ReDICo: The Podcast for Digital Interculturality

The ReDICo Research Co-operative
Since 11/2024 15 episodes

S3E1: Bildung in Transformation: Die größten Herausforderungen durch Digitalisierung in Schule

2026-03-30 42 min

Description & Show Notes

Luisa Conti spricht mit Christine Achenbach-Carret, diplomierter Sozialpädagogin, Expertin für demokratiepädagogische Schulentwicklung, Lehrkräftebildnerin, Bundesvorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik und Mitarbeiterin an der Universität Münster im Projekt ProKis, über die Frage, welche neue Herausforderungen durch digitale Technologien – insbesondere KI – für Unterricht und Schulentwicklung entstehen. 

Im Gespräch geht es um die Auswirkungen von KI, Social Media, toxischen Online-Trends und digitaler Beschleunigung auf Kinder und Jugendliche. Christine Achenbach-Carret erklärt, warum Schule heute Orientierung geben, Selbstwirksamkeit fördern und demokratische Handlungskompetenzen stärken muss, ohne dabei mit immer neuen gesellschaftlichen Aufgaben überfrachtet zu werden.

Die Folge macht deutlich, dass digitale Bildung mehr bedeutet als Technik: Es geht um Haltungsfragen, um den Schutz junger Menschen, um gerechte Teilhabe und um die Aufgabe von Schule, in einer komplexen, von Transformation geprägten Gegenwart tragfähige Lern- und Lebensräume zu schaffen.

Quellen: 

Weitere Informationen zu ReDICo und dem ReDICo-Centre for Digital Interculturality Studies finden Sie unter: www.redico.eu 

Um dem ReDICo-Hub beizutreten, gehen Sie auf: https://hub.redico.eu 

Besuchen Sie den YouTube-Kanal von ReDICo: https://www.youtube.com/@DigInterculture 

Weitere Informationen zur Arbeit von Christine Achenbach-Carret finden Sie unter: https://degede.de
https://www.linkedin.com/pub/dir/Christine/Achenbach

Zur Fortbildung und zu den Materialien von ProKIS gelangen Sie hier: https://www.uni-muenster.de/IfPol/fachdidaktik/prokis.html

Hier geht es zur E-Learning-Plattform KIDS4ALLL: https://learn.kids4alll.eu

Die genauen Links zu den jeweiligen StrateDie-Kurzvideos und Lerneinheiten finden Sie hier:
https://www.gw.uni-jena.de/28402/stratedie


Literaturangaben: 

  • Baker, C., Ging, D., & Brandt Andreasen, M. (2024). Recommending toxicity: The role of algorithmic recommender functions on YouTube Shorts and TikTok in promoting male supremacist influencers (Summary report). DCU Anti-Bullying Centre, Dublin City University. https://doras.dcu.ie/31681/
  • Gallagher, A., Cooper, L., Bhatnagar, R., & Gatewood, C. (2024). Pulling back the curtain: An exploration of YouTube’s recommendation algorithm [Executive summary / report]. Institute for Strategic Dialogue. https://www.isdglobal.org/wp-content/uploads/2024/06/Pulling-Back-the-Curtain-Executive-Summary-6.pdf
  • McCrosky, J., & Geurkink, B. (2021). YouTube regrets: A crowdsourced investigation into YouTube’s recommendation algorithm. Mozilla Foundation. https://www.mozillafoundation.org/documents/214/Mozilla_YouTube_Regrets_Report.pdf
  • Monitor Lehrkräftebildung. (2026, Februar). Factsheet: Lehramtsstudium in der digitalen Welt https://www.monitor-lehrkraeftebildung.de/wp-content/uploads/2022/12/MLB_Factsheet_Digitalisierung-und-KI_2026.pdf
  • Nguyen L, Walters J, Paul S, Monreal Ijurco S, Rainey GE, Parekh N, Blair G, Darrah M. Feeds, feelings, and focus: A systematic review and meta-analysis examining the cognitive and mental health correlates of short-form video use. Psychol Bull. 2025 Sep;151(9):1125-1146. doi: 10.1037/bul0000498. PMID: 41231585.

