KEAN im Gespräch

Melanie Hagenau (KEAN)
Since 10/2026 2 Episoden

EEG im Wandel: Wie hat sich die Förderung erneuerbarer Energien entwickelt?

Entstehung, Erfolge und Reformbedarf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

28.10.2026 31 min

Zusammenfassung & Show Notes

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland maßgeblich vorangebracht. Heute stammen mehr als 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen. Doch mit diesem Erfolg verändern sich auch die Anforderungen an das Fördersystem.

Wie hat das EEG den Ausbau erneuerbarer Energien geprägt – und warum muss es weiterentwickelt werden?
Prof. Dr. Thomas Schomerus erläutert die ursprüngliche Idee des EEG, seine zentralen Prinzipien und die Bedeutung der Bürgerenergie. Außerdem geht es um die Grenzen des bisherigen Fördermodells und um mögliche Ansätze für seine Weiterentwicklung.

Themen der Folge:
  • Die Entstehung des EEG und das ursprüngliche Problem, das es lösen sollte
  • Die vier Grundprinzipien des EEG
  • Die Rolle des EEG beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Bürgerenergie
  • Kritik am bisherigen Fördersystem und seinen Auswirkungen
  • Neue Anforderungen durch den Wandel des Stromsystems
  • Mögliche Ansätze für eine stärkere Orientierung an Markt, Wettbewerb und Netzkapazitäten
  • Einordnung des Kabinettsentwurfs zur Weiterentwicklung des EEG
Gesprächspartner: Prof. Dr. Thomas Schomerus, Energierechtler an der Leuphana Universität Lüneburg
Moderation: Melanie Hagenau, Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN)

Transkript

Wind. Sonne. Netze. Speicher. Unser Energiesystem ist im Wandel. Wie gelingt die Energiewende in Niedersachsen? Wir sprechen über Rahmenbedingungen, Herausforderungen und Perspektiven vor Ort, KEAN im Gespräch. Der Podcast der Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen. Hallo Herr Professor Schummeros und herzlich willkommen zu unserem Interview mit der Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen. Mein Name ist Melanie Hagenau und ich bin im Team der Öffentlichkeitsarbeit bei der KEAN und wir sind heute hier an der Leuphana Universität in Lüneburg. Sie sind hier Professor für Öffentliches Recht mit den Schwerpunkten Energie und Umweltrecht und leiten den Masterstudiengang Nachhaltigkeitsrecht. Sie beschäftigen sich also einmal wissenschaftlich mit den Themen Energie und erneuerbare Energien, aber nicht nur. Sie haben auch ganz praktisch damit zu tun. Ja, ganz richtig. Aber Sie haben recht, Ich habe auch praktisch mit diesen Themen zu tun. Ich bin nämlich auch windmüller. Das heißt, ich habe vor über zehn Jahren geholfen, einen Windpark zu planen und bin Mitglied einer Genossenschaft, die eine Windmühle betreibt. Das haben wir damals mit einem studierenden Projekt gemacht, 2016. Ja, da sind wir eigentlich schon mit einem Thema beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wir wollen heute darüber sprechen, welche Rolle das EEG dabei gespielt hat und wie sich diese Rolle im Laufe der Zeit verändert hat. Aber fangen wir mal ganz am Anfang an Wenn Sie auf die Zeit vor dem Erneuerbare Energien Gesetz zurückblicken welches Problem sollte das Gesetz damals eigentlich lösen? Das Grundproblem war, dass wir ein Stromnetz haben, an dem es ein sogenanntes natürliches Monopol gibt. Das heißt, es gibt nur ein Stromnetz in Deutschland. Wir haben also nicht die Auswahl zwischen mehreren Steckdosen, sondern sind eben auf diese Stromnetz angewiesen. Und das gilt auch für die Betreiber von erneuerbarer Energien Anlagen. Und durch dieses natürliche Monopol der der Netzbetreiber hatten die und haben auch nach wie vor eine