WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:07.920
Music.

00:00:07.760 --> 00:00:12.320
Wie wählst du eigentlich den Ort für eine Plexus-Bachialis-Blockade aus und

00:00:12.320 --> 00:00:14.480
wie begründest du dein Vorgehen?

00:00:14.980 --> 00:00:19.940
Wenn du dir über den Blockadeort nicht immer sicher bist, so bist du das aber

00:00:19.940 --> 00:00:23.040
zu 100% in dieser Folge von Radiomegahertz.

00:00:23.300 --> 00:00:29.960
Denn wir starten mit der Staffel 2, yeah, die ultraschallgestützte Regionalanästhesie.

00:00:29.960 --> 00:00:34.720
Der Aufbau des Plexus brachialis ist komplex,

00:00:34.960 --> 00:00:39.320
das anatomische Wissen darüber aber essenziell, damit du begründen kannst,

00:00:39.440 --> 00:00:45.140
mit welcher Blockade du eine Anästhesie für ein bestimmtes Operationsgebiet erzielen kannst.

00:00:45.140 --> 00:00:51.640
Und wir starten daher mit diesem wichtigen Thema über die grundlegende Anatomie,

00:00:51.800 --> 00:00:54.120
die Bildung des Plexus brachialis,

00:00:54.300 --> 00:01:01.000
um in den nächsten Folgen auf die Inhalte der heutigen Podcast-Folge verweisen zu können.

00:01:01.000 --> 00:01:07.600
Über dieses wichtige Thema spreche ich heute mit einem extrem versierten Anästhesisten.

00:01:07.920 --> 00:01:13.820
Zusammen nennt man uns USRA Medical Education und es ist darum kein geringerer als Dr.

00:01:14.380 --> 00:01:20.360
Rainer Litz. Lieber Rainer, willkommen zurück in Bochum. Hallo. Ja, hallo Tim.

00:01:21.940 --> 00:01:26.240
Der lange Weg aus Augsburg, dich hat es ein paar Tage hierhin verschlagen.

00:01:27.860 --> 00:01:31.700
Wir arbeiten schon sehr lange zusammen. Ich kenne dich. Normalerweise werden

00:01:31.700 --> 00:01:35.300
an dieser Stelle jetzt die Referenten oder die Gäste vorgestellt.

00:01:35.680 --> 00:01:39.680
Das machst du selten gerne über dich. Oder wie siehst du das?

00:01:39.680 --> 00:01:45.020
So ist das. Pass auf, ganz kurz zusammengefasst, ich erzähle das,

00:01:46.080 --> 00:01:52.300
du warst jahrelang am Uniklinikum Dresden tätig, als Leitender Oberarzt,

00:01:52.580 --> 00:01:58.720
dann als Leitender Oberarzt in einer Klinik in Bochum, zuletzt als Chefarzt.

00:01:59.000 --> 00:02:03.880
Ich kenne dich als gewieften Kliniker und vor allen Dingen schätze ich dich,

00:02:04.140 --> 00:02:10.620
weil du Maßnahmen und Tätigkeiten in der Anästhesie immer kritisch

00:02:10.620 --> 00:02:11.020
hinterfragst.

00:02:11.160 --> 00:02:13.920
Und so machst du das auch mit der Regionalanästhesie.

00:02:14.930 --> 00:02:19.810
Vielen Dank, Tim. Rainer, steigen wir in das Thema ein.

00:02:20.010 --> 00:02:26.090
Es geht um die Blockaden für Operationen an Schulter und Arm.

00:02:26.290 --> 00:02:31.110
Und dort gibt es verschiedene Techniken, verschiedene Möglichkeiten.

00:02:31.110 --> 00:02:35.730
Wenn ich an die Diskussion in unseren Kursen denke.

00:02:36.830 --> 00:02:41.410
Dann gibt es dort durchaus einen hohen Diskussionsbedarf,

00:02:41.910 --> 00:02:47.130
weil Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchaus unterschiedlicher Meinung sind,

00:02:47.330 --> 00:02:52.130
was denn wohl die beste Blockade für eine bestimmte Operation ist.

00:02:52.670 --> 00:02:56.390
Empfindest du das auch so? Ja Tim, selbstverständlich.

00:02:56.470 --> 00:03:01.870
Das ist absolut richtig, dass es da immer kontroverse Diskussionen gibt.

00:03:02.610 --> 00:03:07.850
Und das ist wie bei jedem Thema in der Regionalanästhesie.

00:03:08.690 --> 00:03:12.350
Wenn viele unterschiedliche Techniken berichtet sind,

00:03:13.290 --> 00:03:21.790
dann ist das meist ein Hinweis dafür, dass keine der verwendeten Techniken alles

00:03:21.790 --> 00:03:25.110
abbildet, was der Anwender erwartet.

00:03:25.590 --> 00:03:31.450
Also alle Techniken haben irgendwo spezifische Schwächen oder auch,

00:03:31.590 --> 00:03:34.630
noch schlimmer, Komplikationsmöglichkeiten.

00:03:35.670 --> 00:03:41.070
Ergänzend zu dem Gesagten, was du gesagt hast, gibt es ja auch unterschiedliche

00:03:41.070 --> 00:03:42.970
Fähigkeiten der Durchführenden.

00:03:43.530 --> 00:03:49.070
Selbstverständlich. Es gibt unterschiedliche Operationen und es gibt verschiedene

00:03:49.070 --> 00:03:54.050
Techniken, die Stimulation, die Sonografie, Landmarkentechnik.

00:03:54.410 --> 00:03:58.550
Und dort den Überblick auch in den Studien zu halten, ist durchaus komplex.

00:03:58.870 --> 00:04:03.690
Wir würden uns jetzt heute, glaube ich, einmal nur auf die Anatomie beschränken.

00:04:04.470 --> 00:04:11.230
Fähigkeiten und Operationstyp und Blockadetechnik, sprich periphere Nervenstimulation

00:04:11.230 --> 00:04:13.950
oder Sonografie draußen vorlassen, wäre mein Vorschlag.

00:04:14.530 --> 00:04:17.850
Was wir uns als Ziel genommen haben in dieser Folge, ist, dass du,

00:04:18.010 --> 00:04:22.770
liebe Hörerinnen, liebe Hörer, deinen Zugangsweg, deine Entscheidung auf einer

00:04:22.770 --> 00:04:25.290
anatomischen Basis erläutern kannst.