Transcript

Hallo und herzlich willkommen bei ReDICo Podcast for Digital Interculturality. Dieser Wissenschaftspodcast wird präsentiert vom ReDICo Centre for Digital Interculturality Studies der Universität Jena. Ich bin Luisa Conti, Leitung des Forschungsprojektes StrateDie sowie des Centres for Digital Interculturality Studies. Unser Interessengebiet ist an der Schnittstelle zwischen gesellschaftlichem Wandel und Digitalisierung. Und diese dritte Staffel widmet sich dem strategischen Einsatz digitaler Medien in der Schule. Diese Staffel ist eine Kooperation des ReDICo Centres mit dem Projekt StrateDie – Strategische Digitalisierung für eine inklusive Schulentwicklung. Das Projekt StrateDie wird im Rahmen des Programms des Bundes lernen:digital, im Verbund SchuDiDe, Schule Digital Demokratisch, realisiert, das vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert wird. Zu Gast ist heute Christine Achenbach-Carret. Sie ist diplomierte Sozialpädagogin mit einem Master in Demokratiepädagogische Schulentwicklung der Freien Universität Berlin. Sie hat Schulen in Berlin bei deren Schulentwicklungsprozessen begleitet und ist seit Jahren in der Lehrkräftebildung tätig. Christine ist Bundesvorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik und aktuell arbeitet sie an der Universität Münster in dem Projekt ProKis, das ein Zwillingsprojekt von StrateDie ist und so durfte ich sie kennenlernen. Danke, Christine, dass du da bist. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Ich habe dich eingeladen, weil ich, muss ich sagen, immer angetan war, von deinen Anmerkungen, von deinen Beobachtungen, von deinen Perspektiven, die du immer gerne – zum Glück – geteilt hast, in unseren Diskussionen in dem Verbund und heute in dieser ersten Episode möchte ich gerne das Ganze einführen, das ganze Thema, was mich bewegt in dem StrateDie-Projekt und zwar: Digitalisierung, wie können wir Digitalisierung strategisch einsetzen. Und in den verschiedenen Episoden werden wir bestimmte Foki haben und heute möchte ich mit dir aber das ganz öffnen. Du beschäftigst dich in deinem Projekt insgesamt mit Digitalisierung und insbesondere mit KI und deswegen frage ich dich jetzt, Digitalisierung als Revolution, sie ist angekommen in der Schule, außerhalb der Schule, was verändert sich insgesamt. Ja danke, also Digitalisierung an sich verändert natürlich all unsere Lebensbereiche, die Art, wie wir miteinander kommunizieren etc. und für die Schulen bedeutet das natürlich vor allen Dingen eine sehr große Veränderung der Lehr- und Lernprozesse. Die Rolle der Lehrkraft, die da vielleicht jetzt auch die Chance hat, von der traditionellen Rolle wegzukommen, hin zur Lernbegleitung der Schüler:innen, die ganze Schulorganisation natürlich und auch diese soziale Dynamik und da komme ich vielleicht auch schon zu den Herausforderungen, die damit verbunden sind. Denn das bedeutet jetzt Lehren, Lernen, aber vor allem auch dieses soziale Miteinander passiert nicht nur noch einfach im Klassenraum, sondern jederzeit. Durch die Digitalität, durch die Handys, die Jugendliche, Kinder und Jugendliche natürlich permanent nutzen, heißt das, dass jetzt die Dynamiken sich auch verlagern. Wenn es jetzt zum Beispiel in der Gruppe Mobbing gibt, wussten das Lehrkräfte früher, weil sie das mitbekommen haben im Unterricht. Heutzutage muss das gar nicht immer der Fall sein, weil sich das ja auch viel in den digitalen Raum verlagert tatsächlich und dann auch Schüler:innen sich davon viel schlechter abgrenzen können, weil es quasi omnipräsent ist. Sie können jetzt nicht nach Hause gehen, werden in der Schule nur gemobbt oder haben da schlechte Erfahrungen, sondern genau, sie gehen nach Hause und da kann es eben online auch weitergehen. Also das ist zum Beispiel ein sehr großer Problembereich, der sehr schwer für Lehrkräfte auch einsehbar ist, was da eigentlich passiert. Dann gibt es beispielsweise ja diese Chatgruppen: Ganz viele Schüler:innen sind ja in Chatgruppen miteinander verbunden und da passiert natürlich auch viel Mobbing, da werden demokratiefeindliche Symbole weitergeschickt. Da werden auch Porno-Videos et cetera geteilt und das ist für Lehrkräfte und natürlich auch Eltern nicht immer so einfach einsehbar und das ist jetzt ein großer, ein ganzer Raum, der dazukommt, der erstmal natürlich auch viel Potenzial für Gefahren und Konflikte mit sich bringt. Aber natürlich gibt es noch mehr Herausforderungen durch diese ganze digitale Transformation. Nämlich überhaupt mal diese Infrastruktur an Schulen: Wie ist überhaupt die Ausstattung und ich erfahre das auch bei Fortbildungen immer wieder, dass dann Lehrkräfte sagen, ja aber in unserer Schule haben wir das gar nicht, das Internet funktioniert nicht, wir haben eine ganz schlechte Ausstattung oder wir haben Geräte, aber die werden nicht gewartet etc. Also das ist auf jeden Fall ein großes Thema. Dann natürlich überhaupt Kompetenzlücken bei Lehrkräften oder Schulleitungen. Ich habe ja eben von der Problematik, Mobbing jetzt gesprochen. Und das heißt natürlich auch, dass