How to be a Feminist Killjoy
oder: wie man mit Sara Ahmed die Stimmung richtig verdirbt
03.12.2025 78 min
Zusammenfassung & Show Notes
Glücklichsein ist kein Gefühl – es hat System. Sara Ahmed zeigt, warum Unglücklichsein kein persönliches Versagen ist, sondern ein Akt politischer Klarheit – und warum manchmal genau diejenige, die “die Stimmung verdirbt”, am meisten Fürsorge zeigt.
Glück scheint überall zu sein: im Self-Help-Regal, in Social-Media-Feeds, im stillen Erwartungsdruck, der uns sagt, dass ein „gutes Leben“ ein glückliches Leben sein muss. Aber was heißt eigentlich Glück – und wer darf bestimmen, wie es aussieht? In dieser Folge gehen wir dem Glücksversprechen auf den Grund und beginnen damit, eine scheinbar harmlose Frage umzudrehen: Warum hört sich „Bist du unglücklich?“ so seltsam an?
Wir knüpfen an die letzten Episoden an – Laclau, Antigenderideologie, Foucault – und fragen, was passiert, wenn Glück zur Norm wird: zu einem Ideal, das Abweichung pathologisiert und kritische Stimmen als Stimmungskiller markiert. Genau an dieser Stelle setzt Sara Ahmed an. Wir sprechen über ihre Biografie, ihre Denkbewegungen und ihre Kritik an einem Glück, das immer schon weiß, heterosexuell, häuslich und konform ist. Über Social-Media-Performances von „echtem Glück“. Über die Frage, warum manche Körper leichter als glücklich lesbar sind als andere. Und natürlich über die Figur der feminist killjoy, die zeigt, dass Widerstand manchmal damit beginnt, die Stimmung zu verderben.
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Jessica:
Verena:
Transkript
Ich glaube, wenn man Ahmed kompliziert will, dann muss man einfach nur die Fußnoten lesen, oder?
Du hast keinerlei Verpflichtungen. Du wirst eingeladen, wenn du willst.
Du wirst dafür bezahlt, Vorträge zu schreiben.
Du schreibst, dazu komme ich gleich noch, alle zwei bis drei Jahre Bücher.
Du lebst in einem Haus mit deinen zwei Hunden und deinen Partnern.
Was für ein besseres Leben könnte es geben?
Ahmed leider habe ich damals noch nicht gekannt.
Ich habe Ahmed damals noch nicht gelesen gehabt, aber vielleicht war ich damals schon eine Kindscheu, nur ohne es zu wissen.
Weil ich gespürt habe, dass sich gesund, unter Anführungszeichen, anfühlen kann wie ein Zwang, wenn dieses Narrativ, diese Geschichte drumherum, ein Narrativ, in dem du heilen sollst, eigentlich gar nicht deins ist.
Genau deswegen hat Sarah Ahmed dann eben auch 2021 das Buch Complaint geschrieben, schräg schräg herausgegeben.
Das sind viele Stimmen von vielen Menschen, die sich über etwas beschwert haben in der Institution von Academia.
Und da wird eben darüber nachgedacht, was es heißt, sich zu beschweren und was es eben heißt, dass da nichts passiert, wenn man sich beschwert.
Also am Ende ist die Feminist Killjoy nicht gegen Glück, das ist vielleicht ganz wichtig dazu zu sagen, sondern gegen seine ideologische Form.
Das heißt, gegen eine Form von Glück, die sich über patriarchale Institutionen, über eine patriarchale Sprache hegemonial durchgesetzt hat.
Das hätte das, was nicht funktioniert heute.
Hatte technische Probleme.
Aber das war es jetzt mit den technischen Problemen.
Ja, das hast jetzt du gesagt, klopfe auf Holz.
Ja genau, wo ist Holz? Wo ist da? Habt's gefunden.
Und Bücher zählen noch als Holz, oder? Das war ja mal Holz.
Ich zähle manchmal, wenn ich nichts finde, nehme ich nur Papier.
Das habe ich immer um mich rum.
Da hätten wir jetzt viel klopfen können heute.
Heute habe ich wirklich viele Bücher um mich herum stehen.
Und Lebkuchen, aber das habe ich eh schon gerade vorher gesagt.
Heute habe ich Lebkuchen, Bücher und Chai.
Ich trinke heute nicht Kaffee.
Ich habe mir gedacht, ich darf mich nicht zu sehr auffuschen.
Also trinke ich jetzt Chai und esse Lebkuchen, die ich eigentlich schon seit Mitte August will.
Weil der Supermarkt mir vorschlägt, jedes Mal Lebkuchen zu kaufen bei 37 Grad.
Nein, aber letzte Woche mussten wir leider nachgeben.
Und jetzt haben wir viel zu viel Lebkuchen zu Hause und muss ich alles heute aufessen.
Aber gut.
Alles.
Wir haben heute Zeit, ich habe Zeit, Lebkuchen zu essen, weil wir haben heute, wir waren clever.
Wir waren clever diesmal und haben uns schon gedacht, diese Folge muss eine Doppelfolge werden.
Also wir waren an euch schon mal vor.
Das ist Teil 1 unserer zweiten Doppelfolge hier im Podcast.
Und weil ich hier so chillig vor meinem Lebkuchen und meinem Chai sitze.
Jessica, Frage an dich heute zum Einstieg.
Bist du unglücklich?
Was ist das denn für eine komische Frage?
Eine Chai-Frage, offenbar.
Solltest du mich nicht eigentlich fragen, wie geht es dir?
Stimmt, hätte ich auch fragen können.
Warum fragst du das falsch?
Stimmt, das ist eine Frage, die man normalerweise nicht so oft gestellt kriegt, oder?
Die man nicht so oft hört.
Und die Frage, die ihr dann daran anschließt, weil ich meine, Fragen rufen ja immer weitere Fragen hervor.
Zumindest sollten sie das.
Die Frage ist ja dann eigentlich, warum?
Warum eigentlich klingt diese Frage so gestellt, so komisch?
Warum hören wir die so oft nicht?
Und du hast das eh schon gesagt, das ist ein bisschen so wie mit anderen Fragen,
Fragen, die man ja normalerweise so als Smalltalk irgendwie bezeichnet oder die als Smalltalk gelten.
Ja, wie geht es zum Beispiel?
Solche Fragen, die dienen ja eigentlich nicht, auch wenn es Fragen sind, sie dienen ja nicht dem Informationsgewinn, würde ich jetzt mal sagen.
Ja, also niemand will eigentlich hören, wie es dir geht.
Das wollte ich damit sagen.
Also solche Fragen sind eigentlich nur sowas wie, ich weiß nicht, so wie sozialer Kit irgendwie.
Die werden gesagt, also wirklich gesagt und nicht gefragt.
Nicht um etwas zu erfragen, sondern um soziale Bindung irgendwie herzustellen oder sicherzustellen.
Ja, und die einzige Antwort, die einzige Antwort auf diese Frage wäre eigentlich, danke, gut, und dir?
Oder?
Ja, und ich finde, noch besser als auf Deutsch hört man das ja eigentlich auf Französisch.
Ja, da sagt man ja für wie geht's überhaupt nur, ça va?
Also wortwörtlich übersetzt, es geht, das funktioniert grammatisch, weil es ja auf Französisch mehrere Möglichkeiten gibt, Fragen zu stellen.
Und eine davon, also die umgangssprachlichste Version, ist eben die, einfach einen Aussagesatz zuerst einmal zu bilden, es geht.
Und dann am Ende mit der Stimme einfach nach oben zu gehen, es geht.
Ja, und dann kommen halt vollkommen, vollkommen nonsensical Gespräche dabei raus.
Ja, also wenn man jetzt, keine Ahnung, man ist am Weg zum Supermarkt und trifft dann dort die Nachbarin, mit der man eigentlich sonst nichts zu reden hat.
Aber man muss sich halt zusammenreißen, weil man vielleicht später, weiß nicht, noch ein paar Eier braucht oder ein paar Kalzucker oder so.
Ja, und dann geht das Gespräch dann ungefähr so, ja, salut, ça va?
Ça va, et toi?
Bah, ça va, merci.
Und dann, ja, well, good talk, bye.
Ja, also das ist nichts anderes als als sozialer Kleber sozusagen in sprachlicher Form.
Und so ähnlich ist das aber auch, ja, so ähnlich ist das auch mit dem Glücklichsein, weil auch das Glücklichsein funktioniert quasi wie sozialer Kleber.
Ja, deswegen ist es ja auch für uns was unvorstellbar, ja, so wie bei dir am Anfang, ja, auf die Frage, also erstens mal ist es unvorstellbar für uns auf die Frage,
bist du glücklich, also auf die normale Frage unter Anführungszeichen, mit Nein zu antworten, das ist Nummer Eins, ja, und fast noch unvorstellbar, unvorstellbarer, unmöglicher,
ist es ja eigentlich gleich die Frage anders zu stellen, ja, also statt zu fragen, bist du glücklich, zu fragen, bist du unglücklich.
