Folge 5: Die Stammtisch-Premiere – Heimat in Niederbayern
Über uns. Über Heimat. Und warum das mehr ist als ein Ort.
27.01.2026 42 min Christian Troidl
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Stammtisch Premiere sprechen wir zu dritt über Heimat. Es ist ein Loblied, es beschreibt Lebensgefühl und Alltag. Einer von uns ist hier geboren, zwei haben sich die Region bewusst als Wahlheimat ausgesucht. Genau daraus ergibt sich ein spannender Austausch: Was macht einen Ort vertraut, und wann fühlt man sich wirklich dazugehörig.
Wir reden über Einheimisch und Zugezogen, über Stolz und Skepsis, über Nähe, die nicht selbstverständlich sein kann. Und wir suchen nach dem Kitt der Heimat: Menschen, Vereine, Ehrenamt, Nachbarschaft, Verlässlichkeit. Später geht es auch um den Wechsel vom Land in die Stadt und darum, wie man Heimat im Kopf und im Herzen mitnimmt.
Am Ende wird es kurz und spontan. Ein Satz zur Heimat, dann die wichtigste Frage des Abends: Espresso oder Filterkaffee.
In dieser Stammtisch-Premiere sprechen Christian Troidl, Peter Killat und Martin Siebenhandl über Heimat in Niederbayern – als Lebensgefühl, Alltag und bewusste Wahlheimat. Ein persönliches Gespräch über Verbundenheit, Engagement und das Leben vor Ort.
Mehr zum Podcast und zu Christian Troidl: https://christiantroidl.de/
Zur ausführlichen Episodenseite mit weiteren Informationen:
https://christiantroidl.de/podcast/folge-5-die-stammtisch-praemiere/
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Transkript
Christian: Herzlich willkommen bei „Auf eine Tasse Kaffee“. Wenn du heute das erste Mal reinhörst: Das ist ein Gesprächspodcast über Heimat, Menschen und andere Geschichten und über das, was uns sonst so im Alltag verbindet.
Christian: In Folge 1 habe ich die Idee eines Stammtischs angekündigt. Heute machen wir das zum ersten Mal, quasi als Premiere. Mit am Kaffeestammtisch sitzen heute Peter Killat und Martin Siebenhandl.
Peter: Grüß euch.
Martin: Servus.
Christian: Schön, dass ihr da seid.
Martin: Danke für die Einladung.
Christian: Ich freue mich tatsächlich. Wir haben ja schon lange darüber gesprochen, dass wir das machen wollen. Bevor wir ins Thema einsteigen, stellt euch unseren Zuhörerinnen und Zuhörern kurz privat vor. Peter, fängst du an?
Peter: Peter Killat mein Name. Ich bin frische 41 Jahre jung, Vater einer Tochter, die im März fünf wird. Beruflich bin ich in der Luftfahrtindustrie in der Qualitätssicherung tätig. Ich bin in Osterhofen aufgewachsen, hier zur Schule gegangen und habe hier meine Lehre gemacht.
Christian: Super, danke Peter. Martin, du bist dran.
Martin: Danke, Christian. Mein Name ist Martin Siebenhandl, ich bin 36 Jahre alt, jung, je nachdem, wie man es sieht.
Christian: Martin ist quasi das Küken unter uns.
Martin: Und das mit 36.
Christian: Lassen wir das mal so im Raum stehen. Es sollte ein Kompliment sein.
Martin: Selbstverständlich. Eine Runde Bier geht auf dich.
Martin: Ich lebe mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern mittlerweile seit sechs Jahren in Altenmarkt. Ich bin gelernter Industriekaufmann, habe Weiterbildungen gemacht und bin seit über 16 Jahren im Außendienst und Vertrieb tätig, davon die letzten fünf Jahre in der Heizungsbranche.
