Gesundheit & Innovation

Sanofi Deutschland

Multiples Myelom, Krebs im Knochenmark

Für viele Patientinnen und Patienten ist solch eine Diagnose zunächst ein Schock

04.03.2026 15 min Staffel 7 Episode 1

Zusammenfassung & Show Notes

Für viele Patientinnen und Patienten ist solch eine Diagnose zunächst ein Schock
In den vergangenen Jahrzehnten gab es beachtliche Fortschritte in der Entwicklung neuer Krebs-Medikamente und Therapien. Und mit denen lassen sich selbst so herausfordernde Erkrankungen wie das Multiple Myelom immer besser und mit weniger invasiven Maßnahmen behandeln.

MAT-AT-2600122-1.0-02/2026
MAT-DE-2600453-1.0-02/2026

Transkript

Ina Niemann
00:00:10
Wo wir vor 15 Jahren noch gesagt hätten, Diagnose Multiples Myelom bedeutet innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre leider, dass die Patient*innen versterben, sind wir heute in einer ganz anderen Situation. Es ist so, dass die Erkrankung eigentlich schon als chronische Erkrankung bezeichnet werden kann, weil die Therapieoptionen so gut sind mittlerweile.
Sprecher
00:00:29
Multiples Myelom, Krebs im Knochenmark – für viele Patientinnen und Patienten ist solch eine Diagnose zunächst ein Schock. Verständlicherweise. Denn wie bei jeder potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung stellen sich damit existenzielle Fragen: Gibt es Hoffnung auf Heilung? Und wie stark wird sich die Therapie auf meine Lebensqualität auswirken? Wie viel Zeit bleibt mir noch? Doch gibt es auch gute Nachrichten. In den vergangenen Jahrzehnten gab es beachtliche Fortschritte in der Entwicklung neuer Krebs-Medikamente und Therapien. Und mit denen lassen sich selbst so herausfordernde Erkrankungen wie das Multiple Myelom immer besser und mit weniger invasiven Maßnahmen behandeln. Und damit herzlich willkommen, zu „Gesundheit und Innovation", dem Podcast, in dem wir über wissenschaftliche Entdeckungen, medizinischen Fortschritt und moderne Fertigung berichten. Wir erklären, mit welchem Potenzial wir die Medizin verändern wollen, um für Millionen Menschen das Unmögliche möglich zu machen. In dieser Folge sprechen wir über Knochenmark- bzw. Blutkrebs. Allerdings nicht über Leukämie, die bekannteste und verbreitetste Krebserkrankung des blutbildenden Systems, sondern über die zweithäufigste: das Multiple Myelom. Weltweit erkranken daran jedes Jahr rund 160.000 Menschen. In Deutschland in etwa 6500 – Männer etwas häufiger als Frauen. Das Multiple Myelom zählt damit zu den seltenen Erkrankungen und ist eine komplexe, bösartige Erkrankung. Das zeigt auch der Name. „Multiple" leitet sich davon ab, dass die Erkrankung an vielen Stellen im Körper auftreten kann.
Ina Niemann
00:02:17
Und dann Myelom kommt aus dem Altgriechischen. Wir haben einmal Knochen und ‚-om' ist die Entartung. Das heißt, wir haben multiple Entartungen im Knochenmarkt, die über den ganzen Körper verteilt auftauchen können.
Sprecher
00:02:29
Ina Niemann hat sich bereits im Studium auf molekulare Medizin spezialisiert, also das Verständnis biochemischer Prozesse auf kleinster Ebene im Körper. Bei Sanofi in Deutschland leitet sie die medizinische Abteilung in der Onkologie und kümmert sich mit ihrem Team um den Wissenstransfer zwischen Forschung und angewandter Medizin. Sie kennt sich daher besonders gut mit den immunologischen Abläufen im Körper und deren Wechselwirkungen mit der onkologischen Erkrankung Multiples Myelom aus. Eine zentrale Rolle spielen hierbei entartete Plasmazellen. Im gesunden Immunsystem sind diese Plasmazellen eigentlich dafür verantwortlich, die passenden Antikörper zu produzieren, um damit Keime und Erreger innerhalb des Körpers zu bekämpfen.
Ina Niemann
00:03:16
Jeder von uns hatte ja schon mal einen Infekt und das Immunsystem bildet Antikörper, um reagieren zu können. Und beim Multiplen Myelom ist das jetzt nun der Fall, dass diese Zellen, die normalerweise Antikörper bilden, die sind hier entartet, vermehren sich ganz stark ohne irgendwelche äußeren Reize und bilden dabei auch noch kaputte Antikörperfragmente, also nur so Teile von Antikörpern, die nicht eine wirkliche Funktion haben und sich im ganzen Körper dann auch einlagern können und Probleme machen können.
