Hitzewelle: Medikamente, Kreislauf, Risikogruppen – worauf es jetzt ankommt
Primar Dr. Hans Peter Gröchenig über medizinische Notfälle bei Hitzewellen, gefährdete Gruppen und die Medikamente, die bei Hitzewellen überprüft werden sollten
16.07.2026 20 min
Zusammenfassung & Show Notes
Primar Dr. Hans Peter Gröchenig, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit an der Glan, spricht über die gesundheitlichen Risiken extremer Hitze. Er erklärt, welche Anzeichen auf eine Überhitzung hindeuten und warum vor allem ältere Menschen, Pflegebedürftige, aber auch Säuglinge gefährdet sind. Außerdem erläutert er, welche Medikamente bei Hitzewellen ärztlich überprüft werden sollten und wie sie richtig gelagert werden. Zum Abschluss gibt er konkrete Tipps zu Flüssigkeitszufuhr und Ernährung an heißen Tagen.
Die vergangene Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad hat vielen zu schaffen gemacht und die nächste kommt bestimmt. In dieser Folge von Lebenswerk spricht Primar Dr. Hans Peter Gröchenig, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit an der Glan, darüber, was Hitze mit dem Körper macht und wie gefährlich sie wirklich ist. 2025 gab es um die 500 Hitzetote, im Jahr davor waren es knapp 1.000, eine Zahl, die verdeutlicht, dass Hitzewellen laut Gröchenig gesellschaftlich noch stark unterschätzt werden.
Besonders betroffen sind ältere und pflegebedürftige Menschen, Personen mit Demenzerkrankungen sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen. Aber auch bei Säuglingen und stillenden Müttern sowie bei jungen, sportlich aktiven Menschen, die ihr Risiko bei großer Hitze oft unterschätzen, ist besondere Vorsicht geboten. Erste Anzeichen einer Überhitzung sind Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und vermehrtes Durstgefühl, bei älteren Menschen und Demenzpatientinnen und -patienten oft auch Verwirrtheit und Schläfrigkeit. Gröchenig unterscheidet zwischen dem Sonnenstich, bei dem meist Schatten und Kühlung ausreichen, und dem medizinischen Notfall Hitzeschlag, bei dem die Körpertemperatur auf über 40 Grad steigt und der eine dringende ärztliche Behandlung erfordert.
Ein zentrales Thema des Gesprächs sind Medikamente: Diuretika, die vor allem bei Herzerkrankungen eingesetzt werden, sowie SGLT2-Hemmer bei Diabetes können den Flüssigkeitsverlust bei Hitze zusätzlich verstärken und sollten in Hitzephasen nur nach ärztlicher Absprache reduziert oder pausiert werden. Auch die richtige Lagerung ist wichtig: Viele Medikamente sind nur bis 25 Grad Raumtemperatur haltbar, Zäpfchen, Cremen, Salben und Schmerzpflaster können bei höheren Temperaturen ihre Wirkung verlieren.
Zum Abschluss gibt Gröchenig praktische Empfehlungen zu Flüssigkeit und Ernährung: Als grober Richtwert nennt er 30 bis 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, bei körperlicher Anstrengung in der Hitze auch das Drei- bis Vierfache. Er empfiehlt Getränke wie Leitungswasser sowie Tees und verdünnte Fruchtsäfte, rät jedoch von Alkohol ab, da dieser den Flüssigkeitsverlust zusätzlich erhöht. Bei der Ernährung empfiehlt er leichte, gut verdauliche Kost sowie Obst, Gemüse und Salate anstelle schwerer, fettreicher Speisen. Sein wichtigster Appell zum Schluss: besonders auf ältere Mitmenschen achten und sie in Hitzeperioden regelmäßig besuchen.
Keypoints
- Extreme Hitze ist ein unterschätztes Gesundheitsrisiko: 2025 gab es in Österreich rund 500 Hitzetote, 2024 waren es knapp 1.000.
- Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Demenz, Säuglinge und stillende Mütter, aber auch junge, sportlich aktive Menschen unterschätzen das Risiko oft.
- Diuretika und SGLT2-Hemmer (bei Diabetes) verstärken den Flüssigkeitsverlust bei Hitze und sollten in Hitzephasen – bitte nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin – reduziert oder pausiert werden.
- Medikamente richtig lagern: Viele Präparate vertragen keine Temperaturen über 25 Grad, Insulin und Abnehmspritzen gehören zwingend in den Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad.
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