S3E6 Nachhaltig digital: Warum Open Source Schulen stärkt und wie der Einstieg gelingt
2026-03-30 36 min
Description & Show Notes
In dieser Folge spricht Luisa Conti mit der Medienpädagogin Jessica Wawrzyniak über den Stand der Schuldigitalisierung in Deutschland. Im Zentrum steht die Frage, warum sich viele Schulen für Systeme großer Technologieunternehmen entschieden haben und welche Folgen diese Entscheidungen bis heute haben. Reflektiert wird dabei auch über Datenschutz und seine Bedeutung für schulische Digitalisierungsprozesse sowie über aktuelle Herausforderungen, die damit einhergehen.
Die Folge richtet den Blick zugleich auf Alternativen zu proprietären Plattformen und einseitigen technologischen Abhängigkeiten, etwa auf Open-Source-Lösungen, offene Dateiformate und Open Educational Resources. Sie zeigt, dass Veränderung zwar kein leichter, aber ein gangbarer Weg ist. Vorgestellt werden unter anderem Meta-Plattformen, die Schulen bei der Auswahl geeigneter Tools unterstützen können, ebenso wie Communities von Lehrkräften, die sich gegenseitig in Fragen des Digitalen im Unterricht und in der Schulentwicklung begleiten.
Darüber hinaus geht es um weitere zentrale Themen einer nachhaltigen Digitalisierung an Schulen, etwa um tragfähige IT-Strukturen, Fortbildungen und Medienkonzepte als Grundlage zukunftsfähiger Schulentwicklung. Deutlich wird: Digitale Bildung braucht mehr als technische Ausstattung – sie braucht Orientierung, Unterstützung und langfristig tragfähige Konzepte.
Quellen:
Weitere Informationen zu ReDICo und dem ReDICo Centre for Digital Interculturality Studies finden Sie unter: www.redico.eu
Weitere Informationen zur Arbeit von Jessica Wawrzyniak finden Sie unter https://www.medien-wawrzyniak.info/
Die genauen Links zu den jeweiligen StrateDie-Kurzvideos und Lerneinheiten finden Sie hier:
https://www.gw.uni-jena.de/28402/stratedie
https://www.gw.uni-jena.de/28402/stratedie
Weitere Plattformen:
Transcript
Hallo und herzlich willkommen bei ReDICo Podcast
for Digital Interculturality. Dieser
Wissenschaftspodcast wird präsentiert vom ReDICo
Centre for Digital Interculturality Studies der
Universität Jena. Unser Interessengebiet ist an
der Schnittstelle zwischen gesellschaftlichem
Wandel und Digitalisierung. Ich bin Luisa Conti,
Leitung des Centres, aber auch des
Forschungsprojektes StrateDie – Strategische
Digitalisierung für eine inklusive
Schulentwicklung. Dieses Projekt, das Projekt
StrateDie, wird im Rahmen des Programms des
Bundes lernen:digital im Verbund SchuDiDe,
Schule digital demokratisch, realisiert. Das
wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie,
Senioren, Frauen und Jugend finanziert.
Diese dritte Staffel des ReDICo Podcasts ist
eine Kooperation des ReDICo Centres mit dem
Projekt StrateDie und widmet sich dem
strategischen Einsatz digitaler Medien in der
Schule. Zu Gast ist heute Jessica Wawrzyniak,
Medienpädagogin, die lange bei Digitalcourage
e.V. tätig war und jetzt an der GMK,
Gesellschaft für Medienpädagogik und
Kommunikationskultur, arbeitet, sowie als
freiberufliche Referentin, Autorin und unter
anderem Datenschutzbeauftragte aktiv ist. Vielen
Dank, Jessica Wawrzyniak, dass Sie da sind.
Dankeschön für die Einladung.
Ich habe Jessica Wawrzyniak kennengelernt bei
einem Elternabend, eigentlich. Ich war ganz
beeindruckt von ihrer Kompetenz in Bezug auf
Datensicherheit.
Deswegen habe ich entschieden Jessica Wawrzyniak
hier einzuladen bei uns heute, weil ich fand es
total wichtig, in diesem Podcast Raum zu
schaffen für ein Thema, das super wichtig ist.
Und zwar, wie schaffen wir Digitalisierung in
der Schule voranzubringen, in eine nachhaltigen
Art? Zuerst wollen wir uns anschauen, wie der
Ist-Zustand ist, und dann wollen wir gucken, wie
sollte es aber sein und wie können wir dahin
gehen.
Wie können wir nachhaltige Lösungen planen, die
sicher und auch ethisch sind für alle. Dann
würde ich gleich mit einer allgemeinen Frage
starten und zwar, wo stehen Schulen heute in
Deutschland bei der Digitalisierung und welche
Entscheidungen seitens
der bildungspolitischen
Entscheidungsträger:innen, also die berühmte
Policy Makers, aber auch welche Entscheidungen
seitens der Schulleitungen haben uns dahin
geführt? Ist eine breite Frage, aber es dient
einfach die Skizzierung eines Zustandes. Ja, ich
fange mal etwas bissig an. Ich würde sagen,
unsere Digitalisierung an Schulen ist im Moment
noch ähnlich wie vor 20 Jahren, nur mit mehr
Geräten. Das vielleicht mal so zum Einstieg. Es
gab viele, viele Entscheidungen auf dem Weg
dahin. Also wir müssen uns klar vor Augen
halten, dass die Corona-Pandemie natürlich ganz
entscheidend dabei war, zu überlegen, in welche
Richtung
steuern wir die Digitalisierung an Schulen?
