WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:01.980


00:00:01.980 --> 00:00:05.460
Klein: Wenn sie drei Wörter nehmen müssten die Sie beschreiben welche

00:00:05.460 --> 00:00:06.600
drei Wörter wären das.

00:00:08.800 --> 00:00:12.460
Rittscher: Muss ich mit meiner Frau darüber sprechen. Die hat zu mir

00:00:12.460 --> 00:00:19.020
gesagt ich soll als Erstes sagen dass ich sehr freigiebig wäre. Und

00:00:19.020 --> 00:00:24.420
zwar in verschiedener Hinsicht. Das ist das Erste. Das zweite war mir

00:00:24.420 --> 00:00:37.380
dann wichtig. Ich bin ein Familienmensch. Und das Dritte. Ich versuche

00:00:37.380 --> 00:00:38.240
tolerant zu sein.

00:00:41.180 --> 00:00:43.260
Lambers: Gibt es so etwas wie eine Lebensphilosophie?

00:00:45.600 --> 00:00:48.440
Rittscher: Ganz einfach Im Grunde. Manchmal braucht man gar keine

00:00:48.720 --> 00:00:52.540
großartigen Theorien. Ich würde einfach sagen Leben und leben lassen.

00:00:55.160 --> 00:00:59.740
Eigentlich schon. Da kann man jetzt große Theorien drüber schreiben

00:00:59.980 --> 00:01:01.580
aber eigentlich geht es doch darum.

00:01:01.780 --> 00:01:02.360
Klein: Auf den Punkt.

00:01:02.620 --> 00:01:05.640
Rittscher: Auf den Punkt leben und leben lassen. Und ich würde das

00:01:05.660 --> 00:01:11.860
natürlich auch gleich Kontextualisieren mit dem schönen Satz von Rosa

00:01:11.860 --> 00:01:19.280
Luxemburg Freiheit ist immer die Freiheit des anderen. Leben. Mein

00:01:19.280 --> 00:01:22.940
Leben hat immer auch etwas mit dem Leben der Anderen zu tun.

00:01:24.500 --> 00:01:28.660
Klein: Können Sie daran. Anknüpfen. Ein Ratschlag oder den besten

00:01:28.720 --> 00:01:31.540
Ratschlag benennen die sie mal bekommen haben.

00:01:34.880 --> 00:01:40.420
Rittscher: Zwei, dein einen habe ich gelesen bei Carlos Castaneda. Den

00:01:40.520 --> 00:01:46.700
fand ich gut: "Nimm nicht so wichtig." Und den zweiten den hat mir

00:01:46.700 --> 00:01:53.580
Gunter Schmidt gegeben als er mal da war ich. Habe einige Sinnkrisen

00:01:53.580 --> 00:02:03.020
hinter mir und er hat mir irgendwann mal gesagt: "Rolf Der Sinn des

00:02:03.020 --> 00:02:04.860
Lebens ist das Leben selber."

00:02:07.900 --> 00:02:11.560
Klein: Wenn wir zur sozialen Arbeit mal schauen, gibt es da Vorbilder

00:02:11.560 --> 00:02:13.680
oder gibt es ein Vorbild in der Sozialen Arbeit für Sie.

00:02:14.680 --> 00:02:20.680
Rittscher: Da habe ich auch gedacht. Das muss man auf zwei Ebenen

00:02:20.680 --> 00:02:25.520
glaube ich sehen das eine Vorbild das ich ja nicht kenne sondern über

00:02:26.700 --> 00:02:30.760
diesen Menschen den ich nur gelesen habe. Da fand ich ganz arg

00:02:30.960 --> 00:02:33.640
beeindruckend Jane Ellens, so wie Sylvia Staub-Bernasconi sie

00:02:36.180 --> 00:02:41.220
beschrieben und vorgestellt hat. Das hat mich sehr beeindruckt. Und

00:02:41.220 --> 00:02:46.840
dann muss ich sagen, es gibt Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter

00:02:47.260 --> 00:02:52.780
die ich einfach in der täglichen Praxis erlebt habe. Und da habe ich

00:02:52.780 --> 00:02:59.760
dann zum Beispiel eine Kollegin. Die im Jugendamt in Konstanz

00:02:59.880 --> 00:03:04.120
arbeitet. Wenn ich mit der Rede und höre wie sie über ihre Fälle

00:03:04.120 --> 00:03:08.600
spricht und was sie macht. Dann denke ich immer noch Respekt, Respekt.

00:03:09.860 --> 00:03:14.780
Das finde ich einfach toll. Das sind viele. Die halt irgendwo

00:03:14.780 --> 00:03:17.940
namenloses dann im weiteren Umkreis bleiben.

00:03:18.760 --> 00:03:20.920
Klein: Warum interessieren Sie sich überhaupt für Soziale Arbeit.

00:03:26.460 --> 00:03:32.680
Rittscher: Mein Physiklehrer. Ich bin ja in Soost Ins Gymnasium

00:03:32.680 --> 00:03:40.960
gegangen. Und mein Physiklehrer dort, der war oft ziemlich sauer auf

00:03:40.960 --> 00:03:46.040
mich weil ich so schlecht war. Er hat mal zu mir gesagt, als er wieder

00:03:46.040 --> 00:03:51.000
auf Hundertneunzig war, Rittscher sie rühren in allen Töpfen. Nur

00:03:51.000 --> 00:03:57.680
nicht in dem der Physik. Und da hat er was ganz richtiges getroffen.

00:03:57.740 --> 00:04:03.340
Ich interessiere mich für unglaublich viele unterschiedliche Bereiche

00:04:03.680 --> 00:04:09.200
Theorien Bücher Menschen und ich finde Soziale Arbeit total spannend

00:04:09.640 --> 00:04:15.100
weil sie so vielfältig ist viel vielfältiger als zum Beispiel

00:04:16.280 --> 00:04:22.380
psychologische therapeutische Arbeit. Sie ist viel eingespurter. Und

00:04:22.480 --> 00:04:26.240
das finde ich an der Sozialarbeit toll. Und dann habe ich ganz lange

00:04:26.820 --> 00:04:30.500
in Schorndorf im Jugendamt gearbeitet. Schorndorf ist bei Stuttgart.

00:04:31.880 --> 00:04:38.020
Und da habe ich in der Familien Beratungsstelle des Jugendamtes

00:04:38.020 --> 00:04:41.120
gearbeitet und da hatte ich ganz viel Austausch mit den

00:04:41.180 --> 00:04:43.940
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern das fand ich immer total

00:04:43.940 --> 00:04:44.420
spannend.

00:04:45.940 --> 00:04:49.740
Klein: Warum interessieren sich dann für die Theorie in der Sozialen

00:04:49.740 --> 00:04:50.340
Arbeit oder die Theorie der Sozialen Arbeit.

00:04:54.860 --> 00:05:04.160
Rittscher: Da muss ich sagen Ich liebe Theorien aber die Theorien die,

00:05:05.360 --> 00:05:10.160
Ich in der Sozialarbeit in der Psychologie relevant finde, die habe

00:05:10.160 --> 00:05:15.800
ich mir eigentlich erst durch meine eigene Praxis erschlossen. Ich bin

00:05:15.800 --> 00:05:21.480
eigentlich jemand der erst mal ganz viel praktisch gearbeitet hat und

00:05:21.480 --> 00:05:25.740
dann von der Praxis her geguckt hat welche Theorien mit denen sich

00:05:25.740 --> 00:05:30.140
schon beschäftigt hast. Die sind spannend passen dazu. Könntest du

00:05:30.140 --> 00:05:35.480
denn in irgendeiner Weise verwenden und es gibt ja diesen schönen Satz

00:05:35.480 --> 00:05:39.860
Der Kurt Lewin zugeschrieben wird nichts ist praktischer als eine gute

00:05:39.860 --> 00:05:46.860
Theorie und darauf bestehe ich. Ich finde jede Theorie in unserem Feld

00:05:48.300 --> 00:05:52.260
muss Praxis relevant sein. Das heißt Eigentlich muss man sie

00:05:52.580 --> 00:05:57.620
durchbuchstabieren können von dem höchsten Abstraktionslevel bis zum

00:05:57.620 --> 00:06:06.280
Anwendungsbereich. Deshalb finde ich Theorien total wichtig. Sie

00:06:06.280 --> 00:06:11.680
leiten. Sie leiten das Denken. Und dafür sind sie sehr sehr wichtig.

00:06:12.660 --> 00:06:16.220
Klein: Gut. Vielen Dank. Das war der erste Teil zu den persönlichen

00:06:16.220 --> 00:06:21.760
Als nächsten Gast in

00:06:21.760 --> 00:06:24.280
unserer Interviewreihe begrüßen wir ganz herzlich, Wolf Ritscher

00:06:24.280 --> 00:06:30.720
schönen guten Tag Bevor wir zu unseren fachlichen Fragen kommen

00:06:31.720 --> 00:06:36.120
versucht zumindest mal einen kurzen überblick über ihren akademischen

00:06:36.120 --> 00:06:41.340
Werdegang zu geben. Sie waren bis 2011 Professor für Psychologie an

00:06:41.340 --> 00:06:45.480
der Hochschule für Sozialwesen in Esslingen. Dort mit den

00:06:45.480 --> 00:06:49.820
Schwerpunkten klinische Psychologie Familientherapie und Familien

00:06:49.840 --> 00:06:55.260
Sozialarbeit. Zuvor haben sie evangelische Theologie Geschichte und

00:06:55.260 --> 00:07:01.360
Philosophie an der Ruhr-Universität in Bochum und darauf Pädagogik

00:07:01.360 --> 00:07:09.760
Soziologie und Psychologie in Heidelberg studiert. Promotion zum Thema

00:07:09.840 --> 00:07:14.320
Sozialisationstheoretische Voraussetzungen für eine Kritik der

00:07:14.460 --> 00:07:18.780
Pädagogik. Ihre Arbeits und Forschungsschwerpunkte vorzustellen

00:07:20.520 --> 00:07:24.420
gelingt wahrscheinlich nicht so in aller Kürze aber ich hoffe die

00:07:24.640 --> 00:07:27.640
wichtigsten Punkte. Zum einen geht es bei ihnen natürlich um

00:07:27.640 --> 00:07:33.360
systemische Beratung Therapie und ihr gesellschaftlicher Kontext. Die

00:07:33.360 --> 00:07:38.800
Geschichte der systemischen Therapie und der Psychotherapie im

00:07:38.800 --> 00:07:43.760
Allgemeinen. Und die Verknüpfung systemischer psychoanalytischer und

00:07:43.760 --> 00:07:49.620
auch humanistischer Verfahren und Gesellschaftstheorie. Schließlich

00:07:49.620 --> 00:07:55.000
die systemische soziale Arbeit und Beratung. Therapie in der sozialen

00:07:55.000 --> 00:07:59.560
Arbeit insbesondere im Kontext Kinder und Jugendhilfe soziale

00:07:59.560 --> 00:08:05.880
Psychiatrie und Schulsozialarbeit. Und auch wie ich persönlich finde

00:08:05.880 --> 00:08:09.860
recht spannend die psychosozialen Folgen des Nationalsozialismus und

00:08:09.880 --> 00:08:15.220
Bildungsarbeit an Gedenkstätten des nationalsozialistischen Terrors.

00:08:16.300 --> 00:08:20.140
Neben dieses doch sehr umfangreichen Arbeits und Forschungsgebietes.