00:04:26.270 --> 00:04:29.590
Das ist unser Wunsch und vor allen Dingen auch unser Denken,

00:04:29.750 --> 00:04:34.450
Rainer, wie wir die Plexus brachialis Blockaden lernen. Was muss man dazu können?

00:04:34.910 --> 00:04:39.130
Ja gut, das ist eine essenzielle Voraussetzung, was du gerade eben gesagt hast.

00:04:40.250 --> 00:04:44.110
Der Anästhesist muss das Operationsgebiet kennen.

00:04:44.530 --> 00:04:48.410
Er muss sogar die Operationstechnik kennen. Das macht ja einen Riesenunterschied,

00:04:49.070 --> 00:04:54.690
welches Verfahren der Operateur wählt, weil es verschiedene Strukturen umfasst.

00:04:55.410 --> 00:05:00.750
Dann kommen weitere Zusatzfaktoren zur Geltung, wie wird beispielsweise am Arm

00:05:00.750 --> 00:05:05.470
mit Tournequet operiert, wie ist dieser Arm gelagert.

00:05:05.610 --> 00:05:10.750
All das ist bei der Planung einer Regionalanästhesie zu berücksichtigen und nicht der Erwachsenen.

00:05:11.620 --> 00:05:17.160
Die Schnittführung alleine. Wir müssen weiterhin berücksichtigen,

00:05:17.420 --> 00:05:22.780
wie wird denn der gesamte betroffene Situs sensormotorisch versorgt.

00:05:23.240 --> 00:05:27.380
Die Kenntnisse der Dermatome, die wir alle im Studium gelernt haben,

00:05:27.520 --> 00:05:29.120
die reicht dann natürlich nicht aus.

00:05:29.280 --> 00:05:33.220
Wir müssen wissen, wie die darunterliegenden Strukturen versorgt werden,

00:05:33.520 --> 00:05:39.680
also die Muskeln, Myotome oder auch die knöchernen Strukturen des Periost, also Sklerotome.

00:05:40.400 --> 00:05:43.760
Das sind Dinge, die wir hier im Detail aber jetzt glaube ich nicht besprechen,

00:05:44.220 --> 00:05:47.820
sondern die in einer weiteren Folge dann aufgegriffen werden.

00:05:48.160 --> 00:05:53.380
Das ist insofern schön, Rainer, weil wir haben uns bei der Planung der Inhalte,

00:05:53.560 --> 00:05:58.140
ich glaube acht Folgen sind schon mal rausgekommen, wir haben uns viel vorgenommen.

00:05:58.800 --> 00:06:01.640
Okay, also Plexus brachialis, die Bildung.

00:06:02.320 --> 00:06:05.900
Insgesamt ist der Plexus Brachialis eine hochkomplexe Struktur.

00:06:06.360 --> 00:06:09.000
Sie ist darüber hinaus hochvariabel.

00:06:09.900 --> 00:06:14.400
Und das ist unter anderem auch embryologisch begründet, Rainer.

00:06:14.600 --> 00:06:19.340
Ja, da sagst du was ganz Wichtiges. Das ist natürlich embryologisch begründet.

00:06:20.000 --> 00:06:27.240
Und die Zahl der berichteten Variationen über die Formation des Plexus Brachialis, die ist sehr hoch.

00:06:27.560 --> 00:06:33.280
Man darf auf dieses bahnbrechende Paper von Abraham Kerr verweisen,

00:06:33.620 --> 00:06:37.340
der über 150 verschiedene Varianten berichtet hat.

00:06:37.980 --> 00:06:41.020
Das heißt, das, was wir in Schemata und auch in Büchern finden,

00:06:41.160 --> 00:06:44.240
ist immer eine Momentaufnahme. Das ist eine Variation.

00:06:45.600 --> 00:06:50.940
Das ist nicht das, was uns jeden Tag im Operationssaal begleitet.

00:06:53.000 --> 00:06:59.980
Prinzipiell gibt es da ein paar Regelmäßigkeiten oder einige Regelmäßigkeiten,

00:07:00.160 --> 00:07:03.260
die dann aber völlig unterschiedlich ausgestaltet werden.

00:07:04.140 --> 00:07:09.460
Trotz der hohen Anzahl an Variationen gibt es so ein Grundprinzip,

00:07:10.020 --> 00:07:13.000
wie die Rami ventrales sich verschalten.

00:07:13.520 --> 00:07:19.000
Ja, da hast du schon einen ganz wichtigen Begriff gebracht, nämlich die Rami ventrales.

00:07:19.000 --> 00:07:27.500
Also wir wissen, jeder Spinalnerv teilt sich beim Verlassen aus dem Neuroforamen

00:07:27.500 --> 00:07:33.960
in einen posterioren oder dorsalen Anteil auf und einen ventralen Anteil auf.

00:07:35.330 --> 00:07:39.230
Im Bereich des Plexus brachialis ist es so,

00:07:39.390 --> 00:07:46.050
dass die dorsalen Anteile aus den Halssegmenten die autochtone Muskulatur versorgen

00:07:46.050 --> 00:07:49.910
und die Haut des Nackens und die ventralen Anteile,

00:07:49.990 --> 00:07:54.890
also die Rami ventrales an der Bildung des Plexus beteiligt sind. Aber nicht alle.

00:07:55.290 --> 00:08:05.990
Die ventralen Anteile von C2 bis C4 bilden den Plexus cervicalis und versorgen

00:08:05.990 --> 00:08:10.690
antero- und lateral die Haut des Halses.

00:08:11.430 --> 00:08:21.030
Und die Rami ventrales von C5 bis TH1 wandern dann in der Entwicklung der Extremität

00:08:21.030 --> 00:08:27.010
nach peripher aus und versorgen die Schulter und den Arm.

00:08:27.010 --> 00:08:34.350
Diese Rami ventrales von C5 bis TH1 bilden dann den Plexus brachialis.

00:08:35.090 --> 00:08:41.270
Als Variation kann auch ein Anteil von C4 beteiligt sein, dann spricht man von

00:08:41.270 --> 00:08:46.610
kranialer Fixation des Plexus, oder dementsprechend von TH2, dann spricht man

00:08:46.610 --> 00:08:48.810
von kausaler Fixation des Plexus.

00:08:48.810 --> 00:08:57.950
Es bleibt sich aber gleich, diese Rami ventrales, nach dem Verlassen der Neuroforamina,

00:08:58.470 --> 00:09:02.950
bilden dann drei Primärstämme, die sogenannten Trunci.

