Sprache. Macht. Geschlecht.

Verena Hofstätter & Jessica Albrecht

Das Wörtchen "queer"

oder: Was uns die Geschichte des Wortes queer über den Zustand unserer Welt verrät

13.08.2025 75 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge geht es um die Geschichte des Begriffs „queer“ – von seiner abwertenden Bedeutung im 19. Jahrhundert bis zur Umdeutung im Aktivismus der 1980er Jahre. Jessica und Verena diskutieren Judith Butlers Theorie der Performativität und Zitation und beleuchten die koloniale Geschichte von „queer“. Ein Highlight ist die Umdeutung zu „cuír“ in Südamerika als Zeichen der Veränderung durch Übersetzung. Ein spannender Blick auf die vielen Facetten von „queer“.

In dieser Folge sprechen Jessica und Verena über die Geschichte des Begriffs „queer“ und die Herausforderungen dessen Übersetzung. „Queer“ - seit dem 19. Jahrhundert als Abwertung für nicht-heterosexuelle Menschen genutzt - wurde es seit den 1980er Jahren im Aktivismus umgedeutet. Außerdem wird diesmal noch einmal explizit über Judith Butlers Theorie der Performativität und der Zitation gesprochen.

Besonderes Highlight der Folge und für viele Zuhörende vielleicht unbekannt ist die koloniale Geschichte von „queer“, die immer auch mit eigenen Ausschlüssen versehen ist und deshalb auch manchmal zu Ablehnung in postkolonialen Kontexten führt.

Außerdem schauen wir uns an, was im südamerikanischen Kontext aus “queer” geworden ist: nämlich “cuír” - als Zeichen der Veränderung durch Übersetzung.

Alles in allem geht es in dieser Folge um so vieles, was wir schon in vorherigen Folgen besprochen haben - nur eben anhand des Wörtchens “queer”.

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Jessica:

Verena:

Transkript

Jetzt kommt endlich der Punkt, auf den wir so lange gewartet haben. Wir dürfen nochmal ausführlich über Dude's Butler sprechen. Dass das Wort Queer eben nicht nur eine Bedeutung hat. Es will nicht eine Perspektive sein, sondern eben eine bestimmte Haltung des Störens und des Unklarmachens. Das Wort Queer ist nicht nur eine Identität, sondern vielmehr eine Haltung und hat sehr viel mit Systemkritik zu tun. Jemanden fremd zu bezeichnen, das immer finde ich problematisch. Verena, ich glaube, wir sollten demnächst später anfangen mit dem Aufnehmen. Oder wir etablieren einfach diese Praxis der akademischen Viertelstunde und dann passt es auch wieder. Ja, das ist gar keine so schlechte Idee. Für alle, die zuhören, wir treffen uns um Punkt 8 Uhr und wir haben es noch nie geschafft, uns um Punkt 8 Uhr zu treffen. Na, wir treffen uns um Punkt 8 Uhr. Das steht so im Kalender. Das ist vollkommen richtig, also kann es gar nicht anders sein. Aber es kommt halt immer irgendwas dazwischen. Also es ist schon sehr praktisch. Ich weiß nicht, gibt es das bei dir auch? Also bei uns gab es das damals noch. Also wir hatten sehr, sehr viele Lehrveranstaltungen, die immer später angefangen haben. Doch, also total. Ich finde es total witzig. Ich bin ja hier in einem internationalen Kontext und es sind ja trotzdem die CT, also KUM Tempore. Also mit der Viertelstunde und die Leute, die aus dem Ausland kommen, sind die ersten drei Wochen einfach nur verwirrt. Ja, ja. Das kann ich mir vorstellen. Aber ich war auch verwirrt, weil dadurch, dass ich ja zwei Studien gemacht habe, parallel, und ich auch immer meine Stundenpläne quasi aufeinander abstimmen habe müssen. Und die Sprachwissenschaft hat das wirklich so gemacht. Also die hat quasi 9 Uhr angegeben, aber es war vor 9.15 Uhr niemand da. Und die Romanistik hat das aber nicht mehr so gemacht, beziehungsweise schon, aber die hat dann gleich 9.15 Uhr ins Vorlesungsverzeichnis geschrieben. Also es, ja genau. Und dann war ich immer total, also dann war ich auch nicht sicher, okay, bedeutet das jetzt? Ja, also ich bin immer, also ich bin oft zu spät gekommen. Ich bin oft auch zu spät gekommen oder einfach viel zu früh im Lehrsaal gesessen. Oh Mann. Ziemlich viel Zeitverschwendung, so ein Studium. Das Zitat darf man nicht aus dem Kontext reißen. Nope. Okay, jetzt wissen zumindest alle, wie früh es bei uns noch ist und dass unsere Gehirne noch nicht ganz wach sind. Genau, entschuldigen. Also etwaige Missgeschicke und langsame Sätze, wenn wir denken müssen. Liegen an der Urteil. Genau, nur an der Urteil. Genau. All right. Apropos, wir werfen wieder mal das Gehirn an. Was haben wir letztes Mal besprochen? Das war deine Folge letztes Mal. Ja, gute Idee. Machen wir einen kurzen Recap. Letztes Mal ist es bei uns gegangen ums Übersetzen. Und zwar ums Übersetzen als politischer Praxis, haben wir da gesagt. Das heißt, wir haben ein bisschen so über die Unübersetzbarkeit unter Anführungszeichen bei der Reda gesprochen. Und dass das bei ihm aber eigentlich nur bedeutet, dass Übersetzen jetzt nicht Bedeutung reproduziert, sondern produziert. Also was Produktives ist. Und wir haben auch gesehen, dass Sprache immer auch vielstimmig ist. Das heißt, dass die Sprache, also die Begriffe, die Texte, die wir verwenden, immer auch in sich gespeichert haben, wie sie entstanden sind, wer sie wie, wo, warum und wann zuerst verwendet hat, in welchen Texten und Diskurstraditionen sie verwendet werden und so weiter. Und das haben wir dann auch an ein paar Beispielen uns noch angeschaut am französischen Justiz, haben wir das gemacht und am englischen Gender. Und wir haben dann am Schluss auch noch geredet über das Übersetzen in der Wissenschaft. Konkret, und da hast du uns dann noch ein bisschen was erzählt über feministische Perspektiven auf Übersetzung, die jetzt das Übersetzen als solidarische, verantwortliche, vor allem als emancipatorische Praxis sehen. Genau, also es war eine ziemlich lange Folge, wenn ich mich richtig erinnere. Und at this point, alle unsere Folgen sind lang. Ja, aber die war gar nicht extrem lang. Aber ich finde auch, es ist einfach eine gute Basis einfach für das, worüber wir heute sprechen werden, oder? Ja, total. Also ich finde sowieso, alle unsere Folgen ergeben sich total dynamisch, komisch. Und wir planen immer nur so eine Woche im Voraus, die Themen wollte ich immer anmerken. Also genau, es ist ein sehr, sehr dynamischer, lebendiger Auswahl an Themen. Ja, Auswahl und Austausch, ja. Und vielleicht ist das aber auch der Grund, warum es so gut funktioniert. Klop auf Holz, mal schauen. Wahrscheinlich. Genau, womit wollen wir denn heute anschließen? Ja, genau. Ja, genau, heute lassen wir nämlich, wie angekündigt, nicht nur, also ich nehme nicht nur Bezug auf letzte Woche, sondern irgendwie auch auf alles Mögliche, was wir in den letzten vier Folgen, genau, heute ist die fünfte, die vielleicht zu vier Folgen schon besprochen haben, und zwar anhand des Wörtchens Queer. Das Wörtchen Queer, das klingt ein bisschen, das klingt so niedlich. Ja, ne? Ich habe es extra so gesagt, weil irgendwie dieses Wort hat so viel Bedeutung und eigentlich ist es ja nur ein Wort mit fünf Buchstaben. Stimmt. Heute, heute mit fünf Buchstaben, genau. Richtig, genau, da kommen wir gleich dazu. Also, ich weiß nicht, wie viele Menschen das wissen, also Queer bedeutet ja heute sowas wie sexuell oder geschlechtlich nicht konform, aber da reden wir später nochmal drüber. Aber das ist ja eine sehr, sehr kurze Geschichte, seitdem dieses Wort diese Bedeutung hat und seitdem es auch in vielen verschiedenen und vielen Kontexten überhaupt positiv bewertet ist. Was für eine Geschichte von Queer hast du denn im Kopf? Im Kopf, ich habe einiges im Kopf, ich habe aber auch einiges nochmal nachgeschaut extra jetzt vor der Folge. Vor