Alberth.ch

Viel Meinung für wenig Wissen

7x70 Fakten über die Zahl 70

26.06.2022 36 min

Wir lernen die Zahl 70 besser kennen, als wir es je wollten. Daneben reden wir ein bisschen über Wetter, Quoten, Frauen-Nati und wie jede/r Berner*in andauernd: über das Baden in der Aare. Dazu in den Show Notes ein Artikel aus der BZ, der Jürg's Meinung stützt.
Wieso die Aare ganz schön nervt
BE-Post-Kolumnist Martin Erdmann wagt es, schlecht über das Lieblingsgewässer der Stadt Bern zu schreiben.


Liebe Bernerinnen und Berner

Woran erkennt man Aareschwimmende? Ganz einfach: Sie erzählen es einem. Ungefragt. Bei jeder Gelegenheit. Sobald die Tage länger werden, scheint ein beachtlicher Teil der Stadtberner Bevölkerung in eine sommerliche Zwangsstörung zu verfallen. Er sieht sich gedrängt, mehrmals täglich seinem Umfeld seine unbändige Liebe zur Aare zu schwören. Dieses schlängelnde Gewässer scheint ihm nicht nur das Herz, sondern auch etwas den Verstand gestohlen zu haben.
So sind normale Dialogverläufe auf Stadtboden zurzeit kaum vorstellbar. Immer wieder wird der Gesprächsfluss durch ausufernde Updates zu den aktuellen Wassertemperaturen unterbrochen. Gefolgt von mantraartigen Werbeblöcken für den Aareschwumm. Die erfrischende Kühle, das freiheitliche Gefühl, sich treiben zu lassen, das Geräusch in den Ohren, wenn man unter Wasser taucht. Das wird mit einem vor Euphorie ganz benommenen Blick heruntergerattert, dem jegliche Schärfe fehlt, um zu erkennen, dass sich das Gegenüber nur mässig dafür interessiert.
In vielen von Ihnen, liebe Bernerinnen und Berner, wird während der Lektüre der bisherigen Zeilen pure Empörung aufgestiegen sein. Wahrscheinlich haben Sie im Geiste bereits ein gehässiges Protestschreiben an die Chefredaktion aufgesetzt, um meine sofortige Steinigung zu verlangen. Und genau das bestätigt mein Punkt: Die Aare macht Sie zu irrationalen Wasserratten. Den Konsequenzen davon sind Sie sich wahrscheinlich nicht einmal bewusst. Prominentestes Beispiel: Meinen Sie Stadtpräsident Alec von Graffenried wäre jemals ins Amt gewählt worden, hätte er sich im Wahlkampf nicht bei jeder Möglichkeit in der Aare ablichten lassen?

Diese Entwicklung bereitet mir Sorge. Zu viele von Ihnen sehen im Aarewasser das Elixier des Lebens, und wer dieses nicht zu schätzen weiss, wird als Abtrünniger behandelt. Es sind Mechanismen, die man sonst nur aus Sekten kennt. Aber, liebe Bernerinnen und Berner, ich glaube an euch. Auch ihr könnt den Ausstieg schaffen. Anstatt all eure Leidenschaft in die Aare zu werfen, solltet ihr lernen, euch als Individuum zu lieben. Befreit euch aus der kollektiven Abhängigkeit dieses Flusses. Wer in die Aare steigt, schwimmt zwangsläufig mit dem Strom. Dabei bietet jeder rote Handlauf die Möglichkeit, euer altes Leben hinter euch zu lassen. Ergreift diese Chance!

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