WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:00.625


00:00:00.625 --> 00:00:05.088
Klein: Frau Miller, wenn Sie drei Worte auswählen müssten die sie gut

00:00:05.213 --> 00:00:07.298
beschreiben, welche drei Worte während das?

00:00:08.425 --> 00:00:09.009
Miller: Lesen. Ich bin eine Viellesende.

00:00:13.888 --> 00:00:15.140
Perspektiven Vielfalt.

00:00:16.182 --> 00:00:20.103
Also mich interessiert ein Spektrum ein breites Spektrum. Und Kunst.

00:00:24.024 --> 00:00:27.610
Klein: Gibt es für Sie so etwas wie ein Leitsatz fürs Leben?

00:00:29.320 --> 00:00:33.116
Miller: Es ist ein systemischer. Es gibt mehrere Leitsätze aber ein

00:00:33.116 --> 00:00:35.827
systemischer Leitsatz: Im Prozess bleiben.

00:00:37.287 --> 00:00:39.831
Also im Prozess bleiben auch dann, wenn es schwierig wird Dinge

00:00:39.831 --> 00:00:42.876
durchhalten, auch auf neue Dinge sich einstellen.

00:00:43.501 --> 00:00:47.589
Aber auch aus einem Prozess aussteigen, wenn er keinen Sinn macht und

00:00:47.589 --> 00:00:49.174
andere Prozesse suchen.

00:00:51.593 --> 00:00:54.220
Klein: Gibt es für Sie in der Sozialen Arbeit so etwas wie Vorbilder

00:00:54.220 --> 00:00:55.096
oder ein Vorbild?

00:00:58.308 --> 00:00:59.476
Miller: Vorbilder weniger.

00:00:59.517 --> 00:01:04.689
Aber ich habe einen sehr großen Respekt vor den Gründerinnen der

00:01:04.689 --> 00:01:07.692
Sozialen Arbeit also die in der Frauenbewegung tätig waren.

00:01:08.151 --> 00:01:12.447
Alice Salomon oder bei uns in Bayern ist es die Ellen Ammann aber auch

00:01:12.447 --> 00:01:14.949
Frauen wie Helene Lange, Gertrud Bäumer.

00:01:15.658 --> 00:01:19.871
Ich denke, dass die enorm viel Pionierarbeit geleistet haben und auf

00:01:20.955 --> 00:01:24.751
deren Rückenwind sozusagen die Sozialarbeit sich gut entwickeln

00:01:24.751 --> 00:01:25.168
konnte.

00:01:26.836 --> 00:01:28.630
Ich habe großen Respekt vor den Frauen.

00:01:29.923 --> 00:01:32.217
Klein: Warum interessieren Sie sich überhaupt für Soziale Arbeit.

00:01:35.178 --> 00:01:38.515
Miller: Das hat damit zu tun - Ich glaube als ich Sozialpädagogik

00:01:38.515 --> 00:01:41.684
studiert hab also nicht an der Universität, sondern an der

00:01:41.684 --> 00:01:47.190
Fachhochschule war mir sehr sehr schnell klar, dass das für mich der

00:01:47.232 --> 00:01:48.691
Berufsort sein könnte.

00:01:49.567 --> 00:01:53.404
Und vor allen Dingen in der Kombination von Wissenschaft, von Lehre.

00:01:54.239 --> 00:01:58.827
Und in der Kombination von Person und Umwelt.

00:01:59.911 --> 00:02:03.998
Also die Verbindung. Subjekt und Gesellschaft, das fand ich sehr sehr

00:02:03.998 --> 00:02:07.877
reizvoll wie das die Sozialarbeit aufgriff greift oder die soziale

00:02:07.877 --> 00:02:08.795
Arbeit aufgreift.

00:02:09.504 --> 00:02:13.299
Und von daher war mir sehr klar Ich möchte auf dieses Ziel

00:02:13.299 --> 00:02:13.967
hinarbeiten.

00:02:15.093 --> 00:02:16.344
Und es hat geklappt.

00:02:18.304 --> 00:02:19.305
Klein: Ja sehr erfolgreich.

00:02:20.348 --> 00:02:22.183
Aber warum insbesondere dann die Theorie?

00:02:22.559 --> 00:02:24.269
Also warum haben sie sich besonders für die Theorie der Sozialen

00:02:24.269 --> 00:02:27.063
Arbeit oder in der Sozialen Arbeit beschäftigt interessiert.

00:02:28.148 --> 00:02:34.737
Miller: Also immer im eigenen Studium war es so, dass es sehr links

00:02:34.737 --> 00:02:39.993
orientiert war das Studium waren sehr marxistische Einflüsse noch

00:02:39.993 --> 00:02:41.744
dabei und.

00:02:42.203 --> 00:02:45.707
Ich fand es zum Teil dogmatisch wenngleich interessant auch Diskurs

00:02:45.707 --> 00:02:49.502
mäßig sehr interessant, aber ich fand es von der Grundausrichtung her

00:02:49.502 --> 00:02:50.461
sehr einseitig.

00:02:51.296 --> 00:02:54.382
Und auch sehr bestimmt von der Soziologie und von der Psychologie.

00:02:55.842 --> 00:03:00.638
Und als ich 1990 an die Fachhochschule kam war das ja eine Phase wo

00:03:00.638 --> 00:03:02.557
die soziale Arbeit im Aufbruch war.

00:03:03.725 --> 00:03:07.896
Auch in den Fachhochschulen Theorie Arbeit geleistet wurde zum Teil in

00:03:07.896 --> 00:03:10.440
Konkurrenz zur universitären Sozialpädagogik.

00:03:11.065 --> 00:03:14.527
Es war eine Goldgräberstimmung also mit Blick auf Theorie. Es waren

00:03:14.569 --> 00:03:20.783
Bedarfe da und für mich war das eine interessante Phase dort

00:03:20.783 --> 00:03:26.789
einzusteigen und es war auch in der Kollegenschaft ein sehr starkes

00:03:26.789 --> 00:03:29.834
Interesse mit Blick auf Theorie und wie es mit dieser sozialen Arbeit

00:03:29.834 --> 00:03:35.298
weitergeht und die Systematik die systemische Soziale Arbeit war im

00:03:35.298 --> 00:03:36.007
Gespräch.

00:03:37.383 --> 00:03:41.512
Und ich kam von der Politikwissenschaft her auch das war das zweite

00:03:41.512 --> 00:03:45.934
Studium von der Systemtheorie von Luhmanns Systemtheorie.

00:03:46.142 --> 00:03:50.104
Das Ziel war Komplexität zu erfassen und politische Komplexität zu

00:03:50.104 --> 00:03:50.605
erfassen.

00:03:51.397 --> 00:03:55.735
Und ich fand das sehr sehr spannend in der Sozialen Arbeit diese

00:03:55.735 --> 00:03:57.278
Perspektive reinzubringen.

00:03:58.404 --> 00:04:01.824
Also die Frage wie die Systemtheorie die soziale Arbeit bereichern

00:04:01.824 --> 00:04:06.663
kann das war für mich der Impetus sehr stark in die Theorie Arbeit zu

00:04:06.663 --> 00:04:10.708
gehen und hier den Versuch zu machen Beitrag zu leisten.

00:04:13.002 --> 00:04:13.711
Lambers: Vielen Dank für den ersten Teil.

00:04:16.756 --> 00:04:20.718
Als nächsten Gast in unserer Interviewreihe begrüßen wir ganz herzlich

00:04:20.718 --> 00:04:23.304
Frau Professor Dr. Tilly Miller herzlich willkommen.

00:04:24.514 --> 00:04:27.976
Bevor wir zu unseren fachlichen Fragen kommen würde ich ganz gerne

00:04:27.976 --> 00:04:31.646
kurz vorher ihre Biografie vorstellen.

00:04:32.730 --> 00:04:37.151
Sie haben Sozialpädagogik studiert an der Fachhochschule München mit

00:04:37.151 --> 00:04:39.070
dem Schwerpunkt Jugend und Erwachsenenbildung.

00:04:40.280 --> 00:04:42.490
Haben überdies Politikwissenschaft an der

00:04:42.490 --> 00:04:48.079
Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert und das sollte man

00:04:48.079 --> 00:04:52.292
auch nicht unterschlagen eine Weiterbildung zur Theaterpädagogin und

00:04:52.542 --> 00:04:58.423
zur Tanz und Bewegungspädagogin. Die Promotion erfolgte an der

00:04:58.423 --> 00:05:04.637
Universität der Bundeswehr in München mit dem Thema Komplexität und

00:05:04.637 --> 00:05:06.306
politische Erwachsenenbildung.

00:05:07.181 --> 00:05:11.936
Seit 1990 sind Sie Professorin für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und

00:05:11.936 --> 00:05:14.731
Politikwissenschaft an der katholischen Stiftungsfachhochschule

00:05:16.065 --> 00:05:18.401
Entschuldigung Stiftungshochschule München.

00:05:19.777 --> 00:05:23.448
Zu ihrer beruflichen Praxiserfahrung sollte man vielleicht noch sagen,

00:05:23.448 --> 00:05:28.328
dass sie viele Jahre als Organisationsreferentin und später auch als

00:05:28.328 --> 00:05:32.206
wissenschaftliche Assistentin an der Akademie für Politische Bildung

00:05:32.206 --> 00:05:37.128
in Tutzingen und dort mit den Schwerpunkten Theorien, Didaktik und

00:05:37.128 --> 00:05:41.382
Methodik politische Bildung und politische Bildung mit Aussiedlern

00:05:41.382 --> 00:05:42.091
tätig waren.

00:05:43.343 --> 00:05:48.264
So auch ihre Arbeits und Forschungsschwerpunkte, die zu nennen wären

00:05:48.973 --> 00:05:53.811
Netzwerkforschung, Netzwerktheorie, Netzwerkarbeit, Systemtheorie und

00:05:53.811 --> 00:05:59.359
systemische Soziale Arbeit. Überdies Erwachsenenbildung, Gruppen-und

00:05:59.359 --> 00:06:03.196
Teamentwicklung und da kommt dann auch noch mal die Theaterarbeit.

00:06:04.155 --> 00:06:07.909
Sie geben Fortbildung und begleiten Teamentwicklungsprozesse in

00:06:07.909 --> 00:06:11.829
verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit und sind

00:06:12.163 --> 00:06:15.625
Mitherausgeberin der Online Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für

00:06:15.625 --> 00:06:17.502
Systemische Soziale Arbeit.

00:06:18.753 --> 00:06:23.091
Ihre vielfältige Publikationstätigkeit können wir hier nicht so

00:06:23.299 --> 00:06:27.678
dokumentieren aber es geht ja hier auch zentral um ihre

00:06:27.678 --> 00:06:31.182
Theoriefundierung einer Handlungstheorie der Sozialen Arbeit.

00:06:31.766 --> 00:06:37.188
Da würde ich ganz gerne mal kurz die beiden Hauptwerke in die Kamera

00:06:37.188 --> 00:06:41.442
zeigen zum einen Systemtheorie und Soziale Arbeit Entwurf einer

00:06:41.442 --> 00:06:42.944
Handlungstheorie.

00:06:45.321 --> 00:06:54.163
Und dann das Buch Inklusion Teilhabe Lebensqualität tragfähige

00:06:54.163 --> 00:06:57.583
Beziehungen Gestalten Systemische Modellierung einer Kernbestimmung

00:06:59.627 --> 00:07:03.965
Sozialer Arbeit aus dem Jahr 2012.

00:07:05.925 --> 00:07:11.431
Dieses Buch baut auf ihren ersten Entwurf einer Handlungstheorie auf

00:07:11.472 --> 00:07:14.058
und ich denke es wird auch noch mal spannend sein auch so die

00:07:14.058 --> 00:07:16.185
Entwicklung noch einmal so ein bisschen beleuchten zu können.

00:07:18.563 --> 00:07:24.485
Ja zunächst einmal zur Markierung ihrer eigenen Theorie.

00:07:26.737 --> 00:07:30.032
Warum haben Sie sich für ihren Theorie Ansatz entschieden?

