Folge 4: Dr. Michael Troidl über Zahnarztpraxis, Landleben und Verantwortung
Zwischen Weihnachtsplätzchen, Zahnarztpraxis & Marktrat: ein familiärer Ratsch über Heimat, Landleben und Verantwortung.
28.12.2025 45 min Christian Troidl
Zusammenfassung & Show Notes
Heute nehme ich mir am zweiten Weihnachtsfeiertag Zeit für einen entspannten Ratsch mit meinem Bruder Dr. Michael Troidl, Zahnarzt in Waidhaus und Marktrat in Waldthurn. Wir sprechen über seine Wurzeln in der Oberpfalz, den Mut zur Praxisgründung auf dem Land, Hypnose als Werkzeug gegen Behandlungsangst und seinen Einsatz in der Kommunalpolitik. Ganz nebenbei klären wir, warum Gelassenheit im Behandlungsstuhl manchmal politisch beginnt, und verraten unser liebstes Oberpfälzer Dialektwort.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag spreche ich mit meinem Bruder Dr. Michael Troidl über seine Zahnarztpraxis, das Landleben, Verantwortung und seine Wurzeln in der Oberpfalz. Ein entspannter Ratsch über Beruf, Heimat und gesellschaftliches Engagement.
Zur Zahnarztpraxis von Dr. Michael Troidl: https://www.zahnarztpraxis-troidl.de/
Zur ausführlichen Episodenseite mit weiteren Informationen:
https://christiantroidl.de/podcast/folge-4-atk-mit-dr-michael-troidl/
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Transkript
[Musik]
Ja, mitanand, herzlich willkommen zu „Auf eine Tasse Kaffee", dem Podcast, bei dem wir uns eine Tasse Kaffee schnappen und miteinander ein bisschen plaudern, oder wie wir Oberpfälzer gern sagen, uns auf einen Ratsch treffen. – Schmadern. – Schmadern, genau.
Zwischen den Feiertagen sitze ich heute mit meinem Bruder Dr. Michael Troidl hier. Hallo Mike. – Servus. – Er führt seine Zahnarztpraxis in Waidhaus, ich lebe knapp 150 Kilometer südlich in Osterhofen.
Meist telefonieren wir kurz miteinander, heute nehmen wir uns bewusst ein bisschen mehr Zeit für einen längeren Ratsch. Und heute reden wir über unsere Heimat, über eine Praxis auf dem Land und über unser Engagement in der Kommunalpolitik.
Genau, so als kleine Eckpunkte, wobei wir da ja einen kleinen Unterschied haben. Ich bin in Waldthurn, das ist ja ein Markt, und du bist hoffentlich bald Stadtrat. – Schauen wir mal. [Lachen] Ja, stimmt, ist ein kleiner Unterschied, aber wirklich nur ein kleiner. Wir machen ja Politik für die Menschen.
Genau, die sind ja überall gleich, Gott sei Dank. – Also dann versuchen wir, unseren Oberpfälzer Dialekt ein bissel zu bändigen, damit alle zuhören können. Schreibt gern in die Kommentare, ob ihr lieber Mundart hört oder Hochdeutsch, das würde mich schon interessieren.
Am Ende verraten wir unsere Lieblingsdialektwörter. – Da haben wir außerhalb der Aufnahme schon ein bisschen drüber philosophiert. – Genau. Ja, Mike, die Frage, die ich wirklich jedem Gast stellen will, die holt ein bisschen aus in der Antwort.
Du kannst dich da gern austoben und dir Zeit lassen: Was hat dich über die Jahre zu dem Menschen gemacht, als den wir dich heute erleben dürfen? – Das ist eine schwierige Frage. Man kann echt viel darüber philosophieren, aber ich kann es eigentlich kurz und bündig sagen:
Das ist das Leben, das, was wir beim Aufwachsen und in der Jugend erlebt haben, und die Erziehung, die wir genossen haben. Aufgrund unseres negativen Ereignisses, weil der Vater relativ früh verstorben ist, haben wir sehr zusammenhalten müssen.
Das ist das Leben, wo wir gemeinsam unsere Schwierigkeiten erlebt haben. Wo man aber auch dankbar zurückdenkt, weil wir den Zusammenhalt und das Zusammenarbeiten früh gelernt haben.
Und wie gesagt, die Erziehung. Wir sind ja von Frauen großgezogen worden, der Opa ist ja auch relativ früh verstorben. – Ja, genau. – Ganz kurz gesagt: zwei starke Frauen, das muss man dazusagen.
Ja, das haben sie auch sein müssen, mit drei Buben daheim. Es war mitunter nicht immer einfach. – Also wie gesagt, das Leben und die Erziehung. Und ganz ehrlich muss man auch sagen: die Bundeswehr.
Die Disziplin, auch der Gehorsam, das erzieht auch. – Ja, man sagt ja, es hat noch keinem geschadet. – Richtig. Und es wird auch keinem schaden, auch wenn es vielleicht wieder kommt, da müssen wir schauen, was die Politik daraus macht.
Das schadet weder Männlein noch Weiblein. – Ja, das stimmt. Du hast es angesprochen: Du warst, glaube ich, drei, als unser Vater 1986 verstorben ist. – Dreieinhalb. – Dreieinhalb, ganz genau. Kannst du dich überhaupt noch daran erinnern?
Tatsächlich kann ich mich an den letzten Tag erinnern, an dem ich ihn überhaupt noch gesehen habe, wie er im Bad gesessen ist.
Kreidebleich, weiße Gesichtsfarbe, er hat geschwitzt, hat nichts mehr gesagt, musste sich auch übergeben. Dann ist er vorne im Wohnzimmer im Stuhl oder auf dem Sofa gesessen. – So war es.
Und dann haben sie ihn abgeholt. Das war eigentlich das Einprägsamste, was ich vom Papa noch weiß: der letzte Tag, als er abgeholt worden ist.
Ja, stimmt, daran kann ich mich auch noch erinnern. Das ist eine prägende Zeit, wie du schon gesagt hast. Vor allem das, was an Schwierigkeiten für die Familie daraus entsteht.
