Lebenswerk

Die österreichischen Ordensspitäler
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Ethik im Krankenhaus: Wie gute Entscheidungen am Krankenbett entstehen und wer dabei wirklich gefragt ist

Wenn Medizin an ihre Grenzen stößt: Wie klinische Ethik, Patientenverfügungen und moralischer Stress den Alltag in Ordensspitälern prägen.

12.06.2026 42 min

Zusammenfassung & Show Notes

Ethik ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbarer Teil des Krankenhausalltags – das machen OÄ Dr. Renate Riesinger, Ethikkoordinatorin und Oberärztin der Palliativstation, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried,  und Priv.-Doz. Dr. Jürgen Wallner, Leiter des Bereichs "Ethik (Klinische-Organisations-Sozial)" der Barmherzigen Brüder Österreich, in dieser Folge deutlich. Sie erklären, wie Ethikberatung konkret dabei hilft, schwierige Entscheidungen am Krankenbett zu treffen, etwa wenn Patient:innen sich nicht mehr selbst äußern können. Gleichzeitig zeigen sie, wo die Ordensspitäler klare Grenzen ziehen – und warum Ethik nie eine fertige Antwort liefert, sondern immer zur eigenen Urteilsfindung einlädt.

Ethik im Krankenhaus – das klingt für viele nach Philosophiebüchern und akademischer Theorie. Was es tatsächlich bedeutet, erleben OÄ Dr. Renate Riesinger und Priv.-Doz. Dr. Jürgen Wallner täglich in ihrer Arbeit. In dieser Folge von Lebenswerk sprechen die beiden darüber, wie Ethikberatung ganz konkret wirkt: wenn ein Patient mit Down-Syndrom eine Krebsdiagnose bekommt und das Behandlungsteam sichergehen will, dass er weder über- noch untertherapiert wird. Wenn eine Patientin auf der Intensivstation nicht mehr selbst sagen kann, was sie möchte. Oder wenn Angehörige andere Wünsche haben als die Person, die eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte.

Dr. Wallner erklärt anhand seiner Formel "Hirn, Herz und Hand", wie Ethik in der Praxis funktioniert: Zuerst kommt das emotionale Wahrnehmen einer schwierigen Situation, dann das strukturierte Nachdenken über Therapieziele und Belastungen, und schließlich die konkrete Umsetzung im Team und im Gespräch mit Angehörigen. Ethik sei kein Regelwerk, das Entscheidungen abnimmt – sondern ein Werkzeug, das Menschen dabei unterstützt, selbst Verantwortung zu übernehmen.

Dr. Riesinger bringt die Perspektive der Palliativmedizin ein und spricht offen über moralischen Stress, über Patientenverfügungen und darüber, warum Gespräche mit Angehörigen oft wichtiger sind als jedes Schriftstück. Ihr Appell an die Hörerinnen und Hörer ist klar: Reden Sie mit Ihren Liebsten darüber, was Ihnen wichtig ist – auch und gerade am Lebensende. Denn je klarer diese Wünsche bekannt sind, desto besser können Behandlungsteams im Ernstfall wirklich gute Entscheidungen treffen.

Beide Gäste zeigen auch, wo die Ordensspitäler bewusst Grenzen ziehen – etwa beim assistierten Suizid – und wie diese Haltung mit der Spiritualität der jeweiligen Ordensgemeinschaft zusammenhängt. Ethik, so die gemeinsame Botschaft, ist kein System, das fertige Antworten liefert. Sie ist eine Haltung, die Menschen einlädt, selbst zu urteilen – begleitet, aber nicht ersetzt.

Keypoints
  • Ethikberatung hilft konkret: Wenn Patientinnen oder Patienten sich nicht mehr selbst äußern können, unterstützt strukturierte Ethikarbeit das Team dabei herauszufinden, was die betroffene Person mutmaßlich gewollt hätte – auf Basis von Gesprächen, Angehörigen und vorhandenen Verfügungen.
  • Hirn, Herz und Hand: Dr. Wallner beschreibt Ethik in drei Schritten – zuerst emotional wahrnehmen, dann rational analysieren, dann konkret handeln. Nur wenn alle drei zusammenspielen, entsteht eine wirklich gut begründete Entscheidung.
  • Reden schützt: Dr. Riesinger betont, wie wichtig offene Gespräche über Krankheit, Wünsche und das Lebensende sind – mit Familie, Freunden und dem Behandlungsteam. Eine Patientenverfügung allein reicht oft nicht, das Gespräch davor macht den Unterschied.
  • Ethik gibt keine fertigen Antworten: Beide Gäste sind sich einig – Ethik nimmt niemandem die Verantwortung ab. Sie hilft bei der Urteilsfindung, aber die Entscheidung müssen am Ende die Menschen selbst treffen.

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