00:07:30.700 --> 00:07:34.996
Was motiviert Sie an Ihrem Ansatz oder hat sie motiviert an ihrem

00:07:34.996 --> 00:07:35.580
Ansatz?

00:07:37.915 --> 00:07:46.340
Vielleicht auch nochmal mit Blick auf die theoretische Fundierung.

00:07:49.927 --> 00:07:56.142
Miller: Ich komme ja von zwei Studien her, die etwas Gemeinsames haben

00:07:57.059 --> 00:08:00.313
nämlich die Praxisorientierung, die Politik ist auf praktisches

00:08:00.313 --> 00:08:04.859
Handeln orientiert genauso wie die Soziale Arbeit und beide haben ein

00:08:04.859 --> 00:08:08.404
Phänomen das herausfordernd ist nämlich die Komplexität.

00:08:09.697 --> 00:08:13.993
Das heißt beide Zugänge müssen sich mit einer sehr komplexen

00:08:13.993 --> 00:08:16.329
Gemengelage in der Praxis auseinandersetzen.

00:08:17.121 --> 00:08:21.834
Es hat mit beiden Problemen zu tun soziale Probleme wie politische

00:08:21.834 --> 00:08:25.463
Probleme, die letztendlich auch soziale Probleme sind auf einer

00:08:25.463 --> 00:08:30.593
anderen Weise und mich hat diese Komplexität beschäftigt.

00:08:31.886 --> 00:08:35.389
Politikwissenschaft wo ich mich sehr stark auf die politische Bildung

00:08:35.389 --> 00:08:39.352
ausgerichtet habe war die Frage Wie kann man politische Komplexität

00:08:39.352 --> 00:08:44.148
erfassen und sie auch pädagogisch weitervermitteln.

00:08:44.398 --> 00:08:47.652
Auch mit Blick auf politische Bildung in der Sozialen Arbeit die Frage

00:08:47.652 --> 00:08:52.281
Wie kann man diese Komplexität in der Praxis fassen diese Personen

00:08:52.281 --> 00:08:56.911
Umwelt Komplexität diese komplexen Prozesse, die man mit

00:08:56.911 --> 00:09:02.917
Hilfeprozessen bearbeiten muss und da war für mich die Systemtheorie

00:09:02.917 --> 00:09:04.877
einfach ein Schlüssel ein Schlüssel.

00:09:06.379 --> 00:09:10.550
Und das hat mich sehr motiviert diesen Schlüssel auch für die soziale

00:09:10.550 --> 00:09:11.884
Arbeit nutzbar zu machen.

00:09:13.427 --> 00:09:17.265
Und damit war auch das erste Buch sehr stark Luhmann orientiert also

00:09:17.265 --> 00:09:18.891
die soziologische Systemtheorie und eifach den Versuch

00:09:21.435 --> 00:09:26.899
herauszuarbeiten was hier transferierbar ist und was nutzbar ist.

00:09:28.317 --> 00:09:29.360
Lambers: Ja Sie haben ja.

00:09:31.737 --> 00:09:37.827
Angelehnt an Ataub-Bernasconi sich orientiert an den sogenannten

00:09:37.868 --> 00:09:38.244
Wissenskategorien.

00:09:39.412 --> 00:09:42.498
Man muss sich immer fragen auf welche müssen dann eigentlich

00:09:42.498 --> 00:09:48.379
Studierende der Sozialen Arbeit zurückgreifen und was ist wenn man so

00:09:48.379 --> 00:09:53.509
will an Wissenskategorien bedeutsam auch für die Entwicklung einer

00:09:53.509 --> 00:09:54.468
Handlungstheorie.

00:09:55.761 --> 00:10:02.059
Und da haben sie in ihrer ersten Publikation darauf hingewiesen dass

00:10:02.059 --> 00:10:02.393
sie.

00:10:03.936 --> 00:10:06.939
Im Grunde genommen mit den Wissenskategorien von Staub-Bernasconi

00:10:06.981 --> 00:10:10.610
einverstanden sind also zum Beispiel das Gegenstandswissen

00:10:10.610 --> 00:10:14.488
beziehungsweise da haben sie ein Fragezeichen gesetzt aber das

00:10:15.072 --> 00:10:18.284
Erklärungswissen, dass Wertewissen und auch das sogenannte

00:10:18.409 --> 00:10:26.042
Verfahrenswissen bis hin zum Evaluationwissen, das ist für Sie

00:10:26.042 --> 00:10:30.671
plausibel aber beim Gegenstandswissen haben sie damals so einen

00:10:30.671 --> 00:10:34.342
kleinen Einspruch erhoben und gesagt, im Grunde genommen lässt sich

00:10:34.342 --> 00:10:41.015
das Gegenstandswissen also die Frage was ist das Soziale und lässt

00:10:41.015 --> 00:10:45.853
sich das Soziale überhaupt bestimmen, dass man das mit einer quasi

00:10:45.853 --> 00:10:49.899
ontologischen Sicherheit nicht vornehmen kann und daher haben sie

00:10:49.899 --> 00:10:55.071
gesagt bei dem Gegenstandswissen würden sie da ein Fragezeichen hinter

00:10:55.071 --> 00:10:58.908
setzen und das so nicht übernehmen.

00:10:59.700 --> 00:11:03.537
Würden Sie das heute auch noch so beurteilen oder hat sich da etwas

00:11:03.537 --> 00:11:10.961
verändert, in dieser Frage der ontologischen Bestimmung dessen was wir

00:11:11.003 --> 00:11:16.342
im Grunde genommen von dem Sozialen wissen können.

00:11:19.387 --> 00:11:21.764
Miller: Ich glaube was wir vom sozialen wissen können.

00:11:22.598 --> 00:11:26.519
Das ist eine Frage der Theorie allein worauf wir rekurrieren.

00:11:27.478 --> 00:11:32.274
Das ist eine Frage der Auswahl dieses Gegenstandswissen, dass ich

00:11:32.358 --> 00:11:36.904
wichtig finde für die soziale Arbeit in der Theorieenwicklung.

00:11:37.947 --> 00:11:41.450
Ich habe das ja dann in der Nachfolge Buch sehr dezidiert aufgenommen

00:11:41.450 --> 00:11:44.036
was Gegenstand sozialer Arbeit sein kann.

00:11:44.662 --> 00:11:50.459
Ich habe das in Vorläufer Buch nicht gemacht, weil ich mich hier erst

00:11:50.459 --> 00:11:55.715
mal darum ging die Systemtheorie auszuloten und das war natürlich mit

00:11:55.715 --> 00:11:58.509
den anderen Kategorien viel einfacher möglich.

00:11:59.802 --> 00:12:04.306
Ich habe das Gegenstandswissen benannt, aber das war jetzt mit Blick

00:12:04.306 --> 00:12:10.438
auf Handlungstheorie, was ich hier am Anfang nur als Entwurf

00:12:10.438 --> 00:12:11.397
angedeutet habe.

00:12:12.314 --> 00:12:15.901
Für mich jetzt nicht im Zentrum, sondern im Zentrum war dieses

00:12:15.901 --> 00:12:21.657
Ausloten der Systemtheorie und dann im zweiten Buch ist die

00:12:21.824 --> 00:12:23.868
Gegenstandsbestimmung sehr klar beschrieben.

00:12:25.578 --> 00:12:28.789
Lambers: Da werden wir dann im Verlauf des weiteren Gesprächs nochmal

00:12:28.831 --> 00:12:29.790
darauf zurückkommen.

00:12:31.208 --> 00:12:33.669
Klein: Sie haben ja eine Handlungstheorie der Sozialen Arbeit

00:12:33.669 --> 00:12:37.631
entworfen und das Gegenteil von einer Handlungstheorie ist ja

00:12:37.631 --> 00:12:41.260
eigentlich auch die Systemtheorie - ist ja nicht als Handlungstheorie

00:12:41.969 --> 00:12:45.848
zu sehen und die Systemtheorie hat für Sie als Basis aber eine

00:12:45.848 --> 00:12:49.310
besondere Bedeutung sie haben eben schon einmal einleitend etwas dazu

00:12:49.310 --> 00:12:49.727
gesagt.

00:12:50.186 --> 00:12:52.605
Darauf zielt auch meine Frage: Weshalb greifen sie ausgerechnet auf

00:12:52.605 --> 00:12:54.273
die Systemtheorie zurück.

00:12:55.065 --> 00:12:59.862
Miller: Weil sie Komplexität erfassen kann und zwar mehr als viele

00:12:59.862 --> 00:13:00.696
andere Theorien.

00:13:01.864 --> 00:13:06.035
Sie hat natürlich Grenzen in der Reichweite. Sie kann psychologische

00:13:06.035 --> 00:13:09.079
Prozesse nicht erfassen, sie kann jedenfalls die luhmannsche Theorie,

00:13:09.497 --> 00:13:13.626
sie kann das Zusammenspiel zwischen psychischen Systemen und sozialen

00:13:13.626 --> 00:13:17.963
Systemen nicht wirklich erfassen, aber sie kann die sozialen Systeme

00:13:17.963 --> 00:13:23.928
erfassen in ihre eigene Logik und die Systemtheorie überhaupt sind

00:13:23.928 --> 00:13:28.224
angetreten um Komplexität zu erfassen und das finde ich das spannende

00:13:28.224 --> 00:13:30.184
Moment in diesem Zugang.

00:13:31.018 --> 00:13:33.813
Also ist sozusagen die wissenschaftstheoretische Fundierung.

00:13:34.855 --> 00:13:39.485
Aus dieser Perspektive einen Ansatz zu modellieren aber nicht mit

00:13:39.485 --> 00:13:40.653
einer Exklusivität.

00:13:43.197 --> 00:13:46.283
Klein: Warum sollte die soziale Arbeit mit ihrem Theorie Ansatz

00:13:46.367 --> 00:13:46.909
arbeiten.

00:13:47.952 --> 00:13:52.498
Was ist das, wo sie sagen würden meine Handlungstheorie bietet sich an

00:13:52.581 --> 00:13:55.125
für die soziale Arbeit? Warum sollte sie das tun?

00:13:56.460 --> 00:13:59.839
Miller: Weil die soziale Arbeit auf mehreren Ebenen tätig ist.

00:14:00.172 --> 00:14:02.007
Sie ist auf einer interaktionellen Ebene.

00:14:03.050 --> 00:14:06.303
In privaten Beziehungen arbeitet mit Familiensystemen,

00:14:06.804 --> 00:14:11.725
Freundschaftssystemen um Adressaten zu unterstützen.

00:14:12.601 --> 00:14:15.688
Sie arbeitet auf der Meso Ebene, das heißt sie muss sich mit

00:14:15.938 --> 00:14:19.400
Schulsystemen, mit Hilfesystem, mit politischen Systemen

00:14:19.400 --> 00:14:20.317
auseinandersetzen.

00:14:22.319 --> 00:14:24.446
Und sie ist gesellschaftlich gerahmt, also wenn man jetzt diese

00:14:25.698 --> 00:14:29.410
sozialpolitische Dimension noch mit dazunimmt und auf diesen

00:14:29.451 --> 00:14:32.037
verschiedenen Ebenen gibt es bestimmte Systemlogiken.

00:14:33.873 --> 00:14:40.421
Und die Klammer die ich ja herausarbeite versuche ich mit dem Begriff

00:14:40.421 --> 00:14:41.922
der Beziehungen zu erfassen.

00:14:43.090 --> 00:14:48.679
Das heißt ich kann mit der Systemtheorie. Verschiedene Beziehungsebene

00:14:48.762 --> 00:14:52.266
benennen und Beziehungenkonstellationen beschreiben.

00:14:53.642 --> 00:14:57.563
Ich kann Herausforderungen von Beziehungsarbeit beschreiben, die weit

00:14:57.563 --> 00:15:04.528
mehr sind als jetzt nur Interaktionsbeziehungen, sondern die Frage was

00:15:04.528 --> 00:15:08.157
ist die Logik einer Schule, wie kommuniziert man jetzt mit Lehrern

00:15:08.157 --> 00:15:14.580
oder mit Rektoren, was ist die Denklogik eines solchen Systems oder

00:15:14.580 --> 00:15:15.956
eines politischen Systems.

00:15:16.332 --> 00:15:18.334
Was bedeutet das für die Kommunikation?