00:08:22.960 --> 00:08:26.680
Haben Sie eine Vielzahl von Zusatzausbildungen. Ich nenne mal nur

00:08:26.680 --> 00:08:32.000
einige. Also psychoanalytische Gruppendynamik Psychodrama systemische

00:08:32.000 --> 00:08:37.520
Therapie Beratung und Familientherapie. Außerdem sind sie

00:08:38.300 --> 00:08:45.420
Lehrtherapeut. Summa summarum eine breite Feldkompetenz insbesondere

00:08:45.420 --> 00:08:48.580
in der Kinder und Jugendhilfe wie ich schon sagte in der Sozial

00:08:48.580 --> 00:08:52.540
Psychiatrie, Schulsozialarbeit aber eben

00:08:52.640 --> 00:08:57.320
auch im Kontext von Familien Sozialarbeit bzw. auch Familien und

00:08:57.320 --> 00:09:03.240
Suchtberatung stellen. Zu guter Letzt können wir nicht ihr gesamtes

00:09:03.380 --> 00:09:08.040
publizistisches Schaffen hier vorstellen aber doch kurz drei Titel

00:09:08.780 --> 00:09:13.260
benennen die im Zusammenhang unseres Gesprächs jetzt eine Rolle

00:09:13.260 --> 00:09:17.160
spielen. zunächst einmal die Einführung in die systemische soziale

00:09:17.160 --> 00:09:24.860
Arbeit mit Familien. Als Nächstes sozialer Arbeit systemisch ein

00:09:24.860 --> 00:09:30.980
Konzept und seine Anwendungen. Und schließlich die systemischen

00:09:30.980 --> 00:09:35.960
Modelle für die soziale Arbeit ein integratives Lehrbuch für Theorie

00:09:35.960 --> 00:09:42.620
und Praxis. Da werden wir sicherlich auch nochmal drauf kommen. Der

00:09:42.720 --> 00:09:48.440
Kontext Familie ist bei ihnen ja doch ein Unübersehbarer. Aber hier

00:09:48.440 --> 00:09:52.880
beziehen sie die systemischen Modelle noch einmal generell auf die

00:09:52.880 --> 00:09:57.200
soziale Arbeit. Und dazu werden wir sicherlich auch gleich noch einmal

00:09:57.200 --> 00:10:02.940
die eine oder andere Frage Haben. Zunächst einmal liegt glaube ich

00:10:02.940 --> 00:10:05.920
nahe die Frage weshalb sie sich als Familien und Lehrtherapeut so

00:10:05.920 --> 00:10:09.340
intensiv mit der sozialen Arbeit auseinandergesetzt haben. Können Sie

00:10:09.340 --> 00:10:10.180
da etwas zu sagen.

00:10:11.740 --> 00:10:14.720
Rittscher: Ja ich habe ja schon vorhin gesagt dieses Interesse für

00:10:14.720 --> 00:10:22.940
Vielfältigkeit ist in der sozialen Arbeit ganz spannend. Und zweitens.

00:10:25.760 --> 00:10:32.080
Weil ich schon immer. Ich stamme noch aus den 68ern. Ich habe 69 Jahre

00:10:32.440 --> 00:10:39.600
angefangen zu studieren und. Wie sich das damals so gehörte war ich

00:10:39.600 --> 00:10:46.860
natürlich Marxist das ist ja klar und. Was ich davon behalten habe ist

00:10:46.960 --> 00:10:53.820
unter anderem, dass Theoriebildung im Sozialen,

00:10:54.900 --> 00:11:00.640
Sozialwissenschaftlichen Bereich ohne Bezugnahme auf gesellschaftliche

00:11:00.640 --> 00:11:05.500
Verhältnisse gesellschaftliche Kontexte eigentlich nur eine halbe,

00:11:05.500 --> 00:11:13.740
wenn überhaupt, Sache ist. Und Soziale Arbeit ist deshalb so spannend

00:11:14.260 --> 00:11:23.320
weil sie diese Verknüpfung von Person Subjekt Familien System und so

00:11:23.320 --> 00:11:28.920
weiter mit gesellschaftlichen Kontexten, finde ich Sehr gut

00:11:29.640 --> 00:11:35.020
beschrieben und auf den Punkt gebracht hat. Aus dieser Verknüpfung

00:11:35.020 --> 00:11:41.280
heraus fand ich soziale Arbeit immer total spannend und ich habe ganz

00:11:41.320 --> 00:11:45.220
oft meinen psychologischen Fachkollegen und Fachkolleginnen gesagt

00:11:45.580 --> 00:11:50.760
Leute ihr könntet von der Sozialen Arbeit viel lernen. Über diese

00:11:50.940 --> 00:11:57.300
ganz, jetzt will ich mal sagen, eng fokussierte Arbeit am Einzelfall

00:11:57.300 --> 00:12:04.840
hinaus. Das was die Systemiker sagen weg von der Individuumzentrierung

00:12:05.880 --> 00:12:11.800
hin zu Systemorientierung. Und das ist nicht nur nicht nur kleinere

00:12:11.800 --> 00:12:15.580
Sozialsysteme sondern es ist auch Gesellschaft mit all ihren Teil-und

00:12:17.960 --> 00:12:20.140
Funktionssystemen deshalb.

00:12:23.980 --> 00:12:32.240
Klein: Wenn man Ihre Bücher liest und sich Gedanken macht ob das was

00:12:32.420 --> 00:12:37.800
sie vertreten, Eigentlich zu dem Strauß der Theoriebildung in der

00:12:37.800 --> 00:12:44.160
Sozialen Arbeit gehört oder nicht. Dann kommt man vielleicht erst mal

00:12:44.340 --> 00:12:54.140
ein bisschen ins Straucheln. Sie haben eingangs gesagt dass, Sie so

00:12:54.820 --> 00:13:02.260
verstehe ich sie dass sie die Ansprüche an Theorie so setzen dass,

00:13:02.260 --> 00:13:06.900
Theorie eigentlich nur dann eine Bedeutung hat wenn sie tatsächlich

00:13:07.260 --> 00:13:14.940
bis zur Handlungsebene durch Dekliniert werden kann. Ihr Ansatz den

00:13:14.940 --> 00:13:20.080
Sie vertreten liest sich zunächst auch eher wie ein Handlungskonzept.

00:13:21.800 --> 00:13:26.080
Ein Theorie geleitetes Handlungskonzept. Wenn man allerdings nach der

00:13:26.080 --> 00:13:30.560
Relevanz fragt was über diesen Ansatz Familie hinaus möglicherweise

00:13:30.560 --> 00:13:33.340
auch noch in weiteren Handlungsfeldern oder überhaupt in den

00:13:33.340 --> 00:13:38.560
Handlungsfeldern der sozialen Arbeit gefragt ist. Könnte man dann

00:13:38.660 --> 00:13:41.600
vielleicht auch davon ausgehen dass sich hier eine Disziplin

00:13:41.600 --> 00:13:45.760
begründende Theorie ableiten lässt oder dass sie zumindest auch den

00:13:45.760 --> 00:13:46.360
Anspruch.

00:13:47.200 --> 00:13:51.700
Hätten nicht allein ein Handlungsmodell für die systemische Praxis

00:13:52.060 --> 00:13:56.480
anzubieten sondern darüber hinaus vielleicht auch einen Rahmen einen

00:13:56.480 --> 00:13:59.820
Bezugsrahmen für eine Disziplin begründende Theorie sehen.

00:14:01.420 --> 00:14:05.780
Rittscher: Also wenn Sie so meine Bücher und die Artikel die ich

00:14:05.780 --> 00:14:06.580
geschrieben habe.

00:14:07.440 --> 00:14:11.420
Mal sehen sie angucken dann sehen Sie ja.

00:14:12.820 --> 00:14:18.260
Da schwanke ich ein bisschen. Schwanke ich auf der einen Seite denke

00:14:18.260 --> 00:14:22.940
ich natürlich Disziplin begründe Theorie wunderbar dann werde ich

00:14:22.940 --> 00:14:31.580
vielleicht doch noch mal berühmt. Und so weiter. Warum eigentlich

00:14:31.580 --> 00:14:37.880
nicht. Die systemische Metatheorie bietet durchaus auch solche

00:14:38.080 --> 00:14:48.820
Möglichkeiten nicht von ihr quasi eine Beschreibung und Strukturierung

00:14:48.880 --> 00:14:51.980
der Disziplinen sozialer Arbeit her zu leiten. Zum Beispiel Hosemann

00:14:51.980 --> 00:14:58.880
und Geiling haben das ja in Ihrem Buch finde ich sehr schön gemacht

00:14:58.880 --> 00:15:05.480
eine sehr konsistente Theorie abgeleitet von Luhmann hauptsächlich mit

00:15:05.480 --> 00:15:13.360
ein paar zusätzlichen Theorie Perspektiven und daraus im Grunde eine

00:15:13.360 --> 00:15:17.960
Disziplinen begründende Theorie gemacht. Andererseits denke ich dann.

00:15:18.920 --> 00:15:32.180
Ach Gott ist dieser Anspruch nicht zu hoch. Deshalb bin ich eher so

00:15:32.180 --> 00:15:40.740
auf der Spur bei dem was ich entworfen und entwickelt habe das als ein

00:15:42.720 --> 00:15:46.460
theoretisch begründetes Handlungskonzept zu nennen und dabei auch zu

00:15:46.460 --> 00:15:58.440
bleiben. Ja. Und in diesem Buch systemische Modelle für Soziale Arbeit

00:15:59.160 --> 00:16:03.040
habe ich das ja auch im Grunde vom Titel her schon so aufgezogene Ich

00:16:03.040 --> 00:16:08.620
habe keine Theorie entwickelt sondern ich habe Modelle beschrieben die

00:16:08.620 --> 00:16:11.020
für die soziale Arbeit relevant sein können.

00:16:11.800 --> 00:16:15.440
Klein: Sie haben die Kollegen Hosemann und Geiling genannt die ja auch

00:16:15.440 --> 00:16:20.060
noch im Interview zu Gast sein werden denen sie bescheinigen dass sie

00:16:20.340 --> 00:16:26.860
ja durchaus. Theorie basierte Ich würde aber auch sagen Theorie

00:16:26.860 --> 00:16:32.160
basiert Handlungs Modell anbieten sie so verstehe ich sie zumindest

00:16:33.460 --> 00:16:36.800
machen das ja in ähnlicher wie ich finde auch gelungener Weise

00:16:36.800 --> 00:16:39.880
allerdings weniger auf Luhmann bezogen sondern sie beziehen sich auf

00:16:39.880 --> 00:16:45.360
den ökosozialen Ansatz. Auf den Systemtheorie ökologischen Theorie

00:16:45.640 --> 00:16:49.940
Ansatz. Und da liegt natürlich die Frage nahe weshalb ist dieser

00:16:49.940 --> 00:16:51.960
Ansatz so zentral für ihre Theorie.

00:16:53.140 --> 00:16:53.760
Rittscher: Der Ökologische.

00:16:55.740 --> 00:16:58.160
Also ich hab das ja vorhin schon gesagt.

00:16:59.440 --> 00:17:01.360
Ich habe eigentlich mit der Praxis angefangen.

00:17:02.160 --> 00:17:08.020
Und dann die Theorien gesucht die dazu passen könnten und mir helfen

00:17:08.020 --> 00:17:09.640
könnten in der Praxis zurechtzukommen.

00:17:13.940 --> 00:17:19.740
Ich finde dass der ökologische das ökologische Denken und.

00:17:20.780 --> 00:17:27.680
Ökologische Theoriebildung genau das beinhaltet was ich zum Beispiel

00:17:27.680 --> 00:17:32.480
in der Arbeit mit Familien und nicht nur Familien anderem auch anderen

00:17:32.480 --> 00:17:37.540
sozialen Systemen für sehr wichtig halte um im Prozess voranzukommen

00:17:37.780 --> 00:17:45.980
und das eine, was ökologische Konzepte übereinstimmend sagen ist die

00:17:45.980 --> 00:17:49.540
gegenseitige Abhängigkeit dass sich quasi.

