Gesundheit & Innovation

Sanofi Deutschland

Lungenerkrankung COPD

Mehr als nur eine Erkrankung von Raucher*innen

27.06.2024 14 min Staffel 5 Episode 3

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge geht es also um die COPD, eine Erkrankung, die so häufig auftritt, dass man sie durchaus als Volkserkrankung bezeichnen kann, und die gleichzeitig so gefährlich ist, dass die Weltgesundheitsorganisation sie als dritthäufigste Todesursache weltweit listet. In Deutschland gibt es je nach Quelle zwischen dreieinhalb und sechs Millionen Betroffene. Aufgrund einer vermutlich hohen Dunkelziffer könnten es aber auch noch deutlich mehr sein. Doch was ist das eigentlich, COPD?
MAT-DE-2402231-1.0-06/2024

Transkript

Inka Albrecht
00:00:01
Der Eindruck von der COPD als Erkrankung, man stellt sich einen Patienten vor, der früh schon aufsteht, die Zigarette schon im Mund hat und abends quasi die Zigarette immer noch im Mund hat, ist meiner Meinung nach etwas zu einfach gedacht. Weil das, was dann hängen bleibt, ist, dass man die COPD sieht als eine unliebsame Erkrankung und dass auch dieser Eindruck hängenbleibt, der Patient ist ja eigentlich selbst schuld.
Sprecher
00:00:24
Und das stimmt nur zum Teil. Denn Tabakrauch ist zwar der größte Risikofaktor für die Lungenerkrankung COPD, doch eben nicht allein. Auch Verbrennungsrückstände, Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz oder genetische Veranlagungen können diese folgenschwere Erkrankung auslösen, von der weltweit fast 400 Millionen Menschen betroffen sind und bei der hier in Deutschland jeder fünfte Mensch innerhalb nur eines Jahres nach der initialen Diagnose stirbt. Und damit herzlich willkommen, zu „Gesundheit und Innovation“, dem Podcast, in dem wir über wissenschaftliche Entdeckungen, medizinischen Fortschritt und moderne Fertigung berichten. Wir erklären, mit welchem Potenzial wir die Medizin verändern wollen, um für Millionen Menschen das Unmögliche möglich zu machen. In dieser Folge geht es also um die COPD, eine Erkrankung, die so häufig auftritt, dass man sie durchaus als Volkserkrankung bezeichnen kann, und die gleichzeitig so gefährlich ist, dass die Weltgesundheitsorganisation sie als dritthäufigste Todesursache weltweit listet. Nur koronare Herzerkrankungen und der Schlaganfall sind häufiger. In Deutschland gibt es je nach Quelle zwischen dreieinhalb und sechs Millionen Betroffene. Aufgrund einer vermutlich hohen Dunkelziffer könnten es aber auch noch deutlich mehr sein. Doch was ist das eigentlich, COPD? Inka Albrecht ist Immunologin. Bei Sanofi in Deutschland beschäftigt sie sich mit neuen Behandlungsmöglichkeiten chronisch-entzündlicher Erkrankungen, zu denen auch die COPD gehört.
Inka Albrecht
00:01:59
COPD ist Englisch, steht für chronic obstructive pulmonary disease. Wenn man es auf Deutsch übersetzen würde, heißt es chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Und anhand dieses Namens erkennt man eigentlich schon, um was es bei der Erkrankung geht. Es geht nämlich darum, dass sich die Atemwege verengen und dann letztendlich auch spezifische Symptome entstehen, mit denen der Patient dann zu kämpfen hat.
Sprecher
00:02:23
Gemeint sind damit einige typische Symptome, wie man sie zum Beispiel auch von saisonalen Atemwegserkrankungen kennt. Doch können diese bei einer COPD, vor allem im weiteren Verlauf, noch sehr viel stärker auftreten. In der Diagnostik werden sie unter der Abkürzung A-H-A zusammengefasst.
Inka Albrecht
00:02:42
Das erste A steht tatsächlich für Atemnot, das heißt, der COPD-Erkrankte bekommt natürlich dann auch wenig Luft. Er klagt über ein Engegefühl in der Brust und so was wie für uns normale körperliche Belastung wie zum Beispiel Treppensteigen sind entweder extrem herausfordernd oder vielleicht sogar bei einem sehr schwer betroffenen Patienten gar nicht mehr möglich. Das H steht natürlich für Husten. Das ist das Hauptsymptom eigentlich der Erkrankung und der kann auch allmählich immer hartnäckiger werden und plagt natürlich den Erkrankten extrem. Und das letzte A steht für Auswurf, das heißt, der Betroffene hat sozusagen eine erhöhte Schleimproduktion. Und dieser Schleim ist meistens auch sehr zäh und kann nur schwer abgehustet werden.
