Sprache. Macht. Geschlecht.

Verena Hofstätter & Jessica Albrecht

Lost in Translation

oder: Übersetzen zwischen Fremdheit, Macht und Möglichkeit

30.07.2025 80 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge erörtern Jessica und Verena zunächst die Frage, ob das Sprechen über Smalltalk bereits als Smalltalk zählt und diskutieren danach das Übersetzen als politische Praxis und Form der Solidarität in der Wissenschaft. Was passiert eigentlich beim Übersetzen? Und welche Potenziale hat das Übersetzen in der kritischen und queer-feministischen Wissensproduktion?

Uns interessiert das Übersetzen nicht nur als sprachliche Technik, sondern als politische Praxis. Wir fragen: Was passiert eigentlich, wenn wir Texte, Begriffe, Theorien von einer Sprache in eine andere übertragen? Was geht verloren – und was entsteht dabei neu? Ausgehend von Esther Kinskys Idee des „Fremdsprechens“ und Jacques Derridas Konzept der différance nähern wir uns dem Übersetzen als einem Ort der Bedeutungsverschiebung. Wir zeigen, warum Unübersetzbarkeit kein Scheitern, sondern eine Chance sein kann – nämlich dann, wenn sie neue Denk- und Möglichkeitsräume öffnet. Dabei geht es nicht nur um Wörter, sondern auch um Macht: Wer übersetzt was – und für wen? Anhand postkolonialer Kritik und feministischer Übersetzungsansätze diskutieren wir, wie Übersetzungen auch als epistemische Filter wirken – und warum es so entscheidend ist, wer übersetzt, welche Perspektiven mitübersetzt werden, und welche untergehen. Am Beispiel von Judith Butlers Rezeption im deutschsprachigen Raum wird deutlich: Übersetzen ist ein performativer Akt, der Bedeutung nicht einfach überträgt, sondern mitgestaltet. Und genau darin liegt das politische Potenzial des Übersetzens – als Ort des Dazwischen, in dem neue Stimmen hörbar werden können.

Hier sind zwei Artikel von Jessica zum Thema:
  • Albrecht, Jessica A. ‘Sita in Cultural Translation: The Use of the Rāmāyana to Educate on Perfect Womanhood by Annie Besant, Marie Musaeus Higgins, and Leelawathy Ramanathan’. Interdisciplinary Journal for Religion and Transformation in Contemporary Society 1, no. aop (14 July 2023): 1–19.
  • Albrecht, Jessica A.  ‘Third Space Pedagogy: Teaching Gender and Sexuality in the European Classroom’. Gender and Education preprint, no. 0 (2024): 1–17. https://doi.org/10.1080/09540253.2024.2442939.
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Jessica:

Verena:

Transkript

Das ist wie so eine Show im Fernsehen. Hast du gehört? Ich habe geübt. Dieses Mal. Ich habe geübt. Das schwierige Wort. Ich habe echt vorher geübt. Mein Kater hat schon gedacht, ich bin ein bisschen Gaga. Das ist eine gute Verständnisrückfrage. Ist denn jetzt dein Sprechen mit Derrida und Wittgenstein auch Mehrsprachigkeit? Ach du liebe Goethe, deswegen gehe ich nicht mehr zum Friseur. Deswegen ist halt die Verantwortung der Übersetzerin so viel wichtiger. Also gerade wenn man weiß, dass diese Akt des Übersetzens immer auch ein politischer Akt ist, weil er immer eine Bedeutung schafft in dem Moment, dann ist die Verantwortung noch viel größer. Gut, hallo zurück bei Sprache macht Geschlecht. Hallo Jessica. Hallo Verena. Kleine Info vorab. Eigentlich keine Neuigkeit, aber für alle, die vielleicht heute zum ersten Mal zuhören oder denen es vielleicht nicht so aufgefallen ist in den vergangenen Folgen. Deswegen, wir beginnen auch heute vielleicht lieber ganz schnell wieder. Also von Hallo Jessica, zack, zum Thema. Ja, ich weiß es. Ja, es ist, ob wir nicht genug sprechen würden. Das stimmt. Aber das Problem ist, wir wollen ja nicht nur sprechen, quasi miteinander reden. Wir haben ja auch was zu sagen. Und dann, ja genau, habe ich immer so viel vorbereitet, dass ich mir denke, ich muss sofort rein. Na und außerdem, ich weiß nicht, das liegt vielleicht an mir, am Anfang gibt es nie so viel Blabla in unseren Folgen. Ja, es liegt wahrscheinlich an mir. Ja, aber das wäre auch politisch. Ja, diese Dinge liegen wahrscheinlich immer an mir. Ich weiß einfach nicht, was ich vor unseren Gesprächen da so sagen soll. Wahrscheinlich sollte ich mir aufschreiben. Genauso wie ich mir die anderen Sachen auch aufschreibe. Und dieses, was wir da immer darüber sprechen, dass wir kein Blabla haben, ist genug Blabla für unseren Podcast. So, Blabla ist jetzt zu Ende. Wir beginnen mit unserem Podcast. Nein, Smalltalk geht bei mir nicht. Nein, Smalltalk und Hollander. Ich kann auch kein Smalltalk, überhaupt nicht. Ich war am Samstag beim Friseur und ich hatte drei Stunden lang Qual. Ach, liebe Güte. Ich kann das einfach nicht. Deswegen gehe ich nicht mehr zum Friseur. Es geht nur mit anderen nicht so gut. Ja, total. Total. Und wir selber Smalltalk den ganzen Tag. Super. Na, vielleicht sollten wir das nächste Mal versuchen. Wir reden parallel mit uns selbst und dann steigen wir ein. Das ist sicherlich überhaupt nicht verwirrend für alle, die du tun hast. Nein, überhaupt nicht. Na gut. Um jetzt nicht weiter zu verwirren. Vielleicht machen wir es jetzt einfach so. Jessica, du beginnst, um ein bisschen diesen Stein ins Rollen zu bringen heute. Magst du vielleicht kurz zusammenfassen, was haben wir denn letztes Mal so eigentlich alles besprochen? Ganz schön viel. Wir sind gar nicht fertig geworden mit der Folge, wenn ich mich richtig erinnere. Genau. Also wir haben nämlich über Englisch als Wissenschaftssprache gesprochen und die Geschichte davon. Allgemein erstmal über Wissenschaftssprache. Ich habe ja, glaube ich, vor 1500 Jahren angefangen. Und dann so ein paar Sachen abgeklappert, um dann eben halt auch zu zeigen, warum, also wie es überhaupt dazu kam, dass Englisch jetzt dominante Wissenschaftssprache ist. Weil das natürlich viel mit Kolonialismus zu tun hat. Und dann halt, also quasi bis in die Hälfte vom 20. Jahrhundert und dann eben quasi jetzt auch nochmal mit so einer Überpräsenz des amerikanischen Raums und der Wissenschaft. Auf den sind wir nicht so eingegangen. Aber das, der geht ja gerade eh zurück. Also wahrscheinlich muss man darüber gar nicht mehr sprechen. Naja, genau. Auf jeden Fall ging es halt hauptsächlich darum, zu zeigen, dass sowohl diese Wissenschaftssprache mit einer, wirklich so einer faktischen Macht, also dem Kolonialismus verbunden war. Und dass es sich eben nicht nur sozusagen auf einer materiellen Ebene zeigt, sondern dass eben diese Macht sich durch diese Sprache auch auf einer sogenannten epistemischen Ebene zeigt. Also auf einer Ebene, wie wir die Welt wahrnehmen und verstehen und über diese Welt kommunizieren. Und das beeinflusst eben auch, wie wir über Sachen nachdenken und genau was für Möglichkeiten des Denkens wir überhaupt haben. Also in der letzten Folge haben wir eigentlich auch gesehen, dass wer eng spricht, haben wir gesagt, darf in der Wissenschaft mitreden, so mehr oder weniger. Und wer das nicht kann oder nicht will, wird oft ausgeschlossen oder einfach zum Objekt von Forschung gemacht, statt selbst Wissen zu produzieren. Und genau an diesem Punkt wollen wir auch heute ansetzen, denn es gibt sehr wohl Strategien, mit dieser sprachlichen Dominanz umzugehen und der etwas entgegenzusetzen. Letztes Mal am Schluss haben wir eigentlich auch schon über eine mögliche Strategie gesprochen. Wir haben das verknüpft damals mit der Idee von Deleuze und Gaterie. Gaterie wird immer vergessen, ich glaube, ich habe es letztes Mal auch vergessen. Gaterie, Gaterie, I don't know, ich weiß es auch nicht. Der arme Mann. Ja, bei Deleuze, also vor allem bei Deleuze, da gibt es hier dann auch Mühe bei dem Namen und dann... Ja. Der Felix. Der Felix. Der Felix. Na gut, die beiden haben gesprochen mal über so eine Literatur minoritär, also einer minoritären Literatur, sind wir dann drauf gekommen, heißt das. Genau, und das war, haben wir gesagt, die Idee, dass wir uns die sogenannten deterritorialisierenden Kräfte von Sprache zunutze machen sollten. Hast du gehört? Ich habe geübt dieses Mal. Ja, ich war gerade so, das hat ja, ich habe das Schwierige im Ganzen so lange nicht mehr gehört. Ich habe echt vorher geübt, mein Kater hat schon gedacht, ich bin ein bisschen Gaga. Aber gut, diese unaussprechlichen Kräfte, die ich jetzt nicht nochmal wiederhole, die sollen wir uns quasi zunutze machen, um eine Sprache zu schaffen, haben sie gesagt, die dominante Ordnungen verschiebt, diese Ordnungen unterläuft, vielleicht sogar auflöst, ja, indem sie Zwischenräume schafft, indem sie irritiert, indem sie auch neue Begriffe schafft, erfindet, vielleicht, ja, Schreiben zwischen den Zeilen habe ich das damals beim letzten Mal, glaube ich, auch genannt, ja, so Sprache ein bisschen in Aufruhr bringen, unter Anführungszeichen, durch, ja, gerade durch Anführungszeichen zum Beispiel, ja, ziemlich einfaches Beispiel, ja, wenn wir uns zum Beispiel nicht hundertprozentig sicher sind bei einem Begriff, wenn uns der nicht so ganz geheuer ist, einfach unter Anführungszeichen, ja, oder auch durch andere Satzzeichen geht das ganz gut, ja, Klammern zum Beispiel, Schrägstriche, ja, durch die so zusätzliche Bedeutung ein bisschen in den Text fließen können. Eine Sache, die ich ziemlich gerne