Ja, und wir wollen heute, also vor allem in diesem ersten Teil heute der Doppelfolge uns Glück anschauen oder das Glücklichsein anschauen und zwar nicht als Gefühl in erster Linie, ja,
nicht als Stimmung im Sinne von, wie geht's, ja, weil wenn wir, wenn wir genauer darüber nachdenken, wissen wir eigentlich, was Glück ist?
Also ich meine, es ist natürlich eine rhetorische Frage, weil natürlich nicht, aber natürlich wissen wir nicht, was Glück ist, ja, also ich weiß nicht über die Frage nach dem Glück,
da haben sich, glaube ich, schon viele, viele, viele Menschen Gedanken gemacht in den letzten, was weiß ich, 3000 Jahren, ja,
also von Aristoteles über den Utilitarismus bis hin zum modernen Selbsthilfe-Regal in der Buchhandlung, ja, also Glück scheint irgendwie überall zu sein, ja,
beziehungsweise so formuliert, ja, glücklich wollen wir alle sein, ja, wird uns zumindest suggeriert, weil, Frage, die ich mir schon wieder stelle, ja,
wollen wir das wirklich, wollen wir wirklich glücklich sein, also, ja.
Ja, das kommt drauf an, ne, also das hängt ja von der Antwort ab.
Ja, ja, erstens das und zweitens sagen das alle.
Ich glaube, das ist die Standardantwort und das würde bedeuten, dass eben niemand weiß wirklich, was Glück ist, weil es offenbar schwierig zu definieren ist, ja.
Also, aber Glück, zumindest, ja, wenn man sich jetzt vorstellt, man steht in der Buchhandlung vorm Selbsthilfe-Regal, ja, irgendwie klingt Glück heute fast schon wie ein Imperativ, ja, quasi wie so eine Befehlsform, ja, man soll glücklich sein.
Ja, also in der Beziehung, im Job, mit sich selbst, ja, egal ob es gut läuft oder schlecht, ja, mit dem Scheitern muss man auch glücklich sein, ja, also einfach immer glücklich sein, ja, und am besten, ja, nicht zu viel nachfragen, ja, und wenn man das nicht ist, ja, wenn man es nicht schafft, glücklich zu sein, wenn man zu laut zweifelt, ja, die Stimmung verdirbt, ja, dann gilt man schnell als schwierig, oder?
Ja, wie Sarah Ahmed aus unserem Titel sagen würde, man gilt als Feminist Killjoy, ja, aber bevor wir, glaube ich, ich glaube, bevor wir zu Ahmed kommen, müssen wir vielleicht noch einen Schritt zurückgehen und uns mal anschauen, woher wir kommen, ja, weil eigentlich ist ja diese Folge, so wie eigentlich fast immer bei uns,
diese Folge eigentlich nur die logische Fortsetzung von, ich würde fast sagen, von den letzten drei Folgen, ich würde jetzt da kurz eine Recap machen, magst du noch was, was sagen zuerst?
Ja, mir ist nämlich gerade noch ein Gedanke gekommen, der uns auch gut ins Thema bringt, nämlich dieser Imperativ des Glücklichsteins, den sieht man ja sehr stark auf Social Media,
oh ja, und natürlich jetzt auch noch sehr stark bei diesem neuen Social Media Phänomen namens Chatwives,
weil die scheinen ja wirklich zu wissen, was glücklich ist, und das ist zu Hause mit den Kindern in der Küche.
Das strahlt so richtig.
Genau, das ist ja wirklich die Botschaft vieler Chatwives, so das ist das wahre Glück, und das ist ja total spannend, weil das ist ja thematisch auch genau da, wo wir mit Sarah Ahmed dann einsetzen.
Absolut, wird auch nochmal kommen, vermutlich, im Laufe der Folge, genau, also das Glück quasi, ich würde jetzt mal sagen, nur um das so kurz anzutesern,
ja, sehr gut performt werden kann, oder? Das geht natürlich auf Social Media, wunderbar, aber, weil wir auch gesagt haben, Glück ist ja so, das mit dem Glück ist so eine Sache,
ja, also wie, wenn jemand fragt, bist du glücklich, könnte ich natürlich immer sagen, ja, okay, aber was ist Glück für dich, definier mal Glück,
dann kann ich sagen, ob ich glücklich bin oder nicht, ne, und genau das ist das, wo wir quasi auch anschließen heute an das, was wir die letzten Folgen lang eigentlich gemacht haben, ja,
weil was haben wir gemacht in den letzten drei Folgen, ja, wir haben zuerst mit La Claude angefangen, wir haben uns da gefragt,
beziehungsweise haben gelernt da in der Folge, dass die Bedeutung von Wörtern nie fix ist, ja, und immer mehr oder weniger umkämpft,
haben wir da gesagt, manche halt mehr, manche weniger, ja, so wie zum Beispiel Feminismus, Geschlecht, ja, das wären jetzt Wörter, Begriffe,
die allgemein, würde ich sagen, sehr viel stärker umkämpft sind als andere, wie zum Beispiel, weiß nicht, Baum, ja,
oder vielleicht auch ein bisschen stärker sogar noch als der süddeutsche Sessel, ich weiß nicht, aber auf diese Diskussion gehen wir heute nicht nochmal an,
und dann in der Folge danach, da haben wir dann über Genderideologie gesprochen, ja, oder eigentlich, eigentlich muss man sagen,
wir haben über Anti-Genderideologie gesprochen und wir haben darüber gesprochen, wie eben hier Angst entsteht,
sobald eben Sprache sichtbar macht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, ja, auch ein ganz, ganz aktuelles Thema gerade,
und auch wenn es heute jetzt nicht explizit um die Begriffe Gender oder Geschlecht gehen wird, das, was wir in die heutige Folge mitnehmen können
und was wir auch mitnehmen werden, ist eben dieses Gefühl, diese Emotion oder dieses Affekt der Angst.
Und dann, letztes Mal bei Foucault, da ist es dann darum gegangen, was es heißt, die Wahrheit zu sagen, obwohl man weiß, dass sie riskant ist.
Ja, also, dass sie Personen, die wahr sprechen, sozialen, politischen, ökonomischen oder körperlichen Schaden zufügen könnte.
Ja, also, beim Wahrsprechen im Sinne von Foucault eben geht es nicht nur darum, aus eigener Überzeugung quasi zu sprechen,
sondern zu sprechen, weil Nichtsprechen, zumindest andeutungsweise schon bei Foucault angelegt, ja,
von einem ethischen Standpunkt aus verantwortungslos wäre.
Ja, und wenn man das so will, dann haben wir eigentlich, ja, bisher immer nur über das Problem gesprochen, ja,
also wir haben uns gefragt, ja, warum und wodurch hält sich denn eine herrschende Klasse eigentlich an der Macht, ja,
warum wird manches Wissen abgelehnt oder angegriffen, während anderes eigentlich überhaupt nicht hinterfragt wird.
Heute geht es sehr viel stärker um Praxis, weil wenn wir wissen, wie Macht wirkt, wie können wir ihr dann widerstehen?
Wie können wir dann diejenigen sein, die als Subjekte, die als Menschen in einem patriarchalen, sexistischen, rassistischen, klassistischen, ableistischen, was auch immer System,
selbst natürlich auch immer von Macht durchzogen sind, ja, in unserem Denken, in unserem Verhalten, in unserer Sprache.
Wie können wir in einer Situation, in der uns Macht bewusst ist, aber wir sie nicht negieren können, gegen genau diese Macht ansprechen?
Und das ist jetzt auch genau der Punkt, an dem endlich Sarah Ahmed ins Spiel kommt.
Und weil wir, ich glaube, noch nie über Ahmed im Podcast gesprochen haben, oder?
Ja, wenn ich richtig liege, vielleicht wollen wir uns mal kurz anschauen, wer ist denn, wer ist denn Sarah Ahmed eigentlich?
Genau, ich habe sowieso schon in Gedanken gehabt, dass, also eigentlich, also wir sprechen ja deswegen auch über Sarah Ahmed,
weil sie für uns, glaube ich, genauso einen hohen Stellenwert hat, wie eben Stuart Hall auch, auch so persönlich.
Und als so, naja, empowerndes, schreibendes Wesen.
Ja, ja.
Und deswegen ist es auch wirklich nur fair, dass wir jetzt auch auf jeden Fall als erstes auch mal zwei Folgen machen,
auch wenn es natürlich nicht heißt, dass wir dann mit Sarah Ahmed fertig werden.
Genau.
Aber deswegen, genau, mache ich mir das genauso wie letztes Mal.
Ich mache die Biografie.
Genau.
Sarah Ahmed, ich bin immer wieder erstaunt eigentlich, also ich war wieder erstaunt, wie alt Sarah Ahmed doch ist.