allem, was wirklich die Ursprünge vom Wort selber, Queer, angeht. Also, die sind nämlich nicht vollkommen, die sind nämlich nicht vollkommen geklärt. Also, es gibt Wörterbücher, zum Beispiel der Duden macht das, die gehen davon aus, dass das Wort mit dem heutigen deutschen Wort Queer verwandt sein könnte. Und dann wird das auch bedeuten, dass die eine gemeinsame indoeuropäische Wurzel haben. Also, das so viel bedeutet hat wie reiben eigentlich oder so ein bisschen so drehend reiben, irgendwie drehend durchbohren. Aber wie gesagt, das ist eine Theorie und nicht alle sind sich da einig. Das ist meistens so bei der Rekonstruktion von Sprachen oder früheren Sprachformen. Aber von dort würden dann eben auch andere Wörter kommen in anderen indoeuropäischen Sprachen, jetzt zum Beispiel im Lateinischen. Ja, Torquere heißt dort oder hat dort geheißen drehen. Oder im Griechischen haben wir auch Attraktos für Spindel zum Beispiel. Die kommen dann alle von derselben Wurzel. Es gibt aber auch Sprachen, wie zum Beispiel jetzt das Schwedische oder auch das Altenglische, wo das Wort mit der Bedeutung zornig auftaucht. Also, da haben wir schon ein bisschen eine Bedeutungsverschiebung hier drinnen. Und gerade das Englische, das ist dann auch für die weitere Entwicklung von Queer irgendwie, also diese Wortgeschichte im Englischen ist dann ganz relevant. Weil wir haben dann im Neuenglischen oder eigentlich schon im Frühneuenglischen, da wird Queer, also wirklich auch schon in dieser Form, Queer, mit den fünf Buchstaben, als Adjektiv zuerst, seit dem frühen 16. Jahrhundert eigentlich schon aufgezeichnet und hat dort eben lange Zeit einfach sowas geheißen wie seltsam, schräg, verrückt, eigentlich auch nur krank, also irgendwas, was aus der Norm fällt auf jeden Fall. Ja, und in manchen englischen Dialekten oder Sprachen, jetzt vor allem in Irland, in Schottland, da wird Queer im alltäglichen Sprachglaub auch bis heute noch in dieser ursprünglichen Bedeutung auch verwendet. Überall sonst allerdings kommt es dann im Laufe des 19. Jahrhunderts, also spätes 19. Jahrhundert, dann zu einem Bedeutungswandel. Ja, Queer wird dann zu einem Schimpfwort gegen schwule Männer oder allgemein eigentlich gegen alle, die irgendwie von der heterosexuellen Norm abweichen, aber hauptsächlich Männer. Das ist vielleicht ein Thema für eine eigene Folge, warum das so ist, warum sich das hauptsächlich auf Männer bezieht. Also ziemlich lange hatten wir da einfach eine sehr verletzende, sehr abweitende Bedeutung von Queer und dass das genau im 19. Jahrhundert stattfindet, ist sicherlich kein Zufall. Damals mit der Industrialisierung und mit dem Erstarken des Bürgertums, damals hat sich eben auch eine normative Ordnung von Geschlecht und Sexualität durchgesetzt, die auf Zweigeschlechtlichkeit beruht hat. Die hat auf Heterosexualität beruht, auf Monogamie, auf Reproduktion, quasi die Geburtsstunde von dem, was wir heute heteronormative Gesellschaftsordnung nennen würden. Wo einfach Abweichungen davon, von dieser Heteronormativität ja zunehmend als unnatürlich, als krankhaft auch oder moralisch verwerflich interpretiert worden sind. Und letztes Mal haben wir am Schluss dann noch gesagt, wir würden Foucault irgendwie vergessen oder vielleicht gar nicht unterbringen können in unseren nächsten Folgen. Aber das ist eigentlich genau das, was Foucault ja in seiner Geschichte der Sexualität beschreibt. Oder wie Sexualität damals einfach nicht mehr nur unterdrückt worden ist, sondern eigentlich im Gegenteil ganz genau beobachtet worden ist, klassifiziert worden ist, wo Homosexualität nicht mehr jetzt nur eine verbotene Handlung war, sondern zu einer nicht weniger verbotenen Identität geworden ist. Und durch die Abwertung, durch diesen Ausschluss, ich muss ja das Außen benennen können, mit dem ich meine eigene Identität stabilisieren kann. Oh Gott, jetzt bin ich glaube ich schon in fünf verschiedenen anderen Folgen. Wir machen wieder die Kurve zurück zu Queer. Also in diesem gesellschaftlichen Kontext, in diesem 19. Jahrhundert, da ist Queer im englischen Sprachraum dann eben umgedeutet worden. In einem kulturellen Kontext, in dem eben nicht Heterosexualität als abartig oder gefährlich gilt. Da bietet sich Queer ja regelrecht an, als abwertendes Etikett für homosexuelle Menschen oder homosexuelle Männer verwendet zu werden. Und dieses Etikett hat dann natürlich dazu gedient, sie aus dem, was als normal gegolten hat, auszuschließen, sie zu stigmatisieren. Und zwar jetzt nicht nur moralisch, sondern wirklich auch sozial, medizinisch, rechtlich. Und dann vielleicht einen größeren Jump, so ungefähr ein Jahrhundert später, in den späten 1980er, 90er Jahren. Da ist dann Queer von queeren Aktivistinnen und auch von TheoretikerInnen bewusst wieder zurückgeholt worden und positiv umgeweitet worden, quasi Resignifikation. So nach dem Motto irgendwie, ja okay, wenn ihr uns sowieso so nennt, dann machen wir was Eigenes draus. Also jetzt auf der einen Seite eben als Sammelbegriff für nicht-heteronormative Identitäten, aber auch für eine politische Haltung. Es geht schon so in die Richtung analytische Verwendung von Queer, aber dazu werde ich jetzt gar nicht so viel sagen, da werden wir eh später nochmal darauf zurückkommen. Also Queer ist jetzt, in den späten 80ern, frühen 90ern, steht für eine Perspektive, die nicht jetzt nur sagt, es gibt viele Geschlechter und Sexualitäten, sondern es ist wirklich auch eine Haltung, die die Ordnung an sich, also der verschiedenen Geschlechter, der Sexualitäten, also diese Ordnung an sich in Frage stellt. Also nicht nur jetzt einfach eine neue Kategorie, oder wenn überhaupt, sondern wirklich so ein Störfaktor, irgendein Dazwischen, ein Unbehagen, haben wir auch letztes Mal gehabt, ein Unbehagen mit diesen Schubladen, quasi eine Kritik an den Bestehenden. Identitätskategorien, genau. Aber vielleicht zum Schluss jetzt noch, was mir auch wichtig ist, vielleicht dazu zu sagen, gleichzeitig ist das Wort natürlich nicht für alle so dieser Safe Space, wenn ich das jetzt einmal so sagen kann, weil eben diese Geschichte da ist als Beleidigung. Und deswegen ist es halt nicht für alle positiv besetzt, dass manche sagen, ich bin lesbisch, ich bin trans, aber nicht alle sagen, ja, ich bin deswegen auch queer. Ja, und das ist natürlich genauso legitim, ja, keine Frage, darum geht es ja auch gar nicht. Ja, es soll einfach nur heißen, solche Aneignungsprozesse, und queer ist halt dafür sicherlich ein perfektes Beispiel, die laufen nie reibungslos ab, ja, das heißt, die sind nie vollständig abgeschlossen, weil, das haben wir auch schon letztes Mal gehört, bei der Vielstimmigkeit, ja, diese Begriffsgeschichte, die ein Begriff wie queer hat, die kann nie vollständig ausgelöscht oder ersetzt werden, da bleibt immer ein gewisser Rest, immer irgendwas bleibt hängen. Ja, aber genau, deswegen würde ich sagen, daraus ist dann eben queer, so wie wir das heute kennen, und zwar in all den Spannungsfeldern, in denen sich es befindet, ja, dann auch entstanden, ja, als machtkritische, politische Selbstbezeichnung für nicht-heterosexuelle oder nicht-heteronormative vielleicht Menschen, und eben als analytische Kategorien in späteren Queer Studies, Queer Theories oder eben auch angrenzenden Feldern. Genau. Was habe ich vergessen? Ich habe mir jetzt gerade, du bist gerade voll der Gedanke durch den Kopf gegangen, den werde ich gleich noch beursachen, deswegen war ich so, ich bin gerade noch so mitten im Gedanke, genau, nee, aber genau, also alles, was du gesagt hast, zu, wie sich