Martin: Das ist natürlich sehr interessant, weil das Thema Heizung in den letzten Jahren politisch und medial große Aufmerksamkeit bekommen hat. Das hat mich geprägt, und ich könnte einige Geschichten dazu erzählen. Ich freue mich, heute hier mit euch zu sitzen und über Heimat zu sprechen.
Christian: Genau das wäre meine Überleitung gewesen. An unserem Stammtisch soll es heute um den Begriff Heimat gehen: Was ist Heimat für uns, was sagt der Begriff aus? Was schießt euch durch den Kopf, wenn ihr „Heimat“ hört?
Peter: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich glaube, Heimat ist auch, dass wir drei heute hier zusammensitzen und diesen Podcast machen. Oft sind es banale Kleinigkeiten, die einem im Alltag gar nicht bewusst auffallen. Ich habe mich auf diesen Nachmittag gefreut.
Peter: Ich treffe mich mit zwei Spezln, wir machen etwas gemeinsam, wir drei brennen für eine Sache. Wir haben uns gesucht und gefunden und gehen das gemeinsam an. Das ist für mich schon ein riesiges Stück Heimat.
Martin: Heimat ist schwierig zu erklären, obwohl es eigentlich selbsterklärend ist. In der Serie „Irgendwie und Sowieso“ gab es einmal sinngemäß den Satz: Heimat ist da, wo das Gefühl ist. Das klingt vielleicht ein bisschen klischeehaft, trifft es aber immer noch.
Martin: Du bist da, du gehörst hin und fühlst dich einfach wohl.
Christian: Das unterstreicht es eigentlich sehr gut.
Christian: Ich bin beruflich schon viel herumgekommen, nicht nur innerhalb Bayerns, sondern in der ganzen Bundesrepublik. Es gibt bestimmte Orte, an denen man sich wohlfühlt und sagt: Das ist Heimat. Das kann sich auch verändern. Irgendwann hat man aber das Gefühl: Hier passt wirklich alles zusammen. Es geht nicht nur um Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte oder Infrastruktur, sondern um das Gefühl.
Peter: Ein guter Freund meines Vaters, der leider schon verstorben ist, hat einmal gesagt: Wenn ich von hier weg muss, brauche ich spätestens ab Deggendorf Reisetabletten.
[Gelächter]
Christian: Das trifft es auch ganz gut. Irgendwann bist du eben nicht mehr daheim, sondern woanders.
Christian: Peter, du bist hier geboren und komplett aufgewachsen, also wirklich ein Einheimischer.
Peter: Ureinwohner.
Christian: Wenn du deine Heimat mit einem Bild beschreiben müsstest, welches Bild kommt dir in den Kopf?
Peter: Schwierige Frage. Ich bin beruflich viel unterwegs, auch international. Aber egal, aus welcher Richtung ich zurückkomme: Ich fühle mich in dem Moment zuhause, in dem ich unsere Basilika und den Wasserturm sehe.
Peter: Das sind für mich die Merkmale, die Osterhofen und Altenmarkt verbinden. Wenn ich die beiden sehe, weiß ich: Jetzt bin ich da. Das ist unsere Skyline. Vielleicht nicht so beeindruckend wie New York oder Chicago, aber sie signalisiert mir: Da gehöre ich hin.
Christian: Basilika und Wasserturm sind zwei Wahrzeichen von Osterhofen und Altenmarkt. Egal, aus welcher Richtung man kommt: Sobald man sie auf der Erhöhung sieht, denkt man sich: Da drüben ist es, jetzt bin ich fast da.
Christian: Martin und ich sind im Vergleich dazu eher Zugezogene. Bei uns sagt man ja gern „Zuagroaste“.
Martin: Ich verbinde mit einem Zugezogenen eigentlich immer einen „Preißn“.
[Gelächter]
Christian: Ich denke, die Zuhörerinnen und Zuhörer verzeihen uns das.
Martin: Meine Frau ist gebürtig aus Bonn, aber schon so lange hier, dass sie diesen Status längst abgelegt hat.
