WEBVTT

00:00:00.001 --> 00:00:11.600
Mein Name ist Tobias Herwick, schön, dass du wieder mit dabei bist, wenn es darum geht,

00:00:11.600 --> 00:00:16.800
die Fabriken von heute nach vorne zu bringen. Heute reden wir über Routenzüge in der Produktion. Wir

00:00:16.800 --> 00:00:21.280
schauen uns dabei ein konkretes Beispiel der globalen Intralogistik bei Festo an. Wir reden

00:00:21.280 --> 00:00:25.440
über die Standardisierung von Milk-Run-Prozessen, wir reden über einen guten Planungsprozess,

00:00:25.440 --> 00:00:30.640
um das auch hinzukriegen und über die IT im Hintergrund, zum Beispiel über ein globales WMS-System.

00:00:30.640 --> 00:00:36.160
Und natürlich darf bei dem ganzen Thema auch das Thema der Automatisierung nicht fehlen und darüber

00:00:36.160 --> 00:00:41.560
werden wir am Ende reden. Über all diese Themen rede ich heute mit Dr. Alexander Hoppe. Er ist

00:00:41.560 --> 00:00:48.040
Head of Corporate Interlogistics Processes bei der Festo SE. Er ist zehn Jahre in der Verantwortung in

00:00:48.040 --> 00:00:53.040
der Intralogistik bei Festo, davon sechs Jahre im Werk und jetzt vier Jahre global und er hat

00:00:53.040 --> 00:00:56.960
an der Uni Stuttgart auch in der Bereich der Logistik promoviert und ist heute hier zu Gast.

00:00:56.960 --> 00:01:03.360
Hallo Alex, willkommen im Podcast. Dankeschön, hallo Tobias. Ja, wir reden heute über Routenzüge

00:01:03.360 --> 00:01:08.920
und ganz ehrlich, Routenzüge war in den letzten Monaten jetzt nicht so das große Podcast-Thema.

00:01:08.920 --> 00:01:15.600
Haben Routenzüge 2025 überhaupt noch Relevanz? Aus meiner Sicht absolut. So wie so ziemlich jede

00:01:15.600 --> 00:01:21.400
Hardware in der Intralogistik ihre Relevanz hat, es kommt halt immer auf den Prozess an. Und so

00:01:21.400 --> 00:01:27.160
schön und sexy auch fahrlose Transportfahrzeuge beispielsweise sein können, kommt es wirklich

00:01:27.160 --> 00:01:32.920
darauf an, was musst du transportieren. Und wenn du einen komplexen Materialfluss hast,

00:01:32.920 --> 00:01:36.040
ist einem Routenzug nicht vorbeizugehen. Ok, super, das können wir jetzt ein bisschen tiefer legen,

00:01:36.040 --> 00:01:40.360
weil ich meine es ist ja auch schon mal ganz grundsätzlich unterschiedlicher Materialfluss.

00:01:40.360 --> 00:01:45.560
Habe ich einen Direkttransport, habe ich eine Routenversorgung in meiner Intralogistik? Was

00:01:45.560 --> 00:01:50.920
würdest du sagen, sind da die größten Unterschiede? Sagen wir es so, gerade wenn du vielleicht einen

00:01:50.920 --> 00:01:55.080
Routenzug erst mal im Werk implementieren musst, musst du ja auch eine gewisse Erwärmung für das

00:01:55.080 --> 00:02:00.040
Thema schaffen. Und wir nehmen ganz gerne das Beispiel vom Taxi und vom Bus. Habe ich natürlich

00:02:00.040 --> 00:02:04.200
nur wenige Transportstrecken, muss vielleicht sehr flexibel sein, dann kann so ein Taxi ganz

00:02:04.200 --> 00:02:08.520
praktisch sein. Habe ich aber eigentlich immer dieselben Routen jeden Tag mit extrem vielen

00:02:08.520 --> 00:02:12.160
Materialien, die ich fahren muss, dann kann man sich überlegen, wie viele Taxis, in dem Fall

00:02:12.160 --> 00:02:17.040
vielleicht Gabelstapler, müsste ich denn da einsetzen. Und insofern bietet sich doch eher ein

00:02:17.040 --> 00:02:21.880
Bus an, oder? Wo man viele Leute reinbekommt, die dann ein- und aussteigen an den Stationen.

00:02:21.880 --> 00:02:26.680
Deswegen kann ein Bus durchaus Sinn haben und in Materialflüssen gesprochen wäre das eben dann der

00:02:26.680 --> 00:02:31.280
Milk Run oder der Routenzug. Ja, da muss ich jetzt gleich an so ein Bild denken. Gibt es da so einen

00:02:31.280 --> 00:02:35.040
schönen Vergleich, wie viele Leute passen in einen Bus und wie viele Autos brauche ich, um diese

00:02:35.040 --> 00:02:40.920
Leute irgendwie von A nach B zu bringen. Und dann ist die ganze Straße voll. Würdest du sagen, ist

00:02:40.920 --> 00:02:45.360
das auch der Hauptunterschied, dass einfach mehr Transportkapazität da ist? Oder wo sind dann noch

00:02:45.360 --> 00:02:51.680
die Unterschiede zwischen Taxi und Bus? Ja, also da gibt es viele Dimensionen. Also Kosten sind auf

00:02:51.680 --> 00:02:55.800
jeden Fall ein Thema. Um ganz zu überlegen, wenn ich viele Fahrzeuge erstmal überhaupt benötige,

00:02:55.800 --> 00:02:59.240
um die Transporte zu machen, dann habe ich ein Kostenthema. Und natürlich auch ein

00:02:59.240 --> 00:03:03.600
Verfügbarkeitsthema. Weil wenn ich ganz viele Fahrzeuge ständig hin und her fahren lassen muss,

00:03:03.600 --> 00:03:09.880
die nur wenig Kapazität zur Verfügung haben, dann bin ich mit dem Routenzug einfach viel schneller,

00:03:09.880 --> 00:03:16.240
viel günstiger und kann auch wesentlich flexibler reagieren. Der Routenzug kann ja auch ganz

00:03:16.240 --> 00:03:20.160
unterschiedliche Gestalt sein. Ganz unterschiedliche Anhänger. Damit kann ich auch ganz unterschiedliche

00:03:20.160 --> 00:03:23.960
Sachen transportieren, während ich vielleicht mit dem Gabelstaple hauptsächlich mit der Palette

00:03:23.960 --> 00:03:29.200
unterwegs wäre. Das ist sogar ein Vorteil. Das hätte ich jetzt gar nicht gedacht, weil ich natürlich

00:03:29.200 --> 00:03:32.560
beim Routenzug auch irgendwie gucken muss, dass ich die ganzen verschiedenen Ladungsträger auch

00:03:32.560 --> 00:03:37.800
miteinander bekomme. Aber da reden wir auch nachher darüber, was das bedeutet, jetzt mit Blick auf

00:03:37.800 --> 00:03:42.240
Standards. Ich möchte es jetzt gerne mal ein bisschen konkreter machen mit Blick auf Festo.

00:03:42.240 --> 00:03:48.920
Welche Bedeutung spielen Routenzüge bei euch? Also ich bin ja verantwortlich mit meinem Bereich

00:03:48.920 --> 00:03:55.600
für 13 Produktionswerke weltweit und wir haben in fast jedem Werk einen Routenzug am Fahren.

00:03:55.600 --> 00:03:59.920
Natürlich aufgrund der unterschiedlichen Größen der Werke, der unterschiedlichen Komplexitäten

00:03:59.920 --> 00:04:05.160
der Materialströme, nicht unbedingt immer viele Routen. Aber es gibt in irgendeiner Form immer

00:04:05.160 --> 00:04:12.160
eine Art Routenzug, weil eben die vorhin genannten Vorteile dort zum Tragen kommen. Und zum Zweiten

00:04:12.160 --> 00:04:17.600
versucht man natürlich auch aus Sicherheitsrisiken den Gabelstaple aus der Produktion zu verbannen,

00:04:17.600 --> 00:04:22.080
weil egal wie, die Gabel an sich ist dann schon ein bisschen riskanter als ein Routenzug,

00:04:22.080 --> 00:04:26.400
der vielleicht auch mit dem Licht fährt und nochmal gewisse Warnsignale im Vorfeld sendet.

00:04:26.400 --> 00:04:32.400
Das ist dann doch kompatibler. Also das heißt, was die Produktionsversorgung anbelangt quasi

00:04:32.400 --> 00:04:36.080
Intralogistikseitig ist Routenzug quasi der Standard? Kann man das so sagen?

00:04:36.080 --> 00:04:40.880
Ja, beziehungsweise er sollte zumindest immer in Erwägung gezogen werden. Und das Schöne beim

00:04:40.880 --> 00:04:46.320
Routenzug ist ja, er fährt ja nicht nur zur Produktion hin. Wir produzieren ja auch was

00:04:46.320 --> 00:04:49.960
und die Fertigware muss ja dann auch wieder woanders hinkommen, in der Regel zum Warenausgang

00:04:49.960 --> 00:04:54.520
oder vielleicht auch zu einem Distributionslager und da kann der Routenzug genauso agieren.

