Folge 2: Sabine Hennel – Kunst aus dem Fleisch der Erde
Sabine Hennel und das Fleisch der Erde. Begleitet von Michael Erndl spricht sie auch über ihre Lebenserfahrungen und warum die Kunst mit Steinen ihr so wichtig ist.
09.09.2025 29 min Christian Troidl
Zusammenfassung & Show Notes
Steine, die sprechen: Sabine Hennel komponiert Kiesel zu klaren, poetischen Bildern – zwischen Geduld und Intuition. Im Gespräch erzählt sie, wer sie geprägt hat, wie aus Fundstücken Kunst wird, was Menschen in ihren Workshops mitnehmen und warum sie gemeinsam mit Michael Erndl an einem „steinreichen Bayern“ arbeitet. Ein Blick hinter die Leinwand: Prozess, Haltung und die kleinen Momente, in denen es klickt.
Sabine Hennel komponiert Kiesel zu klaren, poetischen Bildern. Wir sprechen darüber, wer sie geprägt hat, wie aus Fundstücken Kunst entsteht und was Menschen aus ihren Workshops mitnehmen.
Zur ausführlichen Episodenseite mit weiteren Informationen:
https://christiantroidl.de/podcast/folge-2-kunst-aus-dem-fleisch-der-erde/
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Transkript
[Musik]
Christian: Willkommen bei „Auf eine Tasse Kaffee". Heute sitzt mir eine Künstlerin gegenüber, die Steine sprechen lässt: Sabine Hennel. Hallo, Sabine.
Sabine: Hallo, guten Tag.
Christian: Begleitet wird sie von ihrem Partner Michael Erndl. Hallo, Michael.
Michael: Hallo, servus. Christian: Wir reden heute darüber, warum du Steine suchst, wie aus Fundstücken Geschichten werden und was die Menschen aus deinen Workshops mitnehmen.
Sabine: Sehr gerne. Fangen wir mit der Frage an, wie ich überhaupt zu den Steinen gekommen bin.
Ursprünglich war das eine Beschäftigung für die Kinder. Steine hat man schon immer angemalt, und während der Corona-Zeit sah man häufig diese langen Steinketten am Wegesrand. Das war eine schöne Beschäftigung.
Wir haben das natürlich nicht gemacht, weil das Mainstream war und es jeder gemacht hat.
Christian: Und Steine gestapelt habt ihr auch nicht? Sabine: Auch nicht. Wobei ich das vielleicht einmal gemacht habe. Aber darum ging es mir nicht.
Mich haben die natürlichen Farben interessiert, die in unserer Umgebung vorkommen. Unsere Welt ist häufig sehr grell, bunt und laut.
Ich wollte die Kunst ein wenig erden. So kam ich auf die Idee, mit Steinen Bilder zu legen.
Natürlich hat man dabei nur eine bestimmte Auswahl an Farben. Im Donaukies finden sich vor allem Rot, Schwarz und Weiß.
Manchmal ist auch etwas Gelb dabei.
Aus diesen drei oder vier Farben habe ich Bilder gestaltet.
Am Anfang stand jeweils ein Scherenschnitt. Ich habe überlegt, wie ich ihn ergänzen könnte.
So kamen die Steine dazu, aus denen ich beispielsweise die Haare der dargestellten Personen gelegt habe.
Christian: Interessant.
Sabine: Ich habe die Seitenprofile verschiedener Menschen verwendet. Dafür war ich unter anderem in Belgrad, Novi Sad, Griechenland und natürlich auch in Deutschland unterwegs.
Dort habe ich verschiedene Straßenkünstler im Profil fotografiert.
Die Umrisse habe ich anschließend mit einem Cutter ausgeschnitten. Irgendwann dachte ich: Da muss noch etwas hinein. Das Ganze war mir zu langweilig und zu klassisch.
Typisch Künstlerin eben.
Dann habe ich angefangen, kleine Steine daraufzulegen. Das ergab eine besondere Optik. Man wollte das Bild anfassen. Es wirkte dreidimensional und war es doch nicht vollständig.
