WEBVTT

00:00:06.160 --> 00:00:06.700
Ja,

00:00:11.400 --> 00:00:15.960
willkommen zum zweiten Teil unserer Doppelfolge. Für euch sind ungefähr vier

00:00:15.960 --> 00:00:19.120
Wochen vergangen. Für uns waren es so fünf Minuten.

00:00:19.380 --> 00:00:22.480
Es gibt nämlich noch ein zweites Thema, worüber wir mit dir,

00:00:22.520 --> 00:00:27.000
Armin, gerne sprechen wollten, weil du dich auch viel mit dem Thema beschäftigst.

00:00:27.880 --> 00:00:32.860
Und zwar, Armin, let's talk about Sex. Sehr gerne.

00:00:34.160 --> 00:00:37.560
Und nur damit ihr das auch wisst, im Hintergrund hat sich nichts geändert.

00:00:37.740 --> 00:00:41.620
Weiterhin bin ich, Maria, hier am Mikrofon und Britta ist auch weiterhin mit

00:00:41.620 --> 00:00:43.600
dabei. Hallo zurück, auch von mir.

00:00:44.160 --> 00:00:47.460
Okay, Armin, das scheint ja jetzt erstmal nicht so ein ganz naheliegendes Thema

00:00:47.460 --> 00:00:50.380
im Rahmen der Allgemeinmedizin zu sein.

00:00:50.500 --> 00:00:56.380
Wie kamst du denn dazu? Ich kam zu dem Thema durch eine Unterrichtseinheit in der inneren Medizin.

00:00:56.740 --> 00:01:01.520
Und zwar hat die Uni Frankfurt, das ist jetzt im Jahr 2015,

00:01:01.900 --> 00:01:04.620
2016 war das glaube ich gewesen, ich möchte mich nicht festlegen,

00:01:04.760 --> 00:01:10.040
im Rahmen der Ausbildung eines Praktikums in der Inneren das Thema Let's Talk

00:01:10.040 --> 00:01:12.660
About Sex, motiviert durch die Deutsche Aidshilfe in Berlin,

00:01:12.820 --> 00:01:17.340
mit als festen Bestandteil in die curriculare Ausbildung aufgenommen.

00:01:17.340 --> 00:01:23.220
Und damals wurden Trainer gesucht, die zu diesem Thema vor den Studierenden sprechen.

00:01:23.960 --> 00:01:29.160
Und sexuell betragbare Infektionen spielen in der Allgemeinmedizin auch eine Rolle,

00:01:29.300 --> 00:01:34.180
sodass sowohl Kolleginnen und Kollegen aus der Klinik als auch aus dem Niederklassenbereich

00:01:34.180 --> 00:01:39.300
angesprochen worden sind, ob sie sich als Dozenten zur Verfügung stellen möchten.

00:01:39.620 --> 00:01:41.140
Und so kam ich zu dem Thema.

00:01:41.780 --> 00:01:45.820
Also hatte die Uni da mal wieder ihre Finger im Spiel. Die Uni hatte die Finger

00:01:45.820 --> 00:01:48.740
im Spiel, ganz genau. Und wie ist das dann gelaufen?

00:01:48.860 --> 00:01:52.340
Also hast du dich dann irgendwie nochmal extra schlau gemacht oder gab es für

00:01:52.340 --> 00:01:54.900
euch da irgendwie nochmal Infoveranstaltungen?

00:01:54.900 --> 00:01:59.620
Genau, es gab ein Seminar zu dem Thema, also ein Train-the-Trainer-Seminar und

00:01:59.620 --> 00:02:03.060
ich habe unabhängig davon und auch unabhängig von den Informationen,

00:02:03.060 --> 00:02:07.060
die wir bekommen haben, PowerPoint-Präsentationen und sonstiges,

00:02:07.100 --> 00:02:09.360
meine eigene Präsentation gebastelt.

00:02:09.380 --> 00:02:13.040
Ich finde es immer wichtig, wenn man einen Vortrag hält, ein Seminar gibt oder

00:02:13.040 --> 00:02:15.800
einen Workshop macht, das muss authentisch sein, das muss zu dir passen und

00:02:15.800 --> 00:02:19.420
man kann fremde Slides als Anschubser benutzen.

00:02:20.730 --> 00:02:24.290
Allerdings mag ich keine Powerpoint-Karaoke und deshalb versuche ich immer,

00:02:24.410 --> 00:02:27.010
meine eigenen Ideen mit einzupflegen.

00:02:27.590 --> 00:02:30.950
Und so habe ich diese Basis von der DAH, von der Deutschen Aidshilfe,

00:02:30.990 --> 00:02:34.330
gerne in Anspruch genommen, um dann daraus mein eigenes Seminar zu basteln.

00:02:34.650 --> 00:02:37.250
War das denn zu dem Zeitpunkt auch schon ein Thema für dich?

00:02:37.290 --> 00:02:40.110
War das das, wo du gedacht hast, ach, das habe ich auch häufiger in der Praxis

00:02:40.110 --> 00:02:42.690
oder das muss irgendwie bekannter werden?

00:02:43.750 --> 00:02:47.930
Häufiger in der Praxis ist mir schwer zu sagen. Es kommt immer wieder mal vor.

00:02:48.290 --> 00:02:53.370
Und wie das eben so ist, so wie auch der Blutdruckpatient, der mit seiner Blutdrucktherapie

00:02:53.370 --> 00:02:56.210
zufrieden ist, seinen Nachbarn erzählt und sagt, zu dem kannst du gehen,

00:02:56.390 --> 00:02:57.890
der stellt den Blutdruck gut ein.

00:02:57.890 --> 00:03:01.170
So ist es auch da, dass wenn jemand eine sexuell übertragbare Infektion hat

00:03:01.170 --> 00:03:04.870
und mit dem Gespräch, mit der Diagnostik der Therapie zufrieden ist,

00:03:04.950 --> 00:03:10.490
dass auch eben Sexualpartnerinnen, Partnern kommuniziert, die dann mit ähnlichen Beschwerden kommen.

00:03:10.990 --> 00:03:14.170
Und so hat sich das Ganze fortgepflanzt.

00:03:15.290 --> 00:03:19.730
Ich habe, bevor wir weitermachen, eine kurze Frage, die sich vielleicht andere auch stellen.

00:03:20.050 --> 00:03:24.130
Es kursieren ja die verschiedensten Abkürzungen, Begriffe und so weiter,

00:03:24.290 --> 00:03:28.170
STD, STI, sexuell übertragbare Infektionen, Erkrankungen.

00:03:28.410 --> 00:03:32.510
Was hat es denn damit auf sich? Könnt ihr da in dem Dschungel vielleicht ein bisschen aufräumen?

00:03:33.150 --> 00:03:36.850
Sagen wir es mal so, nicht jede Infektion führt ja zu einer Erkrankung.

00:03:37.070 --> 00:03:40.790
Es gibt immer wieder Situationen, in denen wir zwar einen Erreger nachweisen

00:03:40.790 --> 00:03:43.870
können, aber der Patient ja nach wie vor gesund ist.

00:03:44.410 --> 00:03:49.530
Ein ganz bekanntes Beispiel ist eine HIV-Infektion, die ja nicht unbedingt zu

00:03:49.530 --> 00:03:53.750
einer Erkrankung, die dann im fortgeschrittenen Stadium beispielsweise AIDS heißt, führen muss.

00:03:54.010 --> 00:03:57.130
Und so ist es eben auch bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

00:03:57.430 --> 00:04:01.250
Wir untersuchen häufig Patienten, die symptomfrei kommen.

00:04:02.210 --> 00:04:09.030
Beispielsweise sind wir eine sogenannte HIV-Präexpositionsprophylaxe-Praxis, also die HIV-PREP.

00:04:09.150 --> 00:04:13.470
Wir dürfen also ein Medikament verschreiben, das Menschen davor schützt,

00:04:13.530 --> 00:04:17.010
sich mit HIV zu infizieren und die kommen regelmäßig zu uns in die Praxis und

00:04:17.010 --> 00:04:21.530
werden gecheckt auf sexuell übertragbare Infektionen, die noch gar nicht zu

00:04:21.530 --> 00:04:23.050
einer Erkrankung geführt haben.

00:04:23.050 --> 00:04:28.010
Ich benutze normalerweise, um es verständlich zu halten, den Begriff sexuell

00:04:28.010 --> 00:04:33.170
tragbare Infektion, weil STI ist das eben, aber STD ist ja dann Disease,

00:04:33.510 --> 00:04:35.890
also sprich die Erkrankung und das kann dann zu Verwirrungen führen.

