S3E2 Lernen in der Postdigitalität: Was Schüler:innen heute brauchen
2026-03-30 37 min
Description & Show Notes
In dieser Folge des ReDICo-Podcasts spricht PD Dr. Luisa Conti mit Prof. Dr. Birgit Spies über die Frage, wie Schule gestaltet sein sollte, um den Bedürfnissen heutiger Schüler:innen gerecht zu werden. Wie verändern Social Media, Künstliche Intelligenz, aber auch die wachsende Unsicherheit das Aufwachsen junger Menschen, und was bedeutet das für Bildung?
Birgit Spies plädiert dafür, Schule als einen sicheren Lern- und Begegnungsort zu gestalten: mit Raum für Fehler, persönliche Entwicklung, kritisches Denken und echte Partizipation. Digitale Medien haben dabei einen echten Mehrwert, wenn sie das Lernen unterstützen, ohne Beziehung, Menschlichkeit und gemeinsames Lernen zu verdrängen.
Anhand konkreter Beispiele, etwa aus Dänemark oder aus schulischen Medienprojekten, wird gezeigt, wie Partizipation, projektbasiertes Lernen und kreative Prüfungsformate gelingen können. Digitale Werkzeuge eröffnen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Mitgestaltung, wenn sie bewusst eingesetzt werden und klaren pädagogischen Zielen folgen.
Zum Abschluss formuliert Birgit Spies ein klares Plädoyer: Schulen sollten Digitalisierung vom Menschen her denken und Schüler:innen als aktive Mitgestaltende ernst nehmen, während politische Entscheidungsträger:innen stärker auf die Bedürfnisse vor Ort hören sollten. Ziel ist eine Schule, die ein sicherer Lern- und Begegnungsort bleibt und jungen Menschen Orientierung in einer komplexen, digitalisierten Lebenswelt bietet.
Quellen:
Weitere Informationen zu ReDICo und dem ReDICo-Zentrum für digitale Interkulturalitätsstudien finden Sie unter: www.redico.eu
Um dem ReDICo-Hub beizutreten, gehen Sie auf: https://hub.redico.eu
Weitere Informationen zur Arbeit von Prof. Dr. Brigit Spies sowie ihren Podcast „Strandgespräche“ finden Sie unter: https://www.prof-birgit-spies.de
Die benannten Veröffentlichungen:
- Spies, B. (2024). Lernort Schule: Bildung in einer digitalisierten Welt. In: Becker, W., Metz, M. (eds) Serious Games und Gamification in der schulischen Bildung. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-44317-7_2
- JIM-Studie 2024
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. (2024). JIM-Studie 2024: Jugend, Information, Medien. https://mpfs.de/app/uploads/2024/11/JIM_2024_PDF_barrierearm.pdf (mpfs) - KIM-Studie 2024
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. (2024). KIM-Studie 2024: Kindheit, Internet, Medien. https://mpfs.de/app/uploads/2025/05/KIM-Studie-2024.pdf (mpfs)
Hier geht es zur E-Learning-Plattform KIDS4ALLL: https://learn.kids4alll.eu
Die genauen Links zu den jeweiligen StrateDie-Kurzvideos und Lerneinheiten finden Sie hier:
https://www.gw.uni-jena.de/28402/stratedie
https://www.gw.uni-jena.de/28402/stratedie
Transcript
Hallo und herzlich willkommen beim Redico Podcast für Digital Interculturality. Ich
bin Luisa Conti, Leiterin des Centres for Digital Interculturality Studies an der
Friedrich-Schiller Universität Jena. Unser Interessengebiet ist an der Schnittstelle
zwischen gesellschaftlichem Wandel und Digitalisierung. Das hier ist die dritte
Staffel und widmet sich dem strategischen Einsatz digitaler Medien in der Schule.
Sie wird im Rahmen des Projektes StrateDie (strategische Digitalisierung für eine
inklusive Schulentwicklung) durchgeführt. Das Projekt wird im Rahmen des Programms
Lernen:digital, vielleicht haben Sie schon davon gehört, im Verbund Schule digital –
demokratisch und wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie,
Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Als Gast haben wir heute, und das freut mich
wirklich sehr, Birgit Spies, Diplom-Ingenieurin, ganz spannendes Profil, und
Professorin für Bildung und Digitalisierung an der Hochschule Fresenius. Sie
arbeitet auch praxisnah als Keynote-Speakerin, Beraterin, Trainerin zu Themen rund
um Digitalisierung und Bildung. Sie ist Herausgeberin des Open Access Journals
Bildung Mensch Medien und betreibt auch einen Wissenschaftspodcast selbst. Der Titel
ist Strandgespräche. Also wenn Sie am Ende dieses Podcasts mehr von ihr hören
wollen, wissen Sie wo. Liebe Frau Spies, es freut mich sehr, dass Sie da sind.
Herzlich willkommen. Vielen Dank, Frau Conti. Schön, dass ich hier sein kann. Danke.
Liebe Frau Spies, ich habe Sie nicht durch den Podcast kennengelernt, sondern durch
einen Aufsatz, und zwar Ihr Aufsatz, der wie folgt betitelt
ist: Lernort Schule, Bildung in einer digitalisierten Welt. Dieser Aufsatz wurde in
dem Band veröffentlicht “Serious Games undGamification in der schulischen Bildung”.