Begriffe verändern, was übrig bleibt und so weiter, das schauen wir uns auf jeden Fall in der Folge noch an. Sehr gut. Der Gedanke, den ich hatte, ich weiß nicht, weil du gesagt hast, es gibt Menschen, die das, die zwar sagen werden, ich bin lesbisch, aber nicht queer, ist die erste Person, die mir in den Kopf gegangen ist, natürlich aus einem ganz anderen Kontext, als den du beschrieben hast, ist die deutsche in der Schweiz lebende Kanzlerkandidatin der AfD, Alice Weidel. Ah, ja. Genau, die ja selbst in einer lesbischen Beziehung witzigerweise mit einer Sri Lankanerin lebt, also berührt sehr stark meine Forschung. Und halt, genau, viele andere Sachen, die eigentlich ihrem Wahlprogramm und dem, was für das ihre Partei steht, eigentlich total konträr entgegensteht, aber die bezeichnet sich ja mit Absicht auch nicht als queer. Und zwar nicht deswegen, weil sie nicht lesbisch wäre, weil das sagt sie, sie lebt in einer Beziehung mit einer Frau und einer Kinder, sondern weil sie halt alles, was an Systemkritik mit dem Wörtchen queer zusammenhängt, eben nicht übernehmen will. Ja, ja, ja. Und ich finde es dann eigentlich, weil es wurde ja dann, also das war so ein Interview vor circa einem Jahr oder so, wo sie das gesagt hat und dann wurde halt von vielen Leuten und auch aus der Queer & Community gesagt, nee, du bist aber queer und ich finde das eine ziemlich problematische Art. Also natürlich muss man sich darüber die Haare raufen, warum sie das macht, etc., aber jemanden fremd zu bezeichnen, das ist immer, finde ich, problematisch. Ja, ja, ja, ja. Egal wen, genau. Ja, das ist ein gutes Beispiel. Also jetzt kann ich auch endlich mal, ich weiß nicht, ich habe ganz, ganz letztes Jahr versucht in Worte zu fassen, was mich in dieser Fremdbezeichnung stört und ich habe jetzt erst über diesen Twist ist es mir so gekommen, deswegen habe ich so nachgedacht. Ja, aber ich glaube, der springende Punkt, um ehrlich zu sein, und der springende Punkt für mich jetzt zumindest an dem, was du gesagt hast, ist einfach, dass das Wort queer eben nicht nur eine Bedeutung hat. Das queer ist nicht eine Selbstbezeichnung, das Wort queer ist nicht nur eine Identität, nämlich gar nicht eigentlich, sondern vielmehr eine Haltung und hat sehr viel mit Systemkritik zu tun und wenn das nicht in das eigene politische Bild, in die eigene Ideologie passt, dann macht es total Sinn, das so zu machen, aber ja, genau, es ist immer, so wie ich gesagt habe, ja, ich finde, es ist immer, es befindet sich, das Wort befindet sich und wird sich auch noch sehr, sehr lange in ganz vielen Spannungsfeldern befinden und ich finde, das ist aber auch konstitutiv irgendwie für den Begriff oder für das Konzept. Ach ja. Na gut, dann tauchen wir mal, ich habe noch ein, zwei Punkte aus der Geschichte, die ich gerne ergänzen würde, an denen man auch schon immer sieht, mit welchen Kämpfen und mit, also mit welchen Kämpfen das Wort queer verbunden ist und gleichzeitig aber auch, dass es auch schon immer so ein bisschen intersektional war. Genau und zwar gehe ich noch mal ein bisschen zurück zu dem Moment, den du als im späten 19. Jahrhundert beschrieben hast, nämlich in das genaue Jahr, wo man das erste Mal so eine richtige Bezeichnung von queer findet in den Quellen. Ja. Das ist nämlich 1894, also 100 Jahre vor meiner Geburt und zwar gegenüber Oscar Wilde, also ich weiß nicht, wer die Person kennt. Oscar Wilde war ein irischer Schriftsteller und der war in einer Beziehung und im Sexualverkehr mit dem Sohn vom Marcus of Queensberry, nämlich dem Lord Alfred Douglas, weshalb der Marcus of Queensberry Oscar Wilde vor Gericht gezerrt hat und angezeigt hat. Und in einem Brief zur selben Zeit hat der Marcus of Queensberry dann Oscar Wilde als Snob Queer bezeichnet, also Snob und Queer zusammen. Das heißt, als einen eingebildeten, gesellschaftlich überheblichen und gleichzeitig auch sexuell abstoßenden Mann. Das heißt, diese Bezeichnung, wie sie das erste Mal auftaucht, ist schon ein Schimpfwort sowohl für eine soziale Verachtung als auch eine homophobe Schimpfung. Das fand ich so spannend, weil auch immer dieses auch heute noch so ein bisschen mitschwingt, dass Queers ja irgendwie auch so eine gebildete linke Elite sein. Ja, ja, ja. Und das ist da auch schon mit drin. Ich fand das super spannend. Ja, ja, ja. Genau. Das ist wirklich lustig. Ja, total, ne? Also lustig. Ja, also die Geschichte halt schon witzig und fallend ist im schlechten Sinne ja, ich weiß das so. Ja, vor allem, weil ich immer so im Hinterkopf, also ich habe immer so gedacht, okay, dass die Verbindung zwischen Queer und dieser Überheblichkeit und dieser akademischen Welt und dieser Abgehobenheit, die ist im deutschsprachigen Raum einfach so stark aufgrund der Rezeptionsgeschichte von Queer, einfach wie das Konzept dann halt wieder in den deutschsprachigen Raum halt gewandert ist. Ja, aber offenbar Ja, total. Aber ich finde es ja total witzig, dass jemand, der selbst ein Marquis ist, jemand anders als Snob bezeichnet, das finde ich großartig. Das ist mir so richtig englische Drama im Kopf. Ja, ja. Wobei, ich glaube, um ehrlich zu sein, es gibt noch einen großen Unterschied zwischen Marquis und Systemkritik. Also vielleicht ist das gemeint. Ja, genau. Also es ist ja immer ein bisschen, ja. Also wie so oft, man beschuldigt ja andere dann immer. Ja, total. Also wie war das Spiegelvorhalten? Genau. Wie war es mit dem Orientalismus? Ja, das ist immer, es kommt immer wieder. Ja, genau. Genau. Genau, kommen wir zurück nochmal in die Geschichte. Also das war ja jetzt England und erst 20 Jahre später kam das Wort in die USA, also 1914 herum. Ja. Und zwar über Zeitungen, die das dann übernommen haben und dann in den, also weil Zeitungen haben ja auch schon sehr häufig transnationalen Austausch gehabt, indem sie einfach Geschichten reproduziert haben und so weiter und so ist dann das Wort auch in den amerikanischen Raum gekommen. Ja. Und 1914, das ist 110 Jahre her, das ist einfach so kurz. Ich finde das so krass, wenn wir uns überlegen, wie normal uns dieses Wort vorkommt, dass es in unserem Wortschatz ist, dass es einfach erst 110 Jahre so wirklich präsent ist. Mhm. Krass. Genau. Und dann in den 1930er Jahren, jetzt wird es nämlich auch schon spannend, gab es schon Wörterbücher in den USA, die darauf hinweisen, dass der Begriff queer zwar, wenn er von außen eine Gruppe bezeichnet, abwertend ist, aber dass es eine innere Konnotation gibt, also eine innere Bedeutung, die das nicht hat, diese Konnotation. Also wenn man sich selbst als queer bezeichnet, dass es dann nicht automatisch abwertend ist. Das war schon in den 1930er Jahren in Wörterbüchern gestanden. Ja. Und zwar zum einen durch Aktivismus, vor allem HIV- und Aids-Aktivismus in den 90ern. Ja. Da gab es zum Beispiel die sogenannte Queer Nation, also eine Bewegung, die sich für die Rechte und Sichtbarkeiten von LGBT damals noch einsetzte. Ich will schon immer das Ganze sagen, aber damals war das ja nur viel Wurterbücher. Gab es so nicht, genau. Also Lesbian, Gay, Bisexual and Trans, genau. Und zusätzlich zu diesem Aktivismus gab es dann seit Ende der 90er und frühen Nullerjahre, also wirklich sehr spät, die Übernahme in Populärkultur, also dass es in Fernsehshows und in Sendungen aufgetaucht ist. Wie zum Beispiel eben auch die erste Version von Queer Eye, die ja 2003 rauskam. Genau, das heißt, seitdem bezeichnet, wie du auch schon gesagt hast, Queer irgendwie ein Spektrum von verschiedenen Arten von sexuell und gender nicht konformen Identitäten und ist gleichzeitig