Welche Entscheidungen treffen wir? Welche
Programme setzen wir ein und welche Geräte? Weil
plötzlich die Notwendigkeit da war, dass
digitaler Unterricht stattfinden musste. Das
hatte es ja vorher so nicht gegeben. Wenn es
digitalen Unterricht gab, dann in ganz kleinem
Maße, in ganz wenigen Situationen und plötzlich
musste eine flächendeckende Lösung her. Also
würde man sagen, jetzt okay, die Entscheidungen,
die während der Corona-Pandemie getroffen
wurden, die wurden mit heißer Nadel gestrickt,
die wurden schnell übers Knie gebrochen und man
hat einfach überlegt, wie kommt man jetzt klar,
wie kriegt man jetzt Fernunterricht hin, wie
kriegt man digitalen Unterricht hin, damit die
Schülerinnen und Schüler nicht abgehängt werden.
Das wäre so eigentlich der erste Gedanke, aber
wir müssen uns auch vor Augen halten, dass wir
wirklich seit 20 Jahren einen
Modernisierungsstau an Schulen auch hatten.
Das heißt also, in dieser Situation zu sein und
sich plötzlich überlegen zu müssen, was machen
wir jetzt, hätte so gesehen auch gar nicht
stattfinden müssen. Hätte man sich vorher auf
den Weg gemacht. Und meine Erfahrung hat damals
gezeigt, noch vor Corona, dass ganz wenige
Schulen sich auf den Weg gemacht haben und
überlegt haben, wir müssten doch mal, wenn die
ganze Welt sich digitalisiert, müssten wir doch
auch mal das Bildungssystem und unsere Schule
digitalisieren. Ganz wenige haben sich auf den
Weg gemacht und überlegt, wie kann man das
digital souverän machen, wie kann man das
datenschutzfreundlich, wie kann man das
IT-sicher machen.
Aber der allergrößte Teil hat sich darüber eben
nicht so tiefgehende Gedanken gemacht und war
dann eben in dieser Situation, wo alles
zusammenbrach, sehr überfordert und angehalten,
wirklich schnell eine funktionierende Lösung zu
finden. Das ist so ein Zusammenspiel aus
Faktoren, der uns dahin gebracht hat, wo wir
jetzt im Moment sind. Wir haben jetzt eine Lage,
wo die Geräteaustattung an Schulen sich
verbessert hat.
Das ist auch auf den DigitalPakt Schule
zurückzuführen, zu einem großen Teil, nicht
ausschließlich, aber zu einem großen Teil. Das
war ein Projekt, ein Bundesprojekt, ein
Förderprogramm, wo eben Geld zur Verfügung
gestellt wurde, damit Schulen sich digital
ausstatten können und auf dieser Seite eben
Gelder zur Verfügung gestellt bekommen.
Allerdings ist das eben auch sehr übers Knie
gebrochen worden und auch da hat man sich nicht
so viele Gedanken gemacht.
Es war zwar verpflichtend, das Ganze mit einem
Medienkonzept zu begründen, das heißt, niemand
hat einfach Geräte bekommen ohne ein
Medienkonzept. Aber auch die waren natürlich
sehr schnell erstellt, ohne große Gremienarbeit
dahinter, ohne dass sich viele Menschen aus
verschiedenen Ebenen zusammengesetzt haben,
zumindest an den meisten Stellen. Ja, also ich
spreche jetzt etwas verallgemeinert. Natürlich
gibt es auch Schulen, die super unterwegs waren
und sich total viele Gedanken gemacht haben,
aber eben nicht im Ganzen, also nicht der
Großteil. Und nur die Geräte anzuschaffen,
schafft noch lange, lange, lange keine digitale
Bildung.
Welche falsche Entscheidungen haben dann Schulen
getroffen, deine Meinung nach, und wie kann man
da wieder raus?
Also meiner Meinung nach haben Schulen sich für
Systeme entschieden, die nicht digital souverän
sind, weil sie schnell zur Verfügung standen.
Das sind die ganzen Geräte und Plattformen der
Big Player. Das sind die großen
Big-Tech-Unternehmen, Microsoft, Apple, ganz
vorne voran. Und das Problem ist, dass an dieser
Stelle eben Fahrtabhängigkeiten entstehen. Ganz
große Fahrtabhängigkeiten in der Ausstattung und
allem, was dann danach erfolgt.
Die Möglichkeiten, in ein anderes System zu
wechseln, sind im Schulsystem einfach nicht so
gegeben. Die Schulen, die Mühlen an Schulen
mahlen wirklich sehr langsam. Das heißt also
jetzt eine Entscheidung, die vor fünf, sechs
Jahren während der Corona-Pandemie getroffen
wurde,
kann jetzt immer noch nicht, auch fünf, sechs
Jahre später, immer noch nicht wieder
ausgebügelt werden. Das wird noch, ich weiß es
nicht, das ist so eine persönliche Prognose,
noch mal fünf bis zehn Jahre dauern, bis sich
überhaupt irgendwas bewegt an der Stelle,
einfach weil bürokratische Prozesse dazwischen
stehen, weil viele Personen und viele
Entscheidungsträger:innen miteinander
interagieren müssen.