Da muss man wirklich, und das hast du ja auch schon angesprochen, den Hut ziehen vor der Lebensleistung, die unsere Oma und unsere Mutter erbracht haben, natürlich zusammen mit unserem Großvater.
Ich kann mich erinnern, ich bin ja im Endeffekt in der Metzgerei aufgewachsen, zwischen der ganzen Arbeit im Laden und in der Metzgerei und den Gesellen. Wenn man so zurückdenkt, ich weiß nicht, ob es dir genauso geht:
Es war zwar nicht immer einfach, aber schön. Wir haben eine sehr schöne Kindheit gehabt. Wir haben aus dem Wenigen, wir haben ja nicht im Überfluss leben können, das ist ja klar, der Hauptverdiener war ja weg.
Aber wir haben viel gemeinsam unternommen. – Ja, viele Spaziergänge im Wald. – Das stimmt. – Ja, auch mit der Oma, sag ich jetzt mal. Genau. Also das hat geprägt, und das ist eine super schöne Erinnerung an die Jugend.
Du sagst Metzgerei: Da kommst du vom Kindergarten heim oder von der Grundschule, alles ins Eck geschmissen, und dann warst du in der Metzgerei und hast mitgemacht. Ich weiß noch, wie wir uns diese Holzmesser geschnitzt haben, mit denen wir die Fleischreste vom Knochen geschabt haben.
Heute ist das undenkbar, aber eine super schöne Erinnerung, ne? – Ja, und es hat nicht geschadet. Es war schön, mitzuarbeiten, auch mit den Gesellen. Das würde ich nicht missen wollen. – Ja, die waren aber auch alle Lausbuben.
Auch die Gesellen, die haben zu uns gepasst. Da gab es auch öfter mal ein bisschen Ärger vom Opa. – Ja, du wahrscheinlich eher mit allen miteinander, weil ich war da noch ein bisschen zu jung. [Lachen] – Stimmt allerdings. Macht aber nichts.
Ja, wenn wir bei der Kindheit bleiben: Michael, wenn du an Waldthurn und an die Kindheit denkst, was ist ein Lieblingsort oder Lieblingsplatz, der dir viel bedeutet? – Also wenn ich vereinstechnisch denke, dann war es der Fußballplatz.
Stimmt. – Weil wir da schon sehr jung dabei waren, noch vor unserer Feuerwehrzeit. Was wir an Stunden am alten Fußballplatz verbracht haben, oder dann am eigentlichen Fußballplatz trainiert und zusammen gespielt haben.
Was mich aber eigentlich bis heute begleitet, auch weil ich ja Jäger bin, ist unser Wald, die Spaziergänge, die wir gemacht haben. Du weißt noch das Bild, das wir euch mal geschenkt und vervielfältigt haben, wo wir alle vier, also mit dem Cousin, auf dem Baumstamm sitzen, ich noch als kleines Kind.
Und das hat mich geprägt, wo ich sage: die Liebe zum Wald, die Liebe zur Heimat. Das ist eigentlich mein Lieblingsort, der Wald. Weil du da die Ruhe hast, einfach abschalten kannst, oder wenn du draußen auf der Jagd sitzt und einfach die Tiere anschauen kannst.
Also der Wald ist bei mir die Nummer eins. – Ja, das ist auch schön, das stimmt. Und wir haben in Waldthurn, ländlich geprägt, ein sehr schönes Ortsbild. Nicht umsonst heißt es die Sonnenseite vom Fahrenberg.
Wobei der Fahrenberg dann eigentlich die Nummer zwei ist: die Wallfahrt, der Glaube, die Religion. Ministriert haben wir auch oft am Fahrenberg, ich bin ja Lektor und bin auch ab und zu am Fahrenberg droben. Also das ist dann Platz zwei.
Aktuell noch einer der schönsten Spaziergänge, die man in der ganzen Marktgemeinde machen kann, ne? Vom Ort weg hoch auf den Berg, über die Stationen. – Über die Stationen, ja, genau.
Wir sind oft beim Fahrenberg-Kreuzweg hochgegangen. – Ja. – Und dann hat es von der Oma ein Eis gegeben. – Stimmt, richtig. War wirklich schön.
Ja, die Bundeswehr hast du schon angesprochen, unsere Jugend, Bundeswehr. Und die Zahntechnikerlehre, ne, die gehört ja auch dazu. Du hast also zuerst gelernt, einen Zahn zu bauen, bevor du ihn eigentlich behandeln konntest. – Genau.
Was hat dich an dieser handwerklichen Ausbildung geprägt, oder was nimmst du davon für deinen jetzigen Job mit? – Also die Zahntechnikerlehre war goldwert als Vorbereitung fürs Zahnmedizinstudium, im wahrsten Sinn des Wortes.
Wobei Goldkronen ja heute nicht mehr so gemacht werden, leider, weil die Materialkosten exponentiell gestiegen sind. Aber es ist wichtig zu wissen, wenn ich einen Zahn behandle oder einen Menschen behandle und da etwas einbauen muss:
Wie viel Platz braucht der Zahntechniker, damit er etwas Gutes, etwas Schönes, etwas Funktionierendes herstellen kann? Das ist immer das Problem. Ich habe es ja als Zahntechnikerlehrling auch gesehen: Wenn du null Platz hast und sollst eine schöne Krone bauen, dann geht es einfach nicht.
Das hat mich sehr geprägt. Und das Zusammenarbeiten mit dem Zahntechniker ist auch ganz wichtig. Man unterhält sich auf einer ganz anderen Ebene. Man kann es direkt ansprechen: Ja, ich habe zu wenig präpariert. Oder: Wo ist der Fehler, warum funktioniert es nicht?
