WEBVTT

00:00:00.120 --> 00:00:05.520
Quati: Kathrin - die meisten kennen mich unter meinem Spitznamen Quati -

00:00:00.120 --> 00:00:05.520
Sarah: Hallo, wir sind

00:00:05.520 --> 00:00:08.600
Sarah: und Sarah mit Österreich, What the Fuck.

00:00:08.600 --> 00:00:17.060
Sarah: Wir stellen unseren Gästen die Fragen, die ihnen sonst keiner stellt und erfahren so viele Dinge, von denen ihr keine Ahnung hattet, dass ihr sie über unsere Gäste wissen wollt.

00:00:36.660 --> 00:00:41.000
So, heute ist bei uns Susanne Woznitzka zu Gast.

00:00:41.000 --> 00:00:45.520
Susanne ist freischaffende Musikwissenschaftlerin und Expertin für Frauengeschichte.

00:00:46.520 --> 00:00:54.260
Wir steigen jetzt mal ein mit einer Frage nach der nicht offensichtlichen Expertise, deinen geheimen Leidenschaften und Hobbys.

00:00:54.260 --> 00:01:03.440
Erzähl mir, du bist eigentlich für etwas ganz anderes bekannt, aber du spielst gerne mit Lego, habe ich gehört.

00:01:03.440 --> 00:01:13.280
Susanne: Jo, genau, was heißtt spielen. Mittlerweile habe ich ja leider so die Muße nicht mehr zu spielen, aber Lego war schon immer mein Ding,

00:01:13.280 --> 00:01:20.760
weil mit Playmobil, da kannst du das Zeug halt irgendwie dran klipsen und aufbauen und dann kannst du da Geschichte danach erzählen.

00:01:20.920 --> 00:01:30.240
Aber dieses Bauen war dann weg und mit Lego da kannst du umbauen und abbauen und  verschieden bauen.

00:01:30.240 --> 00:01:37.980
Und letztendlich ist doch das, was das Interessantere ist, nämlich die eigene Geschichte mit irgendeinem Material wachsen zu lassen.

00:01:37.980 --> 00:01:41.220
Und deshalb bin ich von klein an immer in Legos drin gewesen.

00:01:41.900 --> 00:01:48.800
Meine Eltern haben auch zu Weihnachten, die haben mich als Kind gesehen und haben, okay, jetzt kriegt das Kind der Ritterburg.

00:01:48.800 --> 00:01:50.720
War ja damals schon arscheteuer.

00:01:51.060 --> 00:01:55.280
Und da hat es eigentlich so angefangen.

00:01:55.280 --> 00:02:01.420
Und über die Jahre immer mal wieder zu Weihnachten hole ich die dann raus und dann mal wieder anguckt und dann wieder abbaut.

00:02:01.420 --> 00:02:02.960
Da                 ist so ein bisschen Zeit.

00:02:02.960 --> 00:02:09.500
Und weil ich keinen grünen Daumen habe hier in meiner Wohnung oder oft weg bin und mir alles eingeht.

00:02:09.500 --> 00:02:15.420
Und ja, dann stand halt hier irgendwann mal vom Sonderangebot der Lego Bonsai.

00:02:15.420 --> 00:02:26.380
Und seitdem kamen hier, jetzt habe ich hier noch eine, wie nennt sich das, diese, eine Orchidee, zweierlei Varianten.

00:02:26.380 --> 00:02:29.740
Und so kam das ganze Zeug halt immer mal wieder mal eins da dazu.

00:02:29.740 --> 00:02:34.320
Viel Platz habe ich nicht, aber so ist es doch ein bisschen grüner und eckiger geworden.

00:02:36.660 --> 00:02:42.580
Quati: Darf ich gleich fragen, die Ritterburg, aber das war nicht zufällig, so eine Ritterburg mit so einem Leuchtgeist und einer Falltür.

00:02:42.580 --> 00:02:44.700
Susanne: Nein, den hatte ich leider nicht.

00:02:44.700 --> 00:02:47.500
Den hat ein Kumpel gekriegt und ich war so furchtbar neidisch.

00:02:47.500 --> 00:02:53.420
Immerhin hatte eine von diesen Burgen mal einen Verlies zum Zusperren.

00:02:53.420 --> 00:02:55.740
Da saß dann irgendjemand immer drin.

00:02:55.740 --> 00:03:02.640
Quati: Aber ich habe auch eine Ritterburg gekriegt von meinen Eltern einmal zu Weihnachten.

00:03:02.640 --> 00:03:06.640
Und das war eben so ein Geist, der hat im Dunkeln geleuchtet.

00:03:06.640 --> 00:03:09.360
Susanne: Ah, das war das Nonplusultra, wirklich.

00:03:09.360 --> 00:03:11.600
Nee, ist schon ein tolles Ding.

00:03:11.600 --> 00:03:19.560
Quati: Aber bist du dann auch so eher Impro-Lego-Bauerin oder baust du lieber nach Plan?

00:03:20.240 --> 00:03:26.160
Susanne: Das habe ich früher viel gemacht, weil da irgendwie die Fantasie, man hat als Kind einfach eine andere Fantasie.

00:03:26.160 --> 00:03:29.280
Und mittlerweile ist es so.

00:03:29.280 --> 00:03:36.640
Es gibt ja noch diese, sagen wir mal, diese günstigere Firma, die auch Lego-ähnliche Steine herstellt.

00:03:36.640 --> 00:03:40.380
Und da gibt es weniger Läden.

00:03:40.880 --> 00:03:48.340
Und da war ich dann mal in einem drin und habe auf irgendeiner Website ja mal gesehen, was man alles machen kann.

00:03:48.340 --> 00:03:51.800
Und habe seitdem dann einfach so eine Handvoll Steine mitgenommen.

00:03:51.800 --> 00:03:57.520
Und jetzt habe ich unter so einer kleinen Glaskuppel mir ein kleines Luftschloss gebaut,

00:03:57.680 --> 00:04:04.240
unten auf Meeresgrund, auf künstlichen Felsen, wo dann oben so eine winzig kleine Stadt mit roten Dächern hängt.

00:04:04.240 --> 00:04:10.960
Und es ist nicht eins zu eins wie der im Netz geworden, aber ihr habt mir dann einfach da was.

00:04:10.960 --> 00:04:12.360
Also sowas dann halt, genau.

00:04:12.360 --> 00:04:15.660
Das ist echt süß, das ist ungefähr so groß.

00:04:15.660 --> 00:04:18.020
Ja, ganz wunderbar.

00:04:18.020 --> 00:04:20.300
Ich kann es euch bloß nicht zeigen, weil es da oben drauf steht.

00:04:20.960 --> 00:04:22.780
Sarah: Das klingt großartig.

00:04:22.780 --> 00:04:24.280
Quati: Das ist fantastisch.

00:04:24.280 --> 00:04:26.540
Ich bin völlig hin und weg.

00:04:26.540 --> 00:04:28.920
Sarah: Ja, es klingt wunderbar.

00:04:28.920 --> 00:04:33.840
Susanne: Was auch toll ist, ich habe mal, wo ich einen richtig guten Auftrag mal bekommen habe,

00:04:33.840 --> 00:04:36.520
da habe ich mir dann das Lego-Kolosseum zugelegt.

00:04:36.520 --> 00:04:39.100
Weil das musste ich einfach haben aus Gründen.

00:04:39.100 --> 00:04:45.400
Und da gab es einen, der aus den allen Steinen einen neuen Plan gemacht hat.

00:04:45.400 --> 00:04:47.600
Da gibt es noch solche Freaks, die sowas planen.

00:04:48.800 --> 00:04:51.200
Und der hat dann aus diesem Ganzen eine Burg gemacht.

00:04:51.200 --> 00:04:54.280
Und ich habe den Plan dann einfach runtergeladen, den es da umsonst gab.

00:04:54.280 --> 00:04:57.840
Und irgendwann, wenn ich mal dazukomme, baue ich das Kolosseum ab.

00:04:57.840 --> 00:05:00.780
Und so eine Fantasieburg mit diesen Steinen danach.

00:05:00.780 --> 00:05:04.280
Also es ist einfach toll, was man da so machen kann.

00:05:04.280 --> 00:05:10.600
Und wie viele begeisterte Leute das überall auf der Welt gibt, die dann absolut Tolles Neues machen,

00:05:10.600 --> 00:05:12.280
wo man Anregungen kriegt.

00:05:12.280 --> 00:05:13.940
Quati: Das ist so cool.

00:05:15.060 --> 00:05:18.820
Aber ich kenne das auch, wenn die Muße fehlt.

00:05:18.820 --> 00:05:22.420
Weil eigentlich, ich finde, es ist da beißt sich die Katze in den Schwanz.

00:05:22.420 --> 00:05:26.380
Weil auf der einen Seite finde ich das total beruhigend, dieses Lego-Bauen.

00:05:26.380 --> 00:05:27.360
Und das ist so.

00:05:27.360 --> 00:05:29.960
Da ist man irgendwie so im Flow dann.

00:05:29.960 --> 00:05:31.580
Und so im Fokus drin.

00:05:32.460 --> 00:05:38.880
Aber so weit zu kommen, sich hinzusetzen und dann irgendwie anzufangen zu bauen,

00:05:38.880 --> 00:05:42.220
obwohl man weiß, es tut gut und es entspannt.

00:05:42.220 --> 00:05:47.120
Und trotzdem ist irgendwie, also ich weiß nicht, wie geht es dir da?

00:05:47.900 --> 00:05:50.760
Aber ich merk, ich habe oft auch die Ruhe nicht.

00:05:50.760 --> 00:05:53.180
Susanne: Ja, doch, definitiv.

00:05:53.180 --> 00:05:57.200
Und auch, wenn man sich manchmal so ein bisschen verliert im Alltag,

00:05:57.200 --> 00:06:01.180
irgendwie dann vom Chaos in eine Ordnung was bringen,

00:06:01.180 --> 00:06:03.720
das allein ist schon toll.

00:06:03.720 --> 00:06:09.940
Und wie du sagst, davon Zeit zu haben, das ist ja der eigentliche Luxus.

00:06:10.500 --> 00:06:15.560
Und sich dann hinzusetzen und wirklich abschnallen und mal keine Musik nebenbei hören,

00:06:15.560 --> 00:06:18.120
nicht die Glotze laufen lassen oder sonst irgendwas,

00:06:18.120 --> 00:06:21.240
sondern bloß, ja, das ist das Wertvolle.

00:06:21.240 --> 00:06:22.800
Andere legen Puzzle.

00:06:22.800 --> 00:06:26.120
Ja, und hier ist das Lego.

00:06:26.120 --> 00:06:31.280
Sarah: Also mir gefällt Lego-Bauen als Selfcare wahnsinnig gut, muss ich sagen.

00:06:31.280 --> 00:06:32.860
Ich finde, das ist ein sehr cooles Konzept.

00:06:32.860 --> 00:06:36.640
Dieses ins Chaos Ordnung bringen, das hat schon was.

00:06:39.300 --> 00:06:42.880
Aber du sagst, du hast dir das Kolosseum zugelegt.

00:06:42.880 --> 00:06:43.960
Warum?

00:06:43.960 --> 00:06:48.120
Gibt es mehr historische Lego-Bausätze, die dich interessiert haben?

00:06:48.120 --> 00:06:50.460
Oder warum genau das Kolosseum?

00:06:50.460 --> 00:06:55.320
Susanne: Generell Architektur, mit der sich was verbinden lässt.

00:06:55.320 --> 00:06:57.160
Also ich kaufe mir jetzt nicht irgendwelches,

00:06:57.160 --> 00:07:00.140
ich würde mir jetzt nie eine Hundefigur oder irgendwas kaufen,

00:07:00.140 --> 00:07:03.580
weil ich habe mit Hunden einfach jetzt, das sind nicht meine Tiere.

00:07:03.580 --> 00:07:07.140
Aber das Kolosseum, ich habe hier, wenn ich vom Schreibtisch weg gucke,

00:07:07.140 --> 00:07:10.520
dann habe ich hier so Bücher, keine Bücherwand, die habe ich nicht mehr,

00:07:10.520 --> 00:07:13.540
so eine Bilderwand mit Flohmarktbildern viel.

00:07:13.540 --> 00:07:19.680
Und eines von meinen ersten Bildern, das ich mit 17, 18 oder so gekauft habe,

00:07:19.680 --> 00:07:22.720
ist das schönes Aquarell mit dem Kolosseum eben drauf.

00:07:22.720 --> 00:07:27.700
Und mein Traum war eben immer Rom sehen und das Kolosseum sehen.

00:07:27.800 --> 00:07:33.100
Die ganze Zeit, als ich klassische Archäologie dann an der Uni als Nebenfach hatte,

00:07:33.100 --> 00:07:39.040
ich habe bis dahin noch nie einen römischen Tempel in echt gesehen.

00:07:39.040 --> 00:07:40.800
Gab es ja hier nicht.

00:07:40.800 --> 00:07:41.980
Und wie hinkommen.