Und das fand ich ganz spannend, weil für mich eine wichtige Frage ist, wie können
wir Schüler:innen erreichen? So schreiben sie auf ihrer Website “Digitalisierung und
Bildung passen zusammen, wenn sie aber vom Menschen ausgehend gedacht werden”. Und
so ist meine Frage, ich spüre dann also einen Gap, so eine Distanz zwischen der
Lebenswelt der heutigen Schüler:innen und die Schule selbst. Mir scheint, dass zwei
verschiedene Geschwindigkeiten da sind. Einerseits haben wir die Gesellschaft, die
sich unheimlich schnell verändert, und Institutionen wie die Schule, die natürlich
ganz andere Zeiten haben. Dann
wir müssen Schritt nach Schritt gehen. Jetzt meine zentrale Frage oder meine erste
Frage ist, aber da startet eigentlich alles, ist, wer sind eigentlich Schüler:innen
heute in diese postdigitale Gesellschaft? Sie haben die wichtigen, spannenden Themen
schon angesprochen. Sie haben das wunderbare Wort genannt “strategische
Digitalisierung” Ich glaube, es ist der Digitalisierung ein Stück weit innewohnend,
dass sie schnelllebig ist, dass alles ganz effektiv sein soll, dass alles ganz
effizient sein soll. Auf der anderen Seite haben wir das Thema Bildung und Lernen,
was auch Zeit braucht. Und jetzt treffen wirklich zwei Welten aufeinander. Und auf
der einen Seite finde ich es gar nicht so schlecht, dass die Schule tatsächlich sich
auch Zeit nimmt und sich auch Zeit lässt. Irgendwann müsste man dann doch auch mal
zu Ergebnissen kommen, müsste dann vielleicht die eine oder andere Forschung
berücksichtigen und schauen, wie kriegen wir denn diese beiden Welten zusammen?
Jetzt haben Sie gefragt.
wer sind denn Schülerinnen und Schüler heute? Ich denke, dass sich so wie unser
Alltag und unser Leben die Schüler auch schon wirklich über die Jahrzehnte verändert
haben. Unsere Schule war anders als die der Kinder heute und als die der Kinder, die
jetzt vielleicht gerade auf die Welt kommen. Die Gesellschaft verändert sich. Also
wir sind eigentlich immer in einer Veränderung. Und ich denke, was wirklich
schwierig ist, ist wenn man so aufso einem, ja, wenn man so beharrt darauf, dass
Dinge so funktionieren sollten, wie sie vielleicht schon immer funktioniert haben.
Etwas, was gut und für sinnvoll befunden wurde, eben zum Beispiel diese Einrichtung
der Schule, kann sich ja nur dann durchsetzen, wenn sie es auch schafft, sich zu
erneuern. Und jetzt müssen wir wirklich schauen, wie sind denn die Schülerinnen und
Schüler heute? Wir können ganz klassisch anfangen bei der Mediennutzung. Dafür gibt
es viele Studien, die Kinder - und Medienstudie, also die KIM-Studie oder auch die
Jugend- und Medienstudie, die JIM-Studie, die geben da ja die klassischen Aussagen.
jedes Jahr. Und man kann eigentlich sehen, dass die Kinder bis zum Alter von 12, 13
Jahren weniger als die Hälfte besitzen ein Smartphone. Sie spielen viel mit
Freunden. Und wenn sie Medien nutzen, dann weil es langweilig ist. Da kann man
drüber nachdenken, warum ist es ihnen langweilig? Haben Sie vielleicht zu wenig
Aufgaben, fühlen sich zu wenig eingebunden in einer Gemeinschaft. Aber auch weil sie
sich einsam fühlen, das finde ich auch interessant. Und weil sie vielleicht was
Spannendes erleben wollen. Insgesamt ist die Smartphone-Nutzung noch unter drei
Stunden. Was sehr, sehr viel ist, aber sie beträgt noch unter drei Stunden. Jetzt
kann man wirklich mal schauen, wie lang so ein Tag ist: Schule und Schlaf ziehen wir
ab und dann bleibt nicht sehr viel für andere Sachen über. In dem Moment aber, wo
der Smartphone-Konsum stark ansteigt, wenn die Kinder also über 12, 13 sind, bis zu
19 Jahren,
dann wird es eher kritischer. Also wir haben viereinhalb Stunden Smartphone-Nutzung,
das ist sehr, sehr viel. Wir müssen uns überlegen, das ist ein Durchschnitt, also da
haben auch einige Schülerinnen und Schüler deutlich mehr. Inzwischen verwenden fast
drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler KI als Hausaufgabenhilfe. Und man hält
die Ergebnisse auch für vertrauenswürdig, also man vertraut dem Digitalen. Und es
gibt doch erstmal gar keinen Grund, dem zu misstrauen, weil man ja so aufgewachsen
ist. Jetzt ist es aber, denke ich, auch eine Aufgabe der Schule, da so ein bisschen
genauer hinzuschauen. Also auf der einen Seite haben wir Kinder –
Das lässt sich auch wirklich durch eine große Zahl von Studien zeigen–, die ihr
Leben vielleicht auch als langweilig erleben, einsam sind, die aber auch schon
Konzentrationsstörungen aufweisen, die von den Eltern, da sind die Eltern ganz stark
gefragt, auch an so einer digitalen Nabelschnur gehalten werden, also mit
Tracking-Armbändern, das gibt es jetzt bei Grundschülern vermehrt, dass sie wie
Postpakete getrackt werden, Schüler höchst verunsichert und ängstlich sind. Wir
haben auf der anderen Seite aber auch die jungen Menschen, die sehr, sehr
leistungsorientiert sind und vor allem an sich selber sehr, sehr stark arbeiten,
also sich digital vermessen hinsichtlich Ernährung, Schlaf, Fitness. Und wir haben
aber auch die jungen Menschen, die zunehmend wieder engagiert sind und Dinge
verändern wollen. Also wir haben von bis die ganze Bandbreite und natürlich alles
dazwischen.