00:04:36.190 --> 00:04:40.510
Deshalb versuche ich da schon die deutsche Sprache zu pflegen und auch den Patienten

00:04:40.510 --> 00:04:41.370
den Unterschied klar zu machen.

00:04:41.430 --> 00:04:46.230
Wir schauen nach und wenn es dann zu Symptomen kommt, dann haben sie eben keine

00:04:46.230 --> 00:04:50.750
STI mehr, sondern eine STD, beziehungsweise keine sexuell übertragbare Infektion,

00:04:50.750 --> 00:04:52.710
sondern eine sexuell übertragbare Erkrankung.

00:04:54.150 --> 00:04:57.430
Gut, dass wir es nochmal geklärt haben. Das war mir nämlich auch nicht so klar,

00:04:57.570 --> 00:04:59.770
dass es da wirklich diesen Unterschied gibt.

00:04:59.850 --> 00:05:02.250
Aber ja, macht Sinn, wenn du es so erklärst.

00:05:02.750 --> 00:05:07.910
Das Thema sexuell übertragbare Infektionen oder überhaupt das Thema Sexualität

00:05:07.910 --> 00:05:12.490
im Allgemeinen ist ja nichts, was man so mit jedem immer besprechen will.

00:05:12.670 --> 00:05:14.690
Wie erlebst du das in deiner Praxis?

00:05:14.910 --> 00:05:19.590
Wie lädst du die Patienten ein, darüber zu reden und wie wird das angenommen?

00:05:20.190 --> 00:05:23.710
Ich habe es mittlerweile auch motiviert durch dieses Training,

00:05:23.850 --> 00:05:25.490
das ich bei der Deutschen Aidshilfe machen durfte.

00:05:25.730 --> 00:05:29.610
Ich habe es mittlerweile etabliert, dass es bei der Erstanamnese Bestandteil wird.

00:05:30.210 --> 00:05:34.870
Und zwar habe ich eine ganz interessante Studie gelesen aus der Schweiz.

00:05:34.990 --> 00:05:39.950
Da wurden ungefähr 1500 Männer konsekutiv in ambulanten Setting befragt,

00:05:40.030 --> 00:05:46.110
ob sie möchten, dass ihre Ärztin, ihr Arzt sie zur Sexualität befragt und so

00:05:46.110 --> 00:05:48.970
weiter. Ich habe jetzt nicht die einzelnen Fragen mehr im Kopf, muss ich eingestehen.

00:05:49.470 --> 00:05:52.630
Und da waren über 90 Prozent, die gesagt haben, dass sie fänden das gut und

00:05:52.630 --> 00:05:55.650
wichtig, mit ihrer Ärztin, ihrem Arzt über Sexualität zu sprechen.

00:05:56.810 --> 00:05:59.650
Und mittlerweile ist es wirklich so, dass ich die Patienten,

00:05:59.850 --> 00:06:04.270
wenn sie zum ersten Mal bei mir sind und der akute Beratungsanlass geklärt ist

00:06:04.270 --> 00:06:06.910
und ich dann zur allgemeinen Anamnese überwechsel,

00:06:07.150 --> 00:06:11.110
dass ich dann mich einladen lasse und sage, ich habe nach dem ABC noch ein paar

00:06:11.110 --> 00:06:13.630
Fragen an Sie. Sie, sind Sie damit einverstanden?

00:06:14.030 --> 00:06:18.730
Da sagt natürlich keiner Nein. Das ist ja klar. Und dann sage ich ganz banal,

00:06:18.770 --> 00:06:20.750
wir fangen an mit A, wie Allergien.

00:06:20.810 --> 00:06:22.550
Haben Sie Allergien? Wenn ja, welche?

00:06:23.030 --> 00:06:28.110
A, was arbeiten Sie? Aber auch B, was sind Sie von Beruf? Das Ganze ist ja nicht

00:06:28.110 --> 00:06:29.090
unbedingt deckungsgleich.

00:06:29.510 --> 00:06:32.270
Oder auch B, wie Beziehungen. Leben Sie in Beziehungen? Wenn ja,

00:06:32.390 --> 00:06:34.050
zum Mann, Frau oder beiden.

00:06:34.610 --> 00:06:38.090
C, gibt es Kontraindikationen? Haben Sie mal irgendein Medikament nicht richtig

00:06:38.090 --> 00:06:41.750
vertragen? D, gibt es Dauerdiagnosen und so weiter. Also jeder Buchstabe,

00:06:42.800 --> 00:06:46.960
als sozusagen eine Bedeutung. Und genauso wichtig wie die Frage nach Allergien

00:06:46.960 --> 00:06:49.420
und der beruflicher Tätigkeit ist eben die Frage nach Beziehung.

00:06:50.560 --> 00:06:55.840
Und Peinlichkeit entsteht ja immer nur im eigenen Kopf. Wenn wir das so einpflegen,

00:06:55.920 --> 00:06:59.960
dass es ein Bestandteil von vielen anderen Fragen ist, dann ist es auch nicht peinlich.

00:07:00.900 --> 00:07:04.780
Wenn ich aber anfange und sage, also wissen Sie, ich habe da noch so eine Frage.

00:07:05.300 --> 00:07:10.140
Also es ist mir ja fast, also nicht, dass Sie denken, wenn du anfängst zu eiern,

00:07:10.140 --> 00:07:12.720
dann eiern alle mit dir herum ebenso.

00:07:12.860 --> 00:07:16.000
Und deshalb habe ich mir es angewöhnt, so einzupflegen und das klappt sehr gut.

00:07:16.300 --> 00:07:20.880
Und das Stichwort Beziehung ist ja auch erstmal auch was recht Neutrales,

00:07:20.900 --> 00:07:24.680
was man ausbauen kann, wenn man möchte, aber wenn nicht, dann eben nicht.

00:07:24.940 --> 00:07:29.440
Genau, wenn Patienten jetzt allerdings konkret mit einer sexuell tragbaren infektionischen

00:07:29.440 --> 00:07:33.480
Erkrankung kommen, dann gibt es die sogenannten 3P-Fragen.

00:07:34.100 --> 00:07:38.000
Darüber gibt es auch interessante Veröffentlichungen. Das ist immer die Frage

00:07:38.000 --> 00:07:43.540
nach Partner oder Partnerin, nach Praktiken, also welche Sexualpraktiken wurden

00:07:43.540 --> 00:07:45.560
durchgeführt und Prävention.

00:07:45.900 --> 00:07:48.600
Wurde eine Prävention durchgeführt? Wenn ja, welche?

00:07:48.960 --> 00:07:51.860
Das sind also so Fragen, die sehr hilfreich sind auch in diesem Kontext.

00:07:51.860 --> 00:07:54.740
Eine Frage, die sich mir da stellt.

00:07:55.100 --> 00:08:00.420
Armin, hast du Tipps für sensiblen, raumgebenden und nicht grenzüberschreitenden

00:08:00.420 --> 00:08:02.940
Kontakt, wenn man über dieses Thema redet?

00:08:03.040 --> 00:08:06.720
Kann ja unter anderem für queere Menschen eine Herausforderung darstellen,

00:08:06.780 --> 00:08:09.420
überhaupt eine Arztin, eine Ärztin zu finden, der sie genug vertrauen,

00:08:09.560 --> 00:08:11.060
das Thema aufzubringen.

00:08:11.100 --> 00:08:17.440
Was kann man denn da von ärztlicher Seite tun, dieses Gespräch so angenehm wie möglich zu gestalten?

00:08:18.100 --> 00:08:22.460
Ich denke, allein durch diese Offenheit, wenn es um den Themenkomplex Beziehung

00:08:22.460 --> 00:08:25.060
geht oder wenn jetzt jemand sagt, ich lebe nicht in Beziehung,

00:08:25.160 --> 00:08:28.080
dann frage ich, wenn Sie in Beziehung leben, pflegen Sie dann die Beziehung

00:08:28.080 --> 00:08:29.060
zum Mann, Frau oder beiden.

00:08:29.780 --> 00:08:30.960
Damit signalisiere ich ja schon

00:08:30.960 --> 00:08:35.020
Bereitschaft. Damit signalisiere ich eine Bereitschaft, es ist alles okay.