Aus dieser Entwicklung ist schließlich der riesige Löwe entstanden, der inzwischen bei verschiedenen Vernissagen und Straßenfestivals in Niederbayern gezeigt wird.
Als sich die Menschen vor den Löwen stellten, Selfies machten und ich plötzlich in einem Blitzlichtgewitter stand, war das schon ungewöhnlich.
Ich bin schließlich eine Mutter von drei Kindern, die bis dahin ein sehr bürgerliches und normales Leben geführt hatte.
Christian: Was denkt man sich, wenn so etwas passiert?
Sabine: Man erkennt, dass man mit seinen eigenen Händen und seiner Fantasie etwas geschaffen hat, das die Menschen begeistert.
Ich möchte Menschen begeistern und Emotionen in ihnen hervorrufen.
Schon als Kind war ich der Clown in der Klasse. Meine Lehrer haben mich wahrscheinlich grundsätzlich gehasst.
Vielleicht hört ja heute einer zu. Hallo!
Nach dem Ende der Corona-Zeit ging dieses kleine Projekt richtig los.
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Ausstellung. Damals war ich ziemlich knapp bei Kasse.
In Landshut fand eines der größten Straßenkunstfestivals Europas statt. Ich hatte vielleicht noch 350 Euro auf der hohen Kante.
Dieses Geld setzte ich dafür ein, dort meine Scherenschnitte und Kieselsteinbilder ausstellen zu können.
Natürlich musste ich mich dafür bewerben.
Es nahmen viele Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt teil. Als meine Bewerbung angenommen wurde, war ich unglaublich stolz und konnte es kaum fassen.
Gleichzeitig dachte ich: Nun gut, jetzt ist das Geld eben weg. So hat alles angefangen.
Dort habe ich tatsächlich meinen ersten einzelnen Kieselstein für zwei Euro verkauft.
Zwei Jungen kamen zu mir und kauften ihn. Da dachte ich: Es wäre doch genial, wenn man diese Kieselsteine zusammen mit der künstlerischen Idee verkaufen könnte.
Es ist faszinierend, was wir Menschen mit unserer Fantasie und den Materialien erschaffen können, die uns zur Verfügung stehen.
Dieses Erlebnis war für mich einschneidend. Danach wusste ich, dass ich unbedingt weitermachen möchte.
Christian: Das war also der Startschuss für das, was du inzwischen aufgebaut hast?
Sabine: Genau. Damals gab es den Löwen noch nicht.
Mit ihm habe ich erst danach begonnen. „Basteln" darf man bei einer Künstlerin natürlich nicht sagen. Ich habe ihn also geschaffen.
Dafür nahm ich zunächst das Foto eines echten Löwen und arbeitete es zu einem Scherenschnitt um.
Anschließend übertrug ich das Motiv auf eine Platte.
Gemeinsam mit meinen Töchtern und vielen Menschen aus meinem Umfeld begann ich, den Löwen mit Steinen zu legen.
Viele brachten besondere Steine mit, die ihnen persönlich wichtig waren. Deshalb ist dieser Löwe unverkäuflich.
Ich wurde schon häufig gefragt, ob man ihn kaufen könne. Das geht aber nicht.
Bald soll ein weiterer Löwe entstehen. Den ersten behalten wir, den neuen könnt ihr haben, wenn ihr möchtet und ihn euch leisten könnt.
Christian: Es ist spannend, wie man überhaupt auf diese Idee kommt. Wir steigen jeden Tag über Steine.
Man muss erst einmal auf den Gedanken kommen, sie genauer anzusehen, ihre Farben zu entdecken und daraus ein Bild zu gestalten.
Sabine: Im Grunde ist es eine Mosaiktechnik. Die gibt es natürlich schon lange. Mir gefällt besonders, dass das Material aus unserer Region kommt.
Wir haben in Bayern viele großartige Dinge: unser Bier, unsere Geschichte, Brezen und Schweinebraten.
Und die Steine aus der Donau bekommt man eben nicht überall.
Das ist etwas Eigenes aus unserer Region, und das bleibt hier.
Christian: Welche Ansprüche stellst du an einen Stein? Was muss er außer einer passenden Farbe mitbringen?
