Do you speak English?
oder: Die koloniale Geschichte von Englisch als Wissenschaftssprache
16.07.2025 81 min
Zusammenfassung & Show Notes
Englisch dominiert die Wissenschaft. Aber warum eigentlich? Wir sprechen über die koloniale Geschichte wissenschaftlicher Sprachen, beleuchten koloniale Machtstrukturen in Universität und Wissensproduktion und fragen: Wem gehört wissenschaftliches Wissen – und in wessen Sprache wird es erzählt?
In Folge 4 von Sprache macht Geschlecht beschäftigen wir uns mit Englisch als dominanter Wissenschaftssprache – und den kolonialen Spuren, die sich in Universitäten, Wissensproduktion und Sprache bis heute zeigen.
In Folge 4 von Sprache macht Geschlecht beschäftigen wir uns mit Englisch als dominanter Wissenschaftssprache – und den kolonialen Spuren, die sich in Universitäten, Wissensproduktion und Sprache bis heute zeigen.
Wir blicken zurück auf die Geschichte der Wissenschaftssprachen: von Latein über Sanskrit, Arabisch und Persisch bis zur Globalisierung des Englischen durch Kolonialismus. Dabei zeigen wir, wie Sprache nicht nur Zugang zu Wissen reguliert, sondern auch strukturell ausschließt.
Im Zentrum steht die Frage: Welche Sprachen gelten als legitim, welche Wissensformen werden marginalisiert – und wie wirken sich diese Hierarchien auf Forschung, Lehre und akademisches Schreiben aus?
Wir sprechen über Orientalismus, epistemische Gewalt und die Idee eines „minoritären Schreibens“, das dominante Ordnungen infrage stellt. Außerdem diskutieren wir, welche Rolle künstliche Intelligenz im Spannungsfeld von Standardisierung und Zugänglichkeit spielen könnte.
Transkript
Ich musste gerade auch mir so das Lachen verknallfen, als du es erzählst. Ich hatte so das Gefühl, du bist so die Wiedergeburt von Wittgenstein.
Über diese Sprache wurde dann auch der Zugang zu Wissen oder der Zugang zur akademischen Welt quasi dann auch beschränkt.
Das heißt, Sprache wirkt hier dann auch so als Gatekeeper irgendwie.
Das kommt alles aus dem 19. Jahrhundert. Die meisten Disziplinen, wie wir sie heute kennen, sind immer wieder noch neuer, aber lassen sich eigentlich nicht länger als ins 19. Jahrhundert zurückführen.
Und das ist der springende Punkt, glaube ich. Also die Lösung ist vielleicht gar nicht, Sprachen auszuschließen oder irgendwie Sprachen zu dämonisieren, sondern einfach in meiner Art und Weise, wie ich Sprachen verwende, etwas zu verändern.
Muss ich jetzt heute anstrengen?
Heute musst du ein Intro sagen, das wir nicht haben.
Hallo Verena.
Hallo Jessica.
Genau, wir sind wieder bei einer neuen Folge von Sprache macht Geschlecht. Schon wieder. Das ist nicht wundervoll. Es ist unsere vierte Folge.
Wow.
Krass, oder?
Echt krass.
Ja, ja.
Wenn ich mich recht erinnere, hattest du die letzte Folge geleitet und was ging es denn da nochmal?
Genau, ich hatte Folge drei. Die habe ich ein bisschen im Schnellgang moderiert, weil da hatte ich so viel vorbereitet. Da ging es ja damals um die Frage, was ist Sprache eigentlich?
Ich meine, ich habe mir jetzt auch keine super einfache Frage ausgesucht, um ehrlich zu sein. Aber eigentlich war uns sehr wichtig, uns anzuschauen, warum es wichtig ist, beim Thema Geschlecht über Sprache nachzudenken.
Und da haben wir eine kleine, nicht zu kleine Zeitreise gemacht, von Platon bis Butler. Und da haben wir gesehen, viele Menschen haben sich seit der Antike Gedanken über Sprache gemacht, über ihre Funktion gemacht.
Wobei sich dann herausgestellt hat, dass keine Sprachtheorie unabhängig vom jeweiligen geschlechtlichen, nicht geschlechtlichen, gesellschaftlichen und politischen Umfeld gedacht werden kann, indem sie selber erst entsteht.
Also einmal wird vielleicht ihr vermittelnder Charakter mehr ins Zentrum gerückt, einmal mehr ihr produktiver Charakter, einmal mehr ihr quasi göttlicher, sozusagen, einmal mehr ihr grundlegend menschlicher, identitätsstiftender.
Und im 20. Jahrhundert wird dann diese Sprachfrage allerdings zur Grundlagenfrage. Also in ganz, ganz vielen Geistes, sozialwissenschaftlichen Disziplinen ist Sprache dann nicht mehr nur ein Objekt der Beobachtung, also ein Beobachtungsobjekt,
sondern wirklich Voraussetzung dafür, um überhaupt beobachten zu können. Das heißt, Sprache macht die Welt, die wir wissenschaftlich beobachten, wollen für uns überhaupt erst verständlich und kommunizierbar.
Also wir sehen die Welt vielleicht mit unseren Augen, aber wir verstehen sie erst in und über Sprache. Und diese Erkenntnistheoretische Wende, die haben wir letztes Mal Linguistic Turn genannt.
Das heißt jetzt auch für uns, wenn wir über Geschlecht sprechen, dann müssen wir uns in erster Linie eben einfach anschauen, wie wir über Geschlecht sprechen.
Wir gehen nicht zurück auf irgendeinen essentiellen Wesenskern oder so irgendwas, sondern wir schauen uns an, wie wir das Konzept Geschlecht in und durch Sprache herstellen.
Genau. Das war so unsere letzte Folge.
Das war so wenig, haben wir in einer Folge besprochen.
Die Zusammenfassung der letzten Folge dauert schon länger als die neue.
Ich hoffe nicht, ich hoffe nicht. Wir haben heute auch sehr viel vor, obwohl es ein viel kleineres Thema ist, könnte man meinen.
Genau. Und zwar geht es heute um eine bestimmte Sprache, nicht nur eine Sprache, aber wir hängen uns an einer so ein bisschen auf.
Und zwar am Englischen und zwar insbesondere, wie das Englische eine Wissenschaftssprache wurde und was das heißt für die Wissenschaft, dass das Englische eine Wissenschaftssprache ist.
Und damit auch nochmal genauer, was hat Sprache eigentlich mit Macht zu tun und auch, was hat es so mit der Geschichte von Wissenschaft an sich zu tun?
Super wichtige Frage.
Also von dem einen kleinen Wörtchen Englisch komme ich direkt in sonst wo hin. Kein Wunder, dass die Folge so lange dauert wird.
Ja. Oh Mann. Also ich weiß ja nicht, wie es bei dir war damals, aber bei mir zumindest, das ist jetzt in der Akademie ja immer noch so, dass, also ich selbst schreibe vielleicht von zehn Texten, die ich schreibe, sind acht auf Englisch und zwei auf Deutsch.
Und die Texte, die ich lese, sind eigentlich alle auf Englisch.
Ja. Ja, bei mir war das ganz, also umgekehrt ist das falsche Wort, aber es war anders, weil viele sprachwissenschaftliche Texte, nicht alle, also es war natürlich sehr viel auch auf Englisch, das stimmt schon beim Lesen, aber studiert, wenn ich das jetzt so ausdrücken kann, habe ich eigentlich auf Deutsch.
Also da war, also in Wien damals war bei uns alles auf Deutsch, also sowohl die Lehrveranstaltungen, als auch dann das, was wir quasi als Abschlussarbeiten und so abgeben mussten.
Und natürlich ist auch doch auch viel Literatur auf Deutsch. Englisch, eigentlich ist lustigerweise, habe ich das erst dann am Schluss meiner Diplomstudien, damals war das ja noch, da merkt man jetzt schon.
Wie lange meine Studienzeit zurückliegt, also wir hatten damals noch nicht diese Umstellung auf Bachelor und Master, es war noch alles ein Diplom.
Und da hatte ich bei einer meiner Prüfungen, war eine Frage zur Wissenschaftsgeschichte und da ging es eben zum Teil, nicht nur, aber es ging auch zum Teil eben darum, wie Englisch eben, ganz lustig, wie Englisch zur Wissenschaftssprache geworden ist,
aber konkret jetzt in Europa. Also der Fokus hat damals jetzt nicht wirklich so auf Englisch als globaler Wissenschaftssprache gelegen, sondern eher auf der Frage, wie Englisch frühere Wissenschaftssprachen in Europa,
wie Deutsch oder Französisch im 20. Jahrhundert jetzt dann vor allem verdrängt hat. Also durch so Dinge wie Weltkriege, Emigration von WissenschaftlerInnen oder auch eben diese, die ganze, die enorme Investition quasi auch
in den USA für Forschung und Innovation in dieser Zeit.
Ja, genau.
Ja, super spannend. Ja, ich würde den HörerInnen gerne sagen, merkt euch den Teil, weil so die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, die lasse ich so ein bisschen aus.
Also ihr wisst ja, ich bin der Sohn, ich hänge ja immer am 19. rum.
Haben wir ja gesagt, wir wollen diese Dark Ages im 19. Jahrhundert ein bisschen erhellen.
Genau, wir erhellen, wir werfen einen Blick mit einer ziemlich hellen Taschenlampe auf die Dark Ages des 19. Jahrhunderts.
Genau, deswegen merkt euch am besten genau diese Punkte, dass das Englisch heute halt wirklich auch deswegen zentral ist, weil die, ja, weil die USA so ein krasser Wissenschaftsstandort ist.
Genau, und ich würde auch ganz kurz nochmal was, weil du meintest, dass du natürlich auf Deutsch studiert hast.
Ja, habe ich auch. Also es gibt natürlich immer noch so Wissenschaftstraditionen, die auch bestimmte, das ist gerade die Sprachwissenschaft,
ist ja auch was, das eher aus so einem deutschsprachigen Raum kommt. Und genauso ist es ja bei vielen anderen Wissenschaftlern,
zum Beispiel auch die Indologie oder so, den Namen, den gibt es ja gar nicht in anderen Sprachen auf die Art und Weise.
Und das habe ich ja, ich habe quasi eine moderne Form der Form, also da sind Studien studiert und da hatte ich quasi auch das Gleiche,
dass die ganze Tradition halt natürlich auch die Texte in Deutsch sind und jetzt sich dann mehr Englisch darunter mischt,
dass man dann auch internationale Studierende vielleicht im Master auch hat und da dann eben auch so ein bisschen Sprachgrenzen stößt.
Genau, ja. Gut, dann reisen wir in die Geschichte?
Nochmal, ja, bitte. Diesmal steuerst du die Zeitmaschine.
Genau, weil wir fangen gar nicht, natürlich nicht im 19. Jahrhundert, das wäre ja einfach.