eben so eine politische Sicht darauf, gegen bestimmte binäre Sichten von Geschlecht, aber auch von der binären Unterscheidung zwischen homosexuell und heterosexuell zu argumentieren. Sehr schön, sind wir eigentlich fertig Geschichte, check. Na ja, jetzt kommen wir erstmal zum Punkt, was ist eigentlich Geschichte? Oh, das wird zu kompliziert. Geschichte nicht, check. Geschichte, check. Aber was ist Geschichte? Nächstes Wort. Genau, jetzt kommt endlich der Punkt, auf den wir so lange gewartet haben. Wir dürfen nochmal ausführlich über Judith Butler sprechen. Yes. Genau, aber Butler ist ja oder gilt als bekannteste Theoretikerin von alles, was mit Queer zu tun hat und wird eben auch oft als Gründungsfigur der Queer Studies gesehen. Ja. Weil mit Butler eben auch diese analytische, wissenschaftliche Anwendung des Wortes aufgetaucht ist. Mhm. Und das Spannende ist aber auch, Butler nutzt das Beispiel Queer, das so wie wir es jetzt auch besprochen haben, auch um die eigenen Theorien zu verdeutlichen. Ja, ja. Das heißt, Butler nutzt vor allem in dem zweiten Buch, also das auf Englisch Body Start Matter und auf Deutsch Körper von Gewicht heißt. Ja. In dem Buch nutzt Butler das Wort Queer, um zu zeigen, wie Sprache Identität schafft und wie aber auch zu Identitäten immer Ausschlüsse gehören und wie Bedeutung transformiert werden kann. Ja. Genau. Und denke, deswegen lohnt es sich an dieser Stelle auch echt nochmal in Butlers Theorien hineinzuschauen. Wir hatten ja in der vorherigen Folge schon mal kurz über das Prinzip der Performativität gesprochen. Ja. Also das warst du, glaube ich, genau. Also das Geschlecht, aber auch irgendwie alles andere, was unsere Welt irgendwie ausmacht, durch wiederholende Akte geschaffen wird. Ja. Und diese Wiederholungen, die sind sowohl körperlicher als auch sprachlicher Art, denn bei Butler geht das nicht ohne einander. Also körperlich ist immer sprachlich und sprachlich ist immer körperlich. Das ist an die Leute gerichtet, die sagen, Butler würde den Körper nicht beachten. Das muss ich immer dazu sagen. Stimmt einfach nichts, mein Kopf ist da überall drin. Ja, ja, ja, ja. Genau, und Wiederholung heißt, dass es gibt etwas, auf das ich mich berufe, das vorher schon da war und ich nutze diese Bedeutung, um dann in einem neuen Kontext wieder Sinn zu schaffen. Das heißt, in anderen Worten, eine Wiederholung ist immer eine Zitation, immer ein Zitat. Ja, ja. Ich habe ein Beispiel, das jetzt mal wieder nichts mit Geschlecht zu tun hat, ich finde, das illustriert es meistens besser. Also zum Beispiel, wenn ich sage, der Baum trägt Früchte, dann ist das Wort Baum in dem Satz eine Wiederholung. Also jedes Wort, ich nehme jetzt mal das Beispiel Baum. Ja. Das heißt, das Wörtchen Baum ist eine Zitation von einem anderen Kontext, in dem das Wort Baum auch schon genutzt wurde. Und diese Bedeutung, die wird dann in den neuen Kontext, also mit Kontext meine ich dann meinen neuen Satz, der Baum trägt Früchte, in dem wird das dann übertragen. Und genau so muss Sprache auch funktionieren, denn ohne so eine Übernahme von Bedeutung würde ja auch der neue Satz gar keinen Sinn ergeben. Ja. Wenn jetzt Baum keine vorherige Bedeutung hätte, dann hätte der Satz überhaupt keinen Sinn. Genau, worauf bezieht er sich? Das heißt, immer wenn wir vielleicht nur ergänzend, wenn wir zurückdenken an die Vielstimmigkeit, das ist genau das, was die Vielstimmigkeit in der Literaturwissenschaft meint, dass wir quasi immer nur andere Leute zitieren. Erstmal wenn wir was sagen, dann sprechen wir mit all den Stimmen, die vorher da waren. Genau, und bei Butler mit der Zitation wird einfach nochmal herausgestrichen, dass das halt immer eine Wiederholung ist. Also, dass quasi nichts von sich selbst heraus entsteht, sondern quasi, dass wir immer nur zitieren. dass wir uns immer auf das beziehen, was vorher schon gesagt wurde. Genau, und dadurch dann Bedeutung auch sich aufbauen kann. Genau, jetzt kommt es, aufbauen kann, ich mache gleich weiter, denn wenn wir etwas immer wieder und wieder zitieren, dann entsteht der Eindruck, dass es einfach so ist, wie es ist. Ja. Genau, also dass es nur eine Bedeutung von etwas gibt. Also immer, wenn wir sagen, also immer, wenn wir Baum im gleichen Kontext benutzen, haben wir irgendwann eine Vorstellung davon, was ein Baum ist. Ja. Und genauso ist es eben halt auch bei Geschlecht, das ist Butler's spannende Analyse, die eigentlich, genau, auch bei jedem anderen, ich finde es ja so spannend, wenn man das bei jedem anderen Wort benutzen würde, wird sich ein anderes aufgeben. Naja, genau, und auf jeden Fall diesen Prozess, der, es wird immer wieder zitiert und es entsteht dann der Eindruck, dass es einfach so ist, das nennt Butler Sedimentierung von Bedeutung. Das Wörtchen Sedimentierung kommt von Sediment, also verschiedene Gesteinsschichten, die immer übereinander gelegt werden, bis sie dann fest werden und zu einem großen Problem werden und dann so erscheinen, als wären sie einfach natürlich und da, aber eigentlich sind es übereinander liegende und sich gegenseitig haltende Schichten von Gestein und Geröll und von Sand und was auch immer. Ja. Genau, das heißt, um so sich da drüber zu legen und dann auch fest zu werden, braucht es Macht. Sedimentierung ist immer mit Macht verbunden. Denn um sich zu verfestigen, muss ja eine bestimmte Art der Bedeutung und ein bestimmter Ausschluss, der dabei immer mitschwingt, immer wieder genauso wiederholt werden und damit immer wieder die gleiche Bedeutung und der gleiche Ausschluss quasi da sind, braucht es Macht. Und das ist jetzt eben spannend, wenn es dann um Geschlecht geht. Genau, und so kommt jetzt endlich auch mal Geschichte rein, weil Butler sagt auch was zu, was ist eigentlich Geschichte und warum ist Geschichte wichtig? Und Geschichte ist eigentlich das, was Bedeutung schafft und zwar durch Macht. Und Geschichte wird eben dann für Forschung interessant, wenn es darum geht zu schauen, wie sich bestimmte Bedeutungen verfestigt haben und wie andere Bedeutungen ausgeschlossen wurden oder eben wie beim Wörtchen Queer, wie sich Bedeutungen auch ändern können. Ja. Denn es ist ja so, dass durch jede Zitation, habe ich ja vorhin gesagt, nimmt man ein Wort aus einem anderen Kontext und setzt es in einen neuen Kontext ein. Und durch diesen Prozess des in den neuen Kontext einsetzens, verändert sich sowohl dieser neue Kontext als auch das Wort selbst. Und so eben auch mit dem Wort Queer. So, jetzt kommt die Rückfrage. Hast du aufgepasst? Habe ich verstanden. Genau. Wenn du es verstanden hast, dann zeig uns das doch, indem du nochmal die Geschichte von uns des Wörtchens Queer, die wir vorhin hatten, versuchst mir, Butler's Theorie kurz zu erklären. Ja, lass uns das versuchen. Ich bin, um ehrlich zu sein, ich gehe nochmal zurück. Vielleicht komme ich nochmal drauf. Also, wenn wir jetzt versuchen, die Geschichte von Queer mit Butler's Theorie jetzt nochmal zu lesen, dann geht es ja genau darum, dass Wörter nie fest auf eine Bedeutung quasi festgelegt sind, sondern dass Bedeutung durch Wiederholung entsteht, eben durch das, was Butler jetzt Zitation nennt. Das heißt, Queer hat mal eine ganz klare, abwertende Bedeutung gehabt, ein Schimpfwort, 19. Jahrhundert. Aber diese Bedeutung war nie wirklich stabil. Das heißt, sie musste immer wiederholt werden, um wirklich zu wirken. Und genau da setzt die ja dann eigentlich auch Veränderung an. Weil wenn ein Wort immer wieder wiederholt, zitiert werden muss, dann kann es ja auch anders zitiert werden. in einem neuen Kontext, mit einer neuen Absicht. Und genau das ist ja auch mit Queer passiert. Es wurden dann in queeren Communities bewusst umgedeutet, reclaimed quasi, ironisiert, politisiert. Und das ist das, was Butler dann auch als Subversion durch Wiederholung beschreibt. Das Bedeutung, sich gerade dann verschiebt, wenn wir ein Wort in einem neuen Kontext verwenden. Und ich weiß, okay, ich muss jetzt trotzdem nochmal diesen Schlenker machen, auch wenn Butler sich theoretisch anders verortet, also eher so in der Nähe zum Poststrukturalismus, zu Derrida auch. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schön sich das eigentlich alles mit Wittgensteins Sprachspielen verbinden lässt. weil Sprachspiele bezeichnen ja eigentlich gerade die Rahmenbedingungen, in denen Wörter verwendet werden. Also ich muss nicht die Bedeutung eines Wortes lernen, sondern wie ich ein Wort in einem bestimmten Kontext verwenden kann oder verwenden darf. Das heißt, Verwendung trumpft Bedeutung quasi. Also Wittgenstein sagt ja auch, die Bedeutung eines Wortes und wie weiß ich, wie ein Wort verwendet werden darf? Na, ich lerne die Regeln. Und wenn man jetzt Sprachspiele als Regeln sozialer Bedeutungsproduktion versteht, dann lassen sich ja die Zitationen bei Butler als zu gebrauchen, zu verschieben, zu unterlaufen. Das ist in anderen Worten auch ein Sprachspiel kann subversiv gespielt werden. Und entscheidend ist einfach, dass Sprache kein abgeschlossenes System ist, sondern eben eine dynamische Praxis, die sich eben mit den sozialen Formen wandelt. Also vielleicht nochmal zurück zu queer. Also ja, genau. Ja, okay. Ich finde schon, ich habe schon so eine Art. Ich wollte es auf queer wieder zurückbringen, weil ich finde es ab. Wie viele Sachen will ich sagen, damit ich es nicht vergesse? Ich bin jetzt mal ruhig, weil vielleicht machst du jetzt mal die Zusammenfassung für uns. Ne, ich finde, du hast es schon super weil es geht ja um Regeln und Regeln haben auch wieder was mit Macht zu tun. Ja. Und wer das verschieben will, also man kann nicht, das ist genau ein Punkt, den ich vielleicht auch nochmal hätte deutlicher machen müssen, der jetzt gut rauskommt. Man kann nicht einfach random irgendjemand, der keine Macht im Diskurs hat, sich einfach ausdenken, okay, ich setze jetzt das Wort in einem anderen Kontext ein, dann ist das Wort verändert. Ne, das ändert sich insgesamt nur dann, wenn diese Veränderung mit Macht verbunden ist. Zum Beispiel dadurch, dass eben so eine Organisation, wenn wir zu der Queer Nation zurückkommen, die wirklich im medialen Rampenlicht steht, weil natürlich die Aids und HIV-Krise ziemlich präsent damals waren in den 90ern, wenn die dann quasi auch die erste Folge, wo sie so, weiß Butler mehr über Sprache als wir? Nee, ja und nein. Weil natürlich, Butler zitiert auch, das finde ich jetzt einen witzigen Gründen, weil du gesagt hast, natürlich ist es bei Wittgenstein auch schon drin, weil Butler natürlich auch Geschichte von Philosophie zitiert und weiter verändert und Leid verschiebt, aber natürlich sehe ich auf das Beruf, was vorher schon da war. Ansonsten würde ja Wattlers Sprache im Philosophischen auch gar keinen Sinn ergeben. Ja, ja, genau. So wie der Baum. Genau. Und dann habe ich noch einen dritten Punkt, der ein bisschen davon weggeht. Es gibt gerade noch ein anderes Wörtchen, das jetzt quasi mit der Frage nach den gleichen machen, nach ähnlichen Politiken auch sehr bekannt ist, dass so eine ähnliche Veränderung aber genau in die andere Richtung durchgemacht hat und das ist ja das Wort Woke. Ja, stimmt. Das ja aus einer Positivbewertung in den 60er, 70er Jahren in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung kommt und aufgrund dieser Aneignung und Claimen der verschiedenen rechter und populistischer politischer Strömungen und so ist das glaube ich nicht alles zu vergucken. Genau, halt umgedeutet wurde zu was was Negativen. Ja, ja. Ja, und ich finde das also eigentlich beide Begriffe ja sowohl Queer als auch Woke zeigen halt ganz ganz deutlich finde ich, dass es eben dass es bei Macht eigentlich in erster Linie um die also bei ich sage jetzt mal von Bedeutung im Diskurs geht Punkt. Wenn ich den Diskurs kontrollieren kann ja und deswegen und auch wie wie unmöglich es ist eigentlich diese beiden Dinge voneinander zu trennen also ich kann nicht über Sprache ohne Macht sprechen oder ich kann nicht über Macht ohne Sprache sprechen und der Diskurs ist einfach das wie man das theoretisch fassen kann ja Punkt aus das klingt immer so abstrakt aber es ist einfach halt nur eine theoretische ein theoretisches Tool quasi aber ja also beide Begriffe und dann sieht man und es ist auch gut dass du jetzt das Beispiel genannt hast ja weil es geht natürlich in alle also in beide Richtungen also ich kann Begriffe aufwerten ich kann Begriffe abwerten ich kann Begriffe also Begriffe verschieben einfach weiter und ich rede einfach weiter und genau ich ziehe jetzt einfach durch ich habe vorhin gesagt dass Butler als Gründungsfigur der sogenannten Queer Studies gesehen wird und du hast die Queer Studies ja auch schon angesprochen also quasi die bestimmte akademische Blickrichtung auf alles auf die Welt auf die Wissenschaft auf alles und vielleicht das nochmal kurz weil das ist schon richtig wichtig in Bezug auf was dieses Wörtchen Queer eigentlich heißt und genau was im Rest der Folge noch passieren wird das ich jetzt noch nicht verrate genau auf jeden Fall entstanden eben die Queer Studies oder auch die Queer Theory die Queer Studies ist ja eher eine Disziplin die man auch an Lehrstühlen sozusagen anhaften kann und die Queer Theory ist eher so eine interdisziplinäre Anwendbarkeit von dieser Theorie genau das vielleicht jetzt Unterscheidung genau und die beiden entstanden so Anfang der 1990er Jahre in den USA und zwar aus den Lesbian und Gay Studies heraus und der Unterschied zu den Lesbian und Gay Studies damals war eben dass Queer Theory von genau solchen poststrukturalistischen Theorien wie Judith Butler beeinflusst war also dass sie eine Kritik an stabilen Identitätskategorien wollten und eine Analyse von normativen Machtverhältnissen und zwar deshalb um auf diese Art und Weise eben Sexualität Begehren und Geschlecht nicht als natürliche sondern als historisch und diskursiv gewachsenen Felder zu verstehen so jetzt sind wir aber bei einem Punkt einem Problem denn so dieser eigene Anspruch der bricht sich dann wenn es institutionalisiert wird also wenn Queer Theory zu Queer Studies wird weil jetzt kommen wir doch nochmal wieder zu Foucault also heute heute Dapper Auftrag der hat ja super viele Bücher zu verschiedenen Institutionen geschrieben also sei es das das Asylum das Gefängnis die Schule etc. etc. und was bei ihm so das Hauptargument ist ist dass Macht nicht nur unterdrückend ist sondern auch produzierend das heißt auf der einen Seite schafft Institutionalisierung Diskurse es ermöglicht Sichtbarkeit es ermöglicht auch Anerkennung und Finanzierung zum Beispiel eben von Lehrstilen oder auch von Forschungsstellen und die Queer Studies als solche entstehen oder konnten nur dann entstehen weil sie auch mit Macht verknüpft waren und das Problem ist aber die Kehrseite der Macht eine Verfestigung von Bedeutung ist dabei unvermeidlich denn damit Begriffe kommunizierbar werden und da gehört auch ganz basal dazu damit Forschungsmittel gefördert werden können muss man ja eine bestimmte Bedeutung von einem Begriff haben auf die man sich in einem Forschungsantrag berufen kann oder aber auch um miteinander disziplinär und interdisziplinär zu