Sabine: Er braucht natürlich eine geeignete Form. Jeder Stein wird von mir persönlich an der Donau gesammelt. Michael hilft mir inzwischen dabei.
Christian: Du musst dann vermutlich eine ganze Menge Steine tragen.
Sabine: Inzwischen sucht er selbst mit, und ich bekomme ihn kaum noch vom Fluss weg. Ich sage dann: „Komm, Schatz, wir gehen jetzt."
Aber er findet immer wieder so besondere Steine, dass sie für ein Mosaikbild beinahe zu schade sind.
Deshalb haben wir uns auch Schlüsselanhänger überlegt. Besonders schön gemaserte Steine können wir in Epoxidharz eingießen.
Wenn Kinder ihrer Mutter etwas Besonderes schenken möchten, ist das eine schöne Idee.
Es ist etwas, das sie selbst gefunden haben und das wir anschließend zu einem persönlichen Geschenk weiterverarbeiten.
Eltern kennen das: „Schau mal, ich habe Steine und Stöcke gefunden." – Christian: Vor allem dann, wenn die Steine später in der Waschmaschine landen.
Sabine: Genau. Dieses Problem kenne ich auch.
Als Kunstobjekt finde ich Steine großartig. In der Waschmaschine oder zusammen mit Quarzsand in den Hosentaschen eher weniger.
Aber die Kinder sind von ihren Fundstücken begeistert. Diese Begeisterung möchte man ihnen nicht nehmen.
Also habe ich überlegt, was man daraus machen kann. Für meine großen Bilder brauche ich vor allem flachen Kies.
Die Form muss nicht perfekt sein. Meine Bilder sollen sich nicht das Material zurechtbiegen.
Die Kunst entsteht im Zusammenspiel mit dem Material.
Dahinter steckt auch eine Philosophie: Ich möchte den Stein so nehmen, wie er ist. Ebenso möchte ich das Leben nehmen, wie es kommt, und das Beste daraus machen.
Wichtig ist deshalb nur, dass die Steine einigermaßen flach sind.
Sie dürfen natürlich auch nicht zu schwer sein. Einen fünf Kilogramm schweren Stein kann ich schlecht auf ein Bild kleben.
Christian: Du zwingst dem Stein also keine Geschichte auf. Du schaust, was er mitbringt, und verarbeitest ihn passend dazu in einem Bild.
Sabine: Genau.
Diese Idee ist auf viel Begeisterung gestoßen. Meine Kunst darf immer angefasst werden.
Den Kindern sage ich: „Ihr dürft den Löwen gerne streicheln." Inzwischen gibt es auch einen Wolf. Bitte fasst meine Kunst an. Sie ist zum Anfassen da.
Ich verstehe, dass Künstlerinnen und Künstler ihre Werke schützen möchten.
Wenn die Menschen Kunst aber nicht mit ihren Sinnen erfahren dürfen, weil ständig die Angst besteht, etwas könne kaputtgehen, bleibt für mich ein fader Beigeschmack.
Wir möchten gerade junge Menschen für Kunst und Kultur begeistern.
In unserer Gesellschaft gibt es schon genügend Regeln. Deshalb darf meine Kunst frei sein.
Kinder und Erwachsene dürfen sie bestaunen, berühren und fühlen.
Irgendwann sagten die Kinder: „Ich möchte auch so etwas kleben." Zunächst lacht man und antwortet: „Gut, dann kommst du einmal vorbei und wir machen das."
Michael, kannst du dich noch daran erinnern, wie wir daraus gemeinsam die Idee für die kleinen Bilder entwickelt haben?
Michael: Daran erinnere ich mich gut. Wir saßen auf dem Balkon und überlegten, wie wir das für die Kinder umsetzen könnten, die uns immer wieder darauf ansprachen.
Schließlich sagten wir: Wir machen den Löwen einfach in klein, etwa auf einem DIN-A4-Blatt.
Das müsste machbar sein. Steine gibt es schließlich wie Sand am Meer.
Danach haben wir überlegt, welchen Namen wir dem Ganzen geben.