00:09:02.950 --> 00:09:09.930
Die Rami ventrales von C5 bis C6 bilden den Truncus superior,

00:09:10.610 --> 00:09:20.510
die Rami ventrales von C8 bis Th1 den Truncus inferior und der Ramus ventralis

00:09:20.510 --> 00:09:23.090
von C7 geht über den Truncus medius.

00:09:23.990 --> 00:09:32.050
Das findet statt, anatomisch betrachtet, auf Höhe der Skalenuslücke.

00:09:32.950 --> 00:09:34.070
Diese Trunci,

00:09:35.350 --> 00:09:41.510
teilen sich dann in ihrem weiteren Verlauf nach peripher in eine anteriore und

00:09:41.510 --> 00:09:43.550
eine posteriore Division aus.

00:09:44.970 --> 00:09:51.710
Und jetzt kommt es wieder zu einer Neuformation. Die anterioren Divisionen des

00:09:51.710 --> 00:09:54.170
Truncus superior und Truncus medius,

00:09:54.790 --> 00:10:04.370
also die Anteile der Rami ventrales von C5, C6, C7, bilden dann den Fasciculus lateralis.

00:10:04.370 --> 00:10:06.770
Das geschieht auf Höhe der Clavicula.

00:10:08.890 --> 00:10:18.790
Die anteriore Division des Truncus inferior bildet dann den Fasciculus medialis

00:10:18.790 --> 00:10:22.850
und enthält damit Anteile von C8 und TH1.

00:10:23.890 --> 00:10:27.950
Und die posterioren Divisionen des Truncus superior,

00:10:28.330 --> 00:10:32.130
des Truncus medius, des Truncus inferior, also aller drei Trunci,

00:10:32.350 --> 00:10:40.310
bildet den Fasiculus posterior und enthält dabei dann Anteile von C5 bis TH1.

00:10:41.150 --> 00:10:46.170
Warum ist das klinisch wichtig? Das ist von enormer Bedeutung.

00:10:46.390 --> 00:10:52.350
Wenn ich jetzt zum Beispiel weiß, dass ein Nerv wie der Nervus radialis aus

00:10:52.350 --> 00:11:00.130
der posterioren Division entspringt, beziehungsweise aus dem Fasiculus posterior entspringt,

00:11:00.790 --> 00:11:06.890
dann kann er Anteile der Rückenmarksegmente C5 bis TH1 enthalten.

00:11:07.650 --> 00:11:13.610
Das bedeutet, klinisch möchte ich eine sichere Blockade des Nervus radialis

00:11:13.610 --> 00:11:17.010
auf Höhe der Rami ventrales erreichen,

00:11:17.310 --> 00:11:24.750
dann muss ich alle Rami ventrales C5, 6, 7, 8 bis TH1 erreicht haben,

00:11:24.750 --> 00:11:27.950
um eine sichere Radialis-Blockade zu erreichen.

00:11:28.250 --> 00:11:31.830
Das erklärt auch, warum die Blockade zentral

00:11:33.050 --> 00:11:36.290
dann schwerer vorhersagbar ist

00:11:36.290 --> 00:11:39.350
als wenn der Nervus radialis ist zum Beispiel nach

00:11:39.350 --> 00:11:45.410
seiner Formation peripher geblockt wird. Also nach seinem Abgang aus dem Fasciculus

00:11:45.410 --> 00:11:50.630
posterior. Ganz genau. Du hast jetzt schon gesagt die Truncus-Bildung noch mal

00:11:50.630 --> 00:11:56.370
zur Wiederholung Trunkus superior c5 c6 Truncus medius C7,

00:11:57.070 --> 00:11:59.690
Truncus inferior C8, Th1.

00:12:00.870 --> 00:12:03.910
ist auf interscalenärer Ebene, findet die statt,

00:12:04.630 --> 00:12:12.170
und die Weiterführung oder der Umbau des Plexus über die Divisiones siehst du

00:12:12.170 --> 00:12:16.210
sonografisch, Entschuldigung, ich muss an dieser Anatomie-Stelle auch mal das

00:12:16.210 --> 00:12:19.050
Ultraschallwort in den Mund nehmen, weil wir sind Radiomegahertz,

00:12:19.310 --> 00:12:24.230
diese Bildung findet schon auf supraclavikulärer Ebene statt.

00:12:24.230 --> 00:12:30.130
Das heißt, das, was wir in den Lehrbüchern sehen, wo die Sonde parallel zur

00:12:30.130 --> 00:12:35.170
Clavicula angelotet ist und in die obere Thorax-Apertur hineingekippt ist,

00:12:35.970 --> 00:12:37.970
sehen wir schon mehr als Trunci,

00:12:38.150 --> 00:12:44.410
es sind die Divisiones. Sonografisch ist die Clavikula für uns eine Barriere,

00:12:44.650 --> 00:12:48.590
deswegen trennt man häufig den pars supra- und infraclavicularis.

00:12:48.810 --> 00:12:55.230
Aber nochmal zur Betonung, die supraclaviculäre Position sind die Divisionis,

00:12:55.330 --> 00:12:58.250
die wir sehen. Ja, Tim, das ist völlig korrekt.

00:12:58.690 --> 00:13:07.370
Da gibt es aber auch noch anzumerken, dass die Clavikula natürlich eine Barriere

00:13:07.370 --> 00:13:12.190
für die sonografische Führung darstellt, aber auch eine Funktionelle.

00:13:12.190 --> 00:13:16.190
Wenn wir beispielsweise über Schulterschirurgie reden,

00:13:16.990 --> 00:13:22.410
dann haben wir in supraclavikulärer Position den Abgang eines wichtigen Nerven,

00:13:22.570 --> 00:13:29.130
entweder aus dem Trunkus oder aus einer Division, nämlich des Nervus suprascapularis.

00:13:29.950 --> 00:13:33.050
Den wir unterhalb der Clavicula bzw.

00:13:33.910 --> 00:13:37.050
distal der Clavicula so in der Form nicht mehr darstellen können.

00:13:38.060 --> 00:13:42.360
Das ist ja etwas, was wir über die gesamte Plexusbildung beobachten,

00:13:42.700 --> 00:13:49.280
dass beginnend mit den Rami ventrales über die Trunci, über die Division,

00:13:49.740 --> 00:13:52.780
bereits periphere Nerven abgegeben werden.