00:04:54.520 --> 00:04:59.840
Dementsprechend in kleineren Werken kann er vielleicht die Versorgen und Entsorgen übernehmen,

00:04:59.840 --> 00:05:04.880
in größeren Werken wirst du dann das Ganze voneinander trennen und verschiedene Versorgungsrouten

00:05:04.880 --> 00:05:07.600
machen und dann die Entsorgungsrouten separat.

00:05:07.600 --> 00:05:10.920
Okay und dann darf man natürlich das ganze Leergut nicht vergessen, was auch noch dazu kommt.

00:05:10.920 --> 00:05:14.560
Ja gut, absolut. Das fällt ja sowieso dann an.

00:05:14.560 --> 00:05:21.840
Super. Jetzt, ich glaube, das Routenzugprinzip ist soweit verstanden. Die meisten werden es

00:05:21.840 --> 00:05:27.800
hoffentlich kennen, die hier den Podcast hören. Aber was jetzt, glaube ich, eine spannende Frage

00:05:27.800 --> 00:05:33.520
ist, ist, wie geht ihr mit dem Thema Routenzüge oder Mill-Crunts bei Festo um? Ihr habt euch

00:05:33.520 --> 00:05:36.760
damit beschäftigt, das Ganze noch stärker zu standardisieren. Wie kam es dazu?

00:05:36.760 --> 00:05:41.600
Ja, das hat unterschiedliche Gründe. Einerseits, weil die Intralogistik doch in der Vergangenheit

00:05:41.600 --> 00:05:45.920
eher dezentral war. Das heißt, die einzelnen Werke haben sich selber ein Stück weit überlegt,

00:05:45.920 --> 00:05:50.200
wie sie ihre Materialflüsse gestalten. Jetzt hat man seit vier Jahren wieder einen Zentralbereich,

00:05:50.200 --> 00:05:54.800
die auch aus der Governance-Sicht versuchen, einerseits zu unterstützen natürlich bei

00:05:54.800 --> 00:05:58.800
Planungsprozessen, andererseits aber auch als Governance zu schauen, dass nach gewissen

00:05:58.800 --> 00:06:05.600
Standards gearbeitet wird. Sinn dabei hat vor allem einerseits, das Wissen zu bündeln. Was

00:06:05.600 --> 00:06:09.960
gibt es denn alles zu beachten bei so einer Routenzugplanung? Und dass man nicht jedes

00:06:09.960 --> 00:06:14.720
Mal wieder bei Null startet, sondern nach einem stringenten Vorgehen weiß, okay, was sind so die

00:06:14.720 --> 00:06:19.760
Eingangsdaten, die ich benötige? Was muss ich alles beachten? Was gibt es denn für Best Practices?

00:06:19.760 --> 00:06:23.520
Und was auch aus meiner Sicht ganz wichtig ist, wir kommen wahrscheinlich nachher noch dazu,

00:06:23.520 --> 00:06:28.360
aber dass man das eben auch nicht nur aus der Intralogistik-Brille betrachtet, sondern nicht

00:06:28.360 --> 00:06:33.000
nur die Produktion als internen Kunden, sondern auch Fabrikplanung beispielsweise involviert

00:06:33.000 --> 00:06:38.280
oder die Kollegen aus dem Operation Excellence. Das soll also ein Standard nachher auch sein,

00:06:38.280 --> 00:06:43.440
der nicht nur die Intralogistik-Interessen vertritt, sondern auch über die Schnittstellen

00:06:43.440 --> 00:06:49.360
hinaus abgestimmt ist. Ja, also Ziel ist es eine Best Practice am Ende zu haben für alle

00:06:49.360 --> 00:06:53.080
Werke und das stelle ich mir auch anspruchsvoll vor mit 13 Werken, die ja sicherlich auch sehr

00:06:53.080 --> 00:06:56.560
unterschiedlich sind, auch was die logistischen Anforderungen anbelangt. Das ist vorhin so ein

00:06:56.560 --> 00:07:01.880
bisschen angedeutet schon mit Fertigwaren und ja, wie viel überhaupt produziert wird und so weiter.

00:07:01.880 --> 00:07:06.040
Was würdest du sagen, sind da die größten Unterschiede, was jetzt so die Logistik anbelangt?

00:07:06.040 --> 00:07:11.280
Ja gut, wenn man Festung ein bisschen kennt, ist ja auch in den Werken, wird nicht in jedem Werk

00:07:11.280 --> 00:07:15.520
dasselbe produziert. Also auch das Material als solches, was transportiert werden muss,

00:07:15.520 --> 00:07:20.440
hat ganz unterschiedliche Anforderungen von der Größe oder auch von der Behälterkomplexität.

00:07:20.440 --> 00:07:25.360
Es gibt Werke, die haben weit über 100 Ladehilfsmittel, weil sie transportiert werden

00:07:25.360 --> 00:07:29.880
müssen. Das heißt, die Komplexität der Materialflüsse ist doch ganz unterschiedlich

00:07:29.880 --> 00:07:35.440
und das wirkt sich auch auf das einzusetzende Equipment aus. Es hat jetzt wenig Sinn "one

00:07:35.440 --> 00:07:40.800
standard fits it all", dass wir sagen, wir haben jetzt ein Werk als Leitwerk mit einem Standard

00:07:40.800 --> 00:07:46.320
und jetzt macht es bitte alle so. Das wäre vermessen und da muss man dann auch aus globaler

00:07:46.320 --> 00:07:51.560
Sicht sagen, wir geben eine Lösungsmenge vor, ich sage es mal einer Art morphologischen Kasten

00:07:51.560 --> 00:07:57.720
und basierend auf bestimmten Eingangsdaten wählt man aus der Lösungsmenge die beste Lösung aus

00:07:57.720 --> 00:08:02.040
und es ist auch am Ende ein iterativer Prozess. Da muss man ganz ehrlich sein, es wird nicht ein

00:08:02.040 --> 00:08:05.600
Knopfdruck sein und zack bumm habe ich die beste Routenzuglösung im Werk.

00:08:05.600 --> 00:08:12.320
Ja das heißt, es gibt nicht den Standardroutenzug und das eine ist ja die Hardware, das andere ist

00:08:12.320 --> 00:08:16.880
der Prozess, ja auch nicht den einen Routenzugprozess, sondern du hast es jetzt als

00:08:16.880 --> 00:08:21.640
morphologischer Kasten beschrieben, dann eine gewisse Kombinationsmöglichkeit aus Zugmaschinen,

00:08:21.640 --> 00:08:25.520
Anhängern, was habt ihr da noch für Elemente in eurem morphologischen Kasten?

00:08:25.520 --> 00:08:30.560
Ja beispielsweise, wie du richtig sagst, das eine ist die Hardware, da sind wir ja kurz schon

00:08:30.560 --> 00:08:34.880
darauf eingegangen, aber das andere ist auch vielmehr der Prozess. In dem Moment, wo du es

00:08:34.880 --> 00:08:40.120
schaffen kannst, den Entkopplungspunkt am Bahnhof zu vermeiden, dass der Routenzugfahrer beispielsweise

00:08:40.120 --> 00:08:45.120
auch die Verräumung im Produktionslager vornehmen kann, spare ich mir einen Schritt und kann den

00:08:45.120 --> 00:08:49.360
Routenzugfahrer auch sehr gut auslasten, währenddessen ich vielleicht in einem Werk mit

00:08:49.360 --> 00:08:54.320
extrem vielen Materialabrufen aus der Produktion das gar nicht möglich machen kann, weil der für

00:08:54.320 --> 00:08:58.520
seine Route einfach zu lange fahren würde. Dann hätte ich beispielsweise den Entkopplungspunkt

00:08:58.520 --> 00:09:02.240
noch mit einem Bahnhof, wo ich das Material abstelle und das würde dann durch einen

00:09:02.240 --> 00:09:06.520
Feinlogistiker verräumt werden und da ist genau der Punkt, das ist vermessen zu sagen,

00:09:06.520 --> 00:09:12.640
du musst es A oder B machen, sondern hier kommt es einfach darauf an, dass es für das jeweilige

00:09:12.640 --> 00:09:18.160
Werk, für die jeweiligen Materialflüsse die bestmögliche Lösung ist und da kann man auch,

00:09:18.160 --> 00:09:22.840
muss man ehrlich sein, im Zweifelsfall mit einer Lösung mal starten, die basierend auf den

00:09:22.840 --> 00:09:27.200
Eingangsdaten vermeintlich die beste scheint und dann kann man ja immer noch schauen, dass man

00:09:27.200 --> 00:09:31.880
das im Nachgang auch optimiert, beispielsweise wie viele Bahnhöfe oder Haltestellen verwende