Man kann es ein bisschen kurz machen, man kann sagen, vielleicht diese
Selbstverständlichkeit mit der ich zumindest noch in die Schule gegangen bin und ich
weiß nicht, wie es bei Ihnen war, dem Leben zu vertrauen und darauf zu hoffen, dass
es irgendwie gut wird und dass ich in der Schule das lerne, was ich brauche, um auch
gut durchs Leben zu kommen, die weicht tatsächlich. Die ist nicht mehr in großem
Maße vorhanden. Die Schüler fühlen sich zum Teil schon erschöpft, bevor sie wirklich
im Leben angekommen sind und das sehe ich wirklich als sehr, sehr kritisch an. Sie
haben jetzt die Stunden benannt, die durchschnittlich so Schüler:innen am Handy oder
an die Medien hängen sozusagen. Da ist mir diese typische Diskussion eingefallen: Ah
dann, sie sind so viel an den Medien, dann sollen sie in der Schule endlich Raum,
Freiheit ohne die Medien zu haben. Nein, aber gerade deswegen, weil sie so gewohnt
sind an Medien, sollten sie auch in der Schule damit arbeiten.
Jetzt natürlich ist wahrscheinlich weder die eine oder die andere, was sagen Sie?
Ich denke, in der Schule sollte man ganz klar schauen, was hilft. Was hilft, mein
Lernziel zu erreichen. Wenn Digitales eine Hilfe ist, zum Beispiel in
naturwissenschaftlichen Sachen, dann kann ich das doch durchaus nutzen. Und es steht
auch dem nichts im Wege, kleine digitale Apps zu benutzen, die vielleicht den
Unterricht so ein bisschen auflockern, die ihn vielleicht spannender machen,
vielleicht mal Abfragen zu machen, gemeinsame Spiele zu machen. Dem steht nichts im
Wege, wenn das Lernen nach wie vor möglich ist.
Eine Sache, die aus meiner Sicht glaube ich zu wenig gesehen wird, ist, dass Lernen,
so wie das Leben, ein gemeinsamer Prozess ist. Die Digitalisierung wird auch deshalb
so ein bisschen forciert, weil wir meinen, wir könnten Schüler und Schülerinnen
individuell fördern, das zu lernen, es stärker auf sie zuschneiden. Das kann man
natürlich machen, das kann ein guter Lehrer aber auch, aber dabei gerät die
Gemeinschaft aus dem Blick. Lernen heißt auch, gemeinsam zu lernen, Lernen heißt
auch, sich gemeinsam zu unterstützen, gemeinsam aus Fehlern zu lernen und gemeinsam
zu wachsen. Also Lernen ist auch mehr etwas, was auch
an Menschen hängt und auch ganz viel am Lehrer und das sollten wir auf keinen Fall
auslagern. Also immer dann, wenn das Digitale hilft’s, ein unterrichtliches Ziel zu
erreichen, ja warum nicht? Aber, und ich glaube, die Aufgabe haben wir auch noch
nicht richtig verstanden, wir sollten eine verantwortungsvolle Digitalisierung
betreiben. Wir haben das eingangs schon gesagt, ich habe das selber auch so
formuliert, wir müssen es vom Menschen aus denken. Was braucht der jeweilige
Schüler, die jeweilige Schülerin jetzt in diesem Moment? Und dann kann es durchaus
sein, dass es Bereiche gibt, in denen wir sagen, hier möchten wir keine digitalen
Geräte einsetzen, weil es jetzt wichtig ist, dass du soziale Signale interpretieren
lernst, dass du lernst, gut zu sprechen, dass du lernst, wie wir mit Regeln umgehen.
All diese Sachen brauchen aus meiner Sicht erstmal nichts Digitales. Dann wiederum,
man begibt sich in andere Bereiche, wo man sagt, jawohl, wir müssen uns mit, und das
wollen wir auch, ich glaube, das bestreitet auch gar niemand ernsthaft, mit dem
Digitalen und den Medien
auseinandersetzen, weil wir die im täglichen Leben haben. Da können wir durchaus
nachfragen, was sind zum Beispiel Geschäftsmodelle hinter Social Media, was passiert
mit den Daten im Chat. Vielleicht auch wirklich es kombinieren zwischen dem
klassischen Lernen, so will ich es mal nennen, und den digitalen Möglichkeiten. Ich
kann Schülerzeitungen machen, die kann ich auch digital publizieren. Ich kann
Podcasts machen, so wie wir das jetzt machen. Es gibt wunderbare Podcast-Projekte
mit Hörgeschichten für Schülerinnen und Schüler, die sich intensiv mit dem Thema KI
z.B. auseinandersetzen oder auch mit dem, was sie im Leben erreichen wollen. Da kann
ich ganz, ganz viel machen. Mein Wunsch wäre es eigentlich, wenn wir ein Stückchen
weiter eine Selbstverständlichkeit haben. Es gibt einen Raum, wo wir sagen, hier
möchten wir –
wirklich durchdacht und definiert – keine digitalen Geräte haben, weil es uns
wichtig ist, dass wir Menschlichkeit, Soziales fördern, Sprache fördern, ja, also
allein wenn wir überlegen, dass inzwischen wir vermehrt Sprachstörungen haben, dass
ein Viertel der Grundschüler nicht ausreichend lesen kann. Also wir haben da auch
ganz, ganz viel Nachholbedarf und der ist vielleicht auch zum Stück dem starken
Medienkonsum geschuldet, ja. Aber es ist das eine und wir können aber auch das
andere sagen: Lass uns doch schauen, wo können wir sinnvoll Medien integrieren? Also
so eine Verbindung schaffen und das aber bewusst machen. Also einmal Medien als
Hilfsmittel, digitales, aber auch als Unterrichtsgegenstand. Das große Thema KI, was
wir jetzt gerade haben, da kann man nicht nur sagen, Mensch toll, mach das mal
alles, da muss man auch schon mal sagen, dass ein Großteil der Sachen ja falsch ist,
dass die Dinge in der generativen KI auf Wahrscheinlichkeiten beruhen. Und ich muss
es lernen, die Dinge zu hinterfragen.