00:13:53.080 --> 00:13:59.060
Die Nerven, mit Ausnahme des Nervus suprascapularis, die oberhalb der Clavicula abgegeben werden,

00:13:59.900 --> 00:14:06.240
die sind an der Innovation der Rumpfwand beteiligt, nämlich über die sekundäre,

00:14:06.400 --> 00:14:08.740
sprich eingewanderte Rumpfwandmuskulatur.

00:14:09.020 --> 00:14:14.780
Die haben zunächst mal mit der Innervation von Arm und Schulter nichts zu tun.

00:14:15.480 --> 00:14:19.600
Auf diese Nerven, schlage ich vor, gehen wir in den nächsten Folgen detailliert

00:14:19.600 --> 00:14:23.620
ein, damit wir jetzt einfach nicht zu viele anatomische Bezeichnungen einführen.

00:14:23.860 --> 00:14:30.240
Das heißt, die Schaltstelle für Operationen an der Schulter ist die supraclavikuläre

00:14:30.240 --> 00:14:39.660
Position und die Schaltstelle für Blockaden am Arm ist dann entweder die supraclavikuläre,

00:14:39.820 --> 00:14:42.200
die den Nervus suprascapularis mit umfasst,

00:14:42.400 --> 00:14:45.380
oder aber auch die infraclavikuläre Position.

00:14:47.100 --> 00:14:51.640
Also infraclavikulär hätten wir dann den Fasiculus lateralis,

00:14:51.980 --> 00:14:55.460
den Fasiculus medialis und den Fasiculus posterior.

00:14:55.460 --> 00:14:58.380
Und daraus gehen die einzelnen Nerven

00:14:58.380 --> 00:15:02.020
hervor, die peripheren Nerven des Plexus brachialis.

00:15:02.020 --> 00:15:08.420
Auch die würde ich vorschlagen behandeln wir, ja klar, man sollte darauf hinweisen

00:15:08.420 --> 00:15:14.120
dass natürlich diese position auch sonographisch exzellent zugänglich ist auch

00:15:14.120 --> 00:15:18.240
das werden wir in einer weiteren Folge dann erläutern wie das wie das verbessert

00:15:18.240 --> 00:15:19.840
werden kann die Sichtbarkeit,

00:15:21.020 --> 00:15:25.400
so dass wir neben der interscalenären, jetzt eine supraclavikuläre,

00:15:25.640 --> 00:15:33.780
eine infraclavikuläre und dann noch eine Position auf axillärer Ebene haben, korrekt gesagt,

00:15:34.540 --> 00:15:36.720
eigentlich am Rand der Axilla,

00:15:37.660 --> 00:15:44.520
aus der dann die peripheren Nerven für die Versorgung des Armes bis zur Hand abgehen.

00:15:44.720 --> 00:15:49.440
Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, das ist jetzt schon anatomische Korinthenkackerei.

00:15:49.440 --> 00:15:52.720
Also wir finden das richtig, aber du vielleicht nicht.

00:15:52.920 --> 00:15:58.360
Aber bild dir deine Meinung. Nochmals, axilläre Ebene, wenn wir die Sonde senkrecht

00:15:58.360 --> 00:16:04.240
zum Oberarm am Rand des Musculus pectoralis anloten, sonografieren wir streng

00:16:04.240 --> 00:16:06.180
genommen nicht die Axilla.

00:16:06.500 --> 00:16:12.280
Nur um das noch einmal klarzustellen. Nun Rainer, du hast die vier Stationen

00:16:12.280 --> 00:16:17.580
jetzt genannt, Interscalinär, supraklavikulär, infraklavikulär und die axilläre Ebene.

00:16:18.340 --> 00:16:23.200
Die Frage ist aber, worin unterscheiden sich die Zugangswege?

00:16:23.480 --> 00:16:25.100
Lass uns doch mal darüber sprechen.

00:16:25.820 --> 00:16:33.720
Ja gut, die unterscheiden sich durch den Abgang peripheren Nerven in entsprechenden Höhen.

00:16:34.160 --> 00:16:38.040
Oberhalb der Clavicula, wie ich schon gesagt habe, gehen die Nerven für die

00:16:38.040 --> 00:16:41.800
Versorgung der Rumpfwand ab, die wir für Operationen an Arm und Schultern nicht

00:16:41.800 --> 00:16:47.520
brauchen, wie zum Beispiel der Nervus thoracicus longus oder der Nervus dorsalis scapulae,

00:16:47.920 --> 00:16:49.780
Nervus thoracodorsalis.

00:16:50.220 --> 00:16:54.940
Das sind so typische Abgänge oberhalb der Clavicula. Die Nerven bis zum Arm

00:16:54.940 --> 00:16:57.180
kommen ja alle aus den Rami ventrales.

00:16:57.420 --> 00:16:59.480
Wir haben jetzt gesagt C5 bis TH1.

00:17:00.300 --> 00:17:06.200
Theoretisch wäre es ja möglich, in der Nähe vom Neuroforamen alles wegzublockieren, was da ist.

00:17:06.240 --> 00:17:09.860
Dann wäre ich immer auf der richtigen Seite. Ja, Tim.

00:17:11.120 --> 00:17:16.380
Theoretisch ist das schon möglich Aber wie wir über viele Jahre Jahrzehnte gesehen

00:17:16.380 --> 00:17:21.560
haben Ist das anatomisch unklug. Warum ist das so?

00:17:22.960 --> 00:17:23.860
Als erstes,

00:17:24.870 --> 00:17:32.530
Die teilweise zitierte, auch in Lehrbüchern zitierte, Gefäßnervenscheide gibt es nicht.

00:17:32.950 --> 00:17:42.890
Die Rami ventrales liegen in einem anatomisch eng begrenzten Raum zwischen den

00:17:42.890 --> 00:17:47.350
Musculus scalenus anterius und medius.

00:17:47.790 --> 00:17:51.830
Überdeckt werden sie von der Fascia prevertebralis.

00:17:51.830 --> 00:17:57.850
Und das ist eine ganz wichtige Struktur für die Ausbreitung des Lokalanästhetikums,

00:17:57.930 --> 00:18:03.150
weil unter dieser Fascia prävertebralis verläuft auch der Nervus phrenicus in

00:18:03.150 --> 00:18:06.350
unmittelbarer Nähe an der Skalenuslücke,

00:18:06.450 --> 00:18:09.530
er überkreuzt sie sogar an entsprechenden Positionen.

