Erinnerungen an: "South Park - Der Film" (1999)
15.03.2026 10 min
Zusammenfassung & Show Notes
ES BEGANN AUF EINER LAN-PARTY
Ein Glücksfund auf einer Festplatte erweist sich als mein Zugang zu einer Zeichentrick-Welt, die explizit für Erwachsene erschaffen wurde.
Welche Spuren hinterlässt ein satirisches Musical bei einem unsicheren Jugendlichen, der bis dato nicht mal wusste, wer Saddam Hussein ist?
Ein Glücksfund auf einer Festplatte erweist sich als mein Zugang zu einer Zeichentrick-Welt, die explizit für Erwachsene erschaffen wurde.
Welche Spuren hinterlässt ein satirisches Musical bei einem unsicheren Jugendlichen, der bis dato nicht mal wusste, wer Saddam Hussein ist?
Erinnerungen von damals und heute an: SOUTH PARK - DER FILM (1999)
Ich habe dir einen Platz freigehalten: Hinten, mittig.
Trigger-Hinweis: Passend zum besprochenen South Park-Kosmos, werden in dieser Folge explizite und anstößige Beleidigungen rezitiert.
Trigger-Hinweis: Passend zum besprochenen South Park-Kosmos, werden in dieser Folge explizite und anstößige Beleidigungen rezitiert.
---
Folge mir auf Instagram: https://www.instagram.com/hintenmittig.podcast/
Tonausschnitte „South Park - Der Film“: ©️ Warner Home Video
Cover-Motiv: ©️ themoviedb.com
Folge mir auf Instagram: https://www.instagram.com/hintenmittig.podcast/
Tonausschnitte „South Park - Der Film“: ©️ Warner Home Video
Cover-Motiv: ©️ themoviedb.com
Transkript
Onkelficker, furzköpfiger
Rosettenhengst, eselpoppender
Kackfresser, Hundescheiße-Pizza,
blutgedrängter eiskalter
Tampon-Milkshake und Barbara Streisand.
Die Liste an Schimpfworten aus
dem South Park-Film ist lang.
Noch länger dürfte nur die Liste
von Kindern sein, die sie Anfang
der 2000er Jahre auf dem Schulhof
nachplapperte- mir inklusive.
Wusste ich mit 13, was ein
Rosettenhengst überhaupt ist und
dass es schwule Männer beleidigt?
Scheiße nein.
Aber Cartman hat es doch im Film
benutzt also muss es cool sein, oder?
Als Jugendlicher machte ich eine
Entdeckung, die ein Tor in eine komplett
fremde Welt für mich öffnete: LAN-Partys.
VGA-Kabel, Switches, IP-Adressen,
Mods und ISO-Dateien mounten.
Mit 13 wuchs mein Wortschatz
um einige merkwürdige Begriffe.
Tutorials bei YouTube gab es da noch
nicht, sondern es hieß üben, üben üben.
Ich wollte alles Wichtige lernen, um
bei diesen nerdigen Computer-Partys
meiner Freunde dabei sein zu können.
Unter Partys kannte ich bisher
nur Feiern, auf denen man zu The
Offspring tanzte und Alkopops trank.
Doch anstatt sich bis unter die
Ohrläppchen mit Parfüm einzudieseln und
mit einem Sportunterhemd die Speckröllchen
unter dem Kurzarmhemd mit dem blauen
Drachenaufdruck zu kaschieren, war der
Dresscode für LAN-Partys komplett anders.
Was du anhast oder wie
du riechst ist egal.
Wichtiger war, was du mitbrachtest.
Röhrenmonitor, Tower-PC, Tastatur,
Maus und Wäsche-Wannen voller
Kabelsalat und literweise Cola.
Ein Schulkumpel besorgte den
Schlüssel für das alte Feuerwehrhaus
im Dorf in dem wir uns öfter mal
zwei bis drei Tage lang einsperrten.
Das ging nur im Sommer, denn die
Holzfenster waren undicht und die
Heizung machte sowieso, was sie wollte.
Fast spannender als das Zocken von
Counter-Strike, Far Cry oder einer
Dragon Ball Z-Mod für Warcraft 3
fand ich das Austauschen von Dateien.
Es gab eine goldene Regel bei
jeder LAN-Party: wer mitmacht,
darf sich alles ziehen.
Da waren Videospiele, Musikalben,
sogar ganze Spielfilme auf den rund 10
PCs gelagert, die auf langen Tischen
eng an eng standen Die Lüfter röhrten
unter der stundenlangen Serverlast.
Dass keine der überbelegten Steckerleisten
in Flammen aufging, war ein Wunder.
Und auf einer dieser
Festplatten fand ich ihn.
Meinen ersten Clip aus
dem South Park Film.
In mieser 144p-Auflösung beleidigt
Cartman die Mutter seines Freundes
Kyle, weil sie an allem schuld ist und
eine fettwanstige Dummschlampe ist.
Zweimal unterbricht Kyle ihn, warnt ihn
davor, seine Mutter weiter zu beleidigen.
Doch Cartman lässt sich nicht
abhalten, ein einminütiges Hasslied
auf Kyles Mom loszuschmettern und sich
gleichzeitig über Chinesen Holländer
und ganz Afrika lustig zu machen.
Southpark, der Film, war mein Erstkontakt
mit dieser kontroversen Zeichentrickserie.