Das ist auch wichtig. Ich finde es ist eine Aufgabe der Schule, dafür zu sorgen,
dass wir einen guten Wissensstand haben. Denn um eine KI einzusetzen, brauche ich
mehr Wissen. Denn wie soll ich sonst beurteilen, ob das, was daraus kommt, richtig
oder falsch ist? Dafür muss ich ein Fachgebiet kennen. Aktuelle Themen, ne? Auch wie
schafft man, dass die Motivation zum Lernen nicht verloren geht, wenn eine Maschine
da ist, die eigentlich alles kann? Genau, das ist eine ganz wichtige Frage. Was
sollen wir überhaupt noch lernen? Warum sollen wir lernen? Und da könnte ich mir
vorstellen, dass das auch so ein Grund ist, warum Schüler jetzt schon in ganz jungen
Jahren sehr, sehr erschöpft sind. Es gibt vielleicht gar nicht mehr viel zu tun für
sie. Es gibt nicht mehr viel zu lernen. Es ist alles irgendwie da. Ich muss nur noch
die Fähigkeit haben oder ja, Fähigkeit vielleicht, das zu finden und das irgendwie
so zu formulieren, dass es ein anderer versteht oder für mich anzuwenden. Aber was
bleibt dann für mich noch übrig? Und da können wir so auf die klassischen
Entwicklungsaufgaben von Schülern und von Jugendlichen schauen.
Ich glaube, da hat die Schule auch noch ganz viele Möglichkeiten, wie sie stark
werden kann. Schule muss nicht nur Wissen beibringen, sondern muss auch so eine
Schülerpersönlichkeit entwickeln. Das heißt wirklich, ja, diesen jungen Menschen
auch stark machen, dass er in sich ruhen kann, dass er lernt, mit seinen eigenen
Emotionen umzugehen, im sozialen Gefüge sich zurückzunehmen, aber auch seine eigene
Meinung zu sagen. Wir reden auch oft davon, dass die Kinder vielleicht nicht mehr so
stark kritisch sind. Das muss man aber lernen. Das muss ich immer wieder in jeder
Unterrichtsstunde sagen: „Schau doch mal, wie kommst du jetzt zu diesem Urteil? Wie
begründest du das? Was kann man daran vielleicht auch anders sehen?“ Und das sind so
unsere Aufgaben,
die wir auch in der Schule haben. Ja, es klingt nach diesen Querschnittkompetenzen,
die total wichtig sind, wie z .B. kritisches Denken. Aber auch Kommunikation,
Zusammenarbeit, Kreativität. Und da resonieren bei mir noch Ihre Wörter von vorhin,
als Sie auch von diesem Mangel an Vertrauen gesprochen haben und das auch zusammen,
in demselben Moment auch angesprochen haben, wie das Fehlen von einem Miteinander.
Für mich ist die Frage, gibt es Platz dafür in der Schule heute? Also natürlich gibt
es nicht der Schule. Ja, es gibt ganz viele verschiedene Schulen. Aber haben Sie da
gute Beispiele oder schlechte Beispiele, worüber wir reflektieren können? Also
inwiefern diese wichtigen Kompetenzen für das Miteinander tatsächlich gelernt
werden? Jetzt ist jede Schule ja ihr eigener Mikrokosmos und es hängt ja auch immer
von den Menschen ab, die in der Schule arbeiten, was man dann dort machen kann und
was man nicht machen kann. Ich kenne
viele gute Beispiele aus Dänemark, die Schule sowieso deutlich anders sehen als wir,
die von Anfang an anfangen, in der Gemeinschaft zu lernen. Da gibt es dann Klassen,
zum Beispiel eine erste und zweite, die zusammen viel unterrichtet werden, auch eine
dritte und vierte. Und das zieht sich auch durch, nachher bis zum Schulende. Es gibt
Paten in den Klassen, sodass man sich Ältere für Jüngere eine Patenschaft übernehmen
kann. Man versucht immer, die jungen Menschen in einem Dreier-Schritt zu halten.
Also ich habe Ältere, an denen ich mich orientieren kann, wo kann es hingehen, was
kann mein nächster Lernschritt sein. Ich habe aber auch Jüngere, für die ich
Verantwortung übernehme. Wir haben auch so gemischte Schulen, deutsch-dänisch, und
da ist auch so vieles, was so übertragen wird.. Eines Tages kam meine Tochter nach
Hause und sagte, ich weiß überhaupt nicht, wofür Lehrer ihr Geld bekommen. Ich sage,
was ist denn passiert? Ja, wir müssen unser ganzes Sommerfest selber organisieren.
So, ja,
genau, ihr macht es genau richtig. Und wir nehmen den Schülern alles ab und wundern
uns dann, dass sie ja nichts mehr zu tun haben und unzufrieden sind. Ich kann
vielleicht noch ein paar Beispiele aus Dänemark erzählen: Da werden Schülerinnen und
Schüler zum Beispiel ganz stark angehalten, miteinander in den Kontakt zu kommen,
miteinander zu spielen, auch in den Pausen miteinander zu spielen. Es werden bewusst
Spiele gespielt, bei denen alle Altersgruppen mitspielen können. Und es gibt zum
Beispiel auch Spielwächter. Das sind Kinder, die schauen, ob Kinder auch mitspielen
können und wollen. Wer sich da vielleicht rausnimmt und weil er traurig ist, da wird
dann ermuntert, Mensch, spiel doch einfach mit, komm. Hier ist dein Platz, wir
würden uns freuen, wenn du mitspielst. Auch wenn Stress entsteht beim Spiel, dann
gibt es auch Schülerinnen und Schüler, die immer hinschauen und versuchen, das zu
lösen.