00:18:10.470 --> 00:18:16.190
Und das bedeutet, Lokalanästhetikum dort zu injizieren, bedeutet immer,

00:18:16.290 --> 00:18:22.570
dass der Nervus phrenicus in unterschiedlichem Ausmaß mit beteiligt ist und in der Regel blockiert.

00:18:22.810 --> 00:18:28.150
Dass das klinisch nicht immer ausgeprägt erkennbar ist, das ist eine ganz andere

00:18:28.150 --> 00:18:31.270
Frage, weil die Zwerchfellinneration durchaus komplex ist.

00:18:31.750 --> 00:18:34.930
Aber auf jeden Fall wird der Nervus phrenicus miterreicht.

00:18:35.750 --> 00:18:41.710
Dieser Danger Space, also ein Raum, der medial verläuft, den das Lokalanästhetikum

00:18:41.710 --> 00:18:46.970
auch erreichen kann, der enthält andere Strukturen, wie zum Beispiel vegetative Innervation.

00:18:47.450 --> 00:18:53.070
Der Nervus recurrens verläuft da.

00:18:53.410 --> 00:18:58.490
Also Ausbreitung des Lokalanästhetikums in den Raum erklärt dann alle möglichen

00:18:58.490 --> 00:19:07.630
Komplikationen oder Nebenwirkungen von Horner-Syndrom, Heisekeit bis auch hämodynamischen Reaktionen.

00:19:08.850 --> 00:19:14.910
Wie ich sagte, der Raum ist eng, der ist nicht leer, der ist gefüllt mit Fettgewebe,

00:19:15.110 --> 00:19:17.990
mit Bindegewebe und noch viel schlimmer.

00:19:19.750 --> 00:19:25.070
In etwa 50% der Fälle finden sich muskuläre Variationen,

00:19:25.170 --> 00:19:32.610
die die Skalenuslücke in eine obere und in einen unteren Anteil separieren und

00:19:32.610 --> 00:19:37.830
damit die Ausbreitung des Lokalanästhetikums völlig unvorhersagbar machen.

00:19:38.190 --> 00:19:42.050
Das Lokalanästhetikum, wie wir klinisch wissen, kann auch ohne Schwierigkeiten

00:19:42.050 --> 00:19:47.050
die Neuroforaminä und damit den Epiduralraum erreichen. Das ist alles möglich.

00:19:47.250 --> 00:19:52.990
Das ist eine Frage der Injektionstechnik, eine Frage des injizierten Volumens

00:19:52.990 --> 00:19:54.970
und natürlich der individuellen Anatomie.

00:19:55.170 --> 00:19:59.870
Das heißt, Injektionen in diesem Raum bleiben in ihrer Wirkung,

00:20:00.070 --> 00:20:03.250
auch in ihrer Vollständigkeit, ganz schwer vorhersagbar.

00:20:03.550 --> 00:20:08.790
Ich sehe schon, der Trend geht weg von der anatomisch-interscalinearen Position.

00:20:09.270 --> 00:20:15.510
Wir fassen das gleich nochmal zusammen, indem wir die vier Etagen nochmal miteinander vergleichen.

00:20:16.310 --> 00:20:20.970
Rainer, es geht ja um die Operationen an Schulter und Arm.

00:20:21.430 --> 00:20:26.850
Und da gibt es zwei Grenzzonen, die wir noch ansprechen sollten,

00:20:27.270 --> 00:20:29.250
damit wir die Etagen werten können.

00:20:29.910 --> 00:20:34.870
Das eine ist ja das Schulterdach und das andere ist der mediale Oberarm.

00:20:35.050 --> 00:20:39.610
Möchtest du dazu noch was sagen? Tim, da greifst du ein bisschen vor.

00:20:40.730 --> 00:20:46.790
Das Schulterdach wird innerviert von den Nervi supraclaviculares,

00:20:46.850 --> 00:20:52.250
die aus C3 oder C4 kommen, also die man dem Plexus cervicalis zuordnen könnte.

00:20:52.250 --> 00:21:01.950
Der mediale Oberarm kann Innevationen aus den interkostalen Nerven 2 bis 4 haben,

00:21:02.710 --> 00:21:08.730
die mit einer klassischen Plexusblockade natürlich nicht erreicht werden,

00:21:08.790 --> 00:21:11.810
weil sie kein Bestandteil des Plexus brachialis sind.

00:21:13.170 --> 00:21:20.830
Da müsste man sogar noch weitergehen und auf die Überlappung der einzelnen Segmente eingehen.

00:21:20.930 --> 00:21:25.130
Das wissen wir ja auch seit über 100 Jahren, dass Segmente sich überlappen und

00:21:25.130 --> 00:21:30.330
die Grenzen zwischen C5, C6 oder C7, C8 nicht verlaufen wie die amerikanischen

00:21:30.330 --> 00:21:32.250
Bundesstaaten, sondern dass

00:21:32.250 --> 00:21:35.650
ein Segment durchaus immer Überlappungen mit einem anderen Segment macht.

00:21:36.390 --> 00:21:44.230
Und das macht es auch schwierig, in der Theorie einem Nerven ein dezidiertes Hautareal zuzuordnen.

00:21:44.330 --> 00:21:48.670
Das kann durchaus auch vom Nachbarnerv übernommen werden, aber das sind Dinge,

00:21:48.790 --> 00:21:52.690
über die wir in einer Extrafolge, denke ich mal, reden.

00:21:52.830 --> 00:21:56.930
Ich glaube, häufiger können wir es nicht betonen, wie viele Folgen wir noch vorhaben.

00:21:57.550 --> 00:22:02.010
Aber back to business, ich schlage vor, wir gehen jetzt einfach mal die Position

00:22:02.010 --> 00:22:08.590
durch und sagen was, wo, wofür. Okay, also die funktionell wichtige Position,

00:22:08.830 --> 00:22:10.750
gehen wir auf interscalenär.

00:22:11.130 --> 00:22:15.050
Was würdest du sagen hinsichtlich anatomischer Barrieren?

00:22:15.270 --> 00:22:17.910
Du hast gerade schon was gesagt, deswegen frage ich dich. Ja,

00:22:18.430 --> 00:22:24.050
gut, diese anatomischen Barrieren, außerdem in der Lücke vorhandenen Binde-

00:22:24.050 --> 00:22:28.910
und Fettgewebe, sind vor allem muskulär oder auch vaskuläre Strukturen,

00:22:29.090 --> 00:22:33.090
die die Ausbreitung des Lokalanästhetikums schlecht vorhersagbar machen.