Lehrkräfte die ganzen Symbole auch verstehen müssen. Welche demokratie- und verfassungsfeindlichen Symbole gibt es? Eine von der zum Beispiel rechten Szene, die ja auch immer größer ist. Wir haben ja auch die letzten Wochen gerade wieder sehr viel mehr erfahren, was die rechte Jugendkultur betrifft, dass die Straftaten zunehmen, dass die Täter:innen immer jünger werden, das was auch ein sehr großes Problem ist. Und das heißt, das fordert natürlich Schulen auch heraus. Lehrkräfte müssen natürlich auch jetzt in Bezug zum Beispiel auf KI überhaupt selbst mal das verstehen, wie das überhaupt funktioniert, welche Kompetenzen sie selbst erst mal erwerben müssen und wie sie das auch mit den Schüler:innen – hoffentlich im gemeinsamen Prozess – entwickeln. Das sind hohe Anforderungen an Lehrkräfte, die natürlich in ihrem Alltag eh schon sehr belastet sind, auch gerade von bürokratischen Herausforderungen etc. Dann kommt noch das ganze Thema von Datenschutz und Sicherheit hinzu: Welche Systeme werden überhaupt benutzt, wenn wir jetzt auch an KI denken. Soziale Ungleichheit – Digital Divide–, die sich auch einfach total verstärken kann und wir sehen es jetzt zum Beispiel: Viele KI-Tools sind erst mal kostenlos nutzbar, aber die Qualität verändert sich natürlich oftmals deutlich, wenn man eben die Bezahlversionen benutzt. Und wir wissen es ja heutzutage: Fast alle Schüler:innen nutzen KI, setzen das entweder bewusst oder unbewusst ein, dadurch, dass die Tools oftmals jetzt zum Beispiel auch im Browser, wenn ich eine Suchmaschine benutze, wenn ich nicht absichtlich das ausschalte oder eine Suchmaschine benutze, wo KI eben nicht Teil ist, läuft es automatisch mit. Oder eben, dass Schüler:innen auch ganz bewusst jetzt zum Beispiel OpenAI benutzen oder andere. Und da ist natürlich: Nutzen das für ihre Hausaufgaben, Nutzen das zum Lernen und da besteht natürlich die Gefahr, dass sich da die Ungleichheit, bestehende Ungleichheit einfach nochmal verstärkt. Die Herausforderungen, vor denen Schulen jetzt stehen, dass es auch neue pädagogische Konzepte braucht, wie man Schule Lernen und Lehren jetzt einfach gestaltet. Da stehen viele Schulen jetzt noch am Anfang, der Monitor Lehrkräftebildung ist ja gerade wieder rausgekommen. Da sieht man eben auch, wo überhaupt in welchen Hochschulen Digitalität als Thema im Curriculum in der Lehrkräftebildung verankert ist. Und das einfache Thema Medienbildung hat sich auf jeden Fall verbreitet. Es gibt viel mehr Hochschulen, in denen das jetzt Teil der Lehrkräftebildung ist, aber zum Beispiel KI ist jetzt nur am Anfang. Und es gibt bis jetzt nur ein Bundesland oder bis Ende 25 ein Bundesland, nämlich Rheinland-Pfalz, die auch Vorgaben für KI gemacht haben, dass es eben auch verpflichtend Teil der Lehrkräfteausbildung werden muss. Ja, besten Dank. Du hast wirklich die Problemfelder eröffnet. Wunderbar. Tatsächlich werden wir in der nächsten Episode über das Potenzial auch des Digitalen für die Organisation in Schulen, aber das erstmal auch eine Veränderung ist und Veränderungen sind immer herausfordernd. Dann werden wir uns anschauen, was du angesprochen hast, mit der Aufgabe der Schulleitung, wie sie sich verändert und dadurch auch war auch das Kollegium, wie sie auch anders arbeiten müssen oder können und auch werden wir schauen, die Jugendliche, also auch die Kinder, also die Schuler:innen von heute, wer sind sie und warum müssen wir sie da abholen, wo sie sind. Also vielen Dank, du hast wirklich viel jetzt angesprochen. Ich merke, du wirst unruhig, du willst was sagen, dann gebe ich dir gleich wieder das Wort zurück. Genau, was ich noch erwähnen wollte, wir haben jetzt noch nicht auf die Problematik der sozialen, wir sind noch nicht auf die Problematik der sozialen Netzwerke eingegangen, was natürlich auch ein Riesenthema ist. Denn es gibt ja auch genug Metastudien, zum Beispiel Nguyen, Walters et al. von 2025, die einfach zeigen, welche kognitiven und mentalen Auswirkungen diese vermehrte Nutzung von sozialen Netzwerken auf die Gesundheit von allen Menschen, aber natürlich auch vor allen Dingen dann jungen Menschen hat. Das heißt vor allen Dingen TikTok, wo Videos einfach in ganz kurzer Zeit angezeigt werden und diese Instant-Gratification einfach passiert. Diese sofortige Belohnung und was macht das eigentlich mit dem Gehirn und was bedeutet das eigentlich für Lernen, wenn man quasi sehr viel Zeit mit entweder diesen Kurzvideos auf YouTube, Instagram oder vor allem TikTok verbringt, bedeutet das natürlich – und das sehen ja viele Lehrkräfte in den Schulen –, dass Schüler:innen wirklich Probleme haben, die Aufmerksamkeit zu behalten, aufmerksam zu bleiben, wenn es darum geht, einen längeren Text zu lesen. Das ist für ganz viele Kinder und Jugendliche wirklich eine große Herausforderung mittlerweile, weil sie in der Freizeit, die eben die ganze Zeit auf diesen Netzwerken unterwegs sind, und da diese Erfahrung machen, ganz kurze Inhalte zu sehen, ganz kurze Texte zu lesen, meistens ja nur Captions, Überschriften, zwei Sätze. Und das ist wirklich eine wahnsinnige