019: Karrierecoachin Christiane Scheid – Einen Scheiß muss ich!
Wie sie Mamas beim beruflichen Neustart hilft, ihre Stärken wiederzufinden
27.04.2026 57 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge von Frauenwerk(e) spricht Luisa mit Christiane Scheidt, Gründerin von Dornröschen Karriereberatung. Christiane hat viele Jahre in der Personalgewinnung gearbeitet, zuletzt als Abteilungsleiterin – und dabei immer wieder erlebt, wie gut qualifizierte Mamas in Bewerbungsgesprächen den Kürzeren zogen. Nicht wegen fehlendem Fachwissen, sondern weil sie sich selbst unter Wert verkauft haben oder gar nicht mehr wussten, was sie eigentlich wollen.
Als sie selbst merkte, dass ihr Sohn abends schon im Bett lag, wenn sie nach Hause kam, war der Entschluss gereift: Sie kündigte einen gut bezahlten Job und machte sich – direkt, ohne Umwege – selbstständig. Zwei Wochen später kam Corona. Ihr Online-Business war bereits fertig aufgebaut.
Sie erzählt, was Profilschärfung wirklich bedeutet, warum Stärken oft wie Fossilien verschüttet unter der Oberfläche liegen und wie sie Frauen dabei hilft, diese wieder freizulegen. Außerdem spricht sie über ihr Buch „Einen Scheiß muss ich", das sie für alle geschrieben hat, die sich Coaching (noch) nicht leisten können oder wollen – aber trotzdem bereit sind, ihr nächstes Kapitel anzugehen.
Ein direktes, ehrliches und dabei sehr herzliches Gespräch über Mut, Selbstwert und den Neustart nach der Elternzeit.
Website: dornroeschen-karriere.de
Instagram: dornroeschen_karriere
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Transkript
Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Frauenwerke. Heute ist bei mir zu Gast
die liebe Christiane Scheidt.
Sie ist hauptberuflich selbstständig mit ihrem Unternehmen Dornröschen Karriereberatung.
Herzlich willkommen, liebe Christiane.
Hallo liebe Luisa, schön, dass ich da sein darf.
Ja, ich freue mich auch sehr. Wir haben uns bisher noch nicht persönlich kennengelernt,
haben aber auch schon festgestellt, über verschiedene Kontakte hatten wir dann
doch irgendwie mal miteinander zu tun gehabt.
Aber umso mehr freue ich mich jetzt, dass du heute hier bist und wir ganz viel
über dich und dein spannendes Business erfahren können. Ich freue mich.
Danke für die Einladung.
Ja, sehr, sehr, sehr gerne. Wir werden in Zukunft bestimmt noch mehr von dir
hören und auch live sehen.
Da können wir uns schon ein bisschen anteasern, wobei dieser Podcast dann nach
dem besagten Event erscheinen wird.
Aber wir fangen jetzt erst mal bei dir an. Du hast ein ganz spannendes Thema, wie ich finde.
Deswegen habe ich mich auch schon sehr auf die Aufnahme heute gefreut.
Und ich wollte am besten jetzt einfach mal einsteigen, wie es denn dazu kam,
dass du dich selbstständig gemacht hast und dein jetziges Unternehmen gegründet hast.
Also vielleicht, was du davor gemacht hast und wie es denn dann dazu kam.
Ja, sehr gerne. Also was habe ich vorher gemacht? Ich war immer schon in dem
ganzen Bereich Personalgewinnung, Personal, Entwicklung,
Arbeitgebermarke zuständig und in Arbeit und habe am Schluss als Abteilungsleiter gearbeitet in Ulm.
Auch in dem ganzen Bereich Talent Acquisition. Und mein Kleiner war da drei Jahre alt.
Und ich habe mir vorher immer gedacht, was machen denn die Mütter immer so für
ein Aufriss? Ist doch alles ganz einfach.
Nein, eben nicht. Ups, voll die Erkenntnis. Und musste halt immer ganz viel
hin und her fahren. Ich meine, Ulm ist jetzt auch nicht um die Ecke.
Und konnte dann nur noch mein Kind morgens über den Zaun vom Kindergarten werfen.
Und abends, als ich daheim war, war das Kind schon im Bett. Und das fand ich
nicht prickelnd. Das war so das Erste.
Das Zweite war, dass ich in der Anstellung auch als Abteilungsleiter auch noch
viele Gespräche und Interviews geführt habe, auch auf höherem Level und gemerkt
habe, dass die Frauen, vor allem auch die Mamas, die sich beworben haben,
fast nie den Zuschlag gekriegt haben.
Nicht wegen dem Fachlichen, sondern weil sie sich entweder selber unter Wert
verkauft haben, nicht wussten, wo sie eigentlich hinwollen oder was sie können.
Oder irgendeinen anderen Grund gab, warum sie den nicht bekommen haben.
Und das hat mich massiv geärgert. Und ich dachte, das kann ja gar nicht sein.
Und irgendwann war es dann tatsächlich so, dass eine Bekannte gesagt hat,
hey, du machst doch da irgendwas mit Lebensläufen.
Wo ich mir dachte, okay, mein Mann macht irgendwas mit IT, ich mache irgendwas
mit Lebensläufen, okay, gar nicht.
Oder irgendwas mit Marketing, was ist bei mir?
Ja, irgendwas mit Menschen, ja. Und dann habe ich mir gedacht, ja, mache ich.
Warum geht es denn? Und es war eine Mama, die gesagt hat, sie ist seit sechs
Jahren zu Hause und kann nicht mehr in ihre alte Firma zurück,
weil ihr Mann jetzt bei der Konkurrenz arbeitet und man gesagt hat,
einen Spion brauchen wir hier nicht.
Darf sie nicht mehr kommen, danke fürs Mitspielen. Und dann hat sie gesagt,
sie schreibt Bewerbungen, es kommt nichts zurück.
Und dann habe ich gesagt, okay gut, dann gucken wir uns das mal an.
Und dann habe ich ihren Lebenslauf gesehen und habe mir gedacht,
ach, jetzt erklärt sich doch einiges, weil sie nie über ihre Stärken gesprochen hat.
Und dann haben wir das gemacht in so einer Nacht-und-Nebel-Aktion Und sie hat
mich am nächsten Tag angerufen und gesagt, du glaubst nicht,
was passiert ist. Ich so, was? Ich habe eine Absage gekriegt.
Da haben wir gedacht, Moment mal, du hörst dich sehr fröhlich an. Ich habe Fragen.
Sie so, ja, jetzt melden sich die Leute wenigstens wieder zurück.
Und ich habe gesagt, jetzt warte mal, wenn wir es gescheit machen, was dann passiert.
Und habe quasi, ohne es zu wissen, mit ihr angefangen, mein Business aufzubauen,
weil ich mit ihr Profilschärfung gemacht habe.
Und nachdem das vorbei war, hatte sie einen Job mit Teilzeit und mit zwei Kindern
und wie sie wollte und könnte einen Hund mitbringen. Also sie war sehr geflasht.
Und dann habe ich mir gedacht, oh, ich glaube, das könnte was werden.
Und dann habe ich mich entschieden...
Zu kündigen, einen sehr gut bezahlten Job, weil wir waren Private Equity.
Und habe mich dann zum 2. März 2020 selbstständig gemacht.
Das heißt, du bist nicht zuerst irgendwie in der Teilselbstständigkeit,
sondern direkt Vollgas?
Genau, also ich bin ein Schwarz-Weiß-Kind. Das heißt, entweder Vollgas oder ich stehe.
Und ich stehe meistens nicht und bin dann einfach da rein und habe gesagt,
nein, mehrere Dinge passen nicht mehr. Ich sehe mein Kind nicht mehr.
Ich finde es doof, dass die Mamas nicht ihre Zuschläge bekommen.
Und ich mache nicht das, was ich eigentlich machen will, nämlich die Leute weiterbringen.
Ich habe die zwar alle schön immer eingefüllt in die Firma und das war auch super.
Danach gab es einen Einstellungsstopp, weil ich alles zugemacht habe,
was nicht auf drei Augenbaum war.
Aber ich konnte sie nie weiter begleiten. Und manchmal hat das nichts damit
zu tun gehabt, was sie eigentlich wollten.
Weil nur weil man was kann, heißt es noch lange nicht, dass man es gerne macht.
Und habe dann gesagt, okay, jetzt probieren wir es. Und da war es tatsächlich
so, dass ich gesagt habe, ich möchte es von zu Hause aus machen.
Also habe ich es online aufgebaut.
Mind you, es gab noch kein Corona. Und mein Mann ist High-Core-ITler.
Das heißt, er hat mir das alles aufgebaut.
Und als dann zwei Wochen später Corona kam, bin ich sehr entspannt in meinem
Büro gesessen und habe gesagt, kann losgehen, ich bin fertig.
Und dann kamen die ersten Anfragen schon Ende März. Und dann habe ich mir gedacht,
ich müsste mein Konzept noch fertig machen, gebe mir noch kurz.