Aber einfach nur deswegen, weil sie ja so präsent ist, ne?
Das ist ja teilweise so, dass dann, weiß ich nicht, so Hochzeit von der Person wann anders war,
aber jetzt ist irgendwie immer noch ihre Hochzeit so.
Und deswegen, genau.
Also sie ist 69 geboren in England, als Tochter einer englischen Mutter und eines pakistanischen Vaters.
Und sie ist dann aber recht früh, also in den frühen 70ern schon mit, also quasi noch als Kleinkind mit den Eltern,
nach Adelaide in Australien gezogen.
Und blieb dann dort auch bis zum Ende ihres Bachelorstudiums.
Sie hat in Adelaide auch studiert.
Und wie ich gerade schon gesagt habe, sie hat ja dann sowohl eine Migrationsgeschichte selbst,
als auch eben diese Migrationsgeschichte in der Familie durch den Vater.
Plus eben auch diese postkoloniale Geschichte durch den Vater, ne?
Das ist ja gerade diese pakistanisch-britische Kolonialgeschichte und dann eben Einwanderungsbewegung ist ja ziemlich typisch, auch für die Zeit.
Und das sind auch Erfahrungen, die sie dann immer wieder in ihren Texten mit einfließen lässt.
Mal also zunächst weniger und zuletzt halt auch immer stärker.
Aber warum, das erklärt sich vielleicht gleich aus der weiteren Biografie.
Genau, also es geht ganz viel um die Erfahrung der Migration, um Fragen der Differenz, des Andersseins, Intersexualitätsfragen.
Genau, sie hat wie gesagt schon, wie ich schon gesagt habe, in Adelaide studiert und ist dann für ihren Doktor nach England gegangen, an die Cardiff University, an das Center for Critical and Cultural Theory.
Und hatte dann, und das ist spannend, wo ich mir wieder dachte, oh Mann, ich bin jung, sie ist dann ab 1994 ihren ersten Postdoc-Job, also in dem Jahr, in dem ich geboren wurde, war sie quasi genauso weit wie ich jetzt.
Das ist eine witzige zeitliche Komünzidenz.
Genau, sie hatte dann zehn Jahre, also von 1994 bis 2004 war sie an der Lancaster University, Institute for Women's Studies.
Also man sieht da schon, dass sie eigentlich diesen Gender Studies Schwerpunkt eben schon immer hatte, aber eben aus einer sehr philosophischen, cultural studies, philosophischen Perspektive, also eben auch in der Linie dieser cultural studies von Stuart Hall eben in England.
Und ab 2004 war sie dann erst mal am Goldsmith College in London.
Und ab da wurde sie eigentlich super berühmt, erst mal.
Sie hatte mehrere Gastprofessuren an verschiedenen Universitäten global.
Und dann passierte aber was.
Nämlich 2016 ist sie von ihrem Job an der Goldsmith University zurückgetreten.
Und zwar als Protest an, ich sag jetzt mal hier im Podcast, vermeintlichen, weil es bis heute eben nicht verurteilt sind, vermeintlichen sexuellen Übergriffen von Teaching Staff gegenüber Studierenden.
Genau. Und sie hat, das sag ich gleich noch bei den Büchern, sich lange Zeit eben auch mit sowohl institutionellem Zirkismus als auch institutionellem Rassismus beschäftigt.
Und hat dann eben für sich gesagt, nee, ich bin in dieser Institution und die bringen mich irgendwie dazu, weiterzumachen, so in den gleichen Räumen zu sitzen, an denen mir Studierende gesagt haben,
mir ist das und das passiert und ich soll einfach so tun, es wäre nichts passiert.
Und dann hat sie eben gesagt, das geht nicht, das kann ich nicht und ist deswegen gegangen.
Und seitdem ist sie unabhängige Forscherin, also Independent Researcher, quasi ihre offizielle Jobbeschreibung.
Und sie lebt mit ihrer Partnerin, also sie ist eben auch queer in England, an der Countryside mit ihren zwei Hunden.
Das ist, also quasi führt sie das perfekte Leben, meiner Meinung nach.
Das habe ich mir jetzt gedacht, dass es jetzt kommt.
So wirklich so, du hast keinerlei Verpflichtungen, du wirst eingeladen, wenn du willst, du wirst dafür bezahlt, Vorträge zu schreiben.
Du schreibst, dazu komme ich gleich noch, alle zwei bis drei Jahre Bücher.
Du lebst in einem Haus mit deinen zwei Hunden und deinen Partnerin.
Was für ein besseres Leben könnte es geben?
Passend zum Thema Glück, oder?
Genau, also eigentlich schon, das war, das dachte ich mir aber auch, als du gefragt hast, so, ja, also wenn ich Sarah Ahmed wäre, dann bist du.
Ja, ja.
Genau, wie ich schon gesagt habe, sie schreibt ziemlich viele Bücher.
Sie schreibt, vor allem seitdem sie eben jetzt aus der Uni raus ist, noch mehr Bücher, auch als Artikel, was eben daran liegt,
dass das der einzige Weg ist, als Independent Researcher auch Geld zu verdienen.
Und wir können jetzt hier in dem Podcast wirklich nicht auf alle Bücher eingehen, weil es sind mindestens elf selbst verfasste Monografien und dann noch einige Sammelbände.
Weil sie hat seit 1998 wirklich alle zwei bis drei Jahre ein Buch veröffentlicht.
Was ich aber mache, ist, wo jetzt mal so eine kurze Einteilung, also sie hat angefangen, sich viel erst mal mit Emotionen zu beschäftigen.
Genau, und dann mit, quasi in der Philosophie quasi verortet in der Phänomenologie.
Also da gab es eben das Buch Queer Phänomenology zum Beispiel, also Queere Phänomenologie.
Das war in den Nullerjahren und das hat sich dann gewandelt, dass sie so in den frühen Zehnerjahren hat sie sich dann eben mit institutionellen Rassismus und Sexismus und Fragen nach Diversität beschäftigt.
Ende der Zehnerjahre gab es dann die ganzen Titel, wo Feminist im Titel stand.
Genau, und meine Lieblingsbücher, ich habe ehrlich gesagt gar nicht so viele Bücher von Sarah Ahmed hier stehen, es sind nur drei.
Die anderen habe ich als PDF.
Genau, also das erste Buch, was ich von ihr hatte, das war, bevor ich überhaupt wusste, wer sie ist, das war das Living a Feminist Life, aus dem ich schon öfter auch zitiert habe, was ich immer gerne als die feministische Bibel bezeichne.
Stimmt, das liegt auch gerade neben mir.
Es ist auch wirklich, also es ist ein schönes Cover, muss ich sagen.
Ja, ich habe, das ist eines der Bücher, die ich da auf Deutsch habe.
Echt?
Ja, also ich habe eigentlich, um ehrlich zu sein, die beiden Bücher, die ich heute eben brauche, also Living a Feminist Life und, warte mal, The Promise of Happiness, heißt es auf Englisch, also das Glücksversprechen auf Deutsch, das sind die einzigen, das sind die beiden Bücher, die ich auf Deutsch habe.
Eigentlich nur deswegen, weil ich sie gerne als Bücher gehabt hätte und nicht als PDF und weil eben gebrauchte Bücher natürlich sehr viel günstiger sind und die nur auf Deutsch da waren.
The Feminist, The Feminist Killjoy, Handbook, das habe ich allerdings auf Englisch.
Genau, so Living a Feminist Life ist im Original von 2017 und ich finde es im Englischen, also ich habe gerade gemeint, das Cover ist so schön, weil, also ich beschreibe es mal kurz, das ist halt, es ist, da ist einfach so genau dieses feministische Symbol, also im Sinne von diese geballte Fausthand in dem Symbol für Weiblichkeit.
Deshalb durchbricht es aber auch mit Farben und mit bestimmten Farben, die halt eben auch so ein bestimmtes Queering dieses Feministischen anzeigen.
Also einfach, ich finde es einfach sehr schön und was ich am tollsten finde, ich liebe es ja immer, wenn man sich anguckt, okay, wer hat denn dieses, so ein Praising, also so eine Lobpreisung für dieses Buch geschrieben.
Wer steht mit auf dem Cover drauf und zwar auf dem englischen Buch sind sowohl Bell Hooks, ja, als auch Chandra Mohanty, das ist die, genau, also das sind ja zwei wirkliche Größen auch im Bereich der, ja, ich würde mal im groben intersektionalen akademischen Forschung sagen.
Und vor allem eben auch, gerade, also Bell Hooks war eine bekannte Black-Feminist-Autorin und Chandra Mohanty, witzigerweise eine Freundin von Bell Hooks, war vor allem auch eine südasiatische Frau in den USA, die, genau, die lebt noch, genau.
Genau, er ist eine südasiatische Frau in den USA, die eben deswegen auch aus so einer Brown-Perspektive schreibt.