Wir wollen natürlich wissen, was war vorher, damit wir wissen, was im 19. Jahrhundert wirklich passiert ist.
Und deswegen gucken wir uns was ein bisschen an, was denn frühere Wissenschaftssprachen eigentlich waren.
Und die allererste, die wir vielleicht auch alle kennen, die hast du ja in der letzten Folge auch angesprochen,
nämlich du hast sie als heilige Sprache genannt und zwar das Latein.
Genau, das Latein war natürlich nicht nur eine heilige Sprache, wie sie in der Küche gesprochen wurde
und wie dann quasi in der Theologie ansässigen Philosophie dann darüber nachgedacht wurde,
sondern sie war auch die erste mitteleuropäische, westeuropäische Wissenschaftssprache in dem Sinne.
Genau, und zwar bis ins 18. Jahrhundert hinein eigentlich.
Und daran sieht man aber auch schon, dass dadurch, dass Latein eben sowohl eine heilige religiöse Sprache war,
als auch eine Wissenschaftssprache und aber auch noch in ganz vielen anderen Bereichen von Eliten eigentlich auch Sprache war,
sei es an verschiedenen Höfen etc.
Natürlich gab es da verschiedene Wandel, mal war französisch mehr an Höfen gesprochen etc.
Aber so über die Jahrhunderte hinweg war eigentlich die Kenntnis von Latein auch eine Möglichkeit,
Zugang zu bestimmten Kreisen zu erlangen.
Und dieser Kreis war natürlich meist eine gebildete männliche Elite.
Aber das zeigt halt eben auch schon, wie stark Sprache nicht nur mit Macht verknüpft ist,
sondern auch mit Sprache immer ein Zugang zu Wissen herrscht und auch ein Mitspracherecht an Wissen herrscht.
Also man sieht das wirklich schon bei Latein und es zieht sich eigentlich immer weiter durch.
Neben Latein kennst du noch andere Wissenschaftssprachen aus aller Welt?
Aus aller Welt. Stimmt, das muss man ja dazu sagen, oder?
Weil man hat immer, wenn man an Wissenschaft denkt, denkt man immer sofort an Europa zuerst.
Und ich glaube auch, vielleicht ist da auch schon ein bisschen so Latein der Grund dafür, oder?
Ich glaube, dass Latein eine Wissenschaftssprache ist, das ist vielleicht vielen bekannt oder bewusst.
Und das verbindet man einfach mit Europa.
Aber eine Sprache, die mir ja im Studium, also im Sprachwissenschaftsstudium, schon sehr früh begegnet ist
und dann eigentlich gar nicht mehr, was aber an meinen Entscheidungen gelegen hat,
also an meiner Schwerpunktsetzung damals.
Aber diese Sprache ist Sanskrit.
Sanskrit ist ja eine altindische Sprache, die zu den indoeuropäischen Sprachen gehört,
also verwandt ist mit Sprachen wie Deutsch, Englisch, früher auch Altgriechisch und eben auch Latein.
Die Sprachgeschichte, also von Sanskrit an sich, lässt sich weit zurückverfolgen,
also bis 1500 vor Christus, also vor unserer Zeitrechnung noch,
bis zu den alten, bis zu diesen ältesten religiösen indischen Texten, den Veden.
Aber als Wissenschaftssprache ist dann vor allem das klassische Sanskrit relevant,
also die Sprachform, die dann so um 500 vor Christus präsent war
und von einem indischen Gelehrten, heute würden wir wahrscheinlich sagen Sprachwissenschaftler,
Panini hat er damals geheißen, der hat die Sprache, also diese Sprachform,
dieses klassische Sanskrit dann, schon damals, also wir erinnern uns,
das war schon 500 vor unserer Zeitrechnung, schon so detailliert und so erstaunlich abstrakt
und formal beschrieben, dass das eigentlich auch heute in unsere Grammatiktradition noch hineinpassen würde.
Und damit ist eigentlich Sanskrit einer der ältesten bekannten linguistisch beschriebenen Sprachen der Welt.
Und dieses klassische Sanskrit, das wurde auch in Indien über Jahrhunderte hinweg
in der Religion, in der Philosophie, in der Wissenschaft verwendet.
Das heißt, wenn wir das jetzt mit unserem Kulturkreis quasi hier in Mitteleuropa vergleichen,
dann spielt Sanskrit damals eigentlich in Indien eine ähnliche Rolle wie Latein.
Und das wurde auch als heilige Sprache verwendet, quasi unter Anführungszeichen,
im religiösen Kontext als Literatursprache, als Bildungssprache, als Wissenschaftssprache.
Und für uns in der westlichen Sprachwissenschaft spielt Sanskrit jetzt insofern eine zentrale Rolle,
weil es quasi eine Schlüsselsprache ist, jetzt im doppelten Sinne,
sowohl eine zentrale Sprache als auch wirklich eine Schlüsselsprache,
eine Sprache zur Entschlüsselung, um die indoeuropäische Sprachfamilie damals zu rekonstruieren.
Also wir wissen heute quasi nur deswegen, dass die indischen Sprachen mit vielen europäischen Sprachen verwandt ist,
weil die historisch vergleichende Sprachwissenschaft, über die wir ja auch letztes Mal schon gesprochen haben,
damals im 19. Jahrhundert eben erkannt hat, dass sowohl Wortstämme als auch Lautmuster und grammatische Strukturen
zwischen dem Sanskrit und europäischen Sprachen, wie zum Beispiel Latein, Altgriechisch,
aber auch den germanischen Sprachen, zum Beispiel Deutsch, Englisch,
dass diese Ähnlichkeiten oder dass diese Wortstämme laut Folgen sich so ähnlich sind,
viel zu ähnlich, einfach um zufällig zu sein.
Aber, und das habe ich auch letztes Mal schon so ein bisschen angedeutet in der Folge,
ja genau diese Entdeckung, unter Anführungszeichen, sage ich jetzt mal,
der Sanskrit durch die europäische Wissenschaft,
die hat ihren Status so irgendwie als Wissenschaftssprache von Anfang an schon bedroht,
bedroht, ja auf der einen Seite, weil Indien natürlich zu dieser Zeit,
ja 18. bis 19. Jahrhundert, dann natürlich eine britische Kolonie war
und Englisch mitgebracht hat,
das Sanskrit dann vor Ort irgendwie verdrängt hat
und auf der anderen Seite natürlich auch, weil Sanskrit in Europa selbst
ein Forschungsobjekt war.
Ja, also quasi nur, nur unter Anführungszeichen,
der Vorläufer der indoeuropäischen Sprachfamilie,
aber eben nicht gleichberechtigte Wissenschaftssprache.
Genau, aber ich denke, genau auf diesen Punkt werden wir heute wahrscheinlich eh noch
noch mehr eingehen.
Ja, also das war so viel, erstmal vielen lieben Dank dafür.
Da waren einige Sachen, die ich 100% unterschreiben würde
und einige Sachen, die ich gerne so ein bisschen hinterfragen würde
und die eigentlich uns genau darin hinführen,
was eigentlich so ein bisschen auch mein Argument von heute ist.
Und man sieht auch in der Darstellung von dir,
dass das natürlich sehr stark geprägt ist von,
wie du es in der Geschichte der Sprachwissenschaft gelernt hast.
Und das ist aber in sich schon total verflochten
in dieses koloniale und religiöse Narrativ,
das ich jetzt gleich noch ein bisschen erklären werde.
Denn, und vielleicht, genau, fangen wir einfach kurz mit Sanskrit an,
kommen dann aber nochmal kurz zu anderen Sprachen.
Der Grund, warum, jetzt sind wir nämlich endlich,
in der vierten Folge sind wir an dem Punkt,
an dem sich unsere beiden Studienfächer überschneiden.
Und zwar mit einer Person.
Ich weiß, also kennst du bestimmt oder schon mal gehört,
Friedrich Max Müller.
Dein Name sagt mir, weiß ich ja.
Genau, Friedrich Max Müller.
Genau, das war, der wird sowohl als Begründer der,
einer der Begründer der Sprachwissenschaft gesehen,
als auch der Religionswissenschaft.
Und zwar deshalb, also er kommt aus Deutschland,
hat dann aber in England seine akademische Karriere gehabt.
Und zwar deshalb, weil er nämlich die sogenannten
Heiligen Schriften des Orients,
so heißen die Bücher auf Deutsch,
also die kamen dann eher später raus,
aber er hat sich halt vor allem mit ganz vielen
religiösen Schriften beschäftigt
und daraus aber eben verschiedene Sprachtheorien
herausgearbeitet.
Und vor allem eben diesen, wie du es auch gesagt hast,
indogermanischen Sprachraum,
hat sich aber dann später auch noch mit
östlicheren Sprachen beschäftigt.
Er fing an mit Sanskrit und Persisch und Arabisch
und später dann aber auch noch,
hat er dann noch mit anderen Leuten zusammen,
er selbst hat dann zum Beispiel jetzt
Kinesisch oder Japanisch nicht gelernt,
hat dann aber mit Leuten, die diese Sprachen konnten,
dann noch mehrere Bände herausgegeben.
Und dadurch, dass er aber mit diesem Einfluss
so ein krass religiöses Interesse hatte,
war natürlich auch seine Vorauswahl total geprägt.
Und damit auch der Blick auf Indien,
da kommen wir dann gleich noch dazu,
weil nämlich Sanskrit gar nicht so wichtig war für Indien,
wie du es dargestellt hast.
Nämlich eine andere Sprache war in den Jahrhunderten davor
viel wichtiger.
Genau, fangen wir einfach mal allgemein damit an,
dass wahrscheinlich, genau wie du schon gesagt hast,
die meisten Menschen, also Latein kennt man
und Sanskrit kann man sich so ein bisschen
was vielleicht darunter vorstellen,
auch als Wissenschaftssprache darunter vorstellen.
Und Sprachen, die total darunter wegfallen,
sind zum einen muslimische Sprachen
und zum anderen auch das klassische Chinesisch.
Vielleicht einmal ganz kurz zum klassischen Chinesisch,
weil das hängt so ein bisschen weiter aus.
Das fällt natürlich auch deswegen runter,
weil China an sich innerhalb des britischen Kolonialreichs
ja wirklich sehr stark, wie soll ich das sagen,
also mit den Opienkriegen etc.
sehr stark quasi die Macht genommen wurde.
Und dann quasi das klassische Chinesisch,
was auch eine reine Schriftsprache ist,
eben vergleichbar mit dem Latein,
deswegen heißt es auch klassisches Chinesisch.
Das wurde in vielen ostasiatischen Ländern,
also auch in Korea und in Japan etc.
als Wissenschaftssprache genutzt.
Genau, hat also so eine ähnliche Geschichte eigentlich auch wie Latein auf Europa bezogen.
Und das ist eigentlich total verschwunden durch diesen britischen Kolonialismus
und wurde aber auch nicht so aufgewettet wie zum Beispiel jetzt das Sanskrit.
Und das liegt eben auch an dieser religiösen Faszination mit Indien.