00:08:35.240 --> 00:08:39.360
Sie dürfen mit allem zu mir kommen, darüber sprechen. Und ich habe wirklich

00:08:39.360 --> 00:08:42.760
noch nie erlebt, dass das in irgendeiner Weise negativ aufgenommen worden ist.

00:08:42.800 --> 00:08:45.940
Ganz im Gegenteil. gerade vor kurzem kam eine Patientin, die sagte,

00:08:46.100 --> 00:08:49.100
boah, bin ich noch nie gefragt worden. Aber klar, es ist ja alles möglich.

00:08:49.480 --> 00:08:51.600
Finde ich ja toll, dass Sie dafür Raum bieten.

00:08:52.160 --> 00:08:56.740
Und hat dann eine lesbische Freundin zu uns geschickt. Und das fand ich einfach total spannend.

00:08:57.940 --> 00:09:01.380
Dass diese Frau dann kam und ich habe mit dem mein ABC dekliniert.

00:09:01.620 --> 00:09:04.700
Und dann sagte sie, ja, eine Freundin hat mir schon davon berichtet,

00:09:04.780 --> 00:09:08.680
sie hat mich ja auch empfohlen, ja, ich bin lesbisch. Und das darf man hier einfach auch so sagen.

00:09:08.800 --> 00:09:12.380
Sag ich, das dürfen Sie natürlich so sagen. Und das fand ich ganz toll. Ja.

00:09:14.000 --> 00:09:18.700
Okay, Armin, jetzt mal spezifisch, was kann man denn als Hausarzt,

00:09:18.700 --> 00:09:23.040
Hausärztin gut handeln und wo gibt es Fälle oder Situationen,

00:09:23.040 --> 00:09:25.600
wo du sagst, dann sollte man lieber dann nochmal weiterleiten?

00:09:26.200 --> 00:09:30.640
Mittlerweile würde ich sagen, dass wir die STIs, die sexuelübertragbaren Infektionen,

00:09:30.640 --> 00:09:35.840
die von epidemiologischer Bedeutung sind, sämtlich in der Hausarztpraxis gut handeln können.

00:09:36.040 --> 00:09:40.620
Also sowohl die Chlamydien, die Gonokokken, die HIV-Infektion,

00:09:40.740 --> 00:09:44.700
die Lewis-Infektion. Auch die HIV-Infektion. Ja zumindest was die Diagnostik angeht und das Überbingen der Botschaft, da schließt sich sozusagen der Kreis zur letzten Folge, allerdings dann natürlich mit einer Anbindung an eine Schwerpunktpraxis, wobei wir es so halten, dass wir sagen, bitte gehen Sie zur weiteren Therapie bei HIV oder auch Hepatitis C in eine Schwerpunktpraxis. Wir sind aber weiterhin Ihre Hausärzte oder Ihre Hausärztin. Und alle anderen sexuell übertragbaren Infektionen

00:10:12.960 --> 00:10:16.300
Also sprich die Syphilis, Chlamydien, Gonokokken, die behandeln wir selbst.

00:10:17.140 --> 00:10:20.580
Und mit der Schwerpunktpraxis, wie läuft das genau ab?

00:10:20.660 --> 00:10:24.520
Wenn irgendwie diese Diagnose dann da ist, dann gehen die da hin und kriegen

00:10:24.520 --> 00:10:27.380
dort die Therapie oder wie läuft das?

00:10:27.460 --> 00:10:31.300
Ich bin ja ein großer Freund von Vernetzung und ich kann nur allen Kolleginnen und Kollegen

00:10:31.300 --> 00:10:37.120
raten, legt euch ein Portfolio an von Handynummern und privaten Nummern der

00:10:37.120 --> 00:10:39.600
anderen Disziplinen und macht kleine Dienstwege.

00:10:39.600 --> 00:10:42.640
Sprich, ich rufe den Kolleginnen und Kollegen an und sage, ich habe einen Patienten,

00:10:42.660 --> 00:10:47.060
bei dem ich eine HIV-Infektion neu diagnostiziert habe, wann kann er denn zu

00:10:47.060 --> 00:10:49.260
euch kommen? Und das klappt wirklich sehr gut.

00:10:49.720 --> 00:10:53.600
Und dann machen die noch diverse Untersuchungen und wir sprechen dann mit den

00:10:53.600 --> 00:10:57.040
Patientinnen und Patienten das weitere Prozedere, Medikation,

00:10:57.280 --> 00:10:59.100
Kontrollintervalle und so weiter.

00:10:59.760 --> 00:11:02.880
Und für alle anderen Erkrankungen, manchmal sind es ja auch Patienten,

00:11:03.080 --> 00:11:07.020
die andere chronische Erkrankungen auch noch haben, bleiben sie bei uns und

00:11:07.020 --> 00:11:11.300
werden hausärztlich weiterversorgt. Okay, das heißt im Prinzip kann man das

00:11:11.300 --> 00:11:14.620
meiste eigentlich ganz gut auch erstmal selber handeln.

00:11:15.020 --> 00:11:19.100
Hast du da irgendwie einen Tipp? Gibt es irgendwas, wo man sich gut informieren kann?

00:11:19.220 --> 00:11:23.920
Weil das Thema ist ja jetzt nicht gerade das, was man am meisten unbedingt vertieft

00:11:23.920 --> 00:11:25.840
vielleicht in der Weiterbildung oder auch im Studium.

00:11:26.700 --> 00:11:30.640
Taucht eher am Rande auf. Taucht er im Rand aufs Richtige. Zum einen bieten

00:11:30.640 --> 00:11:33.340
wir die Seminare ja auch im Rahmen unserer Seminarprogramms an.

00:11:33.980 --> 00:11:38.920
Außerdem gibt es und das finde ich auch eine sehr schöne Möglichkeit sich fortzubilden

00:11:38.920 --> 00:11:43.160
von der Deutschen Aidshilfe kostenlos angebotene Seminare, die beispielsweise

00:11:43.160 --> 00:11:45.820
für Qualitätszettel zur Verfügung gestellt werden.

00:11:46.870 --> 00:11:49.530
Das heißt, da kann man als Leiter eines Qualitätszentrums,

00:11:49.530 --> 00:11:53.910
als Leiterin anrufen, hinschreiben, kann sagen, wir hätten gerne mal zwei Stunden,

00:11:54.050 --> 00:11:58.750
vier Stunden zum Thema Let's Talk About Sex im Seminar und dann wird sowohl

00:11:58.750 --> 00:12:03.250
ein medizinischer Part als auch ein Kommunikationspart dargestellt und auch beübt.

00:12:03.970 --> 00:12:07.430
Und das ist, finde ich, eine sehr schöne Möglichkeit, sich fortzubilden.

00:12:07.790 --> 00:12:11.630
Und ansonsten gibt es auch mittlerweile sehr gute Zusammenfassungen,

00:12:11.670 --> 00:12:14.950
beispielsweise auf der Homepage der Deutschen STI-Gesellschaft,

00:12:15.630 --> 00:12:18.770
wenn es darum geht, zu schauen, wie sind die Therapieschemata,

00:12:19.010 --> 00:12:20.990
wie sind die Kontrollintervalle nach Therapie.

00:12:21.390 --> 00:12:23.030
Da hat man auch sehr gute Hilfen.

00:12:23.710 --> 00:12:26.850
Also für dein Seminar zu dem Thema kann ich auf jeden Fall auch Werbung machen.

00:12:26.990 --> 00:12:30.790
Das habe ich vor ein paar Monaten selber besucht und fand das wirklich spannend.

00:12:30.790 --> 00:12:35.130
Du hast ja auch ein Fallbeispiel da oder mehrere genannt und ich finde,

00:12:35.130 --> 00:12:39.070
man vergisst das oft so ein bisschen, dass das Thema wirklich schon eine Rolle

00:12:39.070 --> 00:12:41.410
spielt und dass man einfach daran denkt.

00:12:41.470 --> 00:12:45.290
Das war ja auch eine deiner Botschaften, dass man es schon einfach mal im Hinterkopf

00:12:45.290 --> 00:12:53.430
behalten sollte. Es freut mich, dass diese Unterüberschrift zu diesem Seminar lautet, denkt daran.

00:12:53.950 --> 00:12:56.910
Und wie ich sehe, freut mich sehr, Britta. Hat geklappt.

00:12:57.830 --> 00:13:01.810
Ich habe es ja auch nur zwölfmal gesagt. Ja, genau. War im Rahmen.