Sprecher
00:03:22
Auch brummende, pfeifende oder keuchende Atemgeräusche sind typische COPD-Symptome. Im Gegensatz zu saisonalen Erkältungserkrankungen, die mit der richtigen Behandlung in der Regel ohne bleibende Schäden wieder abklingen, ist die COPD dazu eine chronische Erkrankung. Die Symptome bleiben also dauerhaft. Auch zu Asthma, das ebenfalls einige vergleichbare Symptome verursacht, gibt es charakteristische Unterschiede.
Inka Albrecht
00:03:49
Zum Beispiel Asthma wird oftmals in der Kindheit oder Jugend diagnostiziert. Bei COPD ist es so, dass wir hier quasi eine Diagnose eher zu späteren Zeitpunkt ab dem 40. Lebensjahr oder vielleicht sogar späteren Lebensdekaden haben. Bei Asthma gibt es oft einen Zusammenhang mit Allergien. Das ist bei COPD nicht gegeben und umgekehrt, bei COPD gibt es halt diesen Zusammenhang letztendlich mit dem Tabakrauchen, der bei Asthma nicht vorhanden ist.
Sprecher
00:04:16
Auch Yvonne, Mitte Vierzig, war lange Jahre Raucherin. Weil sie über einen längeren Zeitraum Probleme mit dem Luftholen hatte und sogar beim Treppensteigen in Luftnot geriet, ging sie schließlich zum Arzt. Dort bekam sie die erschütternde Diagnose: Schwere COPD. Das bedeutet, ihre Lunge hatte bereits mehr als die Hälfte ihres Volumens verloren.
Yvonne
00:04:38
Und ja, da saß ich dann da mit der Diagnose und war zu dem Zeitpunkt auch noch Raucher, muss ich dazu sagen. Und da ist für mich im Prinzip eine Welt zusammengebrochen. Also der Arzt hat gesagt, ich kann mich entscheiden, entweder ich rauche weiter oder ich hör auf und leb dafür länger. Und ja, an dem Tag habe ich tatsächlich meine letzte Zigarette geraucht.
Sprecher
00:05:00
Damit ist Yvonne geglückt, was vielen anderen nicht gelingt. Trotz Diagnose raucht knapp die Hälfte der ursprünglich rauchenden COPD-Patient*innen weiterhin. Auch das führt zu der hohen Todesrate, die bei der COPD mit rund 20 Prozent innerhalb des ersten Jahres nach der initialen Diagnose sehr hoch ist. Dennoch - die Einschränkungen, mit denen Yvonne auch als Ex-Raucherin nun leben muss, bleiben. Und sie sind massiv. Ohne Pause kommt sie über die Treppe nicht mehr in den dritten Stock. Wenn sie dabei zusätzlich noch Wäsche oder eine Einkaufstasche trägt, sei es noch beschwerlicher.
Yvonne
00:05:38
Dann ist es tatsächlich so, dass ich, wenn ich dann oben bin und die Taschen alles abstellt, dass ich mich dann wirklich so nach vorne beugen muss und dann versuch langsam zu atmen, dass ich wirklich wieder Luft bekomme, dass dieser Druck rausgeht. Ich merke dann wieder mein Herz anfangen zu pochen, teilweise. Und wie das Gefühl, wie wenn mir jemand die Luft abschnüren würde, tatsächlich. Wie wenn ein Kloß im Hals ist und dann so ein Druck auf der Brust drauf.
Sprecher
00:06:02
Hoffnung, dass Yvonne ihr verloren gegangenes Lungenvolumen zurückbekommt, gibt es nicht, wenn das Lungengewebe erst einmal zerstört ist. Die COPD ist also nicht heilbar. Dazu kommt, dass sie eine progrediente Erkrankung ist, was bedeutet, dass sie fortlaufend ist und die Symptome mit der Zeit immer mehr zunehmen. Gerade am Anfang verläuft die Erkrankung jedoch vielfach schleichend.
Inka Albrecht
00:06:26
Das bedeutet, dass der COPD-Patient sich am Anfang vielleicht auch gar nicht so unbedingt krank fühlt. Also viele haben dann auch Husten und tun das so ein bisschen als Raucherhusten sozusagen ab. Und im Verlauf der Erkrankung leidet der Patient aber immer mehr.
Sprecher
00:06:40
Dennoch warnt Inka Albrecht davor, die COPD als reine „Raucherkrankheit“ zu sehen.
Inka Albrecht
00:06:45
