Islands of Resonance

Tobias Klose & Dennis Wittrock

06 - Aus der Quelle führen – die unsichtbare Ordnung in Teams und im eigenen Leben

Wer ein Team wirklich führt und wofür du selbst Quelle bist

27.08.2026 97 min

Zusammenfassung & Show Notes

In der Krise wandern im Meeting alle Blicke zu einer Person – und die steht manchmal gar nicht im Organigramm. Dennis und Tobias erkunden die Quellenprinzipien: die unsichtbare Ordnung hinter formalen Rollen, typischen Teamdynamiken und die Frage, wofür du selbst Quelle bist. 🔥

Auf dem Papier ist alles geregelt – und trotzdem entscheidet im Team oft jemand anderes. 
Dennis und Tobias schauen in dieser Folge durch die Brille der Quellentheorie (Source Principles) nach Peter Koenig auf genau diese unsichtbaren relationalen Muster: Wer eine Initiative wirklich trägt und woher die Energie für ein Vorhaben kommt

Um jede Initiative bildet sich mit der Zeit ein „Feld", in das andere hineinwachsen und nach und nach Verantwortung für eigene Teilbereiche übernehmen. Spannend wird es, wenn dieses Feld aus dem Gleichgewicht gerät: wenn zu wenig geführt wird und ein Vakuum entsteht, wenn zu stark kontrolliert wird, oder wenn bei einer Übergabe zwar der Titel wechselt, die eigentliche Verantwortung aber bei der alten Person bleibt.
Wann braucht es die Klarheit einer Quelle, die führt und alle an einem Strang ziehen lässt – und wann die Schwarmintelligenz vieler, die ihren Bereich am besten kennen und mitentscheiden?

Wer Teams oder eigene Projekte führt, bekommt hier eine Sprache für Dynamiken, die sonst unter der Oberfläche bleiben – und praktische Ansätze, um sie zu klären, bevor sie zu Konflikten werden. Und ganz persönlich: Wofür willst du in deinem Leben eigentlich Quelle sein?

