WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:23.440
Music.

00:00:23.282 --> 00:00:53.882
Sascha Lang Mal wieder ein Mann.

00:00:54.062 --> 00:00:56.482
Es kommen noch demnächst paar Männer. Ich habe noch ein paar im Kasten und es

00:00:56.482 --> 00:00:57.082
kommen noch ein paar dazu.

00:00:57.522 --> 00:01:00.982
Also ich habe nicht Männer im Kasten, sondern Landesbindernbeauftragte-Interviews im Kasten.

00:01:01.622 --> 00:01:04.722
Gleich sprechen wir mit Christine Braunert-Rümenapf.

00:01:04.882 --> 00:01:07.722
Sie ist die Landesbindernbeauftragte in Berlin noch bis 2027.

00:01:08.222 --> 00:01:11.182
Und sie hat mir eben oft erzählt, sie will keine Verlängerung mehr.

00:01:11.322 --> 00:01:12.422
Sie will was anderes machen.

00:01:12.762 --> 00:01:15.742
Okay, wir freuen uns aber, dass sie jetzt noch da ist, weil das Interview finde

00:01:15.742 --> 00:01:17.022
ich einfach großartig geworden.

00:01:17.242 --> 00:01:22.322
Eine Frau, die mit Herz und Seele ihren Beruf macht. Das ist eher eine Berufung als ein Beruf.

00:01:22.962 --> 00:01:24.982
Christine Braunert-Rübenapf im Interview.

00:01:25.902 --> 00:01:28.022
Landesbehindertenbeauftragte im Gespräch. Mein Name ist Herr Schlang,

00:01:28.242 --> 00:01:31.502
ich bin euer Inklusator. Viel Spaß und gute Unterhaltung.

00:01:32.560 --> 00:01:41.360
Music.

00:01:42.162 --> 00:01:45.342
Landesbeauftragte für die Belange der Menschen mit Behinderung im Gespräch.

00:01:45.522 --> 00:01:47.882
Eine Rubrik des IGL-Podcasts.

00:01:47.920 --> 00:01:59.440
Music.

00:01:58.882 --> 00:02:04.982
IGL-Inklusion, ganz einfach leben. Unsere Rubrik Landesbehindertenbeauftragte im Gespräch.

00:02:05.222 --> 00:02:09.382
Und jetzt sind wir angekommen in Berlin bei Frau Braunert-Lümnaff.

00:02:09.582 --> 00:02:13.602
Herzlichen Dank, dass Sie Zeit haben und herzlich willkommen im IGL-Podcast.

00:02:14.262 --> 00:02:18.902
Ja, vielen Dank und auch herzlich willkommen von mir. Ja, meine erste Frage

00:02:18.902 --> 00:02:23.082
gilt ja immer, damit wir das ein bisschen einordnen können. Wo sind Sie als

00:02:23.082 --> 00:02:25.662
Landesbehindertenbeauftragte denn überhaupt angesiedelt?

00:02:25.762 --> 00:02:27.542
Wie unabhängig, abhängig sind Sie?

00:02:28.202 --> 00:02:32.022
Erzählen uns mal, wo Sie da angesiedelt sind.

00:02:32.924 --> 00:02:37.304
Nach dem Gesetz, dem Landesgleichberechtigungsgesetz, Paragraf 22,

00:02:37.684 --> 00:02:44.804
Absatz 3, bin ich angesiedelt bei dem oder der jeweiligen Senatorin für Soziales.

00:02:44.944 --> 00:02:49.884
Das ist im Moment die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales,

00:02:50.044 --> 00:02:55.584
Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, kurz ASCIIWA.

00:02:56.204 --> 00:03:01.244
Aber ich bin ressortübergreifend tätig, ich bin fachlich eigenständig tätig,

00:03:01.344 --> 00:03:05.404
ich kann selbstverständlich eigenständig mit der Presse reden,

00:03:05.744 --> 00:03:09.884
bin unabhängig in der Wahrnehmung des Amtes und nur dem Gesetz unterworfen.

00:03:10.104 --> 00:03:14.424
Also das heißt, es gibt keine übergeordnete Instanz, die Weisungen erteilen kann.

00:03:15.184 --> 00:03:19.684
Das Modell in Berlin ist damit ein bisschen verwaltungsnäher,

00:03:19.784 --> 00:03:22.864
als wir das aus dem einen oder anderen Bundesland kennen.

00:03:23.704 --> 00:03:29.444
Aber im Idealfall hat es eben auch die Möglichkeit, Vorhaben bereits zu beeinflussen,

00:03:29.644 --> 00:03:32.964
bevor sie überhaupt in die Entscheidungsebene oder gar ins Parlament gehen.

00:03:33.904 --> 00:03:35.384
Das passiert immer wieder.

00:03:36.824 --> 00:03:40.244
Es passiert letztendlich zu selten, aber es passiert tatsächlich immer wieder,

00:03:40.684 --> 00:03:44.204
dass Kolleginnen oder Kollegen aus anderen Fachabteilungen oder auch aus anderen

00:03:44.204 --> 00:03:48.304
Verwaltungen auf mich zukommen und sagen, wir haben da etwas,

00:03:48.384 --> 00:03:50.584
einen Arbeitsentwurf oder auch nur ein Vorhaben.

00:03:50.584 --> 00:03:54.144
Sie haben sich da vor ein paar Jahren entweder schon mal dazu geäußert oder

00:03:54.144 --> 00:03:59.404
wir wollen mal ganz grundsätzlich hören, wie Sie das für die Menschen mit Behinderungen einschätzen.

00:03:59.504 --> 00:04:04.544
Gibt es etwas, was Sie uns da vielleicht mit auf den Weg geben wollen und das

00:04:04.544 --> 00:04:08.884
im Vorfeld eben mit mir besprechen, manchmal aufnehmen, manchmal auch nicht,

00:04:08.964 --> 00:04:12.484
aber dann eine Rückmeldung geben und sagen, warum Sie es nicht getan haben oder

00:04:12.484 --> 00:04:14.104
auch, dass Sie es nicht getan haben.

00:04:14.944 --> 00:04:20.464
Also das heißt, das ist so ein Teil der Arbeit, der einmal wichtig ist für das

00:04:20.464 --> 00:04:25.044
einzelne Gesetzesvorhaben, der aber auch wichtig ist, so ein Bewusstsein bei

00:04:25.044 --> 00:04:28.104
den Kolleginnen und Kollegen zu schaffen für ein Disability Mainstreaming,

00:04:28.824 --> 00:04:32.564
auch wenn ich vielleicht mal nicht greifbar bin und sie das dann ein bisschen

00:04:32.564 --> 00:04:33.884
in die Breite tragen können.

00:04:34.304 --> 00:04:39.744
Es ist allerdings nach außen hin immer relativ wenig sichtbar,

00:04:40.004 --> 00:04:42.104
weil es eben interne Arbeitsvorgänge sind.

00:04:43.324 --> 00:04:48.324
Jetzt gab es ja in den früheren Jahren auch Landesbehindertenbeauftragte,

00:04:48.404 --> 00:04:53.384
die ehrenamtlich gearbeitet haben, wenn ich aber so ihr Arbeitspensum checke

00:04:53.384 --> 00:04:55.464
und so ein bisschen auch bei der Terminfindung.

00:04:55.544 --> 00:04:59.844
Ich hoffe ja mal, dass sie eine nicht ehrenamtliche Tätigkeit ausüben.

00:05:00.363 --> 00:05:03.303
Es ist keine ehrenamtliche Tätigkeit, das ist richtig.

00:05:03.543 --> 00:05:08.423
Also es ist eine bezahlte Stabsstelle mit einem kleinen Mitarbeiterstab,

00:05:08.503 --> 00:05:12.263
wobei man dazu sagen muss, dass die Ressourcenfrage wirklich unser Wunderpunkt ist.

00:05:12.563 --> 00:05:17.343
Es ist in Berlin so, dass der oder die Landesbeauftragte tatsächlich bei allen

00:05:17.343 --> 00:05:21.863
Vorhaben, also quer durch zehn Senatsverwaltungen und die Senatskanzlei plus

00:05:21.863 --> 00:05:23.883
diverser Gremien einzubeziehen ist.

00:05:24.043 --> 00:05:26.503
Und das ist mit dem kleinen Team.

00:05:26.723 --> 00:05:29.463
Es gibt eine einzige Referentenstelle in Teilzeit.

00:05:30.843 --> 00:05:36.963
Und zwei Mitarbeitende für Bürger und Bürgerinnen anfragen, aber auch für verschiedene

00:05:36.963 --> 00:05:41.823
Geschäftsstellen, ist es einfach so, dass die Aufgaben viel mehr sind als das,

00:05:41.963 --> 00:05:44.043
was wir leisten können und auch wollen.

00:05:44.523 --> 00:05:48.063
Also wir hätten eine ganze Menge Sachen, die wir gerne noch anschieben würden.

00:05:48.323 --> 00:05:53.443
Bei dem oder der Landesbeauftragten ist zum Beispiel auch der sogenannte Koordinierungsmechanismus

00:05:53.443 --> 00:05:57.923
angesiedelt. Also die Schnittstelle nach der UN-Behindertenrechtskonvention

00:05:57.923 --> 00:06:02.683
zwischen Zivilgesellschaft und Verwaltung.

00:06:03.103 --> 00:06:05.163
Und das ist eigentlich ein Bereich,

00:06:05.423 --> 00:06:10.023
wo ich aus meiner Sicht relativ viel eigenständig initiieren könnte.

00:06:10.963 --> 00:06:16.163
Und es liegt aber relativ brach. Also es gibt einen Arbeitskreis barrierefreies Gesundheitswesen,

00:06:16.443 --> 00:06:23.103
den ich unabhängig von anderen Verwaltungen mit der Zivilgesellschaft durchführe, organisiere,

00:06:23.343 --> 00:06:27.743
wo wir mit verschiedenen Akteuren sprechen, mit der Staatssekretärin für Gesundheit,

00:06:27.883 --> 00:06:32.183
aber auch mit Akteuren aus der Selbstverwaltung der Gesundheit,

00:06:32.283 --> 00:06:34.503
zum Beispiel dem Präsidenten der Ärztekammer etc.

00:06:35.163 --> 00:06:40.463
Wir machen das Gleiche auch noch im Bereich MECSF, Also eine Erkrankung,

00:06:40.623 --> 00:06:45.603
die sich zahlenmäßig leider sehr ausgebaut hat.

00:06:46.176 --> 00:06:50.536
Nach der Corona-Pandemie. Ich hätte da noch ganz andere Ideen.

00:06:50.676 --> 00:06:52.816
Ich hätte gerne ein Bündnis für barrierefreies Bauen.

00:06:53.176 --> 00:06:55.816
Aber das ist dann eben leider einfach eine Ressourcenfrage.