Das ist eine ganz andere Ebene, als wenn einer vom grünen Tisch kommt und von der Praxis eigentlich keine Erfahrung hat, egal ob du Zahnmedizin studierst oder vom Bau bist. Und dann will der Studierte dem Techniker sagen, wie es zu funktionieren hat,
aber der Techniker weiß ganz genau: Ich kann aus Mist kein Gold bauen, so ungefähr. Das ist schon essenziell wichtig, und für einen Patienten sehr gut, wenn jemand auch ein bisschen den Hintergrund Zahntechnik hat.
Und in unserem Studium, das wissen viele nicht: Im klinischen Abschnitt musst du, wenn du bei einem Patienten die Zähne für eine Krone oder Brücke beschleifst, das als Student auch selber herstellen. Es ist nicht so, dass du einen Abdruck machst, ihn ins Labor schickst und der macht es für dich.
Im Studium musst du deine Arbeiten selbst herstellen. – Da hast du einen riesigen Vorteil, wenn du das vorher schon handwerklich von der Pike auf gelernt hast. – Ja, ich habe mich da im Endeffekt gespielt. Ich habe gewusst, dass das, was ich mache, wenig bis gar nicht fehlerbehaftet ist, und da hast du einfach ein gutes Gefühl.
Und im Studium stresst dich viel mehr die Theorie, die Prüfungen, und da habe ich das schon mal ausblenden können, weil das war mein Handwerk, das hatte ich gelernt. Natürlich sind auch viele Mitstudentinnen und Mitstudenten gekommen und haben gefragt, ob ich ihnen helfen kann.
Ich habe dann auch als studentische Hilfskraft in der Forschung mitgearbeitet, und das haben die Professoren und Oberärzte sehr geschätzt. – Ja, du bist danach gefördert worden. – Ja, meine Doktorarbeit konnte ich in der Kieferorthopädie machen, weil ich den zahntechnischen Hintergrund mitgebracht habe, mit Spangenherstellung, mit Physik und dem ganzen Zeug.
Wobei, wenn ich mich richtig zurückerinnere, es war ja eine forschende Doktorarbeit. – Ja, richtig. – Was in der Zahnmedizin ja eigentlich nicht so üblich ist, oder? – Na ja, es gibt drei verschiedene Arten. Das Minimum ist eine reine Aktenarbeit.
Dann das, was die meisten machen, ein bisschen Forschung und ein bisschen Praxis. Aber das Nonplusultra ist reine Forschung. Da kriegst du dann meistens auch das summa cum laude, die höchste Bewertung. Und ich habe so etwas in der Richtung gemacht.
Ja, ich war halt, und das ist vielleicht auch ein bisschen unserer Historie geschuldet, in einem Großschlachtbetrieb in Furth im Wald. Da musste ich aus Rinderköpfen die Frontzähne ziehen, damit ich für meine Versuche diese Brackets, also die feste Zahnspangenapparatur, darauf befestigen konnte
und dann die Abscherversuche machen konnte. Da habe ich mich schon wieder ein bisschen in die Kindheit zurückversetzt gefühlt. Wenn du in so einem riesigen Industrieschlachtbetrieb bist, das ist Wahnsinn, was da abgeht. Die machen 400 Stück Vieh am Tag. Was haben wir geschlachtet, einmal in der Woche?
Ja, und das war von der Praxis her eben der Abscherversuch, das war so ein Mittelding. – Ja, da schließt sich der Kreis. – So kommt man meistens wieder zum Ursprung zurück.
[Musik] Die Bundeswehr hast du auch angesprochen, Michael. Wenn du jetzt an deine Arbeit als Chef in deiner Praxis denkst: Was hast du von der Bundeswehr mitgenommen?
Das ist eine ganz schwierige Frage. Was mir hilft, ist Disziplin. Jeden Tag, nicht nur gegenüber dem Patienten, sondern auch die Disziplin, die du dir selbst auferlegst. Und auch gegenüber deinen Helferinnen, ich will jetzt nicht Untergebene sagen, den Angestellten,
denen du das auch vorleben musst. Denn wenn du das so salopp einfach nebenher machst, dann kommt da Schlendrian rein. Man muss schon eine gewisse Disziplin vorleben. Wobei es generell in der Selbstständigkeit, egal was du machst, Zahnmedizin oder Handwerk, immer schwierig ist, die Balance in der Führungsrolle zu finden.
Da bin ich ja nicht hineingewachsen. Anders gesagt: Ich habe das nicht vom Vater oder vom Opa lernen können, ich habe da hineinwachsen müssen. Ich habe auch Fehler gemacht, wo ich sage: Wenn du das von vornherein gewusst hättest, wenn du diese Führungsrolle von jemand anderem hättest lernen können, hättest du es dir viel einfacher gemacht.
Aber gut, Fehler gehören zum Leben dazu, daraus lernt man. Wer nichts arbeitet, macht keine Fehler. Man lernt daraus und wächst daran. Und da hat die Bundeswehr schon ein bisschen geholfen: tägliche Disziplin beziehungsweise das tägliche Bemühen, das Beste zu geben und das Beste daraus zu machen.
Ja, das stimmt. – Also die Bundeswehr hat sehr stark geprägt, und natürlich auch die Erziehung, die wir genossen haben: dass man einfach nicht aufgibt, sondern immer weiter, immer voran, auch wenn es mal bescheiden läuft. Das war schon sehr vorteilhaft.
Ja, das stimmt. Wenn ich mich da zurückerinnere, muss ich sagen: Es ist gut, dass sich Führungsstile im Laufe der Zeit geändert haben und dass es mehr ein Miteinander ist. Unser Großvater war ein strenger Mensch. Das habe ich nicht nur als Kind erlebt, wenn man dort mitgearbeitet hat,
sondern das haben mit Sicherheit auch die ganzen Gesellen erlebt und auch das familiäre Umfeld: dass er ein sehr strenger Mensch war und ganz klar die Rolle desjenigen innehatte, der etwas gesagt hat, und dann musste das auch so umgesetzt werden.
Das hat sich ja ein bisschen geändert, und ich sage: Es ist gut, dass ich das erlebt habe, um jetzt meine Rolle als Führungskraft zu finden und zu sagen, ich mag es anders. Mein Führungsstil ist ein ganz anderer als der, den mein Großvater damals gehabt hat, und das ist gut so.