00:09:31.880 --> 00:09:37.520
ich überhaupt. Komme ich zu dem Entschluss nachher in der Praxis, okay, theoretisch wären fünf ideal

00:09:37.520 --> 00:09:42.720
gewesen, jetzt gehen wir doch aber auf vier, weil wir das irgendwo zusammenfahren. Durchaus möglich,

00:09:42.720 --> 00:09:46.880
das ist mal wieder beim iterativen Prozess. Wenn wir jetzt erstmal im ersten Schritt

00:09:46.880 --> 00:09:51.680
hartwaerseitig bleiben, wo gibt es da die große Varianz in der Hardware? Ist es dann wirklich,

00:09:51.680 --> 00:09:59.120
was die Trollys, die Anhänger anbelangt, was die Zugmaschinen anbelangt oder noch auf anderen

00:09:59.120 --> 00:10:03.800
Ebenen? Also es meldet sich hauptsächlich bei den Anhängern, das Ziel sollte sein,

00:10:03.800 --> 00:10:07.680
jetzt haben wir gerade über den Prozess gesprochen, was passiert eigentlich mit dem Material in der

00:10:07.680 --> 00:10:12.480
Produktion, dass man da möglichst flexibel bleibt. Es gibt ja heutzutage Anhänger, da kann man,

00:10:12.480 --> 00:10:18.160
egal ob es Paletten oder auch Behälterwagen, auch mit Rollen versehen und dann auch direkt

00:10:18.160 --> 00:10:23.400
verfahren, egal ob das jetzt auf einer Einzelbehälter-Ebene ist oder mehrere Behälter auf

00:10:23.400 --> 00:10:29.440
einem Anhänger oder auch die ganze Palette. Das heißt im Idealfall kann man also das Ladegut

00:10:29.440 --> 00:10:35.960
zum finalen Senke direkt fahren und muss nicht das in irgendeiner Form nochmal aufnehmen mit

00:10:35.960 --> 00:10:44.280
einem zweiten Betriebsmittel. Das muss eigentlich die Idee sein. Das heißt aus unserer Sicht werden

00:10:44.280 --> 00:10:48.680
wir immer den Werken sagen, versuch deine Anhänger möglichst flexibel zu gestalten,

00:10:48.680 --> 00:10:54.960
um eine große und Vielzahl von verschiedenen Ladehilfsmitteln transportieren zu können und

00:10:54.960 --> 00:11:00.880
diese auch möglichst nah an den Verbauort zu bekommen, ohne zusätzliche Prozesse zu nutzen.

00:11:00.880 --> 00:11:05.520
Und je flexibler meine Anhänger sind, je weniger brauche ich auch an verschiedenen Arten von

00:11:05.520 --> 00:11:08.960
Anhängern, um dann eine Materialfläche auch bestmöglich abbilden zu können.

00:11:08.960 --> 00:11:15.120
Das setzt häufig natürlich höhere Investitionen in der Regel voraus. Wenn ich jetzt was ganz

00:11:15.120 --> 00:11:20.000
Einfaches nehme, das ist im ersten Moment günstiger, aber wenn ich mir die gesamte

00:11:20.000 --> 00:11:23.520
Kostenbetrachtung anschaue aus der Prozesskostensicht, werde ich schnell feststellen,

00:11:23.520 --> 00:11:26.920
dass mir der flexiblere Anhänger doch nachher mehr bringt.

00:11:26.920 --> 00:11:32.000
Was für eine Größenordnung Anhängervarianten habt ihr dann im Einsatz, wenn ihr jetzt über

00:11:32.000 --> 00:11:32.840
euren Standard redet?

00:11:32.840 --> 00:11:38.240
Also das ist jetzt auch nicht so komplex, dass man jetzt davon ausgeht, da gibt es 20 verschiedene.

00:11:38.240 --> 00:11:46.000
Also ich sag mal, wir haben klassischerweise vier, fünf verschiedene Trolley-Typen und was

00:11:46.000 --> 00:11:49.520
man dann konfigurieren kann in die Trolleys rein, kommt dann ein bisschen drauf an.

00:11:49.520 --> 00:11:55.360
Je nachdem, habe ich jetzt vielleicht auch Langhut zum Beispiel oder bin ich jetzt nur

00:11:55.360 --> 00:11:59.360
auf Paletten und Behälter eben unterwegs, das kommt ein bisschen drauf an und da gibt es

00:11:59.360 --> 00:12:03.000
einschlägige Anbieter, die kennen auch die meisten, die sich mit Routenzügen beschäftigen,

00:12:03.000 --> 00:12:06.160
die dann eben auch aus ihrem Portfolio heraus das anbieten.

00:12:06.160 --> 00:12:12.160
Das ist jetzt nichts Besonderes, einmal auf der Logimat und dann hat man sofort die richtigen

00:12:12.160 --> 00:12:13.160
Einsprichbarheiten.

00:12:13.160 --> 00:12:14.160
Das ist richtig, ja.

00:12:14.160 --> 00:12:16.560
Ja und der zweite Part ist ja dann der Prozess.

00:12:16.560 --> 00:12:19.440
Du hast es gerade schon so beschrieben, da gibt es dann auch entsprechende Unterschiede.

00:12:19.440 --> 00:12:25.200
Habt ihr da so zwei, drei Standardprozesse, wie so ein Routenzug genutzt werden kann oder

00:12:25.200 --> 00:12:28.840
ist das auch eher so modular, dass man sagt, okay, es gibt eigentlich so Grundbestandteile

00:12:28.840 --> 00:12:32.560
in so einem Prozess und die muss ich dann halt entsprechend zusammensetzen?

00:12:32.560 --> 00:12:37.000
Also ich sag mal grundsätzlich vom Materialfluss hatte ich es ja vorhin schon mal beschrieben.

00:12:37.000 --> 00:12:42.200
Man hat in der Regel ein Hauptlager, wo das Material auf den Routenzug verräumt wird

00:12:42.200 --> 00:12:46.440
und dann fährt der Routenzug, wie der Name ja schon sagt, seine Route ab, hält an bestimmten

00:12:46.440 --> 00:12:50.760
Punkten und dann kommt es ein bisschen auf die individuelle Prozessgestaltung an, ob

00:12:50.760 --> 00:12:55.240
das Material in die finale Senke verräumt wird oder doch noch in den Koppelungspunkt

00:12:55.240 --> 00:12:57.080
dazwischen gesetzt wird.

00:12:57.080 --> 00:13:00.560
Das ist glaube ich so der Hauptunterschied.

00:13:00.560 --> 00:13:05.720
Und sonst, klar, es gibt natürlich auch gewisse Standards nachher in der Planungsphase, aber

00:13:05.720 --> 00:13:08.280
ich vermute, darauf spielt es sich jetzt noch nicht an.

00:13:08.280 --> 00:13:09.280
Ja, genau.

00:13:09.280 --> 00:13:10.280
Über die Planung reden wir gleich.

00:13:10.280 --> 00:13:15.720
Hier ging es jetzt mit Blick auf den Prozess auch eher um so Themen, zum Beispiel fest

00:13:15.720 --> 00:13:18.360
getaktet oder bedarfsorientierte Fahrten.

00:13:18.360 --> 00:13:22.920
Also, dass ihr da auch sagt, naja, sowas ist fest vorgesehen.

00:13:22.920 --> 00:13:27.120
Wir machen das immer bedarfsorientiert, weil das rechnet sich oder keine Ahnung, dass es

00:13:27.120 --> 00:13:28.960
da einen prozessualen Standard gibt.

00:13:28.960 --> 00:13:31.160
Okay, also Richtung Organisation, ja.

00:13:31.160 --> 00:13:36.120
Also, das ist schon so, dass wir auch Best Practices haben, die wir da vorschlagen.

00:13:36.120 --> 00:13:40.520
In der Regel ist es schon so, dass die Idee sein sollte, dass man einen getakteten Routenzug

00:13:40.520 --> 00:13:44.560
hat, einfach auch vor dem Hintergrund, dass doch eine gewisse Stabilität dort ist und

00:13:44.560 --> 00:13:50.760
dass man dann auch weiß, wann in der Produktion mit dem Material zu rechnen ist.

00:13:50.760 --> 00:13:56.720
Nichtsdestotrotz muss man auch hier aus unserer Sicht, one standard not always fits it all,

00:13:56.720 --> 00:14:02.600
flexibel genug sein zu sagen, vielleicht bei kleineren Werken gibt man auch andere Rahmenbedingungen

00:14:02.600 --> 00:14:08.920
vor, was aber eben nicht heißen soll, dass man das jetzt völlig frei gestalten kann.

00:14:08.920 --> 00:14:13.560
Also, da muss eben zum Beispiel ein Zeitfenster von maximal von zwei Stunden festgelegt sein

00:14:13.560 --> 00:14:17.400
und in dieser Zeit muss der Routenzug gefahren sein, ohne dass man ihm jetzt sagt, Taktzeit

00:14:17.400 --> 00:14:18.840
30 Minuten.

