Man muss Gesundheit so erzählen, dass die Geschichte bei den Menschen ankommt
Pia Kruckenhauser über die Kunst des Gesundheitsjournalismus
03.06.2026 26 min Staffel 11 Episode 6
Zusammenfassung & Show Notes
Wie schreibt man über Gesundheit so, dass Menschen nicht nur klicken, sondern auch etwas mitnehmen? Pia Kruckenhauser, Leiterin des Gesundheitsressorts bei Der Standard, spricht mit Christina Nageler darüber, warum persönliche Geschichten Leserinnen und Leser mehr bewegen als reine Faktenvermittlung. Und warum Prävention und Alltagsrelevanz oft wirkungsvoller sind als der nächste große Wissenschaftsdurchbruch.
In dieser Folge von IGEPHA im Gespräch spricht Gastgeberin Christina Nageler mit Pia Kruckenhauser, Leiterin des Gesundheitsressorts beim Standard, über die handwerklichen und journalistischen Fragen hinter guten Gesundheitsgeschichten.
Pia Kruckenhauser erklärt, wie sie entscheidet, welche Themen es wert sind, aufgegriffen zu werden, und warum Alltagsnähe oft der entscheidende Faktor ist, ob ein Beitrag gelesen wird oder nicht. Im Gespräch wird deutlich, dass Gesundheitsjournalismus weit mehr ist als die Weitergabe medizinischer Fakten: Es geht darum, Menschen das Gefühl zu geben, handlungsfähig zu sein und ihr Leben aktiv mitgestalten zu können.
Thematisiert werden außerdem die bewusste Entscheidung gegen Angst als Kommunikationsmittel, die Rolle von Health Literacy in Österreich und der Wunsch nach einer stärkeren politischen Verankerung von Gesundheitsförderung.
Keypoints:
- 👉 Alltagsrelevanz entscheidet: Leserinnen und Leser steigen in ein Gesundheitsthema ein, wenn sie sich darin wiedererkennen. Themen wie Schlafprobleme oder Nikotinsucht bei Jugendlichen funktionieren, weil sie viele direkt betreffen oder aus dem eigenen Umfeld kennen.
- 👉 Persönliche Geschichten schaffen Empathie: Ob Alzheimer-Vorbeugung oder Leben mit Rheuma, konkrete Beispiele und Betroffenenstimmen ziehen Leserinnen und Leser stärker in ein Thema hinein als sachliche Abhandlungen allein.
- 👉 Keine Angst, aber klare Sprache: Angst ist laut Pia Kruckenhauser kein gutes Kommunikationsmittel. Stattdessen setzt sie auf einen lösungsorientierten Ansatz, der zeigt, was Menschen tun können, und Handlungsmacht zurückgibt.
- 👉 Prävention schlägt Sensation: Beiträge zu Ernährung, Schlaf oder Alzheimer-Vorbeugung zählen zu den meistgelesenen Inhalten. Der nächste große Wissenschaftsdurchbruch erreicht oft nur eine spezifische Zielgruppe.
- 👉 Health Literacy als gesellschaftliche Aufgabe: In Österreich ist der Gap zwischen Lebensjahren und gesunden Jahren mit bis zu 26 Jahren erschreckend groß. Guter Gesundheitsjournalismus und stärkeres politisches Engagement können hier einen echten Unterschied machen.
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