:17.820
die das braucht.

00:09:18.520 --> 00:09:21.300
Also wir haben da normalerweise einen Zyklus pro Jahr,

00:09:21.340 --> 00:09:22.740
der da durchläuft.

00:09:23.180 --> 00:09:26.180
Es gibt natürlich bei Käfern auch sehr lange Entwicklungen,

00:09:26.640 --> 00:09:28.760
also die sich dann über ein paar Jahre hinziehen,

00:09:28.880 --> 00:09:32.820
nicht bei Maikäfer 2, 3, 4 Jahre, die das dauern kann.

00:09:32.900 --> 00:09:34.840
Es gibt dann, weil hier die brauchen noch deutlich länger,

00:09:35.260 --> 00:09:36.480
dann gibt es natürlich auch Arten,

00:09:36.560 --> 00:09:38.160
die machen mehrere Generationen pro Jahr.

00:09:38.160 --> 00:09:40.780
Also bei Insekten ist da immer alles drin,

00:09:40.980 --> 00:09:43.420
also da gibt es ja hier die laufen riesig schnell durch und

00:09:43.420 --> 00:09:45.300
manche lassen sich riesig viel Zeit.

00:09:45.480 --> 00:09:49.520
Ich glaube bei manchen Zikaden sind es Zyklen von bis zu 17

00:09:49.520 --> 00:09:50.960
Jahren, die es eben braucht,

00:09:51.380 --> 00:09:53.520
bis dann eben ein Zyklus durchgelaufen ist.

00:09:54.000 --> 00:09:55.740
gerne noch beim Stierkäfer bleiben.

00:09:56.060 --> 00:09:56.360
Dadurch,

00:09:56.420 --> 00:10:00.700
dass er den Dung von oben auf der Erde holt und seine Larve

00:10:00.700 --> 00:10:01.520
sich davon ernährt,

00:10:01.700 --> 00:10:05.640
hängt er im Grunde indirekt auch drin in unserem ganzen

00:10:05.640 --> 00:10:07.760
System, was wir Menschen sehr beeinflussen,

00:10:08.460 --> 00:10:08.960
der Landwirtschaft,

00:10:09.200 --> 00:10:11.500
weil wenn irgendwelche Rinder oder Schaf oder Ziegen oder

00:10:11.500 --> 00:10:15.300
was auch immer da oben auf der Weide stehen und dann dahin

00:10:15.300 --> 00:10:18.820
koten, dann kommt beim Käfer auch all das an,

00:10:18.920 --> 00:10:20.220
was in diese Rinderschweine,

00:10:20.600 --> 00:10:23.420
Schweine sind weniger draußen unterwegs und manchmal schon

00:10:23.420 --> 00:10:25.540
Rinder,

00:10:25.720 --> 00:10:28.220
Ziegen und Schafe und so was reingefüttert wurde und das

00:10:28.220 --> 00:10:30.280
ist ein Problem für den Stierkäfer zum Teil.

00:10:30.680 --> 00:10:31.060
Inwiefern?

00:10:31.000 --> 00:10:32.320
Ganz genau.

00:10:32.560 --> 00:10:34.660
Es ist nämlich wirklich alles, was er abkriegt.

00:10:35.180 --> 00:10:40.180
Und wenn wir jetzt die Haustiere mit Antibiotika behandeln,

00:10:40.660 --> 00:10:44.980
dann kommt das natürlich auch wieder in gewissen Anteilen

00:10:44.980 --> 00:10:46.400
im Kot an.

00:10:46.980 --> 00:10:51.860
Und das fressen dann natürlich die Stierkäfer laufen und

00:10:51.860 --> 00:10:52.740
vertragen das nicht gut.

00:10:53.540 --> 00:10:53.960
Das heißt,

00:10:54.200 --> 00:10:57.640
hierdurch schädigen wir nicht nur die Stierkäfer,

00:10:57.720 --> 00:11:03.000
sondern generell die komplette Zynose der Dungverwerter.

00:11:03.800 --> 00:11:05.000
Und das führt dazu,

00:11:05.160 --> 00:11:09.480
dass eben dieses fein zisselierte System der Dungverwertung

00:11:09.480 --> 00:11:10.620
nicht mehr so gut funktioniert.

00:11:10.920 --> 00:11:11.600
Sieht man das schon?

00:11:11.920 --> 00:11:13.880
Ja, an manchen Stellen merkt man das schon,

00:11:14.000 --> 00:11:16.240
dass eben nicht mehr genug Dungverwerter da sind,

00:11:16.280 --> 00:11:20.300
sodass eben dort, wo wir eben Weidetierer haben,

00:11:20.300 --> 00:11:24.880
die stark mit Antibiotika behandelt werden,

00:11:25.060 --> 00:11:28.960
das wird dort ein längeres Verweilen dieser Kufladen und

00:11:28.960 --> 00:11:32.600
was auch immer da ausgesondert wird, dann erfolgt.

00:11:33.120 --> 00:11:36.680
Weil es sind einfach nicht mit die Mengen an Kotverwertern

00:11:36.680 --> 00:11:37.000
da.

00:11:37.520 --> 00:11:38.920
Und das kann dazu führen,

00:11:38.960 --> 00:11:40.460
dass die wirklich direkt absterben,

00:11:40.520 --> 00:11:42.780
wenn also die Konzentration hoch sind oder dass sie

00:11:42.780 --> 00:11:44.940
geschädigt werden, Entwicklungsverzögert werden.

00:11:46.120 --> 00:11:50.060
Also die ganze Bandbreite von leicht schädlich bis eben zu

00:11:50.060 --> 00:11:53.720
voll lethal ist da also gegeben und führt dazu,

00:11:53.720 --> 00:11:56.300
dass wir uns dann selber auch schädigen.

00:11:57.020 --> 00:11:58.640
Und das zeigt,

00:11:58.880 --> 00:12:03.260
dass es nicht nur unverantwortlich ist von der Art und

00:12:03.260 --> 00:12:06.040
Weise, wie wir oft mit Antibiotika und Haustieren umgehen,

00:12:06.380 --> 00:12:09.820
das wird zum Beispiel Ersatzantibiotika an Haustiere geben,

00:12:10.160 --> 00:12:12.820
die uns dann im Notfall nicht mehr zur Verfügung stehen,

00:12:13.320 --> 00:12:14.460
weil sich Resistenzen entwickeln,

00:12:14.560 --> 00:12:19.220
weil wir sie in unverantwortungsvoller Weise bei Haustieren

00:12:19.220 --> 00:12:21.840
einsetzen oder bei Nutztieren,

00:12:22.580 --> 00:12:26.800
sondern dass wir hier auch die Ökosysteme direkt schädigen.

00:12:27.240 --> 00:12:29.000
Das heißt, da gibt es eine große Diskussion,

00:12:29.100 --> 00:12:31.300
gerade auch unter Naturschützern,

00:12:31.340 --> 00:12:33.720
dass das schon ziemlich desaströs ist.

00:12:34.040 --> 00:12:36.400
Es kommt aber natürlich auch dann bei den Landwirten an,

00:12:36.640 --> 00:12:39.720
weil ihre Wiesen natürlich und ihre Weiden dadurch

00:12:39.720 --> 00:12:43.200
geschädigt werden, wenn der Kot zu lange dort drauf liegt.

00:12:44.000 --> 00:12:46.460
Also einerseits funktioniert es natürlich nicht mehr so

00:12:46.460 --> 00:12:46.620
gut,

00:12:46.660 --> 00:12:48.820
dass die Nährstoffe wieder in den Kreislauf zurückgeführt

00:12:48.820 --> 00:12:51.760
werden, das würde den Boden aufwerten,

00:12:52.120 --> 00:12:54.240
inwiefern schädigt es noch den Boden,

00:12:54.460 --> 00:12:55.980
wenn der Kot oben drauf liegen bleibt.

00:12:57.000 --> 00:12:59.800
Naja, dann kann natürlich all das, was wachsen möchte,

00:12:59.980 --> 00:13:00.980
die nicht mehr vernünftig wachsen.

00:13:01.580 --> 00:13:05.380
Es kann natürlich auch durch so einen Kufladen

00:13:05.380 --> 00:13:07.360
durchwachsen, aber es ist sehr viel schwieriger.

00:13:08.200 --> 00:13:10.900
Und wir hatten so einen ähnlichen Fall,

00:13:11.100 --> 00:13:12.320
hatten wir in Australien.

00:13:13.320 --> 00:13:14.820
Da ist nämlich so in Australien,

00:13:15.360 --> 00:13:21.220
da kommen ja natürlicherweise bei den Säugetieren nur

00:13:21.220 --> 00:13:22.720
Beuteltiere vor.

00:13:22.720 --> 00:13:25.200
Und die Beuteltiere in Australien vor allem in

00:13:25.200 --> 00:13:27.860
Trockengebieten, die hatten einen harten, trockenen Dung.

00:13:28.900 --> 00:13:32.340
Und die Dungverwerter in Australien waren genau auf diesen

00:13:32.340 --> 00:13:35.880
Beuteltier -Code evaluiert.

00:13:36.400 --> 00:13:40.920
Und als dann der Mensch kam und in seiner unendlichen Güte

00:13:40.920 --> 00:13:43.020
auch seine ganzen Tiere mit nahm,

00:13:43.600 --> 00:13:47.620
da waren natürlich auf einmal ein Dung da,

00:13:47.760 --> 00:13:52.160
an den die australische Dungverwertergemeinschaft überhaupt

00:13:52.160 --> 00:13:52.700
nicht angepasst.

00:13:53.520 --> 00:13:54.780
Führte dazu,

00:13:55.180 --> 00:13:58.640
dass die Kufladen und so weiter einfach auf den Weiden

00:13:58.640 --> 00:14:02.220
liegenblieben und Weiden dadurch völlig unbrauchbar wurden,

00:14:02.460 --> 00:14:05.520
weil sie einfach schuldigung zugeschissen waren und dann

00:14:05.520 --> 00:14:08.360
das Pflanzenwachstum nicht mehr ausreichend stattfinden

00:14:08.360 --> 00:14:08.760
konnte.

00:14:09.960 --> 00:14:12.780
Hatte noch einen ganz unangenehmen Nebeneffekt,

00:14:12.960 --> 00:14:19.460
dass dann sich in den liegengebliebenen Kufladen etliche

00:14:19.460 --> 00:14:21.620
Mücken sehr gut entwickeln konnten.

00:14:21.620 --> 00:14:24.280
Und da waren auch Bremsen dabei,

00:14:24.480 --> 00:14:27.020
die dann also den Menschen starren und das Leben in

00:14:27.020 --> 00:14:29.960
Australien doch wesentlich weniger angenehm machten,

00:14:29.960 --> 00:14:31.600
als man sich das so gerne vorgestellt hätte.

00:14:32.000 --> 00:14:34.560
Also, umliegende Kacke hat nicht nur den Nachteil,

00:14:34.640 --> 00:14:36.520
dass sie rumliegt und Pflanzen nicht mehr wachsen können

00:14:36.520 --> 00:14:38.800
und dass sie am Anfang auch stinkt,

00:14:38.800 --> 00:14:41.820
sondern dass andere Tiere da ankommen und sich da gemütlich

00:14:41.820 --> 00:14:44.480
machen und unter Umständen sich in der Form vermehren oder

00:14:44.480 --> 00:14:46.380
in der Masse, die man sonst nicht hätte.

00:14:47.000 --> 00:14:48.860
Ja, also irgendwer nimmt es immer,

00:14:49.280 --> 00:14:51.980
und das waren dann in Australien eben gerade die,

00:14:52.200 --> 00:14:53.880
die man eigentlich gar nicht haben wollte.