Sie müssen sich austauschen, sie müssen sich
gemeinsam auf einen Weg machen. Und dass wir in
Deutschland ein Bildungssystem haben, das von
den Ländern getragen wird, also
länderspezifische Bildungssysteme, macht das
Ganze natürlich unheimlich kompliziert, fürs
ganze Land eine gemeinsame Lösung zu finden.
Dadurch, dass eben auf Geräte und Programme
gesetzt wurde, die proprietär sind, also
geschlossen, nicht von außen einsehbar im
Gegensatz zu Open Source Programmen,
haben sich ja eben diese Log-in-Effekte
eingestellt, die auch die Nutzer:innen an dieses
System binden. Das heißt, selbst wenn sie Lust
dazu hätten, die Zeit dazu hätten, die Energie
dazu hätten, sich auf einen guten Weg zu machen
und sich von diesen Plattformen zu lösen,
landeseigene Programme zu nutzen oder einfach
freie Software zu nutzen, selbst dann ist es
schwierig, dahin zu wechseln. Einfach, weil es
Kompatibilitätsprobleme gibt, die Kostenstruktur
ist der absolute Wahnsinn. Man muss sich
wirklich alles neu anlernen.
Das heißt, die Lehrkräfte müssen neu geschult
werden, einfach nur, weil nicht von vornherein
mitbedacht wurde, eine allgemeine und
grundlegende Medienkompetenz auch bei
Lehrkräften und Schulleitungen zu schaffen, den
Umgang mit digitalen Geräten, sondern zugespitzt
auf ein ganz bestimmtes System.
Und das macht es dann schwierig, davon wieder
loszukommen.
Sollen wir lieber sein lassen oder gibt es
realistische Schritte, die gemacht werden
können?
Natürlich sollte nicht die Digitalisierung sein
gelassen werden, ist ja klar. Also die ganze
Welt digitalisiert sich und natürlich muss das
Bildungssystem mitziehen. Nein, es geht aber
darum, mit Köpfchen daran zu gehen, mit einem
Konzept daran zu gehen, sich zu überlegen, muss
wirklich alles immer digitalisiert werden oder
sind unsere analogen Lösungen an manchen Stellen
auch noch völlig in Ordnung? Es muss natürlich
ein Backup-Plan sozusagen gestellt werden.
Sollten wir mal wieder eine Pandemie haben,
sollte es mal wieder absolut notwendig sein,
Fernunterricht und digitale Bildung oder
digitalen Unterricht machen zu müssen, dann muss
es natürlich eine Möglichkeit geben, auf die man
dann kurzfristig zurückgreifen kann. Trotzdem
stellt sich die Frage, muss im Bildungsalltag,
im Schulalltag immer alles digitalisiert werden
und wenn ja, oder wenn man das einfach gerne
möchte?
Dann muss man sich überlegen, welche Wege man
wählt, welche Programme, welche Geräte. Und da
kann es dann zum Beispiel helfen, um nicht in
solche Abhängigkeiten von großen Anbietern zu
fallen, die dann eben günstige Angebote auch
machen, dass man generell mit freien Formaten
arbeitet, mit freien Inhalten. Dass man also
Inhalte erstellt, die nicht nur auf einer
Plattform funktionieren, sondern offene Formate
haben. Dass dieses ganze Material, das für den
Unterricht genutzt wird, eben auf verschiedenen
Plattformen auch eingesetzt werden kann, und man
nicht am Ende an eine gebunden ist.
Und was ganz wichtig ist, um irgendwie den Fuß
zu fassen in dieser Digitalisierung von Schulen,
ist, dass IT-Kräfte eingesetzt werden. Das ist
ein massives Problem.
Bevor wir dahingehen, das ist ein ganz wichtiger
Punkt, möchte ich klären, wenn du von freien
Formaten sprichst, sprichst du von Open Source
Software zum Beispiel oder Open Educational
Resources, bin ich richtig? Genau, das ist auf
der Seite der Software, spreche ich genau davon,
von freier Software und bei dem Material von
Open Educational Resources. Und da eben auch
diese Formate, also dass man zum Beispiel nicht
die Microsoft Office Doc Version benutzt,
sondern dass man beispielsweise LibreOffice
einsetzt, also eine freie Software, mit dem ein
freies Format erzeugt wird und das sich dann in
andere Formate, in andere Plattformen einfügen
lässt, damit man da an der Stelle dann nicht
wieder zu …
Kompatibilitätsproblemen kommt, dadurch dass
dann eben eine Doc-Datei, nur weil sie von
Microsoft ist, woanders nicht richtig geöffnet
werden kann oder sich das ganze Format dann
wieder zerschießt. Und das sollte man von Anfang
an mitdenken.
Genau, weil du gesagt hast, einmal, dass man
sich dran gewohnt an ein bestimmtes Angebot, ist
es schwierig den Weg zu ändern. Und das möchte
ich, weil es klingt tragisch und ist es auch,
sicherlich, aber es gibt auch Ways Out, also
Wege, die man tatsächlich wieder oder neu zu
einem nachhaltigeren Weg führen. Ich bin so ein
Optimist und ich denke, wenn Leute das wirklich
wollen, schaffen sie das auch, aber oft fehlt
wirklich an diese Orientierung, welche sind die
Schritte, die ich brauche, welche sind die
Schritte, die gemacht werden können, deswegen
wäre es total hilfreich, denke ich, wenn du was
dazu sagen könntest.