Ja, sicherlich. Aber das habe ich auch in der Zahntechnikerlehre erlebt. Mein Chef war auch kein einfacher Mensch, es war ein strenger Chef. Aber du hast etwas gelernt. Du hast versucht, jeden Tag dein Bestes zu geben.
Ich will nicht sagen, dass du Angst vor der Strenge des Chefs gehabt hast, aber du hast Respekt gehabt. Und in der Zahntechnik ist ein halber Millimeter schon die Welt. – Oh ja, das stimmt.
Wenn es nicht passt, passt gar nichts. Und stimmt, der Opa war auch sehr streng. Das ist ja klar, da geht es um Hygiene, da geht es um Produkte, die du den Menschen verkaufst, da kannst du dir keinen Lapsus erlauben. Genauso wie in der Zahnmedizin, da muss alles stimmen.
Ich will jetzt sagen: Ich bin nicht der strenge Chef, das bin ich nicht. Ich bin aber auch nicht der Kumpeltyp. Aber mit mir kann man auch als Chef gut auskommen. Wir lachen viel, wir sind auf einer Ebene, sage ich mal. Das ist ein Team, bei mir ist es wie Familie.
Genau, und das meinte ich: Man entwickelt seinen eigenen Stil, wie du deine Praxis führst und wie ich Menschen führe. Das ist etwas, das man mit all den Erfahrungen entwickelt, die man selber gemacht hat, in der Ausbildung, in der Kindheit,
und mit dem, wie man heute mit Menschen umgeht und zusammenlebt. Ich finde diese Entwicklung unwahrscheinlich wichtig und auch sehr zielführend. – Das stimmt schon. Und eine gewisse Genauigkeit und Disziplin im Arbeiten, und vor allem beim Vorleben, das gehört dazu.
Ja, definitiv. – Und wie gesagt: Man muss sich das denken, man verbringt die Lebenszeit unter der Woche ja fast mehr mit dem Team als mit den Leuten zu Hause. Das ist einfach so. Und da geht nichts über ein gutes, harmonisches Miteinander, dann schafft man alles.
Ja. Und ich sage, Arbeit muss Spaß machen. – Definitiv, genau. – Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Was mich und bestimmt auch die Zuhörer interessiert, ist eine Anekdote: Was würdest du künftigen Zahnärztinnen und Zahnärzten aus deiner Erfahrung an der Uni mitgeben?
Hm, eines würde ich nicht sagen. Wir haben mal behandelt, und da hat die Brandmeldeanlage ausgelöst. Da ist eine Studentin zum Assistenzarzt gegangen, oder war es der Oberarzt, und hat gesagt: Der Brandmeldealarm hat ausgelöst, sollen wir die Patienten derweil ins Wartezimmer setzen?
[Lachen] Eigentlich solltest du sie ja evakuieren, gell. Aber das solltest du nie mehr zu einem Oberarzt sagen, weil das kam sehr schlecht an. Das wäre also ein Tipp. Ein Studium ist einerseits nicht einfach, egal was man studiert. Wie gesagt: keine Angst davor, sich Hilfe zu holen.
Ich habe mich in Chemie ein bisschen schwergetan, im Vorphysikum. Physikum musst du an der Universität machen, und Chemie, Physik, oh Gott, was war das alles, Anatomie und das alles. Es ist keine Schande, wenn man Hilfe annimmt und sagt: Ich gehe jetzt mal zur Nachhilfe. Das ist ein guter Tipp.
Ansonsten sage ich immer: Wenn Prüfungen waren, Augen zu und durch. Auswendiglernen geht gar nicht. – Stimmt. – Professoren und Prüfer kochen auch nur mit Wasser. Das ist das, was ich an Tipps mitgeben kann: in dem ganzen Stress einfach ein bisschen gelassener sein, auch wenn es schwerfällt.
Und Erfahrung machen, Erfahrung machen, Erfahrung machen. Es gibt keinen Leitfaden, wie du da am besten durchkommst. Ein gewisser Ehrgeiz ist klar, ja, und dann wird das auf jeden Fall.
Ansonsten ist es schwierig zu sagen. Ich hatte als Student einen anderen Hintergrund als einer, der aus einer Ärztefamilie kommt. Bei mir war klar: Ich muss schauen, dass ich ohne große Nachholaktionen durchkomme, weil ich meiner Mutter nicht auf der Tasche liegen wollte.
Deswegen habe ich als studentische Hilfskraft gearbeitet, Notdienste gemacht, und ich habe auch in meinem zahntechnischen Beruf am Wochenende beziehungsweise in den Ferien gearbeitet, oder wenn wir vor den Staatsexamensprüfungen ein paar Wochen Zeit hatten, um mir etwas dazuzuverdienen.
Ich kann mich schwer mit anderen Studenten vergleichen, eben aus der Historie heraus. Aber wie gesagt, ein gewisser Ehrgeiz hilft immer. Verbissenheit ist schlecht. Und alles geht vorbei, sage ich immer. – Ja, und alles renkt sich am Ende zum Guten ein. – Genau, stimmt.
Jetzt nach der Uni die Entscheidung als Landzahnarzt, ich weiß gar nicht, ob man das so sagen kann. Gibt es den Begriff Landzahnarzt? – Eigentlich nicht. – Aber trotzdem: eine Praxis auf dem Land. Viele Kolleginnen und Kollegen zieht es ja eher in die Stadt. Warum bist du bewusst aufs Land?
Für mich war das eigentlich nie eine große Frage, ob ich in die große Stadt gehe, nach Regensburg, München oder vielleicht nach Weiden. Denn ich bin ein Landkind. Ich liebe mein Waldthurn, sage ich mal.
Und für mich war klar, dass ich zwar nicht in Waldthurn selbst, weil es dort schon einen gab, aber zumindest in der Nähe erst einmal meine Assistenzzeit mache und mich dann niederlasse. Weil ich ja auch meine Vereine habe, die Feuerwehr zum Beispiel, einer von vielen, wo ich mitarbeite, und auch meine politische Heimat.