00:17:50.620 --> 00:17:55.900
Alles was ich auf dieser Welt bewegt und nicht nur das ist in

00:17:55.900 --> 00:18:02.820
gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnissen und das glaube ich ist ganz

00:18:03.080 --> 00:18:03.700
wichtig.

00:18:05.260 --> 00:18:07.000
Ich bestehe ja auch auf dem Subjekt.

00:18:07.600 --> 00:18:10.420
Deshalb bin ich mit Luhmann ziemlich überkreuz.

00:18:12.320 --> 00:18:16.100
Ich bestehe darauf dass es noch so ein Konzept von Subjekt gibt.

00:18:17.140 --> 00:18:19.780
Aber diese.

00:18:25.380 --> 00:18:29.040
Es muss so etwas wie eine dieser.

00:18:30.040 --> 00:18:35.500
Wechselseitigen Abhängigkeit muss müssen sich die Subjekte auch immer

00:18:35.500 --> 00:18:39.660
wieder diesen Abhängigkeiten stellen und sich mit diesen

00:18:39.660 --> 00:18:41.640
Abhängigkeiten auseinandersetzen.

00:18:42.580 --> 00:18:48.860
Und das ist für Beratungs und Therapie Prozesse total wichtig. George

00:18:48.860 --> 00:18:52.980
Bernard Shaw hat mal gesagt Unabhängigkeit ist ein bürgerliches

00:18:52.980 --> 00:19:01.980
Vorurteil. Und das sehe ich auch so. Dieser Glaube an das autonome

00:19:02.260 --> 00:19:07.480
Individuum oder das autonome Subjekt halte ich für eine ziemliche

00:19:07.500 --> 00:19:13.480
Illusion. Ökologisch ist völlig klar dass das eine Illusion ist. Das

00:19:13.480 --> 00:19:18.160
zweite was ich in der ökologischen ökonomischen Theoriebildung so

00:19:18.160 --> 00:19:26.560
wichtig finde ist die Idee der Balance. Wenn innerhalb von Systemen

00:19:26.800 --> 00:19:33.340
bestimmte Positionen kodifiziert über oder Unter wertig werden und

00:19:33.340 --> 00:19:40.180
damit eine Schieflage in den Systemen entsteht dann hat das. Konflikte

00:19:40.180 --> 00:19:50.480
zur Folge. und diese Konflikte zu reduzieren setzt unter anderem auch

00:19:50.800 --> 00:19:56.800
wieder eine Wiederherstellung von sag ich mal Gleichgewichten über die

00:19:56.800 --> 00:20:03.520
Zeit voraus Es geht nicht darum das immer zu jedem Zeitpunkt

00:20:04.040 --> 00:20:08.020
Gleichgewichtigkeit besteht. Aber über die Zeit hinweg müssen sich die

00:20:08.020 --> 00:20:14.380
einzelnen Positionen immer wieder auch angleichen, ausgleichen. Das

00:20:14.680 --> 00:20:16.620
finde ich ganz ganz wichtig.

00:20:17.340 --> 00:20:19.540
Lambers: Können Sie das vielleicht an einem konkreten Beispiel

00:20:20.560 --> 00:20:20.880
benennen.

00:20:23.020 --> 00:20:27.860
Rittscher: Nehmen Sie eine Familie weil es so mein, das ist natürlich

00:20:27.940 --> 00:20:28.840
mein Schwerpunkt.

00:20:30.440 --> 00:20:36.240
Wenn sie in einer Familie in der Familien Dynamik eine Position eine

00:20:36.240 --> 00:20:42.900
Rolle und eine Person haben die quasi den familiären Diskurs die

00:20:42.900 --> 00:20:50.380
familiäre Kommunikation chronisch dominiert. Und die anderen in diesem

00:20:50.380 --> 00:20:56.200
System immer wieder in die Frage kommen wo ist eigentlich mein Platz

00:20:56.580 --> 00:21:00.820
wo ist meine Möglichkeit des Handelns wo ist meine Möglichkeit

00:21:00.960 --> 00:21:04.980
Einflussnehmens und immer wieder die Erfahrung machen meine

00:21:04.980 --> 00:21:11.400
Möglichkeiten sind sehr sehr beschränkt weil die dominante Position

00:21:11.700 --> 00:21:15.960
chronisch von einer bestimmten Person eingenommen wird.

00:21:17.020 --> 00:21:22.980
Lambers: Dann wird es in dieser Familie irgendwann zu schweren

00:21:22.980 --> 00:21:29.400
Konflikten kommen weil auf die Dauer läßt sich das normalerweise ein

00:21:29.400 --> 00:21:34.120
Mensch nicht gefallen. Es sei denn es ist schon so schwer depressiv

00:21:34.840 --> 00:21:37.640
dass er nicht mehr ins Handeln hineinkommt. Also das wäre so ein

00:21:37.880 --> 00:21:39.160
Beispiel.

00:21:40.060 --> 00:21:45.160
Und therapeutische Arbeit in dem Fall würde genau heißen diese

00:21:45.360 --> 00:21:50.700
dominante Position zu relativieren aufzuweichen und in einen Diskurs

00:21:50.700 --> 00:21:54.780
mit den anderen Positionen und Rollen und Personen im System zu

00:21:54.780 --> 00:21:55.060
bringen.

00:21:56.260 --> 00:22:01.300
Klein: Vielleicht können Sie an der Stelle mal erläutern was sie. Als

00:22:01.300 --> 00:22:05.700
verbindliche Rahmenbedingungen für professionelle systemische Praxis

00:22:05.980 --> 00:22:12.040
postulieren. Sie sprechen von sogenannten vier Imperativen die sich

00:22:12.040 --> 00:22:15.440
auf Ethik Theorie auf die Methoden und auch auf das Thema Intuition

00:22:15.440 --> 00:22:22.640
beziehen. Und zu dem letzten Punkt Intuition vielleicht noch einmal

00:22:22.660 --> 00:22:23.280
besonders eine Nachfrage.

00:22:23.940 --> 00:22:26.620
Lambers: Aber vielleicht zum näheren Verständnis erst mal diese vier

00:22:26.680 --> 00:22:28.440
Imperative können Sie die kurz erläutern.

00:22:33.000 --> 00:22:34.620
Über Theorie haben wir ja schon gesprochen.

00:22:37.860 --> 00:22:46.160
Rittscher: Völlig klar dass ich finde dass wir eine Ethik brauchen ist

00:22:46.160 --> 00:22:46.780
auch klar.

00:22:46.860 --> 00:22:49.740
Es ist ja eigentlich im Feld der Sozialarbeit und

00:22:50.300 --> 00:22:53.320
Sozialarbeitswissenschaft müssen wir darüber nicht diskutieren wir

00:22:53.620 --> 00:22:58.320
sind eine wertgeleitete Wir sind eine Wert. geleitete und

00:22:58.320 --> 00:23:01.920
wertorientierte Wissenschaft und sollen das auch ganz selbstbewusst

00:23:01.920 --> 00:23:12.460
vertreten. Da bin ich ganz mit Sylvia Staub-Bernasconi und Ethik im

00:23:12.460 --> 00:23:17.640
systemischen Feld. Da wird ja immer Heinz von Foerster zitiert also

00:23:18.640 --> 00:23:24.640
der ethische Imperativ der systemischen heißt vermehre die

00:23:24.960 --> 00:23:31.260
Handlungsmöglichkeiten. Ich würde sagen nicht nur die eigenen

00:23:31.260 --> 00:23:35.400
Handlungsmöglichkeiten sondern ganz im Sinne dieses ökologischen

00:23:35.980 --> 00:23:40.080
Denkens vermehre die Handlungsmöglichkeiten der anderen.

00:23:40.760 --> 00:23:49.600
Denn meine Freiheit ist auch immer die Freiheit des anderen. Deshalb

00:23:51.840 --> 00:23:54.280
brauchen wir diesen ethischen Imperativ.

00:23:54.920 --> 00:24:00.900
Und da kommt für mich aber noch etwas hinzu und das habe ich auch so

00:24:00.900 --> 00:24:10.400
formuliert. Ganz einfach. Tu in Bezug auf andere nur das was du auch

00:24:10.460 --> 00:24:17.660
selber annehmen kannst. Ich bin ein sehr Autonomie orientierter Mensch

00:24:18.440 --> 00:24:23.020
und ich kann es überhaupt nicht leiden wenn mir jemand Vorschriften

00:24:23.020 --> 00:24:26.920
macht. Als Professor hat man ja auch einen guten Job in der Beziehung

00:24:27.160 --> 00:24:30.940
da kann man viel autonom und eigenständig machen.

00:24:33.300 --> 00:24:37.720
Also ich wäre zum Beispiel überhaupt kein guter Kandidat für

00:24:37.720 --> 00:24:45.760
Ratschläge. Ich bin ein guter Kandidat für reflexive Diskurse. Und

00:24:45.800 --> 00:24:52.360
wenn ich das bei mir nicht mag, dann werde ich zumindestens erst mal

00:24:52.360 --> 00:24:55.520
gucken, ob die anderen das mögen.

00:24:57.400 --> 00:25:05.680
Es ist ja bekannt. Der kategorische Imperativ das hat natürlich alles

00:25:05.680 --> 00:25:12.360
etwas damit zu tun. Ich möchte auch nicht gewalttätig behandelt werden

00:25:12.360 --> 00:25:18.120
also werde ich auch niemanden gewalttätig behandeln. Das ist mir total

00:25:18.120 --> 00:25:22.260
wichtig, dass Schon auf der Ebene ein wechselseitiger

00:25:22.900 --> 00:25:26.980
gleichberechtigter Bezug zwischen dem Klienten, der Klientin und mir

00:25:26.980 --> 00:25:27.600
stattfindet.

00:25:29.180 --> 00:25:34.320
Klein: Den zweiten Imperativ den binden Sie an Theorie. Oder der

00:25:34.320 --> 00:25:36.400
theoretische Imperativ.

00:25:38.240 --> 00:25:42.620
Rittscher: Ja der theoretische Imperativ heißt nutze Theorien als

00:25:44.340 --> 00:25:51.020
Perspektiven, Leitlinien aber reflektiere sie und stelle sie immer

00:25:51.020 --> 00:25:52.000
wieder neu infrage.

00:25:52.440 --> 00:25:57.060
Theorien sind nichts weiter als Ansammlungen von Hypothesen

00:25:57.800 --> 00:26:01.320
miteinander verbundene Hypothesen die immer wieder neu in Frage

00:26:01.320 --> 00:26:04.620
gestellt werden müssen. Das kann man schon bei Popper nachlesen.

00:26:05.580 --> 00:26:07.400
Klein: Theorien sterben und nicht Menschen.

00:26:07.660 --> 00:26:11.040
Rittscher: So ist es ganz genau die Intuition.

00:26:11.780 --> 00:26:14.580
Klein: Die Methoden vielleicht auch noch vorab oder sagen Sie auch,

00:26:14.580 --> 00:26:20.600
dass das Vielleicht auch in einer ähnlich deutende Richtung durchaus

00:26:20.600 --> 00:26:23.900
in einen imperativen Kontext gesetzt werden muss man kann Methoden

00:26:23.900 --> 00:26:27.420
nicht einfach beliebig einbauen oder verwenden.

00:26:28.640 --> 00:26:31.680
Rittscher: Methoden müssen theoretisch eingerahmt sein.