00:14:18.840 --> 00:14:24.600
Also, gewisse Rahmenbedingungen sollten vorgegeben sein, damit wir eben doch nach einem gewissen

00:14:24.600 --> 00:14:27.960
Standard auch arbeiten und nicht jetzt jeder wie er will.

00:14:27.960 --> 00:14:32.800
Habt ihr auch so ein Prinzip, dass ihr kontinuierlich fahrt, einfach unabhängig von der Taktzeit?

00:14:32.800 --> 00:14:35.360
Also, gibt es auch, ja.

00:14:35.360 --> 00:14:41.640
Wenn beispielsweise wirklich die Materialanforderungen sehr hoch sind, dass du automatisch den Routenzug

00:14:41.640 --> 00:14:46.840
immer wieder so voll beladen wirst, dass du automatisch losfahren kannst, das gibt es

00:14:46.840 --> 00:14:47.840
durchaus auch.

00:14:47.840 --> 00:14:52.640
Aber man muss dazu sagen, der Trend geht schon Richtung Taktung, weil wir auch feststellen

00:14:52.640 --> 00:14:57.600
wollen, ob wir mit den Routenzügen die richtige Auslastung haben und das findest du natürlich

00:14:57.600 --> 00:15:00.920
am ehesten raus, wenn du einen Soll-Ist-Abgleich machen kannst.

00:15:00.920 --> 00:15:05.120
Das heißt, du nimmst dann auch die Daten auf, war pünktlich, war zu spät, was war

00:15:05.120 --> 00:15:06.640
denn eigentlich auch die Füllmenge?

00:15:06.640 --> 00:15:10.720
Und daraus kann man natürlich auch Rückschlüsse ziehen, brauche ich eine zusätzliche Route

00:15:10.720 --> 00:15:13.560
oder vielleicht auch einen zusätzlichen Routenzug für die Route?

00:15:13.560 --> 00:15:18.560
Genau, das sollte eigentlich das Ziel sein, dass man auch nicht nur einfach fahren lässt,

00:15:18.560 --> 00:15:20.640
sondern auch datenbasiert optimiert.

00:15:20.640 --> 00:15:24.440
Mit Blick auf die Steuerung und Transparenz ist ein getakteter Routenzug aus meiner Erfahrung

00:15:24.440 --> 00:15:25.440
das einfachste.

00:15:25.440 --> 00:15:28.720
Ob es immer die höchste Auslastung bringt, ist dann eine andere Frage.

00:15:28.720 --> 00:15:34.080
Man hat dann immer natürlich durch eine feste Taktung immer auch eine gewisse Ineffizienz,

00:15:34.080 --> 00:15:36.360
aber dafür halt auch die Transparenz dann.

00:15:36.360 --> 00:15:37.360
Absolut.

00:15:37.360 --> 00:15:42.200
Sehr gut, jetzt haben wir uns schon ein bisschen über den Prozess geredet und jetzt hast

00:15:42.200 --> 00:15:45.920
du es schon so ein bisschen angedeutet, es gibt ja nicht nur den Prozess des Betriebs

00:15:45.920 --> 00:15:51.440
des Routenzuges, sondern aber auch die Frage, wie komme ich überhaupt hin zu dem Routenzug,

00:15:51.440 --> 00:15:53.000
also wie plane ich den Routenzug?

00:15:53.000 --> 00:15:57.360
Und das ist ja gerade, wenn wir über Standards reden, auch ein super entscheidender Part

00:15:57.360 --> 00:15:58.600
der Weg zum Ziel.

00:15:58.600 --> 00:16:04.840
Kannst du uns da mal mit reinnehmen, wie so euer standardisierter Planungsprozess aussieht?

00:16:04.840 --> 00:16:05.840
Absolut, ja.

00:16:05.840 --> 00:16:11.600
Also witzigerweise, ich hatte es eingangs schon erwähnt, ich denke, was ganz wichtig

00:16:11.600 --> 00:16:16.360
ist, man muss wirklich am Anfang alle Bereiche abholen, auch nochmal zu erklären, was ist

00:16:16.360 --> 00:16:19.960
eigentlich ein Routenzug, ja auch wenn einem das vielleicht optisch klar ist, aber auch

00:16:19.960 --> 00:16:26.280
von der Funktionsweise, was sind die Vorteile und wenn man da erstmal eine gewisse Awareness

00:16:26.280 --> 00:16:30.400
für geschaffen hat, dann geht es natürlich darum festzustellen, was sind denn eigentlich

00:16:30.400 --> 00:16:31.400
meine Eingangsdaten.

00:16:31.400 --> 00:16:36.400
Also typischerweise nutzen wir da eine "Plan for every part", ich denke, das ist in vielen

00:16:36.400 --> 00:16:40.480
Unternehmen der Fall, das heißt, wir versuchen möglichst viele Daten einfließen zu lassen,

00:16:40.480 --> 00:16:45.840
was sind eigentlich die Anforderungen nachher an die Produktionsversorgung und -entsorgung,

00:16:45.840 --> 00:16:50.040
ja auch die unterschiedlichen Anforderungen der Produktionsbereiche zu berücksichtigen,

00:16:50.040 --> 00:16:51.040
das ist ja auch das Spannende.

00:16:51.040 --> 00:16:55.360
Ich kann ja eine sehr komplexe Produktionsstruktur haben, wo vielleicht ein Produktionsbereich

00:16:55.360 --> 00:17:01.160
auf derselben Route ganz andere Anforderungen hat als ein anderer Produktionsbereich und

00:17:01.160 --> 00:17:04.920
das dann herunterzubrechen auf die Teileebene, auch wenn dasselbe Teil in unterschiedlichen

00:17:04.920 --> 00:17:09.960
Bereichen ist, das ist nachher das Spannende, festzustellen, wie oft werde ich eigentlich

00:17:09.960 --> 00:17:14.160
fahren müssen, was muss ich eigentlich dorthin transportieren, wie schnell brauchen sie das

00:17:14.160 --> 00:17:18.440
Material und du weißt es ja aus deinen eigenen Erfahrungen, die Anforderungen können sich

00:17:18.440 --> 00:17:19.440
auch schnell ändern.

00:17:19.440 --> 00:17:20.440
Das ist richtig.

00:17:20.440 --> 00:17:24.960
Dementsprechend ist so eine Planung, eine Initialplanung gut und wichtig, aber man muss

00:17:24.960 --> 00:17:28.720
da wirklich immer dranbleiben, datenbasiert einfach zu kontrollieren, sind wir noch auf

00:17:28.720 --> 00:17:29.720
dem richtigen Weg.

00:17:29.720 --> 00:17:33.000
Also "Plan for every part" ist das A und O, ganz klar.

00:17:33.000 --> 00:17:36.040
Das ist der Triumph- und Angelpunkt für euch dann in der Planung.

00:17:36.040 --> 00:17:41.000
Genau, definitiv und da muss man dazu noch sagen, haben wir einen Greenfield oder einen

00:17:41.000 --> 00:17:45.400
Brownfield, sind wir jetzt im Greenfield unterwegs, haben wir auch festgestellt, was extrem wichtig

00:17:45.400 --> 00:17:50.920
ist, beispielsweise die Fabrikplanungsbereiche dann, dass man gemeinsam sich mit denen abstimmt

00:17:50.920 --> 00:17:55.760
und nicht aneinander vorbeiplant, denn das ist natürlich alles voneinander abhängig,

00:17:55.760 --> 00:18:00.920
wie viel Platz brauche ich denn wofür, wie groß sind die Produktionslager, wie gestalte

00:18:00.920 --> 00:18:05.360
ich die Bahnhöfe, was für Equipment nutze ich für den Routenzug, das bedingt sich ja

00:18:05.360 --> 00:18:10.160
alles und da ist es ganz, ganz wichtig, dass man da auf eine Linie fährt und das hatte

00:18:10.160 --> 00:18:15.160
ich auch schon erwähnt, bei unserem globalen Standard sind genau diese Bereiche auch involviert

00:18:15.160 --> 00:18:16.160
worden.

00:18:16.160 --> 00:18:19.600
Das haben wir jetzt nicht gesagt, Intralogistik, wir wissen wie das funktioniert, nein, nein,

00:18:19.600 --> 00:18:24.160
sondern wir haben gesagt, okay, in einem Greenfield, ihr seid dabei, wir müssen gemeinsam überlegen,

00:18:24.160 --> 00:18:26.120
wie kriegen wir das auf die Bahn.