00:14:54.200 --> 00:14:55.480
Ja, also man hatte wirklich ein Problem,

00:14:55.880 --> 00:14:58.340
das heißt die Weiden waren versaut und dann hatte man noch

00:14:58.340 --> 00:15:03.740
diese Fliegenplagen und dann hat man etwas Riskantes

00:15:03.740 --> 00:15:06.380
gemacht, man hat sich nämlich weltweit umgeschaut,

00:15:06.500 --> 00:15:08.600
wo gibt es denn Dungkäfer, die den Dun,

00:15:09.560 --> 00:15:11.400
den man da in Australien hatte,

00:15:11.640 --> 00:15:14.800
beseitigen kann und dann auch noch unter den australischen

00:15:14.800 --> 00:15:16.420
klimatischen Bedingungen leben können.

00:15:16.900 --> 00:15:19.620
Und der verfiel man auf Arten aus Nordafrika und dem

00:15:19.620 --> 00:15:20.340
arabischen Raum,

00:15:20.720 --> 00:15:26.420
die hat man dann in einem großen Zuchtprogramm gezüchtet

00:15:26.420 --> 00:15:28.880
und in Australien massenhaft ausgesetzt.

00:15:29.160 --> 00:15:31.020
War das die Wissenschaft oder wer hat das gemacht?

00:15:31.120 --> 00:15:33.160
Das war wissenschaftlich begleitet,

00:15:33.280 --> 00:15:34.760
also das hat man nicht einfach so gemacht,

00:15:35.280 --> 00:15:40.100
das war ein sehr versierter enthymmologischer Kollege mit

00:15:40.100 --> 00:15:41.960
seinem Team und die haben geguckt,

00:15:42.380 --> 00:15:46.700
welche Dungkäfer kann man denn da nehmen und die waren

00:15:46.700 --> 00:15:47.200
wirklich gut,

00:15:47.340 --> 00:15:49.700
denn die haben wirklich die richtigen Arten genommen,

00:15:50.140 --> 00:15:51.580
die haben nicht dazu geführt,

00:15:51.680 --> 00:15:53.540
dass irgendwelche Katastrophen passiert sind,

00:15:53.720 --> 00:15:55.660
sondern die Käfer haben wirklich gemacht,

00:15:55.740 --> 00:15:56.740
was sie tun sollten.

00:15:57.160 --> 00:15:57.960
Ganz anders bei,

00:15:58.020 --> 00:16:01.280
als bei diesem grandiosen Projekt mit den Agakröten.

00:16:01.640 --> 00:16:01.820
Nicht,

00:16:01.880 --> 00:16:04.940
wo man dann Agakröten in Australien ausgesetzt hat und

00:16:04.940 --> 00:16:09.060
wollte den Zuckerrohrplantagen aussetzen und die sollten in

00:16:09.060 --> 00:16:11.940
Zuckerrohrplantagen dann die Schädlinge fressen.

00:16:13.000 --> 00:16:15.860
Ja, die Agakröte wurde sehr schnell vertragsbrüchig,

00:16:16.180 --> 00:16:19.340
hat die Schädlinge nicht in den Zuckerplantagen gefressen,

00:16:19.400 --> 00:16:22.660
sondern hat die Biodiversität außerhalb der Zuckerplantagen

00:16:22.660 --> 00:16:25.160
eben dann reduzierten ist heute ein Riesenproblem.

00:16:25.640 --> 00:16:28.360
Das war bei diesen Dungkäfern nicht der Fall,

00:16:28.380 --> 00:16:29.280
das hat wirklich funktioniert.

00:16:30.000 --> 00:16:30.900
Wann war denn das?

00:16:31.700 --> 00:16:34.060
Das war so in 60er Jahren rum,

00:16:34.480 --> 00:16:37.940
dass man das angefangen hat und hat das dann wirklich in

00:16:37.940 --> 00:16:38.500
den Griff gekriegt.

00:16:39.000 --> 00:16:40.020
Jetzt reiche ich noch nach,

00:16:40.020 --> 00:16:41.580
was Thomas Schmidt genau arbeitet.

00:16:41.760 --> 00:16:43.760
Im Senckenbergkosmos ist er Direktor des Deutschen

00:16:43.760 --> 00:16:45.640
Entomologischen Instituts in Münchenberg.

00:16:45.860 --> 00:16:48.380
Das liegt östlich von Berlin auf halber Strecke nach

00:16:48.380 --> 00:16:50.880
Frankfurt oder im Bundesland Brandenburg.

00:16:51.460 --> 00:16:54.240
Außerdem ist er Professor für Insektenkunde an der Uni

00:16:54.240 --> 00:16:54.820
Potsdam.

00:16:55.540 --> 00:16:56.720
Reden wir mal über Schmetterlinge.

00:16:56.800 --> 00:16:58.500
In meiner Anmoderation habe ich schon gesagt,

00:16:58.660 --> 00:17:00.680
in diesem Jahr war es ja zum Teil verrückt,

00:17:00.840 --> 00:17:03.340
wie früh man bestimmte Arten schon gesehen hat.

00:17:03.880 --> 00:17:04.440
Und zwar nicht nur,

00:17:04.440 --> 00:17:06.720
weil sie irgendwo im Schuppen zum Überwinteren saßen,

00:17:06.819 --> 00:17:08.500
sondern weil sie draußen unterwegs waren.

00:17:09.220 --> 00:17:12.200
Sie sind jetzt auch Experte für Biogäografie und

00:17:12.200 --> 00:17:12.839
Untersuchungen.

00:17:13.119 --> 00:17:14.780
Genau so was haben auch diverse große Studien

00:17:14.780 --> 00:17:15.500
mitgeschrieben,

00:17:15.880 --> 00:17:18.480
wie das mit den Schmetterlingen und deren Verbreitung in

00:17:18.480 --> 00:17:22.020
Mitteleuropa in den letzten 100 Jahren sich so entwickelt

00:17:22.020 --> 00:17:22.319
hat.

00:17:22.920 --> 00:17:24.440
Kann man unterm Strich sagen,

00:17:25.819 --> 00:17:27.839
so wie man für Insekten insgesamt sagen kann,

00:17:27.839 --> 00:17:30.020
da ist ein verdammter Rückgang zu sehen.

00:17:30.160 --> 00:17:32.360
Die Biodiversität ist wirklich sehr gefährdet,

00:17:32.460 --> 00:17:35.580
dass das für Schmetterlinge pauschal auch gilt oder muss

00:17:35.580 --> 00:17:36.520
man das präzisieren?

00:17:38.000 --> 00:17:42.040
Also das gilt für Schmetterlinge genauso wie für die

00:17:42.040 --> 00:17:44.120
gesamte Biodiversität.

00:17:44.740 --> 00:17:48.720
Also gerade bei Tagfaltern sehen wir diese Rückgänge sogar

00:17:48.720 --> 00:17:49.900
sehr, sehr stark.

00:17:51.280 --> 00:17:53.020
Wir wissen oftmals gar nicht so genau,

00:17:53.180 --> 00:17:56.420
wo die Baseline liegt, also wie das früher mal war.

00:17:57.400 --> 00:18:00.080
Also ich habe an einer Studie mitgewirkt,

00:18:00.680 --> 00:18:01.540
da haben wir es geschafft,

00:18:02.220 --> 00:18:06.560
die Lebensgemeinschaften an besonders biologisch

00:18:06.560 --> 00:18:09.220
vielfältigen Hängen in der Nähe von Regensburg,

00:18:09.500 --> 00:18:12.500
bis 1840 zurückzurekonstruieren.

00:18:13.940 --> 00:18:15.660
Und wenn man allein schaut,

00:18:16.320 --> 00:18:18.920
wie viele Arten die Mitte des 19.

00:18:19.120 --> 00:18:21.480
Jahrhunderts dort waren, heute da nicht mehr sind.

00:18:22.100 --> 00:18:24.120
Und das sind Naturschutzgebiete.

00:18:24.560 --> 00:18:26.120
Also das sind nicht irgendwie Flächen,

00:18:26.120 --> 00:18:28.040
die landwirtschaftlich stark überprägt wurden.

00:18:28.140 --> 00:18:28.760
Das sind Stellen,

00:18:29.140 --> 00:18:31.660
die eigentlich noch genauso sein sollten wie damals.

00:18:32.320 --> 00:18:34.460
Wir haben noch zwei Drittel der Arten überhaupt dort.

00:18:35.320 --> 00:18:38.900
Und wenn man sich anschaut, wie viele der rote Listearten,

00:18:39.020 --> 00:18:41.560
also der Arten, die gefährdet sind, wir heute noch haben,

00:18:41.940 --> 00:18:42.460
dann ist es so,

00:18:42.480 --> 00:18:46.520
dass über die Hälfte der heute als gefährdet geltenden

00:18:46.520 --> 00:18:49.320
Arten, die dort früher mal waren, sind nicht mehr da.

00:18:50.480 --> 00:18:54.100
Ganz viele charakteristische Arten für solche Lebensräume,

00:18:54.160 --> 00:18:56.720
wie sie dort sind, sind einfach verschwunden.

00:18:57.560 --> 00:19:01.020
Also wir haben da ein riesiges Problem und zwar nicht nur

00:19:01.020 --> 00:19:02.160
in der Normallandschaft,

00:19:02.220 --> 00:19:04.220
sondern auch in den Naturschutzgebieten.

00:19:04.820 --> 00:19:06.560
Und das hängt natürlich damit zusammen,

00:19:06.760 --> 00:19:11.740
dass Naturschutzgebiete kleine Inseln in einem mehr von sie

00:19:11.740 --> 00:19:14.700
weitgehend lebensfeindlicher Umwelt sind.

00:19:15.000 --> 00:19:17.040
Wenn wir es jetzt mal zeitlich aufdröseln,

00:19:17.220 --> 00:19:19.700
und Sie haben ja da so Zeit rein auch erstellt,

00:19:20.040 --> 00:19:21.940
ab wann ging es los, kann man das sagen?

00:19:22.180 --> 00:19:23.660
Also Sie haben jetzt gesagt Mitte des 19.

00:19:23.860 --> 00:19:24.060
Jh.

00:19:24.060 --> 00:19:26.420
haben wir geguckt, was war denn da und jetzt gucken wir,

00:19:26.460 --> 00:19:27.400
was ist heute noch da,

00:19:28.000 --> 00:19:30.480
aber da ist ja eine ganze Weile dazwischen vergangen.

00:19:30.960 --> 00:19:33.960
Wann ging es los mit dem Artenverlust?

00:19:34.000 --> 00:19:37.560
Das ist gar nicht so leicht zu rekonstruieren.

00:19:37.960 --> 00:19:40.100
Ich meine, das Interessante ist ja, wenn man sich anschaut,

00:19:40.200 --> 00:19:42.320
wann ist denn der NABU gegründet worden?

00:19:42.780 --> 00:19:45.580
Das war Ende des 19.

00:19:45.740 --> 00:19:48.020
Jahrhunderts, ich glaube, 1899 oder so, was war das?

00:19:49.160 --> 00:19:49.820
Und warum?

00:19:50.440 --> 00:19:52.340
Weil eben festgestellt worden ist,

00:19:52.580 --> 00:19:55.080
es gibt ja viel weniger Vögel, als es früher gab.

00:19:55.880 --> 00:20:01.580
Das heißt also, es muss also schon im 19.

00:20:01.760 --> 00:20:03.760
Jahrhundert starke Rückgänge gegeben haben.

00:20:04.280 --> 00:20:05.120
Woran hängt das?

00:20:05.660 --> 00:20:06.360
Im 19.

00:20:06.480 --> 00:20:08.360
Jahrhundert hatten wir ein unheimliches

00:20:08.360 --> 00:20:11.700
Bevölkerungswachstum gerade in Mitteleuropa.

00:20:12.100 --> 00:20:14.140
Deshalb gab es ja auch so viel Auswanderung.

00:20:14.800 --> 00:20:18.240
Sind die Leute nach Nordamerika gegangen oder nach

00:20:18.240 --> 00:20:19.460
Australien oder sonst wo?

00:20:21.460 --> 00:20:24.540
Und diese Auswanderung hingen natürlich damit zusammen,

00:20:24.540 --> 00:20:27.780
dass einfach nicht mehr genug Fläche da war,

00:20:27.800 --> 00:20:32.360
um die Bevölkerung nach den sehr extensiven

00:20:33.600 --> 00:20:35.760
Bewirtschaftungsmethoden, ohne eben Kunstdüngung,

00:20:36.000 --> 00:20:38.700
ohne Maschinen und so weiter und sofort zu ernähren.

