WEBVTT

00:00:00.980 --> 00:00:06.380
Hattest du eigentlich schon gesagt, wie wichtig die Farbenlehre für Goethe ist?

00:00:08.240 --> 00:00:13.340
Das habe ich wahrscheinlich schon gesagt, aber man kann es gar nicht oft genug sagen.

00:00:13.540 --> 00:00:19.500
Er hat es ja bekanntlich über seine Dichtkunst und seine Dichtungen gestellt, ja.

00:00:19.300 --> 00:00:35.940
Er sagt gegen Ende seines Lebens zu Eckermann, auf alles, was ich als Poet geleistet habe, bilde ich mir gar nichts ein. Dass ich aber in meinem Jahrhundert in der schwierigen Wissenschaft der Farbenlehre der Einzige bin, der das Rechte weiß, darauf tue ich mir etwas zugute.

00:00:57.800 --> 00:01:01.440
Hallo und willkommen zur elften Folge des Goethe-Podcasts.

00:01:01.620 --> 00:01:04.059
den es so auf der Welt nicht noch einmal gibt.

00:01:04.320 --> 00:01:09.119
Denn hier erfahrt ihr alles über Johann Wolfgang von Goethe und seine Naturwissenschaft.

00:01:09.960 --> 00:01:15.040
Nicht sein literarisches Werk, also vielleicht ein bisschen, aber das ist hier nicht unser Hauptanliegen.

00:01:16.020 --> 00:01:21.899
Ihr hört meinen Freund Thomas Schmuck, der ist verantwortlich für die naturwissenschaftliche Sammlung in Weimar am Goethe-Haus.

00:01:22.700 --> 00:01:26.880
Und ihr hört mich, Marcus Anhäuser, ich bin Wissenschaftsjournalist und stelle hier die Fragen.

00:01:28.540 --> 00:01:36.740
Dies ist der zweite Teil über Goethes Farbenlehre, die er, wie ihr eben gehört habt, als sein aller, aller wichtigstes Werk betrachtet hat.

00:01:37.680 --> 00:01:40.000
Was die Welt davon hält, erfahrt ihr heute.

00:01:41.420 --> 00:01:43.960
Und es ist nicht ganz so eindeutig, wie ich vermutet hatte.

00:01:44.880 --> 00:01:47.580
Jetzt erstmal viel Spaß beim Zuhören und los geht's.

00:01:48.860 --> 00:01:55.620
Ah, stopp, eins noch. An einigen wenigen Stellen klingt der Podcast diesmal nicht ganz so gut wie gewohnt.

00:01:56.080 --> 00:02:02.120
Da hat uns die Technik ein wenig reingespielt. Ich konnte das weitgehend ausbessern, aber ein bisschen hört man es dann doch.

00:02:02.940 --> 00:02:06.060
Also nicht wundern, wenn es kurz mal eigenartig klingt.

00:02:06.860 --> 00:02:08.100
Jetzt aber los geht's.

00:02:17.640 --> 00:02:17.780
Musik

00:02:27.080 --> 00:02:31.420
Also, wir sind jetzt in der zweiten Runde zu Goethes Farbenlehre.

00:02:32.300 --> 00:02:36.319
Beim letzten Mal hast du uns erzählt, was sich dahinter versteckt, was sich da verbirgt.

00:02:36.390 --> 00:02:44.120
Du hast erzählt, dass irgendwie so ein dreigliedriges Werk, wo er seine Farbenlehre erklärt,

00:02:44.130 --> 00:02:56.599
wo er sehr polemisch über Newton herzieht und wo er so einen geschichtlichen Abriss über die Erforschung des Lichts und der Farben schreibt.

00:02:57.680 --> 00:02:58.160
zusammenträgt.

00:03:00.300 --> 00:03:01.820
Und ich hatte so ein bisschen den Eindruck,

00:03:02.180 --> 00:03:03.880
vor allem durch seine Polemik

00:03:04.220 --> 00:03:04.820
gegenüber Newton

00:03:06.100 --> 00:03:07.900
und weil er zumindest was die Physik

00:03:08.240 --> 00:03:09.960
angeht, dass er da

00:03:10.180 --> 00:03:12.320
so ein bisschen sich verrannt

00:03:12.420 --> 00:03:14.160
hat und niemanden

00:03:14.200 --> 00:03:15.360
hatte, der ihm gesagt hat,

00:03:16.100 --> 00:03:16.880
hey, mach mal langsam.

00:03:18.680 --> 00:03:24.300
Und so über Newton herzuziehen ist vielleicht nicht sinnvoll, ist auch nicht angebracht,

00:03:24.500 --> 00:03:28.860
vor allem wenn die eigene Theorie nicht so richtig funktioniert.

00:03:30.020 --> 00:03:32.760
Du hast dann aber eingewendet, da ist ein falscher Eindruck entstanden,

00:03:32.920 --> 00:03:35.740
weil er hat ja auch zum Beispiel viel mit anderen Leuten darüber gesprochen.

00:03:36.420 --> 00:03:41.400
Wir betrachten ja den Zeitraum von etwa 1790, 91, 92 bis 1790.

00:03:42.019 --> 00:03:44.000
1810, als das Werk erschienen ist.

00:03:44.140 --> 00:03:49.439
Und in der Zeit hat er auch viel mit anderen darüber diskutiert,

00:03:49.739 --> 00:03:51.299
sich ausgetauscht oder was auch immer.

00:03:53.500 --> 00:03:57.340
Also es ist jetzt nicht so, dass er irgendwie 20 Jahre eigenbrödelisch

00:03:58.220 --> 00:04:02.260
seine Theorie da zusammengebaut hat, um dann 1810 damit rauszukommen,

00:04:02.359 --> 00:04:05.159
über Newton herzuziehen und sich dann wundert,

00:04:05.340 --> 00:04:08.299
dass ihm da auch ein bisschen, oder...

00:04:08.660 --> 00:04:10.680
ihm da Gegenwind entgegenschlägt.

00:04:11.020 --> 00:04:13.820
Es ist ja auch nicht so, dass es 1810 zu Ende ist.

00:04:14.900 --> 00:04:19.600
Er beschäftigt sich danach kontinuierlich weiter mit Licht und Farben,

00:04:20.239 --> 00:04:23.400
publiziert dazu Nachträge zur Farbenlehre,

00:04:23.720 --> 00:04:26.120
beschäftigt sich eigentlich bis buchstäblich

00:04:27.040 --> 00:04:32.560
gegen Ende seines Lebens bis zum letzten Lebenstag, kann man sagen, mit dem Thema.

00:04:33.380 --> 00:04:42.060
Und zwar ist der Spruch mehr Licht nicht authentisch, aber in diesem Sinn passt er eigentlich sehr gut zu einem Menschen.

00:04:43.040 --> 00:04:45.740
der sich so von der Welt verabschiedet mit diesem Spruch.

00:04:45.900 --> 00:04:50.040
Muss man gerade erklären, für die es nicht wissen, mehr Licht, was ist das für ein Spruch?

00:04:50.370 --> 00:04:52.600
Du kannst ruhig ein bisschen lauter reden, wir sind ja jetzt…

00:04:52.720 --> 00:04:53.720
Ja, wir sind schon online.

00:04:54.080 --> 00:04:54.880
Genau, wir sind schon online.

00:04:57.020 --> 00:05:03.020
Genau, es gibt viele Mythen, zu Tod Goethes, zu den letzten, großen letzten Worten.

00:05:03.680 --> 00:05:09.980
Eine berühmteste Version ist sicher die, mehr Licht, sollen die letzten Worte Goethes gewesen sein.

00:05:10.740 --> 00:05:14.000
Es ist wohl nicht authentisch, wahrscheinlich hat er was anderes gesagt.

00:05:15.040 --> 00:05:18.760
Wie auch immer, es ist eingegangen in die Rezeption,

00:05:18.920 --> 00:05:22.920
und das ist eigentlich das heutige Thema auch, die Rezeption von Goethe.

00:05:23.640 --> 00:05:26.680
Und es passt in so gedeutungsvolle Worte,

00:05:27.400 --> 00:05:30.320
passen ja zu einem Menschen, der sich jahrzehntelang damit beschäftigt hat,

00:05:30.440 --> 00:05:31.200
mit Licht und Farben.

00:05:31.420 --> 00:05:34.340
Du meinst bedeutungsvoll in dem Sinne, weil es die letzten Worte waren?

00:05:34.460 --> 00:05:38.620
Also man muss sich die Szene vorstellen, Goethe liegt auf dem Sterbebett,

00:05:39.260 --> 00:05:40.460
Halt, er sitzt im Stuhl.

00:05:40.680 --> 00:05:41.680
Er sitzt im Stuhl?

00:05:42.100 --> 00:05:42.260
Ja.

00:05:42.960 --> 00:05:44.440
Wie ist Goethe eigentlich gestorben?

00:05:45.360 --> 00:05:47.820
In seinem Schlafzimmer ist er gestorben.

00:05:48.860 --> 00:05:53.160
Er starb ja im März 1832, nicht ganz 82 Jahre alt.

00:05:53.240 --> 00:05:56.240
Er hat sich bei einer Kutschenfahrt wahrscheinlich erkältet.

00:05:57.220 --> 00:06:04.240
Es war schon Frühling, es wurden schon die Frühlingszwiebel vorbereitet und der Gartenarbeit für den Frühling geplant.

00:06:05.150 --> 00:06:10.919
Und ihn hat eben diese Verkühlung oder Erkältung ereilt und er ging ins Bett.

00:06:10.970 --> 00:06:17.020
Er hat selber nicht und andere anfangs auch nicht verstanden, dass er nicht mehr aufstehen wird sozusagen.

00:06:17.300 --> 00:06:23.879
Er lag da die letzten Tage im Bett, ist immer wieder weggedämmert, Körper hat das nicht mehr mitgemacht.

00:06:25.539 --> 00:06:32.259
Er ist dann kurz vor Mittag gestorben.

00:06:26.340 --> 00:06:26.780
Und...

00:06:32.800 --> 00:06:36.580
Er lag hier aber aufgestanden sein und sich auf den Stuhl gesetzt.

00:06:37.500 --> 00:06:44.280
Er ist immer wieder aufgestanden und hat sich immer wieder in einen Stuhl gesetzt,

00:06:44.310 --> 00:06:49.639
der extra dafür an die Seite des Bettes geschafft wurde, vom Arbeitszimmer her.

00:06:50.979 --> 00:06:53.520
Und in diesem Stuhl starb er dann.

00:06:55.600 --> 00:07:00.860
Er war eigentlich von den ganz wichtigen Personen nur seine Schwiegertochter Ottilie anwesend.

00:07:00.860 --> 00:07:06.100
Der Arzt Dr. Vogel war gerade nicht im Zimmer, wenn ich das Richtige jetzt im Kopf habe.

00:07:07.280 --> 00:07:11.880
Und hat dann noch etwas auf die Decke gezeichnet, die dann...

00:07:12.440 --> 00:07:16.280
auf seinen Knien lag ein Weh oder was auch immer genau.

00:07:16.979 --> 00:07:17.220
Okay.

00:07:17.790 --> 00:07:22.340
Er hat dann auch, das sind die wahrscheinlichen letzten Worte,

00:07:22.960 --> 00:07:25.460
zu Odile gesagt, gib sie mir ihr Pfötchen.

00:07:26.300 --> 00:07:26.560
Okay.

00:07:27.300 --> 00:07:29.419
Aber natürlich klingt mehr Licht besser.

00:07:29.750 --> 00:07:31.800
Wie kam das?

00:07:31.800 --> 00:07:34.260
Er hat jemand berichtet, der nicht dabei war,

00:07:34.260 --> 00:07:37.020
aber im Umkreis war und so.

00:07:37.140 --> 00:07:40.560
Da gibt es auch viele Theorien dazu, wie es dazu gekommen ist.

00:07:40.780 --> 00:07:43.800
Also man kann auch gar nicht genau sagen, wer das im Prinzip...

00:07:44.140 --> 00:07:45.220
Ich weiß es jetzt nicht.

00:07:46.700 --> 00:07:51.600
Ich glaube, das ist etwas, was sich dann zunehmend selbstständig und weiter tradiert hat.

00:07:53.000 --> 00:07:59.300
Ist ja auch recht banal gedeutet worden, als die Chalasien, die Fensterläden aufmachen kann.

00:08:00.560 --> 00:08:17.120
Und ja, es ist ähnlich wie Beethoven, der stirbt 1827, auch im selben Monat, März, bei dem ja ein Gewitter, der noch die Faust geballt haben soll, den Todesaugenblick und alles mögliche, so wie auch immer, ja, also

00:08:18.520 --> 00:08:32.740
Es ranken sich eben solche Geschichten dann um jemanden, der eigentlich der Meinung war, die Natur könne ihn gar nicht sterben lassen. Die Natur, hat Goethe ja gesagt, die Natur ist ihm schuldig, dieses Fortleben der Intellichien.

00:08:32.800 --> 00:08:34.360
Er war schon sehr überzeugt von sich, oder?

00:08:36.400 --> 00:08:37.260
Zweifellos, ja.

00:08:39.080 --> 00:08:43.060
Und sowas kann, also nicht sowas Tolles, aber sowas kann eigentlich nicht untergehen.

00:08:44.120 --> 00:08:50.940
Ja, das also nur kurz dazu. Jetzt sind wir ein bisschen abgeschweift gleich am Anfang.

00:08:51.360 --> 00:08:56.459
Mehr Licht macht natürlich jetzt vor dem Hintergrund, dass er selbst seine Farbenlehre

00:08:57.440 --> 00:09:03.800
als sein größtes Werk betrachtet, bekommt dieser Satz mehr Licht natürlich noch so eine

00:09:04.480 --> 00:09:05.360
zusätzliche Ebene.

00:09:06.089 --> 00:09:06.200
Genau.

00:09:07.779 --> 00:09:09.800
Erklärt vielleicht auch, warum es sich so lange gehalten hat.

00:09:11.760 --> 00:09:14.860
Ja, ich glaube, es gibt andere Gründe, warum es sich so lange gehalten hat.

00:09:16.580 --> 00:09:22.040
Ja, erstens, weil es ein bedeutendes, großes, das größte, längste Werk von Goethe ist.

00:09:22.839 --> 00:09:26.899
Also auch nicht irgendwas und irgendjemand, aber vor allem, weil sie...

00:09:27.020 --> 00:09:31.660
Ja, in gewissem Sinn die moderne Physik, die moderne Naturwissenschaften,

00:09:31.760 --> 00:09:34.320
wenn man das aus unserer Perspektive sieht, was da heutigen,

00:09:35.220 --> 00:09:38.220
und das ist aber sehr schnell auch passiert, schon zu größeres Lebzeiten,

00:09:38.820 --> 00:09:40.640
diese Naturwissenschaften herausfordert.