00:15:18.834 --> 00:15:21.128
Das kann ich mit diesem Ansatz herausarbeiten.

00:15:22.171 --> 00:15:27.009
Und ich denke Soziale Arbeit ist in einem grundlegenden Zugang

00:15:27.176 --> 00:15:30.930
Beziehungsarbeit, aber nicht ausschließlich in dieser

00:15:32.598 --> 00:15:36.435
Adressat-Helfer-Beziehung, das ist eine Dimension der Beziehung,

00:15:36.435 --> 00:15:40.940
sondern die Sozialarbeit muss in ganz verschiedenen Richtungen tätig

00:15:40.940 --> 00:15:45.861
werden und braucht eine Kommunikationskompetenz die vielfältig ist.

00:15:47.947 --> 00:15:52.076
Lambers: Beziehung auch so als zentraler Gegenstand, da kommen wir

00:15:52.534 --> 00:15:56.580
gerne gleich nochmal darauf zurück. Aber vielleicht vorab nochmal wenn

00:15:56.580 --> 00:16:03.379
Sie sagen es ist bedeutsam die Komplexität gesellschaftlicher sozialer

00:16:03.379 --> 00:16:07.091
Ordnungsbildungen erst einmal in den Blick nehmen zu können und

00:16:07.424 --> 00:16:09.593
beschreiben, veilleicht auch analysieren zu können.

00:16:11.387 --> 00:16:14.473
Das leuchtet ein auf der anderen Seite kommen sie aber auch zu der

00:16:14.473 --> 00:16:20.437
Feststellung dass Sozialarbeiterinnen, sozialarbeiter eigentlich wenig

00:16:20.479 --> 00:16:23.857
Chancen haben auf soziale Systeme einzuwirken.

00:16:23.857 --> 00:16:28.195
Sie nennen Das relative Interventionchance.

00:16:29.488 --> 00:16:31.865
Was meinen Sie mit dieser relativen Chance?

00:16:32.574 --> 00:16:36.578
Man könnte ja auch fragen Warum sollen sich Sozialarbeiter oder

00:16:36.620 --> 00:16:39.748
Studierende der Sozialen Arbeit eigentlich mit sozialen Systemen

00:16:39.748 --> 00:16:42.793
auseinandersetzen, wenn sie gleichzeitig erfahren, dass sie eigentlich

00:16:43.377 --> 00:16:47.631
nur relative Möglichkeiten der Einwirkung auf soziale Systeme haben?

00:16:50.551 --> 00:16:54.179
Miller: Ich glaube dass ein sehr pragmatischer Lebenszugang.

00:16:56.265 --> 00:17:01.812
Ich denke wir müssen uns davor hüten den Studierenden Ideen in den

00:17:01.812 --> 00:17:06.233
Kopf zu setzen, dass alles möglich ist, dass ihr Hilfezugang alle

00:17:06.233 --> 00:17:10.487
möglichen Wirkungen haben kann, sondern die Systemtheorie, die setzt

00:17:10.738 --> 00:17:12.489
uns in eine andere Realitätswahrnehmung.

00:17:14.491 --> 00:17:18.746
Das heißt durch das autopoiese Konzept die Sache des Menschen die

00:17:18.746 --> 00:17:23.959
Systeme selbstorganisiert ihr Leben gestalten oder Handlungen

00:17:23.959 --> 00:17:26.628
vollziehen oder Systemverhalten erfolgt.

00:17:28.088 --> 00:17:32.301
Bringt uns ganz schnell an die Grenzen zu sagen wir wollen das und das

00:17:32.301 --> 00:17:36.597
erreichen, wir wollen die Wirkungen erreichen, sondern Systeme tun was

00:17:36.638 --> 00:17:39.892
sie tun aufgrund ihrer Programme und Menschen tun das was sie tun

00:17:39.892 --> 00:17:45.272
aufgrund ihrer Sinnkategorien oder ihre emotionalen Dispositionen. Was

00:17:45.272 --> 00:17:45.856
auch immer.

00:17:46.732 --> 00:17:51.945
Davor gilt erstmal auch einen Respekt zu entwickeln ohne gleich sozial

00:17:52.029 --> 00:17:56.742
technologisch in allem in allen möglichen Weisen eingreifen zu wollen,

00:17:57.409 --> 00:18:03.582
sondern sich vielmehr heranzutasten und zu schauen: Was für Menschen

00:18:03.582 --> 00:18:08.128
wichtig ist in ihrem Entwicklungsprozess, was für Systeme machbar ist,

00:18:08.837 --> 00:18:13.842
was deren Logik ist, was deren Begründungen sind in der Argumentation

00:18:14.343 --> 00:18:20.474
und das ist ein schwieriger Prozess, weil man aushalten muss dass eben

00:18:20.516 --> 00:18:24.686
nicht alles möglich ist aber es ist ein sehr eine sehr realistische

00:18:24.686 --> 00:18:25.646
Ausgangslage.

00:18:27.231 --> 00:18:30.734
Ich finde um sie auszuhalten braucht es Neugier.

00:18:31.568 --> 00:18:35.114
Neugier auf Prozesse und es braucht auch eine bestimmte

00:18:35.114 --> 00:18:39.910
Bescheidenheit, im Sinne dessen was man bewirken kann oder was nächste

00:18:39.910 --> 00:18:44.873
Schritte sein können und wo Menschen, die Unterstützung wahrnehmen,

00:18:45.624 --> 00:18:49.378
was sie auch leisten können, was sie tun möchten und was sie auch

00:18:49.378 --> 00:18:50.254
nicht tun möchten.

00:18:52.256 --> 00:18:57.219
Lambers: Nun schreiben Sie ja auch, dass soziale Systeme die

00:18:57.219 --> 00:19:03.100
Eigenschaft besitzen nach einer gewissen Systemstabilität zu suchen

00:19:04.101 --> 00:19:07.104
unabhängig davon, ob das jetzt für dieses soziale System gut oder

00:19:07.104 --> 00:19:09.273
schlecht ist oder für die Umwelt gut oder schlecht ist.

00:19:10.899 --> 00:19:15.445
Und von daher sagen sie völlig nachvollziehbar, dass Stabilität an

00:19:15.445 --> 00:19:17.447
sich ja kein Wert an sich ist.

00:19:19.116 --> 00:19:25.330
Aber daraus schließen sie ja auch dass soziale Arbeit dann Kriterien

00:19:25.330 --> 00:19:31.378
für die Entscheidung braucht wann Systemstabilität zu fördern, zu

00:19:31.378 --> 00:19:34.089
schwächen oder gar aufzulösen ist.

00:19:35.424 --> 00:19:38.802
Da drängt sich natürlich die Frage woher nimmt Soziale Arbeit

00:19:38.802 --> 00:19:42.639
eigentlich diese Kriterien um entscheiden zu können wie sie auf

00:19:42.639 --> 00:19:47.269
soziale Systeme im Sinne von fördern, schwächen oder sogar auflösen

00:19:47.644 --> 00:19:48.645
einwirkt.

00:19:51.690 --> 00:19:55.152
Gibt es da normative Kriterien oder was denken Sie da?

00:19:56.195 --> 00:19:59.072
Miller: Ich arbeite gar nicht so stark deswegen finde ich es

00:19:59.072 --> 00:20:04.036
interessant, dass sie die Kategorien rausgesucht Systeme zu schwächen

00:20:04.036 --> 00:20:05.537
oder gar aufzulösen.

00:20:06.455 --> 00:20:11.543
Ich finde es viel wichtiger Prozesse zu initiieren die Entwicklungen

00:20:11.543 --> 00:20:16.548
ermöglichen und förderliche Entwicklungen ermöglichen bei Menschen und

00:20:16.548 --> 00:20:17.341
Systemen.

00:20:18.884 --> 00:20:24.348
Systeme aufzulösen ist glaube ich in vielen Dingen überhaupt erst

00:20:24.348 --> 00:20:27.768
einmal gar nicht möglich, also grundsätzlich nicht möglich, außer wenn

00:20:27.768 --> 00:20:31.188
man jetzt überlegt gut in der Sozialarbeit können Teams aufgelöst

00:20:31.188 --> 00:20:38.278
werden oder man kann eine wohngruppe auflösen, wenn sie nicht mehr

00:20:38.445 --> 00:20:40.530
entsprechend förderlich funktioniert.

00:20:41.406 --> 00:20:46.870
Also es gibt Bereiche wo man auflösen kann aber ansonsten denke ich

00:20:47.287 --> 00:20:51.166
gibt es für die Sozialarbeit nur beschränkte Möglichkeiten das zu tun.

00:20:52.000 --> 00:20:55.295
Zu Ihrer Frage Was sind die Kriterien.

00:20:55.295 --> 00:20:58.298
Es müssen natürlich ethische Kriterien sein.

00:20:58.840 --> 00:21:04.763
Das heißt es müssen humanistische Kriterien sein, um zu überlegen wie

00:21:04.805 --> 00:21:09.017
viel Sinn und wie förderlich Systeme für Menschen sind.

00:21:11.561 --> 00:21:15.857
Aber selbst wenn man jemand aus dem System herausnimmt beispielsweise

00:21:15.857 --> 00:21:21.905
in der Kinder und Jugendhilfe um einen Heimplatz oder so sowas zu

00:21:21.905 --> 00:21:25.033
finden, dann existieren die Systeme weiter das Familiensystem

00:21:25.409 --> 00:21:28.412
existiert ja weiter unter veränderten Bedingungen.

00:21:30.831 --> 00:21:37.004
Es geht eher um die Frage: Im System bleiben und unter welchen

00:21:37.004 --> 00:21:38.505
Bedingungen im System bleiben.

00:21:38.505 --> 00:21:41.466
Was ist förderlich wodurch förderlich ist.

00:21:42.301 --> 00:21:46.513
Ich sehe eher die Frage der System Arbeit, also die Arbeit im System

00:21:47.180 --> 00:21:50.475
um Inklusionsbedingungen zu verbessern. Das ist mehr meine

00:21:50.475 --> 00:21:50.684
Ausrichtung.

00:21:53.854 --> 00:21:56.982
Lambers: Damit können wir vielleicht auch zu den Eingangs schon von

00:21:56.982 --> 00:22:01.445
Ihnen angesprochenen Versuch ihrer Gegenstandsbestimmung der Sozialen

00:22:01.445 --> 00:22:04.197
Arbeit nehmen.

00:22:04.698 --> 00:22:11.038
Sie haben ja besonders in der zweiten Publikation den Gegenstand der

00:22:11.038 --> 00:22:17.419
Sozialen Arbeit als tragfähige Beziehung um Inklusion, Teilhabe und

00:22:17.711 --> 00:22:21.631
Lebensqualität zu stärken wie sie schreiben benannt.

00:22:22.382 --> 00:22:25.969
Und da steht, wenn ich das richtig verstanden habe, die

00:22:25.969 --> 00:22:30.349
Beziehungsarbeit auf der personalen aber auch auf der strukturellen

00:22:30.349 --> 00:22:32.017
Ebene im Vordergrund.

00:22:35.979 --> 00:22:40.942
Beziehungsarbeit als Gegenstandsbestimmung weshalb steht das bei Ihnen

00:22:40.942 --> 00:22:43.945
so im Zentrum das war ja in der ersten Publikation noch nicht so

00:22:43.945 --> 00:22:47.407
deutlich erkennbar und ist dann hier sehr, sehr deutlich und auch

00:22:47.949 --> 00:22:50.160
ausführlich dargestellt worden.

00:22:51.620 --> 00:22:57.250
Miller: Weil die Beziehungsarbeit für die Praxis der sozialen Arbeit

00:22:58.168 --> 00:23:02.923
eine Kernaufgabe ist, das heißt wir können Menschen im Grunde nur

00:23:02.923 --> 00:23:07.677
unterstützen, wenn wir in ihr soziales Feld gehen, in ihren Kontext

00:23:07.677 --> 00:23:12.182
gehen und wenn wir mit den relevanten Personen und Systemen arbeiten.

00:23:13.266 --> 00:23:18.480
Das heißt die Beziehungsarbeit ist basal um überhaupt Hilfe leisten zu

00:23:18.480 --> 00:23:18.772
können.

