WEBVTT

00:00:00.820 --> 00:00:06.120
<v Tim>Moin! Periphere Nervenblockaden oberhalb der Klavikula.

00:00:06.400 --> 00:00:14.980
<v Tim>Das ist bereits Episode 4 einer Serie über die Anatomie und Blockaden des Plexus Brachialis.

00:00:19.880 --> 00:00:28.160
<v Tim>Du hörst Radiomegahertz, dein Ultraschallsender über die Sonografie in der Anästhesie.

00:00:30.120 --> 00:00:37.340
<v Tim>Mein Name ist Tim Mäcken, zu Gast ist Rainer Litz und zusammen nennt man uns

00:00:37.340 --> 00:00:39.400
<v Tim>USRA Medical Education.

00:00:40.740 --> 00:00:47.100
<v Tim>Unser Schwerpunkt heute wird die interskalenäre Region des Plexus brachiales sein.

00:00:47.340 --> 00:00:53.780
<v Tim>Der klinische Topic ist somit die Schulterschirurgie. Auch zu diesem Podcast

00:00:53.780 --> 00:01:01.620
<v Tim>gibt es einen begleitenden Blog-Beitrag mit Abbildungen und anatomischen Erläuterungen.

00:01:02.320 --> 00:01:08.960
<v Tim>Den Link dazu findest du in den Shownotes oder du gehst direkt auf radiomegahertz.de.

00:01:09.520 --> 00:01:14.220
<v Tim>Lieber Rainer, herzlich willkommen im Studio-Megaherz. Willkommen in Bochum.

00:01:14.420 --> 00:01:16.140
<v Rainer>Ja, moin Tim. Sehr gerne.

00:01:16.440 --> 00:01:19.400
<v Tim>Du, ich freue mich, dass du wieder den Weg hierhin gefunden hast.

00:01:19.400 --> 00:01:22.520
<v Tim>So langsam könntest du dich ja schon fast heimisch fühlen.

00:01:22.860 --> 00:01:24.100
<v Rainer>Das stimmt wohl.

00:01:24.660 --> 00:01:31.440
<v Tim>Du, das ist jetzt die vierte Folge, glaube ich, die wir zusammen hier bestreiten.

00:01:31.920 --> 00:01:36.120
<v Tim>Und wie erwähnt, Schwerpunkt ist jetzt die Interskalenäre Region.

00:01:36.620 --> 00:01:42.400
<v Tim>Das ist ja eine Blockadehöhe, die regelmäßig durchgeführt wird.

00:01:42.760 --> 00:01:49.180
<v Tim>Interskalenäre Plexus Brachialis Blockaden. Und darüber möchte ich mit dir sprechen, denn...

00:01:50.200 --> 00:01:57.060
<v Tim>Die ist nicht ganz unumstritten. Da gibt es durchaus Punkte von Kolleginnen

00:01:57.060 --> 00:02:02.540
<v Tim>und Kollegen, die sagen, klappt immer bis, ah, da habe ich Nebenwirkungen. Wie siehst du das?

00:02:03.460 --> 00:02:08.780
<v Rainer>Ja, Tim, da sprichst du mir wirklich aus der Seele.

00:02:10.140 --> 00:02:14.580
<v Rainer>Die interskalinäre Blockade kenne ich ja seit Jahrzehnten.

00:02:15.480 --> 00:02:20.760
<v Rainer>Die habe ich als Arzt in Weiterbildung noch mit Landmarken- bzw.

00:02:21.860 --> 00:02:26.320
<v Rainer>Stimulationstechnik erlernt. Und das ist eine Blockade, zu der ich bis heute

00:02:26.320 --> 00:02:31.300
<v Rainer>trotz Ultraschall ein ambivalentes Verhältnis habe.

00:02:31.700 --> 00:02:35.960
<v Rainer>Die eine Frage, die wir ja immer haben, wenn wir durchführen,

00:02:36.280 --> 00:02:39.040
<v Rainer>wirkt die Blockade, ist sie ausreichend?

00:02:39.840 --> 00:02:44.360
<v Rainer>Und der zweite Topic, der interessiert, vor allem wenn man eine Abteilung oder

00:02:44.360 --> 00:02:49.080
<v Rainer>eine Klinik leitet, wie sieht es denn mit Komplikationen, Nebenwirkungen und Ähnlichem aus?

00:02:49.480 --> 00:02:54.880
<v Rainer>Und das ist ja ein Thema, das gerade für den Chefarzt oder leitenden Oberarzt

00:02:54.880 --> 00:02:58.120
<v Rainer>durchaus ein Thema ist, wenn solche Sachen regelhaft auftreten.

00:02:58.560 --> 00:03:04.400
<v Rainer>Und bei der interskalinären Blockade ist es einfach so, dass die Wirkung,

00:03:04.540 --> 00:03:08.840
<v Rainer>wie du schon gesagt hast, kontrovers beschrieben wird. Ist sie ausreichend,

00:03:08.880 --> 00:03:09.900
<v Rainer>ist sie nicht ausreichend?

00:03:10.040 --> 00:03:14.800
<v Rainer>Aber Nebenwirkungen sind nahezu nicht auszuschließen.

00:03:15.080 --> 00:03:18.200
<v Rainer>Im Gegensatz zu anderen Blockaden treten die immer auf.

00:03:18.620 --> 00:03:24.100
<v Rainer>Und warum das so ist, das versteht man eigentlich nur, wenn man sich wirklich

00:03:24.100 --> 00:03:30.920
<v Rainer>mit der Anatomie des Plexus Brachialis und speziell in der Skalenuslücke auseinandersetzt.

00:03:32.400 --> 00:03:40.160
<v Tim>Häufig sind also Nebenwirkungen der Lokalanästhetika in einem anatomisch eng begrenzten Raum.

00:03:40.600 --> 00:03:46.180
<v Tim>Über die Komplikationen oder mechanische Komplikationen werden wir in wenigen

00:03:46.180 --> 00:03:48.080
<v Tim>Minuten getrennt sprechen.

00:03:49.350 --> 00:03:54.850
<v Tim>Die unterschiedlichen Aussagen über die Effektivität der Blockade könnten aber auch daher rühren,

00:03:55.030 --> 00:04:01.790
<v Tim>dass nicht exakt getrennt wird, ob wach operiert wird oder ob die Interskalinäre

00:04:01.790 --> 00:04:06.790
<v Tim>Plexus Brachialis Blockade als analgetisches Verfahren verwendet wird.

00:04:07.090 --> 00:04:13.190
<v Rainer>Ja Tim, das ist völlig richtig. Das ist eine Frage, die grundsätzlich vor jeder

00:04:13.190 --> 00:04:17.490
<v Rainer>Planung eines Regionalanästhesivverfahrens zu stellen ist.

00:04:18.410 --> 00:04:23.570
<v Rainer>Welche Operation wird genau durchgeführt, sprich, wie ist die genaue Operationstechnik,

00:04:23.710 --> 00:04:26.330
<v Rainer>welche Ausdehnung hat das Operationsgebiet.

00:04:26.570 --> 00:04:32.490
<v Rainer>Und dann muss natürlich geprüft werden, wie die nervale Versorgung genau in

00:04:32.490 --> 00:04:37.730
<v Rainer>diesem Gebiet stattfindet, inklusive Einbeziehung von möglichen Variationen.

00:04:38.110 --> 00:04:43.390
<v Rainer>Schauen wir auf die Schulter, also sprich das Schultergelenk.

00:04:43.390 --> 00:04:50.850
<v Rainer>Dann haben wir hier die nervale Versorgung durch den Plexus brachialis.

00:04:51.170 --> 00:04:57.150
<v Rainer>Nehmen wir aber die darüber liegende Haut, das Hautareal des Schulterdachs,

00:04:57.410 --> 00:05:02.970
<v Rainer>dann sehen wir, dass hier die Innervation eben von weiter Kranial kommt,

00:05:03.230 --> 00:05:09.410
<v Rainer>nämlich von Anteilen aus dem Plexus cervicalis, sprich die Nervi supraclaviculares,

00:05:09.410 --> 00:05:14.230
<v Rainer>die sowohl Klavikula als auch die Haut über dem Schulterdach versorgen.

00:05:14.570 --> 00:05:19.810
<v Rainer>Möchte ich wach operieren, muss ich diese Nerven natürlich mit blockiert haben.

00:05:20.050 --> 00:05:25.250
<v Rainer>Wenn ich es als additives Verfahren nutze, auch im postoperativen Verlauf,

00:05:25.750 --> 00:05:28.610
<v Rainer>dann spielt die Hautinnevation nicht die dominante Rolle.

00:05:29.010 --> 00:05:35.330
<v Rainer>Dann muss ich diese Nerven nicht zwingend intra- und postoperativ mit betäubt haben.

00:05:35.330 --> 00:05:39.050
<v Tim>Sprich Hautschnitt, Plexus cervicalis bzw.

00:05:39.630 --> 00:05:44.150
<v Tim>Die kaudalen Anteile von Plexus cervicalis mit den Nervi supraclavicularis.

00:05:44.930 --> 00:05:51.330
<v Tim>Und Schmerzen, die beim Schnitt durch die Muskulatur oder in die Kapsel,

00:05:51.410 --> 00:05:56.690
<v Tim>Schulterkapsel oder im Falle, wenn der proximale Humerus beteiligt ist, in den Knochen.

00:05:56.690 --> 00:06:01.990
<v Rainer>Ja, ganz genau. Das ist ja auch was, da muss ich mich selber gar nicht rausnehmen,

00:06:02.090 --> 00:06:06.370
<v Rainer>was ich über viele Jahre als junger Arzt gar nicht berücksichtigt hatte und

00:06:06.370 --> 00:06:12.910
<v Rainer>immer in Pin-Prick oder mit Kältetest das Hautareal untersucht hatte und dann

00:06:12.910 --> 00:06:16.570
<v Rainer>Rückschlüsse auf den tieferen Situs gezogen hatte, was wir wissen,

00:06:16.710 --> 00:06:20.110
<v Rainer>vor allem im Bereich des Plexus brachialis überhaupt nicht funktioniert,

00:06:20.510 --> 00:06:24.050
<v Rainer>da diese Innovationsgebiete nicht deckungsgleich sind.

00:06:24.050 --> 00:06:29.290
<v Rainer>Der Knochen hat eine ganz andere Versorgung als das darüber liegende Hautareal

00:06:29.290 --> 00:06:31.490
<v Rainer>und dasselbe gilt für die Muskulatur dazwischen.