Und im Mai kommen dann die ersten Kunden bereits. Und dann habe ich das von
zu Hause online aufgebaut.
Im Selbstzahler-Modell damals.
Dass man praktisch privat zahlt, dass ich helfe, die Profilschärfung zu machen.
Für Mamas, die gesagt haben, ich weiß zwar, was ich vorher gemacht habe,
aber ich habe keine Ahnung, was ich jetzt in Zukunft machen möchte.
Bei mir ist das alles Nebel. Ich bin komplett lost und habe denen dann geholfen,
wieder auf die Füße zu kommen.
Ich glaube, ich habe das auch schon mit mehreren Frauen gesprochen und habe
das auch schon immer so in der Wahrnehmung, dass tatsächlich ganz,
ganz viele beim Wiedereinstieg sich wirklich nochmal neu orientieren.
Und ich habe da schon, wie gesagt, mehrfach mit anderen Leuten gesprochen,
dass viele gesagt haben, ja, das ist so schwierig nach der Elternzeit,
aber gleichzeitig ist es doch auch eine Chance, oder?
Absolut, weil man macht tatsächlich nochmal tabula rasa.
Und ein Kind verändert so ziemlich alles. Und man glaubt, vorbereitet zu sein, ist es aber nicht.
Und da gibt es dann auch so diese Gretchenfragen. Was ist denn jetzt mit mir?
Und manchmal verliert man sich auch, erstmal für alle anderen da zu sein und
weiß gar nicht mehr, wer man selber tatsächlich ist. Man kann die Frage auch
nicht mehr beantworten.
Und ich sage dann auch immer, naja, wenn irgendwie das Auto kaputt geht,
kann ich mir bei Amazon ein Buch kaufen, wie man den Motor repariert.
Oder ich rede mit jemandem, der das den ganzen Tag macht und bringe mein Auto
dahin und lasse es reparieren.
Und diese Profilschärfungen, da gehen manche ganze Stadionlichter auf.
Aber weil man selber so in seiner eigenen Suppe sitzt, ist es fast nicht möglich,
das alleine zu schaffen.
Man braucht so einen unbefangenen Blick von außen, um seine Stärken zu erkennen.
Genau. Und nicht nur die Stärken, die man hat und glaubt zu haben,
sondern alle, die da sind.
Und das sage ich auch immer, wir erfinden nichts dazu in der Profilschärfung.
Aber wir holen alles raus, was da ist. Und da gibt es dieses wunderschöne Bild von Jurassic Park.
Die über 15-Jährigen kennen das vielleicht noch.
Er ist der Film Jurassic Park, wo dann dieser Paläontologe mit seinem Pinsel
die Knochen freilegt, die erst mal verschütt gegangen sind.
Und das Gleiche machen wir mit den Stärken, weil manche Stärken immer schon
da waren, aber sie verschütt gegangen sind und man gar nicht mehr weiß, dass sie da sind.
Und vor allem Mamas haben dann wirklich...
Nicht den besten Blick darauf, was denn alles noch da ist, weil vor allem dann
auch das Selbstwertgefühl nach unten geht. Was kann ich denn noch?
Warum soll mich denn jemand mehr nehmen? Ich kann ja maximal Teilzeit und habe
ich ja eh keine Chance, vor allem als Quereinsteiger.
Und dann ist es so ein Teufelskreis, da kommt man ja gar nicht raus.
Und wenn dann mal einer mit einem Blick drauf guckt und sagt,
guck mal Schätzelein, da hat es einiges, das hast du gar nicht mehr gesehen,
ist das Erste, was wir machen, dass wir die Leute wieder aufbauen.
Nicht mit Shishi, Chaka, du kannst es, sondern ihnen wirklich durch systemische
Arbeit zeigen, was die alles schon gemacht haben. Und dann gucken wir weiter.
Okay. Ich glaube ja auch, oder warum ist es denn so, dass Frauen da grundsätzlich
mehr ein Problem haben, sich auf ihre Stärken zu berufen und sich auch zu verkaufen?
Ja, also muss ich leider sagen, ja. In aller Liebe und mit Liebe gesagt,
weil Frauen sehr selbstkritisch sind.
Und zu sagen, naja, eine der Fragen, die ich stelle, ist, was kannst du denn besser als andere?
Da ist erstmal Schweigen im Walde. Ja, nix, was ich jetzt wüsste.
Und dann gehen wir da rein und dann denkt man so, woher kommt das?
Weil man sich teilweise mit Leuten vergleicht, die im eigenen Leben gar nichts zu suchen haben.
Oder Ratschläge von Leuten annimmt, die nicht das Recht haben,
einen Ratschlag zu geben, weil sie nicht alle Fakten kennen.
Und das kann die Familie sein, das können Nachbarn sein, Freunde sein.
Aber es gibt nur einen ganz kleinen inneren Zirkel, der wirklich einen in- und auswendig kennt.
Und die dürfen Ratschläge geben und man sollte sie vielleicht zumindest auch hören.
Aber das sind nicht die Stimmen, auf die man meistens hört, sondern man guckt
eher auf die kritischen Stimmen.
Und ich glaube.
Also kennst du diesen Test, das ging mal vor einer Zeit lang,
habe ich das viel auf Social Media gesehen, dass Männer und Frauen jeweils befragt
wurden, ob sie sich zutrauen würden, ein Flugzeug zu landen,
obwohl sie das noch nie gemacht haben. Kennst du das?
Das kenne ich nicht, aber ich kann mir die Antwort vorstellen.
Das ist ja auch von der Gesellschaft her, wenn man jemandem sagt,
lauf mal wie ein Mädchen, dann laufen die ganz anders und lauf mal wie ein Junge.
Wo ich immer denke, so verstehe ich nicht. Wie kann das sein,
lauf mal wie ein Mädchen?
Und das geht ganz viel über Fehleinschätzung
der Selbstwahrnehmung und Überschätzung der Fremdwahrnehmung.
Und man kennt das vielleicht an
sich selber, man ist sich gegenüber immer kritischer, als es andere wären.
Von der besten Freundin bis zum Mann, die sehen das alles gar nicht so und man selber sieht das.
Ja, absolut. Das heißt, es ist auf jeden Fall ein ganz großes Herzensthema auch von dir.
Also was dich erfüllt und wahrscheinlich einfach das Ergebnis dann zu sehen,
und eine Frau, die dann bestärkt bei dir oder bei euch dann abschließt.
Das ist wahrscheinlich sehr bereichernd.
Es ist auch brutal emotional, weil ich auch bei unseren Mitarbeitern das sehe,
die freuen sich. Da sind Tränchen in den Augen jedes Mal.
Und es ist ein großes Herzensthema. Also mein Mann hat gesagt,
der kann mit mir nirgends mehr hingehen, weil ich komme mit einem Kunden zurück.
Das heißt, das ist eigentlich gar nicht meine Idee, sondern man spricht darüber
und das ist wirklich mein Herzensthema und ich sehe es als Berufung.
Ich bin der Meinung, ich bin hier, weil der da oben gesagt hat, das ist deins.
Und solange ich es machen darf und bin, mache ich es jederzeit gerne.
Und das ist für mich keine, also zum Beispiel das Wort Work-Life-Balance.
Das ist so eins der schlimmsten Wörter, die man mir an den Kopf schmeißen kann.
Weil für mich hat Work-Life-Balance immer damit zu tun, dass zwei unterschiedliche
Ebenen um Vorherrschaft ringen.
Bin ich in der Arbeit, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich sollte auch
beim Kind sein. bin ich beim Kind, denke ich mir jetzt mal, Karriere könnte
besser sein, wenn ich mehr Stunden mache.
Das ist immer mit Kampf verbunden. Und was ich den Kunden lernen will oder was
wir auch den Kunden lernen wollen, ist, es muss ein harmonisches Miteinander sein.
Das Lebenskonstrukt ist bereits
da. Das heißt, die Arbeit sollte sich einfügen und nicht andersrum.
Weil wenn ich das andersrum mache und die Arbeit vorgibt, wie mein Leben zu
laufen habe, dann kann das gar nicht langfristig gut laufen.
Wenn ich aber sage, das muss sich einfügen in ein Leben, das ich bereits habe, passt das wunderbar.
Und für mich ist es eine Mischung, es ist ein Ganzes. Mit unterschiedlichen
Facetten, aber das geht Hand in Hand.
Mein Kleiner macht in der Arbeit seine Hausaufgaben.
Der kommt und macht am Schreibtisch die Hausis, wenn ich noch nicht fertig bin.
Ich gehe nach Hause, sage ich, ich arbeite von zu Hause aus oder heute nicht, weil.
Das heißt, es hat sich auch für dich extrem viel geändert, seit du selbstständig
bist, also was dein eigenes Berufsfamilienleben angeht?
Absolut, weil vorher war es genau so, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte.