00:07:43.380 --> 00:07:48.080
Und dann ergab sich vor ein paar Jahren tatsächlich die Gelegenheit,

00:07:48.080 --> 00:07:50.000
hatte auch mit Katzen zu tun,

00:07:50.000 --> 00:07:56.780
dass ich die Chance hatte, für drei Wochen in Rom auf Katzen aufzupassen,

00:07:56.780 --> 00:07:59.320
auf drei Katzen in einer Privatwohnung,

00:07:59.320 --> 00:08:01.060
für umsonst.

00:08:01.060 --> 00:08:04.380
Genau, ich musste da bloß die Reinigung von der Bude zahlen

00:08:04.380 --> 00:08:06.500
und dann bin ich da hingefahren.

00:08:06.660 --> 00:08:08.900
Und kurz davor hat sich aber noch was ergeben.

00:08:08.900 --> 00:08:12.040
Und das ist eigentlich so das Offizielle im Vordergrund.

00:08:12.040 --> 00:08:14.040
Und dann sind wir wieder bei den Komponistinnen

00:08:14.040 --> 00:08:15.940
und bei der Frauenmusikgeschichte und so.

00:08:15.940 --> 00:08:22.680
Dass zwei Filmemacherinnen, Tim van Beveren und Kyra Steckeweh,

00:08:22.680 --> 00:08:25.080
die kannten mich von dem Vortrag vorher.

00:08:25.080 --> 00:08:28.880
Und da reifte in der Kyra die Idee eines Filmes

00:08:28.880 --> 00:08:30.560
über vergessene Komponistinnen.

00:08:30.560 --> 00:08:32.860
Und die hatten mich dann gelöchert.

00:08:32.860 --> 00:08:37.320
Und Sue, wie kannst du da vielleicht beitragen und so.

00:08:37.320 --> 00:08:40.860
Und ich habe sie dann gefragt, um welche Komponistinnen es geht.

00:08:40.860 --> 00:08:46.540
Das waren Mel Bonis, Emilie Meyer, Lili Boulanger und Fanny Hensel,

00:08:46.540 --> 00:08:49.040
geborene Mendelssohn-Bartholdy, um die vier.

00:08:49.040 --> 00:08:51.340
Bekannte und Unbekannte.

00:08:51.340 --> 00:08:56.580
Und dann haben wir dann geguckt, was die da alles so anbringen wollen.

00:08:56.580 --> 00:08:59.760
Und ich habe dann gesagt, wie, ihr fahrt da nicht nach Rom.

00:08:59.760 --> 00:09:02.600
Rom war aber hochbedeutend für Lili Boulanger,

00:09:02.600 --> 00:09:06.300
weil die hat ein Stipendium gekriegt als erste Frau im Fach Musik.

00:09:06.300 --> 00:09:11.760
Und Fanny Hensel, weil die da ihr, wie soll ich sagen,

00:09:11.760 --> 00:09:15.780
ihre Persönlichkeitsentwicklung, hat da so einen enormen Schub getan,

00:09:15.780 --> 00:09:18.660
wo sie zum ersten Mal persönlich frei sein konnte.

00:09:18.660 --> 00:09:21.920
Deshalb hat für diese beiden Rom so eine hohe Bedeutung.

00:09:22.640 --> 00:09:26.280
Und ich habe gesagt, komm, ich bin dann und dann in Rom,

00:09:26.280 --> 00:09:29.740
habt ihr daauch Zeit, drehen wir doch da gemeinsam.

00:09:29.740 --> 00:09:33.020
Das hat dann tatsächlich wundersamerweise geklappt.

00:09:33.020 --> 00:09:37.340
Ich war in den drei Wochen in Rom, die konnten da runterfahren mit ihrem ganzen Equip.

00:09:37.340 --> 00:09:39.940
Dann haben wir noch die Villa Massimo zur Verfügung gestellt

00:09:39.940 --> 00:09:40.820
gekriegt für ein Interview.

00:09:40.820 --> 00:09:44.000
Da hockt so eine deutsche Studienstiftung drin.

00:09:44.680 --> 00:09:48.400
Und dann haben wir da dreht und ohne, dass wäre dieser Film nicht rund geworden.

00:09:48.400 --> 00:09:53.740
Und jetzt kann man mit diesen Films und hätten die im verregneten Berlin dreht.

00:09:53.740 --> 00:09:56.560
Dann war noch graues Frankreich dabei.

00:09:56.560 --> 00:09:59.700
Und Rom, da geht einem halt das Herz auf.

00:09:59.700 --> 00:10:05.140
Rom, Sehnsuchtsort noch und nöcher, Kunst, Musik, Leben, Essen.

00:10:06.680 --> 00:10:12.960
Ja, und seitdem, diesen drei Wochen in Rom, will ich da einfach nochmal hinbekommen.

00:10:12.960 --> 00:10:14.300
Seitdem auch nicht mehr hinkommen.

00:10:14.300 --> 00:10:17.860
Wann hat man schon mal Zeit, drei Wochen in so einer Stadt zu sein?

00:10:17.860 --> 00:10:22.380
Und nicht bloß vier Tage, wo man dann Kolosseum und keine Ahnung was abrennt

00:10:22.380 --> 00:10:24.080
und völlig gestresst wieder heimkommt,

00:10:24.080 --> 00:10:27.560
sondern so richtig die Wärme und das Leben da.

00:10:27.560 --> 00:10:32.380
Und diese gleichbleibende drei Wochen lang gleichbleibendes Klima zu haben,

00:10:32.440 --> 00:10:35.960
wo man nicht überlegen muss, kann ich heute im T-Shirt raus

00:10:35.960 --> 00:10:38.360
oder muss ich einen Schirm mitnehmen oder einen Pulli drüber?

00:10:38.360 --> 00:10:41.260
Nicht wie hier bei deutschen Sommern oder so.

00:10:41.260 --> 00:10:44.260
Wiener Sommer sind immer was anderes.

00:10:44.260 --> 00:10:46.640
Ja, das Tropische haben wir dieses Jahr gesehen.

00:10:46.640 --> 00:10:51.340
Ja, und somit ist dieses Rom,

00:10:51.340 --> 00:10:55.560
habe ich diese Verbindung zu diesen historischen Frauen und zur Jetztzeit,

00:10:55.560 --> 00:10:58.800
weil es einfach fantastisch war, sich da aufzuhalten

00:10:58.800 --> 00:11:04.480
und da sowas Tolles, kulturell Bedeutendes auf Leinwand  zu bringen.

00:11:04.480 --> 00:11:06.940
Sarah: Und als Bonus Katzen.

00:11:06.940 --> 00:11:10.380
Susanne: Als Bonus waren drei Katzen in der Wohnung, genau.

00:11:10.380 --> 00:11:11.380
Die waren echt süß.

00:11:11.380 --> 00:11:15.360
Ja, wann hat man sowas schon.

00:11:15.360 --> 00:11:17.980
Sarah: Und dann hast du dir das Kolosseum zugelegt.

00:11:17.980 --> 00:11:22.020
Susanne: Genau, das war dann die ultimative Erinnerung dran.

00:11:22.020 --> 00:11:23.700
Ja.

00:11:23.700 --> 00:11:26.660
Sarah: Also statt Ansichtskarte ein Kolosseum mit nach Hause nehmen.

00:11:26.660 --> 00:11:27.560
Susanne: Genau.

00:11:27.760 --> 00:11:28.220
Susanne: Sozusagen.

00:11:28.220 --> 00:11:30.500
Quati: Ah, wie cool.

00:11:30.500 --> 00:11:34.100
Ich war ganz gebannt gerade.

00:11:34.100 --> 00:11:39.440
Also ich sehe schon, dir kann man sehr, sehr lange sehr gut zuhören.

00:11:39.440 --> 00:11:42.020
Susanne: Ja, es findet sich immer wieder was.

00:11:42.020 --> 00:11:45.140
Manchmal brauche ich bloß das Stichwort und dann kann ich loslegen.

00:11:45.140 --> 00:11:49.400
Das ist manchmal echt ein bisschen too much vielleicht für welche.

00:11:49.400 --> 00:11:50.020
Aber ja.

00:11:50.020 --> 00:11:51.680
Quati: Und das ist großartig.

00:11:51.680 --> 00:11:52.640
Das ist super schön.

00:11:54.240 --> 00:11:56.640
Sarah: Es ist vor allem so interessant, was du erzählst.

00:11:56.640 --> 00:11:58.840
Das ist ja nicht irgendwas, sondern das ist ja spannend.

00:11:58.840 --> 00:12:11.600
Quati: Nein, vor allem, ich glaube, wir sind der erste und einzige Podcast, der tatsächlich, wo es tatsächlich jemand geschafft hat, die Kurve vom Lego zu Komponistin zu ziehen.

00:12:11.600 --> 00:12:12.160
Susanne: Ja, okay.

00:12:12.160 --> 00:12:14.860
Quati: Und das ist noch dazu so elegant.

00:12:14.860 --> 00:12:16.820
Sarah: Unglaublich elegant, ja.

00:12:18.240 --> 00:12:21.460
Es gibt ja noch mehr Kolosseums oder Kolosseen.

00:12:21.460 --> 00:12:26.060
In Verona zum Beispiel, da ist noch nie eine Oper von einer Frau gespielt worden.

00:12:26.060 --> 00:12:27.580
Da hat man schon den nächsten Aufhänger.

00:12:27.580 --> 00:12:32.960
Sarah: Ja, aber ganz ehrlich, ich glaube, du findest überall einen Aufhänger für die Komponistinnen, oder?

00:12:32.960 --> 00:12:33.900
Susanne: Ja.

00:12:33.900 --> 00:12:42.260
Und die kann auch nirgends wo in Urlaub gehen, ohne dass ich irgendwas wieder sehe an Frauengeschichte oder wo ich was wissen will.

00:12:43.680 --> 00:12:44.320
Das geht nicht.

00:12:44.320 --> 00:12:50.800
Also da, es findet sich immer Kultur, immer irgendwas Interessantes oder wo ich was Neues finden kann.

00:12:50.800 --> 00:12:57.420
Ja, was mich wieder bereichert, das ist so urlaubmäßig irgendwie.

00:12:57.420 --> 00:13:01.060
Ich könnte jetzt nicht zwei Wochen lang in irgendeine Anlage da rein liegen.

00:13:01.060 --> 00:13:06.060
Und dann kann ich zwar sagen, okay, ich war in Marokko, aber ich habe vom Land nichts gesehen.

00:13:06.060 --> 00:13:07.680
Also was bringt mir das?

00:13:07.680 --> 00:13:09.980
Dann kann ich genauso daheim am Baggersee bleiben.

00:13:09.980 --> 00:13:12.200
Irgendwie mehr oder weniger.

00:13:12.200 --> 00:13:15.260
So überspitzt erzählt.

00:13:15.260 --> 00:13:17.480
Ja, geht nicht.

00:13:17.480 --> 00:13:20.560
Quati: Das ist eh gleich ein...

00:13:20.560 --> 00:13:27.700
Also wenn ich die erste Frage sozusagen auch zu deinem Fach stellen darf.

00:13:28.900 --> 00:13:31.560
Was kann man sich darunter vorstellen?

00:13:31.560 --> 00:13:40.580
Was macht eine Musikwissenschaftlerin, wenn sie gerade nicht Kolosseen oder Lego baut?

00:13:40.580 --> 00:13:44.160
Also was ist so deine Arbeit?

00:13:44.160 --> 00:13:45.600
Wie kann man sich das vorstellen?

00:13:45.600 --> 00:13:49.440
Magst du uns da ein bisschen alles erzählen dazu?

00:13:49.440 --> 00:13:52.160
Susanne: Die ist recht vielseitig.

00:13:52.160 --> 00:13:53.240
Also wenn man immer so...

00:13:53.240 --> 00:13:55.000
Ich werde meistens immer gefragt, was...

00:13:55.000 --> 00:13:56.300
Ah, du bist Musikwissenschaftlerin.

00:13:56.300 --> 00:13:58.180
Welches Instrument spielst du denn?

00:13:58.680 --> 00:14:02.660
Also da dachte ich, Leute, das mit Musikstudium verwechseln.

00:14:02.660 --> 00:14:05.100
Und klar, woher sollen sie es wissen?

00:14:05.100 --> 00:14:08.280
Ich habe es damals auch nicht gewusst, wie ich da dazukommen bin.

00:14:08.280 --> 00:14:09.480
Das können wir auch noch erzählen.

00:14:09.480 --> 00:14:10.560
Das ist auch noch abenteuerlich.

00:14:10.560 --> 00:14:13.900
Aber es hat schon mit Musik zu tun.

00:14:13.900 --> 00:14:18.440
Aber man guckt eher an, wie funktioniert die Musik?

00:14:18.440 --> 00:14:19.440
Wo kommt die Musik her?

00:14:20.080 --> 00:14:24.940
Wie hat sich die im Lauf der Jahrhunderte gewandelt?