Deswegen würde ich auch fast sagen,
weil du ja gesagt hast,
das ist eine altindische Sprache, das Sanskrit.
Ich würde sagen, es ist eine altsüdasiatische Sprache,
weil diese Vorstellung, dass es Indien schon immer gab,
ist auch so eine religiöse Fiktion,
die quasi alles,
was östlich des Indus,
also von diesem Fluss,
von dem Fluss liegt,
als Indien bezeichnet,
was aber in sich,
bevor die Briten da waren
und das dann British India genannt haben,
also nur zu Zeiten von muslimischen Reichen
ein Reich waren.
So, und jetzt kommen wir zu den muslimischen Sprachen.
Nämlich sowohl erstmal das Arabische
und dann das Persische.
Das Arabische ist natürlich auch für Europa noch besonders wichtig,
wird aber eigentlich immer ausgelassen.
Denn wir haben ja gesagt,
das 19. Jahrhundert ist irgendwie,
ist ein dunkles Jahrhundert,
aber eigentlich bezeichnen wir ja immer das Mittelalter
als die dunklen Jahre.
Und das ist ja aber eigentlich die Zeit,
in der das,
eigentlich das sogenannte islamische goldene Zeitalter war.
Also gerade die gelehrten Traditionen
in den muslimischen Reichen,
sowohl in Nordafrika als auch in Spanien
und dann eben bis in den nahen und mittleren Osten hinein,
so das 8. bis 13. Jahrhundert war da Arabisch
und die arabische Wissenstradition,
ja, also stärker noch, würde ich sagen,
als in unserer Antike.
Und wir haben ja unsere antiken Texte
überhaupt erst nur präserviert bekommen
über diese arabische Gelettentradition,
die sich mit den griechischen
und lateinischen Texten beschäftigt hat.
Und das kam dann eben zurück nach Europa.
Also das, was wir letzte Woche
oder letztes Mal mit der Renaissance bezeichnet haben,
eine Renaissance hätte es gar nicht gegeben,
hätte es nicht den Einfluss
und überhaupt nicht nur den Einfluss
von den muslimischen Gelernten,
sondern eben auch allein deren,
ja, Konservierung von alten Texten gegeben.
Also Geschichte wäre,
Geschichte geht so leicht verloren,
weil wir Dinge nicht in Archiven haben
und die Antike wäre uns verschlossen geblieben,
hätten wir eben nicht
diese arabische Bruchzeit gehabt.
Genau, neben dem Arabischen
gibt es dann eben noch das Persische.
Das wird an sich,
wenn von beiden Seiten sowohl,
also Persisch ist ja da,
wo früher das Persische Großreich war.
Also quasi alles von der Mittelmeerküste
bis hin nach Südasien
war zu verschiedenen Zeiten
immer mal wieder von verschiedenen persischen Reichen
kontrolliert.
Und das Spannende ist,
dass in der jetzigen Darstellung
von arabischer Seite
als auch von indischer Seite
das Persische eigentlich total klein gehalten wird.
Und es immer als,
naja, eher so als Umgangs- und
Poesiesprache gesehen wird,
aber gerade nicht als Wissenschaftssprache.
Dabei ist es historisch ganz anders gewesen.
Und gerade in Indien,
ich habe ja vorhin gesagt,
Indien als solches
vor dem British India
war nur zweimal fast vereint
oder ziemlich vereint.
Und einmal
gab es das Sultanat von Delhi,
das war so bis ins
13. Jahrhundert,
11. bis 13. Jahrhundert.
Das war so der ganze
nordindische Teil.
Und dann gab es das Mogul-Reich.
Das Mogul-Reich war dann eben,
es gab eine kurze Pause
zwischen den beiden Reichen
und dann aber bis wirklich,
die Briten haben quasi
vom Mogul-Reich eigentlich
in den indischen Subkontinent übernommen.
Und die Sprache,
die am Hof gesprochen wurde,
war Persisch.
Und das Spannende ist,
dann kamen auf einmal
so diese britischen Orientalisten,
zu denen wir gleich kommen,
wie Friedrich Max Müller
und haben gesagt,
und haben dann nämlich nicht
die Leute auf dem Hof gefragt,
die sie ja eh,
also teilweise auch muslimisch,
das finden wir gar nicht so gut.
Das war schon eh
so eine Abwertung vom Islam,
die da auch mitspielt.
Sondern wir fragen
die echten religiösen Führer.
Und die echten religiösen Führer
waren halt die sogenannten
Brahmanen,
also die höherkastigen
religiösen Experten,
die sich dann selbst
auch als solche darstellen wollten.
Also es gab auch Bereiche in Indien,
wo Brahmanen gar nicht
einflussreich waren.
Aber diese Frage von den Briten,
ja, wer hat denn hier das Sagen,
haben sie natürlich
ziemlich schnell ausgenutzt
und gesagt, ja, wir haben das Sagen.
Und die haben dann eben auch gesagt,
ja, nee, Sanskrit ist diese
eigentliche indische Sprache.
Und wenn man heute eben,
heute ist ja auch,
Indien ist ja heute
sehr stark geprägt
von dem sogenannten
Hindu-Nationalismus.
Also der derzeitige
Premierminister Nairand Ramoji
ist ja so ein Verfechter davon,
dass das Indien grundsätzlich
hinduistisch sei
und ein paar Religionen
und ein paar Sprachen
gehören da auch dazu
und ein paar eben nicht.
Und vor allem eben
der Islam gehört dann nicht dazu.
Der Islam wird als
Eindringling verstanden.
Und das ist,
das schlägt sich dann eben
auch auf diese,
naja, Rückerinnerung
an Sprache nieder.
Also das Persische
wird eben auch nicht
als Indisch gesehen,
obwohl es wirklich
über Jahrhunderte hinweg
gängige
Hof- und Wissenschaftssprache war.
Hui.
So, wir haben jetzt viel
über Religion und Sprache gesprochen.
Aber eine Sache
müsste auch
vielleicht schon aufgefallen sein.
Denn das sind ja nicht nur
Sprachen, die irgendwie
was mit,
ja, mit Religion zu tun haben,
sondern Sprachen,
die eine Schrifttradition haben.
Ja.
Und meistens sogar Sprachen,
die in sich
eine reine Schriftsprache waren
und die anders waren
als die gesprochenen Sprachen
zur selben Zeit.
Ja.
Bis auf jetzt das Persische,
aber gerade das Schriftarabisch
ist ein anderes
wie die anderen arabischen Sachen.
Das Klassische
Chinesisch ist nicht
für die verschiedenen
gesprochenen
ostasiatischen Sprachen.
Und auch das Sanskrit
wurde,
wenn es gesprochen wurde,
dann in religiösen Kontexten
rezitiert,
aber es war keine
Umgangssprache.
Und dass diese Sprache
eine Schrifttradition haben,
ist,
naja,
also führt ja auch dazu,
wenn wir so die Weltkarte
so vor den Augen haben,
ist das ja nur
Eurasien,
wo wir festgestellt haben,
dass es da Wissenschaftssprachen gab.
Und das liegt aber auch
nur da dran,
weil wir nur auf diesem
großen zusammenhängenden Kontinent
in dieser Art und Weise
Schriftsprachen gefunden haben
im Kolonialismus.
Genau,
also,
genau,
afrikanische Sprachen,
südamerikanische Sprachen,
australische Sprachen
fallen direkt weg,
weil sie eben
keine Schrifttradition haben
und,
genau,
werden klassisch eben auch
nicht als Wissenschaftssprachen gesehen.
Genau,
und das ist eine Krux
sowohl des Kolonialismus
als auch des Orientalismus.
Der Orientalismus,
um das einmal kurz zu erklären,
ist ein Begriff,
der erstmal aus einer
bestimmten Wissenschaftstraditionen kommt.
Und zwar
eine Wissenschaft,
die sich
Orientalismus eben nennt
und die vor allem
im 19. Jahrhundert
mit der Erforschung
des sogenannten
Orients beschäftigt war.
Aber Orient
ist eben nicht das,
was man sich so gängig
unter Orient vorstellt,
also so tausend eine Nacht
das Arabische Reich,
sondern Orient,
also das
Morgenland,
und der Okzident
ist ja das Abendland,
das Morgenland
ist alles,
was im Osten
vom Abendland liegt.
Also es geht wirklich
bis nach Japan.
Also alles von,
alles ab Istanbul
bis Japan
war Orient.
Und deswegen
also quasi
dieser Friedrich Max Müller,
über den ich vorher gesprochen habe,
das war ja auch
ein klassischer Orientalist
sozusagen.
Und diese
orientalistischen
Wissenschaften,
die du vorhin
auch angesprochen hast
und bei denen
Friedrich Max Müller
eben so entscheidend
auch war.
Jetzt mal eine kurze Frage
an dich.
Wird denn über
Orientalismus
in der Sprachwissenschaft
gesprochen?
Also Orientalismus
in der Sprachwissenschaft,
gut,
das liegt vielleicht
auch daran,
dass ich mich
eben so
so rasch
quasi nach den ersten
zwei Semestern
da schon so
abgespeilten
habe von der
allgemeinen
Sprachwissenschaft.
Also allgemeine
Sprachwissenschaft
da bei uns so,
in Wien glaube ich
ist die Sprachwissenschaft
ein bisschen anders
strukturiert.
Ich habe oft Probleme
zu erklären,
was ich denn
eigentlich genau
studiert habe.
Aber bei uns
ist auch die
Sprachwissenschaft
an sich,
also das ganze
Institut
Philosophilologie
natürlich Abteilungen,
Sprachwissenschaftliche
Abteilungen,
das heißt ich habe
dann meine
germanistische
Sprachwissenschaft
oder meine
romanistische
Sprachwissenschaft,
aber das habe ich
eben nicht gemacht.
Ich habe halt
Sprachwissenschaft
studiert und
für mich war das
damals halt klar,
dass das vollkommen
abgekapselt ist
von irgendwelchen
Sprachen,
also von Einzelsprachen
und vielleicht ist
das auch der Grund,
warum genau
jetzt so Dinge
wie Kolonialismus
oder Orientalismus
nicht so
thematisiert wurden,
damals auch nicht
in den
Einführungsvorlesungen,
weil wir auch
nicht wirklich
die politische
oder geopolitische
gesellschaftliche
Geschichte
einzelner Sprachen
und Sprachgruppen
quasi studiert haben.
Genau,
aber das ist mir
eigentlich nicht so
aus der Sprachwissenschaft
ein Begriff
überhaupt,
dieses kritische
Denken dann
über auch die eigene
Disziplinengeschichte,
das habe ich dann
eigentlich erst selber
später angefangen,
ganz spät erst
mit der Dissertation
dann, glaube ich.