Ich habe wirklich gut verdient, war aber, eigentlich hatte ich einen Teilzeitschopf
von zwei, 30 Stunden, so stand es auf dem Papier.
Ja gut, dem ist nichts hinzuzufügen, aber wenn man als Abteilungsleiter in Ulm
arbeitet und man ein Homeoffice hätte und sich überlegt, macht das Sinn oder
sollte ich lieber vor Ort sein, war ich viel öfter vor Ort, hat viel mehr Überstand gemacht.
Mein Mann musste viel mehr Sachen machen, die ich eigentlich gesagt habe, ich tue.
Dann noch das schlechte Gewissen im Sinne von, ich habe meine Kinder schon wieder
nicht gesehen und das war dann bei mir, wo ich gesagt habe, das geht nicht.
Also das kann nicht sein. Das kann kein Geld der Welt aufwiegen.
Büro ist keinen Meter, keine Minute.
Sehr schön. Und kannst du nochmal versuchen zusammenzufassen,
was sind denn aktuell die größten Herausforderungen mit dem vor allem,
gehen wir mal jetzt erstmal auf Mütter.
Was sind die größten Herausforderungen für Mütter in unserer aktuellen Zeit?
Ich würde tatsächlich sagen, die Herausforderung ist, wieder an sich selber
zu glauben. Das ist der erste Fokus.
Der zweite Fokus ist tatsächlich finanzieller Natur.
Und das dritte ist die Erwartungshaltung von außen.
Dass man es eh, wie man es macht, immer von außen gesehen falsch macht.
Man kann es nie richtig machen. Und deswegen arbeiten wir ja auch mit der Agentur,
mit dem Jobcenter zusammen, dass wir zumindest einen Teil davon unterstützen können,
weil, wie gesagt, vorher habe ich im Privatzahler begonnen.
Das waren aber die Leute, die bereits eine Arbeit hatten und jetzt das ändern wollten.
Aber das ist ja nicht das Gros der Leute, die wir jetzt betreuen,
sondern das sind die Leute, die eben gerade in Elternzeit sind oder die Eltern
pflegen oder jetzt gerade nicht in Arbeit sind, die dieses Coaching brauchen,
es sich aber nicht leisten können. Und was machen wir dann?
Wir sind zertifizierter Partner der Agenturen für Arbeit deutschlandweit und
die Maßnahmen, die wir vorher eigentlich für den regionalen Bereich erstellt
haben, machen wir halt jetzt bundesweit.
Und die Mütter und die Frauen können sich einen sogenannten AVGS,
also einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein von der Agentur oder vom Jobcenter holen.
Das muss natürlich mit der Arbeit.
Mit dem Vermittler abgestimmt sein, dass sie auch der gleichen Meinung ist und
müssen dann für diese Maßnahme nichts zahlen, sondern die Kosten übernimmt dann
tatsächlich die Agenturen des Jobcenter.
Und es ist schon identifiziert worden, dass vor allem Mütter und Frauen eine
Zielgruppe sind, die halt einfach nochmal zusätzliche Unterstützung brauchen,
weil sie halt Care-Arbeit machen, die keiner zahlt,
ohne die aber die Wirtschaft auseinanderfallen würde, weil sich keiner um die
Kinder und um die Älteren kümmert,
und die dann eben diese Unterstützung brauchen.
Und mit vielen Jobcentern und Agenturen, mit denen wir zusammenarbeiten,
ist die Bereitschaft, den Müttern zu helfen, den Frauen zu helfen, riesengroß.
Und das ist so das, was wir jetzt hauptsächlich machen.
Das ist ja schon mal positiv eigentlich, weil ich habe jetzt nicht die genauen
Statistiken, aber es heißt ja gerade von unserer Politik, wir sollen doch alle mehr arbeiten.
Und ich denke mir auch immer, es gibt so viele Frauen, ganz viel Potenzial,
dass da irgendwo ist und es nicht möglich ist oder einfach einem so schwierig gemacht wird,
allein was die Betreuungszeiten und so angeht, dass da noch ganz viel Potenzial nach oben ist.
Deswegen super, dass ihr da unterstützt und irgendwie was dafür tut.
Ja, vor allem auch das Potenzial nach oben, da ist noch ganz viel Luft nach
oben, weil auch dann das schlechte Gewissen da ist, ich würde ja gerne arbeiten,
aber die Betreuungszeiten gehen nicht oder ich kriege keinen Platz.
Es geht ja nicht nur darum, dass die Betreuungszeiten manchmal sehr fragwürdig
sind, sondern ich kriege ja nicht mal einen Platz dafür.
Und wenn ich dann eben höre, bitte jeder mehr arbeiten. Und ich weiß,
dass die Teilzeitbeschäftigung auch die letzten Jahre massiv nach oben gegangen
ist. hajo schon, aber was kommt denn am Schluss dann raus?
Es muss einfach umgedacht werden, wie das Ganze auch für Mamas funktioniert und,
Ich hatte jetzt eine aus Kirchheim tatsächlich. Alleinerziehende Mama,
das kommt ja noch dazu, also wir machen sehr viele Alleinerziehende,
die jetzt einen Job gefunden hat, das hätte sie sich nie gedacht,
in remote und macht sie von zu Hause aus für einen Bildungsträger 20 Stunden die Woche.
Und ist total im Glück und sagt, ja super, weil jetzt kann ich überbrücken,
bis die Kinder mal so weit für sich selber verantwortlich sein können.
Und kann aber was arbeiten, dass zumindest im Alter was bei hängen bleibt.
Das ist ja noch das Nächste. Das muss ja auch die Altersvorsorge irgendwie im Blick behalten.
Ja, was ja auch ein sehr großes Thema, vor allem für Frauen ist,
aber das ist ja nochmal was anderes. Da könnte man wahrscheinlich nochmal einen
extra Podcast zu aufnehmen.
Das stimmt.
Aber vielleicht nochmal kurz zu dieser Förderung, sage ich jetzt mal,
oder von der Agentur für Arbeit.
Wie kam es dazu? Also musstest du dafür ja irgendwas wahrscheinlich,
die Agentur, so wie ich mir das vorstelle, hat doch da bestimmt irgendeine Art
Zertifizierung oder Sonstiges haben wollen von euch, oder?
Wir sind in Deutschland, man braucht für alles einen Zettel und einen Stempel.
Also es ist tatsächlich so gewesen, ich habe ja vorher angefangen in einem Selbstzollermodell
und dann war es aber tatsächlich so, dass dann schon einige Frauen dabei waren,
die nicht in Arbeit waren und sich das Geld von der Verwandtschaft geliehen
haben. Das war für mich...
Nochmal einen extra Druckpunkt, wo ich mir gedacht habe, um Himmels Willen,
jetzt muss ich aber besonders gut sein, die leihen sich jetzt das Geld.
Dass das auch noch was quasi sich wieder auszahlt.
Genau, also das war dann schon schlimm und dann war es aber so,
dass nach ein paar Monaten, es hat nicht lange gedauert, ich habe ja im Mai
faktisch angefangen, Mai 2020,
und nach dem Sommer kam dann eine ehemalige Kundin zu mir, die jetzt dann schon
einen Job hatte und gesagt hat, du, viele Grüße von der Agentur, von meinem Vermittler,
du sollst dich mal zertifizieren lassen, er hätte noch 100 andere.
Und dann habe ich mir gedacht so, Moment, hä?
Und dann habe ich nachgefragt und anscheinend hatte der gleiche Vermittler mehrere
von meinen Kundinnen, dann waren die bei ihm, waren bei mir und dann waren sie weg bei ihm.
Und dann hat er irgendwann nachgefragt, was haben sie denn gemacht so lange?
Waren sie ja gar nicht bei mir.
Und dann ist immer mein Name gefallen, ohne dass ich das wusste.
Und dann hat der mich draufgebracht, mich zertifizieren zu lassen.
Und das hat dann nochmal die Wende gebracht. Dann habe ich mich im Oktober 2020
zertifizieren lassen und hatte dann im Januar meinen ersten zertifizierten Kunden,
und danach sind wir überrannt worden, weil dann mussten wir im Mai 21 schon
eine GmbH gründen, weil es viel war.
Dann habe ich dann genau dieses Loch geschlossen, das für mich noch wie so ein
Nagel im Fuß war, dass ich sage, natürlich muss ich was dafür verlangen,
aber die, die es brauchen, können es sich nicht leisten. Ich wusste nicht,
wie ich das irgendwie...
Ändern kann und die Zertifizierung hat genau dieses Problem gelöst,
dass ich jetzt sage, okay, super, die Leute, die es jetzt brauchen,
kriegen die Förderung, sie müssen es nicht zahlen und ich muss mich zertifizieren
lassen und das ist ein Riesenprozess.
Ich habe da drei Monate lang von Juli, August, September die Zertifizierungen.
Durchgeballert, die ganzen Paragrafen, also das ist wirklich ein größerer organisatorischer
und administrativer Prozess und wir haben jedes Jahr auch einen Audit.