00:14:24.940 --> 00:14:26.440
Wie wir sie jetzt halt hören.

00:14:26.440 --> 00:14:29.360
Wie hat sie unser Geschmack entwickelt?

00:14:29.360 --> 00:14:32.780
Welche Geschichten gibt es da dazu?

00:14:32.780 --> 00:14:35.760
Wer war dafür verantwortlich, dass wir das heute so hören?

00:14:35.860 --> 00:14:46.820
Und wer war dafür verantwortlich, dass - in den letzten 200 Jahren - sich die Musikgeschichte hat so verfälscht, wie wir sie heute halt eben auch kennen?

00:14:46.820 --> 00:14:49.120
Ohne Komponistinnen oder nicht mit viel.

00:14:49.120 --> 00:14:55.240
Oder dass die erst seit 50 Jahren mehr oder weniger im Auftrieb sind.

00:14:55.240 --> 00:14:57.400
Warum nicht schon vor 200 Jahren oder so?

00:14:57.400 --> 00:15:02.080
Und das halt eben in Kombination, nicht nur mit Musikwissenschaft.

00:15:02.080 --> 00:15:07.480
Also ich kenne relativ viele Leute, die suchen sich ihr Spezialthema aus und bleiben dann da drin.

00:15:07.480 --> 00:15:14.560
Ist natürlich auch total toll, wenn du dich so richtig fitzli-putzli-mäßig mit den kleinsten Kleinigkeiten auskennst.

00:15:14.560 --> 00:15:15.180
Das ist toll.

00:15:16.560 --> 00:15:20.440
Das bringt dann aber wenig, wenn du das Drumherum nicht kennst.

00:15:20.440 --> 00:15:27.040
Also zum Beispiel, ich weiß es nicht, Leute, die sich mit Politikwissenschaft befassen.

00:15:27.040 --> 00:15:33.780
Klar, Politik ist so ein Ding und da musst du auch gucken, wie funktioniert das hintenrum, damit du was analysieren kannst und so.

00:15:33.780 --> 00:15:39.340
Und in der Musikwissenschaft muss ich aber auch wissen, was war in der Politik los?

00:15:39.340 --> 00:15:41.000
Was war in der Kunst los?

00:15:41.000 --> 00:15:42.640
Was war in der Architektur los?

00:15:42.640 --> 00:15:44.480
Was war in der Malerei los?

00:15:44.480 --> 00:15:48.220
Was war in hygienischen Verhältnissen los?

00:15:48.220 --> 00:15:55.260
Das klingt jetzt weit hochgeholt, aber bei Epidemien konnten die Leute nicht reisen oder weniger reisen.

00:15:55.260 --> 00:15:58.300
Und was ist da denn brach gelegen?

00:15:58.300 --> 00:15:59.500
Wie war das dann?

00:15:59.500 --> 00:16:06.180
Das muss ich als Musikwissenschaftlerin auch alles wissen, damit ich es in Bezug bringen kann und über den Tellerrand ausgucken kann.

00:16:06.540 --> 00:16:11.600
Und da wird dann erst richtig interessant und spannend, wo so die Geschichten rumkommen.

00:16:11.600 --> 00:16:32.820
Ich selber sehe mich mittlerweile nicht mehr so wirklich als Musikwissenschaftlerin, sondern als auf Musik spezialisierte Kulturwissenschaftlerin durch diesen breiteren Kosmos, der sich da eben reingestülpt  hat oder den ich mir angeeignet habe oder der mich gefunden hat, den ich gefunden habe, so mehr oder weniger im Laufe der Jahre.

00:16:33.260 --> 00:16:37.760
Und dann kommt eben noch dieses Graben danach.

00:16:37.760 --> 00:16:43.240
Bei euch heißt es nicht Wissenschaftlerinnen, sondern Wissenschafter.

00:16:43.940 --> 00:16:55.840
Und das finde ich auch nochmal spannend, das Wissen, Schaftler, immer wenn es eine F#s chaftelhuberei irgendwo, das Wort kennen wir ja auch, das hat immer so was, ein bisschen so ein Touch, ein bisschen Verächtlichmachung auch drin.

00:16:55.840 --> 00:16:57.220
Irgendwie.

00:16:57.220 --> 00:17:04.480
Und Wissenschaftler, Feministinnen, da geht eine Feministlerinnen, passt nicht, aber ein blöder Vergleich.

00:17:05.820 --> 00:17:09.880
Aber irgendwie, da finde ich, ist ein kleiner Unterschied irgendwie doch dabei.

00:17:09.880 --> 00:17:19.880
Ja, und ich bin eigentlich mittlerweile auch die Sachenausgräberin, Neuentdeckerin, Verknüpferin von so Zeug.

00:17:19.880 --> 00:17:24.280
Und ich sehe mich mittlerweile mehr als auch in gewisser Weise Forensikerin.

00:17:26.680 --> 00:17:29.580
Es gibt da Spuren, die sind vergessen worden.

00:17:29.580 --> 00:17:33.920
Die sind aber nicht weg, sondern die sind da, man sieht sie halt bloß nicht mit der heutigen Zeit.

00:17:33.920 --> 00:17:40.420
Und ich bin dann so die, die das UV-Licht drauf hält.

00:17:40.420 --> 00:17:44.040
Da muss man aber auch wissen, gibt es da Spuren?

00:17:44.040 --> 00:17:53.340
Und da halte ich dann mit meinem UV-Licht, das ist mein Wissen, da drauf und sehe diese Spuren und kann die dann wieder verarbeiten oder wieder sichtbar bringen.

00:17:53.960 --> 00:17:55.440
An die Öffentlichkeit bringen.

00:17:55.440 --> 00:18:01.700
Sarah: Sag, magst du uns ein bisschen erzählen, wie deine Forschungsarbeit ausschaut?

00:18:01.700 --> 00:18:03.140
Wie machst du das konkret?

00:18:03.140 --> 00:18:04.300
Was schaust du dir an?

00:18:04.300 --> 00:18:05.280
Wo findest du es?

00:18:05.280 --> 00:18:18.120
Susanne: Konkret kann ich so sagen, hauptsächlich derzeit an historischen Tageszeitungen, die ich vorher gar nicht so auf dem Schirm hatte.

00:18:18.700 --> 00:18:25.700
Aber ich werde mal von einem Forscher gefragt, der sich mit Regensburger Tageszeitungen befasst hat.

00:18:25.700 --> 00:18:30.860
Der hat, da gab es eine große Tageszeitung, das Regensburger Diarium, so hieß das so nicht.

00:18:30.860 --> 00:18:41.760
Der hat guckt, aus der ganzen langen Liste dieser Zeitungen, hat er guckt, wie sah es da eigentlich mit Musikberichterstattung aus.

00:18:41.760 --> 00:18:55.160
Und hat dann alle Musiknachrichten in einem bestimmten Zeitraum rauszogen, abtipselt in ein Dokument rein und hat da dann allerhand Namen für Regensburg gefunden, von denen man noch nie gehört hat, dass die auch da waren oder sowas.

00:18:55.700 --> 00:19:06.020
Und der wollte dann zu einer bestimmten Persönlichkeit wissen, die zum sogenannten Augsburger Tor in Regensburg hinausgefahren ist und wissen wollte, ob die Person auch wirklich in Augsburg auch ankam.

00:19:06.020 --> 00:19:11.940
Weil die Straßen, so wie Ulmer Straße, Wiener Straße, wie auch immer, das waren ja Wegbeschreibungen.

00:19:11.940 --> 00:19:13.740
Man hat gewusst, man ist auf dem richtigen Weg.

00:19:14.200 --> 00:19:19.400
Oder der alte Postweg oder so Zeug, das gibt es ja so Begrifflichkeiten immer noch.

00:19:19.400 --> 00:19:25.800
Landstraßer Landstraße und solche lustigen Begriffe, die es da noch gibt.

00:19:25.800 --> 00:19:33.180
Und der hat mir den Auftrag gegeben, guck doch mal da nach.

00:19:33.180 --> 00:19:39.400
Und dann war ich am Zuge und bin in den Stadtarchiv gelatscht und habe gesagt, haben Sie da alte Zeitungen da?

00:19:39.400 --> 00:19:40.980
Und ja, haben wir da.

00:19:40.980 --> 00:19:48.760
Und die kann man sich so vorstellen, die sind vielleicht so hoch und ein Jahrgang ist so dick und ein Tag hat vier Seiten.

00:19:48.760 --> 00:19:50.380
Also mehr gibt es da noch nicht.

00:19:50.380 --> 00:19:56.680
Und dann hockst du halt da und okay, hast du einen genauen Zeitrahmen, wo das da gewesen ist.

00:19:56.680 --> 00:19:59.160
Und dann guckst du halt die Tage und dann blätterst und blätterst.

00:19:59.280 --> 00:20:02.760
Und du musst das ja lesen, um da die Begriffe zu finden.

00:20:02.760 --> 00:20:05.560
Und sie sagt, oh, die war auch da, habe ich noch gar nicht gewusst.

00:20:05.560 --> 00:20:08.200
Boah, was ist das für eine krasse Mordgeschichte hier.

00:20:08.200 --> 00:20:14.540
Und weil ich dann schnell im Abtipseln war, habe ich alles andere, was mich auch interessiert, auch noch abtipselt.

00:20:14.540 --> 00:20:20.540
Und das habe ich dann ihr gezeigt und habe gesagt, boah, komm, lass uns da auch was draus machen.

00:20:20.540 --> 00:20:23.660
Und seitdem bin ich da in diesen Zeitungen kleben blieben.

00:20:24.580 --> 00:20:28.400
Und ja, und habe die an einem Beispiel festgestellt.

00:20:28.400 --> 00:20:34.520
Ich habe die Person dann auch wirklich gefunden, die da weg von Regensburg nach Wien gereist ist.

00:20:34.520 --> 00:20:37.860
Das war der Herr van Beethoven.

00:20:39.120 --> 00:20:52.140
Ich bin da nicht die Alleinentdeckerin, weil es war jemand anderes von, ich habe damals noch nicht gewusst, dass Beethoven, das ist 20 Jahre her, nicht ganz 15, ja sowas eher.

00:20:52.780 --> 00:20:59.540
Ich habe zu dem Zeitpunkt noch selber noch nicht gewusst, dass Beethoven in Augsburg war und dieser Herr in Regensburg auch nicht.

00:20:59.540 --> 00:21:05.100
Es gab aber jemand anderen, dann Herrn Ulrich, der hat das schon in den 60er Jahren rausgefunden.

00:21:05.100 --> 00:21:07.220
Insofern waren wir damals beide auf dem Holzweg.

00:21:07.220 --> 00:21:10.560
Aber egal, wir haben die originale Nachricht in den Zeitungen wieder gefunden.

00:21:10.560 --> 00:21:11.400
Das ist auch ganz schön.

00:21:11.400 --> 00:21:14.860
Also ist das jetzt quasi so eine Bestätigung.

00:21:14.860 --> 00:21:15.820
Wir haben es richtig gemacht.

00:21:16.620 --> 00:21:19.380
Ja, und dann hockt man dann da und dann siehst du es.

00:21:19.380 --> 00:21:22.880
Und ich bin dann weiter vorgegangen.

00:21:22.880 --> 00:21:26.120
Mich hat dann interessiert, wo die Leute übernachtet haben.

00:21:26.120 --> 00:21:28.580
Hotelgeschichten und so Zeug.

00:21:28.580 --> 00:21:29.980
Ist ja auch mal wahnsinnig spannend.

00:21:31.260 --> 00:21:37.760
Und mir ist dann ein Gebäude da herausgestochen, die "Goldene Traube".

00:21:37.760 --> 00:21:42.060
Okay, war Gaststätte, hat irgendwas vielleicht mit Weinkonsum zu tun, wie viele.

00:21:42.060 --> 00:21:50.380
Und habe dann festgestellt, dass wahnsinnig viele Leute in der abgestiegen sind, die was mit Musik zu tun hatten.

00:21:50.380 --> 00:21:56.060
Weil da gab es in dieser Zeitung, die ich untersucht habe, das war der Augsburgische Intelligenzzettel.

00:21:56.480 --> 00:22:03.460
Das klingt jetzt auch nochmal lustig mit diesem Intelligenznamen, aber wir haben sowas wie Central Intelligence Agency, CIA.

00:22:03.460 --> 00:22:05.040
Da ist dieses Wort auch wieder drin.

00:22:05.040 --> 00:22:07.040
Also die schaffen Wissen.

00:22:07.040 --> 00:22:09.320
Sarah: Ich finde den Namen großartig.

00:22:09.320 --> 00:22:12.260
Ich finde diesen Namen wirklich großartig.

00:22:12.260 --> 00:22:12.520
Susanne: Ja.

00:22:12.520 --> 00:22:22.200
Und diese Zeitung, die hatte so eine kleine Sparte, die heißt Ankommende, Reisende und Herrschaften.