Ich möchte Waldthurn in irgendeiner Art und Weise voranbringen, weiterbringen, und das kannst du schlecht, wenn du wegziehst und in einer anderen Stadt bist. Für mich war nie eine Frage, dass ich von Waldthurn weggehe. Ich wollte immer am Land bleiben.
Was, wenn man die Politik anschaut und auch das Gesundheitswesen, auf dem Land manchmal sehr viel schwieriger ist. Weil das Finanz- und Gehaltsgefüge anders ist als in der großen Stadt.
Und manchmal fühle ich mich, und es geht nicht nur mir als Zahnarzt in Waidhaus so, sondern anderen Zahnärzten vom Land genauso, manchmal auch ein bisschen verlassen von der großen Politik. Aber die Patienten am Land sind sehr froh, dass es uns gibt. – Das stimmt.
Sie bleiben ja nicht so jung, wie wir es momentan noch sind, sondern sie können manchmal nicht mehr fahren, sind im Altenheim. Und die sind froh, wenn jemand in der Ortschaft ist, der sich auch um sie kümmert. Ich glaube, das ist ein großes Gut, das wir haben.
Ja, es gibt ja die Abwanderung vom Land in die Stadt, nicht nur an Einwohnern, sondern auch an Ärzten. Und das finde ich schade, weil wenn die Grundversorgung aus einer Ortschaft weg ist, dann stirbt der Ort. Das ist der Bäcker, der Metzger, der Arzt und Zahnarzt, das Gesundheitswesen. Wenn das weg ist, hat der Ort fast keine Chance mehr.
Ja, wobei das nicht nur die Seniorinnen und Senioren so sehen, dass es gut ist, wenn du einen Arzt im Dorf oder im Markt oder in der Kleinstadt hast, sondern auch sehr viele Junge legen darauf Wert. Ich als Familienvater sage: Wo zieht man denn hin? Dahin, wo diese Grundversorgung da ist.
Wenn ein Ort das bietet, dann weiß ich, dass für meine Familie gesorgt ist, dass ich nicht ewig in der Weltgeschichte herumfahren muss, um einen Zahnarzt zu erreichen, in deinem Fall, oder um Brot zu kaufen oder meine Wurst zu kaufen. Darauf legt man schon sehr viel Wert.
Ich glaube, das zieht sich durch alle Generationen, dass alle froh sind, wenn diese Basisversorgung, diese Grundversorgung, einfach vorhanden ist. Ich glaube schon, dass gerade in Waidhaus auch die junge Generation froh ist, dass sie einen Zahnarzt im Ort hat. – Ja, das kann man generell so sagen, dass jeder froh ist, wenn er die Grundversorgung hat.
Wie gesagt, du musst nicht fahren, das kostet ja auch Geld. – Zeit, definitiv, heutzutage vor allem Zeit. – Ja, genau. Du hast Hypnoseausbildungen gemacht, ne? – Ja, genau. – Wieso macht man das als Zahnarzt?
Also, ich wollte eigentlich darauf hinaus, weil ich auch viele Angstpatienten habe, dass ich etwas anbieten kann, was die Patienten runterbringt und wo man vielleicht einfacher behandeln kann. Es gibt schon Zahnarztpraxen oder Zahnärzte, die Hypnose machen, um den Patienten zu beruhigen,
oder man kann mit Hypnose sogar eine Anästhesie machen, wenn jemand zum Beispiel Spritzen nicht verträgt. Bloß bei mir ist das Verrückte an der Sache, dass ich so viele Patienten habe, dass ich es nicht einbauen kann. Du müsstest eine Stunde Hypnose machen, bevor du überhaupt behandelst.
Und das kriege ich leider nicht unter. Hypnose ist ein sehr interessantes Gebiet. Ich habe anfangs nicht so daran geglaubt und dachte: Na ja, gehst mal nach Nürnberg, machst das Modul 1, weil das waren Entspannungstechniken und alles drum und dran.
Da habe ich gedacht: Oh Wahnsinn, das ist echt interessant, und das wirkt auch. Dann habe ich mir gedacht, dann machst du eben weiter mit dem fortgeschrittenen Kurs. Aber dann habe ich sehr schnell erkannt: Das kriegst du in deiner Praxis nicht unter. Da müsstest du dich spezialisieren und vielleicht als zweiten Zweig Hypnose anbieten.
Also du kriegst es nicht unter wegen der Behandlungszeit. – Behandlungszeit, ja, und der Vergütung. Das müsstest du privat in Rechnung stellen. Aber ausschlaggebend ist eigentlich die Behandlungszeit, weil ich an einem guten Tag 30, 40 Patienten habe.
Wie soll ich da noch eine Stunde herauspressen, in der ich nur Hypnose mache, bevor ich behandle? Das geht ja nicht. Und vieles läuft parallel: Da schaue ich schnell rein, da bohre ich, da mache ich Nachsorge. Du rennst mehr oder weniger immer im Kreis, und da müsstest du dich eine Stunde hinsetzen und Hypnose betreiben, damit du dann bei den Patienten weitermachen kannst.
Das ist leider so. Es ist sehr interessant, es hilft auch, [Musik] aber es geht leider aus organisatorischen Gründen nicht. – Ja, so weit zum Weißkittel. Michael, [Lachen] wechseln wir mal kurz die Klamotten. Gehen wir Richtung Kommunalpolitik.
Kannst du dich an deine erste Entscheidung im Markt erinnern, und kannst du dich an eine Entscheidung erinnern, die dich besonders stolz macht? – Ganz schwierige Frage. Ich bin ja jetzt schon 12 Jahre dabei.
Es sind so viele Entscheidungen getroffen worden, da kann man fast nie überblicken, was jetzt die beste Entscheidung war. Manchmal meinst du, es ist die beste Entscheidung, und dann hörst du hinterher die Stimmen von den Bürgern und denkst: Oh Mist, warum hast du so entschieden? Das ist schwierig.