Machtstellung. Und wenn man also in den 90er Jahren oder davor Strom in das Netz einspeisen wollte, musste man ja erst mal einen Netzanschluss haben. Und da musste man auch das recht haben, den Strom einzuspeisen. Und da kam der schlaue Abgeordnete, also einer von der CSU, einer von den Grünen im Bundestag, auf die Idee Dann machen wir doch einen Strom Einspeisungsgesetz. Und das ist 90 tatsächlich in Kraft getreten. Und das hat dann dieses David Goliath Verhältnis zwischen Netzbetreibern mit ihrem Monopol und den, ich sag mal kleinen Erneuerbare Energien Anlagen Betreibern so ein bisschen ausgeglichen. Das heißt, mit diesem Gesetz gab es erstmals einen Einspeise vorrang für erneuerbare Energien. Netzbetreiber waren verpflichtet, den Strom auch abzunehmen. Also gab es mit dem Strom Einspeisungsgesetz erstmals ein Einspeise vorrang für die erneuerbaren Energien. Und mit dem EEG wurde dieser Rahmen dann noch mal weiterentwickelt. Können Sie noch mal zusammenfassen Was waren die Grundprinzipien des EEG? Die Grundideen waren im Grunde vier Prinzipien des EEG. Und das sieht vor, dass es einen vorrangigen Netzanschluss für Erneuerbare gibt, dass der Strom von den Netzbetreibern abgenommen werden muss. Es gibt eine für 20 Jahre garantierte feste Vergütung. Und wenn das Netz nicht stark genug ist, um den Strom aufzunehmen, dann muss der Netzbetreiber das Netz auch entsprechend ausbauen. Das sind die vier Kernprinzipien. Das EEG hat also offenbar ziemlich gute Voraussetzungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien geschaffen. Denn heute stammen schon über 60 % unseres Stroms aus erneuerbaren Energien. Welche Rolle hat das EEG für diese Entwicklung gespielt? Die entscheidende Rolle auf jeden Fall, wie Sie sagen. Über 60 % im Strommix kommen aus den Erneuerbaren, und das ist dem EEG und diesen vier Prinzipien, die ich eben genannt habe, zu verdanken. Wenn man noch mal so zurückblickt 2005 haben Netzbetreiber behauptet, es sei rein technisch nicht möglich, dass man mehr als 5 % Erneuerbare im Netz haben kann. Denn man muss ja sehen Erneuerbare Energien sind ja wohl eher Til. Der Wind weht nicht immer, die Sonne scheint. Nicht immer. Und ich vergleiche das immer so ein bisschen mit mit der Einführung der Eisenbahn. Als man 1830 folgende die ersten Eisenbahnen gebaut hat. Da haben Ärzte gemeint, bei Geschwindigkeiten über 30 Kilometer pro Stunde würde man schwindelig werden, würde einem der Kopf platzen. Das würde man nicht überleben. Wir sehen, der technische Fortschritt ist es, wo wir auch offen sein müssen, innovativ sein müssen. Und das wurde eben durch die Erneuerbare, durch das Erneuerbare Energien Gesetz massiv gefördert. Wir haben jetzt über den Ausbau der erneuerbaren Energien gesprochen, und ein wichtiger Teil dieser Entwicklung ist ja auch die Bürgerenergie. Hatte das EEG Einfluss darauf, dass Bürgerinnen und Bürger selbst in erneuerbare Energien investieren und damit eben auch an der Energiewende teilhaben können. Absolut. Besonders in der Anfangszeit, aber auch heute noch wurde die Energiewende maßgeblich von Bürgerinnen getragen. Genossenschaften zum Beispiel wurden gegründet. Ich bin ja selbst Mitglied einer solchen Genossenschaft. Und die Bürgerenergie heißt eben vor Ort sich Initiativen bilden in den Dörfern, dass die alle Interessierten zusammenkommen, dass man diskutieren darüber, dass das ein Thema wird, dass man überlegt, was kann man wo, vielleicht an erneuerbaren Energien machen und das dann auch tatsächlich in die Praxis umsetzt. Und ohne das Engagement vor Ort hätte die Energiewende nicht funktioniert. Und die Bürgerenergie wird durch das Erneuerbare Energien