Das heißt, es ist nicht vorbei, sondern wir werden jedes Jahr auditiert.
Und alle drei Jahre komplett. Das heißt, dieses Jahr steht es wieder an für komplett.
Das heißt, wir müssen wieder von vorne anfangen und nochmal neu zertifizieren.
Das soll dann einfach sicherstellen, dass die Qualität hoch bleibt.
Und das ist immer bei uns dann im Oktober. Und so bin ich dazu gekommen.
Nicht, weil ich selber wusste, dass es das gibt. Ich wusste es nicht.
Sondern, weil ehemalige Kundinnen von dem eigenen Vermittler gesagt haben,
schickt der mal viele Grüße von mir, die sind sich zertifizieren lassen.
Und erst dann habe ich mich damit beschäftigt. Und das hat genau das Loch geschlossen.
Ja, super. Das heißt, es funktioniert aber für Leute, die aktuell arbeitssuchend gemeldet sind, oder?
Genau, also es kommt immer auf das Jobcenter oder die Agentur an,
weil wir machen es ja bundesweit dort, jeder so seine eigenen Regeln.
Wenn man arbeitslos ist, geht das und kann beim Vermittler anfragen,
wenn man von Arbeitslosigkeit bedroht ist, kann man das machen und wenn man
arbeitssuchend ist. Okay.
Wir haben nämlich auch die Thematik, dass es nicht nur um das ganze Thema Berufsorientierung
geht, sondern Was jetzt immer mehr kommt, ist das ganze Thema mentale Gesundheit.
Wir haben immer mehr Frauen und Mütter, die sagen, ich würde ja gerne jetzt
anfangen, aber ich habe noch so viele andere Körbchen, um die ich mich erstmal
kümmern muss, bevor ich überhaupt den Kopf dafür habe, mich zu orientieren,
wo es beruflich hingeht.
Und da ist eben diese Maßnahme, die wir jetzt hier regional haben,
wir machen das in Präsenz, das ist online ein bisschen schwierig,
muss ich sagen, man muss ja die Leute vor sich haben, machen wir diese Maßnahme
für mentale Gesundheit und Selbststeuerung.
Und die geht durch die Decke, weil so viel...
Der Bedarf ist. Und manchmal geht es einfach nur ums Zuhören.
Wir merken, dass den Frauen nicht mehr zugehört wird.
Wir setzen uns dann über zwei Stunden hin, weil immer eine Person,
das ist nie in der Gruppe, sondern einzeln, und dann darf die einfach mal erzählen.
Und dann fragen wir auch noch Rückfragen, die auch noch sich auf den Inhalt
beziehen. Und sie sagen, ich habe dir wirklich zugehört.
Mensch, schön, hatte ich schon lange nicht mehr oder noch nie.
Und das kommt dann auch immer mehr, dass man sich erst darum kümmern muss.
Das heißt, das ist auch, kann ich mir vorstellen, auch eine sehr große Angst
oder eine Hürde da, was zu verändern, oder?
Also ich kenne das auch von ganz vielen Menschen, die in ihrem Job unglücklich
sind, aber nicht den Mut fassen, sich zu verändern.
Das gehört ja, finde ich, eigentlich auch zu euch, dieses Thema,
oder? Absolut. Beruhige Veränderung.
Absolut, weil die Thematik ist, wenn wir dann die Profilschärfung machen,
könnte es sein, dass wir auf ganz was anderes kommen, wie die Dame vorher gemacht hat.
Und dann ist das immer mit Angst verbunden, weil dann schon wieder so Fragen
kommen, wieso soll mich jemand nehmen?
Ich habe darin nicht studiert, ich habe keine Ausbildung darin,
ich habe keine Erfahrung darin und kannst einfach nur gut.
Und dann diese Bestärkung zu haben, auch Wege zu finden, wie das Risiko ärmer ist.
Also man muss ja es nicht so machen wie ich, im Sinne von ich schmeiße ihn und
mache komplett. Also das war schon, das ist halt mein Naturell.
Aber es muss nicht für jeden funktionieren und deswegen machen wir das auch
tatsächlich nur in Einzelgesprächen nie in der Gruppe um herauszufinden,
was ist der richtige Weg und dann die Angst zu nehmen weil es auch darum geht
zu sagen, naja, wenn nicht jetzt, wann dann.
Und ich habe ein Beispiel von einer Kundin die war zu dem Zeitpunkt,
wo sie bei uns war 32, hatte drei Jungs wie die Orgelpfeifen,
Und konnte und wollte in ihrem Job, den sie vorher gemacht hat, nicht mehr starten.
Und dann kam raus, sie muss eigentlich eine Ausbildung machen für Kauffrau im
Einzelhandel, Schwerpunkt Interior Design, Fokus Einbauküchen.
Das ist mal eine Schärfung. Und dann hat sie gesagt, ja, ich kann doch jetzt
mit 32 keine Ausbildung anfangen.
Dann bin ich ja 36 oder 35, wenn ich fertig bin.
Und dann habe ich gesagt, jetzt gebe ich dir mal einen rechnerischen Newsflash.
Du bist 36, egal ob du jetzt eine Ausbildung anfängst oder nicht,
in drei Jahren bist du 35, 36.
Stell dir mal vor, wie das Leben ist, wenn du dann die Ausbildung gemacht hast
oder wenn du es nicht tust, also Opportunitätskosten. Und dann hat sie das angefangen.
Und sie wusste, es wird hart, ja klar, aber sie hat auch den Job sofort gekriegt
und hat den Vertrag noch im Interview bekommen.
Dann hat sie mich angerufen und gesagt, ist das normal? Dann habe ich gesagt,
nein, das ist nicht normal.
Und der hat gesagt, ich brauche jemanden mit mehr Erfahrung und du bist genau die, die ich haben will.
Und dann hat die ihren Job so gut gemacht, dass sie sogar ihre Ausbildungszeit
verkürzen durfte. Auf, glaube ich, zwei Jahre oder zweieinhalb.
Und früher aufhören durfte und jetzt, wo das glücklich ist und sagt, hey, perfekt, genau so.
Aber dann den Schubs zu geben. Zu sagen, pass mal auf, überleg dir,
wie das Leben ausschaut, wenn du es nicht tust.
Und das meiste, was an Schmerz irgendwann mal am Lebensende passiert,
ist Dinge, die man nicht gemacht hat.
Absolut.
Und da helfen wir beim Schubsen. Und wir sagen immer, du musst nix,
einen Scheiß musst du, aber überleg dir, ob du möchtest.
Weil auch viele Mama sagen, also ich muss heute noch Wäsche waschen und ich
muss heute noch dieses, jenes.
Und ich sage, musst du das heute oder möchtest du es heute? Weil muss heißt, morgen ist es zu spät.
Ja, okay, morgen ist nicht zu spät. Ah, was möchtest du denn stattdessen tun?
Ja, aber da geht es um mich.
Und da fühlen wir rein, um da die Angst vorm Sprung tatsächlich auch ein bisschen zu nehmen.
Ich glaube, umso länger man nicht springt, umso schwieriger wird es auch, oder?
Meistens schon. Aber ich habe auch Kundinnen, die sind jetzt seit zwölf Jahren
draußen und dann sind sie gesprungen und quasi schon bei Absprung hatten sie den Job.
Also das ist immer individuell, ja, aber...
Der Sprung muss irgendwann mal gemacht werden. Und es muss halt so erfolgen,
dass er einen nicht in einem finanziellen Ruin treibt. Dafür sind wir aber da.
Und zu sagen, naja, vielleicht ist es ein Etappenziel.
Dann springe ich halt mit einem Fuß. Und dann gucke ich weiter.
Und dann leckt man irgendwann mal Blut und denkt sich, hey, ich kriege das viel besser unter.
Die Menschen, mit denen ich jetzt zusammenarbeite, verstehen mich.
Ich muss mich nicht entschuldigen, wenn das Kind krank ist und ich gehe. Oh, ist das angenehm.
Ja, das kann auch schon einen riesigen Unterschied machen.
Unheimlich. Ich habe jetzt bis
auf eine Person nur Mamas bei mir in der Anstellung und keine in Vollzeit.
Und die rupfen mir die Sachen weg wie nichts. Weil also wenn einer priorisieren
kann, dann sind es Mütter.
Das sage ich auch immer. Niemand kann in so kurzer Zeit so effektiv arbeiten
wie jemand, der weiß, okay, mein Kind schläft jetzt nur eine halbe Stunde,
danach kann ich nicht mehr.
Also als Beispiel jetzt habe ich auf jeden Fall auch so wahrgenommen.
Also eigentlich sind Teilzeitarbeitende Mütter die effektivsten Arbeiter überhaupt.
Absolut, weil die können priorisieren, die wissen, wie schnell was gehen muss,
die machen es auch effizienter.
Das heißt, die merken, wenn was zu lange dauert, dass man es schneller machen
kann, besser machen kann, kommen die um die Ecke und sagen, wieso machen wir das eigentlich so?
