Lebenswerk

Die österreichischen Ordensspitäler
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KI im Krankenhaus: Wie künstliche Intelligenz die Medizin verändert und wo der Mensch unersetzlich bleibt

Johanna Rohrhofer und Dr. Christian Neumann über den Stand der Digitalisierung, konkrete KI-Anwendungen und die ethischen Fragen, die der Fortschritt mit sich bringt.

04.05.2026 44 min

Zusammenfassung & Show Notes

KI ist im österreichischen Gesundheitswesen längst angekommen – oft unbemerkt, aber wirksam. In dieser Folge geben Johanna Rohrhofer, Leiterin des Innovationsmanagements der Vinzenz Gruppe, und Dr. Christian Neumann, Leiter der Radiologie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien, Einblick in die Praxis. Sie zeigen, wo KI heute echte Mehrwerte schafft, wo klare Grenzen nötig sind und warum der menschliche Kontakt in der Medizin nicht ersetzbar ist. 

Künstliche Intelligenz verändert die Medizin – nicht irgendwann, sondern jetzt. In dieser Folge von Lebenswerk sprechen Expertinnen und Experten, die diesen Wandel täglich mitgestalten: Johanna Rohrhofer, Leiterin des Innovationsmanagements der Vinzenz Gruppe, und Dr. Christian Neumann, Leiter der Radiologie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien.

Johanna Rohrhofer gibt einen breiten Überblick, wie KI in den Ordensspitälern schon heute eingesetzt wird: von der Früherkennung von Darmkrebs über die Prognose nosokomialer Infektionen bis hin zur KI-gestützten Dienstplanung. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass der größte Nachholbedarf nicht bei den Tools liegt, sondern bei Datenqualität, Prozessgestaltung und der Schulung der Mitarbeitenden. Denn ein gutes KI-System, das auf einen schlechten Prozess trifft, schafft mehr Probleme als es löst.

Dr. Christian Neumann nimmt die Hörerinnen und Hörer mit in die Radiologie, einen der Bereiche, in dem KI besonders früh Einzug gehalten hat. Er erklärt, wie ein navigationsgestütztes Interventionssystem – das sogenannte CAS-One IR – millimetergenaue Eingriffe ermöglicht, die ohne KI-Unterstützung kaum oder gar nicht durchführbar wären. Zugleich zeigt er offen auf, wo die Grenzen des Systems liegen: Sobald sich Gewebe im Körper verschiebt, ist die KI „blind".

Breiten Raum nimmt in dieser Folge auch die Frage nach Ethik und Verantwortung ein. Wer haftet, wenn eine KI eine falsche Empfehlung gibt? Und was sind verbotene KI-Praktiken im Gesundheitswesen? Johanna Rohrhofer erklärt, wie die Vinzenz Gruppe mit einer eigenen KI-Governance und einem interdisziplinären KI-Board Rahmenbedingungen für einen verantwortungsvollen Einsatz geschaffen hat. Am Ende sind sich beide einig: KI kann bessere Entscheidungsgrundlagen liefern, aber entscheiden – und erst recht zuhören, wenn jemand Hilfe braucht – das bleibt Menschensache.

Als Keypoints:
  • ✅ KI ist in den Ordensspitälern bereits im Einsatz – von der Darmkrebsdiagnose bis zur Sturzerkennung in der Pflege, oft ohne dass Patientinnen und Patienten es bemerken.
  • ✅ In der Radiologie ermöglichen KI-gestützte Navigationssysteme millimetergenaue Eingriffe, die die Behandlungsmöglichkeiten deutlich erweitern – bei gleichzeitig klaren Grenzen im Praxiseinsatz.
  • ✅ Die Vinzenz Gruppe hat eine eigene KI-Governance entwickelt, die den Anforderungen des EU-AI-Acts entspricht und sicherstellt, dass immer ein Mensch die finale Entscheidung trifft.
  • ✅ Empathie, menschlicher Kontakt und interdisziplinäre Zusammenarbeit bleiben das, was KI nicht ersetzen kann. 
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