00:06:57.496 --> 00:07:03.756
Sie haben gesagt, Sie sind bei dem Ministerium für Arbeit. Nächstes Jahr sind Wahlen in Berlin.

00:07:04.376 --> 00:07:07.296
Das heißt, Sie können unabhängig der politischen Konstellation weitermachen?

00:07:07.296 --> 00:07:14.196
Wir sind quer zur Legislatur, das ist richtig, die jetzige Amtsperiode geht bis zum 31. August 2027.

00:07:14.896 --> 00:07:18.216
Es sind immer fünf Jahre quer zur Legislatur und wie gesagt,

00:07:18.876 --> 00:07:20.296
parteipolitisch unabhängig.

00:07:21.136 --> 00:07:25.296
Jetzt, oder, ja, sie klingt ziemlich oberflächlich, die Frage,

00:07:25.456 --> 00:07:26.836
und doch geht sie sehr in die Tiefe.

00:07:27.076 --> 00:07:29.416
Wie geht es den Menschen mit Behinderungen eigentlich in Berlin?

00:07:30.536 --> 00:07:33.876
Das kommt, glaube ich, sehr stark auf die Perspektive an.

00:07:34.416 --> 00:07:39.056
Also grundsätzlich würde ich im Moment sagen, es geht den Menschen mit Behinderungen

00:07:39.056 --> 00:07:42.536
oder uns allen in der Beziehung nicht so besonders gut.

00:07:42.836 --> 00:07:47.356
Das hat, glaube ich, aus meiner Sicht auch ganz viel mit der Großwetterlage zu tun.

00:07:48.116 --> 00:07:51.616
Wir erleben verstärkt, und zwar

00:07:51.616 --> 00:07:55.836
sowohl im Land Berlin als auch auf der Bundesebene, so nehme ich es wahr,

00:07:56.716 --> 00:08:00.276
dass die Belange und Bedarfe von Menschen mit Behinderung das sind,

00:08:00.276 --> 00:08:05.696
was zuerst in Frage zu stellen ist,

00:08:05.896 --> 00:08:11.036
wenn gerade auch die haushalterischen Rahmenbedingungen sehr schwer werden und

00:08:11.036 --> 00:08:14.136
immer schwieriger werden. Das ist der eine Punkt.

00:08:15.176 --> 00:08:18.456
Und wie gesagt, dann kommt es eben ganz stark auf die Perspektive an.

00:08:18.936 --> 00:08:22.876
Menschen mit Behinderung sind ja eine sehr große, eine sehr heterogene Gruppe.

00:08:23.096 --> 00:08:28.676
Wir haben in Berlin rund 647.000 Personen mit einer anerkannten Behinderung.

00:08:29.076 --> 00:08:33.536
Also es geht uns insgesamt so um circa ein Fünftel der Bevölkerung.

00:08:34.248 --> 00:08:40.128
Und Teilhabemöglichkeiten, Lebenschancen hängen eben auch sehr stark davon ab,

00:08:40.188 --> 00:08:44.308
von der Art der Schwere der Beeinträchtigung, von den finanziellen Ressourcen,

00:08:44.528 --> 00:08:49.168
vom Alter, vom Geschlecht, vom Bildungsgrad, von sozialen Netzwerken,

00:08:49.328 --> 00:08:52.128
wann die Beeinträchtigung im Lebensverlauf eintritt.

00:08:52.548 --> 00:08:56.988
Also ein Beispiel, ich glaube, ganz besonders schlecht geht es einer Gruppe,

00:08:57.108 --> 00:09:01.168
die gerade eine barrierefreie oder sogar uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbare

00:09:01.168 --> 00:09:05.008
Wohnung sucht. Der Wohnungsmarkt in Berlin ist extrem angespannt.

00:09:05.128 --> 00:09:07.248
Das teilen wir mit anderen Ballungsgebieten.

00:09:07.548 --> 00:09:11.528
Aber wenn Sie dann eben auch noch eine barrierefreie, bezahlbare Wohnung oder

00:09:11.528 --> 00:09:16.468
eben tatsächlich eine rollstuhlgerechte Wohnung brauchen, dann ist das im Moment

00:09:16.468 --> 00:09:18.468
eigentlich fast aussichtslos.

00:09:18.468 --> 00:09:27.768
Oder ein anderer Bereich ist, ärztliche Versorgung ist aufgrund des nicht barrierefreien

00:09:27.768 --> 00:09:33.688
Gesundheitswesens eben auch sehr schwierig und da geht es nicht nur um die baulichen Barrieren,

00:09:33.868 --> 00:09:36.908
sondern auch um verstellbare Untersuchungsmöbel.

00:09:36.908 --> 00:09:42.568
Darum, ob ein Arzt, eine Ärztin sich mit den verschiedenen sich überlagernden

00:09:42.568 --> 00:09:44.648
Krankheitsbildern wirklich auch auskennt,

00:09:45.068 --> 00:09:48.528
ob sie die Möglichkeiten haben,

00:09:48.528 --> 00:09:52.828
in leichter Sprache oder auch in Gebärdensprache zu kommunizieren etc.

00:09:52.828 --> 00:09:57.568
Also ich glaube, da gibt es tatsächlich sehr, sehr viele verschiedene Barrieren.

00:09:57.828 --> 00:10:00.348
Ein bisschen besser sieht es aus im Bereich Mobilität.

00:10:02.668 --> 00:10:06.688
Unser ÖPNV ist relativ gut ausgebaut.

00:10:06.908 --> 00:10:11.008
Luft nach oben ist auf jeden Fall noch, aber er ist relativ gut ausgebaut.

00:10:11.008 --> 00:10:13.328
Und hier gibt es tatsächlich einen Vorteil.

00:10:13.408 --> 00:10:19.048
Es gibt in Berlin seit vielen Jahren, seit den 80er Jahren, den sogenannten

00:10:19.048 --> 00:10:21.288
Sonderfahrdienst. Virmobil nennt sich das.

00:10:21.428 --> 00:10:27.988
Das ist ein Angebot für Menschen, die den ÖPNV aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht nutzen können.

00:10:28.308 --> 00:10:30.968
Dafür gibt es ein extra Merkzeichen in Berlin, das T.

00:10:32.568 --> 00:10:37.888
Und das ist was, was, glaube ich, in Flächenstaaten eher nicht vorhanden ist.

00:10:38.641 --> 00:10:42.121
Das klingt ja spannend. So ein ähnliches Modell gibt es in meinem Heimatland

00:10:42.121 --> 00:10:44.141
Luxemburg auch. Das finde ich ziemlich cool.

00:10:45.121 --> 00:10:48.221
Lass uns dann mal von dem Allgemeinen ein bisschen in die Tiefe steigen.

00:10:49.861 --> 00:10:56.381
Wir hören ganz viel, dass die schulische Inklusion in ganz vielen Bundesländern

00:10:56.381 --> 00:11:01.761
katastrophal, nicht gut ist, schwierig ist. Wie sehen Sie das in Berlin?

00:11:02.161 --> 00:11:05.381
Wie sind die Herausforderungen? Wir haben ja schon trotzdem ein paar interessante

00:11:05.381 --> 00:11:07.101
Institutionen in Berlin auch.

00:11:07.401 --> 00:11:10.741
Aber wie sieht da die Entwicklung aus mit der schulischen Inklusion?

00:11:11.521 --> 00:11:15.801
Also aus meiner Sicht machen wir da gerade eine ganz große Rolle rückwärts.

00:11:16.041 --> 00:11:19.621
Rein quantitativ steht Berlin im Bundesvergleich immer noch ganz gut da.

00:11:20.261 --> 00:11:26.281
Bezogen auf das Schuljahr 2022-2023 haben wir nach Bremen zusammen mit Schleswig-Holstein

00:11:26.281 --> 00:11:29.841
die zweitniedrigste Exklusionsrate, nämlich 2,3 Prozent.

00:11:29.841 --> 00:11:35.721
Und ebenfalls nach Bremen die zweithöchste Inklusionsrate, nämlich 6,1 Prozent.

00:11:36.321 --> 00:11:41.881
Inklusive Bildung ist theoretisch zumindest flächendeckend verfügbar.

00:11:42.201 --> 00:11:46.301
Die Mehrheit der allgemeinbildenden Schulen beteiligt sich an der schulischen Inklusion.

00:11:47.361 --> 00:11:55.361
Aber es ist tatsächlich so, dass wir zum einen nach wie vor in unserem Schulgesetz

00:11:55.361 --> 00:11:57.561
den sogenannten Ressourcenvorbehalt haben.

00:11:58.621 --> 00:12:03.001
Also das heißt, es besteht im Schulgesetz der Vorrang der inklusiven Bildung.

00:12:03.221 --> 00:12:07.721
Das ist normiert. Aber der Ressourcenvorbehalt besagt eben, dass die Aufnahme

00:12:07.721 --> 00:12:11.141
eines Kindes an einer bestimmten Schule verweigert werden kann,

00:12:11.141 --> 00:12:16.081
wenn die personellen, sachlichen oder räumlichen Voraussetzungen für eine angemessene

00:12:16.081 --> 00:12:17.461
Förderung nicht gegeben sind.

00:12:18.361 --> 00:12:21.961
Und das ist tatsächlich mit dem Lehrkräftemangel und auch mit dem Mangel an

00:12:21.961 --> 00:12:25.001
anderem pädagogischem Personal ein großes Problem.

00:12:25.867 --> 00:12:30.767
Und der zweite große Punkt ist, dass wir tatsächlich in Berlin wieder angefangen

00:12:30.767 --> 00:12:35.747
haben, Förderzentren, Förderschulen zu bauen, besonders für die sonderpädagogischen

00:12:35.747 --> 00:12:38.627
Schwerpunkte geistige Entwicklung und Autismus.

00:12:39.107 --> 00:12:44.627
Und das, was wir eigentlich mal als einen guten Start gehabt haben,

00:12:44.727 --> 00:12:47.247
nämlich die sogenannten inklusiven Schwerpunktschulen,

00:12:47.507 --> 00:12:52.507
also Schulen, die für einen bestimmten Förderschwerpunkt ausgebaut sind und

00:12:52.507 --> 00:12:55.647
bevorzugt Kinder und Jugendliche aus diesem Förderschwerpunkt aufnehmen.

00:12:55.647 --> 00:12:58.887
Aber gleichzeitig eben auch Kinder und Jugendliche ohne Behinderung,

00:12:59.107 --> 00:13:03.347
also so eine Art Mischmodell zwischen Förderzentrum und inklusiver Schule.

00:13:04.347 --> 00:13:08.507
Dass das eben dieser Weg nicht weiter verfolgt wird, sondern die Förderzentren

00:13:08.507 --> 00:13:09.827
halt weiter ausgebaut werden.

00:13:10.487 --> 00:13:15.567
Und damit einher geht natürlich auch das Problem des Personalmangels.