Der Eindruck von der COPD als Erkrankung, man stellt sich einen Patienten vor, der früh schon aufsteht, die Zigarette schon im Mund hat und abends quasi die Zigarette immer noch im Mund hat oder schon die Schachtel leer geraucht hat, ist meiner Meinung nach etwas zu einfach gedacht. Weil das, was dann hängen bleibt, ist, dass man die COPD sieht, als eine unliebsame Erkrankung sozusagen, und dass auch dieser Eindruck hängenbleibt. Der Patient ist ja eigentlich selbst schuld.
Sprecher
00:07:10
Tatsächlich haben in Deutschland fast 20 Prozent der COPD-Patient*innen niemals in ihrem Leben selbst geraucht, auch wenn der Tabakrauch natürlich bei uns der Risikofaktor Nummer eins ist. Dennoch gebe es eben auch hier und insbesondere in anderen Teilen der Welt noch weitere Risikofaktoren.
Inka Albrecht
00:07:29
Sowas wie Luftverschmutzung, zum Beispiel Feinstaubbelastung oder auch zum Beispiel arbeiten in schadstoffbelasteter Luft mit Arsen oder Asbest beispielsweise. Das sind die Risikofaktoren Nummer eins in den industrialisierten Ländern. In den nicht-industrialisierten Ländern ist es ganz spannend, weil da ist Risikofaktor Nummer eins das Kochen in geschlossenen Räumen.
Sprecher
00:07:49
Neben einer möglicherweise genetischen Veranlagung oder physiologischen Ursachen wie einem abnormalen Lungenwachstum ist es also vor allem die Schadstoffbelastung in der Luft, die bei der Entstehung einer COPD eine Rolle spiele. Das Vermeiden von Risikofaktoren spielt daher sowohl in der Prävention als auch der Behandlung der Erkrankung eine zentrale Rolle. Genauso wie ein aktiver Lebensstil. Je nach Schweregrad hilft es COPD-Erkrankte in Lungensportgruppen verbesserte Atemtechniken lernen und gezielt die Atem-Muskulatur stärken. Dazu Medikamente nehmen, die helfen, die verengten Atemwege wieder zu erweitern, indem sie Schleim lösen oder Entzündungen hemmen. Diese erleichtern dann zwar das Atmen, können jedoch wieder andere Nebenwirkungen mit sich bringen, was wiederum auch die Lebensqualität beeinträchtigen kann. In sehr schweren Fällen kann auch eine Sauerstofftherapie oder in Ausnahmen sogar eine Lungentransplantation notwendig werden. Vor allem aber ist bei COPD-Patient*innen eine genaue und kontinuierliche Beobachtung des Krankheitsverlaufs notwendig. Denn die COPD ist nicht nur gefährlich, weil es eine fortlaufende Erkrankung ist, sondern auch, weil sich der Gesundheitszustand der Betroffenen oft ganz schnell und akut verschlechtern kann. Durch sogenannte Exazerbationen.
Inka Albrecht
00:09:11
Exazerbation steht eigentlich für Verschlimmerung der Erkrankung. Also definiert ist es als eine akute, mindestens zwei Tage anhaltende Verschlechterung der Erkrankung oder Verschlechterung der respiratorischen Symptomatik, also dieser A-H-A-Symptomatik. Und man kann das sogar auch einteilen in unterschiedliche Schweregrad, also zum Beispiel, dass der Arzt die Notwendigkeit sieht, Cortison-Tabletten zu geben, das heißt also die Behandlung zu intensivieren oder vielleicht sogar der Patient die Notaufnahme aufsuchen muss oder vielleicht sogar ins Krankenhaus muss und dort noch intensiver behandelt werden muss.
Sprecher
00:09:44
Denn für die Betroffenen ist jede Exazerbation eine potenziell lebensbedrohliche Situation, die entsprechend dringliches Handeln erfordern kann. Man müsse sie daher von der Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit her auf einer Stufe sehen mit dem Herzinfarkt.
Inka Albrecht
00:09:59
Und ich muss sagen, ich finde den Vergleich wirklich genial, weil wenn man hört Herzinfarkt, dann denkt man sofort, Oh, ich muss handeln, ich muss diesen Patienten helfen, ich muss eine Therapie ansetzen oder operieren oder ähnliches. Und genau dieses, Ich muss handeln, muss auch bei dem Begriff Exazerbation bei COPD passieren, weil letztendlich auch Daten gezeigt haben, dass die Exazerbationen zusammenhängen mit einer verstärkten Abnahme der Lungenfunktion und natürlich auch mit einer erhöhten Sterblichkeit. Und das zeigt, das sind extrem ernstzunehmende Ereignisse sozusagen, und darauf muss man letztendlich achten.