00:23:23.443 --> 00:23:25.695
Lambers: Das fällt mir jetzt gerade spontan ein.

00:23:25.779 --> 00:23:31.201
Der Begriff Inklusion ist ja heute sehr stark besetzt durch die

00:23:32.702 --> 00:23:35.747
menschenrechtskonvention inklusive Gesellschaft.

00:23:37.499 --> 00:23:40.210
Sie verstehen den Begriff Inklusion, aber doch noch sehr stark im

00:23:40.210 --> 00:23:45.173
Luhmannschen Sinne oder würden Sie sagen, dass das ja ein Begriff ist

00:23:45.799 --> 00:23:49.386
wie wir ihn heute eben auch in den Bemühungen um eine inklusive

00:23:49.386 --> 00:23:51.888
Gesellschaft verwendet sehen.

00:23:52.472 --> 00:23:54.975
Da gibt es ja so leichte Verständnisschwierigkeiten.

00:23:56.268 --> 00:24:01.273
Miller: Also ich bleibe in der Luhmanns Perspektive mit dem Begriff wo

00:24:01.273 --> 00:24:05.861
es darum geht Inklusion ist erstmal, auch aus einer demokratischen

00:24:05.902 --> 00:24:11.867
Perspektive her, die Grundanforderungen dass der Mensch grundsätzlich

00:24:11.867 --> 00:24:16.455
Zugang zu allen Systemen hat und wenn wir in den

00:24:16.455 --> 00:24:21.501
Systemenkonstellationen denken dann geht es als nächstes um die Frage

00:24:21.668 --> 00:24:25.255
wie sind Inklusionbedingungen das heißt wie verläuft überhaupt

00:24:25.255 --> 00:24:28.633
Inklusion und da finde ich seinen Ansatz sehr interessant, dass die

00:24:28.675 --> 00:24:33.722
Inklusionmodi die Systeme bestimmen also die Schulen bestimmen wer

00:24:34.264 --> 00:24:36.349
irgendwo in die Schulen reinkommt.

00:24:37.267 --> 00:24:41.021
Das Recht bestimmt wer bestimmte Zugänge hat zum Recht und zu

00:24:41.771 --> 00:24:42.939
bestimmten Ansprüchen.

00:24:43.607 --> 00:24:50.030
Also wir sind mit Inklusionsmodi beschäftigt und durch diese enormen

00:24:50.030 --> 00:24:54.034
Individualisierungprozesse, die wir haben in einer Gesellschaft, sind

00:24:54.034 --> 00:24:57.662
es eigentlich die Personen. Wir sind es die ständig überlegen müssen

00:24:57.662 --> 00:25:01.374
was müssen wir tun um hier oder dort in das System zu kommen.

00:25:02.292 --> 00:25:05.795
Die ganze Kompetenzdiskussion läuft denke ich in dieser Richtung ist

00:25:05.837 --> 00:25:06.838
anschlussfähig.

00:25:07.172 --> 00:25:11.176
Der kompetente Mensch der sozusagen inklusionsfähig wird.

00:25:12.302 --> 00:25:15.680
Klein: Und von daher ist dieses Konzept finde ich sehr interessant

00:25:16.473 --> 00:25:21.478
auch für die soziale Arbeit, weil es geht darum in Bildung zu kommen,

00:25:21.478 --> 00:25:22.896
in Beschäftigung zu kommen.

00:25:23.605 --> 00:25:26.942
Miller: Es heißt ja immer wieder Inklusionsfragen und damit verbunden

00:25:26.983 --> 00:25:33.156
Modi die einzelne bewältigen müssen und der Inklusionsbegriff ist

00:25:33.156 --> 00:25:34.157
breit angelegt.

00:25:36.993 --> 00:25:40.956
Lambers: Und ist es dann so, dass sie Beziehungsarbeit wenn man so

00:25:40.956 --> 00:25:49.881
will als den Modus sehen um tatsächlich diese Inklusionshilfen in Gang

00:25:49.965 --> 00:25:53.552
setzen zu können - Also es ist immer noch so die Frage welchen

00:25:53.552 --> 00:25:55.971
Stellenwert hat dann eigentlich Beziehungsarbeit.

00:25:56.054 --> 00:25:59.975
Man könnte auch sagen es geht eigentlich eher um Qualifikation also

00:25:59.975 --> 00:26:05.063
bestimmte Inklusionsmerkmale ausbilden zu können um erhöhte

00:26:05.063 --> 00:26:06.940
Teilhabechancen dann auch herstellen zu können.

00:26:07.691 --> 00:26:11.778
Aber sie sitzen ja bei dem Begriff Beziehung an und mich hat das ein

00:26:11.778 --> 00:26:13.863
bisschen an Hermann Nohl erinnert.

00:26:14.614 --> 00:26:19.953
Die Pädagogik der pädagogische Bezug eine sehr zentrale Kategorie in

00:26:19.953 --> 00:26:20.745
seiner Theorie.

00:26:21.037 --> 00:26:28.545
Denken Sie da tatsächlich noch an eine vielleicht traditionelle Form

00:26:28.837 --> 00:26:33.592
von Beziehungsarbeit oder wie muss man sich das vorstellen?

00:26:35.844 --> 00:26:39.180
Sie beziehen ja nicht nur auf die personale Ebene sondern auch auf die

00:26:39.180 --> 00:26:42.267
strukturelle, wenn ich das richtig verstanden habe.

00:26:44.936 --> 00:26:49.107
Miller: Der Begriff der Beziehung erlaubt verschiedene

00:26:49.107 --> 00:26:51.067
Zugangsmöglichkeiten und Perspektiven.

00:26:51.818 --> 00:26:54.738
Ich selber bin natürlich pädagogisch eingefärbt.

00:26:54.821 --> 00:26:58.366
Ich komme aus der humanistischen Perspektive.

00:26:59.618 --> 00:27:02.954
Ich komme sehr stark auch vom Bildungsbegriff aus einer Humboldtschen

00:27:02.954 --> 00:27:06.041
Perspektive aber nicht exklusiv, aber das ist etwas was mich immer

00:27:06.041 --> 00:27:07.000
sehr geprägt hat.

00:27:08.376 --> 00:27:12.297
Aber dieser Zugang reicht natürlich nicht das heißt ich kann mit

00:27:12.297 --> 00:27:16.009
diesem Zugang strukturell nur bedingt arbeiten, aber ich habe mit

00:27:16.009 --> 00:27:20.764
Blick auf Beziehungen eine Dimension des personellen das heißt der

00:27:20.805 --> 00:27:24.559
Begegnung helfende und Adressaten begegnen.

00:27:25.268 --> 00:27:29.731
Aber ich muss Beziehungen auch vor einer Hintergrundfolie sehen des

00:27:29.731 --> 00:27:33.276
strukturellen Blickes das heißt Beziehungsgestaltung vor dem

00:27:33.276 --> 00:27:37.947
Hintergrund bestimmter Systemlogiken, Schullogiken, Arbeitslogiken und

00:27:37.947 --> 00:27:38.615
so weiter.

00:27:39.366 --> 00:27:43.495
Wo es darum geht dass die Systeme auf Funktionsfähigkeit gerichtet

00:27:43.495 --> 00:27:47.248
sind das heißt Schule soll funktionieren und die Schüler die sollen

00:27:47.248 --> 00:27:50.919
einigermaßen Einpassung dazu stehen. Man kann Abweichungen nur in

00:27:50.919 --> 00:27:55.840
bestimmter Weise durch Programme bewältigen.

00:27:56.508 --> 00:27:59.052
Das heißt ich muss mit diesem Beziehunsgbegriff auch mehr

00:27:59.177 --> 00:28:05.767
perspektivisch umgehen sowohl personell-humanistisch-interaktiv wie

00:28:05.767 --> 00:28:07.894
auch vor dem Hintergrund von Systemlogiken.

00:28:09.813 --> 00:28:12.315
Lambers: Also wenn ich das richtig verstehe ist ihnen wichtig, dass in

00:28:12.315 --> 00:28:15.443
dieser Beziehungsarbeit immer wieder aber auch der Anschluss an die

00:28:16.319 --> 00:28:19.698
Bedingung moderner Gesellschaft wenn man so will auch die

00:28:20.573 --> 00:28:25.453
Anforderungen, die sehr spezifische Funktionslogiken soziale Systeme

00:28:25.453 --> 00:28:27.622
an uns stellen, an jeden Menschen stellen.

00:28:28.039 --> 00:28:30.083
Das muss einfließen in die Beziehungsarbeit.

00:28:30.375 --> 00:28:35.213
Es geht also nicht im alten traditionellen Nohlschen Sinne um das

00:28:35.213 --> 00:28:40.719
Herstellen einer Bindung einer pädagogischen Bindung die dann

00:28:40.802 --> 00:28:45.807
suggeriert wenn das gut läuft, dass der Erzieher im weitesten Sinne

00:28:45.807 --> 00:28:50.103
dann quasi so das Vorbild für den Zögling ist und ihn dann gut in die

00:28:50.103 --> 00:28:51.229
Gesellschaft einführen.

00:28:53.481 --> 00:28:56.735
Sie lassen da wenn man so will das Luhmannsche Konzept einer

00:28:56.776 --> 00:28:59.696
funktional ausdifferenzierten Gesellschaft dann wieder einfließen.

00:29:00.196 --> 00:29:03.742
Miller: Ich lass es einfließen im Sinne der Herausforderungen und ich

00:29:03.742 --> 00:29:07.787
lasse es nicht so einfließen, dass das funktional differenzierte

00:29:07.787 --> 00:29:11.833
Konzept im Grunde jetzt zeigt wie schlecht aufgestellt unserer

00:29:11.833 --> 00:29:15.128
Gesellschaft ist und was wir alles für Probleme haben, sondern die

00:29:15.295 --> 00:29:19.299
funktional differenzierte Gesellschaft ist ja auch eine Möglichkeit

00:29:19.716 --> 00:29:22.761
eine strukturelle Möglichkeit um Leistungen zu erbringen.

00:29:23.845 --> 00:29:28.266
Unsere Gesellschaft funktioniert im Großen und Ganzen mit zum Teil

00:29:28.266 --> 00:29:34.272
hervorragenden Leistungen im Vergleich zu anderen Gesellschaften und

00:29:34.272 --> 00:29:38.985
auch dieses zu verstehen, dass diese Gesellschaft natürlich auch einen

00:29:38.985 --> 00:29:42.822
Preis fordert nämlich diese Leistungsorientierung oder dass man in

00:29:42.822 --> 00:29:45.325
Rollen bestimmte Aufgabenstellungen machen muss.

00:29:45.617 --> 00:29:50.789
Aber das Problem ist die Überforderung das heißt diese Verbindung

00:29:50.789 --> 00:29:55.919
Person Umwelt steht immer in Gefahr und wir haben bestimmte

00:29:56.127 --> 00:30:01.049
Gruppierungen, die ganz besonders in der Gefahr sind verletzt werden

00:30:01.341 --> 00:30:05.220
und ausgebeutet werden wo Bedürfnisse nicht befriedigt werden.

00:30:06.221 --> 00:30:12.685
Und in dieser Gemengelage muss Sozialarbeit versuchen zu navigieren

00:30:12.685 --> 00:30:17.315
das heißt einerseits die Person zu vertreten in ihren Anliegen und

00:30:17.315 --> 00:30:24.113
Bedürfnissen und andererseits auch die Funktionsaufgaben zu verstehen,

00:30:24.113 --> 00:30:29.202
die an uns alle in der jeweiligen Art und Weise gerichtet sind, und

00:30:29.202 --> 00:30:37.919
hier Austarierung zu kommunizieren, Verbesserungen zu schaffen. Die

00:30:38.086 --> 00:30:42.465
die meisten Probleme meines Erachtens sind Inklusionsprobleme. Das

00:30:42.465 --> 00:30:47.720
zwar Inklusion gegeben ist, aber unter zum Teil suboptimalen

00:30:47.720 --> 00:30:48.263
Bedingungen.