Kommunalpolitik ist ein Prozess. Man muss sich das vorstellen, wie wenn du ein Bierfass den Berg hinunterrollen lässt: Dann stößt es mal links an eine Hauswand, mal rechts an eine Hauswand, da musst du wieder die Richtung ändern, damit du in deiner Entscheidungsfindung und für dein Gefühl wieder auf den richtigen Weg kommst.
Viele Entscheidungen, die du fällst, sind für viele gut und für andere wieder schlecht, weil du es niemandem recht machen kannst. Die beste Entscheidung für Waldthurn war sicherlich die Ortserneuerung.
Ja, stimmt. – Weil man viele alte Häuser wieder renovieren oder herrichten konnte, die eine Privatperson nicht stemmen kann. – Weil ihr als Marktgemeinderat, wenn ich da kurz einhaken darf, die Entscheidung getroffen habt, eine nicht leichte Entscheidung,
auch finanziell etwas zu tun, diese Dinge anzupacken und auch mal so ein Haus schlichtweg zu kaufen und zu sagen: Okay, jetzt investiere ich erst einmal etwas und weiß im Endeffekt nicht, ob sich die Investition komplett wieder trägt oder ob die Marktgemeinde darauf sitzen bleibt.
Das ist keine leichte Entscheidung. Aber wenn man von außen nach Waldthurn hineinschaut, hat es ja funktioniert. Und Gott sei Dank funktioniert, weil sich alle Parteien einig sind, und der Bürgermeister hat es sehr gut verstanden.
Es gibt natürlich immer Diskussionen, das ist ganz klar, das soll es auch geben. – Ja, sehr viel diskutiert wird dann im nichtöffentlichen Teil. Was öffentlich ist, ist ja schon in Fraktionssitzungen besprochen worden, wo alle Fraktionssprecher beieinander sind.
Und das, was da besprochen wird, geht über die Fraktionssprecher in die Fraktion. Eigentlich ist das, was öffentlich läuft, schon gut besprochen. Nicht beschlossen, aber besprochen.
Viele sagen: Ja, die nicken doch nur mit dem Kopf, die haben keine eigene Meinung. Ja, was soll ich dagegen sein, wenn wir es schon besprochen haben, wenn wir schon einen gemeinsamen Weg gefunden haben? Diskutiert wird deswegen trotzdem, wenn es andere Sachen sind. Am meisten diskutiert wird in der nichtöffentlichen Sitzung.
Und du weißt selber: Nichtöffentliche Sitzungen, das sind Personalangelegenheiten, Geldangelegenheiten, der Kauf von Grundstücken und solche Sachen. Oder wenn Investoren auftreten und man sagt, das kann man noch nicht veröffentlichen. Und darauf bin ich sehr stolz, dass man sich auch über die Parteigrenzen hinweg einig ist,
dass wir Waldthurn voranbringen und dass wir ein sehr gutes, harmonisches Verhältnis zueinander haben. Nur wenn man bei wichtigen Entscheidungen gemeinsam an einem Strick zieht, bringt man einen Ort voran.
Und ich hoffe jetzt: Wenn am 8. März die Kommunalwahlen sind, wird sich der Marktrat wieder neu zusammensetzen. Bürgermeister Beimler tritt ja nicht mehr an. Und egal, wer Bürgermeister wird, egal, wer dann im Marktgemeinderat sitzt: Wichtig ist, dass man weiterhin gut zusammenarbeitet.
Es darf auch einmal, in Anführungsstrichen, gestritten werden, aber unterm Strich muss sich jeder bewusst sein: Da geht es nicht um die eigene Befindlichkeit, sondern um die Zukunft und um die Weiterentwicklung von unserem Markt Waldthurn. – Genau. – Und das muss jeder wissen.
Ja, zwei Dinge höre ich heraus, die ich noch einmal aufnehmen will, weil ich sie wichtig finde. Zum einen, dass Wählerinnen und Wähler sich sicher sein können, dass die Menschen, die sie in den Marktgemeinderat gewählt haben, und das gilt nicht nur für Waldthurn, ich denke da natürlich auch an unser Osterhofen,
dass die dort sitzen, Entscheidungen treffen, ihre Entscheidungen auch evaluieren und überdenken und dann auch sagen können: Okay, das war vielleicht nicht ganz der richtige Weg, jetzt müssen wir gegenlenken, um die Dinge wieder auf den richtigen Weg zu bringen.
Das ist sehr beruhigend, weil wir sind ja alle Menschen. Man muss in einer bestimmten Phase mit dem besten Gewissen und Wissen, das man hat, Entscheidungen treffen, und klar kann man auch mal danebenliegen. So ehrlich muss man einfach sein.
Aber man muss sich das auch eingestehen und zulassen und sagen: Okay, ich ändere jetzt meine Meinung. Ich bin damals von diesem Standpunkt ausgegangen, da war es für mich richtig, aber jetzt hat sich gezeigt, die andere Richtung wäre vielleicht besser gewesen. Man kann seine Meinung ja wieder ändern.
Ja, das ist halt ein Entscheidungsprozess, sage ich immer, und ein Erfahrungsprozess. Wir sind relativ junge Markträte gewesen, als wir hineingekommen sind, ich bin ja gleichzeitig mit meinem Bruder hineingekommen. Und die alten Hasen, die schon 15 oder 18 Jahre dabei sind, denen machst du kein X für ein U vor, die wissen, wie es läuft.
Und es müssen erst ein paar Jahre vergehen, bis du überhaupt durchblickst, was da alles entschieden wird und wie das läuft mit Verwaltungs- und Vermögenshaushalt und was weiß ich noch alles. Das entwickelt sich im Laufe der Zeit. Manchmal denkt man, es wäre vielleicht doch gescheiter gewesen, anders zu stimmen, aber dann gestehe ich mir das ein und versuche, es wieder gutzumachen.
Ja, genau das ist das, was ich hervorheben will. Und vor allem war da ein kleiner versteckter Aufruf drin: 8. März 2026, alle wählen gehen, ganz wichtig. – Alle wählen gehen, genau, nichts ist schlimmer, als wenn keiner hingeht.