Aber überhaupt
Kolonialismus,
aber auch Orientalismus
ist mir eher bekannt
eigentlich,
habe ich jetzt
schon gesagt,
aus der Romanistik,
weil ich ja auch
Französisch studiert habe,
da ist das natürlich
vor allem,
muss ich sagen,
in den
Literaturwissenschaftlichen
Lehrveranstaltungen
ist das oft
aufgetaucht.
Ja,
Literaturwissenschaft
ist ein guter
Stichpunkt,
weil
das wir jetzt
kritisch über
Orientalismus
nachdenken,
liegt an einer
bestimmten Person,
nämlich Edward Said,
der selbst
Literaturwissenschaftler
war,
er stammte
ursprünglich,
ich bin mir zu 99%
sicher,
er stammte ursprünglich
aus Palästina
und war dann
in den USA
und hat da eben
zwei sehr
einflussreiche Bücher
geschrieben und
das eine ist eben,
das heißt auf Deutsch
auch Orientalismus
auf Englisch
Orientalism,
das war das allererste
und da beschreibt er
nämlich ganz
grundsätzlich,
dass die Beschäftigung
mit dem sogenannten
Orient eigentlich
also nicht nur
auf die
Sprachwissenschaft
und die Philosophie
als solche
beschränkt war,
sondern grundsätzlich
alle Wissenschaften
beeinflusst hat,
wie sie über
den Orient
und damit das andere
nachdenken
und er sagt,
dass ganz grundsätzlich
Orientalismus
heißt,
dass wir
das andere
immer nur
unter einer
bestimmten Schablone
untersuchen können
und diese Schablone
ist davon geprägt,
was wir eigentlich
über uns selbst denken
also
und jetzt kommen wir
quasi wieder
so ein bisschen zurück
auch zu Felix Max Müller
und anderen,
wenn wir jetzt
denken,
okay,
wir haben Latein
und Latein
ist so eine
Wissenschaftssprache
aber gleichzeitig
auch eine
religiöse Sprache
dann suchen wir
halt auch nach
Sprachen,
die genauso sind
im Ausland
und dann fällt
halt in dieses
Raster Sanskrit rein
genau
und dann nehmen wir
quasi Sanskrit
um auch mehr
über uns
herauszuwissen
also zu erfahren
genau
und dass
dieser Blick
auf das andere
das habe ich ja
gerade schon mal
angedeutet
führte eben dann dazu
dass eigentlich
nur Schriftkulturen
untersucht wurden
denn diese Schriftkulturen
die wurden
Europa gegenüber
als ähnlicher gesehen
und damit auch
als höherwertige
als andere
nicht europäische
und auch gegebenenfalls
kolonisierte Gebiete
wie schon gesagt
so Afrika
oder Südamerika
und dadurch
wurde es einfach
unmöglich
dass gesprochene
Wissenschaftsprachen
die ja auch existierten
als solche
überhaupt anerkannt
werden konnten
genau
und jetzt kommen wir
eigentlich auch schon
zum Kolonialismus
das kommt immer mal
wieder vor
aber jetzt mal ganz kurz
der Kolonialismus
führte zu einer
Gleichschaltung
von dem
was als Wissenschaft
angesehen werden konnte
genau
und das heißt
auch innerhalb
dieses
Sprachen anerkannt
wurden
wie zum Beispiel Sanskrit
diese auch als
minderwertig abgewertet
weil sie eben
dann doch nicht
so
jetzt
ich zitiere
quasi 19. Jahrhundert
so hochentwickelt
seien
wie die europäischen
Sprachen
und das europäische
Wissen
und die europäischen
Wissenschaften
genau
dann kommen wir
schon zu unserem
nächsten Punkt
denn wenn wir
über
also die Entdehung
von Universitäten
und deren Verbindung
zu Kolonialismus
dann wenn wir
über Wissenschaft
und Kolonialismus
nachdenken
dann müssen wir
uns eben auch
anschauen
wie moderne
Universitäten
entstanden sind
und diese
modernen
Universitäten
waren nicht
losgelöst
vom Kolonialismus
genau
so viele
Universitäten
in Europa
wurden entweder
im 18, 19. Jahrhundert
neu gegründet
oder auch
ausgebaut
also es gab
natürlich
Universitäten
die viel älter waren
aber
gerade in Europa
also
in jetzt
ich meine
jetzt in Deutschland
gab es ja
eigentlich nur
Theologie, Philosophie
und Medizin
und Jura
die irgendwie
an den Universitäten
gelehrt wurde
weil das halt
die
die Fächer waren
die irgendwie
genau
die man halt
an so hohen
an so Hochschulen
lernen musste
und im 19. Jahrhundert
wurden dann eben
auch ältere Universitäten
die keine Ahnung
seit dem 4. 10. Jahrhundert
wie meine
Alma Mater
Uni Heidelberg
älteste
Mitteleuropäische Uni
die gab es schon vorher
aber
die Art und Weise
dass es jetzt
andere Disziplinen gibt
die sich mit verschiedensten
Sachen beschäftigen
das kommt alles
aus dem 19. Jahrhundert
die meisten Disziplinen
wie wir sie heute kennen
sind immer wieder
noch neuer
aber lassen sich
eigentlich nicht länger
als ins 19. Jahrhundert
zurückführen
eben abseits von
Medizin
Theologie und Jura
und mit der Theologie
halt Philosophie
weil sie da
angesessen war
genau
und das war
auch der Höhepunkt
vom europäischen Kolonialismus
also dass das
miteinander
verbunden sein müsste
dürfte eigentlich
nicht verwundern
genau
und die Institutionen
also Universitäten
dienten
gerade nicht
nur der Bildung
sondern auch immer
der Verwaltung
und der Aufrechterhaltung
von kolonialen
Machtverhältnissen
und das
auf zwei verschiedenen
Ebenen
und da zeigen sich
auch so ein bisschen
dass Kolonialismus
natürlich auch
abhängig war
von der Kolonialmacht
weil es gibt zum Beispiel
einen großen Unterschied
zwischen Großbritannien
und Frankreich
genau
und zwar in Großbritannien
war es so
dass
das England
immer als
die Metropole
weiterhin galt
das heißt
während Großbritannien
noch
also oder während
das Englische Reich
noch kolonial aktiv war
sollten
die englischen Universitäten
wie Oxford und Cambridge
und später aber zum Beispiel
auch SOAS
also die School of Oriental
and African Studies
wie es heißt
sollten
das Zentrum sein
an dem
die Elite
ausgebildet wird
und eben nicht nur
die heimische Elite
sondern auch
die koloniale Elite
das heißt
Leute wie
ich meine
ich kenne das
aus meinem
Forschungskontext Sri Lanka
Leute die
genug Geld haben
und genug
gesellschaftliche Verbindungen
und eh schon Glück hatten
in Sri Lanka
quasi Teil von einer
lokalen Elite zu sein
die wurden dann
in jungen
20er Jahren
immer nach England
geschickt
im 19.
und auch
wirklich bis in die
bis in die
19-30er Jahre hinein
und wurden in England
ausgebildet
und kamen dann zurück
nach Sri Lanka
und erst
in den
erst im 20. Jahrhundert
haben sich dann
zum Beispiel in Sri Lanka
aber auch in Indien
und in anderen Ländern
wirklich mehr
Universitäten auch
gebildet
in Frankreich
war das
ein bisschen
anders
da sollten
die kolonialen Eliten
eher auch
im Ausland
gebildet werden
genau
was halt auch
man sieht halt eben auch
dass das
Frankreich
vielleicht auch bis heute
noch so ein bisschen
also im Vergleich zu England
ist Frankreich
hat Frankreich
ein bisschen weniger
Spuren in sich
von
naja
von kolonialen Einflüssen
also natürlich
gibt es viele Menschen
die aus den
ehemaligen kolonialen
Gebieten
und vor allem
Nordafrika
dann nach Frankreich
gekommen sind
aber zahlmäßig
ist das
weitaus weniger
wie in England
was eben auch
daran liegt
dass England
wirklich früher
auch schon
durch diesen
elitären Austausch
über die Universitäten
einfach viele lokale
Leute dann da hatte
die teilweise auch
geblieben sind
genau
und das war in Frankreich
weil Frankreich
hat da sowieso
aber da kenne ich mich
jetzt nicht ganz so gut aus
diesen zentralen Fokus
auf Paris
das weißt du wahrscheinlich
auch ein bisschen besser
genau
und
alles was
und Paris hat natürlich
auch begrenzte
Kapazitäten
ja
also wenn du da
Frankreich ist Paris
es gibt sonst
rundherum nichts
glaube ich
genau
und da gibt es glaube ich
aber auch ein
zwei drei
größere Universitäten
wenn ich das richtig im Kopf habe
ja wie viele weiß ich auch nicht
genau
aber sie sind alle in Paris
eben
genau
auf jeden Fall
wurden dann doch schon
ja
hingestellt
also es gab natürlich
sowohl im Englischen
als auch im Französischen Reich
Schulen
aber es gab eben
im Französischen Kolonialreich
nicht diese gängige Praxis
dass man Leute dann
nach Paris holen würde
um sie da zu unterrichten
wie es in England
der Fall war
genau
so
was haben Universitäten
mit Kolonialismus zu tun
magst du vielleicht
ganz kurz einen Satz dazu sagen
um uns wieder einzufangen
du hast jetzt gerade
herausgestrichen
dass da eine
eine starke Verbindung
zwischen den beiden
besteht
und dass der
der Kolonialismus
quasi einen
einen riesen Einfluss
drauf hatte
wie
einerseits
ähm
äh
Universitäten
so wie wir sie heute
auch kennen
organisiert sind
strukturiert sind
aber auch
ähm
äh
quasi
welchen Einfluss
das äh
hatte
auf
das Personal
unter Anführungszeichen
ich sag das jetzt mal so
ja weil du jetzt eben gesagt hast
okay äh
da gibt es zum Beispiel
zwischen ähm
Frankreich und England
einen großen Unterschied
das macht einen großen Unterschied
ob ich äh
äh
quasi
Menschen
ähm
aus äh
den Kolonien
ins Zentrum
unter Anführungszeichen
äh hole
äh
oder umgekehrt
ob ich Leute aus dem Zentrum
weil um quasi
in den Kolonien
Universitäten
oder Forschungsstätten
aufzubauen
muss ich ja erst mal
Menschen hinschicken
die das
die das machen können
äh
äh
in quasi
in die Kolonien
ähm
schicke
quasi infiltriere
dort
ähm
beide Praktiken
sind
fragwürdig
äh
jetzt ist meine Frage
äh
das
könnten wir auch
das so ausdrücken
dass quasi wirklich
auch Universitäten
äh
als
ähm
wie soll ich sagen
koloniale Institutionen
bezeichnet werden können
ähm
ich würde sagen
auf jeden Fall
und ich glaube
also ja
da würden einem
viele Menschen
ähm
zustimmen
die sie heute
genau
sich zur Aufgabe gemacht haben