00:09:41.280 --> 00:09:47.080
Sie fordert sie heraus und zwingt sie, was zu widerlegen, was zu kritisieren,

00:09:47.320 --> 00:09:53.980
sich mit Dingen zu beschäftigen, auch vielleicht auf Fehlstellen der Physik und der Naturwissenschaften,

00:09:54.940 --> 00:10:02.240
Es nicht die Goethe, sondern eben die Lutenschen oder eben der Physik überhaupt, nochmal darüber nachzudenken.

00:10:03.550 --> 00:10:06.660
Das ist, glaube ich, doch was Faszinierendes.

00:10:32.500 --> 00:10:41.800
Weißt du zufällig, ob Newtons Farbentheorie, Farbenlehre bis dahin schon mal irgendwie

00:10:43.640 --> 00:10:46.220
massiv angezweifelt wurde oder herausgefordert wurde?

00:10:47.360 --> 00:10:50.260
Naja, ich glaube, bei Newton müsste man von Optik sprechen.

00:10:52.000 --> 00:10:55.180
Farben interessieren ihn ja im eigentlichen Sinn nicht so,

00:10:55.640 --> 00:10:59.880
das ist das eine, sondern interessieren mehr die Gesetze des Lichts,

00:11:00.080 --> 00:11:01.779
Brechung, Beugung, was weiß ich.

00:11:02.480 --> 00:11:05.580
Das entwickelt er ja ganz großartig und überzeugend.

00:11:06.720 --> 00:11:09.100
Die Frage ist, was ist die Natur des Lichts?

00:11:09.760 --> 00:11:25.880
Und bekanntlich gibt es bereits im 17. Jahrhundert die Frage, oder es wird diskutiert, ob das Teilchen sind, was Newton gemeint hat, oder ob es Wellen sind, wie das Christian Hörgens postuliert hat, der sich damit ja auch in Opposition zu Newton gestellt hat.

00:11:26.020 --> 00:11:32.000
Und obwohl ein großer Physiker war, ein Anerkannter, auch nicht durchgedrungen ist, das war ja erst...

00:11:32.360 --> 00:11:36.380
dann Anfang des 19. Jahrhunderts, als man verstanden hat, dass das Licht beides ist.

00:11:36.610 --> 00:11:37.840
Das ist ja etwas ganz Interessantes.

00:11:38.210 --> 00:11:42.400
Das Licht ist beides, Welle und Teilchen, je nachdem, wie wir es gerade betrachten,

00:11:42.540 --> 00:11:45.080
welchen Versuch wir anstellen, welche Erscheinung wir verstehen wollen.

00:11:45.820 --> 00:11:49.740
Das ist eigentlich etwas, was man nur schwer verstehen kann, oder?

00:11:49.920 --> 00:11:51.820
Findest du nicht? Das ist ja unanschaulich.

00:11:51.880 --> 00:11:57.160
Wie kann ein Objekt, ist es ein Objekt überhaupt, wie auch immer man jetzt da reingeht,

00:11:58.220 --> 00:12:09.200
Ja, aber die Autorität Newtons hat das eben ein bisschen nach hinten gedrängt und das kam dann wieder und diese Welle ist sozusagen, eine dieser Angriffswellen ist sozusagen die Goethe gewesen.

00:12:09.620 --> 00:12:16.960
Ich finde es ja ganz nett, der Hinweis, dass es bei Newton eigentlich mehr um Optik ging,

00:12:17.520 --> 00:12:34.400
um die Physik wie Licht, wenn es durch irgendwie das Prisma geht, was da passiert und die Farben da nur zweitrangig sind. Während bei Goethe tatsächlich die Farben doch im Zentrum stehen. Also der hat sich tatsächlich mehr darum Gedanken gemacht,

00:12:34.900 --> 00:12:40.600
Wie entstehen diese Farben und wie ist weißes Licht, wie entsteht weißes Licht, wie entsteht farbiges Licht.

00:12:41.300 --> 00:12:45.740
Das war gar nicht Newtons primäres Ziel herauszufinden.

00:12:46.560 --> 00:12:47.740
Nein, war es überhaupt nicht.

00:12:48.340 --> 00:12:51.180
Deswegen ist das eine die Optik, das andere die Farbenlehre.

00:12:52.020 --> 00:12:57.900
Der subjektive Anteil, ich verwende das Wort nicht gern, aber Goethe verwendet es und es ist auch sinnvoll, aber...

00:12:58.000 --> 00:13:02.020
Der subjektive Anteil ist ja etwas, was Newton nicht interessiert.

00:13:02.360 --> 00:13:07.460
Der möchte ja objektive Gesetze finden, sozusagen den Beobachter außen vor lassen.

00:13:08.420 --> 00:13:13.380
Und das ist gerade das, was, vielleicht gehört das wirklich zum Kern der Farbenlehre,

00:13:14.100 --> 00:13:17.860
Und Goethe sagt, den Beobachter kann man nicht außen vor lassen, wenn es um Sehen geht,

00:13:17.950 --> 00:13:24.320
wenn es um Farben geht, wenn es um die Wahrnehmung und um die Feststellung der Gesetze der Wahrnehmung

00:13:24.570 --> 00:13:25.320
an Farben geht.

00:13:26.519 --> 00:13:31.100
Dann müssen wir uns auch mit dem Auge beschäftigen, nicht nur mit dem Prisma, mit dem optischen

00:13:31.260 --> 00:13:34.260
Apparat, sondern mit dem Auge, mit dem der sieht.

00:13:34.660 --> 00:13:38.899
Das ist die subjektive Seite und das betrifft ja nicht nur die...

00:13:39.680 --> 00:13:40.640
pathologischen Erscheinungen

00:13:41.860 --> 00:13:42.240
wie

00:13:42.620 --> 00:13:44.400
Rot-Grün-Blindheit, es betrifft nicht nur

00:13:44.600 --> 00:13:46.400
die subjektiv, physiologisch

00:13:46.500 --> 00:13:48.700
subjektiven Seiten des Farbsehens

00:13:48.840 --> 00:13:50.740
wie Nachbilder auf einer reißen Wand.

00:13:50.860 --> 00:13:52.080
Ja, haben wir auch gut darüber.

00:13:52.920 --> 00:13:54.140
Haben wir schon auch darüber geredet.

00:13:54.600 --> 00:13:55.860
Sondern es betrifft eigentlich

00:13:56.620 --> 00:13:58.320
prinzipiell die Frage, wie nehme ich

00:13:58.560 --> 00:14:00.240
Farben wahr, wie kann es sein, dass es

00:14:00.380 --> 00:14:02.180
Licht gibt, das ich nicht sehen kann, das ist

00:14:02.300 --> 00:14:04.440
eigentlich... Infrarot, Ultraviolett.

00:14:04.460 --> 00:14:06.420
Infrarot, Ultraviolett sind Entdeckungen

00:14:07.080 --> 00:14:08.880
der Goethe-Zeit, also ein

00:14:09.420 --> 00:14:24.160
Und 118.1, wenn ich die Daten jetzt richtig im Kopf habe, kann man das flüchtige Licht haltbar machen, sozusagen für alle Zeiten, durch chemische Vorgänge, Silber, Chlorid, Lösungen und so weiter.

00:14:24.360 --> 00:14:32.220
Wir stehen am Beginn der Fotografie und das ist alles, worüber Goethe und viele andere natürlich auch intensiv nachdenkt.

00:14:51.660 --> 00:14:52.780
Was er alles so rausgefunden hat,

00:14:52.780 --> 00:14:54.900
haben wir in der letzten Folge schon erklärt.

00:14:55.540 --> 00:14:56.640
In dieser Folge wollten wir,

00:14:57.700 --> 00:14:58.680
oder wolltest du in dem Fall,

00:14:59.740 --> 00:15:00.700
mal zusammentragen,

00:15:01.900 --> 00:15:02.380
was wir in der letzten Folge schon erklärt haben.

00:15:02.020 --> 00:15:03.360
wie die Reaktion auf sein

00:15:04.920 --> 00:15:05.720
Opus Magnum

00:15:06.880 --> 00:15:07.580
war, auf die

00:15:07.720 --> 00:15:08.380
Farbenlehre.

00:15:10.380 --> 00:15:11.740
Und ich war ja, wie gesagt,

00:15:11.860 --> 00:15:12.260
so ein bisschen

00:15:14.779 --> 00:15:15.780
entsetzt über seine

00:15:17.460 --> 00:15:19.520
Also natürlich erstmal über die Polemik über

00:15:19.820 --> 00:15:21.640
Newton. Dann hat er mich gewundert,

00:15:21.960 --> 00:15:23.200
hat ihn keiner gewarnt oder so, warum?

00:15:26.600 --> 00:15:28.500
Wie hat die Welt jetzt darauf reagiert?

00:15:30.920 --> 00:15:35.279
Ich habe ein paar Texte und Zitate zusammengetragen,

00:15:31.080 --> 00:15:31.480
Und

00:15:35.420 --> 00:15:37.380
weil das einfach wirklich interessant ist, das zu sehen.

00:15:38.120 --> 00:15:41.899
Ein wenig bekannte Kommentar ist der von Alexander von Humboldt,

00:15:42.480 --> 00:15:44.600
dem man ja immer eine Freundschaft mit Goethe zuschreibt

00:15:45.000 --> 00:15:48.000
und wo es auch eine Nähe gibt, das ist ja unbestritten.

00:15:49.180 --> 00:15:51.000
Und Humboldt hat sich ja...

00:15:51.020 --> 00:16:12.280
Es ist unterschiedlich über Goethes Leistungen geäußert, das Dichterische sehr gut, das Naturwissenschaftliche ganz differenziert, aber die Farbenlehre ist eben etwas, was er ablehnt, was er Goethe natürlich nie sagt, was er auch nur privat sagt, privativ in irgendwelchen Briefen, auch schon lange nach Goethes Tod, er spricht nicht.

00:16:11.920 --> 00:16:27.020
von der arroganten und recht albernen Farbenlehre in einem Brief 1853 und er spricht von einem unglücklichen, mit geschmacklosen Verwünschungen begleiteten Feldzug gegen die Mathematik und Newtons Optik 1850.

00:16:27.380 --> 00:16:34.540
Natürlich alles nur in privaten Briefen, nie öffentlich. Also das ist das, was Humboldt wirklich von der Farbenlehre gehalten hat.

00:16:35.280 --> 00:16:40.560
Kein Wunder ist im Umkreis der Pariser Physiker und Optiker tätig,

00:16:40.740 --> 00:16:41.520
Freund von Arago.

00:16:42.800 --> 00:16:46.540
Da entsteht, unabhängig von Goethe sozusagen,

00:16:47.460 --> 00:16:53.200
Goethe nimmt das aber wahr, die moderne Optik dessen frühen 19. Jahrhunderts.

00:16:53.940 --> 00:16:55.280
Daran ist Humboldt beteiligt.

00:16:55.280 --> 00:16:57.880
Er hat natürlich da nicht viel davon gehalten.

00:16:58.440 --> 00:17:01.700
Finde ich ganz interessant, diese Zitate, weil sie...

00:17:02.360 --> 00:17:05.680
die Distanz auf diesem Gebiet doch zeigen.

00:17:05.920 --> 00:17:08.920
Sonst gibt es eine viel größere Nähe zwischen Humboldt und Goethe.

00:17:09.480 --> 00:17:14.240
Und wenn du dir anschaust, was es heute oder Ende des 20. Jahrhunderts,

00:17:14.440 --> 00:17:18.000
Anfang des 21. gibt, zur Farbenlehre,

00:17:18.040 --> 00:17:20.839
wenn man dann vielleicht, was sicher am interessantesten ist,

00:17:21.160 --> 00:17:23.660
uns die Frage stellt, was sagen denn eigentlich moderne Physiker

00:17:24.380 --> 00:17:26.540
oder Physiker überhaupt zur Farbenlehre?

00:17:26.540 --> 00:17:28.520
Oder wie wurde sie denn im 19. Jahrhundert aufgenommen?

00:17:29.280 --> 00:17:41.660
Aber um dabei ein paar Extrembeispiele zu nehmen, Gernot Böhme, das ist ein Philosoph gewesen, der stellt sich die Frage, ist die Farbenlehre überhaupt eine Wissenschaft?

00:17:42.540 --> 00:17:50.300
Jetzt musst du kurz erklären, wann hat er jetzt gelebt, weil du hast den Sprung gemacht vom 19., dann bist du ins 21. gesprungen und...

00:17:50.740 --> 00:17:57.140
Ja, wir sind, also Gernot Böhme war Professor für Philosophie in Darmstadt ab 1977.

00:17:57.920 --> 00:18:01.280
Wir sind also am Ende des 20. Jahrhunderts.

00:18:01.360 --> 00:18:05.420
Er stellt die Frage, ist Goethes Farbklärung überhaupt Wissenschaft?

00:18:06.880 --> 00:18:08.680
Naturwissenschaft ist natürlich immer gemeint.

00:18:09.860 --> 00:18:13.020
Und er kommt zum Schluss einerseits ja.

00:18:14.980 --> 00:18:18.280
Ja, sie hat sozusagen alle Kennzeichen, die man von einer Wissenschaft erwarten muss.

00:18:19.200 --> 00:18:35.460
Aber sie ist letztlich ein historisches und persönlich isoliertes Stück Wissenschaft geblieben. Und zwar, warum hat sie sozusagen keine Wirkung auf die Physik entfaltet, weil das Erkenntnisinteresse Goethes, schreibt Gernot Böhme, ein ästhetisches Interesse war.

00:18:36.740 --> 00:18:38.220
vor allem ein Interesse,

00:18:38.980 --> 00:18:40.540
etwas für die Malerei zu leisten.

00:18:41.360 --> 00:18:42.540
Und das finde ich eigentlich

00:18:42.740 --> 00:18:43.740
nicht so ganz plausibel,

00:18:44.020 --> 00:18:45.020
muss ich das mal so sagen.

00:18:45.380 --> 00:18:47.400
Er meint von Goethe aus?

00:18:47.980 --> 00:18:48.140
Ja.

00:18:48.020 --> 00:18:49.480
Von Goethe aus gesehen, genau.

00:18:50.360 --> 00:18:51.760
Und dazu denke ich,

00:18:52.560 --> 00:18:53.640
es widerspricht eigentlich

00:18:53.780 --> 00:18:55.120
der Theorie, also seiner eigenen

00:18:55.880 --> 00:18:57.420
These, dass es Wissenschaft ist, denn

00:18:57.960 --> 00:19:15.400
Dann muss ich einen über Jahrzehnte hinweg in unendlich vielen Variationen durchgeführten optischen Apparat entwickeln, sammeln und mich damit beschäftigen, um dann für die Maler ästhetische Fragen zu lösen. Ich glaube, das könnte man noch anders machen.