und sehr, sehr, sehr, sehr oft mache, ja, sind zum Beispiel auch Gedankenstriche, finde ich super, ja, zwischen die dann so Reflexionen oder Standpunkte auch der Forscherin gepackt werden können. Es gibt theoretisch viele Möglichkeiten, so allein schon auf der typografischen Ebene, einen Text, der in einer dominanten Wissenschaftssprache verfasst ist, also Deutsch zum Beispiel oder Englisch vor allem, so irgendwie zu unterlaufen, ohne notwendigerweise gleich die Sprache wechseln zu müssen. Ja, heute, und das wissen jetzt alle wahrscheinlich, weil wir das in den Titel geschrieben haben, aber heute wollen wir uns mit einer anderen Strategie befassen, bei der es ja genau darum geht, Sprache zu wechseln, nämlich das Übersetzen. Und zwar jetzt nicht nur als rein technischer, sprachlicher Vorgang, sondern wirklich als politische Praxis. Das werden wir später sehen. Wir werden auch sehen, Übersetzen kann eine Form der Solidarität sein, auch eine Möglichkeit, Räume zu öffnen und vor allem auch ein bisschen so zu stören. Also Übersetzung als Störung, also Übersetzen kann Hierarchien sichtbar machen, gerade da, wo sonst scheinbar Klarheit herrscht. Aber, alles der Reihe nach, wir haben wieder viel vor heute, vielleicht eine Frage zum Einstieg. Was war denn, Jessica, so dein erster bewusster Kontakt mit dem Übersetzen? Also vielleicht jetzt gar nicht ebenso, wie ich das gesagt habe, so als technischer Vorgang, so als Sprachübung, sondern vielleicht auch so im Alltag. Hast du da Erinnerungen? Ja, ich habe da sogar eine Geschichte, die dir vielleicht gefallen wird. Oh. Genau, und zwar, also natürlich, wie du schon gesagt hast, also Übersetzen als Sprachübung, also wenn man eine Fremdsprache lernt, macht man das irgendwie, aber man denkt eben nicht darüber nach. Oder vor allem, weil man ja irgendwie so gelernt bekommt, dass es ein immer funktionierendes, adäquates, anderes Wort in einer anderen Sprache gibt. Und dann lernt man das halt so und dann denkt man genau darüber nicht nach. Und das erste Mal so richtig aufgefallen, dass wirklich entscheidende Dinge anders sind, irgendwie in verschiedenen Sprachen, und dass man vielleicht über Sprachgrenzen hinweg darüber reden müsste, ist es mir bei einem meiner studentischen Lesekreise. Ich hatte so, als ich im Bachelor war und dann noch ein bisschen später, war ich so Teil von so einer Lesekreisgruppe, wo wir, also angefangen haben wir eben mit Foucault und Butler, weil dann, wo liest man sonst diese Sachen, wenn nicht in der Gruppe, damit man was davon versteht. Und dann, genau, immer noch irgendwie weiter, es ging so über mehrere Jahre und es war wirklich im ersten oder zweiten Jahr, als wir Foucault über Wachen und Strafen gelesen haben. Und wir hatten natürlich die deutsche Übersetzung und wir haben darüber gesprochen, gesprochen, und so nach so fünf Wochen, also es war immer so ein Semester und so nach der Hälfte, war dann auf einmal einer, also einer, der die ganze Zeit schon mit dabei war, der selbst aus der Schweiz ist, so genau an der Grenze, der kann also drei Sprachen sprechen, also Deutsch, Schweizerdeutsch und Französisch und er hatte dann die französische Ausgabe des Buches mit dabei und hat dann auf einmal gesagt, da steht was ganz anderes in dem Buch, als was wir die ganze Zeit reden. Wir so, hä, wie? Und dann haben wir immer, immer wieder dieses restliche Semester sind wir, wenn wir uns über irgendwas nicht einig waren, weil wir darüber diskutiert haben, wenn man es versteht, sind wir quasi in den Originaltext, jetzt in den Anführungszeichen, Originaltext gegangen, um zu versuchen, es dann besser zu verstehen. Und ich bin mir jetzt im Nachhinein überhaupt nicht sicher, ob es einfach verschlimmert oder verbessert hat. Ja, das ist ein super tolles Beispiel eigentlich als Einleitung auch zu dem, was ich in der Folge sagen werde. Ja, das stimmt. Und auch, dass du jetzt gesagt hast, ja, Originaltext unter Anführungszeichen und so weiter. Also, genau, also Dinge doppelt lesen muss nicht immer bedeuten, dass man sie dann doppelt versteht. Ja, genau. Aber bei mir, also ich weiß nicht, bei mir war das schon auch sehr ähnlich, weil natürlich, ja, französisches Studium, wir haben Sprachkurse gehabt, ganz klar, und ein Semester war davon eigentlich auch ausschließlich Übersetzen eigentlich. Oder da haben wir gar nicht Sprache quasi gelernt, Französisch gelernt, sondern nur übersetzt, von Deutsch auf Französisch. Aber, ähm, nein, kritisch würde ich das nicht bezeichnen. Also, so wie du gesagt hast, da ging es halt darum, möglichst rasch die möglichst adäquate Übersetzung unter Anführungszeichen zu finden, ja. Und, ich muss auch dazu sagen, die Sprachkurse waren damals komplett losgelöst, abgekoppelt irgendwie von den restlichen Lehrveranstaltungen, also Literaturwissenschaftliche, Medienwissenschaftliche, Sprachwissenschaftliche und so weiter, ja, in denen wir natürlich schon auch Texte aus der ganzen Frankophonie gelesen und besprochen haben. Also, es ist nicht so, als dass es ausgeblendet worden wäre, aber in den Sprachkursen selber kam es halt gar nicht vor. Ja, aber ja, gut, damit habe ich jetzt wahrscheinlich im Nachhinein das Problem, das Hauptproblem auch schon identifiziert, aber, aber gut, ein Thema für ein anderer Mal. Ähm, ja. Ich bringe ihn aus, ja, bitte, das heißt du, ja. Nee, nee, nee, nee, nee, ich meinte nur, wir haben, wir werden für immer zu reden haben. Also, das stimmt, das stimmt. Siehst du, ich wollte gerade weiterreden, also, Punkt. Nein, ich wollte eigentlich nur sagen, dass eigentlich, also, ich war ja auch öfter im Ausland und auch im Ausland, ja, oder gerade im Ausland, muss ich sagen, zumindest bei mir war das so, ja. Da bin ich irgendwie immer zufälligerweise irgendwie in, äh, wie soll ich sagen, in monolinguale Situationen geraten, ja. Also gut, ja, vielleicht zufällig war das nicht wirklich, ja, ich war ja fast immer in irgendeinem französischsprachigen Ausland, ja, und da gibt's halt nur Französisch und Aus, da bin ich halt mit meinem Deutschen, mit meinem Englisch nicht weit gekommen. Genau, soll heißen, da war eben das Übersetzen auch nicht so präsent, oder zumindest, ich hab halt auch nicht drüber nachgedacht, wahrscheinlich, ja. Aber ich glaube, auf eine Sache möchte ich vielleicht doch auch noch hinweisen. Ich hab ja, also in meinen Sprachkursen, in meinen Deutschkursen, also vor allem in den Gruppenkursen und vor allem in den unteren Stufen, also wirklich jetzt so noch Niveau A1, A2, vielleicht auch noch, ja, wenn die Sprachkenntnisse jetzt nicht so ganz ausreichen noch, um wirklich, wirklich alles, alles auf Deutsch zu machen und alles auf Deutsch zu erklären, da wird dann die Unterrichtssprache quasi immer automatisch Englisch, ja. Also wenn irgendwer was fragt, ja, dann antworte ich, ohne nachzudenken, ja, und plötzlich ist dann alles, ja, was nicht dezidiert Sprachübung ist, ja, Englisch. Was eigentlich ziemlich arg ist, ja, wenn man drüber nachdenkt, ja, was das für eine Anmaßung eigentlich ist, ja, von mir als Lehrperson nämlich, ja, einfach davon auszugehen, dass alle im Raum Englisch verstehen oder sprechen wollen, ja. Ja, und das heißt, es ist immer wieder auch vorgekommen, dass das Lernende dann einfach gesagt haben, ja, halt, halt, halt, wir sprechen nicht so gut Englisch, können wir bitte wieder alles auf Deutsch machen. Und ja, ich meine, recht haben sie, ja, und gut für mich, eigentlich auch gut für mich, weil Teaching Moment irgendwie sozusagen, ja, weil ich dann natürlich immer sensibler darauf geworden bin, ja. Oder zumindest dann gleich wieder zurück auf Deutsch gewechselt habe, wenn, auch wenn ich hin und wieder schon eine Frage dann auf Englisch beantworten habe müssen, ja. Ja, aber genau, Sprachhierarchien, ja, das ist auch ein ganz wichtiges Thema beim Übersetzen, aber heute geht es weniger um diese Sprachhierarchien. Ich meine, schon immer, das schwingt immer im Hintergrund mit, das behalten wir jetzt einfach im Kopf. Aber worum es heute eigentlich gehen soll, ist wirklich so, dieses Übertragen von Texten und was bei dieser Tätigkeit passiert beim Übertragen von Wissen von einer Sprache in eine andere. Oder vielleicht auch genauer, um das Übertragen von fremden Texten soll es heute gehen. Und das ist auch schon ein gutes Stichwort, mit dem ich gern weitermachen würde. Ich habe nämlich eine kleine Aufgabe für dich mitgebracht heute. Die ist wirklich nur eine kleine Aufgabe und nicht schwierig, das sagen alle. Ja, genau. Wie ist es im Unterrichten und im Teaching Moment, wo man dann ganz andere Erwartungen an die Menschen hat? Das sage ich immer. Ist urinteressant, aber ist überhaupt nicht schwierig. Nein, also die Aufgabe ist voll. Ich habe ein Wort für dich. Ich sage dir jetzt ein Wort und du sagst mir dann, was du mit diesem Wort verbindest. Okay? Okay. Alles klar? Gut. Kannst losgehen. Das Wort. Das ist wie so eine Show im Fernsehen, wo man irgendwie... Ja, genau. Jetzt kommt dann diese Musik, dieser Jingle. Genau. Okay, ja. Gut, das Wort. Zurück zum Wort. Mein Wort, das ich mitgebracht habe, Jessica, heißt Fremdsprechen. Was verbindest du damit? Also