00:18:26.120 --> 00:18:32.920
Du hast jetzt "Plan for every part" ja erwähnt, ich hoffe mal, dass es viele kennen, ich weiß

00:18:32.920 --> 00:18:37.000
es aber ehrlich gesagt nicht so richtig, es ist ja, also hören jetzt ja nicht nur Logistikexperten

00:18:37.000 --> 00:18:41.280
zu, ich sage immer ganz gerne, es ist eigentlich so ein bisschen wie eine logistische Stückliste

00:18:41.280 --> 00:18:43.880
oder ein logistisches Mengengerüst dazu.

00:18:43.880 --> 00:18:48.960
Du hast es gerade schon beschrieben, da sind alle Teile drin, aber halt eben mit der Frage,

00:18:48.960 --> 00:18:50.360
wo sie angeliefert werden müssen.

00:18:50.360 --> 00:18:55.200
Was sind so Informationen, die ihr da mit drin habt in dem logistischen Mengengerüst und

00:18:55.200 --> 00:18:56.880
wie verändert sich das auch über die Planung?

00:18:56.880 --> 00:19:02.480
Ja, das ist genau der Punkt, also im Endeffekt musst du ja wissen, wo muss welches Material

00:19:02.480 --> 00:19:08.000
hin in die Produktion, das heißt, du hast ein gewisses Layout, was dazu führt, wo ein

00:19:08.000 --> 00:19:13.680
Produktionslager stehen wird, wo dann auch dementsprechend der Bahnhof oder die Haltestelle

00:19:13.680 --> 00:19:18.840
stehen wird und da muss ich mir genau anschauen, okay, welche Teilnummern sind das, wie sind

00:19:18.840 --> 00:19:24.520
die Verbräuche, welche Abrufe sind dort, gibt es auch aus der ABCXYZ-Analyse irgendwelche

00:19:24.520 --> 00:19:29.720
Ausreißer, gibt es eine Kanbansteuerung oder ist das nur auftragsbezogen und in welchen

00:19:29.720 --> 00:19:34.760
Behältern wird das Material denn auch eingelagert, bei uns im Hauptlager will aber vielleicht

00:19:34.760 --> 00:19:40.600
auch anders abgerufen werden aus der Produktion, also im Endeffekt versuchst du so viel Transparenz

00:19:40.600 --> 00:19:45.320
wie möglich herauszufinden, was eigentlich die Produktion am Ende des Tages möchte.

00:19:45.320 --> 00:19:51.640
Du kennst das wahrscheinlich auch, die sagen, ich brauche das Material und dann hört es

00:19:51.640 --> 00:19:56.040
gefühlt auf und so funktioniert es natürlich nicht, sondern man muss gemeinsam die Anforderungen

00:19:56.040 --> 00:20:02.600
definieren, welches Material brauchen sie in welcher Menge und auch in welchen Behältern,

00:20:02.600 --> 00:20:05.920
weil nur weil die Logistik sagt, ein großer Behälter ist schön für uns, dann müssen

00:20:05.920 --> 00:20:09.880
wir seltener fahren und den können wir auch schön handeln, heißt das nicht, dass der

00:20:09.880 --> 00:20:15.040
in der Produktion nachher auch genutzt werden möchte, weil man dann eben längere Reichweiten

00:20:15.040 --> 00:20:18.960
hat, vielleicht auch die schlechter in den Arbeitssystem integrieren kann.

00:20:18.960 --> 00:20:24.800
Also am Ende des Tages, um es in einem Satz zu sagen, ich möchte genau wissen, was die

00:20:24.800 --> 00:20:29.560
Produktion an welchem Produktionsbereich für Teile in welcher Form haben möchte und wie

00:20:29.560 --> 00:20:30.560
regelmäßig.

00:20:30.560 --> 00:20:31.560
Ja, sehr gut.

00:20:31.560 --> 00:20:38.120
Ich meine, das ist der Ausgangspunkt auch am Ende von der Planung, die Anforderungen

00:20:38.120 --> 00:20:39.120
aus der Produktion.

00:20:39.120 --> 00:20:41.640
Du hast es selber auch schon beschrieben, genauso brauchen wir natürlich auch alle

00:20:41.640 --> 00:20:47.040
Informationen aus der Logistik, wie habe ich das in meinem Hauptlager, das Teil, was für

00:20:47.040 --> 00:20:53.040
Verpackungen, Ladungsträger und so weiter, Füllgrade und nutzt ihr diesen Plan für

00:20:53.040 --> 00:20:57.520
wie part dann auch als Ergebnis der Planung, also hinterlegt ihr dann dort auch zum Beispiel

00:20:57.520 --> 00:21:01.640
die Routen und die Verbindung dann auch zu zum Beispiel Trolleys und ähnlichem, wie

00:21:01.640 --> 00:21:02.640
nutzt ihr das in der Planung?

00:21:02.640 --> 00:21:04.640
Also mehr oder weniger genau.

00:21:04.640 --> 00:21:08.040
Also wir nehmen es erstmal als Ausgangsbasis, wie du richtig gesagt hast, muss auch der

00:21:08.040 --> 00:21:11.080
Abgleich erfolgen mit dem Hauptlager.

00:21:11.080 --> 00:21:15.080
Ich meine, aus der Wertstromsicht wird es immer so sein, dass man versucht, in dem Fall

00:21:15.080 --> 00:21:18.360
der Produktion, im besten mögliche Anlieferungen zu gewährleisten.

00:21:18.360 --> 00:21:23.440
Zur selben Zeit muss man aber auch schauen, also wenn jetzt zum Beispiel dasselbe Teil

00:21:23.440 --> 00:21:27.920
in zwei Bereichen in unterschiedlichen Behältern angefordert werden sollte, ob man nicht vielleicht

00:21:27.920 --> 00:21:32.080
auch gemeinsam schauen kann, ob das standardisiert werden kann auf einen Behälter, weil das

00:21:32.080 --> 00:21:34.960
ja insgesamt zu einer Prozesseffizienz führt.

00:21:34.960 --> 00:21:40.600
Das ist das eine und dann, wie du vorhin auch gesagt hast, man muss sich dann gegebenenfalls

00:21:40.600 --> 00:21:46.240
auch den Änderungen, also ich sage mal gerade was Absatzzahlen oder Produktionslosgrößen

00:21:46.240 --> 00:21:49.560
und so weiter betreffen, dass man dann eben auch schaut, ändert sich dann vielleicht

00:21:49.560 --> 00:21:51.240
auch was an der Anlieferform.

00:21:51.240 --> 00:21:57.400
Und das Ergebnis der Planung, das mündet natürlich dann in den Routen und auch in dem Equipment,

00:21:57.400 --> 00:21:58.400
was dort zu nutzen ist.

00:21:58.400 --> 00:22:02.960
Weil wenn ich weiß, welche Ladungsträger ich transportieren will, dann kann ich natürlich

00:22:02.960 --> 00:22:08.240
auch das Equipment auswählen und sagen, okay, basierend auf dem, wie wir es heute transportieren

00:22:08.240 --> 00:22:10.360
sollen, nehme ich das und das Equipment.

00:22:10.360 --> 00:22:14.120
Wenn wir jetzt so den gesamten Planungsprozess anschauen, habt ihr den irgendwie in Phasen

00:22:14.120 --> 00:22:18.880
unterteilt, dass man sagen kann, okay, das sind so die Hauptschritte, die man durchläuft

00:22:18.880 --> 00:22:20.080
für die Planung eines Routenzüges?

00:22:20.080 --> 00:22:26.280
Genau, also da haben wir im Prinzip eine Art iteratives Prozessmodell, wie Eingangs erwähnt,

00:22:26.280 --> 00:22:33.440
wo man wirklich anfängt mit dem erstmal Awareness schaffen, hin zur Datenanalyse, dann sind

00:22:33.440 --> 00:22:38.000
beispielsweise auch die Kollegen aus Operation Excellence dabei, die dann mit ihren Wertströmen

00:22:38.000 --> 00:22:43.520
auch wichtige Informationen liefern und dass man dann ein Stück weit auch zur Equipment-Auswahl

00:22:43.520 --> 00:22:50.760
kommt und zur Routenbildung und dass man dann im Endeffekt im Regelfall, gerade im Greenfield,

00:22:50.760 --> 00:22:56.560
auch eine Art Pilot macht, um zu erklären, okay, so sieht die Steuerung aus, so sieht

00:22:56.560 --> 00:23:01.720
der Prozess aus und dann die anderen Routen im Prinzip dann nachzieht und basierend auf

00:23:01.720 --> 00:23:03.640
der Initialplanung umsetzt.

00:23:03.640 --> 00:23:04.640
Ja, super.

00:23:04.640 --> 00:23:06.360
Das ist schon die perfekte Überleitung, weil das ist ja nämlich auch meine nächste

00:23:06.360 --> 00:23:10.200
Frage gewesen, wie sieht denn der Rollout aus und dann auch die Einführung konkret,

00:23:10.200 --> 00:23:12.920
weil das ist wahrscheinlich mit der spannendste Punkt.