Sprecher
00:03:45
Was das Multiple Myelom dabei zusätzlich problematisch macht, ist nicht nur, dass es überall im Körper auftreten kann, sondern auch, dass es mit den Plasmazellen gerade diejenigen Zellen betrifft, die ohnehin schon auf Schnelligkeit und Effizienz programmiert sind.
Ina Niemann
00:04:02
Und das Problem mit Plasmazellen ist, dass auch wenn wir eine normale Immunreaktion hätten, also zum Beispiel wir haben einen Erreger, ein Virus - Plasmazellen sind dafür da, sehr schnell sich zu vermehren damit sehr schnell eine Reaktion kommen kann. Und jetzt haben wir das Ganze bösartig. Das heißt, wir haben auf einmal sehr, sehr viele bösartige Zellen im Körper, was natürlich, wie man sich vorstellen kann, nichts Gutes ist.
Sprecher
00:04:23
Denn die sich schnell vermehrenden Krebszellen verdrängen das gesunde und funktionsfähige Knochenmark. Die Folge: Die Knochen verlieren an Substanz und Stabilität, der Körper kann immer schlechter Blut bilden und auch das Immunsystem ist in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Das kann dann zu häufigeren und wiederkehrenden Infektionen führen. Die Blutarmut kann zudem chronische Müdigkeit und Kurzatmigkeit verursachen, die funktionsunfähigen Antikörper zu Nierenproblemen führen. Zudem nimmt die Anfälligkeit für Knochenbrüche zu und auch das Herz kann betroffen sein.
Ina Niemann
00:05:00
Dadurch, dass wir über das Knochenmark reden und dass die Erkrankung primär im Knochenmarkt auftaucht, baut sich auch Knochen tatsächlich ab. Dadurch entsteht zum Beispiel ein relativ hohes Level an Kalzium im Blut und dieses Kalzium kann dafür sorgen, dass man Herzprobleme zum Beispiel bekommt.
Sprecher
00:05:13
Das alles sind jedoch keine besonders spezifischen Symptome. Insbesondere bei älteren Menschen, bei denen statistisch betrachtet das Multiple Myelom am häufigsten auftritt. Denn die meisten Patient*innen erkranken im Alter zwischen 65 und 74 Jahren. Diese unspezifischen und im Alter nicht ungewöhnlichen Symptome können die richtige Diagnose verzögern. Genauso wie bereits bestehende Vorerkrankungen. So war es auch bei Eva, die zudem mit Ende Vierzig noch sehr jung war, als bei ihr die ersten Symptome auftraten. Zuerst waren es nur immer wiederkehrende Rückenschmerzen. Bis es sich ausweitete.
Eva
00:05:55
Ich habe so Dehnungsübungen gemacht, wie Yoga oder so was, weil das habe ich schon früher auch gemacht, so zur Vorbeugung. Und dann knackte es so in den Rippen und das war so zum ersten Mal so ein Rippenschmerz. Ich dachte: Ja, was kann das denn sein? Rippe gebrochen oder keine Ahnung.
Sprecher
00:06:11
Weil Eva unter Skoliose leidet, gingen die Ärzte zunächst von der naheliegenden Vermutung aus, dass die Schmerzen mit der bereits vorhandenen Fehlstellung der Wirbelsäule zusammenhängen. Doch brachten auch Physiotherapie, Akkupunktur und Schmerzinfusionen keine dauerhafte Besserung. Im Gegenteil.
Eva
00:06:29
Als ich von der Kur wiederkam, habe ich zu meinem Mann direkt gesagt, als er mich am Bahnhof abgeholt hat: „Fahr mich ins Krankenhaus, ich halte das nicht mehr aus, weil es sich angefühlt hat, als ob der Rücken so bricht, als ob er hinten zerbrechen würde. Solche Schmerzen waren das.
Sprecher
00:06:42
Erst später beim Hausarzt war es dann ein erneuter Bluttest, der den entscheidenden Hinweis brachte. Evas Nierenwerte waren mittlerweile so desaströs, dass sie sofort ins Krankenhaus musste. Dort fing ein Nierenspezialist dann an, gezielt nach defekten Antikörperfragmenten zu suchen. Auch Ina Niemann kennt die Herausforderungen mit der richtigen Diagnose.
Ina Niemann
00:07:06
Gerade wenn es schon etwas fortgeschritten ist, dann sieht man zum Beispiel diese fehlerhaften Antikörper sehr gut im Blut. Wenn es aber noch sehr in der frühen Phase ist, dann kann es sein, dass Bluttests alleine nicht ausreichen. Was man dann aber zum Beispiel macht, ist, dass man sich Knochenmarkt anschaut oder Bildgebung sich auch die Knochen wirklich anschaut. Haben wir dort Ansammlungen oder Abbau auch zu finden. Und dann ist es etwas, wo man weiter in die Diagnostik eintauchen kann.