Ja, ich bin an der Stelle auch relativ
optimistisch, ich glaube einfach nur, dass es
noch etwas länger dauert. Es ist nichts, was wir
über Nacht erreichen werden, es wird auch nichts
sein, was wir nächsten Monat oder nächstes Jahr
erreichen werden. Aber grundsätzlich denke ich
auch, alle haben die Möglichkeit, wenn sie sich
jetzt auf den Weg machen und auch ihre Kräfte
zusammen bündeln in der Sache,
sich schlau machen, sich informieren, dass man
noch umlenken kann. Man kann immer umlenken.
Und eine Möglichkeit, um überhaupt eine Basis
dafür zu schaffen, ist, Programme auszuwählen,
wo zum Beispiel die Datenoperabilität
sichergestellt ist, sodass Daten später auch
exportiert werden können und in andere Programme
eingespeist werden können. Weil wenn man etwas
wechseln möchte, dann fragt man sich immer, ja,
und was machen wir jetzt mit den Daten, die da
drin sind? Da sind doch unsere ganzen
Lehrmaterialien drin, da sind doch die ganzen
Daten der Schülerinnen und Schüler drin. Wie
kriegen wir das denn jetzt in das andere System?
Also, wenn man das von Anfang an mitdenkt, dann
ist eben später ein Wechsel auch einfacher. Dann
sollte natürlich Kompetenz im gesamten System
aufgebaut werden. Also...
man braucht IT-Kräfte und man braucht regionale
Support-Strukturen, dass man sich eben nicht
erst mal, dass man nicht in den USA anrufen
muss, weil man ein Software-Problem hat, sondern
dass eben vielleicht zwei Orte weiter oder
meinetwegen drei Orte weiter oder eben mit einer
deutschen Telefon-Hotline, die schnell reagiert,
verschiedene Probleme auch lösen kann und die
Lehrkräfte müssen systematisch fortgebildet
werden und nicht angepasst auf ein Produkt, dass
sie nur mit Apple-Geräten umgehen können, dass
sie nur mit Microsoft umgehen können, sondern
ganz grundlegende digitale Kompetenzen müssen
aufgebaut werden. Und auch das kann natürlich
nicht über Nacht entstehen. Das muss
wiederkehrend passieren.
So muss aber die ganze Fläche an Lehrkräften
fortgebildet werden und da darf dann aber auch
nicht so etwas zählen wie, ach ich bin jetzt
kurz vor der Rente, für mich lohnt sich das
nicht mehr.
Das kann dann nicht sein, es muss dann wirklich
an alle herangetragen werden und digitale
Bildung muss von allen in diesem System
unterstützt werden. Ein weiterer Punkt ist eben,
Geräte gehen ja auch kaputt und alle paar Jahre
müssen neue Geräte angeschafft werden. Das ist
jetzt auch schon der Fall, manchmal viel zu
früh, sodass das Ganze überhaupt gar nicht
nachhaltig ist, beispielsweise weil
Betriebssysteme veralten und Geräte, diese nicht
mehr auffangen können. Aber bei jedem
Gerätezyklus, den man dann hat und das passiert
alle paar Jahre, muss man ernsthaft über einen
Wechsel nachdenken.
Und dann sollte man nicht überrascht sein in dem
Moment, ach, jetzt werden unsere Geräte bald
wieder alt, jetzt fangen wir an, darüber
nachzudenken, wie wir vielleicht die Geräte
wechseln können, sondern das muss vorher
passieren. Denn im Schulalltag ist es einfach
so, dass man plötzlich keine Zeit hat. Das
passiert dann alles wieder ganz plötzlich, so
wie jedes Jahr ganz plötzlich Weihnachten vor
der Tür steht, am 23.12. Große Überraschung. Und
genauso ist das mit den Geräten. Die veralten,
das weiß man, dass das irgendwann der Fall sein
wird und da muss man vorbereitet sein und schon
zumindest Überlegungen gemacht haben, was man
denn stattdessen vielleicht nutzen kann und
möchte.
Und jetzt kommen wir darüber, du schon vorhin
kurz gesprochen hast, eine Schule ist
organisatorisch oft größer als viele
Unternehmen, hat aber selten eine echte
IT-Abteilung.
Wo bricht dieses Modell in der Praxis am meisten
und welche Formen von Unterstützung gibt es?
Nicht zuletzt, wenn Schulen tatsächlich den Weg
der freien Quellen und offenen Software gehen.
Du hast gesagt, man muss dran denken, man muss
Strukturen haben, man muss Kompetenzen haben.
Aber es gibt aber keine IT-Abteilung. Du hast
jetzt die Idee angegeben von einer Hotline oder
anderen Formen des Support. Welche sind die zum
Beispiel?
Möchte man eine IT-Abteilung wirklich für eine
Schule? Möchte man für einen ganzen Träger?
Möchte man für eine ganze Stadt, für ein ganzes
Bundesland? Also da gibt es, gut Bundesland wäre
jetzt schon wieder zu hoch, aber da gibt es
jetzt erstmal verschiedene Abstufungen für die
interne IT. Und dann gäbe es aber die
Möglichkeit, auf externen Support
zurückzugreifen. Und das ist natürlich eine
Kosten-Nutzen-Frage, weil externer Support
kostet, aber interne IT-Administratorinnen
kosten auch.