Das geht eigentlich schneller hier so und qualitativ gleichwertig.
Und da muss ich immer schmunzeln, weil ich immer denke, genau so ist es.
Und so bin ich tatsächlich auch bei meiner letzten Anstellung eingestellt worden.
Weil da war ich gerade in Elternzeit und ich bin quasi sozusagen gehethuntet
worden von einem Finanzdirektor, der gesagt hat, hey, willst du nicht nach Ulm?
In Anstellung in einer Abteilungsleiterrolle. Und das, was ich gemacht habe,
war ihm es erstmal auszureden.
Im Sinne von, du weißt aber schon, ich habe ein Kind, das ist kein halbes Jahr alt.
Ich kann aber nur Teilzeit. Und wenn es krank wird, dann muss auch ich heim.
Und dann war er ganz ruhig und hat gesagt, versuchst du mir gerade auszureden, dass ich dich nehme?
Oder was? Ich so, nein, ich möchte nur, dass du weißt, auf was du dich einlässt.
Dann hat er gelacht und hat gesagt, Christiane, ich weiß auch,
auf was ich mich einlasse.
Ich halte dich vollzeit gar nicht aus. Das, was du Teilzeit runterrufst,
das reicht uns völlig. Und dann habe ich mir gedacht, ach guck,
so habe ich es noch nie gesehen.
Und dem folge ich jetzt, diesem Mantra.
Sehr, sehr gut. Würdest du dich selber als Feministin bezeichnen?
Nein, würde ich nicht. Ich will mich als emanzipiert sehen, ja,
aber nicht als Feministin, weil es immer noch einen Grund gibt,
warum Männer bestimmte Arbeiten machen und Frauen bestimmte Arbeiten machen.
Also möchte ich ins Militär? Ich denke nicht.
Möchte ich auf dem Bau arbeiten? Nein, Dankeschön.
Es hat immer noch einen Grund, warum wir so sind, wie wir sind und es ergänzt sich.
Es geht einfach darum, nicht feminist zu sein, sondern ein guter Mensch zu sein
und seine Stärken, die man hat, sinnvoll zu nutzen.
Und das aber dann trotzdem unabhängig davon, also wie soll man sagen,
nicht weil man eine Frau ist oder trotzdem man eine Frau ist,
sondern einfach… Völlig losgelöst davon. Ja, völlig losgelöst davon.
Finde ich sehr schön, weil ich finde, wenn man irgendwie Frauen stärkt,
dann kriegt man das oft so ein bisschen vorgeworfen.
Ja, also wir haben auch….
Was jetzt ja nicht unbedingt was Negatives ist, aber ich finde das immer ein
ganz spannendes Thema irgendwie.
Wenn, dann kriege ich es von einer Frau vorgeworfen, nicht von einem Mann.
Was ich total spannend finde.
Also zum Beispiel unsere sehr
coole Story, wo ich immer noch sehr stark schmunzeln muss, ist unser Name.
Das ist das Dornröschen. Dornröschen Karriereberatung. Man kennt uns unter dem Acht.
Die sind ja vom Dornröschen. Also wir brauchen die Karriereberatung schon gar
nicht mehr, weil man uns kennt wie so einen bunten Hund.
Und ich bin aber auch mal gefragt worden, wie ich denn auf diesen unprofessionellen
Namen gekommen bin. Also das ist ja überhaupt nicht professionell.
Und wurde mir von einer Frau gesagt, dass sie den nicht nur unprofessionell
findet, sondern hochgradig kritisch.
Weil er nämlich die sexualisierte Übergriffe auf Frauen gut heißt.
Und dann habe ich mir gedacht, jetzt bin ich raus.
Ja, ja, was ist denn passiert? Dass du ein Röschen schläft. Der Prinz küsst
das Dornröschen ohne dessen Einverständnis.
Wenn ich jetzt auch noch den Namen so habe, dann verherrliche ich ja die sexualisierte.
Übergriffe an Frauen, die sich nicht wehren können. Und man dachte so,
okay, die Kurve habe ich noch nicht gekriegt.
Und dann hat sie gesagt, naja, oder ich kann natürlich falsch liegen,
aber man dachte so, okay, jetzt hat sie es.
Oder das, was sie macht, funktioniert eh nicht und deswegen ist es ein Märchen.
Und ich habe gemeint, ich lache, weil ich mir dachte, die meint das sicherlich
nicht ernst. Und die hat aber nicht gelacht. Das heißt, das war ihr voller Ernst.
Und ich möge doch nochmal darüber nachdenken, den Namen zu ändern.
Ich habe gesagt, ja, ich überlege es mir nochmal kurz. Alles klar.
Aber ich kann nicht jeden zufriedenstellen. Ich will nicht jeden zufriedenstellen.
Und Profilschärfung, das, was wir mit unseren Müttern auch tun,
diesen Standard muss ich ja bei mir auch ansetzen.
Das heißt, Dornröschen, entweder findet man es total offig, oder man findet es charmant.
Entweder man findet, dass ich viel zu aufgedreht bin oder man findet es genau richtig.
Das heißt, man wird nie, auch nicht im Privaten, mit jedem gut Freund sein.
Manche finden es cool, manche finden es nicht cool.
Der Kicker ist, ich kann mir halt aussuchen, wen ich bei mir haben will und
wen nicht. Und das ist mit der Profilschärfung genauso.
Als Frau würde ich ja auch nicht sagen, ey, ich nehme jetzt den Mann,
weil bevor ich keinen habe, nehme ich halt den.
Ich weiß nicht, wie lange das hält. Oder man sagt, hey, ich habe einen gewissen Standard.
Ich möchte, dass das und das hier da ist. Und im Gegensatz hat aber der Mann
auch Erwartungen an mich.
Ich kann ja immer nur fragen. Und dann passt es entweder oder es passt nicht. Ja, aber ich finde.
Das ist ja in allen Bereichen eigentlich so. Also ich glaube,
es ist für niemanden gut, für alle richtig zu sein, sondern die meisten fahren
besser damit, dass wenn jemand sagt, das ist irgendwie nicht so meins,
dann ist es auch besser, dass man da dann auch nicht hingeht. Also für beide Seiten.
Absolut. Deswegen machen wir auch kostenlose Erstgespräche, um erst mal herauszufinden,
passt es für beide Seiten.
Wenn ich jetzt einen Arzt hätte, Spezialisierung ist toll.
Ich hätte gerne nicht, dass mein Hausarzt gleichzeitig noch ein Gynäkologe ist und HNO.
Ich hätte meine Fragen, ob er da in allen Bereichen seine Expertise hat.
Und ich möchte auch nicht bei dem Patient sein.
Es geht um Spezialisierung. Machen wir auch. Und ja, das sind alles Doktoren.
Aber ich hätte gerne einen, wenn ich eine HNO brauche, möchte ich nur eine HNO,
der auch nur HNO macht und nicht nebenher noch Gynäkologie.
Das hat was damit zu tun, womit ich meine Zeit verbringe. Und deswegen,
in dem Moment, wo es generalistisch wird, es ist für alle da,
die es interessiert, kann es nicht gut sein.
Und das gilt auch für die Mamas, die dann sagen, naja, ich schmeiße jetzt meine
Bewerbung auf den Markt für alle, die es interessiert, weil irgendwas mit Menschen wäre toll.
Ja, nee. Was möchtest du machen? Ah, du möchtest Kauffrau im Einzelhandel sein.
Schwerpunkt Interior Design, Fokus Einbaukuchen. Ja, okay, gut.
Das ist halt nochmal eine andere Hausnummer. Und das bedeutet auch,
wenn etwas scharf ist, Profilschärfung hat es Ecken und Kanten und manche finden es gut und manche nicht.
Ich werde weiterhin immer noch da ein Röschen sein. Und diese Anekdote,
die ich erzählt habe, die ist bei uns sehr präsent, weil wir jedes Mal schmunzeln
müssen, wenn wir daran denken.
Weil wir Bereiche damit überhaupt nicht abgedeckt haben, wo man dachte,
das komme ich doch gar nicht. Und dann finde ich es aber gut.
Teaser, die Dame ist bei uns nie Kunde geworden. Total überraschend.
Und das ist auch für beide Seiten gut.
Ja, ist besser so dann.
Genau. Also von dem her.
Das heißt, dein Fokus und deine Schärfung war von Anfang an klar und ist auch
so geblieben, Frauen und Mütter.
Frauen und Mütter. Wir haben hin und wieder auch mal Männer bei uns,
die witzigerweise dann von ihren Frauen geschickt werden.
Das wollte ich jetzt gerade sagen, das könnte ich mir auch sehr gut vorstellen.
Das war so super, geh doch da auch mal hin zu dir.
Hatten wir auch mit einem Anruf von, ich nenne ihn jetzt mal Jürgen,
der gesagt hat, meine Frau hat gesagt, ich soll mich bei euch melden.