Also genau zwei Leute, die exakt in seiner Achmed's Linie stehen und deswegen ist es, glaube ich, umso schöner, dass sie da diesen, den Titel mitschmücken dürfen.
Ja.
Genau, und dann hatte ich mir noch ein Buch rausgeschrieben, neben dem, die wir gerade schon besprochen haben.
Und zwar deswegen, weil es diesen Abgang aus Goldsmiths so ein bisschen voraus nimmt.
Das ist das Buch On Being Included, Racism and Diversity in Institutional Life von 2012.
Und eine der wenigen Sachen, die ich noch von Sarah Achmed früher gelesen hatte, war eben auch ein Artikel, der ein Teil von diesem Buch ist, wo es wirklich darum geht,
wie, was zeigt das Sprechen über Diversität eigentlich über den Rassismus in der Institution aus?
Also wie nutzt die Institution das Sprechen über Diversität, um weiterhin rassistisch sein zu dürfen?
Das ist ja eigentlich, genau, also man hört sich, ich meine, ja gut, Institutionen, die halt viel über Diversity reden, die viel irgendwie Gremien einsetzen, die das und das machen.
Die sind ja modern, ja, die denken darüber nach, was sie tun.
Und Sarah Achmed zeigt eben, dass das ganz häufig einfach Strategien sind, um sich genau nicht, um die wirklichen institutionell verankerten Probleme, vor allem von Whiteness, zu kümmern.
Genau, und genau so war es dann eben auch, als sie gegangen ist und ich würde jetzt gerne ein längeres, also ein dreisätziges englisches Zitat vorlesen.
Wir würden dann danach kurz auf Deutsch überreden, ich hoffe, das passt dann so, vom Sprachlichen her.
Genau, es geht wirklich darum, ihre Reflexion danach, nachdem sie Goldsmith verlassen hat.
Zitat.
I resigned in protest about the failure of the institution to deal with sexual harassment as an institutional problem.
I shared the reason for my resignation on my blog.
I did not disclose much information, but I disclosed enough.
I became a leak. Drip, drip.
The story leaked into the mainstream press, and the university quickly responded in the mode of damage control, using tired old non-performatives.
Saying how much they did not tolerate sexual harassment, how they had robust procedures and policies, how committed they were to creating a diverse and inclusive environment.
If any of this had been remotely true, I would not have had to resign.
This will be familiar to students and scholars of color.
We know how universities respond to our complaints about racism by announcing their commitments to diversity.
Also es ist genau das, was ich gerade gesagt habe, dass dieses Commitment, das ausgesprochene Commitment für Diversity oder Sexual Harassment Awareness, dass es non-performative sind.
Das heißt, sie sagen was, aber die tun eigentlich nichts.
Und es geht genau so weiter.
Und genau deswegen hat Sarah Ahmed dann eben auch 2021 das Buch Complaint geschrieben, schrägstrich herausgegeben.
Das sind viele Stimmen von vielen Menschen, die sich über was beschwert haben in der Institution von Academia.
Und da wird eben darüber nachgedacht, was es heißt, sich zu beschweren und was es eben heißt, dass da nichts passiert, wenn man sich beschwert.
So, das war meine Einführung in Sarah Ahmed.
Und das war auch super, also ein super Überblick, aber auch eine super Überleitung jetzt.
Ja, also gerade auch dieses Konzept oder auch diese Handlung des Complaints, also gerade das, was sie jetzt da eben, wovon du jetzt gerade am Schluss gesprochen hast,
das ist ja auch etwas, was mit dem zu tun hat, worauf sie diese Figur der Feminist Killjoy basiert, quasi theoretisch.
Also nicht jetzt Complaint im Rahmen von Institutionen, konkret auch natürlich, aber ganz generell.
Was passiert da?
Also wie wird Complaint im Alltag, also im privaten Alltag, aber auch im institutionellen Alltag, im öffentlichen Alltag gesehen?
Ja, gelesen und wie wird damit umgegangen?
Also ich glaube, das ist auch etwas, worauf ich jetzt im Anschluss noch eingehen möchte.
Ja, und zwar wollen wir uns heute mit dieser Figur beschäftigen, ja, die ich jetzt eh auch schon benannt habe.
Also diese Figur, die, ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, du sagst mir, ob ich falsch liege,
aber ich denke, dass diese Figur ihr Denken, also Achmeds Denken, so richtig auf den Punkt bringt, eigentlich.
Also diese Feminist Killjoy, ja, die Spaßverderberin, ja, wie sie im Deutschen oft heißt oder in der deutschen Übersetzung genannt wird,
die, die sich weigert, ja, das Spiel unter Anführungszeichen mitzuspielen.
Ja, also die Anführungszeichen sind jetzt ganz wichtig.
Aber dafür müssen wir, glaube ich, jetzt noch einmal kurz darauf zurückkommen,
was wir am Anfang schon über das Glücklichsein gesagt haben, weil für Achmed ist das Glück oder auch das Glücklichsein,
ja, nämlich kein neutraler Zustand, also kein inneres Wohlbefinden sozusagen, ja, es ist ein Regime bei ihr,
also etwas, was außerhalb des Körpers slash Psyche funktioniert.
Also ich lasse das jetzt mal absichtlich so vage da stehen, ja, also auf jeden Fall etwas, eine Struktur, ja,
die festlegt, wie ein gutes Leben unter Anführungszeichen auszuschauen hat.
Ja, also man könnte sagen, Glück funktioniert da ein bisschen so wie ein unsichtbarer Lehrplan, ja,
der uns beibringt, was wir wollen sollen, ja, also glücklich ist, wer die richtigen Dinge liebt,
und wer heiratet, Kinder bekommt, arbeitet, Karriere macht, für alles auch noch dankbar ist und so weiter.
Also wer nicht zu viel fragt, Punkt.
Das klingt jetzt erst einmal banal, weil ich meine, wenn man nicht lang darüber nachdenkt, ja,
dann klingt es ja eigentlich kontraintuitiv zu sagen, ja, okay, aber wer ist denn nicht glücklich,
ich habe einen guten, stabilen Job oder eine glückliche Familie oder irgendwie Familienzusammenhalt, ja,
aber genau diese Banalität, genau diese Banalität ist eigentlich das Problem, ja,
weil wenn wir Glück zur Norm machen, wenn Glück zur Norm wird, dann wird Unglück,
und wir haben das am Anfang der Folge gesehen, wir haben dann Unglück im Umkehrschluss,
als Versagen zu deuten, ja, und Kritik, also das Benennen von Ungerechtigkeit,
ja, wird plötzlich zu einem persönlichen Defekt, ja, also Ahmed zeigt, dass das Glück,
ja, und da nehme ich jetzt einen Begriff, den sie immer wieder verwendet, ja,
ja, sie zeigt, dass das Glück an bestimmte Objekte in der Welt geheftet ist, sozusagen,
also sie verwendet da den Begriff klebt, ja, Sticks, ja, und sie zeigt, diese Objekte,
an denen da das Glück klebt, die nennt sie Happy Objects, ja, und das können,
also es sind jetzt Objects, ja, aber das ist ja ihre phänomenologische Perspektive, ja,
weil das können Menschen sein, das können Dinge sein, Ideen sein, keine Ahnung,
die heterosexuelle Ehe, ja, die schöne Eigentumswohnung, die Familie, der Job, die Nation,
vielleicht die Heimat, ja, alle diese Dinge können Happy Objects werden oder sein,
und diese Dinge, sagt Ahmed, die orientieren uns, sie sagen uns, worauf wir zusteuern sollen,
quasi, was unser Leben sinnvoll macht. Und jetzt macht sie aber genau hier,
nach dieser Beschreibung quasi so eine Zäsur und sagt Stopp, Halt, ja, was passiert denn jetzt eigentlich,
wenn wir uns davon, von diesen Objekten lösen, wenn man kein Haus will, keine Ehe, keine Kinder,
keine Karriere, was passiert dann? Dann stört man. Man gilt sofort als schwierig, als verbittert,
eben als Spaßverderberin, ja. Und vielleicht jetzt nur ganz, ganz kurz am Anfang so ein paar Worte
zur Terminologie, eigentlich nur so ein bisschen angedeutet, ja, ich habe ja vorhin schon gesagt,
die Killjoy, wie sie Ahmed nennt oder übernimmt als Begriff, ja, wird im Deutschen meist als
Spaßverderberin übersetzt. Ja, jetzt ist das mit dem Übersetzen natürlich immer so eine Sache,
ja, wir haben dazu eine ganze Folge übrigens gemacht schon, ja. Und ich würde auch nicht sagen,
ja, dass ich überhaupt jetzt nicht einverstanden wäre mit der deutschen Übersetzung, ja, aber so richtig
überzeugt bin ich halt auch nicht, ja. Und ich möchte eigentlich jetzt nur kurz darauf hinweisen, ja,
dass man einfach ein bisschen mitdenken muss, wenn man Ahmed auf Deutsch liest, ja.