00:26:32.220 --> 00:26:34.800
Das ist der Unterschied für mich zwischen Methoden und Techniken.

00:26:35.100 --> 00:26:38.540
Deshalb benutze ich den Begriff mit Methode und nicht den Begriff

00:26:38.960 --> 00:26:46.400
Technik weil ich finde Methoden Handlungsvorschläge Instrumente des

00:26:46.400 --> 00:26:50.660
Vorgehens die theoretisch eingebettet und theoretisch legitimiert

00:26:50.660 --> 00:26:50.840
sind.

00:26:52.140 --> 00:26:57.620
Und auch da gilt genau das Gleiche, dass wir diese Methoden immer

00:26:57.620 --> 00:27:02.220
wieder reflektieren und auf den Prüfstand stellen müssen und dass wir

00:27:02.220 --> 00:27:07.220
vor allen Dingen nicht meinen wir könnten Methoden technizistisch

00:27:07.860 --> 00:27:13.260
anwenden also nichts finde ich schrecklicher als eine so etwas wie

00:27:13.260 --> 00:27:18.740
eine technizistische bürokratisierte Anwendung zum Beispiel von

00:27:18.780 --> 00:27:20.100
therapeutischem Manual.

00:27:21.200 --> 00:27:27.060
Klein: Also nicht den Menschen die Methodik anpassen sondern die

00:27:27.060 --> 00:27:30.000
Methode der Lebenslage Problemlage der Menschen anzupassen.

00:27:30.560 --> 00:27:33.020
Wir kommen dann zum vierten Punkt Wenn ich Intuition.

00:27:33.340 --> 00:27:37.560
Genau das ist der vierte Imperativ das fand ich ja sehr interessant.

00:27:38.080 --> 00:27:42.720
Dass sie sich für den Imperativen Gebrauch von Intuition aussprechen.

00:27:43.940 --> 00:27:48.080
Das steht ja in der phänomenologischen Denktradition.

00:27:49.600 --> 00:27:55.160
Nur stellt sich da für mich die Frage, dass natürlich Intuition wenn

00:27:55.160 --> 00:27:57.080
man so will ein Erkenntnismodus ist.

00:27:57.500 --> 00:28:01.620
Aber wie mache ich das denn wenn Sie sagen gebrauche deine Intuition

00:28:01.900 --> 00:28:05.060
dann hat das schon in gewisser Weise etwas Methodisches.

00:28:05.400 --> 00:28:09.440
Aber in dem Moment wenn ich das tatsächlich Versuche methodisch zu

00:28:09.440 --> 00:28:14.100
entfalten dann mache ich eigentlich Intuition unmöglich.

00:28:15.420 --> 00:28:18.960
Lambers: Das wäre noch mal interessant zu erfahren wie sie das

00:28:20.220 --> 00:28:23.180
gedanklich füllen wollen den Gebrauch von Intuition.

00:28:23.760 --> 00:28:26.240
Zum zweiten muss man ja auch feststellen dass zumindest in der

00:28:26.240 --> 00:28:28.520
Theoriebildung der sozialen Arbeit.

00:28:30.880 --> 00:28:34.260
Diese Reflexion fast überhaupt gar nicht auftritt.

00:28:34.860 --> 00:28:37.240
Zumindest bislang nicht aufgefallen natürlich im Kontext der

00:28:37.260 --> 00:28:39.260
Theoriebildung von Psychologie und so weiter.

00:28:39.620 --> 00:28:43.920
Aber in den Theorien der sozialen Arbeit kommt Intuition nicht vor.

00:28:44.140 --> 00:28:51.360
Ich würde mal wetten wenn sie denn tatsächlich als ein Merkmal von

00:28:51.360 --> 00:28:54.700
Professionalität eingebracht würde das dann sehr schnell doch

00:28:54.720 --> 00:28:59.180
Widerspruch käme der da lautet Intuition gehört nicht in die

00:28:59.180 --> 00:28:59.840
Wissenschaft.

00:28:59.940 --> 00:29:04.320
Ja das ist etwas sehr Persönliches aber das lässt sich professionell

00:29:04.320 --> 00:29:06.560
eigentlich kaum bis gar nicht verwenden.

00:29:07.800 --> 00:29:11.220
Rittscher: Da muss ich zwei Sachen zu sagen Das eine ist Wir kommen ja

00:29:11.840 --> 00:29:13.980
vielleicht dann nochmal dazu.

00:29:14.840 --> 00:29:19.080
Eine meiner Kritikpunkte an unter anderem auch an vielen systemischen

00:29:19.440 --> 00:29:25.320
Theoriebildung aber nicht nur an denen ist dass zum Beispiel die

00:29:25.320 --> 00:29:31.160
affektive Seite menschlichen Lebens subjektive Existenz und auch

00:29:31.640 --> 00:29:35.760
interpersonelle Dynamik in ganz vielen Theorien überhaupt keine Rolle

00:29:35.760 --> 00:29:38.120
spielt oder randständig ist.

00:29:39.660 --> 00:29:43.860
Intuition hat immer auch etwas mit Affekt Affektivität Emotionalität

00:29:43.860 --> 00:29:44.180
zu tun, das ist Punkt 1.

00:29:45.920 --> 00:29:50.120
Punkt 2 Da muss ich auch wieder einfach auf meine Erfahrung verweisen.

00:29:51.300 --> 00:29:56.700
So wie ich Beratung Therapien oder auch sozial pädagogische

00:29:56.700 --> 00:29:58.280
Interventionen gemacht habe.

00:29:59.500 --> 00:30:04.500
Ich arbeite persönlich sehr intuitiv.

00:30:05.260 --> 00:30:10.040
Aber ich habe viele Jahre theoretisch gearbeitet.

00:30:10.660 --> 00:30:16.320
Und diese Theorien, die sind quasi Teil meines Gehirns.

00:30:18.500 --> 00:30:24.620
Meine Intuition wird schon in der Situation auch von diesen Theorien,

00:30:24.780 --> 00:30:29.760
Theoremen geleitet ohne dass ich das jetzt in der Situation ganz

00:30:29.760 --> 00:30:33.080
bewusst wahrnehme und formulieren kann.

00:30:33.760 --> 00:30:39.640
Klein: Aber diese Intuition führt mich ein Stück weit des Weges und

00:30:39.680 --> 00:30:44.200
dann gibt es einen Punkt wo ich merke Aha jetzt muss ich erst einmal

00:30:44.200 --> 00:30:46.280
genauer nachdenken und reflektieren.

00:30:46.580 --> 00:30:50.920
Der Weg den mich die Intuition bis zu diesem Punkt gebracht hat war

00:30:50.920 --> 00:30:51.320
gut.

00:30:51.620 --> 00:30:56.480
Aber jetzt stimmt etwas nicht mehr in der Beziehung zwischen mir und

00:30:56.480 --> 00:30:57.880
den Klientinnen und Klienten.

00:30:58.220 --> 00:31:01.160
Rittscher: Und dann muss ich anfangen zu reflektieren und muss die

00:31:01.400 --> 00:31:06.620
Intuition quasi auf eine andere Stufe heben auf eine reflexive Stufe.

00:31:08.300 --> 00:31:12.340
Das ist der Punkt wo man dieses Paradoxon, was Sie gerade formuliert

00:31:12.340 --> 00:31:17.960
haben das eigentlich methodengeleitete Verwendung von Intuition nicht

00:31:18.140 --> 00:31:18.680
geht.

00:31:19.760 --> 00:31:23.120
Da kann man das Paradoxon auflösen. Nachträglich.

00:31:23.760 --> 00:31:27.620
Das machen wir in der Familientherapie ja ganz oft dass wir Paradoxien

00:31:27.760 --> 00:31:31.900
dann auf der Meta-Ebene auf der reflexive Ebene dann versuchen

00:31:31.900 --> 00:31:32.560
aufzuheben.

00:31:33.080 --> 00:31:34.140
Lambers: Könnte man das so sagen.

00:31:34.300 --> 00:31:37.640
Watzlawick hat ja immer davon gesprochen dass es die sei spontan

00:31:37.640 --> 00:31:41.780
Paradoxie gäbe das ist ja mit diesem sei intuitiv fast identisch aber

00:31:42.640 --> 00:31:44.480
was sein muss wie eine geschulte Intuition.

00:31:45.660 --> 00:31:48.260
Eine geschulte Intuition das finde ich schön.

00:31:48.800 --> 00:31:50.680
Rittscher: Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, das so zu

00:31:50.680 --> 00:31:54.580
nennen aber das ist so zwar geschult über mein eigenes

00:31:54.580 --> 00:31:59.300
Theologiestudium und natürlich geschult über unglaublich viele

00:31:59.840 --> 00:32:04.180
Erfahrungen die ich halt im sozialen und psychosozialen Feld gemacht

00:32:04.180 --> 00:32:04.300
habe.

00:32:04.700 --> 00:32:09.400
Ich hab inzwischen 40 Jahre Praxis auf dem Buckel.

00:32:09.680 --> 00:32:18.260
Und da schult sich Intuition allein über die Lebenserfahrung.

00:32:21.160 --> 00:32:24.580
Klein: Ich denke dass wir dann nach dieser Klarstellung vielen Dank

00:32:24.600 --> 00:32:25.520
auch noch einmal dafür.

00:32:26.100 --> 00:32:30.540
Das ist sehr wichtig denn geschulte Intuition ist vielleicht eine ganz

00:32:30.540 --> 00:32:39.400
schöne Idee. Auch dieses was doch im Begriff der Intuition im Sinne

00:32:39.400 --> 00:32:41.220
von Alltags Verwertbarkeit liegt.

00:32:41.760 --> 00:32:43.520
Noch einmal deutlich zu relativieren.

00:32:45.180 --> 00:32:48.460
Und hier bekommt es dann durch diese Ausformung ja auch noch einmal

00:32:48.460 --> 00:32:51.240
einen sehr voraussetzungsvollen Kontext.

00:32:51.720 --> 00:32:56.740
Also nicht Intuition gleich aus dem Bauch heraus sondern eben Theorie

00:32:56.740 --> 00:33:01.920
basiert bzw. basierend auf der eigenen Auseinandersetzung mit

00:33:02.860 --> 00:33:07.480
fachlichen theoretischen Fragestellungen und eben auch ganz konkreter

00:33:07.840 --> 00:33:08.320
Praxis.

00:33:10.060 --> 00:33:13.380
Ja ich glaube wir sollten dann zu den Herausforderungen kommen.

00:33:14.560 --> 00:33:19.840
Die Herausforderung die Sie vielleicht sehen für die Theoriebildung

00:33:19.840 --> 00:33:24.080
oder auch für die Entwicklung von Theorie geleiteten Handbuches

00:33:24.080 --> 00:33:25.780
Modellen der sozialen Arbeit.

00:33:25.800 --> 00:33:29.560
Wenn wir mal so in die Zukunft schauen sehen Sie da etwas wo Sie sagen

00:33:29.560 --> 00:33:31.500
Da sollten wir mal genauer hinschauen.

00:33:36.900 --> 00:33:42.240
Rittscher: Ich bin ja jetzt schon einige Jahre aus der aktiven

00:33:42.520 --> 00:33:47.260
Hochschul Tätigkeit und damit auch aus der direkten Verbindung mit

00:33:47.260 --> 00:33:50.200
sozialer Arbeit draußen ich mache immer noch.

00:33:51.100 --> 00:33:56.860
Ich bin immer noch als Supervisor im sozialen Feld tätig und kriege da

00:33:56.860 --> 00:33:58.560
ja immer noch so Entwicklungen mit.