Gesetz auch gefördert. Und das wird auch von der Europäischen Union sehr positiv gesehen. Also Themen wie das sogenannte Energiesharing oder auch die Möglichkeit, dass man vor Ort direkt profitieren kann. Die Möglichkeit, dass auch die Nachbarin gefördert werden, dass sie finanziell sich beteiligen können, dass sie einen der einen Gewinn daraus ziehen. Das alles ist unglaublich wichtig für die Akzeptanz der Energiewende, Denn wir müssen ja sehen, Durch die Energiewende wird ja die Energie nicht mehr punktuell zentral erzeugt, sondern in der Fläche. Und es ist auch so, dass durch die Energiewende, insbesondere durch die Windenergie, die Landschaft vertikaler wird. Denn wenn wir uns überlegen, neue Windmühlen von bis zu 300 Meter gesamthöhe also das muss man sich einfach mal vorstellen, das ist ja nicht nur schön für die Landschaft und deswegen muss man alles tun, um das für die Betroffenen vor Ort zu erleichtern und insbesondere eben auch dadurch, dass sie finanziell profitieren können. Und das ist alles Thema der Bürgerenergie. Wir haben jetzt schon über den Ausbau der erneuerbaren Energien und über die Bürgerenergie und Teilhabe gesprochen. Gibt es rückblickend noch weitere Punkte, bei denen Sie sagen würden das hat das EEG besonders gut erreicht? Absolut. Das EEG ist eine Erfolgsstory. Wir haben eben gesehen, auch, dass etwa mit jeder EEG Novelle die Neu Installationen dann wieder angestiegen sind. Das EEG wurde laufend angepasst an neue Entwicklungen und es hat eben dazu geführt, dass Investitionen in erneuerbare Energien dann auch lukrativ waren. Am Ende ist es die Ökonomie, die hier zählt und niemand wird investieren, wenn man nicht auch die Möglichkeit hat, damit einen Gewinn zu erzielen. Und das hat eben dann dazu geführt, dass wir heute schon über 60 % Erneuerbare im Strommix haben. Und wir wollen ja 2030 nach dem EEG auf 80 %. Daran hält auch die Bundesregierung weiter fest. Und dann später 100 %, vielleicht sogar noch mehr. Deutschland ist ein Industrieland und das vergessen wir manchmal. Dass der größte Anteil beim Stromverbrauch nicht die Privathaushalte sind, sondern das ist die Industrie, das ist das Gewerbe. Und wenn wir ein Industrieland bleiben wollen, sind wir auf Strom, zuverlässigen Strom und auch günstigen Strom angewiesen. Und wenn wir jetzt überlegen, dass wir zurzeit ungefähr 80 Milliarden € pro Jahr für die Importe von fossilen Energien ausgeben, dann können wir überlegen, was das können, wir mit dem EEG, also mit den erneuerbaren Energien, zu ersparen. Das heißt, es gibt viele Aspekte, warum das EEG so wichtig ist. Wir können also wirklich der Welt zeigen, dass es möglich ist, ein Industrieland wie Deutschland mit erneuerbaren Energien zu versorgen, und zwar zu 100 %. Jetzt haben wir ja viel darüber gesprochen, wie erfolgreich das EEG war. Gleichzeitig ist es aber auch immer wieder in Kritik geraten. Woran liegt das? Ja, es gibt viele Kritikpunkte und ich erinnere mich auch noch an einen Wahlkampf, in dem politische Parteien plakatiert haben Abschaffung des EEG. Da steckt natürlich auch was dahinter. Wir haben halt sehr hohe Einspeisevergütung gehabt. Zumindest in der Vergangenheit war es so, dass diese Einspeisevergütung gezahlt wurden, an wen auch immer, wo auch immer. Und und diese Einspeisevergütung wurden früher gesetzlich festgelegt. Das heißt, im Gesetz stand drin, wie viel ich für die 20 Jahre garantierte Laufzeit bekam. Und das hat dann zum Beispiel in den Jahren 2008 bis 2010 dazu geführt, dass wir sehr hohe Einspeisevergütung für Solarenergie, für Photovoltaikanlagen hatten. Aber die chinesische Module kamen auf den Markt. Die deutsche