00:20:41.060 --> 00:20:43.600
Es hat aber schon im 19.

00:20:43.780 --> 00:20:46.300
Jahrhundert dann stattgefunden,

00:20:46.660 --> 00:20:51.000
dass der Mensch immer mehr von der Fläche in Mitteleuropa

00:20:51.000 --> 00:20:56.700
und in Europa in die Nutzung nahm und die letzten Fizelchen

00:20:56.700 --> 00:20:59.100
dann genutzt hat, Moore entwässert hat,

00:21:00.360 --> 00:21:03.480
Ödländereien versucht hat, in Wert zu setzen,

00:21:03.600 --> 00:21:04.540
wie wir das empfinden.

00:21:05.100 --> 00:21:06.380
Und das muss also schon,

00:21:06.840 --> 00:21:08.440
wir haben da keine ganz konkreten Daten.

00:21:08.580 --> 00:21:11.600
Es hat damals keiner Schmetterlinge wirklich gezählt oder

00:21:11.600 --> 00:21:12.360
Vögel gezählt.

00:21:12.800 --> 00:21:14.600
Es gibt anekdotische Aufzeichnungen.

00:21:14.860 --> 00:21:17.040
Wenn man die heute liest, kann mich das kaum vorstellen,

00:21:17.200 --> 00:21:18.920
dass es so viel gewesen sein soll.

00:21:20.060 --> 00:21:24.180
Also es muss durch die Intensivierung der Landnutzung,

00:21:24.340 --> 00:21:26.300
der Landwirtschaft schon im 19.

00:21:26.440 --> 00:21:30.620
Jahrhundert zum massiven Verlusten an Individuenzahlen

00:21:30.620 --> 00:21:31.340
gekommen sein.

00:21:31.840 --> 00:21:35.580
Vermutlich nicht wirklich zu einem massiven Verlust von

00:21:36.280 --> 00:21:40.140
Artenzahlen, aber massiven Verlusten an Individuenzahlen.

00:21:41.000 --> 00:21:42.400
D .h., man sieht einfach weniger.

00:21:42.680 --> 00:21:45.860
Die Arten sind noch da, aber man sieht viel weniger.

00:21:46.060 --> 00:21:48.900
Und das ist das, was die Leute sozusagen berichten würden.

00:21:49.000 --> 00:21:49.500
früher mehr.

00:21:49.800 --> 00:21:50.360
Ganz genau.

00:21:50.960 --> 00:21:53.780
Und das hat natürlich dann vor allem Arten betroffen wie

00:21:53.780 --> 00:21:54.280
Moorarten.

00:21:54.960 --> 00:21:56.280
Denn die Moore, da hat,

00:21:56.400 --> 00:21:58.780
also im Mittelalter hat keiner die Moore angetastet,

00:21:58.900 --> 00:22:01.000
das waren die Stellen,

00:22:01.160 --> 00:22:04.300
wo die Geister waren und die Irrlichter und so weiter und

00:22:04.300 --> 00:22:07.660
wo irgendwelche Moorleichen dann aufgetaucht sind.

00:22:07.900 --> 00:22:08.500
Das waren Stellen,

00:22:08.600 --> 00:22:11.320
die wurden eigentlich nicht genutzt oder nur ganz wenig

00:22:11.320 --> 00:22:13.920
genutzt und deshalb konnten dort diese ganzen Arten

00:22:13.920 --> 00:22:16.240
wunderbar und in Freuden leben.

00:22:16.480 --> 00:22:19.780
Das gilt für die gesamten Zynosen, die dort waren,

00:22:20.400 --> 00:22:23.120
richtige Ödländer rein oder sowas,

00:22:23.260 --> 00:22:25.260
wo also man kaum was an Landwirtschaft,

00:22:25.440 --> 00:22:29.040
die ja Produktion mit den ganz traditionellen Methoden

00:22:29.040 --> 00:22:29.740
rausholen konnte,

00:22:30.120 --> 00:22:31.820
die wurden auch weitgehend in Ruhe gelassen,

00:22:31.820 --> 00:22:35.760
sodass eben die Landnutzung auf den besseren Bereichen

00:22:35.760 --> 00:22:36.140
waren.

00:22:37.060 --> 00:22:42.000
Und dann war eben die Not so groß,

00:22:42.160 --> 00:22:44.480
dass man auch diese Flächen versucht hat,

00:22:44.480 --> 00:22:46.560
in Wert zu setzen, Moore entwässert hat,

00:22:47.040 --> 00:22:48.680
die letzten Ödländer rein versucht hat,

00:22:48.700 --> 00:22:51.060
unter den Flug zu nehmen oder wenigstens zu beweiden.

00:22:51.560 --> 00:22:53.880
Und das hat im Verlauf des 19.

00:22:54.140 --> 00:22:56.080
Jahrhunderts und bis weit ins 20.

00:22:56.320 --> 00:22:59.480
Jahrhundert als eine Intensivierung der Landwirtschaft und

00:22:59.480 --> 00:23:00.820
der Landnutzung dazu geführt,

00:23:00.900 --> 00:23:02.840
das etliche Arten abgenommen haben.

00:23:03.380 --> 00:23:04.340
Und wir haben gerade jetzt,

00:23:04.700 --> 00:23:06.780
oder schon einige Zeit sind wir da auch dran,

00:23:07.440 --> 00:23:10.800
durch die intensive Auswertung von Daten aus dem Bundesland

00:23:10.800 --> 00:23:13.960
Salzburg festgestellt, dass es zum Beispiel so ist,

00:23:14.440 --> 00:23:18.940
dass der Anteil der Moorarten seit dem Punkt,

00:23:19.020 --> 00:23:21.720
wo wir genügend Daten haben, das ist 1920 rum,

00:23:22.800 --> 00:23:25.660
nimmt der Anteil an Moorarten,

00:23:25.660 --> 00:23:28.660
die wir in den Aufsammlungen durch die Zeit haben,

00:23:28.880 --> 00:23:33.120
immer weiter abnimmt und sich dann etwa Mitte der 90er

00:23:33.120 --> 00:23:36.220
Jahre des letzten Jahrhunderts auf ganz niedrigem Niveau

00:23:36.220 --> 00:23:37.040
stabilisiert.

00:23:37.700 --> 00:23:38.760
Aber da sieht man auch,

00:23:39.060 --> 00:23:41.080
das ist dann der Naturschutz gewesen, der gesagt hat,

00:23:41.260 --> 00:23:43.440
stopp, die letzten paar Moore, die es noch gibt,

00:23:43.900 --> 00:23:45.160
die werden jetzt nicht zerstört.

00:23:45.660 --> 00:23:48.200
Und dort gibt es diese Arten noch,

00:23:48.380 --> 00:23:51.380
aber nur noch in ganz kläglichen Resten von dem,

00:23:51.560 --> 00:23:52.680
was es früher mal war.

00:23:53.500 --> 00:23:54.840
Und jetzt kommt der zweite Schritt.

00:23:56.020 --> 00:24:01.280
Wir haben nämlich dann nach dem Zweiten Weltkrieg durch

00:24:01.280 --> 00:24:04.740
eine Industrialisierung der Landwirtschaft,

00:24:04.980 --> 00:24:07.480
also nicht nur eine Intensivierung der Landwirtschaft,

00:24:07.480 --> 00:24:09.480
sondern eine richtige Industrialisierung der

00:24:09.480 --> 00:24:09.980
Landwirtschaft.

00:24:10.640 --> 00:24:13.020
Die ganzen Maschinen, die eingesetzt worden sind,

00:24:13.620 --> 00:24:18.680
standardmäßige Anwendung von Düngemitteln, von Pestiziden,

00:24:19.120 --> 00:24:21.460
haben wir natürlich jetzt eine Landwirtschaft,

00:24:21.760 --> 00:24:26.740
die dermaßen lebensfeindliche Agrarwüsten zum Teil

00:24:26.740 --> 00:24:27.480
produziert,

00:24:27.820 --> 00:24:31.780
dass wir ein immer stärkeres aberrodieren der biologischen

00:24:31.780 --> 00:24:36.480
Vielfalt sehen und das verläuft noch deutlich dramatischer

00:24:36.480 --> 00:24:40.080
und deutlich gravierender als eben die Intensivierung der

00:24:40.080 --> 00:24:40.560
Landwirtschaft,

00:24:40.740 --> 00:24:42.600
die eben bis weit ins 19.

00:24:42.800 --> 00:24:44.380
Jahrhundert zurückreicht.

00:24:44.900 --> 00:24:45.800
Und das können wir,

00:24:45.860 --> 00:24:48.080
wenn wir zum Beispiel das Bundesland Salzburg uns

00:24:48.080 --> 00:24:48.600
anschauen,

00:24:49.000 --> 00:24:56.980
sehr schön nachzeichnen am Anteil der typischen Falter von

00:24:56.980 --> 00:24:58.100
bunten Blumenwiesen.

00:24:59.040 --> 00:25:00.200
Also das, was man so,

00:25:00.460 --> 00:25:02.760
wenn man jetzt schon nicht mehr ganz jung ist wie ich,

00:25:03.080 --> 00:25:04.220
so aus einer Kindheit,

00:25:04.220 --> 00:25:07.560
wenn man in einem etwas ländlichen Bereich,

00:25:07.800 --> 00:25:09.180
ich bin im Hund zurück aufgewachsen,

00:25:09.740 --> 00:25:12.220
also im nördlichsten Saarland,

00:25:12.760 --> 00:25:15.720
da gab es noch bunte Blumenwiesen und da waren Falter -Omas

00:25:15.720 --> 00:25:16.140
drauf.

00:25:16.900 --> 00:25:18.060
Und wir haben jetzt geguckt,

00:25:18.400 --> 00:25:21.980
wie hat sich der Anteil dieser Arten von bunten

00:25:21.980 --> 00:25:22.880
Blumenwiesen entwickelt?

00:25:23.660 --> 00:25:27.000
Und von 1920 bis 1960 ist das gleichgeblieben.

00:25:27.780 --> 00:25:29.240
Also wenn man rausging,

00:25:29.460 --> 00:25:33.480
waren 60 Prozent der Arten der Nachweise,

00:25:33.480 --> 00:25:36.860
die man gefunden hat, waren Falter von bunten Blumenwiesen.

00:25:37.660 --> 00:25:41.660
Und 1960 ist der Kipppunkt und seit dem geht es bergab.

00:25:42.880 --> 00:25:45.760
Und heute haben wir noch einen Bruchteil des Anteils,

00:25:45.800 --> 00:25:48.240
den wir etwa im Jahr 1960 hatten.

00:25:48.700 --> 00:25:49.900
Und das Jahr 1960,

00:25:50.240 --> 00:25:53.620
das ist für das Bundesland Salzburg etwa der Punkt,

00:25:53.720 --> 00:25:56.140
wo die Industrialisierung der Landwirtschaft dort auch

00:25:56.140 --> 00:25:56.960
reingekommen ist.

00:25:57.280 --> 00:25:59.880
Und seitdem geht es in den Tieflagen dort abwärts.

00:26:00.140 --> 00:26:00.780
Und wenn wir dann gucken,

00:26:01.080 --> 00:26:04.320
was mit den Gebirgsschmetterlingen ist, da ist es so,

00:26:04.440 --> 00:26:07.080
dass das seit 1980 anfängt, so abzunehmen.

00:26:07.200 --> 00:26:07.500
Warum?

00:26:09.000 --> 00:26:14.400
Die Intensivierung und die Nutzung in den Hochlagen,

00:26:14.660 --> 00:26:17.600
die ist später erst eingetreten als in den Tallagen.