00:06:32.090 --> 00:06:36.430
<v Rainer>Es sind also bei der Planung eines jeglichen Regionalanästhesivverfahrens immer

00:06:36.430 --> 00:06:42.490
<v Rainer>für den Hautschnitt die Dermatome und für die OP per se dann die darunterliegenden

00:06:42.490 --> 00:06:44.930
<v Rainer>Myotome oder Sklerotome,

00:06:45.210 --> 00:06:48.710
<v Rainer>also die Innovation des Knochens, mit zu berücksichtigen.

00:06:49.090 --> 00:06:50.730
<v Rainer>Und die sind nicht identisch.

00:06:50.730 --> 00:06:53.910
<v Tim>Gut, dann lasst uns mal bei den Sklerotomen bleiben.

00:06:54.710 --> 00:07:00.250
<v Tim>Also knöcherne Strukturen wären sicherlich Acromion, die Clavacula,

00:07:00.850 --> 00:07:04.690
<v Tim>die wird auch unterschiedlich versorgt, medial und das laterale Ende.

00:07:05.030 --> 00:07:10.690
<v Tim>Und dann könnte man noch überlegen, je nach OP, was der Humerus-Kopf dabei ist

00:07:10.690 --> 00:07:12.430
<v Tim>und natürlich die Skapula.

00:07:12.830 --> 00:07:14.310
<v Tim>Welche Nerven kommen da in Frage?

00:07:14.310 --> 00:07:18.870
<v Rainer>Ja, das ist richtig. Das sind die Nerven, die hier sicher eine Rolle spielen,

00:07:19.030 --> 00:07:26.630
<v Rainer>sind der Nervus suprascapularis für das Schultergelenk wie auch der Nervus axillaris.

00:07:27.300 --> 00:07:31.660
<v Rainer>Es gibt jetzt verschiedene Darstellungen, auch in unterschiedlichen Publikationen,

00:07:31.800 --> 00:07:34.100
<v Rainer>die noch andere Nerven mit einbeziehen.

00:07:34.340 --> 00:07:40.840
<v Rainer>Das ist im Einzelfall wahrscheinlich möglich, aber nicht sonderlich gut belegt

00:07:40.840 --> 00:07:43.200
<v Rainer>in der anatomischen Literatur.

00:07:43.620 --> 00:07:48.120
<v Rainer>Also da werden immer wieder erwähnt die Nervi pectorales, vor allem laterales,

00:07:48.360 --> 00:07:50.200
<v Rainer>die da eine Rolle spielen sollen.

00:07:50.560 --> 00:07:53.700
<v Rainer>Ich selber habe es in anatomischen Präparaten noch nie gesehen.

00:07:53.700 --> 00:07:59.300
<v Rainer>Wen man noch mitbetäuben sollte, wäre der Nervus Supra, Entschuldigung,

00:07:59.420 --> 00:08:01.120
<v Rainer>der Nervus subscapularis.

00:08:01.620 --> 00:08:05.140
<v Tim>Versorgt den Musculus subscapularis, den gleichnamigen?

00:08:05.320 --> 00:08:09.580
<v Rainer>Genau. Und an der Rotatorenmanschette haben wir den Musculus supraspinatus,

00:08:09.800 --> 00:08:14.640
<v Rainer>der vom Nervus suprascapularis versorgt wird, ebenso wie der Musculus Infraspinatus.

00:08:15.120 --> 00:08:18.840
<v Rainer>Der Musculus teres major, äh minor, der da auch eine Rolle spielt,

00:08:18.960 --> 00:08:23.700
<v Rainer>wird vom Nervus axillaris versorgt. Und damit haben wir die entscheidenden Nerven

00:08:23.700 --> 00:08:26.840
<v Rainer>für das Schultergelenk schon erwähnt.

00:08:27.020 --> 00:08:36.860
<v Rainer>Und diese Nerven haben ihren Ursprung bei C5 und C6, bevor C5 und C6 den Truncus superior bilden.

00:08:37.000 --> 00:08:41.460
<v Rainer>Wir haben also hier in der Situation bereits zwei Möglichkeiten,

00:08:41.700 --> 00:08:44.560
<v Rainer>wie wir diese Nerven zuverlässig erreichen können.

00:08:44.560 --> 00:08:50.520
<v Rainer>Und daraus leitet sich ab, dass traditionell natürlich interskalenär,

00:08:50.680 --> 00:08:57.240
<v Rainer>wo wir die Rami ventrales von C5, C6 und auch C7 finden, gelegentlich auch die

00:08:57.240 --> 00:08:59.360
<v Rainer>weiter kaudal gelegeneren Nerven,

00:09:00.120 --> 00:09:03.740
<v Rainer>daraus erklärt sich dieser interskalenäre Zugang.

00:09:03.740 --> 00:09:09.560
<v Tim>Rainer, die Muskeln, die du gerade genannt hast, also die Musculi subscapularis,

00:09:09.740 --> 00:09:16.440
<v Tim>supraspinatus, infraspinatus und teres minor, sind klassischerweise die Muskelgruppe

00:09:16.440 --> 00:09:17.580
<v Tim>der Rotatorenmanschette.

00:09:17.820 --> 00:09:24.480
<v Tim>Zur Rotatorenmanschette gehört aber auch die Capsula articularis und auch die

00:09:24.480 --> 00:09:30.540
<v Tim>wird vom Nervus axillaris und den Nervus supraspularis innerviert.

00:09:30.540 --> 00:09:33.660
<v Tim>Also Wiederholung, liebe Hörerinnen, liebe Hörer,

00:09:34.040 --> 00:09:41.080
<v Tim>die Bildung von den Rami Ventralis C5 und C6 zum Trunkus Superior bilden muskulär

00:09:41.080 --> 00:09:47.560
<v Tim>alles Relevante ab, was für eine Rotatorenmanschettenoperation erforderlich ist.

00:09:47.560 --> 00:09:52.700
<v Tim>Ich möchte an dieser Stelle ganz kurz auf die Episode 1 der zweiten Staffel verweisen,

00:09:53.020 --> 00:09:58.880
<v Tim>dort wo es um die Indikationen und die Anatomie des Plexus brachialis insgesamt

00:09:58.880 --> 00:10:05.360
<v Tim>geht, um dir die Möglichkeit geben zu können, dass du deine anatomischen Kenntnisse

00:10:05.360 --> 00:10:06.900
<v Tim>noch einmal auffrischt.

00:10:07.500 --> 00:10:12.740
<v Tim>Okay, dann möchte ich noch einmal zurück zu den möglichen Komplikationen gehen,

00:10:12.980 --> 00:10:15.960
<v Tim>die in der interskalenären Region auftreten können.

00:10:16.420 --> 00:10:23.240
<v Tim>Zum einen sind da die Nebenwirkungen, die durch Lokalanästhetika verursacht werden.

00:10:23.860 --> 00:10:28.120
<v Tim>Rainer, die typischen Komplikationen sind vermutlich was?

00:10:28.120 --> 00:10:33.560
<v Rainer>Nebenwirkungen, die bei interskalenären Blockaden regelhaft auftreten,

00:10:33.680 --> 00:10:40.020
<v Rainer>sind in erster Linie die Nervus phrenicus-Beteiligung, die bei klinisch unauffälligen,

00:10:40.460 --> 00:10:46.920
<v Rainer>gesunden Patienten in aller Regel folgenlos bleibt und sich nach wenigen Stunden zurückbildet.

00:10:47.120 --> 00:10:51.740
<v Rainer>Das mag aber ganz anders sein bei Patienten mit erheblicher kardiopulmonaler

00:10:51.740 --> 00:10:56.560
<v Rainer>Einschränkung, vor allem bei pulmonalen Vorerkrankungen, da kann diese Nebenwirkung

00:10:56.560 --> 00:10:57.980
<v Rainer>durchaus relevant werden.

00:10:58.120 --> 00:11:03.820
<v Rainer>Weitere Nebenwirkungen, die wir haben, klassischerweise galt ja früher auch

00:11:03.820 --> 00:11:08.120
<v Rainer>als Zeichen für die korrekt durchgeführte Blockade,

00:11:08.240 --> 00:11:11.920
<v Rainer>war das Horner-Syndrom als Zeichen der

00:11:11.920 --> 00:11:16.260
<v Rainer>sympathischen Blockade oder die Nervus recurrens-Parese mit Heiserkeit.

00:11:16.990 --> 00:11:23.130
<v Rainer>Die sind zu werten als Nebenwirkungen der Lokalanästhetika.

00:11:23.250 --> 00:11:25.730
<v Rainer>Schauen wir uns das genau an, warum das passiert.

00:11:26.290 --> 00:11:30.650
<v Tim>Horner-Syndrom, ganz kurz, Miosis, Ptosis, Enophtalmus.

00:11:31.530 --> 00:11:36.510
<v Tim>Wollen wir damit anfangen, wie das entsteht? Wo muss das Lokalanästhetikum hin,

00:11:36.790 --> 00:11:40.950
<v Tim>damit die Patientin ein Horner-Syndrom entwickelt?

00:11:40.950 --> 00:11:47.130
<v Rainer>Medial des Musculus scalenus anterior finden wir den Musculus longus colli bzw.

00:11:47.690 --> 00:11:54.570
<v Rainer>Longus capitis und auf diesen Muskeln verläuft der Grenzstrang im Halsbereich.

00:11:54.570 --> 00:12:01.390
<v Rainer>Das heißt, eine Ausbreitung des Lokalanästhetikums nach medial führt regelhaft

00:12:01.390 --> 00:12:02.670
<v Rainer>zu einem Horner-Syndrom.

00:12:03.050 --> 00:12:09.110
<v Rainer>Und wenn das Lokalanästhetikum an dieser Stelle sogar noch sich weiter ausbreitet

00:12:09.110 --> 00:12:13.490
<v Rainer>Richtung Danger-Space, dann tritt noch die Nervus recurrenz-Parese auf.

00:12:13.910 --> 00:12:20.210
<v Rainer>Das sind Dinge, die sind in aller Regel harmlos, aber für den Patienten extrem störend. Richtig.

00:12:20.390 --> 00:12:26.050
<v Tim>Das, was der Arzt als harmlos ansieht, weil keine schwere Komplikation entstanden

00:12:26.050 --> 00:12:30.210
<v Tim>ist, mag ein Patient als entgegengesetzt empfinden.

00:12:30.390 --> 00:12:34.990
<v Rainer>So ist das. Und vor allem auch die Nervus phrenicus Parese, die merkt der eine

00:12:34.990 --> 00:12:38.610
<v Rainer>oder andere Patient eben doch, selbst im Aufwachraum.