00:19:16.180 --> 00:19:22.180
Also das ist sozusagen ein extremen Punkt, ist vielleicht unglücklich ausgedrückt,

00:19:22.290 --> 00:19:28.640
aber eine Position, die Goethe letztlich implizit die Wissenschaftlichkeit dann doch abspricht,

00:19:28.690 --> 00:19:30.400
obwohl sie sehr explizit zuspricht.

00:19:31.660 --> 00:19:36.880
Ein anderer Punkt ist, oder ein anderer an dieser Punkte ist Goethe,

00:19:37.880 --> 00:19:39.940
und seine Farbenlehre als Theologie,

00:19:40.240 --> 00:19:42.300
als etwas Theologisches zu deuten.

00:19:42.520 --> 00:19:44.020
Das macht zum Beispiel Albrecht Schöne,

00:19:44.780 --> 00:19:46.740
großer Goethe-Forscher.

00:19:47.360 --> 00:19:48.660
Wann hat der ungefähr gelebt?

00:19:49.200 --> 00:19:50.280
Der lebt noch.

00:19:51.400 --> 00:19:52.720
Ja, am Gotteswillen.

00:19:54.880 --> 00:19:55.160
Warum?

00:19:57.140 --> 00:19:58.720
Wir wollen da nicht aufs Glatteis gehen.

00:19:59.100 --> 00:20:01.140
Goethes Farbentheologie, ein sehr schönes

00:20:01.140 --> 00:20:02.340
und wirklich interessantes Buch,

00:20:02.840 --> 00:20:04.800
wie eigentlich alle Bücher von Albrecht Schöne.

00:20:05.800 --> 00:20:06.640
Und der schreibt,

00:20:07.380 --> 00:20:14.680
Er stellt das in einen theologischen Zusammenhang, dass Goethe sich gefühlt hat als einer der wahren Wissenden.

00:20:15.360 --> 00:20:20.500
Und Goethe entwickelt eine Art Kirchengeschichte der richtigen Anschauung der Farben.

00:20:20.980 --> 00:20:29.180
Und alle, die sozusagen dagegen sind, sind die Ketzer und die müssen auch quasi als Ketzer behandelt werden und so.

00:20:28.899 --> 00:20:42.639
Der interessante Punkt daran, oder einer der interessanten Punkte daran ist, dass laut Schöne für Goethe die moderne Naturwissenschaften schuld sind an der effizienten Zerstörung der Welt.

00:20:42.960 --> 00:20:46.940
Technik und Naturwissenschaften richten die Welt zugrunde durch.

00:20:47.940 --> 00:21:02.700
durch die Möglichkeiten, die sie bieten, durch die Effizienz, die sie haben und dadurch verschwindet Natur immer mehr und letztlich leben wir in einer apokalyptischen Welt oder in einer Welt drohender Apokalypsen. Das hat Goethe so empfunden und

00:21:03.340 --> 00:21:16.360
Und das größte Unheil der neueren Physik, sagt Goethe ja wörtlich, ist also den Menschen von der Natur abtrennt, durch die Experimente absondert und durch die künstlichen Instrumente von der Natur trennt.

00:21:17.140 --> 00:21:22.000
Irgendwann konnte Goethe ja bereits den Blick durch die Brille nicht mehr ertragen oder...

00:21:22.580 --> 00:21:24.580
obwohl er selber Mikroskope hatte und Teleskope.

00:21:24.580 --> 00:21:27.440
Ich wollte gerade sagen, er macht es ja selber.

00:21:28.140 --> 00:21:30.400
Ja, es ist widersprüchlich, er macht es,

00:21:30.480 --> 00:21:33.240
aber gleichzeitig hat er ein distanziertes Verhältnis dazu.

00:21:35.160 --> 00:21:37.360
Und er sagt auch gegen eines anderen Lebens,

00:21:37.420 --> 00:21:40.180
ich habe keinen Glauben mehr an die Welt und möchte verzweifeln lernen.

00:21:41.240 --> 00:21:44.520
Und man fühlt sich in deprimierter Stimmung,

00:21:44.720 --> 00:21:46.980
in das Elend unserer Zeit hinein,

00:21:47.060 --> 00:21:49.720
als wäre die Welt nach und nach zum jüngsten Tage reif.

00:21:50.800 --> 00:21:54.720
Ich sehe die Zeit kommen, wo Gott keine Freude mehr an ihr, der Menschheit hat

00:21:54.860 --> 00:21:56.940
und wo er abermals alles zusammenschlagen muss,

00:21:57.660 --> 00:21:59.020
zu einer verjüngten Schöpfung.

00:21:59.100 --> 00:22:02.260
Und in diesem Kontext ist die Farbenlehre eben der Versuch,

00:22:03.180 --> 00:22:07.500
die Menschheit davon abzubringen, sozusagen von der Zerstörung der Welt,

00:22:07.680 --> 00:22:09.920
der Natur durch Technik und Naturwissenschaften.

00:22:10.200 --> 00:22:15.700
Okay, das geht für mich jetzt so ein bisschen in diese Richtung

00:22:16.159 --> 00:22:19.120
Da ich ja Biologie studiert habe und Dawkins gelesen habe und so.

00:22:19.799 --> 00:22:24.519
Und Dawkins und diesem redaktionistischen Ansatz immer so ein bisschen der Vorwurf gemacht wird,

00:22:24.620 --> 00:22:27.860
Naturwissenschaft zerstört so die Magie des Lebens.

00:22:29.299 --> 00:22:32.659
Ja, die Magie, auch das, klar, selbstverständlich.

00:22:33.500 --> 00:22:34.779
Sondern auch das Leben sein.

00:22:35.980 --> 00:22:38.600
Goethe macht sich ja lustig über die, die glauben...

00:22:38.820 --> 00:22:40.280
lebendiges schaffen zu können

00:22:40.679 --> 00:22:41.860
in der Fiole,

00:22:41.960 --> 00:22:43.820
im Gänzglas. Das ist ja

00:22:44.380 --> 00:22:45.520
ein Hauptthema von

00:22:45.700 --> 00:22:47.820
Forst 2. Und der

00:22:48.120 --> 00:22:49.400
künstliche Mensch, der Homunculus,

00:22:50.100 --> 00:22:52.000
scheitert ja dann, oder scheitert

00:22:52.100 --> 00:22:53.940
es, aber er geht zugrunde beim Versuch

00:22:54.039 --> 00:22:55.320
wirklich zu werden. Er kann

00:22:56.039 --> 00:23:01.179
Dieses Gläschen ja nie verlassen oder wenn er es verlässt, stirbt er, löst er sich auf.

00:23:02.740 --> 00:23:05.740
Im Ozean, in der Vereinigung mit Galatea.

00:23:07.120 --> 00:23:10.899
Okay, das jetzt aber dann Rezeption schon...

00:23:11.040 --> 00:23:13.520
Ja, ich habe das als Eckpunkte sozusagen versucht.

00:23:14.720 --> 00:23:15.760
Wovon reden wir überhaupt?

00:23:16.590 --> 00:23:18.300
Aber die Grundfrage haben wir noch nicht beantwortet.

00:23:18.360 --> 00:23:22.000
Wie haben denn die Zeitgenossen und die späteren?

00:23:48.760 --> 00:23:50.020
Lass uns mal gerade, wenn du das

00:23:50.480 --> 00:23:51.540
irgendwie kurz erzählen kannst,

00:23:51.100 --> 00:23:51.120
Musik

00:23:51.120 --> 00:23:51.980
Musik

00:23:52.360 --> 00:23:54.320
1810 kommt dieses Buch raus.

00:23:54.500 --> 00:23:56.240
Weißt du unter welchen Bedingungen, also wird

00:23:56.680 --> 00:23:58.220
Gibt es eine Buchpräsentation?

00:24:00.060 --> 00:24:02.200
Oder ist es in seinem Salon und er erklärt so

00:24:02.260 --> 00:24:03.700
und macht so ein bisschen Vorträge oder wie?

00:24:04.160 --> 00:24:05.380
So ein Werk kommt halt raus.

00:24:06.480 --> 00:24:06.580
Nein.

00:24:07.680 --> 00:24:09.500
Man muss sich das ganz anders vorstellen.

00:24:09.660 --> 00:24:12.180
Erstens schreibt er ja schon wirklich jahrelang daran.

00:24:13.080 --> 00:24:15.100
Schiller stirbt ja bekanntlich 1805.

00:24:16.160 --> 00:24:18.360
Schiller diskutiert schon mit ihm über die Farbenlehre.

00:24:19.400 --> 00:24:22.420
Sie machen auch gemeinsam Skizzen dazu und Zeichnungen.

00:24:22.880 --> 00:24:23.640
Das ist eine ganz berühmte.

00:24:24.340 --> 00:24:51.480
Scheler findet die Farbenlehre sehr überzeugend und ist sich sicher, dass sie à la longue gesehen sich durchsetzen wird, auch wenn die Gegenwart sie vielleicht oder wahrscheinlich ablehnen wird. Das war ja bereits auch ein Thema, also bereits vor 18.5. Also es wird alles diskutiert. Es gibt einige wenige Passagen der Farbenlehre, die nicht von Goethe selbst sind, sondern von Scheler.

00:24:51.420 --> 00:24:53.800
seinen Unterstützern von Meier und von anderen.

00:24:54.880 --> 00:24:59.140
Das heißt, da arbeiten auch andere mit, die lesen das immer wieder und kommentieren das.

00:25:00.020 --> 00:25:04.060
Und im Feiermacher Umfeld, muss man sagen, sowohl davor als auch danach,

00:25:05.420 --> 00:25:09.800
unmittelbar danach, gibt es eigentlich hauptsächlich Zustimmung zur Farbenlehre.

00:25:10.160 --> 00:25:14.180
Also die Leute, die das kennen, mit denen geht das diskutieren,

00:25:14.280 --> 00:25:16.860
das sind viele, die finden das gut.

00:25:16.840 --> 00:25:24.100
Ja, trotzdem, um es sich ein bisschen vorzustellen, falls du es weißt, also dieses Buch kommt

00:25:24.120 --> 00:25:26.140
raus, erscheint es dann einfach in einem Buchladen?

00:25:26.920 --> 00:25:29.640
Also wie hat die Welt davon erfahren, dass dieses Buch jetzt da ist?

00:25:30.480 --> 00:25:34.100
Na, die Welt hat schon vorher davon erfahren, dass das Buch bald da sein wird in Briefen

00:25:34.160 --> 00:25:34.720
und Gesprächen.

00:25:35.320 --> 00:25:38.840
Man kann, ich weiß nicht, ob es bei der Farbenlehre so war, aber man kann natürlich gerade so

00:25:38.960 --> 00:25:46.380
größere Bücher subskribieren, das heißt, man kann natürlich nicht mehr, man kann

00:25:41.540 --> 00:26:04.680
Du bist von vornherein daran interessiert, das zu kaufen. Du hast ja bei vielen Büchern, bei der Farmlehrer ist das glaube ich nicht der Fall, aber ich weiß es nicht, Subskriptionslisten, wo du dich eintragen kannst und dann, die werden auch oft zum Buch dazugebunden und da kannst du dann erfahren, dass der Herzog von sowieso und der Buchhändler sowieso drei Exemplare für seine Bibliothek, für sein Ding, Buchladen möchte.

00:26:05.560 --> 00:26:07.660
Und auch Einzelpersonen sind dann oft aufgeführt.

00:26:07.760 --> 00:26:09.100
Das gibt es bei ganz vielen Büchern.

00:26:09.770 --> 00:26:11.660
Und die Bücher werden erwartet.

00:26:12.140 --> 00:26:14.160
Also es ist nicht so, dass so wie heute,

00:26:14.170 --> 00:26:15.880
dass man einen mühsamen Überblick verschaffen muss.

00:26:16.140 --> 00:26:18.340
Es gab viel mehr Bücher, als man denkt,

00:26:18.580 --> 00:26:20.020
aber natürlich nicht so viele wie heute.

00:26:22.000 --> 00:26:24.700
Also jeder, der auf dem Gebiet tätig war,

00:26:24.780 --> 00:26:26.800
jeder geistig Interessierte wusste eigentlich,

00:26:27.080 --> 00:26:27.780
dass es sowas gibt.

00:26:28.390 --> 00:26:30.380
Dann werden natürlich auch Exemplare verschickt,

00:26:32.180 --> 00:26:35.380
die man in den letzten Jahren

00:26:32.559 --> 00:26:41.140
Also da musste man keine Werbung machen und sich nicht in der Bibliothek einen Saal mieten und dann eine Buchvorstellung machen.

00:26:41.250 --> 00:26:50.200
Eine Frage noch. Du hattest erzählt, bei seiner Urpflanze, bei seinem Büchlein war es ihm auch so wichtig, aber das war sein erstes naturwissenschaftliches Werk.

00:26:50.740 --> 00:26:52.020
mit dem Rosi der Pflanzen,

00:26:52.720 --> 00:26:54.500
hattest du erzählt, er wollte ja glaube ich

00:26:54.720 --> 00:26:56.600
irgendwie Abbildungen reinhaben und der

00:26:56.720 --> 00:26:58.600
Verleger fand das irgendwie überflüssig.

00:26:59.040 --> 00:26:59.800
Ja, genau.

00:27:00.680 --> 00:27:02.820
Weißt du, wie das hier bei dem Buch war?

00:27:03.060 --> 00:27:04.800
Konnte er da auch machen, was er wollte?

00:27:06.060 --> 00:27:06.900
Naja, die

00:27:06.900 --> 00:27:08.420
haben natürlich einen sehr schönen Tafelband,

00:27:08.740 --> 00:27:10.420
wo der alle Stücke spielt,

00:27:10.680 --> 00:27:11.340
wie man so schön sagt.

00:27:12.640 --> 00:27:14.780
In Farbabbildungen, kommentierte

00:27:15.340 --> 00:27:16.840
Tafeln, es ist sehr schön

00:27:17.000 --> 00:27:19.100
und aufwendig gemacht und

00:27:19.559 --> 00:27:38.179
Wie alt ist Goethe? Er ist etwa zu der Zeit, also 60. Er hat, muss man auch sagen, obwohl alle wissen, dass er sich damit beschäftigt, zwei Jahrzehnte lang, relativ wenig Naturwissenschaftliches publiziert, also in der Geologie ganz wenig, wie mit dem Hose der Pflanzen, das stimmt.

00:27:39.399 --> 00:27:46.059
Und noch ein paar andere kleine Dinge, aber das ist die erste große naturwissenschaftliche Publikation,

00:27:46.320 --> 00:27:50.159
gleich 1500 Seiten in drei Bänden mit dem Zusatzbeinbruch.