00:13:03.770 --> 00:13:06.790
Und wie ist das denn mit dem Thema Prävention? Weil wir haben ja jetzt viel

00:13:06.790 --> 00:13:10.770
darüber geredet, wenn die Infektion schon vorhanden ist, Behandlung und so weiter.

00:13:10.790 --> 00:13:15.830
Ist das Thema Prävention auch? Ich denke gerade dann, wenn eine Infektion vorhanden

00:13:15.830 --> 00:13:19.650
ist, ist das ein guter Ansatz zu sagen, wir haben bei Ihnen eine sexuell übertragbare

00:13:19.650 --> 00:13:24.190
Infektion festgestellt, sei es jetzt ein Tripper oder sei es jetzt Chlamydien oder was auch immer.

00:13:24.790 --> 00:13:27.970
Wollen wir mal über Prävention sprechen. Welche Möglichkeiten haben Sie denn,

00:13:28.030 --> 00:13:29.350
um es zukünftig zu vermeiden?

00:13:29.730 --> 00:13:31.950
Insbesondere auch, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen,

00:13:31.990 --> 00:13:35.930
die ja ein Leben lang voraussichtlich behandelt werden muss.

00:13:35.930 --> 00:13:41.310
Und insofern bietet sich dann wirklich diese drei P's als eine gute Basis,

00:13:41.310 --> 00:13:44.190
um das Gespräch zu führen, um auch mit den Patientinnen und Patienten über die

00:13:44.190 --> 00:13:45.050
Prävention zu sprechen.

00:13:45.710 --> 00:13:50.210
Hast du auch jugendliche Patienten, mit denen du sowas proaktiv ansprichst?

00:13:50.230 --> 00:13:51.330
Und wie regeln die da drauf?

00:13:51.630 --> 00:13:55.110
Sehr offen, muss ich sagen. Wenn wir diese Jugendschutzuntersuchungen machen,

00:13:55.190 --> 00:13:59.030
ist das auch so ein Themenkomplex. Gerade auch so Hepatitis B-Impfungen.

00:13:59.150 --> 00:14:02.990
Wie weit gab es schon Aufklärung in der Schule zum Thema sexuell übertragbare Infektionen?

00:14:03.330 --> 00:14:07.710
Habt ihr schon was von HIV gehört? Und da gibt es unterschiedliche Kenntnisstände.

00:14:07.890 --> 00:14:10.890
Es gibt einige, die sind schon sehr informiert und haben auch in der Schule

00:14:10.890 --> 00:14:12.810
wohl tolle Informationen bekommen.

00:14:13.170 --> 00:14:15.790
Andere sind eher so ein bisschen zurückhaltend und wollen nochmal ein paar Informationen

00:14:15.790 --> 00:14:17.890
haben. Das klappt aber ganz gut bei mir.

00:14:18.950 --> 00:14:22.550
Und auch sie sehen, sie können darüber sprechen. Das ist für mich etwas Entscheidendes.

00:14:22.630 --> 00:14:25.270
Sie wissen, sie können auch darüber mit uns sprechen.

00:14:25.710 --> 00:14:28.750
Ja, selbst wenn es vielleicht beim ersten Mal noch nicht so ein Thema ist,

00:14:28.830 --> 00:14:32.250
aber wenn es mal aufkäme. Dann wissen sie, wir sind da.

00:14:33.170 --> 00:14:36.630
Ich weiß, wir haben das schon mal angerissen, aber ich muss jetzt doch nochmal konkret nachfragen.

00:14:36.690 --> 00:14:40.950
Wenn man über das Thema in der Hausarztpraxis spricht, dann muss man ja auch

00:14:40.950 --> 00:14:42.710
ein entsprechendes Vokabular verwenden.

00:14:42.750 --> 00:14:44.830
Das geht manchmal ans Eingemachte, ja.

00:14:44.950 --> 00:14:47.970
Man spricht sehr konkret über Dinge. Wie kriegt man das dann hin,

00:14:48.010 --> 00:14:53.350
dass man selber da irgendwie seine Scham überwindet und das auch gut rational,

00:14:53.390 --> 00:14:55.910
aber trotzdem einfühlsam ansprechen kann?

00:14:55.910 --> 00:15:00.350
Ja, ich sagte schon, Peinlichkeit entsteht im eigenen Kopf und wenn du dem offen

00:15:00.350 --> 00:15:03.850
gegenüberstehst und sagst, beschreiben Sie doch einfach mal,

00:15:03.890 --> 00:15:08.330
welche Beschwerden Sie haben mit Ihren Worten und auch wo Sie die Beschwerden haben.

00:15:08.330 --> 00:15:13.230
Klar gibt es da auch Umschreibungen für die Genitalorgane und, und, und.

00:15:13.450 --> 00:15:15.610
Oder für das Jucken, Kratzen, Fließen.

00:15:15.990 --> 00:15:18.750
Da gibt es Umschreibungen, da kann man den Patienten ja abholen.

00:15:18.990 --> 00:15:22.830
Man kann sagen, das kann man ja auch dann mit vielleicht besseren deutschen

00:15:22.830 --> 00:15:26.830
Worten formulieren, sie beschreiben also einen Ausfluss aus der Harnröhre.

00:15:26.950 --> 00:15:32.690
Also wenn die dann sagen, da unten rum, da fließt etwas unter die Unterhose, bla bla.

00:15:32.910 --> 00:15:37.250
Ja, und da kann man den Patienten ja gut abholen. Und auch da muss ich sagen,

00:15:37.370 --> 00:15:40.190
habe ich bisher keine negativen Erfahrungen gemacht.

00:15:41.330 --> 00:15:44.990
Ja, es gibt ja auch durchaus einfach diese doch nüchterneren,

00:15:44.990 --> 00:15:49.550
neutralen Begriffe, die wir gelernt haben und die in dem Kontext sicherlich

00:15:49.550 --> 00:15:54.150
auch nicht schlecht sind, weil das auch einfach dann wenig Charme erzeugt, finde ich.

00:15:54.290 --> 00:16:00.050
Ja, es nimmt nochmal dieses ganz direkt Persönliche ein bisschen aus der Gleichung

00:16:00.050 --> 00:16:03.010
raus, wobei das ja sicherlich auch total individuell ist, je nachdem,

00:16:03.030 --> 00:16:07.310
wie die PatientInnen ankommen, was sie von sich aus schon sagen, mitbringen.

00:16:08.130 --> 00:16:11.570
Da sind wir natürlich auch ein bisschen verwöhnt. Wir haben halt ein wahnsinnsdifferenziertes

00:16:11.570 --> 00:16:13.030
Klientel, das muss ich einfach mal sagen.

00:16:13.390 --> 00:16:16.250
Wir haben wirklich auch Patientinnen und Patienten, die differenziert sind.

00:16:16.710 --> 00:16:21.010
Da kommt natürlich auch mal ein Wort, was vielleicht jetzt nicht unbedingt dem

00:16:21.010 --> 00:16:25.050
Standard unseres Hauses entspricht oder unserer Praxis entspricht.

00:16:25.290 --> 00:16:28.910
Aber in der Regel, muss ich sagen, sind die sehr diskret im Umgang.

00:16:30.070 --> 00:16:33.650
Nochmal ein anderer Punkt. Du hast ja schon sicherlich, ich will jetzt nicht

00:16:33.650 --> 00:16:37.070
sagen Generationen, an Weiterbildungsassistenten begleitet, aber du hast schon

00:16:37.070 --> 00:16:38.830
sehr viel Erfahrung in der Ausbildung.

00:16:39.230 --> 00:16:43.710
Wie ist da so deine Einschätzung? Also die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung

00:16:43.710 --> 00:16:47.450
haben ja mit dem Thema in deiner Praxis dann sicherlich auch viel zu tun.

00:16:47.850 --> 00:16:52.690
Prallen da Welten aufeinander oder sind die Leute eher unvorbereitet oder wie

00:16:52.690 --> 00:16:53.930
ist das so bisher gewesen?

00:16:54.470 --> 00:16:57.670
Es ist unterschiedlich. Das Spektrum ist groß. Also wenn wir von der Ausbildung

00:16:57.670 --> 00:17:01.550
ausgehen, wenn Studierende zu uns kommen, wir hatten jetzt gerade vor kurzem einen Formulanten.

00:17:01.790 --> 00:17:04.430
Ich hatte dann so berichtet, was wir in unserer Praxis so machen.

00:17:04.650 --> 00:17:07.170
Habe gesagt, ja, wir sind eben auch eine HIV-Prep-Praxis.