00:26:17.720 --> 00:26:20.620
In den Tallagen ist es ja viel attraktiver und in den

00:26:20.620 --> 00:26:23.460
Hochlagen ist das erst etwa um das Jahr 1980 rum

00:26:23.460 --> 00:26:24.120
angekommen,

00:26:24.560 --> 00:26:27.920
dass man dort also auch intensivere Nutzungen zum Beispiel

00:26:27.920 --> 00:26:28.240
macht.

00:26:28.640 --> 00:26:30.560
Also das geht bis dahin,

00:26:30.580 --> 00:26:33.300
dass man auf 2000 Meter hoch Gülle pumpt,

00:26:33.400 --> 00:26:35.300
um die Wiesen dort oben zu düngen.

00:26:36.000 --> 00:26:38.120
sagen sie doch gerne mal ein paar Zahlen dazu.

00:26:38.360 --> 00:26:40.060
Also kann man das quantifizieren,

00:26:40.160 --> 00:26:42.780
wie viele Arten oder wie auch immer das gemessen wird.

00:26:43.000 --> 00:26:45.880
Also es gibt keine eine Messzahl.

00:26:46.460 --> 00:26:49.000
Also wenn wir solche Untersuchungen machen,

00:26:49.120 --> 00:26:53.120
dann arbeiten wir oft mit Traits, also mit Eigenschaften.

00:26:53.460 --> 00:26:55.220
Und wir schauen dann,

00:26:55.620 --> 00:26:59.380
wie verändern sich denn diese Eigenschaften durch die Zeit

00:26:59.380 --> 00:27:00.080
hindurch?

00:27:00.880 --> 00:27:04.880
Also wie viele typische Arten von Wiesen haben wir durch

00:27:04.880 --> 00:27:05.700
die Zeit hindurch?

00:27:06.000 --> 00:27:08.960
Wie viele typische Arten von Moren haben wir durch die Zeit

00:27:08.960 --> 00:27:09.320
hindurch?

00:27:09.780 --> 00:27:10.740
Wie viele Arten,

00:27:10.780 --> 00:27:14.340
die nur an ganz wenigen Pflanzen als Raube fressen,

00:27:14.440 --> 00:27:15.760
haben wir durch die Zeit hindurch?

00:27:16.280 --> 00:27:20.920
Und da ist es so, dass wir deutliche Veränderungen haben,

00:27:21.200 --> 00:27:23.140
die hochgradig signifikant sind.

00:27:23.340 --> 00:27:24.140
Das heißt, wir sehen,

00:27:24.540 --> 00:27:26.620
es verändert sich sehr deutlich etwas.

00:27:27.220 --> 00:27:30.680
Das ist aber von Eigenschaft zu Eigenschaft.

00:27:30.860 --> 00:27:33.860
Ist das unterschiedlich stark ausgeprägt und wir können

00:27:33.860 --> 00:27:34.540
deshalb auch,

00:27:34.640 --> 00:27:37.780
wenn wir die unterschiedlichen Eigenschaften uns anschauen,

00:27:38.280 --> 00:27:38.760
sehen,

00:27:39.320 --> 00:27:43.980
welche Veränderungen in der Landschaft und in der Nutzung

00:27:43.980 --> 00:27:45.980
der Landschaft eben dazu geführt haben,

00:27:46.140 --> 00:27:49.620
dass sich diese Eigenschaftskombination verändert haben.

00:27:50.000 --> 00:27:51.420
Das kennen wahrscheinlich viele Leute,

00:27:51.760 --> 00:27:54.420
die zumindest nicht rein in der Stadt aufgewachsen sind

00:27:54.420 --> 00:27:56.340
oder Bezüge aufs Land haben, selber,

00:27:56.820 --> 00:27:58.020
wenn man ein bisschen älter ist,

00:27:58.180 --> 00:27:59.320
dann irgendwie im Rückblick.

00:28:00.000 --> 00:28:01.940
Und wahrscheinlich gibt es auch bei vielen diesen

00:28:01.940 --> 00:28:05.520
individuellen Eindruck Früher waren mal mehr Insekten.

00:28:06.040 --> 00:28:08.080
Früher waren mehr Schmetterlinge oder so.

00:28:08.540 --> 00:28:11.300
Aber können wir es an ein paar Arten auch klarmachen?

00:28:11.540 --> 00:28:14.780
Also was sieht man heute einfach gar nicht mehr oder so gut

00:28:14.780 --> 00:28:18.460
wie kaum noch was früher so ein relativ normaler

00:28:18.460 --> 00:28:19.600
verbreiteter Falter war?

00:28:21.000 --> 00:28:24.740
Naja, also wenn ich so zurückgucke,

00:28:25.120 --> 00:28:29.320
ich bin im Hundsrück aufgewachsen und da konnte ich über

00:28:29.320 --> 00:28:34.060
den Gartenzaun steigen und dann gab es eine wunderbare

00:28:34.060 --> 00:28:37.000
Wiese hinter dem Garten.

00:28:37.480 --> 00:28:42.020
Da war gleich ein kleiner Bach und dort gab es eine

00:28:42.020 --> 00:28:46.700
Vielzahl von bunten Blumen und da drauf gaukelten dann die

00:28:46.700 --> 00:28:47.520
Schmetterlinge.

00:28:48.400 --> 00:28:52.760
Und ich konnte da direkt hinter dem Garten zum Beispiel den

00:28:52.760 --> 00:28:54.940
goldenen Scheckenfalter sehen,

00:28:55.860 --> 00:29:00.900
der frisst in dem Bereich einen Teufelsabbis,

00:29:01.660 --> 00:29:03.920
was es mit dem Abend hier passiert.

00:29:04.240 --> 00:29:05.360
Was ist Teufelsabbis?

00:29:05.440 --> 00:29:09.340
Das ist eine wunderschöne Pflanze,

00:29:09.660 --> 00:29:12.900
die hauptsächlich in ganz nährstoffarmen

00:29:12.900 --> 00:29:15.640
Feuchtenlebensräumen auf Feuchtenwiesen wächst.

00:29:16.440 --> 00:29:17.780
Und die Raupen,

00:29:17.780 --> 00:29:20.920
die frisst in diesem Bereich des Hundsrück aus,

00:29:21.320 --> 00:29:23.040
schließlich an Teufelsabbis.

00:29:23.420 --> 00:29:26.320
In trockenen Lebensräumen fressen sie auch an Skabiosen,

00:29:26.720 --> 00:29:28.460
aber dort eben der Teufelsabbis.

00:29:28.820 --> 00:29:32.460
Und den gab es auf dieser Wiese und was es passiert.

00:29:33.700 --> 00:29:36.000
In der Mitte von dieser Wiese gab es dann einen größeren

00:29:36.000 --> 00:29:40.100
Bach und dort konnte man schön mit dem Traktor hinfahren

00:29:40.100 --> 00:29:42.840
und es war eine herrliche Wiese,

00:29:42.840 --> 00:29:44.620
die aber nicht viel Ertrag abgab.

00:29:44.620 --> 00:29:46.680
Dann hat man die natürlich mal gedüngt,

00:29:47.520 --> 00:29:48.500
Resultat und Erfolg.

00:29:49.240 --> 00:29:51.140
Die Wiese war auf einmal richtig schön grün,

00:29:51.340 --> 00:29:53.620
aber nicht mehr bunt und meine ganzen schönen

00:29:53.620 --> 00:29:54.500
Schmetterlinge waren weg.

00:29:55.880 --> 00:29:58.440
Aber der Bereich hinter dem großen Bach,

00:29:58.500 --> 00:30:00.600
da kam man schwerer mit dem Traktor hin und da waren die

00:30:00.600 --> 00:30:02.200
Bodenverhältnisse, glaube ich noch schlechter,

00:30:03.320 --> 00:30:04.640
den brauchte man dann ja nicht mehr.

00:30:04.640 --> 00:30:06.000
Man hatte ja seine Wiese vorne,

00:30:06.140 --> 00:30:13.020
wo man da wunderbar das Heu ernten konnte,

00:30:13.660 --> 00:30:14.460
die viel dann brach.

00:30:15.520 --> 00:30:17.920
War ein paar Jahre superklasse,

00:30:18.320 --> 00:30:19.500
meine ganzen Blumen waren da,

00:30:19.620 --> 00:30:21.020
meine ganzen Schmetterlinge waren da,

00:30:21.880 --> 00:30:25.260
aber dann führt verbrachung natürlich dazu,

00:30:25.420 --> 00:30:27.640
dass das Ganze doch eutrophiert,

00:30:27.920 --> 00:30:30.940
dass die Wiese nicht mehr eine Wiese ist,

00:30:31.100 --> 00:30:34.520
sondern immer höher wächst und dann Gebüsche reinkommen und

00:30:34.520 --> 00:30:38.420
Stück für Stück fielen meine ganzen schönen Schmetterlinge

00:30:38.420 --> 00:30:41.680
auch im hinteren Teil der Wiese weg.

00:30:42.740 --> 00:30:45.800
Und dann gab es sie noch in zwei Zwickeln und dann gab es

00:30:45.800 --> 00:30:46.640
sie auch dort nicht mehr.

00:30:46.720 --> 00:30:49.420
Das war nicht nur der goldene Scheckenfalter,

00:30:49.560 --> 00:30:53.560
das waren auch verschiedene Militäen,

00:30:53.680 --> 00:30:56.040
also andere Scheckenfalterarten.

00:30:56.540 --> 00:30:58.200
Das war der lila Goldfalter,

00:30:58.860 --> 00:31:00.940
das war der Rundaugen Morhenfalter.

00:31:00.940 --> 00:31:03.800
Die gab es alle und Stück für Stück sind die verschwunden.

00:31:04.240 --> 00:31:06.560
Und beim goldenen Scheckenfalter ist es zum Beispiel so,

00:31:07.020 --> 00:31:10.360
der ist heute im gesamten Nord Saarland ausgestorben.

00:31:11.760 --> 00:31:13.260
Das ganz Interessante ist,

00:31:13.480 --> 00:31:18.740
irgendwann kam diese wunderschöne Wiese unter den

00:31:18.740 --> 00:31:24.140
Artenschutz und dann wurde aufgehört zu Düngen und die

00:31:24.140 --> 00:31:27.200
Wiese wird jetzt wieder genutzt wie in meinen Kindertagen.

00:31:27.200 --> 00:31:28.340
Das Tolle ist,

00:31:28.640 --> 00:31:30.900
der Teufelsabwitz ist wieder so da wie in meinen

00:31:30.900 --> 00:31:33.140
Kindertagen, aber der Falter nicht.

00:31:33.580 --> 00:31:34.820
Wie solltet er da hinkommen?

00:31:35.280 --> 00:31:36.380
Der ist ausgestorben,

00:31:36.440 --> 00:31:38.800
der ist im gesamten Nord Saarland und im angrenzenden

00:31:38.800 --> 00:31:40.180
Rheinland -Pfalz ausgestorben.

00:31:40.480 --> 00:31:41.120
Der kommt nicht mehr.

00:31:42.480 --> 00:31:46.020
Worauf ich hinaus will, ist, dass zusätzlich zu dem,

00:31:46.100 --> 00:31:47.320
was Sie vorhin sagten,

00:31:47.540 --> 00:31:49.860
um die 20er -Jahre herum sieht man so einen Abfall der

00:31:49.860 --> 00:31:53.340
Feuchtgebietearten, weil More entwässert wurden,

00:31:53.560 --> 00:31:56.640
ab den 60ern fallen dann alle möglichen anderen Arten weg,

00:31:56.640 --> 00:31:58.300
weil die Landwirtschaft nicht nur intensiviert wird,

00:31:58.360 --> 00:32:00.360
sondern auch industrialisiert wird mit Pestiziden,

00:32:00.500 --> 00:32:01.120
Düngern usw.

00:32:02.300 --> 00:32:04.720
Zusätzlich dazu haben wir es ja jetzt noch mit dem

00:32:04.720 --> 00:32:05.620
Klimawandel zu tun.

00:32:06.300 --> 00:32:09.060
Wie wirkt der sich in diesem System aus?