Dann habe ich mir gedacht, ja, das ist schön, dass deine Frau gesagt hat, möchtest du den auch?
Und wir haben jetzt mittlerweile elf Männer bei uns gehabt. Ich hatte vorher
die Auswertung gesehen. Aber,
Die sind bei uns, obwohl sie wissen, was unser Fokus ist, weil die Inhalte sind die gleichen.
Und dann habe ich gesagt, ich ändere nicht die Herangehensweise.
Es wird ein bisschen fischi sein.
Wenn du damit fein bist, bist du bei uns herzlich willkommen.
Werde ich dafür Werbung machen? Nein.
Das heißt, wenn mal einer kommt, dann wird der genauso in ein Erstgespräch geführt,
der wird genauso Auftragsklärung gemacht.
Und erst wenn beide sagen, das macht wirklich Sinn und ich weiß,
auf was ich einlasse, Dann machen wir es.
Und ich hatte ein Pärchen, war erst sie da, dann hat sie mir ihren Mann geschickt.
Und die zwei waren, da war sie noch nicht fertig und er hat schon angefangen.
Und dann haben sie versucht, die Hausaufgaben voneinander abzuschreiben.
Und ich habe mir gedacht, was wird denn das? Und er hat mir nicht abschreiben lassen.
Und dann wollte er das. Ich habe
das jetzt eingeschlossen bei mir in der Schublade. Der hat wieder geguckt.
Dann sage ich, ihr wisst schon, das klappt nicht. Wir machen ja eine Schärfung.
Ja, und dann habe ich ihn gefragt, hast du heute schon eine Hausaufgabe gemacht?
Und dann haben wir gedacht, ich würde ja gerne Mäuschen spielen.
Und ich dachte, das sind auch Ebenen, die ich so nicht vorher gesehen habe.
Und die sind jetzt beide happy.
Okay, cool. Und jeder in einem ganz anderen Bereich. Ja, ja.
Aber das heißt, es ist natürlich bei dir jetzt nicht so ganz aussagekräftig,
wenn man das so ganz statistisch rangehen würde, weil elf Männer gegen wahrscheinlich
sehr, sehr viele andere Frauen. 400. Genau.
Kannst du trotzdem da irgendwie so eine, wie soll ich sagen,
so eine Gemeinsamkeit Männer gegenüber Frauen irgendwie feststellen?
Ich kann die Unterschiede besser herausarbeiten. Bestes Beispiel,
es gibt eine Excel-Liste, wo ich der Mama sage, sie soll, oder eine Übung,
die man auch in Excel machen kann,
welche Rollen sie gerade inne hat und wie viel Zeit das sie kostet und dass
sie mal sieht, wie ist es aktuell und wie hätte sie es gerne.
Jede Frau malt mir auf dem Papier diesen Kreis mit den ungefähr Werten dieser Rollen.
Von diesen elf Männern haben fünf gesagt, sie haben eine Excel-Liste gemacht
mit einem Makro und ob eigentlich die Schlafzeiten auch noch mit eingerechnet
werden können, hochgerechnet auf die Wachzeiten, im Prozent umgerechnet auf den Rollenkuchen.
Ich habe Fragen. Das heißt, die Herangehensweise, die Lösungsorientierung ist
bei Frauen und Männern eine komplett andere.
Bei Männern ist es analytisch effizient, so muss es. Machen wir eine Excel-Liste
draus, dann sind es nämlich 22,5 Prozent und nicht 22 Prozent.
Dass mir das völlig Bums ist, sondern es darum geht, wie das im Verhältnis zu und an der Ausschau.
Und wie man es vielleicht auch selber überhaupt wahrnimmt, oder?
Ja, natürlich. Ich bin von keiner Frau gefragt worden, ob die Schlafzeiten mit
eingerechnet werden sollen.
Die Prozente von jedem Mann wurde gefragt, ob das mit eingerechnet wird. Und Wochenenden.
Themaverfehlung. Die muss man dann alle wieder zurückholen. Weiterhin versuchen
einem Mann zu sagen, mach mal ein Vision Board.
Geh mal los, hol mal ein Magazin hier, tu mal ausschneiden und kleb das mal irgendwo hin.
Keine Chance. Das klappt nicht. Das heißt, ich bin auch ausgebildeter systemischer
Lernkulturentwickler.
Das heißt, ich habe gelernt, wie Erwachsene am besten lernen und wie Einzelne
am besten lernen und wie halt auch an der Stelle Frauen am besten lernen.
Und Frauen lernen ganz anders als Männer.
Frauen brauchen ganz viel zuhören. Und man kennt es vielleicht selber,
wenn einem irgendwas aufregt und man sagt es dann dem Partner,
dann geht es nicht um Lösungen, sondern man will einfach darüber jetzt reden.
Ja, und man will, dass der andere das hört und sieht.
Genau, aber mehr auch nicht. Ich brauche an der Stelle keinen Ratschlag.
Und für Männer ist es so, okay, es ist ein Problem, es braucht eine Lösung.
Dass aber für Frauen erstmal die Lösung ist, lass mich das erstmal von der Seele reden.
Lass mich während dem Reden überlegen, was ich dann tun kann.
Ist ein ganz anderer Ansatz.
Und deswegen wird sich auch mein Fokus nicht verändern, weil ich werde Frau
bleiben. Ich werde immer Mama sein und deswegen werde ich auch meine Zielgruppe
so ausrichten, dass ich am besten helfen kann.
Und das kann ich nur, wenn ich selber weiß, wovon die reden.
Und damit bleibt es.
Was mich jetzt noch interessieren würde so ein bisschen.
Hast du natürlich uns jetzt ja schon mitgenommen, auch in deine Entwicklung.
Wie kam es denn dann von, ach ich mache das jetzt einfach mal zu,
ah okay, ich werde von der Agentur für Arbeit empfohlen, sage ich mal,
weitergeleitet zu, du hast jetzt wie viele MitarbeiterInnen?
Darf ich sagen, dass ich den Überblick verloren habe? Also aktuell glaube ich
acht Feste und N hoch Freelancer.
Wie es dazu gekommen ist, also ist meine ganz persönliche Meinung.
Mit ganz viel Gnade von oben.
Weil wenn mir jemand vor 2020 gesagt hätte, dass ich mich selbstständig mache,
ein Jahr drauf eine GmbH habe, ein paar Jahre drauf fast zehn Mitarbeiter hätte
ich ihm am Vogel gezeigt und gesagt, was habt ihr heute geraucht?
Ich glaube, das ist eine Entwicklung, die eigenen Schmerzpunkte zu erkennen.
Und deswegen musste ich erst Mama sein und mein Kleiner ist 16 geboren.
Und das musste sich entwickeln, zu sagen, wie hätte ich es denn gern?
Und auch das mit der Agentur, ich glaube auch nicht an Zufälle.
Das kam zu dem Zeitpunkt, wo es kommen musste.
Und so haben sich auch alle unsere Maßnahmen entwickelt.
Das heißt, ich mache das nicht mit, was könnte jetzt als nächstes the next best
crazy thing sein und wo könnte ich jetzt am meisten Kohle mitverdienen,
sondern ich sehe es aus den Nöten der Kunden, die da sind.
Und wir haben mit Berufsorientierung angefangen und dieses mentale Gesundheitsthema
zum Beispiel ist daraus gewachsen, dass immer mehr in diesen Sessions Themen
kommen, die nichts mit dem Beruf zu tun hatten.
Dann habe ich gesagt, wir müssen das eigentlich separat machen,
Sonst kommen wir zeitlich nicht hin.
Und dann wurde es entwickelt. Das heißt, es folgt meines Erachtens einer natürlichen
Reihenfolge, die von mir gar nicht so beeinflusst wird.
Ich mache dann einfach. Das heißt, ich sehe, wo die Tür offen ist und dann gehe
ich da rein. Und das ist nicht immer einfach.
Vor allem, wenn man immer der Erste ist, der es macht. Auch schon einige nasenblutig
geschlagen, aber so bin ich.
Und das ist ja auch irgendwie, so geht es mir, das ist auch das Spannende an
der Selbstständigkeit, dass man einfach, ah, da ist eine Tür,
da kann ich jetzt einfach durchgehen und ich muss niemanden fragen.
Im Zweifel geht es schief, dann bin ich selber schuld, aber ich kann es einfach machen. Richtig.
Und ich habe ein Team hinter mir, das Gold wert ist, weil die ticken genauso wie ich.
Also im Großen ticken die genauso wie ich, aber das Schöne ist,
dass sie manche Charaktereigenschaften haben, die ich nicht habe,
die das Ganze kompletieren.
Ich bin jemand, ich gehe mit der Machete vorne raus und dann hat es halt links und rechts Späne.
Und dann habe ich Leute, die sagen, das ist ja schön, dass du da gehobelt hast,
sind wir im richtigen Weg. Guck mal hier, da, das können wir noch machen.
Wie räumen wir das auf? Wie sind da die Prozesse?