00:13:15.947 --> 00:13:19.367
Die Sonderpädagoginnen und Pädagogen und das pädagogische Personal,

00:13:19.547 --> 00:13:23.287
was in den Förderzentren ist, das fehlt natürlich in den inklusiven,

00:13:23.427 --> 00:13:24.687
allgemeinbildenden Schulen.

00:13:25.647 --> 00:13:30.247
Und das führt dazu, dass wir von einer echten Wahlfreiheit in Berlin eigentlich

00:13:30.247 --> 00:13:31.267
gar nicht sprechen können.

00:13:31.427 --> 00:13:35.567
Weil wenn die Eltern die Wahl haben zwischen einer schlecht ausgestatteten inklusiver

00:13:35.567 --> 00:13:39.687
Schule und einem sehr gut ausgestatteten Förderzentrum, dann entscheiden sie

00:13:39.687 --> 00:13:42.767
sich halt tatsächlich ganz häufig für das Förderzentrum,

00:13:43.067 --> 00:13:48.127
obwohl es eigentlich gar nicht ihrer Einstellung oder ihren Überzeugungen entspricht.

00:13:49.307 --> 00:13:52.447
Dann davon zu reden, wir brauchen aber weiter Förderzentren,

00:13:52.567 --> 00:13:56.147
weil die Eltern wollen das ja. Aber das finde ich nur noch ausgesprochen zynisch.

00:13:58.447 --> 00:14:03.367
Wie fühlen Sie denn, dass Sie sagen, die Förderzentren werden weiterhin noch immer stark gefördert?

00:14:03.467 --> 00:14:07.307
Das ist ja so eine Tendenz, die in Deutschland wieder sehr verbreitet ist.

00:14:07.607 --> 00:14:12.687
Es gibt ja sogar Politiker, die im ZDF behaupten, dass man die Inklusion sowieso

00:14:12.687 --> 00:14:15.387
abschaffen muss, weil Eltern nicht zufrieden sind und Lehrer nicht zufrieden sind.

00:14:15.707 --> 00:14:20.247
Boris Palmer, um ihn nicht zu nennen, hat das ja am 3. Dezember vollmundig verkündet.

00:14:20.247 --> 00:14:23.767
Und warum glauben Sie denn, dass das immer noch nicht so funktioniert?

00:14:24.827 --> 00:14:29.907
Ist das die Politik, die das nicht umgesetzt kriegt? Ist es eventuell das Schulsystem,

00:14:30.047 --> 00:14:31.167
was es nicht umgesetzt kriegt?

00:14:31.607 --> 00:14:36.287
Was ist da aus Ihrem Gefühl her? Das muss jetzt keine in Stein gemeißelte Meinung

00:14:36.287 --> 00:14:39.287
sein, aber was ist so Ihr Gefühl, warum das irgendwie nicht in Deutschland möglich

00:14:39.287 --> 00:14:41.327
ist, diese Inklusion richtig voranzutreiben?

00:14:42.108 --> 00:14:45.388
Ich glaube, dass es nicht unbedingt gewünscht wird und dass die Politik deswegen

00:14:45.388 --> 00:14:47.448
ihre Steuerungsmöglichkeiten nicht nutzt.

00:14:48.288 --> 00:14:53.908
Also an dem Beispiel, was ich gerade aufgemacht habe, was die Rechnung von dem

00:14:53.908 --> 00:14:57.348
fehlenden Personal in den inklusiven Schulen betrifft.

00:14:57.548 --> 00:15:01.848
Wenn ich die Förderzentren zum Beispiel schließen würde, dann könnte ich das

00:15:01.848 --> 00:15:05.968
sonderpädagogische Personal in die inklusiven Schulen geben.

00:15:05.968 --> 00:15:09.668
Und wenn die Schulen besser ausgestattet sind, dann haben auch sehr viel mehr

00:15:09.668 --> 00:15:14.768
Eltern Vertrauen, dass ihre Kinder da gut aufgehoben und gut gefördert sind.

00:15:14.988 --> 00:15:20.428
Und dann kann ich auch mehr Lehrkräfte mitnehmen, die dann eben die Rahmenbedingungen

00:15:20.428 --> 00:15:24.328
haben, dass sie wissen, mit einem Kind, wo sie jetzt vielleicht noch nicht mit

00:15:24.328 --> 00:15:28.308
einem bestimmten Förderschwerpunkt so vertraut sind, dass sie trotzdem die notwendige

00:15:28.308 --> 00:15:29.928
kollegiale Unterstützung bekommen.

00:15:30.828 --> 00:15:36.708
Also für mich ist das tatsächlich auch in erster Linie eine Frage der politischen Steuerung.

00:15:37.108 --> 00:15:41.268
Natürlich müssen wir an anderen Stellschrauben auch drehen. Das hat Berlin tatsächlich getan.

00:15:41.808 --> 00:15:47.308
Also wir haben relativ früh, 2014 schon, gab es eine Neufassung des Lehrerkreftebildungsgesetzes.

00:15:49.008 --> 00:15:53.108
Und da wurde die Sonderpädagogik sozusagen in den Mainstream,

00:15:53.248 --> 00:15:59.308
also in den allgemeinen Studiengang, wo es wurde deutlich verbreitert. Das ist wichtig.

00:15:59.928 --> 00:16:02.868
Und das sind die Grundvoraussetzungen dafür. Aber es reicht nicht,

00:16:02.968 --> 00:16:05.968
solche Grundvoraussetzungen zu schaffen, sondern ich muss tatsächlich weiter

00:16:05.968 --> 00:16:07.588
an den Rahmenbedingungen arbeiten.

00:16:07.828 --> 00:16:12.288
Und ich glaube, dass die inklusiven Schwerpunktschulen ein guter Weg gewesen wären.

00:16:12.688 --> 00:16:16.468
Es sollten ursprünglich 36 sein. Wir stehen immer noch bei 20.

00:16:17.028 --> 00:16:22.208
Schulen können sich freiwillig darauf bewerben. Aber es finden sich offensichtlich nicht mehr Schulen.

00:16:23.108 --> 00:16:26.948
Und das ist für mich eine Frage der politischen Steuerung. Und wie gesagt,

00:16:27.128 --> 00:16:31.308
dann zu sagen, aber die Eltern wollen die Förderzentren doch und Fragen nach den Förderzentren.

00:16:32.508 --> 00:16:35.328
Da kann ich mich nur wiederholen. Das finde ich eigentlich, ja,

00:16:35.468 --> 00:16:38.508
das finde ich zynisch, wenn ich die richtigen Rahmenbedingungen nicht bereitstelle

00:16:38.508 --> 00:16:39.868
und dann sage, ihr wollt es ja so.

00:16:40.695 --> 00:16:45.455
0,33 Prozent ergab eine Studie, der Menschen mit Behinderung schaffen den Weg

00:16:45.455 --> 00:16:49.175
aus den Werkstätten auf den ersten Arbeitsmarkt.

00:16:49.255 --> 00:16:52.655
Es gibt das Budget für Arbeit, auch in Berlin katastrophal genutzt,

00:16:52.935 --> 00:16:56.915
laut meinen Informationen, also sehr wenig genutzt. Was sind Ihre Erfahrungen?

00:16:57.635 --> 00:17:02.695
Wie ist das Budget für Arbeit? Warum wird so wenig genutzt? Wo hängt es da, auch in Berlin?

00:17:03.475 --> 00:17:07.735
Ich glaube, ganz viel hängt tatsächlich an dem Flaschenhals der Bundesagentur für Arbeit.

00:17:08.275 --> 00:17:15.295
Es ist ein wichtiger Gatekeeper, wie es neudeutsch heißt, weil es fängt schon

00:17:15.295 --> 00:17:18.395
damit an, dass eigentlich viel zu wenig darüber informiert wird.

00:17:19.035 --> 00:17:22.875
Wir kennen ein paar ganz gute Beispiele in Berlin. Das ist aber tatsächlich

00:17:22.875 --> 00:17:25.595
ganz häufig gerade auch den Eltern zu verdanken,

00:17:25.755 --> 00:17:29.655
die sich umfassend informiert haben und für ihre Kinder beziehungsweise für

00:17:29.655 --> 00:17:36.655
ihre jungen Heranwachsenden in die Bresche springen und unterstützen, gucken und suchen.

00:17:36.935 --> 00:17:42.555
Aber eigentlich wäre es auch Aufgabe der BA im Rahmen des UND- und Wahlrechtes dafür zu garantieren,

00:17:42.955 --> 00:17:46.875
dass die Menschen, die zu Ihnen kommen mit einem Reha-Status über das Budget

00:17:46.875 --> 00:17:50.375
für Arbeit beziehungsweise erstmal über das Budget für Ausbildung oder eine

00:17:50.375 --> 00:17:53.675
Möglichkeit in Inklusionsfirmen oder Ähnlichem aufgeklärt werden.

00:17:54.195 --> 00:17:59.155
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Also wir haben in Berlin 48 Budgets für Arbeit

00:17:59.155 --> 00:18:02.375
2023 gehabt und vier Budgets für Ausbildung.

00:18:02.975 --> 00:18:04.835
Aktuellere Zahlen kenne ich im Moment nicht.

00:18:05.487 --> 00:18:11.847
54 Personen haben 2022 Leistungen bei sogenannten anderen Leistungsanbietern in Anspruch genommen.

00:18:12.027 --> 00:18:16.347
Also es ist dieser Paragraf 61a, glaube ich, im BTHG.

00:18:16.887 --> 00:18:21.767
Und demgegenüber haben wir rund 8000 Personen im Arbeitsbereich der WFBM,

00:18:21.927 --> 00:18:23.567
also jetzt nicht im Berufsbildungsbereich.

00:18:23.927 --> 00:18:27.947
Und ich glaube, dass die Bundesagentur für Arbeiter wirklich eine Möglichkeit

00:18:27.947 --> 00:18:29.427
hätte, auch mehr zu steuern.

00:18:29.827 --> 00:18:34.507
Auch beispielsweise über ihr Fachkonzept Eingangsverfahren Berufsbildungsbereich.

00:18:34.507 --> 00:18:40.567
Ja, andere Anbieter werden von der Bundesagentur damit ganz hohen strukturellen

00:18:40.567 --> 00:18:44.707
Hürden belegt und das ganze Fachverfahren

00:18:44.707 --> 00:18:48.807
orientiert sich sehr stark am Berufsbildungsbereich der WFBM.

00:18:49.007 --> 00:18:53.527
Dabei sollte es ja eigentlich eine Alternative sein oder soll eine Alternative sein.

00:18:54.147 --> 00:19:00.367
Dann wird manchmal die REZA, also diese Rehabilitationspädagogische Zusatzqualifizierung

00:19:00.367 --> 00:19:05.067
gefordert für Personen, die eine Ausbildung für Menschen mit Behinderungen begleiten.