00:22:22.560 --> 00:22:33.000
Und da stand dann drin, wer zu welchem Zeitpunkt ankam, wo jemand herkam, welchen Beruf die Person hatte und im besten Fall, wo sie hinging.

00:22:33.000 --> 00:22:42.620
Und habe das Ganze dann in eine Tabelle rein und habe dann festgestellt, okay, die goldene Traube war die am meisten heimgesuchte Gaststätte von den Leuten.

00:22:42.780 --> 00:22:48.240
Hauptsache von Leuten, die nach Italien gingen oder von Italien kamen und von Italienern.

00:22:48.240 --> 00:22:56.620
Warum waren die zum Beispiel im Weißen Lamm nicht oder warum waren die im heutigen Maximilians nicht?

00:22:56.620 --> 00:22:59.040
Hm, wie kam das zusammen?

00:22:59.040 --> 00:23:05.880
Und habe dann alle farbig markiert und da ist mir eben rausgestochen, dass für die Musik diese goldene Traube eine große Rolle spielte.

00:23:06.360 --> 00:23:08.340
Und seitdem kennt man die auch wieder so.

00:23:08.340 --> 00:23:14.360
Also man hat den Namen schon in der Stadtgeschichte gehört, aber konnte nie so richtig die Bedeutung nicht zuordnen.

00:23:14.360 --> 00:23:22.280
Und plötzlich stellt sich dann raus, dass diese Gaststätte im 18. Jahrhundert drei Konzertsäle hatte.

00:23:23.580 --> 00:23:30.180
Platz für 110 Pferde im Erdgeschoss, wenn man da heute vor dem Platz davor steht, dann denkt man, das kann nicht stimmen.

00:23:30.180 --> 00:23:38.920
Und Platz hatten die Konzertsäle für 2200 Leute und ich dachte, dass es wahrscheinlich der größte Konzertsaal der damaligen Welt war.

00:23:38.920 --> 00:23:44.380
Und dann kommt man von einer kleinen Anzeige zu etwas ganz Großem.

00:23:44.380 --> 00:23:48.760
Und wenn man dann einmal Blut geleckt hat, dann kommst nicht mehr  davon los.

00:23:48.760 --> 00:23:51.560
Das ist zum Beispiel eines.

00:23:52.720 --> 00:23:56.460
Oder ich kann euch auch noch was Wienspezifisches erzählen.

00:23:56.460 --> 00:24:01.660
Zu einer Komponistin, weil das ist ja so das Schwerpunktthema der heutigen Sendung mehr oder weniger.

00:24:01.660 --> 00:24:05.040
Da gab es mal die Wilma von Webenau.

00:24:05.040 --> 00:24:08.940
Auch Wilma Webenau, weil dieses Von ist ja weggekommen.

00:24:08.940 --> 00:24:14.440
Aber weil dieses Von weggekommen ist, kann man manchmal Leute auch nicht mehr wiederfinden.

00:24:14.440 --> 00:24:17.360
Weil viele Bürgerliche sind ja auch geadelt worden.

00:24:17.360 --> 00:24:19.420
Zum Beispiel, das war dann der Herr von Müller.

00:24:19.420 --> 00:24:26.800
Und wenn dann dieses Von fehlt, dann hast du plötzlich abertausende Müllers und es wird uferlos.

00:24:26.800 --> 00:24:30.460
Also das war die Wilma Webenau oder Wilma von Webenau.

00:24:31.120 --> 00:24:39.500
Die war schon bekannt als allererste Privatschülerin oder Studentin von Arnold Schönberg.

00:24:39.500 --> 00:24:40.920
Riesige Nummer.

00:24:40.920 --> 00:24:42.800
Der hat ja riesiges Zentrum da.

00:24:42.800 --> 00:24:43.880
Ganz toll.

00:24:43.880 --> 00:24:48.280
Ich kenne übrigens keine einzige Komponistin, die auch so ein schönes Zentrum hat.

00:24:48.280 --> 00:24:52.020
In dem Zentrum sind ja noch andere Sachen drin, aber der hat ja eigenes Zentrum.

00:24:52.500 --> 00:24:57.320
Und sie war die allererste Studentin deshalb, weil der hat Geld gebraucht.

00:24:57.320 --> 00:24:58.100
Ganz einfach.

00:24:58.100 --> 00:25:03.260
Der war ja aus armen Verhältnissen und er konnte das Unterrichtsgeld gut brauchen.

00:25:03.260 --> 00:25:07.900
Aber sie ist dann an ihn vermittelt worden.

00:25:07.900 --> 00:25:16.440
Und während er aufgestiegen ist, ist sie dann total verarmt in Wien gestorben.

00:25:17.220 --> 00:25:20.240
Und das wusste man auch noch nicht gar so.

00:25:20.240 --> 00:25:23.600
Es gibt auch noch eine andere Forscherin zu dieser Wilma von Webenau.

00:25:23.600 --> 00:25:31.440
Aber ich konnte dann auch anhand von historischen Zeitungen ihren Lebensweg weiter rekonstruieren

00:25:31.440 --> 00:25:37.300
über diese Schülerinnenschaft da in Wien hinaus und konnte vor allem herausfinden,

00:25:37.300 --> 00:25:39.660
wer eigentlich ihre Klavierlehrerin war.

00:25:39.660 --> 00:25:43.060
Weil das war bislang noch gar nicht sichtbar.

00:25:44.020 --> 00:25:49.000
Und die hat in einer Wohnung direkt an der österreichischen Nationalbibliothek gewohnt

00:25:49.000 --> 00:25:55.240
und war auch Klavierbegleiterin vom Helmesberger Quartett.

00:25:55.240 --> 00:25:59.780
Das war das bedeutende Quartett, so in der Johann Strauß-Ära.

00:25:59.780 --> 00:26:05.360
Und dass sie auch Arnold Rosé mit zugange war.

00:26:05.360 --> 00:26:09.000
Und dessen Tochter wäre ja dann im Mädchenorchester von Auschwitz.

00:26:09.000 --> 00:26:13.220
Also so hängt das mit zusammen in diese jüdische Geschichte wieder mit rein.

00:26:13.220 --> 00:26:16.820
Und habe dann einfach angefangen, da zu publizieren.

00:26:16.820 --> 00:26:24.140
Und habe dann mich auch hingesetzt und guckt, wo hat die eigentlich überall gewohnt.

00:26:24.140 --> 00:26:25.920
Und bin dann in den ÖNB gegangen.

00:26:25.920 --> 00:26:28.420
Da gibt es so einen Stapel mit Originalnoten.

00:26:28.520 --> 00:26:33.420
Es ist noch nicht viel von ihr veröffentlicht worden, weil die total vernachlässigt worden ist.

00:26:33.420 --> 00:26:40.440
Und habe dann anhand von Schmierzetteln, ich weiß nicht was alles, überall ihre Adressen rekonstruiert.

00:26:40.440 --> 00:26:44.500
Und dann festgestellt, dass die von der Innenstadt immer weiter rauszogen ist.

00:26:44.500 --> 00:26:48.860
Heute sind diese Außenbezirke ja eher begehrt, weil das Villenviertel sind.

00:26:48.960 --> 00:26:54.800
Und sie ist dann aber nach Floridsdorf gezogen, weil das damals mit der ärmste Bezirk war.

00:26:54.800 --> 00:26:57.640
Und weil die ist halt immer armer und armer und armer geworden.

00:26:57.640 --> 00:27:01.480
Und konnte dann rausfinden, wo sie da gewohnt hat und bei wem.

00:27:01.480 --> 00:27:05.540
Und auch noch ihre, habe dann ihre Krankenakte noch finden können.

00:27:05.540 --> 00:27:09.260
Und die ist bloß noch mit einem Hemd am Leib und mit ein paar Socken gestorben.

00:27:09.260 --> 00:27:10.120
So arm war die.

00:27:11.400 --> 00:27:19.620
Und das ganze Werk, ich habe noch Bettelbriefe gefunden, dass man bitte ihre Werke aufführen soll, damit sie dann ein bisschen Geld verdient.

00:27:19.620 --> 00:27:21.280
Also es ist eine tragische Geschichte.

00:27:21.280 --> 00:27:23.460
So kam das dann raus.

00:27:23.460 --> 00:27:30.100
Auch über Zeitungen und dann halt über Kombinierungsgabe konnte ich auch noch ihre Grablege wiederfinden.

00:27:30.100 --> 00:27:34.660
Quati: Also auf den Spuren eines Wiener Frauenlebens sozusagen.

00:27:34.960 --> 00:27:35.800
Susanne: Genau, genau.

00:27:35.800 --> 00:27:40.900
Eines von den vielen, die vielleicht möglicherweise auch lesbisch war.

00:27:40.900 --> 00:27:44.060
Da kommen wir dann in einen anderen Bereich wieder rein.

00:27:44.060 --> 00:27:49.220
Aber die war zum Beispiel, hat mit Smaragda Eger Berg zusammengearbeitet.

00:27:49.220 --> 00:27:51.420
Allein schon der Name ist Smaragda, ist auch fantastisch.

00:27:51.420 --> 00:27:54.580
Die war nämlich die Schwester von Alban Berg.

00:27:54.580 --> 00:27:57.760
Also das hängt alles mit diesen Kreisen da zusammen um

00:27:58.240 --> 00:28:06.460
Mahler, Schönberg, so diese ganze Wiener Musikelite, wo dann eben die Frauen jetzt mehr zutage kommen.

00:28:06.460 --> 00:28:12.880
Und sie war auch im Freundeskreis von Mathilde Kralik von Meyerswalden.

00:28:12.880 --> 00:28:15.300
Die war damals hochbezahlte Komponistin.

00:28:15.300 --> 00:28:18.700
Die hat auch Oratorien für die Karlskirche geschrieben und so Zeug.

00:28:18.700 --> 00:28:20.460
Also war wirklich on top.

00:28:21.080 --> 00:28:27.800
Und diese Mathilde Kralik hat die Wilma von Webenau mal in Briefen als Gefährtin bezeichnet.

00:28:27.800 --> 00:28:33.740
Und es hat in der Zeit ja keine so wörtwörtlich in Briefe geschrieben.

00:28:33.740 --> 00:28:36.040
Leute, ich bin lesbisch oder irgendwie sowas.

00:28:36.040 --> 00:28:38.800
Oder bisexuell oder whatever in die Richtung.

00:28:38.800 --> 00:28:40.260
Genau kann ich es nicht sagen.

00:28:40.260 --> 00:28:43.440
Aber wenn solche Spuren da sind, die habe nicht ich gefunden.

00:28:43.440 --> 00:28:46.060
Die hat Rochus Kralik von Meyerswalden gefunden.

00:28:46.060 --> 00:28:47.940
Das ist ein Nachfahre von ihr.

00:28:47.940 --> 00:28:50.240
Und mit dem war ich auch sehr in Kontakt.

00:28:50.240 --> 00:28:56.260
Und der vermutet es eben auch, dass seine Tante halt eben lesbisch war.

00:28:56.260 --> 00:28:57.340
Und das weiß man auch.

00:28:57.340 --> 00:29:01.500
Weil die hat nämlich mit der Alice Karlathis zusammen gewohnt.

00:29:01.500 --> 00:29:03.340
Die Architektin in der Zeit war.

00:29:03.340 --> 00:29:05.320
Die haben miteinander in einer Wohnung gewohnt.

00:29:05.320 --> 00:29:06.440
Am Nachschmarkt sogar.

00:29:07.600 --> 00:29:11.420
Und von der weiß man es ganz besonders.

00:29:11.420 --> 00:29:20.060
Aber wenn so eine ledige, alleinstehende Frau, von der ich keine Männergeschichten oder irgendwas von habe, als Gefährtin bezeichnen,

00:29:20.060 --> 00:29:24.460
dann können das Indizien durchaus sein eben.

00:29:24.460 --> 00:29:25.840
Und dann geh ich diesen nach.

00:29:25.840 --> 00:29:30.040
Diese andere Forscherin, die hat aber in der Publikation geschrieben,

00:29:30.040 --> 00:29:35.920
Nein, Wilma von Webenau war 100% heterosexuell, belegt es aber nicht.

00:29:35.920 --> 00:29:39.140
Und das ist dann auch wieder irgendwie unredlich.

00:29:39.140 --> 00:29:39.860
Ich weiß es nicht.

00:29:39.860 --> 00:29:41.800
Das muss man dann auch belegen.

00:29:41.800 --> 00:29:45.940
Nein, die hat aber Kinder gehabt und Liebesbriefe an ihren Mann oder was weiß ich irgendwie so.

00:29:47.260 --> 00:29:53.060
Und das ist dann die spannende Sackgasse, die wir jetzt auf jeden Fall haben.

00:29:53.060 --> 00:29:54.580
Ich lasse sowas einfach offen.

00:29:54.580 --> 00:29:58.600
Wenn ich es nicht rausfinden kann, dann vielleicht jemand anders in 20, 30 Jahren.

00:29:58.600 --> 00:30:00.900
Aber sowas muss angesprochen werden.