ich habe es auf jeden Fall noch nie so gehört. Genau, und deswegen habe ich so mehrere Assoziationen damit. Also Fremdsprechen klingt natürlich erstmal wie so Fremdsprache, sodass man halt in einer fremden Sprache spricht, weil es ist ja Sprechen. Genau, aber halt auch vielleicht so ein bisschen sich im Sprechen fremd fühlen. Ja, also dass man nicht nur etwas Fremdes spricht, sondern dass man quasi im Sprechen fremd ist. Ja. Das sind so meine Assoziationen. Und mir fällt dann wieder was ein, was mir heute früh passiert ist, wenn ich die Geschichte erzählen darf. Wo ich mich in meiner eigenen Sprache fremd gefühlt habe. Oh, ja. Bitte erzähl die Geschichte, auf die bin ich gespannt. Also naja, also beziehungsweise in meiner regionalen Zugehörigkeit fremd gefühlt habe. Ich weiß nicht, du kennst dieses eine Gebäck bestimmt, das heißt glaube ich in Österreich auch Krapfen. Ja, stimmt. Genau, ich war heute beim Bäcker, genau in Österreich heißt das Krapfen und in Bayern auch. Und ich komme ja aus Franken, also da auch. Ich sitze auch jetzt wieder in Franken, da auch. Im Rest von Deutschland, also fast im Rest von Deutschland, heißt es aber Berliner. Und in Berlin heißt es Pfannkuchen. Oh, ja. Genau. Auf jeden Fall war ich heute beim Bäcker und habe mir so überlegt, was ich will und was angeguckt. Es waren zwei Sachen ineinander und ich bestelle dann so einen Berliner. Und mir fällt das überhaupt nicht auf. Und ich bin 20 Jahre lang mit Krapfen aufgewachsen, musste mich in Baden-Württemberg umtrainieren, dass die Menschen mich verstehen, dass ich Berliner sage. Und dann fragt sie mich, ob ich den mit Puderzucker oder mit dem normalen Zucker will. Und dann fällt mir auf, dass ich gar nicht den Krapfen bestellen wollte, sondern den Amerikaner. Es wird noch komplizierter. Also, Situationen in der Bäckerei sind immer sehr tricky. Ja, voll. Ja. Genau, auf jeden Fall. Ich habe, weil ich war da noch, und danach habe ich mir so, oh nee, also, als hätte ich jetzt, ich wollte doch Amerikaner sagen, als ob ich jetzt Berliner, ich habe dann gehört, wie kann sie denn von mir denken, dass ich Berliner sage, ich bin doch Fränkin, hat sie das nicht erkannt? Und habe mich dann direkt irgendwie so als nicht, nicht Fränkin gefühlt, obwohl ich ja sowieso was ganz anderes wollte und mich dann aber in dem Moment nicht mehr mehr getraut habe zu sagen, nein, ich wollte eigentlich den Amerikaner haben. Jetzt habe ich einen Krapfen mit Puderzucker da. Und, wie schmeckt er? Den habe ich für danach. Kann ich mir was danach ersetzen. Aha, okay. Gut, ich hätte das wahrscheinlich jetzt gar nicht so schlimm gefunden, weil ich sowieso lieber Krapfen esse. Oder weil es bei uns eigentlich nicht so wirklich Amerikaner gibt für einen Bäcker, glaube ich. Weiß ich nicht. Ich wollte so den richtigen Zuckerschock. Bäcker? Ja. Einen Zuckerschock, ja, okay. Ich habe auch, also das Witzige war halt, dass ich in meinem Kopf auch überlegt habe, vorher will ich einen Krapfen oder will ich einen Amerikaner und dann habe ich mich für einen Amerikaner entschieden, aber Berliner gesagt. Sie ist sehr fremd. Alles fremd, alles fremd. Ja, aber es ist lustig, dass du das erwähnst, weil, okay, ja, das war jetzt natürlich eine innersprachliche Schwierigkeit, die du da beschrieben hast, aber das ist vollkommen das Gleiche, das ich immer sage, ja, wir, ähm, niemand ist einsprachig. Du hast es gerade perfekt bewiesen, dass wir auch in der eigenen Sprache durchaus Schwierigkeiten haben können, auch wenn es um sowas geht wie übersetzen zum Beispiel, ja. Weil eben gerade der Wortschatz ist natürlich dann sehr, sehr, sehr unterschiedlich, oft auch dann die Aussprache dazu, ja. Und wenn dann auch so grammatikalische Feinheiten dazukommen und reinspielen, dann geht oft gar nichts mehr, wenn man irgendwo plötzlich ein bisschen ins Dorf weiterreist, ja. Also dann ist das auch ganz, ganz, ganz stark natürlich diese, diese dialektalen Shifts, die wir haben. Und ich vor allem kenne das auch aus meinen Kursen, jetzt bin ich schon wieder zurück bei meinen Kursen, ähm, also die häufigste Frage, die ich habe, ist, Verena, kannst du mir bitte helfen, wie ich beim Bäcker das Richtige bestelle? Nein, das schaffe ich nicht. Weil das geht nicht. Und das ist aber so, aber wie komplex so eine, so eine, äh, weiß nicht, auf den ersten Blick simple Situation sein kann. Das kann man sich gar nicht vorstellen, also, also wirklich, das ist die häufigste Frage, weil das, das ist das, was Menschen offenbar am häufigsten machen, in der Früh zum Bäcker gehen und dann sich was zum Essen holen. Und das ist aber oft schwierig, also genauso wie du sagst, wegen den Begriffen, also wie heißt denn was, ja. Und dann ist es auch noch schwierig, weil man dann sagen muss, hinten vorne, links, rechts, äh, links davon, rechts davon. Und zwar, das ist auch noch schwierig und es ist dann, äh, vor allem auch schwierig, äh, wegen der Aussprache, glaube ich, weil, ich weiß nicht warum, mir selber fällt das gar nicht auf, aber ich glaube, gerade beim Bäcker, äh, verfallen viele MitarbeiterInnen dann doch, äh, sehr stark in den Dialekt und dann geht's für Sprachlernende oft gar nicht mehr am Anfang. Ja, genau, also, ja, Bäcker-Geschichten habe ich auch ganz viele. Ja, genau, aber lustig, dass du sagst, Fremdsprechen hast du am Anfang gesagt, klingt für dich so wie Fremdsprache ein bisschen. Ich glaube, das ist vielleicht auch intendiert, äh, ja, in diesem, in diesem Begriff. Weil Fremdsprechen, Fremdsprechen ist nämlich auch der Titel von einem Buch von Esther Kinski, kennst du die? Nee, das ist eine Übersetzerin, eine deutsche Übersetzerin und Schriftstellerin und die schreibt eben in dem Buch über das Übersetzen jetzt nicht als eine Art, oder nicht nur als ihre Arbeit, sondern wirklich auch als Erfahrung. Ja, irgendwie als, als, als, als ein ständiges Leben zwischen Sprachen, oder? Ja, also, für sie ist Übersetzen keine rein sprachliche Technik, sondern wirklich eine Art, in der Welt zu sein irgendwie. Ja, also, ein ständiges Aushandeln zwischen, zwischen Sprachen, zwischen Bedeutungen, zwischen Kulturen, zwischen Nähe und Distanz, zwischen Verstehen und Missverstehen. Und ich finde, das ist irgendwie ein ziemlich schöner Gedanke eigentlich, weil es heißt ja auch Übersetzen, dich stabilisiert. Ja, also, wer übersetzt, bringt Bewegung in Bedeutung, holt Dinge raus aus dem scheinbar Selbstverständlichen, ja, aus dem Verfügbaren. Und genau darin liegt dann auch das, das politische, ja, also dieses politische Moment im Übersetzen, weil wir müssen ja eigentlich nur an unsere eigenen Erfahrungen denken, an uns selber denken. Wenn die eigene Sprache nicht mehr ausreicht, um etwas auszudrücken, dann, da müssen wir uns bewegen. Punkt aus, ja, raus aus der gewohnten Ordnung. Ja, wir brauchen dann Umschreibungen oder wir brauchen Synonyme oder wir müssen in andere Sprachen schauen, ob wir dort einen Begriff finden und so weiter. Ja, und das kann natürlich, ja, es kann ganz schön unbequem sein, aber es kann eben auch sehr produktiv sein. Ja, und das ist genau das, was eigentlich dominante Sprachen oft nicht zulassen oder zulassen können, weil sie sonst ihren Status als dominante Sprache verlieren würden. Diese produktive Irritation, ja, und Kinski, finde ich, in dem Buch, die beschreibt das einfach sehr eindrücklich, wie sich das anfühlt. Ja, dieses immer ein bisschen fremd zu sprechen, sagt sie. Ja, nicht ganz dort zu sein, wo man sich sprachlich befindet, ja, und wie draus trotzdem oder vielleicht eigentlich gerade deshalb neue Möglichkeiten entstehen können. Ja, und genau da wollen wir jetzt auch genauer hinschauen in dieser Folge. Ja, was passiert denn eigentlich beim Übersetzen? Welche Potenziale stecken eigentlich in dieser Tätigkeit? Ich muss heute schon die ganze Zeit husten und ich mache dauernd zwischendrin auf Mute, damit man das nicht hört und dann wieder weg und auch ich bin nur am rumklicken. Sehr brav, da muss ich nicht zu beschnallen. Was für ein Service heute hier. Ja. Nein, machen wir gleich weiter. Ich mache gleich weiter mit dem großen theoretischen Blog, den wir heute vor uns haben. Genau, ich will vielleicht kurz, für die Leute, Männer, ganz kurz, wir sind erst auf dem Ende der ersten Seite unseres Skripts. Wir reden aber schon ziemlich lange, damit die Leute mal ungefähr wissen, wie sich so eine Folge bei uns entwickelt. Ja, ein bisschen politisch. Wir haben immer ein Skript, aber es ist dann irgendwie immer doch ganz anders. Genau, okay. Ich steige ein Thema heute, Übersetzen. Und ich habe jetzt bei Kinski schon den Begriff der Verfügbarkeit erwähnt. Das ist jetzt auch etwas, was wir uns jetzt gleich als nächstes genauer anschauen werden. Also diese Idee, also was ist denn uns beim Übersetzen eigentlich verfügbar? Worauf können wir zurückgreifen beim Übertragen von Wörtern? Von einer Sprache auf die andere. Das ist genau das, wo wir jetzt einsteigen werden. Weil wenn Kinski das Übersetzen als ein ständiges Zwischen-den-Sprachen-Sein so irgendwie beschreibt, dann ist das eigentlich ja schon ganz nah dran an einem Gedanken, der mit einem, würde ich