00:34:00.300 --> 00:34:09.640
Ich glaube, dass eine der Herausforderungen der für die Theoriebildung

00:34:09.640 --> 00:34:13.660
der sozialen Arbeit den nächsten Jahren wird werden die ganzen

00:34:13.660 --> 00:34:18.420
gesellschaftlichen Verwerfungen sein die wir jetzt schon beobachten

00:34:18.420 --> 00:34:18.880
können.

00:34:19.820 --> 00:34:25.620
Und so wie unsere Politik zurzeit gestrickt ist wird sich daran. auch

00:34:25.620 --> 00:34:31.260
unsere ökonomie unsere kapitalistische ökonomie wird sich daran

00:34:31.900 --> 00:34:34.200
möglicherweise nicht so viel ändern.

00:34:34.740 --> 00:34:40.140
Und ich glaube dass sozialarbeitswissenschaftliche Theorien diese

00:34:40.360 --> 00:34:44.340
gesellschaftlichen Entwicklungen diese Verwerfungen, diese Spaltungen,

00:34:44.340 --> 00:34:46.980
diese verrandständigung.

00:34:48.560 --> 00:34:52.880
Ich würde gar nicht sagen Exklusion ist mit dem Begriff habe ich hier

00:34:52.880 --> 00:34:57.000
auch schon Schwierigkeiten. Die Verrandständigung von bestimmten

00:34:57.000 --> 00:35:08.320
Gruppen und Milieus die diese von bestimmten Gruppen und Milieus im

00:35:08.320 --> 00:35:15.060
Bereich der Randständigkeit der Armut der Unterprivilegierten noch

00:35:15.060 --> 00:35:19.540
sehr viel stärker theoretisch auch in den Fokus genommen werden.

00:35:19.740 --> 00:35:24.280
Und die Frage was eigentlich diese gesellschaftlichen Spaltungen zu

00:35:24.280 --> 00:35:29.260
Verwerfungsprozesse nicht nur für die randständigen Gruppen bedeutet

00:35:29.560 --> 00:35:32.940
sondern auch für die anderen Gruppen und Milieus in unserer

00:35:32.940 --> 00:35:37.320
Gesellschaft. Das glaube ich ist ganz wichtig im Sinne des

00:35:37.320 --> 00:35:43.240
ökologischen Modells der gegenseitigen Abhängigkeiten. Und das zweite.

00:35:44.920 --> 00:35:48.780
Da sind wir jetzt voll drin ist ja auch klar warum Stichwort

00:35:49.060 --> 00:35:56.580
Digitalisierung. diese unglaublich schnellen technologischen

00:35:57.160 --> 00:36:03.460
Veränderungen. Ich habe das ja mitgekriegt. Ich habe ja praktisch

00:36:03.760 --> 00:36:10.160
alles in meiner Berufstätigkeit vom ersten Computer bis jetzt habe ich

00:36:10.420 --> 00:36:12.300
diese ganze Entwicklung mitgekriegt.

00:36:12.840 --> 00:36:17.460
Und ich glaube, dass wir überhaupt noch gar nicht richtig klar haben

00:36:17.460 --> 00:36:23.200
was diese Mediatisierung diese digitale Mediatisierung von

00:36:23.200 --> 00:36:29.520
Gesellschaft von gesellschaftlichen Teilsystemen von Subjekten was das

00:36:29.520 --> 00:36:35.800
für Folgen haben wird für das Zusammenleben von Menschen und damit für

00:36:35.800 --> 00:36:37.740
das was mir wichtig ist.

00:36:39.520 --> 00:36:46.300
Integration ist mir viel wichtiger in Fragen der Integration

00:36:46.840 --> 00:36:51.160
Desintegration zu denken als im Begriffspaar Inklusion und Exklusion.

00:36:51.780 --> 00:36:57.280
Weil in der Integration steckt die subjektive Perspektive in diesem

00:36:57.280 --> 00:37:03.480
Begriffspaar Inklusion Exklusion bei Luhmann völlig raus fällt weil

00:37:03.780 --> 00:37:06.220
Luhmann kennt ja keine Subjekte mehr.

00:37:07.780 --> 00:37:10.540
Klein: Ja ja das ist ein interessanter Diskurs.

00:37:11.500 --> 00:37:13.700
Kann man so weit zustimmen wobei man dann vielleicht einbringen

00:37:13.700 --> 00:37:15.100
könnte, er erkennt sie.

00:37:15.760 --> 00:37:18.940
Erkennt das Subjekt aber er verortet es außerhalb von Gesellschaft.

00:37:21.100 --> 00:37:23.400
Die Frage ist dann wie weit kann ein Subjekt tatsächlich noch

00:37:23.460 --> 00:37:26.000
gesellschaftlich Gestaltend noch auftreten.

00:37:27.100 --> 00:37:30.040
Aber das wäre ein gesonderter Diskurs aber führt uns vielleicht noch

00:37:30.040 --> 00:37:31.680
mal an den Punkt.

00:37:36.200 --> 00:37:37.300
Wenn ich Sie richtig verstehe.

00:37:38.560 --> 00:37:43.220
Für sie soziale Arbeit an der Schnittstelle von Person und Lebenslage

00:37:43.220 --> 00:37:47.560
sag ich mal angesiedelt ist aber damit eben auch an der Schnittstelle

00:37:47.560 --> 00:37:54.840
von Verhalten und Verhältnissen und Ihr systemischer Ansatz bezieht

00:37:54.840 --> 00:37:57.360
sich aber doch sehr stark wie sie jetzt auch schon mehrfach betont

00:37:57.360 --> 00:37:59.440
haben auf die Idee des Subjekts.

00:38:01.020 --> 00:38:02.520
Und da liegt.

00:38:02.520 --> 00:38:03.920
Rittscher: Das Interdependenzen das ist Wichtig.

00:38:05.040 --> 00:38:05.300
Klein: Ja Gut.

00:38:06.700 --> 00:38:13.060
Die Frage ist oder ist da nicht die Frage berechtigt das systemische

00:38:13.060 --> 00:38:18.520
soziale Arbeit vielleicht doch zu einseitig auf die Person wenn auch

00:38:18.520 --> 00:38:24.880
in ihren Wechselwirkungen zur Umwelt abhebt aber viel zu wenig auf das

00:38:24.880 --> 00:38:27.840
was wir Lebenslage oder die Bedingungen von Lebenslage

00:38:28.260 --> 00:38:33.940
gesellschaftliche Auslösebedingungen von Lebenslage sind oder sehen

00:38:33.940 --> 00:38:38.800
Sie keinen Widerspruch. Ökologisch sagen sie ist das mitgedacht. Aber

00:38:39.060 --> 00:38:42.940
wie kann das dann Operationalisiert praktisch auf der Handlungsebene.

00:38:43.780 --> 00:38:47.620
Mit dem Klienten eigentlich zum Tragen kommen. Da sind wir doch mit

00:38:47.860 --> 00:38:52.320
ihrem Modell sehr stark an der Person an den Interaction Verhältnissen

00:38:52.320 --> 00:38:57.720
dieser Personen und weniger an den. Verhältnissen die auch ein Teil

00:38:57.720 --> 00:39:01.020
der sozialen Problemlagen dieser Personen ausmachen.

00:39:03.880 --> 00:39:06.460
Rittscher: Wir können den theoretischen Diskurs führen und da müssten

00:39:06.460 --> 00:39:15.540
wir Subjekt Person Lebenslage Lebenswelt soziale Verhältnisse

00:39:15.540 --> 00:39:16.800
eigentlich zusammendenken.

00:39:17.100 --> 00:39:21.480
Aber wir könnten es auch an einem Beispiel deutlich machen.

00:39:22.220 --> 00:39:26.820
Ich glaube das bringt das auch auf den Punkt. Und zwar

00:39:28.600 --> 00:39:31.100
Ich war gerade fertig mit meinem Pädagogik Studium und habe dann

00:39:32.680 --> 00:39:36.980
Sozialarbeit in den Benzbarracken Mannheim in gemacht.

00:39:37.720 --> 00:39:40.340
Die Benzbarracken in Mannheim sind wir schon der Name sagt sozialer

00:39:40.340 --> 00:39:40.960
Brennpunkt.

00:39:42.140 --> 00:39:42.880
In Mannheim.

00:39:45.040 --> 00:39:52.060
Lambers: Dann haben wir eine Freizeit für die Kinder gemacht ich habe

00:39:53.380 --> 00:39:55.160
in der Arbeit mit Kindergruppen war ich.

00:39:56.740 --> 00:40:00.760
Rittscher: Und dann haben wir eine Freizeit am Bodensee gemacht.

00:40:02.040 --> 00:40:05.420
Klein: Wir haben uns Betreuer und Betreuerinnen haben uns wahnsinnig

00:40:05.420 --> 00:40:09.200
viel Mühe gegeben alles schön für die Kinder zu machen und schön zu

00:40:09.200 --> 00:40:11.620
kochen und was weiß ich nicht alles.

00:40:12.280 --> 00:40:20.620
Und dann haben wir ein wunderschönes Abendessen gestaltet.

00:40:20.960 --> 00:40:23.920
Heute würde ich schon sagen da liegt schon der Fehler dass wir das

00:40:23.920 --> 00:40:25.840
gemacht haben und nicht zusammen mit den Kindern.

00:40:28.120 --> 00:40:35.840
Und einer vielleicht neun oder zehn Jahre alt saß da.

00:40:39.020 --> 00:40:45.620
Und ich habe mich so geärgert und so aufgeregt dass ich ihn irgendwann

00:40:45.620 --> 00:40:50.180
angeschrien habe und hab gesagt zu Hause kriegst du fast nichts zu

00:40:50.180 --> 00:40:54.580
fressen und hier machst du so ein Theater.

00:40:55.720 --> 00:40:56.860
Lambers: Was hat der junge gemacht.

00:40:57.400 --> 00:41:00.280
Völlig zu Recht würde ich sagen. Der ist aufgestanden.

00:41:01.480 --> 00:41:03.380
Ist hoch in sein Zimmer gegangen.

00:41:04.260 --> 00:41:08.200
Hat seine Sachen gepackt und hat gesagt Ich geh jetzt nach Hause.

00:41:12.420 --> 00:41:17.620
Das hat er auch gemacht, der ist mit seinem Täschchen raus und ist

00:41:17.620 --> 00:41:21.420
einfach die Straße in Ludwigshafen wo wir waren am Bodensee einfach

00:41:21.420 --> 00:41:21.760
die Straße lang gegangen.

00:41:25.540 --> 00:41:30.460
Und ich natürilich, klar hinterher hab ihn so lange wortlos begleitet

00:41:30.760 --> 00:41:36.520
bis die ersten Emotionen ein Stück weit sich verflüchtigt hat.

00:41:37.420 --> 00:41:38.520
Was hab ich gemacht.

00:41:39.380 --> 00:41:44.700
Klein: Ich habe ein zentrales Konzept der Familiendynamik und der

00:41:45.080 --> 00:41:48.900
Familientherapie missachtet nämlich das Konzept der Loyalität.

00:41:49.740 --> 00:41:54.480
Lambers: Ich habe überhaupt nicht im Kopf gehabt dass dieser Junge

00:41:55.380 --> 00:42:02.340
natürlich seiner Familie gegenüber sehr sehr viel loyaler sein

00:42:02.440 --> 00:42:07.420
gebunden ist und sein wird als gegenüber uns den Betreuern die doch

00:42:07.560 --> 00:42:08.920
alles so gut machen wollen.

00:42:11.540 --> 00:42:15.160
Und dieses Konzept der Loyalität.