Im Fernsehen lief sie zweimal
abends auf RTL und später auf MTV.
Doch weder die Machart noch die
Geschichte interessierte mich
zunächst, genau wie bei den Simpsons.
Dass es Zeichentrick für Erwachsene
war, war mir nicht bewusst.
Ich hatte mich nur gefragt,
warum alle Figuren dieselben
langweiligen Gesichter haben.
Und mit Satire konnte ich nichts
anfangen, da ich die parodierten
Figuren oft nicht kannte.
Meine Eltern mochten die Serie auch nicht.
So bekamen sie schnell den
Ruf von etwas Verbotenem.
Aus meinem Freundeskreis schnappte
ich jedoch immer mehr Dinge auf, die
aus dem South Park-Kosmos stammten.
So wie etwa Mr. Hankey, eine sprechende
Kackwurst mit Weihnachtsmütze.
Auch in der Videothek begegnete South
Park mir irgendwann mal als Videospiel
für den Nintendo 64 Verstanden habe
ich es jedoch nicht, warum man dort
auf Schneebälle pinkelt und von
aggressiven Truthänen gejagt wird.
Durch diese eine LAN-Party
änderte sich für mich alles.
Ich kopierte alle Clips auf meine
eigene Festplatte und ließ sie im
Media Player hoch- und runterlaufen.
Gemeinsam mit meinen Freunden schaute
ich mir die Clips so oft an, dass wir
sie auswendig mitsprechen konnten.
Genauso wie später bei Lord of the Weed
oder etlichen anderen Videos, die ich
auf Plattformen wie Newgrounds entdeckte.
Etwa ein Jahr nach der schicksalhaften
LAN-Party hatte ich Glück.
Ein Lan-Kumpel hatte den gesamten
South Park Film auf Platte dabei.
Ach, ich konnte es kaum erwarten
nach Hause zu kommen und endlich
den ganzen Film zu sehen, den ich in
Minutenschnipseln schon so gut kannte.
Als nach gut 80 Minuten der Abspann
lief und ich die knackenden PC-Boxen
leiser drehte, war ich verwirrt.
Ist South Park der Film ein Musical?
Musicals mochte ich als Jugendlicher nie.
Menschen, die über alles singen was
ihnen passiert und was sie denken.
Und dann noch dazu tanzen.
Ich fand das furchtbar.
Die Musik von Tanz der Vampire
hörte ich zwar ganz gerne,
aber das war es auch schon.
Doch die Lieder aus
South Park waren anders.
Die waren lustig provokant und eingängig.
Cartmans Schlampenlied kannte ich
ja bereits in und auswendig Aber da
waren noch so viele andere Lieder die
mein Herz schneller schlagen ließen
Wenn die Resistance über ihren Sieg
trotz schrecklichem Foltertod sang.
Wenn Satan aus der Hölle
sehnsüchtig nach oben schaute.
Oder wenn Big Gay Al sich
einfach nur super fühlte.
Ach ja, und natürlich der
Onkel-Ficker-Song von Terrence
und Phillip, der das ganze
Chaos inklusive Weltkrieg und
Apokalypse überhaupt erst auslöste.
Ich schaute den Film immer
wieder und wieder und fand jedes
Mal ein neues Detail, das ich
lustig oder schockierend fand.
Dürfen Saddam Hussein und
Satan ein schwules Paar sein?
Darf man Brüste in einem
Zeichentrickfilm zeigen?
Oder so viel Fluchen, dass
man wie der Imperator Blitze
aus seinen Fingern schießt?
Die South Park-Macher zeigten
mir, na klar darf man das.
Je älter ich wurde, desto mehr
verstand ich die Satire hinter all
dem vermeintlichen Kinderquatsch.
Satire über Eltern, die ihre Kinder
vor allem Bösen schützen wollen und
deshalb ganze Fernsehsender eingreifen.
Oder sinnlose Kriege für das
vermeintlich gute Vaterland.
South Park brachte mich zum Nachdenken.
Denn ich selbst sah mich auch
als ein gelangweiltes Dorfkind,
so wie Stan und seine Freunde.
Nachdenken darüber, was einen guten
Freund ausmacht, warum man sich auch mal
aufs Schlimmste beleidigen kann und so
sogar noch zu besseren Freunden wird.
Nachdenken über die erste Liebe,
die man sich auf der Dorfparty
nicht traut anzusprechen.
Nachdenken über die Erkenntnis, dass
man kein gebildeter Anführertyp sein
muss, um jemanden zu imponieren.
Manchmal reicht es vollkommen aus,
nur ein ehrlicher Durchschnittstyp
zu sein, der seine Macken akzeptiert
und auf Dinge, die es nicht wert
sind, auch mal einen Fick gibt.
South Park der Film veränderte nicht
nur mein Vokabular und meine Weltsicht,
sondern ließ mich damals mit drei
Fragen zurück, die manche Menschen
vielleicht noch bis heute beschäftigen.
Wie klingt eine sterbende Giraffe?
Wo ist die Klitoris?
Und wer zum Fick ist
eigentlich Brian Boitano?
Abspann, Vorhang, das war's.
Pass auf, dass du nichts Wichtiges
vergisst wenn du gleich gehst.
Mach's gut und hoffentlich bis bald.
Hinten mittig.