Christian: Ein bisschen aufziehen darf man sie trotzdem.
Martin: Klar. Aber wir haben sie erfolgreich integriert.
Christian: Man entscheidet sich trotzdem aus bestimmten Gründen für einen Ort. Bei mir ging es vor allem um die Kinder, um Schule, Umfeld und Infrastruktur. Osterhofen hat einen Bahnhof, ist gut angebunden und bietet im Alltag vieles, was man braucht.
Christian: Ich bin außerdem gern in Österreich, und auch dafür liegt Osterhofen gut. Trotzdem entscheidet nicht nur die Logik. Wenn ich irgendwo hinfahre und mich schon beim Anschauen nicht wohlfühle, kann die Infrastruktur noch so gut sein. Dann möchte ich dort nicht leben.
Christian: Bei mir war die Entscheidung zunächst ziemlich logisch. Dass ich mich hier einmal so wohlfühlen würde und die Integration so gut funktioniert, konnte ich damals nicht wissen. Das war wirklich herausragend.
Christian: Sonst hätten wir drei uns vermutlich auch nicht getroffen. Martin, wie war das bei dir?
Martin: Da muss ich etwas weiter ausholen. Es war eigentlich Schicksal. Meine Frau und ich haben vorher in Deggendorf in einer Wohnung gelebt. Ich bin in München geboren und in Landshut aufgewachsen. Das Thema eigenes Haus war bis dahin überhaupt kein Thema.
Martin: Wir kamen beide aus Elternhäusern mit Haus und haben das Wohnen in der Wohnung genossen, mit wenig Verantwortung und Verpflichtungen. Aber wenn Familienplanung plötzlich konkret wird und man Vater wird, taucht auf einmal der Gedanke auf: Haus, Garten, Kind, das wäre vielleicht doch nicht schlecht.
Martin: Ich bin im Außendienst und habe damals mit einem guten Kunden gesprochen, der inzwischen ein sehr guter Freund ist. Das war 2019, als die Immobilienpreise stark gestiegen sind. Wir haben darüber gesprochen, und durch diesen Spezl bin ich auf ein Haus in Altenmarkt gekommen.
Martin: Meine Frau und ich sind an einem Freitagnachmittag nach Altenmarkt gefahren, in die Straße eingebogen, haben das Haus gesehen und sofort gesagt: Das ist unser Haus. Wir haben einen Besichtigungstermin gemacht, eine Woche später besichtigt und dann beschlossen: Das kaufen wir.
Martin: Das ging dann ziemlich schnell. Erst vor Kurzem haben wir wieder darüber gesprochen: Wir bereuen es überhaupt nicht. Es war eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben. Wir fühlen uns in Altenmarkt und Osterhofen so wohl, als wären wir schon immer hier.
Martin: Das Lustige ist: Mein Großvater kommt aus Osterhofen. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich einmal hierher zurückkomme. Geboren in München, aufgewachsen in Landshut, durch meine Frau nach Deggendorf und dann doch wieder zurück zu den Wurzeln meines Großvaters. Das fühlt sich fast wie Schicksal an.
Christian: Spannend, wie sich da der Kreis schließt. Kommen wir zu einem nächsten Gesprächspunkt: Was hält Heimat eigentlich zusammen? Was ist der Kitt, der das Ganze stabil hält? Welche Rolle spielen Vereine?
Peter: Für mich ist natürlich die Familie ein starker Bezugspunkt: Onkel, Tanten, Cousins, mein Vater. Dazu kommen Freunde, die man während der Schulzeit aufgebaut hat. Manche sind später weggegangen und haben sich eine neue Heimat gesucht, andere sind geblieben.
Peter: Und dann kommen Vereine und Gruppen dazu. Ich habe als Jugendlicher einiges ausprobiert: die Freiwillige Feuerwehr, den Spielmannszug und anderes. Beim Spielmannszug hat mir ein bisschen das Rhythmusgefühl gefehlt, ich war nicht gerade der beste Trommler.