00:19:05.767 --> 00:19:10.687
Und ein drittes Problem, ein für mich ganz großes Problem, ist tatsächlich auch

00:19:10.687 --> 00:19:14.467
die Begutachtung, also das Problem der Zuordnung zum Personenkreis,

00:19:14.827 --> 00:19:20.227
wo dann oft ein Gutachten erstellt wird oder es eine Begutachtung durch den

00:19:20.227 --> 00:19:23.227
Rehaträger, also in der Regel durch die Bundesagentur für Arbeit gibt.

00:19:23.527 --> 00:19:29.127
Dieses sogenannte Diagnoseverfahren zur Arbeitsmarktfähigkeit, dieses DIAM.

00:19:30.767 --> 00:19:36.287
Wo eine Momentaufnahme, nämlich ein Gutachten, dann letztendlich dazu genutzt

00:19:36.287 --> 00:19:39.267
wird, einen jungen Menschen dauerhaft

00:19:39.267 --> 00:19:43.927
von einer standardisierten Berufsbildungsmöglichkeit auszuschließen.

00:19:45.087 --> 00:19:47.947
Weil entsteht so eine Fahrtabhängigkeit, dann heißt es auf einmal,

00:19:48.067 --> 00:19:49.967
derjenige ist nicht ausbildungsfähig.

00:19:50.007 --> 00:19:53.087
Das kann ja für den Moment möglicherweise sogar zutreffen.

00:19:53.883 --> 00:19:57.843
Aber dass man dann eben guckt, was kann man an einer Zwischenqualifizierung

00:19:57.843 --> 00:20:00.823
machen und dann guckt man nach einem Jahr doch nochmal, was hat sich geändert

00:20:00.823 --> 00:20:04.143
und wäre vielleicht eine theoriegeminderte Ausbildung doch möglich,

00:20:04.263 --> 00:20:08.203
wie kann ich so eine lückenlose Qualifizierungs- und Ausbildungskette schaffen.

00:20:08.663 --> 00:20:15.023
Das passiert nicht. Also mehr Individualität, mehr auf die einzelne Person zu

00:20:15.023 --> 00:20:19.903
gucken und dann Lösungen zu finden statt standardisiert, ist Ihr Wunsch. Ja, auf jeden Fall.

00:20:20.043 --> 00:20:24.023
Und ich kenne immer wieder Beispiele, wo junge Menschen sich im Laufe der Jahre

00:20:24.023 --> 00:20:30.383
mit der entsprechenden Unterstützung ausgesprochen positiv entwickelt haben in einer Art und Weise,

00:20:30.563 --> 00:20:35.703
die am Anfang viele Fachkräfte den jungen Menschen überhaupt nicht zugetraut hätten.

00:20:38.203 --> 00:20:43.363
Jetzt sind das ja Vorschläge, die Sie ganz konkret haben. Sie wissen, was zu tun ist.

00:20:44.483 --> 00:20:48.923
Wie kommen Ihre Vorschläge oder Ihre Inputs bei den jeweiligen Partnern an,

00:20:49.003 --> 00:20:50.743
wie zum Beispiel einer Agentur für Arbeit?

00:20:50.863 --> 00:20:55.543
Hören Sie zu, wenn Sie das Ihnen sagen, was zu tun wäre, um es zu verbessern?

00:20:56.303 --> 00:21:00.003
Also tatsächlich ist das so, dass es eine Bundesangelegenheit ist.

00:21:00.143 --> 00:21:04.403
Die BA wird ja zentral aus Nürnberg gesteuert und das Fachkonzept Eingangsverfahren

00:21:04.403 --> 00:21:08.263
Berufsbildungsbereich, was ich gerade erwähnt habe, das kommt aus Nürnberg.

00:21:09.583 --> 00:21:14.363
Nach den Beobachtungen, die ich jetzt hier aus Berlin mache,

00:21:15.203 --> 00:21:21.043
habe ich nicht den Eindruck, dass man da mit größeren Schritten auf eine weitere

00:21:21.043 --> 00:21:23.083
inklusive Öffnung hinarbeitet.

00:21:23.083 --> 00:21:27.563
Das sage ich jetzt so ganz, ganz vorsichtig, weil ich bin in der Thematik nicht

00:21:27.563 --> 00:21:28.943
so wahnsinnig tief drin.

00:21:29.203 --> 00:21:34.263
Aber ich habe nicht den Eindruck, dass es da auch gerade so in Zeiten von Fachkräftemangel

00:21:34.263 --> 00:21:38.463
ein offenes Ohr dafür gibt.

00:21:40.677 --> 00:21:46.177
Da grundlegend Dinge zu verändern. Also eine andere Möglichkeit wäre zum Beispiel,

00:21:46.357 --> 00:21:51.077
da haben wir vor Jahren schon drüber gesprochen und trotzdem geht diese ganze

00:21:51.077 --> 00:21:55.377
Debatte eigentlich nur in sehr, sehr kleinen Schritten, wenn überhaupt, weiter.

00:21:55.677 --> 00:22:00.597
Zum Beispiel die Curricula in den Berufsbildungsbereichen so anzupassen,

00:22:00.997 --> 00:22:04.637
dass eben tatsächlich eine lückenlose Qualifizierungskette möglich wäre.

00:22:04.637 --> 00:22:09.757
Das sind jetzt allerdings nicht nur die, da liegt die Bremse nicht nur bei der

00:22:09.757 --> 00:22:10.937
Bundesagentur für Arbeit,

00:22:11.037 --> 00:22:15.837
da sind die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern sind da auch

00:22:15.837 --> 00:22:19.857
nicht aus meiner Beobachtung heraus auch nicht immer so begeistert,

00:22:19.937 --> 00:22:22.737
weil sie Angst haben, dass das Niveau abgesenkt wird.

00:22:22.737 --> 00:22:26.657
Aber ich denke schon, dass wir die Möglichkeit haben sollten.

00:22:27.377 --> 00:22:32.737
So tatsächlich in einem Stufenplan jungen Menschen, je nach dem Stand ihrer

00:22:32.737 --> 00:22:37.557
derzeitigen Möglichkeiten, ein gutes Qualifizierungsangebot zu machen.

00:22:37.717 --> 00:22:42.837
Und ich glaube auch nach wie vor, dass es möglich ist. Über das Teilhabegesetz,

00:22:43.077 --> 00:22:47.697
was in Kraft getreten ist, über den Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention

00:22:47.697 --> 00:22:50.977
steht den Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu.

00:22:51.537 --> 00:22:55.777
Es wurde so vereinbart. Dafür braucht es die Teilhabeassistenz.

00:22:56.157 --> 00:23:01.097
Ich kriege ganz viel mit, dass Menschen mit Behinderung bei Eingeliederungshilfen

00:23:01.097 --> 00:23:06.277
oder sonstigen Kostenträgern enorme Kämpfe zu führen haben, mit ganz kuriosen

00:23:06.277 --> 00:23:10.297
Meinungen geplagt sind von diesen Menschen, die da entscheidungsbefugt sind.

00:23:11.177 --> 00:23:15.117
Sie haben gesagt, Sie sind auch sozusagen Anlaufstelle für die Bürger.

00:23:15.377 --> 00:23:21.317
Wie sieht es denn, was hören Sie bei Ihnen? Was gibt es da für Möglichkeiten?

00:23:21.797 --> 00:23:24.777
Ich kann jetzt hier von Schleswig-Holstein im Kreis Segeberg sprechen.

00:23:24.957 --> 00:23:29.097
Ich glaube, da sind mittlerweile 13 parallel laufende Klagen gegen die Eingeliederungshilfe,

00:23:29.177 --> 00:23:33.737
was ich einfach für so einen Kreis mit, ich weiß nicht, wie viele Einwohner

00:23:33.737 --> 00:23:35.717
wir haben, aber ich finde das einfach wahnsinnig.

00:23:36.157 --> 00:23:40.257
Jede einzelne Klage ist schon dramatisch. Wie sieht das bei Ihnen aus in Berlin?

00:23:41.200 --> 00:23:45.180
Also grundsätzlich ist es so, dass die Umsetzung BTHG auch in Berlin überhaupt

00:23:45.180 --> 00:23:46.760
nicht reibungslos verläuft.

00:23:46.980 --> 00:23:52.200
Eigentlich gab es ja mal die Idee, die in den zwölf Bezirken liegenden Zuständigkeiten

00:23:52.200 --> 00:23:56.540
für die Eingliederungshilfe zu zentralisieren und ein zentrales Landesamt einzurichten.

00:23:57.240 --> 00:24:01.920
Das ist unter anderem daran gescheitert, dass die Bezirke ihre Kompetenzen nicht abgeben wollen.

00:24:01.920 --> 00:24:07.940
Das heißt, wir haben für die Umsetzung in Berlin nach wie vor zwölf Jugendämter

00:24:07.940 --> 00:24:12.700
und zwölf Sozialämter, also insgesamt 24 Teilhabefachdienste.

00:24:13.860 --> 00:24:17.480
Von einheitlichen Verfahrensstandards und reibungslosen Übergängen,

00:24:17.560 --> 00:24:21.120
wenn der junge Mensch zum Beispiel dann 18 wird, bei Zuständigkeitswechseln

00:24:21.120 --> 00:24:23.960
kann leider nicht die Rede sein.

00:24:23.960 --> 00:24:27.480
Es ist eine meiner zentralen Forderungen, nicht nur meiner, aber es ist eine

00:24:27.480 --> 00:24:30.220
meiner zentralen Forderungen. Und hier gibt es noch ganz viele Probleme.

00:24:30.780 --> 00:24:36.280
Und ich glaube, ein anderes Problem liegt in dem, was Sie schon gesagt haben,

00:24:36.400 --> 00:24:37.880
in dem Wort Teilhabeassistenz.

00:24:38.100 --> 00:24:44.760
Ich habe ganz oft das Gefühl, dass wir den Paradigmenwechsel hin zur Personenzentrierung

00:24:44.760 --> 00:24:49.860
konzeptionell und auch gedanklich noch nicht wirklich vollzogen haben.

00:24:50.980 --> 00:24:55.020
Also ein Beispiel, ich will Teilhabeassistenz mal in zwei Teile teilen.

00:24:55.140 --> 00:24:59.540
Ich will einmal die persönliche Assistenz erwähnen. Wir haben hier lange einen

00:24:59.540 --> 00:25:04.040
Fall begleitet, bei dem einer jungen Frau die persönliche Assistenz verweigert

00:25:04.040 --> 00:25:07.020
wurde, weil sie kognitiv beeinträchtigt ist.

00:25:07.220 --> 00:25:10.900
Die gesetzliche Vertretung hat mittlerweile auf dem Rechtsweg einen Vergleich

00:25:10.900 --> 00:25:13.440
abgeschlossen und die persönliche Assistenz erwirkt.