00:30:00.900 --> 00:30:04.080
Weil es wurde vielleicht deshalb unter Verschluss gehalten,

00:30:04.080 --> 00:30:11.080
weil sich in Wien im sogenannten Dritten Reich halt eben diverse Frauen haben nachweisen lassen.

00:30:11.080 --> 00:30:14.060
Da gab es ja auch diesen Homosexuellen-Paragraf.

00:30:14.200 --> 00:30:19.240
Und von dem waren in Österreich und in Wien besonders auch Frauen betroffen,

00:30:19.240 --> 00:30:21.720
die man deshalb eingesperrt hat.

00:30:21.720 --> 00:30:23.780
Da sind so ungefähr 60 bekannt.

00:30:23.780 --> 00:30:29.740
In Deutschland wird es gern mal geleugnet, dass Frauen auch verfolgt waren wie Schwule.

00:30:29.740 --> 00:30:33.640
Klar, Schwule waren halt sichtbarer irgendwo.

00:30:33.640 --> 00:30:40.500
Frauen konnten sich besser auch verstecken, mehr oder weniger vor allem feminine Lesben,

00:30:40.500 --> 00:30:43.960
denen man es halt eben nicht so ansieht wie Butches,

00:30:43.960 --> 00:30:46.620
Burschikosen oder androgynen Frauen.

00:30:46.620 --> 00:30:54.780
Und deshalb gehen auch in dieser Zeit, mit Beginn des sogenannten Dritten Reichs,

00:30:54.780 --> 00:30:57.840
hören die Konzerte von dieser Wilma von Webenau auf.

00:30:57.840 --> 00:31:00.080
Also die taucht dann in den Zeitungen immer auf.

00:31:00.080 --> 00:31:05.540
Und das kann ein Grund sein, warum die sich in dieser Zeit wahnsinnig bedeckt halten musste.

00:31:05.700 --> 00:31:11.180
Weil vielleicht schon gemunkelt wurde, damit sie da nicht irgendwie auffällt und dann auch verhaftet wird.

00:31:11.180 --> 00:31:17.540
Das sind alles so Überlegungen, die man halt überlegen muss für die Zeit besonders.

00:31:17.540 --> 00:31:20.400
Das sind solche Spurensuchen.

00:31:21.800 --> 00:31:28.240
Quati: Ich finde es deswegen auch so schön, was du erzählst, weil es eben sehr stark auch zeigt,

00:31:28.240 --> 00:31:33.580
dass es von enormer Relevanz ist, wer Geschichte schreibt.

00:31:34.720 --> 00:31:37.920
Weil es ist so, wir kennen es vielleicht alle aus der Schule,

00:31:37.920 --> 00:31:43.140
Geschichteunterricht.

00:31:43.140 --> 00:31:51.000
Und diese Bewusstmachung, dass das, was wir oft als Geschichte kennen,

00:31:52.220 --> 00:32:00.500
primär Herrschergeschichte oft war, beziehungsweise geschrieben wurde von, eben sehr häufig von Männern.

00:32:00.500 --> 00:32:07.040
Und dass es nicht nur darauf ankommt, worüber geschrieben wird,

00:32:07.040 --> 00:32:11.040
sondern auch wer wie darüber erzählt und darüber schreibt.

00:32:11.040 --> 00:32:17.460
Und eben, wie du selber gesagt hast, direkt in forensischer Detektiv*innenarbeit

00:32:17.460 --> 00:32:24.340
dann auf einmal verschüttete Biografien und verschüttete Geschichte ja auch wieder sichtbar macht

00:32:24.340 --> 00:32:30.640
und sich da auf einmal ein komplett anderes und viel diverseres Bild ergibt.

00:32:30.640 --> 00:32:32.040
Susanne: Genau.

00:32:32.040 --> 00:32:34.100
Sarah: Und du schaffst da gerade was.

00:32:34.100 --> 00:32:38.020
Das hat kein einziger meiner Geschichtslehrer und Geschichtslehrerinnen jemals geschafft.

00:32:38.020 --> 00:32:41.020
Aber ich finde das jetzt gerade einfach unglaublich spannend.

00:32:41.020 --> 00:32:43.420
Geschichtsunterricht war für mich immer eher sowas,

00:32:43.420 --> 00:32:47.360
Naja, da bin ich halt..mal halt durchlitten mehr oder weniger in der Schule.

00:32:48.320 --> 00:32:52.880
Aber ich finde das jetzt einfach großartig spannend und wahnsinnig relevant,

00:32:52.880 --> 00:32:56.980
auch für meine persönliche Geschichte zu wissen.

00:32:56.980 --> 00:33:01.760
Also ich meine, klar weiß man irgendwo, Frauen gab es immer und die haben immer was zu tun gehabt.

00:33:01.760 --> 00:33:06.500
Aber das auch an konkreten Beispielen zu hören, das ist irgendwie schon was völlig anderes,

00:33:06.500 --> 00:33:10.760
als, ja weiß ich nicht, irgendwelche Generäle und Jahreszeiten im Unterricht zu hören.

00:33:10.760 --> 00:33:14.560
Müsste viel mehr so sein, Geschichtsunterricht. Viel mehr.

00:33:15.060 --> 00:33:16.000
Susanne: Ja, genau.

00:33:16.000 --> 00:33:21.480
Teilweise eben so, wie es mir in der Schule gefehlt hat.

00:33:21.480 --> 00:33:28.840
Also mir geht es darum, wie, also ich weiß ja, wie man im Elfenbeinturm der Musikwissenschaft schreiben kann.

00:33:29.020 --> 00:33:33.640
Aber ich komme ja selber gar nicht aus der Academia, meine Familie auch nicht.

00:33:33.640 --> 00:33:41.400
Und mir war es immer wichtig, dass ich das, was ich lerne, auch so wiedergeben kann,

00:33:41.400 --> 00:33:46.300
wie ich es damals selber gebraucht hätte, als eine, die noch nicht viel wusste,

00:33:46.300 --> 00:33:51.780
die selber unbewusst vielleicht auch auf der Suche nach ihrer eigenen Geschichte war,

00:33:51.880 --> 00:33:53.880
von Feminismus noch kaum Ahnung hatte.

00:33:53.880 --> 00:34:03.040
Oder dass das Wort Feminismus immer so als negativ abgetan worden ist, immer mit Vorurteilen behaftet.

00:34:03.040 --> 00:34:09.600
Und ja, damals, ich habe damals schon als Jugendliche ein Vorbild gehabt, in der Schreibe auch.

00:34:10.120 --> 00:34:14.740
Und das war Brigitte Hamann, die große Wiener, die ja selber gar nicht aus Wien kommt,

00:34:14.740 --> 00:34:20.360
aber die Historikerin, die so viel auch über Habsburgerinnen auch rausgebracht hat,

00:34:20.360 --> 00:34:24.060
ihre Dissertation über den Grundprinz Rudolf geschrieben hat.

00:34:24.060 --> 00:34:28.240
Und da seine, guckt hat, was haben die Frauen in seinem Umfeld eigentlich gemacht?

00:34:28.240 --> 00:34:33.480
Oder die Kaiserin-Elisabeth-Bibliothek, die ja lange das Nonplusultra war,

00:34:33.480 --> 00:34:39.100
wie die das geschafft hat, so eine Politik in so etwas Spannendes zu verwandeln.

00:34:39.100 --> 00:34:45.780
Und warum, was ist geschehen, damit wir heute da sein können?

00:34:45.780 --> 00:34:49.920
Wäre irgendwas in der Geschichte vorher irgendwie anders passiert,

00:34:49.920 --> 00:34:53.120
dann wären wir alle gar nicht geboren worden oder sowas.

00:34:53.300 --> 00:34:55.780
Womit hängt das zusammen, dass wir hier sein können?

00:34:55.780 --> 00:35:02.300
Oder Seuchengeschichte, wer hat alles überlebt und warum überlebt?

00:35:02.300 --> 00:35:04.260
Das ist ja auch schon das Krasse.

00:35:04.260 --> 00:35:10.680
Was tragen wir uns, was wir auch vielleicht an Überleben weitergeben können,

00:35:10.680 --> 00:35:16.600
weil die Leute davor, die überlebt haben, an uns weitergeben konnten.

00:35:16.600 --> 00:35:19.520
Das sind alles so hochspannende Sachen.

00:35:19.520 --> 00:35:21.580
Sarah: Ja, total.

00:35:22.540 --> 00:35:25.580
Ich habe jetzt noch was von dir gehört zuletzt.

00:35:25.900 --> 00:35:31.280
Und zwar, du hast dich wieder mit einem Film beschäftigt.

00:35:31.280 --> 00:35:34.260
Du warst wieder in beratender Funktion in einem Film dabei.

00:35:35.040 --> 00:35:37.440
Magst du da auch noch was dazu erzählen vielleicht?

00:35:38.120 --> 00:35:44.860
Susanne: Gern. Ja, weil das gerade wirklich top aktuell ist und es jetzt auch kein Geheimnis mehr ist oder schon länger keines mehr.

00:35:44.860 --> 00:35:48.480
Aber jetzt halt erst kam das jetzt auf.

00:35:50.440 --> 00:36:06.420
Und zwar kommt am 18. Dezember, könnt ihr euch alle merken, am 18. Dezember in der ARD, aber soweit ich weiß auch im ORF und im Bayerischen Rundfunk und im Mitteldeutschen Rundfunk kommt "Bach - Ein Weihnachtswunder" ins TV.

00:36:07.860 --> 00:36:13.920
Und da war vor ein paar Tagen mit diesem Film bei den Biberacher Filmfestspielen die Welturaufführung.

00:36:13.920 --> 00:36:15.560
Wie hängt das jetzt zusammen?

00:36:15.560 --> 00:36:17.780
"Bach - Ein Weihnachtswunder" mit mir.

00:36:18.440 --> 00:36:23.680
Und zwar, ihr kennt sie auch alle, die Verena Altenberger. Wer kennt sie nicht in Österreich?

00:36:23.680 --> 00:36:31.180
Die habe ich vor, das ist auch schon ein paar Jahre her, über Twitter kennengelernt.

00:36:31.180 --> 00:36:36.960
Die kam da irgendwie mal in meine Timeline und ich bin ihr dann gefolgt.

00:36:36.960 --> 00:36:45.340
Und ja, und die weiß gar nicht mehr richtig den Grund, warum es doch, jetzt komme ich wieder drauf, warum sie mir dann gefolgt ist.

00:36:45.340 --> 00:36:48.480
Das ist ja auch noch so eine Ehre, wenn einem so eine Person dann noch folgt.

00:36:48.480 --> 00:36:55.880
Auf jeden Fall kam ich in ihre Timeline und sie dann irgendwann auch zu meiner Timeline mit den Komponistinnen und so.

00:36:55.880 --> 00:37:01.880
Und da entstand dann so ein bisschen ein Austausch, auch ein bisschen im Chat, jetzt nicht exzessiv,

00:37:01.880 --> 00:37:08.000
aber nur, wenn ich gedacht habe, das könnte jetzt Verena auch interessieren, jetzt ohne aufdringlich sein zu wollen oder so,

00:37:08.000 --> 00:37:09.200
dann habe ich's ihr halt einfach geschickt.

00:37:09.200 --> 00:37:13.240
Was sie dann daraus macht, ist ja ihr Ding, ob sie das annimmt oder halt nicht.

00:37:13.240 --> 00:37:15.020
Und dann hat sie es doch gefreut.

00:37:15.020 --> 00:37:25.880
Und ja, und das kam, und jetzt haben wir so eine Situation, wo sich das eine dann ins andere so reingriff.

00:37:25.880 --> 00:37:31.340
Wenn es Corona nicht gegeben hätte, dann wäre das wahrscheinlich nicht so weiter gegangen.

00:37:31.860 --> 00:37:35.340
Ich habe meine Jobs verloren, wie es halt ist im Kulturbereich.

00:37:35.340 --> 00:37:41.400
Habe dann noch in einer Fabrik geschuftet, in Akkordarbeit und alles Mögliche.

00:37:41.400 --> 00:37:49.880
Und da habe ich ein Musikstück immer gehört, das mir ganz aufrecht gehalten hat in der Zeit.

00:37:49.880 --> 00:37:55.880
Just in der Zeit, wo Verena dieses Angebot gekriegt hat von den Salzburger Festspielen,

00:37:55.880 --> 00:38:01.620
wo sich so ein Kindheitstraum von ihr verwirklicht hat, dass sie nicht zu dieser Bühne aufsieht,

00:38:01.840 --> 00:38:04.220
sondern sie von dieser Bühne runtergucken können.

00:38:04.220 --> 00:38:08.960
Von dieser Weltbühne, wo ja schon Curd Jürgens und weiß der Geier, wer da alles gestanden ist.

00:38:10.100 --> 00:38:19.580
Und das war ein Stück von Björk, wo sie ein Werk für klassisches Orchester geschrieben hat für ihren Film,

00:38:19.580 --> 00:38:22.880
helft mir auf die Sprünge, wie heißt der nochmal, Dancer in the Dark.