jetzt fast sagen, einem der einflussreichsten poststrukturalistischen Theoretiker verbunden ist, nämlich Jacques Derrida. Yay! Sorry, ich freue mich endlich. Wir haben noch nie über ihn gesprochen und ich warte so lange schon drauf. Wir reden immer nur über die anderen und einfach meinen absoluten Liebling, aber noch nicht mal angesprochen. Aber endlich ist es so weit. Ich habe mich so auf diese Folge gefreut. Es hat fünf Folgen gedauert, aber jetzt sind wir da. Wer war denn eigentlich diese Person? Jacques Derrida, vielleicht nur ganz kurz zur Einordnung. Derrida war ein französischer Philosoph, geboren 1930 in Algerien. Also wir müssen uns bewusst sein, das war noch zu einer Zeit, als Algerien französische Kolonie war. Und solche Dinge sind nie nur unwichtiger Fakt, aber auch hier nicht nur nebensächlicher Fakt, unwichtiger Fakt. Also er ist aufgewachsen als französischsprachiger Jude in einer mehrsprachigen, kolonial geprägten Gesellschaft und diese Erfahrungen mit Ausgrenzung, mit Fremdzuschreibungen, Mehrsprachigkeit. Also diese Erfahrung des nicht ganz dazugehörens. Das zieht sich so wie ein roter Faden, einfach durch seine komplette Arbeit. Derrida ist dann vor allem bekannt geworden durch und mit seinem Konzept der Dekonstruktion. Ich muss mich jetzt ein bisschen zurückgreifen. Ja, wir wollen jetzt nicht komplett abgeben, wir haben auch bei Butler immer nur eins versetzt, wie gesagt. Genau, ich würde es sehr gerne, aber wir sparen uns das für eine andere Folge ab. Okay, heute wollen wir uns mit einem anderen Konzept beschäftigen, mit einem anderen Begriff, den er auch geprägt hat, nämlich der Differenz. Das ist eine Wortschöpfung, die jetzt beim Zuhören, also für alle, die die französisch sprechen und schreiben können auch, dieses Wort hört sich beim Zuhören einfach an wie das französische Wort für Unterschied, also Differenz. Aber Derrida schreibt Differenz absichtlich nicht mit E, wie wir das normalerweise machen würden, also Differente, sondern er schreibt es mit A, Differente. Und damit will er einfach hinweisen auf die Doppeldeutigkeit von dem französischen Wort Differy, weil Differy kann im französischen sowohl bedeuten unterscheiden als auch aufschieben. Und genau diese Doppeldeutigkeit, die steht wirklich so im Zentrum von Derridas Denken. Das heißt, er sagt, Bedeutung entsteht quasi nie aus sich selbst heraus. Begriffe haben nicht, besitzen keine Bedeutung sozusagen, sondern Bedeutung ist immer relational, also steht immer in Beziehung zu anderen Bedeutungen. Das ist die erste Sache. Und er sagt auch, Bedeutung ist eigentlich nie wirklich da. Das klingt jetzt ein bisschen theoretisch alles und ein bisschen philosophisch, was ich da sage. Aber wir müssen uns eigentlich nur zurückerinnern an die dritte Folge, die Folge mit der Sprache, da wo wir über den Strukturalismus gesprochen haben. Aber daran schließt Derrida ja auch an in seinem Denken. Er sagt, Sprache ist nie ein geschlossenes System, das stabil auf die Welt verweist. Er sagt, er ist ein, er, nein, nicht er, sie, die Sprache. Also die Sprache, sagt er, ist ein, und jetzt spreche ich ein bisschen mit Wittgenstein, weil, warum nicht? Also er sagt, Derrida sagt, Sprache ist so eine Art offenes Spiel von Zeichen, das nur durch seine Unterschiede quasi Sinn und Bedeutung produziert. Ja, genau, so wie das im Strukturalismus damals auch war. Und Derrida fügt dann eben hinzu, und dabei ist dieses System, ja, also diese Bedeutungsproduktionsmaschine quasi, die ist auch ständig in Bewegung. Und genau das macht das Übersetzen dann bei Derrida zu einer produktiven Tätigkeit, aber auch zu einer prekären Tätigkeit. Weil wir könnten jetzt natürlich fragen, okay, also wenn Bedeutung sich nie endgültig festmachen lässt, was übersetzen wir dann eigentlich? Ich habe eine kurze Frage, bevor du, ja genau, ist, ich also eine kurze, vielleicht auch eine gute Verständnisrückfrage, ist denn jetzt dein Sprechen mit Derrida und Wittgenstein auch Mehrsprachigkeit? Ist das auch eine Form von Übersetzung? Ja, genau. Das wird wahrscheinlich dann mein Fazit sein für heute. Ja, aber es schließt einfach auch daran an, was ich schon vorher gesagt habe, ja, niemand ist einsprachig, nichts ist einsprachig. Also selbst auch, wenn wir das Gefühl haben, wir würden in einer Sprache sprechen, ja, selbst wenn wir das Gefühl haben, ja, wir sprechen immer. Genau dieser Punkt, den du gerade meintest, dass es halt nicht abgeschlossen ist und in was übersetzt man, welche Bedeutung, ist halt dieses, also du hast jetzt quasi was aus einem anderen philosophischen Sprachgebrauch genutzt, um etwas anderes quasi besser, verständlicher zu machen, für dich in deinem Kopf und für die Zuhörenden hier und gleichzeitig, aber hast du damit auch neue Räume eben eröffnet, genau, das hast du gesagt, ja. Genau, das, was ich auch immer sage, was eigentlich für mich auch dann wirklich Mehrsprachigkeit eigentlich ist, ja, es ist nicht Sprachen nebeneinander parallel, die ich einmal da und einmal da verwenden kann oder ineinander übersetzen kann, sondern für mich ist Mehrsprachigkeit immer schon gewesen quasi eine Ergänzung, oder? Also die Sprachen fließen immer ineinander und helfen mir halt dann dadurch, Dinge besser auszudrücken oder Dinge besser zu verstehen. Ja, genau. Aber das ist wieder, das geht vielleicht heute wirklich zu weit. Also wir bleiben jetzt nur mal bei Derrida und seinem Gedanken dieser, ich sage jetzt mal, Übersetzbarkeit, ja, aber es stimmt schon, ja, Derrida stellt die Idee in Frage, dass es eine ursprüngliche Bedeutung gibt, die einfach nur jetzt richtig und Anführungszeichen in eine andere Sprache übertragen werden müsste. Stattdessen zeigt er, dass jede Übersetzung bereits eine Interpretation ist. Ja, das heißt eine neue Setzung, mehr oder weniger, ja, eine Entscheidung. Und in dieser Entscheidung verschiebt sich halt etwas, unweigerlich. Ja, irgendwas bleibt übrig, irgendwas geht verloren oder irgendwas entsteht neu. Also das geht in alle Richtungen. Jetzt könnten wir immer noch sagen, ja, okay, aber heißt das dann nicht eigentlich, dass wir gar nicht übersetzen können? Also dass das Übersetzen eigentlich ein Ding oder, wir müssten eigentlich sagen, eine Handlung hier, der Unmöglichkeit ist. Und Derrida, das ganz simple Antwort darauf ist, ja, ja, also Derrida spricht zwar von Unübersetzbarkeit, aber Unübersetzbarkeit bedeutet bei ihm eben nicht, dass Übersetzen unmöglich ist. Es bedeutet vielmehr, Übersetzung macht einfach sichtbar, dass Bedeutung nie ganz verfügbar ist. Und jetzt sind wir zurück bei dem Konzept der Verfügbarkeit. Übersetzen macht deutlich, dass jede Sprache jetzt nicht nur strukturiert ist, anders als andere Sprachen, sondern auch andere Denk- und Wahrnehmungsweisen mit sich bringt. Und dass bestimmte Begriffe, und das füge vielleicht ich jetzt noch so obendrauf hinzu, vielleicht in Gedankenstrichen, stellt euch das jetzt in Gedankenstrichen vor, Also gerade Begriffe aus politischen Texten, queeren Texten, philosophischen Texten, diese Begriffe lassen sich einfach nicht eins zu eins übertragen, weil sie einfach in ihrem ursprünglichen Kontext an eine ganz andere Text-Tradition, an eine ganz andere Denktradition gebunden sind. Irgendwie. Vielleicht kann ich das ein bisschen weniger theoretisch machen mit einem Beispiel, so ein klassisches Beispiel, würde ich jetzt einmal sagen, für diese Unübersetzbarkeit bei Derrida, wäre etwa der Begriff Justiz, also im Französischen meint Justiz, nämlich sowohl Gerechtigkeit, also im moralisch-ethischen Sinn, als auch Justiz, im Sinn von institutionalisierter Rechtsprechung. Vielleicht so, und Derrida spielt in seinen Texten ganz bewusst mit dieser doppelten Bedeutung, gerade um darauf hinzuweisen, dass Gerechtigkeit eben nicht einfach durch Gesetze garantiert werden kann. Justiz, so wie er argumentiert, ist immer mehr als das, was rechtlich festgeschrieben ist. Sie ist quasi ein Ideal, ein Versprechen, also eigentlich etwas, was sich dem juristischen Zugriff von vornherein sowieso immer entzieht. Also eine Gerechtigkeit jenseits des Rechts, irgendwie so beschreibt er das. Und wenn wir jetzt versuchen, diesen Begriff ins Deutsche zu übertragen, dann stehen wir natürlich vor einem Dilemma, oder? Wir können sagen, ja, Gerechtigkeit, aber dann verlieren wir diesen institutionellen Aspekt, den ich gerade angesprochen habe, oder wir können sagen, Justiz. Und dann verlieren wir diesen ethisch-normativen Anspruch, den der Begriff haben soll. Und dieses Spannungsverhältnis soll es einfach heißen, dass Derrida da im Französischen aufrufen kann oder aufruft, das lässt sich sprachlich zumindest nie vollständig mittransportieren. Es verschiebt sich, oder wir können auch sagen, es kippt, vielleicht, wird neu gewichtet. Und vielleicht ein anderes Beispiel, ich weiß nicht, ja? Das erinnere ich sehr an das Beispiel, das ich vorhin mit dem Foucault Überwachung und Strafen gemacht habe. Da war das nämlich genau auch immer sowas. Also genau immer solche Wörter. Wo wir dann eben auch auf den eigentlich quasi schweizerischen französisch-Erstsprachler irgendwie zurückgegriffen