reden muss man wissen über welche Sachen man spricht genau und genau hier steht daneben in die Spannung denn Queer will sich ja nicht festlegen denn Queer ist ja oder will nicht eine Identität sein sondern gegen ein Denken in verschiedenen Identitäten es will nicht eine Perspektive sein sondern eben eine bestimmte Haltung des Störens und des Unklarmachens das Problem ist aber dass durch die Institutionalisierung eben die Gefahr entsteht dass es normiert wird und deswegen sieht man so in den letzten 35 Jahren wenn so dass die Geschichte der Queer Stylist immer wieder Anstöße und Versuche Queer aufzulockern und zum Beispiel eher als Praxis als als Theorie weil sich konstant selbst zu hinterfragen öffnet natürlich auch öffnet für Gefahr das öffnet für Kritik und gerade wenn es doch ein gesellschaftlich marginalisierter Bereich ist ist das super gefährlich ja ja mir ist auch eingefallen dass es eben auch diesen diese Tendenz gibt also von dem Adjektiv Queer oder auch vom Nomen aber das Nomen ist jetzt ein bisschen so eingeklammert Richtung Verb geht oder also to Queering in den Vordergrund zu stellen um eben ein bisschen das quasi wieder umzudrehen oder hier wieder zurück zu rudern aus der Institutionalisierung raus wieder zu kommen ja einschränken und Dinge ermöglichen also ein Adjektiv bezeichnet etwas und wenn wir aber etwas gerade nicht bezeichnen wollen ist ein Adjektiv halt vielleicht auch einfach problematisch und ein Verb das etwas tut hilft uns halt das als Praxis zu verstehen so wie ich es schon gesagt habe genau genau spannend aber sonst könnten wir eigentlich die Folge deswegen erstmal die Frage an dich wärst du jetzt mit dieser Geschichte zufrieden oder fehlt dir irgendwas ich bin nie zufrieden okay das ist mal Punkt 1 Punkt 2 was fehlt mir genau an dieser Folge mir fehlt okay vielleicht ein bisschen das was ich auch vorher schon angesprochen habe also wir haben jetzt eigentlich nur über diesen englischsprachigen und vor allem diesen angloamerikanischen und US-amerikanischen Kontext eigentlich geredet was natürlich Sinn macht weil wir ja den Begriff im Deutschen zumindest also sowohl den politischen als auch den analytischen ja eben aus dem US-amerikanischen Raum übernommen haben aber da stellt sich jetzt natürlich die Frage wie sieht es mit dem Rest der Welt aus ja denn um das nochmal genau der Rest der Welt und aber auch grundsätzlich was ist die Intersektionalität von Queer denn wir haben ja schon gelernt alles alles ist irgendwie intersektional und ich finde wir haben es ja genau bei der Folge zu Gender und Sex ja auch schon gesehen dass was ist eigentlich Gender so stark mit Klasse und Race verbunden ist und das ist eben bei Queer auch Klasse hatten wir ja schon am Anfang mit Oscar Wilde stimmt richtig genau und jetzt geht es um Race und Kolonialismus wie hätte ich gedacht genau deswegen erstmal nochmal back into the history ganz allgemein abseits von dem Wort Queer sondern jetzt geht es wirklich um eine Abwertung von bestimmten sexuellen Praktiken ganz allgemein weil jetzt ganz abgekürzt wir müssen da auch nochmal ausführlich drüber sprechen der Kolonialismus hat in verschiedenerlei Hinsicht ein bestimmtes binäres Geschlechtersystem und eine Heterosexualität als Norm in viele Gebiete der Welt gebracht das heißt nicht das muss ich immer immer wieder wiederholen dass das irgendwie vorher Friede, Freude Regenbogen überall auf der Welt existiert hat natürlich nicht aber diese bestimmte Art ein Geschlechtesystem binär zu denken diese bestimmte Art was Heterosexualität ausmacht das ist ein Produkt des Kolonialismus ja genau und gleichzeitig wurden verschiedene Formen von Nicht-Heterosexualität auch an verschiedenen Orten immer schon unterschiedlich bewertet das heißt auch eine Klassifizierung als Nicht-Norm als Nicht-Die-Norm im Sinne von Nicht-Heterosexuell war schon in verschiedener Weise abgestuft weil rassifiziert das heißt eine Nicht-Heterosexualität von Menschen aus Afrika wurde ganz anders bewertet wie von Menschen aus Indien zum Beispiel weil sie in einer rassifizierten Hierarchie im britischen Empire auch an anderen Stellen standen genau und heute rede ich mal über was wo ich mich eigentlich gar nicht so doll auskenne aber ein super spannender weil ja ich finde es ein super spannender Ort und zwar geht es heute um Südamerika okay ja genau denn in Südamerika haben ganz viele TheoretikerInnen und auch KünstlerInnen und Forschung in den letzten Jahrzehnten gezeigt dass eben die koloniale Macht von Spanien und Portugal die ja dort waren ja gerade durch sexuelle und vergeschlechtliche Macht ausging das heißt es ging dabei nicht nur aber vor allem auch um sexuelle Gewalt sondern damit ist auch gemeint dass das Einführen dieses Sex-Gender-Systems selbst eine sexuelle und vergeschlechtliche Macht ist ja aha mit Sex-Gender-System ist hiermit in diesem südamerikanischen Kontext der sich ja auch auf vor allem spanisch und portugiesischsprachige Sachen bezieht gerade nicht das gemeint was ich in der zweiten Folge mit einander in einer sexuellen Beziehung stehen können deswegen viele Leute im Englischen dann auch eher the gender binary also die Geschlechterbinarität dazu sagen also das ist damit das gleiche gemeint genau ja okay und in diesem Zusammenhang gibt es eben dann natürlich auch Autorinnen die sich Gedanken darüber machen über die Frage nach Übersetzung so wie wir es letztes Mal besprochen haben und die erste Person aber über die sprechen wir demnächst nochmal ausführlich die einem da einfallen könnte ist Gloria Andal-Dur ich hatte jetzt direkt in der Vorbereitung der Folge ein Buch von Hector Rubai-Caba im Kopf das heißt nämlich genau Translating the Queer also die Übersetzung von Queer und seine Hauptaussage die Frage ist dass dass das Queer in Südamerika das Ergebnis ist von der Übersetzung von verschiedenen Kulturen also quasi Queer ist das was rausgekommen ist als die Spanier und die Portugiesen nach Südamerika gekommen sind und verschiedene Vorstellungen von Kultur übersetzt haben und die Krux ist es ist eine Übersetzung die mit Hilfe des Gebrauchs von religiösen Wertekategorien und Wörtern funktioniert hat zum Beispiel das Wort Sodomie also alles was alles viele Sachen viele sexuellen und geschlechtliche Praktiken die in Südamerika vorgeherrscht haben wurden im Zuge dieses Übersetzens dann als Sodomie bezeichnet und damit sowohl abgewertet als auch klassifiziert das heißt es werden bestimmte Praktiken und Identitäten ausgeschlossen aber sie bestehen genau durch diese Bezeichnung trotzdem weiter weil sie werden ja nicht ausgelöscht in der Hinsicht sondern sie werden als etwas bestimmtes klassifiziert und damit aber auch erhalten klassifiziert genau wo wir wieder bei diesem ganzen komplexen Zusammenspiel von Übersetzung aus sind es gibt aber auch andere Ansichten von südamerikanischen DenkerInnen und auf die kommen wir in dem letzten Unterkapitel im nächsten dann nochmal kurz zu sprechen eine andere sehr machtvolle Art Wörter zu nutzen ist ja auch in Gesetzestexten und das wissen vielleicht einige es waren ja koloniale Gesetze die das Verbot von männlicher Homosexualität an allen Orten der Welt eingeführt haben beziehungsweise deren Ausübung unter Strafe gestellt haben und eben auch teilweise bis heute wirken also in Indien wurde es vor ein paar Jahren aufgelöst aber in Sri Lanka ist noch genau das gleiche Gesetz das in Indien Geherrscher das immer noch aktuell zum Beispiel und wenn man sich jetzt einfach die Geschichte anschaut das Wort Queer wird das ist das Wort Queer haben wir ja