Peter: Auch als Ministrant habe ich viele Leute kennengelernt. Wir haben Ausflüge gemacht, und über solche Dinge entsteht mit der Zeit ein Netzwerk. Menschen, die du nach Jahren wiedertriffst und mit denen du sofort wieder ins Gespräch kommst.
Peter: Bei einem gemeinsamen Projekt treffe ich momentan viele Leute wieder, die ich teilweise seit der sechsten Klasse nicht mehr gesehen habe. Trotzdem kommt man schnell wieder miteinander ins Reden. Man kennt sich, trifft sich, setzt sich vielleicht auf ein Bier zusammen, und schon ist die Verbindung wieder da.
Peter: Vor zwei Jahren hatten wir ein Klassentreffen mit Leuten aus den ersten Schuljahren. Es war wahnsinnig interessant zu sehen, wo alle heute leben, wie sie sich verändert haben, welche Wege sie beruflich gegangen sind und welche Familien sie gegründet haben. Mit manchen bin ich seitdem wieder in Kontakt. Die gemeinsame Schulzeit war sofort wieder der Bezugspunkt.
Peter: Und das Erstaunliche war, wie schnell man wieder zusammengefunden hat. Man musste bei manchen kurz überlegen: Bist du es wirklich? Aber kurz danach war die alte Vertrautheit wieder da.
Christian: Das kann ich unterstreichen. Wir haben uns vor nicht allzu langer Zeit 40 Jahre nach der Einschulung getroffen.
Martin: 40 Jahre nach der Einschulung klingt schon lange.
Christian: Ihr seid Schmeichler.
[Gelächter]
Christian: Wenn du ehemalige Mitschüler triffst, kommst du tatsächlich sofort wieder ins Gespräch und knüpfst dort an, wo man vor Jahrzehnten aufgehört hat. Man ist miteinander aufgewachsen und hat gemeinsam etwas erlebt. Ich fahre dafür in meine alte Heimat und fühle mich dort sofort wieder zuhause.
Christian: Wenn ich das auf Osterhofen projiziere und es als Zugezogener betrachte, dann bilden Vereine eine wichtige Basis. Dort findet man Anschluss, wird aufgenommen und lernt Traditionen kennen.
Christian: Schauen wir zum Beispiel auf unsere Feuerschützen mit ihrer jahrhundertelangen Tradition. Da könnte man denken: Das ist eine eingeschworene Gesellschaft, da hat man es als Neuer schwer. Meine Erfahrung ist das Gegenteil. Man wird aufgenommen und gehört dazu. Dieses Gefühl erleichtert das Ankommen enorm.
Christian: Ähnlich ist es in den Ortsteilen mit ihrer starken Vereinskultur. Obergessenbach ist für mich ein gutes Beispiel. Selbst wenn man nicht direkt zum Verein gehört, wird man herzlich aufgenommen. Das vermittelt ein Gefühl von Heimat.
Martin: Genau das haben wir in vielen Dörfern rund um Osterhofen. Ich habe selbst eine Verbindung zum FC Obergessenbach und darf dort im Umfeld der Alten Herren mitarbeiten. Diese gelebte Vereinskultur ist wirklich beeindruckend.
Martin: Beruflich war ich vor einigen Jahren bei einem Fußballverein in der Region wegen einer neuen Heizung. Auch dort wurde ich unglaublich herzlich empfangen. Man hat sofort gespürt, welchen Zusammenhalt und welche Gemeinschaft die Leute haben. Das erlebe ich auch bei vielen anderen Vereinen.
Martin: Obwohl ich erst seit sechs Jahren in Osterhofen lebe, bekomme ich viel davon mit. Nicht nur in Osterhofen und Altenmarkt, sondern in den einzelnen Dörfern der Stadtgemeinde ist die Vereinskultur sehr stark ausgeprägt.