00:30:48.805 --> 00:30:54.686
Um daran zu arbeiten brauchen wir die personalorientierte Komponente

00:30:54.686 --> 00:30:56.771
und die systemorientierte Komponente.

00:31:00.650 --> 00:31:01.025
Klein: Was ich bei ihnen interessant finde, in ihrem zweiten Buch

00:31:01.025 --> 00:31:03.319
Inklusion Teilhabe und Lebensqualität ist dass sie auch von einer

00:31:03.319 --> 00:31:07.532
virtuellen Beziehungsarbeit sprechen. Würden sie dazu noch kurz was

00:31:07.532 --> 00:31:09.993
sagen? Was sie sich darunter vorstellen und wie das gelingen kann,

00:31:09.993 --> 00:31:14.789
weil sie ja sehr den personalen Faktor beschreiben. Das fand ich sehr

00:31:15.248 --> 00:31:15.748
interessant.

00:31:16.416 --> 00:31:20.295
Miller: Also die virtuelle Beziehung ist einmal auf der Helferebene,

00:31:20.295 --> 00:31:22.797
ich denke eine Dimension die stärker werden wird.

00:31:23.423 --> 00:31:26.968
Dass Menschen die Unterstützung brauchen virtuell Anfragen, dass sie

00:31:26.968 --> 00:31:30.555
gar nicht ins Büro oder in die Beratungsstelle kommen sondern, dass

00:31:30.555 --> 00:31:33.850
sie vielleicht zunehmend anonym bleiben wollen dass sie schnelle Hilfe

00:31:33.850 --> 00:31:36.978
haben wollen schnelle Beratung haben wollen, dass sie sich vielleicht

00:31:36.978 --> 00:31:40.648
überhaupt nicht outen wollen ihren Namen garnicht preisgeben wollen.

00:31:40.982 --> 00:31:46.279
Aslo es ist ein Medium wo man davon ausgehen muss, dass es gerade im

00:31:46.696 --> 00:31:47.906
Hilfekontext stärker wird.

00:31:48.489 --> 00:31:51.701
Also die Frage ist wie kommuniziert man virtuell jetzt in einer

00:31:51.701 --> 00:31:54.203
Situation die nicht face to face gestaltet ist.

00:31:55.830 --> 00:31:56.915
Das ist das eine.

00:31:57.874 --> 00:32:00.668
Die virtuelle Ebene hat natürlich eine pädagogische Dimension auch

00:32:01.002 --> 00:32:04.088
nämlich die Gefahren, aber auch die Chancen, aber vorallem auch die

00:32:04.088 --> 00:32:08.843
Gefahren, die damit verbunden sind also Gefahren im Rahmen von

00:32:08.843 --> 00:32:13.306
Selbstpräsentation junger Menschen diese Selbstentäußerung, die hier

00:32:13.306 --> 00:32:14.599
im Netz zum Teil passiert.

00:32:16.267 --> 00:32:20.521
Gefahren aber auch durch Angriffe, durch Rufschädigungen, Gefahren von

00:32:20.897 --> 00:32:24.359
Sucht also es ist auch hier eine Dimension die natürlich in der

00:32:24.359 --> 00:32:29.030
Sozialarbeit ganz stark reinkommt in der Jugendarbeit beispielsweise.

00:32:30.740 --> 00:32:35.995
Und auch der Teilhabe wieder, das heißt wie man gerade auch ältere

00:32:35.995 --> 00:32:40.249
Menschen wie man hier wieder Teilhabe schafft an diesem Medium an

00:32:40.249 --> 00:32:43.378
diesem Zugang teilhaben zu können.

00:32:43.753 --> 00:32:47.507
Das ist auch eine Aufgabe von Sozialarbeit hier Teilhabe zu schaffen

00:32:48.549 --> 00:32:49.717
um da wieder an Ressourcen zu kommen.

00:32:51.427 --> 00:32:53.513
Klein: Sie stellen fest dass für die soziale Arbeit keine

00:32:54.180 --> 00:32:57.266
einzelwissenschaftliche Handlungstheorie geben kann, sondern nur eine

00:32:57.266 --> 00:33:01.437
interdisziplinäre und beschreiben Das oder sprechen von der

00:33:01.437 --> 00:33:03.439
sogenannten praktischen Schnittstellenkompetenz.

00:33:05.066 --> 00:33:07.276
Da stellt sich die Frage was meinen Sie denn mit dieser

00:33:07.276 --> 00:33:07.819
Schnittstellenkompetenz.

00:33:09.654 --> 00:33:12.365
Wie können diese Schnittstellen zum Nahtstellen werden. Wie muss man

00:33:12.365 --> 00:33:14.409
sich das vorstellen eine praktische Schnittstellenkompetenz.

00:33:15.535 --> 00:33:19.038
Miller: Zunächst mal die grundsätzliche Schnittstellenkompetenz haben

00:33:19.038 --> 00:33:20.957
wir ja schon durchs Studium. Das ist ein generalistisches Studium muss

00:33:20.957 --> 00:33:25.962
auch so sein denke ich, weil in dem Moment wo es um Menschen und

00:33:25.962 --> 00:33:29.590
Systeme geht oder um Gesellschaft wie man es auch nennen möchte

00:33:30.466 --> 00:33:33.886
brauchen wir Interdisziplinarität. Wir brauchen das Wissen von

00:33:33.886 --> 00:33:39.225
verschiedenen Wissenschaften. Wenn es um Fallarbeit geht in der Praxis

00:33:39.225 --> 00:33:43.271
dann brauchen die Professionellen einfach ein Spektrum von

00:33:43.479 --> 00:33:47.316
wissenszugängen um diese Dinge entsprechend einordnen zu können.

00:33:48.526 --> 00:33:53.698
Interessant finde ich die Nahtstelle. Die Nahtstelle tritt für mich

00:33:53.948 --> 00:33:56.743
aktiv ein durch Kooperation.

00:33:57.910 --> 00:34:03.374
Das heißt in der Praxis wäre der Schritt der Schnittstelle wo man sagt

00:34:03.374 --> 00:34:07.336
es sind andere Bezüge wichtig die nehme ich mit rein die verarbeite

00:34:07.336 --> 00:34:07.587
ich.

00:34:08.004 --> 00:34:11.382
Klein: Die Nahtstelle wär der aktive Part für mich im Sinne von

00:34:11.382 --> 00:34:16.512
Kooperation mit anderen Disziplinangehörigen oder auch Kooperation da

00:34:16.512 --> 00:34:20.767
kommen wir schon in die Transdisziplinarität von Wissenschaft und

00:34:20.767 --> 00:34:21.434
Praxis.

00:34:23.728 --> 00:34:25.188
Miller: In der Nahtstelle wird genäht.

00:34:28.733 --> 00:34:30.151
Lambers: Ein schönes Bild.

00:34:32.445 --> 00:34:40.661
In ihrem letzten Buch Inklusion Teilhabe Lebensqualität hab ich

00:34:40.828 --> 00:34:48.044
gelesen, dass sie wenn es um die ethische Begründung der sozialen

00:34:48.044 --> 00:34:51.464
Arbeit geht, wir waren ja gerade schon mal an der Stelle, welche

00:34:51.464 --> 00:34:55.259
Kriterien eigentlich soziale Arbeit zur Verfügung steht, wenn es darum

00:34:55.259 --> 00:34:58.763
geht auf soziale Systeme aber eben auch auf Personen, auf Menschen

00:34:58.763 --> 00:35:03.351
einzuwirken, und da schreiben sie, dass im Grunde genommen die

00:35:03.351 --> 00:35:08.356
katholische Soziallehre da ein guter Bezugsrahmen ist und das habe ich

00:35:08.356 --> 00:35:11.400
in ihrer ersten Publikation so nicht lesen können oder ich habe es

00:35:11.442 --> 00:35:17.532
hoffentlich nicht überlesen, aber ich meine, dass sie da sehr stark im

00:35:17.615 --> 00:35:22.036
Konstruktivismus orientiert waren und eine konstruktivistische Ethik

00:35:22.036 --> 00:35:24.372
wenn man so will für möglich hielten.

00:35:24.413 --> 00:35:26.958
Klein: Das ist ja immer so eine schwierige Sache mit dem

00:35:26.958 --> 00:35:31.337
Konstruktivismus und normativen oder ontologischen Bezügen.

00:35:34.090 --> 00:35:37.760
Kann man sagen dass für sie der Konstruktivismus keine ausreichende

00:35:38.719 --> 00:35:43.307
ethische Rahmung ermöglicht, sodass sie jetzt die katholische

00:35:43.307 --> 00:35:46.269
Soziallehre da noch mit einbinden oder was ist der Hintergrund.

00:35:46.853 --> 00:35:51.566
Miller: Der Hintergrund das erste Buch also die erste Auflage da war

00:35:51.566 --> 00:35:56.320
für mich im Zentrum das Ausloten des Konstruktivismus was er ethisch

00:35:56.320 --> 00:36:02.410
hergibt. Auch um zu prüfen steht er in einer korrekten Passung auch zu

00:36:02.410 --> 00:36:07.123
unserem humanistischen Zugehen und sind ja interessante Elemente

00:36:07.123 --> 00:36:12.295
drinnen Respekt vor Autonomie, Respekt vor Selbstorganisation, auch

00:36:12.336 --> 00:36:17.466
die Logik des Aushandeln-Müssens. Was ist jetzt. Was ist wahr. Was von

00:36:18.342 --> 00:36:19.802
welchen Dingen gehen wir aus.

00:36:20.678 --> 00:36:24.640
Es sind interessante Elemente drinnen aber überhaupt nicht

00:36:24.640 --> 00:36:25.391
ausreichend.

00:36:25.391 --> 00:36:30.438
In der zweiten Auflage hab ich dann schon die Sozialethik mit rein.

00:36:31.689 --> 00:36:38.613
Und im letzten Buch jetzt hab ich das einfach komplettiert auch

00:36:38.821 --> 00:36:40.198
nochmal mit Nachhaltigkeit.

00:36:40.948 --> 00:36:45.411
Lambers: Ja ich meine wir brauchen eine Sozialethik.

00:36:45.453 --> 00:36:49.665
Klein: Ich habe hier die christliche Soziallehre genommen, weil sie

00:36:49.665 --> 00:36:54.962
für mich sehr ergiebig ist unser ganzer Sozialstaatspolitik basiert

00:36:54.962 --> 00:36:56.839
letztendlich auf diesem Gedanken.

00:36:58.633 --> 00:37:05.139
Weil wir jetzt nicht nur liberal denken sollten mit Blick auf

00:37:05.973 --> 00:37:11.145
Freiheit, Autonomie, Selbstverwirklichung, sondern auch mit Blick auf

00:37:11.145 --> 00:37:15.149
Gemeinschaft also mit Rechten und Pflichten, Gegenseitige

00:37:15.149 --> 00:37:16.025
Verantwortung.

00:37:17.443 --> 00:37:19.195
Miller: Ich finde diese Prinzipien.

00:37:19.570 --> 00:37:23.741
Von Personenwürde, Solidarität, Subsidiarität, Gerechtigkeit,

00:37:23.741 --> 00:37:29.080
Nachhaltigkeit da ist ganz vieles umschrieben was wir brauchen ohne

00:37:29.455 --> 00:37:35.628
dass es katholisch oder evangelisch Manifest ist, das heißt es ist

00:37:35.711 --> 00:37:36.629
neutralisierbar.

00:37:37.046 --> 00:37:42.093
Es ist vollkommenanschlussfähig an die Menschenrechte.

00:37:42.677 --> 00:37:46.973
Aber es sind Prinzipien die Handlungsleitend sind das heißt wieder in

00:37:47.181 --> 00:37:50.476
das strukturelle und auch in das personelle einfließen können.

00:37:50.768 --> 00:37:52.478
Das war für mich wichtig bei den Prinzipien also, dass sie

00:37:52.478 --> 00:37:55.064
Gestaltungskraft haben.

00:38:01.904 --> 00:38:03.823
Lambers: Wir waren gerade schon mal so bei der Frage der

00:38:03.823 --> 00:38:04.448
Schnittstellenkompetenz.

00:38:05.783 --> 00:38:07.910
Ich überlege ob wir das vielleicht noch mal so ein bisschen

00:38:10.162 --> 00:38:10.997
nachbessern.