00:27:51.120 --> 00:27:56.380
Klar, es gibt Aufsätze dazu, eben wie du schon gesagt hast, in den 1790er Jahren die Beiträge zur Optik,

00:27:57.180 --> 00:28:12.160
Die sind ja auch auf Verhalten, Kritik und wenig Zustimmung gestoßen. Also Lichtenberg, der auch schon tot ist, 1810, Lichtenberg hat das auch nicht sehr interessant gefunden, hat dann irgendwann mal nicht mehr reagiert.

00:28:13.540 --> 00:28:14.920
auf Goethes Anfragen.

00:28:15.600 --> 00:28:16.720
Also die haben das alle gewusst,

00:28:17.040 --> 00:28:18.260
dass sich der beschäftigt damit.

00:28:18.660 --> 00:28:20.040
Und irgendwann kommt das Buch

00:28:20.240 --> 00:28:22.260
und dann kann man es vielleicht subskribieren.

00:28:22.600 --> 00:28:23.680
Vielleicht bekommt man es geschickt.

00:28:25.080 --> 00:28:26.460
Okay, dann war es draußen.

00:28:27.420 --> 00:28:27.580
Genau.

00:28:27.820 --> 00:28:28.860
Und dann hat die Welt reagiert.

00:28:29.540 --> 00:28:31.160
Dann hat die Welt reagiert, wie gesagt.

00:28:31.640 --> 00:28:33.720
Der große Goethe zur Farbe.

00:28:33.800 --> 00:28:35.340
Genau, der große Goethe,

00:28:35.680 --> 00:28:37.400
der gleichzeitig an

00:28:37.860 --> 00:28:39.460
allen möglichen noch arbeitet,

00:28:39.910 --> 00:28:41.880
liegt dann auch so ein Werk vor.

00:28:42.540 --> 00:28:43.740
Vielleicht gerade mal, weißt du was,

00:28:44.270 --> 00:28:45.540
vielleicht kurz vorher oder so

00:28:46.660 --> 00:28:48.100
im anderen Bereich entstand?

00:28:48.260 --> 00:28:49.820
Ja, natürlich, die Wahlverwandtschaften

00:28:49.880 --> 00:28:50.880
zum Beispiel, 1809,

00:28:51.600 --> 00:28:53.900
ein Roman, der auch

00:28:54.180 --> 00:28:56.080
dieses Kopfschütteln ausgelöst hat.

00:28:57.620 --> 00:28:58.000
Da jemand

00:28:58.420 --> 00:28:59.880
offensichtlich auf die Idee gekommen ist,

00:29:00.540 --> 00:29:02.020
die Beziehung zwischen vier Menschen,

00:29:02.400 --> 00:29:03.600
zwei Männern und zwei Frauen,

00:29:04.620 --> 00:29:06.460
also eines davon ein Paar,

00:29:06.920 --> 00:29:23.820
So darzustellen, als wären das chemische Elemente, die sich dann neu verbinden in einer neuen Laborsituation. Ich fasse jetzt das Ganze auf einem abstrakten zusammen, aber der Begriff Wahlverwandtschaften ist ja ein Begriff aus der Chemie der Zeit.

00:29:24.940 --> 00:29:27.520
dass Stoffe Anziehung und Abstoßung haben.

00:29:27.559 --> 00:29:30.740
Und wenn ein anderer Stoff, der eine größere Anziehung hat,

00:29:30.840 --> 00:29:34.400
dann in meine Nähe kommt, dann verbinde ich mich mit diesem neuen Stoff.

00:29:34.500 --> 00:29:36.919
Und Goethe hat die Beziehungen von Menschen sozusagen

00:29:37.299 --> 00:29:41.580
auf naturwissenschaftlich-chemische Gesetze zurückgeführt.

00:29:42.039 --> 00:29:45.360
Und das ist im Zeitalter der Romantik und der romantischen Liebe.

00:29:45.600 --> 00:29:47.299
Das heißt, wer das so verstanden hat,

00:29:48.039 --> 00:29:50.299
den ist dann so ein Buch über...

00:29:50.820 --> 00:29:53.600
über Licht und Farben gar nicht so überraschend.

00:29:54.620 --> 00:29:57.220
Wer es halt nicht unter diesem Aspekt betrachtet hat,

00:29:57.320 --> 00:29:59.520
für den ist dann aber so ein Buch über Licht und Farben

00:29:59.580 --> 00:30:00.800
schon irgendwie ungewöhnlich, oder?

00:30:01.100 --> 00:30:01.360
Das stimmt.

00:30:01.940 --> 00:30:05.000
Wobei das ja kein Geheimnis war mit den Wahlverwandtschaften,

00:30:05.100 --> 00:30:06.700
dass wir hier...

00:30:07.620 --> 00:30:10.419
dass das der Hintergrund ist zu dem Roman,

00:30:11.010 --> 00:30:13.580
der ja dann auch zum Untergang der Beziehungen

00:30:13.840 --> 00:30:15.639
und einiger Protagonisten führt,

00:30:15.970 --> 00:30:17.059
also er trinkt ja.

00:30:18.260 --> 00:30:21.399
Also es ist ein tragischer, kurzer Roman,

00:30:22.200 --> 00:30:24.799
der nicht auf...

00:30:25.340 --> 00:30:30.520
ungeteilte Zustimmung gestoßen ist aufgrund dieser kalten Behandlungsreise sozusagen.

00:30:31.700 --> 00:30:33.460
Ja, das ist ungefähr das Umfeld vielleicht.

00:30:59.340 --> 00:31:00.880
Ich versuche mir das gerade irgendwie so vorzustellen.

00:31:02.560 --> 00:31:08.000
Jemand wie Günter Grass bringt irgendwie eins seiner Mammutwerke raus,

00:31:08.800 --> 00:31:09.900
Der Butt oder so.

00:31:10.760 --> 00:31:15.880
Und ein Jahr später bringt er ein Buch, ein gewaltiges Werk,

00:31:15.880 --> 00:31:16.660
ein Tausend Seiten,

00:31:18.920 --> 00:31:21.040
was ich über die Physik

00:31:22.620 --> 00:31:23.840
des Atoms heraus

00:31:24.600 --> 00:31:26.180
wie da die Welt geguckt hätte.

00:31:27.600 --> 00:31:29.500
So muss man sich das wahrscheinlich irgendwie vorstellen.

00:31:30.160 --> 00:31:32.700
Das wäre ja schon sehr...

00:31:33.060 --> 00:31:35.880
Wobei wir jetzt inzwischen ein ausdifferenziertes Wissenschaftssystem haben,

00:31:35.980 --> 00:31:37.040
was es damals ja nicht gab.

00:31:38.200 --> 00:31:41.180
Das wäre heute wahrscheinlich sogar noch ungewöhnlicher gewesen als damals.

00:31:41.720 --> 00:31:44.260
Weil heute die Welten so viel mehr getrennt sind.

00:31:44.260 --> 00:31:46.600
Er ist ja niemand, der irgendwie...

00:31:46.820 --> 00:31:52.059
Er war ja nicht an der Uni und hat auch noch Forschung betrieben.

00:31:52.860 --> 00:31:59.200
Das ging wahrscheinlich damals auch nur, weil jemand wie Goethe tatsächlich eine Forschung zu Hause betreiben konnte.

00:32:00.820 --> 00:32:02.280
Ja, und dann auch in einem Netzwerk stand.

00:32:02.440 --> 00:32:08.679
Also er hatte Jena zur Verfügung und auch in Weimar gab es Interessierte und hatte natürlich eben viel an Apparatur.

00:32:09.100 --> 00:32:15.600
Es gibt natürlich auch im 20. Jahrhundert noch Menschen, die naturwissenschaftliche Forschung und Dichtung

00:32:16.000 --> 00:32:17.980
vereinen, wenn man so will. Also Ernst Jünger

00:32:18.100 --> 00:32:18.940
hat ja sowohl

00:32:20.440 --> 00:32:22.080
eine Menge Käfer beschrieben

00:32:22.559 --> 00:32:23.940
oder Nabokov

00:32:24.280 --> 00:32:25.299
ist ja ein ernstzunehmender

00:32:26.360 --> 00:32:27.100
Schmetterlingsforscher gewesen.

00:32:27.940 --> 00:32:28.840
Und gleichzeitig haben sie

00:32:29.940 --> 00:32:31.340
wohl mehr Schriftsteller realisiert,

00:32:31.580 --> 00:32:32.880
zumindest im allgemeinen Bewusstsein.

00:32:33.679 --> 00:32:35.200
Und da gibt es ja einige Beispiele

00:32:35.880 --> 00:32:38.000
für so Doppelbegabungen,

00:32:39.140 --> 00:32:40.179
so amphibische

00:32:40.980 --> 00:32:42.320
Arten die Welt zu betrachten.

00:32:44.200 --> 00:33:02.960
Du hast recht, das Wissenschaftssystem gibt es noch nicht. Das bildet sich gerade heraus, das institutionalisiert sich gerade. Es entstehen eben gerade die physikalischen Zeitschriften, die sich ausschließlich diesen Themen widmen oder die geologischen Zeitschriften.

00:32:45.059 --> 00:32:45.580
Aber

00:33:03.980 --> 00:33:15.880
Und auch da gibt es natürlich Schriftsteller, die naturwissenschaftlich arbeiten, wie Albert von Chamisso oder Novaris. Aber es ist bei weitem natürlich nicht die Regel.

00:33:16.460 --> 00:33:17.080
Okay.

00:33:19.179 --> 00:33:20.620
Wie hat die Welt reagiert?

00:33:21.639 --> 00:33:22.700
Wie hat die Welt reagiert?

00:33:23.639 --> 00:33:24.659
Zu Weimar habe ich schon gesagt,

00:33:25.360 --> 00:33:28.019
die waren begeistert oder zustimmend und so weiter.

00:33:28.799 --> 00:33:30.700
Es gab einen Physiker aus dem Umfeld,

00:33:30.860 --> 00:33:32.059
Goethes, der da in Halle war,

00:33:32.100 --> 00:33:33.220
das war Thomas Seebeck,

00:33:33.679 --> 00:33:34.139
der hat

00:33:35.260 --> 00:33:37.020
einen Lehrstuhl für Physik in Halle gehabt.

00:33:37.160 --> 00:33:39.679
Der war auch sehr zustimmend,

00:33:41.080 --> 00:33:42.380
hat auch zusammengearbeitet mit Goethe,

00:33:42.380 --> 00:33:44.919
hat sich dann aber im Laufe seines Lebens

00:33:45.100 --> 00:33:47.039
immer mehr davon distanziert.

00:33:47.880 --> 00:33:49.679
Es ist in Leipzig

00:33:50.940 --> 00:34:01.480
Dann 1813 eine große Abhandlung erschienen, ebenfalls eines Physikprofessors, der den für Goethe unglückseligen Namen Pfaff hatte, Christoph Heinrich Pfaff.

00:34:02.720 --> 00:34:09.159
Und Goethe war ja auf das Christentum ohnehin, also hatte ein ambivalentes Verhältnis der Kursange oder so.

00:34:09.760 --> 00:34:28.840
Dieser Pfaff hat widerlegt vor allem die Kritik Goethes an Juden. Das hat ihn herausgefordert. Nicht nur das, aber es war so dreist, auch diese ausführliche Abhandlung an Goethe zu schicken.

00:34:30.640 --> 00:34:55.860
Ende 1812 und Goethe hat dann auch zurückgeschrieben und Professor Pfaff hat sich natürlich dem mitleidlosen Spott Goethes ausgesetzt, der dann von absurder Pfaffe und diese ganzen dorteslandischen Kinder konnte sich nicht vergneifen. Es ist einfach ganz witzig zu lesen, welchen Formulierungen Goethe dann ausführt.

00:34:57.220 --> 00:34:59.059
Herrn Pfaff abfertigt und so weiter.

00:34:59.740 --> 00:35:03.779
Obwohl Pfaff eigentlich das meiste von dem gesagt hat,

00:35:03.940 --> 00:35:05.299
was man heute auch noch sagen würde,

00:35:05.460 --> 00:35:09.099
dass das eben in judenischer Physik oder in judenischer Optik

00:35:09.200 --> 00:35:11.819
einfach sehr gut begründet ist.

00:35:14.020 --> 00:35:15.460
Also eigentlich substanzielle Kritik.

00:35:16.000 --> 00:35:19.440
Es war keine Polemik, es war eine substanzielle Kritik,

00:35:20.140 --> 00:35:23.780
die sozusagen das erste Haupt hat sich erhoben

00:35:24.420 --> 00:35:25.580
und Goethe hat zurückgeschlagen.

00:35:27.080 --> 00:35:30.280
Aber es kamen dann immer weitere Kritiker hinzu.

00:35:31.020 --> 00:35:35.500
Eine positive Stimme und ein positiver Stimme

00:35:35.520 --> 00:35:51.000
Ein Kritiker sozusagen, das war ein Wiener Psychiater und ebenfalls Dichter, war damals häufiger, nämlich Ernst von Feuchtersleben. Ich weiß nicht, ob du den kennst, der ist eigentlich sehr interessant. Der hat in Wien der 1820er Jahre...

00:35:51.420 --> 00:35:55.540
war befreundet mit Kelpatz und vielen anderen da in diesen Kreisen.

00:35:56.000 --> 00:36:00.100
Und der hat eine hymnische Kritik der Farbenlehre geschrieben.

00:36:01.440 --> 00:36:02.500
Ganz was Tolles ist.

00:36:03.000 --> 00:36:06.260
Und das also nicht nur in der Darstellungsform,

00:36:06.500 --> 00:36:09.620
sondern auch ein ganzes überzeugendes,

00:36:09.800 --> 00:36:11.680
philosophisches System in der Farbenlehre.

00:36:13.080 --> 00:36:14.160
Was deswegen interessant ist,

00:36:14.200 --> 00:36:15.920
weil der eben nicht nur,

00:36:16.020 --> 00:36:17.800
in Anführungszeichen nur Schriftsteller war,

00:36:18.040 --> 00:36:18.580
sondern auch,

00:36:19.220 --> 00:36:23.640
von der medizinisch-naturwissenschaftlichen Seite, wenn man das in den Weg gekommen ist,

00:36:24.150 --> 00:36:27.740
als Psychiater, hat einen Bestseller geschrieben damals,

00:36:28.230 --> 00:36:31.339
die Diätetik der Seele, ähnlich wie Hufeland,

00:36:32.490 --> 00:36:38.720
wie man sozusagen zur richtigen Lebensführung ist,

00:36:39.320 --> 00:36:43.420
eigentlich einer der Begründer der Psychosomatik gewesen.

00:36:44.640 --> 00:36:44.940
Ja.