Peter: Bei mir ist der Schützenverein der Verein, dem ich bis heute wirklich treu geblieben bin. Ich bin inzwischen seit rund 26 Jahren dabei. Angefangen habe ich als Jugendschütze. Damals gab es feste Termine am Donnerstagabend und am Sonntagvormittag. Man ist mit dem Rad hingefahren, hat geschossen und danach zusammengesessen.
Peter: Später kamen Arbeit, Lehre und Schichtbetrieb dazwischen, und ich war eine Zeit lang weniger aktiv. Als ich wieder stärker dazukam, war ich von heute auf morgen wieder akzeptiert. Das ist top.
Christian: Genau das ist ein Stück Heimat: Vereine, Vereinsleben, Gemeinschaft, sich integrieren, mitgestalten und mitwirken.
Christian: Wenn wir auf unsere Ortsteile schauen, auf die gefestigte Vereinskultur und das Dorfleben: Dieses Miteinander wirkt doch auch auf die Stadt. Der Zusammenhalt ist spürbar, egal ob in Altenmarkt, Osterhofen oder draußen in den Ortsteilen. Ist der Einfluss vom Land auf die Stadt größer oder umgekehrt?
Martin: Ich empfinde den Einfluss vom Land in die Stadt hinein als stärker.
Peter: Ja, das Land ist schon noch etwas anderes als die Stadt. Aber der Einfluss kommt deutlich herein.
Peter: Man sieht das auch daran, dass sich Menschen ganz bewusst für einen Verein in einem Ortsteil entscheiden. Manchmal ist es kleiner, persönlicher und unmittelbarer. Dort bekommt man Rückhalt und Rückmeldung auf eine andere Art.
Peter: Wenn man Osterhofen beschreiben will, darf man eben nicht nur Altenmarkt oder die Kernstadt betrachten. Man muss das große Gemeindegebiet und die vielen Ortsteile mitdenken.
Peter: In meiner Jugend war das ganz selbstverständlich. Du bist in Osterhofen aufgewachsen und trotzdem zu Festen und Veranstaltungen in die Dörfer gefahren. Man kannte Leute aus den Ortsteilen, lernte dort weitere Menschen kennen und war willkommen.
Christian: Das Gefühl habe ich auch. Wenn wir über Osterhofen sprechen, reden wir nicht nur über die Stadt, sondern über ein riesiges Gemeindegebiet mit sehr unterschiedlichen Bereichen. Das muss man im Kopf behalten.
Christian: Gleichzeitig ist auch die Stadt selbst gewachsen und hat einen guten Zusammenhalt. Mein erster Eindruck als Zugezogener entstand zunächst in der Stadt. Später merkt man erst, wie eng alles mit den Ortsteilen zusammenhängt und wie sehr es miteinander verwachsen ist. Das finde ich stark.
Martin: Das Spannende ist diese Vielfalt. In den Dörfern an der Donau beschäftigen die Menschen teilweise andere Themen als in Osterhofen oder Altenmarkt. Richtung Vilstal sieht es wieder anders aus. Je nachdem, in welcher Himmelsrichtung man in der Stadtgemeinde unterwegs ist, begegnen einem andere Themen.
Martin: Genau deshalb ist es wichtig, für die Menschen überall ein offenes Ohr zu haben.
Christian: Ja, absolut.
Christian: Wenn wir das weiterspinnen: Gibt es noch etwas, das Heimat braucht? Die Zeiten verändern sich, und die Welt wirkt an vielen Stellen ziemlich verrückt. Osterhofen steht grundsätzlich gut da, aber wir müssen schauen, dass wir das auch erhalten.
Peter: In welchem Bezug meinst du das? Was die Menschen brauchen, ist ja sehr unterschiedlich. Der eine hätte gern ein Bekleidungsgeschäft für Männer, der andere ein Volksfest.