00:25:13.580 --> 00:25:18.520
Aber das dahinterstehende Problem, das sind die sogenannten Ausführungsvorschriften

00:25:18.520 --> 00:25:19.740
der Eingliederungshilfe.

00:25:20.200 --> 00:25:25.160
Und in diesen Ausführungsvorschriften Eingliederungshilfe wird die Leistungsform

00:25:25.160 --> 00:25:26.860
der persönlichen Assistenz,

00:25:27.453 --> 00:25:32.593
für Menschen mit einer wesentlichen sogenannten geistigen oder seelischen Behinderung

00:25:32.593 --> 00:25:34.693
generell ausgeschlossen.

00:25:35.273 --> 00:25:40.493
Und von daher denke ich, dass dahinter einfach nicht verstanden wurde,

00:25:40.733 --> 00:25:44.673
dass es um eine Personenzentrierung geht und dass ein genereller Ausschluss

00:25:44.673 --> 00:25:46.593
damit in keiner Weise vereinbar ist.

00:25:46.733 --> 00:25:49.973
Also ich habe zu dem Sachverhalt verschiedene Stellungnahmen abgegeben.

00:25:50.113 --> 00:25:53.673
Ich habe sogar ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, was meiner Auffassung

00:25:53.673 --> 00:25:58.313
als Nichtjuristin recht gegeben hat. Aber wir warten hier in Berlin immer noch

00:25:58.313 --> 00:26:02.013
auf eine grundsätzliche Änderung der entsprechenden Ausführungsvorschriften.

00:26:03.313 --> 00:26:09.373
Anderer Punkt ist zum Beispiel die Elternassistenz. Also auch hier ist das SGB IX eindeutig.

00:26:09.513 --> 00:26:12.913
Seit 2020 ist Elternassistenz als Leistung vorgesehen.

00:26:13.513 --> 00:26:17.953
Aber in Berlin haben wir die Situation, dass die Rahmenvertragsverhandlungen

00:26:17.953 --> 00:26:22.333
sich verzögern und es keine entsprechende Leistungsbeschreibung gibt.

00:26:23.033 --> 00:26:26.453
Das heißt, die Leistung kann nur als pauschale Geldleistung,

00:26:26.533 --> 00:26:28.473
aber nicht als Sachleistung bezogen werden.

00:26:28.793 --> 00:26:32.573
Und für die bis jetzt festgelegte Vergütung ist es halt nicht möglich,

00:26:32.773 --> 00:26:34.713
Assistentinnen oder Assistenten zu finden.

00:26:35.193 --> 00:26:39.453
Das heißt, der Umsetzung der Leistungsanspruch scheitert also an einer Verzögerung

00:26:39.453 --> 00:26:40.633
des formalen Prozesses.

00:26:41.913 --> 00:26:46.153
Und zum Thema Assistenz vielleicht nochmal eine Berliner Besonderheit.

00:26:46.772 --> 00:26:51.572
Also wir haben in Berlin lange, lange bevor es das BTHG und auch bevor es die

00:26:51.572 --> 00:26:56.752
UN-Behindertenrechtskonvention gegeben hat, eine sogenannte Komplexleistung gehabt.

00:26:57.032 --> 00:27:03.872
Eine Assistenz, die unter anderem auch im sogenannten Arbeitgebermodell erbracht werden konnte.

00:27:05.012 --> 00:27:12.072
Das ist eine Errungenschaft sozusagen in der UN-Behindertenrechtskonvention,

00:27:12.232 --> 00:27:15.632
die reine Lehre gewesen, auch wenn es die damals noch nicht gab.

00:27:15.632 --> 00:27:21.512
Und mittlerweile haben wir Rahmenbedingungen durch verschiedene Tarifvereinbarungen

00:27:21.512 --> 00:27:23.172
und andere strukturelle Hindernisse,

00:27:23.692 --> 00:27:32.072
die es tatsächlich sehr schwer machen, dieses Arbeitgebermodell in Berlin tatsächlich noch umzusetzen.

00:27:32.072 --> 00:27:37.392
Obwohl es, wie gesagt, aus meiner Sicht wirklich der höchste Grad der Selbstbestimmung ist, zu sagen,

00:27:37.612 --> 00:27:42.432
ich suche mir meine eigenen Assistentinnen und Assistenten aus und stelle sie

00:27:42.432 --> 00:27:47.772
selbstverständlich als eigener Arbeitgeber, als eigene Arbeitgeberin ein.

00:27:49.652 --> 00:27:57.432
Ich verweise da kurz auf die Episode 243 vom Eagle Podcast, die am 17.

00:27:57.552 --> 00:28:02.532
März erschienen ist, wo wir nochmal auch dieses Thema mit dem Tarifvertrag im

00:28:02.532 --> 00:28:05.952
Arbeitgebermodell nochmal in die Tiefe begutachten.

00:28:05.952 --> 00:28:11.892
Mit Herrn Theben und mit Ivo Gabe, die uns das nochmal ganz genau erklären,

00:28:11.992 --> 00:28:14.832
weil es da ja wirklich mittlerweile richtige, ja,

00:28:15.932 --> 00:28:20.412
in Richtung Arbeitskampf zwischen den Arbeitgebern, den Arbeitnehmern und der

00:28:20.412 --> 00:28:23.692
Senatsverwaltung oder der Regierung gibt, weil die Refinanzierung gar nicht gesichert ist.

00:28:24.472 --> 00:28:28.572
Sehr kompliziertes Thema, was wir heute in diesem Podcast nicht vertiefen wollen.

00:28:30.632 --> 00:28:35.072
Was würden Sie denn empfehlen? Warum ist denn die Sache?

00:28:35.232 --> 00:28:38.312
Die Sachlage ist ja klar, jetzt fast die Eingliederungshilfe,

00:28:38.432 --> 00:28:42.452
die Teilhabeassistenz oder die die persönliches Budget. Die Sachlage ist ja

00:28:42.452 --> 00:28:43.552
klar. Die Gesetze sind da.

00:28:44.032 --> 00:28:46.372
Warum? Warum sind da Menschen?

00:28:47.060 --> 00:28:51.280
In diesen Verwaltungen, die sich über diese Gesetze hinwegsetzen. Warum?

00:28:52.440 --> 00:28:56.020
Einen Punkt habe ich schon genannt. Ich glaube tatsächlich, dass der Paradigmenwechsel

00:28:56.020 --> 00:29:00.160
Personenzentrierung noch nicht angekommen ist und dass viele immer noch viel

00:29:00.160 --> 00:29:03.320
zu stark in dieser Institutionenlogik denken.

00:29:03.560 --> 00:29:08.760
Sie denken in Schubladen, sie denken in Leistungstypen, sie denken in der Institutionenlogik.

00:29:10.540 --> 00:29:16.260
Und dann denken tatsächlich glaube ich auch viele, dass die Beantragung von

00:29:16.260 --> 00:29:20.840
Leistungen nach dem SGB IX viel zu komplex ist.

00:29:21.020 --> 00:29:24.760
Also das Bedarfsermittlungsinstrument in Berlin, das sogenannte TIP,

00:29:25.000 --> 00:29:26.340
Teilhabeinstrument Berlin,

00:29:26.620 --> 00:29:33.140
das ist tatsächlich immer weiter vereinfacht worden, Aber ich erlebe in bilateralen

00:29:33.140 --> 00:29:37.220
Gesprächen immer wieder mal, ob das repräsentativ ist, weiß ich nicht oder ob

00:29:37.220 --> 00:29:38.960
es nur empirisch anekdotisch ist,

00:29:39.580 --> 00:29:46.580
dass das Tipp, das Teilhabeinstrument Berlin zum Beispiel angewandt wird als

00:29:46.580 --> 00:29:51.860
Fragebogen und nicht irgendwie als Dokumentationsinstrument.

00:29:51.860 --> 00:29:58.040
Also das heißt, sie denken, Mitarbeitende der Teilhabefachdienste denken offensichtlich

00:29:58.040 --> 00:30:03.320
manchmal, dass sie alle Lebensbereiche durchgehen müssen, um einen Bedarf zu erfassen.

00:30:03.460 --> 00:30:07.460
Und so ist es ja nicht gedacht, sondern ich komme zum Teilhabefachdienst,

00:30:07.620 --> 00:30:12.900
egal ob Jugend oder Soziales, und habe dann in bestimmten Lebensbereichen,

00:30:12.900 --> 00:30:17.920
beispielsweise im Bereich Bildung oder vielleicht im Bereich Arbeit oder Wohnen oder Freizeit,

00:30:18.360 --> 00:30:22.640
habe ich meine Bedarfe und die anderen brauche ich nicht zu erheben,

00:30:22.980 --> 00:30:28.500
sofern sie nicht in irgendeiner Form meine eigene Lebensführung in dem Moment berühren.

00:30:29.200 --> 00:30:34.080
Und das Ganze weckt, glaube ich, sehr viel Ängste und da ist sehr viel mehr

00:30:34.080 --> 00:30:35.860
Entburekratisierung nötig.

00:30:35.960 --> 00:30:40.040
Da ist vielleicht auch mehr Qualifizierung nötig. Und dann sind wir wieder an

00:30:40.040 --> 00:30:43.660
einem Punkt, den wir in anderem Zusammenhang schon gestreift haben.

00:30:43.980 --> 00:30:48.720
Das ist tatsächlich der Personalmangel, die mangelnden personellen Ressourcen.

00:30:48.860 --> 00:30:50.920
Also das hat auch ein bisschen was damit zu tun.

00:30:52.474 --> 00:30:57.954
Kommen wir dann zu einem Thema, wo Berlin, glaube ich, besser dasteht.

00:30:58.014 --> 00:30:59.434
Ich habe es auch schon ein paar Mal erleben dürfen.

00:31:00.254 --> 00:31:03.114
Nicht hundertprozentig, aber schon ein bisschen besser, nämlich das Thema Barrierefreiheit.

00:31:03.274 --> 00:31:06.854
Ich bin ja völlig begeistert von dem öffentlichen Verkehrsnetz,

00:31:06.954 --> 00:31:10.774
mit den S-Bahnen, mit den Ansagen, mit den Bahnhöfen, die ziemlich gut ausgestattet sind.

00:31:10.854 --> 00:31:14.934
Nicht alle top, aber das ist ja schon trotzdem, wenn ich mal so andere Städte

00:31:14.934 --> 00:31:18.694
in Deutschland vergleiche, ist das aber schon mal eine gute Sache.

00:31:18.694 --> 00:31:22.654
Sie haben es vorhin auch erwähnt, der öffentliche Verkehr ist schon ziemlich auf dem guten Weg.

00:31:22.834 --> 00:31:25.634
Wie steht es dann insgesamt mit der Barrierefreiheit? Bei den Wohnungen haben

00:31:25.634 --> 00:31:27.394
wir schon mitgekriegt, Katastrophe.