🔴 Themen
  • Der Einstieg: Warum manche Aufgaben sprudeln und andere liegenbleiben – und was das mit Führung in Teams zu tun hat
  • Formale Hierarchie vs. gefühlte Ordnung: Wenn im Meeting alle Blicke zu einer anderen Person wandern als zur Teamleitung – besonders sichtbar in der Krise
  • Herkunft des Modells: Peter Koenig entwickelte die Quellenprinzipien in den 1980ern aus Gesprächen mit hunderten Menschen darüber, wie sie ihre Visionen verwirklicht haben; Tom Nixon und Stefan Merckelbach haben sie später ausgearbeitet
  • Wie Initiativen beginnen: Jemand empfängt eine Idee, zweifelt, geht trotzdem ins Risiko und handelt – die Analogie von Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt
  • Der entscheidende Unterschied zwischen Ideengeber und Quelle: Quelle wird, wer es wirklich tut
  • Nicht Eigentum, sondern Dienst: Frederic Laloux' Gedanke, dass eine Kraft sich einen Menschen wählt – im Kontrast zu Patent-, Autoren- und Gründerdenken
  • Es gibt immer nur eine Quellenperson – auch bei Gründerteams
  • Globale und spezifische Quellen: Wie die Quelle ein kreatives Feld schafft, in dem andere ihren eigenen Quellenbereich übernehmen – Kreise in Kreisen, eine Holarchie von Quellen
  • Die Aufgaben einer Quelle: der Intuition lauschen, Initiative und Risiko ergreifen, nächste Schritte klären, die Grenzen des Feldes hüten, Werte und Vision verteidigen
  • Quellen sind nicht nur Funktionsbereiche – jemand kann auch Quelle für die Stimmung im Team sein
  • Die Schatten der Quellenperson – warum persönliche Entwicklung und Schattenarbeit hier keine Kür sind (Beispiel: ungeklärte Themen mit Geld)
  • Die weiche, unklare oder ignorante Quelle – das Orchester wartet auf den Dirigenten; besonders verbreitet in partizipativen, postmodernen Kulturen
  • Reaktionsmuster im Führungsvakuum: Kompensation ohne Resonanz (führt zu Überlastung) oder das Entstehen einer zweiten Quelle – Doppelarbeit, Verwirrung, Machtkampf
  • Übergaben zwischen Quellen: Loslassen und Annehmen als beidseitiger Akt – das Bild der Fackel, die weitergegeben oder fallengelassen wird
  • Die harte Quelle / der Despot – Mikromanagement, unterdrückte spezifische Quellen, die Verwechslung von Quelle und Ego („mir gehört der Laden")
  • Verwaschene Felder – wenn unklar ist, was zur Initiative gehört und was nicht
  • Primatsprinzip vs. Äquivalenzprinzip als Polarität: Klarheit und Führung durch eine Quelle auf der einen Seite, Partizipation und Schwarmintelligenz vieler auf der anderen – was jeder Pol beiträgt, wie er überzogen kippt (Despotismus auf der einen, Orientierungslosigkeit auf der anderen Seite) und warum viele Teams zwischen den negativen Zonen pendeln – oft aus bester Absicht
  • Quellentheorie und Selbstorganisation: Warum die Holarchie der Quellen so gut auf rollenbasierte Kreis-Organisationen passt – und was passiert, wenn innere Quelle und äußere Rolle nicht zusammenfallen
  • Rollen annehmen statt zugeteilt bekommen: Die Würde der eigenen Willensbekundung – und die Spannung zwischen Gesamtverantwortung und Autonomie
  • Source Leadership in der Praxis
  • Die individuelle Ebene: Wofür bist du Quelle in deinem Leben? Wofür möchtest du deine Lebenszeit einsetzen? Und wofür bewusst nicht?
  • Peter Koenigs Verbindung von Quelle und Geld: Wo Quellenenergie fließt, entsteht eher Wert – und damit auch wirtschaftlicher Erfolg
  • Zweifel gehören dazu: Warum die Theorie das Zweifeln normalisiert und damit entlastet
  • Grenzen des Modells: Auf Nationalstaaten und große Verwaltungen angewandt wird es unscharf; soziale Bewegungen folgen einer anderen Logik; und viele Konzerne funktionieren trotz missachteter Quellenprinzipien
  • Die Landkarte ist nicht das Terrain: Die Quellenbrille als Hypothesengenerator, nicht als Dogma
  • Anknüpfungspunkte: Aufstellungsarbeit, Theorie U (Otto Scharmer), Synchronicity (Joseph Jaworski) und die Frage, wie Quellenfelder je nach kultureller Entwicklungs-Reifestufe aussehen
  • Reflexion: Wofür bin ich Quelle? Erfülle ich meine Quellenaufgaben? Wie sieht die Quellenholarchie um mich herum aus? Passen formale Strukturen und innere Quellenfelder zusammen?

🔗 Links & Ressourcen
👥 Hosts

Dennis Wittrock – freiberuflicher Trainer und Berater für Zusammenarbeit und Selbstorganisation, zertifizierter Holacracy Master Coach, Mitgründer der Integralen European Conference und ehemaliger Geschäftsführer des Integralen Forums Deutschland. Autor des Buches „Holacracy verstehen. Kritik - Wissenschaft - Praxis"

Tobias Klose – Berater und Begleiter von Zusammenarbeit, Konfliktklärung und Organisationstransformation. Er verbindet die Entwicklung innerer und relationaler Reife mit tragfähigen, wirkungsvollen Strukturen. Betriebswirt, Gründer und integral-systemischer Agile und Holacracy Coach.


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Dieser Podcast ist zweisprachig mit Folgen auf Deutsch und Englisch.
 This podcast is bilingual with episodes in German and English.