00:12:38.830 --> 00:12:42.470
<v Rainer>Was man auch leicht erkennen kann, wenn man die Patienten mit Schulteroperationen

00:12:42.470 --> 00:12:47.490
<v Rainer>dann mit hoch aufgerichtetem Oberkörper im Aufwachraum sieht.

00:12:47.490 --> 00:12:52.590
<v Tim>Gehe ich durch die Literatur, finde ich viele Artikel, die beschreiben,

00:12:52.710 --> 00:12:55.570
<v Tim>wie man eine Nervus-Phrenicus-Parese vermeiden kann.

00:12:55.750 --> 00:13:00.110
<v Tim>Wir wissen beide, es geht nicht immer, aber ich würde trotzdem nochmal gerne

00:13:00.110 --> 00:13:01.570
<v Tim>hier einen Fokus drauf legen.

00:13:02.270 --> 00:13:07.150
<v Tim>Wir haben gesagt, ein kleiner Raum, ganz kurz dazu, wie verläuft der Phrenicus,

00:13:07.250 --> 00:13:09.270
<v Tim>das ist nämlich wichtig für das Verständnis.

00:13:09.270 --> 00:13:14.270
<v Rainer>Der guter Vrenikus, der wird gebildet schwerpunktmäßig aus C4,

00:13:14.410 --> 00:13:21.070
<v Rainer>kann Anteile von C3 und C5 dabei haben und verläuft in demselben Raum wie die

00:13:21.070 --> 00:13:26.710
<v Rainer>Rami ventralis des Plexus brachialis auf der Oberfläche,

00:13:26.890 --> 00:13:32.010
<v Rainer>sprich dem ventralen Rand des Musculus scalenus anterior Richtung Mediastinum.

00:13:32.270 --> 00:13:34.870
<v Rainer>Er ist wie die Anteile des Plexus

00:13:34.870 --> 00:13:38.390
<v Rainer>brachialis überlagert von der Fascia praevertebralis.

00:13:38.870 --> 00:13:42.330
<v Rainer>Es ist also de facto derselbe Raum.

00:13:42.830 --> 00:13:48.810
<v Rainer>Man kann den Nervus phrenicus jetzt bei Injektionen bei C5 oder C6 einfach durch

00:13:48.810 --> 00:13:51.670
<v Rainer>eine ventromediale Ausbreitung erreichen,

00:13:51.970 --> 00:13:57.850
<v Rainer>die logischerweise in dieser Lücke stattfinden muss, oder auch durch kraniale

00:13:57.850 --> 00:14:01.130
<v Rainer>Ausbreitung Richtung C4. Es ist beides möglich.

00:14:01.390 --> 00:14:06.710
<v Rainer>De facto ist es so, dass eine Nervus phrenicus-Parese bei einer interskalenären

00:14:06.710 --> 00:14:08.690
<v Rainer>Blockade nicht vermeidbar ist,

00:14:09.310 --> 00:14:14.650
<v Rainer>Eine Nervus-Phrenicus-Parese heißt aber nicht automatisch Ateminsuffizienz.

00:14:14.850 --> 00:14:16.250
<v Tim>Bam, da hast du es.

00:14:16.410 --> 00:14:20.410
<v Rainer>Und das erklärt auch diese völlig kontroversen Studienergebnisse.

00:14:20.610 --> 00:14:25.730
<v Rainer>Wenn ich die Zwergfellbeweglichkeit untersuche, dann kann ich selbstverständlich

00:14:25.730 --> 00:14:29.090
<v Rainer>sagen, das ist klinisch relevant oder es ist nicht relevant.

00:14:29.370 --> 00:14:34.270
<v Rainer>Die Aussage, ich habe den Nervus phrenicus mit der interskalenären Blockade nicht

00:14:34.270 --> 00:14:39.170
<v Rainer>erreicht, ist nicht zulässig, weil die Innervation des Zwerchfells durchaus ein

00:14:39.170 --> 00:14:42.290
<v Rainer>bisschen komplizierter ist, als manchmal angenommen wird.

00:14:42.470 --> 00:14:50.090
<v Rainer>Es bleibt dabei, es ist schwer vorhersehbar, wie Patienten auf eine Phrenicus-Parese reagieren.

00:14:50.270 --> 00:14:53.310
<v Rainer>Und es gibt durchaus auch Fälle, die habe ich auch selbst schon erlebt,

00:14:53.690 --> 00:14:58.230
<v Rainer>dass junge, gesunde Leute unter der Phrenicus-Parese im Aufwachraum extrem leiden.

00:14:58.590 --> 00:15:02.210
<v Rainer>Und mir sind selber zwei, drei Fälle aus den letzten Jahren bekannt,

00:15:02.210 --> 00:15:08.610
<v Rainer>wo diese Situation eigentlich nur durch eine tiefe Sedierung oder auch eine

00:15:08.610 --> 00:15:10.050
<v Rainer>oberflächliche Narkose,

00:15:10.190 --> 00:15:14.910
<v Rainer>sprich Larynxmaske für Stunden zu beheben war. Das ist selten, es kommt aber vor.

00:15:15.070 --> 00:15:18.190
<v Tim>Das ist ein extrem wichtiger Hinweis, Rainer,

00:15:18.710 --> 00:15:23.110
<v Tim>denn das erklärt auch, warum wir in den Anfängen der Blockaden,

00:15:23.270 --> 00:15:28.570
<v Tim>ich habe 15 bis 20 Milliliter für die interskalinäre Blockade verwendet,

00:15:28.570 --> 00:15:32.570
<v Tim>häufig diese Nebenwirkungen der Lokalanästhetika gesehen haben.

00:15:32.990 --> 00:15:38.790
<v Tim>Die aber nicht immer oder eher selten klinisch apparent waren,

00:15:38.990 --> 00:15:40.970
<v Tim>sprich namentlich die Phrenikus-Parese.

00:15:41.270 --> 00:15:47.890
<v Tim>Erklärt sich allein durch das Volumen, aber auch durch den Druck, Rainer.

00:15:48.090 --> 00:15:53.310
<v Rainer>Ja, ja, das ist vollkommen richtig. Die Skalenuslücke ist ein eng begrenzter Raum.

00:15:53.470 --> 00:15:58.550
<v Rainer>Es ist ein dreidimensionaler Raum und im Ultraschall sehen wir das immer zweidimensional.

00:15:58.850 --> 00:16:00.950
<v Tim>Ich meinte den Injektionsdruck, ne?

00:16:01.130 --> 00:16:05.210
<v Rainer>Ja, ja. Ja, das habe ich schon so verstanden.

00:16:05.510 --> 00:16:08.890
<v Rainer>Und was macht eine Flüssigkeit, die unter Druck injiziert wird?

00:16:09.130 --> 00:16:12.430
<v Rainer>Sie breitet sich dahin aus, wo der geringste Widerstand ist.

00:16:12.630 --> 00:16:16.770
<v Rainer>Und das ist nicht vorhersagbar. Was wir beobachten,

00:16:17.150 --> 00:16:21.570
<v Rainer>selbst mit Niedrigvolumina von 2 bis 3 Milliliter, da gibt es übrigens auch

00:16:21.570 --> 00:16:25.170
<v Rainer>die passende MRT-Studie, dazu aus Salzburg,

00:16:25.510 --> 00:16:28.210
<v Rainer>dass selbst mit 2 Milliliter diese ventrale

00:16:28.210 --> 00:16:32.170
<v Rainer>Ausbreitung Richtung Fascia praeertebralis nicht zu vermeiden ist.

00:16:32.730 --> 00:16:38.550
<v Rainer>Also, wenn ich die Fragestellung habe, eine Phrenicus-Parese darf nicht auftreten,

00:16:38.870 --> 00:16:44.170
<v Rainer>ist die interskalenäre Blockade des Plexus Brachialis der falsche Weg.

00:16:44.170 --> 00:16:48.410
<v Tim>Genau. Wenn wir überlegen, dass ein Milliliter ein Kubikzentimeter ist,

00:16:48.590 --> 00:16:52.610
<v Tim>musst du weg vom Phrenicus und das Volumen gering halten.

00:16:53.190 --> 00:16:56.350
<v Tim>Technisch können wir vielleicht gleich noch darüber sprechen,

00:16:56.750 --> 00:17:00.390
<v Tim>wo wir das System aufstellen, wie wir injizieren würden.

00:17:01.180 --> 00:17:06.100
<v Tim>Ich kann jetzt schon sagen, die Präzision ist das A und O, die Kanülenspitze

00:17:06.100 --> 00:17:13.040
<v Tim>exakt im schichtdicken Volumen darzustellen, um mit einer niedrigen Injektion zu starten,

00:17:13.580 --> 00:17:16.320
<v Tim>das heißt 0,10,2 Milliliter.

00:17:16.540 --> 00:17:22.160
<v Tim>Und wenn du exakt in der Ebene bist, dann sieht man die Ausbreitung dieser niedrigen

00:17:22.160 --> 00:17:27.580
<v Tim>Volumina bereits jetzt und kann gegebenenfalls stoppen oder weitermachen.

00:17:27.780 --> 00:17:34.260
<v Tim>Ganz der Grundprinzipien. Neben den Nebenwirkungen der Lokalanästhetika haben

00:17:34.260 --> 00:17:37.340
<v Tim>wir aber auch mechanische Komplikationen.

00:17:37.400 --> 00:17:43.080
<v Tim>Die sind zum Glück viel, viel seltener, sind aber berichtet und können auftreten.

00:17:43.080 --> 00:17:47.200
<v Rainer>Und vor allem die Punktionskomplikationen, die berichtet sind,

00:17:47.320 --> 00:17:52.920
<v Rainer>die sind teilweise dramatisch mit schwerwiegenden Folgen für die Patienten.

00:17:53.380 --> 00:17:58.700
<v Rainer>Dazu gehören die direkten Verletzungen des Rückenmarks, dazu gehören spinale,

00:17:58.860 --> 00:18:01.540
<v Rainer>epidurale Ausbreitungen der lokalen Anästhetika,

00:18:03.020 --> 00:18:06.880
<v Rainer>intravaskuläre Fehlinjektionen, zum Beispiel in die Arteria vertebralis,

00:18:06.960 --> 00:18:11.040
<v Rainer>die sehr leicht mit einem Ramus ventralis verwechselt werden kann.

00:18:11.040 --> 00:18:14.500
<v Rainer>Und hier sind tödliche Nebenwirkungen berichtet.

00:18:14.860 --> 00:18:17.260
<v Rainer>Nicht häufig, aber sie kommen vor.