00:42:17.540 --> 00:42:24.580
Ändert das bleibt bestehen auch wenn die Lebensverhältnisse wenn die

00:42:25.660 --> 00:42:37.060
finanziellen Verhältnisse die Hierarchien in der Familie die ständigen

00:42:37.140 --> 00:42:39.540
Spannungen und Konflikte in der Familie.

00:42:41.940 --> 00:42:46.080
Rittscher: Die Fragen Was darf ein Junge Was darf ein Mädchen und so

00:42:46.080 --> 00:42:46.380
weiter.

00:42:48.200 --> 00:42:53.960
Die ganzen Konflikte die daraus entstehen sind letztlich weniger

00:42:53.960 --> 00:43:05.420
wichtig in der Situation als wenn ich von außen die Familie und ihn

00:43:05.420 --> 00:43:07.740
als Familien Mitglied angreife.

00:43:09.560 --> 00:43:14.100
Und da sind wir genau bei dem Punkt da muss ich Familie und dynamisch

00:43:14.100 --> 00:43:17.820
denken und nicht Individuum zentriert.

00:43:18.660 --> 00:43:21.040
Und damit ist ganz klar.

00:43:21.840 --> 00:43:25.900
Lambers: Es gibt diese Schnittstelle zwischen Person und Lebenslage

00:43:26.040 --> 00:43:28.080
und Lebenswelt.

00:43:28.660 --> 00:43:30.360
Aber es ist eine Schnittstelle.

00:43:31.320 --> 00:43:37.080
Und ich kann, und da bin ich ganz bei Luhmann in der Differenz von

00:43:37.540 --> 00:43:42.660
System und Umwelt muss ich die Umwelt natürlich immer im Blick haben.

00:43:42.840 --> 00:43:47.560
Und wenn ich auf die Person bezogen etwas sage und tue muss ich das

00:43:47.580 --> 00:43:51.500
immer unter dem Gesichtspunkt der Umwelt auch machen.

00:43:52.820 --> 00:43:54.540
Klein: Das habe ich in diesem Beispiel nicht gemacht.

00:43:56.200 --> 00:43:59.160
Lambers: Das sind ja hochkomplexe Anforderungen an den Sozialarbeiter

00:43:59.160 --> 00:44:00.440
und die Sozialarbeiterin.

00:44:00.520 --> 00:44:02.100
Rittscher: Deshalb müssen sie viel besser bezahlt werden.

00:44:03.900 --> 00:44:07.240
Lambers: Aber sie sagen auch in ihrem Buch gibt es das Fallbeispiel

00:44:07.240 --> 00:44:11.880
aus einer stationären Jugendhilfe wo dann gesagt wird so mit zehn

00:44:12.360 --> 00:44:15.540
Kindern und Jugendlichen das wäre ungefähr das was eine stationäre

00:44:15.540 --> 00:44:18.340
Wohngruppe noch ungefähr überschaubarer werden lässt.

00:44:19.320 --> 00:44:25.620
Gibt es denn auch Grenzen dessen. Grenzen der Anzahl von betreuten die

00:44:25.620 --> 00:44:29.440
man sich vorstellen kann gibt es dann im Rahmen der Komplexität

00:44:29.440 --> 00:44:32.580
Grenzen wo man gen kann, das kann man eigentlich kaum noch bewältigen

00:44:32.580 --> 00:44:35.980
Wir haben ja andere Schlüsselfragen zum Beispiel in der Case

00:44:35.980 --> 00:44:39.360
Management der Bundesagentur für Arbeit von eins zu hundert eins zu

00:44:39.360 --> 00:44:40.020
120.

00:44:41.220 --> 00:44:42.760
Wie kann man das aufnehmen.

00:44:43.200 --> 00:44:44.320
Sie hatten das da thematisiert.

00:44:45.380 --> 00:44:48.540
Rittscher: Ja ich habe nochmal nach geguckt.

00:44:48.700 --> 00:44:53.940
Das ist ein Beispiel aus Wunder Fitz dass es eine stationäre

00:44:55.380 --> 00:45:03.740
Jugendhilfeeinrichtungen in Offenburg und die Arbeiten mit so einer

00:45:03.740 --> 00:45:04.520
kleinen Gruppe.

00:45:05.240 --> 00:45:06.120
Das selbe Beispiel.

00:45:07.820 --> 00:45:13.120
Ich habe auch über sieben Jahre neben meiner Tätigkeit als

00:45:13.720 --> 00:45:20.920
Hochschullehrer noch über sieben Jahre in einem Kleinstkinderheim als

00:45:20.980 --> 00:45:26.860
Familientherapeut gearbeitet und wir hatten nur sechs Plätze.

00:45:28.200 --> 00:45:34.640
Und ich finde dass diese kleinen Einheiten sehr viel überschaubarer

00:45:34.640 --> 00:45:41.780
sind der Kontakt sehr viel direkter schneller und selbstverständlicher

00:45:41.780 --> 00:45:48.700
sein kann als wenn es sich um große Einheiten und Organisation

00:45:48.700 --> 00:45:49.240
handelt.

00:45:50.000 --> 00:45:53.620
Klein: Man kann das natürlich ein Stück weit auch dadurch hinkriegen

00:45:53.840 --> 00:45:57.640
dass man innerhalb einer großen Organisation Kleine Teilsysteme

00:45:57.640 --> 00:45:58.180
bildet.

00:45:59.160 --> 00:46:03.680
Aber diese Teilsysteme müssen dann, das ist oft das Problem in diesen

00:46:03.680 --> 00:46:08.140
großen Einrichtungen müssen dann für sich auch ein Stück Kontinuität

00:46:08.180 --> 00:46:17.300
personelle Kontinuität und Sicherheit anbieten.

00:46:20.260 --> 00:46:21.100
Das heißt.

00:46:23.800 --> 00:46:26.980
Rittscher: Bei uns in dieser stationären Jugendhilfeeinrichtung wo ich

00:46:26.980 --> 00:46:37.720
war haben wir quasi die Kinder jeden Tag in ganz unterschiedlichen

00:46:37.720 --> 00:46:42.080
Situationen erlebt und hatten Kontakt mit ihnen in ganz

00:46:42.220 --> 00:46:43.540
unterschiedlichen Situationen.

00:46:43.780 --> 00:46:49.500
Und das kriegen sie in größeren Einrichtungen wo die Teilsysteme viel

00:46:49.500 --> 00:46:52.140
mehr voneinander abgegrenzt sind viel viel schwieriger hin.

00:46:53.260 --> 00:46:56.620
Deshalb bin ich für kleine Einheiten und wenn sie in großen

00:46:56.620 --> 00:47:01.480
Einrichtungen sind müssen sie auch eine relative Autonomie haben.

00:47:02.460 --> 00:47:09.860
Klar es muss so etwas wie eine personelle Kontinuität der Kolleginnen

00:47:09.860 --> 00:47:10.800
und Kollegen geben.

00:47:14.620 --> 00:47:18.020
Klein: Vielleicht noch einmal so langsam dem Ende zugehend.

00:47:20.700 --> 00:47:25.560
Wenn Studierende der Sozialen Arbeit sich mit dieser sehr vielfältigen

00:47:25.560 --> 00:47:27.300
Theorie Landschaft auseinandersetzen.

00:47:29.160 --> 00:47:33.580
Lambers: Dann sucht man sicherlich auch nach Gemeinsamkeiten oder

00:47:33.580 --> 00:47:34.480
Schnittmengen.

00:47:35.080 --> 00:47:37.740
Könnten Sie da vielleicht noch mal abschließend eine Einschätzung

00:47:37.740 --> 00:47:44.060
angeben wo sie sich vielleicht gut verorten können oder wo sie sagen

00:47:44.080 --> 00:47:49.620
Na ja zur Bewältigungsansätzen oder Lebensführung oder Bedürfnis

00:47:49.620 --> 00:47:54.660
theoretische Ansätze Staub-Bernasconi oder Befähigungsaansätze.

00:47:56.440 --> 00:48:00.680
Würden Sie sagen da Grenze ich mich von einem bestimmten Ansatz ab

00:48:00.700 --> 00:48:04.420
oder haben Sie da eine gemeinsame große Schnittmenge die Sie sehen.

00:48:08.220 --> 00:48:13.380
Rittscher: Auf theoretischen. Auf der theoretischen Ebene kann man

00:48:13.380 --> 00:48:16.180
unglaublich viele Abgrenzungsdiskussionen führen.

00:48:17.180 --> 00:48:23.460
Auf der praktischen Ebene wird man ganz oft sehen, dass Menschen mit

00:48:23.460 --> 00:48:28.640
ganz unterschiedlichen theoretischen Ansätzen sehr ähnlich handeln.

00:48:30.680 --> 00:48:31.520
Und das ist auch gut so.

00:48:32.320 --> 00:48:41.000
Und ich würde mich überhaupt nicht Radikal von anderen Ansätzen

00:48:41.220 --> 00:48:52.560
abgrenzen sondern ich würde sagen alle theoretischen Konzepte bergen

00:48:52.760 --> 00:48:58.100
in sich wichtige Wahrheiten durchaus konstruktivistisch Verstanden.

00:48:58.940 --> 00:49:07.520
Wahrheiten die auch für meine Theorie und meine Praxis hilfreich und

00:49:07.520 --> 00:49:08.120
wichtig sind.

00:49:16.220 --> 00:49:20.540
Klein: Man sieht es ja auch in dem was ich geschrieben habe.

00:49:21.000 --> 00:49:26.040
Rittscher: Ich habe meine Gedanken und Konzepte überhaupt nicht in

00:49:26.040 --> 00:49:29.180
Abgrenzung zu anderen Konzepten entwickelt.

00:49:29.580 --> 00:49:33.900
Ich habe eigentlich erst mal geguckt was halte ich für plausibel für

00:49:33.900 --> 00:49:34.680
wichtig.

00:49:35.300 --> 00:49:39.320
Und dann gibt sich auf einer neuen Ebene möglicherweise mal eine

00:49:39.320 --> 00:49:40.140
Abgrenzungsdiskussion.

00:49:41.880 --> 00:49:45.320
Aber all die Konzepte die sie gerade eben genannt haben,

00:49:45.320 --> 00:49:50.040
Lebensführungsansätze das Bedürfnistheoretischeansätze und so weiter.

00:49:51.300 --> 00:49:55.160
Die enthalten alle ganz ganz wichtige Konzepte.

00:49:56.400 --> 00:50:01.780
Es gibt kein Wahrheitsmonopol einer Theorie.

00:50:01.800 --> 00:50:05.240
Das finde ich ganz ganz schrecklich und es ist auch empirisch nicht

00:50:05.240 --> 00:50:05.700
haltbar.

00:50:07.840 --> 00:50:10.540
Klein: Womit wir auch in gewisser Weise wieder bei Luhmann wären.

00:50:12.960 --> 00:50:13.940
Der genau das ja auch immer wieder gesagt hat.

00:50:14.580 --> 00:50:21.320
Rittscher: Aber paradoxerweise im Grunde eine universale Theorie im

00:50:21.320 --> 00:50:26.640
sozialen Bereich entwickelt hat die scheinbar alles klärt und erklärt.

00:50:29.180 --> 00:50:34.520
Klein: Zumindest ist der Anspruch der Soziologen ja machen wir uns ja

00:50:34.520 --> 00:50:40.500
in der sozialen Arbeit weniger zu eigen wobei die alte Frage natürlich

00:50:40.520 --> 00:50:47.460
immer wieder aufkommt kann es nicht eines Tages gelingen eine zentrale

00:50:47.480 --> 00:50:49.200
Theorie der Sozialen Arbeit zu entwickeln.