Solarindustrie ist damals kaputt gegangen, weil wir einfach nicht mit den Chinesen, mit den subventionierten Produkten konkurrieren konnten. Aber die Vergütungssätze waren festgelegt im Gesetz, und da haben eine ganze Reihe von Menschen sich dann Anlagen gebaut. Wir hatten pro Jahr acht bis zehn Gigawatt Neuinstallation und das zu hohen, zu hohen Einspeisevergütung. Aber das sind natürlich sehr hohe Förder kosten, die da entstanden sind. Und wir haben da nicht nur im Solarbereich, auch anderswo haben wir eben sehr viele ja in Anführungszeichen Schulden aufgebaut, weil wir einfach 20 Jahre lang diese hohe Einspeisevergütung garantieren. Und die Festlegung der Einspeisevergütung durch den Gesetzgeber ist einfach viel zu unflexibel. Der Gesetzgeber kommt nicht schnell genug hinter den Markt, Entwicklungen hinterher und deswegen musste das System schon deshalb geändert werden. Man hat das ja auch schon in der Vergangenheit entsprechend angepasst. Man hat die erneuerbaren Energien schon an Marktgegebenheiten angepasst, aber das wird jetzt eben noch weiter fortgeführt. Sie haben jetzt die hohen Förderkosten angesprochen. Woher kam und kommt denn das Geld für diese Förderung? Ja, da haben wir ein soziales Problem. Denn wer baut sich denn zum Beispiel eine Solaranlage aufs Dach? Das sind Menschen, die Dächer, die Häuser haben. Das sind ein Familienhaus Eigentümer, Das sind auch viele Landwirte, die natürlich sehr große Dächer häufig haben. Und die haben dann von diesen hohen Vergütungen profitiert. Das Geld kam bis vor ein paar Jahren aus der EEG Umlage, die auf den Strompreis gezahlt werden musste. Das heißt alle Stromverbraucher haben diese Umlage bezahlt, auch die Mieter. Also nehmen wir das Beispiel der Putzfrau in Berlin Marzahn, die in einer Zweiraumwohnung wohnt, die natürlich Strom verbraucht hat. Und der Strompreis mit dem Strompreis hat sie die Solaranlagen von wohlhabenden Menschen. Ich sage mal, der von dem Zahnarzt am Tegernsee mitfinanziert. Das ist nicht gerecht. So, und jetzt haben wir ein anderes System. Die EEG Umlage wurde abgeschafft mit dem EEG 2023 und seitdem haben wir eine Finanzierung über den Staatshaushalt, das heißt über Steuergelder, aber die auch über den Energie und Klimafonds, der wiederum aus den Einnahmen aus dem Emissionshandel zum Beispiel finanziert wird. Das mildert diese soziale Ungleichheit ein bisschen ab. Aber im Prinzip besteht sie immer noch, denn es zahlen eben jetzt alle Steuerzahler sozusagen mit. Und das ist etwas, was man immer berücksichtigen muss dass eben möglichst alle profitieren können, nicht nur diejenigen, die Häuser, Grundstücke usw haben. Also die soziale Dimension der Förderung ist ein Punkt, über den man auf jeden Fall sprechen muss. Und ein anderer häufiger Kritikpunkt sind ja die hohen Strompreise. Viele Menschen bringen die direkt mit der Energiewende und dem EEG in Verbindung. Ist das berechtigt? Ja und nein. Das EEG alleine ist nicht verantwortlich für die hohen Strompreise, denn die Strompreise werden zu einem großen Teil bestimmt. Durch den Preis an der Strombörse und an der Strom gibt es viele Anbieter. Da gibt es die Anbieter der erneuerbaren Energien, die relativ günstig tatsächlich Strom produzieren. Also Wind produziert mit Gästehungskosten von fünf bis 0,08 € in etwa. Auch Photovoltaik liegt in dem Bereich, also die produzieren sehr günstig, auch im Verhältnis zu fossilen Kraftwerken. Aber an der Börse ist es eben so, dass eine bestimmte Nachfrage besteht. Und diese Nachfrage muss dann in einem bestimmten, zu einem bestimmten Zeitpunkt gedeckt werden. Und wenn es dann nicht genug Erneuerbare gibt, um diesen diese Nachfrage