Ganz persönlich bin ich der Meinung, dass
Schulen sich eine interne IT-Abteilung aufbauen
sollten, denn sie haben nun mal ganz viele
Schülerinnen und Schüler und dementsprechend
viele Geräte, die betreut werden müssen. Das
kann mit einer externen Supportfirma nicht so
gut funktionieren, wie das intern ist. Dann
werden Probleme aus der Ferne gelöst, es wird
Fernwartung gemacht und so weiter. Da ist es
viel einfacher, wenn jemand auch mal
vorbeikommen kann oder eben auch für einen
kleineren Bereich, zum Beispiel nur für eine
Schule, zuständig ist. Das muss man sich erstmal
überlegen, wie möchte man das gestalten. Aber
wenn es darum geht, auch freie Software
aufzusetzen, das ist ja die kostengünstigste
Variante, wenn man die selber aufsetzt, dann
zahlt man vielleicht Hostinggebühren, kann sich
aber selber darum kümmern. Dann braucht man auf
jeden Fall die interne IT.
Wenn man sich dafür entscheidet, Software zu
nutzen, die woanders gehostet wird, dann kann
man natürlich auch über externe Support-Verträge
versuchen, das Ganze zu lösen. Mein Favorit wäre
immer, die interne IT aufzubauen.
Bei der Beratung, die Sie uns gegeben hatten,
fand ich faszinierend das Beispiel von einem
Netzwerk, eigentlich von Lehrkräften, die sich
auch gegenseitig unterstützen. Also motivierte
Menschen, die schauen, inwiefern sie
nachhaltige, offene Lösungen für ihre Schule
entwickeln und da auf eine Plattform einfach in
Kontakt kommen und sich gegenseitig
unterstützen. Mögen Sie was dazu sagen?
Ja, wovon Sie sprechen, ist das Netzwerk Freie
Schulsoftware. Da werden viele verschiedene
Programme, freie Programme für Schulen
aufgelistet, welche Möglichkeiten es gibt,
verschiedene Tools für verschiedene Funktionen.
Und da sind jeweils Personen angegeben, die
diese Tools bereits in Schulen nutzen und auch
bereit wären, Hilfestellung zu leisten.
Und das ist ein großes Netzwerk geworden mit
über 1000 Eintragungen von Lehrkräften, die da
mitmachen und sagen, hey, wenn jemand eine Frage
hat und sich nicht sicher ist, sollen wir
beispielsweise das Video-Konferenz-Tool
BigBlueButton an der Schule einsetzen, statt
Zoom oder Microsoft Teams, nur als ein kleines
Beispiel. Dann kann man sich eben an eine Reihe
von Personen wenden und mal fragen, wie läuft
das denn eigentlich bei euch an der Schule? Habt
ihr damit Probleme? Was kostet das bei euch? Wer
wartet das bei euch? Und da kann man sich dann
einen kleinen Eindruck verschaffen.
Die Personen, die da mitmachen und mithelfen,
die haben auch alle angegeben, an welcher Schule
sie sind oder in welchem Ort, in welchem
Bundesland sie sind und das kann bei der
Orientierung auch helfen. Das heißt also, wer
sich da Unterstützung sucht, sollte natürlich am
besten erstmal gucken, ist da jemand aus meinem
Bundesland oder jemand bei mir in der Region,
der das vielleicht schon einsetzt und
dementsprechend auch mit den Bestimmungen vor
Ort ein bisschen besser vertraut ist. Aber auch
wenn es um ganz allgemeine Fragen geht, zum
Beispiel, wie funktioniert diese Software,
dieses Programm, wofür kann ich es einsetzen, wo
gibt es Fallstricke, was funktioniert besonders
gut damit, dann kann man sich natürlich an
Menschen aus dem ganzen Land wenden. Denn diese
Funktionen unterscheiden sich ja erstmal
grundsätzlich nicht.
Und so ist eben ein Netzwerk entstanden, dass,
ja, wo Lehrkräfte anderen Lehrkräften helfen
können, was eine ganz wundervolle Sache ist. Die
Entscheidung, welche Software eingesetzt werden
soll, liegt ja aber nicht bei den Lehrkräften.
Die liegt bei den Schulleitungen und bei den
Schulträgern oder beim Land, da gibt es eben
verschiedene Abstufungen. Aber auch die haben
natürlich die Möglichkeit, sich bei Lehrkräften
zu informieren und mal nachzufragen, ihr benutzt
das doch schon.
Was gibt es da zu beachten? Was ist da besonders
gut oder schlecht dran? Es müssen ja nicht nur
Lehrkräfte anderen Lehrkräften helfen. Es dürfen
ja auch Schulleitungen, diese Nummern wählen und
diese Person per E-Mail kontaktieren.
Ja super, das fand ich wichtig, das
anzusprechen, weil es immer wichtig ist, wenn
Menschen sich gegenseitig unterstützen mit ihrer
eigenen Expertise. Und in die Richtung geht es
aber auch in dem Medienkonzept, denke ich.
Zumindest in meinem Vision davon. Also viele
Länder verlangen ein Medienkonzept und was ist
der Sinn dahinter und wie macht man daraus ein
echtes Gemeinschaftsprojekt statt so eine
PDF-Datei für die Schublade?
Also der Sinn eines Medienkonzepts ist ganz
klar, dass man didaktisch herantritt an digitale
Bildung. Dass man also in dieses Medienkonzept
nicht nur reinschreibt, welche Geräte möchten
wir nutzen, sondern wofür nutzen wir sie, wie
evaluieren wir das Ganze, wie stellen wir
sicher,
dass digitale Bildung gewährleistet wird. Wie
stellen wir sicher, dass Datensicherheit
gewährleistet wird? All solche Überlegungen
gehören in ein Medienkonzept rein. Und auch die
Überlegungen, wie gehen wir weiter damit um.