Herausforderung und das sehen wir natürlich auch bei den Tests, die Schüler:innen wie Schüler:innen abschneiden im Lese-, Schreibkompetenzen etc. Das hat einen großen Einfluss und natürlich noch viel mehr auf die auch mentale Gesundheit von Jugendlichen. Da kommt eine ganze Reihe von Herausforderungen natürlich auf uns zu oder sind schon da. Beispielsweise auch was das Körperbild von jungen Menschen betrifft. Die Werte, die da vermittelt werden und dieser neue Trend, jetzt wieder dieser Skinny-Trend. Wir hatten ja wirklich so eine Periode der Body Positivity. und jetzt sind wir aber ja auch wieder bei diesem Skinny-Trend gelandet und das ist natürlich wirklich eine große Belastung gerade für junge Menschen, vor allem für junge Frauen, natürlich auch für junge Männer, aber vor allem für junge Frauen eine ganz große Herausforderung. Und in den letzten Jahren haben wir schon Berichte darüber gelesen, dass vor allem junge Menschen auch zu Schönheitschirurgen kommen und sagen, ich möchte aussehen, wie mein bearbeitetes Selfie. Also das ist wirklich, das hat eine Riesenauswirkung auf das Körperbild, die mentale Gesundheit. Ja, und das sind nur natürlich einige Aspekte, aber wichtige Aspekte, mit denen wir uns jetzt beschäftigen müssen oder natürlich dann auch die Tatsache, wenn ich mich mit einem als männlich gelesenen Profil bei Instagram oder YouTube anmelde, ohne dass es Daten vorher gibt, das heißt mit einem neuen Handy, einer neuen E-Mail-Adresse, dann wird ganz am Anfang der Feed mit rechtsextremen und mysogynen Inhalten vollgespült. Und das ist ein Riesenproblem. Das ist das Ergebnis einer Studie? Das ist das Ergebnis, das haben mehrere Studien gezeigt tatsächlich, dass wenn man sich anmeldet, keine Verbindung zu bestehenden Daten hat, dass dann, wenn das reicht, dass das Profil als männlich gelesen wird, dann werden automatisch, der Algorithmus spült automatisch rechtsextreme, mysogyne Inhalte in den Feed rein. Und das merken wir ja auch. Es gibt diese Manosphäre, die Welt der Manosphäre wird immer größer. Das hilft natürlich auch nicht, dass Politiker:innen, vor allen Dingen der AfD, diese Themen auch befeuern und total aktiv sind, auch auf den sozialen Netzwerken. Und dann gibt es bestimmte Influencer, die ja, dieses Konzept von toxischer Männlichkeit, ja, einfach dafür plädieren. Oder solche Trends wie Staying Home Girlfriend, ja, warum soll sie rausgehen, sie soll einfach zu Hause bleiben. Und natürlich gibt es auch Frauen, die dafür auf Insta werben oder auf anderen sozialen Netzwerken für diesen Lifestyle. Und das ist schon sehr gefährlich, weil damit werden natürlich auch andere Lebensstile, andere Menschen, die anders lieben, die anders leben, auch abgewertet gleichzeitig mit dieser toxischen Männlichkeit oder toxische Weiblichkeit. Das ist ja natürlich mit Queerfeindlichkeit auch verbunden. Das heißt wir sind, wir leben onlife, das finde ich so dieser Begriff von Floridi interessant. Das heißt, das Digitale ist die Erweiterung von unserer Lebenswelt. Was wir da erleben hat natürlich eine Auswirkung auf uns. Und da stellt sich die Frage, welche Transformation brauchen wir? Welche ist die Funktion der Schule heute in so einem Kontext mit so verschiedenen Herausforderungen, die du jetzt aufgelistet hast? Ja und das ist jetzt immer der Punkt, wenn man darüber spricht, dass einen Lehrkräfte wirklich hassen können und da muss man wirklich sagen, es gibt, die Schulen werden wirklich überladen mit Aufgaben, mit Herausforderungen und da möchte ich gleich vorweg nehmen, dass natürlich Schulen nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen können. Weil das wird dann immer gesagt: ja das ist jetzt noch Aufgabe der Schule, das muss die Schule noch lösen und die Lehrkräfte lesen das, sind eh schon total überfordert mit allem, was sie täglich stemmen müssen und bekommen dann noch das als nächste Aufgabe, als nächste Aufgabe rein. Also das ist mal der Disclaimer. Und dann muss ich natürlich sagen, wichtigste Aufgabe ist einfach der Bildungsauftrag, nämlich demokratische Handlungskompetenzen bei jungen Menschen zu fördern. Dadurch, dass die Schule ihnen Lerngelegenheiten bietet, wo Schüler:innen Selbstwirksamkeitsüberzeugung erfahren können, Verantwortung übernehmen können, um sich eben an der demokratischen Gesellschaft zu beteiligen und diese auch aktiv mitgestalten zu können. Das ist natürlich eine sehr, sehr wichtige Funktion von Schule. Und das bedeutet natürlich auch in der aktuellen Zeit, in der wir leben, mit so vielen Transformationen, dass die jungen Menschen, die Fähigkeit brauchen, sich an schnelle Veränderungen zu adaptieren. Ja, es wird noch viel mehr Transformation in der Zukunft gehen und die Sachen verändern sich immer schneller, wie jetzt schon KI zeigt oder uns andeutet, da kommen noch ganz andere Sachen in ganz anderen Geschwindigkeiten auf uns zu, von denen wir jetzt noch gar nichts ahnen. Und das heißt, es braucht wirklich junge Menschen, die in der Lage sind, sich einfach schnell an neue Situationen anzupassen. Es braucht aber vor allen