Sprecher
00:07:32
Auch bei Eva stand nach einigen weiteren Untersuchungen die Diagnose dann relativ schnell fest.
Eva
00:07:37
Ja, und dann kam dann, ich glaube, ein, zwei Tage später, eine Ärztin zu mir und sagte: Sie haben Krebs. Und dann war dann sozusagen das Leben danach.
Sprecher
00:07:48
Weil es Eva zu diesem Zeitpunkt bereits so schlecht ging, startete die Therapie unmittelbar. In ihrem Fall zunächst mit einer Strahlen- und Chemotherapie. Später erklärt sie sich bereit, an einer Studie für eine Kombinationstherapie mit einem Antikörper teilzunehmen. Außerdem wurde sie für eine Eigen-Stammzelltransplantation vorbereitet – bislang eine der Standardtherapien beim Multiplen Myelom. Vorausgesetzt die Patient*innen sind fit genug. Denn die Belastung für den Körper ist dabei enorm.
Eva
00:08:20
Man wird da drei Wochen isoliert, das Immunsystem wird runtergefahren komplett und das ist für den Körper einfach megaanstrengend und mein Körper war ja sowieso so geschwächt. Ich wurde ja auch nachher, weil ich so abgenommen habe, auch zwangsernährt, weil ich ja alles immer erbrochen habe.
Sprecher
00:08:38
20 Kilo hat Eva innerhalb von drei Monaten abgenommen, wog zwischenzeitlich nur noch 47 Kilogramm. Doch ist diese enorme Belastung gleich zu Beginn der Therapie Teil der Behandlungsstrategie bei dieser komplexen Erkrankung des Blutsystems. Man will dem Krebs direkt mit Wucht begegnen und ihn direkt so stark bekämpfen wie möglich.
Ina Niemann
00:09:00
Dieses hit-hard-and-early ist gerade beim Multiplen Myelom etwas, was man sehr gerne machen möchte, weil je stärker man am Anfang die Myelom-Zellen natürlich ausradiert, desto besser und länger ist Patient, Patientin fit.
Sprecher
00:09:14
Das Ziel ist es, direkt zu Beginn einen möglichst hohen Therapiedruck aufzubauen, um die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs, also der späteren Rückkehr des Krebses, zu minimieren. Denn Krebszellen wollen wachsen und können sich im Rahmen der Behandlung verändern und an die jeweilige Therapie anpassen.
Ina Niemann
00:09:33
Wenn man eine Therapie gibt, kommen natürlich die Zellen, die davon direkt betroffen sind, die werden ausgeschaltet. Aber es gibt ja noch andere Zellen, die davon nicht direkt betroffen sind, wo diese Therapie rangeht und die vermehren sich dann mehr. Das heißt, beim Multiplen Myelom geht man gerne mit Kombinationstherapien rein, um diese Wahrscheinlichkeit so gering wie möglich zu halten. Und wir haben hier häufig Vierer- oder Dreierkombinationen mit unterschiedlichen Wirkansätzen, wo wir in die Therapie gehen und die sind wirklich sehr gut mittlerweile für die Patient*innen.
Sprecher
00:10:02
Insbesondere in der medikamentösen Behandlung des Multiplen Myelom gibt es hier durch neue Kombinationstherapien beachtliche Fortschritte, die in vielen Fällen den Krebs immer besser in Schach halten. Auch bei Eva war das so. Weil ihr Körper zu schwach war und nicht ausreichend Stammzellen bilden konnte, war eine Stammzelltransplantation bei ihr schlussendlich nicht möglich.
Eva
00:10:26
Der Professor hat aber gesagt: Das wäre nicht schlimm, weil die Therapie bei mir schon durch die Medikamente so gut angeschlagen hat, dass ich in Remission bin.
Sprecher
00:10:35
Das bedeutet, eine Vermehrung der entarteten Zellen ist nicht mehr erkennbar. Ein Zustand, der sich jedoch auch wieder ändern kann. Denn das Multiple Myelom ist ganz klassisch von Remission und Rezidiven gekennzeichnet. Doch auch hier gibt es mittlerweile Möglichkeiten therapeutisch zu reagieren.
Ina Niemann
00:10:54
Wenn dann die Erkrankung wieder auftaucht, also ein Rezidiv kommt, dann schaut man: Okay, was habe ich denn für Antikörper in der ersten Linie, also in der Therapie vor der Bestrahlung gegeben? Und schaut dann: Okay, jetzt gebe ich andere Antikörper, weil wir haben nämlich in der zweiten Linie, das ist die zweite Therapielinie dann, haben wir wieder andere Therapien, die zugelassen sind.