zu decken, dann wird immer der letzte Teil, der noch fehlt, vor allen Dingen durch Gas gedeckt und das Gas ist teuer. Das Gas ist sehr teuer geworden, vor allen Dingen durch den Ukrainekrieg. Und jetzt spielt natürlich auch der der Krieg gegen den Iran eine Rolle. Und der Strompreis an der Börse wird am Ende dann durch den Gaspreis bestimmt und ist dadurch eben sehr hoch. Und das nennt man den Merit Order Effekt. Man muss aber eben auch sehen, dass der Strompreis ja nicht nur durch die ungskosten bedingt ist, sondern zum Beispiel auch durch die Netzentgelte. Die Netzentgelte spielen eine sehr große Rolle beim Strompreis und die Netzentgelte sind in Deutschland sehr hoch. Unter anderem auch deshalb, weil wir die Netze ausbauen müssen wegen der Energiewende. Denn der größte Bringer sozusagen ist die Windenergie. Und der Wind weht nun mal im Norden. Und die großen Verbrauchszentren sind eher im Westen, im Süden von Deutschland. Da ist die größere, da ist die große Industrie und wir müssen sehen, dass die Industrie das meiste abnimmt, nicht die Haushalte. Und dadurch sind die Netzentgelte eben auch sehr hoch. Also natürlich, die Energiewende spielt da eine große Rolle. Aber es alleine den erneuerbaren Energien anzulasten, ist nicht richtig. Und dann haben wir noch ein Thema, was häufig gebracht wird. Das sind die sogenannten Videos Bett kosten, wie das Bett heißt, dass zum Beispiel ein Windpark abgeschaltet werden muss, weil zu viel erneuerbaren Strom ennetzes. Wir haben Tage, an denen haben wir negative Strompreise. Wenn zum Beispiel Jetzt haben wir am zweiten Oster Feiertag die Industrie nicht so viel Strom abnimmt usw und wir viel Wind und Sonne haben, dann haben wir viel zu viel erneuerbaren Strom im Netz, der nicht aufgenommen werden kann. Und dann muss ein Windpark zum Beispiel auch mal abgeschaltet werden und dieser wie die Speedkosten von ungefähr 3 Milliarden € im Jahr. Die werden dann natürlich auch immer den Erneuerbaren angelastet. Aber das hilft alles nichts. Es hilft nichts, weil wir müssen auch das Netz fit machen. Wir müssen das Ganze sehen und wir müssen da durch, sozusagen. Am Ende werden die Strompreise dann auch sinken. Wir haben jetzt also gesehen, dass das EEG den Ausbau der erneuerbaren Energien stark vorangebracht hat. Gleichzeitig stoßen wir heute auf neue Herausforderungen, etwa beim Netzausbau und bei der Flexibilität des Stromsystems. Warum reicht das EEG in seiner bisherigen Form heute nicht mehr aus? Ja, also zunächst mal möchte ich festhalten Das EEG ist nicht gescheitert. Das EEG ist ein Erfolgsmodell. Aber wir haben eben deutlich deutliche Grenzen gesehen. Die die Stromnetze halten nicht Schritt mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Man hat in der Vergangenheit den Schwerpunkt auf den erneuerbaren Ausbau gesetzt und hat die den Netzausbau zu sehr vernachlässigt. Und das müssen wir jetzt nachholen. Wir brauchen also viel mehr Flexibilität im Netz. Und wir müssen dabei auch sehen, dass die Welt der Zukunft aus Strom versorgt wird. Das heißt, alles wird elektrifiziert. Nicht nur der Stromverbrauch in den Haushalten, in der Industrie spielt eine Rolle, sondern wir brauchen Strom für die Wärme. Wir müssen den Verkehr elektrifizieren Das heißt, die Nachfrage nach Strom wird steigen. Das heißt, wir brauchen noch mehr in neuer Bache Energien und letztlich und es ist es eben so, dass die Erneuerbaren keine Nische mehr haben, sondern die Erneuerbaren sind das Leitmedium im Strom. Und wenn wir 80 %, sogar 100 % Erneuerbarer im Netz haben, dann muss in einem marktwirtschaftlichen System auch Wettbewerb herrschen. Die Erneuerbaren müssen sich dem