Und dann wird sich zeigen, wie weiter zusammengearbeitet wird. Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch die, die dann im Marktrat oder im Stadtrat sitzen, ihren Ort und ihre Stadt voranbringen und das Beste dafür geben wollen. Und das wird dann auch so werden, denke ich mal. – Definitiv.
Genau. Dann haken wir das Thema Kommunalpolitik ab, das soll hier kein Parteiprogramm werden. – Das machen wir eh nicht. – Das ist jetzt so schön eingesprochen. – Du bist in der falschen. – Alles gut. Es stellt sich jeder dahin, wo er hingehört. [Lachen] – Genau so ist es.
Es ist egal, welche Partei. Wenn wir alle guten Gewissens an einem Strang ziehen, kommt immer etwas Gutes dabei heraus. – Und miteinander reden. – Genau, das ist das Wichtigste. – Miteinander reden, den anderen respektieren, das ist ganz wichtig. Man kann auch eine andere Meinung respektieren. – Ja, klar, da haben wir kein Problem.
Gehen wir noch einmal zurück, nicht zurück, sondern schauen wir in die Zukunft, da will ich eigentlich hin. Denk mal an die Praxis: Michael, wo steht deine Praxis 2030? – Hoffentlich weiterhin in Waidhaus. [Lachen]
Die tektonischen Platten in Waidhaus werden sich nicht verschieben. – Auch weltpolitisch hoffentlich nicht. Nein, ich will weiterhin in Waidhaus bleiben. Ich hoffe, dass es klappt, schwierig ist im ländlichen Raum das mit den Angestellten, dass man auch weiterhin gute Angestellte hat.
Das ist ja momentan das höchste Gut, die Angestellten. Ein Schiffskapitän ist ohne seine Mannschaft nichts, genauso ist es in der Zahnarztpraxis: Der Zahnarzt ist ohne seine Angestellten nichts. Ich hoffe, dass auch politisch Anreize geschaffen werden, dass sich wieder mehr Zahnarztpraxen auf dem Land niederlassen.
Es müssen nicht nur Zahnarztpraxen sein, auch Allgemeinpraxen. Da glaube ich, ist das größere Problem in Zukunft bei den Landarztpraxen, dass auch da politisch Anreize geschaffen werden. Aber ich hoffe, dass ich weiterhin in Waidhaus bleibe. Und die Waidhauser sagen, und das ist eigentlich der Punkt:
Wenn du als Hiesiger dich auf dem Land niederlässt, sprichst du die gleiche Sprache. Und das schätzen sehr viele. – Wenn wir bei 2030 bleiben, das ist vielleicht eine ganz gute Jahreszahl: Wird 2030 der erste Zahn remote per Teledentistry behandelt, oder wie stehst du zu KI in der Diagnostik?
Ich bin sehr froh, dass in der Zahnarztpraxis immer noch Menschen herumlaufen werden. Und ich sehe KI auf der einen Seite sehr skeptisch, weil ich Angst habe, dass den Menschen, ich denke da auch an die Schule, das Denken abgewöhnt wird.
Du gibst ein paar Stichworte ein und ein schöner Text kommt heraus. Auf der einen Seite finde ich KI nicht gut, auf der anderen Seite ist sie in gewissen Bereichen eine Arbeitserleichterung. Aber ich bin froh, dass zumindest, was die Behandlung angeht, nichts durch einen Roboter ersetzt werden kann.
Ja, Gott sei Dank, das sehe ich auch so. Es ist schon so, dass einen solche Dinge unterstützen, wenn man sie als Werkzeug nutzt. Wir hatten viele Diskussionen rund um unsere Kinder, mit Elternbeiräten, und als Vorstand, der ich ja in der Montessori-Schule bin, viele Gespräche hinsichtlich der Nutzung von KI.
Und die Medienerziehung ist das, was meiner Ansicht nach der Schwerpunkt sein muss, um unseren Kindern und den jungen Erwachsenen beizubringen, dass man das, was an KI oder generell an digitalen Medien vorhanden ist, als Werkzeug sieht und auch als Werkzeug benutzt,
und dass man selber darüber nachdenkt, wie man es einsetzt. Also, man kann mit einer Beißzange keinen Nagel in die Wand klopfen, man muss einen Hammer nehmen. – Wenn ich die Kinder anschaue, egal ob es die KI ist, ob es das Handy ist, ob es der Computer ist:
Die ganze Entwicklung ist so, dass die Kinder mehr oder weniger nicht mehr rausgehen und Fußball spielen. Die sitzen daheim am Computer, spielen am Handy, oder selbst wenn die Familie am Tisch sitzt, dann sind zwei von vier am Handy und unterhalten sich nicht mehr.
Ich sehe ein bisschen skeptisch, dass wir immer mehr von der Technik und der KI abhängig werden. Bei uns am Land, in unserem Alter, da war die Technik noch nicht so weit. Als wir so waren, da bist du Fußball spielen gegangen oder auf den Kinderspielplatz, ja, das muss man bei uns nicht sagen, das haben wir gemacht. [Lachen]
Und ich finde es schade, dass alles so vertechnisiert wird, wenn es das Wort überhaupt gibt. Aber den Ansatz finde ich nicht schlecht, dass man sagt, okay, vielleicht die sozialen Netzwerke irgendwie beschränken, ob das jetzt das Alter ist oder gewisse Funktionen. Das werden wir sehen, was die Politik daraus macht.
Aber wie gesagt: KI kann zum einen ein Fluch sein, zum anderen aber auch ein Segen. – Stimmt. – Nur richtig einsetzen. – Bewusst und richtig einsetzen. Und einem muss klar sein, dass das, was da herauskommt, nicht immer das ist, was stimmt, sondern dass man selber noch einmal darüber nachdenken muss. Das ist unwahrscheinlich wichtig.