Vielleicht können wir da dann noch im Fazit vielleicht am Schluss, ja, noch einmal im Detail
darauf zurückkommen, ja, was denn vielleicht tatsächlich, ja, jetzt eben ganz konkret
problematisch sein könnte am deutschen Begriff, ja. Aber zumindest so können wir jetzt schon
nochmal die Problematik im Hinterkopf behalten, ja, während ich hier noch ein bisschen so in dieser
theoretischen Einführung versuche, diese Figur, ja, diese Figur der Feminist Killjoy zu definieren,
wie sie eben auch Ahmed in ihrem Werk, ja, dann entwirft, ja, also immer weiter entfaltet quasi,
weil was macht das denn mit dieser Figur, ja, die bei Ahmed eigentlich eine durch und durch
ethische und politische Figur ist, was macht das mit dieser Figur, wenn sie im Deutschen zur
Spaßverderberin wird, ja, weil Ahmed greift ja eigentlich auf eine sehr lange schon, ja, eine sehr lange
feministische Erfahrung zurück, ja, also wenn wir zurückdenken ans 19. Jahrhundert, ja, Frauen, die damals
Bildung gefordert haben zum Beispiel, ja, die wurden als unweiblich hysterisch abgetan, ja, und
später ist dann daraus wirklich, also aus dieser Feministin, ja, als Charakter, als Figur, ja, so eine
richtige Karikatur geworden, ja, wir kennen das alles alle heute noch, ja, also die Feministin als humorlos,
kalt, männerfeindlich, ja, und das ist, ja, das klingt jetzt auch banal, wenn ich sage, das ist kein Zufall,
das ist nicht einfach so, ja, sondern diese Figuren, ja, also diese Tuschreibungen, die entstehen, ja,
weil Gesellschaften dieses Unbehagen, das sie produzieren, das diese Figuren produzieren, ja, personalisieren
müssen, ja, dass diese Wut, die aus der Ungerechtigkeit eigentlich entsteht, die wird wieder zurückgezogen,
zurückgespiegelt in die Person, die wütend ist, als individuelles Problem, ja, und genau da liegt auch
der Kern ein bisschen, ja, dieser, dieser ganzen Problematik, Achmed analysiert das, ja, als Teil einer
Politics of Happiness, nennt das, ja, also diejenigen, die eigentlich eh schon von diesem Glück, das ich
vorher versucht habe aufzuzählen, ja, ausgeschlossen werden, die werden dann auch noch zusätzlich dafür
verantwortlich gemacht, dass sie das Glück der anderen stören, unter Anführungszeichen, ja, also die
Hausfrau, für die zufrieden lächeln sollen, wir hatten es vorhin schon mal, ja, die Migrantin, die froh
sein soll, hier sein zu dürfen, ja, die queere Person, die sich nicht beschweren soll, weil sie ja eh toleriert
wird, ja, also das sind alles auch Figuren, die, die, die Achmed immer wieder nennt, über die Achmed
immer wieder spricht, ja, also Menschen, denen gesagt wird, sie sollen doch bitte einfach dankbar
sein, einfach zufrieden sein, statt da diese, auf die Bedingungen hinzuweisen, sage ich jetzt
einmal, ja, unter denen sie leben, ja, und genau hier kommt dann eben die Feminist, Killjoy ins Spiel, ja,
die ist nämlich diejenige, die das nicht mehr mitspielt, also ich verwende jetzt noch einmal
den Begriff, unter Anführungszeichen, ja, eine, die sich weigert, das Glück, ja, so wie ich es
vorher aufgezählt habe, ja, als stillschweigenden Vertrag quasi zu unterschreiben, einen Vertrag,
ja, für etwas, und das muss man jetzt mitbedenken, ja, einen Vertrag für etwas, was sie womöglich
gar nicht haben möchte, Nummer eins, oder Nummer zwei, ja, wozu ihr der Zugang, also aus
unterschiedlichen Gründen, aus körperlichen Gründen, neurobiologischen Gründen, strukturellen Gründen
und so weiter, ja, wozu ihr der Zugang sowieso verwehrt wird, oder zumindest erschwert wird, ja, also
Achmed weist nämlich immer darauf hin, dass Glück immer Ausschluss produziert, ja, also nochmal zurück
zur glücklichen Hausfrau, ja, Hashtag Tradwives, ja, also etwas, was ohnehin sowieso wieder Aufschwung
erlebt gerade, ja, diese glückliche Hausfrau, die aber eigentlich versteckt, ja, hinter ihrem
performativen Glück, ja, dass sich viele Frauen, ja, ein Hausfrauen-Dasein, egal ob glücklich
oder nicht, ja, gar nicht leisten können, ja, oder, weiß nicht, ja, der tolle Karriereweg,
ja, ein Karriereweg, der jetzt zum Beispiel, auf dieses Thema geht Achmed weniger ein, ja,
aber das ist meine Perspektive, ja, aber ein Karriereweg, der zum Beispiel neurodivergenten
Menschen, vielen neurodivergenten Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen auch wieder, ja,
die den Karriereweg eigentlich so gar nicht gehen können, ja, oder die Bilderbuchfamilie,
ja, und ich rede jetzt von Vater, Mutter, Kind, ja, eine Familie, die ja für viele queere
Menschen, ja, eigentlich gar nicht so aussieht, ja, und der Killjoy geht es jetzt nicht darum,
aus, wie soll ich sagen, aus reiner Bosheit quasi die gute Stimmung zu ruinieren, unter Anführungszeichen,
sondern weil sie will, dass man die schlechte endlich sieht, die schlechte Stimmung, ja, weil
Achmed sagt, die feministische Kritik zerstört das Glück nicht, ja, sie zerstört das, was Glück
als selbstverständlich erscheinen lässt, weil sie das stört, was andere, und jetzt kommt
auch ein Begriff, über den man lange diskutieren könnte, ja, aber was andere als harmonisch
empfinden, oder? Und das ist, das ist der entscheidende Punkt, ja, also die Feministin,
die auf Sexismus hinweist, die schwarze Frau, die auf Rassismus hinweist, die Lesbe, die das
Familienideal ablehnt, ja, das alles sind Killjoys, weil sie die affektive Ordnung stören,
auf der das kollektive Wohlbefinden beruht. Das ist das, was Achmed sagt, ja, und hier
bezieht es sich stark auf, einerseits auf den Machtbegriff bei Foucault, ja, und andererseits
aber auch auf die Idee von, oder diese Weiterentwicklung der Subjektivierung bei Butler, ja, also Achmed
sagt, Glück funktioniert als Disziplinartechnik. Das heißt, das Glück schafft Konformität,
aber nicht durch Zwang, niemand wird gezwungen, bestimmte Dinge zu wollen, ja, sondern durch
Emotion, indem wir quasi das Glück dort anheften, wo die Leute sich hinorientieren sollen, ja, wir
wollen ja alle dazugehören, ja, also fühlen wir, was man fühlen soll.
Ja, ganz kurz, weil du Orientieren auch gesagt hast, dass ja das Wichtige bei Achmed, dass man
bedenkt, dass Achmed ja auch aus einer queeren Perspektive, dass sie versucht, wirklich eine
queere Perspektive auch in die Philosophie einzutragen, ja, und da ist ja Orientation, Orientierung ja
auch, was das, diese Konnotation, die sexuelle Orientierung ja mit dabei hat, daher kommt das
Wort bei ihr, das finde ich nochmal wichtig, weil die Grundidee von ihr ja ist ja, okay, wir
orientieren uns, sowohl, und jetzt kommt der andere wichtige Punkt, es fällt ja nur den
Menschen auf, wo die Orientierung irgendwie nicht klappt, oder wo die Orientierung irgendwie
unterbrochen ist, oder wo die Gesellschaft halt sagt, hey, aber da darfst du dich nicht
hinorientieren. Orientierung passiert aus verschiedensten Gründen, und bei manchen fällt es aber nicht
auf, dass das so ein gesellschaftlicher Akt ist, die Orientierung, ja, und bei manchen schon, und das ist
eben das, wo du gerade auch gesagt hast, wo sich Achmed ja auch auf Butlers Birktheorie bezieht, also
bei Butler hat es ja eben für Weiblichkeit gesagt, ja, also wie kommt es, dass bestimmte Formen als
Frau gesehen werden, ja, wer passt da rein und wer nicht, und das finde ich ganz spannend in
Butlers so mittleren Werk, wo Butler dann eben auch explizit auf Intersex und Transpersonen
eingeht, und dann sagt, okay, es ist total normal, dass man sich auch wohlfühlt in der
Binarität von Geschlechtern, für die, für die es halt klappt. Und für manche klappt das
halt nicht. Und das ist ja dieses, das Spannende, was dann eben Achmed auch übernimmt, was wir jetzt
eben auch noch mal mit dem Beispiel der Treadwives hatten, ja, es klappt für manche, und für die ist das,
also scheint es so, als sei es natürlich, weil es halt das, was klappt, mit der Gesellschaft
übereinstimmt. Und bei anderen nicht. Und nur bei denen fällt es überhaupt auf, dass es
eine gesellschaftliche Normkonstrukt ist. Genau. Weil sie quer liegen, ne? Oder?