00:38:22.880 --> 00:38:24.880
Der ist eh krass.

00:38:25.320 --> 00:38:30.140
Und da die Musikstück ist geschrieben, dieses Musikstück ist, da ist ein Grundbass drin.

00:38:30.140 --> 00:38:32.820
Das muss ich nur erzählen, wie das dazu kommt.

00:38:32.820 --> 00:38:33.800
Das hängt da zusammen.

00:38:33.800 --> 00:38:35.280
Da ist ein Grundbass drin.

00:38:35.280 --> 00:38:36.280
Der ist immer da.

00:38:36.280 --> 00:38:38.240
Dann kommt eine Melodie.

00:38:38.840 --> 00:38:40.960
Die fängt so langsam an, suchend.

00:38:40.960 --> 00:38:42.980
Weiß noch nicht, wo es hingeht.

00:38:45.080 --> 00:38:48.380
Und die findet dann aber so einen Puls irgendwo.

00:38:48.380 --> 00:38:51.840
Und die Musik wird dann lauter.

00:38:51.840 --> 00:38:53.940
Die schwingt sich so auf.

00:38:53.940 --> 00:38:56.000
Hat aber diesen Grundbass nie verloren.

00:38:56.000 --> 00:38:59.140
Und es wird lauter und immer wirkmächtiger.

00:38:59.140 --> 00:39:03.000
Und plötzlich geht diese Musik auf.

00:39:03.140 --> 00:39:04.860
Und da steht was Strahlendes da.

00:39:04.860 --> 00:39:06.260
Und hat ihre Richtung gefunden.

00:39:06.260 --> 00:39:08.360
Und begeistert.

00:39:08.360 --> 00:39:10.620
Und hat diesen Grundbass nie aus den Augen verloren.

00:39:10.620 --> 00:39:11.420
Der ist immer noch da.

00:39:11.420 --> 00:39:17.000
Und so habe ich mich in der Corona-Zeit auch durch das Spiel von der Verena,

00:39:17.000 --> 00:39:20.160
durch den Austausch auch in gewisser Weise wiedergefunden.

00:39:20.160 --> 00:39:24.140
Dass ich mich trotz all dieser Scheiße, die in der Zeit passiert ist,

00:39:24.140 --> 00:39:26.580
diesen Grundbass nie verloren habe.

00:39:26.580 --> 00:39:30.420
Das ist das Grundvertrauen, Urvertrauen in Familie, in Menschen.

00:39:30.420 --> 00:39:31.640
Das war immer da.

00:39:31.960 --> 00:39:34.080
Man muss sich dann manchmal seinen Weg finden.

00:39:34.080 --> 00:39:40.120
Und in dieser Musik habe ich Verena ein Stück weit auch wiedergefunden.

00:39:40.120 --> 00:39:42.500
Ich kenne sie jetzt nicht genau oder irgendwie.

00:39:42.500 --> 00:39:44.780
Aber irgendwie habe ich sie da immer wieder vor sich gesehen.

00:39:44.780 --> 00:39:46.540
Wie sie ihren Weg gefunden hat.

00:39:46.540 --> 00:39:48.680
Und diese Heimatverbundenheit.

00:39:51.620 --> 00:39:53.540
Oder egal, wo sie auf der Welt rumspringt.

00:39:53.540 --> 00:39:58.860
Und dann mit so einem Wumms in diese Weltöffentlichkeit kommt.

00:39:58.860 --> 00:40:00.400
Also ja, unglaublich.

00:40:01.620 --> 00:40:05.860
Und in Corona waren  eben das Salzburger Festspiele.

00:40:05.860 --> 00:40:09.020
Da haben sie bloß die Hälfte der Karten aufgemacht.

00:40:09.020 --> 00:40:11.560
Und normal kriegst du ja keine Karten.

00:40:11.560 --> 00:40:13.860
Oder mit gut Glück oder irgendwie noch.

00:40:14.520 --> 00:40:17.640
Und Verena hat dann ein Posting abgeschickt.

00:40:17.640 --> 00:40:19.180
Ne Leute, es gibt nochmal Karten.

00:40:19.180 --> 00:40:22.280
Die haben den Rest freigegeben, weil da die Zahlen so unten waren.

00:40:22.280 --> 00:40:28.020
Und meine Schwester hat mir dann zu Weihnachten, zum Geburtstag, zwei Karten besorgen können.

00:40:28.260 --> 00:40:29.500
Weil das so aufging.

00:40:29.500 --> 00:40:31.560
Und dann bin ich da hingefahren nach Salzburg.

00:40:32.500 --> 00:40:47.660
Und dann bin ich da in der Premiere von den Salzburger Festspielen im Jedermann gehockt.

00:40:47.660 --> 00:40:52.900
Und habe sie in ihrer allerersten öffentlichen Performance da

00:40:52.900 --> 00:40:53.580
gesehen dann.

00:40:53.580 --> 00:40:55.000
Das war echt irre.

00:40:55.000 --> 00:40:56.380
Und bin dann auch hingegangen.

00:40:56.380 --> 00:40:57.880
Habe mich traut hinzugehen.

00:40:57.880 --> 00:40:59.420
Meine Mama war mit dabei.

00:41:00.340 --> 00:41:08.100
Und das Nächste, was war, sie kommt da auf mich zu in diesem Hammer-Outfit und umarmt mich einfach.

00:41:08.100 --> 00:41:09.020
Weil so halt.

00:41:09.020 --> 00:41:12.380
Und das war echt ein irre Moment.

00:41:12.380 --> 00:41:13.700
Ich habe mit dem nicht gerechnet.

00:41:13.700 --> 00:41:16.740
Und seitdem waren wir dann in Austausch.

00:41:16.740 --> 00:41:21.460
Ich habe auch geschafft, dass ich dann bei ihrer zweiten Saison in Salzburg sein konnte.

00:41:24.160 --> 00:41:29.320
Und dann noch bei Schrödingers Katze in München.

00:41:29.980 --> 00:41:32.920
Da habe ich sie zum ersten Mal, das war davor noch live, gesehen.

00:41:32.920 --> 00:41:35.220
Da hat sie raspelkurze Haare ja gehabt.

00:41:35.220 --> 00:41:36.940
Und diese krassen Anfeindungen.

00:41:36.940 --> 00:41:41.720
Dass sie mit Glatze oder mit kurzen Haaren keine richtige Frau mehr sei.

00:41:41.720 --> 00:41:43.880
So Sprüche habe ich auch schon gehört.

00:41:43.880 --> 00:41:47.420
Obwohl ich meine kurzen Haare aus einem anderen Grund so kurz trage.

00:41:47.420 --> 00:41:49.980
Und so kam das dann zusammen.

00:41:49.980 --> 00:41:55.600
Und weil wir dann mehr im Austausch waren, kriegt sie die Timeline ja von den Leuten so mehr mit.

00:41:55.600 --> 00:41:59.720
Und dann hat sie durch mich auch diesen...

00:41:59.720 --> 00:42:01.720
Dieses Interesse...

00:42:01.720 --> 00:42:07.980
Ich weiß nicht, ob das Interesse ist, aber sind die Komponistinnen so in ihr Reichweite mit reinkommen.

00:42:08.960 --> 00:42:17.900
Und plötzlich schreibt sie mich da an, du, Sue, ich drehe da einen Film über eine historische Sängerin.

00:42:19.060 --> 00:42:27.700
Anna Magdalena Bach, die Bach von - ja - dem Johann Sebastian Bach, weiß aber nicht richtig, wie ich diese Figur umsetzen kann.

00:42:27.700 --> 00:42:30.500
Weil ich habe keine Ahnung von der Zeit, keine Ahnung von der Musik.

00:42:30.500 --> 00:42:31.520
Hilfst du mir?

00:42:32.720 --> 00:42:40.320
Ja, und dann habe ich ein zwölfseitiges Skript aufgesetzt von dieser Anna Magdalena Bach.

00:42:40.320 --> 00:42:41.980
Es gibt keine Selbstzeugnisse.

00:42:41.980 --> 00:42:49.140
Bislang, es gibt auch kein Ölporträt oder so von ihr, bis auf einen winzig kleinen Stich.

00:42:51.940 --> 00:42:57.940
Und habe ihr dann so eine Art Profiling erstellt, so ein mögliches...

00:42:58.940 --> 00:43:05.360
Es ist zwar schon mehr oder weniger fiktiv, weil wir haben eben diese Selbstzeugnisse nicht.

00:43:05.360 --> 00:43:13.120
Aber anhand von vergleichbaren Lebensläufen von Sängerinnen dieser Zeit und was da war, habe ich ihr da erzählt.

00:43:14.800 --> 00:43:23.540
Also jetzt weniger Geschichtliches, was in der Zeit passiert ist, wenn man das echt nachlesen kann, sondern wie waren die Leute untereinander in der Zeit?

00:43:23.540 --> 00:43:25.360
Wie war Hygiene in der Zeit?

00:43:25.360 --> 00:43:27.700
Wie war der Umgang mit Kindern in der Zeit?

00:43:27.700 --> 00:43:37.920
Weil die hatte ja in eine kinderreiche Familie eingeheiratetund hat als junge Frau da fast erwachsene Kinder da gekriegt und muss den Haushalt versorgen, hat ihre Karriere zurückgesteckt.

00:43:37.920 --> 00:43:41.320
Sie hatte noch eigene Kinder mit dem Bach gehabt.

00:43:41.320 --> 00:43:45.460
Eines von den Kindern war behindert. Wie genau, weiß man nicht.

00:43:45.460 --> 00:43:54.300
Man nimmt an, entweder autistisch oder hatte vielleicht durch die Geburt einen Schaden, Gehirnschaden, durch vielleicht Sauerstoffmangel oder irgendwas.

00:43:54.300 --> 00:43:55.400
Das kann man alles nicht wissen.

00:43:55.400 --> 00:44:01.340
Und habe ihr das auch alles so ausgebreitet, habe ihr das geschickt und dann konnte sie spielen.

00:44:01.340 --> 00:44:08.340
Dann ging so ein Knoten irgendwie auf und sie konnte sich besser in die Zeit reinversetzen, besser in diese Figur reindenken.

00:44:09.300 --> 00:44:11.560
Dann habe ich auch lange Zeit nichts mehr von ihr gehört.

00:44:11.560 --> 00:44:15.100
Ja, und dann war eben jetzt die Filmpremiere.

00:44:15.100 --> 00:44:18.900
Sie war da, ich war da, weil ich bin da in der Nähe aufgewachsen.

00:44:18.900 --> 00:44:26.980
Die halbe Belegschaft war da, die Kinderdarsteller* innen waren da, die Filmmusikkomponistin war da.

00:44:27.820 --> 00:44:34.800
Und ja, und das war dann absolut toll, die da zu sehen und vor allem dieses Ergebnis dann auf der Leinwand zu sehen.

00:44:34.800 --> 00:44:44.200
Und das ist wirklich, ich möchte nicht viel spoilern, aber mir ist da manchmal echt die Kinnlade runtergegangen, wie unglaublich gut das umgesetzt worden ist.

00:44:44.280 --> 00:44:48.520
Und auch die Kulisse, wie achtsam das Skript war.

00:44:48.520 --> 00:44:56.160
Und das ist natürlich, trotz allem, was man zu Bach weiß, es ist eine fiktive Geschichte, muss man so sagen.

00:44:56.160 --> 00:45:01.320
Oder halt mit den Krümeln, die wir von der Geschichte wissen, ein Brot backen.

00:45:01.320 --> 00:45:05.260
Ich muss immer wieder mit so Bildern schaffen, damit man sich das vorstellen kann.

00:45:06.260 --> 00:45:16.980
Und das ist eine fiktive Geschichte, komprimiert auf drei Tage, wo dieser Herr Bach, der fast seinen Job verliert, weil er halt eben eine Musik macht, die außergewöhnlich ist.

00:45:16.980 --> 00:45:23.340
Aus dem Grund will man ihn ja zwar auch als Kapellmeister, aber halt trotzdem etwas schafft, was so noch nicht da war.

00:45:23.340 --> 00:45:32.400
Nämlich diese Weihnachtsschöpfungsgeschichte über sechs Tage verteilt für sechs Gottesdienste.

00:45:32.600 --> 00:45:36.180
Das ist ja ein Arbeitsauftrag.

00:45:36.180 --> 00:45:43.660
Und es war eine protestantische Musik, die durfte nicht so überladen sein wie bei den Katholen da mit den überladenen Kirchen.

00:45:43.660 --> 00:45:44.800
Das sollte sich ja abheben.

00:45:44.800 --> 00:45:58.000
Ja, und er hat halt trotzdem diese Pracht der Zeit oder diese Pracht festgehalten, aber es war ja immer zur Ehre Gottes, falls da irgendwas existiert.

00:45:58.120 --> 00:46:03.980
Aber es war in der Zeit und das sollte eine höhere Ehre gab es ja schier nicht.