00:23:12.920 --> 00:23:18.040
Man hat eine tolle Planung gemacht, die steht jetzt erstmal auf Papier oder digital und

00:23:18.040 --> 00:23:20.360
dann geht es darum, die entsprechend umzusetzen.

00:23:20.360 --> 00:23:24.240
Gibt es da Erfahrungen, wo du sagst, das sind Dinge, die man auf jeden Fall berücksichtigen

00:23:24.240 --> 00:23:25.240
sollte?

00:23:25.240 --> 00:23:28.280
Eins wäre jetzt schon mit einem Pilot zu starten, also mit einem Routenzug heißt das

00:23:28.280 --> 00:23:29.520
wahrscheinlich dann oder mit einer Route.

00:23:29.520 --> 00:23:34.600
Genau, also erst mal muss man dazu sagen, dass wir bei festem und hohem Anspruch auf

00:23:34.600 --> 00:23:38.520
unsere Standards haben, das wird jedes Unternehmen sagen, aber was meine ich jetzt genau damit?

00:23:38.520 --> 00:23:42.280
Ich meine damit, dass wir uns, obwohl wir jetzt bereichsübergreifend diesen Standard

00:23:42.280 --> 00:23:47.080
entwickelt haben, nicht zurücklehnen und sagen, das ist es, ja das funktioniert gut,

00:23:47.080 --> 00:23:49.040
sondern wir haben etwas, das nennt sich Challenge-Prozess.

00:23:49.040 --> 00:23:56.360
Das bedeutet, bevor wir diesen Standard global freigeben, lassen wir uns neudeutsch challengen.

00:23:56.360 --> 00:24:02.800
Wir laden also unterschiedliche Business-Partner ein, diesen Standard zu prüfen und ganz kritisch

00:24:02.800 --> 00:24:08.600
zu hinterfragen, ist das so auch anwendungsnah oder gibt es Verbesserungspotenzial und da

00:24:08.600 --> 00:24:13.280
sind natürlich viele der Business-Partner wirklich die Logistikleiter der Werke oder

00:24:13.280 --> 00:24:17.200
auch die Teamleiter aus dem Bereich, wo der Routenzug eingesetzt werden soll, die dann

00:24:17.200 --> 00:24:22.120
ganz kritisch aus ihrer Anwendungssicht schauen, okay, ist denn das, was ihr euch in gewisser

00:24:22.120 --> 00:24:24.520
Weise theoretisch überlegt habt, auch anwendungsnah?

00:24:24.520 --> 00:24:30.520
So und das ist der erste Schritt, glaube ich, Richtung Validierung, den Standard erst mal

00:24:30.520 --> 00:24:35.280
abnehmen zu lassen und Richtung Pilotierung haben wir jetzt auch das Glück, dass wir

00:24:35.280 --> 00:24:40.960
zwei neue Werke in den letzten Jahren gebaut haben bzw. im Prozess sind diese zu bauen

00:24:40.960 --> 00:24:45.080
und genau da kann man natürlich den Standard jetzt wunderbar testen, weil wir jetzt nicht

00:24:45.080 --> 00:24:48.480
unbedingt in irgendein Werk gehen müssen, was schon einen hat oder vielleicht überlegt

00:24:48.480 --> 00:24:54.360
einen haben zu wollen, sondern zu sagen, Standard ist jetzt abgenommen, final, jetzt gucken

00:24:54.360 --> 00:24:58.920
wir aber mal, ob das auch eins zu eins so funktioniert und ich bin mir ziemlich sicher,

00:24:58.920 --> 00:25:02.080
so gut auch unser Standard ist, wir werden ihn noch verbessern können.

00:25:02.080 --> 00:25:07.400
Aber das zeigt ja auch einen guten Standard aus, dass er lebt und weiterentwickelt wird.

00:25:07.400 --> 00:25:14.080
Also natürlich ein Best Practice definiert auch festhält, aber heißt ja nicht, dass

00:25:14.080 --> 00:25:16.080
er dann auf immer und ewig so sein muss.

00:25:16.080 --> 00:25:23.840
Dafür gibt es ja auch ein KVP, dass man wirklich auch kontinuierlich ein Stück weit hinterfragt,

00:25:23.840 --> 00:25:25.160
was kann man da vielleicht noch besser machen.

00:25:25.160 --> 00:25:26.160
Genau, super.

00:25:26.160 --> 00:25:30.880
Du hast jetzt so beschrieben, dass ihr auch die verschiedenen Bereiche dazu genommen habt,

00:25:30.880 --> 00:25:33.880
auch eben jetzt Werke habt, wo ihr sagt, ihr könnt es ausrollen.

00:25:33.880 --> 00:25:37.360
Waren die dann auch schon bei der Erstellung mit beteiligt oder wie habt ihr das bei der

00:25:37.360 --> 00:25:38.480
Entwicklung des Standards gemacht?

00:25:38.480 --> 00:25:41.840
Sehr gute Frage, hätte ich vielleicht auch noch mal erwähnt.

00:25:41.840 --> 00:25:46.760
Also genau diese neuen Werke waren auch schon involviert, dass wir dann jetzt nicht nur gesagt

00:25:46.760 --> 00:25:50.760
haben, wir haben danach Richtung Validierung, dann nehmen wir dann eher Werke, die Routenzüge

00:25:50.760 --> 00:25:56.360
schon fahren, sondern wir haben während der Standarderstellung diese Werke auch schon einbezogen

00:25:56.360 --> 00:26:02.800
und auch ein Stück weit, sag mal on the fly, den Standard schon ein Stück weit gechallenged

00:26:02.800 --> 00:26:08.320
und geschaut, ob das soweit eigentlich alles passt und konnten da auch sicherlich einige

00:26:08.320 --> 00:26:13.560
gute Erkenntnisse ausentnehmen und ich denke, wir haben da wirklich ein richtig gutes Ergebnis

00:26:13.560 --> 00:26:14.560
gemacht.

00:26:14.560 --> 00:26:18.000
Wenn wir jetzt über den Rollout reden, ist ja dann auch so ein bisschen die Frage, wer

00:26:18.000 --> 00:26:19.480
macht dann zukünftig die Planung?

00:26:19.480 --> 00:26:23.440
Also wird die Planung von den Routenzügen bei euch dann zentral gemacht oder ist dann

00:26:23.440 --> 00:26:28.720
auch ein Plan, die Mitarbeiter in den einzelnen Werken zu befähigen, dass sie das auch kontinuierlich

00:26:28.720 --> 00:26:29.720
dann selber machen können?

00:26:29.720 --> 00:26:30.720
Also sowohl als auch.

00:26:30.720 --> 00:26:36.800
Im Endeffekt, ich finde das ganz gut, immer diese Analogie, dass wir jetzt nicht den Werken

00:26:36.800 --> 00:26:40.440
immer die Fische nur geben, sondern wir wollen jetzt schon das Anglerzeug geben, dass sie

00:26:40.440 --> 00:26:42.280
auch selber in der Lage sind zu angeln.

00:26:42.280 --> 00:26:47.600
Nichtsdestotrotz ist es auch illusorisch zu sagen, jetzt gibt es einen Standard und jetzt

00:26:47.600 --> 00:26:52.640
macht das jeder mal separat in jedem Werk für sich alleine, sondern es wird gerade,

00:26:52.640 --> 00:26:58.320
ich denke, in der Implementierungsphase wichtig sein, dass man dabei ist, dass man es gemeinsam

00:26:58.320 --> 00:27:03.200
macht und wenn dann auch das Wissen und die Kompetenz im Werk vorhanden ist, dann kann

00:27:03.200 --> 00:27:10.240
ein Rollout, zweite, dritte Route oder vielleicht auch Erweiterung von Routen, das kann dann

00:27:10.240 --> 00:27:16.280
in der Regel auch durchs Werk alleine erfolgen und wir sind ja auch im Regelaustausch, kann

00:27:16.280 --> 00:27:21.200
man ja dann auch sich immer wieder austauschen, inwiefern vielleicht ein Support nötig ist

00:27:21.200 --> 00:27:24.560
oder ob man es aus der Governance alleine schafft.

00:27:24.560 --> 00:27:25.560
Sehr gut.

00:27:25.560 --> 00:27:31.240
Ein weiteres Thema, was ja auch unheimlich wichtig ist, wenn wir über intralogistische

00:27:31.240 --> 00:27:35.720
Prozesse reden, ist das ganze Thema Digitalisierung, die IT im Hintergrund.

00:27:35.720 --> 00:27:39.320
Wie ist das bei euch, wenn wir jetzt über die Milkruns reden, was für eine Rolle spielt

00:27:39.320 --> 00:27:40.640
da die Software?

00:27:40.640 --> 00:27:45.000
Genau, also ich habe es ja vorhin schon mal erwähnt, Daten sind da natürlich nicht nur

00:27:45.000 --> 00:27:49.320
bei der Planung wichtig, sondern auch beim Betrieb, dass man wirklich auch prüfen kann,

00:27:49.320 --> 00:27:53.320
inwiefern ist der Routenzug jetzt so wie er eingesetzt ist optimal.