Also Schülerinnen und Schüler werden ermuntert, ihre Dinge selber in die Hand zu
nehmen. Und man sieht das aber auch im dänischen Lehrerkollegium zum Beispiel. Die
dänischen Lehrer unterrichten fast immer zusammen, also beide. Und dann kann sich
jeder Lehrer auf ein bestimmtes Thema konzentrieren, im Raum schauen, ob die
Klassengemeinschaft gut vorankommt miteinander. Sie können sich austauschen. Also
auch der Lehrer ist dann nicht der Einzelkämpfer, wie wir ihn hier typischerweise
kennen. Das heißt, das Risiko ist auch, dass Medien zu verstärkter Vereinzelung
genutzt werden, jeder ist mit seinem eigenen Laptop oder Tablet. Und hingegen soll
es eher versucht werden, als Medium fürs Miteinander, für das Zusammenarbeit zu
nutzen. Verstehe ich richtig? Ja, so ist das Netz ja auch ursprünglich entstanden:
sich zu vernetzen, Dinge zu teilen. Und gerade im schulischen Einsatz erleben wir
aber wirklich jetzt das Gegenteil. Es gibt Programme, die Schüler werden davor
gesetzt, es kommt am Ende irgendwie eine Punktzahl raus oder eine Zeit, in der sie
die Dinge bearbeitet haben. Sie werden komplett auf sich selbst zurückgeworfen. Und
das kann nicht richtig sein. Das ist nicht Lernen. Lernen ist immer, ich lerne von
anderen Menschen. So werden Kinder ja auch erst groß. Also sie lernen laufen, weil
sie sehen, dass andere Menschen laufen. Sie lernen sprechen, weil sie hören, dass
andere Menschen sprechen. Wir können übrigens nicht von einem Bildschirm sprechen
lernen. Also das funktioniert gar nicht. Also bei kleinen Kindern zumindest nicht.
Vielleicht als Erwachsener, wenn ich gelernt habe, zu lernen. Also Lernen ist immer
ein Vorbild, was ich erlebe, egal ob uns das jetzt positiv oder negativ erscheint.
Und das versuche ich nachzumachen. Und das ist eine ganz starke Motivation. Indem
wir das komplett aus digital zurückfahren, hilft uns das nicht. Aber wir können das
nehmen, um uns zu vernetzen mit Schülern
aus anderen Ländern, aus anderen Klassen, aus anderen Städten, aus anderen Fächern.
Wir können unsere Arbeit transparent machen, ein schönes Hörspiel machen, eine
schöne Webseite machen, einen Film drehen. So was funktioniert alles wunderbar. Aber
dafür braucht man auch eine Schülerpersönlichkeit, die sich gut entwickeln konnte,
die mit anderen umgehen kann, die sagen kann, wann es ihm oder ihr nicht gut geht,
wann man Hilfe braucht und aber auch ein Stück weit auch sich stolz sein kann und
darf und auch soll, aber auch wieder die Gemeinschaft mitreinholt. Und ich glaube,
was wirklich bei uns das Problem ist in Deutschland ist, dass wir jungen Menschen zu
viel Verantwortung abnehmen, ihnen viel zu wenig zutrauen und vielleicht auch
unzufrieden sind, wenn sie das, was wir vorgedacht haben, nicht annehmen. Man kann
die Klassensprecher tatsächlich auch wirklich stärken. Welche Regeln geben wir uns
in der Klasse? Man kann Schülerparlamente machen. Man kann ganz stark über die all
die
Fächer arbeiten, die eben Resonanz in uns selbst hervorrufen, also wie Bewegung,
Singen, Musizieren, gemeinsames Musizieren. Da entsteht ja so, so viel, was die
Schüler voneinander lernen kann. Es entsteht gemeinsam was Neues, was ich alleine
nicht schaffen würde. Das Malen dazu, kommt dazu. Und was passiert in der Regel bei
uns zuerst, wenn irgendwo ein Stundenausfall ist, das Geld ist knapp: Es fallen
diese kreativen Fächer weg. Die bräuchten wir aber, um stark zu sein in diesen
anderen Fächern, in den naturwissenschaftlichen Fächern, die mich wieder animieren,
Lust zu haben, über Dinge nachzudenken, vielleicht was Neues zu erforschen. Das eine
geht ins Andere rein. Wir haben so ein bisschen den Menschen einfach nur reduziert
auf das Denken, auf das Kognitive und vergessen, dass da so ein ganzer Körper
dranhängt
und sich alles gegenseitig beeinflusst. Und das ist schade, das ist wirklich sehr,
sehr schade. Wir trennen viel zu viel, jetzt auch das Digitale und das Analoge, das
versuchen wir gegeneinander auszuspielen, das ist aus meiner Sicht nicht richtig.