00:46:03.980 --> 00:46:05.400
Da kam was.

00:46:05.400 --> 00:46:09.720
Gott gesandtes Kind oder wie er immer mal diese Geschichte interpretieren will.

00:46:09.720 --> 00:46:12.380
Und das hat das Beste vom Besten verdient.

00:46:12.380 --> 00:46:13.960
Um das geht es.

00:46:13.960 --> 00:46:16.580
So kam das dann zustande.

00:46:16.780 --> 00:46:22.060
Sarah: Darf ich ganz kurz einhaken, nur weil ich das Weihnachtsoratorium so heiß liebe?

00:46:22.060 --> 00:46:23.720
Susanne: Das ist die Geschichte mit Vorgeschichte, ja.

00:46:23.720 --> 00:46:26.240
Sarah: Nur weil ich es so heiß liebe.

00:46:27.280 --> 00:46:32.060
Ich als Atheistin, als wirklich ausgesprochene Atheistin, liebe das Weihnachtsoratorium.

00:46:32.060 --> 00:46:36.420
Ich habe, glaube ich, alle sechs Kantaten selber gesungen inzwischen im Chor.

00:46:36.420 --> 00:46:41.900
Und ja, das ist trotzdem ein erhebendes Gefühl, selbst wenn man davon ausgeht, dass dort niemand ist.

00:46:41.900 --> 00:46:44.940
Also ich finde, das hat er wirklich großartig rübergebracht.

00:46:44.940 --> 00:46:48.980
Ich kenne kaum etwas, das sich so anfühlt beim Singen.

00:46:50.240 --> 00:46:58.560
Susanne: Allein eben dieses Jauchzet, Frohlocket, das ist sowas, das hebt sich so ab von diesem, im Schwäbischen sagt man dieses Trauerherzige,

00:46:58.560 --> 00:47:01.920
was manchmal solche Gottesdienste mit sich bringen.

00:47:01.920 --> 00:47:05.920
Und es muss, man kann sich nur vorstellen.

00:47:05.920 --> 00:47:13.540
Sarah: Und dann stehst du im Chor und du singst Jauchzet, Frohlocket und dann sitzt da vor dir der mit den großen Kesselpauken

00:47:13.540 --> 00:47:16.620
und der haut da so fest drauf, wie es noch irgendwie geht.

00:47:16.620 --> 00:47:23.100
Und du stehst drinnen und du spürst das, was mir Bach eigentlich da vermitteln wollte.

00:47:23.100 --> 00:47:26.020
Also das fand ich immer sehr, habe ich immer unglaublich gerne gesungen.

00:47:26.020 --> 00:47:26.820
Susanne: Ja.

00:47:26.820 --> 00:47:33.060
Sarah: Aber das ist ja eigentlich jetzt Teil der Vorgeschichte zu der Bachin gewesen, oder?

00:47:33.060 --> 00:47:33.680
Susanne: Genau.

00:47:33.680 --> 00:47:37.640
Und das muss man eben erzählen, wie das so zusammenhängt.

00:47:37.640 --> 00:47:41.840
Weil irgendwie Zufälle sind es alle irgendwie doch keine mehr.

00:47:41.840 --> 00:47:43.680
Im Jüdischen gibt es ja keine Zufälle.

00:47:44.020 --> 00:47:49.540
Das muss so sein, das hat wie so eine Perlenkette das Leben, die so aufgereiht ist.

00:47:49.540 --> 00:47:53.340
Und wir fädeln es halt auf irgendwie, oder es wird aufgefädelt.

00:47:53.340 --> 00:47:55.300
Manchmal verreißt sie halt auch.

00:47:55.300 --> 00:48:03.760
Aber ja, und Religion hin oder her, ich kann auch nicht mehr an diese Kirche glauben.

00:48:03.760 --> 00:48:04.800
Geht nicht.

00:48:04.800 --> 00:48:05.720
Aus Gründen.

00:48:05.720 --> 00:48:13.300
Aber ohne diesen Glauben, ohne das Ganze, wären solche Werke nicht möglich gewesen.

00:48:13.300 --> 00:48:15.400
Gäbe es kein Mozart-Requiem.

00:48:15.400 --> 00:48:17.780
Gäbe es die tollen Sachen von Schubert nicht.

00:48:17.780 --> 00:48:23.140
Muss man, also die schönen Seiten von dem Ganzen.

00:48:23.140 --> 00:48:26.320
Gibt ja immer zwei Seiten der Medaille.

00:48:26.320 --> 00:48:33.400
Ohne das hätte man aber auch diese, ohne diese furchtbaren Horrorgeschichten mit kastrierten Kindern,

00:48:33.400 --> 00:48:39.560
hätte man diese grandiosen Arien von damals Kastraten nicht.

00:48:39.560 --> 00:48:44.120
Was halt ja Falsettsänger singen können oder Countertenöre.

00:48:44.120 --> 00:48:45.680
Hätte man auch alles nicht.

00:48:45.680 --> 00:48:48.960
Hätten Komponistinnen keine Amazonenopern schreiben können.

00:48:49.460 --> 00:48:51.320
Man muss immer das große Ganze sehen.

00:48:51.320 --> 00:48:56.040
Und manches hat Negatives, aber manches hat auch so Positives.

00:48:56.040 --> 00:49:05.000
Und ich bin mal eine, die hört sich viel Negatives an und schiebt das auch nicht weg.

00:49:05.000 --> 00:49:10.760
Sondern manche Aussagen haben durchaus auch ihre Berechtigung,

00:49:10.760 --> 00:49:15.260
die man dann in ihrer Zeit einfach auch sehen muss.

00:49:15.260 --> 00:49:17.820
Also ja, da kommen wir vom Hundertsten ins Tausendste.

00:49:17.980 --> 00:49:24.640
Aber man darf mit dem auch nicht alles entschuldigen, muss man auch sagen.

00:49:24.640 --> 00:49:27.420
Aber so sind wir jetzt bei "Bach - Eine Weihnachtsgeschichte".

00:49:27.420 --> 00:49:28.520
Zieht es euch rein.

00:49:28.520 --> 00:49:31.140
Das ist wirklich ein Highlight.

00:49:31.140 --> 00:49:33.560
Ich weiß jetzt nicht, ob es noch in Kinos auch noch kommt.

00:49:33.560 --> 00:49:36.380
Ich glaube eher nicht, weil wenn es einmal im TV gelaufen ist,

00:49:36.380 --> 00:49:38.420
dann haben die Kinos auch kein Interesse mehr dran.

00:49:38.420 --> 00:49:43.300
Oder man kann es vielleicht zu Spezialangelegenheiten mal irgendwie zeigen.

00:49:43.300 --> 00:49:45.140
Weil es hängt ja immer auch mit den Rechten zusammen.

00:49:45.140 --> 00:49:46.940
Die Leute wollen ja auch was verdienen.

00:49:47.940 --> 00:49:51.160
Genau, aber das war jetzt wirklich, wirklich grandios.

00:49:51.160 --> 00:49:55.020
Ich dachte, dass sich das über die Jahre so hochgeschaukelt hat.

00:49:55.020 --> 00:49:58.820
Und ja, das war eine tolle Zusammenarbeit.

00:49:58.820 --> 00:50:00.260
Wirklich.

00:50:00.900 --> 00:50:05.140
Quati: Also wir haben auf jeden Fall an euch alle zwei Aufträge.

00:50:05.140 --> 00:50:07.120
Erstens Weihnachtsoratorium.

00:50:07.120 --> 00:50:09.340
Wenn ihr es nicht kennt, hört euch es an.

00:50:09.340 --> 00:50:15.780
Und weil du erzählt hast von Dancer in the Dark,

00:50:15.780 --> 00:50:19.060
vom Film von und mit Björk.

00:50:20.360 --> 00:50:25.280
Es hat bei mir nämlich sofort wieder ein Gefühl hochgebracht.

00:50:25.280 --> 00:50:26.820
Ich habe den Film gesehen.

00:50:26.820 --> 00:50:33.780
Er ist ja auch schon, der ist von, weiß ich nicht, 97, 98, irgend sowas.

00:50:33.780 --> 00:50:35.140
Also auf jeden Fall noch 90er.

00:50:35.740 --> 00:50:36.740
Und ich habe den Film gesehen.

00:50:36.740 --> 00:50:37.760
Und ich habe den damals als Teenager gesehen.

00:50:37.760 --> 00:50:40.440
In einem Programmkino bei mir zu Hause.

00:50:40.440 --> 00:50:42.560
Ein ganz kleines Programmkino.

00:50:42.560 --> 00:50:48.820
Und ich kann mich erinnern, der hat mich so, nämlich nicht verstört.

00:50:49.000 --> 00:50:50.800
Dieser Film hat mich so berührt.

00:50:50.800 --> 00:50:52.880
Und diese Geschichte hat mich so berührt.

00:50:52.880 --> 00:50:59.320
Und der Soundtrack ist wirklich großartig.

00:50:59.320 --> 00:51:01.420
Und ich habe gerade geschaut.

00:51:01.420 --> 00:51:05.920
Es gibt den Dancer in the Dark Soundtrack zu finden.

00:51:05.920 --> 00:51:12.240
Also egal auf welchem Spotify oder Amazon Music oder sonst wo.

00:51:12.240 --> 00:51:15.260
Also hört ihn euch an.

00:51:15.260 --> 00:51:21.840
Es ist wirklich, dann wisst ihr auch, was die Susanne vorher gemeint hat.

00:51:21.840 --> 00:51:22.940
Susanne: Genau.

00:51:22.940 --> 00:51:29.040
Und das war, also diese Musik war mir eben ein Funken Hoffnung.

00:51:29.040 --> 00:51:32.980
Ich bin damals, habe meinen Job in der Fabrik dann gekriegt.

00:51:32.980 --> 00:51:38.620
Da bin ich dann teils 12, 14, 15, 16 Stunden jeden Tag, Montag bis Samstag,

00:51:38.620 --> 00:51:39.120
drin gestanden.

00:51:39.120 --> 00:51:42.200
Konnte es auch machen zum Glück, weil es auf Rechnung ging

00:51:42.200 --> 00:51:43.680
und weil ich da nicht angestellt war.

00:51:44.060 --> 00:51:48.940
Und dann gelten da andere Arbeitsschutzbestimmungen oder ich kann es halt selber machen.

00:51:48.940 --> 00:51:53.040
Und ich habe nicht gewusst, komme ich je wieder in den Kunstbetrieb rein

00:51:53.040 --> 00:51:57.220
oder müssen wir uns alle davon verabschieden, wie es da war.

00:51:57.220 --> 00:52:01.400
Und habe dann eben Akkord eingepackt und konnte aber nebenher halt eben diese Musik hören.

00:52:01.400 --> 00:52:04.060
Und die hat mir da unglaublich viel Hoffnung gegeben.

00:52:04.060 --> 00:52:06.540
Die war bei mir ständig auf Repeat.

00:52:07.240 --> 00:52:11.900
Und dann, als ich eben in Salzburg dann war und da wieder in die Kultur reinkommen bin

00:52:11.900 --> 00:52:14.000
und auch gesehen habe, wie die Leute im Hintergrund arbeiten,

00:52:14.000 --> 00:52:16.080
wie wichtig die Leute im Hintergrund sind,

00:52:16.080 --> 00:52:19.560
bis man sowas überhaupt auf Bühne bringen kann

00:52:19.560 --> 00:52:22.320
und was das für Emotionen hervorbringt,

00:52:22.320 --> 00:52:24.060
dann habe ich gesagt, noch, das ist,

00:52:24.060 --> 00:52:27.980
da gehöre ich hin als diese Frau im Hintergrund,

00:52:28.120 --> 00:52:31.900
die mitdenkt und Neues ausgräbt für Bühnen und weiß der Geier was.

00:52:31.900 --> 00:52:33.240
Oder für Bücher.

00:52:33.240 --> 00:52:36.380
Bücher sind ja auch, Bücher sind kleine Bühnen für sich.

00:52:36.380 --> 00:52:40.240
Da macht man auf und hat eine gigantisch tolle Welt vor sich.

00:52:40.240 --> 00:52:40.720
Oder auch nicht.

00:52:40.720 --> 00:52:41.860
Und man legt es wieder auf die Seite.

00:52:42.060 --> 00:52:44.900
Aber es kreiert Kopfkino.

00:52:44.900 --> 00:52:45.600
Ja.

00:52:45.600 --> 00:52:46.040
Ja.

00:52:46.040 --> 00:52:46.540
Wow.

00:52:46.540 --> 00:52:47.540
Sarah: Danke dir.

00:52:47.540 --> 00:52:50.540
Also wunderbar.

00:52:50.540 --> 00:52:52.160
Und wie gesagt, du hast jetzt was geschafft,

00:52:52.160 --> 00:52:54.420
das kein Geschichtslehrer vorher jemals geschafft hat.

00:52:54.420 --> 00:52:58.660
Ich habe jetzt wirklich gespannt und gebannt dir gelauscht.