00:17:07.890 --> 00:17:10.230
Wissen Sie, worum es da geht? Und er sagte, nö, noch nie gehört.

00:17:11.380 --> 00:17:15.320
Und dann kam kurze Zeit später ein Blockpraktikant und ich sagte,

00:17:15.420 --> 00:17:16.920
ja, wir machen eben die in die Schwerpunkte.

00:17:16.940 --> 00:17:21.460
Und heute Morgen habe ich zufällig viele Patienten da, die im Rahmen der Routinekontrolle

00:17:21.460 --> 00:17:22.680
bei HIV-Prep sind.

00:17:22.800 --> 00:17:25.320
Ach ja, hatte ich vor kurzem an der Uni was drüber gehört, ist ja interessant.

00:17:25.520 --> 00:17:29.680
Also da ist natürlich auch ein Unterschied, je nachdem wie weit die Ausbildung

00:17:29.680 --> 00:17:31.040
schon vorangeschritten ist.

00:17:31.240 --> 00:17:35.140
Und bei den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung, da bin ich in der glücklichen

00:17:35.140 --> 00:17:39.600
Situation, dass das alles Kollegen sind, die bei uns schon Praktika gemacht

00:17:39.600 --> 00:17:44.560
haben, Formulaturen gemacht haben, einen PJ gemacht haben und damit auch sehr offen umgehen.

00:17:44.740 --> 00:17:48.720
Und so hat beispielsweise auch eine meiner nun angestellten Fachärztinnen,

00:17:48.760 --> 00:17:52.660
die auch ihre Weiterbildung bei uns gemacht hat, ebenfalls die Ermächtigung

00:17:52.660 --> 00:17:55.860
bekommen, die HIV-PREP durchzuführen.

00:17:55.980 --> 00:17:59.580
Das heißt, wir haben einen Mann, mich und eine Frau, was ich auch sehr schön

00:17:59.580 --> 00:18:05.100
finde, weil es doch auch da manchmal eine Hemmung ist, wenn eine junge Frau

00:18:05.100 --> 00:18:07.440
beispielsweise zu einem älteren Arzt geht.

00:18:07.620 --> 00:18:11.380
Dann können wir sagen, wir haben eine junge Kollegin hier, möchten wir der lieber darüber sprechen.

00:18:11.920 --> 00:18:15.020
Umgekehrt gibt es vielleicht auch ältere Herren, die lieber zu mir kommen und

00:18:15.020 --> 00:18:18.680
sagen, wenn ich das Thema anspreche, möchte ich lieber zu einem Gleichaltrigen

00:18:18.680 --> 00:18:21.160
oder einem Mann, der älter ist.

00:18:22.120 --> 00:18:24.560
Und gibt es so Punkte, die du besonders

00:18:24.560 --> 00:18:27.700
wichtig findest, an deine Weiterbildungsassistenten weiterzugeben?

00:18:28.260 --> 00:18:31.860
Mehrere Punkte möchte ich sagen. Der wichtigste Punkt ist erstmal,

00:18:32.420 --> 00:18:36.020
und das lieben die aber alle, das kann ich wirklich für alle unterschreiben,

00:18:36.620 --> 00:18:41.760
offen, empathisch, annehmend an die Patienten, in den Patienten heranzugehen.

00:18:42.840 --> 00:18:46.620
Das halte ich für das Allerwichtigste. Den Menschen erstmal so anzunehmen, wie er ist.

00:18:46.640 --> 00:18:50.680
Wir haben alle Vorurteile, die entstehen, sobald eine Patientin ein Patient

00:18:50.680 --> 00:18:52.440
in den Raum betritt, den wir zum ersten Mal sehen.

00:18:52.480 --> 00:18:54.620
Wir entscheiden innerhalb von wenigen Sekunden, mögen wir den,

00:18:54.700 --> 00:18:55.920
ist der uns sympathisch?

00:18:56.120 --> 00:18:57.720
Das machen wir auch bei anderen Begegnungen.

00:18:58.360 --> 00:19:01.620
Und dann zu sagen, okay, der hat sich aufgemacht, hat bei uns einen Termin ausgemacht,

00:19:01.680 --> 00:19:06.080
der kommt mit seinem Päckchen zu uns, den plagt eine Sorge und den erstmal so anzunehmen.

00:19:06.740 --> 00:19:09.420
Wenn sich im Laufe des Gesprächs Situationen ergibt, bei denen man sagt,

00:19:09.520 --> 00:19:12.460
okay, ich komme kommen dann trotzdem nicht zurecht. Muss man das aber auch klar kommunizieren.

00:19:12.640 --> 00:19:17.120
Man muss dann einen Kollegen mit zum Boot nehmen. Aber die prinzipielle Bereitschaft.

00:19:18.240 --> 00:19:20.460
Die wünsche ich mir und die erwarte ich auch, muss ich sagen.

00:19:21.400 --> 00:19:24.980
Auch wenn es einen Punkt geben kann, wo man sagt, da ist meine Grenze, ich kann nicht weiter.

00:19:25.300 --> 00:19:29.440
Aber erstmal soll die Bereitschaft da sein und offen den Patienten die Patientin

00:19:29.440 --> 00:19:31.580
annehmen. Halte ich für das Wichtigste.

00:19:32.100 --> 00:19:35.580
Und gibt es über diese Haltung, die man ja auch im Laufe der Weiterbildung und

00:19:35.580 --> 00:19:39.380
der ärztlichen Tätigkeit noch entwickelt, hinaus Kompetenzen,

00:19:39.420 --> 00:19:43.320
wo du sagen würdest, sollte ich auf jeden Fall zumindest mal gesehen,

00:19:43.360 --> 00:19:46.480
gehört haben, bevor ich meine Facharztprüfung absolviere?

00:19:46.960 --> 00:19:50.320
Ja, es ist schon so, dass ich finde, dass die Basisversorgung,

00:19:50.320 --> 00:19:53.700
was die Diagnostik und Therapie angeht, beherrscht werden sollte.

00:19:53.760 --> 00:19:57.820
Es geht jetzt nicht um Milligrammangaben bei der Therapie, aber zumindest so

00:19:57.820 --> 00:20:02.120
ein grobes Raster, wie es bei allen anderen Infektionserkrankungen auch ist.

00:20:02.480 --> 00:20:06.220
Wann setze ich eine Antibiose ein, welches Präparat nehme ich,

00:20:06.260 --> 00:20:09.220
wenn ich dann noch die Dosierung auswendig weiß, ist das Sternchen oben drauf.

00:20:09.800 --> 00:20:16.000
Das sollte man schon wissen, denke ich. Gibt es irgendwas, wo Grenzen sind bei dieser Thematik?

00:20:16.020 --> 00:20:20.120
Also irgendwas, wo du nicht drüber hinweg gehen kannst oder willst?

00:20:21.060 --> 00:20:25.960
Ich habe einmal eine Situation erlebt, bei der ich eine Grenze gezogen habe,

00:20:26.080 --> 00:20:31.940
als der Patient mir dann Details schildern wollte, wie es zu der Infektion gekommen ist.

00:20:32.500 --> 00:20:36.340
Und dann meinte er, er müsse nur in epischer Breite mir sein Sexualleben darstellen.

00:20:36.340 --> 00:20:39.420
Da habe ich ganz klar gesagt, wissen Sie, mir ist schon klar,

00:20:39.480 --> 00:20:42.560
wie so eine Infektion übertragen wird und ich brauche jetzt keine Details.

00:20:42.620 --> 00:20:46.020
Wir haben jetzt hier einen Befund und wir machen jetzt eine entsprechende Diagnostik

00:20:46.020 --> 00:20:49.520
und können dann, wenn wir die Prävention sprechen, nochmal uns Gedanken machen,

00:20:49.760 --> 00:20:53.880
was Sie tun können, wenn Sie es wollen, um zukünftig solche Infektionen zu vermeiden.

00:20:54.120 --> 00:20:58.960
Ich brauche jetzt keinen Patienten, keine Patientin, die eine Konsultation als

00:20:58.960 --> 00:21:04.080
Bühne benutzt, um mir dann in epischer Preise darzustellen, was es für ein toller

00:21:04.080 --> 00:21:06.600
Hecht im Karpfenteich ist, das brauche ich nicht. Mhm.

00:21:07.680 --> 00:21:12.620
Nee, es ist dann gut, wenn es irgendwie im professionellen Rahmen einfach auch bleibt, ne? Ja.