Also gerade wenn Sie sagen, es soll kein PDF für
die Schublade werden, kein Dokument für die
Schublade, dann muss man sich überlegen, wie man
das im besten im Jahresrhythmus wieder angeht
und auch mal guckt ganz ehrlich, was ist denn
nicht so gut gelaufen, was müssen wir vielleicht
optimieren.
Und das ist aber auch die Herausforderung, denn
diese Medienkonzepte werden ja im Optimalfall
von verschiedenen Stellen erstellt, das heißt
die Schulleitung arbeitet mit daran, es arbeiten
Lehrkräfte mit daran, vielleicht auch externe
Beraterinnen und Berater. Also da sollten so
viele interdisziplinäre Menschen wie möglich
zusammenkommen, um aus verschiedenen
Perspektiven eben zu gucken,
wie der Einsatz von Medien an Schulen gestaltet
werden kann. So, jetzt ist es aber, wenn man
beispielsweise festlegt, dass man das einmal im
Jahr sich anschaut, dann ist natürlich die
Motivation auch nicht so groß, tatsächlich
Fehler zu finden. Oder zu sagen, das hat nicht
gut geklappt.
Weil dann ist man ja selber wieder in
Verantwortung, die ausbügeln zu müssen, sich was
Neues zu überlegen, wieder neue Gesetze zu
recherchieren, neue Bedingungen.
Vielleicht muss man sogar irgendwie das ganze
Einwilligungssystem, das an der Schule besteht,
neu machen. Das kann ja passieren. Das kann ja
eben bei dieser Testung, jährlichen Testung,
rauskommen, dass es da eben Schwierigkeiten
gibt.
Und dann ist man natürlich auch zu geneigt zu
sagen, hey, wir gucken uns dieses Medienkonzept
an, gucken mal, wie es funktioniert hat und
sagen, ja, passt schon. So, das heißt also, wenn
man wirklich ein gutes Medienkonzept als
Gemeinschaftsprojekt haben will, dann braucht
man eben die verschiedenen Menschen, die auch
kritisch darauf gucken, die von außen darauf
gucken und die sich eben nicht davor scheuen zu
sagen, nee, das, was wir hier letztes Jahr
erstellt haben, das war wirklich nicht gut und
wir machen das jetzt nochmal neu, diese
Bereitschaft muss eben da sein. Und da hilft es
auch sehr, auf externe Expert:innen
zurückzugreifen, die eben diese Sicht von außen
auch haben und mal sagen können, hier ist
beispielsweise noch Nachbesserungsbedarf.
Und dann ist besonders, finde ich, wichtig, dass
einerseits Datenschutz, andererseits Pädagogik,
aber auch Verwaltung irgendwie zusammenpassen.
Und deswegen ist die Frage, ob Sie dazu
Anregungen haben.
Also erst mal sind diese Dinge wirklich sehr
getrennt voneinander zu betrachten und dann
wiederum auch gemeinsam. Also um das mal zu
erklären, die Verwaltung, die ist erstmal
losgelöst von dem, was im Unterricht genutzt
wird. Wenn sich die Schule in der Verwaltung
digitalisieren möchte, dann hat das erstmal
nichts mit den Tools im Unterricht zu tun. Ist
aber beides genau gleich wichtig.
Im Unterricht ist es dann sehr wichtig, auch den
Schülerinnen und Schülern zu erklären, warum man
Programme nutzt, wie man sie nutzt. Dass man
also Medienkompetenz, digitale Bildung,
Datenschutzsensibilität, dass man das alles zum
Thema macht mit Jugendlichen, dass man das auch
ins Curriculum mit einbaut.
Da gibt es schon Ansätze, beispielsweise in NRW
haben wir auch den Medienkompetenzrahmen NRW,
der eine Vorgabe gibt, welche digitalen
Kompetenzen in welchem Bereich vermittelt werden
müssen oder wie sie auseinandergenommen werden
können und aus diesem Bereich Medienkompetenz
wieder in kleine Begrifflichkeiten zerlegt
werden kann, sodass man kleine Häppchen in den
Unterricht einbauen kann. Sowas muss dann eben
zwingend passieren und sowas muss auch in einem
Medienkonzept mitgedacht werden und die
Verwaltung, wie gesagt, muss aber losgelöst
betrachtet werden. Trotzdem genauso wichtig,
weil da landen ja die ganzen, auch ganz viele
Daten der Schülerinnen und Schüler und
demografische Daten und alles Mögliche.
Das sind aber wieder andere Personen, die sich
damit befassen müssen.
Und jetzt war Thema Datenschutz und das ist so
einer der wichtigen Gründe, warum man nicht
unbedingt zu proprietäre Software gehen sollte
und dass heutzutage es wird immer mehr Menschen
offensichtlich, wie wichtig das ist, dass man
Kontrolle über die eigenen Daten hat bzw.
zumindest sicher damit umgegangen ist und das
also auch gewisse Regelungen respektiert werden.
Aber trotzdem im Alltag viele erleben
Datenschutz als Hürde, ist es auch. Regeln
wirken auch je nach Bundesland unterschiedlich
und ändern sich gefühlt ständig und das ist auch
eine weitere Herausforderung. Aber deswegen
finde ich total wichtig mal wieder
reinzuschauen, warum ist Datenschutz in
Unterricht trotzdem zentral.