00:31:27.974 --> 00:31:31.054
Aber so insgesamt, wie ist die Lage der Barrierefreiheit in Berlin?

00:31:31.134 --> 00:31:32.174
Gibt es da auch Regelungen?

00:31:32.334 --> 00:31:36.054
Also in Luxemburg, wo ich gebürtig herkomme, gibt es mittlerweile ein Accessibilitätsgesetz.

00:31:36.634 --> 00:31:41.854
Für die, die es noch nicht wissen, bis 27 kriegt jeder Eigentümer von Lokalitäten,

00:31:42.034 --> 00:31:47.874
also von Restaurant bis Arztpraxis, kriegt bis zu 24.000 Euro Unterstützung,

00:31:47.874 --> 00:31:49.814
Wenn er 48.000 Euro ausgibt,

00:31:50.054 --> 00:31:54.854
um sein Lokal, seine Struktur barrierefrei zu gestalten, wenn er es bis 1932

00:31:54.854 --> 00:31:57.874
nicht gemacht hat, ab 1927 gibt es kein Geld mehr, also danach nicht mehr.

00:31:57.954 --> 00:32:00.874
Und wenn er es 1932 nicht gemacht hat, darf man klagen, also es ist ein richtiges Gesetz.

00:32:02.154 --> 00:32:04.474
Davon träumen, glaube ich, viele Bundesländer, habe ich gehört schon.

00:32:05.074 --> 00:32:05.914
Wie ist es denn in Berlin?

00:32:06.014 --> 00:32:10.274
Gibt es da irgendwelche Verordnungen? Gibt es da Pläne, um diese Barrierefreiheit besser zu gestalten?

00:32:10.334 --> 00:32:15.214
Was natürlich auch wiederum den Markt, ich sage mal, dem Handwerksbereich oder

00:32:15.214 --> 00:32:18.114
wo auch immer in diesen Bereichen auch wieder anstupsen würde.

00:32:18.614 --> 00:32:20.674
Hat ja auch eine wirtschaftliche Auswirkung sowas.

00:32:21.194 --> 00:32:24.594
Also ich bin jetzt tatsächlich gerade ganz gelb angelaufen vor Neid,

00:32:24.974 --> 00:32:26.994
als Sie erzählt haben, was es da in Luxemburg gibt.

00:32:27.094 --> 00:32:29.674
Sowas würde ich mir für Berlin sofort auch wünschen.

00:32:30.154 --> 00:32:33.874
Bei uns hier gelten die Regeln des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes,

00:32:34.014 --> 00:32:37.414
eines Bundesgesetzes und die reichen natürlich nicht annähernd aus.

00:32:37.794 --> 00:32:42.294
Also erstens, dass sie nicht alle Bereiche der Privaten erfassen.

00:32:43.094 --> 00:32:47.554
Und dann auch noch so, dass es so viele oder so lange Vorlaufzeiten gibt,

00:32:48.374 --> 00:32:51.794
die gehen, glaube ich, teilweise bis 2035, in einem Fall, glaube ich,

00:32:51.814 --> 00:32:54.674
sogar bis 2040, was bestimmte Automaten betrifft.

00:32:55.394 --> 00:32:59.334
Also bei Restaurantbesuchen, in Kinos, im Bereich Kultur, Aber ich habe es schon

00:32:59.334 --> 00:33:02.954
erwähnt, im Gesundheitsbereich oder auch bei Bildungsdienstleistungen.

00:33:04.219 --> 00:33:12.279
Im Sportbereich, bei Sport-Events gibt es tatsächlich keine Regelungen zur Herstellung der Barrierefreiheit.

00:33:12.499 --> 00:33:18.159
Und das ist eine ganz, ganz große Hürde und eine ganz große Barriere,

00:33:18.399 --> 00:33:22.759
weil es praktisch die allerwenigsten freiwillig anfassen.

00:33:23.019 --> 00:33:26.979
Also um nochmal für die Arztpraxen den medizinischen Bereich oder einen Teil

00:33:26.979 --> 00:33:28.939
des medizinischen Bereiches zu sprechen.

00:33:28.939 --> 00:33:35.499
Auch da gibt es eine Regelung im Sozialgesetzbuch 1 im Paragraf 17,

00:33:35.799 --> 00:33:42.159
wo die Barrierefreiheit herzustellen ist und da schieben die Kassenärztlichen

00:33:42.159 --> 00:33:46.859
Vereinigungen und die Krankenkassen dann eben in der Argumentation auch gerne

00:33:46.859 --> 00:33:48.519
die Verantwortung hin und her.

00:33:49.019 --> 00:33:52.819
Die einen sagen, naja, das liegt in der Strukturverantwortung der Krankenkassen.

00:33:52.919 --> 00:33:56.259
Deswegen steht es ja im Sozialgesetzbuch 1 und die Krankenkassen sagen nein.

00:33:56.459 --> 00:34:00.379
Das liegt im Sicherstellungsauftrag der Ärzte und dann sagen die Ärzte nein.

00:34:00.519 --> 00:34:01.959
Dann würde es ja in der Bauordnung stehen.

00:34:02.259 --> 00:34:07.519
Mit dem Erfolg, dass tatsächlich sehr wenig passiert und in den Zulassungsbedingungen

00:34:07.519 --> 00:34:10.119
ist Barrierefreiheit als ein Punkt erwähnt.

00:34:10.219 --> 00:34:15.079
Aber es ist nicht zwingend und er steht auch relativ weit unten in der Liste.

00:34:15.659 --> 00:34:19.919
Also das heißt, da träumen wir von. Den ÖPNV haben Sie schon erwähnt,

00:34:19.939 --> 00:34:22.859
da haben wir in Berlin tatsächlich eine relativ gute Grundlage.

00:34:23.079 --> 00:34:26.519
Wir haben nicht nur das Personenbeförderungsgesetz auf Bundesebene,

00:34:26.659 --> 00:34:28.559
was uns den ersten Anschub gegeben hat.

00:34:28.659 --> 00:34:32.259
Nein, wir haben auch ein Mobilitätsgesetz in Berlin, was seit einigen Jahren

00:34:32.259 --> 00:34:34.399
eine richtig gute Rechtsgrundlage bietet.

00:34:36.339 --> 00:34:39.599
Aber es betrifft eben nur den Bereich der Mobilität und es nützt mir überhaupt

00:34:39.599 --> 00:34:44.179
nichts, wenn ich zu der Sportveranstaltung relativ barrierefrei hinkomme und

00:34:44.179 --> 00:34:45.119
dann komme ich da nicht weiter.

00:34:47.259 --> 00:34:50.859
Das heißt, das zählt auch zu einer dieser Herausforderungen.

00:34:51.579 --> 00:34:54.979
Wir sind jetzt bei den Herausforderungen. Wir haben schon einige aufgelistet,

00:34:54.979 --> 00:34:59.239
wichtige Themen, die zu beackern sind, die Sie auch als Landesbehindertenbeauftragte

00:34:59.239 --> 00:35:02.819
mit Ihrem kleinen Team zu bewältigen haben.

00:35:03.059 --> 00:35:08.539
Da sind einige dabei. welche würden Sie ganz oben auf die Liste setzen,

00:35:08.719 --> 00:35:13.559
die in Zukunft Sie und Ihr Haus und Ihre Arbeit beschäftigen müssen und aber

00:35:13.559 --> 00:35:15.099
auch die Politik beschäftigen muss?

00:35:15.679 --> 00:35:22.059
Das finde ich eine schwierige Frage. Also ich würde die Lebensbereiche ungern

00:35:22.059 --> 00:35:23.979
gegeneinander abwägen wollen.

00:35:24.439 --> 00:35:28.559
Natürlich ist der ganze medizinische Bereich, nicht nur die Arztpraxen,

00:35:28.639 --> 00:35:36.459
auch Physiotherapiepraxen und anderer Einrichtungen ein ganz essentieller, das sehe ich auch so.

00:35:36.659 --> 00:35:42.959
Aber ich finde den ganzen Teilhabebereich im Bereich Bildung, Kultur, Sport etc.

00:35:44.059 --> 00:35:48.719
Finde ich eigentlich genauso wichtig. Also ich würde mich da wirklich ungern festlegen.

00:35:49.789 --> 00:35:53.929
Sondern ich finde so ein grundsätzliches Gesetz, wie Sie das jetzt für Luxemburg

00:35:53.929 --> 00:35:59.289
geschildert haben, es wäre aus meiner Sicht wirklich, ja, das wäre das Nonplusultra.

00:36:00.309 --> 00:36:04.369
Würde oder wäre, mache ich jetzt mal so ganz gewagt und provokativ,

00:36:04.689 --> 00:36:09.729
wäre es da manchmal gut, wenn es diesen Föderalismus doch nicht so massiv in

00:36:09.729 --> 00:36:10.769
allen Belangen geben würde?

00:36:11.349 --> 00:36:14.909
Das können wir ja steuern. Also ich meine,

00:36:15.229 --> 00:36:19.709
es gibt ja Gesetze, die auf der Bundesebene erlassen werden,

00:36:19.829 --> 00:36:23.829
wie eben das Personenbeförderungsgesetz, was eine vollständige Barrierefreiheit

00:36:23.829 --> 00:36:30.069
des ÖPNV, wohlgemerkt nicht des Schienenverkehrs, sondern erstmal nur des ÖPNV, vorgeschrieben hat.

00:36:30.229 --> 00:36:32.389
Das muss von den Ländern umgesetzt werden.

00:36:32.589 --> 00:36:36.329
So etwas könnte man ja auch treffen. Oder auch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz

00:36:36.329 --> 00:36:39.809
ist nicht etwas, wo sich die Länder aussuchen können, ob sie das umsetzen oder nicht.

00:36:40.149 --> 00:36:43.509
Es hätte nur einfach viel, viel stärker in die Breite gehen müssen und tatsächlich

00:36:43.509 --> 00:36:45.129
alle Lebensbereiche umfassen müssen.

00:36:46.369 --> 00:36:50.269
Sie haben bereits erwähnt, ganz am Anfang, und ich will da auch nicht drauf

00:36:50.269 --> 00:36:52.769
rumreiten, aber ich will das immer wieder nochmal hervorheben,

00:36:53.009 --> 00:36:58.929
dass Ihre Arbeit mit sehr wenig Personal bewältigt werden muss.

00:36:58.929 --> 00:37:02.309
Und wir haben im Laufe des Interviews gehört, dass Sie ganz viel Arbeit,

00:37:02.449 --> 00:37:04.809
ganz viele Herausforderungen, ganz viele Baustellen haben.

00:37:05.309 --> 00:37:11.229
Jetzt würde mich natürlich interessieren, auf welche sonstigen Connections zusammenarbeiten.