00:18:17.720 --> 00:18:23.200
<v Tim>Rainer, du hast ein paar Komplikationen, schwerwiegende Komplikationen erwähnt.

00:18:23.340 --> 00:18:29.940
<v Tim>Es ist einfach so, würde ich den Advocatus Diaboli der Interskalenären Blockade

00:18:29.940 --> 00:18:32.680
<v Tim>spielen, dann ist das ein rückenmarksnahes Verfahren.

00:18:33.180 --> 00:18:38.060
<v Tim>Könnte man ja fast so formulieren. Und deswegen genau kontrollieren,

00:18:38.140 --> 00:18:40.960
<v Tim>was man da macht. Und das ist auch der Grund, warum wir beide die

00:18:41.810 --> 00:18:45.730
<v Tim>die Punktionen und die Blockaden am Hals für die Königsdisziplin halten.

00:18:46.090 --> 00:18:53.030
<v Tim>Vielleicht nochmal zurück zu den Lokalanästhetika und der Verlauf der Ramiventralis

00:18:53.030 --> 00:18:55.530
<v Tim>in der interskalenären Lücke.

00:18:55.770 --> 00:18:58.510
<v Tim>Rainer, da haben wir auch viel drüber gesprochen.

00:18:58.830 --> 00:19:03.750
<v Tim>Eine wirkliche Gefäßnervenscheide gibt es nicht.

00:19:03.990 --> 00:19:10.050
<v Rainer>Also eine gemeinsame Gefäßnervenscheide, wie an verschiedenen Stellen berichtet,

00:19:10.350 --> 00:19:14.350
<v Rainer>immer wieder berichtet, Auch beispielsweise in der axillären Position,

00:19:14.570 --> 00:19:18.090
<v Rainer>die gibt es natürlich nicht, die würde anatomisch überhaupt gar keinen Sinn machen.

00:19:18.670 --> 00:19:23.810
<v Rainer>Genauso wenig, auch wenn berichtet, gibt es die in der interskalenären Position.

00:19:24.210 --> 00:19:28.850
<v Rainer>Das wird sicherlich im einen oder anderen Fall, wenn nicht genau untersucht

00:19:28.850 --> 00:19:35.830
<v Rainer>wird, verwechselt mit den Muskelfaszien, die so ein Bild vorgaukeln können.

00:19:35.830 --> 00:19:41.370
<v Rainer>Aber in der interskalinären Position finden wir keinen leeren Raum,

00:19:41.930 --> 00:19:46.630
<v Rainer>in dem die Nerven verlaufen, sondern dieser Raum ist wie woanders auch im Körper

00:19:46.630 --> 00:19:49.610
<v Rainer>gefüllt mit Bindegewebe, mit Fettgewebe.

00:19:50.390 --> 00:19:55.310
<v Rainer>interscalenär haben wir noch die Besonderheit, dass es zwischen dem Musculus

00:19:55.310 --> 00:20:01.310
<v Rainer>scalenus Anterior und medius muskuläre Verbindungen geben kann,

00:20:01.570 --> 00:20:04.530
<v Rainer>die in der Literatur als Muskelbrücken geschrieben werden.

00:20:04.530 --> 00:20:11.830
<v Rainer>Und zum Beispiel die kranialen Anteile des Plexus C5, C6 von C7 und den weiter

00:20:11.830 --> 00:20:14.830
<v Rainer>kaudal gelegenen Anteilen separieren können.

00:20:14.990 --> 00:20:21.450
<v Rainer>Das erklärt schon, warum das Lokalanästhetikum so bei C5 oder C6 injiziert nicht

00:20:21.450 --> 00:20:23.490
<v Rainer>zwangsläufig C7 erreicht,

00:20:23.690 --> 00:20:27.770
<v Rainer>sondern in Abhängigkeit der Druckverhältnisse sich ganz woanders nach ventral,

00:20:27.890 --> 00:20:32.790
<v Rainer>nach Medial oder auch Richtung Neurovformen ausbreiten kann.

00:20:32.790 --> 00:20:36.650
<v Rainer>Das ist alles möglich und nicht vorhersagbar.

00:20:36.890 --> 00:20:44.370
<v Rainer>Weiterhin verlaufen in der Lücke Gefäße, arterielle Gefäße, meist aus dem Trunkus

00:20:44.370 --> 00:20:46.010
<v Rainer>thyreocervicalis kommen.

00:20:46.370 --> 00:20:52.970
<v Rainer>Sie können durchaus aber auch als direkte Abgänge aus der Arteria subclavia hervorgehen.

00:20:53.410 --> 00:20:59.970
<v Rainer>Die Arteria vertebralis ist in diesem Raum zu finden. und diese Arterien nehmen

00:20:59.970 --> 00:21:03.150
<v Rainer>Raum ein, verkleinern diese Lücke.

00:21:04.680 --> 00:21:09.540
<v Rainer>Und haben somit auch einen Einfluss auf die Ausbreitung des Lokalanästhetikums.

00:21:10.160 --> 00:21:16.300
<v Rainer>Und zum Zweiten sind sie natürlich punktionsgefährdet, so man sie beim Nadelforschub

00:21:16.300 --> 00:21:17.540
<v Rainer>nicht identifiziert hat.

00:21:18.240 --> 00:21:24.640
<v Rainer>Und deswegen ist hier dringend anzuraten, die Skalenuslücke vor Injektion sorgfältig

00:21:24.640 --> 00:21:29.640
<v Rainer>zu untersuchen und Arterien, soweit sie hier vorhanden sind,

00:21:29.740 --> 00:21:31.280
<v Rainer>auch sicher zu identifizieren.

00:21:31.280 --> 00:21:35.960
<v Rainer>Gerade auch um die Punktionskomplikationen, sprich Fehlinjektionen in arterielle

00:21:35.960 --> 00:21:42.380
<v Rainer>Gefäße zu vermeiden, was gerade im Kopf-Hals-Bereich eben zu unmittelbaren neurologischen

00:21:42.380 --> 00:21:45.660
<v Rainer>zentralen Nebenwirkungen führen kann und häufig führt.

00:21:46.320 --> 00:21:51.300
<v Tim>Rainer, die Gefäße sind immer da und sie sind hochvariabel.

00:21:51.620 --> 00:21:57.380
<v Tim>Ich werde dir, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, einen Artikel auf dem Blogbeitrag verlinken.

00:21:57.920 --> 00:22:03.540
<v Tim>Schau da rein, wenn dich die Namen interessieren. Die Technik ist aber immer,

00:22:03.740 --> 00:22:08.360
<v Tim>Rainer, gucken, wie verläuft das Gefäß bei den Arterien,

00:22:08.700 --> 00:22:12.600
<v Tim>wo entspringt die Arterie, dann kannst du den richtigen Namen vergeben,

00:22:12.600 --> 00:22:15.460
<v Tim>oder wo mündet die Vene ein.

00:22:15.660 --> 00:22:18.820
<v Tim>Das Prinzip ist immer Tracing und dann kannst du es machen.

00:22:19.020 --> 00:22:24.060
<v Tim>Du hast die Arterien angesprochen, weil das schon eine schwerere Komplikation

00:22:24.060 --> 00:22:28.640
<v Tim>wäre, wenn man intraarteriell Lokalanästika injizieren würde.

00:22:28.900 --> 00:22:33.900
<v Tim>Das passiert zum Glück ziemlich selten, wenn du die Kanüle vorsichtig vorschiebst

00:22:33.900 --> 00:22:37.060
<v Tim>und vor allen Dingen Sonographie benutzt.

00:22:37.280 --> 00:22:40.740
<v Tim>Jetzt kommen wir doch eigentlich schon zum ganz großen Wechsel, Rainer.

00:22:40.740 --> 00:22:46.360
<v Tim>Das Intro war, es wird häufig durchgeführt, es ist ein anatomisch enger Raum,

00:22:46.620 --> 00:22:51.300
<v Tim>die Verteilung des Lokalanästhetikums ist nicht vorhersehbar,

00:22:51.440 --> 00:22:55.280
<v Tim>du musst irgendeine Technik haben, wie du es darstellen kannst.

00:22:55.480 --> 00:23:02.080
<v Tim>Wir haben Blutgefäße, Venen und Arterien im Verlauf und deswegen springen wir

00:23:02.080 --> 00:23:06.400
<v Tim>doch jetzt zum U-Wort, zum Ultraschall, zur Sonographie, das,

00:23:06.600 --> 00:23:08.540
<v Tim>warum es Radiomegahertz gibt.

00:23:09.220 --> 00:23:12.800
<v Tim>Jetzt müssen wir über die Sonoanatomie sprechen, Rainer.

00:23:13.120 --> 00:23:17.440
<v Tim>Bleiben wir mal bei der Rotatorenmanschetten-OP.

00:23:17.840 --> 00:23:22.480
<v Tim>Wir haben gesagt, wir brauchen die Rami ventralis von C5 und C6.

00:23:22.960 --> 00:23:27.560
<v Tim>Rainer, wie kriege ich denn raus, woher C5, C6, C7 und C8 sind?

00:23:27.560 --> 00:23:36.240
<v Rainer>Ja gut, ein etabliertes Verfahren, um die exakte Höhe des Abgangs der Spinalnerven

00:23:36.240 --> 00:23:41.020
<v Rainer>festzulegen, ist die Orientierung an der knöchernen Wirbelsäule.

00:23:41.240 --> 00:23:47.920
<v Rainer>Und da haben wir natürlich spezifisch für jede Höhe den entsprechenden Prozessus

00:23:47.920 --> 00:23:54.280
<v Rainer>transversus des respektiven Wirbels und die unterscheiden sich auch sonoanatomisch.

00:23:54.280 --> 00:24:04.020
<v Rainer>Was auffällt in aller Regel ist der dominante Prozessus transversus von C6 mit

00:24:04.020 --> 00:24:06.460
<v Rainer>dem Tuberculum anterius,

00:24:06.740 --> 00:24:11.460
<v Rainer>das auch sogar einen Eigennamen trägt, Chassaignac oder Tuberculum

00:24:11.460 --> 00:24:16.200
<v Rainer>caroticum, weil es einfach das dominanteste in dieser Halsregion ist.

00:24:16.620 --> 00:24:21.280
<v Rainer>Wir sehen zwischen Tuberculum anterius und Tuberculum posterius,

00:24:21.340 --> 00:24:27.300
<v Rainer>dann, ich sage immer, wie das Auge Saurons oder wie du, Tim, die Pommesgabel.

