Erinnerungen an "Deep Blue Sea" (1999)
15.02.2026 14 min
Zusammenfassung & Show Notes
Das Böse lauert in der Tiefe
Ein Ausflug zum Strand, spielen im warmen Wasser... aber was da draußen in der Tiefe lauert, bereitet jedem ein mulmiges Gefühl.
Abtauchen in eine Welt unter der spiegelnden Oberfläche, in der Menschen unterlegen sind... und gejagt werden von etwas Uraltem, das auf Rache sinnt.
Ein Ausflug zum Strand, spielen im warmen Wasser... aber was da draußen in der Tiefe lauert, bereitet jedem ein mulmiges Gefühl.
Abtauchen in eine Welt unter der spiegelnden Oberfläche, in der Menschen unterlegen sind... und gejagt werden von etwas Uraltem, das auf Rache sinnt.
Erinnerungen von damals und heute zu: DEEP BLUE SEA (1999)
Ich habe dir einen Platz freigehalten: Hinten, mittig.
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Tonausschnitte „Deep Blue Sea“: ©️ Warner Bros (Plaion Pictures)
Cover-Motiv: ©️ themoviedb.com
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Tonausschnitte „Deep Blue Sea“: ©️ Warner Bros (Plaion Pictures)
Cover-Motiv: ©️ themoviedb.com
Transkript
Das Meer fasziniert mich, ein
eigener Kosmos voller Leben,
fast wie ein fremder Planet.
Hier haben Menschen keinen Zutritt,
sonst hätten wir Kiemen oder Flossen.
Aber so sehr mich diese Unterwasserwelt
begeistert Ich fürchte sie auch, keine
Hurricanes oder Schiffsunglücke, sondern
das ruhige Meer, das keine Wellen
schlägt, das tiefe Wasser, dessen
Boden ich nicht sehen kann und auch
nicht, was aus der Tiefe zurück starrt.
Willkommen in Deep Blue Sea.
Als ich 15 war, gab es eine
Sache, auf die ich mich wie
ein kleines Kind gefreut habe.
Filmabende mit Freunden.
Und jeder hatte diesen einen
Freund, der Zugang zu gefühlt
allen, Allen Filmen hatte.
Die Filme die gerade erst im Kino waren
oder Filme die nur selten oder gar nicht
im Fernsehen liefen, verbotene Filme.
Ich war oft am Wochenende bei
diesem einen Freund, manchmal
auch nach dem Tischtennistraining.
Wochenenden waren jedoch spannender,
weil dann durfte ich bei ihm übernachten.
Und das hieß, Filme schauen,
bis die Augen zufallen.
Wir waren immer bestens vorbereitet
Pfirsicheistee, Paprika-Chips und diese
rot-weiß gezwirbelten Fruchtgummis.
Die Marke weiß ich gerade nicht mehr.
Und am wichtigsten, Pizza-Baguettes
mit Salami, von gut und günstig.
Ach, ich liebe es bis heute, wenn
diese kleinen Salami-Scheibchen
richtig dunkel und knusprig ausbacken.
Im Zimmer meines Freundes klappten
wir sein Schlafsofa aus und
machten es uns richtig bequem.
Wichtig, ein guter
Blick auf den Fernseher.
Neben dem DVD-Player stand
immer ein Stapel Filme bereit,
die wir uns vorgenommen hatten.
Viel zu viele für einen Abend.
Meist schafften wir
zwei, manchmal auch drei.
Mehr hielt ich jedoch nicht durch.
Manchmal schämte ich mich deswegen.
Ich wollte auch lange durchhalten,
wie meine Freunde bei LAN-Partys die
bis zum Morgengrauen Quake 3 zockten.
Ich wollte das Aufbleiben trainieren.
Doch gegen die Müdigkeit
kam ich nur selten an.
Ich war gerne bei meinem Freund,
weil wir die gleichen Filme liebten.
Verrückte Komödien oder
irgendwas richtig blutrünstiges.
So Sachen wie Scary Movie, Ali
G in the House oder Braindead.
Ich selbst hatte zu Hause nur wenige Filme
auf DVD oder Videokassette, die man an
solchen Abenden zusammenschauen konnte.
Filme kaufen war für mich
damals uninteressant.
Wenn, kauften meine Eltern mal eine
DVD im Supermarkt oder wir liehen
uns Filme in der Videothek aus.
Bei meinem Freund war das anders.