00:52:59.640 --> 00:53:02.600
Vielleicht habe ich noch Zeit für eine kurze Frage,

00:53:02.600 --> 00:53:04.200
aber vielleicht ist es eine lange Frage.

00:53:04.200 --> 00:53:04.760
Ich weiß es nicht.

00:53:04.760 --> 00:53:08.140
Ich habe nämlich meine Kinder gefragt, was ich dich fragen soll.

00:53:08.140 --> 00:53:10.580
Und mein ältester Sohn hat mir gesagt,

00:53:10.580 --> 00:53:13.280
ja, er findet das sehr spannend mit den Komponistinnen,

00:53:13.280 --> 00:53:15.800
weil sie haben das jetzt sogar im Unterricht gemacht,

00:53:15.800 --> 00:53:17.420
was dich wahrscheinlich freuen wird.

00:53:17.420 --> 00:53:19.520
Sie haben nämlich darüber gesprochen,

00:53:19.520 --> 00:53:23.400
dass es auch Minnesängerinnen gab und Bardinnen.

00:53:23.400 --> 00:53:26.220
Magst du dazu was sagen?

00:53:26.220 --> 00:53:29.140
Irgendwas, das er vielleicht nicht im normalen Unterricht gehört hat?

00:53:29.140 --> 00:53:30.260
Dann richte ich ihm das aus.

00:53:30.260 --> 00:53:34.340
Susanne: Also die meisten von uns kennen wahrscheinlich Troubadouren

00:53:34.340 --> 00:53:35.740
aus Asterix und Obelix.

00:53:35.740 --> 00:53:39.580
So wie man alle irgendwie, dem man nicht mehr zuhören wollte,

00:53:39.580 --> 00:53:42.160
dem man dann den Mund verstopft hat

00:53:42.160 --> 00:53:44.680
oder sich alle Petersilie in die Ohren reingestopft haben.

00:53:44.680 --> 00:53:47.900
Die gab es wirklich.

00:53:47.900 --> 00:53:54.440
Das war quasi so im späten und ausgehenden Mittelalter,

00:53:54.440 --> 00:53:56.280
dass die eine große Rolle gespielt haben,

00:53:56.640 --> 00:53:59.500
Walter von der Vogelweide.

00:53:59.500 --> 00:54:00.800
Die Namen kennen wir alle.

00:54:00.800 --> 00:54:03.460
Oskar von Wolkenstein in Südtirol.

00:54:03.460 --> 00:54:05.380
Die ganz großen Nummern halt.

00:54:05.380 --> 00:54:10.000
Und es gab aber auch Troubadour.

00:54:10.000 --> 00:54:11.460
Woher kommt das Wort eigentlich?

00:54:11.460 --> 00:54:15.340
Das kommt von dem Wort Troubare oder Trouver.

00:54:15.540 --> 00:54:22.120
Das sind die, die Töne finden für uns.

00:54:22.120 --> 00:54:23.500
Also die komponieren.

00:54:23.500 --> 00:54:24.600
Nichts anderes.

00:54:24.600 --> 00:54:26.040
Das sind Troubadour.

00:54:26.660 --> 00:54:35.040
Und es gab eine Region.

00:54:35.040 --> 00:54:40.560
Das ist das wunderschöne Wort, was Reaktionen hervorruft.

00:54:40.560 --> 00:54:41.980
Eine Region.

00:54:42.580 --> 00:54:45.020
Das wird man heute als Spanien, Andalusien,

00:54:45.020 --> 00:54:49.840
nicht Andalusien, Pyrenäen, eher so die Ecke Südfrankreich,

00:54:49.840 --> 00:54:54.880
Nordspanien bezeichnen, wo es auch Troubadourinnen gab.

00:54:54.880 --> 00:55:00.940
Die nannte man Trobairitz oder Trouveresse im französischen.

00:55:01.500 --> 00:55:05.160
Und die hatten die gleiche Funktion wie ihre männlichen Kollegen.

00:55:05.160 --> 00:55:10.080
Die waren allermeist, die haben sich aus dem fahrenden Volk gebildet.

00:55:10.080 --> 00:55:15.160
Und die besonders guten, die kamen dann an die Höfe, wo sie dann da Musik machten,

00:55:15.160 --> 00:55:19.200
Minnegesang, Minne halt der Liebe, aber die hohe Liebe.

00:55:19.200 --> 00:55:22.720
Also eher so die schwärmerische Liebe auf einer anderen Ebene.

00:55:22.720 --> 00:55:28.460
Nicht so diese stürmische, primitive Liebe, sondern auf einem anderen Level.

00:55:28.460 --> 00:55:33.660
Und deshalb haben auch diese Troubaidourinnen hohe Lieder auf ihre Schöffinnen gesungen.

00:55:33.660 --> 00:55:37.820
Und da ist natürlich auch trotzdem immer noch sehr erotische Komponente auch dabei.

00:55:37.820 --> 00:55:43.820
Aber man muss auch sagen, damals waren diese Standesunterschiede wesentlich stärker eingeprägt

00:55:43.820 --> 00:55:52.460
und stärker, ja, es waren diese Schranken da, auch diese moralischen Schranken,

00:55:52.460 --> 00:55:56.220
die wesentlich höher waren, aber auch die kann man brechen manchmal.

00:55:57.540 --> 00:55:59.760
Und ja, und die waren da eben da.

00:55:59.760 --> 00:56:03.680
Und man kennt auch ein paar Namen, nicht so in diesem hohen Verhältnis,

00:56:03.680 --> 00:56:06.880
aber ungefähr neun bis zehn Namen sind bekannt.

00:56:06.880 --> 00:56:12.720
Und anderen, zum Beispiel Beatriz de Dia, die hat da, von der weiß man die Namen,

00:56:12.720 --> 00:56:18.820
weil man die rausgefunden hat, weil sie ihre Namen mit dazu schrieb.

00:56:19.340 --> 00:56:26.720
Teilweise, das war nämlich auch absolut nicht üblich, dass man in der Zeit unter seine Werke den Namen geschrieben hat.

00:56:26.720 --> 00:56:28.020
Das kam erst wesentlich später.

00:56:29.860 --> 00:56:33.000
Ja, und so sind die ein Teil von unserer Geschichte.

00:56:33.000 --> 00:56:37.660
Halt eben vergessen, weil man die Frauen halt immer nicht mitbedacht hat.

00:56:37.660 --> 00:56:43.740
Oder das ist generische Maskulinum halt von den Troubadouren und den Musikern und den Komponisten.

00:56:43.740 --> 00:56:48.280
Und dann stellt man sich halt, wie Luise F. Pusch so toll in ihren Klassen beschrieben hat,

00:56:48.960 --> 00:56:56.660
ein Chor von 99 Frauen und einem Mann ist ein Chor mit 100 Sängern.

00:56:56.660 --> 00:56:59.500
Und genau so ist das da halt auch passiert.

00:56:59.500 --> 00:57:02.400
Und dann kann man keine Statistiken mehr machen.

00:57:03.680 --> 00:57:08.400
Es wird von einem Männerchor ausgegangen und das ist halt was völlig anderes als ein gemischter Chor.

00:57:08.400 --> 00:57:10.720
Ja, so hängt das damit zusammen.

00:57:10.720 --> 00:57:14.960
Quati: Das sehen wir auch wieder: Sprache schafft Realitäten.

00:57:14.960 --> 00:57:16.300
Susanne: Genau.

00:57:16.300 --> 00:57:16.820
Sarah: Und wie.

00:57:16.820 --> 00:57:17.980
Susanne: So ist es.

00:57:17.980 --> 00:57:19.620
Sarah: Und wir haben auch eine Geschichte.

00:57:19.620 --> 00:57:21.740
Susanne: Ja, definitiv.

00:57:21.740 --> 00:57:25.060
Und wenn wir es immer noch nach ihr suchen müssen, immer noch nach ihr graben müssen.

00:57:25.060 --> 00:57:25.860
Aber es lohnt sich.

00:57:25.860 --> 00:57:32.040
Es lohnt sich absolut, weil es geht um gute Musik, um gute Kunst, um gute Literatur.

00:57:32.240 --> 00:57:34.500
Und das ist eigentlich alles, was zählt.

00:57:34.500 --> 00:57:39.340
Sarah: Ich finde, das ist ja ein großartiges Schlusswort, wenn ich ehrlich bin.

00:57:39.340 --> 00:57:42.980
Auch wenn ich jetzt problemlos noch zwei Stunden weiter zuhören könnte.

00:57:42.980 --> 00:57:43.900
So ist es nicht.

00:57:43.900 --> 00:57:51.400
Aber eine Frage habe ich noch zum Abschluss, weil wegen dem Namen unseres Podcasts.

00:57:51.400 --> 00:57:54.720
Wann hast du dir denn das letzte Mal What the Fuck gedacht?

00:57:54.720 --> 00:57:57.520
Das darf im Positiven wie im Negativen sein.

00:57:57.520 --> 00:57:58.680
Susanne: Gestern Abend.

00:57:58.680 --> 00:58:01.340
Ich kann aber nicht sagen, warum.

00:58:01.340 --> 00:58:01.840
Geht nicht.

00:58:01.840 --> 00:58:03.100
Sarah: Okay.

00:58:03.100 --> 00:58:09.220
Susanne: Aber es war ein sehr, sehr lautes, positives What the Fuck.

00:58:09.220 --> 00:58:10.620
Sarah: Na, das höre ich gern.

00:58:10.620 --> 00:58:14.560
Susanne: Ihr werdet es erfahren wahrscheinlich irgendwann, aber geht jetzt noch nicht.

00:58:14.560 --> 00:58:15.380
Sarah: Okay.

00:58:15.380 --> 00:58:18.440
Quati: Ist noch What the Fuck Verschwiegenheitspflicht.

00:58:18.440 --> 00:58:22.860
Sarah: Ich freue mich auch über ein geheimes positives What the Fuck.

00:58:24.140 --> 00:58:24.600
Quati: Definitiv.

00:58:24.600 --> 00:58:27.260
Susanne: Ist jetzt leider auch noch nicht möglich.

00:58:27.260 --> 00:58:29.400
Sarah: Na, sag ich ja.

00:58:29.400 --> 00:58:32.020
Es ist ein geheimes positives What the Fuck.

00:58:32.080 --> 00:58:32.680
Ich freue mich.

00:58:32.680 --> 00:58:32.680
Ich freue mich.

00:58:32.680 --> 00:58:34.280
Quati: Ich auch.

00:58:34.280 --> 00:58:34.560
Sarah: Gut.

00:58:34.560 --> 00:58:36.680
Susanne: Danke, dass ich bei euch sein konnte.

00:58:36.680 --> 00:58:38.800
Diese Ehre, die Erste da zu sein.

00:58:38.800 --> 00:58:40.020
Ich wünsche eurem Podcast

00:58:40.020 --> 00:58:42.480
also wirklich ein gutes Händchen.

00:58:42.480 --> 00:58:43.280
Das habt ihr ja.

00:58:43.280 --> 00:58:44.560
Wir kennen uns ja schon länger.

00:58:44.560 --> 00:58:46.720
Das ist immer so, diese Social Media.

00:58:46.720 --> 00:58:50.280
Man kennt sich nicht, aber irgendwas ist bekannt, sagt man so.

00:58:50.280 --> 00:58:50.840
Man kennt sich.

00:58:50.840 --> 00:58:51.180
Genau.

00:58:52.680 --> 00:58:55.800
Und wenn man sich über Katzenviecher austauscht bissl.

00:58:55.800 --> 00:58:56.820
Quati: Genau.

00:58:56.820 --> 00:59:02.100
Ja, danke dir für das Dasein.

00:59:02.100 --> 00:59:11.800
Und vor allem, und das sage ich auch, weil ich liebe auch Geschichtsvermittlung so sehr und

00:59:11.800 --> 00:59:13.400
Geschichten erzählen so sehr.

00:59:13.400 --> 00:59:17.980
Und bitte mach das noch viel, viel, viel öfter.

00:59:17.980 --> 00:59:24.940
Es ist wirklich großartig und fantastisch und rührend und bewegend und alles zusammen,

00:59:24.940 --> 00:59:26.680
dir beim Erzählen zuzuhören.

00:59:26.680 --> 00:59:27.460
Danke dir.

00:59:27.460 --> 00:59:28.240
Susanne: Ja, ganz bestimmt.

00:59:28.240 --> 00:59:29.460
Sarah: Danke für deine Zeit.

00:59:29.460 --> 00:59:30.920
Susanne: Ja, danke euch.

00:59:30.920 --> 00:59:33.040
Danke.

00:59:33.040 --> 00:59:33.400
Quati: Baba.

00:59:33.400 --> 00:59:39.880
Sarah: Und für unsere Hörerinnen bleibt noch, bitte hinterlasst uns gerne eine Nachricht.

00:59:39.880 --> 00:59:45.200
Bewertet unseren Podcast dort, wo ihr ihn gefunden habt und ihr könnt uns auf Social Media finden.