Hinten, Mittig - Der Podcast

Steffen Buchmann

Erinnerungen an: "Jumanji" (1995)

15.01.2026 10 min

Zusammenfassung & Show Notes

Jumanji ruft!

Aber diese verdammten Trommeln verfolgen mich... bis in meine Träume.
Wie kann es sein, dass solch ein Abenteuerfilm mich heute noch heimsucht?
Und was macht es heute mit mir zu wissen, dass Robin Williams - der mich und Millionen zum Lächeln brachte - doch selbst ein gebrochener Mensch war?

Erinnerungen von damals und heute zu: JUMANJI (1995).

Ich habe dir einen Platz freigehalten: Hinten, mittig.
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Tonausschnitte „Jumanji“: Copyright Sony Pictures Home Entertainment

Jumanji ruft!

Aber diese verdammten Trommeln verfolgen mich... bis in meine Träume.
Wie kann es sein, dass solch ein Abenteuerfilm mich heute noch heimsucht?
Und was macht es heute mit mir zu wissen, dass Robin Williams - der mich und Millionen zum Lächeln brachte - doch selbst ein gebrochener Mensch war?

Erinnerungen von damals und heute zu: JUMANJI (1995).

Ich habe dir einen Platz freigehalten: Hinten, mittig.

Transkript

Diese Trommeln, diese verdammten Trommeln, selbst 20 Jahre später höre ich sie noch, sie rufen mich, locken mit großen Abenteuern doch die Trommeln verheimlichen mir etwas, Reißzähne, giftige Ranken, ein Jäger und all das, was sich in der Nacht versteckt. Bin ich Manns genug, um dieses Abenteuer zu bestehen? Ich bin doch nur ein Kind, manchmal auch heute noch. Willkommen in Jumanji. Es muss ein Freitagnachmittag irgendwann 1998 oder 99 gewesen sein. Ich war auf jeden Fall noch keine 10 Jahre alt. Ich stand in der kleinen Videothek am anderen Ende unseres Dorfes Meine Lieblingskassette war bisher der Power Rangers Film. Den steuerte ich beim Besuch mit meinem Vater eigentlich immer automatisch an. Aber in einer Werbung hatte ich schon einmal von einem neuen Film gehört. Ein Film über ein Brettspiel, das Kinder einsaugt und wilde Tiere ausspuckt Und genau dieser Film stand jetzt vor mir im Regal. Robin Williams schrie mich vom Cover aus an. Zwei wilde Nashörner waren ihm dicht auf den Fersen Dahinter riesige Spielwürfel und ein gigantischer Holzkasten, aus dem gerade ein Elefant herausbrach. Alles an dieser Videokassette faszinierte mich. Und dann war da noch dieses Wort. Jumanji. Ich kannte es nicht. Ich wusste nur, wie man es ausspricht. Ju-man-ji mit einem weichen J. Was es bedeutet, war mir egal. Es klang anders, exotisch und nach Abenteuern. Es gab Zwei Gründe, warum ich damals Jumanji sehen durfte. Der erste war mein Vater. Er schaute viele Filme mit mir, vor allem am Wochenende. Bart Spencer und Terrence Hill, manchmal ein alter Godzilla-Film im Fernsehen. Dazu gab es Paprika-Chips. Manchmal döste mein Vater dabei auf dem Sofa ein. Das war aber nicht schlimm. Der Film lief ja weiter. Und ein Gesicht kannte ich ja schon. Robin Williams mochte ich damals wirklich gerne. Ich hatte ihn schon als Peter Pan in Hook gesehen. Ach, wie gerne wäre ich auch mal über die Häuser mit ihm geflogen. Das tickende Krokodil hatte mir lange Zeit Angst gemacht. Und auf Julia Roberts als Tinkerbell hatte ich ehrlich gesagt einen kleinen Crush. Ich hatte als Kind immer das Gefühl, dass Robin Williams ein netter Mensch sein muss. Heute zu wissen, dass er mit Depressionen kämpfte, macht mich nachdenklich. Über fröhliche Menschen, die mit ihrem Lächeln Wärme schenken und dabei selbst frieren. Der vielleicht wichtigste Grund war aber ein ganz banaler, die Kassette war da. Das zeigte mir ein kleiner Plastikanhänger mit einer Nummer, der an einem Metallhaken vor dem Videoregal baumelte. Mein Vater lieh Jumanji mit mehreren anderen Videos fürs Wochenende aus, das war günstiger. Ach ja, gute alte Staffelpreise. Ich konnte es kaum erwarten, abends die Kassette endlich in den Rekorder zu