Er hatte nämlich einen großen
Bruder und der hatte einen Schrank
voller Filme Filme die er auf
Rohlinge gebrannt hatte und in einer
durchsichtigen DVD-Hülle aufbewahrte.
Den Titel schrieb er immer
mit einem Feinleiner ganz
dünn auf die DVD-Oberseite.
Er war einer dieser großen Brüder, der
kleinen Brüdern und dessen Freunden
eine heimliche Freude machen wollte.
Denn er hatte oft neue Filme parat,
die gerade erst im Kino liefen.
Woher der Bruder meines Freundes
die Filme hatte, verstand ich
damals noch nicht richtig.
Er nannte diese Filme immer abgerippt.
Das hatte irgendwas mit Torrents
und einem DVD-Brenner zu tun.
Ich hatte davon keine Ahnung.
Eine Cousine gab uns bei
Familienfeiern ab und an eine
Spindel mit gerippten Filmen mit.
Die waren oft auf mehrere DVDs aufgeteilt
und die Bildqualität war sehr schlecht
Manchmal lief sogar jemand durchs Bild.
Bei den Filmen, die uns der große
Bruder gab, war das nicht so.
Die Filme waren hochauflösend, nicht
heimlich mit dem Camcorder gefilmt.
Mein Freund war darauf sehr stolz
und ich ehrlich gesagt ein bisschen
neidisch, aber nur ein bisschen.
Ich konnte die Filme
ja bei ihm mitschauen.
An einem dieser Abende mit Eistee,
Chips und Salami-Baguettes lag auch
Deep Blue Sea auf dem Filmstapel.
Und nach diesem Abend fürchtete
ich das Meer und diese Welt.
Eine Welt der schwimmenden Ungeheuer
Unter der spiegelnden Oberfläche.
Ziemlich gruselig das Ganze.
Aquatica.
Ein Forschungslabor mitten im Ozean.
Auf mich wirkte es wie ein Gefängnis.
Und wie bei jedem Gefängnis gibt es
Gefangene, die ausbrechen wollen.
Um jeden Preis.
Im Fall von Deep Blue Sea
waren es genetisch veränderte
Riesenhaie Genauer Mako-Haie.
Ich kannte bisher nur Weiße Haie oder
Tigerhaie, die in Filmen als schwimmende
Fressmaschinen ihr Unwesen trieben.
Dass aber genau diese Tigerhaie in
Deep Blue Sea nichts anderes als
Futter für die echten Killerhaie
waren, beeindruckte mich.
Ich hatte schon einige Haifilme
gesehen, natürlich auch der
Weiße Hai von Steven Spielberg.
Aber der machte keine Angst, Ich fand
es eher witzig wenn der Mechanikhai
sein Maul auf und zu klappte.
Die Makos in Deep Blue Sea
hingegen machten mir Angst.
Schon der erste riesige Schatten
der sich durch das Wasser der Anlage
bewegte, war anders als alles was
ich vorher schon gesehen hatte.
Ich
glaube, jeder kennt dieses mulmige
Gefühl, wenn man als Kind am Strand
steht, die Füße in der warmen Gischt
eingetaucht und auf das Meer hinausschaut.
Ich ging immer so weit hinaus, wie
ich stehen und vor allem sehen konnte.
Wenn irgendwo ein dunkler Fleck im
Wasser war, machte ich einen Bogen darum.
Daraus wurde es schnell ein Spiel, das
ich mit meiner kleinen Schwester spielte.
Wer kann mehr dunklen Flecken ausweichen?
Aber rausschwimmen war für
mich als Kind undenkbar.
Was, wenn mich dort etwas
packt und in die Tiefe zieht?
Meine Eltern sagten mir immer, dass
da nichts ist, was mich packen will.
Das beruhigte mich, aber mein
Gehirn vergaß die Angst nie ganz.
Durch Deep Blue Sea wachte diese Angst
in mir wieder auf, denn das Meer in
diesem Film hat gefühlt keinen Boden.
Meter um Meter geht es hinab, bis das
Sonnenlicht komplett verschwindet.
Und in dieser dunklen Welt leben riesige
Wesen mit schwarzen Augen, Mäulern
voller Zähne und unbändigem Hunger.
Ich mochte schon immer Filme
mit verrückten Wissenschaftlern
Wissenschaftler die einen Traum haben
und dafür über Gesetze und Leichen gehen.
Saffron Burrows und Stellan
Skarsgård spielen in Deep Blue Sea
diese verrückten Wissenschaftler.