Sprecher
00:11:15
Wo die Optionen vor nicht allzu langer Zeit noch relativ schnell erschöpft waren, gibt es dadurch mittlerweile selbst dann noch Therapieoptionen, wenn der Krebs drei, vier Mal zurückkehrt.
Ina Niemann
00:11:25
Und das ist das Tolle bei Multiplen Myelom, dass wir einfach in den letzten Jahren immer mehr Therapieoptionen hatten, die auch alle immer effektiver geworden sind, wodurch wir sehr gut bei dem nächsten Rezidiv auch wieder behandeln können. Und das ist etwas, was super ist für die Patient*innen und wodurch die Erkrankung, sehr lange Zeit in Schach gehalten wird.
Sprecher
00:11:45
Mit der richtigen Behandlung könnten Multiple Myelom-Patient*innen je nach Gesundheitszustand auf diese Weise durchaus noch 10 bis 20 Jahre weiterleben.
Ina Niemann
00:11:56
Wo wir vor 15 Jahren noch gesagt hätten, Diagnose Multiples Myelom bedeutet innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre leider, dass die Patient*innen versterben, sind wir heute in einer ganz anderen Situation. Es ist so, dass die Erkrankung eigentlich schon als chronische Erkrankung bezeichnet werden kann, weil die Therapieoptionen so gut sind mittlerweile.
Sprecher
00:12:15
Und diese Situation wird sich noch weiter verbessern. Denn je mehr sich die Medikamente die man bisher nur in den späteren Therapielinien gibt, hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit bewähren, desto eher könnten sie künftig auch schon früher zum Einsatz kommen. Und damit die hit-hard-and-early-Strategie weiter verbessern.
Ina Niemann
00:12:35
Vor ein paar Jahren war Diagnose Multiples Myelom noch ganz klar: In ein paar Jahren werde ich leider versterben. Das ist zum Glück so nicht mehr mit den jetzigen Therapieoptionen, aber die Erkrankung ist im Moment nicht heilbar. Das heißt, wir sind immer noch in so einem Wellenverlauf von Verbesserung, Verschlechterung, wieder neue Therapie, Verbesserung, Verschlechterung, neue Therapie. Das heißt, der Wunsch wäre natürlich, eine Therapie optimal zu entwickeln, die am Anfang bei den Patient*innen das bewirkt, was wir eigentlich bei allen onkologischen Erkrankungen haben wollen, nämlich dass die Patient*innen nichts weiter mehr bräuchten.
Sprecher
00:13:09
Bei Eva ist der Krebs bislang nicht zurückgekehrt. Und auch wenn die Therapie für sie sehr hart, lang und kräftezehrend war, hat sie Wege gefunden durchzuhalten und mit der Krebserkrankung zu leben. Vor allem ihr soziales Umfeld hat ihr dabei Kraft und Halt gegeben, aber auch der Austausch mit anderen Betroffenen über die Sozialen Netzwerke war wichtig.
Eva
00:13:33
Man sollte wirklich auch kommunizieren und auch sich Hilfe holen, egal ob es Psycho-Onkologen sind oder Familie, Freunde oder solche Gruppen, in denen man sich austauschen kann. Das hilft. Weil dieses allein mit diesem Problem zu sein, das wäre, glaube ich, schlimm. Und dann halt immer hoffen.
Sprecher
00:13:51
Und sich Ziele setzen. Die 18. Geburtstage ihrer beiden Söhne habe sie erleben wollen, genauso wie ihren 50. Jetzt ist ihr 55. Ihr nächstes Ziel und dann vielleicht noch das gemeinsame Rentenalter mit ihrem Mann. Doch um das erreichen zu können, sei es wichtig auch kleine Schritte zu machen.
Eva
00:14:12
Jeder gute Tag, der muss genutzt werden, weil die schlechten Tage sind da und an den schlechten Tagen hat man auch die Gedanken, von wegen man will nicht mehr. Also das ist auch gegeben. Da muss man realistisch sein, aber ja, jeder gute Tag denkt man so: „Okay, es geht doch noch irgendwie ein bisschen weiter.
Sprecher
00:14:32
Und damit sind wir am Ende unserer Folge über die Fortschritte in der Behandlung des Multiplen Myeloms. Alle bisher erschienenen Folgen von „Gesundheit und Innovation" finden Sie auf Sanofi.de und überall, wo es Podcasts gibt. Dort können Sie diesen Podcast auch abonnieren. Bis wir uns wiederhören, bleiben Sie gesund! Tschüss.