Und das braucht beides. Weil es braucht einen, der nach vorne geht und der andere,
der Gänsefüßchen aufräumt und so macht, dass es Sinn macht.
Weil dann sehe ich es nicht mehr. Und von dem her geht es nur,
weil ein Team dahinter steht, das genauso brennt wie ich, aber jeder auf seine eigene Weise.
Und somit forciere ich nichts. Aber wenn was schwierig wird oder wenn ich nicht
weiß, wie es weitergeht, dann gehe ich einfach tippselnd voran und denke mir,
die nächste Sprosse wird kommen.
Und wenn sie nicht kommt und ich ins Leere greife, dann gibt es noch 180 andere Optionen.
Und das macht das Ganze doch sehr, sehr spannend. Aufreibend,
also ich habe selbst durchaus Persönlichkeitsentwicklung jetzt hinter mir.
Junger Fuchs, aber ich glaube, das gehört dazu. Und das hat auch was mit Springen
zu tun. Und ich springe quasi alle zwei Wochen in was Neues rein.
Und das dann zu zeigen, dass man es auch aushält, das hat auch was mit Resilienz zu tun.
Absolut. Ja, das kann ich dir nur beipflichten. Hast du da, also macht dir das
auch manchmal Angst, diese Verantwortung auch für so viele Mitarbeiter?
Oder was waren so große Herausforderungen, seitdem du selbstständig bist,
wo du echt mal vielleicht kurz an deine Grenzen kamst oder dachtest so,
nee, doch nicht, stopp zurück, ich lasse das hier.
2025. Das war das krasseste, dunkelste Jahr, das ich jemals erleben durfte,
sowohl privat als auch beruflich.
Die Verantwortung für Mitarbeiter wollte ich nie haben. Ich wollte es immer nur alleine machen.
Deswegen habe ich es ja online gemacht und bei mir im Büro zu Hause.
Ja, am Arsch die Räuber. Das hat genau neun Monate geholten.
Und diese Verantwortung ist manchmal sehr, sehr schwer, weil man die Kämpfe
auch vor den Mitarbeitern nicht auskämpfen kann. Die kämpft man schön im eigenen Kämmerlein aus.
Und 2025 war es zum einen so, dass meine Mama sehr schnell Anfang Januar verstorben
ist und die war noch nicht alt, die war da 64 zu dem Zeitpunkt.
Und dann kam die Budgethaushaltskürzung vom Bund und wir hängen am Bund und
dann kommen keine Maßnahmen, wir haben nicht, weil sie es nicht wollten,
sondern weil der Haushalt nicht freigegeben wurde bis Oktober.
Und dann war es so, dass wir gesagt haben, ja okay, shit, was machen wir denn?
Und das war schon sehr finster, weil dann keine Online-Maßnahmen mehr galt haben
und wir vorher immer nur online gemacht haben.
Und ich dann normalerweise pro Jahr immer eine Maßnahme zertifiziert habe.
Und 25 waren es dann insgesamt vier. Mit den ersten zwei im August.
Und dann war es halt so, dass man auch gesagt hat, okay, wir müssen Stunden
reduzieren, ich will jeden halten. die ganze Belegschaft mitgemacht hat,
sodass ich jeden halten konnte.
Wir sind jetzt noch gestärkter, also uns kann nichts mehr umhauen.
Und die dann mitgemacht haben. Ich hätte sie nicht dazu zwingen können,
aber sie haben alle innerhalb von zehn Minuten gesagt, warum machen wir? Und ich dann...
Ganz oft nachts, und das ist halt für Selbstständige ganz oft so,
nachts irgendwie um halb drei an Maßnahmenzertifizierungen dran war,
von denen ich nicht wusste, ob sie tun.
Dann habe ich sie gemacht, dann haben wir mit denen angefangen und dann hat
es geheißen, ja, eigentlich brauchen wir es nochmal anders.
Dann habe ich nochmal gemacht ab Oktober und habe nochmal neue zertifiziert.
Das heißt, normalerweise brauche ich eine in einem Jahr und dann habe ich vier
gemacht. Von dem her war ich nachts unterwegs.
Das heißt, ganz kurze Zwischenfrage, um es richtig zu verstehen.
Du machst eine Maßnahme, ist in Anführungszeichen ein Projekt,
das dann zertifiziert werden muss, damit du das dann über die Agentur auch verrechnen kannst.
Richtig, genau. Und es handelt sich um Deutschland, deine Behörden und ganz
viel Zettel und Paragrafen und Ausfüllen und Fluchtweg und Feuerlöscher.
Ja, okay, ich kann es mir annähernd vorstellen.
Und das für jede Maßnahme einzeln.
Und es muss ja auch noch bei was rumkommen. Ich muss auch noch die Leute haben,
ich muss die Räume haben. Also das war schon viel.
Und so der dunkelste Moment war irgendwann mal Ende August, wo ich wirklich
in der Nacht in meinem Büro saß, um halb zwei,
mitten zwischen Paragrafen und Gesetzgebungen und sonst wo, und mein Mann reinkam
und ich komplett zusammengebrochen bin.
Und dann habe ich gedacht, wieso mache ich das hierher? Also ich weiß,
warum ich es mache, aber meine Fresse.
Und dann ging es wieder.
Das war einer der dunkelsten Momente und dann sind noch so ein paar Sachen.
Ich bin beschuldigt, wenn Sachen gemacht haben, die ich nicht gemacht habe und
ich mir gedacht habe, können wir jetzt mal wieder in die Realität zurückfinden
und dann ist es ab Oktober,
möchte es mir ja nicht glauben, aber ab Oktober haben wir dann so viele neue Anfragen gekriegt,
Und dann vor allem, wenn es dann im Januar ging, wo dann alle Maßnahmen fertig
waren, dass wir jetzt das Problem haben, dass wir nicht wissen, wohin mit der Arbeit.
Sorry, muss man kurz was denken.
Ja, alles gut. Ich kenne das. Ich erzähle auch in diesem Podcast auch immer
viel von meinem Mann, der auch schon ein bisschen länger selbstständig ist.
Und so dieses Gleichgewicht zwischen, ich habe jetzt gerade genug,
dass die ganzen Rechnungen bezahlt werden und ich habe so viel,
ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Das ist, glaube ich, auch so ein Fluch der Selbstständigkeit oder wahrscheinlich
in jedem Unternehmen, dass das immer so, glaube ich, sein wird.
Es ist entweder zu viel oder zu wenig und so ein perfektes Mittelmaß gibt es nicht.
Es ändert sich nicht. Das Thema ist nur, wie ich damit umgehe und das lernt
man einfach mit der Zeit.
Und wir haben jetzt so viel, dass wir nicht wissen, wohin mit uns.
Wir haben Zusatzräume gebucht.
Wir haben jetzt seit 1.3. einen Standort in Nürtingen aufgemacht.
Das heißt, jetzt gibt es uns sogar auch noch in Nürtingen.
Und das ist ja wieder eine neue Herausforderung und wir werden gerade überschüttet
und wenn ich aber dann sehe, wie die Wirtschaft ist, dann ist das meines Erachtens
echt ein Luxusproblem, wo ich sage, Moment, beschwere ich mich jetzt gerade
darüber, dass wir zu viel haben.
Christiane, erinnere dich mal dran, wie es im August letztes Jahr war.
Also auch so in deinem Pyjama mit einem Rotwein, Zwischengesetzgebungen hast
du gedacht, ihr könnt mich alle mal.
Und das zu wissen, dass man dann solche Momente haben darf und haben muss,
Und dann weiß, warum er weitermacht. Und dann das Ergebnis sieht,
das ist mehr wert als alles Gold der Welt.
Und wenn ich dann noch die Kunden habe, die dann kommen und sagen,
ich habe jetzt drei Jobangebote, welches nehme ich denn?
Und total überfordert sind mit, wieso habe ich jetzt auf einmal drei Jobangebote?
Dann muss ich sagen, dann bin ich da angekommen, wo das hin muss.
Und deswegen mache ich es auch.
Dann hat sich das wieder ausgezahlt.
Ja, absolut.
Aber ich bin auch davon überzeugt, dass das auch einfach mit dazugehört und
dass das auch UnternehmerInnen ausmacht, das auszuhalten und trotzdem weiterzumachen.
Oder dass das eigentlich Erfolg für mich bedeutet, nicht immer erfolgreich zu
sein, sondern halt einfach weiterzumachen. Richtig.
Und meine Erkenntnis daraus ist halt, dass sehr viele genau dann aufhören,
wenn der nächste Schritt den Erfolg gebracht hätte.
Ja, ist auch so. Und ich bin jemanden, ich habe dann auch gesagt,
ich mache das, bis ich tot umfalle. Also mein Ziel ist nicht,
das bis 65 zu machen. In welcher Kapazität?
Weiß ich noch nicht. Aber die Thematik zu sagen, es gibt im Leben Sinn.