00:21:14.020 --> 00:21:19.020
Wie würdet ihr denn sagen, ist so generell die Sensibilität für das Thema in

00:21:19.020 --> 00:21:23.380
der Allgemeinmedizin? Wir hatten ja am Anfang gesagt, das ist häufig noch ein Tabuthema.

00:21:23.500 --> 00:21:25.540
Wie verhält es sich damit so übergreifend?

00:21:26.250 --> 00:21:31.290
Ich selber habe jetzt ja noch keine so richtig Praxiserfahrung in der Hausarztpraxis gesammelt.

00:21:31.470 --> 00:21:36.310
Mein Eindruck ist, dass es tatsächlich sehr individuell unterschiedlich ist.

00:21:36.370 --> 00:21:40.450
Also je nachdem, wie der Hausarzt oder die Hausärztin eben sich mit dem Thema

00:21:40.450 --> 00:21:44.870
auseinandersetzen möchte. Wenn man auf das ganze Thema wenig Lust hat,

00:21:44.950 --> 00:21:46.870
dann spielt es wahrscheinlich auch nicht so eine Rolle.

00:21:46.990 --> 00:21:51.510
Ich denke aber, dass in der Allgemeinmedizin jetzt abgesehen vielleicht von

00:21:51.510 --> 00:21:55.750
der Gynäkologie und der Urologie eins der wenigen Fachgebiete ist,

00:21:55.830 --> 00:21:58.230
wo das eine Rolle spielt, das Thema.

00:21:58.750 --> 00:22:02.670
Und wo man sicherlich auch immer mal wieder damit zu tun hat.

00:22:02.890 --> 00:22:05.430
Aber ausbaufähig ist es insgesamt wahrscheinlich schon.

00:22:06.090 --> 00:22:09.650
Das sehe ich auch so und das kann ich auch von den Seminaren berichten,

00:22:09.650 --> 00:22:13.130
die ich in verschiedenen Regionen der Republik schon gegeben habe.

00:22:13.210 --> 00:22:16.590
Gerade im ländlichen Bereich hört man dann schon oft von den Kollegen,

00:22:17.210 --> 00:22:20.750
naja, also sowas gibt es bei uns nicht. Ja, also das gibt es nicht.

00:22:21.250 --> 00:22:24.770
Und wir erleben das ja auch in der eigenen Praxis, dass wir Patienten haben,

00:22:24.850 --> 00:22:30.590
die im Vogelsberg wohnen oder in Fulda wohnen und mit diesem Themenkomplex nicht

00:22:30.590 --> 00:22:33.730
zu ihrer Hausärztin, ihrem Hausarzt gehen, sondern zu uns,

00:22:33.870 --> 00:22:36.430
weil es eben das im Dorf nicht gibt.

00:22:36.430 --> 00:22:39.950
Und dann weiß man eben nicht, dass das ein Mann ist, der Sex mit Männern hat,

00:22:40.090 --> 00:22:41.790
obwohl er verheiratet ist und Kinder hat.

00:22:42.130 --> 00:22:46.090
Oder man weiß eben nicht, dass das ein Mann ist, der die HIV-Prep einnimmt,

00:22:46.190 --> 00:22:49.050
weil es die Eltern nicht erfahren sollen oder, oder, oder.

00:22:49.550 --> 00:22:53.150
Da gibt es also auch noch regionale Unterschiede und ich denke auch die Sensibilisierung

00:22:53.150 --> 00:22:58.610
für dieses Thema unter Überschrift Denk daran ist mir eine wichtige Botschaft, weil es ja darum geht.

00:22:59.460 --> 00:23:03.640
Patienten zu detektieren, um sie damit in Therapie zuführen zu können,

00:23:03.720 --> 00:23:06.760
um damit wiederum die Herdenimmunität herstellen zu können.

00:23:07.240 --> 00:23:11.780
Erlebst du es in deiner Praxis, dass es Unterschiede bei den Geschlechtern gibt,

00:23:11.960 --> 00:23:14.560
was das Sprechen über diese Themen betrifft?

00:23:14.940 --> 00:23:19.060
Sagen wir es mal so, die HIV-Präexpositionsprophylaxe ist eher ein Thema für Männer.

00:23:19.280 --> 00:23:24.200
Wir haben wenige Frauen, die damit zu uns kommen, also da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

00:23:24.920 --> 00:23:29.860
Und ich erlebe es bei den beispielsweise Gesundheitsuntersuchungen,

00:23:29.960 --> 00:23:31.780
die ich gerne auch mal als Anlass nehme,

00:23:32.280 --> 00:23:36.780
mit den Patientinnen und Patienten über Themen zu sprechen, die man normalerweise

00:23:36.780 --> 00:23:41.300
nicht anspricht, nämlich so dieses Thema, wie zufrieden sind sie mit ihrem Sexualleben,

00:23:41.940 --> 00:23:44.920
genauso wie das Thema, wie siehts aus mit dem Wasser lassen,

00:23:45.120 --> 00:23:48.540
mit Wasser halten, also die Frage über Inkontinenz wird ja auch,

00:23:48.560 --> 00:23:52.380
ist ja auch so ein Tabuthema, dass das oft nicht in den Praxen angesprochen wird.

00:23:52.380 --> 00:23:56.400
Wenn man es aber so in so einen Ablauf einpflegt, insbesondere müssen wir bedenken,

00:23:56.400 --> 00:24:00.120
wir verorten jeden Tag Medikamente, die sexuelle Funktionsstörungen hervorrufen können.

00:24:00.300 --> 00:24:03.720
Wir haben jeden Tag mit Menschen zu tun, die psychisch krank sind,

00:24:03.820 --> 00:24:08.020
die entweder als Folge der psychischen Erkrankung sexuelle Funktionsstörungen

00:24:08.020 --> 00:24:12.780
haben können oder als Folge von sexuellen Funktionsstörungen psychisch krank werden können.

00:24:12.780 --> 00:24:16.360
Das heißt, wir haben ja ganz viele Punkte, an denen wir anknüpfen können.

00:24:16.540 --> 00:24:20.160
Und gerade beim Check-up zu sagen, sind Sie mit Ihrem Sexualleben zufrieden,

00:24:20.160 --> 00:24:24.620
gibt es da Aufklärungsbedarf oder auch bei Patienten, die antihypertensiv behandelt

00:24:24.620 --> 00:24:27.340
werden mit Beta-Blockern zum Beispiel, haben Sie festgestellt,

00:24:27.480 --> 00:24:31.260
dass aufgrund der Beta-Blocker-Einnahme eine Veränderung in Ihrem Sexualleben stattgefunden hat.

00:24:31.300 --> 00:24:35.180
Also offene Fragen, um Ihnen auch anzubieten, wir sind bereit darüber zu sprechen

00:24:35.180 --> 00:24:37.780
und das kann man bei Männern und Frauen gleichermaßen tun.

00:24:38.680 --> 00:24:42.820
Und wenn wir bei dem Thema sind, fällt mir noch eine andere Frage ein, nämlich,

00:24:43.650 --> 00:24:47.190
Wir haben uns ja jetzt auch schon so ein bisschen dem Thema Gendermedizin angenähert

00:24:47.190 --> 00:24:50.310
und was ich in letzter Zeit tatsächlich paar Mal in Mentoring-Gruppen gehört

00:24:50.310 --> 00:24:56.850
habe, war von Ärztinnen so eine Art Frust über die sogenannte Gender-Pain-Gap.

00:24:56.850 --> 00:25:00.730
Also zum Beispiel, dass Frauen später diagnostiziert werden,

00:25:01.030 --> 00:25:05.530
weil verschiedene Symptome anders eingeordnet werden und so weiter.

00:25:05.570 --> 00:25:07.430
Da wisst ihr viel mehr drüber als ich.

00:25:08.130 --> 00:25:11.850
Wie verhält es sich denn damit in der Allgemeinmedizin, so an der Schnittstelle

00:25:11.850 --> 00:25:13.730
Allgemeinmedizin, Gendermedizin?

00:25:14.150 --> 00:25:19.410
Also von der Allgemeinmedizin weiß ich es gar nicht, aber ich war in der Kardiologie längere Zeit.

00:25:19.550 --> 00:25:24.990
Und da gibt es ja häufig das Beispiel, dass einfach Herzinfarkte bei Frauen

00:25:24.990 --> 00:25:30.010
wohl immer mal wieder nicht erkannt werden, weil sie einfach sich durch andere Symptome äußern.