Es ist sehr zentral, Datenschutz zu vermitteln
und dafür zu sensibilisieren, weil man sich vor
Augen halten muss, dass nichts mehr weniger
digital wird in Zukunft. Es wird alles immer
digitaler und Daten sind eben ein Währungsmittel
geworden, schon längst. Und das wird nur immer
intensiver.
Das heißt also, das ist eine Ebene, die man
bedenken muss, was kann eigentlich, also was
sind meine Daten wert, einmal monetär gesehen,
aber auch auf ethischer Weise, was kann
eigentlich über mich erfahren werden durch die
kleinen Daten, die ich hier und da und dort
angebe? Wie kann das zu einem Gesamtbild
zusammengefügt werden und wie können diese Daten
missbraucht werden? Und deswegen ist es auch für
viele wenig greifbar, weil wenn Daten
missbraucht werden oder wenn ich jetzt Daten
irgendwo angebe, dann passiert mir in diesem
Moment noch nichts. Ich habe dadurch jetzt in
diesem Moment noch keinen Schaden.
Aber es ist eben wichtig zu vermitteln, welche
Schäden dadurch passieren können, wo diese Daten
hinfließen können, was damit gemacht werden
kann. Und das ist etwas, das von klein auf
vermittelt werden muss, nicht nur den
Schülerinnen und Schülern, sondern auch den
Lehrkräften, den Schulleitungen, damit einfach
ein Bewusstsein dafür entsteht, wo digitale
Souveränität anfängt und wie wichtig das eben
ist.
Und da sehe ich aber auch ganz klar die Politik
in der Verantwortung, einfach digital souveräne
Systeme mehr zu pushen, mehr auf den Weg zu
bringen, mehr sichtbarer zu machen, damit man
sich später gar nicht mehr die Frage stellen
muss, möchte ich das, sondern die Frage nur
noch, wie setzen wir das um?
Ja und wie setzen wir das so um, dass es auch
tatsächlich im Alltag möglich ist und leicht
gemacht wird? Daher auch würde ich meine Frage
anschließen, was sind Ihre top drei Tipps, damit
Schulen datenschutzkonforme Tools finden und
einsetzen können?
Das wichtigste ist nach Funktionen zu gucken.
Also es gibt zum Beispiel keine, ich könnte
jetzt keine Tools empfehlen, keine top drei
Tools, denn die Frage ist, was braucht die
Schule? Worum geht es? Wollen die miteinander
kommunizieren? Wollen die miteinander zusammen
schreiben? Wollen die miteinander sprechen?
Wollen die sich sehen können? Wollen die Dateien
austauschen? Da muss einfach erstmal die
Funktion geklärt werden. Es müssen erst
pädagogische Ziele festgelegt werden, dann kommt
die Funktion und dann kommt das Tool sozusagen.
Und wichtig ist auch, wenn man sich dann für ein
Programm festgelegt hat, entschieden hat, das
Ganze in den Systemeinstellungen auch
mitzutragen. Also da auch
Datenschutzeinstellungen vorzunehmen und diese
immer wieder zu evaluieren. Denn es kann mal
sein, dass ein Häkchen gefehlt hat. Und schon
hat man vielleicht das allerbeste Tool sich
ausgesucht. Aber wenn man da eben erlaubt, die
Daten der Schüler:innen für KI-Training zu
verwenden, jetzt nur ein Beispiel, dann verliert
man wieder die Kontrolle darüber. Und genau
solche Einstellungsmöglichkeiten sind oft sehr
tief versteckt in den Systemen.
Das heißt, man muss mit diesem Bewusstsein daran
gehen, dass eben die Systeme und die Programme
nicht immer bestmöglich eingestellt sind,
sondern dass man da selber noch Hand anlegen
muss. Also die Tipps sind eigentlich Didaktik
vor Technik.
Man sollte geprüfte Plattformen verwenden, die
schon von Expert:innen angeschaut wurden und auf
europäischen Servern sind und eben DSGVO-konform
sind und all diese Aspekte und Privacy by
Default. Also die Privatsphäre-Einstellung
möglichst datensparsam einstellen.
Und das Gute auch hier, dass es auch so
Plattformen gibt, die solche Tools zum Beispiel
empfehlen. Ich weiß nicht, ob Sie dazu
auch was sagen wollen? Ja, es gibt eigentlich
für jede proprietäre Software ein entsprechendes
freies Tool. Es gibt eine Internetseite, die
heißt FindMyTool. Da können sich Lehrkräfte
umsehen. Es gibt das Netzwerk Freie
Schulsoftware, das damals von Digitalcourage
gegründet wurde. Da kann man sich umsehen, weil
einfach eine große Liste an Möglichkeiten dort
schon gegeben ist.
Und es gibt auch, die ist allerdings
englischsprachig, beispielsweise die Website
switching.software, wo man auch für alle
möglichen proprietären Programme eine
entsprechend freie Alternative findet. Und es
gibt immer wieder kleinere Sammlungen auch im
Netz, wo solche Listen zur Verfügung gestellt
werden. Aber das sind so die drei Größten, die
mir im Moment einfallen, wo man mal gucken kann,
was gibt es da eigentlich an Bandbreite.