Wie Sabine schon erzählt hat, entstand die Idee aus einem Scherenschnitt, der durch Kieselsteine ergänzt wurde. Also haben wir beide Wörter miteinander verbunden und daraus den „Kieselschnitt" gemacht.
Sabine war am Anfang überhaupt nicht begeistert.
Je häufiger wir das Wort aussprachen, desto sympathischer wurde es ihr.
Christian: Richtig cool. – Michael: So sind wir schließlich auf kieselschnitt.de gekommen.
Sabine: Auf kieselschnitt.de kann man sich inzwischen verschiedene Motive ansehen. Natürlich gibt es längst mehr als nur den Löwen.
Wer sich für ein Motiv interessiert, kann sich bei Michael oder mir melden.
Dann stellen wir das entsprechende Paket her. Die Pakete funktionieren ähnlich wie Malen nach Zahlen.
Die einzelnen Bereiche und Kiesarten sind nummeriert. Ich habe heute auch eines dabei. Du bekommst ebenfalls ein Paket, Christian.
Christian: Darüber freue ich mich. Vielen Dank! – Sabine: Die Pakete enthalten verschiedene Kiesarten aus unserer Region.
Uns war wichtig, auch auf die Umwelt zu achten. Deshalb verwenden wir darin kaum Plastik.
Selbst die kleinen Tütchen für die verschiedenen Kieselsteine bestehen aus Papier.
Darauf haben wir großen Wert gelegt. Die Kinder sollen etwas Wertiges in den Händen halten.
In meinen Kursen fällt mir auf, dass gerade Jungen häufig zunächst sagen: „Wir können nicht aufpassen, wir sind zu hibbelig und wollen nicht basteln."
Dann erkläre ich ihnen, dass wir nicht basteln, sondern Kunsthandwerk machen.
Beim Wort „Handwerk" sind sie sofort dabei. Stein ist ein handfestes Material.
Die Kinder können sehr lange und konzentriert damit arbeiten.
Beim Diamond Painting beispielsweise besteht das Material aus Plastik.
Die Idee dahinter ist gut, aber viele Kinder fangen damit an und lassen es später liegen.
Naturmaterialien besitzen eine andere Wirkung.
Die Steine helfen den Kindern, bei der Sache zu bleiben. Deshalb gebe ich meine Kurse sehr gerne. Die Kinder sind dort immer brav und begeistert.
Natürlich habe ich sie auch nur zwei Stunden bei mir. Also nichts für ungut.
So entstehen die Bilder, und das macht richtig viel Spaß.
Christian: Eltern kennen das. Wenn die Kinder woanders sind, sind sie immer brav.
Wenn die Arbeit mit den Steinen zusätzlich beruhigt und erdet, kann ich mir gut vorstellen, dass sie besonders konzentriert bleiben.
Eigentlich wollte ich euch diese Frage ganz am Anfang stellen. Wir holen sie einfach jetzt nach.
Sabine: Das macht nichts. Es muss ja nicht immer die erste Frage sein.
Christian: Sabine, wir haben viel über deine Kunst erfahren.
Nun möchten die Zuhörerinnen und Zuhörer wahrscheinlich auch etwas über den Menschen erfahren, der dahintersteht.
Ihr könnt die Frage gemeinsam oder getrennt beantworten:
Wer oder was hat euch zu den Menschen gemacht, die ihr heute seid? Eine ganz einfache Frage.
Sabine: Bei dieser Frage falle ich gerade in einen komatösen Wachschlaf.
Was hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin?
Ich glaube, das Leben hat mir von klein auf die Möglichkeit gegeben, große Herausforderungen zu bewältigen.
Deshalb kann ich heute sagen, dass ich sehr resilient bin. Abgesehen von meinen Hormonen bringt mich so schnell nichts mehr aus der Ruhe.
Der bequeme Weg, Menschen, die wir lieben, ständig zu betüddeln, kann ebenfalls Schaden anrichten.
Wahrscheinlich wäre ein gesundes Mittelmaß gut.
Gerade unsere Kinder sollten wir weder verhätscheln noch unnötig hart behandeln.
Wir sollten versuchen, fair zu bleiben.