00:36:45.520 --> 00:37:02.200
Ja, und so gibt es dann ganz viele, gerade bei Medizinern hat man den Eindruck, ist es so, dass die der Farbenlehre mehr abgewinnen können als die Physiker, weil es eben um das Sehen und die Physiologie des Sehens geht. Also Johannes Müller ist...

00:37:02.760 --> 00:37:08.200
dazu nennen, der einer der Begründer der wissenschaftlichen Physiologie, der sich da zustimmig geäußert hat.

00:37:08.200 --> 00:37:13.180
Und wir haben, glaube ich, das letzte Mal schon Jan Evangelista Burkini erwähnt,

00:37:14.060 --> 00:37:22.000
den tschechisch-böhmischen Physiologen, der in einem Werk über das Sehen sich angeschaut,

00:37:22.020 --> 00:37:27.020
ähnliche Erkenntnisse hatte wie Goethe, nur was die Physiologie des Sehens betrifft.

00:37:27.460 --> 00:37:39.220
Goethe war absichtlich nicht erwähnt, weil er sozusagen Nachteile befürchtet und nach einem persönlichen Kennenlernen in der zweiten Auflage dieses Werks dann ausdrücklich auf Goethe verweist.

00:37:42.080 --> 00:37:44.420
Also es war bereits in der damaligen Zeit

00:37:44.720 --> 00:37:47.200
in den Wissenschaften mitunter von Nachteil,

00:37:48.760 --> 00:37:51.380
sich auf Goethe und die Farbenlehre zu berufen.

00:37:52.340 --> 00:37:53.540
Und das finde ich eigentlich ganz interessant.

00:37:54.620 --> 00:37:55.880
Ich frage mich gerade, haben denn

00:37:57.640 --> 00:38:12.420
ich weiß nicht, wer waren die großen Physiker zu der Zeit, dass die so einen Angriff auf Newton, haben die das einfach ignoriert, weil sie sagten, das erledigt sich eh von selbst?

00:38:13.599 --> 00:38:15.599
Oder gab es auch...

00:38:16.300 --> 00:38:24.240
Und große Physiker, die es auch wagen konnten, sich jemandem wie Goethe gegenüber zu äußern,

00:38:25.070 --> 00:38:27.680
die sagten, nee, totaler Bullshit.

00:38:29.380 --> 00:38:33.780
Naja, also der Herr Pfaff war ja einer der Physikprofessoren von Deutschland.

00:38:33.930 --> 00:38:35.300
Also das war jetzt nicht irgendjemand.

00:38:38.060 --> 00:38:40.660
Ja, es ist unterschiedlich.

00:38:42.440 --> 00:39:00.120
Also ein Zentrum der Befürwortung war sicher Berlin. Da hat es Protagonisten gegeben in der Goethe-Zeit, die sich dafür die Farbenlehre ausgesprochen haben. Ich weiß nicht, ob das Mehrheitsvoten sind oder ob man davon sprechen kann.

00:39:01.300 --> 00:39:17.360
Viele werden das auch gar nicht rezipiert haben. Die Mehrheit hat sich das sicher ablehnend geäußert und das fremdeste Diktum ist sicher, dass wenn man jetzt einen großen Physiker nimmt, von Hermann von Helmholtz, aber das war natürlich schon nach Gütes Tod,

00:39:18.820 --> 00:39:19.900
sich dazu

00:39:22.040 --> 00:39:24.080
ablehnend geäußert hat, aber

00:39:24.560 --> 00:39:27.740
Helmholtz war ja eben auch nicht nur Physiker, sondern auch Physiologe

00:39:28.550 --> 00:39:30.300
und deswegen hat er sich besonders für

00:39:31.130 --> 00:39:34.220
die Implikationen aus der Farbenlehre interessiert,

00:39:34.760 --> 00:39:37.020
die sich um die Physiologie des Sehens drehen.

00:39:37.790 --> 00:39:41.520
Aber im Prinzip kann man sagen, dass Helmholtz das nicht befürwortet hat.

00:39:42.740 --> 00:39:45.900
Und das ist, glaube ich, eine

00:39:47.020 --> 00:40:11.799
Er ist paradigmatisch für die Physik des 19. Jahrhunderts, ähnliches für die Physiologie wie Émile Dubois-Rémeaux, ein Schüler von Humboldt, wenn man das so sagen kann, der auch eine streng naturwissenschaftlich orientierte Physiologie gelehrt hat und vertreten hat und der das anwesend.

00:40:12.760 --> 00:40:18.620
auch scharf abgesprochen hat, dass Goethe überhaupt einen Platz in der Geschichte der

00:40:18.800 --> 00:40:25.600
Naturwissenschaften einnehmen soll. Das hat er ihm abgesprochen. Ähnliches findet sich

00:40:25.600 --> 00:40:30.940
dann auch oft im 20. Jahrhundert. Ein Befürworter natürlich war Rudolf Steiner, der

00:40:31.559 --> 00:40:34.099
jetzt kein Physiker ist und begründete Anthroposophie,

00:40:34.170 --> 00:40:37.859
aber der eben auch in Weimar über Goethe gearbeitet hat

00:40:38.020 --> 00:40:39.960
und auch über Goethes Naturwissenschaften,

00:40:40.599 --> 00:40:41.980
auch da in der Sammlung gearbeitet hat

00:40:42.079 --> 00:40:46.640
und der sich da eigentlich gut ausgekannt hat.

00:40:46.920 --> 00:40:49.020
Also skeptisch mal seinem Werk,

00:40:49.490 --> 00:40:52.920
ich zumindest, aber mich wahrscheinlich nicht der einzige Gegenüberstehende,

00:40:53.640 --> 00:40:55.420
der das schon geschätzt hat,

00:40:55.490 --> 00:40:58.000
aber eben sein eigenes Ding daraus gemacht hat.

00:41:18.400 --> 00:41:38.120
Am interessantesten finde ich aber das, was die Physik des 20. Jahrhunderts zur Gehütter-Farbenlehre zu sagen hat. Das Erstaunliche ist nämlich, dass es nicht wenige Physiker gibt, große und bekannte Namen, die sich dezidiert und länger zur Farbenlehre geäußert haben, positiv und negativ natürlich.

00:41:30.500 --> 00:41:30.520
Bis zum nächsten Mal.

00:41:39.820 --> 00:41:42.780
was man vielleicht nicht so auf dem Schirm hat.

00:41:43.579 --> 00:41:50.660
Also da gehören so Leute dazu wie Max Born, Heisenberg, Sommerfeld und einige andere noch.

00:41:51.280 --> 00:41:58.020
Und ja, vielleicht ist das mal etwas, was wir uns dann begelegen hätten

00:41:58.740 --> 00:42:01.599
oder jetzt dann gemeinsam anschauen können, es sei denn,

00:42:02.599 --> 00:42:08.160
ich habe irgendwas Wichtiges vergessen, ausgelassen oder es herrscht völlige Unklarheit.

00:42:10.940 --> 00:42:13.540
Du wirkst gerade etwas desorientiert.

00:42:14.020 --> 00:42:15.560
Ja, ich bin jetzt ein bisschen desorientiert.

00:42:15.560 --> 00:42:18.740
Ich weiß nicht, etwas, was eigentlich interessant ist.

00:42:19.400 --> 00:42:21.160
Was die gesagt haben, ist doch zum Beispiel interessant.

00:42:21.420 --> 00:42:22.599
Wenn du die Zitate hast.

00:42:23.400 --> 00:42:25.540
Ja, egal. Ich habe mir ein paar ausgesucht.

00:42:25.579 --> 00:42:25.720
Bitte.

00:42:26.680 --> 00:42:29.580
Es gibt zum Beispiel ein Gutachten von Arnold Sommerfeld,

00:42:29.680 --> 00:42:32.120
vielleicht sollte man sagen, weil das nicht jeder kennt,

00:42:34.060 --> 00:42:36.960
Physiker 1868, 1951, ich habe gerade nachgeschaut,

00:42:38.860 --> 00:42:41.180
der angeblich, ich weiß gar nicht, wie das funktionieren kann,

00:42:42.500 --> 00:42:45.900
84 Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen worden ist

00:42:46.740 --> 00:42:48.720
und ihn nicht bekommen hat,

00:42:48.900 --> 00:42:54.000
einer der großen Physiker des frühen 20. Jahrhunderts,

00:42:55.500 --> 00:43:02.200
Der wurde um ein Gutachten gebeten über die Farbenlehre, also eigentlich über Leute,

00:43:04.800 --> 00:43:09.620
deren Namen wir nicht mehr kennen, die Goethes Farbenlehre wieder fördern wollten,

00:43:09.720 --> 00:43:11.340
als größte naturwissenschaftliche Leistung.

00:43:11.440 --> 00:43:20.300
Und da wurde eben 1917, also mitten im Krieg, im Ersten Weltkrieg, von einem der großen Physiker Deutschlands

00:43:20.820 --> 00:43:24.780
Maschinen schriftliches Gutachten verlangt, was von Goethes Farbenlehre

00:43:25.460 --> 00:43:28.920
zu halten ist und ob man das in den Schulen oder sonst wo

00:43:29.260 --> 00:43:32.800
lehren soll. Und Arnold Sommerfeld

00:43:33.180 --> 00:43:36.660
sagt ganz klar, dass die

00:43:37.100 --> 00:43:40.460
Farbenlehre Goethes, ich zitiere, von Anfang an

00:43:40.620 --> 00:43:44.080
falsch angelegt ist und dass es deswegen

00:43:44.800 --> 00:43:47.500
eigentlich keinen Sinn macht,

00:43:49.460 --> 00:43:58.440
Und der götischen Farbenlehre fehlen wesentliche Momente, die der Künstler braucht. Sie ist von Anfang an falsch angelegt.

00:43:58.619 --> 00:44:06.400
Auch der Künstler kann sich nicht berufen auf die Farbenlehre, um etwas für Kunst, Malerei und so weiter zu lernen.

00:44:07.520 --> 00:44:10.799
Also nicht nur in der Physik, sondern auch im Bild.

00:44:10.740 --> 00:44:26.900
In der Kunst, in der Ästhetik sollte man sich nicht auf die Farbenlehre berufen, was ich ein sehr interessantes Urteil finde. Und Sommerfeld führt das dann auch aus, wie physiologisch Mischungen von Farben und so weiter. Hatten wir letztes Mal auch schon kurz erwähnt.

00:44:27.480 --> 00:44:29.940
gesprochen, dass da nicht

00:44:30.200 --> 00:44:32.900
unterschieden wurde zwischen den Farbmischungen

00:44:33.410 --> 00:44:35.940
und was auch ein wichtiger Punkt ist für

00:44:37.200 --> 00:44:39.839
Sommerfeld. Weiß ist eine zusammengesetzte Farbe,

00:44:40.020 --> 00:44:43.200
schreibt er, und schwarz hat objektiv keine Lichtenergie.

00:44:43.880 --> 00:44:47.900
Während weiß ja ein grundlegendes Phänomen ist für Goethe.

00:44:48.220 --> 00:44:50.220
Und wir reden von Licht, jetzt Lichtweiß.

00:44:50.220 --> 00:44:56.880
Genau, wir reden von Licht, von weißem Licht. Und

00:44:54.040 --> 00:45:12.000
Wenn ich sozusagen das Denkmodell jetzt schwarz im System der Physik nehme, dann ist schwarz einfach die Abwesenheit von Licht und nicht irgendetwas, das eine eigene Form von Licht oder Energie oder sonst was ist. Das sind eben die Kategorien.

00:45:12.460 --> 00:45:15.780
einfach die grundlegenden Einwände, die man laut Sommerfeld,

00:45:15.820 --> 00:45:18.160
und das kann man glaube ich auch nachvollziehen,

00:45:18.540 --> 00:45:20.260
irgendeine Farbenlehre haben muss.

00:45:21.140 --> 00:45:24.420
Also das betätigt sich jetzt nicht nur auf die Farbenlehre,

00:45:24.640 --> 00:45:28.700
auf die göthische, sondern auch auf die Anwendung, die andere anwendet.

00:45:28.720 --> 00:45:37.160
machen wollen. Es gibt einen zweiten längeren Aufsatz, auch im Krieg geschrieben von Werner

00:45:37.380 --> 00:45:42.460
Heisenberg, ein ganz bedeutender Physiker. Und zwar, wenn ich sage im Krieg geschrieben,

00:45:42.980 --> 00:45:50.079
rede ich jetzt von Mai 1941 in der Zellschrift Geist der Zeit.

00:45:51.660 --> 00:46:08.900
Und Heisenberg hat einen Vortrag gehalten in 1941 in Budapest und der wird dann hier abgedruckt in dieser Zeitschrift. Heisenberg muss man auch nicht vorstellen, ein großer Physiker des Lassens, Nobelpreis 1933, also er spricht schon als Nobelpreisträger der in Physik-Politik.

00:46:09.680 --> 00:46:15.240
Und Ungarn, also Budapest, Ungarn ist ja mit Deutschland verbündet, auch ein Kriegsbündnis.

00:46:15.380 --> 00:46:17.779
Und dieser Vortrag wohl zustande gekommen ist.

00:46:18.289 --> 00:46:22.000
Und der Heisenbergsche Vortrag, der ist jetzt wirklich interessant,

00:46:23.819 --> 00:46:30.160
weil Heisenberg gleich ganz dezidiert sagt, zu Beginn seines Vortrags der Kampf ist,

00:46:29.940 --> 00:46:32.119
Also die Frage, wer hat recht, Goethe und ein Juden,

00:46:32.720 --> 00:46:36.820
dieser Kampf, diese Entscheidung ist längst in allen Einzelfragen gefallen,

00:46:38.060 --> 00:46:42.619
nämlich für Newton und es gibt da keine Diskussion.

00:46:42.720 --> 00:46:47.619
Sieg und Entscheidung ist auf Newtons Seite, schreibt er.

00:46:47.920 --> 00:46:53.220
Und der Sieg, der Einfluss auf die Forschung des folgenden Jahrhunderts

00:46:53.560 --> 00:46:55.480
ist der newtonschen Farbenlehre geblieben.

00:46:56.079 --> 00:46:58.300
Und wenn man das dann so liest, ist...

00:46:58.720 --> 00:47:02.220
Das ist nur der Ausgangspunkt von Heisenberg.

00:47:03.370 --> 00:47:07.280
Es entwickelt sich immer weiter und eigentlich in eine ganz andere Richtung, als man denkt.

00:47:07.710 --> 00:47:13.640
Denn Heisenberg beginnt dann im Laufe des Vortrags zu unterscheiden zwischen zwei Wirklichkeiten.

00:47:13.700 --> 00:47:17.580
Es gibt nicht nur eine, es gibt zwei Wirklichkeiten, eine Objektive und eine Subjektive.