die Universitäten
sozusagen zu
ähm
so genannt
zu dekolonialisieren
ja
okay
genau
und
richtig
also Universitäten
waren kolonial
in zweierlei
Hinsicht
würde ich sagen
also in zweierlei
wie sag ich das
immaterieller Hinsicht
also in die materielle Hinsicht
ist ja genau das
dass sie halt
ähm
so eine Elite
ausbilden
dass das immer
zum Beispiel
in England
nur in England
passiert
also wirklich
dieses
genau
ähm
ja
dieser materielle
Einfluss
das andere war natürlich
die Sprache
das habe ich
so ein bisschen
angedeutet
aber es ist ja klar
dass man in England
und in diesen
französischen Institutionen
nur Französisch
oder Englisch spricht
also man hat dann
also die Leute
die zum Beispiel
aus Sri Lanka
gekommen sind
mussten natürlich
schon eine bestimmte
Englischkenntnis
mitbringen
um überhaupt
nach Oxford
eingeladen zu werden
ja
genau
und das andere ist eben
dass diese
Kolonialität
von Universitäten
sich auch in
daran niederschlägt
wie mit bestimmten
Wissensformen
umgegangen wird
und das
was du ja letzte Woche
auch schon angesprochen
mit diesem dunklen
19. Jahrhundert
dass halt
innerhalb
dieser entstehenden
Universitäten
nur bestimmte
Formen von Wissen
als Wissen
anerkannt wurden
und das ist alles
was als
rational bezeichnet
werden konnte
was irgendwie
systematisch
eingefangen werden
konnte
und das was
irgendwie
ja
schriftlich
fixiert war
also das ist ja auch
die Entstehung
von Geschichtswissenschaft
zum Beispiel
es hat lange gedauert
bis sowas wie
mündliche Geschichte
Eingang in die
Geschichtswissenschaft
gefunden hat
das war im späten
20. Jahrhundert
weil man im
19. Jahrhundert
davon ausging
nur das was
irgendwie schriftlich
ist
das echte Geschichte
und
genau
das heißt
Wissen
das mündlich
überliefert wurde
oder auch Wissen
das eng mit
verschiedenen Körperpraktiken
wie zum Beispiel
weiß ich nicht
Tanzen
verbunden war
oder Wissen
das mit Religion
oder Spiritualität
verbunden war
und Wissen
das irgendwie
aus
irgendwas mit
lokalen Kosmologien
also Weltanschauungen
zu tun hat
die gerade auch
nicht mit
westlich-christlichen
Vorstellungen
irgendwie deckungsgleich
waren
dieses Wissen
wurde abgewertet
oder ganz ausgeschlossen
genau
also zum Beispiel
Sanskrit wurde
abgewertet
und afrikanisches
Wissen
also vor allem
Afrika
unterhalb des Sahara
wurde komplett
ausgeschlossen
also man sieht
wirklich da auch
Unterschiede
innerhalb der
verschiedenen
kolonialen
Wissenssysteme
das heißt
die Universität
war ein Ort
an dem koloniales
Denken
sowohl
reproduziert wurde
als auch
institutionalisiert
wurde
sondern was heißt
das jetzt für Sprache
das heißt
die dominanten
Wissenschaftssprachen
also zum Beispiel
Französisch und Englisch
die wurden eben
genau nicht zufällig
zu einer Norm
sondern die wurden
bewusst
durch koloniale
Machtstrukturen
durchgesetzt
in den Kolonien
selbst wurden lokale
Sprachen
verboten oder
abgewertet
und wer
wie ich schon gesagt habe
an Universitäten
studieren wollte
der musste auch
die Kolonialsprache
sprechen und schreiben
können
selbst in den Kolonien
selbst
oder das ist
vielleicht auch
wichtig dazu zu sagen
das ist natürlich nur
weil eine Universität
in der Kolonie
selbst aufgebaut wurde
und nicht quasi
im Zentrum
im englischen Zentrum
die Sprache
die Wissenschaftssprache
in diesen Universitäten
ist natürlich
Französisch gewesen
keine lokale Sprache
genau
exakt
exakt
das heißt
da geht es dann halt
auch wieder viel
um Einschluss
und Ausschluss
oder
dann direkt
quasi vor Ort
quasi war dann
diese Universität
quasi auch schon
über diese Sprache
wurde dann auch
der Zugang
zu Wissen
oder Zugang
zur
akademischen Welt
quasi dann auch
beschränkt
das heißt
Sprache wirkt
hier dann auch
so als Gatekeeper
irgendwie
total
genau
Sprache war
ein Zugangspass
wer Englisch
oder Französisch
sprach
der durfte mitreden
und wer es nicht hat
der wurde entweder
ganz ausgeschlossen
oder eben
wie du vorhin
auch schon mit
sonst gesagt hast
zum Objekt
der Forschung
gemacht
anstatt eben
als gleichwertige
Wissensproduzentin
anerkannt zu werden
super
dann sind wir
erstmal fertig
mit dem 19. Jahrhundert
und springen jetzt
genau
jetzt haben wir
im Hinterkopf
das was du vorhin
gesagt hast
über den
Zweiten Weltkrieg
und der USA
und kommen jetzt
zu Englisch
als globaler
Wissenschaftssprache
heute
denn heute ist
Englisch de facto
dominierende Sprache
der Wissenschaft
also selbst
wenn es noch
lokale
Wissenschaftstraditionen
gibt
wie
in Deutschland
auf Konferenzen
Deutsch gesprochen wird
oder
gerade Frankreich
ist ja wirklich
noch ein sehr
einflussreiches
akademisches
Gebiet
aber selbst
da ist es so
wenn du
über deinen Kontext
hinaus
deine Forschung
sichtbar
und hörbar
machen willst
dann geht das
nur über Englisch
und das ist
sowohl
über Publikationen
also teilweise
ist ja sogar so
dass viele Menschen
dann
ihre Sachen
doppelt publizieren
aber dazu kommen wir
noch
also in verschiedenen
Sprachen
aber gerade
die ganzen
internationalen
Konferenzen
sind einsprachig
auf Englisch
internationale
Forschungsanträge
werden auf Englisch
geschrieben
und
sobald es quasi
internationale
Studiengänge gibt
finden die auch
auf Englisch statt
ja
genau
und das
wirkt vielleicht
auf den ersten Blick
neutral
oder auch praktisch
und ist aber
wie ich schon gesagt habe
einfach historisch
gewachsen
und zwar
aus diesen kolonialen
Strukturen
die wir gerade
besprochen haben
ja
ich meine
das könnte man
natürlich einwenden
es ist ja
es ist ja
irgendwie logisch
und praktisch
eine gemeinsame
Sprache zu haben
man braucht ja
vielleicht auch
eine gemeinsame
Sprache
weil sonst
versteht ja auch
niemand die
Forschung
der anderen
und klar
ja
also
genau
du sagst
ja ja
klar
eine gemeinsame
das in der
Wissenschaft
bedeutet
also die Frage
die man sich
stellen sollte
ist nicht
also jetzt
weg mit Englisch
natürlich nichts
einfach geht es
nicht
aber wie und warum
und mit welchen
Ausschlüssen
wurde Englisch
zur Wissenschaft
Sprache
und wie
muss man das
eben auch heute
noch weiter
reflektieren
und eben auch
zu schauen
wer wird auch heute
immer noch
de facto
deswegen
ausgeschlossen
genau
und Beispiele
hiervon
wie sich das
eben ausdrückt
ist zum Beispiel
wer Englisch
nicht als Erstsprache
spricht
der muss erstmal
viel mehr Arbeit
leisten
also Texte
müssen mehrfach
überarbeitet werden
bis sie publiziert
werden können
gegebenenfalls
muss für
Übersetzungshilfen
bezahlt werden
oder man muss
immer wieder
mit dem Vorurteil
auch kämpfen
schlecht zu schreiben
in Anführungszeichen
schlecht zu schreiben
natürlich
und es zeigen sich
auch in Studien
dass diese
Peer Reviews
also wenn
aus dem
aus dem
Fachkontext
Leute die
Artikel korrigieren
um zu gucken
dass das quasi
Standards entspricht
und eben mit Literatur
sich abdeckt
dann werden
in diesem Peer Review
Verfahren
Texte von
nicht Englisch
erstsprachigen
AutorInnen
immer strenger bewertet
denn Sprache
beeinflusst eben
auch die Bewertung
von sogenannter Qualität
also es wird dann
eben gerade nicht mehr
also die Leute
bleiben dann quasi
auf dieser
Ebene
der Sprache
meistens hängen
und bewerten
auch den Inhalt
automatisch negativer
das führt dann eben
auch dazu
dass viele Forschende
aus dem globalen Süden
ihre eigenen
lokalen
wichtigen Themen
auch gar nicht
auf Englisch
vermitteln können
ohne dass sie
an so einer
Tiefenschärfe
einfach scheitern
weil sie eben
gegebenenfalls
auch von westlichen
ReviewInnen
gar nicht verstanden
werden können
genau
und jetzt gibt es
natürlich so eine
ziemlich radikale
Veränderung
auch in der Wissenschaft
auf die ich kurz
eingehen will
und zwar
natürlich KI
ja weil
es ist schon so
dass
KI
einige Möglichkeiten
verbessert
also ein paar
der Probleme
die ich angesprochen
habe
wie
Übersetzungshilfen
die Kosten
etc
das wird sich
in Zukunft ändern
aber
vielleicht erstmal
so ein ganz
praktisches
Problem damit
es ist zwar jetzt so
dass es besser
möglich ist
aber erstens
ändert sich nicht
von heute auf morgen
unsere Praxis davon
ja und auch
Zugängigkeiten zur KI
sind natürlich auch
sehr stark lokal
anders
und was natürlich
auch so ist
das verfügbare Wissen
ändert sich nicht
von heute auf morgen
also wenn man sich
nochmal vorstellt
man hat ja
man muss sich das
ein bisschen vorstellen
wie man hat so eine
Wissenschafts-Community
auf Englisch
die sich so
über den Globus
irgendwie stretcht
und da gibt es
verschiedene Themen
und Debatten
die immer wieder
angestoßen werden
und wo Leute
sich so ein bisschen
darin auskennen
und dann gibt es
in verschiedenen
lokalen Sprachen
und lokalen Sprachen
meine ich jetzt
will ich jetzt
automatisch auch nicht
so orientalisieren
und sagen
damit meine ich jetzt
was weiß ich
nicht eine Sprache
in Argentinien
so eine indigene Sprache
in Argentinien
zum Beispiel
sondern damit meine ich
auch Deutsch
also im deutschen
religionswissenschaftlichen
Kontext haben wir
andere Debatten
wie im globalen
Religious Studies
Kontext
und das Problem
ist ja
dass
wie sag ich das
dass halt
dieses Wissen
das zugänglich ist
also selbst
für den BKI Nutzen
nicht automatisch
vielleicht auch von der KI
derzeit noch nicht
so erfasst werden können
oder eben
auch Sprachen