Martin: Für mich gehört dazu auch, wie meine Familie in Altenmarkt leben kann. Die Kinder können draußen sein, mit dem Rad durch die Siedlungsstraße fahren und mit Kreide auf der Straße malen. Das fühlt sich fast wie Dorfleben an.
Martin: Gleichzeitig hat Osterhofen vieles, was kleinere Orte nicht haben. Es gibt Geschäfte, Lokale und Angebote für den Alltag. Wenn ich etwas brauche, muss ich nicht immer nach Passau, Vilshofen oder Deggendorf fahren. Man hat Dorfgefühl und trotzdem ein Stück Stadt.
Christian: Man kann also zufrieden sein und trotzdem sagen: Manche Menschen wünschen sich noch etwas, zum Beispiel wieder ein Volksfest oder weitere Geschäfte. Es geht nicht darum, dass alle unzufrieden wären. Es könnte an manchen Stellen einfach noch etwas mehr gehen.
Peter: Die Stadt ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen. Für die Zukunft muss sie mit diesem Wachstum Schritt halten und sich so weiterentwickeln, dass sie auch für weiteres Wachstum gerüstet ist.
Christian: Mit der Zeit gehen heißt nicht nur, ein verträumtes Örtchen zu bleiben, in dem man sich wohlfühlt. Zukunft braucht auch Mut zu Investitionen. Das kann Kultur sein, zum Beispiel ein Volksfest, oder auch eine konkrete Investition, etwa in einen Coworking-Space.
Christian: Man darf zufrieden sein und gleichzeitig nach vorn schauen. Denn Stillstand ist Rückschritt, und den dürfen wir uns nicht leisten.
Martin: Durch das Wachstum und neue Baugebiete stehen wir an einem Punkt, an dem wir uns klar für die Zukunft und für Investitionen entscheiden müssen. Sonst besteht die Gefahr, dass wir später sagen: Hätten wir damals nur rechtzeitig gehandelt. Wir müssen die Stadt und die Dörfer attraktiv halten.
Peter: Es geht nicht darum, einfach nur weiterzumachen wie bisher, sondern besser zu werden. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, hat sich die Stadt stark verändert. Gebäude sind dazugekommen, andere verschwunden. Wo heute Bereiche bebaut sind, waren früher Felder.
Peter: Einige Veränderungen fand ich sehr gut, bei anderen hätte man vielleicht anders entscheiden können. Wichtig ist, heute Entscheidungen zu treffen, die auch in Jahrzehnten noch tragen.
Martin: Für mich ist Tradition sehr wichtig, besonders bayerische Tradition. Und zu Bayern gehört ein Volksfest. Das ist ein fester Bestandteil unserer Kultur. Bei einer Stadt wie Osterhofen fehlt da etwas, wenn es kein Volksfest gibt.
Peter: Früher gab es sehr viele Feste. Gefühlt war fast jedes Wochenende etwas los. Und ich glaube, heute fehlt manchmal diese Möglichkeit, einfach zusammenzukommen.
Christian: Man kann natürlich in sehr gute Lokale gehen, aber dort bist du oft mit der Familie oder einem befreundeten Paar. Gleichzeitig sagen wir unseren Kindern und Jugendlichen ständig, sie sollten weniger am Computer oder Handy hängen und mehr rausgehen.
Christian: Dann müssen wir ihnen aber auch Möglichkeiten bieten, sich draußen zu treffen. Als wir jung waren, gab es mehr solcher Gelegenheiten. In den Dörfern gibt es sie durch Feuerwehrfeste, Fußballvereine und andere Veranstaltungen teilweise noch.
Peter: Wir sind früher von Fest zu Fest gefahren. Es gab sogar einmal eine Disco und ein Kino in Osterhofen. Als Kind hatte ich keinen Grund zu sagen, ich müsste für alles woanders hin.
Christian: Und genau solche Erinnerungen hört man oft: Früher gab es dies, früher gab es das. Das heißt nicht automatisch, dass die Leute heute unzufrieden sind. Aber es zeigt, dass es Wünsche und Entwicklungsmöglichkeiten gibt.