00:22:33.510 --> 00:22:38.370
Das heißt, ich habe im Vorfeld, wenn ich da indiziere,

00:22:39.120 --> 00:22:43.780
eine fehlende Kontrolle über die Lokalanästhetikum-Ausbreitung.

00:22:43.920 --> 00:22:50.680
Ich kann einfach nicht vorhersagen, welche Zielstrukturen alle erreicht werden

00:22:50.680 --> 00:22:52.840
und welche nicht erreicht werden,

00:22:52.940 --> 00:22:59.140
weil das Lokalanästhetikum in diesem eng formierten Raum einfach Wege geht,

00:22:59.280 --> 00:23:01.120
die ich nicht vorhersagen kann.

00:23:01.320 --> 00:23:05.300
Zu den Komplikationsmöglichkeiten. Durch die Nähe der Injektion.

00:23:05.360 --> 00:23:10.100
Wir sind ganz dicht am Neuroforamen. Wir sind an wichtigen Gefäßen dran,

00:23:10.280 --> 00:23:13.220
wie zum Beispiel Vertebralarterie.

00:23:13.660 --> 00:23:18.500
Diese Komplikationen sind auch zahlreich berichtet in der entsprechenden Literatur.

00:23:19.160 --> 00:23:24.260
Und das müssen wir einfach kennen und wissen, dass wir diese Möglichkeit da oben haben.

00:23:24.460 --> 00:23:29.220
Von den Nebenwirkungen gar nicht zu reden, die regelhaft hier auftreten.

00:23:29.220 --> 00:23:34.240
Das hat einfach was mit der räumlichen Nähe zu anderen Nerven wie Phrenicus

00:23:34.240 --> 00:23:38.120
oder Reccurens oder auch dem Grenzstrang zu tun.

00:23:38.400 --> 00:23:41.780
Die treten hier oben eben einfach auf.

00:23:42.200 --> 00:23:48.460
Und wenn wir die Indikation nochmal hinterfragen, wann wird diese interscalenäre

00:23:48.460 --> 00:23:51.200
Blockade meist gemacht, bei Schulteroperationen.

00:23:51.880 --> 00:23:56.680
Dann bleibt zu diskutieren, ob das wirklich die bestgeeignete Position ist oder

00:23:56.680 --> 00:24:03.040
ob es da nicht eine Position gibt. die eine selbe Effektivität hat,

00:24:03.500 --> 00:24:06.160
aber deutlich weniger Nebenwirkungen.

00:24:06.300 --> 00:24:12.300
Grundsätzlich bleibt zu erwähnen, dass der mediale Oberarm mit dieser Technik

00:24:12.300 --> 00:24:16.180
nicht erreicht werden kann, weil, wie gesagt, die Nervi intercostobrachiales

00:24:18.210 --> 00:24:23.390
an der Bildung des Plexus primär nicht beteiligt sind.

00:24:23.610 --> 00:24:26.750
Springen wir gleich zur nächsten Station, Supraclakulär.

00:24:26.970 --> 00:24:31.430
Ich frage dich gleich nochmal, ich gehe genauso vor, anatomische Barrieren:

00:24:31.630 --> 00:24:36.250
siehst du da Probleme, so wie Interscalenär? Ja, da sind deutlich weniger vorhanden.

00:24:36.690 --> 00:24:43.030
Natürlich gibt es auch da Variationen, das sind hier in dem Fall vor allem vaskuläre,

00:24:43.210 --> 00:24:49.230
zum Beispiel der Verlauf der Arteria dorsale scapulae, die ist aber sonografisch

00:24:49.230 --> 00:24:52.910
hervorragend zu erkennen und auch mit einer Punktion zu umgehen.

00:24:53.330 --> 00:25:00.190
Wir haben damit eine deutliche bessere Kontrolle und Vorhersagbarkeit der Verteilung

00:25:00.190 --> 00:25:01.930
des Lokalanästhetikums.

00:25:02.030 --> 00:25:04.670
Was wäre an Komplikationsmöglichkeiten da?

00:25:04.930 --> 00:25:10.350
An Komplikationsmöglichkeiten durch die räumliche Nähe können Gefäße punktiert

00:25:10.350 --> 00:25:13.990
werden. Das sollte mit korrekter sonografischer Technik vermeidbar sein.

00:25:14.730 --> 00:25:21.090
Und das Risiko Pneumothorax, das kann man definitiv sagen, das besteht theoretisch.

00:25:21.450 --> 00:25:24.630
Aber bei korrekter Nadelführung ist das so gut wie ausgeschlossen.

00:25:25.390 --> 00:25:31.470
Bleibt wieder die Frage, was wird nicht erreicht? Nicht erreicht ist vergleichbar

00:25:31.470 --> 00:25:33.310
mit der interscalenären Position.

00:25:34.190 --> 00:25:39.010
Der mediale Oberarm, Stichwort ist wieder der Nervus interscostobrachialis.

00:25:39.010 --> 00:25:43.610
Und Anteile für die Rumpfwand, die in der Skalle näher erreicht werden,

00:25:44.430 --> 00:25:48.410
die bereits höher abgegangen sind, in der Position nicht mehr zu bekommen sind.

00:25:48.810 --> 00:25:52.410
Also Nervus dorsalis scapulae, thoracicus longus, wie gesagt,

00:25:52.590 --> 00:25:55.410
die brauchen wir nicht. Aber was bleibt jetzt als Indikation?

00:25:55.610 --> 00:26:01.510
Klar und deutlich, Operation an der Schulter, weil die relevanten Nerven des

00:26:01.510 --> 00:26:05.870
Plexus brachialis, nämlich der (N.) axillaris und der (N.) suprascapularis,

00:26:06.330 --> 00:26:08.490
hier erreicht werden und

00:26:09.510 --> 00:26:13.390
es ist auch eine hervorragende Technik für Operationen am Arm,

00:26:13.510 --> 00:26:15.350
vor allem am Oberarm. Okay.

00:26:16.130 --> 00:26:22.350
Rainer, wir springen schon nach infraclavikulär. Wie ist denn das dort mit mechanischen

00:26:22.350 --> 00:26:26.470
oder anatomischen Barrieren, die die Lokala

00:26:24.820 --> 00:26:27.090
nästhetika-Ausbreitung beeinflussen?

00:26:27.310 --> 00:26:30.730
Ja, das ist vergleichbar mit der supraklavikulären Position.

00:26:31.250 --> 00:26:35.650
Auch hier gibt es Gefäßvarianten, die das beeinflussen können.