00:38:11.455 --> 00:38:13.666
Nachbessern ist falsch gesagt aber vielleicht nochmal ergänzen können.

00:38:15.668 --> 00:38:24.385
Sie sprechen davon, dass die soziale Arbeit eigentlich weniger in

00:38:24.385 --> 00:38:29.557
sogenannten Entweder Oder Kategorien sich aufhalten sollte.

00:38:30.224 --> 00:38:34.020
Also diese üblichen dualistischen Trennung von Subjekt Objekt, Theorie

00:38:34.020 --> 00:38:38.149
Praxis, Hilfe Kontrolle wenn es um die Mandatierung geht, doppeltes

00:38:38.149 --> 00:38:43.237
Mandat, usw. Das halten sie nicht für so zielführend, sondern sie

00:38:43.237 --> 00:38:47.199
fordern auf oder ermuntern, dass die soziale Arbeit mehr die

00:38:47.199 --> 00:38:49.035
Zwischenräume in den Blick nehmen soll.

00:38:50.369 --> 00:38:51.412
Können Sie uns das vielleicht nochmal so ein bisschen vielleicht auch

00:38:51.412 --> 00:38:56.334
an einem Beispiel deutlich machen was sie mit Zwischenräumen meinen.

00:38:56.917 --> 00:39:01.255
Also es geht ja immer so ein bisschen um die Gestaltungsmöglichkeiten.

00:39:06.093 --> 00:39:07.762
Vielleicht hat das ganze auch was mit einer ethischen Fundierung zu

00:39:07.762 --> 00:39:08.179
tun.

00:39:09.847 --> 00:39:10.598
Fragezeichen.

00:39:11.557 --> 00:39:15.394
Aber das wäre sicherlich auch für die Leserinnen ihres Buches noch

00:39:15.436 --> 00:39:20.107
einmal, so ist es mir zumindest ergangen, hilfreich zu erfahren was wo

00:39:20.441 --> 00:39:23.986
ist eigentlich das dazwischen zwischen dem Trennenden. Also was ist

00:39:24.236 --> 00:39:27.990
zwischen Hilfe und Kontrolle? Was ist zwischen Theorie und Praxis? Was

00:39:27.990 --> 00:39:29.533
es zwischen Subjekt und Objekt?

00:39:30.117 --> 00:39:31.285
Das macht ja neugierig.

00:39:32.161 --> 00:39:34.789
Miller: Also ich habe das in Verbindung mit der komplementären

00:39:34.789 --> 00:39:42.463
Denkfigur entwickelt und dieses Wegkommen von Dichotomie um die Pole,

00:39:43.172 --> 00:39:48.928
die ja was für sich haben, die aber in ihrer Exklusivität immer neigen

00:39:49.970 --> 00:39:51.347
problematisch zu sein.

00:39:52.973 --> 00:39:57.186
Der Zwischenraum ich mache das mal mit dem Begriff der Bildung und der

00:39:57.186 --> 00:40:00.314
Kompetenzen deutlich. Das ist ja aktuelle Situation.

00:40:00.606 --> 00:40:03.567
Die aktuelle Diskussion auch, dass die soziale Arbeit sehr stark sich

00:40:03.651 --> 00:40:07.154
in die Bildung jetzt nicht nur einmischen soll, sondern Bildung

00:40:07.196 --> 00:40:10.616
praktizieren soll und gemeint sind eigentlich Kompetenzen.

00:40:11.200 --> 00:40:15.413
Wenn ich jetzt auf Bildung nehme und aus dem humanistischen Gedanken

00:40:15.413 --> 00:40:20.626
komme dann ist Bildung etwas menschenorientiertes, was humanistisches.

00:40:22.294 --> 00:40:25.714
Es setzt den Menschen ins Zentrum seiner Reflexivität,

00:40:26.048 --> 00:40:31.637
Persönlichkeitsbildung, Identitätsbildung und auch, dass er sich in

00:40:31.637 --> 00:40:36.725
die Welt einbringt einfädelt in Welt denkt und sich dazu verhalten

00:40:36.725 --> 00:40:37.059
kann.

00:40:37.268 --> 00:40:42.314
Das wäre ideale Bildungsbegriff der immer wieder diskutiert wird.

00:40:42.898 --> 00:40:48.571
Das Gegenstück wären die Kompetenzen. Kompetenzen sind Skills, die man

00:40:48.571 --> 00:40:52.950
vielleicht sogar messen kann, die man evaluieren kann und in der

00:40:52.950 --> 00:40:58.080
extremen Ausrichtung würde man sagen heute, die Kritik ist ja auch

00:40:58.080 --> 00:41:02.543
immer wieder durchaus berechtigt da, dass wir über die Kompetenzen den

00:41:02.585 --> 00:41:06.797
zugerichteten Mensch bekommen, Arbeitsmarkt zugerichteten Mensch, das

00:41:06.797 --> 00:41:10.342
heißt es gibt ein Füllhorn von Dingen, die der Einzelne lernen soll

00:41:10.342 --> 00:41:12.678
und dann kriegt er Inklusionschancen.

00:41:13.554 --> 00:41:16.515
Das heißt Kompetenzen werden instrumentalisiert.

00:41:16.974 --> 00:41:17.975
Das ist die Gefahr.

00:41:18.934 --> 00:41:23.397
Und gleichzeitig brauchen wir alle für unser Leben Kompetenzen.

00:41:24.231 --> 00:41:29.403
Und das Weggehen von den Polen hieße in diesen Innenraum zu gehen und

00:41:29.403 --> 00:41:35.075
zu fragen wie können wir Kompetenzen aufbauen vor dem Hintergrund

00:41:35.576 --> 00:41:40.206
eines Bildungsbegriff der die Autonomie des Menschen wahrt der ihn

00:41:40.414 --> 00:41:46.295
auch aufklärt in Bezug auf nutzniesserische Dinge von anderer Seite.

00:41:47.630 --> 00:41:54.929
Der ihn bewahrt vor irgendwelchen Überrumpelung oder Ausbeutung was

00:41:54.929 --> 00:41:55.513
auch immer.

00:41:58.140 --> 00:42:00.267
Und das wir situationsgemäß hinschauen können was in der

00:42:00.267 --> 00:42:04.063
Lebenssituation an Kompetenzen braucht jemand, aber die nicht isoliert

00:42:04.063 --> 00:42:08.609
zunehmen als irgendso Dinge, die man einfach lernen kann, sondern die

00:42:08.609 --> 00:42:14.365
menschenbezogen zu integrieren und über Beteiligungsmöglichkeiten. Was

00:42:14.365 --> 00:42:15.241
will der Einzelne.

00:42:16.992 --> 00:42:21.413
Das wäre für mich der Raum und den Raum auszuloten was ist möglich was

00:42:21.413 --> 00:42:24.333
ist gestaltbar. Wo kann ich Teilhabe verschaffen.

00:42:25.709 --> 00:42:28.629
Wie kann ich mitschützen und worauf kann ich Sorge tragen.

00:42:36.345 --> 00:42:37.888
Lambers: Ja also sozusagen ein Bildungsverständnis was sich eben auch

00:42:38.138 --> 00:42:43.519
deutlich, dass hatten sie auch schon mal genannt gegen ein

00:42:43.602 --> 00:42:49.650
technologisiertes Verständnis von Bildung und Zupassung für den

00:42:49.650 --> 00:42:54.113
Arbeitsmarkt oder für gesellschaftliche Inklusion ausspricht.

00:42:56.031 --> 00:43:02.621
Ja vielleicht kommen wir zum Schluss zu den Herausforderungen.

00:43:02.871 --> 00:43:06.584
Klein: Die Herausforderungen kann es ja in unterschiedlichen Bereichen

00:43:06.584 --> 00:43:10.337
geben und wenn sie sich mal das Thema der Theoriebildung anschauen,

00:43:10.337 --> 00:43:13.340
Theoriebildung sozialer Arbeit, wo sehen Sie die Herausforderungen?

00:43:13.465 --> 00:43:17.595
Gibt es welche und wenn ja welche für die Theoriebildung der Sozialen

00:43:17.595 --> 00:43:18.846
Arbeit in den nächsten Jahren?

00:43:19.430 --> 00:43:24.768
Welche sehen Sie und wo sagen sie da müssen wir was passieren oder

00:43:24.768 --> 00:43:25.519
entwickelt werden.

00:43:26.770 --> 00:43:28.731
Miller: Theoriebildung muss immer weitergehen.

00:43:28.981 --> 00:43:33.444
Es ist ganz wichtig und ich denke in der Sozialen Arbeit ist die

00:43:33.444 --> 00:43:38.115
Theoriebildung wichtig vor dem Hintergrund gesellschaftlicher

00:43:38.115 --> 00:43:40.284
Entwicklungen oder Veränderungen zu sehen.

00:43:40.909 --> 00:43:45.956
Ich meine dass, wir gegenwärtig und in naher Zukunft sehr mit sehr

00:43:45.956 --> 00:43:48.709
starken gesellschaftlichen Umbrüchen zu rechnen haben.

00:43:50.169 --> 00:43:54.173
Ein Stichwort ist nachwievor Migration Geflüchtete. Das wird ein

00:43:54.173 --> 00:43:57.676
Dauerbrenner sein wird ein Thema sein möglicherweise noch verstärkt

00:43:57.676 --> 00:44:02.765
mit dem Klimawandel, dass Menschen einfach in ihren Herkunftsländern

00:44:03.390 --> 00:44:06.018
keine Möglichkeit mehr haben und Alternativen suchen.

00:44:08.687 --> 00:44:12.149
Die Frage der Solidarität wird sich stellen.

00:44:13.108 --> 00:44:16.987
Das andere wird sein zum Beispiel Industrie 4.0.

00:44:17.863 --> 00:44:21.909
Wir haben noch gar keine zureichenden Szenarien was das bedeuten

00:44:21.909 --> 00:44:25.746
könnte z.B. mit Blick auf Arbeitsmarkt. Ganze Bereiche werden sich

00:44:25.746 --> 00:44:30.959
ändern. Niedriglohnbereich werden zum Teil gar nicht mehr notwendig

00:44:30.959 --> 00:44:32.503
sein und auch.

00:44:33.253 --> 00:44:39.593
Bereiche bis in akademische Bereiche, Facharbeiterbereiche werden zur

00:44:39.593 --> 00:44:43.681
Disposition stehen. Was das bedeutet steht galube ich noch ziemlich

00:44:43.681 --> 00:44:44.098
offen.

00:44:44.431 --> 00:44:48.394
Aber es wird hier eine ziemliche Veränderung geben. Heißt auch die

00:44:48.394 --> 00:44:50.479
Veränderung der Arbeitsgesellschaft.

00:44:51.313 --> 00:44:55.317
Wir hatten in den 90er Jahren schon die Diskussion von der

00:44:55.317 --> 00:44:59.738
Arbeitsgesellschaft in die Tätigkeitsgesellschaft, aber Arbeit wird

00:44:59.738 --> 00:45:05.202
ein Thema sein und die Frage auch die sinnvolle Beschäftigung.

00:45:05.953 --> 00:45:10.416
Und wir Menschen müssen uns sinnvoll beschäftigen können sonst wird es

00:45:10.416 --> 00:45:10.999
schwierig.

00:45:11.834 --> 00:45:16.296
Also auch da wird für die soziale Arbeit vieles an Herausforderungen

00:45:16.296 --> 00:45:17.005
da sein.

00:45:18.340 --> 00:45:23.804
Und ich meine auch, dass die sozialen Probleme zunehmen werden.

00:45:24.805 --> 00:45:29.059
Das sehen wir jetzt schon, dass die sozialen Probleme einfach stärker

00:45:29.059 --> 00:45:31.937
werden, heftiger werden auch quantitativ zunehmen.

00:45:33.230 --> 00:45:38.986
Für die Sozialarbeit wird es dann die Frage sein wie sie die Quantität

00:45:38.986 --> 00:45:43.157
schaffen kann unter Bedingungen, die für sie möglicherweise aus

00:45:43.157 --> 00:45:46.243
Ökonomisierunggründen nicht optimal sind.