Dingen auch Menschen, die eine hohe Ambiguitätstoleranz haben, weil natürlich dieser auch digitale Raum wirklich bedeutet, dass sich viele Menschen in ihren Filterblasen bewegen, sich eben auch nicht mehr mit anderen Meinungen, mit anderen Positionen wirklich auseinandersetzen müssen und diese Gesellschaft dann dabei ist, wirklich sich zu spalten. Und dafür, um eine demokratische Gesellschaft wirklich zu erhalten, braucht es Menschen, die eine hohe Ambiguitätstoleranz haben. Und ja, es braucht die Schule, muss auch ein Ort sein, wo psychische Resilienz gefördert wird, weil wir wissen, wie sehr sich diese digitale Lebenswelt, die Benutzung der sozialen Medien, wie negativ sich das auch auf die Psyche der Jugendlichen auswirkt und deswegen muss auch das Thema psychische Gesundheit, psychische Resilienz vermehrt in den Fokus genommen werden. Schulen müssen vor allen Dingen auch diese bestehenden Querschnittsthemen, das ist natürlich eine wahnsinnige Herausforderung, aber wenn wir irgendwie an KI denken, an Demokratiebildung denken, an Sprachbildung denken etc., dass diese Bereiche miteinander gedacht werden, ist so wichtig, um wirklich Schüler:innen besser unterstützen zu können in einer ganz anderen Lebenswelt. Wichtig dabei ist tatsächlich, dass jetzt klar ist, dass Kinder und Jugendliche jetzt schon Teil von der demokratischen Gesellschaft sind und sich jetzt schon beteiligen und aktiv mitgestalten müssen. Das ist so ein, sag ich mal, Missverständnis, auf das ich schon sehr oft treffe, dass Leute denken, ja, für das Leben nach der Schule, wenn du erwachsen bist und dich dann an der demokratischen Gesellschaft beteiligen willst. Das ist ja Quatsch. Schüler:innen sind ja schon Kinder und Jugendliche, sind schon Teil unserer demokratischen Gesellschaft. Und was sie in der Schule erleben, inwiefern sie da beteiligt werden, inwiefern sie da erleben, dass irgendwie Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit etc. gelebt werden, beeinflusst ja sie. Das beeinflusst ihre Idee von der demokratischen Gesellschaft und das beeinflusst auch ihre Motivation, sich überhaupt zu beteiligen an einer demokratischen Gesellschaft. Und wenn Schule da dieses mit gutem Beispiel vorangibt, Lerngelegenheiten schafft, Schüler:innen wirklich ernst nimmt, Kinder und Jugendliche wirklich ernst nimmt und die mitgestalten lässt, ihre eigenen Lernprozesse mitgestalten lässt. dann hat das natürlich einen riesen Einfluss auf deren Selbstwirksamkeitsüberzeugung und auf deren Motivation, sich überhaupt in einer demokratischen Gesellschaft zu beteiligen, weil sie verstehen, das ist ein Konzept, was sich lohnt zu schützen, wofür es sich lohnt einzutreten. Ja, ich habe vorhin tatsächlich über das Online, das Digitale, als erweiterter Lebensraum und wie wichtig das ist, was man da erlebt. Aber die Schule ist auch Teil dieser Lebenswelt und ist ein total wichtiger Teil davon. Und dann ist die Frage tatsächlich, wie kann man das – die Frage, die du stellst –, wie kann man das als Übungsraum verwenden? Weil es ein echter, wahrer Raum, wo du dich nicht nur ausprobierst, eigentlich nicht nur übst, aber lebst und produzierst Demokratie, oder nicht. Und aber du hast gleichzeitig gesagt, na ja, wir dürfen nicht immer wieder Schulen für alles, also noch mehr Aufgabe geben, auch an Lehrkräfte und so, aber gleichzeitig hast du jetzt ganz viele hohe Ansprüche dargestellt. Also wie gehen wir damit um? Also wie schaffen wir Platz dafür? Ja, das ist eine sehr gute Frage. Das gibt sehr hohe Ansprüche und ganz reale Herausforderungen, vor denen sich Schulen sehen, aber ich sage zum Beispiel das Thema soziale Ungleichheit. Das ist ein Thema, was politisch auch gesteuert wird. Wenn wir jetzt uns anschauen, wie der Sozialstaat abgebaut wird, die Diskussionen, die geführt werden, wie über Menschen gesprochen wird, die weniger besitzen. Also das spielt natürlich eine Riesenrolle und das meine ich. Das heißt, das ist natürlich auch ein Punkt, ein ganz wichtiger Punkt, an dem angesetzt werden kann, sodass Schulen nicht immer mehr Herausforderungen haben. Also wenn wir quasi den Sozialstaat stärken, gegen soziale Ungleichheit auch politisch vorgehen, anstatt abzubauen, dann gibt es Bereiche, die schon wieder einfacher werden für die Schulen. Das meinte ich einfach so. Das gibt ja viele Aspekte, die damit reinspielen und trotzdem am Ende ist es dann so: Die Kinder und Jugendlichen sitzen nun mal da jeden Tag in der Schule und die kommen ganz aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen, kommen diese Kinder und Jugendlichen da zusammen. Deswegen ist das unsere Chance, das zu nutzen, das ist der einzige Ort, den wir haben über so eine lange Zeit, wo so unterschiedliche Leute zusammenkommen und wirklich Demokratie erfahrbar gemacht werden kann, wo dann Kinder und Jugendliche wirklich miteinbezogen werden können. Und du hast es ja eben auch gesagt, zum Beispiel auch einbezogen werden, indem sie wirklich auch entscheiden, wie sie was auch lernen können. Das sind ja Möglichkeiten und ich meine, das bietet uns natürlich