00:32:09.060 --> 00:32:10.300
Und Sie haben ja gerade schon gesagt,

00:32:10.440 --> 00:32:12.960
dass viele Schmetterlingsarten eben so sehr spezialisiert

00:32:12.960 --> 00:32:13.180
sind.

00:32:13.320 --> 00:32:16.140
Die Raupen brauchen eine ganz bestimmte Pflanze,

00:32:16.660 --> 00:32:18.080
nicht bei allen, aber bei vielen.

00:32:18.680 --> 00:32:20.620
Wie wirkt sich das jetzt mit dem Klimawandel aus?

00:32:21.000 --> 00:32:21.960
Also der Klimawandel,

00:32:21.960 --> 00:32:26.280
der hat sehr interessante Auswirkungen wissenschaftlich

00:32:26.280 --> 00:32:26.840
betrachtet.

00:32:28.140 --> 00:32:31.480
Und zwar haben wir es gerade mit all dem,

00:32:31.540 --> 00:32:33.660
was wir schon jetzt schon besprochen haben,

00:32:34.120 --> 00:32:36.140
mit einer doppelten Krise zu tun.

00:32:37.000 --> 00:32:40.840
Es ist ja nicht nur so, dass sich das Klima verändert,

00:32:41.380 --> 00:32:43.040
sondern durch die Art und Weise,

00:32:43.440 --> 00:32:49.320
wie wir intensivst den absoluten Großteil der Fläche

00:32:50.660 --> 00:32:53.460
landwirtschaftlich oder sonst wie nutzen,

00:32:53.940 --> 00:32:55.220
ist es natürlich so,

00:32:55.360 --> 00:32:58.520
dass die natürlichen Anpassungsprozesse,

00:32:58.660 --> 00:33:00.260
die passieren würden,

00:33:00.780 --> 00:33:03.640
wenn einfach nur das Klima sich verändern würde.

00:33:03.900 --> 00:33:05.360
Das hat es ja schon immer getan, nicht?

00:33:05.540 --> 00:33:09.380
Der Wechsel von dem letzten Glazial zu unserem jetzigen

00:33:09.380 --> 00:33:11.840
Interglazial, das war dramatisch.

00:33:12.180 --> 00:33:15.520
Aber das war zum Teil ähnlich schnell.

00:33:16.090 --> 00:33:17.960
Also man darf nicht unterschätzen,

00:33:18.120 --> 00:33:20.140
wie schnell die Veränderungen sind,

00:33:21.130 --> 00:33:24.700
wenn wir diese Wechsel zwischen warm und kalt Zeiten haben.

00:33:25.100 --> 00:33:29.260
Also es gab zum Beispiel die sogenannte jüngere Dryaszeit.

00:33:29.840 --> 00:33:31.280
Das war ein Kälterückschlag.

00:33:31.820 --> 00:33:33.660
Da gab es noch mal 500 Jahre Eiszeit.

00:33:34.020 --> 00:33:38.560
Da ist wahrscheinlich in Dekaden das Klima von fast

00:33:38.560 --> 00:33:41.060
Warnzeitbedingungen wieder auf Eiszeitbedingungen

00:33:41.060 --> 00:33:41.740
zurückgegangen.

00:33:41.740 --> 00:33:43.120
Hing damit zusammen,

00:33:43.420 --> 00:33:46.140
dass ein riesiger Gletscherdurchbruch passiert ist in

00:33:46.140 --> 00:33:50.540
Nordamerika und dann eine ganze Kaskade in Gang gesetzt

00:33:50.540 --> 00:33:51.020
worden ist.

00:33:51.160 --> 00:33:53.800
Also manche Prozesse können auch natürlich sehr schnell

00:33:53.800 --> 00:33:54.080
sein.

00:33:54.600 --> 00:33:55.520
Aber auch das,

00:33:55.720 --> 00:33:58.900
was im Übergang vom Glazial zum Interglazial passiert ist,

00:33:59.180 --> 00:34:02.240
wäre für unsere Zivilisation eine Katastrophe gewesen.

00:34:02.720 --> 00:34:05.400
Also solche schnellen klimatischen Veränderungen sind

00:34:05.400 --> 00:34:10.940
natürlich für unsere menschlichen Systeme katastrophal.

00:34:10.940 --> 00:34:12.500
Das ist überhaupt gar keine Frage.

00:34:13.060 --> 00:34:15.679
Egal, ob sie natürlich oder von uns produziert sind.

00:34:16.560 --> 00:34:21.080
Aber die Natur kann sich eigentlich mit solchen

00:34:21.080 --> 00:34:23.540
klimatischen Veränderungen arrangieren.

00:34:24.000 --> 00:34:27.239
Genau das ist ja passiert am Ende des letzten Glazials.

00:34:27.739 --> 00:34:32.320
Als es wärmer wurde, haben sich Arten ausgebreitet,

00:34:32.699 --> 00:34:35.320
nach Mitteleuropa und andere sind in Mitteleuropa

00:34:35.320 --> 00:34:35.820
verschwunden.

00:34:36.280 --> 00:34:36.820
Ich meine das,

00:34:37.000 --> 00:34:40.199
was wir heute im Hochgebirge in den Alpen finden oder in

00:34:40.199 --> 00:34:41.120
Nordskandinavien.

00:34:41.320 --> 00:34:44.179
Ja, das flog doch mal hier bei uns in Mitteleuropa herum.

00:34:44.800 --> 00:34:46.620
Das ist gerade mal 20 .000 Jahre hier.

00:34:47.139 --> 00:34:49.860
Und dann wurden die Lebensbedingungen für diese Arten nicht

00:34:49.860 --> 00:34:51.179
mehr akzeptabel bei uns.

00:34:51.460 --> 00:34:54.219
Sie haben sich zurückgezogen in die Hochgebirge und in die

00:34:54.219 --> 00:34:54.780
Arktis.

00:34:55.280 --> 00:34:56.460
Und andere Arten,

00:34:56.460 --> 00:34:59.800
die eben hier nicht leben konnten unter glazialen

00:34:59.800 --> 00:35:02.040
Bedingungen, die haben gesagt, dort toll,

00:35:02.120 --> 00:35:05.840
es wird wärmer und haben sich dann aus ihren mediterranen

00:35:05.840 --> 00:35:08.260
Rückzugsgebieten ausgebreitet nach Mitteleuropa.

00:35:08.840 --> 00:35:10.540
Und andere sind dann noch gekommen,

00:35:11.100 --> 00:35:15.340
als hier die Wald -Ökosysteme ersetzt wurden durch eine

00:35:15.340 --> 00:35:16.620
bäuerliche Kulturlandschaft.

00:35:17.060 --> 00:35:20.540
So das wäre, das ist die Schätzung, etwa um 1850 herum,

00:35:20.820 --> 00:35:23.460
den Peak der Biodiversität in Deutschland hatten.

00:35:24.380 --> 00:35:27.420
Und dann geht es da etwa wieder bergab.

00:35:28.180 --> 00:35:29.020
So, jetzt habe ich gesagt,

00:35:29.260 --> 00:35:31.580
natürlich können sich diese Arten anpassen.

00:35:31.780 --> 00:35:34.540
Sie gehen dorthin, wo ihre Klima- Nische ist.

00:35:35.340 --> 00:35:37.020
Das können die heute gar nicht mehr.

00:35:37.600 --> 00:35:39.860
Denn wie soll sich denn eine Art,

00:35:40.380 --> 00:35:43.480
die nicht sehr expansionsstark ist?

00:35:44.160 --> 00:35:46.240
Und manche Schmetterlingsarten,

00:35:46.340 --> 00:35:49.240
die fliegen nur als Imago ein paar Hundert Meter.

00:35:49.960 --> 00:35:50.100
Ja,

00:35:50.220 --> 00:35:55.360
wie soll denn so ein armes Tierchen über Dutzende von Kilometern

00:35:55.360 --> 00:35:57.440
einer Agrareinöde überwinden,

00:35:57.440 --> 00:36:00.420
um zum nächsten kleinen Habitatpatch zu kommen?

00:36:00.740 --> 00:36:01.920
Das schaffen die überhaupt nicht.

00:36:02.340 --> 00:36:05.160
Das heißt, was wir jetzt erleben, ist, dass Arten,

00:36:05.280 --> 00:36:08.020
die mit unseren jetzigen Klimabedingungen nicht mehr

00:36:08.020 --> 00:36:09.280
zurechtkommen, die stammen aus.

00:36:09.920 --> 00:36:13.600
Die Arten, die eigentlich dann diese ersetzen würden.

00:36:15.000 --> 00:36:15.960
Die können nicht rein,

00:36:16.500 --> 00:36:20.200
weil wir ihnen durch unsere landwirtschaftliche Matrix die

00:36:20.200 --> 00:36:22.540
natürliche Expansion ihrer Areale,

00:36:23.100 --> 00:36:26.660
oder besser noch die natürliche Anpassung ihrer Areale,

00:36:26.700 --> 00:36:27.400
überhaupt nicht erlauben.

00:36:28.020 --> 00:36:30.260
Das heißt, es gibt Arten, die sich weit verbreiten,

00:36:30.900 --> 00:36:31.760
die können das.

00:36:32.120 --> 00:36:34.840
Die breiten sich auch ganz massiv zum Teil derzeit aus.

00:36:35.040 --> 00:36:36.260
Wir haben da einige Beispiele.

00:36:37.700 --> 00:36:41.660
Ein ganz tolles Beispiel in Ostbrandenburg ist zum Beispiel

00:36:41.660 --> 00:36:42.380
der Segelfall da.

00:36:42.380 --> 00:36:43.520
Das ist so ein Viech,

00:36:43.540 --> 00:36:45.620
sieht so ein bisschen aus wie ein Schwalbenschwanz mit

00:36:45.620 --> 00:36:50.420
weißen Streifenmuster drauf.

00:36:50.800 --> 00:36:51.740
Wunderschönes Tier,

00:36:52.360 --> 00:36:55.960
war früher in Brandenburg fast überhaupt nicht zu finden.

00:36:56.880 --> 00:36:57.320
Und mittlerweile,

00:36:57.780 --> 00:37:01.020
ich habe den jetzt bei mir im Vorgarten am Butteleier

00:37:01.020 --> 00:37:01.640
beobachtet.

00:37:02.140 --> 00:37:04.460
Die haben sich ganz massiv ausgebreitet,

00:37:04.700 --> 00:37:07.820
weil sie eben sehr flugstark sind.

00:37:07.820 --> 00:37:09.860
Und es kommt noch was dazu.

00:37:10.540 --> 00:37:13.600
Die Art war früher mit ihren Raupen sehr sensibel.

00:37:13.720 --> 00:37:19.140
War nur an extrem wärme begünstigten Stellen an Süd hängen

00:37:19.140 --> 00:37:19.780
und so weiter.

00:37:19.920 --> 00:37:21.440
Und sofort, jetzt ist es aber wärmer geworden.

00:37:21.940 --> 00:37:26.160
Jetzt können die einfach an eine invasive Art,

00:37:26.320 --> 00:37:27.780
nicht die späte Traubenkirche,

00:37:27.860 --> 00:37:30.680
die in Brandenburgischen Wäldern überall jetzt rumwächst.

00:37:31.040 --> 00:37:33.400
Und wenn die irgendwo etwas süd exponiert steht,

00:37:33.720 --> 00:37:36.300
legen die Weibchen ihre Eier drauf.

00:37:36.300 --> 00:37:38.760
Und die Raupen können sich wunderbar entwickeln,

00:37:39.480 --> 00:37:42.660
was sie früher unter dem kühleren Klima überhaupt nicht

00:37:42.660 --> 00:37:44.920
konnten, weil es mikroklimatisch nicht gepasst hat.

00:37:45.320 --> 00:37:48.800
Und jetzt reicht das und deshalb ist der Segelfalter der

00:37:48.800 --> 00:37:52.000
früher in Brandenburg eine Extreme rarität war,

00:37:52.520 --> 00:37:54.920
ist bei uns eine fast kommune Art geworden.