00:25:30.090 --> 00:25:33.970
Ich habe aber auch den Eindruck, dass dieses Wissen jetzt langsam auch bekannter

00:25:33.970 --> 00:25:38.030
wird. Also dass da einfach jetzt schon so langsam sich so ein Wandel vollzieht,

00:25:38.050 --> 00:25:42.550
dass solche Dinge auch allmählich durchsickern und überhaupt mal untersucht werden.

00:25:42.910 --> 00:25:46.670
Ich denke auch, das ist ein ganz großer Forschungsbereich, der uns in den nächsten

00:25:46.670 --> 00:25:50.650
Jahren oder Jahrzehnten auf jeden Fall noch beschäftigen und uns ganz spannende

00:25:50.650 --> 00:25:51.570
Erkenntnisse bringen wird.

00:25:52.230 --> 00:25:54.850
Ja, das Thema unserer Folge ist ja eigentlich ein anderes. Deswegen aber an

00:25:54.850 --> 00:25:59.050
der Stelle vielleicht auf jeden Fall der Aufruf, falls ihr zufällig ExpertInnen

00:25:59.050 --> 00:26:03.250
für das Thema seid und in der Allgemeinmedizin tätig, schreibt uns doch total

00:26:03.250 --> 00:26:06.170
gerne mal euren Eindruck davon, gebt uns ein Feedback.

00:26:06.350 --> 00:26:10.190
Das ist auf jeden Fall ein Thema, zu dem man ganz viele Podcast-Folgen noch

00:26:10.190 --> 00:26:14.610
aufnehmen könnte und wir freuen uns auf jeden Fall über eure Rückmeldung.

00:26:15.270 --> 00:26:19.190
Armin, du hast es ja eben schon mal so kurz angedeutet, dass das Thema Sexualität

00:26:19.190 --> 00:26:23.390
ja nicht nur im Kontext mit Infektionen oder Erkrankungen auftritt,

00:26:23.390 --> 00:26:26.190
sondern ja auch einfach irgendwie ein Lebensthema ist,

00:26:26.290 --> 00:26:30.010
was auch mit Lebensqualität sicherlich irgendwo zusammenhängt und mit dem allgemeinen

00:26:30.010 --> 00:26:31.790
Wohlbefinden auch der Gesundheit.

00:26:31.930 --> 00:26:34.730
Und du hast auch schon so einen kleinen Tipp gegeben mit deinem ABC,

00:26:34.970 --> 00:26:37.310
was du am Anfang so in den Raum stellst.

00:26:37.590 --> 00:26:40.970
Spielt das in diesem Kontext auch häufiger eine Rolle bei dir in der Praxis?

00:26:41.290 --> 00:26:44.330
Ein Beispiel hatte ich eben schon genannt. Wenn die Patientinnen und Patienten

00:26:44.330 --> 00:26:48.990
zum Check-up kommen und bestimmte Medikamente einnehmen. Sei es jetzt aufgrund

00:26:48.990 --> 00:26:52.390
von einer Bluthochdruckerkrankung oder sei es aufgrund einer depressiven Störung

00:26:52.390 --> 00:26:55.730
mit Antidepressiva behandelt werden, dann ist das auf jeden Fall ein Thema.

00:26:56.470 --> 00:27:00.130
Das heißt, es geht nicht nur darum zu fragen, wie ist die Stimmung bei Ihnen

00:27:00.130 --> 00:27:04.170
und wie hat sich das jetzt in den letzten Monaten möglicherweise durch die Einnahme

00:27:04.170 --> 00:27:05.130
von Medikamenten verändert,

00:27:05.290 --> 00:27:10.130
sondern auch hat das eine Auswirkung auf Ihr Lustempfinden, auf Ihre Libido und

00:27:10.130 --> 00:27:13.510
hat das eine Auswirkung auf Ihr Sexualleben, weil wie du schon gesagt hast,

00:27:13.550 --> 00:27:16.570
Sexualität ist Lebensqualität, das sage ich den Patienten auch ganz klar.

00:27:17.210 --> 00:27:21.370
Und insofern kann ich diesen Themenkomplex auch da mit unterbringen.

00:27:21.950 --> 00:27:26.230
Und angenommen, jemand hat dann solche Probleme, gibt es dann denn irgendwas,

00:27:26.350 --> 00:27:28.890
was man als Allgemeinmediziner da tun kann?

00:27:29.350 --> 00:27:33.230
Wir sind ja oftmals Brückenbauer. Das heißt, es ist ja schon wichtig,

00:27:33.350 --> 00:27:39.150
zunächst mal zu erkennen und zu benennen, dass ein Thema für die Patientin, den Patienten ist.

00:27:39.550 --> 00:27:42.930
Und dann kann man beispielsweise hingehen und sagen, haben Sie schon mal darüber

00:27:42.930 --> 00:27:45.270
nachgedacht, eine Sexualberatung durchführen zu lassen?

00:27:46.390 --> 00:27:49.950
Und spannend ist dann, dass oftmals auch Paare dann betroffen sind,

00:27:50.470 --> 00:27:54.030
und es bedarf nur eines kleinen Anschubs und sie sind sehr dankbar,

00:27:54.130 --> 00:27:58.450
dass jemand das Thema mal angesprochen hat, weil sie selbst sich aus Scham gefühlt,

00:27:58.470 --> 00:28:00.630
warum auch immer, nicht getraut haben und dann sagen, ja,

00:28:00.790 --> 00:28:03.290
ich habe mit meiner Frau manchmal schon mal drüber gesprochen,

00:28:03.390 --> 00:28:06.510
aber jetzt, da sie es sagen, haben sie eine Adresse für uns.

00:28:07.230 --> 00:28:12.190
Und dann auch ein wirkliches Netz zu haben, zu sagen, okay, wir kennen Therapeutinnen

00:28:12.190 --> 00:28:15.890
und Therapeuten, die sich diese Themen im Komplex angenommen haben und machen

00:28:15.890 --> 00:28:17.730
so einen Termin aus, sprechen es mit denen nochmal drüber.

00:28:17.930 --> 00:28:22.290
Also da kann man durchaus einfach durch das Ansprechen mit einem kleinen Aufwand

00:28:22.290 --> 00:28:24.110
häufig schon dann auch viel bewirken.

00:28:25.390 --> 00:28:29.030
Das heißt, das dran denken gilt gar nicht nur für die Ärztinnen,

00:28:29.130 --> 00:28:34.470
sondern auch für uns Patientinnen einfach das vielleicht auch in dem Sinne mitzudenken,

00:28:34.490 --> 00:28:38.890
dass wir das mitteilen und offen dafür sind, das auch als Teil unserer Gesundheit anzusehen.

00:28:38.930 --> 00:28:41.930
Ich glaube, so ist das für viele auch nicht unbedingt, weil weil es halt immer

00:28:41.930 --> 00:28:43.870
noch häufig tatsächlich ein Tabuthema ist.

00:28:44.010 --> 00:28:48.330
Das ist ein Tabuthema, wobei ich sagen darf, gerade auch wenn der Themenkomplex

00:28:48.330 --> 00:28:50.830
depressiver Erkrankung zum Beispiel auch ein Tabuthema ist,

00:28:50.990 --> 00:28:55.290
auch da hat sich doch in den letzten Jahren auch durch eine gute Aufklärung

00:28:55.290 --> 00:29:00.030
einiges getan, dass auch Patienten von sich aus das ansprechen und sagen,

00:29:00.150 --> 00:29:03.370
ich habe die und die Beschwerden, kann das auch mit meiner Psyche zusammenhängen.

00:29:03.430 --> 00:29:06.870
Und das finde ich ganz toll, wenn von deren Seite aus schon eine Brücke gebaut wird.

00:29:07.450 --> 00:29:12.110
Und ich würde mir natürlich wünschen, dass Patienten auch mit sexuellen Funktionsstörungen

00:29:12.110 --> 00:29:16.050
oder sexuell übertragbaren Infektionen, da gibt es jetzt ja überall diese Poster,

00:29:16.050 --> 00:29:19.370
die da in der Stadt aufgehängt werden, auch motiviert werden,

00:29:19.510 --> 00:29:21.710
ihren Hausarzt darauf anzusprechen.

00:29:21.750 --> 00:29:24.310
Das ist ja auch Sinn dieser Werbekampagne.