Einfach zu schauen, wann ist das hilfreich und auch deutlich zu sagen, wo ist das
nicht hilfreich. Und wir müssen auch so ein Stück weit auch als Lehrerinnen und
Lehrer wieder in die Verantwortung kommen, als Vorbilder wirken mit dem vielen
Feuer, was wir ursprünglich mal hatten und hoffentlich auch immer noch haben für
unser Fach, die Kinder dafür begeistern und unsere Vorbildfunktion vielleicht nicht
an Vorbilder in Social Media abgeben. Das ist spannend, ein wichtiger Punkt. Und Sie
sprechen jetzt von der Wichtigkeit, die Verantwortung zu übernehmen seitens den
Schüler:innen. Und das heißt also Partizipation, echte Partizipation zu fördern in
der Schule, in dem schulischen Alltag. Und ich sehe digitale Medien
so, dass sie ein großes Potenzial dafür haben, ein großes Potenzial, damit das
Wissen, das jede:r Schüler:in mit sich bringt, auch geteilt wird, aber auch
Partizipation im Sinne von Quiz, im Sinne von Beteiligung anderer Form. Haben Sie
auch weitere Ideen und weitere Beispiele, die Sie gerne teilen möchten? Zum Beispiel
diese Schülerzeitung, die ich schon erwähnt hatte. Das funktioniert sehr gut, wenn
man das digital auch umsetzen kann. Man kann Webseiten machen von Schulen. Die
können die Schülerinnen und Schüler selbst machen. Sie selber haben ja das Thema
Interkulturelles Lernen und Arbeiten und Leben miteinander. Warum kann man nicht
Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Kulturen hier zu Wort kommen lassen,
interviewen? Man kann Kurzfilme machen. So was passiert. In
Medien-Arbeitsgemeinschaften kann man das machen. Das ist überhaupt gar kein
Problem. Es bieten auch in vielen Städten...
Medienbüros da Unterstützung an und Hilfe an, das lässt sich gut machen. Man kann im
naturwissenschaftlichen Unterricht zum Beispiel Kurzvideos über Experimente drehen.
Funktioniert auch. Man macht ein Protokoll, warum soll man dazu nicht noch ein
Kurzvideo machen und lernt gleichzeitig dabei. Also das Lernen mit den Medien, das
wäre mir das Wichtige. Das Medium dann als Mittel zu benutzen. Das heißt vielleicht
auch andere Formen der Evaluation. Also dass nicht nur eine schriftliche Klausur
ist, zum Beispiel, so eine Prüfung, sondern auch ein Erstellen von einem Video auch
eine
Profungsform sein könnte? Das kann es durchaus sein. Wenn ich zum Beispiel eine
Geschichte schreibe oder ich entwerfe, entwickle ein Hörspiel oder ich entwerfe ein
Drehbuch für ein kleines Theaterstück, das wird ja gemacht an den Schulen, dann kann
ich das natürlich auch digital abbilden, ich kann dazu Trailer machen, die
Schülerinnen und Schüler einladen, ich kann Werbung dafür gestalten. Da lerne ich es
auch mit den Programmen umzugehen. Das lässt sich alles wunderbar machen. In der
Biologie kann ich über Pflanzen und Tiere wunderbar digital berichten. Ein schönes
Beispiel, das ich jetzt gerade selbst auch erlebt hatte, weil ich mit beteiligt war,
war in Hamburg eine 8. Klasse, die hat sich mit Social Media auseinandergesetzt und
dafür haben sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema beschäftigt, haben sich
Fragen überlegt und haben dazu Experten interviewt. Und ich war eine dieser Experten
und denen haben sie eine Art Wandzeitung gemacht und haben kleine QR-Codes
hinterlegt, so dass die Schüler immer auf die
entsprechende Antwort kommen konnten, hatten gleich die Information. Also da gibt es
ganz ganz viele Ideen und manchmal kann man vielleicht auch einfach mal
ausprobieren, was funktioniert. Ja und da kommen sie in diesem Beispiel ganz viele
verschiedene Ansätze zusammen: Das Peer-Learning, das Projektbasiertes Lernen, das
Forschendes Lernen, das Experiential-Learning, also das Erfahrungsbasiertes Lernen.
Ja, ich denke, wir müssten vielleicht uns über den Begriff Lernen noch so ein
bisschen unterhalten, auch über den Begriff Wissen und Bildung. Also auch in der
Schule müsste darüber diskutiert werden. In einem Kollegium. Was heißt es denn für
uns? Lernen. Was heißt das? Heißt das, es ist jemand, der einen einführt in ein
Thema, der einen Vortrag hält, was absolut in Ordnung ist und was auch sehr, sehr
gut funktioniert. Wenn man das aber immer macht, ist das vielleicht nicht die
Lösung. Heißt Lernen, viel in der Gruppe zu machen. Wo ist da ein Zwischenstück, was
kann gut funktionieren? Was heißt für uns Wissen bereitzustellen, Wissen zu prüfen?
Auch darüber kann man nachschauen. Also eine gute Variante, die ich immer selbst als
Lehrerin auch hilfreich empfunden habe, war, dass man einmal mit einer Basis
anfängt, die entweder zum Stück weit die Schüler selbst erarbeitet haben oder die
mir auch als Lehrer oder Lehrerin einbringt,
dass man dann in Gruppen die Sachen vertieft, dass man sich gegenseitig unterstützt,
dass man schaut, wo kriegt man Hilfe her und dann auch Ergebnisse präsentiert. Da
habe ich so einen großen Kanon, den ich an Lernmöglichkeiten einsetzen kann. Und
dann auch immer wieder dahin zu kommen zu sagen, ja, an welchen Stellen ermöglichen
wir denn jetzt vielleicht Bildung? Also dieses Reflektieren, dieses Zurücktreten, so
das, was du getan hast, wo war denn jetzt dein Entwicklungsschritt? Was hast du
gelernt? Was hast du jetzt aus diesem Projekt mitgenommen, aus dieser Lernerfahrung?