00:47:18.540 --> 00:47:23.080
Und die Objektive, das ist die, die durch die moderne Physik sozusagen erforscht wird,

00:47:23.290 --> 00:47:26.460
oder von der modernen Physik, von modernen Durchschnittsend erforscht wird,

00:47:27.260 --> 00:47:31.920
Und Heisenberg sagt, vor dem Angesicht der Quantenphysik,

00:47:31.920 --> 00:47:34.280
vor dem Angesicht der Entwicklungen der Neurenphysik,

00:47:35.020 --> 00:47:37.900
muss man sagen, dass auch diese objektive Wirklichkeit

00:47:37.980 --> 00:47:39.620
eine gemachte Wirklichkeit ist,

00:47:39.620 --> 00:47:45.760
eine durch den Beobachter, den Physiker hergestellte Wirklichkeit.

00:47:47.520 --> 00:47:51.460
Und daraus muss man einfach eine bestimmte Schlussfolgerung ziehen,

00:47:51.760 --> 00:47:54.980
nämlich die, dass diese Entscheidung,

00:47:56.760 --> 00:47:59.080
von der er am Anfang erklärt hat, dass sie längst gefallen ist,

00:47:59.820 --> 00:48:01.640
und was ja wissenschafts-historisch auch richtig ist,

00:48:02.200 --> 00:48:07.180
dass diese Entscheidung eben doch nicht so ist, wie man sich das vorstellt,

00:48:08.500 --> 00:48:11.960
sondern dass der Kampf Goethes gegen die physikalische Farbenlehre

00:48:12.480 --> 00:48:14.880
auch heute noch weiter ausgetragen werden muss.

00:48:15.540 --> 00:48:21.560
Das finde ich eine wirklich interessante Aussage von einem der großen Physiker des 20. Jahrhunderts.

00:48:22.859 --> 00:48:24.960
nachdem er erklärt hat, sie ist eigentlich schon gefallen.

00:48:25.039 --> 00:48:29.279
Nein, ja, sie ist gefallen, aber sie muss dennoch weiter ausgetragen werden,

00:48:30.099 --> 00:48:36.000
weil die Naturwissenschaft die objektive Wirklichkeit zwar recht haben,

00:48:36.760 --> 00:48:38.859
und woher wissen wir das? Wir wissen es durch die Technik.

00:48:39.279 --> 00:48:42.859
Die Technik funktioniert und die funktionierende Technik ist der Beweis,

00:48:43.020 --> 00:48:49.099
dass diese objektive Wirklichkeit sozusagen wirklich von den Naturwissenschaften

00:48:49.100 --> 00:49:05.300
Angegriffen, ergriffen, gehandelt werden kann. Aber die moderne Naturwissenschaft handelt nicht mehr von der Welt, wie sie sich uns unmittelbar darbietet, von einem dunklen Hintergrund dieser Welt,

00:49:05.820 --> 00:49:08.400
den wir durch unsere Experimente ans Licht bringen.

00:49:09.240 --> 00:49:11.000
Auch übrigens diese Metapher finde ich interessant.

00:49:11.400 --> 00:49:12.060
Ein dunkler Hintergrund.

00:49:12.080 --> 00:49:14.440
Ein dunkler Hintergrund, der ans Licht gebracht wird.

00:49:15.200 --> 00:49:17.960
Wir werden immer abstrakter, immer unanschaulicher.

00:49:18.680 --> 00:49:23.840
Und die Naturwissenschaften erschaffen eine Wirklichkeit,

00:49:24.040 --> 00:49:26.720
in der der Beobachter auch eine Rolle spielt, die so komplex.

00:49:29.100 --> 00:49:30.960
Vielleicht bleiben wir beim Wort unanschaulich,

00:49:30.960 --> 00:49:32.660
weil das ist fast ein gödisches Wort,

00:49:33.960 --> 00:49:36.200
dass sie nur mehr als dunkler Hintergrund erscheint,

00:49:36.460 --> 00:49:39.180
den wir eigentlich nicht mehr verstehen

00:49:40.220 --> 00:49:42.880
und wo wir auch den Beobachter einbeziehen müssen.

00:49:43.760 --> 00:49:44.900
Klingt jetzt ein bisschen logisch,

00:49:45.100 --> 00:49:46.900
dass es ausgerechnet von Heisenberg kommt,

00:49:47.680 --> 00:49:48.400
Quantenmechanik und so,

00:49:48.660 --> 00:49:50.820
und der Beobachter beeinflusst das System,

00:49:50.820 --> 00:49:52.140
das er beobachtet und solche Sachen.

00:49:52.580 --> 00:49:54.300
Ich dachte jetzt eben an...

00:49:54.800 --> 00:50:00.600
an Einstein, seine Relativitätstheorie, die im Prinzip ja die newtonsche Physik,

00:50:01.700 --> 00:50:03.180
was die newtonsche Physik oder was?

00:50:03.750 --> 00:50:04.080
Ja, ja.

00:50:06.780 --> 00:50:10.740
Nicht solit machte, aber erweiterte und in Bereichen.

00:50:11.420 --> 00:50:12.840
Ja, genau.

00:50:14.660 --> 00:50:17.400
Eigentlich bestätigt sie die newtonsche Physik, aber sie...

00:50:17.420 --> 00:50:20.599
zeigt, dass sie ein Grenzfall ist, wenn man so will.

00:50:21.440 --> 00:50:24.859
Ein Grenzfall, der in großen und kleinen Dimensionen

00:50:26.569 --> 00:50:28.299
diese Regeln und Gesetze nicht mehr gelten,

00:50:29.700 --> 00:50:31.940
aber sie gelten eben im judischen Bereich,

00:50:32.680 --> 00:50:35.160
in unserem Bereich, aber nicht im

00:50:36.160 --> 00:50:38.960
im kosmologischen oder im krankenphysikalischen Bereich,

00:50:40.000 --> 00:50:41.840
weil es ja da in ihre Grenzen kommt.

00:50:42.360 --> 00:50:44.560
Und das Ähnliches sagt Heisenberg auch,

00:50:44.870 --> 00:50:48.880
die Natur entzieht sich der genauen Festlegung durch unsere anschaulichen Begriffe,

00:50:49.980 --> 00:50:53.140
durch die unvermeidliche Störung, die mit jeder Beobachtung verbunden ist.

00:50:53.140 --> 00:50:57.960
Und diese Beobachtung entscheidet erst, welche Züge der Natur bestimmt werden.

00:50:58.420 --> 00:51:02.620
Eigentlich ist das ein Schluss, den man schon aus dem Doppelspaltexperiment

00:51:03.160 --> 00:51:13.920
18.2, glaube ich, schließen kann, wo man eben zeigen kann, dass sich Licht eben nicht nur als Teilchen, sondern vor allem auch als Welle verhält.

00:51:14.500 --> 00:51:22.060
Und ich bringe das Licht dazu, sich als Welle zu verhalten, indem ich bestimmte physikalische Experimente anstelle, wo ich das zeigen kann.

00:51:23.660 --> 00:51:33.800
Und damit relativiert Heisenberg ja eigentlich nichts anderes als seine Aussage vom Beginn seines Vortrags, dass die Frage entschieden ist.

00:51:34.579 --> 00:51:44.020
Sie ist insofern nicht entschieden, als dass, wenn ich von der jüdischen Physik jetzt zur modernen Physik gehe, den Beobachter mit einbeziehe.

00:51:44.050 --> 00:51:48.920
Das ist das, was Goethe ja eigentlich unablässig fordert und was Newton ja ausschalten möchte.

00:51:49.000 --> 00:51:50.260
und

00:51:51.560 --> 00:51:53.160
dann bekommt das Ganze ein anderes Gesicht.

00:51:54.880 --> 00:51:58.540
Und Heisenberg fasst das dann am Schluss seines Vortrags in Budapest zusammen,

00:51:59.760 --> 00:52:04.700
dass eigentlich die göthische und die nutische Farbenlehre im Licht der modernen Physik,

00:52:04.700 --> 00:52:07.800
so heißt der Vortrag, nicht im Widerspruch zueinander stehen.

00:52:09.640 --> 00:52:12.880
Obwohl Goethe das selbst so empfunden hat und viele andere auch und so weiter,

00:52:13.080 --> 00:52:13.920
sondern Heisenberg sagt,

00:52:14.920 --> 00:52:27.220
Also wenn man so denkt und wenn man auf diese Weise die Wirklichkeit betrachtet, dann löst sich der Widerspruch, sagt Heisenberg, zwischen der götischen und der jüdischen Farbenlehre von selbst.

00:52:28.329 --> 00:52:34.720
Die beiden Theorien stehen an verschiedenen Stellen in jenem großen Gebäude der Wissenschaft und

00:52:36.100 --> 00:52:41.060
Es sind also verschiedene Arten und Methoden, mit Licht und Farben umzugehen.

00:52:42.560 --> 00:52:46.220
Und ist also nicht nur, was eben Böhme zum Beispiel sagt,

00:52:48.640 --> 00:52:51.500
eine ästhetische Theorie, die für Maler dient,

00:52:51.560 --> 00:52:53.900
sondern es ist eine grundlegende Naturtheorie.

00:52:54.780 --> 00:52:59.060
Das finde ich aus dem Munde von Heisenberg wirklich interessant.

00:52:59.520 --> 00:53:02.200
Da hätte sich Goethe wahrscheinlich...

00:53:03.119 --> 00:53:04.160
sehr mit zurechtgefunden.

00:53:04.210 --> 00:53:04.920
Also er hat ja wahrscheinlich

00:53:06.800 --> 00:53:07.240
wiedergefunden.

00:53:07.950 --> 00:53:09.300
Ich glaube auch und ich glaube auch,

00:53:09.820 --> 00:53:11.880
dass ich kein vergiftetes Geschenk

00:53:11.880 --> 00:53:13.420
in diesem Vortrag übersehen habe,

00:53:14.780 --> 00:53:15.099
weil

00:53:15.790 --> 00:53:17.780
das eben die Denkbewegung dieses Vortrags

00:53:31.940 --> 00:53:32.119
ist.

00:53:33.020 --> 00:53:40.119
Okay, mir geistert gerade so ein komischer Gedanke rum, es ist jetzt aber nicht so, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll.

00:53:44.119 --> 00:53:46.819
Hat jetzt Goethe durch die Hintertür doch recht gehabt?

00:53:47.180 --> 00:53:51.240
Oder ist das nur, weil Eisenberg einfach der Welt,

00:53:53.619 --> 00:53:56.240
diese Gedankenwelt der Quantenphysik,

00:53:57.500 --> 00:53:58.840
genutzt, um Goethe

00:53:58.870 --> 00:54:01.200
so ein bisschen mit ins Boot zu holen

00:54:01.230 --> 00:54:03.060
oder so, weil er halt Goethe war.

00:54:03.460 --> 00:54:05.160
Ja genau, die Frage ist doch berechtigt,

00:54:05.320 --> 00:54:07.180
aber ich glaube, bei der Frage

00:54:07.580 --> 00:54:08.320
sieht man auch

00:54:09.030 --> 00:54:10.600
die Schwierigkeiten, das zu verstehen.

00:54:11.320 --> 00:54:13.000
Ich glaube nicht, dass man jetzt

00:54:13.100 --> 00:54:15.040
mit der Quantenphysik

00:54:15.220 --> 00:54:16.960
Goethe retten kann. Ich glaube, dass es auch gar nicht

00:54:17.030 --> 00:54:19.700
darum geht, Goethe zu retten, sondern

00:54:20.839 --> 00:54:39.700
Worum geht es denn? Man kann doch zwei Dinge auf zwei Arten mit dieser Fabrik umgehen. Man kann sie einerseits wissenschaftshistorisch anschauen. Also wer hat das geschrieben, warum hat er das gemacht, welche Wirkung hatte das und so weiter. Das ist eine wirklich interessante Frage, die wahrscheinlich nur Spezialisten letztlich beantwortet.

00:54:40.000 --> 00:54:41.180
im Detail interessiert.

00:54:42.160 --> 00:54:43.300
Aber sie ist legitim.

00:54:43.700 --> 00:54:45.160
Ein großer Dichter beschäftigt sich

00:54:45.400 --> 00:54:47.420
jahrzehntelang mehr mit solchen

00:54:47.680 --> 00:54:49.660
Fragen als mit dem Faust.

00:54:49.960 --> 00:54:51.160
Was ein bisschen ungerecht ist, weil

00:54:51.160 --> 00:54:53.300
mit dem Faust hat er sich auch wirklich fünf Jahrzehnte beschäftigt.

00:54:55.079 --> 00:54:55.320
Ja,

00:54:56.579 --> 00:54:57.200
das ist das eine.

00:54:57.200 --> 00:54:57.920
Und das andere ist,

00:54:58.960 --> 00:55:13.200
Wir haben hier einen der längsten Texte Goethes, oder mit Sicherheit den längsten Text Goethes zu den Naturwissenschaften und einen der längsten Texte in der Geschichte der Wissenschaft zu Naturwissenschaften.

00:55:13.700 --> 00:55:18.620
Und das ist der zweite Weg und der zweite Punkt, den man hier, glaube ich, betrachten muss.

00:55:18.960 --> 00:55:24.040
Wir können an dem Text lernen, an dem Buch lernen, Text ist auch ein dummes Wort,

00:55:24.520 --> 00:55:40.500
an dem Buch lernen, wie betreibt man Wissenschaft, wie setzt man sich mit der Natur auseinander, wo sind die Grenzen der Methoden der Naturwissenschaft, wie kann ich die erweitern, überschreiten, immer wieder auf viele Arten weiter.

00:55:41.140 --> 00:55:44.240
sozusagen darüber hinausgehen, wieder oder wieder zurückkehren und so weiter.

00:55:44.250 --> 00:55:46.700
Und das kann ich historisch machen, das kann ich polemisch machen,

00:55:47.380 --> 00:55:48.640
das kann ich didaktisch machen.

00:55:49.220 --> 00:55:51.040
Sind meine ganzen Irrtümer auch mit dabei?

00:55:52.380 --> 00:55:53.860
Letztlich meine ganze Lebensgeschichte.

00:55:54.610 --> 00:55:57.180
Ja, ich finde das deswegen einen faszinierenden Text.

00:55:57.290 --> 00:56:02.420
Und die Frage, richtig oder falsch, die ist falsch, die Frage,

00:56:03.320 --> 00:56:05.460
weil erstens gibt es keine eindeutige Antwort darauf,

00:56:06.640 --> 00:56:11.260
weil die Farbenlehre natürlich ganz viele Thesen hat und das sind natürlich welche richtigen und welche falsch.