die bisher auch nicht
in akademischen Journals
publiziert wurden
wenn man KI fragt
okay
suche mir
also hilft es quasi
zu verbessern
den Text
den ich habe
und nimm dazu
was weiß ich
wissenschaftliche Publikationen
aus dem und dem Bereich
dazu
dann schaut sich das
auch wiederum
nur englische Publikationen
an
weil es gibt ja auch
einen gewissen Zugang
die KI auch auf
Texte und auf Wissen hat
genau
und ein anderes Problem
das wir vielleicht
kurz ansprechen sollten
ist auch
dass durch die Nutzung
von KI
auch ein bestimmtes
standardisiertes Englisch
und zwar ein amerikanisches
Englisch
immer mehr zur Norm wird
also was vorher
also vorher war ja
das britische Englisch
so eine sehr
standardisierte Norm
vor allem in der
Wissenschaftssprache
und das
American English
wird jetzt durch KI
auch zu einer
neuen
Wissenschaftsstandardsprache
genau
ich meine
was das für Probleme
oder Folgen haben könnte
können wir ja auch mal
in einer weiteren
Folge besprechen
was das heißt
dass das eine
Sprachart
zu einer bestimmten
Norm wird
weil zum Beispiel
beim Englischen
ich habe jetzt quasi
von britisch Englisch
und von American English
gesprochen
aber es gibt ja so viele
andere Formen
des Englischen
nicht nur in den
ehemaligen Kolonien
sondern auch
es gibt ein schottisches
Englisch
es gibt ein irisches
Englisch
es gibt ein
American Midwestern
Englisch
überall auf der Welt
gibt es verschiedene
Formen von Englisch
und durch
Wissenschaftspraxis
und eben jetzt auch
verstärkt durch KI
wird eine bestimmte
Form davon
zur Norm
was ist denn da
deine Meinung
zu dem Thema
also gerade so
wenn es um
normierte
Sprachformen geht
wenn es um
standardsprachliche
Formen geht
ich meine gut
ich bin
es ist vielleicht
eh ganz gut
dass wir beide
hier gerade
im Podcast
gemeinsam sitzen
und drüber sprechen
weil
du sprichst
eine sehr
standardnahe
bundesdeutsche
Variante
und ich eben
eine Varietät
und ich eben
eine
ich muss es immer
dazu sagen
aber
meine Sprache
ist doch auch
sehr standardnah
aber eben
nahe
der österreichischen
der österreichischen
Standard Varietät
ja und es gibt eben
diesen Standard
und der Standard
ist jetzt nicht nur
imaginiert
oder das sagen wir
nicht nur
weil wir halt auch
irgendwie
eine Standardform
haben wollen
oder natürlich auch
etwas
eine Form haben
die im Fernsehen
gesprochen wird
oder die man halt
in Bildungsinstitutionen
spricht
oder
in der Uni spricht
sondern es ist wirklich
auch standardisiert
also es
es gibt ein
Wörterbuch
es gibt
die Grammatik
also es
das meine ich
mit standardisiert
und ich glaube
dass
erstens das
geht schon mal unter
ja
dass es natürlich
nicht immer
dass es nicht nur
einen Standard gibt
und dann
der ganze Rest
ist irgendwie
ja Umgangssprache
oder Dialekt
oder sonst irgendwas
und das stimmt
natürlich auch
fürs Englische
genau
und auf der anderen
Seite
ist es
natürlich auch
beim Englischen
jetzt konkret
ich meine
beim Deutschen auch
ja
weil wir sprechen
heute über das Englische
was
hier immer
mit rein spielt
wenn es dann um
Mehrsprachigkeit
geht
wobei ich ja
das ist wirklich
jetzt
ein Thema
für eine ganz andere
Folge
aber
mein Credo ist
niemand
ist einsprachig
es gibt
keine einsprachige
Person
ich
du bist nicht
einsprachig
ich bin nicht
einsprachig
auch nicht
weil wir
unterschiedliche
Einzelsprachen
sprechen
sondern allein
weil wir uns
auch schon
im Deutschen
in unterschiedlichen
Varietäten
immer wieder
bewegen
das heißt
was hier
häufig immer
kritisiert wird
ist sowas wie
ein
Native
Speakerism
bei der
Mehrsprachigkeit
also wenn es
jetzt darum geht
dass jemand
auf Englisch
als
Fremdsprache
publizieren muss
dann so wie du
gesagt hast
dann wird
diese Form
von Englisch
abgewertet
oder zumindest
kritischer bewertet
auch wenn es
unbewusst ist
das passiert nämlich
oft unbewusst
dass man eben
Sprachformen
die nicht
wie ein
imaginierter
Standard
sich anhören
abgewertet werden
also zum Beispiel
weil ich
sehr
standardnah klinge
für andere
Österreicher
aber wenn
mir eine
Deutsche oder
ein Deutscher
zuhört
weiß ich nicht
ich weiß nicht
ich kann es
dann nicht
einschätzen
wie dann
meine Sprache
bewertet wird
und genauso ist es
auch beim
Englischen
ich habe
wenn wir
jetzt wieder
das Ausweiten
die
Mehrsprachigkeit
auf
Mehrsprachigkeit
in unterschiedlichen
Sprachen
dann ist da
wahrscheinlich
dieses
Festhalten
an dieser
Standardnorm
im
Wissenschaftsbetrieb
wahrscheinlich
sehr stark
zu kritisieren
oder genau
hier
dran zu
schrauben
also das wäre
so die
Stellschraube
wo man
quasi umdenken
müsste
weil so wie du
gesagt hast
von heute auf
morgen
oder überhaupt
vielleicht
rauszukicken
und zu sagen
na ab jetzt
machen wir es anders
so funktioniert es
nicht
genau
aber man kann
zumindest
daran denken
dass man
innerhalb
dieser
Sprache
die in der
Wissenschaft
jetzt
dominant ist
nämlich Englisch
versucht
so
ich denke da
jetzt an
an
Deleuze
zum Beispiel
der mal
geschrieben hat
von
ich bin
nicht ganz
sicher
beim Begriff
beim Konzept
ob das
jetzt
zumindest
auch
in der
deutschen
Übersetzung
ob das
minoritäres
Schreiben
oder minoritäre
Literatur
war oder
sowas
also es ging
eher
da um
Literatur
Literatur
das war es
genau
es ging
nämlich um
die
Literatur
es wurde
auch
im
Literatur
wissenschaftlichen
Bereich
quasi geprägt
dieser Begriff
aber ich
also das war
so die
Idee
dass man
in
der Literatur
oder in der
Philosophie
eine Art
quasi
minoritäres
Schreiben
braucht
dass man
quasi eine Sprache
braucht
die
Zwischenräume
lässt
die Zwischenräume
schafft
quasi irgendwie
auch so Räume
der Subversion
irgendwie
die irritiert
die neue Begriffe
erfindet
und das ist
für Deleuze
möglich
durch
sogenannte
deterioralisierende
Kräfte
das ist ein
schreckliches Wort
warte mal
deterioralisierende
Kräfte
aber es ist richtig
schön gesagt
ja
die
der Sprache
da irgendwie
so zuschreibt
also solche
Prozesse
durch die
eben feste
Bedeutungen
oder stabile
Strukturen
dominante
Ordnungen
quasi
aufbricht
auflöst
verschiebt
unterläuft
ja
wie gesagt
er
macht das
mit
mit
mit
mit
mit
Literatur
ich glaube
bezieht sich
dann auch
so auf
Kafka
ganz stark
vielleicht
ich habe
eine
also
ein Beispiel
aus der
Wissenschaft
also meine
Diplomarbeiten
damals habe ich
noch auf
Französisch
geschrieben
aber die
Dissertation
habe ich
dann auf
Deutsch
geschrieben
aber
Deutsch
war in dem
Kontext
in dem ich
halt erst
publiziert
habe
natürlich die
dominante
Sprache
also ich könnte
sagen
also Deutsch
wäre hier
die Sprache
die ein bisschen
verschoben werden
muss
oder die
ein bisschen
aufgebrochen werden
muss
und
für mich
war das damals
ganz ganz ganz
ganz wichtig
eben einfach
zu zeigen
mich selber
erstens mal
als
Wissenschaftlerin
zu positionieren
in meiner
eigenen Forschung
meine Sprache
auch
zu positionieren
und meine Sprache
zu hinterfragen
also jetzt nicht nur
so in einem
Satz am Anfang
irgendwo in einer
Fußnote
dass ich mir
dessen bewusst bin
Punkt
und dann schreibe ich
weiter
sondern wirklich
durch den Text
durchlaufend
und es ist
wirklich lustig
dann im Nachhinein
dann nochmal
den Text
irgendwie aufzumachen
weil
wie kann ich denn
meine eigene Sprache
quasi hinterfragen
wie kann ich denn
hinterfragen
dass mit dem
wie ich über
mein Forschungsthema
spreche
wie ich es kommuniziere
dass ich das selber
hinterfrage
dass quasi das
nicht jetzt
die
die letztgültige
Interpretation
quasi dessen ist
was ich beobachte
und das
habe ich dann
irgendwie
ich weiß nicht
ich nenne das
dann immer so
Schreiben
zwischen den Zeilen
weil ich glaube
Lesen zwischen den Zeilen
das kennen alle
oder
kann man sich
was darunter vorstellen
wenn ich sage
ja lies einmal
zwischen den Zeilen
aber für mich
war es wirklich
beim Schreiben so
dass ich quasi
immer schon
zwischen den Zeilen
geschrieben habe
und das
hat sich dann bei mir
so ein bisschen
so geäußert
um jetzt ein praktisches
Beispiel zu geben
weil das klingt alles
so abstrakt
wie verschiebt man
eine Sprache
quasi
um das auszudrücken
aber bei mir
war das dann wirklich
im Text
jedes zweite Wort
hatte mehrere
Bedeutungen
es waren auch
multiple Beziehungen
immer im Text
also das hat sich
dann auf den Satz
danach bezogen
konnte sich aber auch
auf den Satz
davor beziehen
oder auf irgendwas
was auf der Seite
davor war
also es war ein
ganz ganz ganz
ganz dichter Text
in dem halt
das was ich gesagt habe
immer wieder
auf verschiedene Stellen
verwiesen hat
formal hat sich
das dann geäußert
ganz oft
dass ich in einem Satz
dann so Klammern hatte
oder wo du dann
Endungen einklammerst
damit dann
eine Doppeldeutung
quasi irgendwie
sichtbar auch wird
im Text
ich habe Sterne
eingesetzt
Gedankenstriche
Doppelpunkte
alles mögliche
also es ist wirklich
auch formal
im Text ersichtlich
dass ein Satz
nicht nur als
ein Satz
gelesen werden kann
ja
krass
und das ist für mich
sowas was
ich habe das
total verbunden
also wie ich das
von Deleuze
gelesen habe
habe ich mir gedacht
okay
das ist genau das
was ich machen wollte
und so könnte es
funktionieren
und zwar in einer Sprache
das heißt
ich könnte das gleich
auch auf Englisch
übertragen
und sagen
okay fine
ich muss auf Englisch
publizieren
ich muss mich
an gewisse Standards
erhalten
damit ich quasi