haben, der das halt irgendwie dann uns auch die verschiedenen Bedeutungen erklärt hat. Aber es hat ja quasi auch nur seine bestimmte Art und Weise, die Dinge zu lesen. Genau. Genau. Also nie die ÜbersetzerInnen dahinter vergessen. Das ist vielleicht auch ein guter Punkt für heute. Ich habe eigentlich noch ein zweites Beispiel, weil ich mir gedacht habe, das passt auch ganz gut jetzt zu uns, zu den Themen im Podcast. Also nicht, dass jetzt Gerechtigkeit nicht auch gepasst hätte. Aber der Begriff Gender, oder? Der Begriff Gender selbst, der im Englischen hat ja doch über Jahrzehnte hinweg jetzt schon so eine riesige, eine diskursive Offenheit irgendwie entwickelt. Ja, die sich da, wo da verschiedene feministische, soziologische, linguistische, queere Diskurse so ineinander laufen, politische Diskurse, Das heißt, dieser Begriff mittlerweile im Englischen, würde ich sagen, verweist jetzt nicht einfach nur auf soziales Geschlecht, unter Anführungszeichen, also wie wir das häufig auf Deutsch übersetzen, also als eine Art sozialer Ordnungskategorie, sondern dieser Begriff umfasst einfach ein riesiges Spannungsfeld von Identitätspraktiken, Körperdiskursen, Zuschreibungen, normativen Zuschreibungen und auch, nehme ich vor allem, deren kritischer Dekonstruktion. Ja, und im Deutschen haben wir eben das Problem, dass es dafür, für all diese Dinge zusammen, keine äquivalente Entsprechung irgendwie gibt. Ja, Geschlecht haben wir, das umfasst im Alltag, in der Alltagssprache beides, also dieses biologische und das soziale Geschlecht, also alles natürlich unter Anführungszeichen. Ja, und der Versuch, würde ich schon sagen, also der Versuch, Gender als soziales Geschlecht zu übersetzen, der ist zwar hilfreich und war vor allem in der Vergangenheit sicherlich hilfreich, aber er zieht eben eine analytische Trennung ein, die ja genau zum Beispiel bei TheoretikerInnen wie Judith Butler problematisiert wird. Gender steht ja dort gerade nicht für eine feste Kategorie, sondern für ein Doing, für ein sprachlich und sozial hervorgebrachtes Macht durchzogenes Tun. Und diese performative Dimension, die geht einfach in der deutschen Übersetzung dann einfach sehr schnell und sehr einfach verloren. Ja, aber auf Butler wollte ich eh später noch einmal zurückkommen. Kommt nochmal. Aber in beiden Fällen jetzt, also sowohl bei der Justiz als auch bei Gender zeigt sich eigentlich schon sehr schön, dass es beim Übersetzen einfach nicht darum geht, ein Wort in ein anderes zu bringen oder zu ersetzen, ein Wort durch ein anderes zu ersetzen. Beim Übersetzen geht es um Diskurse, es geht um philosophische Hintergründe, wissenschaftliche, politische Hintergründe, Geschichten. Es geht um semantische Felder, um Machtverhältnisse. Und genau deshalb ist jetzt aber auch Unübersetzbarkeit bei Derrida eben nicht das Ende von Kommunikation oder ein Mangel oder sonst irgendwas, sondern der Ort, an dem Übersetzen erst wirklich interessant wird. Weil dort, wo Eindeutigkeit anfängt, so ein bisschen zu bröckeln, sage ich jetzt einmal, da müssen wir erst anfangen zu denken. Und denken ist doch jetzt mal in erster Linie etwas Gutes. Das könnte man meinen, ne? Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Aber, genau. Wichtig ist bei Derrida einfach dadurch, also durch diese Sichtweise, da wird Übersetzen einfach bei Derrida zu einem aktiven Prozess. Und das ist der springende Punkt. Ein aktiver Prozess der Bedeutungsproduktion und nicht der Reproduktion. Ja. Und ich denke, genau hier könnten wir jetzt zum Abschluss dieser theoretischen Einführung vielleicht doch einen Blick werfen auf ein anderes, super spannendes Konzept, ein sprachtheoretisches Konzept, das in eine ganz ähnliche Richtung hier zielt, nämlich das der Heteroglossie. Das ist ein Konzept vom russischen Literaturtheoretiker Michael Bachtin. Heteroglossie vielleicht, siehst du, jetzt muss ich übersetzen, aber ich sage vielleicht und unter Anführungszeichen, könnte man auf Deutsch sagen Vielstimmigkeit und finde ich eigentlich auch ganz passend, weil Heteroglossie meint einfach, Sprache ist nie einheitlich. Sprache ist immer vielstimmig, sie ist durchzogen von verschiedenen sozialen Stimmen, von Diskursen, von Bedeutungen, Bedeutungsresten und so weiter. Das heißt, ein Wort klingt nie nur nach sich selbst, könnten wir sagen, sondern trägt immer die Spuren früherer Verwendungen in sich und schleppt die mit von ideologischen Kontexten, von kulturellen Auseinandersetzungen. Und genau das ist eigentlich auch beim Übersetzen relevant. Diese Vielstimmigkeit muss theoretisch zumindest verhandelt werden. Diese Vielstimmigkeit muss übersetzt werden, vielleicht sogar neu inszeniert werden. Und dabei wird erst sichtbar, was Sprache alles mitschleppt und was sie dann in einem neuen Kontext, je nachdem, was sie mitgeschleppt hat und was nicht, dann auslösen kann. Oder auch nicht. Also ob das, was dann gesagt wird in der Übersetzung, anschlussfähig ist oder nicht, verfügbar ist oder nicht für die Diskurse. Also kurz vielleicht, um das nochmal zusammenzufassen, ein Wort, haben wir gesehen, hat nicht nur eine Bedeutung und vor allem nicht nur eine, einzige, sondern klingt immer auch nach anderen Bedeutungen, nach anderen SprecherInnen, nach anderen Diskursen. Wir könnten vielleicht auch sagen, ein Text, wenn wir ehrlich sind, ein Text gehört nie nur mir, nur weil ich ihn geschrieben habe. Es soll heißen, meine Worte, wenn meine Worte sowieso nie nur mir gehören, warum sollte ich dann überhaupt eigentlich vortäuschen wollen, dass meine Texte auch nur eine Bedeutung hätten, also eine Lesart. Ja, und in diesem Sinne würde ich sagen, ist Unübersetzbarkeit eben kein Scheitern, kein Mangel, sondern eine Möglichkeit, also eine Möglichkeit, um Räume zu eröffnen, in dem Bedeutung neu verhandelt. Und zwar nicht trotz, sondern gerade wegen dieser Verschiebung, die sich eben in diesem Prozess des Übersetzens selbst ergibt. Deswegen würde ich auch immer sagen, es ist bei Derrida ja eigentlich auch dann keine Unübersetzbarkeit, sondern eigentlich eine ständige Übersetzbarkeit, weil wir ja immer wieder was Neues schaffen, weil wir ja immer wieder was Neues schaffen, weil wir das tun. Genau, eben. Es ist ja nicht so, dass wirklich was nicht übersetzbar wäre. Und wenn wir das so sagen, dann ist das ja, was das quasi im Übersetzen, also während es schon funktioniert, festgestellt wurde. Ja. Ja. Ja. Perfekt. Perfekt. Also, du bringst es auf den Punkt. Ich wollte ganz kurz nochmal so ein bisschen Fangirling-Moment einbringen. Ich sitze hier so an meinem provisorischen Schreibtisch, genau neben dem Bücherregal, wo zur Hälfte Butler ist und zur anderen Hälfte Derrida. Derrida. Und das Butler, Derrida, Stuart Hall. Das ist so mein Lieblingsregal. Und bei den Derrida-Büchern ist genau die Einsprachigkeit des anderen und die beiden Bücher zur Todesstrafe drin. Also auch genau die Sachen, über die du gesprochen hast. Ich musste immer rüber glinzen. Dich angesprochen, ja. Genau. Ah ja. Stimmt. Also, wenn ich das geschafft habe, wenn ich mein Buch geklebt habe, dann kommt eine Folge zu Stuart Hall. Sehr gut. Ja. Genau. Jetzt wollen wir uns erst noch ein bisschen mit so wirklich konkreten Möglichkeiten des Übersetzens, vielleicht auch konkret in der Wissenschaft beschäftigen. Ui. Weil wenn wir jetzt, genauso wie du gesagt hast, deswegen finde ich das ja so super, wie du das jetzt übergeleitet hast eigentlich schon, ja. Also wenn wir übersetzen, ja, wenn wir übersetzen als so diesen aktiven, machtvollen Prozess begreifen, also als Prozess, der Bedeutung jetzt nicht einfach überträgt, sondern mitgestaltet sozusagen, dann wird ja auch klar, dass besonders im wissenschaftlichen Kontext das Übersetzen jetzt nicht nur eine rein technische Aufgabe ist, die gemacht werden muss, unter Anführungszeichen, sondern eben auch wirklich eine ethisch und politisch hoch aufgeladene Praxis eigentlich. Weil in der Wissenschaft geht es um viele Dinge und in erster Linie sollte man meinen eigentlich um die Wissensproduktion, aber es geht natürlich auch sehr stark immer um Zugänge zu wissen, es geht um Repräsentation, also sowohl der Objekte als auch der WissenschaftlerInnen und es geht um Deutungshoheit. Und Sprache und auch das Übersetzen sind da natürlich ganz zentral. Ich greife jetzt nur ganz, ganz kurz nochmal ein Beispiel auf, das du eigentlich schon in der letzten Folge verwendet hast. Und da hast du von Edward Said gesprochen, der ja in diesem Mechanismus für den sogenannten Orientalismus schon einmal eindeutig, also eindrucksvoll, wollte ich sagen, beschrieben hat. Also wie durch das Übersetzen, hast du gesagt, und durch die Repräsentation ein ganz bestimmtes Bild des Orients, unter Anführungszeichen, geschaffen worden ist, jetzt nicht um den Orient zu verstehen, sondern eigentlich um ihn zu verwalten, um ihn zu kontrollieren. Und auch hier war eben Sprache das Vehikel quasi kolonialer Macht und die Übersetzung hat dabei eben eine Schlüsselrolle gespielt, als Filter, als Korrektiv, als symbolischen Zugriff auch. Und genau deshalb ist es auch so wichtig, dass wir einfach neue Perspektiven auf das