00:37:55.380 --> 00:37:58.160
Also das ist ein eindeutiger Gewinner des Klimawandels.

00:37:58.700 --> 00:38:02.760
Andere Arten, die ebenso eher feucht und kühl wollen,

00:38:02.760 --> 00:38:05.860
die sterben uns gerade eine nach der anderen weg.

00:38:06.420 --> 00:38:07.280
Und welche sind das?

00:38:07.460 --> 00:38:09.200
Also das ist zum Beispiel der Lila Goldfalter.

00:38:09.600 --> 00:38:10.660
Das ist eine der Arten,

00:38:10.660 --> 00:38:12.640
die ich auch in meiner Kindheit auf meiner schönen Wiese

00:38:12.640 --> 00:38:15.060
hatte, die dort auch jetzt ausgestorben ist leider.

00:38:15.720 --> 00:38:19.640
Und der war eigentlich flächendeckend auf feuchteren

00:38:19.640 --> 00:38:20.960
Blumenwiesen in Brandenburg.

00:38:21.420 --> 00:38:22.860
Diese Blumenwiesen sind leider weg,

00:38:23.020 --> 00:38:24.500
der war schon sehr selten,

00:38:25.080 --> 00:38:26.540
war aber nur auf einigen Stellen.

00:38:26.540 --> 00:38:29.900
Und dort ist er jetzt auf der letzten Stelle in einem

00:38:29.900 --> 00:38:32.700
ehemaligen Truppenübungsplatz südlich von Eberswalde,

00:38:32.760 --> 00:38:35.660
ist die Art jetzt auch vor wenigen Jahren das letzte Mal

00:38:35.660 --> 00:38:36.240
gesehen worden.

00:38:36.620 --> 00:38:38.460
Die letzten Tiere waren auch verkrüppelt.

00:38:38.540 --> 00:38:38.780
Das heißt,

00:38:38.940 --> 00:38:41.220
es ist wahrscheinlich sogar noch im Zucht dazugekommen,

00:38:41.260 --> 00:38:44.160
weil es zu wenige wurden und die Art scheint jetzt auch in

00:38:44.160 --> 00:38:46.200
Brandenburg ausgestorben zu sein.

00:38:46.940 --> 00:38:48.920
Wir haben jetzt ein Moorperlmutterfalter,

00:38:49.000 --> 00:38:51.020
der ist auch seit zwei Jahren weg,

00:38:51.160 --> 00:38:54.020
weil eben das letzte Moor nebenbei drin war,

00:38:54.060 --> 00:38:55.620
das ist jetzt auch noch ausgetrocknet.

00:38:55.620 --> 00:38:57.780
Das heißt, wir haben da schon einige Arten,

00:38:57.780 --> 00:38:59.560
die verschwinden.

00:39:00.300 --> 00:39:04.080
Und wenn wir uns das, die ursprüngliche Anzahl an Arten,

00:39:04.320 --> 00:39:05.900
ich beziehe mich jetzt mal auf Brandenburg,

00:39:06.260 --> 00:39:09.700
da hatten wir 120 Tachfalterarten und jetzt sind wir bei

00:39:09.700 --> 00:39:11.040
unter 100 angelangt.

00:39:11.120 --> 00:39:11.420
Das heißt,

00:39:11.580 --> 00:39:16.700
wir haben mindestens 20 Prozent unseres Artenbestandes in

00:39:16.700 --> 00:39:18.120
den letzten 100 Jahren verloren.

00:39:18.000 --> 00:39:21.640
Jetzt habe ich es in meiner Anmoderation so auf die Spitze

00:39:21.640 --> 00:39:23.940
getrieben und gesagt, manchmal sieht man im Februar,

00:39:24.020 --> 00:39:25.120
also dieses Jahr war es so,

00:39:25.220 --> 00:39:26.600
weil der Februar verdammt warm war,

00:39:28.180 --> 00:39:31.440
auch schon Zitronenfalter, Aurorafalter, Admirale und so.

00:39:32.420 --> 00:39:34.900
Ist das ein gutes Zeichen oder ist das ein schlechtes,

00:39:34.900 --> 00:39:37.540
wenn wir jetzt auf die Schmetterlinge gucken.

00:39:37.720 --> 00:39:39.040
Also sollte man sich freuen,

00:39:40.340 --> 00:39:42.840
weil sie haben längere Flugzeiten, keine Ahnung,

00:39:43.000 --> 00:39:44.320
ist das gut für die oder eher nicht.

00:39:46.000 --> 00:39:47.500
Für manche ist das sicherlich gut,

00:39:48.620 --> 00:39:51.860
also der Admiral zum Beispiel, der findet das klasse alles.

00:39:53.080 --> 00:39:54.600
Also beim Admiral ist es so,

00:39:54.640 --> 00:39:56.420
dass es sowieso eine ganz tolle Art.

00:39:56.960 --> 00:39:59.880
Früher war die bei uns in Deutschland ausschließlich als

00:39:59.880 --> 00:40:00.460
Wanderfalter.

00:40:00.520 --> 00:40:03.160
Das heißt, sie sind irgendwann, wie auch die Distelfalter,

00:40:03.780 --> 00:40:05.680
im Mai nach Deutschland eingewandert,

00:40:05.680 --> 00:40:07.480
weil es ihnen im Winter einfach zu kalt war,

00:40:07.580 --> 00:40:08.840
die sind im Winter hier,

00:40:09.200 --> 00:40:13.220
die nicht Deutschland verlassen haben, sind hier gestorben,

00:40:13.240 --> 00:40:14.020
weil es zu kalt war.

00:40:14.020 --> 00:40:18.720
Und dann fing das so etwa vor 20, 25 Jahren an,

00:40:19.220 --> 00:40:26.460
das vermehrt im Frühjahr so ab März überwinterende Admirale

00:40:26.460 --> 00:40:27.680
in Deutschland gefunden wurden.

00:40:28.360 --> 00:40:29.460
Das war erstmal so,

00:40:29.600 --> 00:40:32.100
also im Rhein -Main -Gebiet gab es dann Daten,

00:40:32.220 --> 00:40:34.940
also besonders warmes, im Oberrhein -Graben.

00:40:35.340 --> 00:40:37.600
Und das pausste sich immer mehr durch und mittlerweile

00:40:37.600 --> 00:40:41.000
haben wir bis ganz in den Norden von Deutschland die

00:40:41.000 --> 00:40:42.440
Überwinterung des Admirals,

00:40:42.500 --> 00:40:45.720
weil es im Winter einfach überall in Deutschland jetzt so

00:40:45.720 --> 00:40:48.120
mild, dass diese Tiere überwintern können.

00:40:48.880 --> 00:40:51.600
Da, wo es besonders mild ist, natürlich besonders gut.

00:40:52.080 --> 00:40:53.640
Aber es ist jetzt nicht mehr so,

00:40:53.780 --> 00:40:56.540
dass der Admiral abhängig davon ist,

00:40:56.620 --> 00:40:59.700
dass irgendwo aus dem Süden Europas eine Einwanderung im

00:40:59.700 --> 00:41:00.520
Frühjahr passiert,

00:41:00.620 --> 00:41:03.740
sondern er kann sich aufbauen aus den Tieren,

00:41:03.780 --> 00:41:06.180
die hier in Deutschland überwintert haben.

00:41:06.180 --> 00:41:09.300
Da kommen dann die Einwanderer aus dem Süden natürlich noch

00:41:09.300 --> 00:41:09.740
dazu.

00:41:10.240 --> 00:41:10.300
So,

00:41:10.380 --> 00:41:17.480
das ist dem Admiral heute bei uns besser geht als jemals in

00:41:17.480 --> 00:41:18.260
der Vergangenheit.

00:41:19.440 --> 00:41:22.680
Andere Arten sieht es natürlich schon anders aus.

00:41:22.940 --> 00:41:26.480
Also wir haben die Überwinterer, die kommen dann raus,

00:41:26.620 --> 00:41:27.860
wenn es irgendwie warm wird.

00:41:28.460 --> 00:41:32.200
Aber die wenigsten Arten überwintern als Falter.

00:41:32.200 --> 00:41:35.720
Das sind die genannten, das ist Tagfaunauge das überwinter,

00:41:35.840 --> 00:41:39.060
der kleine Fuchs oder auch der Admiral.

00:41:39.860 --> 00:41:41.420
Das sind also überwinternde Arten,

00:41:41.540 --> 00:41:44.540
der große Fuchs und Trauermantel und so weiter und so fort.

00:41:45.620 --> 00:41:49.860
Viel mehr Arten überwintern als Raupen.

00:41:50.700 --> 00:41:52.560
Das sind die meisten, die das Raupen überwintern.

00:41:52.800 --> 00:41:54.760
Und dann gibt es auch etliche, die das Puppe überwintern.

00:41:54.840 --> 00:41:56.120
Das sind so diejenigen,

00:41:56.400 --> 00:41:59.760
zum Beispiel der Aurora Falter oder der kleine Kohlweißling

00:41:59.760 --> 00:42:03.960
oder auch der Rapsweißling, die überwintern als Puppe.

00:42:04.480 --> 00:42:06.660
Und dann gibt es auch so ein paar Bläulinge, die das tun.

00:42:07.400 --> 00:42:10.800
Und wir haben als erstes die Imaginalüberwinterer.

00:42:11.340 --> 00:42:13.660
Die können rauskommen, wenn es irgendwie warm wird.

00:42:14.300 --> 00:42:16.100
Und also beim Zitronenfall, das ist ganz extrem.

00:42:16.380 --> 00:42:16.960
Was macht der?

00:42:17.860 --> 00:42:21.380
Wenn es im Herbst anfängt,

00:42:21.520 --> 00:42:23.780
kühler zu werden oder auch schon spätsommer,

00:42:24.820 --> 00:42:28.000
dann haben sie sich erst mal den Bauch vollgehauen mit

00:42:28.000 --> 00:42:31.280
Nektar und dann setzen sie sich irgendwo hin auf ein

00:42:31.280 --> 00:42:32.620
Estchen und warten,

00:42:32.960 --> 00:42:35.640
bis das Ganze mit der Kälte und dem Winter vorbei ist.

00:42:37.820 --> 00:42:39.300
Dann werden sie munter.

00:42:39.680 --> 00:42:41.300
Und das kann durchaus im Februar sein.

00:42:41.360 --> 00:42:43.000
Das war auch früher gelegentlich im Februar.

00:42:43.780 --> 00:42:45.580
Wir sind ja nicht so genau, was der Trigger ist.

00:42:45.620 --> 00:42:47.480
Es scheint auch nicht nur die Temperatur,

00:42:47.540 --> 00:42:49.040
sondern auch die Sonnenwärme zu sein.

00:42:49.420 --> 00:42:52.520
Und dann kommen sie gar nicht so viel früher als das heute

00:42:52.520 --> 00:42:53.140
der Fall ist.

00:42:53.140 --> 00:42:54.940
Denn die Sonne ist ja heute nicht wärmer,

00:42:54.940 --> 00:42:55.680
als es früher war.

00:42:56.400 --> 00:42:59.480
Das heißt, die Sonne küsst dann den Zitronenfall da wach.

00:43:00.320 --> 00:43:04.320
Und dann hat er als erstes Werk eben die Idee,

00:43:04.500 --> 00:43:06.040
dass er kopulieren möchte.

00:43:06.920 --> 00:43:09.840
Denn also die Befruchtung der Eier,

00:43:09.880 --> 00:43:11.520
die können erst nach dem Winter passieren.

00:43:12.240 --> 00:43:14.040
Und dann findet also die Kopulation,

00:43:14.480 --> 00:43:17.740
die findet dann im ganz frühen Frühjahr statt.

00:43:17.740 --> 00:43:22.340
Dann werden die Eier abgelegt auf die austreibenden Triebe

00:43:22.340 --> 00:43:23.080
von Faulbaum.

00:43:23.620 --> 00:43:26.120
Und die Raupen fressen sich dann dick und rund.