Wettbewerb stellen. Wenn ich aber, wie nach dem früheren EEG, egal was ich baue, wo ich baue usw, für 20 Jahre lang eine gesetzlich garantierte Einspeisevergütung bekomme, dann ist das kein Wettbewerb. Und das ist eben auch notwendig aufgrund europäischer Vorgaben. Denn die Förderung erneuerbarer Energien ist nach dem europäischen Recht eine sogenannte Beihilfe, eine Subvention und die sind grundsätzlich verboten. Und das heißt, all diese Punkte machen es erforderlich, das EEG zu novellieren. Das wird dann im EG 2027 alles seinen Niederschlag finden. Okay, das EEG muss also novelliert werden. Wie könnte es denn künftig weiterentwickelt werden und welche neuen Instrumente kommen dafür in Frage? Ja, da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Neue Instrumente, die die bestehenden gesetzlichen Einspeisevergütung und auch die bestehende Marktprämie weiterentwickeln, sind zum Beispiel die sogenannten Differenzverträge, also die Contracts für Difference, bei denen etwa auch Überschüsse, die gewonnen werden, von den Betreibern abgeschöpft werden können. Da gibt es dann einen Deckel, das gab es bisher nicht. Auch die sogenannten Power Purchase Agreements, also Verträge, die Betreiber etwa von Windparks mit Abnehmern machen, werden wohl eine stärkere Rolle noch bekommen. Also marktwirtschaftliche Instrumente. Darum geht es. Und die ganze Förderung soll dann aber viel gezielter eingesetzt werden. Die Förderung wird auch geknüpft daran, dass das Netz vorhanden ist und dass der Strom vom Netz auch abgenommen werden kann und so, dass wir also letztlich dann dazu kommen, dass das EEG von einem klassischen Förderinstrument eher so eine Art Absicherungsinstrument für Investitionen wird. Das finden ja die Banken immer ganz wichtig. Die wollen ja Sicherheiten haben, und das kann das EEG bieten. Aber es wirkt letztlich nur wie eine Art Versicherung. Wir müssen aber dann auch sehen, dass die Förderung weiter notwendig bleibt für bestimmte Bereiche, wo zum Beispiel die Technologien noch nicht wirtschaftlich sind. Und das gilt etwa für die Geothermie, die einfach sehr teuer ist. Die Bohrungen sind sehr teuer und das fündig Risiko ist ist hoch. Das gilt zum Teil auch für die Biomasse, weil viele Biomasse Anlagen sind aus der Förderung rausgefallen, weil die 20 Jahre um sind. Und die müssen irgendeiner Weise dann weiter betrieben werden, weil wir die Biomasse weiter brauchen. Also das heißt, viele verschiedene Förderinstrumente als Weiterentwicklung des EEG. Das Ganze wird komplexer, aber auch immer weiter, immer stärker an den Markt angepasst. Ja, zum Abschluss würde ich gern noch mal konkret auf den aktuellen Kabinettsentwurf für die EEG Novelle schauen. Was sind denn hier aus Ihrer Sicht die wichtigsten Änderungen und wo gibt es vielleicht noch offene Fragen oder auch Kritikpunkte? Sehr gerne. Also ich habe mir den auch angesehen. Ich denke, da sind gute Elemente drin, aber man kann auch das eine oder andere kritisieren. Also gut ist zunächst mal davon war ich sowieso ausgegangen, dass 80 % Ziel für 2030 bleibt. Und gut ist auch, dass man noch mehr Windenergie vorsehen möchte. Und richtig ist auch, dass man natürlich hier auf Markt und Wettbewerb, auf Kosteneffizienz usw setzt und dass die Anlagen ihren Strom eigenverantwortlich vermarkten sollen. Dass der Markt hier natürlich jetzt das Leitmedium sein muss und nicht mehr eine feste Einspeisevergütung nach dem EEG, das soll schrittweise beendet werden. Ich kann das nachvollziehen, wenn man dann schaut, das ist ja hier eine Verbindung von EEG, Novelle und Netzanschluss spaket, dann will man in bestimmten Regionen oder sogenannten Hotspot Regionen