Übersetzen entwickeln, meiner Meinung nach. Also Perspektiven, die das Übersetzen jetzt nicht als Wusch-Einbahnstraße verstehen, sondern vielmehr als Bindeglied. Als Praxis, wie bei Derrida, die bestehende Machtverhältnisse sichtbar machen und vielleicht sogar verschieben kann. Vor allem, wenn es nämlich um politische Inhalte geht, um feministische Inhalte, dann hängt sehr, sehr viel Verantwortung an dem Übersetzen, an den ÜbersetzerInnen. Ja, weil auch hier stellt sich, wie immer, die Frage, wer übersetzt denn? Für wen wird übersetzt und mit welcher Absicht? Und ich glaube, da schließt ganz gut etwas an, was du eigentlich schon letztes Mal sagen wolltest, Jessica, bevor wir uns maßlos verplappert haben. Und ich habe das Gefühl, daran bin zu 95 Prozent ich schuld. Nein, meine letzte Folge haben wir wirklich noch nicht ganz weit ausgeholt. Ja, das ist wieder ein Beispiel dafür, dass wir uns nicht an unsere Outlines gucken. Oder sie unterschätzen unsere Outlines. Unterschätzen. Oder unterschätzen, genau. Ich glaube, ich unterschätze. Wir unterschätzen uns selbst. Oh Gott. Nein, ich wollte einfach dir, also erstens mal die Möglichkeit geben, das jetzt nachzuholen, aber ich finde einfach wirklich auch, dass das jetzt super eigentlich in diese Folge passt und an diesen Punkt eigentlich passt. Ja, genau. Das heißt, vielleicht magst du kurz erklären, warum die feministische Übersetzungswissenschaft, das war ja der Punkt, den wir dann letztes Mal ausgelassen haben, warum die gerade Mehrsprachigkeit, das Übersetzen jetzt nicht als Hindernis begreift, sondern eher als Chance für die Wissenschaft sieht. Ja, genau. Also ich wollte nämlich über zwei verschiedene Sachen sprechen und in der ersten Sache über zwei verschiedene Leute. Genau. Also ich bin nämlich dem Ganzen, also da hast du ja ganz am Anfang auch die Frage gestellt, okay, wann war mein erster Zugang zu übersetzen, als übersetzen. Und auf jeden Fall nicht mein erster hier, aber ein sehr präsenter gewesen ist, als ich mich sowohl selbst in meiner Forschung als auch mit anderen Menschen darüber unterhalten habe, wie wird denn Feminismus in verschiedenen Kontexten übersetzt. Also ich mache ja viel zu Feminismusgeschichte. Ich habe in der zweiten Folge auch über diese Gender- und Sexsachen gesprochen und allgemein in meiner Forschung geht es ganz viel über erste und zweite Wille Feminismus. Und das ist ja so, also nicht nur das Wort, das in verschiedene Kontexte übersetzt wird, sondern eben auch einfach eine ganze soziale Bewegung wird in verschiedene Kontexte eingesetzt. Und das ist ja auch eine Form des Übersetzens, sowohl auf einer sprachlichen als auch auf die nicht sprachlichen Art. Und da gibt es dann nämlich eine Person, die witzigerweise die Doktorbetreuerin einer sehr guten Freundin aus Schottland war, mit der ich zusammen studiert habe, die macht selbst, die macht zweite Wille Feminismus in Italien meistens, aber beschäftigt sich ganz viel mit diesen Fragen zu, wie wird überhaupt Feminismus übersetzt? Also jetzt in so einem sehr großen Sinne und hat auch ein Buch geschrieben, das heißt Translating Feminism. Und deswegen habe ich mit ihr und mit Olga Castro, die auch ein Buch geschrieben hat zu feministischer Übersetzungspraktik. Die Olga kommt, soweit ich jetzt richtig im Kopf habe, aus Nordspanien. Also selbst quasi dreisprachig, weil sie halt, wie heißt es nochmal die Hauptspanischsprache? Da ist ja eigentlich nicht Spanisch, vielleicht habe ich es vergessen. Kastilianisch? Ja, genau. Oder Katalonisch. Genau, richtig. Genau, man vergisst das ja nämlich immer. Also Kastilianisch ist das, was wir als Spanisch raushören würden, wenn wir nicht ganz, genau. Katalonisch ist das eher Richtung Französisch. Genau, und sie spricht halt beides, genau. Und hat jetzt quasi auch immer so wieder diese Frage, okay, was heißt das jetzt für so Sachen wie, in welcher Sprache publiziere ich, publiziere ich zuerst oder schreibe ich erst in einer Sprache, übersetze ich das dann in eine andere Sprache. Was passiert dann? Gibt es Möglichkeiten, eben Artikel doppelt zu schreiben, quasi auch im selben Medium? Es gibt auch mittlerweile Journals und Zeitschriften, die das ermöglichen. Was mittlerweile auch gern gesehen ist, ist so ein längerer Abstract am Anfang, in verschiedenen Sprachen. Und das ist natürlich in Europa, also das Spannende ist, wenn man darüber spricht, haben die Leute meistens so ein, keine Ahnung, halt außereuropäische Sprachen so im Kopf. Aber dass das Problem ja auch in Europa auftritt, wird das, glaube ich, den meisten gar nicht so bewusst. Genau, und das, weshalb ich über die beiden Menschen auch gerade gesprochen habe, ist, weil ich mit denen schon mal einen Podcast aufgenommen habe über mein EntGender-Projekt. Also wer sich ein Gespräch mit diesen beiden Menschen anhören will, jetzt mache ich mal kurz eine Cross-Werbung. Sehr gut. Ja, der Podcast heißt EntGender Conversations und das ist in der allerersten Staffel noch, Also das war 2021, als wir das aufgenommen haben. Oder Anfang 2022. Und genau, da sprechen wir genau über diese Fragen, was heißt das in der Wissenschaft irgendwie zu übersetzen und was heißt feministisches Übersetzen. Und die Person, auf die sich da immer bezogen wird, ist Gayatri Svibak. Ich weiß nicht, ob die Svibak was sagt. Genau, die kennt man ja meistens eher von dieser Theorie der Subalternen. Also die indische Frau, also Balterne im kolonialen Diskurs, also die Person, die man nicht mal hören kann, selbst wenn sie etwas sagt. Aber Svibak hat auch einen Text zu feministischer Übersetzungspraktik geschrieben. Und der wird immer recht häufig in dem Bereich irgendwie, genau, also aufgenommen und zitiert und sich darauf bezogen. Und zwar eben auch nicht deshalb, weil Svibak ist ja auch so eine Deriderianerin, also sie hat ja auch Derider übersetzt, ja. Und es ist super stark, wo wir wieder bei Übersetzen sind, ist dadurch durch dieses Übersetzen halt auch von ihm geprägt, klar. Würde deshalb auch nicht sagen, es gibt eine Bedeutung, würde aber genau deswegen sagen, deswegen ist halt die Verantwortung der Übersetzerin so viel wichtiger. Also gerade wenn man weiß, dass dieser Akt des Übersetzens immer auch ein politischer Akt ist, weil er immer eine Bedeutung schafft in dem Moment, dann ist die Verantwortung noch viel größer. Ja. Ja. Genau. Genau, super wichtig. Du hast eigentlich dann auch gesagt, also die Verantwortung der ÜbersetzerInnen ist besonders wichtig. Genau. Also wir dürfen die Rolle der ÜbersetzerInnen einfach nicht unterschätzen. Ich glaube, das passiert uns ja generell, also das ist ein generelles Problem, gar nicht so eins, wo wir jetzt eigentlich drüber sprechen, dass eben auch immer so eine politische Verantwortung dahinter steckt, oder? Hinter dem Übersetzen, aber ich glaube auch ganz allgemein, ja, in der Bevölkerung, also Übersetzungen werden gar nicht wahrgenommen als eigenständige literarische Werke. Ich glaube dann, also die Übersetzungen, man hat dann einfach das Gefühl, ja, okay, es wurde dann halt von einer Sprache in die andere übersetzt, klingt halt jetzt ein bisschen komisch, okay, fine, passt. Ja, aber dass das eigentlich eine ziemlich, eine, also ich will jetzt nicht sagen anstrengende, aber eine verantwortungsvolle und eine eigenständige Leistung ist, einen Text zu übersetzen, das ist glaube ich noch nicht, das ist noch nicht so angekommen im Alltagsdiskurs. Genau, und da wird es irgendwie auch nochmal spannend, vielleicht haben wir ja letztes Mal auch ganz kurz über KI gesprochen, das ist mir gerade wieder eingefallen, weil jetzt so getan wird, als ob man mit KI halt einfach alles übersetzen kann, und als ob das einfach so eindeutig wäre, und also man vergisst auch, wie viel Arbeit eben an so, also es gibt ja die ganzen Debatten in Übersetzungskreisen, gerade wenn Bücher übersetzt werden, sei es Romane, aber halt auch wissenschaftliche Werke, so wo wird die übersetzende Person genannt? Wird auf dem Cover, erst auf der zweiten, dritten Seite, ist es Mitautorin, ja, und was passiert jetzt eben, wenn wir denken, dass eine künstliche Intelligenz das halt auch macht, und wir dann eben nicht mehr nachverfolgen können, welche Entscheidungsprozesse liegen dahinter, weil auch, also es ist ja nicht so, dass eine KI einfach so tut, als wäre das unpolitisch, denn die trifft ja auch Entscheidungen, das ist ja auch eine Intelligenz, auch wenn sie künstlich ist, aber man kann sie eben nicht mehr so gut nachvollziehen. Nein. Ja. Ja. Ja, aber ich glaube, dass, also der eine Punkt mit, der Macht der Übersetzerin quasi, ja, ein bisschen, ist ein super wichtiger jetzt da, den ich raushöre, und der zweite Punkt ist sicherlich auch, ja, dass gerade dann, ja, also vor allem, wenn es um Feminismus geht, feministisches Schreiben, gerade dann, wenn es unbequem wird, ja, wenn es um queere Körper geht, wenn es um, auch wenn es um rassifizierte Erfahrungen geht, ja, also aus der postkolonialen Kritik, ja, oder wenn es um radikale Kritik an staatlichen Strukturen geht, ja, gerade dann wird beim Übersetzen sehr häufig geglättet, gestrichen, zurechtgestutzt, ja, aber