00:43:26.580 --> 00:43:29.440
So dass dann die nächste Generation der Zitronenfalter

00:43:29.440 --> 00:43:31.540
irgendwann so im Juni dann starten kann.

00:43:32.180 --> 00:43:34.660
Dann machen die erst mal so ein bisschen...

00:43:37.000 --> 00:43:37.540
Ja,

00:43:37.900 --> 00:43:42.440
müssen dann fliegen dann rum und nehmen natürlich Nektar

00:43:42.440 --> 00:43:45.600
auf und dann wollen sie aber sehr alt werden.

00:43:45.900 --> 00:43:48.120
Es gibt keinen anderen Schmetterling bei uns in

00:43:48.120 --> 00:43:50.120
Deutschland, der so alt wird wie der Zitronenfalter,

00:43:50.360 --> 00:43:51.180
kein Tagfalter.

00:43:51.720 --> 00:43:54.020
Und weil sie so alt werden müssen,

00:43:54.280 --> 00:43:55.660
können sie jetzt nicht ständig darum fliegen.

00:43:55.760 --> 00:43:58.000
Das heißt, sie schlüpfen, dann fliegen sie darum,

00:43:58.420 --> 00:44:01.880
hauen sich voll mit Nektar und machen dann eine

00:44:01.880 --> 00:44:02.460
Übersommerung.

00:44:03.180 --> 00:44:05.620
Dann kommen sie, wenn der Sommer so gegen das Ende geht,

00:44:05.740 --> 00:44:08.580
noch mal raus, dann wird noch mal voll gefressen,

00:44:08.600 --> 00:44:11.080
dann kommt die Überwinterung, dann eben Koopulation,

00:44:11.540 --> 00:44:14.280
Eiablage und damit schließt sich dann eben der Zyklus.

00:44:14.960 --> 00:44:16.120
Und es ist fast so,

00:44:16.260 --> 00:44:21.540
dass eben die Mütter ihre Kinder noch als Falter sehen

00:44:21.540 --> 00:44:21.840
können.

00:44:23.220 --> 00:44:27.580
Gibt's nirgendwo sonst bei Temperaten, Schmetterlingsarten,

00:44:27.780 --> 00:44:28.800
Tropen gibt's sowas natürlich.

00:44:29.420 --> 00:44:32.400
Und also ich hab's mal in Südost -Kassastan gesehen,

00:44:32.920 --> 00:44:34.660
da was wirklich so, das gibt's in Deutschland nicht.

00:44:35.080 --> 00:44:37.160
Das sind die letzten Tiere,

00:44:37.340 --> 00:44:40.240
ganz abgeflogen des Vorjahres des Zitronenfalters,

00:44:40.340 --> 00:44:43.380
neben den ersten des laufenden Jahres schon geflogen.

00:44:43.500 --> 00:44:46.220
Da konnte also wirklich Mama ihren Kindern noch sagen,

00:44:46.380 --> 00:44:47.060
hallo, wie geht's?

00:44:48.000 --> 00:44:48.700
Das heißt aber,

00:44:48.780 --> 00:44:50.940
wenn die Flugzeiten sich jetzt verlängern und das irgendwie

00:44:50.940 --> 00:44:54.420
schon im Februar startet und von mir aus auch im Herbst

00:44:54.420 --> 00:44:55.820
noch sehr lange weitergeht,

00:44:55.920 --> 00:44:57.540
dann stört den Zitronenfeiter das erstmal nicht,

00:44:57.720 --> 00:44:59.560
dann übersommern die halt länger, oder wie?

00:44:59.660 --> 00:44:59.820
Genau.

00:45:00.200 --> 00:45:00.720
Das müsste der...

00:45:00.720 --> 00:45:00.980
Das heißt,

00:45:01.120 --> 00:45:04.700
dem wäre insofern die Erderwärmung erstmal Wurschtufrage

00:45:04.700 --> 00:45:05.200
zeichnen?

00:45:05.000 --> 00:45:05.640
könnte sein.

00:45:06.080 --> 00:45:08.820
Also wir haben ja Zitronenfalter, die kommen ja vor bis,

00:45:09.600 --> 00:45:13.600
also ich kenne den auch aus Südportugal zum Beispiel und da

00:45:13.600 --> 00:45:18.440
ist es ja definitiv schon immer sehr viel wärmer geworden

00:45:18.440 --> 00:45:19.580
gewesen als bei uns.

00:45:19.840 --> 00:45:20.040
Das heißt,

00:45:20.160 --> 00:45:23.060
die haben dort ganz andere Strategien mit sehr viel

00:45:23.060 --> 00:45:25.900
längeren Übersommerungen und dann eben fast keiner

00:45:25.900 --> 00:45:27.340
Überwinterungspause,

00:45:27.440 --> 00:45:29.360
die ist dann ganz kurz oder fällt ganz aus.

00:45:29.880 --> 00:45:30.140
Das heißt,

00:45:30.220 --> 00:45:32.840
die Systeme sind zum Teil bei solchen weit verbreiteten

00:45:32.840 --> 00:45:34.120
Arten sehr adaptiv.

00:45:34.640 --> 00:45:38.840
Die Frage ist, wie viel von diesen Adaptationen an,

00:45:38.920 --> 00:45:41.060
die jeweiligen Klimabedingungen dann doch irgendwo

00:45:41.060 --> 00:45:45.000
genetisch kodiert sind und dann die Zitronenfalter bei uns,

00:45:45.480 --> 00:45:49.180
denn doch nicht sich ein Beispiel und Vorbild an den

00:45:49.180 --> 00:45:50.460
Zitronenfaltern nehmen können,

00:45:50.660 --> 00:45:54.420
die dann in Klimaten eben vorkommen,

00:45:54.800 --> 00:45:57.720
deren klimatische Eigenschaften wir jetzt bekommen.

00:45:58.220 --> 00:45:59.360
Also das ist halt immer die Frage.

00:46:00.000 --> 00:46:01.640
Weil gleiche Art nicht unbedingt heißt,

00:46:01.800 --> 00:46:03.960
dass sie vollkommen gleich genetisch ausgestattet sind,

00:46:04.060 --> 00:46:07.000
sondern im Gegenteil, die sind angepasst auf den Ort,

00:46:07.080 --> 00:46:09.040
wo sie da gerade oder die Regionen, in der sie leben.

00:46:10.000 --> 00:46:10.180
Genau,

00:46:10.840 --> 00:46:15.820
eine Art ist über ihr Verbreitungsgebiet notfalls sehr,

00:46:15.820 --> 00:46:16.860
sehr unterschiedlich.

00:46:17.000 --> 00:46:18.620
Also wir haben manchmal Arten,

00:46:18.700 --> 00:46:23.820
wo wir völlig andere ökologische Einnischungen finden in

00:46:23.820 --> 00:46:25.860
unterschiedlichen Bereichen Europas,

00:46:26.200 --> 00:46:27.420
was dann auch dazu führte,

00:46:27.420 --> 00:46:29.160
dass sie völlig unterschiedlich gefährdet sind.

00:46:29.320 --> 00:46:31.320
Also dieser goldene Schattenfalle,

00:46:31.500 --> 00:46:33.640
über den ich schon erzählt habe, ja,

00:46:34.040 --> 00:46:36.800
der frisst in Iberien zum Beispiel,

00:46:36.960 --> 00:46:39.460
frisst der an Heckenkirche, also an Lonitcera,

00:46:39.900 --> 00:46:44.820
also an errankenden Pflanze und ist da eigentlich überhaupt

00:46:44.820 --> 00:46:45.480
nicht gefährdet.

00:46:45.540 --> 00:46:48.220
Und bei uns ist es eine der gefährdeten Tagfalterarten,

00:46:48.240 --> 00:46:49.140
die wir überhaupt haben.

00:46:49.000 --> 00:46:51.040
Apropos gefährdete zur Tagfalterarten,

00:46:51.260 --> 00:46:54.640
jetzt haben wir den Aurorafalter, der so dazwischen ist,

00:46:54.800 --> 00:46:55.540
den Zitronenfalter,

00:46:55.540 --> 00:46:58.380
den es wahrscheinlich gar nichts ausmacht, den Admiral,

00:46:58.760 --> 00:46:59.780
der eher profitiert.

00:47:00.920 --> 00:47:05.160
Um wen muss man sich aktuell total Sorgen machen und was

00:47:05.160 --> 00:47:07.080
wäre sozusagen eine kleine Sensation,

00:47:07.240 --> 00:47:09.160
wenn wir das auf der Wiese sehen würden?

00:47:09.000 --> 00:47:13.880
Also wir müssen uns natürlich um all die Arten sehr Sorgen

00:47:13.880 --> 00:47:19.380
machen, die in Lebensräumen vorkommen,

00:47:19.660 --> 00:47:22.860
die auch früher schon die kühlen Lebensräume waren.

00:47:23.760 --> 00:47:26.660
Also wenn ich jetzt zum Beispiel hier in Frankfurt

00:47:26.660 --> 00:47:29.440
rausgehen würde und würde eine Lycaena Helle sehen,

00:47:29.480 --> 00:47:31.620
das ist ein kleiner Feuerfalter,

00:47:32.020 --> 00:47:34.340
dann wäre er natürlich völlig von den Socken im Westerwald.

00:47:34.380 --> 00:47:35.220
Gibt es den noch?

00:47:36.100 --> 00:47:38.880
Aber er nimmt ganz, ganz stark auch ab.

00:47:39.460 --> 00:47:40.860
In der Eifel gibt es ihn auch noch,

00:47:41.080 --> 00:47:43.040
die Populationen sind auch sehr stark rückläufig.

00:47:43.500 --> 00:47:46.100
In Brandenburg haben wir die Art schon vor Jahrzehnten

00:47:46.100 --> 00:47:46.500
verloren.

00:47:48.000 --> 00:47:49.300
Und gibt es Arten, die,

00:47:49.420 --> 00:47:52.900
wenn sie früher sozusagen von der Sonne wachgeküsst werden,

00:47:53.020 --> 00:47:56.000
haben sie gesagt oder einfach von der Wärme wachgeküsst

00:47:56.000 --> 00:47:57.540
werden, damit gar nichts anfangen können,

00:47:57.640 --> 00:47:59.560
sondern denen es im Gegenteil schadet,

00:47:59.620 --> 00:48:01.820
weil die Pflanzen auf diese angewiesen noch nicht da sind?

00:48:04.000 --> 00:48:08.560
Das gibt es natürlich auch, denn wir brauchen natürlich,

00:48:09.060 --> 00:48:10.240
also gerade bei Schmetterlingen,

00:48:10.400 --> 00:48:12.360
die sind alle natürlich darauf angewiesen,

00:48:12.920 --> 00:48:14.440
wenn sie als Raupe da sind sind,

00:48:14.440 --> 00:48:15.600
sind sie darauf angewiesen,

00:48:16.000 --> 00:48:17.680
dass ihre Raupenfraßpflanze da ist,

00:48:17.740 --> 00:48:22.620
die ist oftmals sehr spezifisch und die Falter dann,

00:48:22.760 --> 00:48:24.360
die sind natürlich darauf angewiesen,

00:48:25.120 --> 00:48:27.460
dass irgendwo Nektar aufnehmen können.

00:48:28.200 --> 00:48:28.720
Das heißt,

00:48:28.920 --> 00:48:33.580
wenn also ich eine Entkoppelung habe des Angebots der

00:48:33.580 --> 00:48:40.020
Nahrungsressource und dem Auftreten der Raupen oder der

00:48:40.020 --> 00:48:42.700
Schmetterlinge, dann habe ich natürlich ein Problem.

00:48:44.060 --> 00:48:47.480
Und ich habe noch ein Problem und das hängt wirklich mit

00:48:47.480 --> 00:48:49.140
den milden Wintern zusammen.