die Stromerzeugung aus Wind oder auch aus Freiflächen PV möglich ist, die Entschädigungszahlungen bei Regelungen entfallen lassen. Ja, das darf natürlich den Ausbau jetzt nicht behindern und verhindern. Das weiß ich noch nicht, wie sich das in der Praxis tatsächlich umsetzen lässt. Dass man auch den Netzausbau an bestimmten typischen Einspeiseprofilen und nicht an einzelnen Einspeisespitzen messen möchte, das kann ich nachvollziehen, denn wir müssen beim Netzausbau eben sehr genau darauf achten, dass wir das Netz dort ausbauen, wo wir es wirklich brauchen und dass wir ja jetzt den Einspeise und den, also den Netz, den Anschluss Vorrang für Erneuerbare einschränken wollen. Das sehe ich ein bisschen kritisch, aber da muss man auch sehen, wie die Praxis dann tatsächlich damit umgehen wird. Und ein Punkt zum Beispiel ist die ja die Veränderung der Förderung beim PV, dass man eben auf Freiflächenanlagen sich fokussieren möchte, ist finde ich im Prinzip nachvollziehbar, denn das sind einfach größere Erzeugungsanlagen. Da gibt es gewisse Skaleneffekte, die man nutzen sollte bei kleinen. Also dass Anlagen PV Anlagen unter 25 Kilowatt soll die Förderung ja auf Dauer gestrichen werden. Das kann ich auch irgendwo nachvollziehen. Man muss ja hier dann das aber auch im Kontext sehen, damit das ja die finanzielle Förderung etwa über die die KfW auch eingeschränkt wird. Und man muss jetzt sehr darauf achten, dass nicht das Ganze abgewürgt wird. Denn natürlich, wir brauchen auch die Dach PV weiter. Wir haben ja schon Millionen an kleinen PV Anlagen, aber gerade dieser Bereich ist natürlich auch für die Akzeptanz der Energiewende sehr wichtig. Mehr Markt ist im Prinzip richtig. Wettbewerb ja, aber das darf nicht dazu führen, dass wir eben das Kind mit dem Bade ausschütten und den Zubau an erneuerbaren Anlagen abwürgen. Ja, wir haben jetzt viel darüber gesprochen, wie sich das EEG und die Energiewende generell weiterentwickeln und wer sich mit diesen Fragen noch etwas ausführlicher beschäftigen und auch mit anderen darüber ins Gespräch kommen möchte, der hat dazu ja bald bei Ihnen an der Leuphana die Gelegenheit. Was erwartet die Teilnehmenden denn beim diesjährigen Energieforum? Ja, am 15. September. In diesem Jahr bieten wir wieder einen Wolf Anna Energieforum an, das ist eine Plattform für die Region, in der aktuelle Themen der Energiewende diskutiert werden. Das machen wir seit vielen Jahren und jedes Jahr im September. Dieses Jahr geht es um Themen wie Netzspeicher, Solar, Wind, also das, was wir eben auch diskutiert haben. Es wird natürlich auch diskutiert werden, die Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes, aber auch viele andere Themen. Dieses Mal ist auch dabei der Präsident der Bundesnetzagentur, Herr Müller, der niedersächsische Umweltminister, Herr Meyer und andere, die ständig dabei sind, wie zum Beispiel mein Kollege Herr Degenhardt, der für Finanzierung erneuerbarer Energien ein Experte ist, und auch meine Kollegin Claudia Kemfert, die Energieökonomin ist und auch hier an der Leuphana Universität unterrichtet. Also zu diesem Energieforum sind alle herzlich eingeladen. Es kostet auch nichts, aber sie werden glaube ich an dem Tag ja über die neuen Entwicklungen sehr gut informiert werden und können sich vor allen Dingen auch selber einbringen in die Diskussion. Vielen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke in die Entwicklung des EEG. Wir sind gespannt, wie es mit der Reform weitergeht und wünschen Ihnen erst mal viel Erfolg und Freude beim Energieforum am 15. September. KEAN im Gespräch. Der Podcast der Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen.