Gesundheit & Innovation

Sanofi Deutschland

Versorgung von Menschen mit modernen Medikamenten

Der Sanofi BioCampus Frankfurt vereint Forschung, Entwicklung und Produktion unter einem Dach

09.07.2026 13 min Staffel 7 Episode 3

Zusammenfassung & Show Notes

Der Sanofi BioCampus Frankfurt vereint Forschung, Entwicklung und Produktion unter einem Dach.

In dieser Folge sprechen wir über die Herausforderungen, die es mit sich bringt, wenn es darum geht, modernde Medikamente wie Biologika herzustellen. Wobei der Begriff „Biologika“ darauf zurück geht, dass bei dieser Art von Medikamenten biologische Prozesse in der Konzeption und Produktion eine zentrale Rolle spielen.

Transkript

Melanie Fischer
00:00:10
Wir wollen ganz spezifisch sein für die eine Zielstruktur, die wir adressieren. Wir wollen ja keine gesunden Systeme im Körper durcheinanderbringen, sondern nur die Krankheit an dem entsprechenden aus den Fugen geratenen Signalweg. Also hier gibt es keine Kompromisse und das ist auch der ausschlaggebende Punkt, warum Biologika für uns so interessant sind.
Sprecher
00:00:27
Denn verglichen mit Medikamenten, die eher in der Breite wirken, sind Biologika so etwas wie filigrane Präzisionsinstrumente, die punktgenau in vorher exakt bestimmte Signalwege eingreifen. Und in Form von zielgerichteten Therapien so das Leben der Patient*innen verändern bei Neurodermitis, Asthma, Krebs und vielen weiteren Erkrankungen. Doch sind solche innovativen Medikamente nur möglich, wenn umfassende Expertise und High-Tech-Infrastruktur zusammenwirken. Der BioCampus Frankfurt ist Sanofis Antwort auf diese Herausforderung, indem er Forschung, Entwicklung und Produktion unter einem Dach vereint und damit schon heute viele Menschen mit modernen Medikamenten versorgt. Und damit herzlich willkommen, zu „Gesundheit und Innovation", dem Podcast, in dem wir über wissenschaftliche Entdeckungen, medizinischen Fortschritt und moderne Fertigung berichten. Wir erklären, mit welchem Potenzial wir die Medizin verändern wollen, um für Millionen Menschen das Unmögliche möglich zu machen. In dieser Folge sprechen wir über die Herausforderungen, die es mit sich bringt, wenn es darum geht, modernde Medikamente wie Biologika herzustellen. Wobei der Begriff „Biologika" darauf zurück geht, dass bei dieser Art von Medikamenten biologische Prozesse in der Konzeption und Produktion eine zentrale Rolle spielen.
Melanie Fischer
00:01:51
Biologika sind eine Wirkstoffklasse, die auf Antikörpern basiert, also Protein-Wirkstoffe, und die ermöglicht uns ganz zielgenau Zielstrukturen in unserem Körper zu adressieren. Das heißt, wir nehmen uns hier die Natur als Matrize und bauen uns Antikörper-Wirkstoffe nach. Und mit diesen Antikörper-Wirkstoffen können wir Signalwege, die aus dem Lot geraten sind in unserem Körper, und die für Krankheiten verantwortlich sind, ganz gezielt beeinflussen.
Sprecher
00:02:18
Melanie Fischer ist Biologin und Protein-Chemikerin. Bei Sanofi in Deutschland arbeitet sie mit ihrem Team daran, neue Wirkstoff-Kandidaten zu identifizieren und daraus zielgerichtete therapeutische Wirkstoffe für biotechnologisch hergestellte Medikamente zu designen und zu entwickeln. Das können beispielsweise Antikörper, Proteine oder Enzyme sein. Wichtig ist allerdings, dass sie sich auch herstellen lassen. Denn Biologika-Wirkstoffe sind hochkomplexe Moleküle. Nicht nur 200- bis 1000-mal größer als „klassische" chemisch-synthetisch hergestellte Wirkstoffe - sie können zudem auch nur in einem Fermentationsprozess aus lebenden Zellen, wie Bakterien oder Hefen gewonnen werden. Doch dazu später mehr. Denn ganz am Anfang steht zunächst Grundlagenforschung und die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.
Melanie Fischer
00:03:13
Wir fangen dabei an in der frühen Forschung mit der Identifizierung von Zielstrukturen, die wir adressieren möchten. Das heißt, wir müssen erst mal genau verstehen, wie eine Krankheit entsteht, welche Signalwege dabei betroffen sind und in diesem Signalweg, welche Botenstoffe können wir nutzen und mit einem Wirkstoff so adressieren, dass wir eine Veränderung in dem Krankheitsbild hervorrufen können.
Sprecher
00:03:33
Und damit beginnt die große Suche. Denn die Auswahl potenzieller Substanzen ist gigantisch. Unter Millionen von Substanz-Kandidaten muss das eine Molekül gefunden werden, das all die verschiedenen Anforderungen gleichzeitig erfüllt, damit daraus ein „echtes" Medikament werden kann.
Melanie Fischer
00:03:52
Zum einen wollen wir natürlich ein effizientes, potentes Molekül finden, einen Wirkstoff, der genau die Wirkung entfaltet, die wir uns erwünschen. Dieser Wirkstoff muss aber auch sicher sein und er muss im industriellen Maßstab für die Patienten hergestellt werden können.
Sprecher
00:04:06
Für Melanie Fischer und ihr Team bedeutet das, permanent an vorderster Front der Innovation zu arbeiten und immer wieder neue Ansätze zu starten, um den einen passenden Wirkstoffkandidaten zu finden. Begünstigt wird diese Arbeit, wenn an einem Ort gebündelt alles zusammenkommt: Agile Teams aus hochspezialisierten Wissenschaftler*innen, langjährige Erfahrung und das kontinuierliche Erweitern des Wissens im praktischen Umgang mit biotechnologischen Produktionsmöglichkeiten und neue Technologie, um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und die Qualität der Medikamente immer weiter zu verbessern.
Melanie Fischer
00:04:43
Tatsächlich ist die Besonderheit des Sanofi BioCampus die sehr enge Nähe der verschiedenen Disziplinen, die man braucht, um Wirkstoffe zu erforschen, zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Wir haben sehr erfahrene Chemiker für die kleinen Moleküle und Protein-Ingenieure für das Design von Biologika-Wirkstoffen. Die arbeiten eng zusammen mit unserer lokalen Gruppe an Pharmakologen für den Bereich Entzündungserkrankungen. Wir haben weitere Gruppen, die eine Expertise dafür haben, die Produktionsprozesse aufzusetzen von diesen biotechnologischen Abläufen mit Bakterien, aber auch mit Hefen und auch mit Säugerzellkulturen. Das heißt, hier die unmittelbare Nähe der beteiligten Wissenschaftler ist ein unschlagbares Gut.
Sprecher
00:05:27
Dazu kommt der Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, mit dem sich zum Beispiel spezifische Eigenschaften von Molekülstrukturen schneller und effizienter vorhersagen lassen. Auch die Optimierung der Wirksamkeit von Therapien spielt auf dem BioCampus in Frankfurt eine große Rolle. Zum Beispiel durch die Entwicklung multispezifischer Wirkstoffe.
Melanie Fischer
00:05:50
Das heißt, wir bauen erst mal einen Wirkstoff für die eine Zielstruktur, bauen einen Wirkstoff für die andere Zielstruktur und dann kombinieren wir diese beiden Wirkstoffbestandteile in einem. Und so können wir in einem Signalweg nicht nur eine Zielstruktur adressieren, sondern mehrere. Das heißt, mit der Multispezifität unserer Moleküle können wir zum einen die Wirksamkeit deutlich erhöhen. Wir können aber auch sicherstellen, dass sogenannte Non-Responder, also Patienten, die auf einen Wirkstoff nicht ansprechen, vielleicht auf den anderen Wirkstoff ansprechen. Und so können wir eben die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Patienten die Wirksamkeit durch den multispezifischen Wirkstoff wirklich erhalten.
Sprecher
00:06:25
Am Standort Frankfurt haben Forschung, Entwicklung und Herstellung biotechnologischer Arzneimittel Tradition und die konzentrierte Erfahrung zusammen mit der Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette für Biologika machen ihn auch innerhalb des Konzerns zu etwas Besonderem. Wobei der Ansatz biotechnologische Prozesse für die Arzneimittelgewinnung zu nutzten, zwar herausfordernd ist, am Ende aber vor allem eine wirklich clevere Art, sich bestehende natürlich Abläufe zu Nutze zu machen.
Melanie Fischer
00:06:56
Wir bedienen uns der Natur und wir bedienen uns Systemen, die über die Evolution über Millionen von Jahren gebaut wurden. Wir nutzen Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen oder auch Zellkulturen und bedienen uns der Tatsache, dass diese Zellen geeignete Produktionssysteme selber haben. Und wir manipulieren jetzt diese Zellkulturen oder Hefen oder Bakterien in einer Art, dass sie neben ihrem eigenen Proteinhaushalt auch unser gewünschten Proteinwirkstoff produzieren. Und das in einer überdurchschnittlich hohen Menge.
Sprecher
00:07:25
Genau darum kümmert sich Jochen Bautz mit seinem Team, wenn potenzielle Wirkstoffkandidaten auf dem BioCampus in Frankfurt nahtlos von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung in die Produktion und Fertigung übergeben werden. Die mikrobielle Fermentation zur Arzneimittelherstellung ist für den Chemiker letztlich die Weiterentwicklung eines wohlbekannten und bewährten Prinzips.
Jochen Bautz
00:07:49
Mikrobielle Fermentation ist im Grunde genommen wie Bierbrauen. Also man hat eine Hefe, man hat Bakterien, die man füttert und sie bei entsprechender Temperatur, pH-Wert, Umdrehung mischt und fermentiert. Das heißt, die Bakterien leben, sie vermehren sich und kommen dann in eine Phase, in der sie, weil sie genetisch verändert wurden, den Wirkstoff, den wir benötigen, selbst herstellen. Das heißt, es sind biologisch hergestellte Wirkstoffe.
Sprecher
00:08:14
Nun ist Bierbrauen auf hohem Niveau zweifelsohne eine Kunst, die Handwerk und Erfahrung voraussetzt – jedoch ist es nicht vergleichbar, mit der Präzision, die für die Herstellung von Arzneimitteln mittels Fermentation notwendig ist. Vor allem, da es mittlerweile eine Vielzahl von Wirkstoffen für diverse Erkrankungen gibt und all diese Antikörper-, Protein- und Enzym-Moleküle und die organischen Zellen, die sie produzieren, eine Vielzahl individuell abgestimmter Prozesse durchlaufen müssen. Schon kleinste Abweichungen in den Parametern können dabei die Ergebnisse signifikant beeinflussen. Das ist vor allem auch deswegen relevant, weil sich physikalische Voraussetzungen verändern, wenn man Wirkstoffe nicht mehr nur in kleinen Mengen für Forschungszwecke herstellt, sondern die gleiche Qualität später auch für die kontinuierliche Versorgung der Patient*innen gewährleisten will.
Jochen Bautz
00:09:11