Genau.
Queer liegen, ja. Also zu dem, was erwartet wird. Genau. Ja, ja, absolut. Ja. Achmed geht ja dann
weiter und sagt, dass das, warum das funktioniert, dass es sich für manche gut anfühlt oder dass
sich quasi fast normal anfühlt, weil es klappt, weil es funktioniert, weil die Orientierung sich
richtig anfühlt. Ja. Liegt eben nicht daran, weil es jemand vorschreibt oder weil es uns
jemand vormacht oder weil es irgendwelche Regeln gibt, die man quasi befolgen kann, die uns auch
gar nicht bewusst sind. Und sie sagt, genau deswegen funktioniert es nicht, weil es uns nicht
perfekt gesteuert wird. Ja. Und sie nennt das dann in ihrem Werk, sie nennt das affektive
Ökonomie. Ja. Also sie sagt, Gefühle entstehen quasi nicht in uns selbst als quasi vorsprachliche
oder präreflexive Dinge. Ja. Sondern Gefühle, sagt sie, zirkulieren. Ja, das klingt jetzt
ein bisschen abstrakt, ja, weil sie meint eben, Gefühle binden Menschen an andere Menschen,
ja, aber auch an Institutionen, an Nationen, an diese Idee von unter Anführungszeichen
Normalität. Ja. Also wer an dieser Gefühlsordnung nicht, also Teilnehmerbild klingt jetzt komisch,
ja, aber also wer aus dieser, oder vielleicht nicht, ne, also wer aus dieser Gefühlsordnung
aussteigt, ja, diese Person bricht jetzt nicht nur ein Tabu, sozusagen, sondern unterbricht
hier einen emotionalen Kreislauf, ja, sagt sie, der Gesellschaft zusammenhält. Und darum,
sagt sie, reagiert jetzt auch unser Umfeld so empfindlich auf FeministInnen, auf queere
Menschen, die Kritik äußern. Weil aus dieser Perspektive, ja, bringen die KritikerInnen jetzt
nicht nur einfach eine andere Sichtweise, ja, eine andere Meinung, sondern, was machen
die? Sie bringen ein Gefühlssystem aus dem Gleichgewicht. Und wer weiß, keine Ahnung, ja,
wer weiß, vielleicht funktioniert das quasi nicht nur, ja, auf der kleinen Ebene, auf
der Mikroebene, am Esstisch, ja, vielleicht funktionieren auch ganze Gesellschaften so,
ja, also, ich weiß nicht, der Cloudmove würden wahrscheinlich gar nicht sagen, wer weiß,
ja, die würden sagen, ja, na sicher, na sicher funktionieren die so, ja, weil im Grunde
ist es ja eigentlich genau das, was sie meinen, wenn, also, der Cloudmove, wenn sie von
Agonismus sprechen, ja, sie sagen, Demokratie ist ja kein Ort des Konsens, sondern des Konflikts.
Also nicht die Abwesenheit von Spannung hält sie zusammen, sondern die Fähigkeit, diese
Spannung auszuhalten, ja, also wenn alles einig wird quasi, dann erstarrt ja das Politische
quasi den Körper, der nicht mehr atmet. Ja, und diese Killjoy, so wie sie Ahmed definiert,
die verkörpert quasi diesen notwendigen Widerstreit im sozialen Gefüge, ja, mit La Cloudmove
gesprochen jetzt wieder, ja, sie hält den Konflikt offen, anstatt ihn zu befrieden, ja, und hier
würde ich gerne vielleicht auch was zitieren, ich habe es eh aus der deutschen Ausgabe, ich
finde einfach, Ahmed ist auch so eine Autorin, die man so schön zitieren kann, weil, erstens
mal hat es mich sehr an eigene Erfahrungen erinnert, dieser Absatz, den ich sagen, also den ich
jetzt vorlesen möchte, ja, also sie schreibt da, weil da ging es im Abschnitt davor, schreibt
sie über das Augenrollen, oder? Also es ist sowieso so, also körperliche Erfahrungen, ganz
konkrete Erfahrungen spielen ja eine ganz große Rolle bei ihr, vor allem auch noch im frühen
Werk, wo sie halt sehr phänomenologisch reingeht an die Dinge. Und da geht es halt weiter mit
dem Augenrollen jetzt in dem Absatz, ja, also Zitat Anfang. Meine Erfahrung als Feministin
hat mich viel über das Augenrollen gelehrt. Aus diesem Grund bin ich nicht überzeugt, wenn
Leute sagen, dass negative Gefühle von dieser oder jener Person ausgehen. Mein Skeptizismus
stammt aus meinen Kindheitserfahrungen als feministische Tochter in einer relativ konventionellen
Familie, die immer mit der Aufführung der guten Stimmung in der Familie haderte, von der
immer angenommen wurde, dass sie anderen die Stimmung vertirbt. Zum Beispiel, weil sie auf
den Sexismus in Gesprächen hinweist. Sagen wir mal, wir sitzen am Esstisch und diesen
Tisch herum versammelt sich die Familie, hält höflich Konversationen, wobei nur bestimmte
Themen angesprochen werden können. Jemand sagt was, das du als problematisch ansiehst,
vielleicht antwortest du ganz bedacht, vielleicht sprichst du auch ganz ruhig oder du regst
dich etwas auf und stellst dann frustriert fest, dass sich jemand über dich aufregt, der
dich aufregt. Die Gewalt dessen, was gesagt wurde, oder Gewalt der Provokation, wird nicht
bemerkt. Wie auch immer sie spricht, die Feministin, normalerweise diejenige, die als Ursache für
den Streit gesehen wird, also diejenige, die den zerbrechlichen Frieden stört. Betrachten
wir die Figur der feministischen Spaßverderberin einmal eher ernsthaft. Verdirbt die Feministin
anderen den Spaß, indem sie auf Sexismus aufmerksam macht? Oder enthüllt sie einfach
nur die negativen Gefühle, die sonst unter Zeichen von Freude versteckt verdrängt oder
verneint werden? Also ich finde das fast…
Ah, ich finde das schön. Du kriegst immer Gänsehaut, wenn ich sage, ach, ich lese immer.
Ich weiß auch genau, wo das steht, ich habe mir das auch markiert im Buch. Ich so, ah, ich
weiß wo. Ach, ich habe das gelesen. Ja, ich finde das ist eine schöne Stelle und sie
ist vor allem schön, weil sie so einfach auch zu verstehen ist. Und das verdeutlicht
vielleicht auch einfach die Sprache von Sarah Ahmed. Ja, also man kann sie wirklich sehr,
sehr, sehr, sehr gut lesen. Das ist aber auch der Grund, warum sie in der Philosophie
oftmals nicht als echte Philosophin gehandhabt wird, weil sie einfach lesbar ist. Das ist
nicht nur als Randnotiz, aber es ist wichtig. Weil natürlich auch Sprache, diese Mischung
aus zugänglich und trotzdem akademisch, ja auch genau das ist, was sie will. Und genau
das wird halt dann wieder kritisiert. Genau. Ich glaube, wenn man Ahmed kompliziert
will, dann muss man einfach nur die Fußnoten lesen, oder? Also mir ist das letztens aufgefallen.
Und die frühen Bücher allgemein, die sind noch ein bisschen, wo sie noch an der Uni war.
Das stimmt. Genau. Also die Nullerjahre-Bücher, die sind komplexer. Aber ja, aber sonst die Fußnoten
sind auch wirklich lang. Die Fußnoten sind nämlich meistens länger. Ich habe oben drei Zeilen
und dann den Rest der Seite Fußnote. Und in den Fußnoten wird sie schon etwas komplexer,
sagen wir einfach so, ja. Also nicht mehr so an der Uni. Das finde ich eine echt schöne Art
und Weise. Also da kann man sich auch etwas abschauen.