Peter: Wenn die eigenen Kinder größer werden, denkt man auch darüber nach, ob sie später in der Region bleiben. Natürlich gehen manche weg. Aber ein gutes Angebot vor Ort kann dazu beitragen, dass junge Menschen sagen: Ich bleibe hier, übernehme vielleicht das Haus oder den Hof der Eltern und baue hier mein Leben auf.
Christian: Das ist gerade auf dem Land wichtig. Familien geben etwas weiter, landwirtschaftliche Betriebe sollen fortbestehen. Ähnliches gilt für unseren Mittelstand. Viele Unternehmen haben sich über Jahre etwas aufgebaut und brauchen Nachwuchs und Nachfolger.
Christian: In vielen Fällen klappt das bereits gut. Vielleicht kann man aber an manchen Stellen noch genauer hinschauen und Übergaben leichter machen.
Martin: Wäre es jetzt eigentlich schlimm, wenn ich mir ein Stück von dem Mars, Twix oder Snickers nehme, das da liegt?
Christian: Für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die es nicht sehen: Wir sitzen an einem typischen Kaffeetisch und natürlich liegen hier auch ein paar Kleinigkeiten.
Christian: Lieber Martin, natürlich darfst du zugreifen. Für mich gehört zu einer Tasse Kaffee irgendwie etwas Süßes dazu.
Martin: Werde ich machen, danke dir.
Christian: Aber nicht so rascheln.
[Gelächter]
Christian: Zum Abschluss vielleicht ein Satz zur Heimat. Wenn ich euch zwinge, wirklich nur einen einzigen Satz zu sagen: Welcher wäre das?
Martin: Heimat ist dort, wo meine Familie und meine Freunde sind und wo ich dieses Gefühl habe, mich wohlzufühlen und zu wissen: Da gehöre ich hin.
Christian: Dann fasse ich deinen Satz zusammen: Zu wissen, da gehöre ich hin.
Martin: Genau. Für mich ist das Heimat.
Christian: Da muss ich mich anschließen. Besser kann ich es kaum beschreiben.
Christian: Peter, was sagst du dazu?
Peter: Heimat ist da, wo ich angekommen bin.
Christian: Das bringt es wirklich sehr gut auf den Punkt.
Christian: Bevor wir wirklich zum Ende kommen, habe ich noch eine Frage, die wir vorher nicht besprochen haben. Ihr müsst spontan antworten: Espresso oder Filterkaffee?
Peter: Filterkaffee.
Martin: Espresso.
Christian: In diesem Sinne kommen wir zum Schluss. Das war die erste Stammtischrunde mit uns drei. Diese Runden wollen wir öfter machen.
Martin: Sehr gerne.
Christian: Vielleicht künftig auch nicht nur zu dritt, vielleicht wird der Stammtisch ein bisschen größer.
Christian: Wer selbst einen Satz zur Heimat sagen möchte, darf ihn gern in die Kommentare schreiben. Und wenn jemand ein anderes Thema hat, über das er mit uns sprechen möchte, schreibt uns einfach an. Wir sind alle drei auf Social Media zu finden.
Christian: Abonniert gern den Podcast, gebt uns ein paar Sterne, kommentiert und bleibt dran.
Martin: Ich bin fast ein bisschen traurig, dass es schon wieder vorbei ist. Wenn man mit zwei Menschen zusammensitzt, die man gern mag, plaudert und ratscht, verfliegt die Zeit.
Martin: Vielen Dank, Christian, für die Einladung.
Peter: Hat uns sehr gefreut. Wir freuen uns auf die nächsten Runden.
Peter: Ich bin gespannt, was wir in Zukunft noch diskutieren.
Christian: Da wird einiges kommen. Ihr Lieben, bleibt dran. Ciao.
Peter und Martin: Servus.