Self-Care spart Europas Gesundheitssystem jährlich 37 Milliarden Euro und eine Milliarde Arztstunden
Oliver Hartmann im Gespräch mit Christina Nageler über Gesundheitskompetenz, Apotheken und die Zukunft von Self-Care in Europa
09.09.2026 19 min Staffel 12 Episode 1
Zusammenfassung & Show Notes
In der ersten Folge der 12. Staffel spricht Christina Nageler mit Oliver Hartmann über die europäische Perspektive auf Self-Care und warum sie weit über Selbstmedikation hinausgeht. Anhand aktueller Zahlen zeigt Hartmann, welchen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert Self-Care für Europas Gesundheitssysteme schafft, und erklärt, welche politischen Weichenstellungen es bis 2030 braucht, damit dieses Potenzial besser genutzt wird.
In der ersten Folge der 12. Staffel von IGEPHA im Gespräch begrüßt Host Christina Nageler ihren Gast Oliver Hartmann. Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, was Self-Care aus europäischer Perspektive tatsächlich bedeutet und warum eine Gleichsetzung mit Selbstmedikation zu kurz greift.
Hartmann erläutert anhand der WHO-Definition, dass Self-Care ein deutlich breiteres Spektrum abdeckt: Prävention, einen gesunden Lebensstil, die eigene Einschätzung von Beschwerden sowie den verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheitsressourcen. Selbstmedikation ist dabei nur ein Teilbereich. Deutlich wird auch, dass die meisten gesundheitsrelevanten Entscheidungen im Alltag getroffen werden, zu Hause, am Arbeitsplatz oder in der Schule, lange bevor ein Arztbesuch ansteht.
Ein zentrales Thema ist die Gesundheitskompetenz, die Hartmann als Grundvoraussetzung für funktionierende Self-Care beschreibt. Die heutige Herausforderung liege weniger im Mangel an Information, sondern in der Informationsflut und in Fehlinformationen.
Anhand von Studien, unter anderem der Arbeiten von Mai und Bauer, zeigt Hartmann den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert von Self-Care für Europa auf. Abschließend spricht er über notwendige politische und regulatorische Rahmenbedingungen bis 2030, etwa eine stärkere Rolle der Apotheken und pragmatischere Regulierung bei Rx-zu-OTC-Switches.
Keypoints:
- Self-Care ist laut WHO-Definition weit mehr als Selbstmedikation und umfasst Prävention, Lebensstil, Selbsteinschätzung und den verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheitsressourcen.
- Gesundheitskompetenz gilt als Grundvoraussetzung für Self-Care; die größte Herausforderung liegt heute in Informationsflut und Fehlinformation, nicht im Mangel an Information.
- Rezeptfreie Medikamente behandeln jährlich rund 1,2 Milliarden kleinere Beschwerden in Europa, sparen dabei etwa 37 Milliarden Euro und ersetzen rechnerisch 120.000 zusätzliche Hausärzte.
- Self-Care entlastet Ärztinnen und Ärzte um rund eine Milliarde Arbeitsstunden pro Jahr; bei konsequenterer Nutzung ließen sich zusätzlich 18 Milliarden Euro jährlich für die Gesellschaft freisetzen.
- Für die Zukunft braucht es laut Hartmann unter anderem eine stärkere Rolle der Apotheken, pragmatischere Regulierung bei Switches und die Verankerung von Self-Care als strategische Säule der Gesundheitssysteme bis 2030.
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