00:26:35.770 --> 00:26:43.450
Auch die sind darstellbar. Hier ist es wichtig, die richtige infraclavikuläre Position zu wählen.

00:26:43.610 --> 00:26:46.210
Es sind zahlreiche Techniken berichtet.

00:26:46.470 --> 00:26:51.810
Es geht natürlich um die Position der Faszikel lateral der Arterie.

00:26:52.250 --> 00:26:56.650
Da sind sie oberflächennah, hervorragend darstellbar im Ultraschall.

00:26:56.650 --> 00:27:02.890
Und die Beobachtung der Verteilung des Lokalanästhetikums ist hier auch nahezu perfekt.

00:27:03.170 --> 00:27:05.830
Das heißt, es ist funktionell eine gute Position.

00:27:06.150 --> 00:27:11.130
Du sprichst mir aus der Seele, die klassische VIP-Position, die ich mit der

00:27:11.130 --> 00:27:13.690
Nervenstimulationstechnik gelernt habe.

00:27:13.950 --> 00:27:18.790
In der Folge zur infraclavikulären Blockade werden wir noch auf die Bezeichnung

00:27:18.790 --> 00:27:18.990
mit

00:27:19.000 --> 00:27:23.490
costoclavikular-Block, transpectoral noch eingehen, ne?

00:27:24.310 --> 00:27:30.690
Noch wichtig, was wird infraclavikulär nicht erreicht? Nicht erreicht, bleibt wieder dabei, der

00:27:30.690 --> 00:27:35.930
mediale Oberarm ist wieder der übliche Verdächtige, der Nervus intercostobrachialis.

00:27:36.030 --> 00:27:39.590
Was natürlich nicht mehr erreicht wird, sind die hohen Abgänge für die Rumpfwand.

00:27:40.130 --> 00:27:45.510
Und, das ist der wichtige Unterschied zur supraclavikulären Blockade,

00:27:45.690 --> 00:27:47.930
die Schulter wird nicht mehr komplett abgedeckt.

00:27:47.930 --> 00:27:55.510
Weil nämlich der Nervus suprascapularis oberhalb der Clavikula aus den Divisions-

00:27:55.510 --> 00:28:02.230
oder Trunci abgeht und unten auf Faszikelhöhe nicht mehr erreicht wird.

00:28:02.470 --> 00:28:08.050
Also bleibt dann Indikation hier in dem Fall Operation an Arm und Hand und der

00:28:08.050 --> 00:28:11.950
Unterschied zum Beispiel zur Blockade auf axillärer Ebene ist,

00:28:12.150 --> 00:28:16.310
dass hier der Nervus axillaris infraclavikulär regelhaft mit erreicht wird.

00:28:16.310 --> 00:28:20.890
Den wir für Operationen an Hand, Unterarm und Ellbogen aber nicht benötigen.

00:28:21.010 --> 00:28:23.350
So ist es. Dann springen wir gleich nach axillär.

00:28:23.570 --> 00:28:28.030
Wie sieht das da mit der Lokalanästhetika-Verteilung aus? Kann ich die kontrollieren?

00:28:28.450 --> 00:28:34.810
Die ist kontrollierbar, weil die axilläre Position, also die sogenannte axilläre

00:28:34.810 --> 00:28:38.750
Position, ist sonographisch hervorragend zugänglich.

00:28:38.750 --> 00:28:45.910
Wir sehen in dieser Position bereits, dass es eine Einzelnervenblockade gibt.

00:28:46.090 --> 00:28:50.690
Alle relevanten Nerven, die hier verlaufen, sind einzeln darstellbar.

00:28:51.190 --> 00:28:57.530
Die verlaufen in ihren eigenen Faszientunneln. Es ist also keine klassische

00:28:57.530 --> 00:28:59.450
Plexusblockade mehr, es ist eine

00:28:59.450 --> 00:29:05.090
Einzelnervenblockade, bei der jeder Nerv einzeln blockiert werden muss.

00:29:05.090 --> 00:29:09.450
Ausnahme sind vielleicht die zwei kleinen Hautnerven, die manchmal miterreicht

00:29:09.450 --> 00:29:14.870
werden, aber die großen, Nervus radialis oder Nervus medianus,

00:29:14.910 --> 00:29:18.170
die müssen als Einzelnervenblockade durchgeführt werden.

00:29:18.370 --> 00:29:26.790
Es ist super zu sehen, die Ausbreitung des Lokalanästhetikums um die Nerven, sprich die Verteilung.

00:29:27.630 --> 00:29:31.530
Hervorragend zu beurteilen und jetzt kommt eine Besonderheit dazu.

00:29:31.790 --> 00:29:35.070
Mit einer kleinen Modifikation der Technik

00:29:35.070 --> 00:29:40.150
kann sehr einfach der Nervus intercostobrachialis mit erreicht werden,

00:29:40.350 --> 00:29:46.030
im Gegensatz zu allen anderen Positionen und mit einer etwas raffinierteren

00:29:46.030 --> 00:29:54.310
Technik könnte von vorne sogar der Nervus axillaris vor Eintritt ins Gelenk erreicht werden,

00:29:54.450 --> 00:29:56.910
was von posterior nicht mehr möglich ist.

00:29:56.910 --> 00:30:02.150
Somit hat die axilläre Position eine Schlüsselstellung ein. So ist das.

00:30:02.330 --> 00:30:09.430
Die axilläre Position ist sicherlich für Operationen an Arm und Hand die Schlüsselstelle.

00:30:09.670 --> 00:30:11.530
Und zwar aus verschiedenen Gründen.

00:30:12.670 --> 00:30:17.530
Nebenwirkungen sind unwahrscheinlich, können höchstens bedingt sein durch die Lokalanästhetika.

00:30:19.870 --> 00:30:25.390
Komplikationsmöglichkeiten wie intravassale Injektionen, die sollte man unter

00:30:25.390 --> 00:30:26.890
Ultraschall sicher vermeiden.

00:30:26.910 --> 00:30:29.990
Können so dass die Blockade von allen

00:30:29.990 --> 00:30:34.110
sicherlich das niedrigste Risikoprofil

00:30:34.110 --> 00:30:41.230
hat aber wie gesagt nicht alles abdeckt was beispielsweise die supraclavikuläre

00:30:41.230 --> 00:30:50.850
Blockade abdeckt. Also eigentlich sind beide Blockaden für das Spektrum Regionalanästhesiean

00:30:50.850 --> 00:30:54.070
arm und Schulter erforderlich. Die muss man kennen.