eigentlich ist ja genau das etwas, was dem eigentlichen Anliegen dieser kritischen Theorien oder feministischer Theorie jetzt im Speziellen, ja, widerspricht. Vollkommen richtig. Und ich glaube, das ist, und das ist jetzt, glaube ich, auch ein, der spannende Punkt, ja, an dem wir angelangt sind in dieser Folge, ja, und das wird auch für heute so ein bisschen mein Fazit sein, gleichzeitig, mein etwas Längeres, ja, also die, die Arbeit, die du da mit Olga angesprochen hast und auch diese, also diese feministische Übersetzungstheorie, die macht noch einmal deutlich, dass beim Übersetzen es nicht nur darum geht, was gesagt wird, sondern wer spricht, für wen und unter welchen Bedingungen. Und das ist immer dieselbe Leier, das ist immer derselbe Satz, aber das ist einfach super wichtig, immer, ja, deswegen wiederhole ich das gern oft. Und, was das auch zeigt, ist, das Übersetzen immer auch als, haben wir am Anfang schon einmal erwähnt, immer so als epistemischer Filter auch funktioniert, das heißt, beim Übersetzen wird nicht nur Sprache transformiert unter Anfangszeichen so noch Wissen. Ja, und was heißt das, ja? Ja, nee, sag deinen Satz zu Ende. Wolltest du was sagen? Nein, ich habe jetzt, glaube ich, was Längeres. Genau, ich wollte mich auch sagen, bevor du in dein Fazit kommst, ich glaube, ich habe mir die ganze Zeit überlegt, erzähle ich diese eine Geschichte noch oder nicht, passt die noch rein, aber irgendwie habe ich das Gefühl, weil wir, also wir reden ja viel über Gender, was auch immer, und da ist jetzt aber auch das Beispiel mit den politischen Kategorien und so, ja, also sei es gegen staatliche Gewalt, etc., und bevor du nochmal ein sehr tolles Beispiel, glaube ich, sagen wirst, habe ich quasi auch nochmal eine persönliche Geschichte, die ich auch letztes Mal erzählen wollte, die mich halt, also wirklich dieser, vielleicht auch nochmal diesen, diesen mehrsprachigen Raum so ein bisschen eröffnet und diese Ungleichheiten, auch Englisch als Wissenschaftssprache, das macht vielleicht so ein bisschen den Bogen und ich will diese Geschichte einfach loswerden, es tut mir leid, davon wird die Folge fünf Minuten länger. Bitte erzähle. Genau, also ich war vor zwei Jahren in Sri Lanka auf einer Summer School, die war organisiert von einer, also von drei Menschen, eine auf Sri Lanka, eine, die in England stationiert war, aber aus Indien war und einer deutschen Person, die schon länger in Sri Lanka lebt und ich war bis auf die eine deutsche Person, war ich die einzige weiße Person im ganzen Raum und ich durfte, ich weiß gar nicht, warum ich da überhaupt mitmachen durfte, ich glaube nur deswegen, weil ich, ach so eine andere, so Hype-Organisatorin, die ich, eine Forscherin aus Sri Lanka, die habe ich auf einer Konferenz kennengelernt und sie hatte mir davon erzählt und dann habe ich quasi direkt so über diesen Kontakt bin ich so ein bisschen reingekommen, weil man musste natürlich auch erklären, warum man da ist und so weiter und das ist natürlich immer schwierig, wenn es dann so ein sehr, also ein sehr politischer Raum ist, da dann irgendwie auch so ein bisschen das Gefühl haben, so einzudringen, also das Gefühl hatte ich so ein bisschen natürlich während der ganzen sieben Tage, so wer bin ich in diesem Raum und das Spannende war aber auch, also die Summer School war dezidiert für Leute jeglichen Hintergrunds, die meisten Leute haben mindestens seit ich einen Bachelorabschluss gemacht, aber viele Leute waren eben auch, ich bin in NGOs aktiv, manche Leute waren noch an der Uni, manche Leute haben also gar nicht so viel so Kontakt dazu gehabt und es ging darum, halt verschiedene Theorien auch zu lesen, und die Texte waren natürlich alle auf Englisch und Sri Lanka ist ja ein dreisprachiges Land mindestens, also drei Hauptsprachen, die auch in diesem Raum jetzt vertreten waren, also Englisch, Singalesisch und Tamil und wir hatten auch wirklich alle drei Sprachen vertreten. Es gab Menschen, die nur eine Sprache sehr gut konnten, bis hin zu alle drei Sprachen fließen konnten und irgendwelche Mischungen davon. Spannende war natürlich erstmal, aber was ich eben so spannend fand, es war der einzige Ort, den ich jemals erlebt habe, wo konsequent übersetzt wurde, wo immer gesagt, es gab Möglichkeiten zu sagen, also es gab so Kärtchen, die konnte man hochhalten, sowas wie das, das geht mir jetzt zu schnell oder das muss übersetzt werden und dann halt immer, es gab immer zwei, drei Personen, die für eine Sprache so ein bisschen zuständig waren, die dann das auch übersetzt haben. Das ist wohl das eine, dieses Verantwortungsbewusstsein, dass man auch darauf achtet, dass man wirklich, dass das konsequent gemacht wird und nicht nach einer Stunde einfach doch wieder alle nur Englisch sprechen, was ja sonst immer passiert. Und gleichzeitig aber auch, was mir aufgefallen ist, dass halt wirklich in jedem Übersetzungsakt eine neue Bedeutung rausgekommen ist, dass wir immer ganz woanders gelandet sind und also gab es einen Begriff für, genau, die ganze Summer School es ging um Freiheit, also Freedom und dann haben wir halt auch überlegt, okay, was heißt das in anderen Sprachen, weil das Wort Freiheit an sich gibt es so nicht, weder im Tamil noch in Hala und teilweise war es aber so, dass die Übersetzungen dann wiederum mit politischen Parteien irgendwie assoziiert wurden oder politischen Bewegungen und dann halt auch eine bestimmte Konnotation hatten, die natürlich vielleicht die andere Seite, weil da ja auch ein Bürgerkrieg dahinter war, als super negativ empfand, während die andere es dann sehr positiv empfand und das eigentlich bei einem Wort, wo man sich denkt, okay, Freiheit, das ist ja eigentlich ziemlich eindeutig. Genau, also das war wirklich eine sehr, sehr spannende Erfahrung. Wie ist das immer so gut? Ja, das glaube ich, ich denke, das könnte auch so, das ist ein schönes, das ist eigentlich auch ein gutes Beispiel gewesen für, wie Mehrsprachigkeit eigentlich auch Räume eröffnen kann und produktiv sein kann und dass dieses ständige Übersetzung unter Anfangszeichen eben nicht etwas Lästiges ist, was man quasi zusätzlich machen muss, sondern dass das wirklich integraler Bestandteil einfach der Diskussion sein kann. Genau, also anstelle, dass halt man die Verantwortung des Übersetzens der einzelnen Personen gibt, die ansonsten nicht mitkommen oder nicht versteht, um was es geht, wird das halt so ein kollektives, also eine kollektive Verantwortung dafür zu sorgen, okay, das ist jetzt ein Raum der Übersetzung und das ist auch was Positives und Fruchtbares. Genau, diese Begriffe, wo wir das Gefühl haben und das ist es ja meistens, wir haben oft nur ein Gefühl unter Anführungszeichen, wir wissen genau, was damit gemeint ist und weiter geht's, aber eigentlich genau diese Begriffe sind so, so, so, so wahnsinnig schwierig zu definieren, weil sie eben zu viele oder zu wenige Bedeutungen haben. Wir reden mal anders über Leila Klau. Nein, nein, genau, ich wollte gerade sagen, ich darf jetzt nicht den Namen erwähnen, weil sonst hast du wieder Ferngehren im Moment. Ich habe letztes Mal schon kurz über Leila Klau gesprochen. Das ist meine Folge, die nehme ich jetzt schon, die kommt jetzt schon in die Planung. Die ist schon reserviert. Die ist reserviert. Genau, alltagssprachlicher Begriff ist. Ich meine, was ist wirklich alltagssprachlich, da könnten wir uns auch streiten, aber gerade diese Begriffe, die häufig in der politischen Debatte auch vorkommen, im politischen Diskurs auch oft verhandelt werden, sind halt sehr, sehr schwer zu verstehen schon erst mal und dann auch zu übersetzen, wie du gesagt hast, noch mal noch mal schwieriger und da kommt wieder das ins Spiel, was ich vorher eben schon ein bisschen so angeschnitten habe, also dieser epistemische Filter, dass wir beim Übersetzen einfach nicht nur adäquate Wörter in einer anderen Sprache finden müssen, sondern immer auch Wissen transformieren müssen. Das heißt, epistemischer Filter, was meine ich damit? Das heißt, Übersetzungen und ÜbersetzerInnen entscheiden immer auch mit darüber, welche Begriffe und welche Denkweisen überhaupt Eingang eigentlich in andere Diskurse finden und welche nicht. Manche Konzepte erscheinen dann vielleicht zu fremd oder zu radikal oder einfach unübersetzbar und werden dann abgeschwächt, umgedeutet oder vielleicht ganz weggelassen einfach und so wirken dann einfach Übersetzungen eben wie Filter, die bestimmte Perspektiven durchlassen und andere ausblenden und oft eben auch systematisch ausblenden. Wir haben das vorhin gesehen am französischen Begriff Justice, haben wir das schon einmal ausprobiert, was das bedeutet, das Übersetzen am englischen Begriff Gender, haben wir das auch gesehen. Übersetzen bedeutet einfach immer entscheiden und woran das auch ganz schön sichtbar wird, diese epistemische Filterfunktion in der Übersetzung ist zum Beispiel die Rezeption von Judith Butler im deutschsprachigen Raum. Die ganze Geschichte ist natürlich sehr viel größer als ich sie jetzt heute zusammenfassen werde, nein eigentlich werde ich sie gar nicht zusammenfassen, ich werde mich hauptsächlich eben auf die