Neben der Familie, ich bin ein Vorbild für meinen Kleinen, der aber auch sieht,
dass da ganz viel Arbeit dahinter ist.
Und ich mir denke, ein bisschen hier Lebensphilosophie darf ich dir schon mitgeben
an der Stelle, aber nicht aufzuhören, sondern erst aufzuhören,
wenn etwas außerhalb meiner Macht sagt, jetzt geht es nicht weiter.
Und bis dahin laufe ich mir die Füße rund.
Und das ist, als Unternehmer ist man, das darf man nicht vergessen, sehr allein.
Wie gesagt, ich möchte meine Mitarbeiter nicht missen und die sind alle lieb
und wir sind auch Freunde.
Also man ruft sich auch dazwischen an, aber es gibt eine bestimmte Grenze und
dann muss man sagen, will ich das?
Es ist eine bewusste Entscheidung und das ist auch bei einem der Maßnahmen,
die wir haben. Das ist ein Gründercoaching, was wir anbieten für Leute,
die sich selbstständig machen wollen. Sehr cool.
Wo wir nicht anfangen mit einem Businessplan, sondern der Businessplan ist das
Ergebnis unserer Maßnahme.
Zu sagen, bist du dir sicher, dass es die Selbstständigkeit ist?
Bist du dir sicher, es ist jetzt der richtige Zeitpunkt?
Wieso soll überhaupt irgendwer bei dir kaufen? Was machen dich so besonders?
Und da höre ich schon die Grillen zirpen.
Und dann geht es um Zielgruppensegmentierung, um Angebotserstellung,
Pricing, Businessplan.
Und der darunterliegende Tenor ist, du wirst am Anfang nicht viel verdienen.
Du wirst investieren. Es kann auch scheiße laufen.
Du wirst sehr alleine sein. Wenn du etwas falsch machst, bist du schuld.
Wenn etwas gut läuft, hattest du Glück. Also das ist quasi, so ist die eigentliche
Vorstellung von Unternehmertum.
Und wenn man gewillt ist, es trotzdem zu machen, dann kann man auch nach vorne laufen.
In dem Moment, wo ich da das Gefühl habe, nee, das ist mir zu anstrengend, das möchte ich nicht.
Dann darf man es nicht machen. Nur man darf nie vergessen, dass Sicherheit eine Illusion ist.
Auch im Angestelltenverhältnis kann innerhalb kürzester Zeit gekündigt werden.
Und dann muss ich Sachen machen, die ich vielleicht nicht machen möchte.
Und ne, also dann nicht und wenn ich mir so unser Rentensystem anschaue,
dann arbeite ich sowieso bis die 7 vor,
meinem Namen steht und vielleicht auch bis ich tot umfalle, aber wenn ich es
mache, weil ich weiß, dass ich was Gutes tue und damit auch noch der Familie helfen kann,
und ich nachts gut schlafen kann.
Ja, das ist auch sehr viel wert, das merkt man in der Selbstständigkeit.
Also ich muss gut schlafen können, aber ich muss auch einiges aushalten,
Was mache ich denn jetzt? Wie komme ich jetzt über den Monat? Und,
Und Simon Sinek hat mir so schön gesagt, Leaders eat last.
Das heißt, bevor ich irgendwas kriege, muss ich schauen, dass ich meine Mitarbeiter
versorgt habe, dass die Miete gezahlt ist, dass der Strom gezahlt ist,
dass alles gemacht ist und erst dann komme ich.
Das heißt, für egoistische Leute ist Selbstständigkeit Bullshit-Idea.
Das klappt nicht, weil ich davon ausgehen muss, dass ich erstmal alle anderen
soweit versorge, bevor ich es mit mir mache. Ja.
Absolut.
Sehr viele Erfahrungen auch schon gemacht, die du erzählt hast.
Finde ich richtig cool, da mal auch hinter deine Kulissen blicken zu dürfen.
Sehr gerne.
Du hast hier noch was vor dir liegen, was wir noch kurz ansprechen wollen.
Du hast sogar ein eigenes Buch geschrieben.
Da mal noch ein kleines bisschen mit, wo das herkommt.
Du hast auch schon ein bisschen angedeutet, das ist auch ein Herzensprojekt,
das so aus dir raus musste einfach. Nimm uns da noch mal kurz mit.
Genau, also so würde ich dazu… Kannst du das in Werbung machen.
Danke. Das Buch heißt Einen Scheiß muss ich.
Wie du als Mama dein Ding machst, beruflicher Neustart und Familie mit System deinem.
Das ist tatsächlich auch ein
Herzenprojekt. Das musste auch letztes Jahr raus. Also 25 war turbulent.
Aber hallo. Das musste raus, weil ich auch gesagt habe, naja,
nicht für jeden ist Coaching jetzt das Richtige.
Aber Papier ist geduldig. Und da sind halt auch Übungen drin,
die man selber machen kann.
Ich zeige auch auf, mit welchen Thematiken sich auch Frauen auseinandersetzen
müssen, im Sinne von Vollzeit gleich Rabenmutter, Fragezeichen, oder auch nicht.
Und dann habe ich das gemacht und habe es dann tatsächlich auch meiner Mama
gewidmet und habe gesagt so, guckt mal bitte wieder ein bisschen mehr auf euch.
Und dann habe ich das geschrieben, jetzt wenn man blöd sagt, eigentlich für mich,
dass ich mal alles zusammen habe und für die Leute, die sich das halt einfach,
vom Coaching nicht leisten können, vom Zeitlichen her nicht,
aber sich damit schon mal ein bisschen beschäftigen wollen.
Und in dem Buch sieht man auch, neben den Übungen, die ich mache,
auch Hinweise auf andere Schriftsteller, auf andere Übungen,
dass man immer noch weiterkommt.
Und was das Ganze für mich vielleicht so als Abschluss macht,
also natürlich erhältlich bei Amazon.
Wir verlinken es in den Shownotes.
Aber die Thematik ist, vielleicht kennt der ein oder andere das,
da gibt es ein Gedicht, das vielleicht auch einen schönen Abschluss macht,
ist zu sagen, naja, um was geht es denn?
Dann habe ich auch hier geschrieben, Selbstbestimmung ist das Zauberwort.
Und unabhängig davon, ob man sich je nach persönlicher Weltanschaltung als höchstes
Ziel verstanden wird oder als etwas, das in Verantwortung vor einer Höheren
macht, also zum Beispiel Gott geschieht.
Entscheidend ist, dass wir erkennen, wie wichtig unser eigenes Handeln ist. Und das gilt in allem.
Und da gibt es eben ein Gedicht, das kennt der ein oder andere,
könnt ihr gerne nachlesen, von Invictus, von William E. Hanley.
Und der schreibt eben da auch über diese Sichtweise, es ist entscheidend,
dass das eigene Handeln tatsächlich so wichtig ist.
Und als Antwort darauf habe ich dann quasi meine ganz persönliche,
Interpretation dieses Gedichtes gemacht spiegelt tatsächlich dieselbe Entschlossenheit
aber ist halt verankert nicht nur in meinem eigenen Handeln,
sondern in einer Beziehung von was was über mir drüber steht,
also man möge es lieber Gott nennen oder Universum oder wie auch immer Schicksal
eine größere Macht genau und das würde ich vielleicht so zum Abschluss kurz darlegen Gerne.
Ja.
Das heißt, das Gedicht heißt Das Bond und geht so.
Aus dunkler Nacht und tiefer Pein trage ich mein Herz zu Gott allein.
Ob Wellen drohen, ob Sturm auch schreit, mich hält sein Wort in Ewigkeit.
Mein Haupt bleibt aufrecht, nicht aus Stolz, doch weil ich weiß,
ich bin sein Holz, gepflanzt von ihm in dieser Zeit, was werden soll, ich bin bereit.
Und ist der Weg auch schwer und weit, bei ihm ist Trost auf Lebenszeit.
Der Weg ist frei, die Wahl ist mein, doch nie gehe ich dem Pfad allein.
Durch Gnade werde ich, nicht durch Mocht, in Lieb geführt durch jede Schlacht.
Ich bin der Handschuh, er die Hand, was auch passiert, es hält, das Band.
Und das ist so meins, dass ich sage, okay, ich darf das hier machen und ich
mache es sehr gerne und deswegen ist auch mein Herz dabei, aber ich darf es
so lange machen, wie jemand sagt, dass ich es machen darf. Und deswegen laufe
ich auch so weiter, egal welche Sachen kommen.
Und zur Freude meiner Kundinnen und unserer Kundinnen und werde das auch die
nächsten Jahrzehnte noch tun, wenn ich darf.
Vielen, vielen Dank für deinen ehrlichen Einblick, für deine ganz,
ganz vielen tollen Tipps, Inspirationen und ja,
dass auch als gestandene Unternehmerin mit mehreren Mitarbeitern nicht alles
immer so rosig aussieht und märchenhaft, wie es von außen aussieht vielleicht.
Deswegen
Christiane
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