jetzt auch das Potenzial der Digitalisierung, das sehen wir schon – und jetzt vor allen Dingen auch noch mal verstärkt durch KI –, bietet uns schon auch das Potenzial, Lehren und Lernen neu zu denken. Und ganz individuell Schüler:innen auch fördern zu können. Das war ja nie einfacher als es jetzt ist. Durch KI, dass wirklich Inklusion anders gestaltet werden kann, dass unterschiedliche Materialien erstellt werden können, ohne dass es wirklich so eine Wahnsinnsherausforderung und Wahnsinnsarbeit für Lehrkräfte ist. Weil sie natürlich jetzt die KI nutzen können, um Aufgaben wirklich anzupassen. Das ist wirklich jetzt eine Chance. Oder datenbasierte Schulentwicklung. Generell ist ja schon das Potenzial jetzt, ja, Demokratisierung von Bildung, das ist auf jeden Fall ein Potenzial, das ich sehe, was wir schon nutzen können. Das Potenzial bietet uns jetzt auch die Möglichkeit, wirklich auch mehr kritisch zu reflektieren darüber, wie wir lernen, gestalten, wie wir wirklich alle miteinbeziehen können, weil wir haben jetzt die Möglichkeit. Wir können uns jetzt auch nicht mehr zurücklehnen und sagen, ich kann das nicht machen, weil ich die Zeit nicht habe. Durch KI ist es jetzt möglich, das heißt, da kann man auch nochmal… bietet nochmal die Chance, wirklich sich auch zu hinterfragen, wo habe ich vielleicht auch als Lehrkraft, wo habe ich noch versteckte Vorurteile, mit denen ich mich irgendwie beschäftigen muss? Wo kann ich Hürden auch für Schüler:innen noch überwinden? Wo gibt es noch Barrieren, die ich anders, die ich quasi entfernen muss, damit Schüler:innen wirklich am Lernprozess beteiligt werden können? Das sind schon Chancen, die uns die KI jetzt gibt. Wenn ich zum Beispiel in dem Projekt ProKiS arbeiten wir ja mit generativer KI. Wir haben Materialien erstellt, um Impulse zu geben für Lehrkräfte, wie sie das im Unterricht einsetzen können. Wir bieten Impulse und sagen auch gleichzeitig, dass die Sachen immer an die Gruppe adaptiert werden können. Und da haben wir uns auch überlegt, wie wir unsere Materialien, wie wir da sprachliche Hürden überwinden können, bei dem Einsatz unserer Materialien haben wir uns auch nochmal so einen Handlungsleitfaden überlegt. Also ich finde, das ist jetzt wirklich eine sehr gute Chance, was mit KI sehr einfach ist. Wir haben mit Lehrkräften in Fortbildungen gearbeitet, die quasi ihre eigenen Ideen mitgebracht haben, ihre eigenen Unterrichtsentwürfe mitgebracht haben. Und wir haben dann Teile von der Handreichung Demokratiebildung, da haben wir auch so eine Checkliste in der Handreichung Demokratiebildung, die ich mit Kolleg:innen von der Uni Trier für das LISUM erstellt habe, für Berlin und Brandenburg. Da haben wir das ja so durchgespielt, wie kann Demokratiebildung in jedem Fach inhaltlich, aber auch methodisch verbunden werden? Und so haben wir Lehrkräften einen Prompt an die Hand gegeben, sie konnten ihre eigenen Materialien hochladen, sie konnten natürlich in einer datenschutzkonformen KI, will ich dazu sagen, sie konnten dann Teile von dieser Handreichung hochladen und konnten ihren eigenen Unterricht demokratiepädagogisch weiterentwickeln lassen. Und das Gleiche gibt es noch die Möglichkeit, natürlich das auch um Aspekte von KI zu machen, wie man das damit verbinden kann. Also das sind Sachen, die jetzt wirklich relativ einfach geworden sind durch die KI, sodass wirklich der Unterricht demokratiepädagogisch gestaltet werden kann, dass Aspekte miteingebracht werden können, dass man gucken kann, dass es keine Stereotype verstärkt, dass ich keine, ja, rassistischen Inhalte, klassistischen Inhalte in meinen Materialien mehr hab. Was ja vorher gar nicht so einfach war, wenn man irgendwie Schulbücher benutzt hat oder Materialien benutzt hat und alleine an den Bildern gesehen hat, dass zum Beispiel Kinder mit Behinderungen, die dann nur mit Krankheiten verbunden sind oder oder. Es gibt eine ganze Reihe und da kann man aber jetzt durch bestimmte Prompts, bestimmte Materialien, die man in die KI einspeist, kann einem das wirklich helfen, auf all diese Aspekte zu achten, die sonst ja wirklich, das ist ja wirklich sehr sehr viel. Also da sehe ich auf jeden Fall eine große Chance in der KI. Ja, auch anhand des Themas der Digitalisierung Menschen zu erreichen und zu sensibilisieren über gewisse Problematiken auch. Weil manchmal ist man blind, wenn man gewohnt ist, Dinge so zu sehen oder über Dinge so zu sprechen und hat nie die Möglichkeit gehabt, das zu reflektieren: Warum ist eigentlich so, vielleicht sollte ich doch anders machen oder wie spreche ich über bestimmte Dinge oder bestimmte Menschen und wie wäre das dann korrekter, ne? Genau und gleichzeitig bietet uns das aber auch die Chance zum Beispiel, haben wir in so einem Unterrichtsszenario, haben wir einen Prompt erarbeitet und quasi Schüler:innen damit in der KI im Gespräch trainieren lassen, Argumente gegen Hate Speech, ja, weil gerade junge Leute sind ja davon auch betroffen und haben auch deswegen Angst, sich zum Beispiel online zu beteiligen in bestimmten Foren, weil sie Angst haben, Opfer