Übersetzung konzentrieren. Als nämlich das Buch, das erste Buch von Butler Gender Trouble 1990 auf Englisch erschienen ist, da war das eigentlich ein radikal theoretisches engagiertes Werk, das jetzt sowohl sprachlich als auch inhaltlich ganz bewusst mit den Normen gebrochen hat. Aber als dann die deutsche Übersetzung ein Jahr später rausgekommen ist, unter dem Titel Das Unbehagen der Geschlechter, da hat sich dann der Ton des Originals unter Anführungszeichen ganz subtil, aber wirkungsvoll verändert. Woran liegt das? Das liegt zum einen, also es liegt an zwei Dingen hauptsächlich ganz kurz, dieses engagierte, dieses subversive und irritierende haben wir heute schon gehabt das Wort, dieses irritierende Moment des originalen Gender Trouble, das ist durch, ja, auch durch den Begriff Unbehagen, der so stark an Sigmund Freud erinnert, dadurch ist einfach dieser Titel ganz stark individualisiert worden, psychologisiert worden, wirklich, so wie ich gesagt habe, Richtung psychoanalytische Lesart gegangen. Ganz kurz, der Titel bei Freud heißt das Unbehagen der Kultur, nur damit der Verwalt. Ja, das Unbehagen mit der Kultur, oder mit der Kultur, genau, ich weiß auch nicht, genau, also wer da nachlesen möchte, ein Text auch ganz früh 1930er, 19, oder was. Ja, genau, aber auf jeden Fall, ja. Ja, die Ausgabe, genau. Und es ist natürlich drin, die Psychoanalyse in dem Buch. Natürlich, sie behandelt auch diese Konzepte, genau, aber der Tonfall und das, also das, was, was, was, was, was, was they quasi erreichen wollen, ist quasi ein, ein, ein, ein kollektives Trouble, genau, und kein, kein individualisiert, es liegt quasi an mir, ich muss was fixen. Ach so. Das, in mir. Eine politisierte Lesart auch der Psychoanalyse, die da rausgenommen wird. Richtig, genau, und das wird dann auch direkt im Text, ja, das ist ja der zweite Punkt, den ich heute vielleicht rausstreichen möchte, das wird dann auch im Text selber sichtbar, ja, dass das Englische da einfach zum Teil sehr stark eingedeutscht, unter Anführungszeichen, wird, die werden vereinfacht in der Übersetzung, diese performativen Impulse, die dekonstruktiven Impulse, die werden abgeschwächt und an einigen Stellen, so wie du jetzt auch schon gesagt hast, ja, einfach entpolitisiert. Und das ist dann der Effekt, den das hat, ich bin nicht die Einzige und schon gar nicht die Erste, die das sagt, also KritikerInnen weniger, weniger, weniger irritierend und das hat natürlich Folgen gehabt, ja, auf der einen Seite haben wir Butler's Buch jetzt im englischsprachigen Raum, wo es wirklich zu einem queer-theoretischen Grundlagentext geworden ist und auf der anderen Seite haben wir halt im deutschsprachigen Diskurs oft dieses Label, dass Butler zu unverständlich wäre, zu überkompliziert, quasi unverwertbar, ja, unverfügbar, unverfügbar für den damaligen feministischen Diskurs in unseren Breiten, sage ich jetzt einmal. Also wir sehen hier ganz deutlich, die Übersetzung hat jetzt nicht nur Bedeutung übertragen, sondern Bedeutung geformt und damit einfach mitentschieden, wie Butler in akademischen und öffentlichen Diskursen bei uns aufgenommen worden ist. Und damit können wir das, ja, also ich würde jetzt dann auch schon so zu dem Fazit kommen, zum Schluss, möchtest du noch was sagen? Genau, vielleicht noch kurz zu Butler, das Spannende ist ja der Unterschied dann zwischen dem ersten und dem zweiten Buch. Ja. Genau, also weil das erste Buch im Englischen ja wirklich ganz radikal anders geschrieben ist als das zweite Buch, also Body's That Matter und auch deswegen, weil Butler halt ja damit auch mit Body's That Matter wie der Name ja, ich finde sowieso die Titelfrage beim zweiten Buch noch spannender als beim ersten, aber können wir mal anders drüber sprechen, halt wirklich auch diese Stabilität von Macht darstellen wollte und dann auch deswegen auch anders geschrieben hat. Und im Deutschen klingen beide Bücher einfach genau gleich. Gleich, ja. Das Übersetzen. Und ich glaube, das ist auch das, was ich so ein bisschen zum Schluss jetzt sagen wollte. Also wenn wir das jetzt noch einmal so ein bisschen zusammenfassen zum Abschluss, dann wirkt Übersetzen aktiv mit an der Sichtbarkeit und der Unsichtbarkeit von Wissen. Und genau deshalb ist es so wichtig, wer übersetzt und mit welchem Blick auf die Welt. Und wenn wir das ernst nehmen, dann verändert sich einfach unser ganzes Verständnis davon, was Übersetzen eigentlich ist. Ja, wenn wir sagen, dass Übersetzen nicht einfach nur ein neutrales Übertragen von Text ist, Übersetzung, dann ist Übersetzen jetzt nicht mehr die möglichst getreue Übertragung von einer Sprache in die andere, dann ist Übersetzen ein performativer Akt, um mit Butler zu sprechen. Das heißt, es ist eine Handlung, die etwas tut. Eine Bedeutung, die die Bedeutung jetzt einfach nicht weitergibt, sondern produziert. Und das ist, finde ich, Fokus weg vom Original und weg eigentlich auch vom Ziel, weg von der Illusion einer stabilen Bedeutung und hin zum Übersetzen selbst als einem Ort der Aushandlung von Bedeutung und vielleicht auch Macht. Das bedeutet, aber auch, es gibt, das haben wir heute auch gehört, es gibt nicht die eine richtige Übersetzung, sondern immer nur Entscheidungen. Und Entscheidungen sind kontextabhängig, sind politisch und manchmal eben auch widersprüchlich. Und Übersetzen wird dann einfach zu einem Raum des Dazwischen. Also genauso wie das auch ein bisschen Kinski am Anfang der Folge schon beschrieben hat bei ihr im Buch. Und vielleicht ist genau das auch die Chance, die wir jetzt am Ende dieser Folge im Kopf behalten wollen. Wenn wir Übersetzen nicht mehr als Verlust begreifen, sondern als Bewegung, dann öffnen sich einfach neue Möglichkeitsräume für uns, sowohl im Text selber als auch in der wissenschaftlichen Praxis. Räume für andere Stimmen, Räume für andere Geschichten, für andere Denkweisen. Und das nicht trotz der Mehrsprachigkeit, ist mein Senf zum Thema. Gibt es noch etwas, was du hinzufügen möchtest? Etwas, was du noch da lassen möchtest? Oder möchtest du uns vielleicht sagen, wie wir in der nächsten Folge daran anschließen können? Das kann ich gerne machen. Genau. Ja, wir dachten uns, dass es vielleicht gut wäre, das ganze Theorie Theoretische jetzt nochmal so ein bisschen praktischer zu machen. Und dann ist mir eingefallen, dass es ja dieses wunderbare Wort gibt, das bei Butler auch die ganze Zeit auftaucht. Und zwar das Wort Queer. Und deswegen schaue ich mir in der nächsten Folge ein bisschen an, ja, was Queer so, ja, also eigentlich irgendwie alles, so ein bisschen die Geschichte des Wortes des Wortes Queer, aber vor allem halt auch in seiner Übersetzung und Übersetzbarkeit so über eurozentrische Kontexte hinweg. Da gibt es nämlich einige sehr gute TheoretikerInnen und ganz viele verschiedene Menschen, die einfach zu, aus sehr vielen Orten der Welt verschiedenstes dazu gesagt haben, zu diesem Wörtchen Queer und zu ihren eigenen und zu fremden Kontexten. Deswegen, das wird bestimmt spannend. Und ich darf wieder ein bisschen über Wattler sprechen. Juhu! Warum auch nicht. Ich werde dann ein, zwei Mal noch Wittgenstein einstreuen in den Text und dann passt schon. Foucault fällt irgendwie ein bisschen raus, habe ich das Gefühl. Der geht jetzt momentan ein bisschen unter. Ich überlege mir was. Aber vielleicht kriege ich ihn bei Queer ein bisschen rein. Wir machen das schon. Ja, super. Ich freue mich drauf. Das ist ein guter Anschluss, finde ich, weil so wie du sagst, ein bisschen von der Theorie in die Praxis zu kommen, glaube ich, schadet uns nicht an diesem Punkt. Genau. Und da ich jetzt wieder nicht weiß, was ich sagen soll zum Abschluss, machst du jetzt die Abmoderation. Ich habe sogar noch etwas Kleines hinzuzufügen, damit ich das auch selber nicht vergesse. Oder wir. Genau. Also, ihr könnt uns folgen, sowohl auf diesem Podcast als auch auf Instagram in unseren diversen Profilen, die wir natürlich in den Shownotes verlinken. Ihr könnt den Podcast bewerten und kommentieren und teilen, dass wir noch umso besser wären. Und apropos Übersetzung beschäftigen und so ein bisschen Derrida und auch Mibaba einfach ein bisschen andere Kontexte, die jetzt was mit kultureller Übersetzung mehr zu tun haben als mit sprachlicher Übersetzung. Dann kann man da so ein bisschen nachlesen. Dann hat man quasi eine direkte Literaturliste für alles, was wir heute besprochen haben. Super. Super, genau. Also, unsere Shownotes werden diesmal etwas länger als sonst. Ich glaube, jetzt, wenn wir mehr so in Details kommen, ist es eh wahrscheinlich etwas länger. Aber es war am Anfang so, wir können ja nicht 100 Jahre Literaturgeschichte in den Shownotes machen. Genau. Genau. Aber ist ja super, genau. Weil ich glaube, wir haben zwar immer ein dichtes Programm, ein dichtes theoretisches Programm, aber oft fehlt dann die Tiefe aus Zeitgründen meistens. Und dann ist das ja super, wenn man da einfach bei dir weiterlesen und sich mehr informieren kann. Okay, perfekt. Jessica, vielen Dank für heute. Hat mir wieder Spaß gemacht, so wie immer. Mir auch. Und ich sage bis zum nächsten Mal. Genau, bis zum nächsten Mal. Ciao. Baba.