schieben. Damals ahnte ich nicht, was Jumanji mit meinem kleinen Kinderverstand anstellen würde. Schon die erste Szene ließ mich erschaudern. Zwei Jungen die mit einer Pferdekutsche durch Wind und Regen hetzen. Im Gepäck eine Kiste, die sie irgendwo tief im Wald vergraben. Ab da war klar, das hier ist kein normales Abenteuer. In Alan fand ich mich wieder, nicht weil er reich war und in einer großen Villa lebte, sondern weil er anders war. Und dafür verbeulten die anderen Kinder ihm die Nase und das Fahrrad. Ich kannte das. Ich war immer etwas zu nett, trat immer wieder in Fettnäpfchen. Alan wollte dazugehören, genau wie ich. Dadurch begeht man Dummheiten, spielt sich auf, prügelt sich manchmal, weinend vor Wut. Einmal prallte ich mit einem offensichtlich gefälschten Italien-Trikot Nummer 10, Alessandro del Piero, das meine Eltern mir im letzten Urlaub gekauft hatten. Ich war so stolz Und stand trotzdem nur neben dem Tor. Ich war zu langsam, sagten die anderen. Und ich glaubte es. In Jumanji geht es auch um Außenseiter als Kinder wie als Erwachsene. Und der Film zeigte mir, um allein zu sein, muss man nicht in einem Dschungel leben. Jumanji weckte Ängste in mir auf, Ängste, von denen ich vorher nichts wusste und die bis heute in meinem Gehirn leben. Diese riesige Villa, die sich mit jedem Würfeln in ein noch absurderes Horror-Baumhaus verwandelt. Ein Zuhause, in dem du nirgendwo sicher bist. In der Küche lauern Affen mit Wurfmessern auf dem Dachboden gigantische Moskitos und Spinnen, im Wohnzimmer tödliche Schlingpflanzen und sogar im Schlafzimmer wartet ein hungriger Löwe. Das schlimmste Kopfkino löst Aber Robin Williams bei mir aus. Ich habe Dinge gesehen, die ihr nur in euren Albträumen seht. Die ihr euch nicht mal vorstellen könnt. Dinge, die ihr nicht mal sehen könnt. Es gibt Wesen die jagen dich in der Nacht. Und auf einmal hörst du etwas schreien. Dann hörst du die Fresslaute und hoffst bei Gott, Dass du nicht die Nachspeise sein wirst. Von wegen Angst. Mein Junge du weißt ja noch nicht mal was Angst ist. Und jetzt stell dir mal vor, ich habe damals in einem Hochbett geschlafen. Und im Dunkeln hatte ich immer Angst, dass entweder ein Löwe oder ein Velociraptor von unten nach meinen Füßen greift. Na, herzlichen Dank dafür, Joe Johnson und Steven Spielberg. Damals war Jumanji ein spannendes Abenteuer für mich, heute sehe ich darin einen Konflikt, einen Konflikt zwischen Vater und Sohn, denn das gestörte Verhältnis zwischen Alan und seinem Vater Sam löst überhaupt erst die ganze Katastrophe aus. Ein Sohn der sich nicht gesehen fühlt Hilfe bei seinem Vater sucht doch der sagt nur, man muss lernen, sich seinen Feinden zu stellen, wie ein Mann. Dieser Konflikt verfolgt Alan bis ins Erwachsensein und in den Kampf mit dem Jäger Van Pelt, ein schauriger Bösewicht mit einem schiefen Goldzahnlächeln und erbarmungslosem Abzugsfinger. Für mich ging es in Jumanji darum, sich der Angst zu stellen und nicht mehr wegzulaufen, aber auch, sich gegenseitig zu helfen, ob als Freunde oder Familie, denn nur so kann man mutig sein und dieses Spiel des Lebens meistern. Jumanji ist ein einfacher Abenteuerfilm, mal schaurig mal witzig gemacht für Kinder. Aber ich liebe es, mich heute noch in dieses Abenteuer zu stürzen weil Jumanji zu meinem Abenteuer wurde. Ich liebe es, mit Judy und Peter zu zittern wenn ihre Figuren von Geisterhand über das Spielfeld wandern. Ich liebe es, über Alan und Sarah zu schmunzeln wenn Wie sie als Erwachsene immer noch mit ihren Gefühlen hadern. Ich liebe es, dass ich diesem blöden Pelikan in den Hintern treten möchte. Und ich liebe es, wenn dieses verfluchte Stück Holz an einem fremden Strand angeschwemmt wird. Und die Trommeln rufen zu einem neuen Abenteuer. Ah, der Abspann läuft. Aber ich bleib noch ein wenig mit dir sitzen. Hinten mittig.