und auch die englische
Tradition
Wissenschaftstradition
da ein bisschen
ein bisschen verschieben
wenn du durch das
Peer Review
Verfahren kommst
also ich hatte
ich habe selbst schon
Momente gehabt
an denen ich echt
daran verzweifelt bin
wo es wirklich nur
um Sprache ging
ich musste gerade auch
mir so das Lachen verknallfen
als du das erzählst
ich hatte so das Gefühl
du bist so die Wiedergeburt
aber und da muss ich
daran denken
ja Wittgenstein
der
ja der
ich bin nett
auf jeden Fall
Wittgenstein und andere
Leute in seiner Zeit
die hatten ja noch
kein Peer Review Verfahren
er wäre niemals
durch Peer Review Verfahren
gekommen
nein
absolut nicht
ich aber auch nicht
deswegen bin ich auch
rausgestiegen
also ich glaube
ich habe mich
ich habe mich
während dem Schreiben
schon
ja
und danach habe ich mich
entschieden
nein ich kann mich
mit dem nicht identifizieren
also
mit dem
überhaupt
mit dem ganzen System
nicht
ja aber auch mit der
mit der
mit der Schreibtradition
ja
ok ja krass
spannend
ja müssen wir vielleicht
das auch nochmal
nochmal weil da so viele Themen
aber wir haben es heute schon
angedeutet
wir haben Englisch
mit Englisch angefangen
und jetzt sind wir schon
wieder irgendwo
ja genau
es ist echt wirklich
schlimm ist das
wir gehen jetzt nochmal
nämlich nochmal woanders hin
wir gehen nämlich nochmal
zu einem theoretischen Konzept
das ich nochmal einwerfen will
damit man das vielleicht
auch damit verbindet
nämlich den Begriff
von epistemischer Gewalt
das ist eigentlich
ein Fachbegriff
für
und ich sage es halt
auch deswegen
weil
genau
ich will eben auch
so ein bisschen
genau
diese Worte
die man vielleicht
dann in anderen Kontexten sieht
und ich weiß was sie bedeuten
und was man damit
verknüpfen soll
jetzt auch so ein bisschen
genau da ein bisschen
mit einbringen
und epistemische Gewalt
ist wie gesagt
das was ich gerade
beschrieben habe
also die systematische
Ausgrenzung
und Abwertung
von bestimmten
Wissensformen
und das heißt
epistemische Gewalt
kann zum Beispiel
geschehen
durch die Dominanz
des Englischen
in der Wissenschaft
denn dadurch werden
eben nicht westliche
Sprachen und Perspektiven
und auch Erkenntnistraditionen
marginalisiert
und unsichtbar gemacht
genau das heißt
manche Themen
oder Perspektiven
sind gar nicht mehr sichtbar
und werden auch
können gar nicht
sichtbar gemacht werden
durch die Art und Weise
wie wir Wissen produzieren
und Zugang dazu schaffen
eben zum Beispiel
durch Universitäten
also Universitäten haben
man muss zum Beispiel
einen bestimmten
Schulabschluss haben
um dahin zu gelangen
ja
und muss bestimmte
oder zu promovieren
muss man auch
einen bestimmten
Abschluss haben
der aus einem bestimmten
Land kommt
von einer bestimmten
Hochschule
der auch nicht überall
anerkannt wird
etc
also wir haben
bestimmte
Arten und Weisen
die wirklich sehr stark
geregelt sind
und Regeln
wie wir Wissen produzieren
und wie der Zugang
zu Wissen gemacht ist
und das nennt sich
epistemische Gewalt
und der Gewaltaspekt
kommt eben
aus einer
dekolonialen Tradition
die eben sagt
epistemische Gewalt
ist wirklich sehr sehr stark
in ehemaligen Kolonien
ja
hat dort sehr stark
stattgefunden
genau
stattgefunden
genau
mit genau
diesem
ganz vielen
verschiedenen Tools
die ich vorhin
alles schon
angesprochen habe
genau
das heißt
dadurch
galten
nur bestimmte
Themen
als entweder
relevant
oder innovativ
also das ist ja auch
was wo sich
Forschung messen
lassen muss
und andere
Perspektiven
sind entweder
zu lokal
oder zu irrational
oder eben auch einfach
in Anführungszeichen
alles nicht
anschlussfähig
und Sprache ist
wie du ja auch schon gesagt hast
und wie wir jetzt
eigentlich schon die ganze Zeit
gesagt haben
ist ein Filter hierfür
denn Sprache entscheidet
eben auch
was als wissenschaftlich gilt
also dein Beispiel
gerade von deiner
Doktorwahl ist ja genau das
also bestimmte Leute
würden halt sagen
das ist gar nicht
wissenschaftlich
das ist irgendwie
kreativer Humbug
ja
vielleicht
genau
und damit entscheidet
ja eine bestimmte
Forschung von Sprache
auch darüber
was als Wissen
das betrifft eben
nicht nur Sprache
im engeren Sinne
sondern
und da finde ich
super
dass du das Beispiel
eingebracht hast
es ist eben
nicht nur Sprache
im engeren Sinne
sondern
auch immer quasi
das im Hinterkopf
was wir auch letztes
mal gesprochen hatten
es betrifft auch
Stil und Denkweisen
also gerade auch
dieses Konzept von
Deleuze geht ja auch
darum dass wir
durch die Veränderung
von Sprache halt auch
eben neue kreative
Möglichkeiten entwickeln
weiter zu denken
eben nicht eingeschränkt
zu werden
durch eine bestimmte
Denkweise
die in einer bestimmten
Majoritäten Sprache
mit angebracht ist
und das zeigt sich
auch darin
dass viele
nicht englische
Wissenschaftstraditionen
auch zum Beispiel
eher Essayistisch schreiben
oder dialogisch
oder auch narrativ
also dass sie
eher Geschichten erzählen
und das passt eben
nicht zu diesem
klassischen
englischsprachigen
Argument Evidence
Conclusion Model
also ich habe ein Argument
und dann zeige ich Belege
dafür
und dann mache ich
ein Fazit
genau das heißt
Form und Inhalt
und vor allem
im Wissenschaftsbetrieb
hängen eng zusammen
und man könnte vielleicht
aber dazu würde ich
deine Meinung
auch noch mal kurz
haben wollen
man könnte vielleicht sagen
wer die Sprache wechselt
der muss auch
die eigene Denkweise
wechseln
was meinst du dazu
ja
ich glaube
also ich glaube
ich weiß was du meinst
ja also wenn du sagst
mit Denkweise wechseln
ich glaube aber auch
das was du vorher gesagt hast
dass das ganz gut dazu passt
zu dem was ich vorhin
gerade gesagt habe
was ich getan habe
ich hatte nämlich
bei meiner
Dissertation
ich musste nicht
Sprache wechseln
um Denkweise zu wechseln
weil was ich offenbar getan habe
ist ich habe mich nicht
der deutschen
Wissenschaftstradition
gebeugt
ich habe nicht das gemacht
was man von mir erwartet hat
als Text
zumindest
ja also
ich habe zwar die Arbeit
so gemacht
wie es von mir erwartet
mehr oder weniger
wie es von mir erwartet wurde
ja
aber ich habe mich
vor allem beim Text
nicht dran gehalten
es war jetzt schon auch
wie ich quasi
die Forschung aufbereitet habe
dann auch schon so
dass ich schon wirklich
sehr unzufrieden war
mit dem was da war
in meiner Arbeit
dass ich versucht habe
methodologisch
da Dinge zusammenzubringen
die noch nicht zusammen waren
also diese
ich habe vorhin gar nicht gesagt
was ich gemacht habe
also ich habe gearbeitet
einerseits
ich habe an einer Schnittstelle
gearbeitet
um das kurz zu machen
an Repräsentationsregimen
habe ich gearbeitet
eigentlich
und da eben
an der Schnittstelle
zwischen einerseits
den Subjektpositionen
die wir eher so
aus dieser Diskursanalyse kennen
von Foucault und Butler
und so weiter
und auf der anderen Seite
aber mit dem Begriff
der Identität
der vor allem
im öffentlichen Diskurs
wenn es um Minderheiten geht
um Sprachminderheiten geht
oft verwendet wird
und da eben versucht
quasi diese beiden Dinge
die eigentlich
sehr sehr unterschiedlich sind
also Subjekt
das immer
nicht wirklich da ist
sondern immer nur
die auch in der Sprachwissenschaft
eine ganz ganz wichtige Rolle
spielt
herzustellen
und genau
aus diesem
aus diesem
aus dieser Krux irgendwie
dass ich da quasi
auch theoretische Konzepte
irgendwie zusammenbringen muss
die da nicht passen
ist dann auch dieser Text entstanden
der auch nicht wirklich
der auch nicht wirklich passt
weil ich eben
gerade weg wollte
von diesem
es ist
das was mir
die Leute in den Interviews erzählen
das was ich aus meiner Diskursanalyse
aus den
aus den Texten rauslese
das kann ich einfach nicht so
als fix da stehen
lassen irgendwie
und bei
also das war jetzt
zum Thema Stil
und mit der
mit dem Sprachwechsel
das mit dem Sprachwechsel
ein Denkwechsel einher geht
da bin ich
einfach als Sprachwissenschaftlerin
oder überhaupt
als Sprachwissenschaftlerin
die da aus der
Mehrsprachigkeitsforschung
auch kommt
immer sehr vorsichtig
weil das ist natürlich
ein Argument
dass ich
einerseits auch direkt
in dieser
in meiner Dissertation
so oft gehört habe
ja
also
von den
mehrsprachigen Personen
mit denen ich gesprochen habe
die dann sagen
wenn ich meine Sprachen wechsle
dann denke ich ganz anders
dann argumentiere ich ganz anders
dann bin ich ein anderer Mensch
ich fühle mich irgendwie so gespalten
und das ist ein super
super super defizitärer Blick
eigentlich
wenn man darüber nachdenkt
weil das Gleichargument
wird ja in der öffentlichen Debatte
quasi gegen Mehrsprachigkeit
immer wieder eingewendet
quasi das
quasi der Standard
ist der einsprachige Mensch
und die Abweichung davon
ist der mehrsprachige Mensch
der ist dann natürlich defizitär
weil er muss sich ja aufteilen
quasi auf verschiedene Sprachen
auf verschiedene Denkweisen
auf verschiedene Identitäten
genau
und
deswegen sage ich da immer
auch
das
kann man hier auch
anwenden
denke ich
auf
die Wissenschaftsproduktion
dass
meine
dass die Art und Weise
wie ich Wissenschaft betreibe
die Art und Weise
wie ich Flüsse ziehe
wie ich etwas
logisch aufbereite
nicht
fix
an
eine
Einzelsprache
sage ich jetzt
also an Deutsch
an Englisch