Sprecher
00:10:33
Was die COPD dabei besonders tückisch macht, ist, dass der Verlauf nicht, wie zum Beispiel bei Asthma, variabel ist. Es geht also nicht mal besser, mal schlechter und dann wieder besser. Exazerbationen mehren sich im fortschreitenden Krankheitsverlauf. Treten also zunehmend häufiger auf. Zudem verschlechtert sich der Gesundheitszustand mit jeder von ihnen dauerhaft. Genau das macht sie so gefährlich und darum will man jede einzelne Exazerbation auch um jeden Preis verhindern. Für die Betroffenen ist das nicht nur physisch, sondern auch psychisch eine Belastung.
Ingo
00:11:07
Bei dieser Krankheit, wenn du in ein höheres Stadium eintrittst, merkst du auch, dass die Beschwerden stärker werden und du merkst halt, dass Aktivitäten nicht mehr so auszuführen sind wie vor einigen Jahren noch.
Sprecher
00:11:19
Auch Ingo, 56 Jahre, ist seit fünf Jahren COPD-Patient. Bemerkt hat er die Erkrankung, weil er nach langen Läufen oder anstrengenden Arbeitstagen einfach umgekippt sei. Heute ist sein Leben ein anderes.
Ingo
00:11:33
Ich bin sehr gerne mit meiner Partnerin wandern gegangen. Durch meine Erkrankung gibt es in der Tat einige Dinge, die ich momentan nicht mehr so häufig tun kann, die ich früher gern getan habe. Das ist zum Beispiel, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin mit meiner Partnerin. Das war früher was ganz Normales, dass man am Wochenende sich aufs Fahrrad geschwungen hat. Jetzt ist es so eine Sache, dass ich mir das einfach nicht mehr zutraue. Das schränkt mich schon ein bisschen ein.
Sprecher
00:11:58
Um den Verlust von Lungengewebe und Lebensqualität zu begegnen, ist es daher besonders wichtig, die COPD möglichst frühzeitig zu diagnostizieren und zeitnah mit der passenden Therapie zu beginnen. Das passiert in der Regel beim Lungenfacharzt oder der Lungenfachärztin und beginnt mit der Patienten-Anamnese.
Inka Albrecht
00:12:17
Das bedeutet einfach, dass man den Patienten alles fragt über seine Krankengeschichte. Also man erfragt sozusagen alle medizinisch relevanten Informationen, aber auch zum Beispiel Lebensstil, zum Beispiel Exposition zu Schadstoffen wie Tabak, Rauchen oder Schadstoffbelastung in der Luft.
Sprecher
00:12:33
Auch die charakteristischen A-H-A-Symptome spielen hierbei natürlich eine wichtige Rolle. Dazu kann der Arzt noch die Lungenfunktion messen und gegebenenfalls eine CT- oder Laboruntersuchung veranlassen. Doch damit es überhaupt zu einer Diagnose kommen kann, müssen sich die Betroffenen erst einmal mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen und diese als solche wahrnehmen.
Inka Albrecht
00:12:56
Meistens ist es halt so, dass beim Beginn der Patient auch häufig seine Symptome so ein bisschen leugnet, also dass er zum Beispiel sagt ja, es ist halt Raucherhusten. Es ist halt, weil ich viel rauche oder was weiß ich, weil ich in einem schadstoffbelasteten Arbeitsplatz oder so was arbeite.
Sprecher
00:13:10
Doch dürfe man chronischen Husten, der vielleicht sogar mit Auswurf einhergeht, eben nicht einfach so abtun. Denn genau das ist es, womit die COPD starte. Für die Zukunft, so Inka Albrecht, sei es daher wichtig ein Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen, die Früherkennung zu verbessern, frühzeitig mit der Behandlung zu starten und neue Behandlungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Insbesondere für Patienten, die trotz Standardtherapie fortwährend Exazerbationen erleiden. Und damit sind wir am Ende unsere Folge zur weitverbreiteten Lungenerkrankung COPD angelangt. Alle bisher erschienenen Folgen von „Gesundheit und Innovation“ finden Sie auf Sanofi.de und überall, wo es Podcasts gibt. Dort können Sie diesen Podcast auch abonnieren. Bis wir uns wiederhören, bleiben Sie gesund! Tschüss.