vorhin gesagt das gibt es in dieser Art und Weise natürlich auch erst in der späten Kolonialzeit auch in England und in Nordamerika aber es wird auch zu dieser Zeit gar nicht in die Kolonien übertragen also es ist ein Wort das wirklich nur im globalen Norden genutzt wird was dann auch dazu führt dass diese Umdeutung in den 1980er Jahren nicht losgelöst ist von kolonialen und rassifizierten Spannungen genau also das heißt Queerness ist etwas das eine westliche Moderne beschreibt ja und gerade in so Sachen wie das was Jaspir als Homonationalismus bezeichnet heißt das quasi der der Westen ist gut weil der hat Queer und der schützt Queere Menschen und alle anderen und hauptsächlich islamische Länder das ist halt eine Islamkritik die dann in diesem Homonationalismus drin vorkommt die schützen homosexuelle Menschen nicht und die sind quasi anti-queer und andere Leute wie zum Beispiel José Munoz zeigen dass auch im globalen Norden das Wort queer intersektional war also an weiße Körper gebunden war also weiße queere Personen waren queer und queere Personen of Color zum Beispiel die waren entweder ganz unsichtbar oder wurden gar nicht als vollwertig queer und Teil des Kampfes sozusagen gesehen sondern auf eine gewisse Art und Weise rassifiziert und ethnisiert das gleiche ist ja auch in verschiedenen anderen intersektionalen Kategorien also queere Menschen die eine Behinderung haben werden auch eher als Menschen mit Behinderung eine eigene Folge oder was ich halt spannend finde vor allem und warum ich denke wir brauchen da mindestens noch mal eine Folge ist weil wir ja eigentlich am Anfang jetzt gesagt haben queer hat so diesen Anspruch an sich selbst eben offen machtkritisch zu sein sich auch so darstellt und dann eben gegen diese Institutionalisierung kämpft im globalen Norden muss man jetzt dazu sagen und aber eigentlich diese also sowohl Intersektionalität als auch eben koloniale Geschichte eben einfach zeigt dass da noch sehr sehr viel mehr mitgedacht werden muss als allein diese Institutionalisierung okay diesen Teil zusammenfassen das Wort queer in sich ist Intersektional und hat bestimmte Ausschlüsse die auf anderen Intersektionalen Kategorien schießen und jetzt kommt noch ein anderes Problem mit dazu das ich unbedingt angesprochen haben will nämlich weil queer diese so eine Verflochtenheit in koloniale und rassifizierte Spannungen hat genau aus dem Grund kann es auch von konservativen Kräften in vielen Ländern abgelehnt werden und als fremd dargestellt werden das ist ja die Krux an der Sache das ist natürlich nicht bei den Haaren herbeigezogen dass zum Beispiel wie Putin sagt queer ist was das aus dem Westen kommt weil natürlich das Wort queer und das was es bezeichnet bezeichnet bestimmte Menschengruppen im globalen Norden und ist Teil dieser Spannung das heißt aber natürlich nicht dass das was queer bezeichnen will und wenn sich Leute als queer bezeichnen was sie damit ausdrücken wollen dass das nicht überall auf der Welt existiert aber aufgrund dessen weil es halt nicht einfach so eine reine und unbelastete Kategorie ist zu Zeiten der Kolonialzeiten ja also dieses Einführen von Gesetzestexten und diese Übersetzung von etwas als Sodomie ja genau zeigen dass das historisch genau das Gegenteil von dem ist was die Leute sagen also das ist eine Einfuhr aus dem Besten sein Dinge müssen nicht logisch sein um machtvoll zu wirken und das ist machtvoll zu wirken genau ich muss schon wieder an die Sprachspiele denken Entschuldigung aber das heißt ja eigentlich dann nichts anderes es geht nicht darum quasi die richtigen Wörter zu finden sondern darum die Wörter eigentlich richtig zu verwenden soll heißen das richtige Wort an einem Ort muss nicht das richtige Wort an einem anderen sein also das bringt mich dann auch vielleicht so auf diesen Punkt ja also eigentlich wäre es hier wichtig zu fragen oder überhaupt nachzudenken über vielleicht eine andere Terminologie beziehungsweise jetzt einfach zu fragen lassen sich denn nicht nicht westliche queere Lebensweisen oder Identitäten auch anders sprachlich fassen genau ja und was denkst du weiß ich nicht ich denke schon ja also ich denke also wenn wir da ja wir haben natürlich mehrere Möglichkeiten oder konkret zwei Möglichkeiten eigentlich aber kann man queer quasi in die einzelnen Kontexte übersetzen also sprich auch in die einzelnen Sprachen übersetzen dann ja wir müssen jetzt natürlich ja sagen natürlich kann man queer übersetzen alles lässt sich übersetzen ja also auch queer kann übersetzt sein aber wie wir eben auch letzte Woche auch schon besprochen haben ja das übersetzen ist einfach nie neutral es ist halt immer kein kein Beispiel das irgendwie von weit her geholt ist aber sagen wir jetzt für queer einfach seltsam oder andersartig oder oder oder von mir aus auch nicht norm konform oder sagen wir dann schon konkreter ja nicht heteronormativ divers und lassen halt andere aus also sie ordnen das wort queer mehr oder weniger in bestehende kategorien ein anstatt diese irritation die im begriff steckt bestehen zu lassen aber genau das ist ja der eben dieser eindeutigkeit entzieht oder entziehen will oder zumindest immer diese tendenz hat diesen impuls hat sich dem zu entziehen das ist irgendwie eine lehrstelle markiert eine spannung ein unbehagen mit diesen mit diesen bestehenden kategorien und das lässt sich halt nicht einfach übersetzen ohne dass sich dann dabei etwas verändert und das ist einfach der punkt also jede übersetzung ist schließlich eine neue rahmung ja und die frage wäre jetzt natürlich okay wollen wir wenn man das wirklich ernst nimmt und mitdenkt dann muss man fast der Meinung sein dass wir das wollen ja die frage ist jetzt ja genau wie geht das wie können wir bestimmte aspekte vielleicht in den Hintergrund rücken wie können wir andere hervor streichen wie können wir da ein bisschen bewegung in queer bringen gibt es denn versuche gibt es versuche queer zu übersetzen ja also es gibt nämlich diesen einen ganz spannenden move den ich vorhin kurz angesprochen habe in südamerika denn genau du hast ja gesagt wir wollen eigentlich die bedeutung von queer verändern im Sinne von kritisch hinterfragen und ausschlüsse aufdecken und genau diese grenzen vielleicht verschieben aber das ist natürlich super schwierig gerade wenn man aus einer position spricht die eben nicht mit macht verbunden ist gerade in so einem globalen englischsprachigen Diskurs und es gibt da eben einen Ansatz in südamerika der so ein bisschen damit spielt queer zu übernehmen und nicht zu übernehmen also quasi so eine Mischung aus wir benutzen das Wort und bringen den neuen Kontext aber wir genau dieser dekolonialen perspektive die ich beschrieben habe und das spannende in südamerika ist ja auch dass südamerika selbst in sprachlicher und kolonialer hinsicht sehr divers ist und von sehr vielen verschiedenen intersektionalen hierarchien durchzogen ist also vielleicht noch mal zum recap weil ich finde man hat gerade südamerikanische kolonialgeschichte meistens überhaupt gar nicht auf dem schirm aber es ist ja nicht nur so dass Menschen aus Afrika über die Sklavenroute nach Nordamerika gebracht wurden sondern auch Südamerika und in die Karibik also gerade so afro gemischte identitäten gibt es zuhauf in ganz südamerika und gleichzeitig gibt es auch natürlich oder gab es vorher und gibt es immer noch eine indigene bevölkerung und dann gibt das Leute die von Kolonialmächten abstammen also es gibt drei sehr stark vertretene ethnische Gruppen die eine eigene Geschichte und eine eigene Verbindung zu ihrer