00:29:25.040 --> 00:29:28.380
Und damit könnte man ganz viel erreichen. Das ist ja in der Regel eine Angst

00:29:28.380 --> 00:29:32.460
vor einer Stigmatisierung sicherlich, die da mit reinspielt oder vor einer Offenbarung.

00:29:33.260 --> 00:29:36.200
Und die Stigmatisierung, die auch begründet ist, diese Angst,

00:29:36.380 --> 00:29:40.120
weil wir erleben ja immer wieder, und da gibt es auch sehr interessante Untersuchungen,

00:29:40.200 --> 00:29:44.160
die ich auch in einem Seminar der Deutschen Aids Hilfe, die Ergebnisse,

00:29:44.220 --> 00:29:46.120
die ich damit erfahren durfte,

00:29:46.800 --> 00:29:51.400
dass Menschen mit einer HIV-Infektion beispielsweise häufig auch in ärztlichem

00:29:51.400 --> 00:29:53.860
Kontext Stigmatisierung erfahren mussten.

00:29:53.860 --> 00:29:58.480
Dass sie als letzte am Tag erst behandelt wurden, weil danach ja die gesamte

00:29:58.480 --> 00:30:00.000
Praxis desinfiziert werden muss.

00:30:00.020 --> 00:30:04.240
Oder beim Zahnarzt erst am Freitag behandelt werden, weil danach zwei Tage die

00:30:04.240 --> 00:30:05.400
Praxis desinfiziert werden muss.

00:30:05.500 --> 00:30:09.780
Also da ist noch ganz viel Aufklärungsarbeit, sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für uns.

00:30:10.480 --> 00:30:15.220
Da ist doch ein Weg. Ja, das war jetzt wieder ein Querschnitt durch verschiedene

00:30:15.220 --> 00:30:18.440
meta-übergreifende Themen aus der Weiterbildung.

00:30:18.860 --> 00:30:23.320
Armin, du hattest uns ja schon ein paar Lebensweisheiten in diesem Podcast mitgeteilt.

00:30:23.840 --> 00:30:27.700
Deswegen würden wir dich vielleicht heute zum Abschluss fragen,

00:30:28.720 --> 00:30:33.280
was gibt es denn sonst noch so, was du unseren ZuhörerInnen auf den Weg mitgeben

00:30:33.280 --> 00:30:36.820
möchtest, sei es zu diesen Themen oder zu irgendwas anderem?

00:30:37.960 --> 00:30:42.380
Eine Idee, die ich gerne teile und die ich auch schon angesprochen habe.

00:30:43.380 --> 00:30:47.980
Offen an Patientinnen und Patienten herangehen, bedenken, dass wir Vorurteile

00:30:47.980 --> 00:30:54.520
haben, uns von heteronormativen Vorstellungen verabschieden und getrost warten,

00:30:54.720 --> 00:30:57.520
was da kommen mag. Sehr schön, vielen Dank dir.

00:30:58.060 --> 00:31:02.560
Und Britta, du, jetzt sitzen wir ja hier in dieser Runde tatsächlich das letzte

00:31:02.560 --> 00:31:05.820
Mal. Ich glaube, das darf auch auf der Aufnahme auch Raum finden.

00:31:06.520 --> 00:31:10.820
Hast du noch irgendwas, was du loswerden möchtest? Darauf bin ich jetzt nicht vorbereitet.

00:31:11.300 --> 00:31:16.260
Ich glaube, ich wiederhole mich wahrscheinlich, habe ich es schon hundertmal

00:31:16.260 --> 00:31:18.820
im Laufe dieses Podcasts immer wieder gesagt.

00:31:19.160 --> 00:31:22.800
Aber ich finde tatsächlich diesen Punkt von der Vernetzung Der ja auch ganz

00:31:22.800 --> 00:31:26.680
praktische Funktionen manchmal haben kann, wie Armin ja auch eben gesagt hat,

00:31:26.700 --> 00:31:28.560
wenn man so ein paar Handynummern eingespeichert hat.

00:31:28.660 --> 00:31:32.120
Aber auch für die eigene mentale Gesundheit finde ich das wichtig,

00:31:32.300 --> 00:31:36.380
sich immer wieder auszutauschen, über Dinge zu sprechen, die einen belasten,

00:31:36.500 --> 00:31:41.300
auch natürlich die, die gut laufen, sich von anderen ruhig was abgucken und ja, immer...

00:31:41.940 --> 00:31:45.360
Offen zu bleiben und neugierig, das ist, denke ich, das Wichtigste.

00:31:45.820 --> 00:31:50.520
Ja, vielen Dank dir, liebe Britta. Ich glaube, dem kann ich mich auch nahtlos direkt anschließen.

00:31:50.780 --> 00:31:54.360
Ein Gedanke, den ich nämlich immer ganz schön finde, ist auch ganz unabhängig

00:31:54.360 --> 00:31:58.680
vom Kontext, dass man manche Sachen selbst machen muss, aber eben nicht alleine.

00:31:58.820 --> 00:32:02.480
Und dass wir, egal in welcher Situation, eigentlich nur davon profitieren können,

00:32:02.640 --> 00:32:06.240
wenn wir unseren Weg mit anderen Menschen teilen, in welcher Form auch immer.

00:32:06.680 --> 00:32:09.780
So, und zum Abschluss braucht es vielleicht noch eine kleine Erklärung,

00:32:09.780 --> 00:32:12.540
warum ich jetzt von der letzten Runde gesprochen habe.

00:32:13.340 --> 00:32:18.480
Es ist so, dass der Podcast ab nächstem Jahr in etwas veränderter Form weitergehen wird.

00:32:18.860 --> 00:32:23.460
fest steht auf jeden Fall, dass Britta, Sepp und ich als Stimmen nicht mehr dabei sein werden.

00:32:23.860 --> 00:32:28.340
Genau wie Miriam, der an der Stelle übrigens ein großes Dankeschön gebührt für

00:32:28.340 --> 00:32:33.320
ihre immer geduldige Regie- und Technikarbeit und die diese Stelle bitte auf

00:32:33.320 --> 00:32:34.660
keinen Fall rausschneidet.

00:32:35.100 --> 00:32:39.400
Das heißt also, dass wir als Podcast-Team uns hiermit ganz offiziell

00:32:39.400 --> 00:32:43.180
bei euch verabschieden und euch ZuhörerInnen auch für eine ganz,

00:32:43.280 --> 00:32:45.200
ganz tolle Zeit ganz herzlich danken.

00:32:45.360 --> 00:32:49.860
Der Podcast macht jetzt eine etwas längere Pause, als ihr es vielleicht von uns kennt.

00:32:50.020 --> 00:32:53.840
Wir planen aber auf jeden Fall, dass es ganz bald weitergeht und freuen uns

00:32:53.840 --> 00:32:57.480
in der Zwischenzeit weiterhin immer über eure Anregungen, Rückmeldungen.

00:32:57.740 --> 00:33:01.680
Wenn ihr die Folgen vielleicht weiter empfehlt, wenn ihr sie gerne mochtet und

00:33:01.680 --> 00:33:05.620
einfach weiter dabei seid. Und vielleicht inhaltlich noch, wir haben ja im Podcast

00:33:05.620 --> 00:33:07.680
einige Male über das Mentoring gesprochen.

00:33:08.080 --> 00:33:11.060
Nur, dass ihr Bescheid wisst, wir haben ja auch ein Seminarprogramm,

00:33:11.060 --> 00:33:15.540
wo wir Fachinhalte anbieten und Fallkonferenzen, wo ihr gemeinsam mit anderen

00:33:15.540 --> 00:33:17.920
ÄrztInnen in Weiterbildung Fälle besprechen könnt.

00:33:18.420 --> 00:33:24.420
All diese Angebote sind auf unserer Homepage www.kwhessen.de aufgelistet,

00:33:24.420 --> 00:33:27.320
falls ihr euch da mal durchklicken mögt. Falls ihr Lust habt,

00:33:27.420 --> 00:33:31.560
könnt ihr uns auch auf unseren Social-Media-Kanälen folgen. Wir sind auf Twitter bzw.

00:33:32.040 --> 00:33:36.300
X und auf Instagram unterwegs. Deswegen würde ich an der Stelle einfach sagen,

00:33:36.440 --> 00:33:40.960
vielen Dank fürs Zuhören und wir hören und sehen uns einfach bei der nächsten Gelegenheit.

00:33:41.420 --> 00:33:42.960
Tschüss. Tschüss. Tschüss.

00:33:43.600 --> 00:33:52.640
Music.