00:27:53.320 --> 00:27:58.400
Da wäre ideal ein Transport-Light-System, das haben wir jetzt noch nicht in allen Werken,

00:27:58.400 --> 00:28:03.800
da sind wir noch dran, das ein Stück weit nachzuziehen, wo wir es vermehrt bei der Standardisierung

00:28:03.800 --> 00:28:05.480
sehen, ist das Thema Warehouse-Management-System.

00:28:05.480 --> 00:28:11.520
Da haben wir jetzt in immer mehr Werken das Extended Warehouse-Management von SAP als Standard

00:28:11.520 --> 00:28:18.520
implementiert und dann geht die Reise auch, dass wir bei uns in der globalen IT-Architektur

00:28:18.520 --> 00:28:27.000
das EWM überall vorfinden und basierend auf dem WMS-Standard dann eben auch weitere Software-Applikationen

00:28:27.000 --> 00:28:32.600
ausrollen, zum Beispiel das Transport-Light-System, um die Routenzüge noch effektiver zu steuern

00:28:32.600 --> 00:28:34.320
oder auch noch mehr Daten zu gewinnen.

00:28:34.320 --> 00:28:38.920
Aber ich muss auch gleichzeitig sagen, weiß nicht wie du das siehst, aber ein Tool oder

00:28:38.920 --> 00:28:40.960
eine Software löst ja auch nicht alles.

00:28:40.960 --> 00:28:45.600
Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass der Prozess funktioniert, dass vor allem die,

00:28:45.600 --> 00:28:50.360
die den Prozess nachher leben, auch wissen, was sie tun und wenn das sehr gut organisiert

00:28:50.360 --> 00:28:53.960
ist, dann unterstützt nachher diese Software oder dieses Tool.

00:28:53.960 --> 00:28:57.200
Und da sind wir jetzt gerade an dem Punkt zu sagen, wir wollen eigentlich erstmal den

00:28:57.200 --> 00:29:04.200
Prozess möglichst optimal planen und auch leben und dann zusätzlich durch die Tools

00:29:04.200 --> 00:29:05.200
ergänzen.

00:29:05.200 --> 00:29:07.080
Also das ist absolut richtig.

00:29:07.080 --> 00:29:11.560
Wenn ihr jetzt den Prozess, den Routenzugprozess standardisiert habt, dann hilft das euch nachher

00:29:11.560 --> 00:29:12.960
massiv in der Digitalisierung.

00:29:12.960 --> 00:29:16.600
Wenn jeder das komplett unterschiedlich macht, wird es schwierig, das auch mit der tollsten

00:29:16.600 --> 00:29:20.200
Software der Welt dann standardisiert abzubilden, wenn jedes Werk das anders macht.

00:29:20.200 --> 00:29:21.640
Also von dem her ist der Weg genau richtig.

00:29:21.640 --> 00:29:25.200
Aber andersrum hilft es natürlich dann auch, standardisiertes Software zu haben, um dann

00:29:25.200 --> 00:29:26.520
den Prozess zu standardisieren.

00:29:26.520 --> 00:29:30.200
Also es ist beides in beide Richtungen.

00:29:30.200 --> 00:29:38.600
Man muss natürlich dazu auch sagen, im ERP, also da sind wir ja schon immer an einem Standard

00:29:38.600 --> 00:29:43.000
gewesen und da ist natürlich so, was nachher in der Produktion passiert aus materiellem

00:29:43.000 --> 00:29:47.440
Flusssicht, das findet ja in erster Linie erstmal im ERP statt, zumindest an der Schnittstelle

00:29:47.440 --> 00:29:51.480
zur Logistik und da müssen ja ohnehin nach Standards gearbeitet werden.

00:29:51.480 --> 00:29:56.960
Also ich nenne jetzt mal die Begriffe Produktionslager, Produktionsversorgungsbereich, Anlieferziele,

00:29:56.960 --> 00:30:02.320
das sind SAP Stammdaten und die müssen natürlich dann auch standardisiert gepflegt werden.

00:30:02.320 --> 00:30:05.400
Also das sind so die Sachen, an die ich gar nicht im ersten Moment immer denke, weil das

00:30:05.400 --> 00:30:09.600
für mich ganz normal ist, aber klar, wenn ich jetzt in ein neues Werk gehe und sage,

00:30:09.600 --> 00:30:14.000
jetzt machen wir mal einen Routenzug gemeinsam und planen das mal, dann ist genau das ein

00:30:14.000 --> 00:30:16.920
Ergebnis, dass wir am Ende auch diese Stammdaten sauber gepflegt haben.

00:30:16.920 --> 00:30:19.360
Ja klar, wenn ein Werk neu ist, muss man das auch erstmal aufbauen.

00:30:19.360 --> 00:30:21.840
Richtig, beim neuen Werk ohnehin.

00:30:21.840 --> 00:30:25.360
Sehr gut, ja vielen Dank für den Einblick da.

00:30:25.360 --> 00:30:29.360
Ich möchte zum Abschluss noch mit dir den Blick nach vorne wagen und einen Ausblick

00:30:29.360 --> 00:30:34.760
machen, weil wir sind ja schon zum Start, sind ein bisschen eingestiegen, naja wie bedeutsam

00:30:34.760 --> 00:30:37.680
sind Routenzüge überhaupt noch in Anführungszeichen?

00:30:37.680 --> 00:30:42.920
Und das ist ja auch nicht eine ganz unberechtigte Frage, weil eben das Thema Direkttransporte

00:30:42.920 --> 00:30:47.960
natürlich durch die Automatisierung massiv an Fahrt gewonnen hat, auch durch die immer

00:30:47.960 --> 00:30:51.200
höhere Flexibilität, wenn wir jetzt nicht nur über fahrende Transportsysteme reden,

00:30:51.200 --> 00:30:55.480
sondern auch über AMRs, also autonome Transportroboter, wenn man das jetzt mal übersetzen will.

00:30:55.480 --> 00:30:57.680
Wie siehst du das?

00:30:57.680 --> 00:31:03.200
Ist das ein Trend, den du da auch wahrnimmst, dass die AMRs so ein bisschen den Routenzügen

00:31:03.200 --> 00:31:05.280
den Rang ablaufen oder vielleicht auch immer mehr ablaufen werden?

00:31:05.280 --> 00:31:10.720
Also es ist definitiv ein Trend, ja, wenn man, ich sage mal, regelmäßig zur Logimat

00:31:10.720 --> 00:31:15.120
geht, beispielsweise dann stellt man das ja immer mehr fest, dass der Anteil der Hersteller

00:31:15.120 --> 00:31:18.880
von fahrlosen Transportfahrzeugen oder auch von AMRs immer weiter steigt.

00:31:18.880 --> 00:31:23.760
Nichtsdestotrotz, wir setzen beides bei Festo ein.

00:31:23.760 --> 00:31:28.680
Wir haben auch in verschiedenen Werken unterschiedliche fahrlose Transportfahrzeuge oder AMRs, also

00:31:28.680 --> 00:31:30.120
ich unterscheide da mal nicht so richtig.

00:31:30.120 --> 00:31:36.160
Genau, das setzen wir auf jeden Fall ein, aber ich glaube es zumindest für Festo kurz-

00:31:36.160 --> 00:31:41.320
bis mittelfristig illusorisch, dass die komplett die Routenzüge ablösen würden, wenn dann

00:31:41.320 --> 00:31:47.000
eher der Schritt dahin zu gehen, zu sagen, kann ich vielleicht den Routenzug als solchen

00:31:47.000 --> 00:31:50.080
autonom steuern, das wäre sicherlich auch eine denkbare Lösung.

00:31:50.080 --> 00:31:54.200
Da sind wir wieder bei der Eingangsfrage, wie sieht der nachfolgende Prozess aus?

00:31:54.200 --> 00:32:00.100
Hat der Routenzugfahrer in seiner doch vorhandenen Flexibilität Sinn an der Stelle oder geht

00:32:00.100 --> 00:32:04.320
es mir wirklich darum, den Transport nur zu automatisieren?

00:32:04.320 --> 00:32:10.960
Was glaube ich ganz wichtig dabei ist, und das kennst du auch sehr gut, das Thema End-to-End.

00:32:10.960 --> 00:32:17.560
Also wenn ich es nicht schaffen sollte, meinen AMR so zu integrieren, dass ich sowohl bei

00:32:17.560 --> 00:32:24.360
der Aufnahme der Ware als auch bei der Abgabe der Ware kein manuelles Handling dabei habe,

00:32:24.360 --> 00:32:27.040
dann ist in der Regel der Business Case schon fast gestorben.

