Wenn Fachmedien den Unterschied machen: Was Self-Care wirklich braucht um als Teil der Gesundheitsversorgung ernst genommen zu werden
Birgit Schmidle-Loss vom Springer Verlag über Qualitätsstandards, Orientierung statt Information und die Verantwortung medizinischer Fachpublikationen
17.06.2026 20 min Staffel 11 Episode 7
Zusammenfassung & Show Notes
Self-Care wird in medizinischen Fachmedien lange als Randthema behandelt. Birgit Schmidle-Loss vom Springer Verlag erklärt, warum sich das gerade deutlich ändert und welche Verantwortung Fachverlage dabei tragen. Denn was in wissenschaftlichen Journals erscheint, landet oft als erstes in den Redaktionen von ORF, Tageszeitungen und Co.
In dieser Folge spricht Christina Nageler mit Birgit Schmidle-Loss, Leiterin der Journal- und Redaktionen im Bereich Medizin bei Springer Verlag Wien, über die Rolle von Fachmedien in der Kommunikation rund um Self-Care, OTC-Produkte und Selbstmedikation.
Self-Care wird heute nicht mehr als Lifestyle-Beilage verstanden, sondern als relevanter Bestandteil einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung. Genau deshalb braucht es die gleichen Qualitätsstandards wie bei jedem anderen medizinischen Thema: evidenzbasiert, transparent und kontextualisiert.
Birgit Schmidle-Loss zeigt in diesem Gespräch, wie Fachverlage als Multiplikatoren wirken, welche Lücken in der Berichterstattung noch zu schließen sind, und was gute Fachkommunikation leisten muss, damit Menschen informierte Entscheidungen treffen können.
Keypoints aus der Folge:
- 🔍 Gleicher Qualitätsanspruch für alle Themen: Self-Care muss im Fachjournalismus mit demselben evidenzbasierten Standard behandelt werden wie komplexe klinische Themen aus Onkologie oder Chirurgie. Alles andere ist keine seriöse Berichterstattung.
- 📡 Fachmedien als Ausgangspunkt der Berichterstattung: Journalistinnen bei ORF oder auflagenstarken Tageszeitungen stützen sich bei komplexen Gesundheitsthemen auf Fachpublikationen als erste Quelle. Saubere Aufbereitung bei Springer & Co. bestimmt also mit, wie Self-Care später in der Öffentlichkeit diskutiert wird.
- ⚖️ Orientierung schlägt Information: In Zeiten von Social Media und KI werden mehr Informationen nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. Was Menschen brauchen, ist klare Orientierung: Was kann ich selbst behandeln, wo liegen die Grenzen, und wann muss ich professionelle Hilfe suchen?
- 🧩 Kontext und Transparenz als redaktionelle Grundprinzipien: Wer steht hinter einem Produkt oder einer Information? Wie belastbar sind die Studien? Wirkt ein OTC-Präparat in Kombination mit bestehenden Therapien? Diese Fragen müssen Fachmedien aktiv stellen und beantworten.
- 🏥 Self-Care als Systementlastung: Angesichts alternder Bevölkerung und steigender Gesundheitskosten ist fundierte Selbstmedikation kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Gut begleitete Selbstbehandlung entlastet Arztpraxen und Spitäler und stärkt die Eigenverantwortung der Menschen.
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