00:50:49.240 --> 00:50:52.320
Aber ich finde sie haben etwas ganz Wichtiges gesagt, dass das im

00:50:52.320 --> 00:50:56.400
Prinzip nicht möglich sein wird sondern dass diese unterschiedlichen

00:50:56.400 --> 00:51:02.720
Denkansätze alle in gewisser Weise auch Wahrheiten beherbergen die wir

00:51:02.720 --> 00:51:06.140
dann in der Gesamtsicht auch für die soziale Arbeit und auch für die

00:51:06.660 --> 00:51:10.060
konkreten praktischen Probleme die wir zu bearbeiten haben dann auch

00:51:11.760 --> 00:51:14.160
verwenden und zu Rate ziehen können.

00:51:14.300 --> 00:51:17.780
Rittscher: Deshalb brauchen wir eher Diskurse miteinander

00:51:17.780 --> 00:51:19.000
untereinander das ist glaube ich entscheidend.

00:51:20.100 --> 00:51:24.360
Klein: Ja auch der Gegenstand der sozialen Arbeit oder der

00:51:24.360 --> 00:51:28.320
Theoriebildung ist der Diskurs als solcher.

00:51:28.860 --> 00:51:30.620
Ich glaube wir kommen nun zum Abschluss.

00:51:32.160 --> 00:51:36.900
Lambers: Und da ist für uns die erste Frage Warum ist es für

00:51:36.900 --> 00:51:41.120
Studierende überhaupt eine gute Idee soziale Arbeit zu studieren?

00:51:41.620 --> 00:51:43.020
Rittscher: Weil es so spannend ist.

00:51:43.380 --> 00:51:49.660
Habe ich ja schon gesagt. Diese Vielfalt an Arbeitsfeldern an

00:51:49.800 --> 00:51:52.820
Tätigkeitsbereichen an Theorien.

00:51:54.840 --> 00:52:00.660
Ich glaube es gibt im sozialen Feld kaum einen Beruf der so viel

00:52:00.900 --> 00:52:02.820
Vielfältigkeit ermöglicht.

00:52:03.640 --> 00:52:08.100
Und ich würde auch allen Kollegen und Kolleginnen der Sozialarbeit

00:52:08.120 --> 00:52:15.240
raten Macht nicht ein Leben lang das gleiche und bleibt in einem

00:52:15.240 --> 00:52:19.600
Arbeitsfeld sondern diese Möglichkeit eines generalistischen Studiums

00:52:19.940 --> 00:52:24.740
für unterschiedliche Arbeitsfelder Kompetenz zu werden das finde ich

00:52:24.740 --> 00:52:25.820
total spannend.

00:52:26.060 --> 00:52:30.360
Deshalb sage ich studiert Soziale Arbeit und kämpft dafür dass soziale

00:52:30.360 --> 00:52:38.720
Arbeit auch in der gesellschaftlichen Bedeutung einen angemessenen

00:52:38.720 --> 00:52:39.480
Platz bekommt.

00:52:40.480 --> 00:52:42.800
Und das hat auch etwas mit Gehalt zu tun aber natürlich nicht.

00:52:44.800 --> 00:52:48.800
Lambers: Wenn Sie sich vorstellen Studierende ersten des ersten

00:52:48.800 --> 00:52:54.320
Semesters Soziale Arbeit sehen das hier und Sie haben die Möglichkeit

00:52:54.320 --> 00:52:57.720
den einen Tipp zu geben. Im ersten Semester. Was wäre das für ein

00:52:57.720 --> 00:52:57.900
Tipp.

00:52:59.420 --> 00:53:01.260
Ich würde Ihnen raten.

00:53:02.540 --> 00:53:06.740
Auf der einen Seite studiert ihr, das ist total wichtig und setzt euch

00:53:07.080 --> 00:53:12.320
mit Theorien und Konzepten Geschichte der Sozialarbeit auseinander

00:53:12.640 --> 00:53:18.880
aber versucht schon von Anbeginn des Studiums an irgendein praktisches

00:53:18.880 --> 00:53:24.820
Betätigungsfeld ausfindig zu machen indem wir euch auch in dem ihr

00:53:24.820 --> 00:53:28.800
euch praktisch schon ein Stück weit erkunden könnt.

00:53:30.960 --> 00:53:35.140
Nicht nur das Feld erkunden sondern auch sich selber erkunden also

00:53:35.200 --> 00:53:40.960
quasi ein selbst organisiertes Begleit Praktikum für das Studium.

00:53:41.440 --> 00:53:43.980
Rittscher: Leider Gottes weiß ich wie das hier Nordrhein-Westfalen ist

00:53:43.980 --> 00:53:49.620
aber durch die Umstellung auf Bachelor und Master ist bei uns in

00:53:49.620 --> 00:53:51.960
Esslingen das zweite Praxissemester gekippt.

00:53:52.840 --> 00:53:58.380
Was ich für einen Wahnsinn halte ich halte das für absolut falsch.

00:54:01.280 --> 00:54:07.380
Weil soziale Arbeit ist immer in der Beziehung und Balance von Theorie

00:54:07.380 --> 00:54:08.280
und Praxis zu verorten.

00:54:08.680 --> 00:54:13.860
Also macht irgendetwas, arbeitet mal ein Jahr im was weiß ich

00:54:14.320 --> 00:54:17.260
Kinderzentrum, dann geht ihr mal ein Jahr was weiß ich in die

00:54:18.180 --> 00:54:23.000
Suchthilfe und dann geht einmal ein Jahr oder ein halbes Jahr ist ja

00:54:23.020 --> 00:54:23.380
egal.

00:54:23.920 --> 00:54:28.320
Also versucht euch schon während des Studiums bestimmte Arbeitsfelder

00:54:29.040 --> 00:54:31.580
ein Stück weit zu erkunden und damit auch euch selbst zu erkunden

00:54:33.100 --> 00:54:36.840
würde ich den Studis im ersten Semester raten.

00:54:37.580 --> 00:54:40.560
Lambers: Und was würden Sie den Studierenden empfehlen die kurz vor

00:54:40.560 --> 00:54:43.200
dem Berufseintritt sind, also am Ende ihres Studiums sind.

00:54:46.640 --> 00:54:55.440
Rittscher: Denen würde ich raten, dass sie mal schauen welche Theorien

00:54:55.440 --> 00:55:03.560
und Theoriekonzepte für das was sie sich gerade als Berufsperspektive

00:55:03.560 --> 00:55:08.420
so Vorstellung konstruieren. Was dafür hilfreich und wichtig ist.

00:55:08.560 --> 00:55:13.340
Und da lest euch ein. Da finde ich Ihr Buch auch sehr sehr hilfreich.

00:55:17.100 --> 00:55:19.400
Dass ihr eben die andere Seite auch ernst nehmt.

00:55:20.240 --> 00:55:24.820
Klein: Und dass ist am Ende des Studiums sehr viel wichtiger als am

00:55:24.980 --> 00:55:25.360
Anfang.

00:55:25.420 --> 00:55:29.860
Da muss man glaube ich sehr auch einen praktischen Einstieg parallel

00:55:29.860 --> 00:55:30.200
auch haben.

00:55:31.640 --> 00:55:36.440
Lambers: Unsere Abschlussfrage Was ist für sie das wichtigste Buch das

00:55:36.440 --> 00:55:38.700
alle Sozialarbeiterinnen gelesen haben sollten.

00:55:42.920 --> 00:55:46.800
Rittscher: Ich kann das nicht auf ein Buch beschränken.

00:55:48.500 --> 00:55:50.280
Und da werden Sie überrascht sein.

00:55:51.320 --> 00:55:54.160
Da hole ich keinen Klassiker der Sozialen Arbeit hervor.

00:55:55.320 --> 00:56:00.380
Klein: Sondern nur gut ich bin ja auch eben Familien Berater und

00:56:00.400 --> 00:56:01.600
Familientherapeut.

00:56:03.160 --> 00:56:04.720
Rittscher: Wir haben ja überhaupt nicht über den Unterschied zwischen

00:56:04.720 --> 00:56:06.160
Beratung und Therapie gesprochen.

00:56:07.600 --> 00:56:10.220
Das ist ja nochmal ein wichtiger Punkt.

00:56:13.220 --> 00:56:17.420
Ich finde alle sollten das Buch von Salvador Minuchin gelesen haben.

00:56:17.620 --> 00:56:19.520
Das Familien-Kaleidoskop.

00:56:20.100 --> 00:56:25.820
Ich habe es mitgebracht um es noch einmal zu zeigen.

00:56:27.200 --> 00:56:30.940
Im Untertitel Bilder von Gewalt und Heilung.

00:56:33.260 --> 00:56:36.820
Und Salvador Minuchin einer der Pioniere der Familientherapie.

00:56:37.120 --> 00:56:41.060
Einer der ganz wenigen der auch Familientherapie und Familien Dynamik

00:56:41.320 --> 00:56:45.300
im Rahmen der Sozialen Arbeit gedacht und praktiziert hat.

00:56:48.620 --> 00:56:50.120
In New York.

00:56:51.760 --> 00:56:59.020
Der auch als alter Mann noch mit Unterprivilegierten randständigen

00:56:59.260 --> 00:57:04.280
Slumfamilien gearbeitet hat.Und der hat ein Buch geschrieben, in dem

00:57:04.280 --> 00:57:09.620
er genau beschreibt und zwar Erfahrungsorientiert beschreibt, nicht

00:57:09.620 --> 00:57:15.180
theoretisch, Erfahrungsorientiert beschreibt wie Menschen quasi in

00:57:15.200 --> 00:57:23.980
sozialen in soziale institutionelle Netze hinein kommen und sich darin

00:57:23.980 --> 00:57:25.080
auch verstricken können.

00:57:27.560 --> 00:57:33.860
Lambers: Sowohl die Gewalt als auch Heilung wie er das nennt eben auch

00:57:34.820 --> 00:57:40.440
notwendigerweise diese sozialen Netze und die Verstrickung in diese

00:57:40.480 --> 00:57:43.960
sozialen Netze zum Thema haben muss.

00:57:47.080 --> 00:57:49.160
Rittscher: Und das ist so von Herzen geschrieben Minuchin hat seine,

00:57:49.160 --> 00:57:53.320
sag ich mal, seine Poorpeople er hat sie geliebt.

00:57:54.400 --> 00:57:58.100
Er war immer auf ihrer Seite und das merkt man auch wenn man das

00:57:58.100 --> 00:57:58.600
liest.

00:57:59.080 --> 00:58:04.840
Diese Liebe zu seinen Klientinnen und Klienten die ja auch andere

00:58:04.840 --> 00:58:07.760
Sozialarbeiter und Sozialarbeiter für etwas ganz Wichtiges halten.

00:58:10.480 --> 00:58:17.560
Das würde ich jedem empfehlen und als Begleit Text dazu gibt noch ein

00:58:17.560 --> 00:58:21.260
Buch von Minuchin das heißt verstrickt im sozialen Netz, wo er das das

00:58:21.380 --> 00:58:26.320
Ineinandergreifen und gegeneinander arbeiten der sozialen Institution

00:58:28.580 --> 00:58:29.080
am Fall beschreibt.

00:58:29.320 --> 00:58:33.320
Denn was da bei uns auch nicht nur in den USA sondern auch bei uns

00:58:33.880 --> 00:58:39.400
alles gegeneinander arbeiten an Nicht-Kooperation an gegenseitiger

00:58:39.400 --> 00:58:48.440
Behinderung an gegenseitiger Deklassierung passiert und damit

00:58:48.620 --> 00:58:53.180
letztlich an den Klientinnen und Klienten rausgeht das muss man sich

00:58:53.720 --> 00:58:58.340
klar machen bevor man als Sozialarbeiter und Sozialarbeiter in die

00:58:58.340 --> 00:58:59.520
Praxis einsteigt.

