Wenn Zahlen Angst machen statt helfen: Wie gute Gesundheitsberichterstattung wirklich funktioniert
Gesundheitsjournalistin Sonja Krause über den Balanceakt zwischen Aufklärung und Alarmismus, Selbstmedikation als Zeichen von Gesundheitskompetenz und die Rolle von Influencern und KI in der Gesundheitsinformation.
08.04.2026 25 min Staffel 11 Episode 2
Zusammenfassung & Show Notes
Christina Nageler spricht mit Sonja Krause, Gesundheitsjournalistin bei der Kleinen Zeitung, über die Frage, wie Medien mit Gesundheitszahlen umgehen sollten – und warum das für jede und jeden von uns im Alltag einen Unterschied macht. Das Gespräch berührt Selbstmedikation, Social-Media-Desinformation, KI als neue Anlaufstelle für Gesundheitsfragen und die Bedeutung von Eigenverantwortung als Grundlage für ein funktionierendes Gesundheitssystem.
Gesundheitsinformationen begegnen uns täglich: in Schlagzeilen, in Social-Media-Posts, in Studienergebnissen und zunehmend auch aus dem Mund von KI-Assistenten. Doch was davon hilft wirklich beim Entscheiden – und was macht eher verunsichert?
In dieser Episode von "Igepha im Gespräch" spricht Christina Nageler mit Sonja Krause, Gesundheitsjournalistin bei der Kleinen Zeitung und zweifach ausgezeichnet mit dem Pressepreis der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. Sonja Krause gibt ehrliche Einblicke in ihren redaktionellen Alltag und erklärt, nach welchen Maßstäben sie Gesundheitsthemen aufbereitet – und welche Verantwortung dabei auf Journalistinnen und Journalisten lastet.
Keypoints der Folge:
- ✅ Zahlen brauchen Kontext. Ob eine Zahl Angst macht oder Orientierung gibt, hängt nicht von der Zahl selbst ab – sondern davon, welche Geschichte man daraus erzählt. Zahlen können genauso gut Fortschritt und Hoffnung belegen wie Risiken.
- ✅ Selbstmedikation als Zeichen von Gesundheitskompetenz. 83 Prozent der Menschen in Deutschland greifen bei leichten Beschwerden zu rezeptfreien Arzneimitteln. Sonja Krause sieht das grundsätzlich positiv – als Ausdruck von Eigenverantwortung. Gleichzeitig lohnt es sich, die Frage zu stellen: Ist das freie Wahl oder manchmal auch die einzige verfügbare Option angesichts langer Wartezeiten?
- ✅ Influencer vs. klassische Medien. Was Influencer im Gesundheitsbereich besonders wirksam macht, ist nicht ihre Expertise – sondern die Nähe, die sie vermitteln. Das Gefühl, mit einer Freundin zu sprechen, senkt die Hemmschwelle zum Hinterfragen. Sonja Krause gibt einen klaren Rat: Immer prüfen, ob hinter einer Gesundheitsbotschaft ein finanzielles Interesse steckt.
- ✅ KI als erster Schritt, nicht als letztes Wort. ChatGPT und Co. ersetzen nicht den Weg zur Fachperson – aber sie können helfen, einzuschätzen, ob ein Symptom ernst zu nehmen ist oder nicht. Entscheidend ist, was man mit der KI-Antwort als nächstes tut.
- ✅ Gesundheitskompetenz beginnt in der Bildung. Eigenverantwortung im Umgang mit der eigenen Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sonja Krause plädiert dafür, dieses Wissen früh zu vermitteln – im Kindergarten, in der Schule, im Alltag.
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- https://www.kleinezeitung.at/autor/797/sonja-krause
- https://www.linkedin.com/in/sonja-krause-b4a09819a/
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