von Hate Speech zu werden, und da haben wir einen Prompt entwickelt, den man natürlich auch noch mal auf jedes Thema für Argumentationstraining gegen Rechtsextremismus etc. kann man anpassen. Und da haben die Jugendlichen dann trainiert, wie kann ich auf solche Argumente reagieren, um einfach stärker sein zu können, wenn ihnen das im realen Leben passiert oder auch in der digitalen Lebenswelt, die ja nicht weniger real ist. Also ob es online oder offline passiert, dass sie einfach Argumente kennen, die sie benutzen können. Das heißt, die Herausforderung ist tatsächlich an die Lehrkräfte zu kommen, weil Digitalisierung haben wir gesagt, viele Herausforderungen, aber auch ein großes Potenzial, um Dinge zu ändern. Es geht nicht darum, ganz viel mehr zu machen, sondern einfach Dinge anders zu machen. Und da ist dann natürlich die Fortbildung wichtig in alle verschiedenen Phasen, aber die größte Chance liegt wahrscheinlich in der Lehrer Bildung Nr. 1, also Phase 1. Genau, voll, auf jeden Fall, das sehe ich auch so. Und was ich auch toll finde, dass ich wirklich gemerkt habe, dass man über das Thema Digitalität, vor allem jetzt über das Thema KI, Lehrkräfte erreichen kann. Und meine Idee ist natürlich, ich wünsche mir eine demokratischere, gerechtere Bildung und deswegen freue ich mich, dass man über dieses Thema an die Lehrkräfte rankommt. Und für mich ist es auf jeden Fall ganz relevant, das immer zu verbinden mit der Idee von einer starken demokratischen Gesellschaft und von einer demokratischen Unterrichts- und Schulentwicklung. Und das funktioniert dann tatsächlich ganz gut, weil ich habe das auch gesehen, für Fortbildung, wenn das Thema Demokratiebildung im Vordergrund steht, melden sich nicht so viele Lehrkräfte zur Fortbildung an. Aber wenn das Thema KI drinnen steht, hat man eben sehr viel mehr Anmeldungen. Deswegen finde ich, ist das jetzt auch ein guter Zugangspunkt sozusagen, an Lehrkräfte ranzukommen, die sich sowieso interessieren. Oftmals ist es ja auch so, dass sie eben wenig Zeit haben, überhaupt an Fortbildungen teilzunehmen. Ressourcen sind ja ein wichtiges Thema für Schulen und dass sie gar nicht die Erlaubnis kriegen, auch an der Fortbildung teilzunehmen. Aber KI bietet uns dann jetzt die Möglichkeit, diese Themen wirklich zu behandeln, wirklich neu zu gucken: Wie kann Lernen anders gestaltet sein? Wie können Lehrkräfte auch Unterstützung bekommen, all diese Vorgaben umzusetzen? Weil KI unterstützt ja auch bei bürokratischen Sachen die Lehrkräfte, mit denen Lehrkräfte zu tun haben. Oder eben auch KI als Querschnittsthema zu denken. Oder Demokratiebildung als Querschnittsthema zu denken und das mit KI zu verbinden. Aus deinen Wörtern höre ich, dass eigentlich verschiedene Akteur:innen eine Rolle spielen: Wir haben die Lehrkräfte, wir haben die Schulleitungen, die Schlüsselentscheidungen treffen dürfen, müssen. Und aber auch die Policymakers, die auch eine ganz große Rolle spielen, indem was möglich ist, wie es möglich ist und inwiefern. Daher würde ich dich fragen, um abzuschließen, welche Plädoyer hast du an die verschiedenen Akteur:innen in ihren Möglichkeiten? Ja, an Lehrkräfte mein erstes Plädoyer wäre Mut. Mut, einfach auszuprobieren. Mut, dass Sachen nicht funktionieren können, dass Sachen mit Schüler:innen gemeinsam ausprobiert werden, dass man sich auch verletzlich macht, ja, weil das vielleicht Sachen einfach nicht funktionieren können, aber dass man Mut hat, sich einfach, ja, diesen Weg einfach zu begehen; Mut hat, auszuprobieren, eine offene Fehlerkultur, dass man sich weiterbildet natürlich in dem Bereich, was bestimmt viele sowieso machen oder machen wollen, um diese wirklich Kompetenzen zu haben, damit man das kritisch mit Schüler:innen thematisieren kann, damit man das einsetzen kann, weil Schüler:innen benutzen sowieso die KI, aber sie brauchen Tools, sie brauchen wirklich kritische Reflexion. Dann auch auf jeden Fall Kooperation. Nicht jeder muss ja das Rad neu erfinden, wie es immer so schön heißt. Ich wünsche mir wirklich, dass Lehrkräfte viel mehr noch mit anderen kooperieren, sich austauschen, welche Prompts haben funktioniert, welche neue Methode haben wir gemacht und so weiter. Und auch trotz schlechter Bedingungen. Das ist auch wichtig zu sagen, weil viele Lehrkräfte sagen, ja ich würde ja gerne, aber in unserer Schule gibt es, wir bekommen keine Unterstützung bei A, B, C, D. Und das ist auch wichtig zu sagen, auch wenn die Bedingungen nicht perfekt sind, weil let's be real fast nie ist das, das ist fast nie der Fall, es ist fast nie der Fall, dass die Bedingungen an Schulen perfekt sind. Das ist die Realität. Und trotz schwieriger Bedingungen einfach anzufangen an einem Punkt. Man muss nicht alles perfekt machen, man muss nicht alles sofort machen. Aber an einem Handlungsfeld, zum Beispiel im eigenen Unterricht, einfach anfangen, Sachen auszuprobieren, Sachen anders zu machen und sich dann Verbündete zu suchen und mit denen gemeinsam weiterzumachen, über den eigenen Unterricht hinaus. Wie können wir das an unserer Schule