Geschichte haben und teilweise eben auch eigene sprachliche und kulturelle Identitäten haben oder Dekolonialität ist halt auch nicht geradlinig und einfach also eine Dekolonialisierung von indigenen Gruppen in Südamerika ist eine andere von der Dekolonialisierung als die von schwarzen Menschen in Südamerika und deswegen haben sie ein Wort hergenommen das ich spreche es mal aus das heißt queer klingt gleich oder vermutlich schreibt man es anders also das schreibt man nicht es sind keine fünf Buchstaben also q u e e r sondern es sind vier Buchstaben und zwar c u i mit apostroph und r also queer aber wird genauso ausgesprochen und das heißt dieses queer mit c so wird das jetzt also wenn man drüber spricht sagen sie mal queer mit c queer mit c ist eine bewusste Dekolonialisierung von queer mit q das heißt mit Dekolonialisierung in diesem Wort Sprachspiel ist gemeint dass das Wort zwar gleich klingt Verstümmelung ist hier ein Wort das mit Absicht benutzt wird weil eben dabei gleichzeitig auch auf diesen kolonialen Akte Zerstörung hingewiesen werden soll der eben von solchen Identitäten in der Kolonialzeit stattgefunden hat also man will quasi in dem Wort selbst dass quasi eine okay my mind es ist noch nicht viel später als wir angefangen haben ich bin schon wieder fünf folgen weiter aber jetzt weiß ich was wir unbedingt auch noch in eine Folge packen müssen gerade das Wort Verstümmelung hat mich jetzt drauf gebracht der kann unser jetziges Thema kommen wir zurück zum Queer mit C Queer mit C ist auf eine gewisse Art und Weise eine Neuschöpfung die aber die gleichzeitig auch auf bestehendes Bezug nimmt und zwar mit der Absicht eben diesem eigenen anderen Kontext auch Rechnung zu tragen das heißt es sollen gerade indigene afrodiasporische und auch transfeministische kämpfe verknüpft werden das heißt genau diejenigen Körper erzählungen und ästhetiken die eigentlich im globalen queeren diskurs oft übersehen werden genau und das heißt es wird eigentlich vor allem versucht wie wir vorhin schon gesagt haben es wird versucht mit Macht Autorität zu verschieben das heißt anstatt einfach Theorien aus dem globalen Norden zu adaptieren zu transformieren wird versucht mit diesem Queer mit C ein neues epistemisches Zentrum im globalen Süden mit C will eben genau das es will sowohl im wissenschaftlichen Diskurs sprechen und Dinge aufzeigen als auch über die Wissenschaft hinaus mit verschiedenen Performance Künst Musik etc. zusammenarbeiten um eben auch eine neue Form von Wissensproduktion herzustellen ja ja so willst du ich wäre jetzt bei meiner Zusammenfassung willst du noch was sagen ja nein ich glaube du kannst zusammenfassen ich finde das jetzt gerade super spannend ich muss noch es rattert noch in meinem Kopf sehr gut ich hoffe bei allen Zuhörenden rattert es auch im Kopf um die Folge zusammenzufassen wir haben gelernt Queer hat eine also Queer mit Q das muss man jetzt dazu sagen das Queer der fünf Buchstaben hat eine komplexe Geschichte und das in nicht mal 150 Jahren ja und diese komplexe Geschichte ist noch weitaus konfliktiver als wir das im Westen meistens denken also natürlich haben wir eine konfliktive Geschichte im Kopf die haben wir ganz am Anfang dargestellt aber sie ist noch so viel komplexer und konfliktiver als sie meistens erzählt wird ja und wir haben auch mal wieder gelernt dass Sprache sehr stark mit Identität zusammenhängt und das zeigt sich eben auch bei Queer mit fünf Buchstaben das heißt selbst wenn es eigentlich befreiend intendiert ist kann es zum Beispiel in einer kolonialen Geschichte stehen die eben auf Ausschlüssen und Gewalt basiert und diese Geschichte trägt sich mit ja mehr gelernt durch jede Situation wird eben auch Geschichte übernommen und das ist eben auch der Fall dass auch diese negativen Aspekte nicht nur das was du am Anfang meint hast dass eben diese Abwertung immer mitgetragen wird und es deswegen Leute ablehnen sondern es wird eben auch ein bestimmter Ausschluss mit tradiert weshalb eben verschiedene Menschen auf der Welt genau aus dem Grund es nicht übernehmen wollen ja und nochmal das was wir letzte Woche gesagt haben Übersetzung ist immer ein hast du noch was zu ergänzen super Anschluss nein super Anschluss an letztes Mal also auch glaube ich als Beispiel war das sehr gut weil wir bei Queer eben diese Spannungsfelder haben oder es ist nicht einfach ein alltägliches Wort es ist dass da wirklich auch die Probleme dabei sind bestimmte Konzepte wirklich auch allgemein nutzbar zu machen glaube ich und ganz ganz wichtig ist einfach also für mich jetzt auch in dieser Zusammenfassung einfach auch der Hinweis auf Ausschlüsse auf den Ausschluss zwischenbezogen sondern eben auch ganz allgemein Bedeutung müssen wir einfach immer das ausgeschlossene mitdenken und uns eigentlich anschauen was ausgeschlossen wird aber genau also das wird mal eine Folge sein oder ja also Butler kommt immer wieder vor ich ja ja ja nein Ausschluss ist jetzt wirklich auch der springende Punkt das war auch so etwas was jetzt für mich noch mal wichtig war um mich selber auch noch weiter damit zu eine Sichtweise eine Perspektive die überall sonst nicht schaden würde wenn wir sagen können ja okay aber Geschlecht ist nicht Geschlecht Geschlecht schließt immer etwas aus wenn ich das Wort verwende also ich glaube das war jetzt gerade super wichtig noch einmal da auch diesen kolonialen Aspekt und auch diese Perspektive noch mal reinzubringen mit queer mit C vor allem ja am Schluss super ja also ich glaube vielleicht jetzt haben wir eh schon gesagt über Ausschlüsse müssen wir sprechen über sprechen das ist nämlich auch so ein Wort das ja im im Diskurs oder im Diskurs in der Debatte ja ums gendern immer wieder wieder kommt und wir haben eigentlich ich weiß nicht fünfte Folge sechste Folge sind wir jetzt schon bei der sechsten folge und wir haben noch gar nie wirklich so über auch gender gerechte Sprache also das was viele glaube ich verbinden mit Sprache und Geschlecht aha über was reden wir ja wir reden über das gendern nein eigentlich nicht aber natürlich vorher oder bist du einverstanden vorher müssen wir vielleicht also ich werde mein Buch flicken und dann werden wir über Stuart Hall reden oder wollen wir das machen ja also ich habe jetzt sieben Tage Zeit mein Buch zu flicken naja wie gesagt du hast sehr viel auch jetzt so eine Folge sein wird wo wir so eine Crossover Folge machen können weil ich glaube das ist so eine Persönlichkeit die wirklich so also meinen Forschungsbereich und deinen so gut verbindet wo wir auch ein bisschen darüber sprechen können ja machen wir das okay auf jeden fall als nächstes kommt Hall sehr gut und jetzt kommt wieder die Outro die du machst weil genau warte ganz kurz noch wir machen Stuart Hall und dann das vielleicht auch ganz gut weil das zusammen gehört ich werde dann in der übernächsten Folge über Gloria Perfekt Perfekt Ja Sehr schön That's the plan So jetzt das Outro also Ihr könnt diesen Podcast folgen Ihr könnt uns folgen auf Instagram und auf verschiedenen anderen Medien sei es Blog und unseren eigenen Podcast Diese Links bekommt ihr wie immer in den Shownotes Ihr könnt den Podcast bewerten auf Spotify und auf Apple Podcast Ihr könnt auf Spotify auch kommentieren und Rückfragen stellen Ihr könnt uns sowieso schreiben und nachfragen und Rückfragen stellen weil wir wissen Irgendwann wissen wir auch nicht mehr was wir reden sollen und wenn ihr Rückfragen habt und wir Dinge vielleicht auch noch mal erklären sollen dann macht das Jessica Vielen Dank Bis zum nächsten Mal Junge Baba Tschüss