00:24:27.480 --> 00:24:28.980
<v Tim>Ja, bei mir wäre es die Pommesgabel.

00:24:29.040 --> 00:24:34.500
<v Rainer>Ja, den Nerv in der Mitte zwischen beiden Tuberkula hervorkommen.

00:24:35.180 --> 00:24:41.320
<v Rainer>Dabei ist zu beachten, wenn ich C6 sehe und sehe den Ramus ventralis zwischen

00:24:41.320 --> 00:24:47.080
<v Rainer>beiden Tuberkula, kommt er aus dem sechsten Segment, also zwischen dem fünften

00:24:47.080 --> 00:24:48.520
<v Rainer>und dem sechsten Halswirbel.

00:24:48.520 --> 00:24:53.040
<v Rainer>Er kommt also von Kranial und verläuft hier zwischen beiden Tuberkeln.

00:24:53.560 --> 00:24:59.340
<v Rainer>Fahre ich ein Segment höher, sehe ich, wie dieses typische Erscheinungsbild

00:24:59.340 --> 00:25:05.700
<v Rainer>des Querfortsatzes sich ändert und die Tuberkula plumper wirken und näher zusammenrücken.

00:25:06.300 --> 00:25:12.920
<v Rainer>Fahre ich ein Segment nach kaudal, dann vermisse ich das Tuberculum anterius,

00:25:12.920 --> 00:25:17.340
<v Rainer>weil an dieser Stelle die Arteria vertebralis in den Spinalkanal eintritt,

00:25:17.800 --> 00:25:23.860
<v Rainer>aus der Arteria subclavia kommend und schlicht und ergreifend dort für ein Tuberculum

00:25:23.860 --> 00:25:26.820
<v Rainer>anterius salopp gesagt kein Platz ist.

00:25:27.120 --> 00:25:33.620
<v Rainer>Deswegen ist es meist rudimentär ausgebildet, was auch so wirken kann, als wenn es fehlt.

00:25:34.160 --> 00:25:37.340
<v Rainer>Also anhand der Querfortsätze wird die Höhe festgelegt.

00:25:37.340 --> 00:25:44.920
<v Tim>Ich grätsche kurz dazwischen, Rainer. Ich packe auf die Webseite zwei Fotos, wie man C6,

00:25:45.140 --> 00:25:52.660
<v Tim>C7 verwechseln kann und wie man C7 und C8 nur aufgrund der Struktur...

00:25:53.570 --> 00:25:57.750
<v Tim>Der Prozessi transversi verwechseln kann. Prinzipiell ist das genau so,

00:25:57.750 --> 00:26:00.870
<v Tim>wie du gesagt hast. Es gibt aber durchaus Schwierigkeiten.

00:26:01.170 --> 00:26:06.210
<v Tim>Und ich finde das super, dass du hervorgehoben hast, dass man von einem rudimentären

00:26:06.210 --> 00:26:10.350
<v Tim>Tuberculum anterius auf C7 spricht.

00:26:10.530 --> 00:26:13.650
<v Tim>Denn manchmal kann es schon prominent sein.

00:26:13.770 --> 00:26:17.690
<v Rainer>Das kann es sein, ist aber nicht häufig der Fall. Aber man kann es verwechseln.

00:26:17.770 --> 00:26:23.710
<v Rainer>Das ist komplett richtig. Wenn du diese interskalenäre Region eingestellt hast, sonografisch,

00:26:24.070 --> 00:26:31.950
<v Rainer>also mit einer transversalen Anlotung des Schallkopfes, etwas distal des Gehlkopfes,

00:26:32.050 --> 00:26:33.830
<v Rainer>zeigt sich dieses typische Bild.

00:26:34.630 --> 00:26:39.590
<v Rainer>Und hierbei gilt, dass die oberste Struktur, die erkennbar ist,

00:26:40.010 --> 00:26:44.690
<v Rainer>also die am nahesten an der Fascia praevertebralis liegt, ist immer C5.

00:26:45.490 --> 00:26:50.790
<v Rainer>Da C5 als erste von Kranial kommend aus der Wirbelsäule abgeht.

00:26:51.010 --> 00:26:56.570
<v Rainer>Und alles, was drunter liegt, sind dann die tiefer gelegenen Rami ventralis

00:26:56.570 --> 00:26:59.210
<v Rainer>oder Clavicula nach bereits der Trunkusbildung.

00:26:59.490 --> 00:27:04.270
<v Tim>So, jetzt mache ich den einfachen Weg. Ich suche mal die Lamina praevertebralis.

00:27:04.330 --> 00:27:06.150
<v Tim>Das ist ja prima, wenn man die gut sieht.

00:27:06.330 --> 00:27:10.370
<v Tim>Und dann sehe ich da so einen Bubbel zwischen dem medial gelegenen Scalenus

00:27:10.370 --> 00:27:14.710
<v Tim>anterior und dem lateralen Musculus scalenus medius.

00:27:15.210 --> 00:27:19.190
<v Tim>Jetzt sehe ich einen Zusammenschluss von C5 und C6.

00:27:20.030 --> 00:27:26.210
<v Tim>Das wäre jetzt der Truncus superior. Der ist für uns ja relativ relevant, oder?

00:27:26.470 --> 00:27:30.950
<v Rainer>Da sind wir ja genau bei unserem Ausgangspunkt, von dem wir gestartet sind.

00:27:31.070 --> 00:27:32.630
<v Tim>Schau mal, Rainer, wir schließen Kreise.

00:27:33.130 --> 00:27:33.410
<v Rainer>Ja.

00:27:33.950 --> 00:27:39.950
<v Tim>Wir wollen weg vom Phrenicus. Also weg von der Position, wo der Nervus phrenicus

00:27:39.950 --> 00:27:44.030
<v Tim>weiter kranial neben dem Ramus ventralis aus C5 liegt.

00:27:44.250 --> 00:27:50.290
<v Tim>Und das wäre zum Beispiel eine Position, wo sich der Truncus superior bildet.

00:27:50.430 --> 00:27:53.950
<v Tim>Das wäre jetzt ein Ort, wo wir zum Beispiel blockieren könnten.

00:27:54.170 --> 00:27:59.530
<v Rainer>Auf diesem Bild sieht man auch sehr schön, wie eng diese Skalenuslücke wirklich ist.

00:27:59.670 --> 00:28:02.930
<v Tim>Achtung, Rainer sieht ein Bild, aber du nicht, liebe Hörerin,

00:28:02.990 --> 00:28:07.710
<v Tim>liebe Hörer. Komm auf radiomegaherz.de, schau dir das Bild an.

00:28:08.050 --> 00:28:11.550
<v Tim>Wir stellen verschiedene Techniken dar. Was wir jetzt sehen,

00:28:11.690 --> 00:28:16.210
<v Tim>sind die Musculi scaleni mit einer engen Lücke, mit dem Truncus superior.

00:28:16.910 --> 00:28:24.250
<v Tim>Und dort ist die Kanülenspitze eindeutig neben dem Truncus superior abgebildet.

00:28:24.570 --> 00:28:26.450
<v Tim>Mit neben meine ich lateral.

00:28:27.010 --> 00:28:30.390
<v Tim>Und natürlich hat es auch einen Grund, warum wir lateral injizieren.

00:28:30.610 --> 00:28:35.530
<v Tim>Wir wollen jegliche Ausbreitung nach medial vermeiden.

00:28:35.950 --> 00:28:40.910
<v Tim>Auchmals der Nervus phrenicus liegt tief zur Fascia praevertebralis,

00:28:41.430 --> 00:28:44.850
<v Tim>genauso wie die Rami ventralis der Halsnerven.

00:28:44.850 --> 00:28:51.370
<v Rainer>Ja und zusätzlich medial von den Rami Ventralis aus betrachtet und deswegen

00:28:51.370 --> 00:28:54.470
<v Rainer>ist das Risiko, den Nervus Phrenicus,

00:28:54.770 --> 00:28:59.810
<v Rainer>so man ihn nicht gesehen hat, bei der Nadelführung zu verletzen,

00:28:59.910 --> 00:29:02.290
<v Rainer>geringer, wenn die Nadel lateral eingesetzt wird.

00:29:02.690 --> 00:29:09.570
<v Rainer>Mit lateral bitte nicht verwechseln mit einer In-Plane-Nadelführung von lateral kommend.

00:29:09.570 --> 00:29:13.170
<v Tim>Ja, danke Rainer. Ich habe natürlich out-of-plane blockiert.

00:29:13.290 --> 00:29:17.490
<v Tim>Das zeigt auch das Foto auf der Webseite. Warum nicht in Plane? Komm her.

00:29:17.890 --> 00:29:23.930
<v Rainer>Ja gut, wir haben ja aus der interskalenären Position abgehend die Nerven,

00:29:24.070 --> 00:29:33.910
<v Rainer>die die sekundäre Rumpfwandmuskulatur innervieren, die primär mit der Schulteroperation nichts zu tun haben,

00:29:34.230 --> 00:29:39.150
<v Rainer>sondern beispielsweise der Nervus dorsalis scapulae sind, der den Musculus serratus

00:29:39.150 --> 00:29:43.670
<v Rainer>anterior innerviert, oder Nervus thoracodorsalis.

00:29:44.130 --> 00:29:53.410
<v Rainer>Und die verlaufen eben von medial nach lateral durch den Musculus scalenus medius

00:29:53.410 --> 00:29:58.670
<v Rainer>und sind bei einer Nadelführung von lateral nach medial punktionsgefährdet,

00:29:58.810 --> 00:30:00.330
<v Rainer>so man sie nicht dargestellt hat.

00:30:00.910 --> 00:30:06.070
<v Rainer>Die sind im Einzelfall aber schwierig darzustellen, sodass da immer ein gewisses Restrisiko bleibt.

00:30:06.530 --> 00:30:11.810
<v Rainer>Aus unserer Sicht ist daher die out-of-plane-Punktion, die diesen Weg schlicht

00:30:11.810 --> 00:30:15.850
<v Rainer>und ergreifend vermeidet, vorzuziehen, einfach aus Sicherheitsgründen.

00:30:16.070 --> 00:30:21.170
<v Tim>Truncus superior-Blockade wäre die bevorzugte Technik somit out-of-plane,

00:30:21.610 --> 00:30:28.170
<v Tim>Kanülenrichtung Richtung Schulter, Platzierung der Kanülenspitze lateral

00:30:29.250 --> 00:30:35.190
<v Tim>des Truncus superior. Die Maschine am besten ipsilateral, oder?