Ja, total. Total. Ja. Aber okay, nochmal kurz zurück zur Killjoy. Was beschreibt Ahmed
eigentlich hier mit dieser Szene? Ja, also die, sie sagt, ja, die Killjoy stört den falschen
Frieden, sozusagen, ja, weil sie weiß, dass Harmonie, die auf Schweigen beruht, eigentlich keine
Harmonie ist. Ja. Und das macht die Killjoy manchmal einfach wütend. Ja, also so richtig
grantig, würden wir sagen, in Österreich. Ja. Und genau diese Affekte, diese Gefühle,
die mit der Killjoy immer wieder assoziiert werden, also diese Wut, dieser Ärger, dieser
Krant, diese Müdigkeit auch, ja, die interpretiert Ahmed jetzt nicht als Schwächen, sondern als
Erkenntnis formen, sozusagen. Ja, also diese Wut, dieser Ärger, die zeigen, wo etwas nicht
stimmt. Das heißt, Wut ist in dieser Perspektive kein emotionaler Kontrollverlust, Snap, sagt
sehr oft, ja, sondern ein Moment der Klarheit, ja. Also die Wut offenbart da diese Kluft
zwischen dem, was auf der einen Seite versprochen wird, keine Ahnung, Gleichheit, Liebe, Respekt,
whatever, ja, und dem, was eigentlich real erfahren wird. Ja, und die, die, die, das ist
ein bisschen das, was du mit Complaint angesprochen hast, ja. Also die feministische Spaßverderberin
erkennt diese Diskrepanz, ja, und sie weigert sich, sie zu überspielen. Ja, in dieser Weigerung
eigentlich, da liegt jetzt auch der ethische Wert, würde ich sagen, dieser ganzen Figur,
ja. Also am Ende ist die Feminist Killjoy nicht gegen Glück, das ist vielleicht ganz wichtig
dazu zu sagen, ja, sondern gegen seine ideologische Form. Das heißt, gegen eine Form von Glück,
die sich über patriarchale Institutionen, über eine patriarchale Sprache hegemonial durchgesetzt
hat. Ja, also sie glaubt, die Killjoy glaubt an die Möglichkeit eines anderen Glücks, ja,
eines, das nicht auf Ausschluss basiert. Und das ist im Kern eigentlich eine Haltung der
Fürsorge, ja, weil wer den Mut hat, die Stimmung zu verderben, tut das nicht, weil sie gegen die
anderen ist, ja, die sich vielleicht wohlfühlen in dieser Orientierung, in der sie stecken,
sondern weil sie an die Möglichkeit glaubt, dass ein besseres Zusammenleben beginnen kann,
wenn wir aufhören, so zu tun, das wäre alles in Ordnung. Punkt aus. Ja. Und ich weiß nicht,
ich musste einfach beim Lesen, weil ich jetzt in letzter Zeit halt wieder sehr viel Achmed gelesen
habe, oft eigentlich zurückdenken an meine Zeit in der Klinik damals, ja, an diese merkwürdige Art
damals des Glücks, die man erwartet hat, ja. Also ein Glück der Anpassung, würde ich jetzt fast nennen,
ja, des Wieder-Normal-Essens, ja, des Wieder-Zurück-im-Leben-Stehens. Ja, aber dieses Leben war ja nie
meins. Ja, es war das Glück, das man mir zugeschrieben hat, aber nicht das, was ich gesucht habe. Und Achmed
leider. Achmed leider habe ich damals noch nicht gekannt. Ja, also ich habe Achmed damals noch nicht
gelesen gehabt, aber vielleicht war ich damals schon eine Killjoy, nur ohne es zu wissen. Ja, weil ich
gespürt habe, dass sich gesund, unter Anführungszeichen, anfühlen kann wie ein Zwang, wenn dieses Narrativ,
diese Geschichte drumherum, ein Narrativ, in dem du heilen sollst, eigentlich gar nicht deins ist. Und die
Idee, die Feminist Killjoy hilft mir, halt das rückblickend zumindest anders zu sehen, ja, nicht als
Störung in erster Linie, sondern, so wie ich vorher gesagt habe, sondern als Weigerung, als Weigerung, ein
fremdes Glück zu spielen. Ja, ich hätte, zugegeben, ja, ich hätte damals es für alle um mich herum
leichter machen können, ja, meine Familie, meine Ärztinnen, Therapeutinnen, ja, alle sind ein bisschen
verzweifelt, ja, wenn ich in der Therapie einfach nachgegeben hätte, ja, wenn ich in der Klinik geblieben
wäre, ja, wenn ich einfach zugenommen hätte, wenn ich einfach wieder glücklich geworden
wäre, ja. Ich hätte diesen Heilungsprozess, den sogenannten, den Familienalltag, den Haussegen,
was auch immer, hätte ich sehr viel harmonischer gestalten können, ja. Und mir ist es damals
sehr, sehr, sehr, sehr oft so gegangen, wie eben Achmeds Figur der Killjoy. Ja, ich habe mich
nicht, also zumindest aus meiner Perspektive, ich habe mich nicht geweigert, weil ich gegen die
anderen arbeiten wollte, gegen diese Hilfe, die mir angeboten wurde, die man mir anbieten wollte,
sondern weil ich an eine Möglichkeit glauben wollte, dass es einen besseren Weg gibt, gesund und
glücklich zu werden, unter Anführungszeichen, als so zu tun, das wäre alles in Ordnung. Ja, und
ich glaube, das ist jetzt auch so der Punkt hier, wo ich diese persönliche Erfahrung gern noch mal
zurückbringen würde auf die Makro, auf die Makroebene jetzt, weil diese bewusste Weigerung,
dieses Beharrliche nicht mitspielen, und das bleibt natürlich nicht folgenlos, ja. Also
wer Harmonie stört, riskiert Widerstand, ja. Und zwar jetzt nicht nur im persönlichen Umfeld,
sondern eben auch gesellschaftlich, ja. Also jede Irritation könnten wir sagen, ja, egal
ob in der Familie, auf Social Media, in der Politik, in der Arbeit, ja, bringt irgendetwas
in Bewegung. Oder anders, feministische Irritation ruft antifeministischen Backlash hervor.
Aber was das genau ist, so ein antifeministischer Backlash. Und warum wir hier vielleicht gar
nicht, es gar nicht mit einem Backlash zu tun haben, darüber sprechen wir dann erst beim
nächsten Mal, also in Teil 2 dieser Folge. Aber damit wir jetzt nicht so mit diesem gemeinen
Cliffhanger. Wie wäre es, wenn wir vielleicht zum Schluss, was meinst du, wie wäre es, wenn
wir statt eines Fazits heute vielleicht, ja, jetzt noch einmal, wie versprochen, zurückkommen auf
konkret die Sprache. Ja, und zwar auf die Frage, sollen wir jetzt, nach all dem, was wir über die
Killjoy gelernt haben, ja, heute, auf Deutsch, immer noch von Spaßverderberinnen sprechen. Was, was, was, was
meinst, was meinst du? Also ich, ja, vielleicht erst mal, ich habe eh die ganze Zeit noch mal drüber
nachgedacht, ähm, was, also, was jetzt eigentlich auf Englisch Killjoy eigentlich heißt, ne. Also es ist ja
ein Begriff, den hat der Achmed nicht erfunden, den gab es vorher schon, ähm, eben sowohl als
negativ bezeichnet, also halt vor allem in jedem Kontext, ne. Also natürlich wurde ja auch
Feministinnen gemünzt, die irgendwie Stumpen machen, ja. Oder, aber halt eigentlich in jedem
Kontext, so jemand, der irgendwie, ähm, also schon, schon im Sinne von Spaßverderberin, wie es im
Deutschen benutzt wird, aber der, der spannende Trick bei Achmed ist ja, dass es, dass die
Art, wie Achmed Killjoy nutzt, der so viel mehr noch sagt. Nämlich halt wirklich dieses
Abtöten der Joy nicht im Sinne von Spaß, sondern im Sinne von Freude, im Sinne von Glück.
Das ist ja genau das, was du geschrieben hast, was wir besprochen haben, dieses, ähm,
Unterbrechen der Ideologie des Glücks, so. Dadurch, dass quasi Glück getötet wird, wird
darauf, wird überhaupt erst aufgezeigt, dass es eine Farce des Glücks ist. Ja. So, genau. Ja.
Und deswegen finde ich es schon wirklich schwierig, Spaßverderberin zu sagen, weil, also es geht
ja nicht um Spaß. Also Glücksverderberin, könnte man sagen. Das fände ich nicht so
schlecht. Ja. Aber weil, also Joy ist ja auch wirklich was anderes als Spaß. Ja, total.