Man muss sich immer wieder klarmachen: Man arbeitet mit lebenden Zellen. Die sind sehr empfindlich und daher ist es von Prozess zu Prozess unterschiedlich, welche Herausforderungen man hat. Mal geht es darum, dass man die Wärme, die entsteht, schnell genug abführt. Das ist im kleinen Maßstab viel einfacher als im großen Maßstab zum Beispiel, damit die Zellen nicht geschädigt werden. Die Mischverhältnisse in so einem großen 2000-Liter-Fermenter sind natürlich ganz andere als in einem kleineren Fermenter sind, wie er auf einer Laborbank steht. Und das sind Punkte, die kann man simulieren, die kann man berechnen, aber letztendlich muss man es real ausprobieren, um wirklich zu sehen, ob es so, wie man es sich gedacht hat, auch wirklich in der Realität funktioniert.
Sprecher
00:09:45
Um diese Prozesse noch besser steuern und kontrollieren zu können, wurde am BioCampus in Frankfurt kürzlich eine moderne Wirkstoffanlage für Biologika in Betrieb genommen. Eine Anlage an der Nahtstelle zur Forschung, in der Wirkstoffe im industriellen Maßstab hergestellt werden.
Jochen Bautz
00:10:04
Man startet im 1-Liter-Maßstab, wo man entsprechend Zellen in diesen 1-Liter-Erlenmeyer-Kolben überführt, dort anzüchtet, dann in einen 20-, 25-Liter-Beutel geht, dort weiter die Zellen vermehrt, bis man dann in einem zweieinhalbtausend Liter-Fermenter quasi den Hauptprozess führt und dort die Zellen dann auf eine bestimmte Konzentration bringt, dann den Wirkstoff herstellen lässt, und danach geht man über eine Zentrifuge in die Ernte.
Sprecher
00:10:29
Die dabei gewonnenen Moleküle werden dann in speziellen und komplexen Verfahren direkt weiter in Fläschchen oder Kartuschen abgefüllt für Applikationshilfen wie Pens oder Autoinjektoren. Auch das findet direkt vor Ort in einem benachbarten Gebäudekomplex statt und ist Teil der integrierten Struktur, die den Standort zu einem besonderen Kompetenzzentrum für die Produktion biotechnologischer Produkte macht, das Fachwissen, Innovation und große Expertise bündelt.
Jochen Bautz
00:10:59
Ein Vorteil für Frankfurt ist auf jeden Fall, dass wir und das ist einzigartig innerhalb unseres Konzerns, von der Forschung und Entwicklung über die Wirkstoffherstellung, über die Abfüllung bis zur Device-Herstellung und Verpackung alles an einem Standort haben. Das haben wir für Insulin genutzt und das hat uns stark und gut gemacht. Und das ist jetzt auch wichtig, dass wir das für unsere neuen Produkte, für die Biologika entsprechend etablieren und uns hier auch innerhalb des Standorts und des Konzerns positionieren.
Sprecher
00:11:25
Doch braucht diese Entwicklung Ressourcen: Zeit, Expertise und Geld. Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert im Schnitt mehr als zehn Jahre und kostet rund zwei Milliarden Euro. In einem sich verschärfenden globalen Wettbewerb sind Planbarkeit und verlässliche Rahmenbedingungen daher eine unverzichtbare Notwendigkeit, um Standorte hierzulande und deren Vorteile zu sichern und dadurch auch die Versorgung der Patient*innen mit neuen und innovativen Medikamenten zu gewährleisten. Mit der Weiterentwicklung des BioCampus in Frankfurt und den damit verbundenen Investitionen in Spitzenforschung bekennt sich Sanofi zum Pharmastandort Deutschland. Zwei Komma acht Milliarden Euro will das Unternehmen hier in den kommenden fünf Jahren investiert und damit Patient*innen mit Neurodermitis, Asthma, Krebs und anderen Erkrankungen mit modernen Medikamenten neue Therapieoptionen ermöglichen. Und damit sind wir am Ende unserer Folge über die Bedeutung moderner biotechnologisch hergestellter Medikamente. Alle bisher erschienenen Folgen von „Gesundheit und Innovation" finden Sie auf Sanofi.de und überall, wo es Podcasts gibt. Dort können Sie diesen Podcast auch abonnieren. Bis wir uns wiederhören, bleiben Sie gesund! Tschüss.