an was auch immer
gebunden ist
sondern dass das
eine Fähigkeit ist
eine kognitive Fähigkeit
die verbunden ist
natürlich
natürlich
weil wir sind über diese Traditionen
über die wir schon oft gesprochen haben
natürlich dann gebunden
dass das
das ist schon so
aber
es ist nicht möglich
also
Entschuldigung
es ist nicht unmöglich
aus diesen Traditionen
auszubrechen
und meine Dissertation
ist schon irgendwie auch
ein bisschen ein Beweis dafür
ich kann sehr wohl
in der dominanten
Wissenschaftssprache schreiben
ich kann aber diese Sprache
unterlaufen
um dann eben nicht
an der
traditionellen
quasi
am traditionellen Stil
und am traditionellen Denken
quasi
festzuhalten
und ich glaube
man kann sich das irgendwie
vielleicht um das jetzt bildlich
ein bisschen
sich vorstellen zu können
vielleicht ganz kurz
aber das ist auch wieder
eine neue Folge
aber
es kommt eben
das Bild kommt
aus der Mehrsprachigkeitsforschung
und ich finde das ganz praktisch
weil es eben so
plastisch irgendwie darstellt
was passiert
wir haben also quasi
einen
stellen wir uns zwei Eisberge vor
die floaten da irgendwo
im Ozean herum
und diese beiden Eisberge
stellen quasi
zwei Sprachen dar
jetzt zum Beispiel
Deutsch und Englisch
und
diese
zwei Eisberge
stehen
für
meine
einzelsprachlichen
Kompetenzen
also
sprachspezifische
Fähigkeiten
also
den
das muss ich natürlich
das ist natürlich
in beiden Sprachen anders
das muss ich auch
für beide Sprachen
quasi separat
lernen
aber unterhalb
jetzt wenn wir unterhalb
der Wasseroberfläche schauen
dann sind in diesem Modell
und das ist der entscheidende Punkt
diese beiden Eisberge
miteinander verschmolzen
das heißt die haben
so eine gemeinsame Basis
und das würde dann
in der Sprachwissenschaft
nennen wir das dann halt
diese gemeinsame kognitive
und sprachliche
Grundlage
dieser
kanadische
Sprachwissenschaftler
der mit diesem Modell
das erste Mal
gearbeitet hat
das war
Jim Cummings
der hat
das
CUP
genannt
also
Common Underlying
Proficiency
also eben
diese gemeinsame
zugrunde liegende
Sprachkompetenz
und genau
also dort wo er
jetzt sagt
das sind
Kompetenzen
die ich nicht
doppelt
dreifach
vierfach
erwerben muss
sondern das sind
Kompetenzen
die ich quasi
ich als Mensch
quasi habe
und dann in meinen
unterschiedlichen Sprachen
quasi ausdrücken kann
ja ob das jetzt
die Argumentationsfähigkeit
ist
das Konzeptwissen
das Textverständnis
also nicht
Lese-Schreibkompetenz
ja wie lese ich Texte
wie schreibe ich Texte
diese Dinge
die habe ich
und kann dann
quasi auf
Englisch dran
anzapfen
oder auf Deutsch
dran anzapfen
oder wie auch immer
ja
und ich denke
das lässt sich hier auch
eben auf die
auf die Wissenschaftsstile
vielleicht
übertragen
wenn man das
quasi auf dieser Ebene
ansiedelt
und dann sagt
ja okay
aber es gibt
bestimmte Traditionen
die quasi
dann
mich in eine
bestimmte
Wissenschaftstradition
auf Englisch
ja
eher lenken
ja
aber nicht
mich auf
diese
Wissenschaftstradition
fixieren
das heißt
nur weil ich
auf Englisch
schreibe
heißt das nicht
dass ich genau
in diesem Stil
und genau
auf diese Art und Weise
schreiben muss
und ich denke
das was wir hier
im Podcast machen
ist um jetzt
das abzuschließen
irgendwie
ist genau auch das
weil nur
weil es bis jetzt
immer so
ich kann mit Sprache
immer egal
in welcher Sprache
ich kann zum Beispiel
das was wir
in deiner zweiten Folge
gemacht haben
mit den Begriffen
Sex and Gender
ich kann hinter
die Begriffe schauen
auch wenn sie nicht
aus meiner Sprache
ich kann das
verbalisieren
ich kann das
ich muss es nur machen
ich muss es nur machen
und das ist der springende Punkt
glaube ich
also die Lösung
ist vielleicht gar nicht
Sprachen auszuschließen
oder irgendwie
Sprachen zu dämonisieren
sondern einfach
in meiner Art und Weise
wie ich Sprachen
verwende
etwas zu verändern
weiß nicht
ja super
das bringt uns
utopisch
ja super
es bringt uns echt schon
genau das ist
also super wichtig zu sagen
dass es immer diese
Öffnungen gibt
also gerade wenn wir auch
über diese koloniale Macht sprechen
koloniale Macht war
in vielen Kontexten
wirklich
machtvoll und gewaltvoll
aber das heißt gerade nicht
dass es
totalitär war
und auch das was wir
immer als Totalitarismus
bezeichnen
es gibt ja immer wieder
diese Momente
der Handlungsmacht
die sich irgendwie auftun
und in Sprache
ist das eigentlich
diese Beispiel
die du gerade genannt hast
ziemlich eindrucksvoll
also mein Gedanke
dabei kann man mal
wenn man sich meine Notizen
mal anschaut
so während dem Vortrag
oder wenn ich Notizen mache
für einen Artikel
oder so ist das immer
so drei Wörter Deutsch
drei Wörter Englisch
inzwischen denke ich mir was
das Ding
und manchmal fällt mir
einfach das eine Wort
schneller an als das andere
und meine Notizen
sind komplett bunt gemischt
naja
so ganz kurzer Einschnitt
das schreibe ich später wieder raus
wir sind schon ziemlich
am Ende von der Zeit
ich würde es direkt
zur Zusammenfassung springen
und das Übersetzungsding
machen wir ja eh
kann ich ja nächste Woche
einfach nochmal sagen
über Übersetzung sprechen
ich denke da werden wir
dann einsteigen
das ist dann unser Anker
quasi
fürs nächste Mal
das ist super
dann machen wir das so
genau
perfekt
dann fasse ich jetzt einmal
kurz zusammen
und dann sind wir schon fertig
genau
super
genau das bringt mich dann auch
direkt schon zur Zusammenfassung
nämlich ganz kurz heute nur
weil eigentlich sind die Punkte
die ich gesagt habe
nicht so
nicht so viele
nämlich zum einen
dass Englisch als Wissenschaftssprache
natürlich auch Auswirkungen hat
auf unser Denken
und wie wir wissen
produzieren und rezipieren
und zwar einfach so
auf einer ganz grundsätzlichen Ebene
weil Sprache
eben kein Abbild unserer Wirklichkeit ist
sondern halt tief verwurzelt
in den Relationen
in denen Sprache vorherrscht
um mal wieder zum spätten Wittgenstein
zurückzukommen
wir rufen ihn immer
irgendwann dann scheint dieser Geist vor
und ich sage es dir
wir rufen ihn so oft an
genau
und der andere
zweite wichtige Punkt
ist dass
eben Englisch
und auch andere Wissenschaftssprachen
aber vor allem das Englische
in ihrer heutigen
Art
einfach
tief verwurzelt sind
in der kolonialen Geschichte
die wir eben nicht ausblenden dürfen
ja
schön
sehr schön
dann sind wir auch schon
am Ende der Folge angelackt
wir sind am Ende
ja
wir
das klingt immer so
als wenn wir am Ende
weil der Tag fängt immer erst an
wir nehmen nämlich mal morgens auf
ja stimmt
ich hoffe nicht
dass wir jetzt schon am Ende sind
dürfen wir verraten
wir haben sehr früh heute angefangen
ich war noch sogar
ein bisschen außer Atem
weil es immer so schnell gehen muss
bei mir in der Früh
ich schicke die Kinder aus der Tür
und dann drücke ich schon auf Record
ja ich wollte
ich bin heute extra früh aufgestanden
mit dem Hund rauszugehen
und dann ist der Hund einfach liegen geblieben
schläft immer noch
so witze mich eigentlich
also wirklich
sehr unfair
ich gehe extra früh auf
und dann
so eine Freche
sitze ich 20 Minuten rum
weil der Hund weiter schlafen will
du schläfst jetzt immer noch
neben mir
naja
naja
wer weiß vielleicht
wenn du jetzt
wenn du jetzt
dann fertig bist
dann geht es
ja ich glaube so langsam
ja
genau
aber ich bin dann schon immer
ich bin dann immer schon
man merkt das auch
also
für alle die jetzt wirklich
auch alle
vier Folgen
da schon mit gehört haben
die wissen dann immer
wie
wie
wie müde
mein Kopf
ich weiß dann nie
was ich am Ende sagen soll
ich bin
mein Kopf geht dann immer so
blank
so wir haben das Thema
abgehakt
jetzt kannst du abschalten
da bin ich immer dran
da muss ich immer den letzten
vielleicht magst du auch wieder
heute abmoderieren
super
also
die Abmoderation
so
wir freuen uns
über jegliche Unterstützung von euch
und sei es ein Abo
dieses Podcast
wo auch immer ihr ihn hört
ein Teilen
ein Liken
ein
gegebenenfalls
Kommentieren
kommt drauf an
auf welcher Plattform ihr
diesen Podcast hört
und dann freuen wir uns
natürlich auch
wenn ihr uns
auf Social Media
verfolgt
individuell
wir haben zwei verschiedene
Accounts
und da einfach auch
ein bisschen schaut
was wir sonst so machen
und auf welchen anderen Plattformen
wir sonst noch aktiv sind
und
ansonsten
gibt es alle Infos
in den Shownotes
und ich denke ab dieser Folge
können wir auch sagen
wir nehmen mal sowas wie Fragen habt
immer her damit
immer offen für Themenvorschläge
und Rückfragen sowieso
wir werden
wenn Rückfragen reinkommen
wir nehmen natürlich ein bisschen
im Voraus auf
weil wir haben ja
wie ihr wisst
Zeitprobleme
aber wir können die ja
so ein bisschen sammeln
und dann gegebenenfalls
auch mal eine reine Fragefolge
machen
wäre jetzt so eine Idee von mir
genau
also sobald ihr Fragen habt
Themenvorschläge
immer her damit
schreibt uns
einfach auf unseren
Social Media Kanälen
würde ich jetzt mal sagen
genau
ah super
perfekt
ah Jessica
du machst das immer so gut
du darfst es ab jetzt immer machen
danke
siehst du
deswegen soll man Dinge
nie zu gut machen
ach verdammt
ja und ich danke dir
für diese Folge
war super super spannend
diesmal
fand ich
und ja
ich sage in diesem Sinne
bis zum nächsten Mal
Baba
bis zum nächsten Mal
Ciao