00:30:35.530 --> 00:30:40.190
<v Tim>Damit du deinen Kopf möglichst wenig drehen musst und genau auf den Bildschirm guckst.

00:30:40.650 --> 00:30:46.250
<v Tim>Das klappt nicht in jeder Einleitung. Es geht theoretisch auch auf der kontralateralen Seite.

00:30:46.510 --> 00:30:53.130
<v Rainer>Ja, ipsilateral hat halt schon eindeutige Vorteile, auch wenn zusätzlich zur Darstellung

00:30:53.130 --> 00:30:56.830
<v Rainer>des Plexus dass noch die Nadelführung berücksichtigt wird.

00:30:57.210 --> 00:31:02.510
<v Rainer>In out-of-plane-Technik bietet sich die ipsilaterale Aufstellungstechnik schlicht und ergreifend an.

00:31:02.970 --> 00:31:07.790
<v Tim>Welche Gründe gibt es denn, dass gefühlt Nordamerika komplett in-plane blockiert?

00:31:07.970 --> 00:31:13.910
<v Rainer>Das ist dieser grundsätzliche Gedanke, dass die Nadel in-plane immer komplett darstellbar ist.

00:31:14.450 --> 00:31:17.970
<v Rainer>Das Entscheidende ist die Nadelspitze und nicht der Schaft.

00:31:18.390 --> 00:31:22.930
<v Rainer>Und rein physikalisch betrachtet ist sowieso nie die ganze Nadel sichtbar,

00:31:22.930 --> 00:31:24.950
<v Rainer>sondern immer nur ein Teil des Schaftes,

00:31:25.430 --> 00:31:29.170
<v Rainer>da der Einstich von außerhalb des Schallkopfes natürlich erfolgt.

00:31:29.350 --> 00:31:34.610
<v Rainer>Und dieser Gedanke, dass die in-plane-Technik sicherer ist,

00:31:35.250 --> 00:31:39.590
<v Rainer>der ist physikalisch nicht zu halten, weil unser Ultraschallbild,

00:31:39.810 --> 00:31:43.670
<v Rainer>wie bereits mehrfach erwähnt, wird aus einem Volumen generiert,

00:31:43.770 --> 00:31:48.790
<v Rainer>also aus einem dreidimensionalen Volumen und nicht aus einem zweidimensionalen Schnitt.

00:31:48.790 --> 00:31:54.850
<v Rainer>Und deswegen ist bei der Inplane-Technik nicht genau festlegbar,

00:31:55.050 --> 00:31:58.910
<v Rainer>in welchem Teil des Volumens die Nadel sich gerade befindet.

00:31:59.390 --> 00:32:05.470
<v Rainer>Also hier wird eine vermeintliche Sicherheit vorgegaukelt, die in der Form physikalisch nicht haltbar ist.

00:32:05.610 --> 00:32:07.510
<v Tim>Rainer, wir haben viele Systeme schon

00:32:07.510 --> 00:32:12.090
<v Tim>angeguckt, viele Punktionsphantome untersucht, viele Übungen gemacht.

00:32:13.060 --> 00:32:19.580
<v Tim>Es gibt Sonden, da ist in-plane zu punktieren bedeutend schwieriger als mit

00:32:19.580 --> 00:32:23.780
<v Tim>anderen Sonden, mit anderen Presets, mit einem anderen Beamforming.

00:32:24.100 --> 00:32:25.600
<v Tim>Was ist die Erklärung dafür?

00:32:26.080 --> 00:32:30.680
<v Rainer>Ja gut, das ist eine Beobachtung, die wir über die Jahre ja auch gemacht haben,

00:32:30.840 --> 00:32:35.460
<v Rainer>dass teilweise mit einfachen Ultraschallsystemen die Nadel viel deutlicher zu

00:32:35.460 --> 00:32:37.740
<v Rainer>sehen ist als mit High-End-Systemen.

00:32:38.320 --> 00:32:42.000
<v Rainer>Das hat schlicht und ergreifend was mit der Größe der Schichtdicke zu tun,

00:32:42.180 --> 00:32:48.400
<v Rainer>dass das Beamforming der High-End-Maschine wesentlich subtiler ist,

00:32:48.580 --> 00:32:53.560
<v Rainer>damit die Schichtdicke deutlich kleiner und dann die Nadel natürlich viel exakter geführt werden muss.

00:32:53.800 --> 00:32:57.920
<v Rainer>Das sind Dinge, die im klinischen Alltag in aller Regel nicht berücksichtigt werden.

00:32:58.000 --> 00:33:02.680
<v Rainer>Wie du schon angedeutet hast, erklärt das den Unterschied auch zwischen Punktionsphantomen.

00:33:02.840 --> 00:33:07.400
<v Rainer>Es gibt Punktionsphantomen, wo der Punktionserfolg hervorragend ist,

00:33:07.400 --> 00:33:09.340
<v Rainer>weil sie eine riesen Schichtige zulassen.

00:33:09.500 --> 00:33:12.060
<v Tim>Ja, weil die Reflektionen auch so gut sind in dem Medium, ne?

00:33:12.180 --> 00:33:16.960
<v Rainer>Genau, beziehungsweise keine anderen Reflektoren in dem Medium vorhanden sind.

00:33:17.080 --> 00:33:18.920
<v Rainer>Aber das wäre jetzt ein Abschweifen zu weit.

00:33:19.140 --> 00:33:23.880
<v Rainer>Das ist der Grund, weshalb wir die Inplane-Punktion hier nicht bevorzugen,

00:33:24.180 --> 00:33:31.680
<v Rainer>ist ein rein anatomischer und der Verlauf der Nerven für die sekundäre Rumpfwandmuskulatur

00:33:31.680 --> 00:33:33.080
<v Rainer>von medial nach lateral,

00:33:33.460 --> 00:33:35.740
<v Rainer>die im Vorschubweg liegen würden.

00:33:35.740 --> 00:33:39.060
<v Tim>Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, das ist jetzt wichtig.

00:33:39.440 --> 00:33:48.120
<v Tim>Wir begründen unsere Technik nicht nach Vorliebe oder nach was gerade in ist,

00:33:48.380 --> 00:33:52.640
<v Tim>sondern wir argumentieren Ultraschall-physikalisch und anatomisch.

00:33:52.820 --> 00:33:57.980
<v Tim>Und jetzt gebe ich dir noch eine dritte Möglichkeit. Es ist didaktisch und für die Ausbildung.

00:33:58.220 --> 00:34:01.540
<v Tim>Ich möchte den Sprung zu den Katheter-Techniken machen,

00:34:02.250 --> 00:34:09.270
<v Tim>Und wenn du dir überlegst, wie der Plexus verläuft, vom Hals unterhalb der Klavekula

00:34:09.270 --> 00:34:11.910
<v Tim>in die Achsellücke zum Arm,

00:34:12.210 --> 00:34:18.570
<v Tim>dann sollte aus meiner Sicht ein Katheter auch genau in die Richtung vorgeschoben

00:34:18.570 --> 00:34:21.730
<v Tim>werden und nicht quer zum Verlauf.

00:34:21.730 --> 00:34:29.750
<v Tim>Das heißt, jemand, der out-of-plane-Single-Shot übt, übt gleichzeitig die gleiche

00:34:29.750 --> 00:34:32.430
<v Tim>Technik für eine Katheter-Technik.

00:34:32.890 --> 00:34:35.750
<v Tim>Rainer, lass uns doch bitte über Katheter sprechen.

00:34:36.250 --> 00:34:40.950
<v Tim>Aus meiner Sicht nochmals, Katheter am Hals ist eines der komplexesten Aufgaben

00:34:40.950 --> 00:34:43.830
<v Tim>in der Ultraschallgestützten Regionalanästhesie.

00:34:43.930 --> 00:34:48.930
<v Rainer>Da hast du völlig recht damit. Und die Punktionsrichtung, die du gerade beschrieben

00:34:48.930 --> 00:34:56.590
<v Rainer>hast, die nicht auf das Neurovorrahmen zugeht, sondern in den Verlauf der Rami-ventrales

00:34:56.590 --> 00:34:58.890
<v Rainer>geht, ist eindeutig zu bevorzugen.

00:34:59.050 --> 00:35:05.070
<v Rainer>Auch wenn man sonografisch punktiert, initial sicherlich zunächst mal Richtung

00:35:05.070 --> 00:35:11.090
<v Rainer>Neurovorrahmen schieben würde, weil sich dies im Ultraschallbild einfach darstellt.

00:35:11.090 --> 00:35:15.610
<v Rainer>Aber hier ist wirklich zu betonen, dass der Katheter von medial nach lateral

00:35:15.610 --> 00:35:20.050
<v Rainer>geführt werden soll, unter Umständen mit einer Schallkopfbewegung nach distal.

00:35:20.190 --> 00:35:24.770
<v Rainer>Und das entspricht eigentlich dieser traditionellen Punktionsrichtung,

00:35:24.890 --> 00:35:27.550
<v Rainer>die vor Jahren schon berichtet wurde.

00:35:27.950 --> 00:35:30.910
<v Rainer>Ich glaube Tim, das waren Gisela Meier und Johannes Büttner,

00:35:31.070 --> 00:35:36.870
<v Rainer>die so eine ähnliche Punktion beschrieben hatten. und die ist auch mit Ultraschall

00:35:36.870 --> 00:35:41.150
<v Rainer>absolut aus anatomischen Sicherheitsgründen zu bevorzugen.

00:35:41.290 --> 00:35:46.130
<v Rainer>Die Punktionsrichtung nach medial ist dringend abzuraten, vor allem weil wir

00:35:46.130 --> 00:35:50.790
<v Rainer>wissen, dass Katheter, die am Hals angelegt werden durch ihre transmuskulären

00:35:50.790 --> 00:35:54.950
<v Rainer>Verläufe, die so gut wie nie zu vermeiden sind, nie lagestabil sind.

00:35:55.650 --> 00:36:00.590
<v Rainer>Wenn diese Katheter jetzt noch nicht an der Nadelspitze enden,

00:36:00.750 --> 00:36:05.230
<v Rainer>beziehungsweise dort platziert wurden, sondern über 2, 3, 4,

00:36:05.310 --> 00:36:08.690
<v Rainer>teilweise bis zu 10 cm vorgeschoben werden.

00:36:09.470 --> 00:36:14.450
<v Rainer>Dann gibt es keinen Anhalt, wo die Katheterspitze tatsächlich jetzt zum Liegen gekommen ist.

00:36:14.990 --> 00:36:19.230
<v Rainer>Und damit sind die Nebenwirkungen, beziehungsweise Komplikationen,

00:36:19.370 --> 00:36:22.510
<v Rainer>bis zu tödlichen Komplikationen auch erklärbar.