verändern, damit sich mehr Schüler:innen beteiligen können, zum Beispiel. An Schulleitungen hätte ich erstmal das Plädoyer, Lehrkräfte und Eltern und andere Akteur:innen miteinzubeziehen in die Prozesse. Zum Beispiel gemeinsam zu überlegen, wie soll unsere Schule aussehen; gemeinsam zu überlegen, wie wollen wir KI an unserer Schule benutzen und das in einem gemeinsamen Prozess mit allen Beteiligten zu erarbeiten. Das ist immer lang, das sind lange Wege, das ist harte Arbeit, aber das lohnt sich, wenn man sich auf diesen Weg macht. Und natürlich das Plädoyer, tatsächlich Demokratiebildung, KI, andere Querschnittsthemen in das Schulentwicklungskonzept zu verankern. Das ist wirklich ein ganz wichtiger Aspekt. Und die Eltern, das wissen wir schon, das ist immer eine große Herausforderung, die Eltern zu erreichen. Aber die sind natürlich ein ganz wichtiger Player und in anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, gibt es tatsächlich jedes Jahr am Anfang vom Schuljahr auch Veranstaltungen für Eltern, die sensibilisiert werden. Auch zum Beispiel dieses Rumschicken von Nacktbildern etc., was ein richtig großes Problem ist und immer größer wird. Dass auch Eltern dafür sensibilisiert werden, dass man daran denkt, dass man sie mitdenkt, weil wir brauchen die Eltern. Ohne die Eltern geht es nicht. Genau. Das Plädoyer für die Policymakers wäre vor allen Dingen: Leute, wir brauchen Ressourcen und langfristig! Bitte gebt uns langfristig die Möglichkeit, Schulen begleiten zu können. Gebt Schulen die Möglichkeit, langfristig planen zu können, sich weiterzuentwickeln. Das ist nicht immer wieder, dass Projekte nicht einfach kurzfristig stattfinden können, sondern dass Schulen langfristig begleitet werden bei ihren Prozessen, weil nur das macht Sinn. Und es gibt keinen Weg zurück und deswegen auch von meiner Seite verpflichtend die Themen in den Curricula verankern. Wir sehen ja, das macht einen Unterschied, bei Demokratiebildung. Und wenn diese Themen, jetzt auch KI muss meiner Meinung nach verpflichtend im Curriculum verankert werden. Die Schulen müssen sich wirklich hinsetzen und dann gucken, wie kann in den einzelnen Fachbereichen das auch aussehen. In jedem Curriculum muss das quasi durchexerziert werden. Da muss man wirklich schauen, wie kann hier KI und Demokratiebildung etc., wie kann ich das verbinden, wie sieht das in Mathe aus, wie sieht das in Deutsch aus, in allen Stufen, das ist wirklich wichtig, damit sich was verändert. Und Verbote bringen, glaube ich, gar nichts. Das ist ja unsere Debatte, die wir in den letzten Wochen ganz viel geführt haben. Wir brauchen eine Regulierung, wir brauchen datenschutzkonforme Systeme, wir brauchen Alternativen, das ist was wir brauchen. Wir brauchen Sensibilisierung, wir brauchen Zeit, wir brauchen Qualifizierung, aber wir brauchen keine Verbote. Weil wir wissen, wie das ist. Um Verbote kann man immer rumkommen und das ist auch nicht das Thema, weil diese Problematik von sozialen Medien betrifft uns alle. Das sind nicht nur die unter 13-Jährigen, die Minderjährigen oder oder, sondern wir alle leiden darunter. Und die Debatte, die ja jetzt gerade geführt wird oder was gerade untersucht wird: macht TikTok süchtig? Ist das wie eine Droge? Macht das süchtig? Da müssen wir doch drauf gucken. Welche Anbieter können wir hier überhaupt zulassen? Welche passen zu unserem EU AI Act? Und welche sollten wir unterstützen, welche Systeme, die hier genutzt werden können, weil wir brauchen das und es wird genutzt. Also da würde ich einfach sagen, alternative Systeme unterstützen, Regulierungen vorantreiben und unbedingt langfristige Ressourcen zur Verfügung stellen. Christine, das war ein Start mit Feuerwerk! Vielen herzlichen Dank. Du hast ganz klar gemacht, wie notwendig ist eine Veränderung. Und auch, dass es eigentlich vielleicht leichter geht, wenn man die richtigen Bedingungen dafür stellt und die richtigen Ressourcen dafür zur Verfügung stellt, damit Schule tatsächlich ihre Bildungsfunktion ausfüllen kann. Ja, vielen Dank Luisa. Ich freue mich auch und ich bin gespannt auf die weiteren Podcast-Episoden. Und ich freue mich, dass die nächsten Episode uns ermöglichen, in die Tiefe zu gehen und verschiedene Bereiche uns genauer anzuschauen. Also vielen Dank auch an alle Zuhörende. Gerne können Sie sich auch die StrateDie-Educasts anschauen, sowie die interaktiven Trainingseinheiten, die Lehrkräfte gerne mit einem Buddy durchgehen können. Diese sind auf der EU-E-Learning-Plattform KIDS4ALLL zugänglich, aber alle Plattforms, worüber wir gesprochen haben, sind dann in den Show Notes zu sehen. Wenn Sie mehr über das ReDICo Centre erfahren möchten, besuchen Sie gerne unsere Webseite redico.eu oder folgen Sie uns auf YouTube, LinkedIn, Blue Sky oder Mastodon. Eine weitere Möglichkeit der Vernetzung stellt das Redico Hub, die Plattform für alle, die sich für die Themen unseres Podcasts sowie daran angrenzende Themen interessieren. Ich wünsche Ihnen alle einen wunderschönen, inspirierten Tag oder Abend.

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