00:45:46.660 --> 00:45:48.787
Aber da kommt man dann noch in die Professionsdebatte.

00:45:50.289 --> 00:45:54.877
Aber für die Gesellschaft also das wäre mein Punkt. Die Gesellschaft

00:45:54.877 --> 00:45:57.421
wird in den nächsten Jahren meines Erachtens ziemlich viele

00:45:57.421 --> 00:46:02.384
Veränderungsprozesse durchlaufen, ziemlich viele Herausforderungen, wo

00:46:02.384 --> 00:46:07.973
es um soziale Probleme gehen wird und wo Resultate, Wirkungen mit

00:46:07.973 --> 00:46:11.226
Blick auf soziale Probleme stärker werden.

00:46:12.019 --> 00:46:15.397
Und da muss sich auch Theorie drauf einstellen. Bis hin

00:46:15.481 --> 00:46:19.651
Gerechtigkeitsfragen im Bereich Migration stellen sich neue

00:46:19.651 --> 00:46:23.572
Gerechtigkeitsfragen. Wer bekommt warum welche Ressourcen zuerst.

00:46:24.865 --> 00:46:26.283
Wie bemisst man das?

00:46:27.910 --> 00:46:31.997
Und auch da geht es darum, dass die Theorie auch darüber Auskunft gibt

00:46:31.997 --> 00:46:33.582
und das mit aufgreift.

00:46:34.374 --> 00:46:37.753
Also Theorieentwicklung auch mit Perspektive veränderter

00:46:37.753 --> 00:46:39.087
gesellschaftlicher Bedingungen.

00:46:39.213 --> 00:46:40.631
Das denke ich könnte eine interessante Idee sein.

00:46:43.300 --> 00:46:44.468
Klein: Sie haben ja auch schon Begriffe genannt oder für

00:46:44.551 --> 00:46:47.596
Theorieentwicklungen wichtige Begriffe wie Netzwerk und auch das Thema

00:46:47.596 --> 00:46:50.390
Macht benannt.

00:46:50.808 --> 00:46:51.099
Wie würden Sie das da miteinordnen?

00:46:53.936 --> 00:46:56.939
Miller: Also die soziale Transformation, wir haben über Luhmann

00:46:56.939 --> 00:47:01.401
einfach noch ein Konzept der funktionaldifferenzierten Gesellschaft.

00:47:02.486 --> 00:47:07.783
Wir stellen fest, dass parallel dazu und quer dazu schon längst eine

00:47:07.783 --> 00:47:11.954
Netzwerk globale Netzwerkgesellschaft entwickelt hat, wo sich

00:47:11.954 --> 00:47:17.876
Funktionssysteme vernetzen und wo viele wichtige Entscheidungen in

00:47:17.876 --> 00:47:19.461
Netzwerken vollzogen werden.

00:47:20.963 --> 00:47:25.759
Wir haben neue Probleme von Unübersichtlichkeit, neue Probleme von

00:47:25.759 --> 00:47:29.263
Transparenz, neue Probleme von Macht.

00:47:30.264 --> 00:47:33.100
Das Netzwerke neue Machtaggregate werden.

00:47:34.184 --> 00:47:39.273
Wo die Frage auftritt wie kriegt man das in den Griff.

00:47:39.314 --> 00:47:42.734
Wie ist das steuerbar, wenn überhaupt die Rede sein kann.

00:47:43.777 --> 00:47:47.656
Also von daher ist eine Umstrukturierung sehr stark im Gange.

00:47:47.823 --> 00:47:53.287
Das heißt also wenn man jetzt aus der systemischen Perspektive drauf

00:47:53.287 --> 00:47:57.583
schaut dann haben wir auch in Verbindung mit Becker, der sich da

00:47:57.583 --> 00:48:01.378
auseinandersetzt, haben wir eine funktionaldifferenzierte Gesellschaft

00:48:01.378 --> 00:48:02.713
in Verbindung mit einer Netzwerkgesellschaft.

00:48:03.755 --> 00:48:06.466
Das Ganze wird noch komplexer und unübersichtlicher.

00:48:09.887 --> 00:48:13.473
Lambers: Das heißt also nicht nur rein quantitativer Zuwachs an

00:48:13.473 --> 00:48:16.518
sozialen Problemen, sondern die soziale Frage stellt sich

00:48:16.518 --> 00:48:22.399
möglicherweise in vielen Teilen auch völlig neu. Das sind natürlich

00:48:23.108 --> 00:48:25.360
Herausforderungen für die Theoriebildung.

00:48:27.487 --> 00:48:32.242
Vielleicht wenn Sie mal versuchen den Stand ihrer Theorieentwicklung

00:48:33.952 --> 00:48:36.663
abzugrenzen mit Blick auf diese Herausforderungen.

00:48:37.122 --> 00:48:38.457
Wie würden Sie das einschätzen?

00:48:38.498 --> 00:48:42.711
Es ist natürlich ein bisschen schwierig sich selber vielleicht

00:48:43.670 --> 00:48:47.925
zuzumuten diese Einschätzung vorzunehmen, ob die Herausforderung,

00:48:48.216 --> 00:48:52.179
Stichwort die soziale Frage stellt sich neu, auch da geht es letztlich

00:48:52.179 --> 00:48:55.849
dann um Inklusion, Teilhabe und auch um die Frage der Lebensqualität.

00:48:56.308 --> 00:49:00.228
Würden Sie sagen, dass das mit ihrem Theorieansatz ganz gut in den

00:49:00.228 --> 00:49:01.271
Blick zu nehmen ist.

00:49:03.106 --> 00:49:04.316
Miller: Ich denke man muss immer weiterentwickeln.

00:49:05.776 --> 00:49:11.156
Theorie kann Sprungbrett sein. Sie kann Elemente anbieten um bestimmte

00:49:11.156 --> 00:49:16.161
Phänomene zu erfassen. Sie kann Sprungbrett sein z.B. mit diesem Thema

00:49:16.161 --> 00:49:19.456
Netzwerkgesellschaft. Ich denke in der Richtung weiterzudenken weiter

00:49:19.456 --> 00:49:25.545
zu entwickeln wäre wichtig. Und also auch wo ich finde.

00:49:26.630 --> 00:49:31.176
Also wo ich wenn ich weiter daran arbeiten würde noch stärker

00:49:31.176 --> 00:49:36.056
herauszuarbeiten, auch in Bourdieu Richtung, die Verbindung von

00:49:36.056 --> 00:49:40.936
Handlungstheorie und Systemtheorie und Netzwerktheorie.

00:49:42.312 --> 00:49:46.316
Das heißt auch nochmal nochmal stärker herauszuarbeiten das Vermögen

00:49:46.316 --> 00:49:51.655
von Menschen im Umgang mit Systemen und hier auch Veränderungen zu

00:49:51.655 --> 00:49:52.280
bewerten.

00:49:52.990 --> 00:49:55.450
Ich denke Das kann man noch viel mehr herausarbeiten.

00:49:57.077 --> 00:50:01.707
Um das was Sie vorhin sagten warum sollen Sozialarbeiter sich hier in

00:50:01.707 --> 00:50:03.750
diese Welt begeben, wenn sie sowieso nicht viel machen können.

00:50:04.334 --> 00:50:08.714
Ich denke man kann viel machen, das heißt man ist ständig in

00:50:08.714 --> 00:50:09.381
Prozessen.

00:50:10.549 --> 00:50:15.220
Man muss nur flexibel sein aber diese Frage was kann der Mensch

00:50:15.220 --> 00:50:19.057
wirklich bewirken in Konstellationen von Systemen.

00:50:19.349 --> 00:50:23.478
Das fände ich forschungsmäßig sehr interessant und auch empirisch.

00:50:24.271 --> 00:50:31.319
Lambers: Würden Sie es vielleicht noch einmal versuchen wollen ihren

00:50:31.319 --> 00:50:35.574
Ansatz noch mal abzugrenzen oder einzuordnen mit Blick auf diese

00:50:35.782 --> 00:50:39.411
vielfältige Theorielandschaft. Studierende der Sozialen Arbeit wenn

00:50:39.411 --> 00:50:42.289
sie sich auf Theorie einlassen müssen ja feststellen, dass es da sehr,

00:50:42.456 --> 00:50:43.707
sehr viel im Angebot gibt.

00:50:45.625 --> 00:50:47.753
Und wir waren gerade schon mal an einem Punkt wo Sie sagten

00:50:47.753 --> 00:50:51.089
Beziehungsarbeit ist sehr zentral aber eben nicht im klassischen

00:50:51.548 --> 00:50:56.845
Sinne, sondern in einem wenn man so will gesellschaftstheoretisch

00:50:56.928 --> 00:50:58.096
aufgeklärten Sinne.

00:50:59.014 --> 00:51:01.600
Nun gibt es klassischerweise die Bewältigungsansätze wie Thiersch,

00:51:03.351 --> 00:51:09.649
Bönisch, Lebensführung scheint jetzt ein großes Thema zu werden, die

00:51:09.649 --> 00:51:12.694
klassischen, eher vielleicht, bildungstheoretischen Ansätze.

00:51:14.905 --> 00:51:20.702
Würden Sie sagen, dass ihr Ansatz mit einer bestimmten Richtung oder

00:51:20.702 --> 00:51:25.707
bestimmten Richtungen gut einhergehen kann oder ist - Würden Sie das

00:51:25.791 --> 00:51:30.796
sehr stark abgrenzen von zum Beispiel Bewältigungsansätzen oder auch

00:51:30.837 --> 00:51:31.463
Lebensführungsansätzen.

00:51:32.339 --> 00:51:36.384
Miller: Ich denke zwischen den genannten Ansätzen gibt es natürlich

00:51:36.593 --> 00:51:40.972
ganz wichtige Schnittstellen. In dem Moment wo ich Lebensqualität als

00:51:40.972 --> 00:51:45.143
Begriff und auch normative Zielrichtung nehme, gehört dazu auch

00:51:45.143 --> 00:51:49.815
Lebensbewältigung. Das heißt da ist ein Konzept für Lebensbewältigung

00:51:49.815 --> 00:51:50.816
anschlussfähig.

00:51:51.900 --> 00:51:54.694
Ich muss aber wissen dass bei der Lebensbewältigung einfach diese

00:51:54.736 --> 00:51:59.282
systemtheoretische Dimension so nicht ausformuliert ist und nicht

00:51:59.282 --> 00:52:03.120
gegeben ist und auch aus der Perspektive der theoretischen Perspektive

00:52:03.120 --> 00:52:06.498
so nicht notwendig ist. Wenngleich jetzt jemand wie Lothar Bönisch

00:52:06.498 --> 00:52:13.130
durchaus die systemische Denkweise rudimentär aufnimmt kann man auch

00:52:13.130 --> 00:52:14.548
lesen aus seinen Texten.

00:52:15.132 --> 00:52:19.344
Näher bin ich sicherlich an der Lebensführung weil hier natürlich auch

00:52:19.344 --> 00:52:22.347
mit systemtheoretischen Kontexten gearbeitet wird.

00:52:24.224 --> 00:52:30.438
Ich denke, was hier von meinem Ansatz einfach gegeben ist, ist eine

00:52:30.438 --> 00:52:34.734
Hinführung zur Systemtheorie. Der Versuch das Konzept selber für die

00:52:34.734 --> 00:52:36.570
Sozialarbeit verstehbar zu machen.

00:52:38.738 --> 00:52:45.078
Diese Beziehungsdimension auch ausbuchstabiert ist dass hier

00:52:45.287 --> 00:52:48.623
Beziehungen dimensioniert sind auf verschiedenen Ebenen.

00:52:49.583 --> 00:52:52.919
Ansonsten finde ich das anschlussfähig und ich finde es ganz wichtig

00:52:52.919 --> 00:52:57.299
für Studierende dass sie mit verschiedenen Theorien arbeiten und die

00:52:57.632 --> 00:53:00.886
entsprechend auch in Verbindung bringen können.

00:53:02.762 --> 00:53:07.142
Also nicht ausschließlich mit einer Theorie arbeiten das fände ich

00:53:07.225 --> 00:53:08.143
unterkomplex.