Super, die tun wir in den Show Notes. Dann würde
ich jetzt langsam zum Schluss kommen
und daher hier die Bitte: Wenn Sie drei konkrete
Wünsche frei hätten, was sollten Lehrkräfte
beziehungsweise Schulleitungen beziehungsweise
Politik oder auch Schulträger ab morgen anders
machen, damit digitale Bildung
datenschutzfreundlich und nachhaltig gelingt.
Ja, es ist erst mal eine große Frage. Ja,
Lehrkräfte, Schulleitung und Politik. Also, ich
würde sagen, Lehrkräfte sollten sich sofort ab
morgen ernsthaft mit dem Thema Datenschutz
beschäftigen.
Denn sie sind diejenigen, die am Ende mit den
Schülerinnen und Schülern arbeiten, die mit
diesen Programmen auch zusammenarbeiten und mit
ernsthaft beschäftigen, meine ich, mindestens
mal eine Wochenendfortbildung dazu zu machen.
Einfach eine Einführung ins Thema Datenschutz,
um mal die grundlegenden Vor- und Nachteile, die
grundlegenden Gesetze einmal gebündelt
mitzukriegen. Dass man einfach weiß, woran man
ist, worüber man spricht, was die Basis ist,
warum wir das Ganze tun.
Um das auch zu entschärfen, weil so kompliziert
ist Datenschutz eigentlich gar nicht, wenn man
sich wirklich auf die Basics beruft. Wenn man
wirklich im Hinterkopf hat, es geht um die
informationelle Selbstbestimmung, es geht um den
Schutz der eigenen Daten, warum machen wir das
Ganze, dann sind die ganzen Bestimmungen, die
ganzen Gesetze, die dahinter als Rattenschwanz
kommen, gar nicht mehr so kompliziert. Wenn man
einfach guckt, worum geht es eigentlich im Kern.
Also das sollten Lehrkräfte ab morgen einmal
tun.
Das wäre so mein Wunsch. Bei Schulleitungen wäre
wichtig, IT-Abteilungen einzurichten. Oder
Menschen mit IT-Aufgaben zu betreuen, aber im
professionellen Rahmen, also dass nicht
Lehrkräfte nebenbei sich auch noch um die IT
kümmern müssen, dazu haben die gar keine Zeit.
Es gibt so viele Herausforderungen im
Schulsystem, so viele Themen, die bearbeitet
werden müssen,
auch ganz andere gesellschaftliche
Herausforderungen und strukturelle
Herausforderungen, die das Schulsystem treffen.
Also da sollten Schulleitungen eben versuchen,
auch die einzelnen Lehrkräfte und sich selbst
damit zu entlasten, indem sie professionelle
Leute einstellen. Das heißt, da wäre die Aufgabe
zu gucken, wo kriegt man die Gelder her und wie
kann man das einmitten. Das ist auch natürlich
bei jeder Schule und in jedem Bundesland ganz
anders. Aber da muss man sich auf den Weg machen
und das mal eruieren. Und an die Politik hätte
ich den Wunsch, digitale Souveränität
voranzubringen, sich von den großen Plattformen
zu lösen, eigene Konzepte zu entwickeln, eigene
freie Software zu entwickeln.
Das wird schon anvisiert. Es ist nicht so, dass
wir da bei null sind. Aber es fehlt noch ein
bisschen der Nachdruck und ich finde es
tatsächlich ein wenig unglaubwürdig, wenn
Politikerinnen und Politiker sagen, sie
pushen digitale Souveränität, sie wollen freie
Software voranbringen, aber dann wiederum mit
Microsoft beispielsweise die großen gigantischen
Verträge und Deals abschließen. Da fehlt einfach
ein bisschen die Glaubwürdigkeit und da müsste
mehr in Richtung Unabhängigkeit, Unabhängigkeit
von den digitalen Monopolen passieren. Aus ganz
verschiedenen Gründen.
Das betrifft nicht nur die digitale Bildung, das
betrifft ja die gesamte Wirtschaft, die gesamte
Globalisierung. Also da ist noch viel zu tun.
Also der Wunsch an die Politik, sich da besser
auf den Weg zu machen und vor allem ehrlicher,
authentischer auf den Weg zu machen, als es
bisher der Fall ist.
Ja, besten Dank. Deswegen fand ich wichtig, so
ein Podcast-Episode zu dem Thema zu machen. Ich
denke, Sie haben wunderbar gezeigt, wie wichtig
das ist und wie die verschiedenen Akteur:innen
in den verschiedenen Positionen handeln können.
Daher einen herzlichen Dank an Sie, Jessica
Wawrzyniak, dafür, dass Sie da waren.
Ich bedanke mich auch.
Und vielen Dank auch an alle Zuhörenden. Gerne
können Sie sich auch die Educasts anschauen,
sowie die interaktiven Lerneinheiten. Diese sind
auf der EU-E-Learning-Plattform KIDS4ALLL
zugänglich. Wenn Sie mehr über ReDICo erfahren
möchten, besuchen Sie gerne unsere Webseite
redico.eu oder folgen Sie uns auf YouTube,
LinkedIn, Blue Sky oder Mastodon. Eine weitere
Möglichkeit der Vernetzung stellt das ReDICo
Hub, die Plattform für alle, die sich für die
Themen unseres Podcasts sowie daran angrenzende
Themen interessieren. Natürlich eine
nicht-proprietäre
Plattform, sondern öffentlich finanziert. Ich
bedanke mich also bei allen und ich wünsche
Ihnen einen schönen Tag oder Abend noch.