00:36:22.510 --> 00:36:29.090
<v Rainer>Also hier würde ich dringend anraten, den Katheter da liegen zu lassen mit seiner Spitze,

00:36:29.270 --> 00:36:35.270
<v Rainer>wo die nervale Struktur identifiziert wurde und nicht über die Struktur weiter

00:36:35.270 --> 00:36:38.690
<v Rainer>vorzuschieben, was für andere Blockaden übrigens auch einzuhalten ist.

00:36:38.690 --> 00:36:44.250
<v Tim>Nun hat der Podcast nicht den Schwerpunkt Katheter-Techniken für den Plexus Brachialis.

00:36:44.410 --> 00:36:48.910
<v Tim>Rainer, da hast du auch maßgeblich einen Artikel publiziert,

00:36:49.250 --> 00:36:53.830
<v Tim>insbesondere über die kontinuierliche Plexus Brachialis-Blockade am Hals.

00:36:53.830 --> 00:36:58.650
<v Tim>Ich verlinke dir den, liebe Hörerinnen, liebe Hörer, auf dem Blogbeitrag.

00:36:58.850 --> 00:37:04.350
<v Tim>Dort gibt es auch einen Deep Dive in die Anatomie am Hals, all die Punkte,

00:37:04.510 --> 00:37:10.010
<v Tim>die wir besprochen haben, nebst den Inhalten, die auf Radiomegahertz publiziert

00:37:10.010 --> 00:37:11.750
<v Tim>werden. Es lohnt sich zu lesen.

00:37:12.470 --> 00:37:16.030
<v Tim>Zurück zur Truncus superior-Blockade.

00:37:16.190 --> 00:37:20.570
<v Tim>Rainer, diese großen Maschinen, die wiegen ja fast eine halbe Tonne.

00:37:20.970 --> 00:37:25.750
<v Tim>Ich habe mir neulich die Schulter luxiert und das passt ganz gut zu einer Frage,

00:37:25.750 --> 00:37:30.430
<v Tim>die Daniel gestellt hat. Ich spiele die mal ab.

00:37:30.930 --> 00:37:37.230
<v Rainer>Hallo Tim, was kann man für die Schulterreposition für eine Nervenblockade durchführen?

00:37:37.230 --> 00:37:45.470
<v Rainer>Ja gut, das ist eine wichtige Frage, weil Patienten mit Schulterluxationen ja

00:37:45.470 --> 00:37:49.590
<v Rainer>zügig behandelt werden sollen und in den seltensten Fällen nüchtern sind.

00:37:49.930 --> 00:37:54.450
<v Rainer>Also was möchten wir haben? Wir möchten einen wirksamen Block haben und wir

00:37:54.450 --> 00:37:56.710
<v Rainer>möchten einen sicheren Block haben.

00:37:57.340 --> 00:38:02.120
<v Rainer>Jetzt gehen wir zurück in die Anatomie und sagen für die Schulterluxation,

00:38:02.420 --> 00:38:07.200
<v Rainer>um die behandeln zu können, müssen wir die Rotatorenmanschette entlasten.

00:38:07.720 --> 00:38:15.160
<v Rainer>Und damit haben wir als idealen Blockadeort mit möglichst wenig Nebenwirkungen

00:38:15.160 --> 00:38:20.520
<v Rainer>den Trunkus superior Block, der alle wesentlichen Strukturen damit abdeckt,

00:38:20.760 --> 00:38:22.880
<v Rainer>die für die Reposition erforderlich sind.

00:38:22.880 --> 00:38:28.820
<v Rainer>Und hier genügen sehr geringe Volumina von 1 bis 2, 2,5 Milliliter,

00:38:28.980 --> 00:38:35.280
<v Rainer>um hier zielgerichtet innerhalb kürzester Zeit eine wirksame Blockade zu erreichen.

00:38:35.700 --> 00:38:43.040
<v Tim>Und warum, lieber Rainer, könnte ich nicht einfach C5 und C6 selektiv blockieren?

00:38:43.220 --> 00:38:44.480
<v Rainer>Doch, das kannst du machen.

00:38:45.020 --> 00:38:45.900
<v Tim>Ist aber scheiße.

00:38:45.900 --> 00:38:51.820
<v Rainer>Ja, das ist im Einzelfall halt deutlich schwieriger, weil die Rami ventrales

00:38:51.820 --> 00:38:55.780
<v Rainer>einen sehr variablen Verlauf in der Skalenuslücke nehmen können.

00:38:56.020 --> 00:39:01.460
<v Rainer>C5 kann beispielsweise eine ganze Strecke anterior des Musculus scalenus anterior

00:39:01.460 --> 00:39:02.900
<v Rainer>verlaufen, kann den Muskel penetrieren.

00:39:03.460 --> 00:39:06.340
<v Rainer>C6 kann das auch. Das können auch beide miteinander.

00:39:07.300 --> 00:39:12.080
<v Rainer>Und zuverlässig mit einem Versuch erreichen kann man die dann,

00:39:12.160 --> 00:39:17.520
<v Rainer>wenn sie den Truncus superior gebildet haben. ohne auf diese anatomischen Variationen

00:39:17.520 --> 00:39:19.000
<v Rainer>Rücksicht nehmen zu müssen.

00:39:19.200 --> 00:39:22.320
<v Rainer>Das ist ein ganz einfacher, pragmatischer Ansatz.

00:39:22.520 --> 00:39:26.220
<v Tim>Perfekt, klasse. Jetzt meine Schulter ist wieder drin.

00:39:26.720 --> 00:39:32.580
<v Tim>Ich bin wieder eingerenkt und steht jetzt aber noch eine Operation aus.

00:39:32.700 --> 00:39:37.380
<v Tim>Und die will ich natürlich wach haben und ich möchte das in alleiniger Regionalanästhesie haben.

00:39:37.500 --> 00:39:42.840
<v Tim>Meine Rotatorenmanschette muss operiert werden. Zu den Nervi supraclavicularis,

00:39:42.900 --> 00:39:46.240
<v Tim>die sensibel die Haut des Schulterdaches innervieren.

00:39:46.420 --> 00:39:53.480
<v Tim>Ich muss also den Plexus brachialis und Anteile des Plexus cervicalis blockieren.

00:39:53.740 --> 00:40:00.560
<v Tim>Und Rainer, da kommt jetzt auch nochmal eine Frage von einer Hörerin. Spiele ich ein.

00:40:01.140 --> 00:40:06.240
<v Tim>Hallo Tim, mir ist die Anker. Nach dem letzten Podcasts ist mir eine Frage aufgefallen.

00:40:06.240 --> 00:40:14.020
<v Tim>Wenn ich einen Plexus-brachiales-Block auf supraclaviculärer Ebene steche und

00:40:14.020 --> 00:40:18.580
<v Tim>ich danach die Nervi supraclaviculares noch mit blockieren möchte,

00:40:18.880 --> 00:40:20.980
<v Tim>ziehe ich die Nadel zurück und

00:40:20.980 --> 00:40:25.720
<v Tim>appliziere lokal an Ästhetikums in der oberflächlichen und tiefen Halsfaszie.

00:40:26.550 --> 00:40:31.290
<v Tim>Ist dieses Vorgehen genauso auf der interscalennären Ebene möglich?

00:40:31.610 --> 00:40:34.570
<v Tim>Das wäre meine Frage und freue mich über deine Antwort.

00:40:34.910 --> 00:40:41.250
<v Rainer>Das ist eine sehr gute und klinisch wichtige Frage. Das Vorgehen auf supraclaviculärer

00:40:41.250 --> 00:40:44.550
<v Rainer>Ebene entspricht genau dem, was wir auch machen.

00:40:45.310 --> 00:40:51.970
<v Rainer>Sprich, die Nadel über die Fascia praevertebrales zurückziehen in das oberflächliche Segment.

00:40:51.970 --> 00:40:58.730
<v Rainer>Und dort als Leitstruktur mag die Vena jugularis externa in vielen Fällen hilfreich

00:40:58.730 --> 00:41:05.130
<v Rainer>sein, Lokalanästhetikum Depot, aber streng oberhalb der Fasze zu injizieren.

00:41:05.370 --> 00:41:09.590
<v Rainer>Wenn wir den Verlauf der Nervis supraclaviculares uns anschauen,

00:41:10.230 --> 00:41:14.710
<v Rainer>dann funktioniert das auf interskalenärer Ebene in dieser Form nicht.

00:41:14.830 --> 00:41:21.590
<v Rainer>Der Grund ist schlicht und ergreifend ein anatomischer. Die Nervis supraclaviculares sind Äste,

00:41:21.770 --> 00:41:26.830
<v Rainer>die schwerpunktmäßig aus C4 kommen, natürlich wieder variabel auch Anteile aus

00:41:26.830 --> 00:41:34.150
<v Rainer>C3 oder C5 haben können und unter der Fascia praevertebralis einen Verlauf haben,

00:41:34.290 --> 00:41:39.210
<v Rainer>bevor sie diese Faszie durchbrechen und in mehreren Stufen dann oberflächlich

00:41:39.210 --> 00:41:42.110
<v Rainer>werden zur Versorgung der entsprechenden Hautareale.

00:41:42.350 --> 00:41:47.730
<v Rainer>Die Distanz, die die Nerven unterhalb der Fascia prävertebralis bleiben,

00:41:47.730 --> 00:41:51.450
<v Rainer>Die kann sehr variabel sein, bis zu 2, 2,5 cm.

00:41:52.230 --> 00:41:56.330
<v Rainer>Sodass wir in supraclaviculärer Position zwar wissen, dass sie da bereits durch

00:41:56.330 --> 00:41:58.290
<v Rainer>die Faszie durchgebrochen sind,

00:41:58.430 --> 00:42:02.570
<v Rainer>aber in der klassischen interskalenären Position bei C5 und C6 nicht.

00:42:02.570 --> 00:42:09.290
<v Rainer>Warum wir in der Vergangenheit mit klassisch-interskalenären Blockaden hier

00:42:09.290 --> 00:42:11.470
<v Rainer>diese Hautareale erreicht haben,

00:42:11.870 --> 00:42:18.190
<v Rainer>liegt schlicht und ergreifend an der variablen Ausbreitung, vor allem bei höheren Volumina.

00:42:18.870 --> 00:42:23.090
<v Rainer>Wenn das Lokalanästhetikum sich ein Segment nach Kranial ausbreitet,

00:42:23.250 --> 00:42:27.310
<v Rainer>sind die Nerven da erreicht oder sich unterhalb der Fascia praevertebralis nach

00:42:27.310 --> 00:42:28.770
<v Rainer>Lateral ausbreitet auch.