Genau. Jetzt: Wenn eine Oberpfälzer Abiturientin oder ein Abiturient Medizin studieren will, aber Heimweh hat, was rätst du denen? – Weil in Waldthurn kannst du ja schlecht Medizin studieren, du musst nach Regensburg, München, Leipzig, irgendwohin. Aber wir haben ja Gott sei Dank die Semesterferien, wenn einen das Heimweh packt.
Es gibt sicherlich jemanden, der auch aus deiner Gegend kommt, mit dem man etwas unternehmen kann. Ich habe auch sehr oft daheim angerufen, oder die Mama hat sich gemeldet, wir haben immer einen Tag ausgemacht. Reden, viel unternehmen, das ist wichtig.
Nicht nur stur studieren und nur über den Büchern sitzen, sondern auch ein bisschen das Leben genießen. So viel Freiheit, wie wir sie damals als Studenten gehabt haben, die hast du eigentlich nachher nie wieder. Das soll aber nicht heißen, dass man 15 oder 20 Semester brauchen darf. Aber die richtige Balance zwischen Studium und Freizeit ist wichtig.
Ja, den Kontakt zur Heimat sowieso. Ich habe in Regensburg studiert, ich war also praktisch daheim vor der Haustür. Ich war nur bei der Bundeswehr in Halle an der Saale, das ist aber auch heimatfern gewesen.
Da muss ich sagen, jetzt schweifen wir ein bisschen ab: Als ich das erste Mal durch diese Kaserne gegangen bin, habe ich gedacht, oh mein Gott, ich gehe jetzt wie in ein Gefängnis hinein. Da ist ein Tor, da wird vergattert, da sind Wachen. Da war mir schon schlecht. Aber dann musst du eben, und du knüpfst schnell Kontakte.
Ich glaube, wir waren nur zwei Bayern beziehungsweise zwei Oberpfälzer in dieser Kaserne, ansonsten alles Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berliner Gegend. Und da denkst du schon: Ja, wo bin ich denn jetzt?
Aber so ist es eben. Man knüpft schnell Freundschaften, und dann geht das Heimweh schnell weg. Genauso ist es im Studium: Am Anfang ist es komisch, bis du dich eingelebt hast, und dann läuft es. – Nicht aufhalten lassen. – Genau.
Und vor allem nicht abhalten lassen, so einen Studiengang einzuschlagen, denn gerade Medizin ist unwahrscheinlich wichtig. Und das muss nicht unbedingt ein Studium sein, was man in der Medizin machen kann: Fachkräfte, Ausrufezeichen, sage ich jetzt mal. Das ist unwahrscheinlich wichtig.
Man muss auch mal raus von daheim, um etwas zu lernen. Ich selber muss ganz ehrlich gestehen: Ich bin froh, dass ich mit der Bundeswehr sehr viele Stationen hatte und sehr viele Eindrücke von anderen Gegenden Deutschlands und auch außerhalb der deutschen Grenzen erlebt habe. Das prägt einen und bringt einen am Schluss weiter.
Und wie du schon sagst, manchmal ist eine neue Situation ein bisschen beängstigend, aber man lernt wirklich schnell andere Menschen kennen, wenn man das zulässt. Wenn man sich natürlich eingräbt und symbolisch den Kopf in den Sand steckt, dann kann nichts daraus werden. – Das stimmt. Es gibt auch Personen, die das so machen. Aber ja, ist halt dann so.
Ja, genau. Pass auf, wir kommen langsam zum Schluss. Aber ich stelle dir jetzt noch eine Frage, beziehungsweise ich sage dir ein Wort und du reagierst einfach darauf, nicht viel nachdenken. – Schwierig, schwierig. [Lachen] – Wir probieren es mal. Pass auf: Lieblingszahn? – 46.
Das musst du jetzt erklären. – Unten rechts, [Lachen] weil der auf meiner Seite ist, da komme ich gut hin. – Ach, deswegen ist der der Lieblingszahn. Okay. Ein Song, der im Behandlungszimmer immer läuft, wenn alles schiefgeht? – AC/DC, „Highway to Hell", nicht schlecht. – Espresso oder Filterkaffee? – Ganz klar Filterkaffee.
Lieblings-Weihnachtsgebäck? – Lebkuchen. – Okay. [Lachen] – Es gibt so viel. – Ja, es gibt zu viel, viele leckere Sachen, aber Lebkuchen ist gut. – So, pass auf: Lieblings-Oberpfälzer-Dialektwort?
Wenn der Brachet ist, kommt der Gugatz. [Lachen] – Stimmt, stimmt. Mein Lieblings-Oberpfälzer-Dialektwort ist „michad". [Musik] Michad, ja, das ist michad. – Schönes Wort.
Schönes Wort. „Michad" beschreibt, dass man etwas gern hat, oder dass etwas schön ist. Ich finde, es ist ein tolles Wort. Aber auch der Gugatz hat uns geprägt. Und der Mensch, der den Gugatz geprägt hat, war sehr michad. – Das stimmt auch, ja.
Das war es dann schon, „Auf eine Tasse Kaffee" zwischen den Jahren. Danke, Michael. – Gerne, gerne. – Danke für deine Zeit. Und euch allen danke fürs Zuhören. Verratet uns gern euer Lieblingsdialektwort, egal aus welcher Region natürlich, muss nicht aus der Oberpfalz sein, darf gern auch Niederbayern sein, meine Wahlheimat.
Ich bin froh, dass ich hier bin, tolle Menschen hier. Und die haben auch unwahrscheinlich tolle Dialektwörter, ein paar habe ich auch schon lernen dürfen. – Es gibt einen schönen Spruch: Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt. – Genau. Und ich fühle mich sauwohl. – Genau, das ist wichtig.
Also, wenn ihr eines habt, dann einfach per Kommentar oder gern auch per Sprachnachricht. Abonniert gern den Podcast, ich würde mich freuen, empfehlt ihn weiter und genießt die ruhigen Tage. Wir hören uns im neuen Jahr. Bleibt neugierig und wachsam, und wir sagen tschüss. – Auch euch ein schönes Restjahr. Vielen Dank. Servus. [Musik]