00:53:10.061 --> 00:53:13.064
Klein: Das haben Sie ja auch an einigen Stellen gesagt, dass es nicht

00:53:13.064 --> 00:53:16.151
nur eine Theorie geben kann. Wenn wir jetzt noch einmal kurz die

00:53:16.151 --> 00:53:18.945
Theorie etwas verlassen und zu den Herausforderungen für die

00:53:18.945 --> 00:53:21.615
Profession sozialer Arbeit kommen, welche Herausforderungen sehen sie

00:53:21.615 --> 00:53:25.202
in den nächsten Jahren auf die Professionen zukommen.

00:53:26.411 --> 00:53:31.333
Miller: Also in den nächsten Jahren ich denke ein Dauerbrenner wird

00:53:31.374 --> 00:53:33.960
wahrscheinlich die Ökonomisierung bleiben.

00:53:34.961 --> 00:53:38.924
Und in dem Moment wo möglicherweise mehrere gesellschaftliche

00:53:38.924 --> 00:53:43.303
Herausforderungen da sind auf die die soziale Arbeit auch Antworten

00:53:43.303 --> 00:53:46.431
finden muss dann ist die Frage unter welchen Bedingungen soll sie das

00:53:46.431 --> 00:53:46.765
tun.

00:53:48.016 --> 00:53:52.437
Wir haben heute schon Situationen mit einem enormen Arbeitsdruck auch

00:53:52.437 --> 00:53:54.272
was die Fallzahlen anbelangt.

00:53:54.439 --> 00:53:57.359
Ich kenne Situationen wo die Sozialarbeiter sich zu dritt einen

00:53:57.359 --> 00:54:02.197
Schreibtisch teilen müssen, zum Teil nicht mal entsprechende

00:54:02.197 --> 00:54:06.284
Beratungsräume haben die für alle Beteiligten zumutbar sind.

00:54:07.202 --> 00:54:12.666
Also die Frage ist unter welchem Leistungsdruck sie arbeiten, oder

00:54:12.666 --> 00:54:16.920
Dokumentationsdruck also welchem Effizienzdruck sie arbeiten müssen,

00:54:16.962 --> 00:54:18.838
das ist ein ganz wichtiger Punkt.

00:54:19.965 --> 00:54:24.177
Eine andere Sache ist wo sie sich einstellen muss ist das der

00:54:24.177 --> 00:54:26.388
Dienstleistungsmarkt sich verändert.

00:54:27.472 --> 00:54:33.687
Wir kriegen ja zunehmend auch andere Berufsgruppen in den

00:54:33.770 --> 00:54:36.898
Sozialarbeitsmarkt die nach qualifiziert werden.

00:54:38.358 --> 00:54:44.906
Wir haben durch die privaten Hochschulen, wogegen ja erst mal nichts

00:54:44.906 --> 00:54:51.579
zu sagen ist. Aber es gibt auch Beispiele wo die sehr marktorientiert

00:54:51.579 --> 00:54:56.793
ausbilden, das heißt ganz bestimmte Profile setzen und wo Studierende

00:54:56.793 --> 00:55:01.047
eigentlich aus einem bestimmten Profil keine auswander haben.

00:55:01.673 --> 00:55:03.091
Das finde ich schwierig.

00:55:04.634 --> 00:55:08.805
Dass man hier auch wieder marktgerecht von der Profession her

00:55:08.847 --> 00:55:11.766
erwartet, dass sie sich dazu ordnet.

00:55:12.434 --> 00:55:16.604
Ich glaube man muss hier sehr stark auf die eigenen Qualitätsstandards

00:55:16.604 --> 00:55:22.360
achten und auch für die eigenen Bedingungen einstehen und das ist eine

00:55:22.402 --> 00:55:23.361
politische Arbeit.

00:55:26.740 --> 00:55:30.368
Lambers: Die wir mehr benötigen als wir vielleicht früher dachten.

00:55:32.746 --> 00:55:35.457
Ich glaube wir kommen zum Abschluss.

00:55:36.207 --> 00:55:40.587
Klein: Zum Abschluss haben wir Fragen für die Studierenden der

00:55:40.587 --> 00:55:45.258
Sozialen Arbeit uns überlegt und stellen uns vor, dass viele

00:55:45.425 --> 00:55:48.762
Studierende das sehen und die erste Frage warum ist es eigentlich eine

00:55:48.762 --> 00:55:51.514
gute Idee soziale Arbeit zu studieren.

00:55:53.683 --> 00:55:57.187
Miller: Es ist ein spannendes Studium, weil es ein generalistisches

00:55:57.437 --> 00:56:01.691
Studium erstmal ist und dieses Thema Mensch Gesellschaft im Zentrum

00:56:01.691 --> 00:56:08.823
ist, was finde ich eine sehr interessante Thematik ist und auch eine

00:56:08.823 --> 00:56:11.493
Thematik ist, die nicht spurlos an einem vorübergeht.

00:56:12.577 --> 00:56:17.582
Junge Menschen, die sich auch selber entfalten wollen, sich reflexiv

00:56:17.665 --> 00:56:21.419
selbstreflexiv auf den Weg machen wollen, denke ich habe hier ein sehr

00:56:21.419 --> 00:56:22.545
sehr spannendes Studium.

00:56:23.129 --> 00:56:27.634
Die Sozialarbeit bietet interessante Einmündungen, das heißt man kann

00:56:27.842 --> 00:56:32.889
in die Praxis gehen, man kann an der Hochschule Entwicklung machen und

00:56:32.889 --> 00:56:38.228
die Praxis hat eine Fülle von Handlungsfeldern da ist ein Spektrum da

00:56:39.479 --> 00:56:41.314
wo man viel Auswahl hat.

00:56:41.648 --> 00:56:47.195
Und von daher denke ich bietet es sehr viel um einzumünden oder

00:56:47.445 --> 00:56:50.448
zumindest für sich zu testen ob das etwas wäre.

00:56:52.283 --> 00:56:56.454
Klein: Wenn Sie sich vorstellen Studierende des ersten Semesters sehen

00:56:56.454 --> 00:57:00.417
das Interview und sie können ihnen einen Tipp auf dem Weg mitgeben

00:57:00.542 --> 00:57:02.961
durch ihr Studium. Welcher wäre das?

00:57:04.087 --> 00:57:06.381
Miller: Der Tipp wäre denken Sie daran, dass sie studieren.

00:57:08.174 --> 00:57:13.346
Das heißt, dass ein Studium nicht nur dazu da ist sofort den Blick auf

00:57:13.346 --> 00:57:17.892
die Praxis zu richten, sondern dass ein Studium auch bedeutet in eine

00:57:17.892 --> 00:57:23.690
akademische Haltung zu gehen und die Theorie Praxis Verbindung zu

00:57:23.690 --> 00:57:24.190
sehen.

00:57:25.859 --> 00:57:32.198
Und auch ein Interesse eine Neugier für den theoretischen Bereich für

00:57:32.198 --> 00:57:35.785
den wissenschaftlichen Bereich zu entwickeln auch, wenn es am Anfang

00:57:35.785 --> 00:57:40.790
möglicherweise etwas sperrig ist auch ein Anspruch zu entwickeln für

00:57:40.790 --> 00:57:42.375
wissenschaftliches Arbeiten.

00:57:43.042 --> 00:57:47.881
Weil wenn sich eine Profession ohne Disziplin weiterentwickeln möchte

00:57:48.506 --> 00:57:53.178
und wenn die Professionen Disziplinen in der Gesellschaft

00:57:53.678 --> 00:57:56.097
entsprechendes Standing haben möchte, dann geht es nicht ohne

00:57:56.139 --> 00:57:56.848
Wissenschaft.

00:57:57.849 --> 00:58:04.939
Diese Lust auch auf Theorie und Wissenschaft ohne die Praxis damit

00:58:04.939 --> 00:58:06.816
aufgeben zu müssen ganz im Gegenteil.

00:58:08.234 --> 00:58:12.614
Klein: Und wenn sie Studierende sich vorstellen, die kurz vor Ende des

00:58:12.614 --> 00:58:18.161
Studiums sind, also kurz vor dem Eintritt in ein anderes Kapitel eine

00:58:18.244 --> 00:58:20.288
andere Situation was würden Sie denen empfehlen?

00:58:21.915 --> 00:58:24.459
Miller: Nicht zu vergessen, dass sie ein generalistisches Studium

00:58:24.459 --> 00:58:25.376
gemacht haben.

00:58:26.586 --> 00:58:31.674
Dass das ihr Pfund ist, dass sie in einer Vielheit stehen was manchmal

00:58:32.383 --> 00:58:35.595
möglicherweise den Eindruck macht: Für was bin ich jetzt eigentlich

00:58:35.595 --> 00:58:40.350
kompetent, sondern zu sehen es braucht Generalisten, Generalistinnen

00:58:40.517 --> 00:58:44.062
und es braucht auch Experten, Experinnen in bestimmten Fachrichtungen.

00:58:44.604 --> 00:58:49.025
Und dass das was man dann wirklich noch spezialisierter braucht immer

00:58:49.025 --> 00:58:53.655
im Rahmen von Weiterbildung etc. nachgeholt werden kann aber auch

00:58:53.655 --> 00:59:00.203
darauf stolz zu sein, dass man ein umfassendes Studium hat und dass

00:59:00.203 --> 00:59:06.626
man seine Kompetenzen, die man aufgebaut hat noch mal sortiert und

00:59:06.668 --> 00:59:08.920
damit durchaus selbstbewusst auf den Markt zu gehen.

00:59:10.338 --> 00:59:15.426
Klein: Zum Abschluss eine Frage zum Thema Literatur und Bücher.

00:59:15.677 --> 00:59:19.347
Was ist für sie das wichtigste Buch das aus Ihrer Sicht alle

00:59:19.430 --> 00:59:22.058
Sozialarbeiterinnen gelesen haben müssten.

00:59:24.894 --> 00:59:27.730
Miller: Nein. Das könnte ich jetzt nicht sagen was ist das wichtigste

00:59:27.730 --> 00:59:28.022
Buch.

00:59:28.064 --> 00:59:33.361
Ich denke, wenn man in der systemtheoretischen Richtungen Fuß fassen

00:59:33.361 --> 00:59:38.116
möchte, dann würde ich mal sagen Luhmanns Gesellschaft der

00:59:38.116 --> 00:59:42.203
Gesellschaft zu lesen, das ist einigermaßen lesbar.

00:59:43.663 --> 00:59:49.335
Was mich persönlich, was ich persönlich sehr inspirierend finde und

00:59:49.335 --> 00:59:54.340
wichtig finde ist Bordieu der feine Unterschied, weil Bourdieu es

00:59:54.340 --> 00:59:58.845
schafft die Handlungdimension also die personale Dimension in

00:59:58.845 --> 01:00:05.059
Verbindung zu setzen mit systemstrukturellem Denken und deutlich macht

01:00:06.311 --> 01:00:12.650
ja was Menschen auch produzieren mit Blick auf Habitus das was sie für

01:00:12.650 --> 01:00:13.901
Wirkungen erzeugen.

01:00:15.236 --> 01:00:19.907
Was das bedeutet für unser gesellschaftliches Zusammenleben in Bezug

01:00:19.907 --> 01:00:24.912
auf Machtstrukturen aufbauen daran festzuhalten und den Blick dadurch

01:00:24.954 --> 01:00:28.833
nicht nur auf die schwierigen Systeme zu richten, sondern auch zu

01:00:28.833 --> 01:00:33.588
sehen was Menschen gemacht haben mit all den Bedürfnissen.

01:00:33.713 --> 01:00:35.590
Ich finde es ein sehr sehr wichtiges Buch.

01:00:37.508 --> 01:00:40.511
Klein: Dann, möchte ich mich bedanken bei Ihnen oder wir möchten uns

01:00:40.511 --> 01:00:43.348
bedanken für das Interview für die Zeit, die sie sich genommen haben,

01:00:43.806 --> 01:00:48.269
und freuen uns, dass sie hier waren, und wünschen Ihnen alles Gute.

01:00:48.478 --> 01:00:48.895
Vielen Dank.

01:00:50.104 --> 01:00:51.439
Miller: Danke für die Einladung.