Ja. Ja, das ist eh auch genau das, was, was mich unter anderem am meisten stört, also
dieses, also diese Unvereinbarkeit zwischen Spaß und Joy. Und ich, ich habe mir einfach gedacht,
dieser Begriff, ja, für mich ist Killjoy, der eben als Spaßverderberin wiedergegeben wird,
ja, ist, ja, ist auf mehrere Arten irreführend. Ja, weil, so wie wir gesagt haben, Achmeds
ist eben keine Person, also keine Person an sich, ja, und auch keine Person, die einfach
schlechte Laune hat. Das ist halt, das ist der erste springende Punkt, ja. Sie ist eine
Person, wollte ich jetzt sagen, nein, eine Figur, jemand, ja, die den Mut hat, ja, eine falsche
Freude zu stören, quasi. Ja, also wenn wir Feminist Killjoy als Spaßverderberin übersetzen,
dann verlieren wir ja genau das, worum es Achmed geht. Ja, also nicht, also wir gehen, also
es geht ihr nicht, bei Achmed geht es nicht um Benehmen, ja, kann ich quasi auf einer Party
gute Laune haben, sondern es geht um Ethik. Ja, und Killjoy trägt eben diese Spannung,
gerade wegen, ja, zwischen Kill und Joy, ja, weil dieser Kontrast ist so extrem, ja, und
hier wird eben nicht die Laune verdorben, sozusagen, sondern diese falsche Harmonie, wie ich sie
vorher schon genannt habe, unterbrochen, ja, eine Harmonie, die deswegen falsch ist, weil
sie auf Ausschluss beruht, ja. Also im Deutschen klingt Spaßverderberin halt, weiß ich nicht, ja,
nach Unhöflichkeit, erst einmal, ja, und nach Mangel vor allem auch, weil es eben so
personifiziert ist, ja, die kann halt nicht mitspielen, quasi. Deswegen habe ich spielen
und mitspielen und sowas auch immer unter Anführungszeichen gesetzt oder versucht, unter Anführungszeichen
zu setzen in dieser Folge, weil es verschiebt ja diese Figur aus der Politik rein in die reine
Etikette, quasi, ja. Und da schrumpft dann außerdem, ja, dieser affektpolitische Einsatz, ja,
dieser Figur bei Ahmed, ja. Aus dem Wahrsprechen, ja, unter Risiko, ja, wird quasi eine Spaßbremse
irgendwie. Und das finde ich total, also da blockt es total bei mir im Kopf, ja. Also diese Übersetzung
entschärft, ja, extrem diese Figur bei Ahmed, ja. Also von dem strukturellen Stören hin
eigentlich zu einem persönlichen und sozialen Fauxpas. Also deswegen habe ich jetzt auch versucht
in der Folge eigentlich so oft wie möglich immer den englischen Begriff zu verwenden, also
immer auch Killjoy zu sagen, wenn Killjoy gemeint war, ja. Und ich habe mir auch natürlich
die Frage gestellt, ja, wie könnte man, wie könnte man es anders übersetzen, ja, Glücksverderberin
zum Beispiel, ja. Weil Freudeverderberin, Freudsverderberin, das funktioniert halt auf Deutsch
nicht gut, ne. Ja, nee. Ja. Und ich denke einfach, wir müssen einfach den Begriff anders
denken, ja, wir sind ja in der Lage, Wörter zu lesen und trotzdem anders zu denken, ja.
Also einfach nicht als jemand, der jetzt den Spaß verdirbt oder die den Spaß verdirbt,
sondern jemand, der eben das Schweigen stört. Und da ist mir dann gekommen, ja, also wenn
es um Harmonie geht, ja, also nicht, ähm, nicht in die Falle zu tappen und Harmonie mit
Gleichgewicht und Gerechtigkeit zu verwechseln, glaube ich, ja. Also einfach in der Killjoy
eine zu sehen, die bereit ist, die Stimmung zu riskieren, damit sich was bewegt, ja. Und das
ja, also in, eigentlich, indem sie sagt, sie macht nicht mit, also in dem, in der eigentlichen
Inaktivität, also dem Nicht-Mitspielen, ja, bewegt sie was. Und das ist für mich, was
hängen bleibt. Und deswegen habe ich gedacht, okay, eigentlich Verweigerung oder eine Verweigerin
zu sein, trifft es schon eher. Also das ist, glaube ich, nicht der ganz große Knackpunkt
hier. Aber was ich eigentlich in der Killjoy sehe, ist eine Unruhestifterin. Oder? Also
eigentlich, dass diese Verweigerung, das ist ja nur quasi die Oberfläche, was sie tut
durch ihre Verweigerung, ist etwas zu stiften und zur Unruhe, Bewegung zu machen. Und das
würde für mich ein bisschen mehr treffen. Ich meine, das ist natürlich dann schon sehr,
sehr, sehr interpretativ. Ja. Weil natürlich ist es genauso, wie du gesagt hast, bei der
Killjoy so, und das ist vielleicht noch ein Punkt, den ich vergessen habe, dazu zu sagen,
ja, aber ich sehe das genauso wie bei dir, ja, die Killjoy funktioniert sowohl alltagssprachlich
als auch analytisch. Und das ist der große Unterschied zur Spaßverderberin. Die Spaßverderberin
funktioniert nur alltagssprachlich. Und jetzt habe ich da ein alltagssprachliches Wort mit
allen negativen Konditionen und auch den ganz konkreten Vorstellungen, die wir davon haben,
von einer, weil wir alle kennen Spaßverderberinnen, und haben die schon mal getroffen und haben ein
ganz konkretes Bild davon. Aber genau das ist es ja bei Achmed nicht. Es ist keine Person, die wir uns
vorstellen können, es ist eine Figur. Eine Figur, mit der ich analytisch quasi etwas
aufbrechen kann. Und das funktioniert mit Spaßverderberin. Also ich glaube, das hat sich so
nicht etabliert, oder? Also ich glaube... Genau, aber das... Ja, das Spannende ist aber, dass wir ja dadurch
lernen, vielleicht den Gebrauch von Spaßverderberin zu hinterfragen. Also gerade, wenn wir jetzt sagen,
keine Ahnung, wenn jetzt so ein typischer Mann, eine typische Frau sagt, hey, du bist nur eine
Spaßverderberin, zu sagen, hey, aber ist der Begriff, also ist dein Nutzen hiervon, zeigt das nicht genau das
auf, was hier eigentlich gerade passiert. Also man kann es, glaube ich, genauso schwer wirklich
analytisch nutzen, aber man kann es vielleicht im Alltag besser erkennen, wann genau diese Momente
passieren von den Sarah-Achmed-Sprüfen. Absolut, ja. Also ich glaube, worauf ich hinaus wollte, ist
einfach, dass Killjoy, so wie du gesagt hast, ja, weil Achmed ja nicht Erste ist, die diesen Begriff
verwenden wir, sich einfach schon stärker etabliert hat im akademischen Diskurs und deswegen da auch schon
so als diese, als analytische Linse funktioniert und gelesen werden kann und dass diese Spannung quasi
zwischen dem, was eigentlich im Alltag gemacht wird mit dem Wort und das, was in Akademie gemacht wird,
mit dem Wort in der Analyse gemacht wird, dass genau das ist, das ist genau die Spannung, die sie sehr
hinweisen möchte. Ja, genau. Genau. Und der Begriff wird ja teilweise auch in deutscher Akademie
mittlerweile einfach benutzt und also quasi kursiv und kleingeschrieben. Und ich muss da auch
dran denken, ein anderer Kontext ist, wo ich, wo Killjoy vorkommt, das sind im Podcast von
amerikanischen Religionswissenschaftlerinnen und Kolleginnen von mir, der heißt nämlich Keeping
at 101, also quasi lassen wir es simpel. Und dann A Killjoy's Introduction to Religion, also eine Killjoy's
Einführung in Religion und wo sie quasi sind mehrere Staffeln ein bisschen aufgebaut wie eine
Einführungsvorlesung in Religion und Religionswissenschaft. Aber genau mit diesem, also sie nehmen auch explizit
natürlich Bezug auf Sarah Achmed, eben mit der Art und Weise, okay, wie machen wir Wissenschaft, wie machen wir
Forschungskothek, wie machen wir, wie nehmen wir das Selbstverständliche irgendwie auf den Kopf zu. Und
das ist auch was, wie das jetzt eben auch in andere Kontexte gewandert ist und vor allem
in einem progressiveren akademischen Diskurs auch wirklich produktiv genutzt wird.
Ja. Also unser Fazit ist eigentlich immer aufpassen. Bei Sprache immer aufpassen. Immer mitdenken. Genau.
Wie ein Killjoy und wie ein Mann eine Killjoy sein kann, das besprechen wir auch in der nächsten Folge.
Also wie man eine gesunde Killjoy bleiben kann. Genau, das ist glaube ich. Ah, ich glaube, das ist schon ein
wichtiger Stichpunkt. Genau. Dann mache ich jetzt ein Mini-Autro, weil wir brauchen auch das, weil das ist ja eine
einzelne Folge. Genau. Also erstmal schaltet auch bei der nächsten Folge ein, wie ihr gerade gehört habt, geht es weiter und es wird noch spannender als diese Folge war.
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Gerne. Ich werde jedes Mal besser, habe ich das Gefühl. Ich wollte gerade sagen, Jessica, du bist schon Profi. Oh mein Gott.
Wow. So gut gemacht. Ich habe das nicht aufgeschrieben. Es kommt einfach so.
Deswegen lasse ich dich das machen, weil ich genau weiß, du kannst das besser.
Oder jedes Mal, also es macht mir selbst auch jedes Mal mehr Spaß.
Sehr gut. Damit ist aber eigentlich auch schon alles gesagt für diese Folge, oder?
Genau. Und wir hören uns in der nächsten Folge.
Wir hören uns demnächst. Tschüss, baba.
Tschüss.