Und vielmehr zu sehen, welche Fortschritte hat ein Schüler gemacht und eine
Schülerin, wo haben Dinge geklappt? Und wenn sie nicht geklappt haben, was könntest
du beim nächsten Mal besser machen? Und wenn wir vielleicht da so ein Stück weit
einen Wechsel hinbekommen,
in der Arbeitsweise und am Ende ist es nachher auch in der Denkweise, ich glaube,
dann wird Schule auch wieder so ein Stück weit etwas, wo man lieber hingeht, wo man
nicht mit zu vielen Bauchschmerzen vielleicht hingeht und wo man nicht nur an einer
Note als Mensch gemessen wird, denn das ist ja nicht richtig. Ihre Idee, sich Fragen
zu stellen, die total einleuchtend ist, hat mich daran erinnert an Ihrem Artikel. Da
auch präsentieren Sie verschiedene Fragen, die das Kollegium sich stellen kann, um
die richtige Strategie zu finden. Daher würde ich die Frage anschließen, ob Sie ein
Plädoyer haben. Sie können drei verschiedene machen, Sie können nur eine machen,
also die drei Gruppen, die ich im Kopf habe, sind die Lehrkräfte, dann haben wir die
Schulleitungen und dann haben wir die Policy-Maker, also diejenigen, die wichtige
Richtlinien
setzen, wodurch wir uns orientieren müssen in unserer Handlung. Ja, da würde ich
mich freuen, wenn Sie so eine Art Plädoyer aussprechen könnten. Nehmen Sie sich
gerne Zeit, das muss nicht kurz sein. Ja, also Digitalisierung und Schule passen
zusammen, wenn sie von Menschen aus gedacht sind. Das haben wir jetzt schon
ausgeführt. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Ja, also die Schule hat
verschiedene Aufgaben zu erfüllen und das ist zum einen ein starkes Wissensfundament
zu schaffen für die Schülerinnen und Schüler und zum anderen auch die Entwicklung
eines stabilen Selbsts, einer Schülerpersönlichkeit zu unterstützen. Das ist die
Aufgabe der Schule.
Schule muss sich dieser Aufgabe wieder bewusst werden. Da müssen auch Lehrer als
Vorbilder rangehen und schauen, an welchen Stellen können wir die Schüler stärken?
Können wir sie als Menschen sehen auch und unterstützen, mit all ihren Interessen,
mit all ihren Stärken, die sie haben? Und wo können wir noch Dinge verbessern? Was
brauchen die Schülerinnen und Schüler von der menschlichen Seite her? Wenn wir an
die Digitalisierung in den Schulen selbst denken, ist es aus meiner Sicht wichtig,
zu überlegen, was bedeutet es, wenn wir bestimmte Dinge tun? Einfach mal das, was
wir machen, zu Ende zu denken. Was bedeutet es in der Konsequenz, wenn wir dieses
oder jenes digital machen oder mit KI machen? Denn wenn das Digitale und die KI das
Lernen und das Denken ersetzen, dann passt das nicht. Dann kann die Schule ihren
Auftrag nicht erfüllen. Also für die Schulen genau zu überlegen, was soll
digitalisiert werden und was soll auch nicht digitalisiert werden. Und dazu würde
ich das Kollegium
jedenfalls auch die Schulleiter einladen, sich wirklich miteinander in den Austausch
zu begeben, zu diskutieren. Und ich weiß, dass das nicht einfach ist, weil jeder
Fachbereich da seine eigenen Vorstellungen hat. Aber wenn Digitales eingesetzt wird,
dann muss es sinnvoll sein, dann muss es begründbar sein und es muss immer daran
orientiert sein: Hilft es den Menschen in dieser Entwicklungsphase, hilft es dem
Lernziel. Orientierung am Alter, an der Entwicklungsphase und am Ziel. Und für mich
gilt, schauen immer erst auf die Pädagogik und die Didaktik und reden dann über
Technik, die sinnvoll eingesetzt werden muss. Für die Policymaker:
Da würde ich mir wünschen, dass Sie viel, viel stärker in die Schulen gehen, den
Schulleitern und den Kolleginnen und Kollegen dort zuhören und Sie wirklich mal
fragen, was sie brauchen, sich mit ihren Anordnungen zurückhalten. Denn jede Schule
ist ein eigener Mikrokosmos, jede Schule braucht was anderes. Wir haben den
Digitalpakt 1 und 2, das war nicht wirklich glücklich. Es wäre hilfreicher, man
würde schauen, was brauchen die Schulen vor Ort wirklich, wo können wir euch
unterstützen, wo braucht ihr wirklich Fortbildung, wo stellen wir euch vielleicht
auch Techniker an die Seite, IT-Kräfte, die euch helfen, wenn ihr Technik einsetzt.