00:30:55.070 --> 00:31:00.370
Interessanterweise, Rainer, mir ist das gerade aufgefallen, während wir den Podcast aufnehmen.

00:31:00.770 --> 00:31:06.350
Das ist, glaube ich, der erste Podcast, wo für mein Dafürhalten noch nicht genug

00:31:06.350 --> 00:31:09.470
Megahertz drin ist, sprich Ultraschallbilder.

00:31:10.630 --> 00:31:16.970
Aber alle Positionen, die wir aufgezählt haben, lassen sich ja durchaus hervorragend

00:31:16.970 --> 00:31:18.030
sonografisch darstellen.

00:31:18.330 --> 00:31:23.030
Ich packe die Bilder auf die Webseite. Wir können ja ein paar Aufnahmen anfertigen hier im Studio.

00:31:23.030 --> 00:31:30.030
Und du, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, findest in den Shownotes im Podcast-Player

00:31:30.030 --> 00:31:33.610
deiner Wahl den Link zu Radiomegahertz und zu dieser Folge.

00:31:34.250 --> 00:31:38.510
Okay, also zusammengefasst, Rainer, können wir es mal herunterbrechen.

00:31:38.850 --> 00:31:45.790
In keiner der genannten Positionen wird eine Blockade des gesamten Armes erzielt.

00:31:46.210 --> 00:31:50.790
Rainer, wir haben uns jetzt zu den Positionen geäußert, was wir noch nicht in

00:31:50.790 --> 00:31:56.570
der Tiefe, im Detail und ausführlich besprochen haben, ist die Problematik überlappender

00:31:56.570 --> 00:31:59.610
Innervationsgebiete, zum Beispiel für Operationen an der Hand,

00:32:00.570 --> 00:32:05.650
wir haben die notwendige oder essenzielle Unterscheidung von Dermatom,

00:32:05.730 --> 00:32:07.750
Myotom und Sklerotom angesprochen,

00:32:08.070 --> 00:32:13.170
auch dort sind Vertiefungen erforderlich. Und wir möchten uns natürlich auch

00:32:13.170 --> 00:32:17.490
zu den einzelnen und dezidierten Punktionstechniken äußern.

00:32:17.770 --> 00:32:24.150
Wir haben aber jetzt beschlossen, hier geht es um die Übersicht des Plexus brachialis.

00:32:24.150 --> 00:32:30.990
Ja gut, man muss für die Planung der richtigen Technik natürlich mit diesen

00:32:30.990 --> 00:32:34.590
anatomischen Grundvoraussetzungen vertraut sein.

00:32:34.990 --> 00:32:44.310
Man muss wirklich die Innovationsgebiete auch in ihrer Variabilität im Operationsgebiet

00:32:44.310 --> 00:32:45.690
hier in Arm und Schulter kennen.

00:32:45.690 --> 00:32:54.770
Man muss wissen, dass die Haut des Schulterdachs nicht vom Plexus brachialis innerviert wird,

00:32:55.070 --> 00:33:01.230
was nicht ausgeschlossen ist und sogar sehr wahrscheinlich, dass in der Vergangenheit

00:33:01.230 --> 00:33:07.750
mit sehr hohen Volumina und allen möglichen Nebenwirkungen, die da aufgetreten sind.

00:33:08.630 --> 00:33:13.870
So Volumina von 15 Milliliter oder mehr bis zu 40 Milliliter,

00:33:14.410 --> 00:33:18.490
die Nervi supraclaviculares durch eine kraniale Ausbreitung natürlich mit erreicht

00:33:18.490 --> 00:33:20.190
werden können, aber zu einem hohen Preis.

00:33:20.550 --> 00:33:28.730
Man muss wissen, dass der mediale Oberarm von Intercostalnerven mit versorgt wird.

00:33:28.910 --> 00:33:36.530
Und wenn man diese Techniken mit dem entsprechenden anatomischen Grundlagenwissen paart,

00:33:36.530 --> 00:33:42.530
dann kann man auch zielgerichtet die komplette obere Extremität zuverlässig

00:33:42.530 --> 00:33:48.690
mit einer manchmal kombinierten Technik komplett anästhesieren.

00:33:49.780 --> 00:33:55.660
Liebe Hörerinnen, lieber Hörer, jetzt stell dir vor, du wärst auf einer einsamen

00:33:55.660 --> 00:34:00.180
Insel und du dürftest nur zwei Plexus-Brachialis-Blockaden mitnehmen.

00:34:00.920 --> 00:34:04.440
Was würdest du machen? Überleg einmal kurz.

00:34:05.760 --> 00:34:10.000
Rainer, pass mal auf, ich habe gesagt zwei, du sagst eine und ich sage eine,

00:34:10.180 --> 00:34:13.220
oder? Was hältst du davon? Das können wir machen. Okay, welche nimmst du mit?

00:34:14.160 --> 00:34:19.180
Die Axxiläre. Okay, dann nehme ich die Supraclavikuläre und ich glaube,

00:34:19.300 --> 00:34:22.160
dann würden wir uns beide top ergänzen, oder?

00:34:22.440 --> 00:34:25.760
Ich hätte gut die Schulter abgedeckt und du die Oberarm-Innenseite.

00:34:25.980 --> 00:34:32.180
Ja, und wie du mit deinem supraclavikulären-Block auch noch mit einer Punktion

00:34:32.180 --> 00:34:37.360
die Nervi supraclavikulares mitnehmen kannst.

00:34:37.580 --> 00:34:40.440
Ich denke, das verrätst du im nächsten Podcast.

00:34:41.800 --> 00:34:45.240
Lieber Rainer, es hat mir viel, viel Spaß gemacht. Du

00:34:45.240 --> 00:34:49.060
bekommst noch das übliche Geschenk Ein Radiomegaherz

00:34:49.060 --> 00:34:51.760
T-Shirt Aber weil ich nicht sicher bin Ob du

00:34:51.760 --> 00:34:58.460
das tragen wirst aber noch 600 Kilometer fahren musst, gibt es für dich Als Rockgitarristen

00:34:58.460 --> 00:35:05.720
das neue Album von Kenny Wayne Shepard "Dirt on my Diamonds Volume 2", ich wünsche

00:35:05.720 --> 00:35:10.780
dir eine gute Heimfahrt Und nochmals ganz vielen Dank Bis bald Herzlichen Dank auch, Tschüss.