Sie wollen um jeden Preis die
Lösung gegen Alzheimer finden.
Und die steckt zufällig
im Gehirn eines Mako-Hais.
Drei Haie haben sie erschaffen,
zwei Männchen und ein Weibchen.
Und diese drei Haie ließen mich
kerzengerade auf dem Sofa sitzen, teils
animiert Teils animatronisch diese
Filmhaie wirkten so echt und gefährlich,
weil sie schnell sind, weil sie schlau
sind und weil sie niemals satt werden.
Es faszinierte mich, dass diese Haie
denken können, sich ohne Geräusche
durch das dunkle Wasser bewegen
und dann blitzschnell zuschlagen.
Sie können sogar rückwärts schwimmen,
was sie eigentlich nicht können sollten.
Diese Haie waren echte
Killer, ob im freien Meer.
Oder in den engen Gängen
des Unterwasserlabors.
Deep Blue Sea brachte
mich aber auch zum Lachen.
Das lag vor allem an LL
Cool J, der den Koch spielt.
Ich wusste dass er Musik macht.
Hip-Hop fand ich damals aber nicht cool.
Bei mir lief eher Linkin Park,
Bullet for my Valentine oder Trivium.
Aber LL war cool.
Nach dem Film habe ich mir ein Poster
von LL Cool J in mein Zimmer gehängt.
Ein Schulfreund gab es mir, er
sammelte Poster von bekannten Rappern.
Darauf trug LL Cool J eine Sonnenbrille
und ein Bandana In der Hand eine
silberne Kreuzhalskette Direkt neben
das Plakat hängte ich ein Poster
mit einem blauen Hanfblatt, von dem
Rauchschwaden aufstiegen Für mich
passte das gut zusammen LL Cool J
hat im Film einen kleinen Vogel der
mit ihm in der Küche sitzt Die beiden
brachten mich zum Lachen Der Vogel war
frech und beleidigte den Koch immer
LL Cool J gab seinem Vogel Contra.
Er ließ ihn aber auch Sahne vom
Finger ablecken, nur um dann
seine hässliche Zunge zu dissen.
Wie beste Freunde das eben machen.
Die für mich heftigste Szene
spielte Samuel L. Jackson.
Obwohl das Labor im Meer versinkt
und meterlange Haie durch die
Gänge schleichen, blieb er
ruhig, behielt die Kontrolle.
Sie sehen wie schlimm eine
Situation werden kann und wie
schnell so etwas manchmal geht.
Aber es kann noch
weitaus schlimmer kommen.
Und deshalb hören wir jetzt
auf, miteinander zu streiten.
Wir werden zusammenhalten und wir werden
einen Weg finden, wie wir hier rauskommen.
Als erstes sollten wir
den Zugang hier abfangen.
An diesem Punkt, als das Mako-Weibchen
mitten in seiner Motivationsrede zuschlug
und den strampelnden Jackson mühelos
in zwei Hälften riss, war mir klar,
es gibt keine Hoffnung Untertitelung.
Deep Blue Sea war ein
Stück Freiheit für mich.
Blutiger Horror unter Wasser, mit Haien
als scharfsinnige Serienmörder, auf
der Jagd nach hilflosen Menschen, die
nichts tun können, außer strampeln und
beten Weil es nicht ihr Element ist.
Und
ob ich schon wanderte im finstern
Tal, fürchte ich kein Unglück,
denn du bist bei mir, dein Stecken
und dein Stab trösten mich.
Gutes und barmherziges werden mir
folgen mein Leben lang, denn ich trage
einen dicken Schnüppel und ich bin
die fieseste Mistsau im ganzen Tal.
Zwei Haie erledigt Herr.
Noch ein Dämonenfisch übrig.
Kriege ich ein Amen?
Amen.
Das war die Freiheit, die
ich als Jugendlicher suchte.
Doch ich musste Opfer
bringen für diese Freiheit.
Und das merke ich jedes Mal,
auch heute noch, wenn ich am
Strand oder am Beckenrand stehe
und auf das Wasser blicke.
Auf die ruhige, glänzende Oberfläche.
Wohl wissend dass nichts in
der Tiefe auf mich lauert.
Und obwohl mein Kopf das weiß,
schlägt mein Herz wie verrückt,
denn die Angst lauert irgendwo da
draußen, im tiefen blauen Meer.
Tja, schon wieder ein Film vorbei.
Komm, wir bleiben noch sitzen.
Ich hab noch ein bisschen Restpopcorn.
Hinten mittig