Denn nichts ist anstrengender, als wenn man eine gute Planung gemacht hat und dann
funktioniert die Technik nicht, wenn man morgens um 8 Uhr in die Schule kommt. Das
ist einfach ungünstig. Also viel stärker auf die Schulen selbst eingehen
und von dort die Rückmeldung aufnehmen und dann versuchen, das umzusetzen. Ja, und
den Schülerinnen und Schülern, denen wünsche ich, dass sie – vielleicht trifft das
gar nicht auf alle zu – aber dass sie ihre Freude an der Schule zurückgewinnen oder
wiedergewinnen. Unser ganzes Leben besteht aus Lernen. Wir werden wahrscheinlich bis
zum letzten Tag lernen. Wir kommen gar nicht umhin. Wenn wir nicht lernen, dann
bedeutet das Stillstand und dann sind wir unzufrieden und können einfach mit den
Gegebenheiten, die uns in der Gesellschaft erwarten, nicht leben. Die Gesellschaft
verändert sich, ob wir das wollen oder nicht. Wir leben in einer Zeit, die haben wir
uns auchnicht ausgesucht. Und auch in einem Umfeld, das haben wir uns auch nicht
ausgesucht, sondern da kann man doch einfach das Beste draus machen. Lernen
ist, was wir gemeinsam machen können, sich dort auch Freunde zu suchen, mit denen
man zusammen lernen kann, die Klassengemeinschaft stärken, gucken, wo kann man auch
über das Digitale, vielleicht mit anderen Schulen in den Austausch kommen, auch
kulturell, auch das wäre nochmal ein Beispiel, das ich vorhin gar nicht erwähnt
habe, es gibt schöne Beispiele, wo man mit Schülerinnen und Schülern aus anderen
Ländern den Sprachunterricht abwechselnd gemeinsam machen kann, also es gibt so, so
viele Ideen. Bringt euch ein ins Schülerparlament, in euren Klassen, in den Schulen,
das ist eure Schule und wenn man dort 10 oder 12 Jahre verbringt, ist das eine ganze
Menge, aber es ist auch viel, viel Zeit, in der man viel, viel lernen kann. Besten
Dank, auch danke, dass Sie an die Schüler:innen gedacht haben. Gibt es noch was, was
Sie sagen möchten? Schule sollte ein gemeinsamer und ein sicherer Lern- und
Begegnungsort sein und dafür müssen aber alle daran gemeinsam arbeiten, das
Kollegium, die Schulleiter, die Eltern
und auch die Schülerinnen und Schüler, wir müssen und alle Beteiligten müssen auch
Lust haben miteinander zu kooperieren und ich glaube dann kann man Stück für Stück
ein Unterricht gestalten, in dem Beziehung ganz vorne steht, das ist nämlich die
Grundlage dafür, dass Lehren und Lernen gut klappt. Ja, besten Dank Frau Spieß,
herzlichen Dank für diesen wunderschönen Podcast, Postcast-Episode. Da gehe ich raus
total inspiriert, bestärkt, dass es möglich ist, tatsächlich Schule in einen Ort, wo
Lernen Spaß macht, tatsächlich zu behandeln, zu behalten, zu erwarten, zu gestalten.
Und auch in einen sicheren Begegnungsort und auch Lernort, das ist auch ganz
wichtig, ich werde mich nur auf Lernen einlassen, wenn ich Fehler machen darf, wenn
ich keine Fehler machen darf,
weil ich dafür vielleicht zur Rechenschaft gezogen werde oder sofort mit einer
schlechten Note bestraft werde, dann werde ich versuchen, das zu vermeiden. Also ich
gehe gar nicht aus mir raus. Wir kennen als Erwachsene diesen Begriff, komm raus aus
deiner Komfortzone. Das mache ich aber erst dann, wenn ich mich sicher fühle. Ich
brauche diesen sicheren Raum. Und ein sicherer Lernraum ist ein Raum, in dem ich
nicht für Fehler verurteilt werde, in dem ich als Mensch gesehen werde. Und das wäre
mir jetzt auch wichtig, in dem das nicht digital aufgezeichnet wird, was ich tue.
Wenn das, was ich mache, digital auch Jahre später noch nachvollziehbar ist und die
Tendenzen haben wir aktuell, dass man das machen möchte, weil man meint, dann wird
Lernen noch effektiver, dann ist das komplett das Gegenteil. Dann werde ich
versuchen, alles zu tun, um dieses Programm richtig so gut zu erfüllen und da gut
dastehen. Aber ich werde mich nicht entwickeln können. Wir reden so viel von
Entfaltung des Menschen. Dafür muss ich ihm auch Gelegenheit geben.
Ich glaube, da können wir alle unser eigenes Leben nehmen. Es gab viele Momente, wo
wir traurig waren, wo wir gescheitert sind, wo wir uns gefragt haben, mein Gott, wie
konnte das passieren? Und es gibt aber auch die anderen Momente. Und dann zu lernen,
wieder aufzustehen und zu sagen, jawohl, das lohnt sich, ich habe Menschen, die mir
helfen, beim Lernen vorwärts zu kommen. Und das ist was Schönes, wenn ich eine
Herausforderung geschafft habe. Das kann Schule leisten und dafür braucht es aber
Menschen, die dafür genauso brennen. Besten Dank, besten Dank vom Herzen an Sie,
Professorin Birgit Spies. Vielen Dank, Frau Conti, schön, dass ich hier sein konnte.
Und vielen Dank auch an alle Zuhörenden. Dann können Sie sich auch die Educasts
anschauen sowie die interaktiven Lerneinheiten, die auf der EU-E-Learning-Plattform
KIDS4ALLL zugänglich sind. Und diese E-Learning-Plattform, muss ich sagen, richtig
passend ist mit den Konzepten, die Sie vorgestellt haben, weil so eine
E-Learning-Plattform ist,
wo Schüler:innen eingeladen sind, tatsächlich aktiv zu werden, ihre eigene Outputs
zu gestalten und sie dann auf der Plattform hochzuladen, damit andere von ihnen
lernen können. Und das hat mich resoniert vorhin, als Sie davon gesprochen haben.
So, wenn Sie mehr über ReDICo erfahren möchten, besuchen Sie gerne unsere Webseite
redico.eu oder folgen Sie uns auf YouTube, LinkedIn, Blue Sky oder Mastodon. Eine
weitere Möglichkeit der Vernetzung stellt das Redico Hub, die Plattform für alle,
die sich für die Themen unseres Podcasts sowie daran ergänzende Themen
interessieren. Also ich bedanke mich und ich wünsche alle einen wunderschönen Tag
oder Abend.