00:48:50.120 --> 00:48:54.940
Wenn Raupen, die darauf angepasst sind,

00:48:54.940 --> 00:48:57.480
dass es ein Winter gibt, sprich wie war es früher,

00:48:58.160 --> 00:49:01.160
also nehmen wir mal jetzt nicht die wärmsten Gebiete

00:49:01.160 --> 00:49:01.620
Deutschlands,

00:49:01.700 --> 00:49:04.400
da war ja auch schon früher der Winter eher so die

00:49:04.400 --> 00:49:05.520
schmuddelige Jahreszeit,

00:49:05.520 --> 00:49:07.620
aber in Großteilen Deutschland war es ja so,

00:49:08.100 --> 00:49:11.840
irgendwann im frühen Winter ist Schnee gefallen und der ist

00:49:11.840 --> 00:49:13.840
dann doch mit Unterbrechung,

00:49:13.980 --> 00:49:17.440
aber weitgehend liegen geblieben bis irgendwann Februar

00:49:17.440 --> 00:49:20.620
oder sogar Anfang März und dann kam der Weg und dann kam

00:49:20.620 --> 00:49:24.200
das Frühjahr und dann sind die Pflanzen gewachsen und die

00:49:24.200 --> 00:49:25.300
Raupen konnten aktiv werden,

00:49:25.480 --> 00:49:26.640
das ganze hat wunderbar funktioniert.

00:49:27.500 --> 00:49:28.300
Wie läuft es heute?

00:49:29.440 --> 00:49:34.680
Wir haben natürlich immer wieder den Effekt,

00:49:35.000 --> 00:49:37.560
dass im Winter die Temperaturen steigen,

00:49:38.240 --> 00:49:39.440
die Raupen werden aktiv,

00:49:40.400 --> 00:49:42.620
es ist aber nichts Vernünftiges zu beißen da,

00:49:42.680 --> 00:49:44.780
weil die Pflanzen noch gar nicht richtig gewachsen sind,

00:49:44.840 --> 00:49:45.780
aber es ist zu warm,

00:49:46.260 --> 00:49:49.720
sie werden also aktiv und würden gerne was fressen,

00:49:49.780 --> 00:49:51.280
haben nichts oder fressen irgendwas,

00:49:51.400 --> 00:49:54.640
was sie nicht so gut vertragen und verbrauchen ihre

00:49:54.640 --> 00:49:55.120
Energie,

00:49:55.340 --> 00:50:00.180
sodass diese milden Winter die Larvalentwicklung durchaus

00:50:00.180 --> 00:50:02.760
schädigen können, dann kommt es noch zu Verpilzungen,

00:50:03.180 --> 00:50:05.040
zu Virenerkrankungen usw.

00:50:05.360 --> 00:50:07.700
Das heißt, diese Milgenwinter, die wir jetzt haben,

00:50:07.980 --> 00:50:11.660
ist für die überwinternden Raupen überhaupt nicht gut und

00:50:11.660 --> 00:50:14.100
deshalb finden wir oftmals in Klimaten,

00:50:14.180 --> 00:50:17.020
also gerade wenn wir in kontinentalere Bereiche gehen,

00:50:17.280 --> 00:50:19.440
wo wir eben so einen richtig knalligen Winter haben,

00:50:19.700 --> 00:50:22.600
finden wir oft noch mehr Schmetterlinge als bei uns,

00:50:22.800 --> 00:50:25.400
weil diese milden Winter wirklich dazu führen,

00:50:25.580 --> 00:50:28.740
dass wir massive Ausfälle bei den überwinternden Raupen

00:50:28.740 --> 00:50:28.920
haben.

00:50:29.380 --> 00:50:31.800
Gilt auch für die überwinternden Imagenes,

00:50:32.100 --> 00:50:36.800
also das ist nicht zuträglich für die Schmetterlingsarten,

00:50:36.860 --> 00:50:37.980
die bei uns sind, diese Winter.

00:50:38.060 --> 00:50:38.820
Als abschließende Frage.

00:50:39.000 --> 00:50:43.580
Wenn du im Februar ein Schmetterling siehst,

00:50:43.700 --> 00:50:44.680
freust du dich oder nicht?

00:50:44.880 --> 00:50:46.740
Oder ist es davon abhängig, welche Art das ist?

00:50:49.000 --> 00:50:52.160
Also, ich freue mich erst mal über jeden Schmetterling,

00:50:52.200 --> 00:50:53.160
den ich natürlich sehe.

00:50:55.060 --> 00:50:57.820
Ob ich dann sage, es ist toll,

00:50:58.080 --> 00:50:59.700
dass der jetzt da ist oder ob ich sage,

00:50:59.880 --> 00:51:01.600
das ist aber kritisch, den ich jetzt sehe,

00:51:02.340 --> 00:51:05.180
hängt natürlich sehr davon ab, welcher Art ich sehe.

00:51:05.300 --> 00:51:08.600
Wenn jetzt irgendwo ein Zitronenfalter im Februar da

00:51:08.600 --> 00:51:10.540
rumfliegt, dann sage ich nur, das kann der schon tun.

00:51:11.480 --> 00:51:14.740
Wenn jetzt irgendein Aurorafalter schon im Februar

00:51:14.740 --> 00:51:16.980
geschlüpft wäre, dann muss ich natürlich denken,

00:51:17.200 --> 00:51:18.160
das wird kritisch.

00:51:19.160 --> 00:51:21.120
Das funktioniert vielleicht nicht so gut.

00:51:22.000 --> 00:51:24.660
Und dann noch eine letzte, nach der letzten Frage.

00:51:24.840 --> 00:51:27.420
Jetzt gibt es zum Teil die Moor Wiedervernässungsprojekte.

00:51:27.580 --> 00:51:28.260
Sieht man das schon?

00:51:28.420 --> 00:51:31.940
Gibt es Arten, die zurückkommen oder sich erholen?

00:51:32.000 --> 00:51:34.260
Können wir irgendwelche positiven Nachrichten verbreiten?

00:51:35.000 --> 00:51:35.160
Ja,

00:51:35.300 --> 00:51:38.400
also Moorwiedervernessung ist natürlich nicht ganz so trivial,

00:51:38.420 --> 00:51:41.820
wie das immer so ausschaut.

00:51:42.300 --> 00:51:44.880
Also wenn ich ein Moor habe, das degradiert ist,

00:51:46.640 --> 00:51:47.980
dann reicht es natürlich nicht,

00:51:48.360 --> 00:51:51.300
dass ich da einfach wieder Wasser reinlaufen lasse und dann

00:51:51.300 --> 00:51:54.660
sind die ganzen wunderbaren Moorpflanzen alle wieder da.

00:51:55.720 --> 00:51:57.720
Das funktioniert oft überhaupt nicht,

00:51:57.920 --> 00:51:59.880
denn wenn Moore trocken fallen,

00:51:59.880 --> 00:52:03.120
dann habe ich natürlich eine Aktivierung der Nährstoffe

00:52:03.120 --> 00:52:03.660
dort drin,

00:52:04.120 --> 00:52:06.900
die Moore eutrophieren vor sich hin und dass ich dann

00:52:06.900 --> 00:52:11.680
wieder den Sonnentau und all die anderen Nährstoff

00:52:11.680 --> 00:52:14.140
meidenden Moorpflanzen, die ich die bekomme,

00:52:14.680 --> 00:52:16.840
das ist natürlich ein ganz, ganz langer Weg.

00:52:17.880 --> 00:52:21.320
Und diese von diesen Pflanzen, jetzt nicht vom Sonnentau,

00:52:21.740 --> 00:52:23.480
aber von anderen Moorbeeren und so weiter,

00:52:23.980 --> 00:52:27.440
da hängen natürlich viele der spezialisierten Moorarten ab.

00:52:27.440 --> 00:52:31.300
Und bis ich also dann wirklich wieder den Oligotrophen,

00:52:31.340 --> 00:52:34.000
also Nährstoffarmen, Zustand der Moore,

00:52:34.200 --> 00:52:36.300
bis ich den wiederhergestellt habe,

00:52:36.940 --> 00:52:42.300
sodass dann die ganzen Arten dann wiederkommen könnten an

00:52:42.300 --> 00:52:44.880
Schmetterlingen, die früher auf solchen Lebensräumen waren,

00:52:44.940 --> 00:52:46.160
das ist ein ganz weiter Weg.

00:52:46.680 --> 00:52:49.420
Und dann ist noch das Dumme, wo sollten die denn herkommen?

00:52:49.520 --> 00:52:52.460
Die müssten dann ja wieder über weite Strecken sich von

00:52:52.460 --> 00:52:54.060
einem Moor zum anderen hangeln.

00:52:54.060 --> 00:52:56.400
Also ich finde es toll, dass man das versucht.

00:52:58.020 --> 00:53:00.760
Moore sind ganz wichtige Lebensräume.

00:53:01.840 --> 00:53:03.340
Kaum jemand weiß,

00:53:03.980 --> 00:53:08.520
dass die noch immer andauernde Moorzerstörungen mehr CO2

00:53:08.520 --> 00:53:13.080
freisetzt als der gesamte weltweite Flugverkehr.

00:53:13.300 --> 00:53:15.420
Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

00:53:15.900 --> 00:53:20.520
Die Moorzerstörung noch heute ist schlimmer als der gesamte

00:53:20.520 --> 00:53:22.120
weltweite Flugverkehr.

00:53:23.080 --> 00:53:25.920
Und da ist es schon eine super gute Idee,

00:53:26.340 --> 00:53:29.580
wenn man versucht, Moore wieder zu renaturieren.

00:53:29.660 --> 00:53:32.000
Ich habe sowas auch schon ziemlich erfolgreich in Estland

00:53:32.000 --> 00:53:32.380
gesehen.

00:53:32.920 --> 00:53:35.320
Dann geht es natürlich schneller unter den dortigen

00:53:35.320 --> 00:53:35.760
Bedingungen.

00:53:36.100 --> 00:53:38.700
Es geht also, man sollte es unbedingt machen,

00:53:38.800 --> 00:53:40.120
aber man darf jetzt nicht erwarten,

00:53:40.120 --> 00:53:42.800
bis man nach drei Jahren wieder ein wunderbares Hochmoor

00:53:42.800 --> 00:53:42.940
hat,

00:53:43.100 --> 00:53:46.700
wo all die wunderbaren Sonntau und Hochmoor -Gelblinge und

00:53:46.700 --> 00:53:47.480
sonst was sind.

00:53:47.480 --> 00:53:49.020
Es ist ein ganz, ganz langer Weg,

00:53:49.540 --> 00:53:52.720
aber jede Moor -Wiedervernässung ist auch ein ganz

00:53:52.720 --> 00:53:56.140
wertvoller CO2 -Speicher und das ist auch schon was wert.

00:53:57.000 --> 00:53:58.660
Aber für die Schmetterlinge erst mal noch nicht.

00:53:59.000 --> 00:53:59.720
Dauert ein bisschen.

00:53:59.920 --> 00:54:01.780
Dank, dass du da warst, Thomas Schmidt.

00:54:02.000 --> 00:54:02.880
Bitte schön, gerne!

00:54:06.000 --> 00:54:07.200
Auch Ihnen liebe Zuhörende,

00:54:07.320 --> 00:54:09.560
jetzt herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihr Interesse.

00:54:09.700 --> 00:54:12.680
Alle Infos zu dieser Folge und die Links zur Stierkäfer

00:54:12.680 --> 00:54:16.120
Sandale und zu Berggemann finden Sie in den Show -Notes und

00:54:16.120 --> 00:54:18.780
auch unter Senckenberg .de -Erdfrequenz.

00:54:18.920 --> 00:54:21.380
Wenn Sie mehr hören wollen in Sachen Insekten,

00:54:21.940 --> 00:54:24.320
dann empfehlen wir Ihnen auch die Erdfrequenz -Folge Nr.

00:54:24.960 --> 00:54:27.480
22 im Reich der Insekten mit Matthias Nuss.

00:54:28.060 --> 00:54:29.900
Mein Name ist Susanne Schädlich und ich freue mich,

00:54:29.940 --> 00:54:32.060
wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind bei

00:54:32.060 --> 00:54:32.800
Erdfrequenz.

00:54:32.960 --> 00:54:34.520
Bis dahin, machen Sie es gut!