00:37:13.349 --> 00:37:18.629
Wie ist so die Verbindung in Berlin im Bereich der Inklusion,

00:37:18.889 --> 00:37:23.629
Schule, Behörden, eventuell Beiräte und so weiter? Wie laufen da so die Fäden zusammen?

00:37:24.149 --> 00:37:27.329
Also ich glaube, da haben wir in Berlin wirklich eine lange Tradition,

00:37:27.569 --> 00:37:31.369
einmal von starken Interessensvertretungen und einer Vielfalt von Akteuren.

00:37:31.569 --> 00:37:34.749
Aber wir arbeiten tatsächlich aus meiner Sicht auch sehr gut zusammen.

00:37:35.149 --> 00:37:39.929
Es gibt den Landesbeirat für Menschen mit Behinderung. Da gibt es ganz enge

00:37:39.929 --> 00:37:42.629
Connections, wie Sie gerade gesagt haben.

00:37:42.709 --> 00:37:47.349
Und da gibt es oft auch eine Bündelung, auch in Form von gemeinsamen Stellungnahmen,

00:37:47.509 --> 00:37:51.289
von der gemeinsamen Bewertung von bestimmten Vorhaben etc.

00:37:51.289 --> 00:37:56.849
Wir haben in Berlin nicht nur die zwölf Bezirke, sondern jeder Bezirk hat tatsächlich

00:37:56.849 --> 00:38:02.809
auch einen eigenen Beauftragten, eine eigene Beauftragte für die Belange der

00:38:02.809 --> 00:38:03.929
Menschen mit Behinderung.

00:38:04.129 --> 00:38:10.169
Davon sind im Moment immerhin jetzt elf besetzt. Da gibt es ebenfalls eine enge Zusammenarbeit.

00:38:10.349 --> 00:38:14.129
Ich habe eine Geschäftsstelle, die nennt sich Konferenz der Berliner Beauftragten.

00:38:14.209 --> 00:38:16.529
Wir treffen uns sechsmal im Jahr

00:38:16.529 --> 00:38:20.289
und sechsmal im Jahr treffen sich die Beauftragten dann nochmal ohne mich.

00:38:21.936 --> 00:38:27.796
Und es gibt in Berlin ebenfalls auf rechtlicher Grundlage nach dem Landesgleichberechtigungsgesetz

00:38:27.796 --> 00:38:30.736
die sogenannten Arbeitsgruppen für Menschen mit Behinderung.

00:38:30.996 --> 00:38:36.576
Das sind Arbeitsgruppen, die die jeweilige Fachverwaltung einberufen muss und

00:38:36.576 --> 00:38:38.476
eigenverantwortlich durchführt.

00:38:38.636 --> 00:38:44.296
Da sitzen die Vertreter des Landesbeirats und auch der Zivilgesellschaft,

00:38:44.436 --> 00:38:46.516
die aber vom Landesbeirat berufen werden,

00:38:48.136 --> 00:38:53.276
mit Verwaltungsmitarbeitenden der Landesbeauftragten und immer einem bezirklichen

00:38:53.276 --> 00:38:57.236
Beauftragten zusammen, um ebenfalls bestimmte Vorhaben zu besprechen.

00:38:57.496 --> 00:39:06.856
Das läuft in einigen Verwaltungen sehr gut, in anderen ist da noch Luft nach oben, sag ich mal.

00:39:07.316 --> 00:39:12.696
Und es gibt, wir haben in Berlin mittlerweile eben auch schon im vierten Jahr

00:39:12.696 --> 00:39:19.556
das Berliner Behindertenparlament, wo sich auch viele Akteure und Akteurinnen zusammenfinden,

00:39:19.796 --> 00:39:24.036
die beispielsweise nicht einem Verband oder einem Verein angehören,

00:39:24.316 --> 00:39:29.676
sondern als Einzelpersonen unterwegs sind und da in den verschiedenen Fokusgruppen

00:39:29.676 --> 00:39:33.616
Problemstellungen, Fragestellungen, Lösungen erarbeiten.

00:39:33.616 --> 00:39:39.416
Und da aber auch einmal im Jahr Berliner Behindertenparlament bis jetzt im Abgeordnetenhaus

00:39:39.416 --> 00:39:46.116
Tagen mit den Abgeordneten sprechen, aber auch mit den Senatsmitgliedern sprechen.

00:39:47.223 --> 00:39:50.503
Ich glaube, das ist im Mai oder im Dezember. Wann ist das immer? Im Mai oder Dezember?

00:39:50.683 --> 00:39:55.143
Genau, im Mai ist die Kick-Off-Veranstaltung, April, Mai ist die Kick-Off-Veranstaltung

00:39:55.143 --> 00:39:57.483
und im Dezember ist das Behindertenparlament.

00:39:57.683 --> 00:40:01.523
Und ich hoffe sehr, dass es das Behindertenparlament auch weitergeben kann.

00:40:01.743 --> 00:40:05.183
Es ist nicht in der Regelfinanzierung und wir hatten die schwierige Haushaltslage,

00:40:05.183 --> 00:40:06.803
haben wir ja eingangs auch schon angesprochen.

00:40:07.303 --> 00:40:11.003
Also das ist was, was aus meiner Sicht unbedingt auch erhaltenswert ist.

00:40:11.743 --> 00:40:16.143
Und da haben wir eben auch nochmal einen starken Akteur. Also das heißt,

00:40:16.243 --> 00:40:19.963
wir haben ganz unterschiedliche Akteure und in sehr unterschiedlichen Rollen.

00:40:20.063 --> 00:40:24.723
Und wenn man das komplementär nutzt, dann gibt es da an Synergieeffekten schon

00:40:24.723 --> 00:40:28.623
einiges, was positiv aus meiner Sicht zu benennen ist.

00:40:28.623 --> 00:40:32.443
Also Sie haben das Gefühl, dass diese verschiedenen Akteuren auf Ihren Ebenen

00:40:32.443 --> 00:40:35.323
auch Influencer spielen können.

00:40:35.543 --> 00:40:39.563
Also wie nennt man das?

00:40:40.063 --> 00:40:42.943
Das finde ich das Wort nicht. Das ist ja auch als Moderator ein Wort nicht zu finden.

00:40:44.563 --> 00:40:46.323
Influenzieren, beeinflussen können. Genau so heißt das Wort.

00:40:46.423 --> 00:40:50.503
Also Sie haben das Gefühl, dass diese verschiedenen Akteure auch in ihren Aktivitäten

00:40:50.503 --> 00:40:53.723
die Politik beeinflussen können oder sogar eventuell die Gesellschaft.

00:40:54.403 --> 00:40:57.543
Doch, das glaube ich schon. Allerdings muss man auch dazu sagen,

00:40:57.643 --> 00:41:01.703
man braucht schon einen sehr langen Atem und auch eine hohe Frustrationstoleranz.

00:41:01.963 --> 00:41:05.803
Also gerade auch, wie gesagt, im Moment, wo wir an einigen Bereichen eben schon

00:41:05.803 --> 00:41:08.663
eine Rolle rückwärts, einen sogenannten Rollback erleben.

00:41:09.283 --> 00:41:12.203
Das gehört auch dazu. Was ich mir auch immer wünschen würde,

00:41:12.303 --> 00:41:15.543
dass es für viele Bereiche eine Aufwandsentschädigung geben würde.

00:41:16.303 --> 00:41:21.883
Das sind auch so Dauertehmen, die wir immer wieder aufnehmen.

00:41:21.883 --> 00:41:29.143
Aber grundsätzlich glaube ich, dass wir eine sehr engagierte und auch sehr kompetente

00:41:29.143 --> 00:41:31.743
Zivilgesellschaft haben.

00:41:32.253 --> 00:41:35.173
In Berlin, gerade für den Bereich Menschen mit Behinderung haben.

00:41:36.273 --> 00:41:39.433
Wir haben es schon vorhin ein bisschen angedeutet, Sie haben auch schon erzählt,

00:41:39.613 --> 00:41:42.633
dass ein Fall für die persönliche Assistenz klagen musste.

00:41:42.793 --> 00:41:47.353
Wir hören ganz viel aus den Verwaltungen oder besser gesagt von den Menschen

00:41:47.353 --> 00:41:50.413
mit Behinderung, dass sie bei Krankenkassen, bei Verwaltung,

00:41:50.533 --> 00:41:52.313
bei Behörden, bei was auch immer,

00:41:52.953 --> 00:41:57.013
nicht über den ersten Weg direkt das kriegen, was ihr Bedarf ist,

00:41:57.153 --> 00:42:00.493
von Hilfsmittel bis persönliche Assistenz, sondern dass ganz viel klagen müssen.

00:42:02.253 --> 00:42:05.853
Wie oft werden Sie damit konfrontiert und was würden Sie sich wünschen oder

00:42:05.853 --> 00:42:11.333
wie würden Sie gerne Initiative ergreifen, um diese Problematik zu beenden,

00:42:11.533 --> 00:42:14.073
dass ständig überall immer muss geklagt werden, bevor man sein Recht,

00:42:14.213 --> 00:42:16.373
was einem zusteht, umsetzen kann?

00:42:17.113 --> 00:42:20.573
Ich glaube, das hängt auch ganz viel mit dem zusammen, was wir als Stichwort auch schon hatten.

00:42:20.813 --> 00:42:26.473
Dass Verfahren häufig sehr kompliziert sind, dass es sehr viele verschiedene

00:42:26.473 --> 00:42:28.593
Stellen gibt, die eingebunden werden müssen,

00:42:29.293 --> 00:42:32.033
dass es eine Vielzahl von Akteuren gibt,

00:42:32.233 --> 00:42:36.473
was dann auch wieder Reibungsverluste erzeugt, Informationen gehen verloren

00:42:36.473 --> 00:42:40.913
oder das Rad wird gleich fünfmal neu erfunden, wenn ich nur mal an die verschiedenen

00:42:40.913 --> 00:42:43.933
Begutachtungsstrukturen denke, die wir haben, wo ich glaube,

00:42:44.013 --> 00:42:45.833
da könnte man ganz viel zusammenführen.

00:42:46.073 --> 00:42:51.633
Da gibt es sicherlich sehr viel Optimierungsbedarf. Und wenn ich das Ganze etwas

00:42:51.633 --> 00:42:57.853
straffer organisieren kann, dann habe ich im Grunde natürlich auch wieder viel

00:42:57.853 --> 00:43:01.013
mehr Ressourcen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

00:43:01.973 --> 00:43:05.813
Also eine Verwaltungsmodernisierung, eine Entbürokratisierung,

00:43:06.053 --> 00:43:09.633
aber im Sinne der Menschen selbstverständlich, im Sinne dessen,

00:43:09.813 --> 00:43:14.913
was ihre Rechtsansprüche sind, das würde uns, glaube ich, auf jeden Fall weiterhelfen.