00:56:14.820 --> 00:56:24.780
Wissenschaftshistorisch, da hast du recht, muss man sagen, die Farbenlehre war zwar ein Stachel, wenn man so will, im Fleisch, der Optik, aber vielleicht war sie auch nicht mal das,

00:56:26.260 --> 00:56:27.339
beeinflusst hat sie jetzt

00:56:28.000 --> 00:56:29.819
die Geschichte der Optik

00:56:30.020 --> 00:56:31.599
und der Physik vielleicht weniger,

00:56:31.779 --> 00:56:32.839
als Goethe das gewollt hat.

00:56:33.069 --> 00:56:33.839
Mit wenig Relevanz.

00:56:34.640 --> 00:56:37.420
Mit wenig Relevanz. Da kann man immer eine gewisse Schuld.

00:56:37.760 --> 00:56:39.520
Wenn man jetzt von Schulstürz sprechen will,

00:56:40.140 --> 00:56:41.240
kann man ja nicht absprechen.

00:56:42.299 --> 00:56:43.500
Er hätte es auch höflicher machen können.

00:56:43.529 --> 00:56:44.260
Er hat es nicht gemacht.

00:56:44.559 --> 00:56:45.180
Das ist okay.

00:56:48.080 --> 00:57:01.780
Dass man dieses Buch verwenden kann als Reflexion über Natur und Naturanschauung und Erforschung. Ich glaube, das ist doch der eigentliche Punkt. Ich bin der Letzte, der jetzt Goethe retten will.

00:56:55.270 --> 00:56:55.380
Aber

00:57:03.540 --> 00:57:12.300
Aber wenn einem Buch das gelingt und rezeptionsgeschichtlich, wenn es einem Buch gelingt, solche Köpfe wie Max Born,

00:57:12.859 --> 00:57:18.220
den haben wir noch nicht in seine Betrachtungen zur Farbenlehre gesehen, oder Heisenberg oder viele andere.

00:57:18.339 --> 00:57:24.839
Also Hegel, ich sei nicht verschwiegen, meinen Sprung wieder zurückzumachen, war natürlich von der Farbenlehre überzeugt.

00:57:25.540 --> 00:57:28.460
Schopenhauer hat sich erbütig gemacht, die Farbenlehre.

00:57:29.200 --> 00:57:32.240
zu vollenden, wie für ihn selbstverständlich richtig war.

00:57:33.180 --> 00:57:39.240
Also wenn es mir gelingt, solche Köpfe, solche Leute zu faszinieren und zu beschäftigen,

00:57:39.359 --> 00:57:42.720
dann ist das ja etwas, was man nicht über viele Bücher sagen kann.

00:58:11.339 --> 00:58:12.740
Musik

00:58:12.559 --> 00:58:13.599
Was hat Max Born gesagt?

00:58:15.720 --> 00:58:20.900
Max Born, Quantenphysiker, Quantenmechaniker, auch Nobelpreisträger 1954,

00:58:23.520 --> 00:58:37.520
Und Max Born hat auch einen Vortrag gehalten, der ist auch publiziert worden, wo er allgemein über Farbenlehre, nicht nur von Goethe schreibt, aber eben auch über Goethe und das auch beurteilt und Max Born

00:58:39.100 --> 00:58:41.340
tritt sozusagen zurück gegenüber Heisenberg,

00:58:41.350 --> 00:58:44.320
sagt, also gegenüber Newton hat Goethe

00:58:44.580 --> 00:58:47.460
gerade den Kürzeren gezogen und die These,

00:58:48.380 --> 00:58:51.020
die Grundthese, die physikalische Grundthese Goethes,

00:58:51.140 --> 00:58:54.540
nämlich, dass die Farben durch Kantenspektren

00:58:54.820 --> 00:58:57.640
entstehen, ist keine These

00:58:59.020 --> 00:59:01.039
die der Newton'schen Optik

00:59:02.190 --> 00:59:04.359
der Lichtbrechung gleichwertig wäre.

00:59:04.599 --> 00:59:07.359
Also man sieht Max Born ganz klar

00:59:08.260 --> 00:59:09.380
einen Rangunterschied.

00:59:10.359 --> 00:59:12.880
Aber, und das ist bei Max Born

00:59:13.660 --> 00:59:16.500
viel allgemeiner ausgeführt als bei Heisenberg,

00:59:18.279 --> 00:59:19.579
es gibt auch ein Aber,

00:59:20.619 --> 00:59:22.359
das gegenüber Goethe

00:59:24.510 --> 00:59:25.440
einen Vorteil hat,

00:59:26.859 --> 00:59:36.740
Man kann ruhig zugeben, dass er auf dem Gebiet der Physik, nämlich Ers Goethe, auf dem Physik der Farben gegenüber Newton den Kürzeren gezogen hat, ohne seine Größe zu beeinträchtigen.

00:59:36.960 --> 00:59:42.220
Aber die physische und logische Zergliederung von Phänomenen lag ihm nicht.

00:59:42.799 --> 00:59:45.260
Er wollte die Natur als Ganzes sehen und begreifen.

00:59:45.359 --> 00:59:45.520
und

00:59:46.740 --> 01:00:05.780
Das ist, wenn wir jetzt die Frage falsch und richtig sagen, ein bisschen unglücklich, denn dass Goethe die physische und logische Zergliederung Phänomene nicht gelegen hat, ist eine auch recht kühne und allgemeine Aussage. Er hat immerhin ja jahrzehntelang nichts anderes fast gemacht.

01:00:06.500 --> 01:00:11.280
Dass sie die Natur als Ganzes sehen und begreifen will, das stimmt, aber es ist halt sehr allgemein.

01:00:11.839 --> 01:00:12.720
Ist so ein bisschen das Klischee.

01:00:13.540 --> 01:00:14.740
Ein bisschen das Klischee, genau.

01:00:15.400 --> 01:00:19.040
Und Max Born führt das aber Gott sei Dank dann doch noch ein bisschen aus,

01:00:20.339 --> 01:00:24.000
sich auf den didaktischen Teil der Farbenlehre zu beruhen und da sagt er dann,

01:00:26.020 --> 01:00:42.940
Und dass Goethe eben den Bogen spannt und wir sind immer noch beim Thema, die Natur zu begreifen, dass er eben die Wirkung von Farben untersucht und zwar die psychische, ästhetische, allegorische, symbolische und mystische Wirkung der Farben.

01:00:43.720 --> 01:00:46.220
Das ist das Begreifen der Natur als Ganzes.

01:00:46.740 --> 01:00:54.980
Aber für mich ist die psychische, ästhetische, allegorische, symbolische und mystische Wirkung von etwas, die wir in der Natur haben.

01:00:52.760 --> 01:00:55.840
eigentlich was weniger mit Natur zu tun hat

01:00:56.160 --> 01:00:56.840
als mit dem Menschen.

01:00:57.480 --> 01:00:59.400
Es sind ja alles Kategorien des Menschen,

01:00:59.580 --> 01:01:02.320
das Mystische, das Psychische, das Ästhetische und so weiter.

01:01:03.240 --> 01:01:05.800
Dass sich ja in der objektiven Welt,

01:01:05.820 --> 01:01:07.260
wenn man es jetzt so nennen will, in der Physik,

01:01:08.040 --> 01:01:10.800
findet sich keine symbolische Wirkung von Farben,

01:01:11.060 --> 01:01:11.820
keine ästhetische.

01:01:15.300 --> 01:01:32.500
reduziert sich das Begreifen der Natur als Ganzes bei Goethe auf Wirkungen von Farben auf den Menschen und allerdings auf allen Ebenen, aber zum objektiven Verständnis optischer Gesetze,

01:01:21.680 --> 01:01:22.480
Also letztlich

01:01:33.680 --> 01:01:36.980
das ist doch der implizite Schluss, den man aus solchen Sätzen ziehen muss,

01:01:37.940 --> 01:01:40.240
leistet sie wenig für Max Born.

01:01:41.599 --> 01:01:44.380
Das ist ein Vortrag von 1962 gewesen,

01:01:44.820 --> 01:01:46.859
das man nur einordnen kann.

01:01:49.160 --> 01:01:50.700
Es scheint mir schon so,

01:01:52.500 --> 01:01:54.200
entspricht meinem Eindruck so ein bisschen,

01:01:57.680 --> 01:01:59.220
was die Physik angeht,

01:01:59.299 --> 01:02:00.260
hat er daneben gelegen.

01:02:01.500 --> 01:02:02.220
Bei diesem

01:02:02.140 --> 01:02:03.180
er hat

01:02:03.059 --> 01:02:04.799
psychologischen und physiologischen Teil

01:02:06.160 --> 01:02:07.099
kann ich jetzt gar nicht

01:02:07.240 --> 01:02:08.720
sagen, wie richtig er da gelegen hat.

01:02:08.720 --> 01:02:10.200
Ich habe mich zum Beispiel gerade gefragt,

01:02:11.220 --> 01:02:12.940
wenn ich diesen Farbkreis, den wir

01:02:13.059 --> 01:02:14.539
auf dem Cover vor mir habe,

01:02:15.619 --> 01:02:16.980
da sind im Prinzip zwei Ringe

01:02:18.099 --> 01:02:18.839
mit diesen

01:02:19.859 --> 01:02:20.819
Farbsegmenten und

01:02:20.980 --> 01:02:23.000
den Beschreibungen im äußeren

01:02:23.200 --> 01:02:24.900
Ring Vernunft oder

01:02:25.119 --> 01:02:26.559
Was steht da noch? Kann ich gar nicht lesen.

01:02:26.660 --> 01:02:29.059
Im inneren Ring gibt es dann sowas wie edel und gut.

01:02:30.079 --> 01:02:31.660
Wir haben gar nicht, oder ich habe gar nicht gefragt,

01:02:32.660 --> 01:02:35.279
wie kommt denn Goethe dazu?

01:02:36.099 --> 01:02:37.819
Und es war, glaube ich, mit Schiller zusammen oder so, ne?

01:02:37.940 --> 01:02:38.119
Genau.

01:02:39.299 --> 01:02:42.900
Zu sagen, dieses Orange, dieses dunkle Orange

01:02:43.640 --> 01:02:46.680
ist mit edel verbunden und das Gelb mit gut.

01:02:48.339 --> 01:02:48.539
Ja.

01:02:48.539 --> 01:03:03.839
Ja, naja, also Goethe greift natürlich auf eine lange Theorie, ich nenne es mal ganz kurz Farbpsychologie zurück, die auch weiterentwickelt unter Wirkungen von Farben. In der Antike macht man sich da schon viele Gedanken in der Renaissance und so weiter.

01:03:04.960 --> 01:03:20.900
Und darum geht es auch in der Farbenlehre und auch, dass er seinen eigenen Wohnraum hat Goethe ja zum Teil nach diesen Lehren gestaltet. Also bekanntlich das Arbeitsthema, das hatten wir auch schon das letzte Mal, das Thema, das ist ja in einem...

01:03:21.240 --> 01:03:30.059
hellen, leicht anregenden Grün, einer neutralen Farbe gehalten, die eben die Wirkung hat,

01:03:30.299 --> 01:03:35.619
leicht anzuregen, aber nicht zu stark. In der Vorstellung der Zeit ist Grün neutral,

01:03:36.240 --> 01:03:37.760
so ähnlich wie das Wiesengrün.

01:03:37.960 --> 01:03:44.599
Das heißt, er hat im Prinzip gesammelt, was es dazu an Aussagen gibt und

01:03:44.800 --> 01:03:48.920
Hat dann gesagt, die meisten sagen mit grün oder mit gelb.

01:03:50.080 --> 01:03:53.640
Hat es vor allem auch an sich selbst getestet, beobachtet an anderen.

01:03:54.500 --> 01:04:02.680
Hat ja auch Farbenblinde befragt, wie sie jetzt die Wiese sehen oder die Bäume und hat das nachgezeichnet nach deren Angaben.

01:04:03.160 --> 01:04:05.560
Es gibt also umfangreich Dinge.

01:04:06.140 --> 01:04:13.900
Versuchsanordnungen, muss man fast sagen, entsprechen in der heutigen Psychologie meines Wissens nach auch das Erste oder einer der Ersten, der das gemacht hat.

01:04:15.200 --> 01:04:17.260
Mit welchen Farben und welchen Eigenschaften verbindet.

01:04:17.740 --> 01:04:27.000
Genau und gibt es geschlechterspezifische Unterschiede oder Unterschiede zwischen den Völkern, die bestimmte Farben oder Kombinationen bevorzugen und so weiter.

01:04:27.520 --> 01:04:40.839
Das hat ihn alles interessiert, kann man alles in der Farbenlehre nachlesen. Das ist ein ungeheures Material. Es ist eine Kulturgeschichte der Farben letztlich, auch mit dabei geworden, die natürlich auch für Mare interessant ist. Ich will das überhaupt nicht absprechen.

01:04:43.079 --> 01:04:47.720
diese anfängliche Äußerung von Böhme, aber eben nicht nur.

01:04:48.300 --> 01:04:52.680
Aber das ist auch sehr umfangreich und spielt eine wichtige Rolle.

01:04:53.010 --> 01:04:56.380
Ich habe zum Abschluss noch, das würde ja auch in das passen,

01:04:56.460 --> 01:05:01.359
du hast noch einen letzten Zeugen, einen Mathematiker in diesem Fall,

01:05:01.970 --> 01:05:05.280
nämlich Andreas Speiser, das war ein Schweizer Mathematiker und Philosoph.

01:05:06.180 --> 01:05:20.700
Oh, interessant. Wenig bekannt, aber hat wirklich ein paar interessante Aufsätze und Bücher geschrieben. Und der hat auch natürlich einen Aufsatz über Goethes Farbenlehre geschrieben, natürlich, vielleicht falsch, 1952, damit wir wissen, in welcher Zeit wir uns bewegen.

01:05:22.280 --> 01:05:28.880
Und für Andreas Speiser ist die Farbenlehre, ich fasse das auch nicht kurz zusammen, letztlich eine Geisteswissenschaft.

01:05:29.260 --> 01:05:32.660
Es ist also eine Wissenschaft, aber eine Geisteswissenschaft, keine Naturwissenschaft.

01:05:33.640 --> 01:05:35.360
Eine Geisteswissenschaft, die zur Kunst gehört.

01:05:36.220 --> 01:05:40.540
Und Andreas Speiser war ein wirklicher Kenner der Farbenlehre, muss man auch sagen.

01:05:41.280 --> 01:05:47.220
Er entwickelt da in diesem sehr schönen, kurzen, schönen, präzisen Aufsatz ein.

01:05:47.220 --> 01:05:50.600
ganz wichtige Einsichten, wie Goethe das gesehen hat

01:05:50.700 --> 01:05:52.660
und rekonstruiert die Farbenlehre.