Wir leben heute in einer vergleichsweise ruhigen Welt, wenn wir betrachten, was die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten durchstehen mussten.
Vielen Kindern begegnen nur noch wenige Situationen, in denen sie ihre Widerstandskraft entwickeln können.
Abgesehen von der Schule und schlimmen Erfahrungen wie Mobbing geht es uns grundsätzlich gut.
Uns geht es sogar verdammt gut. Das muss man auch einmal sagen.
Wenn wir die täglichen politischen Auseinandersetzungen für einen Moment ausblenden, ist die Lebenssituation vieler Menschen in Europa sehr gut.
Das ist zumindest meine Sicht.
Man kann ständig behaupten, alles sei eine Katastrophe. Wenn man jedoch die Geschichte kennt, sieht man vieles anders.
Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit geboren wurde.
Das Leben hat mich trotzdem vor Herausforderungen gestellt, an denen ich meine Widerstandskraft entwickeln konnte.
Heute können wir Zeit mit unseren Familien verbringen, ausgehen und gemeinsam essen.
Corona hat uns das für eine Weile genommen.
Verglichen mit einem echten Krieg ist das jedoch kaum der Rede wert. Da müssen wir auf dem Boden der Tatsachen bleiben und dankbar sein.
Mich haben diese tiefe Dankbarkeit und die Erkenntnis geprägt, was für ein Geschenk es ist, heute im Herzen Europas leben zu dürfen.
Christian: Vielen Dank für diese positiven Worte. Mit dieser Antwort hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich finde sie großartig.
Sabine: Danke.
Christian: Michael, jetzt bist du an der Reihe. – Michael: Wie bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin?
Wahrscheinlich ganz typisch bayerisch: Ich musste von klein auf zu Hause mithelfen.
Ich bin in einer Baufirma aufgewachsen.
Mein Vater war ständig auf Baustellen, auf denen wir Häuser gebaut oder renoviert haben.
Schon mit vier oder fünf Jahren war ich dabei, saß auf dem Bagger oder dem Lader.
Christian: Eigentlich der Traum eines kleinen Jungen. – Michael: Genau. An eine Geschichte kann ich mich noch gut erinnern: Einmal habe ich die Bauherren von ihrer eigenen Baustelle geworfen.
Sabine: Er ist heute noch so. Er hat grundsätzlich immer recht.
Michael: Meine Eltern haben mir viele Erfahrungen mitgegeben.
Dazu passt ein Satz meines früheren Chefs besonders gut.
Er sagte einmal zu mir: „Michael, man wächst mit seinen Aufgaben."
So ist es bis heute. Man sucht sich schwierige Aufgaben, wächst daran und wird durch sie geprägt.
Christian: Das kann ich gut nachvollziehen. Ich bin in der Metzgerei meiner Großeltern aufgewachsen und war, seit ich denken kann, mittendrin.
Wahrscheinlich stand ich auch öfter im Weg, aber das ließ man mich nie spüren.
Stattdessen bekam ich eigene Aufgaben. Wie du sagst: Man wächst mit ihnen.
In einer Metzgerei gibt es scharfe Messer, und manchmal muss man auch durch Schmerzen lernen.
Michael: So ist es.
Christian: Könntest du dir auch eine andere Art von Kunst vorstellen, Sabine?
Vielleicht werden dir die Steine irgendwann langweilig, du hast alle denkbaren Motive gelegt und in der Donau gibt es keinen Kies mehr.
Was würdest du dann machen?
Sabine: Wenn der Donaukies vollständig ausgeschöpft ist?
Nein, Spaß beiseite. Meine eigentliche Leidenschaft sind Geschichten.
Ich habe erst sehr spät lesen und schreiben gelernt.
Damals musste ich häufig so tun, als könne ich bereits lesen.
Ich nahm Bilder- und Geschichtenbücher und setzte mich mit meinen Freundinnen oder meinen jüngeren Geschwistern zusammen. Dann tat ich so, als würde ich ihnen vorlesen.
Tatsächlich erfand ich zu den Bildern eigene Geschichten. Das ist mir bis heute geblieben.
Ich bin ein Showmensch und erzähle sehr gerne Geschichten.