00:58:59.640 --> 00:59:03.340
Deshalb wäre das mein zweites Buch Empfehlung und meine dritte Buch

00:59:03.340 --> 00:59:05.900
Empfehlung kommt aus einem ganz anderen Bereich.

00:59:08.560 --> 00:59:12.340
Peter Härtling Hölderlin Biographie.

00:59:13.840 --> 00:59:20.500
Peter Härtling in seiner Rolle in der klinischen Psychologie habe ich

00:59:20.880 --> 00:59:25.520
die Härtling die Biographie von Härtling über Hölderlin immer

00:59:26.420 --> 00:59:31.800
empfohlen als Buch um zu verstehen wie psychotische Prozesse

00:59:31.800 --> 00:59:38.260
entstehen, in Gang kommen, interaktionell in einem dynamischen

00:59:38.260 --> 00:59:44.620
Zehnteln sich verstärken und zum Schluss dann eben auch in akute

00:59:44.620 --> 00:59:46.420
psychotische Krisen einmünden.

00:59:47.740 --> 00:59:50.920
Auch das müssen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter kennen.

00:59:52.720 --> 00:59:56.460
Ich bin weiß Gott nicht Psychiatrie fixiert aber wir müssen uns auch

00:59:56.680 --> 01:00:00.320
mit der klinischen mit klinischen Fragestellung auseinandersetzen und

01:00:00.320 --> 01:00:04.480
wir müssen auch unsere Angst vor Psychosen verlieren wenn wir zum

01:00:04.480 --> 01:00:06.160
Beispiel in der Sozialpsychiatrie arbeiten.

01:00:07.060 --> 01:00:12.180
Das finde ich ein so wunderbares Buch weil es so von Liebe für

01:00:12.800 --> 01:00:19.400
Hölderlin zeugt wie Härtling das schreibt das wäre meine dritte

01:00:19.400 --> 01:00:20.440
Buchempfehlung.

01:00:21.660 --> 01:00:26.200
Lambers: Wir haben jetzt eine Frage vergessen die würde ich gerne noch

01:00:26.220 --> 01:00:26.740
anschließen.

01:00:28.120 --> 01:00:31.400
Sie haben sich viel mit dem Thema Therapie und Beratung beschäftigt

01:00:31.460 --> 01:00:38.020
und sie schauen sich diese beiden Bereiche an und versuchen die Grenze

01:00:38.020 --> 01:00:39.440
dazwischen aufzulösen.

01:00:40.160 --> 01:00:42.540
Da ist die Frage warum sie das versuchen.

01:00:45.600 --> 01:00:49.760
Rittscher: Also. Therapie kommt ja schon als Begriff aus dem

01:00:49.760 --> 01:01:01.480
Griechischen Therapeia. Die Behandlung und Heilung. Das ist ein sehr

01:01:01.480 --> 01:01:02.580
hoher Anspruch.

01:01:03.220 --> 01:01:08.600
Der auch im therapeutischen Sektor psychiatrisch therapeutischen im

01:01:08.640 --> 01:01:12.240
psychologisch klinischen Sektor oft überhaupt nicht eingelöst wird.

01:01:14.160 --> 01:01:18.000
Heilung finde ich einen viel zu hohen Anspruch. Da bin ich eher auf

01:01:18.000 --> 01:01:23.220
der Seite der Theoretiker. Es geht um Bewältigung.

01:01:27.840 --> 01:01:33.180
Alltagsbewältigung und Lebensführung wie das inzwischen auch

01:01:33.180 --> 01:01:35.380
theoretisch diskutiert wird.

01:01:37.220 --> 01:01:44.760
Das ist das eine. Das Zweite ist mit Therapie ist auch ein

01:01:47.640 --> 01:01:51.120
hierarchischer Anspruch im psychosozialen Feld verbunden.

01:01:52.580 --> 01:01:57.520
Also wenn ich sage Ich bin Therapeut dann bin ich schon fast an den

01:01:57.580 --> 01:01:58.540
Fleischtöpfen und den Pfunden.

01:02:00.540 --> 01:02:06.960
Und in der Prestigeskala nach oben gestiegen. Das ist das zweite was

01:02:06.960 --> 01:02:12.380
mich an Therapie stört. Das dritte an Therapie stört mich, dass

01:02:12.580 --> 01:02:19.720
Therapie im eingeschränkten Sinne sehr stark mit standardisierten

01:02:20.040 --> 01:02:22.840
klinischen Diagnosen arbeitet.

01:02:24.220 --> 01:02:30.780
Ich habe zwar auch viel über Diagnosen gearbeitet zusammen mit dem

01:02:30.780 --> 01:02:36.360
Buch herausgegeben hat übersetzt Diagnosen der sozialen Arbeit habe

01:02:36.360 --> 01:02:39.820
ich mich ja auch mit Diagnosen beschäftigt oder Frage Wie können wir

01:02:39.820 --> 01:02:43.540
Diagnosen der sozialen Arbeit fruchtbar machen.

01:02:43.820 --> 01:02:51.040
Aber das können wir nicht im Sinne von ICDC-10 DSM Diagnosen machen.

01:02:52.100 --> 01:02:58.200
Und ich finde Beratung ist ein sehr viel umfassenderer Begriff. Rogers

01:02:58.200 --> 01:02:58.560
zum Beispiel hat immer von Counceling gesprochen.

01:03:04.400 --> 01:03:11.160
Ich folge dem Vorschlag von Jochen Schweizer der mal gesagt hat also

01:03:11.920 --> 01:03:19.420
ich finde Beratung ist ein wunderbarer Schirmbegriff ein Oberbegriff.

01:03:20.120 --> 01:03:22.480
Und dann müssen wir gucken ganz konstruktivistisch.

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Wofür brauchen wir diese Veranstaltung die wir jetzt machen also im

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Rahmen von psychiatrischen Institutionen müssen wir von Therapie

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sprechen. Schon wegen der Krankenkassen Relevanz im Rahmen von

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Organisationen können wir von Coaching sprechen. Im Rahmen von

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unterstützenden Hilfen und Diskursen für Familien der Jugendhilfe

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können wir zum Beispiel von Familienberatung sprechen. Es gibt so

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viele Möglichkeiten da bin ich für Dekonstruktion, diesen Machtbegriff

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und Therapie ist ein Machtbegriff aufzulösen. Und so zu verändern. Ich

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glaube, dass viel mehr Berufsgruppen auch in dieser Arbeit Diese

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psychosoziale Prozesshafte Arbeit integrieren können. Therapie ist

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sehr sehr eingeschränkt.

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Man kann den Therapiebegriff ausweiten aber man kann auch im

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klinischen Bereich kann man den Therapie Begriff und die Krankheits

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zuschreibungen auflösen.

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Das Thema können wir jetzt nicht weiter drüber reden, wie man das

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machen kann.

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Klein: Herzlichen Dank.

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Lambers: Für Diese Erzählung die sicherlich auch nochmal die

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Professionelle Soziale Arbeit inspiriert.

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Denn die Grenze zwischen Therapie und dem was soziale Arbeit

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unternimmt wird ja durchaus noch gepflegt.

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Rittscher: Darf ich aber noch eine Sache loswerden.

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In dem Leitfaden geht es ja auch die Frage nach der Relevanz.

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Drei Beispiele warum ich finde dass systemische Sozialarbeit auch im

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Kontext der systemische Ansatz im Kontext der Sozialen Arbeit ganz

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wichtig ist weil er hilfreich ist weil er nützlich ist.

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Als junger Psychologe war ich mal hatte ich mal Anmeldungen von einem

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Jugendlichen der war 12 13 Jahre alt war im Gymnasium und kam im

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Gymnasium nicht mehr zurecht zurecht sollte in die Realschule und

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weigerte sich.

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Ich fand den Jungen ganz nett aber hab gedacht mit dir alleine zu

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arbeiten bringt nichts.

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Der Systemiker in meinem Kopf der Familie Dynamiker in meinem Kopf hat

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gesagt, ich muss sofort die Herkunftsfamilie mit sehen.

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Dann hab ich die Eltern mit eingeladen und das waren. Die hatten eine

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Kiesgrube. Und haben praktisch Kies als Baustoff hergestellt und

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abgebaut. Da hab ich mir mal so erzählen lassen. Was macht denn die

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Familie so im Alltag. Thiersch. Alltagsbewältigung.

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Was machen die denn da.

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Haben sie mir erzählt, dass sie ganz viel als Familie da draußen in

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der Kiesgrube sind und zusammen dort arbeiten als Familie.

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Da hab ich gesagt Das möchte ich mir noch mal anschauen darf ich sie

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mal besuchen kommen.

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Und dann bin ich da rausgegangen und da habe ich einen jungen Mann

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muss ich dann schon sagen 13jährige der sich völlig anders dargestellt

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und präsentiert hat.

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Als bei mir in den Gesprächen. Der ist Bagger gefahren der hat mit

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seinem Vater diskutiert der wusste Bescheid über die verschiedenen

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Körnung und was weiß ich nicht alles. Der hatte Kompetenzen die er

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dort zeigen konnte die im Therapeutischen Diskurs überhaupt keine

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Rolle gespielt hätten.

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Und dann habe ich angefangen an diesen Kompetenzen Ressourcen

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Orientierung auch ein ökologisches Konzept habe ich an dieser habe ich

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versucht diese Ressourcen zu betonen und herauszuarbeiten und die

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Kommunikation und Zusammenarbeit und die Frage wie viele Generationen

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gibt es denn schon diesen Betrieb und kann sich der denn in der

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jetzigen Zeit wirtschaftlich überhaupt halten und so weiter und so

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weiter.

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Das hat ein völlig anderes Dialog und Diskurs Klima auch in den

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Gesprächen die wir noch öfters da draußen gewesen und die haben mich

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dann zum Trollinger eingeladen und sonstige nette nette Geschichten.

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Das ist so ein Beispiel wo das Systemisch-Familiendynamische Denken

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so wichtig ist genauso wie in dem Kinderheim wo ich gearbeitet habe.

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Wir haben nur Kinder aufgenommen wo die Eltern von vornherein gesagt

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haben Ja wir arbeiten mit. Weil die Erfahrung ist ganz klar.

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Jugendhilfe Maßnahmen ohne eine motivierte motivierende Arbeit mit den

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Eltern und die Koordination, Kopplung mit den Eltern ist meistens für

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die Katz. Und dann haben wir die Eltern systematisch mit einbezogen.

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Deshalb auch kleine Einheiten.

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Die sind alle 14 Tage zu Familien Gesprächen gekommen. Die haben wir

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zum Kochen eingeladen.

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Wir haben mit denen Nachmittage veranstaltet und so weiter und so

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weiter.

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Das Einbinden der Familie als ein ganz wichtiges System unter vielen

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anderen in die Arbeit das ist für mich ein Zeichen dafür wie wichtig

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und auch plausibel der systemische Ansatz in der Sozialen Arbeit ist.

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Ich könnte natürlich noch viel mehr sagen.

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Klein: Das können Sie sicherlich.

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Wir könnten jetzt wahrscheinlich auch mal sagen Das schließt

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hervorragend an Lebensweltorientierung an, was Sie gerade ausgeführt

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haben.

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Lambers: Die Zeit ist begrenzt, herzlichen Dank.

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Rittscher: Auch für mich in der Vorbereitung musste ich überhaupt erst

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mal wieder gucken was habe ich denn da eigentlich alles geschrieben.

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Es war schön für mich noch einmal da reinzukommen.