00:32:27.040 --> 00:32:33.640
Und zusätzlich ist es so, umso mehr unterschiedliche Materialien ich habe, umso höher meine Varianz

00:32:33.640 --> 00:32:36.840
bei den Ladehilfsmitteln wird, umso schwieriger ist es.

00:32:36.840 --> 00:32:38.760
Das ist gut zu automatisieren, ja.

00:32:38.760 --> 00:32:44.160
Ja, aus meiner Sicht, man sieht doch viele Paletten dann immer fahren und bei uns sind

00:32:44.160 --> 00:32:47.600
Paletten eigentlich eher das untergeordnete Medium in der Produktion.

00:32:47.600 --> 00:32:53.120
Wir sind da wirklich auch aus Staubsicht und so weiter ganz klar bei den Behältern, da

00:32:53.120 --> 00:32:57.880
ist ja immer sehr viel Elektronik noch, da braucht man dann ohnehin ESD-konforme Behälter.

00:32:57.880 --> 00:33:03.960
Und ja, da sehe ich es doch ein bisschen kritisch, ob das so schnell gehen wird.

00:33:03.960 --> 00:33:09.280
Also du meinst, die Behältervielfalt dann generell mit Fahrlosen- und Transportsystemen

00:33:09.280 --> 00:33:11.280
abzubilden, ist schon eine Herausforderung.

00:33:11.280 --> 00:33:16.200
Und dann auch das Thema Übergabe, also die Schnittstellen, das sehe ich auch, definitiv.

00:33:16.200 --> 00:33:22.360
Und ja, wie du schon gesagt hast, eine Option wäre es ja, den Rundzug zu automatisieren.

00:33:22.360 --> 00:33:26.240
Aber da siehst du, wenn ich dich gerade richtig verstanden habe, eigentlich auch nur den Transport

00:33:26.240 --> 00:33:29.440
selber in der Automatisierung und gar nicht so sehr dann auch die Schnittstellen.

00:33:29.440 --> 00:33:33.200
Oder kannst du dir vorstellen, dass man so einen vollautonomen Rundenzug mittelfristig

00:33:33.200 --> 00:33:34.200
hinbekommt?

00:33:34.200 --> 00:33:35.200
Da muss ich ehrlicherweise passen.

00:33:35.200 --> 00:33:38.480
Ich weiß nicht, ob es das in der Form schon gibt, also dass der Rundenzug selber fahren

00:33:38.480 --> 00:33:39.480
kann, das weiß ich schon.

00:33:39.480 --> 00:33:41.360
Da haben wir uns auch schon mal Lösungen angeschaut.

00:33:41.360 --> 00:33:46.880
Aber gerade das Thema, wie belade ich den und wie entnehme ich die Ware und zwar nicht

00:33:46.880 --> 00:33:50.560
so, dass es nur irgendwo steht, sondern dass es eigentlich da steht, wo es hingehört.

00:33:50.560 --> 00:33:52.560
Und das, glaube ich, macht es richtig.

00:33:52.560 --> 00:33:55.840
Und das macht es, glaube ich, am Ende schon recht komplex.

00:33:55.840 --> 00:33:58.920
Und da bin ich wieder bei dem, was ich vor fünf Minuten gesagt habe.

00:33:58.920 --> 00:34:02.080
Ich glaube, der Prozess ist ganz wichtig und entscheidend.

00:34:02.080 --> 00:34:07.360
Wenn ich den erst mal perfektioniere, dann bin ich noch gar nicht an der Stelle, ob ich

00:34:07.360 --> 00:34:09.400
den unbedingt automatisieren muss.

00:34:09.400 --> 00:34:15.520
Und ihr stellt doch immer wieder fest, der Mensch ist gerade im Logistikbereich eine

00:34:15.520 --> 00:34:17.520
oft auch spielungsversetzende Ressource.

00:34:17.520 --> 00:34:19.520
Zum Glück, finde ich.

00:34:19.520 --> 00:34:24.840
Ja, also man sagt ja immer, das sind so simple Tätigkeiten, aber da sieht man dann doch,

00:34:24.840 --> 00:34:29.040
wie groß die Vielfalt und Varianz ist und was da alles im wahrsten Sinne des Wortes

00:34:29.040 --> 00:34:30.040
gehandelt werden muss.

00:34:30.040 --> 00:34:31.040
Ja, definitiv.

00:34:31.040 --> 00:34:38.800
Was mir dann aber auch gleich einfällt, ist, dass es natürlich schon auch Ansätze gibt,

00:34:38.800 --> 00:34:41.320
auch gerade Kleinladungsträger automatisiert zu handeln.

00:34:41.320 --> 00:34:45.560
Habt ihr euch mit solchen Ansätzen mal beschäftigt, jetzt abseits vom klassischen Rundenzug?

00:34:45.560 --> 00:34:46.560
Absolut, ja.

00:34:46.560 --> 00:34:53.280
Also wir haben auch schon mal Studien bei uns in einem der Werke gemacht, um mal festzustellen,

00:34:53.280 --> 00:34:57.360
gibt es denn vielleicht, ich nenne es jetzt mal intelligentere Lösungen, wie man so ein

00:34:57.360 --> 00:34:59.320
AMA auch einsetzen kann.

00:34:59.320 --> 00:35:04.600
Da gibt es ja durchaus Lösungen am Markt, die automatisch die Behälter aufnehmen und

00:35:04.600 --> 00:35:05.840
auch wieder abgeben können.

00:35:05.840 --> 00:35:11.320
Aber was wir damals, da war es auch noch ein Startup, festgestellt haben, es kommt wirklich

00:35:11.320 --> 00:35:13.400
sehr stark auf deine Struktur vor Ort an.

00:35:13.400 --> 00:35:16.960
Also ich sage mal, wenn ich jetzt ein neues Werk baue, dann kann ich mir ein Stück weit

00:35:16.960 --> 00:35:23.480
auch die Anforderungen vom Transportprozess oder vielleicht auch in dem Fall von dem AMA

00:35:23.480 --> 00:35:26.200
ein Stück weit in die Planung mit einbeziehen.

00:35:26.200 --> 00:35:30.640
Bin ich im Brownfield unterwegs, stelle ich doch oft fest, das muss ich umbauen, da komme

00:35:30.640 --> 00:35:33.360
ich gar nicht richtig ran, hier das und jenes.

00:35:33.360 --> 00:35:38.120
Und dann, ich sage mal, ist es ja zwungen.

00:35:38.120 --> 00:35:41.120
Und ja, zwungene Lösungen sind in der Regel nicht die besten Lösungen.

00:35:41.120 --> 00:35:42.120
Ja, das ist richtig.

00:35:42.120 --> 00:35:46.240
Man sollte eigentlich vom Prozess zum Equipment kommen und nicht andersrum.

00:35:46.240 --> 00:35:49.960
Und manchmal habe ich das Gefühl, wir versuchen eine tolle Lösung, die wir irgendwo sehen,

00:35:49.960 --> 00:35:52.960
zu sagen, jetzt müssen wir mal gucken, wie wir das irgendwie bei uns in die Produktion

00:35:52.960 --> 00:35:53.960
kriegen.

00:35:53.960 --> 00:35:56.880
Und das kann funktionieren, muss aber nicht.

00:35:56.880 --> 00:36:03.200
Aber ich sage es dir ganz ehrlich, wir haben jetzt noch eine Werksplanung in der Pipeline

00:36:03.200 --> 00:36:09.360
und da ist unser Ziel eigentlich schon, dass wir auch mal dieses End-to-End schaffen.

00:36:09.360 --> 00:36:12.440
Also automatisiert aber dann.

00:36:12.440 --> 00:36:18.240
Genau, wir haben ja jetzt schon fahrlose Transportfahrzeuge bei uns im Produktionsverbund, aber da geht

00:36:18.240 --> 00:36:26.880
es wirklich darum, ein Stück weit vom Einlagern bis hin zum Verbau einer Produktion kein manuelles

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Handling zu haben.

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Und das ist auch realistisch, aber, sage ich auch ganz gerne einschränkend, weil es genau

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für dieses Werk und für diese Produktionsstruktur passt.

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Ja, ich sage mal technologisch geht das alles.

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Also da kann man auch vieles machen.

00:36:42.840 --> 00:36:44.440
Aus meiner Sicht sind immer zwei Fragen.

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Was für einen Aufwand muss ich betreiben?

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Dann kommen wir wieder zum Thema Wirtschaftlichkeit.

00:36:47.720 --> 00:36:50.640
Und das andere ist, wie flexibel ist das dann nachher auch noch?

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Und das ist das, wo man ja gerade da auch eine große Stärke hat mit den bisherigen

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Systemen, auch wenn sie manuell sind.

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Ja, sehr interessant auch zu sehen, wie sich das bei euch weiterentwickelt.

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Danke auch für den Einblick und bin gespannt, was sich dann die nächsten Jahre bei euch

00:37:09.280 --> 00:37:10.280
tut.

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Danke, Alex.

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Gerne.

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Ciao.