Die Welt braucht ein wenig Pfeffer.
Wenn man Menschen begeistern möchte, hilft es nicht, genauso sein zu wollen wie alle anderen. Das wäre langweilig.
Meine zweite große Leidenschaft wäre deshalb, diese Geschichten auf eine Theaterbühne zu bringen.
Sobald der Winter vorbei ist, möchte ich im Frühjahr intensiver damit beginnen.
Eine erste Lesung habe ich bereits gehalten. Darin geht es um das Schweinchen in der Saugasse in Deggendorf.
Dieses Schwein kennt dort jeder, bisher hatte es aber keine eigene Geschichte.
Also haben wir ihm eine gegeben. Das Schweinchen heißt Rosa.
Ich würde gerne zunächst durch Bayern ziehen und vorhandene Kunstwerke beseelen.
Viele der Künstlerinnen und Künstler, die diese Werke geschaffen haben, leben heute leider nicht mehr. Ich möchte ihren Werken eine Geschichte geben und sie auf der Bühne lebendig werden lassen.
Christian: Das klingt schön. – Sabine: Genau, das wäre mein Wunsch.
Christian: Magst du uns die Geschichte vom Schweinchen ein wenig verraten?
Sabine: Ein kleines bisschen. Es handelt sich um ein schwarzes Schweinchen.
Die Geschichte spielt auf einem Ferkelmarkt.
Dort werden die Tiere verkauft, wodurch viele Schweinefamilien auseinandergerissen werden. Das geht natürlich überhaupt nicht.
In der Geschichte kommen die Muttersau, der Bauer Adi, seine Frau Trude und das Schweinchen Rosa vor.
Rosa hat außerdem zwei Geschwister: Fred und Hilde.
Vor allem Rosa richtet ein ziemliches Chaos an, weil sie zurück zu ihrer Familie möchte.
Sie ist das schwarze Schwein und zugleich ein Sinnbild für das schwarze Schaf.
Mehr möchte ich noch nicht verraten. In der Geschichte steckt ein richtiges Tohuwabohu mit viel Action.
Christian: Ein bayerisches Walt Disney.
Sabine: Schauen wir einmal, wie weit wir damit kommen. Ich bleibe auf jeden Fall dran. Die Geschichte stößt bereits auf viel Begeisterung und macht uns großen Spaß.
Beim Donaufest hatten wir eine erste Lesung im kleinen Kreis.
Dort ist es natürlich recht laut. Aber solche Projekte brauchen Ausdauer, damit sie wachsen können.
Auch das ist Kunst. Man muss sein Kind füttern, und man muss seine Kunst füttern. – Christian: Jedes Projekt braucht Nahrung, auch die Kunst.
Sabine: Das stimmt.
Christian: Sabine, herzlichen Dank, dass du uns in deine Welt mitgenommen hast.
Sabine: Sehr gerne. – Christian: Und dir, Michael, vielen Dank für die Begleitung. – Michael: Kein Problem.
Christian: Ich habe mich sehr gefreut, dass dieses Gespräch zustande gekommen ist.
Kennengelernt haben wir uns über die sozialen Medien. Auch das ist eigentlich eine schöne Geschichte.
Sabine: Du wirst hier bestimmt noch viele weitere großartige Geschichten hören. Ich bin selbst gespannt und folge deinem Podcast sehr gerne.
Christian: Herzlichen Dank.
Sabine: Über die sozialen Medien findet ihr mich unter „Sabine Hennel". Sabine ohne IE, ganz normal Sabine, und Hennel wie das Huhn oder die Henne.
Das sind meine Namen auf Facebook und Instagram. Ansonsten könnt ihr gerne auf kieselschnitt.de vorbeischauen.
Christian: Wer sich das nicht merken konnte, findet alle Angaben in den Shownotes zu dieser Folge. – Sabine: Genau, dort könnt ihr nachschauen.
Christian: Wenn euch die Folge gefallen hat, abonniert gerne meinen Podcast. Und nun sagen wir drei, wie man bei uns sagt: Pfiat eich!
Sabine: Pfiat eich! – Michael: Servus!
Christian: Servus!
[Musik]