00:43:14.913 --> 00:43:17.773
Und dann vielleicht eine Beschwerdestelle,

00:43:17.973 --> 00:43:24.453
die für den einen oder anderen Punkt wirklich zentral ist.

00:43:24.673 --> 00:43:31.533
Also wir haben ja die Schiedsstellen im Bereich BTHG, wo man tatsächlich nochmal

00:43:31.533 --> 00:43:37.193
sich gebündelt, konzentriert hinwenden kann, wo man erkennen kann,

00:43:38.433 --> 00:43:43.133
was über den Einzelfall hinaus vielleicht von gesamtstädtischer Bedeutung ist

00:43:43.133 --> 00:43:46.093
oder wo man merkt, da gibt es einfach ein Umsetzungsproblem,

00:43:46.273 --> 00:43:50.013
da muss man in irgendeiner Form nachsteuern. Das würde ich mir wünschen.

00:43:52.553 --> 00:43:56.873
Sie kennen den IGL-Podcast, liebe Zuhörer. Und Sie wissen, dass ich kein Freund

00:43:56.873 --> 00:44:03.253
davon bin, mit schweren, etwas belastenden Themen aus diesem Podcast rauszugehen.

00:44:03.413 --> 00:44:08.113
Deshalb fange ich so langsam an, die Kurve zu kriegen und würde gerne mal Richtung

00:44:08.113 --> 00:44:10.993
ein bisschen positiven Vibes gehen.

00:44:10.993 --> 00:44:14.973
Und zwar unter anderem, welche coolen Initiativen gibt es denn derzeit in Berlin,

00:44:15.053 --> 00:44:18.113
wo Sie sagen als Bindernbeauftragte, wow, das ist eine Initiative,

00:44:18.353 --> 00:44:21.153
die ist förderungs-, die ist unterstützungswert, für die müssen wir noch ein

00:44:21.153 --> 00:44:23.053
bisschen Werbung machen, das finden wir derzeit sehr cool.

00:44:23.828 --> 00:44:28.368
Eins habe ich schon erwähnt. Das Berliner Meldenten-Parlament gehört auf jeden Fall dazu.

00:44:28.628 --> 00:44:35.488
Und wenn ich von der Struktur noch was erwähnen kann, wir haben jetzt endlich

00:44:35.488 --> 00:44:39.828
eine Schlichtungsstelle nach § 33 Landesgleichberechtigungsgesetz.

00:44:39.828 --> 00:44:42.548
Die ist organisatorisch bei mir angesiedelt.

00:44:42.668 --> 00:44:46.248
Die ist am 01.01.2025 an den Start gegangen.

00:44:46.548 --> 00:44:50.928
Die hat die Aufgabe, niedrigschwellig und kostenfrei Streitigkeiten nach dem

00:44:50.928 --> 00:44:55.988
Landesgleichberechtigungsgesetz zu schlichten und dann natürlich außergerichtlich zu klären.

00:44:56.428 --> 00:45:00.448
Und da erhoffe ich mir, dass die Ergebnisse der geschlichteten Streitigkeiten

00:45:00.448 --> 00:45:04.228
natürlich auch dazu beitragen, strukturelle Änderungen im Land herbeizuführen.

00:45:04.228 --> 00:45:06.648
Dafür ist es jetzt natürlich noch viel zu früh.

00:45:07.288 --> 00:45:09.788
Also wir sind noch keine, die gibt es noch keine drei Monate.

00:45:10.128 --> 00:45:13.748
Aber ich hoffe schon, dass die Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung,

00:45:13.948 --> 00:45:17.068
ihre Rechte durchzusetzen, dadurch nochmal deutlich größer geworden sind.

00:45:17.068 --> 00:45:22.228
Und wenn ich noch einen dritten positiven Punkt, ebenfalls einen strukturellen, erwähnen darf.

00:45:22.428 --> 00:45:27.728
Wir haben in Berlin ein Landes-Antidiskriminierungsgesetz, was die Lücken schließen

00:45:27.728 --> 00:45:30.768
soll, die das AGG eben noch nicht abdeckt.

00:45:30.988 --> 00:45:35.108
Mit dieser Umbudsstelle arbeiten wir sehr eng zusammen.

00:45:35.108 --> 00:45:43.288
Und das hat aus meiner Sicht tatsächlich auch die eine oder andere Thematik

00:45:43.288 --> 00:45:49.208
einer Lösung zumindest näher geführt und sie trägt eben tatsächlich auch dazu bei,

00:45:49.408 --> 00:45:54.348
so das Bewusstsein zu schärfen in Richtung eines Disability Mainstreamings.

00:45:54.348 --> 00:45:58.768
Also das heißt, die Belange und Bedarfe von Menschen mit Behinderung immer mitzudenken

00:45:58.768 --> 00:46:04.248
und sozusagen als Kontrollfrage bei allem, was ich tue, immer nochmal drüber

00:46:04.248 --> 00:46:08.548
laufen zu lassen, wen schließe ich mit dieser vorgeschlagenen Lösung aus.

00:46:09.408 --> 00:46:12.388
Ich würde nochmal ganz kurz auf den zweiten Punkt Ihrer Schlichtungsstelle zu sprechen kommen.

00:46:12.548 --> 00:46:17.808
Was wären denn so Themen, mit denen man auf Sie zukommen darf in dem Zusammenhang?

00:46:17.888 --> 00:46:20.188
Also was fällt da so drunter?

00:46:21.235 --> 00:46:25.395
Also alles, was mit dem Bereich der öffentlichen Stellen zu tun hat.

00:46:28.375 --> 00:46:31.735
Also möglicherweise, ich lehne mich jetzt ziemlich weit aus dem Fenster,

00:46:31.835 --> 00:46:35.255
weil ich bin nicht der Schlichter und über den Anwendungsbereich der Schlichtungsstelle

00:46:35.255 --> 00:46:38.175
entscheidet tatsächlich der Schlichter, der auch ein Volljurist ist.

00:46:40.515 --> 00:46:48.415
Aber ein Klassiker wäre wahrscheinlich, wenn Sie keinen Schulplatz bekommen

00:46:48.415 --> 00:46:51.235
Oder möglicherweise auch,

00:46:51.555 --> 00:46:58.615
wenn es eine Verordnung gibt, wo Sie sagen, das benachteiligt aber jetzt Menschen mit Behinderung.

00:46:59.155 --> 00:47:03.015
Und in meinem Fall, also es muss ein konkreter individueller Fall sein und in

00:47:03.015 --> 00:47:04.595
meinem Fall wirkt sich das so und so auf.

00:47:04.815 --> 00:47:11.195
Und deswegen möchte ich jetzt gucken, dass wir da eine Schlichtung herbeiführen,

00:47:11.515 --> 00:47:12.955
dass wir da zu einer guten Lösung kommen.

00:47:13.655 --> 00:47:17.255
Sehr schön. Zum Schluss die Glaskugel, die Wunschkugel.

00:47:17.495 --> 00:47:20.755
Ich weiß, die wäre randvoll, wenn Sie die jetzt alles da reinsetzen würden,

00:47:20.855 --> 00:47:23.835
was Sie haben schon einige Wünsche geäußert und einige Vorschläge gemacht.

00:47:23.935 --> 00:47:27.175
Aber wenn Sie jetzt mal so einen Wunsch noch raushauen würden,

00:47:27.515 --> 00:47:30.735
der für Ihre Arbeit, für Ihren Alltag und für die Menschen mit Behinderung in

00:47:30.735 --> 00:47:32.355
Berlin wichtig wäre, welcher wäre das?

00:47:33.235 --> 00:47:37.115
Es wäre tatsächlich deutlich mehr Bewusstsein für das, was ich zuletzt genannt

00:47:37.115 --> 00:47:39.175
habe, ein Disability Mainstreaming.

00:47:39.175 --> 00:47:43.835
Weil ich glaube, wenn wir das von Anfang an auf den Verwaltungsebenen,

00:47:43.955 --> 00:47:48.835
auf der politischen Ebene, wenn wir das von Anfang an mitdenken würden,

00:47:49.115 --> 00:47:52.275
dann würden sehr viele Probleme überhaupt nicht erst auftauchen,

00:47:52.355 --> 00:47:57.015
die wir hinterher mit vielen Ressourcen, vielen Diskussionen und vielleicht

00:47:57.015 --> 00:47:59.975
auch vielen Streitigkeiten versuchen zu lösen.

00:48:00.535 --> 00:48:04.875
Ist Ihnen, Herr Brauner-Drüdenhoff, herzlichen Dank für diese wundervollen Aussagen,

00:48:05.035 --> 00:48:08.435
für dieses sehr interessante Interview und für diesen Standpunkt,

00:48:08.555 --> 00:48:13.015
den es aus Berlin gegeben hat zu der derzeitigen Situation von Menschen mit

00:48:13.015 --> 00:48:14.675
Behinderung in Berlin. Vielen Dank für Ihre Zeit.

00:48:15.575 --> 00:48:19.395
Vielen Dank. Ich danke. Wie ihr die Landesbehindertenbeauftragte aus Berlin

00:48:19.395 --> 00:48:21.415
kontaktieren könnt, findet ihr in den Shownotes.

00:48:21.555 --> 00:48:23.715
Alles Gute bis dahin. Euer Klusator Sascha Lang.

00:48:24.560 --> 00:48:36.080
Music.

00:48:35.999 --> 00:48:41.779
Inklusator Sascha Lang bedeutet Inklusion. Inklusion ist ein Gesellschaftsprojekt.

00:48:42.279 --> 00:48:46.199
Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazugehört.

00:48:46.659 --> 00:48:51.359
Egal wie du aussiehst, welche Sprache du sprichst oder ob du eine Behinderung hast.

00:48:52.019 --> 00:48:53.999
Inklusion heißt Teilhaben.

00:48:54.839 --> 00:49:00.759
Wir möchten dich mit unserem Podcast dazu motivieren, bereits jetzt an der Gesellschaft teilzunehmen.

00:49:01.019 --> 00:49:03.679
Denn nur so können Barrieren abgebaut werden.

00:49:04.279 --> 00:49:07.399
Barrieren, die nicht nur im Alltag bestehen, sondern auch in den Köpfen.

00:49:07.679 --> 00:49:10.159
Lasst uns diese gemeinsam abbauen.

00:49:08.880 --> 00:49:16.240
Music.

00:49:15.799 --> 00:49:21.879
Das war der Podcast IGL Inklusion ganz einfach leben mit eurem Inklusator Sascha Lang.

00:49:22.320 --> 00:49:30.160
Music.

00:49:29.899 --> 00:49:35.879
IGL Inklusion ganz einfach leben. wird dir präsentiert von Inklusator.

00:49:39.039 --> 00:49:44.999
Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.de.

00:49:44.880 --> 00:50:10.986
Music.