00:42:29.370 --> 00:42:33.170
<v Rainer>Also das erklärt diesen Erfolg bei der Interskalenären Blockade.

00:42:33.330 --> 00:42:37.130
<v Rainer>Aber auch hier war es wieder nicht sicher vorhersagbar.

00:42:37.510 --> 00:42:42.470
<v Rainer>Der sichere Weg, die Nerven zu blockieren, ist genau der, den die Ange beschrieben

00:42:42.470 --> 00:42:45.390
<v Rainer>hat, nämlich supraclaviculär, die Nadel zurückzuziehen.

00:42:45.390 --> 00:42:53.510
<v Rainer>Hier gibt es nur eine Einschränkung, da die Nn. supraclaviculares sich orientierend

00:42:53.510 --> 00:42:59.250
<v Rainer>in der Area nervosa bereits unterhalb der Faszie beginnen können zu verteilen,

00:42:59.790 --> 00:43:03.790
<v Rainer>dass sehr mediale Anteile, die ans Sternoklavikulargelenk ziehen,

00:43:04.090 --> 00:43:08.650
<v Rainer>bei der Versorgung von Klavikularfrakturen so unter Umständen nicht erreicht werden.

00:43:08.750 --> 00:43:12.630
<v Rainer>Das ist aber für die Operation am Schultergelenk völlig unbedeutend.

00:43:12.770 --> 00:43:15.170
<v Rainer>Also funktioniert die beschriebene Technik sehr gut.

00:43:15.390 --> 00:43:20.390
<v Tim>Rainer, ich werde mal Georg fragen, ob er uns ein Präparatfoto zur Verfügung

00:43:20.390 --> 00:43:23.110
<v Tim>stellt, das er frei gibt. Wir haben ja eine Menge Fotos gemacht.

00:43:23.870 --> 00:43:29.010
<v Tim>Und dir, liebe Anke, vielen Dank für die Frage. Wir haben jetzt alles am Beispiel

00:43:29.010 --> 00:43:33.630
<v Tim>einer Rotatoren-Manschetten-Operation festgemacht.

00:43:33.830 --> 00:43:40.050
<v Tim>Dieses Vorgehen gilt natürlich auch für andere Operationen wie die AC-Gelenkresektion,

00:43:40.330 --> 00:43:42.210
<v Tim>die subakromiale Dekompression,

00:43:42.650 --> 00:43:48.990
<v Tim>die arthroskopische Rotatoren-Manschettennaht, die Supraspinatussehnennaht und so weiter.

00:43:48.990 --> 00:43:54.990
<v Tim>Ich werde auf die Webseite eine Tabelle packen, wie ich das mit den Operatoren

00:43:54.990 --> 00:43:59.350
<v Tim>und den Kolleginnen abgesprochen habe, wie das in der Klinik,

00:43:59.370 --> 00:44:01.170
<v Tim>wo ich arbeite, umgesetzt wird.

00:44:01.350 --> 00:44:07.470
<v Tim>Und das müsstest du dann auch mit deiner Klinik und den Operateurinnen und Operateuren so besprechen.

00:44:07.970 --> 00:44:12.770
<v Tim>Geh auf radiomegahertz.de, schau dir den Blogbeitrag an, da findest du die ganzen

00:44:12.770 --> 00:44:17.690
<v Tim>weiteren Informationen, die jetzt hier im Podcast keinen Platz finden.

00:44:18.760 --> 00:44:24.640
<v Tim>Es geht dem Ende zu, das Ende der Episode 4 der zweiten Staffel.

00:44:24.980 --> 00:44:30.260
<v Tim>Wir haben über die Interscalenäre Plexus brachialis-Blockade gesprochen.

00:44:30.600 --> 00:44:35.760
<v Tim>Sie ist eine Technik, die regelmäßig für Operationen an der Schulter verwendet

00:44:35.760 --> 00:44:38.280
<v Tim>wird, aber birgt Probleme.

00:44:38.580 --> 00:44:44.140
<v Rainer>Hat ein spezifisches Profil an Komplikationen und Nebenwirkungen,

00:44:44.680 --> 00:44:47.980
<v Rainer>die die Indikation limitieren.

00:44:47.980 --> 00:44:54.500
<v Tim>Die Komplikationen werden getrennt in unerwünschte Ausbreitung der Lokalanästhetika

00:44:54.500 --> 00:44:57.160
<v Tim>oder mechanische Komplikationen:

00:44:57.260 --> 00:45:04.300
<v Rainer>Die Ausbreitung des Lokalanästhetikums ist in dem anatomisch eng begrenzten,

00:45:04.480 --> 00:45:08.740
<v Rainer>sehr variablen Raum nicht vorhersagbar und damit nicht kalkulierbar,

00:45:08.800 --> 00:45:13.660
<v Rainer>sodass diese Lokalanästhetika-bedingten Nebenwirkungen erklärbar sind,

00:45:13.820 --> 00:45:15.900
<v Rainer>vor allem aber auch nicht vermeidbar sind.

00:45:15.900 --> 00:45:20.600
<v Rainer>Klinisch wären die von vielen Anwendern als nicht gravierend angesehen,

00:45:21.040 --> 00:45:24.520
<v Rainer>was von Patienten teilweise ganz anders empfunden wird.

00:45:25.010 --> 00:45:29.310
<v Rainer>Die Komplikationen gehen im Wesentlichen auf Punktionskomplikationen zurück,

00:45:29.550 --> 00:45:33.790
<v Rainer>die durch die anatomischen Besonderheiten der Skalenuslücke erklärbar sind.

00:45:34.010 --> 00:45:40.430
<v Tim>Welche Nerven blockiert werden, hängt vom Operationsverfahren ab und ob in Narkose

00:45:40.430 --> 00:45:42.550
<v Tim>oder wach operiert wird.

00:45:42.690 --> 00:45:48.650
<v Rainer>Für die einfache Schulteroperation ist die Blockade des Truncus superior,

00:45:49.030 --> 00:45:52.550
<v Rainer>der sich aus C5 und C6 bildet, ausreichend.

00:45:52.830 --> 00:45:58.710
<v Rainer>Das Hautareal über der Schulter wird von den Nn. supraclaviculares aus dem

00:45:58.710 --> 00:46:05.990
<v Rainer>Plexus cervicalis versorgt und muss für eine Wacheoperation gezielt mitblockiert werden.

00:46:06.190 --> 00:46:12.690
<v Rainer>Als additives Verfahren zu einer Allgemeinanästhesie, in welcher Form auch immer,

00:46:12.890 --> 00:46:16.790
<v Rainer>ist die Blockade der Nervi supraclaviculares nicht erforderlich.

00:46:17.350 --> 00:46:21.810
<v Tim>Kathetertechniken sind nochmals anspruchsvoller als die Single-Shot-Blockaden.

00:46:22.150 --> 00:46:27.910
<v Rainer>Hier gilt eine Punktionsrichtung von medial nach lateral, entsprechend des Verlaufs

00:46:27.910 --> 00:46:33.910
<v Rainer>der Spinalnerven einzuhalten und den Katheter nicht unkontrolliert weit vorzuschieben.

00:46:34.330 --> 00:46:39.210
<v Rainer>Der Hintergrund ist einfach, da die Katheteranlage fast immer transmuskulär

00:46:39.210 --> 00:46:45.650
<v Rainer>erfolgen wird, sind natürlich Bewegungen im Schulter-Hals-Bereich dafür verantwortlich,

00:46:45.730 --> 00:46:49.270
<v Rainer>dass die Katheterposition über Tage verändert wird.

00:46:49.270 --> 00:46:55.070
<v Rainer>Und damit unter Umständen Nebenwirkungen oder ungewollte Ausbreitungen,

00:46:55.390 --> 00:46:58.090
<v Rainer>auch Wirkverlust zwangsläufig zu erwarten sind.

00:46:58.290 --> 00:47:03.930
<v Tim>Die Zusammenfassung der Zusammenfassung ist, dass dir die Sonografie die Möglichkeit

00:47:03.930 --> 00:47:08.410
<v Tim>und die Technik bietet, auf alle diese Punkte eingehen zu können.

00:47:08.610 --> 00:47:15.250
<v Tim>Die Unterscheidung zwischen dem Plexus brachialis tief zur Fascia pravertebralis,

00:47:15.250 --> 00:47:21.870
<v Tim>die selektive Blockade der Nervi supraclaviculares, das Erkennen variabler Nervenverläufe.

00:47:22.260 --> 00:47:29.600
<v Tim>Die Vermeidung intravaskulärer Injektionen und die Kontrolle von kontinuierlichen

00:47:29.600 --> 00:47:33.920
<v Tim>Katheterverfahren, die Ausbreitung zu kontrollieren.

00:47:35.160 --> 00:47:39.380
<v Tim>Rainer, ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken. Schön, dass du da warst.

00:47:39.600 --> 00:47:40.280
<v Rainer>Ja, sehr gerne.

00:47:40.500 --> 00:47:45.100
<v Tim>Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht. Wie immer ist jetzt dein Kopf wahrscheinlich voll mit Gedanken.

00:47:46.380 --> 00:47:50.100
<v Tim>Rainer, ich weiß, dass dein Kopf mit Gedanken voll ist. Du bekommst hier noch

00:47:50.100 --> 00:47:55.500
<v Tim>ein Präsent zum Mitnehmen und komm gut nach Hause. Ciao.

00:47:55.900 --> 00:47:56.640
<v Rainer>Ja, ciao Tim.

00:47:58.760 --> 00:48:03.000
<v Tim>Das war die vorletzte Episode zum Plexus Barchialis.

00:48:03.380 --> 00:48:07.020
<v Tim>Nächstes Mal geht es weiter mit der supraklavikulären Ebene.

00:48:07.660 --> 00:48:11.760
<v Tim>Schön, dass du dabei warst. Ich freue mich riesig, das ist nicht selbstverständlich.

00:48:12.340 --> 00:48:16.320
<v Tim>Abonniere, wenn du möchtest, den Newsletter von Radiomegahertz.

00:48:16.320 --> 00:48:18.800
<v Tim>Empfange Ultraschallwissen per E-Mail.

00:48:19.200 --> 00:48:23.320
<v Tim>Bleib gesund. Ich freue mich auf dich das nächste Mal.

00:48:23.800 --> 00:48:25.760
<v Tim>Bis bald und mach's gut. Ciao.