01:05:53.700 --> 01:05:56.020
Für ihn ist es eben eine Geisteswissenschaft, die zur Kunst gehört

01:05:56.180 --> 01:05:59.920
und in der Goethe eine Symbolsprache der Natur,

01:06:00.220 --> 01:06:01.540
eine Natursprache entwickelt.

01:06:02.340 --> 01:06:06.480
Und das ist der eigentliche Grund, warum die Farbenlehre für uns noch interessant ist.

01:06:06.540 --> 01:06:08.880
Es ist keine, das fasse ich jetzt wieder zusammen,

01:06:09.220 --> 01:06:11.400
keine überholt naturwissenschaftliche These,

01:06:11.800 --> 01:06:14.600
sondern es ist eine

01:06:15.220 --> 01:06:26.660
Ein grundlegender Versuch, die Natur in allen ihren Aspekten über die Natur nachzudenken, sie zu untersuchen, zu beschreiben, als Geisteswissenschaft.

01:06:43.780 --> 01:06:44.580
Musik

01:06:44.460 --> 01:06:59.220
Untertitelung des ZDF, 2020

01:06:52.299 --> 01:06:54.380
Bei mir entsteht gerade so ein bisschen der Eindruck,

01:06:55.760 --> 01:06:56.559
den Teil

01:06:56.680 --> 01:06:57.839
der harten Physik,

01:06:59.180 --> 01:07:00.520
der von ganz vielen

01:07:00.660 --> 01:07:01.900
wirklich abgelehnt wurde, weil er sagt,

01:07:02.059 --> 01:07:04.020
da hat er falsch gelegen und Newton hat er recht.

01:07:05.619 --> 01:07:06.380
Den kann man

01:07:06.510 --> 01:07:08.180
so beurteilen, weil es eben

01:07:08.400 --> 01:07:10.260
harte Physik ist, die nach bestimmten Regeln

01:07:10.520 --> 01:07:11.859
funktioniert und wenn man

01:07:12.380 --> 01:07:14.079
da bestimmte Tests nicht besteht,

01:07:14.460 --> 01:07:15.740
dann kann man irgendwann sagen, okay,

01:07:15.900 --> 01:07:17.859
die These war irgendwie falsch.

01:07:20.000 --> 01:07:25.160
Wenn es um diese anderen Aspekte geht, die Farbpsychologie, die Farbphysiologie,

01:07:20.440 --> 01:07:20.880
Während

01:07:26.400 --> 01:07:31.880
wobei die Farbphysiologie ja auch eigentlich eine harte Naturwissenschaft ist.

01:07:33.280 --> 01:07:39.080
Aber sobald es dann auch in diese Psychologie geht, die Wirkung von Farben,

01:07:39.080 --> 01:07:43.100
dann wird es dann sehr subjektiv, dass es da keine...

01:07:44.040 --> 01:07:45.180
so harte Ablehnung

01:07:45.280 --> 01:07:46.840
gegeben hat, kann darin liegen, dass er

01:07:46.940 --> 01:07:48.900
Recht gehabt hat? Oder liegt

01:07:48.960 --> 01:07:50.260
es vielleicht einfach auch daran, dass

01:07:50.640 --> 01:07:52.200
dieser ganze Bereich

01:07:52.800 --> 01:07:53.200
insgesamt

01:07:54.920 --> 01:07:56.140
nicht so hart zu

01:07:56.720 --> 01:07:58.580
beurteilen ist wie eine Physik?

01:07:58.760 --> 01:07:59.420
Also weil es halt eben,

01:08:00.560 --> 01:08:02.340
wir kommen in die Geisteswissenschaft, wo es

01:08:03.040 --> 01:08:11.220
viele Interpretationsmöglichkeiten gibt, wo es oft kein falsch und richtig in diesem harten Sinne gibt.

01:08:11.430 --> 01:08:17.100
Also hat es vielleicht einfach nur damit zu tun, dass in dem Bereich solche Urteile vielleicht gar nicht so möglich sind.

01:08:18.380 --> 01:08:37.600
Ja, ich würde es nicht so streng formulieren. Ich würde sagen, dass man schon zu Objektiven, wenn es überhaupt objektive Aussagen gibt, dass man auch da kommen kann, gerade in der Physiologie, glaube ich, ist das unbestritten. Goethe steht da am Beginn, also die moderne Physiologie gibt es zu Goethes Zeiten noch nicht, die entsteht gerade.

01:08:38.699 --> 01:08:54.799
Und die feiert ihre Triumph im 19. Jahrhundert, im Fortschreiten des 19. Jahrhunderts. Und die Methodiken des 20. Jahrhunderts sind nochmal viel ausgefeilter. Und ähnliches ja in der Psychologie. Es entstehen ja gerade die ersten Lehrstühle für Psychiatrie, der Begriff des Unbewussten.

01:08:56.280 --> 01:09:14.920
Das gibt es bei Schelling und dann bei Richard Wagner. Das ist auch etwas, was erst entsteht oder was gerade dabei ist. Und Goethe steht da am Anfang. Insofern, auch wenn er sich da jetzt groß verrannt oder geirrt hätte oder sonst etwas, ist es ja trotzdem eine Pionierleistung auf dem Gebiet.

01:09:16.100 --> 01:09:33.900
Ich glaube, dass du mit dem Eindruck recht hast, wenn du sagst, wir trennen das mal in den harten physikalischen und in den weniger harten physiologisch-psychologischen Teil recht hast, in dem Sinn, dass du da wahrscheinlich die Mehrheitsmeinung in den Wissenschaften,

01:09:34.920 --> 01:09:35.800
für dich hast.

01:09:37.140 --> 01:09:41.520
Es gibt Leute, die der Meinung sind, Goethe hat auch in physikalischen Teil

01:09:41.960 --> 01:09:45.940
Recht entstehen, gibt es Versuchsreihen, Bücher und so weiter.

01:09:46.480 --> 01:09:53.540
Die haben sich aber in der Physik der Universitäten und der Wissenschaften

01:09:53.960 --> 01:09:56.520
nicht, können sich da nicht durchsetzen, nicht behaupten.

01:09:56.620 --> 01:09:59.200
Aber es gibt sie, will ich jetzt auch nicht verschweigen.

01:10:00.060 --> 01:10:17.600
Vielleicht ist der Streit oder die Diskussion ja auch ein Ausdruck der Unabschließbarkeit der naturwissenschaftlichen Physik, wo es immer noch Phänomene gibt, die verschieden gedeutet werden können, die nur schlecht gedeutet werden können.

01:10:18.520 --> 01:10:19.739
Oder eben verschieden, wie auch immer.

01:10:20.400 --> 01:10:23.320
Das gab es ja bereits zu Goethes Lebzeiten.

01:10:23.719 --> 01:10:27.900
Da wurden zum Beispiel polarisiertes Licht entdeckt, was Goethes sehr fasziniert hat.

01:10:28.040 --> 01:10:29.520
Es war nachgefunden.

01:10:29.500 --> 01:10:33.980
der Publikation der Farbenlehre und Goethe hat in den Nachträgen zur Farbenlehre auch darüber geschrieben

01:10:34.260 --> 01:10:37.199
und auch lange dazu geforscht und experimentiert.

01:10:38.780 --> 01:10:42.380
Vielleicht gibt es solche Phänomene, vielleicht kann man Phänomene ja verschieden deuten.

01:10:43.340 --> 01:10:48.719
Juden deutet ja, oder sagen wir so, wir gehen ja von der These aus, dass es

01:10:49.800 --> 01:10:50.960
eine Physik gibt und

01:10:50.960 --> 01:10:52.980
da gibt es Behauptungen und diese Behauptungen

01:10:53.179 --> 01:10:54.900
kann ich falsifizieren

01:10:55.050 --> 01:10:56.719
oder verifizieren, falsifizieren

01:10:57.190 --> 01:10:58.719
durch ein entscheidendes Experiment,

01:10:59.119 --> 01:11:00.020
dass das eben widerlegt.

01:11:00.809 --> 01:11:03.079
Die Frage ist halt, welches Experiment ist entscheidend?

01:11:03.820 --> 01:11:04.360
Wenn ich jetzt

01:11:04.720 --> 01:11:11.020
Das Experimentum Grotis bei Newton nehme, das ist das Prisma-Experiment in der abgedunkelten Kammer,

01:11:11.480 --> 01:11:15.500
die dann mir aus weißem Licht die Spektalfarben bietet.

01:11:15.680 --> 01:11:19.920
Und die Spektalfarben kann ich nicht weiter aufteilen, wenn es wirkliche Spektalfarben sind.

01:11:20.100 --> 01:11:27.520
Also ich kann das rote Licht oder das grüne Licht nicht mehr dann noch einmal regenbogenartig teilen,

01:11:27.560 --> 01:11:29.040
sondern es bleibt dann grün und rot.

01:11:29.960 --> 01:11:34.400
Das wäre das Newton'sche Entscheidende-Experiment.

01:11:34.610 --> 01:11:41.980
Bei Goethe ist es ein anderes Experiment, nämlich das Aufscheinen von Kantenspektren durch das Prisma.

01:11:42.550 --> 01:11:45.340
Also Farben entstehen an Grenzen.

01:11:46.350 --> 01:11:53.200
Und das Licht erleidet sozusagen, oder macht eine Verwandlung durch, erleidet eben diese...

01:11:53.820 --> 01:11:59.980
und verändert damit dann seine Natur und das Weiß wird dann gelb oder blau abgeschwächt.

01:12:00.210 --> 01:12:00.700
Je nachdem.

01:12:02.640 --> 01:12:06.340
Ja, wenn ich das als zentrales Experiment ansehe,

01:12:07.160 --> 01:12:12.280
dann habe ich vielleicht andere Experimente, die das widerlegen können oder nicht.

01:12:13.200 --> 01:12:20.100
Und ein großer Unterschied, glaube ich, ist bei Goethe der, dass es die

01:12:21.000 --> 01:12:26.000
bei Goethe viel mehr Experimente gibt in ständigen Variationen als bei Newton,

01:12:28.180 --> 01:12:32.980
die die Phänomene des Lichts immer nahe am Phänomen untersuchen wollen

01:12:33.180 --> 01:12:36.820
und irgendwo aufhören, irgendwo enden, das nennt er dann das Urphänomen,

01:12:37.040 --> 01:12:38.340
dahinter kann ich nicht mehr zurückgehen.

01:12:39.190 --> 01:12:43.080
Und es ist ja nicht so, dass Goethe nicht experimentiert hätte

01:12:43.150 --> 01:12:46.080
oder nicht die Mathematik bezogen hätte, sondern im Gegenteil,

01:12:46.600 --> 01:12:59.100
Die Experimente sind viel mehr, viel zahlreicher, viel abgewandelter, weil Goethe wenig dem abstrakten Denken vertraut hat und mehr der Anschauung und dem Zuhören auf die Natur.

01:12:59.510 --> 01:13:03.300
In dem Punkt haben die Leute, die sagen...

01:13:03.820 --> 01:13:18.020
Die Physik, die moderne Naturwissenschaft, die unverständlich, abstrakt, unanschaulich ist. Was soll das sein? Eine Katze, die gleichzeitig tot und lebendig ist. Ein Licht, das gleichzeitig Welle und Teilchen ist.

01:13:19.120 --> 01:13:25.739
Ich kann nicht gleichzeitig Geschwindigkeit und Ort bestimmen von einem diskreten Teilchen, aber es ist eben nicht mehr diskret.

01:13:26.239 --> 01:13:32.860
Was heißt denn Psi-Funktion? Um Gottes Willen, es geht uns endlich, die Wirkungen gehen ins Unendliche.

01:13:33.219 --> 01:13:37.900
Das ist alles Unanschauliche und damit hat man Schwierigkeiten und Änderungen.

01:13:38.380 --> 01:13:53.060
Und Goethe hat sozusagen, das ist die These, schon das vorweggenommen, indem er versucht hat, immer in der Welt des Anschaulichen zu bleiben und das andere eben zu begrenzen, für den Menschen natürlich immer nur.

01:13:53.860 --> 01:13:58.800
Den Beobachter mit einzubeziehen, das ist auch ein wichtiger Punkt. Haben wir heute ja schon öfters jetzt gehabt.

01:13:59.739 --> 01:13:59.880
Okay.

01:14:00.920 --> 01:14:01.020
Ja.

01:14:01.960 --> 01:14:03.020
Jetzt schwirrt man der Kopf.

01:14:04.160 --> 01:14:04.320
Ja.

01:14:07.739 --> 01:14:07.880
Ja.

01:14:08.820 --> 01:14:10.980
Das war vielleicht ein bisschen zu viel zum Abschluss,

01:14:11.300 --> 01:14:13.700
aber ich wollte das nochmal...

01:14:13.700 --> 01:14:15.140
Wir sind ein Hardcore-Podcast,

01:14:15.380 --> 01:14:17.460
nur für die wirklich Harden Nerds.

01:14:17.460 --> 01:14:19.320
Die letzten sind noch da,

01:14:19.540 --> 01:14:20.660
die ich nicht gehört habe.

01:14:21.100 --> 01:14:23.100
Wir wollen das Thema...

01:14:23.120 --> 01:14:32.780
jetzt für diese Folge hier beschließen. Wir überlegen, ob wir noch ein, zwei Leute vielleicht mal mit ins Boot holen, die sich auch zu diesem Thema geäußert haben. Mal sehen.

01:14:34.360 --> 01:14:42.440
Soweit erstmal. Das heißt also, es könnte nochmal ein oder zwei Folgen zu dieser großen Farbenlehre geben.

01:14:43.400 --> 01:14:45.940
Lasst euch überraschen, alle die, die jetzt zuhören.

01:14:46.900 --> 01:14:51.300
Und wir schließen damit diese Folge für heute.

01:14:54.560 --> 01:14:54.960
Bis dann.

01:15:20.040 --> 01:15:25.280
Das war die 11. Folge über Goethe und seine Naturwissenschaft mit Thomas Schmuck und Marcus Anhäuser.

01:15:26.130 --> 01:15:29.500
Die Infos zur Folge findet ihr wie immer in den Infos zur Folge.

01:15:30.680 --> 01:15:32.580
Wir hoffen, ihr seid auch nächstes Mal wieder mit dabei.

01:15:33.500 --> 01:15:36.940
Vielleicht nochmal mit einem anderen Blick auf Goethes Farbenlehre.

01:15:38.040 --> 01:15:39.600
Vielleicht aber auch mit was ganz anderem.

01:15:40.460 --> 01:15:41.420
Empfehlt uns gerne weiter.

01:15:41.840 --> 01:15:47.220
Wir freuen uns über eure Bewertungen bei Apple Podcasts, Spotify oder wo ihr sonst noch Podcasts hört.

01:15:48.180 --> 01:15:50.700
Das war's für heute. Macht's gut und bis zum nächsten Mal.